Maimonid

Moses Maimonides (1135 – 1204)

Der Arzt, Philosoph, Theologe und Logiker Moses Maimonides, auch Moses ben Maimon, hat insbesondere die logisch nicht beweisbaren Wahrheiten untersucht.

Sein Hauptwerk Leitung der Zweifelnden (1190 vollendet) trug wesentlich zur Verbreitung des Aristoteles, den Maimonides als König der Philosophen bezeichnete und dessen Lehren er mit der Tradition seines Volkes zu verschmelzen versuchte, innerhalb der jüdischen Welt bei.

In der Philosophie von Maimonides treten auch platonische Elemente hervor.

Seine Behauptung, dass ein vom Glauben unabhängiges Wissen existiert, rief die Vertreter des orthodoxen Judentums auf den Plan.

Seine Ideen haben u. a. Thomas von Aquino, Spinoza, Leibniz und Maimon beeinflußt.


Maine

François Pierre Gauthier Maine de Biran (1766 – 1824)

François Pierre Gauthier Maine de Biran untersuchte in seinen ersten Arbeiten den Einfluss der Gewohnheit auf das Denken.

Maine de Biran unterscheidet passive und aktive Gewohnheiten. Er formuliert als Grundgesetz der Gewöhnung, dass sie die Sinnesempfindung (Sensation) schwächt und die Wahrnehmung (perception) verstärkt. Die Wahrnehmung ist aktiver Art und an die Bewegung des Organes selbst geknüpft.

In seiner zweiten Periode führt Maine de Biran die Lehre Destutt de Tracy’s von der Kraftanstrengung des wollenden Ichs gegenüber dem Widerstand des Objektes weiter.

Das aktive, freie Ich ist die Quelle und das Muster unserer Grundbegriffe (Kausalität, Kraft, Substanz, Einheit usw.). Die Grundbegriffe stammen aus der inneren Erfahrung des Seins und des Wirkens des aktiven, wollenden Ichs.

Das Charakteristische der Ich-Tätigkeit ist die Willensanstrengung. In dem Bewußtsein dieser Anstrengung haben die Begriffe der Ursache und der Kraft ihre Grundlage.

Die Außenwelt besteht in den Beziehungen der Dinge zu uns.


Lukacs

György Lukacs (1885 – 1971)

Der ungarische Philosoph und Literaturwissenschaftler György Lukacs (auch Georg Lukacs) stammt aus jüdisch-bürgerlichem Hause.

Er studierte in Budapest, Berlin (bei Georg Simmel) und Heidelberg (bei Rickert, Lask und M. Weber).

Lukacs war 1919 Mitglied der ungarischen Revolutionsregierung. Als sie gestürzt wurde floh er nach Wien. Später hielt er sich in Moskau auf. 1944 kehrte Lukacs nach Ungarn zurück. Er war Professor für Ästhetik und Kulturphilosophie. 1956 nahm Lukacs am ungarischen Aufstand teil.

In seinen ästhetischen Schriften stellt Lukacs u. a. die literarischen Gattungen in einen sozialen Zusammenhang und verteidigt die (bürgerlich-)realistische Erzählweise gegen neuere Formen.

In Geschichte und Klassenbewusstsein (1923) legt er den Marxismus als eine Methode dar, die von der Idee der konkreten Totalität ausgeht. Nicht isoliert, sondern nur im Zusammenhang lässt sich etwas verstehen, so dass allein das Ganze die eigentliche Wirklichkeit ist. Dieser Gedanke wird mit dem Marxsche Topos des Proletariats verbunden. Das Proletariat vermag, sofern es Selbstbewusstsein, d. h. Klassenbewusstsein, erlangt, die Gesellschaft vom Standpunkt der Totalität oder des wahren Allgemeinen aus zu begreifen und umzugestalten. Dazu ist es in der Lage, weil es nicht von Sonderinteressen beherrscht wird.


Lukasiew

Jan Lukasiewicz (1878 – 1956)


Der polnische Logiker und Mathematiker Jan Lukasiewicz war von 1915-1939 Professor an den Universitäten von Lwow und Warschau und Mitbegründer der Lwow-Warschau-Schule der mathematischen Logik und Grundlagenforschung. Er gehörte auch dem Krakower Kreis an. Während der Besetzung Polens durch die Nazis wirkte er an der Warschauer Untergrunduniversität.

Ab 1949 wirkte er in Dublin (Irland).

Lukasiewicz gilt als ein hervorragender Kenner der griechischen Literatur über Logik.

Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Aussagenlogik, insbesondere zur mehrwertigen, zur modalen und zur intuitionistischen Logik.

Von Lukasiewicz stammt die erste von der klassischen Logik abweichende und explizit als mehrwertige Logik präsentierte Aussagenlogik [1]. Diese Logik hatte einen zusätzlichen Quasiwahrheitswert. Diese Logik wurde von Lukasiewicz sehr bald verallgemeinert. Eine zusammenfassende Darstellung hat er gemeinsam mit Tarski veröffentlicht [2].

In seinen mehrwertigen Logiken verwendet &;ukasiewicz die heute als Lukasiewicz-Tarski-Negation und als Lukasiewicz-Tarski-Implikation bezeichneten Wahrheitswertfunktionen.

Von Lukasiewicz wurde die gelegentlich nach ihm benannte klammerfreie Notation der Ausdrücke eines Aussagenkalküls systematisch begründet und verwendet.

&;ukasiewicz entwickelte ein eigenes Verfahren zur Formalisierung der aristotelischen Syllogistik.

