Voltaire

Voltaire

Der französische Schriftsteller, Philosoph und Historiker Voltaire, eigentlich François Marie Arouet (* 21. November 1694, † 30. Mai 1778), gehört zu den wichtigsten Vertretern der französischen Aufklärung. Er ist einer der Enzyklopädisten und vertritt eine deistische Position.

Von 1726 bis 1729 hielt sich Voltaire im Exil in England auf. Dort wurde er durch die Werke von Locke und Newton stark angeregt.

Voltaires Begeisterung für das Englische schlug sich in den Lettres philosophiques nieder, die er 1731 schrieb und die 1734 gedruckt wurden. Den Briefen war ein Text gegen Blaise Pascal angefügt, der ihm Schwierigkeiten einbrachte.

In der Traité de métaphysique (1736) befasst er sich mit naturphilosophischen und theologischen Themen.

1756 begann er seine Mitarbeit an der 1746 von Diderot und d’Alembert initiierten Encyclopédie.

In der philosophischen Erzählung Candide ou l’optimisme (1759) greift er den Naturoptimismus von Rousseau und Leibnitz‘ optimistische These, dass wir in der beste aller möglichen Welten leben, an.

Das Dictionnaire philosophique portatif (1764) knüpft an Voltaires Beiträgen für die Encyclopédie an. Er liefert in diesem Werk eine ausführliche Religionskritik und entwickelt eine eigene Version des Sensationalismus.

Werke

  • Œdipe (1718) (dt. Ödipus)
  • La Henriade (1728)
  • Histoire de Charles XII (1730)
  • Brutus (1730)
  • Zaiuml;re (1732)
  • Le temple du goût (1733)
  • Lettres anglaises ou Lettres philosophiques (1734) (dt.: Philosophische Briefe)
  • Adéla’de du Guesclin (1734)
  • Mahomet (1736)
  • Mondain (1736)
  • Epître sur Newton (1736)
  • Traité de métaphysique (1736) (dt.: Abhandlung zur Metaphysik)
  • L’Enfant prodigue (1736)
  • Essai sur la nature du feu (1738)
  • Eléments de la philosophie de Newton (1738) (dt.: Philosophie Newtons)
  • Zulime (1740)
  • Le fanatisme ou Mahomet (1741)
  • Mérope (1743)
  • Zadig, ou la destinée (1748)
  • Le monde comme il va (1748)
  • Le Siècle de Louis XIV (1751) (dt.: Die Zeiten Ludwigs XIV.)
  • Micromégas (1752)
  • Poème sur le désastre de Lisbonne (1756) (Gedicht über die Katastrophe von Lissabon)
  • Essai sur les mœurs et l’esprit des Nations (1756)
  • Histoire des voyages de Scarmentado écrite par lui-m&ecitc;me (1756)
  • Candide ou l’Optimisme (1759) (dt.: Candide oder der Optimismus)
  • La Pucelle d’Orléans (1762)
  • Histoire de l’Empire de Russie sous Pierre le Grand (1763) (dt.: Geschichte des russischen Reiches unter der Regierung Peters des Großen)
  • Ce qui plait aux dames (1764)
  • Dictionnaire philosophique portatif (1764) (dt.: Philosophisches Wörterbuch)
  • Jeannot et Colin (1764)
  • De l’horrible danger de la lecture (1765)
  • Petite digression (1766)
  • Le Philosophe ignorant (1766)
  • Traité sur la tolérance (1767)
  • L’ingénu (1767)
  • La Princesse de Babylone (1768)
  • Les lettres de Memmius (1771)
  • Il faut prendre un parti (1772)
  • Le Cri du Sang Innocent (1775)
  • De l’âme (1776)
  • Dialogues d’Euhémère (1777)

Online-Texte

Literatur

  • Alfred J. Ayer: Voltaire, eine intellektuelle Biographie. 1987
  • Georg Holmsten: Voltaire.
  • Jean Orieux: Das Leben des Voltaire. 1978

Weblinks


Vorlaender

Karl Vorländer

Karl Vorländer (* 1860 in Marburg, † 1928) war Gymnasialprofessor in Solingen.

Er wird dem Neukantianismus zugerechnet.

Er hat versucht die kritischen Methode Kants auf die praktischen Philosophie anzuwenden. Er wollte so Kant mit den Sozialwissenschaften, insabesondere mit dem Marxismus zusammenbringen. Er steht mit dieser Position Cohen und Natorp nahe.

