Philosophie Wörterbuch

Aequbeg

Äquipollente Begriffe

Begriffe, die denselben Begriffsumfang haben, heißen äquipollent, umfangsgleich oder extensional gleich und werden bei logischen Untersuchungen häufig miteinander identifiziert (Extensionalitätsprinzip).

Die äquipollenten Begriffe gehören zu den vereinbaren Begriffen.

Eine wichtige Teilklasse der äquipollenten Begriffe sind die reziproken Begriffe.

Aequivo2

Äquivoke Begriffe

Als äquivok bezeichnet man Begriffe, die unterschiedliche Bedeutung haben können. So kann eine Birne sowohl eine Frucht als auch eine Glühbirne sein.

Äquivoke Begriffe sind von univoken Begriffen zu unterscheiden.

Äquivoke Begriffe sind Grundlage der Äquivokation.

Aequivok

Äquivokation

Als Äquivokation bezeichnet man eine Aussage, bei der ein äquivoker Begriff zu Mißdeutungen führen kann, z. B. Die Birne ist rot, kann eine Frucht aber auch eine Glühbirne meinen.

Die Äquivokation kann die Grundlage eines logischen Fehlschlusses sein, wenn ein äquivoker Begriff in verschiedener Bedeutung verwendet wird.

Afortior

A fortiori

A fortiori (lat., um so mehr, in noch größerem Maße) nennt man einen Modus des Potenzschlusses. Er hat die Form:

A ist größer als B
B ist größer als C
A ist größer als C

Alexandros von Aphrodisias berichtet, dass bereits Chrysippos diesen Modus kannte.

Agrippa

Agrippa’s Trilemma

Agrippa’s Trilemma heißt das Argument gegen die Vollständigkeit jeder Begründung.

Soll eine Begründung vollständig sein, müsste n die begründenden Behauptungen auch begründet werden können. Es gibt nur drei gleichfalls inakzeptable Möglichkeiten:

  1. Wir enden in einem unendlichen Regreß der Begründung.
  2. Wir bekommen einen Zirkelbeweis, demzufolge wir annehmen, was erst bewiesen werden soll.
  3. Wir enden mit der dogmatischen Annahme der Wahrheit einer Behauptung, ohne diese zu begründen.

Agrippa’s Trilemma wird auch als Fries’s Trilemma, als Münchhausentrilemma, als erkenntnistheoretisches Regreßargument oder als epistemisches Regreßproblem bezeichnet.

Das Trilemma wird im Skeptizismus als Argument des unendlicher Regreß der Rechtfertigung verwendet.

Akademie

Akademie

Die Bezeichnung Akademie leitet sich von dem Bezirk des Heros Akademos in Athen ab, wo Platon in seinen Gärten die Schüler versammelte.

Von Platon 388 v.u.Z. nach dem Vorbild des pythagoreischen Bundes gegründet, hat die Akademie die rechtliche Stellung einer Genossenschaft.

Ihre Mitglieder entrichteten monatliche finanzielle Beiträge.

Lehrer und Schüler wohnten gemeinsam in den verschiedenen Häusern des Anwesens. Lehrveranstaltungen und Disputationen erfolgten nach festgelegten Lehrplänen.

Ursprünglich zur Lehre der platonischen Philosophie gegründet unterlag die Akademie in ihrer fast 1000-jährigen Geschichte vielen Wandlungen, war aber das Zentrum des Platonismus ihrer Zeit.

Der alten Akademie (388 – 270 v. u. Z.) stand Platon bis zu seinem Tod 347 v. u. Z. selber vor. Die Leitung der Akademie (Scholarchat) und die Verwendung ihres Vermögens übertrug Platon testamentarisch seinem Neffen Speusippos, später wurde sie durch Wahl bestimmt.

Leiter der Akademie in dieser Zeit waren nach Speusippos auch Xenokrates, Polemon und Krates.

Außerdem sind Platons Schülerinnen Axiothea aus Phlius und Lasthenia aus Mantinea sowie Krantor der alten Akademie zuzurechnen.

