Philosophie Wörterbuch

Idspr P

Philosophie der idealen Sprache

Die Untersuchungen der Philosophie der idealen Sprache zielen darauf, ein System der Sprache zu erstellen, in dem der semantische Begriff der Wahrheit präzise definiert werden kann.

Ein Satz der natürlichen Sprache gilt als Aussage, wenn er in eine interpretierte künstliche Sprache Sn übersetzbar ist.

Häufig wird daraus geschlossen, dass sich die Philosophie der idealen Sprache auf deskriptive Aussagen beschränkt. Dies ist nicht selbstverständlich, da sich auch für andere Sätze der natürlichen Sprache ideale künstliche Sprachen finden lassen. Beispiele sind die meisten deontischen Logiken. G. Meggle hat dies beispielsweise auch für zahlreiche Begriffe in seiner Kommunikationstheorie vorgeführt.

Der Zweck der Philosophie der idealen Sprache (in ihrer Beschrünkung auf deskriptive Aussagen) besteht darin, die Aussagen in eine Sprache zu transformieren, deren Aussagen und Aussageformen die Eigenschaft logisch wahr oder logisch falsch zugeschrieben werden kann.

Die wichtigsten Vertreter der Philosophie der idealen Sprache sind Russell, Wittgenstein, Frege, Schlick Carnap und Goodman.

Holism2

Ethischer Holismus

Als ethischen Holismus oder holistische Ethik bezeichnet man die holistische Position, gemäß der die Erklärung ethischer Prinzipien von der Natur als Ganzes auszugehen hat.

Holism3

Soziologischer Holismus

Als soziologischern Holismus bezeichnet man die holistische Position, gemäß der historische und gesellschaftliche Phänomene nicht auf die Beschreibung und Erklärung des Verhaltens von Individuen reduziert werden kann.

So gibt es Durkheim zufolge irreduzible, soziale Ganzheiten mit besonderen Eigenschaften.

Der soziologische Holismus hat den methodologischen Holismus zur Folge, aber nicht umgekehrt.

Holism4

Methodologischer Holismus

Als methodologischen Holismus bezeichnet man die holistische Position, gemäß der Ganzheiten als soziale Ganzheiten untersucht werden sollen und nicht auf individuelle Besonderheiten, z. B. auf Handlungen von Einzelpersonen, reduziert werden (Nagel, Mandelbaum, Goldstein) sollen.

Der methodlologische Holismus ist eine Konsequenz des soziologischen Holismus, aber nicht umgekehrt.

Holism5

Sprachphilosophischer Holismus

Als sprachphilosophischen Holismus bezeichnet man die holistische Position, gemäß der die grundlegende, sinngebende Einheit eine vollständige Sprache ist. Diese Position findet sich bei Quine, und beim späten Wittgenstein.

Homonym

Homonymie

Als Homonymie bezeichnet man einen Fehlschluß der dadurch entsteht, dass ein klangleiches Wort in ein und demselben Schluss zur Bezeichnung verschiedener Begriffe gebraucht wird.

Bereits in der Antike war folgende Homonymie bekannt:

Die vom Kranken eingenommene Arznei ist gut. Je mehr Gutes man tut, desto besser ist es. Daraus folgt: Arznei muss man möglichst viel einnehmen.

In diesem Sophismus wird die Mehrdeutigkeit des Wortes gut ausgenutzt. Es bezeichnet im Obersatz die Wirkung einer Arznei auf den Kranken, kennzeichnet aber im Untersatz das Handeln von Menschen, anderen Gutes, Angenehmes, Nützliches zu tun.

Ein anderes Beispiel:

Ale Metalle sind chemische Elemente. Messing ist ein Metall. Daraus folgt: Messing ist ein chemisches Element.

In der ersten Prämisse bezeichnet das Wort Metall das, was man in der Chemie unter Metall versteht, in der zweiten Prämisse das Wort Metall im Sinne der Alltagssprache.

Die Homonymie ist oft mit einem quaternio terminorum verbunden.

Honig

Honig-Beispiel

Das Beispiel des Honigs hat spätestens seit Xenophanes von Kolophon Geschichte.

Es findet sich nämlich folgendes Fragment:

"Wenn Gott nicht den gelben Honig hätte wachsen lassen, so würden sie sagen, die Feigen seien viel süßer." [1]

Das Beispiel des Honigs findet sich auch bei Demokrit:

"Daraus, dass der Honig den einen bitter und den anderen süß erscheint, schloß Demokrit, dass er weder süß noch bitter sei." [2]

"Daß der Honig süß ist", so schreibt Timon von Phleius in seiner Schrift Über die Sinne, "setze ich nicht, dass er aber süß erscheint (phainetai), dem stimme ich zu". [3]

Im Zusammenhang damit zitiert Diogenes Laërtios einen Satz aus den Indalmoi: "Aber das Erscheinende (to phainomenon) herrscht überall, wo es hinkommt." [4]

Timon unterscheidet also:

(1) Der Honig ist süß
(2) Der Honig erscheint süß

Die Aussage (1) macht eine Aussage über die Sache, wie sie an sich ist. (2) hingegen spricht nur von einem Eindruck, den Sache auf mich oder auf uns macht. Timon lässt ausschließlich Sätze vom Typ (2) gelten. Darüber, dass mir etwas so oder so erscheint, kann man nicht streiten. Eine Widerlegung ist hier nicht möglich. Wenn ich sage, dass mir etwas so schmeckt oder erscheint, können die anderen dafür keine Begründung von mir verlangen. Weder ich noch andere können an dem, was mir erscheint, zweifeln.

