Ravaiss

Félix Ravaisson-Mollieu (1813 – 1900)

Félix Ravaisson-Mollieu ist u. a. von Aristoteles, Plotin, Leibniz, Kant, Schelling und Maine de Biran beeinflußt. Ravaisson-Mollieu lehrt einen spiritualistischen Realismus. Er ist ein Gegner von Sensualismus und Positivismus.

In der Assoziation der Vorstellungen wirkt die Vernunft als Einheitsprinzip. Das oberste a priori unseres Geistes ist das Bedürfnis nach Abgeschlossenheit und Vollendung. Diesem Bedürfnis entspringen die Kategorien (Ursache, Ziel usw.).

Regis

Pierre Sylvain Régis (1632 – 1707)

Der Cartesianer Pierre Sylvain Régis ist Schüler von Jacques Rohault.

Er ist insbesondere durch sein Werben für die Philosophie von Descartes in Südfrankreich bekannt geworden.

Regius

Henricus Regius (1598 – 1679)

Der holländische Arzt Henricus Regius (Hendrik van Roy) ist Cartesianer. Er versuchte die Seele als besondere Eigenschaft der Materie zu erklären.

Rehmke

Johannes Rehmke (1848 – 1930)

Johannes Rehmke war Professor in in Greifswald.

Er ist ein Vertreter der Immanenzphilosophie und ein Gegner des Phänomenalismus im Sinne einer die Außendinge zu Erscheinungen unbekannter Wesen herabsetzenden Lehre.

Es gibt vielmehr nur eine Welt des Gegebenen. Das Gegebene existiert, unabhängig von jedem Einzelsubjekt, als Inhalt eines allumfassenden, universalen, güttlichen Bewußtseins.

Außen- und Innenwelt gehören untrennbar zusammen. Sie sind Abstraktionen aus einer einzigen Welt und beide mit gleicher Unmittelbarkeit und Gewißheit gegeben.

Die Wahrnehmungsinhalte sind nicht Bilder der Dinge, sondern selbst die Außendinge, das Andere des Ich.

Das Bewußtsein ist weder eine Eigenschaft der Vorstellungen, noch eine Tätigkeit des Geistes, noch das Gemeinsame der psychischen Erlebnisse.

Urteilen heißt, über Gegebenes zu entscheiden. Begriffe gibt es nur im Urteil, als Allgemeines, wodurch ein konkretes Gegebenes bestimmt wird.


Reichenb

Hans Reichenbach (1891 – 1953)

Der deutsche Philosoph und Logiker Hans Reichenbach war von 1926 bis 1933 Professor in Berlin, von 1933 bis 1938 in Istanbul und von 1938 bis 1953 in Los Angeles.

Reichenbach stand in engem Kontakt zum Wiener Kreis dessen Zeitschrift Erkenntnis er mit anderen redigierte. Außerdem war er am Aufbau der Berliner Gruppe beteiligt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Reichenbach emigrieren.

Reichenbach beschäftigte sich in seiner Philosophie hauptsächlich mit den Grundlagenproblemen der Naturwissenschaften. Nach Reichenbach beruht alle unsere Erkenntnis auf Wahrscheinlichkeitsschlüssen. Man kann nicht durch Beobachtungen feststellen, ob die Behauptung eines Wissenschaftlers wahr ist, sondern nur sagen, dass sie mehr oder weniger wahrscheinlich ist.

Davon ausgehend modifiziert Reichenbach die Sinntheorie des logischen Positivismus, indem er behauptet, dass ein Satz nur dann kognitiven Sinn hat, wenn Beobachtungen ermöglichen, ihm eine Wahrscheinlichkeit zuzusprechen.

Wissenschaftliche Gesetze (immer in einer wenn-dann-Form ausgedrückt) nennt Reichenbach nomologische Implikation.

Ausgehend vom Begriff der elementaren nomologischen Aussage oder Basisaussage definierte er die abgeleitete nomologische Aussage als eine Ausssage, die deduktiv aus einer Menge von Basisaussagen erhalten werden kann.

Eine Basisaussage muss nachweisbar wahr sein. Sie muss universal in dem Sinne sein, dass sie keine wesentlichen Referenzen zu speziellen Raum-Zeit-Regionen enthält. Eine Basisaussage muß eine Allaussage sein. Außerdem muss dass Antezedenz der Wenn-dann-Aussage falsch sein können.

Ein System von Basisaussagen kann nach Reichenbach dazu verwendet werden, die Modaloperatoren notwendig, möglich und unmöglich zu definieren.

P ist notwendig, genau dann, wenn P eine nomologische Aussage ist. P ist unmöglich, genau dann wenn die Negation von P eine nomologische Aussage und P ist möglich, genau dann, wenn weder P noch die Negation von P eine nomologische Aussage ist.

Großen Einfluss hatten seine Arbeiten über die philosophischen Grundlagen der Relativitäts- und Quantentheorie, wobei es ihm vor allem um eine Formulierung der Prinzipien der aus den Ergebnissen der Physik neu entstandenen Sicht von Raum und Zeit ging.

Zur logischen Beschreibung der Quantenmechanik konstruierte Reichenbach eine dreiwertige Logik mit den Wahrheitswerten wahr, falsch und unbestimmt, die drei Arten der Negation (ausschließende, diametrale und vollständige Negation) und drei Arten der Implikation (Standardimplikation, Alternativimplikation, Quasiimplikation) hat.

Reichenbach kritisierte Kants Theorie eines Raum- und Zeit-Apriori, weil Messungen gezeigt hätten, dass der wirkliche Raum gekrümmt und der euklidische Raum nur als Spezialfall angesehen werden könne.