Der kategorische Imperativ wird dabei sozial gefasst. Die oberste Idee der Ethik ist die Gemeinschaft freiwollender Menschen.

Werke

  • Die Kantische Begründung des Moralprinzips. Solinger Programm. 1889.
  • Der Formalismus der Kantischen Ethik in seiner Notwendigkeit und Fruchtbarkeit. Marburg 1893. (Diss.)
  • Demokrits ethische Fragmente ins Deutsche übertragen. Ztschr. f. Philos. u. philosoph. Kritik 107 (1896) 253 – 272
  • Christliche Gedanken eines heidnischen Philosophen. Preuß. Jahrb. August 1897, 193 – 233
  • Kant und der Socialismus. 1900
  • Die neukantische Bewegung im Sozialismus. 1902
  • Geschichte der Philosophie. 2 Bde. Leipzig 1903
  • Kant – Schiller – Goethe. Leipzig 1907,
  • Kants Leben. Leipzig 1911
  • Kant und Marx. Tübingen 1911
  • Die ältesten Kantbiographien. Ergänzungsheft der Kantstudien 1918

Online-Texte

Weblinks


Wahl

Jean André Wahl

Der französische Philosoph Jean Wahl (* 1888, †  1974) war von 1936 bis 1967 Professor an der Sorbonne in Paris. Diese Arbeit wurde lediglich durch den 2. Weltkrieg unterbrochen, in dem er als Jude in einem Konzentrationslager interniert war und dann in die USA flüchtete.

Gemeinsam mit Gustave Cohen und unterstützt von der Rockefeller Foundation gründete er in New York eine Exiluniversität, die École Libre des Hautes Études.

Wahl begann seine Karriere als Nachfolger von Henri Bergson. Er ist ein Mitbegrüder des französischen Hegelianismus in den 1930er Jahren. Neben Hegel interessierte ihn auch Kierkegaard sehr.

Wahl beeinflusste die Philosophie von Emmanuel Levinas und Jean-Paul Sartre maßgeblich.

Werke

  • 1929 Le malheur de la conscience dans la philosophie de Hegel
  • 1938 Études kierkegaardiennes

Weblinks


Waismann

Friedrich Waismann

Friedrich Waismann (* 21. März 1896 in Wien, † 4. November 1959 in Oxford) war ein österreichischer Mathematiker, Physiker und Philosoph. Er war Mitglied des Wiener Kreises und ein Vertreter des Logischen Positivismus.

Nach dem Studium der Mathematik und Physik an der Universität Wien, begann er das Studium der Philosophie unter Moritz Schlick. Im Jahre 1938 emigrierte er nach Großbritannien, wo er bis 1939 Lektor (Reader) für Wissenschaftstheorie und danach Dozent (Lecturer) für Philosophie der Mathematik an der Universität Oxford bis zu seinem Tode war.

Von 1927 bis 1936 hatte Waismann mehrere Gespräche mit Ludwig Wittgenstein über Sprachphilosophie und Mathematik. Diese Gespräche wurden von Waismann aufgezeichnet und publiziert in dem Werk Ludwig Wittgenstein und der Wiener Kreis (1967).

In seinem Buch Einführung in das mathematischen Denken: die Konzeptbildung in der modernen Mathematik (1938) argumentiert Waismann, dass die mathematischen Wahrheiten wahr sind durch Konventionen und nicht aber etwa notwendigerweise (oder verifizierbar) wahr sind.

Werke

  • Einführung in das mathematischen Denken: die Konzeptbildung in der modernen Mathematik (1938)
  • The Principles of Linguistic Philosophy (1965)
  • Ludwig Wittgenstein und der Wiener Kreis (1967)

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Wajsberg

Mordechaj Wajsberg

Der Logiker Mordechaj Wajsberg (* 1902, †  ca. 1940) ist eine Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.

Von ihm stammt unter anderem die Axiomatisierung des dreiwertigen &;ukasiewiczschen Systems &;3 in Negation und Implikation. Dieses Resultat ist eines der wichtigsten der mehrwertigen Logik [1].

