Husserl

Edmund Husserl (1859 – 1938)

Husserl studierte ab 1876 in Leipzig und besuchte Vorlesungen in Mathematik, Philosophie, Physik und Astronomie.

1876 setzte er seine Studien in Berlin fort und hörte dort u. a. bei den Mathematikern Kronecker und Weierstraß.

Mit Rücksicht auf seine österreichische Staatsbürgerschaft promovierte Husserl 1882/83 in Wien mit einer Arbeit zur Variationsrechnung, kehrte aber wieder nach Berlin zurück, um unter Weierstraß Assistent zu werden.

Unter dem Eindruck der Wiener Vorlesungen von Brentano wendet sich Husserl 1884 ganz der Philosophie zu.

Er stand fortan unter dem Einfluss von Brentano und übernahm dessen Gedanken der Intentionalität des Bewußtseins.

1886 konvertierte Husserl vom jödischen zum protestantischen Glauben.

1887 habilitierte er bei C. Stumpf in Halle (Über den Begriff der Zahl. Psychologische Analyse). Die Habilitationsschrift geht in Husserls erstes Buch, die Philosophie der Arithmetik (1891), ein.

Von 1887 bis 1901 war Husserl Privatdozent in Halle. In dieser Zeit entstanden die Logischen Untersuchungen, die in 2 Bänden 1900/1901 erschienen und in denen Husserl die Grunlagen der Logik aufklären will.

Den Logischen Untersuchungen folgte 1901 – gegen den Widerstand der dortigen Philosophischen Fakultät – eine Berufung als außerordentlicher Professor nach Göttingen, wo er 1906 ordentlicher Professor für Philosophie wurde.

Ein Kreis von Schülern versammelt sich um Husserl. Dieser Kreis der sich Philosophische Gesellschaft nannte, ist später als die Göttinger Schule (der Phänomenologie) in die Philosophiegeschichte eingegangen.

In München fand sich eine Münchener Schule zusammen, zu der u. a. Moritz Geiger, Alexander Pfänder und Johannnes Daubert gehörten.

Um die Zusammenarbeit zu institutionalisieren wurde das Jahrbuch für Philosophie und Phänomenologische Forschung gegründet.

Der erste Band des Jahrbuches enthält Husserls Werk Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Darin stellt Husserl zum ersten Male seine Methode der phänomenologischen Reduktion vor.

Von seine Schülern enttäscht, die sich den Überlegungen nur zögerlich anschlossen, folgte Husserl 1916 einem Ruf nach Freiburg i. Br.

In Freiburg widmete er sich dem Ausbau seiner Philosophie und untersuchte die Intersubjektivität (Wie erkenne ich den Anderen als Mit-Subjekt?), das Verhältnis von Wissenschaft und Lebenswelt sowie die Geschichte.

In Freiburg übernimmt er von Rickert Heidegger als Assistenten, der jedoch bald eigene Wege geht.

Zu den Assistenten Husserls gehörten auch Edith Stein (1916-18), Landgrebe (1923-30) und Fink (1928-36). Kasimierz Ajdukiewicz und Hedwig Conrad-Martius waren weitere Schüler Husserls.

1929 gibt Heidegger Husserls Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins heraus. Dies ist Husserls erste Publikation nach seinem Werk von 1913. Außerdem erscheint 1929 die Formale und transzendentale Logik.

1929 hält Husserl in Paris Vorträge, die 1931 als Cartesianische Meditationen in französischer Sprache erscheinen.

Von 1933 an, hatte Husserl kaum noch Wirkungsmöglichkeiten. Seine letzte wichtige Arbeit Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie, in der es um das Verhältnis von Wissenschaft, Geschichte und Lebenswelt geht, wurde teilweise 1936 in einer in Belgrad verlegten Zeitschrift gedruckt.

