Philosophie Wörterbuch

Material

Causa materialis

Causa materialis (auch: materiale Ursache, Stoffursache) gehört zu den inneren Ursachen. Sie liegt – so Aristoteles – im Stoff (griech. hyle), "woraus etwas entsteht, und was in diesem Etwas ist, z. B. ist die Bronze die Ursache der Statue".

Die Unterscheidung zwischen causa materialis und causa formalis ist eine relative. So ist z. B. die Bronze selbst aus einem Stoff und einer besonderen Bronzeform zusammengesetzt, ebenso wie die Bronzestatue als Materie dienen kann, z. B. bei der Herstellung von Schmuck.

Materie

Materie

Für die griechischen Philosophen des 6. Jahrhunderts v. u. Z. ist das Bestreben charakteristisch, die Mannigfaltigkeit der Welt auf ein einziges materielles Grundelement zurückzuführen. Bei Thales ist es das Wasser, bei Anaximenes die Luft und bei Heraklit das Feuer.

In der von Leukipp und Demokrit begründeten und von Epikur und Lukrez weiterentwickelten atomistischen Lehre werden als Grundelemente kleinste unteilbare Teilchen angenommen – die Atome -, die sich nach Form, Anordnung und Lage voneinander unterscheiden, in unendlicher Zahl gedacht werden und durch die verschiedene Kombination eine unendliche Vielfalt von Dingen und Welten bilden.

Anaximandros geht von einem nach Quantität und Qualität unbestimmten und unbegrenztem materiellen Element, dem Apeiron, aus.

Das Wort Materie (griech. hyle, engl. matter, franz. matière, lat. materia) verwendet Platon nicht in philosophischer Bedeutung.

Nach Aristoteles ist Materie das Substrat aus dem alle Dinge entstehen und bestehen. Die Materie besitzt keine Eigenschaften. Sie wird als potentielle Möglichkeit gedacht. Sie wird erst durch ihre Verbindung mit der Form zur Wirklichkeit.

Die Trennung zwischen Form und Materie ist nicht absolut, weil jeder Stoff seinerseits eine Form besitzt.

Materie bildet eine der vier aristotelischen Ursachen, die causa materialis. Die Materie ist ihrem Wesen nach träge und passiv. Sie erhält ihre konkreten Bestimmungen erst durch die Form, das tätige Prinzip, den ersten Beweger.

Straton ebenete die Unterscheidung des Aristoteles von Stoff und Form weitgehend ein und versucht die wirkende Kraft der Form in die Materie zu legen.

Dieser Gedanke hatte auf die Entwicklung der arabischen Philosophie (einschließlich auf Ibn Sina) einen großen Einfluß.

Bei Epikur findet sich die Idee der Selbstbewegung der Materie.

Für die Stoiker bilden die Einzeldinge nur Teile (Momente) des Kosmos. Der Kosmos allein existiert selbständig. Materie wird so zu einem kosmologischen Prinzip, das für die Welt als Ganzheit gilt.

Ebenfalls eine kosmologische Bedeutung erhält die Materie bei Plotin. Materie gilt hier als die letzte und schwächste Emanation (Ausströmung) aus dem Einen. Materie ist nach Plotin unkörperlich, weil sie nicht einmal die Struktur der wahrnehmbaren körperlichen Dinge besitzt. Da sie ohne Bestimmung ist, ist sie die Abwesenheit des Guten, das reine Böse und Häßliche.

Neben dieser Materie, die unterhalb der wahrnehmbaren Dinge steht, kennt Plotin auch eine intelligible Materie. Sie befindet sich oberhalb der wahrnehmbaren Dinge.

Die Welt ist nach Ibn Rushd ewig und unerschaffen, da Gott mit ihr gleichaltrig ist und ihr nicht vorausgeht. Auch die Bewegung, deren Substrat die Materie ist, existiert von Ewigkeit her. Die Materie ist die allgemeine Möglichkeit des Seins.

