Rajgrod

Jakub Rajgrodzki (1900 – 1943)

Jakub Rajgrodzki ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.


Rescher

Nicholas Rescher (geb. 1928)

Nicholas Rescher, der 1938 mit seiner Familie von Deutschland in die USA emigrierte, studierte dort Mathematik und Philosophie.

Rescher geht von der Erkenntnis des Idealismus aus, dass Wahrheit Wahrheit nur als System begriffen werden kann. Er verknüpft eine Korrespondenztheorie der Wahrheit mit einer Kohärenztheorie der Rechtfertigung.

Kohärenz ist nach Rescher das Wahrheitskriterium, aber keinesfalls eine Definition der Wahrheit. Die Kohärenztheorie hat damit zu studieren, wie wir wahre von falschen Aussagen unterscheiden können. Bestandteile der Kohärenz sind nach Rescher Umfassung (comprehensiveness) und Konsistenz.

Kohärenz ist eine Relation zwischen einer wahrheitsfähigen empirischen Aussage A und einer nichtleeren Aussagenmenge M, die bereits als kohärent erwiesen ist. Die Relation besteht genau dann, wenn

  1. die um die Aussage A erweiterte Menge M logisch wiserspruchsfrei ist,
  2. es eine Teilmenge M gibt, die alle (und nur die) Aussagen enthält, aus denen sich die Aussage A ableiten lässt.
  3. Jede Teilmenge von M erweitert um die Aussage A aus kontextual zusammengehörigen Aussagen besteht.

Rescher verweist darauf, dass dieses Kriterium nicht kohärenztheoretisch belegt werden kann, sondern durch den praktischen Erfolg gerechtfertigt wird (methodischer Pragmatismus).

In der Ethik interessiert Rescher vor allem die Frage, wie die kulturelle Vielfalt von Werten und Normen ohne ethischen Relativismus erklärt werden kann. Rescher zufolge gibt es eine absolute Moral, die absolute Gültigkeit besitzt, aber unter Bedingungen bestimmter sozialer und kultureller Kontexte zu einer Vielfalt von moralischen Regeln wird. Moral kann sich nach Rescher nicht nur an den Interessen des einzelnen orientieren, sondern muss die Interessen von anderen berücksichtigen.


Ramsey

Frank Plumpton Ramsey

Der britische Mathematiker und Logiker Frank Plumpton Ramsey (* 22. Februar 1903 in Cambridge, † 19. Januar 1930) wurde in Cambridge geboren, wo sein Vater Präsident des Magdalene College war. Er besuchte das College in Winchester, bevor er nach Cambridge zurückkehrte, um Mathematik am Trinity College zu studieren. Er erhielt den Grad Senior Wrangler, den höchsten Abschluss, der im Fach Mathematik zu erreichen war.

Er war auf verschiedenen Gebieten belesen und interessierte sich für fast alles. Politisch war er linksorientiert und wie seine Ehefrau ein militanter Atheist. In einem Gespräch mit Charles Kay Ogden äußerte er seinen Wunsch Deutsch zu lernen. Ogden gab ihm ein Wörterbuch, dazu eine deutsche Grammatik und eine schwer verständliche philosophische Abhandlung und sagte zu ihm: Benutze die Grammatik und das Wörterbuch; komm wieder und sag uns, was du darüber denkst. Ungefähr eine Woche später hatte er nicht nur Deutsch gelernt, sondern hatte Einwendungen gegen die Theorien der Abhandlung vorzubringen. Er benutzte seine neuerworbene Fähigkeit, um Ludwig Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus zu lesen, welches jener 1918 fertigstellte.

Die Lektüre beeindruckte ihn tief. Er übersetzte daraufhin einen großen Teil davon ins Englische und veröffentlichte eine erste Rezension in der philosophischen Zeitschrift Mind. 1923 reiste er für kurze Zeit nach Österreich und diskutierte in dieser Zeit mit Wittgenstein, der in Puchberg zu der Zeit als Lehrer tätig war.

1924 schloss sich ein weiterer Besuch in Österreich an für eine Psychoanalyse bei Theodor Reik in Wien und weiteren Besuchen bei Wittgenstein. Er war ein scharfer Kritiker Wittgensteins und beeinflusste, neben Piero Sraffa dessen Spätphilosophie.

Zurück in England wird er im jugendlichen Alter von 21 Jahren als Fellow ans King’s College berufen und war Colleg’s Director of Studies in Mathematics.

Die beiden Existenzsätze, die von Ramsey in seiner Arbeit On a problem of formal logic aufgestellt wurden, wirkten als Initialzündung für weitere Arbeiten auf dem Gebiet der Graphentheorie und der Kombinatorik und sind als Ramsey-Theorem bekannt. Den in der Kombinatorik daraus entstandener Korpus nennt man Ramsey-Theorie.

