Chrysipp

Chrysippos (276 – 204 v. u. Z.)

Der griechische Philosoph und Logiker, in Soli (Kilikien) geboren und wahrscheinlich in Athen gestorben, ist einer der bedeutendsten Vertreter der Stoa.

Er systematisierte die stoische Lehre in Logik, Ethik und Physik und schuf zusammen mit Zenon von Kition eine Erkenntnistheorie, die von der Wahrnehmung ausgeht.

Begriffe fasste Chrysippos als Verallgemeinerung der in der Wahrnehmung enthaltenen Objekte auf.

In der Logik ging Chrysippos über Aristoteles hinaus, indem er klarer Objekt, Bedeutung und sprachliche Bezeichnung unterschied.

Chrysippos übernahm von Aristoteles nicht die Einteilung der Begriffe in Gattungs- und Artbegriffe. Während Aristoteles den Begriff über die nächsthöhere Gattung und den Artunterschied definierte, reduzierte Chrysippos die Definition auf die Aufzählung von Merkmalen des zu definierenden Gegenstandes.

Als Grundform des Urteil sah Chrysippos das bedingte Urteil an.

Chrsippos betonte besonders die zweckmäßige, auf den Menschen bezogene Einrichtung der Welt durch den Logos.

In der Ethik formulierte Chrysippos als erster das Ideal des stoischen Weisen, der in Freiheit von Affekten (Liebe, Haß, Lust, Furcht) im Einklang mit den zweckmäßen Weltgesetzen lebt.

Von Chrysippos stammt die Lehre von der periodischen Weltverbrennung und Welterneuerung durch die Gottheit.


Condorc

Marie Jean Antoine de Condorcet (1743 – 1794)

Marie Jean Antoine de Condorcet war ab 1762 in Paris wissenschaftlich tätig. Während der Revolution wurde er ins Gefängnis geworfen und starb dort durch Gift.

Nach Condorcet ist der menschliche Fortschritt festen (psychologischen) Gesetzen unterworfen. Die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen ist unbegrenzt.

In der französischen Revolution erblickt Condorcet die Realisierung der Idee einer Herrschaft der Vernunft. Er fordert eine sittliche Volksbildung, die Egoismus und Altruismus in das rechte Verhältnis setzt.

Church

Alonzo Church (geb. 1903)

Der Logiker und Mathematiker Alonzo Church befasste sich vor allem mit Entscheidungsfragen im Prädikatenkalkül und ist Begründer des λ-Kalküls.

Von ihm stammen die nach ihm benannten Sätze über die Nichtentscheidbarkeit der allgemeingültigen Ausdrücke des Prädikatenkalküls der ersten Stufe und die Nichtaxiomatisierbarkeit des Prädikatenkalküls der zweiten Stufe.

Church formulierte im Jahre 1936 die nach ihm benannte These, dass die partiell rekursiven Funktionen eine adäquate Präzisierung der intuitiven Berechenbarkeit sind.

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Conrad

Hedwig Conrad-Martius (1888 – 1966)

Die deutsche Phänomenologin wurde als Kind einer Medizinerrfamilie in Berlin geboren.

An der Universität München besuchte sie Seminare von Moritz Geiger und wurde so in den Kreis der Schüer von Theodor Lipps eingeführt. Dieser Kreis war unter dem Eindruck von Edmund Husserls Logischen Untersuchungen geschlossen zur Phänomenologie übergetreten.

1910 wechselte sie nach Göttingen. Dort hatte Husserls Lehrtätigkeit einen stetigen Zustrom von Studierenden herorgerufen, die sich als Philosophische Gesellschaft organisierten und zu informellen Zusammenkünften und Diskussionen trafen.

Hedwig Conrad-Martius wurde bald nach ihrem Eintreffen Vorsitzende dieser Gesellschaft.

1912 wurde ihre Arbeit Über die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus von der Philosophischen Fakultät Göttingen preisgekrönt und von Alexander Pfänder in München als Dissertation angenommen.

Im selben Jahr heiratete sie ihren Studienkollegen Theodor Conrad.

1920 lernte sie ihre Kollegin Edith Stein kennen, mit der sie fortan eine tiefe Freundschaft verband.

Ihre Obstplantage in Bergzabern war inzwischen ein Phänomenologen-Treffpunkt mit einer gut ausgestatteten Bibliothek geworden. So hielt sich Edith Stein mehrere Monate auf diees Plantage auf.

Aus wirtschaftlichen Gründen konnte sie erst ab 1930 wieder kontinuierlich philosophisch arbeiten. Ihr Versuch zur Habilitation schlug jedoch aufgrund eines jüdischen Großelternteils fehl.

1949 wurde sie Dozentin für Naturphilosophie an der Universität München. 1955 erhielt sie eine Honorarprofessur für Philosophie. Im Zentrum ihres Denkens stand das Realitätsproblem. Schon in ihren Arbeiten Die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus (1912) und Zur Ontologie und Erscheinungslehre der realen Außenwelt (1916) leiten in die Problematik einm die in ihren Arbeiten Realontologie (1923) und Das Sein (1932) weitgeführt wird.