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Hutches

Francis Hutcheson (1694 – 1796)

Der schottische Philosoph Francis Hutcheson schrieb Inquiry into the Original of our Ideas of Beauty and Virue (1725) und An Essay on the Nature and Conduct of the Passions and Affections with Illustrations on the Moral Sense (1728). Er ist dem Empirismus zuzurechnen

Hutcheson verwendete den Begriff moral sense, um eine Ethik aufzubauen. Der moral sense veranlaßt den Menschen zur Billigung altruistischer Motive bzw. Dispositionen und zur Mißbilligung menschenfeindlicher Neigungen. Er führt zu einer Form des Altruismus, i. S. einer wohlwollenden Einstellung des Menschen, die sich auf das größtmögliche Glück bzw. die größtmögliche Vervollkommnung eines sozialen Ganzen richtet.

Die damit einhergehende moralische Billigung vollzieht sich unabhängig von Nützlichkeitsgesichtspunkten und Trieberfüllungen. Die gleichzeitige Annahme eines Ideals der Harmonie von Neigungen erlaubt es, auch den egoistischen Trieben eine positive Bedeutung beizumessen, sofern sie nur die innere Harmonie der Persönlichkeit nicht beeinträchtigen.

Der Begriff moral sense wurde später vor allem von Butler und Hume präzisiert.

Hutcheson übte durch seine Kritik an der Begründung moralischer Erkenntnis aus der Vernunft (Clarke) und durch seine Lehre von der Verankerung der Moral im Gefühlsleben einen wichtigen Einfluss auf Hume und Bentham aus.


Hypatia

Hypatia von Alexandreia (ca. 370 – 415)

Die griechische Mathematikerin und Philosophin Hypatia von Alexandria ist Tochter des Mathematikers und Astronomen Theon von Alexandreia und die Schwester des Mathematikers Epiphanius.

Sie wurde von ihrem Vater unterrichtet, der dem alexandrinischen Museion angehörte. Ihre philosophische Bildung erhielt sie im Museion und wahrscheinlich in der neuplatonischen Schule von Alexandreia, deren Vorsteherin sie später war.

Ammonius Sakkas und sein Schüler Plotin waren Mitglieder des Museion gewesen, ihre Philosophie wurde aber auch in der neuplatonischen Schule gelehrt.

Ihre Lehrtätigkeit umfasste das gesamte Gebiet der Philosophie im damaligen Verständnis, also neben der Philosophie im engeren Sinne auch Mathematik, Mechanik und Astronomie.

Sie trug wahrscheinlich die neuplatonische Lehre im Sinne des Iamblichos von Chalkis vor.

Sie hatte viele Schüler, deren bedeutendster Synesius war, mit dem sie einen Briefwechsel pflegte.

Hypatia schrieb (verschollene) Kommentare zu Apollonios von Perge und Diophantos.

Ihr tragischer Tod wurde vielfach beschrieben. Der Überleiferung nach, kam sie eines Tages nach Hause, wurde von einer aufgebrachten Menge in die Kirche Kaisarion geschleppt, entkleidet, getötet und verbrannt.

Die von Sokrates Scholastikus gemachten zeitlichen Angaben über ihren Tod lassen auf den März 415 schließen.

Über das Mordmotiv wurde häufig spekuliert, schon zu ihrer Zeit und noch mehr im Laufe der Geschichte.

Mit ihrer Ermordung erlosch die alexandrinische Mathematikerschule.

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Iamblich

Iamblichos von Chalkis (ca. 283 – 330)

Der hellenistische Philosoph und Mathematiker Iamblichos ist Vater des Ariston. Er war einer der einflußreichsten Vertreter des Neuplatonismus und wird der syrischen Schule zugerechnet.

Ursprünglich Schüler von Porphyrios, wandelte Iamblichos die neuplatonische Lehre in eine mystisch, stark an orientalischen Zügen geprägte Offenbarungsreligion um.

Er hielt an der grundsätzlichen Unterschiedlichkeit eines göttlichen Urwesens gegenüber der Welt fest, zerlegte jedoch Plotins Nus in eine intelligible und eine intellektuelle Welt.

Aus diesen überweltlichen Gottheiten folgen nach Iamblichos in triadischer Ordnung 360 innerweltliche Götter, sodann Engel, Dämonen, Heroen und Naturgötter.

