Petzoldt

Joseph Petzoldt (1862 – 1929)

Joseph Petzoldt, geboren in Altenburg, war Dozent an der Technischen Hochschule in Berlin und Gymnasialprofessor.

Petzoldt ist von Avenarius beeinflußt und vertritt wie dieser einen empirio-kritischen Positivismus.

Er betont mehr die Stabilität und nicht so sehr das Prinzip der Denkökonomie. Dem Stabilitätsprinzip schreitet alle Entwicklung (auch die geistige) auf eine immer vollständigere Verwendung der Kräfte für stationäre Systeme zu. Größte Stabilität bedeutet stets auch größte Ausnutzung der Kräfte.

Das Denken strebt auf ein Dauerzustand hin.

An die Stelle der Kausalität setzt Petzoldt das Gesetz der Eindeutigkeit. Dieses Gesetz ermöglicht es für einen Vorgang Bestimmungsmittel zu finden, durch die er allein festgelegt wird.

Psychisches und Physisches sind zwei Auffassungsweisen eines und desselben Inhalts. Psychisch ist die Welt, sofern sie wahrgenommen wird, physisch als eindeutiger Zusammenhang der Elemente.

Eine Welt an sich gibt es nicht, nur eine Welt für uns. Ihre Elemente sind nicht Atome oder sonstige absolute Existenzen, sondern Empfindungen.

Die Dinge sind jedoch nicht bloß subjektiv, nicht bloß Bewußtseinserscheinungen.

Es gibt keine absoluten Substanzen, nur relativ konstante Qualitätenkomplexe. Alles Sein ist ein Werden.

Der ethische Imperativ lautet bei Petzoldt: Wir sollen durch alle unsere Handlungen, durch all unser Tun und Denken so viel wie möglich den aus der Natur der Menschen und ihrer Umgebung fließenden einstigen Dauerzustand verwirklichen helfen.


Pfaender

Alexander Pfänder (1870 – 1941)

Alexander Pfänder wird der Phänomenologie zugerechnet. Er vertritt den Standpunkt einer Wechselwirkung zwischen Psychischem und Physischem.

Das Bewußtsein des Willens ist ein Spezialfall des Bewußtseins des Strebens.

Das Wollen ist das siegreiche Streben, welches das Ich zu dem seinigen gemacht hat.


Patrizzi

Francesco Patrizzi (1529 – 1597)

Der italienische Philosoph Francesco Patrizzi (auch: Franciscus Patritius) war ein entschiedener Gegener des Renaissancearistotelismus.

Patrizzi entwarf ein naturphilosophisch-physikalisches Weltbild. In diesem haben Wunder keinen Platz.

Die unendliche Welt ist durchgängig vom göttlichen Lebenshauch (Pneuma) belebt. Oberstes Prinzip ist das Urlicht. Pneuma und Urlicht vermitteln zwischen Geistigem und Körperlichem. Indem vermittelt wird, wird auch belebt. Durch das in die Körperwelt hineinscheinende Urlicht wird die Körperwelt schön.


Pauler

Ákos von Pauler (1876 – 1933)

Der ungarische Philosoph Ákos von Pauler entstammte einer adligen Familie. Mit 15 Jahren entschied er sich Philosoph zu werden. Er studierte u. a. Schopenhauer und die mittelalterliche Philosophie.

In seinen ersten Publikationen setzt er sich mit Kant auseinander.

Nach Beginn seines Studiums an der Budapester Universität, wo er u. a. von Imre Pauer und Frigyes Medveczky beeinflußt wird, wendet er sich dem Positivismus zu und versucht Kant mit dem Positivismus zu versöhnen.

Im Oktober 1898 nahm Pauler ein Studium in Leipzig auf, wo er vor allem bei Wundt hörte.

Im November 1900 reiste Pauler nach Paris, wo er sich hauptsächlich mit der experimentellen Psychologie beschäftigte.

In den nachfolgenden Jahren lehrte Pauler in Budapest und ab 1905 in Pressburg Philosophie.

Ab etwa 1905 nimmt Pauler eine grundlegende Verschiedenheit von genetischer Betrachtung und Geltungsansprüchen an. In seinem Buch Die Natur der ethischen Erkenntnis geht er von der Priorität des Geltungsprinzips aus. 1911 beginnt er den Psychologismus in der Logikautonomer Wissenschaft.