Man kann die Klassische Aussagenlogik, wenn man die Nand-Funktion a | b = ∼ (a ∧ b) verwendet mit der Regel

a
a|(b|c)
——-
c

durch ein einziges Axiom ausdrücken. Jean Nicod fand dafür 1917 das Axiom:

(a|(b|c))|((e|(e|e))|((d|b)|((a|d)|(a|d))))

1931 fand Wajsberg ein etwas einfacheres Axiom an:

(a|(b|c))|(((d|c)|((a|d)|(a|d)))|(a|(a|b)))

Weblinks


[1] Wajsberg, M.: Aksjomatyzacja trójwartosciowego rachnuku zdan. In: Comptes Rendus SéanceS Société des Sciences et Lettres Varsovie, cl. III, 24, 126 – 148. (engl. in: Logical Works (Hrsg. S. J. Surma) Wroc&;aw 1977)


Walfisz

Meczys&;aw Wallis-Walfisz

Meczys&;aw Wallis-Walfisz (* 1895, †  1975) ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.


Vanini

Lucilio Vanini

Lucilio Vanini (* 1585 Taurisano bei Lecce, † 9. oder 19. Februar 1619 Toulouse) war ein italienischer Philosoph und Theologe. Er wurde von der Inquisition als Ketzer verurteilt und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Vanini wurde 1585 in Taurisano bei Neapel als Sohn eines Beamten geboren. Er studierte in Rom und Padua unter Theologie, Philosophie und Jurisprudenz. Vanini wurde von den Pietro Pomponazzi, Bernadino Telesio, Geronimo Cardano und Andrea Cesalpino beeinflusst.

In Lyon veröffentlichte er 1615 sein Werk Amphitheatrum aeternae providentiae…, in der er einen Pantheismus vertritt.

1617 zog Vanini nach Paris, wo er als Erzieher tätig war. 1618 wurde er wegen seiner öffentlichen atheistischen Vorträge verhaftet. Es folgte ein sechsmonatiger Prozeß wegen Ketzerei und Gotteslästerung.

Berühmt geworden ist die Verteidigung Vaninis auf die Anklage des Atheismus hin durch die Szene vom Strohhalm. Diesen nahm er vom Boden auf, zeigte ihn dem Ankläger und sagte, daß ihm schon dieser Halm vom Dasein Gottes überzeuge. Das wurde nicht akzeptiert. Vanini wurde 1619 zum Feuertod verurteilt. Ihm wurde die Zunge mit einer Zange herausgerissen. Danach wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er wurde 33 Jahre alt.

Vanini vollzog den Übergang vom averroistischen Aristotelismus der Renaissance zu der von Geronimo Cardano und Bernadino Telesio bestimmten pantheistischen Naturphilosophie. Gott ist für ihn unendliches, ewiges, überzeitliches Sein, das aus sich heraus die Welt geschaffen hat und in ihr tätig ist, indem er in ihr alles in allem ist. In der Natur äußert sich die Kraft Gottes, ja Gott selbst. Die Welt ist ewig, die einheitliche Materie ist mengenmäßig konstant, da nur ihre Formen wechseln.

Werke

  • Amphitheatrum aeternae providentiae divino-magicum, christiano-physicum, nec con astrologo-catholicum, adversus veteres philosophos, Atheos, Epicureos, Peripateticos et Stoicos, 1615
  • De admirandis naturae, reginae deaeque mortalium arcanis, libr. IV, 1616 (franz. Übersetzung durch X. Rousselet, 1842; italienische Übersetzung: Guido Porcio, Le opere di Giulio Cesa re Vanini tradotte per la prima volta in italiano con prefacione del traduttore, I-II (Lecce, o. Dat./, 1913; Luigi Corvaglia, ed., Le opere di Giulio Cesare Vaninie e le loro fonti, I-II (Milano), 1933-1934)

Literatur

  • Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 4, 1440 f.
  • W. D. Fuhrmann: Leben und Schicksale, Charakter und Meinungen des L. V., eines Atheisten im siebzehnten Jahrhundert. 1800.

Weblinks

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Venn

John Venn

Der englische Logiker John Venn (* 4. August 1834 in Drypool, Hull, † 4. April 1923 in Cambridge) war Professor in Cambridge. Er benutzte erstmalig den Terminus symbolische Logik.