Er suchte so Mantik, Theurgie und jede Art Volksreligion zu rechtfertigen, die nach Iamblichos Stufen zur mystischen Versenkung des Menschen in die Gottheit darstellen.

Die damit vollzogene Überordnung der Religion über die Philosophie übte, obwohl Iamblichos selbst Gegner des Christentums war, auf die Entwicklung der mittelalterlichen Philosophie einen großen Einfluss aus.

Iamblichos‘ Mathematik hat starken zahlenmystischen Einschlag.

Die im Buch I der Slg. der pythagoreischen Lehren mehr oder weniger erfundene Biographie des Pythagoras begründete wahrscheinlich den Pythagoras-Mythos. Von Iamblichos war u.a. wohl Hypatia von Alexandreia stark beeinflußt. Theodoros von Asine war sein Schüler.


Ibnrushd

Abù al-Walìd Muhammad b. Ahmad Ibn Rushd (1126 – 1198)

Der Philosoph, Mediziner und Jurist Ibn Rushd (auch Averroës genannt) ist ein Anhänger des Aristoteles, den er als die Verkörperung des menschlichen Geistes ansah.

Man vermutet, dass Ibn Rushd etwa 50 bis 80 größere Werke verfasst hat, darunter das Werk Über die mögliche Vernunft, in dem die aristotelische Logik dargelegt wird.

Die Welt ist nach Ibn Rushd ewig und unerschaffen, da Gott mit ihr gleichaltrig ist und ihr nicht vorausgeht. Auch die Bewegung, deren Substrat die Materie ist, existiert von Ewigkeit her.

Die Materie ist die allgemeine Möglichkeit des Seins.

Ibn Rushd vertrat die Lehre von der doppelten Wahrheit und bekämpfte die orthodoxe und antiaristotelische Philosophie von al-Ghazàlì.

Er selbst wurde scharf angegriffen, insbesondere von Albertus Magnus und Thomas von Aquin.

Nach Meinung von Ibn Rushd kann der Mensch ohne Kenntnis der Logik nicht glücklich sein. Die Aufgabe der Logik besteht darin, die Regeln und Wege des Übergangs von den in den in der Empfindung gewonnenen Daten zu Erkenntnis der reinen Wahrheit zu lehren.

Alle Dinge und Erscheinungen sind nach Ibn Rushd durch notwendige Kausalität verbunden. Sie bilden eine Hierarchie, an deren Spitze das göttliche Denken steht, das alle Universalien enthält.

Ibn Rushd befasste sich mit Problemen der Modalität von Urteilen. Er vermerkte eine Gradation innerhalb der Modalitäten möglich, wirklich und notwendig und unterschied starke, indifferente und schwache Möglichkeit.

Die Herausgabe von Aristotelischen Schriften brachte ihm den Titel des Kommentators ein.

Aus die Philosophie von Ibn Rushd nimmt der Averroismus Bezug.

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Heraklit

Heraklit von Ephesos (ca. 540 – 480 v. u. Z.)

Das bis heute sprichwörtlich gebliebene pánta rhei stammt zwar nicht vom griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos (um 540 bis um 480 v. u. Z.), sondern wird ihm von Platon zugeschrieben; er trifft aber, wenn man es richtig versteht, den Kern der Philosophie des Heraklit.

Heraklit stammt aus einer alten Königsfamilie. In seine Lebenszeit fällt das Scheitern des Aufstandes der ionischen Städte gegen die persische Expansion.

Heraklits Kritik an den Zuständen in Ephesos zeugt keineswegs von politischer Abstinenz, sondern von tiefer politischer Unzufriedenheit: "Die Ephesier sollten sich samt und sonders, Mann für Mann, aufhängen und den Unmündigen ihre Stadt überlassen, sie, die den Hermodoros, ihren besten Mann, weggejagt haben, indem sie sagten: ‚Von uns soll keiner der Beste sein; wenn aber doch, dann anderswo und bei anderen!’"

