Begrumf

Begriffsumfang

Klasse aller Gegenstände, die durch einen gegebenen Begriff widergespiegelt werden, d. h. auf die jene Eigenschaften und Beziehungen zutreffen, die den Begriffsinhalt ausmachen. Z. B. ist der Begriffsumfang des Begriffes "weiß" die Klasse aller weißen Gegenstände.

Statt der Bezeichnung Begriffsumfang wird auch die Bezeichnung Extension verwendet.

Begriffe, die denselben Begriffsumfang haben, heißen äquipollent, umfangsgleich oder extensional gleich und werden bei logischen Untersuchungen häufig miteinander identifiziert.

Das Verhältnis zwischen Inhalt und Umfang eines Begriffes wird durch den Satz der reziproken Relation zwischen Begriffsumfang und Begriffsinhalt bestimmt.

Behaupt

Behauptung

Das Behaupten ist in der Sprechakttheorie ein zentraler Gegenstand der Analyse und wird dort zu den assertiven Äußerungen gezählt.

Bei Searle und Vanderveken wird die Erfüllungsbedingung von Behauptungen und Festlegungen als Wahrheitsbedingung bezeichnet. Die Behauptung ist erfüllt, wenn der propositionale Gehalt dem Weltzustand entspricht [1], d. h. wenn die ausgedrückte Proposition, das Behauptete, der Inhalt der Behauptung wahr ist.

Im Unterschied zur Erfüllungsbedingung einer Behauptung ist deren Erfolgsbedingung erfüllt, wenn die Behauptung vom Hörer für wahr gehalten wird.

Eine Behauptung kann gelingen, ohne erfüllt zu sein, nämlich dann, wenn sich das Behauptete als falsch erweist [2].

Ein Behauptung kann gelingen und erfüllt (wahr) sein, ohne erfolgreich zu sein, wenn der mit ihr erhobene Wahrheitsanspruch von seiten des Hörers anerkannt wird, der Sprecher sich jedoch irrt [3].

Eine Behauptung, die sich auf die Zukunft bezieht, ist eine Vorhersage oder eine Prognose.


[1] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 16
[2] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 21
[3] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 21

Ausschl

Induktion durch Ausschließen

F. Bacon schlug eine Form der Induktion, die Induktion durch Ausschließen, vor, in deren Verlauf Hinweise auf Eigenschaften beseitigt werden, die nicht die Ursache der untersuchten Tatsachen sein können, da diese Tatsachen existieren, nicht aber jene Eigenschaften. Um das zu erreichen, schlug Bacon vor, möglichst vollständige Tatsachentabellen zusammenzustellen und dabei insbesondere negative Beispiele auszusondern.


Autonom

Autonomie

Als philosophischer Begriff ist Autonomie (von griech. autos, selbst, und nomos, Gesetz) wesentlich von Kant geprägt. Kant verwendet den Begriff mit einem aufklärerischen Anspruch: der Mensch soll sich seiner eigenen Vernunft bedienen, statt sich von fremden Autoritäten und der Tradition bestimmen zu lassen.

Moralische Autonomie nennt man die Selbstbestimmung des Menschen als Vernunftwesen, die Fähigkeit eine Wahl zu treffen, moralische Entscheidungen zu fällen. Vernunftbegabte und selbstbewusste Wesen haben vermutlich diese Fähigkeit.

In Erweiterung des Begriffs moralischer Autonomie ist die Autonomie der Vernunft die Unabhängigkeit der Vernunft von äußeren (u. a. religiösen) Autoritäten.

Bei Fichte ist die absolute Existenz und Autonomie des Ich der erste und unbestimmte Grundsatz, in dem die allem Bewußtsein zugrunde liegende Tathandlung zum Ausdruck kommt. Sie bedeutet:

  1. eine ununterbrochene Gesetzgebung des vernünftigen Wesens an sich selbst;
  2. absolute Unbestimmbarkeit durch irgendetwas außer dem Ich;
  3. absolute Reflexion auf sich.

In einem allgemeinen Sinn kann Autonomie heißen, dass ein Bereich oder eine Tätigkeit sich aus sich heraus bildet und aus sich selbst heraus verständlich ist (z. B. Autonomie der Kunst, Autonomie der Wissenschaft). Ähnlich ist der Begriff der Autonomie des Staates.


Averism

Averroismus

Als Averroismus bezeichnet man eine auf Ibn Rushd (Averroës) zurückgehende Auslegung des Aristoteles.

Der Averroismus geht vom Vorrang der philosophischen Wahrheit gegenüber der Religion aus. Er vertrat die These von der Unsterblichkeit der kollektiven, allgemeinen Menschlichen Seele. Die Unsterblichkeit der individuelle menschlichen Seele lehnte er ab. Wichtige Vertreter sind Siger von Brabant, Boëtius de Dacias, Petrus Hispanus und William Shyreswood.

Der Averoismus hat umfangreich auf den Aristotelismus der Renaissance, insbesondere auf die Paduaner Schule nachgewirkt.