Speusippos und Xenokrates setzten die mathematisch ausgerichteten logischen und metaphysischen Spekulationen des späten Platon fort und verbanden diese zum Teil mit der pythagoreischen Tradition. Im Anschluß an Platons mathematische Kosmologie und seine mündlich überlieferte Lehre konzentrierte man sich u. a. auf die Festlegung formaler metaphysischer Grundprinzipien.

Später verlagerte sich das Interesse von der abstrakten Metaphysik auf die Ethik. Diese Entwicklung wirkte u. a. auf die ältere Stoa.

Die mittlere Akademie (etwa 270 bis 150 v.u.Z.) enstand, als Arkesilaos die Leitung übernahm.

Sie vollzog eine Abkehr von der platonischen Philosophie, indem sie mit Argumenten von Pyrrhon und z. T. der Sophistik eine Erkennbarkeit der Wirklichkeit bestritt. Da es kein Wahrheitskriterium gäbe, sei die Zurückhaltung jedes Urteils über die Wirklichkeit notwendig (epoche). Für das menschliche Handeln hielt die mittlere Akademie bloße Wahrscheinlichkeit für ausreichend.

Die neuere Akademie (etwa von 150 v.u.Z. bis 529 u.Z.) wurde von Karneades gegründet. Sie begann mit der Sammlung und Ausarbeitung aller skeptischen Argumente gegen eine Erkenntnis der Wirklichkeit und unterzog alle bedeutenden Philosophen einer skeptischen Kritik. Ihr Kampf gegen die Teleologie und den Gottesbegriff der Stoa führte z.T. zu atheistischen Gedankengänge.

Nachfolger von Karneades war Kleitomachos.

Unter Philon von Larissa kam es zum Bruch mit dem Skeptizismus.

Mit der Übernahme der Leitung durch Antiochos von Askalon (ca. 88-68 v. u. Z.) begann die eklektische Phase der Akademie. Die Akademie begann vor allem auf dem Gebiet der Ethik aristotelische, platonische, pythagoreische und stoische Gedanken zu vereinen.

Anhänger dieses Eklektizismus waren u. a. Cicero und Terentius Varro sowie wahrscheinlich auch Caerellia. In dieser Zeit war auch Simplikios an der Akademie.

529 wurde die Akademie durch Justinian geschlossen.

Als Fortsetzer der Akademie betrachtete sich die platonische Akademie von Florenz, die 1459 gegründet wurde und deren Tätigkeit die Renaissancephilosophie wesentlich beeinflußte.

Seither werden mit Akademie gelehrte Gesellschaften und bestimmte wissenschaftliche Institutionen bzw. Bildungseinrichtungen bezeichnet.

Akadphil

Akademisch-Philosophischer Verein zu Leipzig

Über den Akademisch-Philosophischen Verein zu Leipzig ist nicht viel bekannt. Paul Barth, der von 1876 bis 1881 in Leipzig war, schreibt:

"Sehr viel auch verdanke ich dem schon genannten Philosophischen Verein, den ich zu meiner großen Freude in Leipzig vorfand, dessen Mitglied ich sofort wurde und bis zum Ende meiner Studienzeit blieb. In heißen Debatten wurden dort alle Probleme der Philosophie sowie die jeweiligen Zeitfragen erörtert, und zwar desto fruchtbarer, weil wir einen älteren Studenten unter uns zählten, Moritz Wirth, der schon im Mannesalter stand, darum Autorität hatte und durch sein vielseitiges Wissen und seinen logischen Scharfsinn immer wieder zu befestigen wußte, der in dieser Erziehung der jüngeren seine Aufgabe sah und sich ihr mit großem Eifer widmete." [1]

Paul Barth berichtet, dass er im Sommer 1876 einen Vortrag zu Hegels Philosophie der Geschichte vor diesem Verein hielt.