Im Gegensatz zu dieser Haltung der Ephesier erklärt Heraklit: "Einer ist mir so viel wert wie Zehntausend, wenn er der Beste ist." Der Beste aber ist derjenige, der ewigen Ruhm den vergänglichen Dingen vorzieht. "Die Masse aber frißt sich voll wie das Vieh."

In der Lehre des Heraklit tritt stärker als bei den älteren Ioniern in der unlöslich gedachten Verbindung von Stoff und Bewegungskraft die lebendige Kraft des Urwesens hervor, des All und Einen, aus dem durch Verwandlung das Viele und Einzelne entsteht [vgl. Rohde, E. 1921a, 145].

Heraklit meint der Urgrund sei Seele, nämlich die Aufdünstung, woraus das übrige entsteht; die Seele sei das Unkörperlichste und in dauernden Fluss [Aristoteles, De anima I 2. 405a 26ff.]. Wir können daraus schließen, dass Aristoteles meint, Heraklit setze Feuer und Seele gleich.

Heraklits Stoff ist Weltgrund, aber auch beweglich. "Das Bewegte aber werde durch das Bewegte erkannt." [Aristoteles, De anima I 2. 405a 27f.].

Bei Heraklit ist der Urgrund aller Mannigfaltigkeit der Bildungen die absolute Lebendigkeit, die Kraft des Werdens selbst, die zugleich als ein bestimmter Stoff, oder einem der bekannten Stoffe analog gedacht ist [vgl. Rohde, E. 1921a, 145].

Der Träger der nie ruhenden, anfangslosen und nie endenden Werdekraft ist das Heiße, Trockene, benannt mit dem Namen des Elementarzustandes, der ohne Bewegung nicht gedacht werden kann, des Feuers. Feuer ist ganz Bewegung und Lebendigkeit.

Die Elemente des Leibes, Wasser und Erde, sind entstanden und entstehen fortwährend aus dem Feuer, das sich gegen alles umtauscht und gegen alles eingetauscht wird. So ist es die Seele das bildende Feuer, wandelt sich unaufhörlich in die niederen Elemente; es findet nicht ein Gegensatz zwischen jener und diesen, sondern ein fließender Übergang statt [vgl. Rohde, E. 1921a, 147]. Es ist verbürgt: "Für Seelen bedeutet es Tod, dass Wasser entsteht; für Wasser Tod, dass Erde entsteht, aus Erde entsteht Wasser, aus Wasser Seele." [Clemens von Alexandria, Strom. VI 17, 2 = DK 22 B 36].

Die Seele ist zwar vom Körper unterschieden,, eine für sich bestehende Substanz, aber eine solche, die sich selbst niemals gleich bleibt [vgl. Rohde, E. 1921a, 147].

Einen Tod in absoluter Bedeutung, ein Ende, dem kein Anfang wieder folgte, einen unbedingten Abschluß des Werdens gibt es bei Heraklit nicht. Tod ist ihm nur der Punkt, an dem ein Zustand in einen anderen umschlägt, ein relatives Nichtsein. Der Tod ist für den Menschen da, wenn die Seele nicht mehr in ihm ist.

Die Seele muss zuletzt den Weg zum Wasser beschreiten und beschreitet ihn willig; der Wechsel ist ihr Lust und Erholung. Die Frage nach einer individuellen Unsterblichkeit oder auch nur Fortdauer der Einzelseele hat für Heraklit kaum einen Sinn. [Rohde, E. 1921a, 150].

Dem Heraklit sowenig wie den Platonikern und Pythagoreern entsteht bei der Geburt des Menschen die Seele ihrer Substanz nach aus dem Nichts, vielmehr war sie Teil des Allfeuers, der Allseele von Ewigkeit vorhanden [vgl. Rohde, E. 1921a, 151 Anm.]

Die späteren unterschieben ihre Meinung dem Heraklit. Deutliche Aussprüche des Heraklit, die von seinem Glauben an Unsterblichkeit der Einzelseelen Zeugnis geben, liegen nicht vor; solcher Aussprüche aber würde es bedürfen, ehe man dem Heraklit eine Vorstellung beimessen könnte, die mit seiner übrigen Lehre wie allgemein zugestanden wird, in unvereinbarem Gegensatz steht.