Axiom

Axiom, Grundsatz

Als Axiom oder Grundsatz bezeichnet man einen ursprünglichen, unbeweisbaren Satz. Das Axiom ist die Grundlage der Beweise eines Gebietes.

Bereits Platon sieht in reinen, dem Denken entstammenden Grundsätzen, Grundurteilen die Quelle aller Erkenntnis. Von dem relativen Grundsatz (hypothesis) muss zu einem zulänglichen, ersten Satz, zum voraussetzungslosen Prinzip zurückgegangen werden.

Bei Aristoteles ist das Axiom ein Satz, der keinen Beweis braucht und die Grundlage eines Beweises bildet. Aristoteles bezeichnet auch einen praktischen Grundsatz als Axiom.

Die Stoiker verstehen unter Axiom einen durch sich selbst klaren Satz.

Die Scholastiker betrachten die Axiome als uns angeborene ewige Wahrheiten.

Descartes behauptet die Vernunftnotwendigkeit der Axiome.

Nach Galilei haben die Axiome ursprüngliche Evidenz.

Nach Locke gehören alle aus unmittelbarer Erfahrung entspringenden Sätze zu den Axiomen. Beispiel für ein solches Axiom ist der Satz der Identität. Die Axiome beruhen auf der unterscheidend-vergleichenden Funktion der Seele. Die Klarheit der Axiome beruht auf der Festigkeit, die sie im Bewußtsein erlangen.

Leibniz betrachtet die Axiome als angeboren, insofern sie, potentiell, im Bewußtsein angelegt sind und man sie im Denken finden kann, ohne von der Erfahrung auszugehen.

Hume betont, dass die Axiome durch das reine Denken entdeckt werden können, ohne von irgend einem empirischen Dasein abhängig zu sein.

Nach Reid sind die Axiome oder Prinzipien durch Intuition bewusst werdende ursprüngliche Wahrheiten (self-evident truths). Sie sind von strenger Notwendigkeit und Allgemeinheit.

Kant begründet die Notwendigkeit der Axiome aus der Apriorität der Anschauungs- und Denkformen. Geometrische Sätze sind apodiktisch, daher können sie weder Erfahrungsurteile sein, noch aus ihnen geschlossen werden. Die Quelle aller Grundsätze ist der reine Verstand.

Kant unterscheidet mathematische und dynamische Grundsätze.

Die mathematischen Grundsätze gehen nur auf die Anschauung. Sie sind unmittelbar. Die mathematischen Grundsätze gliedern sich in Axiome der Anschauung und Antizipationen der Wahrnehmung.

Die dynamischen Grundsätze gehen auf das Dasein einer Erscheinung überhaupt und sind nur mittelbar evident. Kant unterscheidet bei den dynamischen Grundsätzen die Analogien der Erfahrung und die Postulate des empirischen Denkens.

Nach Fries beruht die Notwendigkeit der Axiome auf der dauernden Tätigkeit der Vernunft. Die Axiome werden dadurch bewiesen (demonstriert), dass wir die Anschauung nachweisen, die in ihnen ausgesprochen wird.

Nach Windelband sind die Axiome für die genetische Methode tatsächliche Auffassungsweisen, welche sich in der Entwicklung der menschlichen Vorstellungen, Willensentscheidungen und Gefühle herausgebildet haben. Für die kritische Methode sind die Axiome Normen, welche unter der Voraussetzung gelten sollen, dass das Denken den Zweck hat, wahr zu sein, das Wollen den Zweck hat, gut zu sein bzw. das Fühlen den Zweck hat, Schönheit zu erfassen.

Für Mill sind die Axiome experimentelle Wahrheiten. Sie werden durch Verallgemeinerung aus der Beobachtung gewonnen und sind das Ergebnis der Induktion. Vorausgesetzt wird die Gleichmäßigkeit des Naturgeschehens.

Nach Maimon sind die mathematischen Axiome nicht a priori, da sie der Erkenntnis des Gegenstandes nicht vorhergehen. Die Notwendigkeit der Axiome ist bloß subjektiv.

Wundt betont, dass sich apodiktische Sätze nicht aus Anschauungen sondern aus zwingenden Schlussfolgerungen ergeben. Die Notwendigkeit der geometrischen Sätze beruht auf deren ausnahmsloser Gültigkeit. Die Axiome der Zeit können nur aus der Erfahrung stammen, weil sie, abgesehen von der Aufeinanderfolge unserer Vorstellungen, völlig gegenstandslos sind. Die mathematischen Axiome sind Anwendungen des Satzes vom Grunde auf mathematische Grundbegriffe. A priori sind sie nur, insofern Raum und Zeit begrifflich unabhängig von jeder speziellen Erfahrung bestimmt werden können. Die mathematischen Axiome haben den Charakter allgemeinster Erfahrungsgesetze. Sie beruhen auf ursprünglichen Induktionen und sind gleichzeitig Gesetze des Denkens und der Denkobjekte. Das Prinzip der Konstanz mathematischer Gesetze und das Prinzip der Permanenz der mathematischen Operationen bringen die Allgemeingültigkeit der mathematischen Begriffe zum Ausdruck.

