Loewenh

Leopold Löwenheim

Leopold Löwenheim (* 26. Juni 1878 in Krefeld, † 5. Mai 1957 in Berlin) war ein deutscher Logiker und Mathematiker.

Nach dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften in Berlin von 1896 bis 1900 war er ab 1901 in Berlin als Lehrer tätig. 1933 erfolgte die Entlassung aus dem Schuldienst und 1934 die Zwangspensionierung.

Von 1946 bis 1949 war er wieder als Studienrat tätig. Seine wissenschaftlichen Arbeiten betreffen vorwiegend die Darstellung der Mathematik im Logik-Kalkül von Ernst Schröder. In einer beweist er 1915 im wesentlichen den Satz von Löwenheim und Skolem über die Existenz abzählbar unendlicher Modelle für Theorien mit unendlichen Modellen. Für den Satz von Löwenheim gilt

Jeder Ausdruck des Prädikatenkalküls der ersten Stufe, der in einem unendlichen Bereich erfüllbar ist, ist schon in einem abzählbar unendlichen Bereich erfüllbar.

Für den Schulgebrauch verfaßte er eine Reihe unveröffentlichter Manuskripte zur anschaulichen Geometrie.

Lomonoss

Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711 – 1765)

Der russische Aufklärer Michail Wassiljewitsch Lomonossow hat bei Wolff an der Marburger Universität Physik und Logik gehört und wurde dessen Schüler.

Für die Quelle des Wissens hält Lomonossow die objektive Welt. Das einzige Mittel der Erkenntnis ist der Versuch, das Experiment.

Über Lomonossows logische Ansichten wissen wir vor allem aus der Schrift Elemente der materialistischen Chemie und aus seinem Werk Kurze-Anleitung zur Rhetorik.

Die Kurze Anleitung zur Rhetorik, die 1748 erschien, verfasste Lomonossow in russischer Sprache und nicht im damals üblichen Kirchslawisch oder Latein. In diesem Werk wendet er die Logik auf die Rhetorik an.

Als Urteil bezeichnet Lomonossow zusammengesetzte Ideen, d. h. Ideen, in denen die Termini einen inneren Zusammenhang haben. Das Urteil hat zwei Teile, Subjekt und Prädikat. Unter dem Subjekt versteht Lomonossow den Gegenstand über den gefolgert wird unter dem Prädikat das, was über das Subjekt gefolgert wird. Subjekt und Prädikat bezeichnet Lomonossow als Termini des Urteils.

Nach Lomonossow ist nicht jede Vereinigung von Subjekt und Prädikat ein Urteil. Damit ein Urteil entsteht, ist ein innerer Zusammenhang der Termini notwendig.

Wenn man zwei einfache Ideen zu einer zusammensetzen will, genügt es nicht, sie in irgendeiner Weise zu verbinden, wie Hoffnung und Ermunterung, da in dieser Vereinigung keine vollkommene Vernunft ist. Es muss eine wechselseitige Entsprechung hergestellt werden. Die geschieht gewöhnlich durch die Kopula ist oder sind: Hoffnung ist Ermunterung.

Lomonossow schlug eine Klassifikation der Urteile vor, die von zwei Urteilsarten ausging: von allgemeinen und besonderen. Andere Logiker unterschieden entweder allgemeine Urteile und partikuläre Urteile oder allgemeine, partikuläre und individuelle Urteile. Partikuläre Urteil nimmt Lomonossow aus seiner Klassifikation. Sie sind – so Lomonosoow – nur vielleicht allgemeine Urteile, da in unserer Erfahrung bisher kein widersprechender Fall aufgetreten ist (andernfalls – so sein Argument – könnnte das partikuläre Urteil nicht den Fall und vielleicht auch alle einschließen). Lomonossow reduziert die partikulären Urteile, damit aber allem Anschein nach auf unbestimmt partikuläre Urteile.

Lomonossow lehnte Modi des Syllogismus wie Darapti, Felapton, Bamalip und Fesapo ab, da hier zwei allgemeine Prämissen, aber nur ein partikulärer Schlusssatz vorkommen. Er nahm damit die Kritik der Logiker an diesen Modi vorweg.

Die Gesetze der Logik, wie der Identitätssatz, der Satz vom Widerspruch, der Satz vom ausgeschlossenen Dritten und der Satz vom zureichenden Grunde, bezeichnet Lomonossow als die elementaren Prinzipien des erfolgreichen Denkens.

Der Satz vom Widerspruch wird sehr ausführlich dargelegt. In diesem Gesetz werden die Beziehungen zwischen konträren Dingen wiedergegeben. Als konträr bezeichnet Lomonossow Dinge, die auf einmal nicht zusammen sein können, wie z. B. Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Liebe und Haß


Lorenz

Kuno Lorenz

Der deutsche Philosoph Kuno Lorenz (* 7. September 1932 in Vachdorf, Thüringen) entwickelt eine dialogische Philosophie im Anschluss an die pragmatische Handlungstheorie des Erlanger Konstruktivismus‘.

