Philosophie Wörterbuch

Brainvat

Brain in the vat

Am Ende seiner ersten Meditation diskutiert Descartes die Annahme, irgendein böser Geist bringe ihn dazu zu glauben, er hätte einen Körper und Sinnesorgane, mittels derer er materielle Außendinge wahrnehme, obwohl dies in Wirklichkeit nichts zutrifft. Diesen bösen Geist nennt man in der Philosophie Genius malignus.

Das brain-in-the-vat-Argument (Gehirn-im-Tank-Argument, Gehirn-im-Topf-Argument) ist eine moderne Genius-malignus-Argumentes von Descartes.

Es besteht – so das Argument – die Möglichkeit, dass ich kein körperliches, von Dingen und Menschen umgebendes Wesen bin, sondern lediglich ein Gehirn in einem Tank (brain in a vat), das von einem an meiner umfassenden Täuschung Vergnügen findenden Wissenschaftler stimuliert wird.

Zuerst formuliert wurde die brain-in-a-vat-Idee anscheinend, ohne skeptische Absicht, von D. M. Armstrong und J. J. C. Smart. Bei G. Harman findet sich das Argument als skeptische These. K. Lehrer liefert eine Variante mit Googols, einer Spezies von bösen Außerirdischen.

Wenn wir die Möglichkeit einer derartigen Täuschung nicht ausschließen können, folgt (jedenfalls nach der Standardkonzeption von Wissen) aus dem Brain-in-the-vat-Argument ein umfassender Skeptizismus in bezug auf unser Wissen von der Außenwelt.

Buendel

Bündeltheorie der Referenz

Der Bündeltheorie der Referenz zufolge, die auf Wittgenstein und Searle zurückgeht, besteht die Bedeutung referierender Ausdrücke in einem Bündel (Cluster) von Merkmalen, von denen jedoch nicht unbedingt alle, aber genügend viele auf einen bestimmten Gegenstand zutreffen müssen, um die Referenz festzulegen.


Burali

Burali-Forti’s Antinomie

Burali-Forti’s Antinomie (1897, von Cantor 1895 entdeckt) ist eine logische Antinomie. Sie geht davon aus, dass jede wohlgeordnete Menge eine Ordnungszahl hat, nämlich die, zu der man kommt, wenn die Elemente der Menge gezählt werden. In der üblichen Mengenlehre kann man nur beweisen, dass die wohlgeordnete Menge aller Ordnungszahlen eine Ordnungszahl hat, die höher ist als jede Ordnungszahl in der Menge, also höher als jede Ordnungszahl.

Bwindust

Bewußtseinsindustrie

Bewußtseinsindustrie ist eine scherzhafte Bezeichnung für den großen Umfang den die Untersuchung des Begriffs Bewußsein in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangt hat.

C Erkl

Ursachenerklärung, kausale Erklärung

Wir reden von Ursachenerklärung oder kausaler Erklärung, wenn ein Ereignis x dadurch erklärt wird, dass x als eine Wirkung der Ursachen a, b… n betrachtet wird.

Seit Hume ist es verbreitet, Ursachenerklärung mit deduktiv-nomologischen Erklärung zu identifizieren. In der Wissenschaftstheorie hat man jedoch gewöhnlich die beiden Erklärungstypen auseinandergehalten, weil der Hinweis auf regelmäßige Zusammenhänge zwar als ein gutes Kriterium für das Vorliegen von kausalen Zusammenhängen betrachtet werden kann, aber nicht imstande ist zu erklären, was es heißt, dass ein solcher kausaler Zusammenhang vorliegt.

Nach Winch sind Handlungen, zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Institutionen von Regeln und nicht von Naturgesetzen gesteuert. Deshalb können gesellschaftliche Phänomene nur durch eine Klärung der Regelsysteme verstanden werden, nicht aber durch kausale Erklärungen.

C

C

In der polnischen Notation bezeichnet der Buchstabe C die Implikationsfunktion.

Begrumf

Begriffsumfang

Klasse aller Gegenstände, die durch einen gegebenen Begriff widergespiegelt werden, d. h. auf die jene Eigenschaften und Beziehungen zutreffen, die den Begriffsinhalt ausmachen. Z. B. ist der Begriffsumfang des Begriffes "weiß" die Klasse aller weißen Gegenstände.

Statt der Bezeichnung Begriffsumfang wird auch die Bezeichnung Extension verwendet.

Begriffe, die denselben Begriffsumfang haben, heißen äquipollent, umfangsgleich oder extensional gleich und werden bei logischen Untersuchungen häufig miteinander identifiziert.

Das Verhältnis zwischen Inhalt und Umfang eines Begriffes wird durch den Satz der reziproken Relation zwischen Begriffsumfang und Begriffsinhalt bestimmt.

Behaupt

Behauptung

Das Behaupten ist in der Sprechakttheorie ein zentraler Gegenstand der Analyse und wird dort zu den assertiven Äußerungen gezählt.

Bei Searle und Vanderveken wird die Erfüllungsbedingung von Behauptungen und Festlegungen als Wahrheitsbedingung bezeichnet. Die Behauptung ist erfüllt, wenn der propositionale Gehalt dem Weltzustand entspricht [1], d. h. wenn die ausgedrückte Proposition, das Behauptete, der Inhalt der Behauptung wahr ist.

Im Unterschied zur Erfüllungsbedingung einer Behauptung ist deren Erfolgsbedingung erfüllt, wenn die Behauptung vom Hörer für wahr gehalten wird.

Eine Behauptung kann gelingen, ohne erfüllt zu sein, nämlich dann, wenn sich das Behauptete als falsch erweist [2].

Ein Behauptung kann gelingen und erfüllt (wahr) sein, ohne erfolgreich zu sein, wenn der mit ihr erhobene Wahrheitsanspruch von seiten des Hörers anerkannt wird, der Sprecher sich jedoch irrt [3].

Eine Behauptung, die sich auf die Zukunft bezieht, ist eine Vorhersage oder eine Prognose.


[1] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 16
[2] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 21
[3] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 21

Beobacht

Beobachtung

Der empiristischen Auffassung zufolge stellt die Beobachtung die Grundlage jeder Erfahrung dar.

Dem Empirismus zufolge sind Beobachtungen die Grundlage unseres Wissens.

Wir haben eine Neigung, unseren Beobachtungen zu vertrauen, und ziehen sie gerne zu Rechtfertigungen heran. Es gibt jedoch Begründungskontexte, in denen unsere Beobachtungen selbst rechtfertigungspflichtig werden. Es gehört zu unseren Überzeugungen über Wahrnehmung, dass wir in manchen Fällen relativ zuverlässige Beobachter sind, aber in anderen Fällen unseren Sinnen nicht unbedingt vertrauen können. Für jede Beobachtungsaussage gibt es Irrtumsrisiko.


Berry

Berry’s Antinomie

Berrys Antinomie ist eine semantische Antinomie.

Sie wurde 1906 von B. Russell veröffentlicht. Man gehe davon aus, dass die kleinste Zahl, die nicht mit weniger als vierundzwanzig Silben beschrieben werden kann, eine Zahl bezeichnet. Obwohl diese Zahl nicht mit weniger als 24 Silben beschrieben werden kann, haben wir es eben mit nur 23 Silben getan.