Schuppe sieht den Grund der Evidenz der mathematischen Axiome in deren Anschaulichkeit.

Nach Schubert-Soldern beruht die Evidenz der mathematischen Axiome auf der Undenkbarkeit des Gegenteils.

Ähnlich bestimmt Sigwart die Axiome als Sätze, deren Wahrheit und Gewißheit unmittelbar einleuchtet und deren Gegenteil nicht gedacht werden kann.

Die Axiome der Mathematik haben nach Drobisch unmittelbare Evidenz als Tatsachen der Anschauung von assertorischer Geltung.

Die Axiome der Geometrie sind nach Erdmann empirischen Ursprungs. Nur sofern die Raumvorstellung durch psychische Vorgänge erzeugt wird, ist sie a priorisch.

Nach Poincaré sind geometrische Axiome weder synthetische Wahrheiten a priori noch experimentelle Wahrheiten, sondern Konventionen.

B Gruppe

Berliner Gruppe

Die Gesellschaft für empirische Philosophie in Berlin war eine Gruppe von logischen Positivisten die sich in Berlin um Reichenbach bildete. Sie wird häufig als Berliner Gruppe bezeichnet. Zur Berliner Gruppe gehörte u. a. Grelling, Dubislav und Hempel.

Die Berliner Gruppe übte wie der Wiener Kreises zwischen den beiden Weltkriegen auf Philosophen, Naturwissenschaftler und Mathematiker in Europa und den USA großen Einfluß aus.


B Schule

Berliner Schule

Die wichtigsten Vertreter der Berliner Schule der Gestaltpsychologie suchte anders als die Grazer Schule und die Leipziger Schule in den Gestaltgesetzen des phänomenalen Feldes die Ursache für psychische Phänomene wie die optische Wahrnehmung.

Die wichtigsten Vertreter dieser Schule waren M. Wertheimer, K. Koffka, K. Lewin und W. Köhler.

Barbier

Antinomie vom Barbier

Russell hat eine verständliche Parallele zu Russell’s Antinomie in der Antinomie vom Barbier gegeben, der alle Bewohner in der Stadt x rasiert, die sich nicht selbst rasieren. Er rasiert sich selbst, eben wenn er es nicht tut. Wie Russell’s Antinomie so ist auch die Antinomie vom Barbier eine logische Antinomie.

Assoz G

Assoziationsgesetz

Nach Hume bezeichnet man als Assoziationsgesetze die Art und Weise, wie sich unsere Bewußtseinsinhalte verknüpfen, ohne Rücksicht darauf, ob diese Verknüpfungen Tatbeständen außerhalb des Bewußtseins entsprechen oder nicht.

Die Tatsache, dass sich Vorstellungen überhaupt miteinander verknüpfen lassen, gilt ihm als psychisches Grundgesetz, von dem er drei Erscheinungsformen unterscheidet:

  1. das Gesetz der Ähnlichkeit,
  2. das Gesetz der Berührung in Raum und Zeit und
  3. das Gesetz der Verursachung.

Diese Gesetze erinnern an die drei Arten von Assoziationen,

  • nach der Ähnlichkeit,
  • nach dem Gegensatz,
  • nach der räumlichen oder zeitlichen Nähe,

die Aristoteles in der Schrift Gedächtnis und Erinnerung unterscheidet.

Hegel hat in &; 455 seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundriß diese Position kritisiert:

"Die sogenannten Gesetze der Ideen-Association haben besonders mit … [der] Blüte der empirischen Psychologie ein großes Interesse gehabt. Fürs erste sind es keine Ideen, welche associiert werden. Fürs andere sind diese Beziehungsweisen keine Gesetze, eben darum schon, weil so viele Gesetze über dieselbe Sache sind, wodurch Willkür und Zufälligkeit, das Gegenteil eines Gesetzes, vielmehr Statt hat; es ist zufällig, ob das Verknüpfende ein Bildliches oder eine Verstandeskategorie, Gleichheit und Ungleichheit, Grund und Folge usf. ist. Das Fortgehen in Bildern und Vorstellungen nach der associierenden Einbildung ist überhaupt das Spiel eines gedankenlosen Vorstellens, in welchem die Bestimmung der Intelligenz noch formelle Allgemeinheit überhaupt, der Inhalt aber der in Bildern gegebene ist."

Nach Thomas Brown gibt es im Grunde nur ein Assoziationsgesetz, das der Berührung (contiguity) in Raum und Zeit.

Nach Bain gibt es Assoziation durch Kontiguität (Berührung in Raum und Zeit) und durch Similarität.

Nach T. Lipps sind die Assoziationsgesetze (der Ähnlichkeit und Gleichzeitigkeit) Gesetze der Vervollständigung zur Einheit.

Die Assoziationsgesetze sind – nach Cornelius – notwendige Folgen der Bedingungen, ohne welche die Einheit unseres Bewußtseins nicht gedacht werden kann.