Sowohl die von Hedwig Conrad-Martius als transzendental-idealistisch bezeichnete Phänomenologie Husserls als auch der in ihren Augen existentialistische Zugriff Heidegger werden nach ihrer Ansicht dem Phänomen des Realen nicht gerecht.

Conrad-Martius entwickelt daher eine eigene Theorie phänomenologischer Forschung, die sie als ontologische oder realistische Phänomenologie verstand.

Husserls transzendentale Reduktion ist in ihren Augen zwar als methodisches Hilfsmittel, um den Zugang zu einer zweifelsfreien Region reinen Bewußtseins zu gewinnen, erkenntnistheoretisch sinnvoll und legitim, ontologisch jedoch unfruchtbarer Standort.

Wird transzendentale Reduktion als einzige Zugang zum Sein überhaupt verstanden, so wird Sein zu einseitig vom Sein des Bewußtseins her bestimmt.

Anstatt in der transzendentalen Reduktion die im Bewußtsein liegende Wirklichkeitsbejahung einzuklammern, fordert sie den umgekehrten Weg zu gehen: das wirkliche Sein der Welt soll nicht hypothetische eingeklammert, sondern hypothetische als wirklich gesetzt werden.

Ein in bezug auf seine Wirklichkeitsbejahung untersuchtes reines Bewußtsein weist, nach Conrad-Martius, von sich selbst aus über sich hinaus und eröffnet die Erkenntnisa, dass Bewußtsein nicht als Maß alles Seienden und allen Seins dienen kann.

Nach ihrer Ansicht haben Gegenstände der realen Welt, einschließlich der Naturgegenstände, in zweifacher Weise am Sein teil: Zum einen besitzen sie kategoriales Sein, welches sich durch ihre Zugehörigkeit zum endlichen Sein in Raum und Zeit ergibt, und auch der allgemeinen phänomenologischen Einstellung zugänglich ist. Zum anderen sind Naturgegenstände in einer Weise in sich selbst hineingesetzt und gewurzelt, die keine Analogie mehr mit den Existenz- und Seinsweisen idealer und kategorial-realer Gegebenheiten besitzt.

Auf der Grundlage ihrer Ontologie entwickelte sie ihre Naturphilosophie.

Für die Natur werden immanente transphysische Potenzgrundlagen ausgewiesen. Diese sind auch die reale Begründung der neuen z. T. paradox erscheinenden Ergebnisse der Naturwissenschaften.

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Carnap

Rudolf Carnap

Rudolf Carnap (* 18. Mai 1891 in Ronsdorf bei Barmen, heute Wuppertal, † 14. September 1970 in Santa Monica, Kalifornien) war ein deutscher Philosoph und einer der Hauptvertreter des logischen Empirismus.

Für Carnap bestand die Aufgabe der Philosophie in der logischen Analyse der (Wissenschafts-)Sprache, wobei er als einer der ersten Theoretiker versuchte, die bahnbrechenden logischen Arbeiten von Gottlob Frege, Bertrand Russell und Alfred North Whitehead für erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Fragestellungen nutzbar zu machen.

Leben

Nach Abschluss des Gymnasiums in Barmen studierte Carnap Mathematik, Physik und Philosophie in Jena (u. a. bei Gottlob Frege) und Freiburg. 1921 promovierte er mit der Arbeit Der Raum bei dem Neukantianer Bruno Bauch. 1926 folgte die Habilitation mit seinem ersten Hauptwerk Der logische Aufbau der Welt an der Wiener Universität, an der er anschließend bis 1931 als Privatdozent tätig war und als führendes Mitglied maßgeblichen Anteil an den Diskussionen des Wiener Kreises hatte. Von 1931 bis 1935 hatte Carnap eine außerordentliche Professur für Naturphilosophie an der Deutschen Universität in Prag inne. 1936 emigrierte er auf Vermittlung von Charles Morris und Quine in die USA, wo er zunächst an der University of Chicago unterrichtete. 1941 wurde er Staatsbürger der Vereinigten Staaten. Von 1952 bis 1954 war er Professor in Princeton, bevor er 1954 einem Ruf an die University of California in Los Angeles folgte, wo er bis zu seiner Emeritierung 1961 lehrte.

Werk

In seinem Werk Der logische Aufbau der Welt (1928) setzte Carnap sich für eine empiristische Rekonstruktion des wissenschaftlichen Wissens ein. Er versuchte dabei zu zeigen, dass sich alle Begriffe, die sich auf die physische Außenwelt, die mentalen Zustände Anderer oder auf kulturell-soziale Vorgänge beziehen, letztlich auf eine eigenpsychische Basis zurückführen lassen, d.h. auf Begriffe, die den jeweiligen subjektiven Erlebnisstrom eines Beobachters betreffen.