Werke

  • Universals (1925)
  • Facts and propositions (1927)
  • On a problem of formal logic (1928)
  • Knowledge (1929)
  • Theories (1929)
  • General propositions and causality (1929)

Weblinks



Reuchlin

Johannes Reuchlin (1455 – 1522)

Der deutsche Philosoph und Humanist Johannes Reuchlin studierte ab 1470 in Freiburg i. Br., Basel, Paris, Poitiers und Orléans. 1481 erhielt er das Lizentia des römischen Rechtes in Tübingen, von 1496 bis 1499 war er Professor an der Universität Heidelberg. Ab 1499 arbeitete Reuchlin u. a. in Stuttgart als Rechtsanwalt. 1502/1503 war er schäbiuscher Bunsesrichter, aber 1519 Professor für Griechisch und Hebräisch in Heidelberg und dann in Tübingen.

Bekannt wurde Reuchlin durch seinen öffentlich ausgetragenen Streit mit dem Juden Johannes Pfefferkorn, dessen von den Kölnr Dominkanern unterstützte Forderung nach Verbrennung der nichtbiblischen jüdischen Schriften Reuchlin entschieden ablehnte.

Reuchlin ist beeinflußt von der Akademie in Florenz, von der Kabbala und von Nicolaus Cusanus.


Ramus

Pierre de la Ramée (1515 – 1572)

Der französische Philosoph, Mathematiker und Sprachphilosoph Pierre de La Ramée (lat.: Petrus Ramus) war der erste Professor für Mathemaik am Collèe, dem späteren Collège de France.

Pierre de La Ramée stützte sich auf Platon, Cicero sowie Quintilian und wandte sich gegen die aristotelische Logik. Sie sollte – wie er in seinen Aristotelicae animadversiones (1543) festhät – durch eine natürliche Logik des gesunden Menschenverstandes ersetzt werden.

Als Aufgabe der Logik betrachtete Ramée das Finden der kürzesten Wege in die Kunst des Entdeckens. Im Erkenntnisprozeß ist nicht die Syllogistik die Hauptsache, sondern das Vermögen zur Beobachtung und zum Experimentieren. Daher soll die Logik der Natur untersucht werden.

Die Logik teilt er in zwei Teile:

  1. die Lehre vom Begriff und von der Definition [De inventione] und
  2. die Lehre vom Urteil, vom Schließen und von der Methode [De iudicio].

Wie Platon und Cicero strebte Pierre de la Ramée nach einer Vereinigung des Schönen mit dem Wahren, der Philosophie mit der Poesie (Dialecticae partiones, 1543).

Ramée war Anhänger des Sprac“philosormers L. Meigret. Er orientierte sich aber mehr noch als dieser an der Sprache des Volkes als Quelle für die schriftsprachliche Norm. Seinen Vorschlag für eine radikale Rechtschreibreform (Gramere (1562), Neuauflage 1572 als Gramaire) konnte er nicht durchsetzen.

Da er Anhänger der Reformation war, musste er seinen Lehrstuhl 1563 aufgeben. Nach dem Frieden von Amboise 1576 erhielt er ihn zurück. Er wurde in der Bartholomäusnacht (26.8.1572) ermordet.

Nach Pierre de la Ramée ist der Ramismus benant.


Ranke

Leopold von Ranke (1795 – 1886)

Leopold von Ranke ist ein Philosoph der Romantik und ein Vertreter der historischen Rechtsschule.

Ranke hat 1830 in seiner Studie Geschichte und Philosophie und 1854 in den Vorträgen Über die Epochen der neueren Geschichte gegen die Auffassung Stellung genommen, dass sich die Gesellschaft in einem ununterbrochenen Fortschrittsprozeß befindet. Nach Ranke ist ein Fortschritt nur in allem anzunehmen, was sich auf Erkenntnis und Naturbeherrschung bezieht. Der Fortschrittsbegriff ist nicht auf das individuell moralische oder religiöse Dasein und auf die Produktion des Genius in Kunst, Poesie, Wissenschaft und Staat anzuwenden.

Bei Ranke gibt es Ansätze einer Generationstheorie.


Rashdall

Hastings Rashdall (1858 – 1924)

Hastings Rashdall ist ein Vertreter eines personalistischen Idealismus.


Rasiowa

Helena Rasiowa (1917 – 1994)

Die polnische Logikerin und Mathematikerin Helena Rasiowa wurde am 20. Juni 1917 in Wien geboren. Als Polen 1918 unabhängig wurden gingen ihre Eltern nach Warschau. 1938 ging Helena Rasiowa an die Warschauer Universität. Nach der deutschen Besetzung von Polen 1939 wurde die Universität geschlossen. Helena Rasiowa ging mit ihren Eltern nach Lvov, das aber unter sowjetische Kontrolle geriet. Da die deutsche Herrschaft das kleinere Übel zu sein schien, ging die Familie zurück nach Warschau.