Die 1911 publizierte Inauguralvorlesung Zur Theorie der logischen Grundsätze stützt sich auf drei logische Grundprinzipien.

In den folgenden Jahren beschäftigt sich Pauler mit der reinen Logik, wobei er vor allem Gedanken von Husserl und Brentano aufgreift. Ergebnis dieser Arbeit ist sein Buch Logik das 1925 erscheint (deutsch 1929).

Für Pauler ist die Logik die Hauptdisziplin der Philsophie, da alle theoretischen Äußerungen des Menschen mit dem Wahrheitsanspruch auftreten, die Logik aber gerade die Wahrheit erforscht.

Die Wahrheit lässt sich in der Form des Satzes ausdrücken. Der Satz ist die Bedeutung eines richtigen Urteils.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Pauler stark von den politischen Ereignissen der Jahre 1918/19 beeinflußt. Die Verstümmelung der Autonomie der Pester Universität und die Schrumpfung Ungarns durch den 1920 geschlossenen Friedensvertrag von Trianon veränderten sein Leben.

Er begann eine Metaphysik zu entwickeln, die in ein theistisches System einer thomistischen Ontologie eingebettet war. In seine auf reine Logik gegründete Wahrheitsphilosophie nahm er lebensphilosophische Elemente auf.

Literatur

  • Somos, R.: Zwei Schüler Brentanos: Ákos von Pauler und Meinong. In: Meinong und die Gegenstandstheorie. Meinong and the theory of objects. (Hrsg.: R. Haller), Amsterdam 1996, 591 – 601


Paulsen

Friedrich Paulsen (1846 – 1908)

Friedrich Paulsen war Professor in Berlin und ist ein Vertreter des Neokritizismus.

Paulsen ist u. a. von Kant, Schopenhauer, Wundt und Fechner beeinflußt.

Paulsen modifiziert den Kantschen Kritizismus psychologisch-genetisch, ohne die Apriorität der Anschauungsformen zu bestreiten.

Nach Paulsen ist eine Metaphysik möglich und notwendig. Die Metaphysik hat die äußere und die innere Erfahrung zur Grundlage und ist idealistisch-monistisch.

Gemäß dem Prinzip des universalen Parallelismus hat das Wirkliche zwei Seiten. Von außen, mit den Sinnen gesehen, ist es Körper. Von innen, im Selbstbewusstsein ist das Wirkliche seelisch.

Der Kern des Seelischen ist der (konkrete, bestimmt gerichtete) Wille (Voluntarismus). Alle Kraft ist Tendenz, unbewusster Wille.

Das Psychische im Anorganischen ist unbewusst und mechanisiert.

Zwischen Psychischem und Physischem besteht keine Wechselwirkung, sondern Parallelismus (bzw. Identität).

Die Kausalzusammenhänge sind Symbole von Willensvorgängen und damit von Zweckzusammenhängen.

Die Ethik ist eine auf Anthropologie, Psychologie und Soziologie basierende Theorie der Lebenskunst. Sie hat Anleitung zu geben, die Aufgaben des Lebens so zu lösen, damit das Leben die reichste, schönste, vollkommenste Entfaltung erreicht.

Die Ethik gewinnt, ihre Normen aus dem objektiven Sittengesetz des sozialen Ganzen, sie ist sozialteleologisch. Zum guten Handeln gehört sowohl gewissenhaftes als richtiges Handeln.


Pawlow

Iwan Petrowitsch Pawlow (1849 – 1936)

Der russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow hat die bedingten Reflexe, die der Sprache zugerunde liegen, entdeckt und erforscht.

In Wechselwirkung mit dem ersten Signalsystem bildet das zweite Signalsystem ein Signal der Signale, ein Wort, das Verallgemeinerung und Abstraktion erst ermöglicht. Auf der Ebene des Signalsystems realisiert sich menschliche Erkenntnis in Form von Urteilen, Schlüssen und Begriffen.


Peano

Giuseppe Peano (1858 – 1932)

Der italienische Mathemaiker und Logiker Giuseppe Peano entwickelte, an die Algebra der Logik von Boole, Jevons, Schröder, Porezki anknüpfend, die mathematische Logik weiter.

Von Peano stammt ein bekanntes und noch heute verwendetes Axiomensystem für die natürlichen Zahlen, das von R. Dedekind vorweggenommen worden war.