Literatur

  • Paul Barth. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Leipzig 21923, 1 – 20


[1] Paul Barth. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Leipzig 21923, 2

Akt

Akt

Akt (lat. actus) ist die scholastische Übersetzung des Begriffs energeia bei Aristoteles.

Der Akt ist die Tätigkeit, durch die eine Fähigkeit aktualisiert wird, oder die Verwirklichung einer Möglichkeit (vgl. dynamis/energeia). Gegenüber der Antike erfährt Akt bei Thomas von Aquin eine wesentliche Erweiterung, da das Wesen des endlichen Seienden als Potenz aufgefaßt wird, die zu ihrer Verwirklichung auf eine Wirklichkeit angewiesen ist, die ihrerseits reine Wirklichkeit, actus purus, einziger unendlicher Geist, ist.

Die Unterscheidung von Akt und Potenz (dynamis, potentia) stützt sich auf sachliche und begriffliche Gründe.

Sachlich ist die Differenz dadurch motiviert, dass eine Potenz rein für sich existent statuiert werden kann, unabhängig vom Akt, oder, wenn sie mit bzw. im Akt statthat, als diesen in seinem Bestand (ontisch) ermöglichend bzw. fundierend ausgewiesen scheint. Die begriffliche (logische) Differenz von Akt und Potenz scheint somit fachlich fundiert.

Es ist bezweifelt worden, ob die Differenz gerechtfertigt ist, da ein Akt seine Möglichkeit einschließt, ein wechselseitiges, nicht notwendigerweise aber ein sachlich (ontisch) reziprokes Verhältnis der Termini vor. Eine Potenz für sich kann nicht eigentlich bestehen, sie ist (nach Aristoteles) anzusiedeln zwischen Sein und Nichtsein und sie entzieht sich direkter Wahrnehmung. Sie ist spezifisch auf denjenigen Akt verwiesen, in dem sie erst zur Realisierung kommt.

Damit kann das Problem auf die Unterscheidung von möglichem und wirklichem Akt.

Ein bloß möglicher Akt ist eigentlich kein Akt und kann als nichtrelevant betrachtet werden. Ein verwirklichter Akt ist jedoch konstatierbar, auch ohne besonderen Ausweis der ihm zugeschriebenen inhärenten Möglichkeit oder Fähigkeit.

Immer wenn ein Akt stattfindet, ist seine implizite Möglichkeit mit dem präsent und kommt nur in ihm, in einseitiger Abhängigkeit von ihm zur Erfüllung; sie kann mithin nicht real, sondern nur durch begriffliche Unterscheidung als von ihm getrennt betrachtet werden.

Bei Husserl ist Akt ein intentionales Erlebnis, das auf einen Gegenstand gerichtet ist im Gegensatz zum Sinneseindruck, der bloß das Erlebnismaterial (griech. hyle) für das Gegenstandserlebnis bedeutet. Mit der Verwendung des Begriffs Akt bekundet Husserl, dass die Gegenstandserfahrung eine Tätigkeit enthält.

Abstrbeg

Abstrakter Begriff

Ein Begriff, in dem nicht ein bestimmter Gegenstand als solcher widergespiegelt wird (vgl. konkreter Begriff), sondern irgendeine Eigenschaft von Gegenständen, die gedanklich getrennt wurde, z. B. das Weiße, Mut, Schwere. Abstrakte Begriffe sind Individualbegriffe oder allgemeine Begriffe.

Absurdum

Reductio ad absurdum

Als reductio ad absurdum oder Zurückführung auf Sinnloses buw. reduction ad impossible oder Zurückführung auf eine Unmöglichkeit bezeichnet man die Widerlegung einer Behauptung durch den Nachweis, dass in ihr ein logischer Widerspruch enthalten ist. Gezeigt wird, dass die Annahme ihrer Gültigkeit zu einem Widerspruch mit gesicherten Thesen führt.

Man findet diese Argumentationsfigur in der Philosophiegeschichte unter anderem bei den Sophisten, bei Sokrates und bei den Eristikern.