Vernun T

Theoretische Vernunft

Die theoretische Vernunft bezeichnet ein menschliches oder göttliches Erkenntnisvermögen. Die einen betrachten die theoretische als eine Form der kosmologischen Vernunft, andere betrachten sie ausschließlich als ein Erkenntnisvermögen.

Häufig wird der Begriff der theoretischen Vernunft synonym mit dem Verstandesbegriff verwendet.

Theoretische Vernunfterkenntnis wird in diesem Fall mit Wissen gleichgesetzt und steht hier im Gegensatz zum bloßen Glauben.

Der Verstand und die Verstandesbegriffe sind nach Kant an das Sinnesmaterial gebunden, welches der Sinnlichkeit gegeben ist. Die theoretische Vernunft im engeren Sinn, die reine Vernunft ist dem Verstand übergeordnet, weil sie die Fähigkeit begründet, Schlüsse zu ziehen und nach dem Unbedingten (den Vernunftsideen) zu suchen.

Fichte, Schelling und Hegel betonen die Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft.

Verspre

Versprechen

Die Sprechakttheorie hat der Analyse von Versprechen große Aufmerksamkeit geschenkt. Versprechen werden von den Sprechakttheoretikern zu den kommissiven Akten gezählt.

Gelingensbedingungen – so die Sprechakttheorie – für ein Versprechen sind: [1]

  1. dass der Sprecher auf eine zukünfitge Bedingung Bezug nimmt (Bedingung des propositionalen Gehaltes),
  2. dass sich der Sprecher auf die Ausführung dieser zukünftigen Handlung festlegt (Durchsetzungsmodus des illokutionären Zweckes)

Die Erfüllungsbedingung eines Versprechens besteht in derjenigen Handlung, auf die sich der Sprecher durch das Versprechen festlegt [2].

Wenn das Versprechen gebrochen wird (so Searle), ist der schuld, der das Versprechen gegeben hat (Welt-auf-Wort-Ausrichtung) [3].

Dieses Urteil von Searle ist allerdings etwas zu kurz gegriffen, denn es kann durchaus auch äußere Umstände geben, die dazu führen, das der Versprechende sein Versprechen nicht halten kann.

Insbesondere ist das Semele-Problem zu diskutieren.

Jean Paul schrieb über Versprechen:

"KeineVersprechen werden schwerer und später gehalten als die, bei welchen die Zeit der Erfüllung nicht bestimmt ist." [4].

Und Ovid vermeldete:

"An Versprechen ist jeder so reich, wie er will." [5].


[1] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 15
[2] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 16
[3] Searle, J. R.: Intentionalität. Eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes. Frankfurt a. M. 1987, 23
[4] Jean Paul: Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten. Leipzig 1965, 116
[5] Ovid: Die Liebeskunst, Leipzig 1966, 20

Verstand

Verstand

Als Verstand bezeichnet man das geistige Vermögen der Begriffsbildung.

Nach Cusanus stellt der Verstand (ratio) Gegensätzliches gegenüber.

Der Verstand liefert nach Kant das Material für die Vernunft.

Vocabula

vera rerum vocabula

Vera rerum vocabula (lat.: richtige, wahre Bezeichnung der Dinge) ist eine Methode des Streitgespräches.

Vollst

Vollständige Ursache

Im Gegensatz zur spezifischen Ursache ist die vollständige Ursache eine Ursache, bei deren Vorhandensein die Folge mit Notwendigkeit eintrittt.

Die vollständige Ursache ist somit die Summe sämtlicher mitwirkender Ursachen.

Mill verwirft die Unterscheidung zwischen mitwirkender und vollständiger Ursache Für ihn ist die Ursache immer mit einer vollständigen Ursache identisch.


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Vorstell

Vorstellung

Der Terminus Vorstellung wird in der Philosophie sehr unterschiedlich verwendet. Eingeführt wurde er in die deutsche Sprache durch Wolff.

Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Vorstellung (engl. idea, conception, notion; franz. idée, conception, notion; griech. phantasia, phantasma; lat. perceptio, imaginatio, repraesentatio, idea)

  • im Sinn eines Vermögens,
  • im Sinn der Ausübung dieses Vermögens und
  • im Sinn des Resultats dieser Ausübung.

In seiner weitesten Version fällt jedes (geistige) Erfassen eines Inhalts unter den Begriff Vorstellung, auch bereits die Wahrnehmung.

Bei Kant ist Vorstellung (repraesentatio) Oberbegriff für Perzeption (Vorstellung mit Bewußtsein), Empfindung, Erkenntnis, Anschauung, Begriff und Idee (als Vernunftbegriff).

Vorstellung werden nach mehreren Gesichtspunkten eingeteilt, die nicht miteinander verwechselt werden sollten.

Am geläufigsten ist wohl die Einteilung nach den Sinnen, mit denen sie auf die eine oder andere Weise (qualitativ, kausal usw.) verknüpft sein sollen: visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische, taktile Vorstellung Ferner unterteilt man sie nach der seelischen Funktion (z. B. Erinnerungsvorstellung, Phantasievorstellung usw.).

Bei den Phantasievorstellungen ging man traditionell davon aus, dass sie durch Trennung und Verbindung bereits vorrätiger Vorstellung gebildet werden.

Schließlich kann man sie nach der Art der beteiligten Zeichensysteme klassifizieren (verbale Vorstellung, bildhafte Vorstellung usw.).

Das häufig zugrundegelegte Modell, demzufolge Vorstellung private innere Gegenstände (etwa eine Art innere Bilder oder andere innere Zeichen) sind, welche dem Vorstellenden durch eine Art innerer Wahrnehmung zugänglich sind, ist auf vielfältige Kritik gestoßen.

Häufig werden Vorstellungen unter dem Terminus geistige (mentale, innere) Repräsentation erörtert.

Nach Hartley besteht eine Tendenz der Vorstellungen nach Ergänzung.

Nach P. Brown entspringen alle Vorstellungen aus der äußeren Wahrnehmung.

Nach Bonnet entspringen die Vorstellungen teils aus den Sinnen, teils aus der Reflexion.

Vschluss

Voraussageschluß

Bei einem Voraussageschluß oder der voraussagenden Induktion wird von einem Fall auf einen in der Zukunft liegenden anderen Fall geschlossen. Es wird also z. B. aus den bisherigen Beobachtungen von Schwänen geschlossen, dass über den Kreis der beobachteten hinaus alle Schwäne weiß sind.

Der Voraussageschluß ist nach Carnap einer der Haupttypen des Induktionsschlusses.


W Defin

Postulat der Wahrheitsdefinitheit

Als Postulat der Wahrheitsdefinitheit bezeichnet man die Forderung, dass jede Aussage, die keine Indikatoren (z. B. ich, du, hier, dort, jetzt) enthält einen festen Wahrheitswert hat.

W Formel

Weltformel

Als Weltformel bezeichnet man eine einheitliche Theorie der Materie und aller Wechselwirkungskräfte in der Natur.