In Scheinprobleme in der Philosophie. Das Fremdpsychische und der Realismusstreit (1928) und dem Aufsatz Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache (1932) erhob er auf der Grundlage einer verifikationistischen Semantik den Vorwurf der Sinnlosigkeit gegen die traditionellen Probleme der Metaphysik. 1930 begründete er mit Hans Reichenbach die philosophische Zeitschrift Erkenntnis.

Unter dem Einfluss von Otto Neurath distanzierte sich Carnap in den frühen Dreißigerjahren zunehmend von der Idee eines Konstitutionssystems mit eigenpsychischer Basis und entwickelte u.a. in seinem Aufsatz Die physikalische Sprache als Universalsprache der Wissenschaft (1931) eine physikalistische Sprachauffassung, innerhalb derer nicht mehr eigenpsychische Phänomene, sondern intersubjektiv zugängliche physische Gegenstände die primären Bezugsobjekte sind.

In seinem Werk Logische Syntax der Sprache (1934) plädierte Carnap dafür, Philosophie durch Wissenschaftslogik – d. h. durch die logische Analyse der Wissenschaftssprache – zu ersetzen. Sein Werk Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic (1947) befasste sich mit den modallogischen Grundlagen der Sprachphilosophie. In der Philosophie des Geistes stand Carnap dem Behaviorismus nahe.

Carnaps besonderes Interesse galt dem Aufbau formaler Logiksysteme. Mit seinem Toleranzprinzip und dem Prinzip der Konventionalität der Sprachformen betonte er jedoch stets die Vielzahl alternativer Sprachkalküle. Bedeutsames leistete er auch im Bereich der Wahrscheinlichkeitstheorie. In seinem Werk Logical Foundations of Probability (1950) befasste er sich mit Fragen der induktiven Wahrscheinlichkeiten und unterschied zwischen statistischer und logischer Wahrscheinlichkeit.

Gegen Ende seines Schaffens anerkannte er auch, dass die philosophischen Grundfragen des Leib-Seele-Problems, des Universalienproblems und der Begründung einer Ethik eine eigenständige Berechtigung haben.

Werke

  • Der Raum. Ein Beitrag zur Wissenschaftslehre, Berlin 1922.
  • Physikalische Begriffsbildung, Karlsruhe 1926.
  • Scheinprobleme in der Philosophie. Das fremdpsychische und der Realismusstreit, Berlin-Schlachtensee 1928.
  • Der logische Aufbau der Welt, Berlin-Schlachtensee 1928.
  • Logische Syntax der Sprache, Wien 1934.
  • Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic Chicago 1947.
  • Induktive Logik und Wahrscheinlichkeit, Wien 1959.
  • Mein Weg in die Philosophie, Stuttgart 1993.

Online-Texte

Literatur

  • Thomas Mormann: Rudolf Carnap. Beck, München 2000
  • Lothar Krauth: Die Philosophie Carnaps. Wien/New York 1997

Weblinks


Carus Fa

Friedrich August Carus (1770 – 1807)

Friedrich August Carus, geboren in Bautzen, war Professor in Leipzig.

Er ist ein von Kant und Jacobi beeinflußter Psychologe.


Carus Kg

Karl Gustav Carus (1789 – 1869)

Karl Gustav Carus, geboren in Leipzig, war Arzt und Professor der Medizin in Dresden.

Carus ist ein von Schelling beeinflußter Pantheist. Er hat vergleichende Psychologie betrieben.

Cassiod

Magnus Aurelius Casaiodorus (Cassiodorius) (geb. ca. 477)

Der Senator Magnus Aurelius Casaiodorus (Cassiodorius) war Geheimsekretär Theodorichs. Ab 540 war im im Kloster Vivarium wissenschaftlich tätig. Er war für die Ausbildung des wissenschaftlichen Unterrichts im Mittelalter durch seine Arbeiten von Bedeutung.

Die Einteilung der sieben freien Künste und Wissenschaften in das Trivium (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) und Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) geht auf ihn zurück.

Als Philosoph ist er vor allem von Augustinus, Boëthius und Claudianus Mamertinus beeinflußt. Die Seele des Menschen ist geistig, unsterblich und in allen Teilen des Leibes.

Castill

F. Castillon (1747 – 1814)

Der deutsche Philosoph und Logiker F. Castillon ist ein Schüler von J. H. Lambert.

Castillon formalisierte den Syllogismus.

Mit dem Zeichen + symbolisierte er die Zusammenfügung von Begriffen und mit dem Zeichen – ihre Zerlegung.


Burski

Adam Burski

Der polnische Logiker Adam Burski (lat.: Adam Bursius, * 1560, † 1611) wurde mit 13 Jahren an der Krakower Universität Magister. Später wurde er Präfekt der Brüderschaft von Jerusalem und Philosophieprofessor in Zamosk (heute: Zamo&;&;).

Adam Burski veröffentlichte philosophische Fragmente von Cicero. Er ist Vorläufer der induktiven Logik von Francis Bacon.

Werke

  • Dialektik des Cicero. 1604

Literatur

  • Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 1, 1506

Weblinks