Werdegang

Nach dem Studium der Mathematik und Physik in Tübingen, Hamburg, Bonn und Princeton promovierte Lorenz 1961 bei Paul Lorenzen in Kiel mit einer Dissertation über Arithmetik und Logik als Spiele. 1969 konnte er sich bei ihm in Erlangen auch für Philosophie habilitieren. 1970 wurde er auf den Lehrstuhl für Philosophie der Universität Hamburg berufen. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1997 lehrte er an der Universität des Saarlands in Saarbrücken.

Lehre

Lorenz entwickelte zusammen mit Paul Lorenzen die so genannte Dialogische Logik. Baumkalküle (allgemein die miteinander verwandten Gentzentypkalküle) werden dabei upside-down geschrieben, so dass die Anfangsbehauptung eines Proponenten oben steht und wie in einem Spiel gegen einen Opponenten verteidigt wird.

Er hat auch wesentlichen Anteil an der Klärung und Rekonstruktion des sprachlich grundlegenden Vorgangs der Prädikation, der in der Logischen Propädeutik des frühen Erlanger Konstruktivismus wie in der Sprachphilosophie deshalb von zentaler Bedeutung ist.

Zusammen mit Dietfried Gerhardus trug Lorenz entscheidend zur Semiotik und Handlungstheorie bei.

Nicht nur die Logik, sondern die gesamte Philosophie erhält bei Lorenz eine dialogische Komponente: Nur im Spiegel des jeweiligen Gegenüber ist es möglich auf sich zu reflektieren. – So können wir von Johann Gottfried von Herder und Charles Sanders Peirce lernen, dass Fremdes sich lernend aneignen läßt, ohne in die Alternativen Abgrenzung, Assimilation oder Akkommodation zu verfallen.

Werke

  • 1969 und Jürgen Mittelstraß: Die methodische Philosophie Hugo Dinglers. in: Hugo Dingler Die Ergreifung des Wirklichen. Kapitel I-IV. Suhrkamp, Frankfurt (Reihe Theorie 1)
  • 1970 Elemente der Sprachkritik. Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt (Reihe Theorie)
  • 1977 Einführung zu: Richard Gätschenberger Zeichen, die Fundamente des Wissens. Zweite, unveränderte Auflage vermehrt um eine Einführung von Kuno Lorenz. [Nachdruck von 1932] frommann-holzboog, Stuttgart (problemata; 59)
  • 1978 mit Paul Lorenzen: Dialogische Logik. WBG, Darmstadt
  • 1990 Einführung in die philosophische Anthropologie. Darmstadt
  • 1998 Indische Denker. München

Literatur

  • Gerhardus, Dietfried und Silke M. Kledzik (Hrsg.): Vom Finden und Erfinden in Kunst, Philosophie, Wissenschaft: k(l)eine Denkpause für Kuno Lorenz zum 50. Geburtstag. Universitätsdruck Saarbrücken 1985
  • Astroh, Michael (Hrsg.): Dialogisches Handeln: eine Festschrift für Kuno Lorenz. Spektrum Verlag, Heidelberg u.a. 1997


Lichtenb

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Georg Christoph Lichtenberg ist ein Vertreter der deutschen Aufklärung, der besonders von Kant beeinflußt ist.

Er kritisiert jeglichen Dualismus. Leib und Seele, Gott und Welt sind nur Abstraktionen von der einzigen Wirklichkeit. Von der Materie kennen wir nichts als Kräfte.

Unsere Erkenntnis ist ein Produkt der Reaktion des Subjekts auf die Einwirkungen der Dinge, deren empirische Existenz ebenso gewiß ist wie die unsrige. Ob die Dinge mehr sind als unsere Vorstellungen, können wir nicht wissen. Dass wir Ursachen unserer Empfindungen denken müssen, ist eine rein subjektive Notwendigkeit.

Alles kann uns nur durch unsere Vorstellung gegeben werden. Zu glauben, dass diese Vorstellungen und Empfindungen durch äußere Gegenstände veranlaßt werden, ist wieder eine Vorstellung.


Lichud J

Joanniki Lichud (1663 – 1717)

Der russische Logiker und Rhetoriker griechischer Herkunft las an der slawisch-lateinischen Akademie Physik an die Physik von Aristoteles anknüpfend.

1685 kam Joanniki Lichud nach Moskau. Er wurde Anfang des 18. Jahrhunderts zusammen mit seinem Bruder Sophronius Lichud der Häresie sowie der Verschwörung gegen die Staatsmacht beschuldigt und in ein Kloster verbannt.

Lichud S

Sophronius Lichud (1652 – 1730)

Der russische Logiker griechischer Herkunft, verfasste in lateinischer Sprache das erste Lehrbuch der Logik in Rußland. Dieses Werk hieß Klare Darlegung allen logischen Operierens.