Literatur

  • M. Talasiewicz: Jan Lukasiewicz – The Quest for the Form of Science. In: Polish Philosophers of Science and Nature in the 20th Century. (Ed. by Wladyslaw Krajewski) Amsterdam-Atlanta 2000

[1] Lukasiewicz, J.: O logice trójwarto&;ciowej, Ruch Filozoficzny 5 1920, 170f.;
engl. in: Lukasiewicz, J.: Selected Works (ed. L. Borkowski) Amsterdam/London/Warschau 1970
[2] Lukasiewicz, J./Tarski, A.: Untersuchungen über den Aussagenkalkül, Comptes Rendus Séances Société des Sciences et Lettres Varsovie, Cl. III, 23 (1930), 30 – 50

Weblinks


Lukian

Lukianos aus Samosata (ca. 125 – 200)

Lukianos (lat. Lucianus; dt. Lukian) aus Samosata (Syrien) stammt aus einfachen Verhältnissen. Er war ursprünglich Advokat, später Rhetoriklehrer und durchzog als Prunkredner und Sophist mit Vortragsreisen, die ihm gute Einnahmen sicherten das römische Imperium. Im Alter nahm er eine Beamtenstelle bei römischen Statthalter in Ägypten an.

Lukianos verspottet in seinen Schriften sowohl den Aberglauben als die Dogmen und Überhebungen der Philosophen. Am meisten sympathisiert er mit Epikur und Platon.

An literarischen Formen verwendete er die Übungs- und Prunkrede, Erzählung, Brief, Gespräch (Hetären-, Götter- und Totengespräche), Diatribe u. a. Sein Verdienst ist u. a., den platonischen Dialog mit Komödienmotiven und der Satire des Menipos verbunden zu haben.


Lukrez

Lucretius Carus

Der Dichter und Philosoph Lucretius Carus (auch Lukrez) ist ein Vertreter der Atomistik und lebte in Rom. Er berief sich vor allem auf die Lehre von Epikur. Sein Lehrer war wahrscheinlich Philodemos.

In seinem Lehrgedicht De rerum natura stellt er in sechs Büchern die epikuräische Philosophie dar.

Lucretius Carus war betrebt, eine Philosophie zu vermitteln, die dem Menschen Gemütsruhe und Gelassenheit gibt und ihm die Furcht vor dem Tode und den Göttern nimmt, die aus der Unkenntnis des Menschen über seine Stellung in der Welt, über die Natur und das Wesen entspringt und folglich durch Aufklärung überwunden werden muss.

Dabei spielen die atomistischen Theorie, die Lehre von der Sterblichkeit der menschlichen Seele und die Auffassung, dass die Götter weder in der Lage noch willens sind, sich in das Erdenleben einzumischen, die entscheidende Rolle.

Lucretius Carus fordert nicht das Lathe biosas Epikurs, sondern nimmt Anteil an den gesellschaftlichen Ereignissen seiner Zeit, verurteilt den sittlichen Verfall des Adels, klagt den Krieg und seine Schrecken an, die durch den technischen Fortschritt ständig anwachsen.

Lucretius Carus versucht, die Entstehung der Gesellschaft und Kultur auf natürliche Weise zu erklären. Die Menschen lebten zunächst in einem tierähnlichen Zustand, ohne Sprache, Erkenntnis und sozialen Zusammenhalt, die sich erst durch die Erfahrung entwickelten.

Die Staatsentstehung erklärt er durch die Vertragstheorie. Als Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung sieht er die Vernunft der Menschen an.

Online-Texte


Lun

Gunsun Lun (ca. 325 – ca. 250 v. u. Z.)

Der Logiker Gunsun Lun ist als Autor von Paradoxien, z. B. der vom Fliegenden Pfeil, bekannt, die an die Paradoxien von Zenon von Elea erinnern.

Gunsun Lun untersuchte die logische Natur der Kopula im Satz. Er analysierte den mittelbaren Schluss vom Typ der Analogie sowie die Typologie der Merkmale.

Luszczew

Seweryna Luszczewska-Romahnowa


Seweryna Luszczewska-Romahnowa (*1904, †  1978) ist Schülerin von Twardowski und gehörte zur Lwow-Warschau-Schule.

Literatur

T. Batóg: Seweryna Luszczewska-Romahnowa – Logic and Philosophy of Science. In: Polish Philosophers of Science and Nature in the 20th Century. (Ed. by Wladyslaw Krajewski) Amsterdam-Atlanta 2000


Lykon

Lykon aus Troas

Lykon aus Troas war 270 – 226 v. u. Z. Nachfolger seines Lehrers Straton als Haupt der peripatetischen Schule. Er arbeitete vornehmlich als Kommentator des Aristoteles.


Maass

Johann Gebhard Ehrenreich Maass (1766 – 1823)

Johann Gebhard Ehrenreich Maass war Professor in Halle. Er ist von Kant beeinflußt.

Die Logik ist die Wissenschaft von den Regeln der Form des Denkens. Die reine Logik betrachtet das Denken abgesondert, an und für sich. Die angewandte Logik betrachtet das Denken in gewissen, bestimmten denkenden Wesen.

Die Einbildungskraft wirkt bei der Bildung des Sinnesmaterials mit. Sie ist das tätige Vermögen, welches die Teile des Mannigfaltigen im Objekt auffasst, gegeneinander hält und so in ihrer Beziehung aufeinander vorstellt.

Die Assoziation beruht auf der Koexistenz der Vorstellungen.

Der Affekt ist ein Zustand, in dem eine starke innere Empfindung existiert. Die Leidenschaft ist eine starke sinnliche Begierde.