Nach Duns Scotus existieren nur einzelne Dinge. Sie bestehen aus Form und Materie. Materiell sind sogar die Seele und die Engel, nur Gott ist als absolute Freiheit reine Form.

Nach Margaret Cavendish gibt es im Universum nur unvergängliche Materie und leeren Raum. Die Materie besteht aus kleinsten, unteilbaren Einheiten, den Atomen, die sich in diesem Raum bewegen und durch Kontakt zueinander die Gegenstände unserer sinnlich wahrnehmbaren Welt bilden.

Bruno sieht in der Materie die einheitliche Substanz der Wirklichkeit. Er betont, dass sie von ihren konkreten Arten, mit denen etwa der Mechaniker oder Arzt zu tun hat (z. B. Quecksilber, Salz und Schwefel) zu unterscheiden ist.

Nach Bacon bilden Materie, Form und Bewegung eine Einheit. Die Materie ist tätig. Ihre wichtigste Eigenschaft ist die Bewegung. Die Materie besitzt nach ihm eine Vielzahl konkreter Eigenschaften, die er als quantitativ und qualitativ unveränderlich auffaßt.

Descartes entwickelt innerhalb seiner Philosophie ein dualistisches Prinzip, dem zufolge der Welt sowohl eine materielle als auch eine geistige Substanz zugrunde liegen. Als Attribut der Materie sieht er die Ausdehnung an. Die ausgedehnte Materie sei unendlich teilbar. Die Bewegung ist eine mechanische Ortsveränderung, die durch Druck und Stoß zustande kommt. Der unendlichen Ausdehnung der Materie steht bei Descartes ihre zeitliche Endlichkeit gegenüber. Die Materie existiert nicht ewig. Sie ist von Gott geschaffen.

Hobbes kennt nur eine einheitliche materielle Substanz, die die Quelle aller unserer Gedanken und Vorstellungen ist und unabhängig von ihr existiert. Hobbes identifiziert die Materie mit dem Körper, zu dessen Attributen die Ausdehnung, aber nicht die Bewegung gehört.

Gassendi vertritt wie Hobbes das Prinzip der Unerschaffbarkeit und Unzerstörbarkeit der Materie. Er leitet aus diesem Prinzip die Unmöglichkeit einer ins Unendliiche gehenden Teilung der Materie ab. So kommt Gassendi zur Verteidigung des Atomismus. Gassendi verwirft die Trennung von Materie und Bewegung. Die Atome haben ein inneres Streben nach Bewegung.

Spinoza geht von einer einheitlichen materiellen Substanz aus. Diese ist Ursache ihrer selbst, unerschaffbar und unzerstörbar. Das Denken ist keine selbständige Substanz, sondern neben der Ausdehnung ein Attribut der Natur. Die Bewegung gehört nicht zu den Attributen der Materie. Sie kommt unter dem Einfluß äußerer Ursachen zustande.

Von Diderot stammt die Idee, dass die Empfindung möglicherweise eine allgemeine Eigenschaft der Materie ist. Die Atome sind Träger von Empfindungen, aus denen das Denken entsteht. Aus der Berührung der Atome entsteht das für die Menschen und das All einheitliche Bewußtsein.

Auch d‘ Alembert spricht der Materie ursprüngliche Empfindungsfähigkeit zu.

Boscovich, Schelling und de Broglie haben den Gedanken einer dynamischen Materie vorgetragen. Hierbei genügen Kraftzentren und deren physikalische Beschaffenheit, um all die Eigenschaften zu erklären, die der Materie gewöhnlich zugeschrieben werden.

Bei Hegel ist die Materie die ursprünglich undifferenzierte Einheit.

Den absoluten Idealisten und Ferrier zufolge gibt es keine vom Erkennenden unabhängige Materie.