Lichuds Buch steht unter dem Einfluss der aristotelischen Logik, insbesondere der Lehre von den Syllogismen, und unter dem Einfluss von Hobbes.

Lichud unterschied die drei Erkenntnisstufen Wahrnehmung, Urteil und Schluss.

Sophronius Lichud wurde Anfang des 18. Jahrhunderts zusammen mit seinem Bruder Joanniki Lichud der Häresie sowie der Verschwörung gegen die Staatsmacht beschuldigt und in ein Kloster verbannt.


Liebert

Arthur Liebert (1878 – 1946)

Der Philosoph Arthur Liebert ist einer der führenden Vertreter der Marburger Schule.


Lindenb

Adolf Lindenbaum

Der Logiker und Mathematiker Adolf Lindenbaum (* 1904, † 1941) ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.

Weblinks


Lipps Gf

Gottlob Friedrich Lipps (geb. 1865)

Gottlob Friedrich Lipps, geb. in Albersweiler, war Professor in Leipzig. Er ist ein Schüler von Wundt.

G. F. Lipps zeigt das Entstehen der kritischen Weltanschauung infolge des Gewahrwerdens der Widersprüche, die mit der Mythenbildung verknüpft sind.

Lipps T

Theodor Lipps (geb. 1851)

Theodor Lipps ist einer der Hauptvertreter des Psychologismus. Lipps ist u. a. von Kant, Hume, Herbart, Fechner und Wundt beeinflußt.

Die Philosophie ist nach Lipps Geisteswissenschaft oder Wissenschaft der inneren Erfahrung.

Logik, Ethik und Ästhetik basieren auf der Psychologie. Die Logik ist eine psychologische Disziplin. Nicht der unmittelbare Bewußtseinsinhalt ist der Gegenstand, sondern das damit Gemeinte, das, worauf ich in meiner Vorstellung ziele.

Es gibt Stufen der Apriorität. Rein a priori sind die Urteile über die Zeit, aber nicht die über den Raum.

Die Psychologie will Lipps nicht als physiologische, sondern zunächst als reine Psychologie behandeln, als Wissenschaft vom individuellen Bewußtsein, von der Seele und den seelischen Erscheinungen, vom Vorkommen von Bewußtseinserlebnissen in Individuen.

Die Assoziationen, d. h. die Beziehungen zwischen Vorstellungen, sind der Ausdruck und die unmittelbare Betätigung der Einheit des Geistes. Die Assoziationsgesetze (der Ähnlichkeit und Gleichzeitigkeit) sind Gesetze der Vervollständigung zur Einheit.

Jedes psychische Geschehen hat den Charakter des Strebens.

Eine besteht ein Perseverationstendenz.

Lipps formuliert das Gesetz der psychischen Stauung.

Das Wollen ist das Streben, dass etwas geschehe durch mich, durch mein Zutun.

Eine fundamentale Rolle spielt bei Lipps die Apperzeption.

Das Webersche Gesetz ist nach Lipps wie bei Wundt ein Apperzeptionsgesetz.

Bezüglich der Raumvorstellung vertritt Lipps eine Verschmelzungstheorie. Der Raum ist psychologisch, die Form, in welcher gleichzeitige Gesichts- und Tastinhalte geordnet erscheinen. Auch die Zeitvorstellung beruht auf einer extensiven Verschmelzung. Es besteht ein Fortgang des psychischen Geschehens und ein Sichverweben der Momentanerlebnisse zu einem einheitlichen Zusammenhang. Die Stadien dieser Assimilation sind Temporalzeichen.

Das Ich ist nicht der bloße aktuelle Bewußtseinszusammenhang, sondern das diesen Erzeugende. Die Gefühle sind Ich-Erlebnisse, Symptome der Weisen, wie sich psychische Vorgänge zum Zusammenhang des seelischen Lebens verhalten oder stellen, wie sie sich in ihn einfügen.

Das Ich ist (psychologisch) der Zusammenhang von Möglichkeiten eines Bewußtseinslebens. Die Momentan-Iche verdichten sich zur einheitlichen Gesamtpersönlichkeit.

Das reale Ich ist die Seele selbst, als An sich des Gehirns.

Die Ethik ist auf einer Werttheorie zu gründen, die als reine Wertlehre auszubauen ist. Das Werten ist das Bewußtsein von der Weise, wie ein Erlebnis zu meiner seelischen Natur der einem Zug innerhalb derselben sich verhält. Bedingung des Wertbewusstseins ist die Wertapperzeption. Ein Ding hat einen Wert, sofern es die Eignung hat, ein Wertgefühl zu erzeugen. Die Wertung ist objektiv, wenn sie durch den Gegenstand selbst gefordert ist und auch das Gesetz des reinen Ich sie fordert.