Es ist möglich (2) verschieden zu lesen:

(2a) Der Honig erscheint mir süß oder
(2b) Der Honig erscheint uns als süß.

Die Lesart (2a) hätte einen Solipsismus zur Folge, jeder einzelne hätte seine eigene Welt. Sie hätte den Vorteil, dass sie ohne erkenntistheoretische Voraussetzungen auskommt.

(2b) erfordert, dass wir den Schritt in die Intersubjektivität machen und wenn schon keine objektive Welt, so doch wenigstens eine gemeinsame Welt der Erscheinungen annehmen.

Timon entscheidet sich für (2b). Der Grund ist, dass er an der Gewohnheit festhalten will [5]

Demokrit und Timon gehen beide vom Tatbestand der unterschiedlichen Geschmacksempfindungen aus, aber die Schlüsse, die sie daraus ziehen, sind verschieden. Daraus, dass der Honig dem einen süß dem anderen bitter schmeckt, schließt Demokrit, der Honig ‚an sich‘ sei weder süß noch bitter. Er bestreitet also die Existenz der sekundären Sinnesqualitäten. Demokrit macht eine Aussage über die Wirklichkeit. Er behauptet, dass die Aussage Der Honig ist weder süß, noch ist er nicht süß wahr ist.

Timon dagegen verbietet auch solche Aussagen. Der Skeptiker darf auch nicht behaupten, dass etwas weder ist noch nicht ist. Seine Reaktion auf die unterschiedliche Geschmacksempfindung ist, dass er kein Urteil fällt: weder dass der Honig süß ist, noch dass er es nicht ist.

Demokrit hält im Gegensatz zu Timon nicht nur am Wahrheitsbegriff fest, sondern er stellt zudem eine ontologische These auf, welche die unterschiedlichen Geschmacksempfindungen erklären soll: "In Wirklichkeit sind Atome und Leeres." Der Unterschied der Geschmackswahrnehmung wird also zurückgeführt auf die unterschiedliche Gestalt der Atome. Demokrit macht also nicht nur Aussagen über Erscheinungen, sondern auch über die Wahrheit.


[1] DK 21 B 38
[2] DK 68 A 134 = PH II 63
[3] Frg. 69 Diels
[4] Diogenes Laërtios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, IX 105
[5] Diogenes Laërtios: Leben und Meinungen berühmter Philosophen, IX 105

Halbier

Dichotomie-/Halbierungsparadoxon

Das Dichotomie- oder Halbierungsparadoxie wurde von Zenon von Elea gefunden und gehört zu den Zenonschen Paradoxien.

Nach diesem Paradoxon ist es unmöglich, sich von einem Punkt zu einem anderen zu bewegen, denn erst muss der halbe Weg zurückgelegt werden, aber bis dahin die Hälfte dieser Hälfte usw. bis ins Unendliche. Die Bewegung kommt also nie in Gang. Die Halbierungsparadoxie wird wie die Paradoxie von Achilleus und der Schildkröte als Stadionparadoxie bezeichnet.

Hilism

Holismus

Als Holismus bezeichnet man die philosophische Position, etwas als Ganzheit und nicht als aus Teilen zusammengesetzt zu betrachten. Je nachdem, was als Ganzheit betrachtet wird, unterscheiden wir folgende Formen:


Hipparch

Hipparchia von Maroneia (ca. 300 v. u. Z.)

Die griechische Kynikerin lebte zur Zeit der 111. Olympiade, war die Schwester des Metrokles und die Frau des Krates von Theben, der auch der kynischen Schule angehörte.

Nach Diogenes Laërtios war sie Schülerin des Krates und zog trotz der wohlhabenden Herkunft es vor ein bescheidenes Leben mit dem Kyniker zu verbringen. Unter Suizidandrohung setzte sie gegen den Willen der Eltern die Ehe mit Krates durch.

Der Überlieferung zufolge disputierte Hipparchia mit Theodoros, dem Atheisten, und überführte ihn durch ein Sophismus:

"Was Theodoros tut, ohne dafür eines Unrechtes geziehen zu werden, das kann auch Hipparchia tun, ohne dabei eines Unrechtes geziehen zu werden; Theodoros aber tut nicht unrecht, wenn er sich selbst schlägt, also tut auch Hipparchia nicht unrecht, wenn sie den Theodoros schlägt." (Diogenes Laërtios, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI 96-98).

Hipparchia betonte, dass sie durch ihre Wahl, nicht am Webstuhl zu sitzen, sondern sich der Bildung und Weisheit zuzuwenden, die beste Entscheidung für sich getroffen habe.

Clemens Alexandrinus hält es für erwähnenswert, dass Hipparchia mit Krates die sogenannte ‚Hundehochzeit‘ (öffentliche Vermählung) vollzog.

Auch Sextus Empiricus berichtet, dass "… Krates dagegen der Hipparchia öffentlich beischlief." (Sextus Empiricus: Grundriß der pyrrhonischen Skepsis I 153).

Weblinks

  • Philosophinnen.de