Heraklit schreibt:

"Diese Welt, dieselbge von allen Dingen, hat weder der Götter noch der Menschen einer gemacht, sondern sie war immer und ist und wird immer sein ein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen sich entzündend und nach Maßen erlöschend." [58 fr. 30]

Nicht bei den Göttern und ihrem unerforschlichen Willen liegt unser Schicksal; wir sind Teil des Weltprozesses, der sich nach dem logos vollzieht, welches erkennbar ist.

Den logos, der "doch ewig ist, begriefen die Menschen nicht … Denn obgleich alles nach diesem Gesetz geschieht, machen sie den Eindruck, als ob sie nichts davon ahnten …" [31 fr. 1].

Die Menschen vertrauen allerrdings ihren Augen unsd Ohren. Was den Sinnen zugänglich ist, ist subjektive Meinung, sind Spiele von Kindern.

Erkenntnis der Dinge wird erst möglich, wenn sie auf der Erkenntnis des logos beruht.

"Vernünftige Einsicht zu haben, ist die größte Tugend, und Weisheit ist es, Wahres zu reden und gemäß der Natur zu handeln, indem man auf sie hört." [108 fr. 112].

Der logos-Begriff bei Heraklit bezeichnet kein transzendentales Wesen, das äußere wirkende Ursache der Natur ist; vielmehr bezeichnet err das Gesetz allen Entstehens und Vergehens, allen Wirkens in der Natur selbst:

"Alles erfolge nach dem Verhängnis und eben dies sei ein und dasselbe wie die Notwendigkeit." [55 Aetius I 27, 1].

Heraklit hat seinen logos-Begriff weniger auf die Beobachtung der physischen Natur als vielmehr aus der denkenden Betrachtung des politischen Lebens seiner Gesellschaft gewonnen. Erst danach hat er ihn auf die Natur übertragen. Dafür spricht folgendes Fragment:

"Ernsthaft gesprochen: Man muss bauen auf das allem Gemeinsame, wie eine Stadt auf ihr Gesetz, und noch viel fester. Denn alle menschlichen Gesetze ziehen ihre Nahrung nur will; es genügt allem und ist stärker als alles." [33 fr. 114].

Heraklits Fließen, das Werden und Vergehen, sind Ausdruck des Wirkens des logos, des Gesetzes.

Für Heraklit ist das ewige und unendliche Sein selber Prozeß. Ist aber das Sein absoluter Prozeß des Werdens und Vergehens, dann muss es selber mit seinem Gegensatz, mit dem Nichtsein, schwanger gehen. Weder Werden noch Vergehen können ohne das Nicht gedacht werden. Sein und Nichtsein sind die Elemente des Werdens.

Der Urgrund aller Dinge ist für Heraklit das Feuer: "Alles ist Austausch des Feuers und das Feuer Austausch von allem, gerade wie für Gold Waren und für Waren Gold eingetauscht wird." [61 fr. 90].

"Auch Herakleitos behauptet, dass sich die Welt bald in Feuer auflöse, bald sich wieder aus dem Feuer (neu) bilde, in gewissen Perioden." [64 Simplicius zu Aristoteles, Vom Himmel 94, 4ff.].

Mit dem Feuer wird das beweglichste Element zu Grunde gelegt.

"Man muss wissen, dass der Kampf das Gemeinsame ist und das Recht der Streit, und dass alles Geschehen vermittels des Streites und der Notwendigkeit erfolgt." [30 fr. 80]

"Kampf ist der Vater von allem; die einen macht er zu Göttern, die andern zu Menschen, die einen zu Ssklaven, die andern zu Freien." [29 fr. 53]

Die Natur führt "das Männliche mit dem Weiblichen zusammen … und knüpft so den allerersten Bund durch die entgegengesetzen Naturen" [26 fr. 10].

Die Gegensätze greifen ineinander:

  • "Das Kalte wird warm, Warmes kalt, Feuchtes trocken, Trocknes feucht." [20 fr. 10].
  • "Es lebt das Feuer der Erde Tod und die Luft lebt des Feuers Tod, das Wasser lebt der Luft Tod, die Erde den des Wassers." [22 fr. 76].