Die Axiome lauten:

  1. 0 ist eine natürliche Zahl.
  2. Für alle x gilt, dass, wenn x eine natürliche Zahl ist, auch die auf x folgende Zahl eine natürliche Zahl ist.
  3. Wenn auf zwei Zahlen dieselbe Zahl folgt, sind sie identisch.
  4. 0 kann nicht auf eine natürliche Zahl folgen.
  5. (Das Induktionsaxiom:) Wenn 0 eine Eigenschaft hat, und wenn jede auf eine natürliche Zahl folgende Zahl die Eigenschaft besitzt, sofern die Zahl selbst die Eigenschaft hat, dann haben alle natürlichen Zahlen die betreffende Eigenschaft.

Peano versuchte auch die Logik zu axiomatisieren. Maßgeblich hat er auf die Symbolik der Mengenlehre gewirkt.


Pearson

Karl Pearson (1857 – 1936)

Karl Pearson war ein sozialdarwinistischer Positivist. Er betont das Prinzip der Denkökonomie und sieht die Aufgabe der Wissenschaft in die Beschreibung gesetzmäßiger Zusammenhänge


Peirce

Charles Sanders Peirce (1839 – 1914)

Der nordamerikanische Philosoph, Logiker und Physiker Charles Sanders Peirce gehört zu den Begründern des Pragmatismus und zu den Wegbereitern der algebraischen Logik.

Peirce nennt seinen eigenen Pragmatismus Pragmatizismus.

Zentral für seine Philosophie ist die Auslegung von Begriffen als Handlungsregeln. Nach der pragmatischen Maxime sind Begriffe von ihrer Zweckmäßigkeit in bezug auf unsere praktischen Ziele zu beurteilen.

In seiner Auffassung von dem Sinn von Sätzen entwirft Peirce eine Form der Verifikationstheorie, nach welcher der Sinn eines Satzes dadurch bestimmt ist, dass seine Wahrheit oder Falschheit einen Unterschied in bezug auf unsere Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten machen würde. Ein Satz, der sich nicht durch das Zeugnis der Erfahrung bestätigen oder entkräften lässt, hat keinen Sinn.

Auf dem Gebiet der Logik untersuchte er die ausschließende und die nichtausschließende Disjunktion und die materiale Implikation. Dabei entdeckte er eine Reihe von Gesetzmäßigkeiten.

Er befasste sich auch mit Problemen der induktiven Logik und der Klassifikation von Schlüssen sowie mit Problemen der Relationentheorie.

Nach Peirce ist in der zweiwertigen Logik die Peirce-Funktion bezeichnet.

Außerdem heißt in der Logik nach ihm der Satz von Peirce (Peirce’s law):

(((A ⊃ B) ⊃ A) ⊃ A),

das in der intuitionistischen und parakonsistenten Logik eine Rolle spielt.

In den Reasoning and the Logic of Things (1898) zeigt Peirce, dass die logischen Formen mit den Formen räumlicher Strukturen eng verbunden sind. Peirce entwickelt in diesen Vorlesungen eine geometrische Form der Logik, die existentiellen Graphen (existential graphs).

Peirce ist der wichtigste Vertreter des Tychismus.

Online-Texte

Weblinks


Peisirr

Peisirrhode von Tarent

Iamblichos erwähnt Peisirrhode in seiner Aufzählung der 17 Pythagoreerinnen.

Die Textstelle mit der Aufzählung lautet: " bedeutendsten Pythagoreerinnen: Timycha, die Frau des Myllias von Kroton, Philtys, die Tochter des Theophris von Kroton, Schwester des Byndakos, Okkelo und Ekkelo, die Schwestern der Lukaner Okkelos und Okkilos, Cheilonis, die Tochter des Lakedaimoniers Cheilon, die Lakonerin Kratesikleia, die Frau des Lakedaimoniers Kleanor, Theano, die Frau des Metapontiers Brotinos, Myia, die Frau des Milon von Kroton, Lasthenia aus Arkadien, Habroteleia, die Tochter des Habroteles von Tarent, Echekrateia von Phlius, Tyrsenis aus Sybaris, Peisirrhode aus Tarent, Theadusa aus Lakedaimon, Boio aus Argos, Babelyka aus Argos, Kleaichma, die Schwester des Lakedaimoniers Autocharidas. Insgesamt: 17." (Iamblichos: Pythagoras, 1963, 267)