Bedeutende Mathematiker und Logiker wie Borsuk, &;ukasiewicz, Mazurkiewicz, Sierpinski, Mostowski und andere wirkten an der Untergrunduniversität von Warschau. &;ukasiewicz und Soboci&;ski betreuten Helena Rasiowa.

Nach dem Krieg wurde Helena Rasiowa Lehrerin an einer Sekundarschule, da ihr Betreuer &;ukasiewicz Polen verlassen hat. Mostowski, der sich an sie erinnerte holte sie zurück an die Universität um ihr Studium unter seiner Betreuung zu vollenden. Nach dem Studium wurde sie Doktorandin unter Mostowskis Betreuung.

Ihre Dissertation verteidigte sie 1950. Es war ein Thema zu Algebra und Logik: Algebraic treatment of the functional calculus of Lewis and Heyting.

1957 wurde sie außerordentliche Professorin, 1967 ordentliche Professorin. Sie arbeitete vor allem zur algebraischen Logik und zu den mathematischen Grundlagen der Computerwissenschaft.

In der algebraischen Logik knüpfte sie an Post, Stone, Tarski und &;ukasiewicz an.

1984 führte Rasiowa den wichtigen Begriff der Inferenz ein. Dieser Begriff fürte zum approximativen Schließen und zur approximativen Logik. Helena Rasiowa starb am 9. August 1994 in Warschau.

Weblinks


Ratzenh

Gustav Ratzenhofer (1842 – 1904)

Gustav Ratzenhofer wurde vor allem als Soziologe bekannt. Er vertritt einen positiven Monismus, der die Einheit der Weltgesetzlichkeit betont.

Überall, im Physischen wie im Psychischen besteht Selbsterhaltung, Anziehung und Abstoßung. Die Dinge sind Teile und Manifestationen der göttlichen Urkraft, die ein Allbewusstsein besitzt.

Die Materie ist Produkt der Kraft.

Die Soziologie erforscht die Gesetzmäßigkeit des gesellschaftlichen Lebens. Die Gesellschaft geht dem Individuum voran, indem das inhärente Interesse soziale Verbände stiftet, welche als Gruppen miteinander kämpfen.


Putnam

Hilary Putnam (geb. 1926)

Der amerikanische Philosoph und Logiker Hilary Putnam studierte u. a. bei Quine und Reichenbach.

Während er zunächst den Funktionalismus maßgeblich mitprägte, wendete er sich später von diesem deutlich ab.

Er hat in vielen Schriften die Grundideen und Programme des logischen Positivismus kritisiert. Bei seiner Kritik geht er von Quines epistemischen Holismus aus.

Er vertritt aber nicht nur die Duhem-Quine-These aus, sondern verweist auch darauf, dass der Begriff des apriorischen Satzes nicht die Bedeutung hat, die ihm häufig zugesprochen wird. Unsere Möglichkeiten, Theorien als ganze der Erfahrung anzupassen, sind so weitreichend, dass es nicht sinnvoll ist, von vornherein irgendwelche Sätze als apriorisch auszusondern. Allerdings schränkt Putnam diese These in seinem Aufsatz There is at least one a priori truth ein [in: Putnam: Realism and Reason].

Wie Quine sieht Putnam, dass auch die Aussagen der Logik und Mathematik nicht apriorisch sind. Sie können sich als revisionsbedürftig erweisen. Putnam versucht die Eigenartigkeit von Logik und Mathematik damit zu begründen, dass es in ihnen nicht um Wahrnehmungstatsachen, sondern um kombinatorische Tatsachen gehe.

Theoretische Aussagen (z. B. über Atome) sind nach Putnam keine versteckten Aussagen über Beobachtbares, sondern Aussagen über theoretische Entitäten. Diese sind ebenso real wie die Dinge der Alltagswelt.

Theorien bestehen nicht nur aus Deduktionen zwischen theoretischen Sätzen und Beobachtungssätzen. Man kann die Güte einer Theorie nicht nur an ihrer Beziehung zu Beobachtbarem messen. Man muss auch ihre Beziehung zu Alternativtheorien berücksichtigen.

Die Güte einer Theorie lässt sich nicht exakt messen. Insbesondere ist der Bestätigungsgrad den Carnap angibt kein geeignetes Maß für die Güte einer Theorie. Die Bewertung von Theorien kann man – so Putnam – nicht algroithmisieren. Wissenschaft kann nicht vom Computer betrieben werden.