Mechmat

Mechanischer Materialismus

Im 19. Jahrhundert entwickelte eine Gruppe deutscher Physiologen (Vogt, Büchner, Moleschott) eine eigene Variante des Materialismus, den sog. mechanischen bzw. vulgären Materialismus. Diese Variante hat im 20. Jahrhundert den Behaviorismus und die Identitätstheorie von Bewußtsein und Leib stark beeinflußt.

Die mechanischen Materialisten meinten, dass die Wirklichkeit nur aus physischen Körpern in Bewegung und deren Bewegungsgesetzen bestehe.

Die Bezeichnungen mechanischer Materialismus und vulgärer Materialismus gehen wohl auf Engels zurück.

Medethik

Medizinische Ethik

Die medizinische Ethik ist Teil der praktischen Ethik, der die begründete moralische Stellungnahme zu Eingriffen des Menschen in menschliches Leben untersucht. Sie gehört damit zu Bioethik.

Als ihr Grundsatz gilt zumeist das Prinzip der informierten Zustimmung bzw. der Entscheidung des betreffenden Patienten. Er ist jedoch nicht überall anwendbar (Notfallmedizin, Psychatrie, Pränatale Diagnostik).

Ein zentraler Diskussionspunkt der gegenwärtigen medizinischen Ethik ist die Euthanasie, ein anderer nach wie vor die Abtreibung. Zum Gegenstand der medizinischen Ethik gehören auch Entscheidungen, die mit der In-Vitro-Fertilisation zusammenhängen.

Logisch

Logische Antinomie

Zu den logischen Antinomien zählen:


Lognotw

Logische Notwendigkeit

In der modernen Logik ist eine wahre Aussage genau dann logisch notwendig, wenn ihre Negation entweder direkt oder in der Form einer logischen Folgerung einen formalen Widerspruch, d. h. eine Aussage der Form sowohl P als auch nicht-P, impliziert.

Der Empirismus akzeptiert nur Aussagen mit logischer Notwendigkeit. Diese Auffassung ist u. a. von Kripke kritisiert worden.

Quine, hat den Versuch der Empiristen, den Begriff der logischen Notwendigkeit mit Hilfe der Begriffe analytisches Urteil und Sinn zu erklären, in Zweifel gezogen.

In Hegels Logik ist etwas eine logische Notwendigkeit, wenn es nicht anders gedacht werden kann.

Logquad

Logisches Quadrat

Im logischen Quadrat werden die Urteilsarten: universal bejahend (Abk. SaP), partikular bejahend (SiP), universal verneinend (SeP) und partikular verneinend (SoP) veranschaulicht.

Die allgemein bejahenden und die partikulär verneinenden Urteile sowie die allgemein verneinenden und die partikular bejahenden Urteile bilden jeweils ein Paar kontradiktorischer Urteile. Die allgemein bejahenden Urteile und die allgemein verneinenden Urteile sind ein Paar konträrer Urteile. Die partikular bejahenden Urteile und die partikular verneinenden Urteile bilden ein Paar subkonträrer Urteile. Die allgemeinen bejahenden Urteile und die partikular bejahenden Urteile bzw. die allgemein verneinenden Urteile und die partikular verneinenden Urteile sind subaltern.

Das logische Quadrat wurde eventuell von Michael Psellos geschaffen.

Lotterie

Lotterie-Paradoxon

Ein Paradoxon, das den Begriff der rationalen Überzeugung betrifft, ist das Lotterie-Paradoxon.

Da die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine bestimmte Anzahl Augen durch das Werfen eines Würfels nach oben kommt, 1:6 ist, ist es scheinbar rational zu glauben, dass diese Anzahl Augen nicht nach oben kommen wird. Dies gilt für sämtliche möglichen Fälle, und es ist rational zu glauben, dass eine von ihnen nach oben kommen wird.

Luegner

Lügner-Antinomie

Die Lügner-Antinomie, eine semantische Antinomie wird seit der Antike diskutiert.