Venn ist ein Wegbereiter der Wahrscheinlichkeitstheorie. In seinem Werk The Logic of Chance (1866) führte er die Häufigkeitsinterpretation der Wahrscheinlichkeit als erster systematisch aus. Er stellte sich damit der Interpretation der Wahrscheinlichkeit als Grad des Gllaubens entgegen. An seine Überlegungen hat Reichenbach bei der Entwicklung seiner Wahrscheinlichkeitslogik angeknüpft.

Venn untersuchte auch Modalurteile.

Venn ist als Schöpfer der Venn-Diagramme bekannt, die eine Weiterentwicklung der Eulerschen Kreise sind und von ihm 1881 in seinem Werk Symbolic Logic eingeführt wurden.

Mit Hilfe eines Systems zweier sich überschneidender Ellipsen brachte er die Beziehungen zwischen Klassen bzw. Umfängen von Begriffen zum Ausdruck.

In The Principles of Empirical or Inductive Logic (1889) knüpft Venn bei Mill an. Er kritisiert aber Mills induktive Methoden, weil sie vom Wissenschaftler Kenntnisse voraussetzen, über die er in der Praxis nicht verfügt.

Werke

  • Symbolic logic. 1881
  • The Logic of Chance. 1866
  • The foundations of chance. 1872
  • On the Diagrammatic and Mechanical Representation of Prepositions and Reasonings, in: Philosophical Magazine and Journal of Science, July 1880
  • The Principles of Empirical or Inductive Logic. 1889
  • The Biographical History of Gonville and Caius College, 1349-1897

Literatur

  • Merrill, Daniel D.: Venn, John. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy, London

Weblinks


Vernia

Nicoletto Vernia

Nicoletto Vernia (* 1442 in Chieti, † 1499) ist Lehrer von Augustinus Niphus und Giovanni Pico della Mirandola. Er studierte in Padua.

Er ist als Aristoteliker bekannt geworden. Dabei hat er zunächst Averroës in dessen Aristoteles-Interpretation zugestimmt, ist aber später auf Distanz gegangen, nachdem er sich mit den Auffassungen von Alexander von Aphrodisias, Simplicius und Themistios befasst hatte.

Vernia befasste sich vor allem mit Naturphilosophie, Psychologie und Logik.

Literatur

  • Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 4, 1541 f.
  • Edward P. Mahoney: Vernia, Nicoletto. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy. London.

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Verworn

Max Verworn

Max Richard Constantin Verworn (* 4. November 1863 in Berlin, † 23. November 1921 in Bonn) besuchte das Friedrich Wilhelm-Gymnasium in Berlin. Ab 1884 studierte Zoologie, Botanik und Medizin.

Er war ab 1891 Universitätslehrer in Jena, aber 1901 in Göttingen und ab 1910 in Bonn.

Verworn vertritt einen Psychomonismus, nach welchem die Dinge nur als Inhalt der Psyche existieren. Die Körper bestehen aus Empfindungen. Erkennen ist nichts anderes als Erfahrungen bilden.

Die einfachste Erfahrung besteht in der sinnlichen Empfindung. Mittels der Empfindungen entstehen die Vorstellungen.

Die Vorstellungsassoziationen unterliegen einer Selektion. Das Gedächtnis beruht auf der Übung der Vorstellungsgänge. Es werden bestimmte Assoziationswege ausgeschliffen und so entsteht das logische Denken.

Werke

  • Psycho-physiologische Protistenstudien. 1889
  • Die polare Erregung der Protisten durch den galvanischen Strom. Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere 45 (1889), 1-36
  • Die Bewegung der lebendigen Substanz. 1892
  • Die physiologische Bedeutung des Zellkerns. Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere 51 (1892), 1-118
  • Allgemeinen Physiologie. 1895
  • Der körnige Zerfall: Ein Beitrag zur Physiologie des Todes. Archiv für die gesammte Physiologie des Menschen und der Thiere 63 (1896), 253-272
  • Die Biogenhypothese. 1903
  • Naturwissenschaft und Weltanschauung. 1904
  • Prinzipienfragen in d. Naturwissenschaft. 1905
  • Die Erforschung des Lebens. 1907
  • Die Mechanik des Geisteslebens. 1907
  • Zur Psychologie der primitiven Kunst. 1907
  • Die Frage nach den Grenzen der Erkenntnis. 1908

Literatur

  • Eisler, Rudolf: Verworn, Max. In: Philosophen-Lexikon. Leben, Werke und Lehren der Denker. Berlin 1912.

Weblinks