"Sie begreifen nicht, dass es (das All-Eine), auseinanderstrebend, mit sich selber übereinstimmt: widerstrebende Harmonie wie bei Bogen und Leier." [27 fr. 51]

Heraklit hat schöne Bilder für Gegensätze:

  • "Der Esel würden den Hächsel dem Golde vorziehen." [99 fr. 9]
  • "Meerwasser ist das Reinste und das Scheußlichste, für Fisch trinkbar und heilsam, für Menschen ungenießbar und verderblich." [101 fr. 61]

Das Erkennen des logos scheint für Heraklit das Wahrnehmen seiner Wirkungsweisen zur Voraussetzung zu haben: "Ich ziehe das vor, was man sehen, hören und untersuchen kann."

"Alle Menschen haben die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen und vernünftig zu denken." [89 fr. 116]

Hissmann

Michael Hissmann (1752 – 1784)

Michael Hissmann, geboren in Hermanstadt (Siebenbürgen), war Professor in Göttingen. Er ist ein Vertreter der deutschen Assoziationspsychologie. Er knüpft bei Hartley, Priestley und Bonnet an.

Die Assoziation erfolgt nach Koexistenz und Ähnlichkeit.


Herder

Johann Gottfried Herder (1744 – 1803)

Der deutsche Philosoph und Theologe Johann Gottfried Herder studierte in Königsberg. Er war zunächst von Kant und Hamann beeinflußt. Herder war von 1764 bis 1769 Lehrer an der Domschule Riga und Pastor. Dann war er Prediger in Bückeburg, später Superintendent in Weimar.

Herder wurde bekannt durch sein Auftreten gegen die Kritik der Vernunft von Kant, die er einen Wortnebel nannte. Anstatt die Vernunft zu kritisieren ist es nach Herder zweckmäßiger, mit der Untersuchung der Physiologie der Erkenntnisfähigkeiten des Menschen zu beginnen.

Gegen Kant war auch seine These gerichtet, dass zuerst die Sprache entsteht, und erst danach die Vernunft auftritt.

Kant habe unrecht, wenn er die Begriffe Raum und Zeit für apriorisch hielt, denn in Wirklichkeit, behauptet Herder, entstanden sie aus der Erfahrung.

Herder wendet sich energisch gegen die Tendenz (z. B. bei Wolff und später bei Kant), den Menschen in verschiedene Vermögen (Fähigkeiten) aufzuspalten.

Es geht um Selbstentfaltung, und daher gehören die menschlichen Tätigkeiten als Einheit zusammen. Grundlegender Ausdruck des Menschen ist die Sprache und deren reinster Ausdruck wiederum die Literatur.

Erst durch Sprache wird für Herder – ebenso wie für Hamann – der Mensch zum Menschen. Die Instanz der Sprache macht Herder gegen die Kantische Transzendentalphilosophie geltend. Ohne Sprache gibt es keine Vernunft.

Stärker als Hamann hebt er den historischen Charakter der Sprache hervor. Der Mensch selbst ist seinem Wesen nach geschichtlich. Daher nimmt in Herders Werk die Geschichtsphilosophie einen zentralen Platz ein.

Herder legt besonderes Gewicht auf die Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Kulturen und Epochen. Jedes Volk besitzt seinen besonderen Geist, den Volksgeist.

Herder bestimmt die Geschichte als zweckgerichtete (teleologische) Bewegung, als Entwicklung zur Humanität hin.

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Hermagor

Hermagoras aus Aeolien

Hermagoras ist ein Redner der in Rom wirkte. Er hat 6 Bücher zur Rhetorik verfasst.

Hermagoras aus Aeolien darf nicht mit dem Philosophen Hermagoras verwechselt werden, der Schüler von Perseus war und einige Dialoge verfasste.

Literatur

  • Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Bd. 4, 1534

Weblinks


Hermarch

Hermarchos

Hermarchos ist ein Schüler des Epikurs. Von den Schriften des Epikureers ist nichts erhalten.