Eine Variante lässt den Kreter Epimenides behaupten, dass alle Leute von Kreta lügen, wobei hinzuzufügen ist, dass die Kreter in der Antike als notorische Lügner galten. Wenn die Behauptung wahr ist, lügt er, die Behauptung muss also falsch sein. Dagegen folgt die Wahrheit der Behauptung nicht aus der Annahme ihrer Falschheit, weshalb es sich in dieser Formulierung nicht um eine eigentliche Antinomie handelt.

Wie A. N. Prior gezeigt hat, ist die Behauptung jedoch falsch, ungeachtet dessen, ob man sie für wahr oder falsch hält, was ein Paradoxon ist.

In anderen Versionen handelt es sich um eine echte Antinomie, z. B. in der Version, die Eubulides von Megara zugeschrieben wird. Die Paradoxie vom Lügner hat er wie folgt formuliert:

"Wenn ein Lügner sagt, dass er lügt, dann bedeutet das, dass er sowohl lügt als auch die Wahrheit spricht, denn wenn er die Wahrheit sagt, so lügt er, und wenn er lügt, so lügt er nicht, sondern sagt die Wahrheit."

Noch eine Variante ist Anlaß für zwei echte Antinomien, nämlich wenn Platon sagt, Sokrates habe recht, und Sokrates sagt, Platon lüge.

Eine neuere Form derselben Antinomie ist von W. V. O. Quine formuliert worden. Hier wird definiert: "S = S ist falsch". Wenn S wahr ist, ist es wahr, dass S falsch ist, S ist also falsch. Aber wenn S falsch ist, dann ist S wahr.

In der Formulierung Tarskis können wir S wie oben definieren. Eine Behauptung ist nun im allgemeinen wahr, wenn es sich so verhält, wie sie sagt, also: S ist wahr, dann und nur dann, wenn S. Wir benutzen nun die Definition von S und setzen "S ist falsch" für das letzte S ein. Wir erhalten nun: S ist wahr, dann und nur dann, wenn S falsch ist.

Bekannt ist die Methode Tarskis zur Umgehung der Lügner-Antinomie. Keine Sprache mit einer gewissen Ausdruckskraft, sagt Tarski, kann semantisch geschlossen sein, d. h. sie kann nicht Ausdrucksmittel besitzen, die eigene Semantik der Sprache zu formulieren. Ihre Bedeutung kann nur in einer Metasprache formuliert werden, die die betreffende Sprache, in diesem Zusammenhang Objektsprache genannt, beschreibt. Die Definition des Satzes S, die in der Formulierung der Lügner-Antinomie enthalten ist, bedeutet eine Verwechslung der Sprachniveaus. Wenn diese Verwechslung entfällt, löst sich die Antinomie auf.


Luknotat

&;ukasiewicz-Notation, Polnische Notation, Klammerfreie Schreibweise

Als &;ukasiewicz-Notation, polnische Notation oder klammerfreie Schreibweise bezeichnet man eine Notation des Aussagenkalküls, bei der als Aussagenvariablen kleine Buchstaben, evtl. mit Indizes und als Junktoren große Buchstaben, evtl. ebenfalls mit Indizes verwendet werden und die keine Klammern benötigt.

Im Fall der zweiwertigen Logik wird die Konjunktion p &; q durch Kpq, die Alternative p &; q durch Apq, die Implikation p &; q durch Cpq, die Äquivalenz p &; q durch Epq und die Negation &;p durch Np wiedergegeben.

Der Ausdruck (p &; (q &; r)) &; (p &; q &; r) wird z. B. zu der Formel CCpCqrCKpqr, (p &; q) &; r zu CCpqr und der Ausdruck p &; (q &; r) zu CpCqr.

Die klammerfreie Schreibweise ist eindeutig. Sie wurde von &;ukasiewicz eingeführt und wird vor allem von polnischen Logikern verwendet.