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Reid

Thomas Reid (1710 – 1796)

Der schottische Philosoph Thomas Reid ist der Begründer der Schottischen Schule.

Reid war Gegner der Lehre von der empirischen Herkunft menschlichen Wissens. Nach seiner Ansicht hat die Seele letzte Urteilsprinzipien, die Axiome, die durch Intuition bewusst gemacht werden können.

Diese Prinzipien, die Prinzipien des gesunden Menschenverstandes [principles of common sense], entsprechen den natürlichen Empfindungen für das Gute und das Schöne und sind wie diese selbstevidente Wahrheiten [self-evident truth]. Reid ist damit Begründer der Common-Sense-Philosophie.

Nach Reid fußt alle Induktion auf dem Satz, dass gleiche Wirkungen gleiche Ursachen haben müssen.

Aus diesen ursprünglichen Urteilen versucht Reid Gott abzuleiten.

Bekannt wurde Reid auch durch seine Kritik am Skeptizismus von Hume.

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Reimarus

Herman Samuel Reimarus (1694 – 1768)

Der Philosoph und Theologe Hermann Samuel Reimarus ist als Vertreter des Deismus und insbesondere als Vertreter einer Vernunftreligion bekannt.


Reinach

Adolf Reinach

Adolf Reinach (* 1883, † 1917) ist ein Schüler von Husserl. Seine 1913 erschienene Arbeit über das Versprechen, nimmt einige Themen der Sprechakttheorie vorweg.

Schlußgesetze sind nach Reinach allgemeine Prinzipien die gesetzmäßige Beziehungen von Sachverhalten zum Ausdruck bringen. Zwei kontradiktorische urteile können nach Reinach nicht wahr sein, weil die Sachverhalte nicht zusammen bestehen können.

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Reinh E

Ernst Reinhold (1793 – 1855)

Der Philosoph Ernst Reinhold ist Sohn von K. L. Reinholds.

Er ist vor allem von Kant beeinflußt.

Die Philosophie bestimmt er als "die wissenschaftliche Entwicklung des organisch verbundenen Ganzen der wesentlichen, zufolge des Wesens der Menschheit streng notwendigen und allgemeinen Erkenntnisbegriffe der menschlichen Intelligenz". Diese Begriffe erfassen das objektiv Notwendige sowie die Einheit des Weltganzen und des Weltgrundes. Sie sind Universalbegriffe.

Das Philosophieren ist das Streben nach einer wissenschaftlichen, systematischen Ausbildung der Erkenntnis aller für das menschliche Bewußtsein als solches notwendigen und allgemeingültigen Wahrheiten.

Die formale Logik ist E. Reinhold zufolge die Lehre von den subjektiven Formen unseres Denkens. Sie schöpft ihren Inhalt aus rationaler Betrachtung und empirischer Beobachtung.


Protag

Protagoras von Abdera (ca. 485 – 415 v. u. Z.)

Der Sophist Protagoras wirkte 40 Jahre als Lehrer der Rhetorik in ganz Griechenland, insbesondere in Athen, und wurde schließlich dort im Alter von 70 Jahren der Gottlosigkeit angeklagt und trotz seiner Freundschaft mit Perikles und Euripides verurteilt.

Auf der Flucht nach Sizilien ertrank er. Seine Schriften sind nur in kleinen Bruchstücken erhalten geblieben. Protagoras übernahm die Lehre des Heraklit von der Entwicklung und Veränderung der Dinge, gelangte aber in der Konsequenz zu einem Relativismus, der in dem von ihm formulierten Homo-Mensura-Satz "Der Mensch ist das Maß aller Dinge" seinen Ausdruck findet.

Nach der Interpretation des Sextus Empiricus erklärt Protagoras die Relativität der Sinneswahrnehmungen dadurch, dass der Zustand des wahrnehmenden Menschen sich ständig ändert. Was wir wahrnehmen, hängt ab von unserem Alter, davon ob wir wachen oder schlafen und von den sonstigen Zuständen unseres Körpers. Die Veränderung der Körperzustände wird wiederum durch die allgemeine ontologische These erklärt, die Materie befinde sich in einem beständigen Fluss.

Probleme der Logik untersuchte Protagoras in seiner Schrift Die Kunst zu streiten. Eventuell war Protagoras einer der ersten, der den Dialog als Methode zur Wahrheitssuche verwendete, in dem zwei Diskussionspartner im Disput zwei entgegengesetzte Ansichten verteidigen.

Als erster begann Protagoras Verfahren zur Widerlegung inkorrekter Schlüsse zu erforschen.

Die Logik des Protagoras fand in der Mathematik des Theodoros von Kyrene und des Theaitetos ihren Niederschlag.

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen den logischen und ontologischen Lehrmeinungen des Protagoras und seiner Rhetorik.

Dem logischen Sachverhalt, dass entgegengesetzte Gedanken über eine Sache wahr sein können, entspricht die rhetorische Fähigkeit, über eine Sache entgegengesetzte Reden halten zu können. Dabei ist die Rede nicht bloßes subjektives Erzeugnis des Redners, bloßer Ausdruck seines inneren Zustandes, sondern etwas seinem sachlichen Gehalte nach in den Dingen Vorhandenes, das der Redner aufspürt.

Die Rhetorik des Protagoras geht von der Beziehung jedes subjektiven Aktes auf ein adäquates Objekt aus und versteht die Relativierung des Seins nicht als eine Destruktion, sondern als eine Objektivierung des menschlichen Erkennens.

Protagoras hat auch als erster die vier Modi des Verbums Optativ, Konjunktiv, Indikativ und Imperativ unterschieden und diesen sprachlichen Kategorien funktional pragmatische Kategorien der Sprache, nämlich Wunsch, Frage, Antwort und Befehl zugeordnet.