Putnam hat die sprachliche Arbeitsteilung untersucht. Ein Sprecher muss nicht Aluminium von Molybdän unterscheiden können und kann trotzdem mit dem Begriff Aluminium auf Aluminium referieren. Die Referenz wird nicht vom einzelnen, sondern von der Sprachgemeinschaft geleistet. Der Sprecher benötigt höchstens gewisse Stereotype, d. h. Minimalüberzeugungen.

Neben den Invarianz-Eigenschaften der Sprache, die sich aus der Sprachgemeinschaft ergeben, gibt es auch Invarianzen, die sich aus der physikalischen Umgebung ergeben. Um dies anschaulich zu machen führt Putnam das Gedankenexperimente mit der Zwillingserde (twin earth) in die Debatte ein.

Ein wesentlicher Aspekt von Referenz sind nach Putnam die kausalen Kontakte mit der Umwelt. Er entwickelt hier eine kausale Referenztheorie. Die kausalen Kontakte mit der Umwelt erzeugen Referenzkonstanz.

Er verbindet die kausale Referenztheorie mit einer Theorie der Interpretation. Wenn man sagt, dass zwei Wörter oder Wortverwendungen sich auf denselben Gegenstand beziehen, besagt dies nach Putnam nichts anderes, als dass es gute Interpretationspraxis ist, den Gegenstandsbezug gleichzusetzen. Die Deutung sprachlicher Äußerungen muss mit Hypothesen über die propositionalen Einstellungen der Sprecher einhergehen und deren soziale und physikalische Umgebung berücksichtigen. Putnam bereitet hier eine Kohärenztheorie des Personenverstehens vor, die später von Thagard, Bartelborth und Scholz entwickelt wird.

Putnam nutzt die kausale Referenztheorie um die Gehirn-im-Tank-These zu widerlegen. Diese besagt, dass es sein kann, dass wir alle Gehirne in einem mit Nährlösung gefüllten Tank sein könnten, denen von einem Computer die von uns gewohnte Welt vorgekaukelt wird. Gehirne im Tank habern keinen hinreichenden kausalen Kontakt mit den Gegenständen der Welt, in der sich der Tank befindet, sondern nur zu Gegenständen der vorgekaukelten Welt. Damit beziehen sich die Gehirne im Tank mit ihrer Sprache auf die Welt im Tank. In dieser Welt bin ich jedoch kein Gehirn im Tank, womit die These in meiner Sprache falsch ist.

Seine Argumente gegen die These, dass es möglich sei, dass eine für uns Menschen ideale Theorie falsch ist, sind u. a. für die Diskussion des Mehrere-Systeme-Einwandes gegen die Kohärenztheorie interessant.

Putnam argumentiert gegen diese These modelltheoretisch. Sei T eine ideale Theorie. Dann ist T konsistent. Damit existiert ein Modell und damit eine Referenzrelation, die jedem deskriptiven sprachlichen Ausdruck aus T eine Extension zuordnet, bei der T wahr ist. Will man die These aufrechterhalten, muss man zeigen, dass diese Referenzrelation nicht korrekt oder intendiert ist. Es muss also unter den Referenzrelationen eine ausgezeichnete geben, Die Auszeichnung ist aber gegeben, da Theorie T ja ideal sein soll. Zudem gibt es für die Theorie ungeheuer viele weitere Referenzrelationen.

Das korrespondenztheoretische Bild scheint zu suggerieren, dass es genau eine wahre und vollständige Theorie von der Welt existiert. Jedem Wissenschaftler ist jedoch bekannt, dass es äquivoke theoretische Beschreibungen gibt (Quines These von der Theorieunterbestimmtheit).

Putnam kritisiert die externalistische Perspektive, den God’s Eye point of view. Man kann nicht aus der eigenen Sprache und Theorie heraustreten und die Beziehung zur Welt von außen betrachten. Wir müssen daher akzeptieren, dass unser Denken sich immer nur innerhalb unserer Sprache und Theorie bewegen kann. Putnam bezeichnet diese Position als internen Realismus, später auch als pragmatischen Realismus.

Putnams interner Realismus lässt sich als Wahrheitstheorie auffassen. Er vertritt die These, dass es mehrere zulässige Beschreibungen der Wirklichkeit geben kann, deren Wahrheit in ihrer rationalen Akteptierbarkeit besteht. Die Theorie läuft – wie mir scheint – auf eine Wahrheitstheorie hinaus, die den Vorstellungen einiger parakonsistenter Logiker entspricht. Man könnte diesem Ansatz eine kohärenztheoretische Interpretation geben, obwohl der Ansatz wie er hier angedeutet ist, noch nicht zwingend kohärenstheoretisch interpretiert werden muss.

Auf Putnam geht der Begriff des methodologische Solipsismus zurück.