Sophism

Sophismus

Als Sophismus bezeichnet man einen Fehlschluß, der mit Absicht erfolgt.

Im Gegensatz zum Sophismus steht der Paralogismus.

Der Überlieferung zufolge disputierte Hipparchia mit Theodoros, dem Atheisten, und überführte ihn durch ein Sophismus:

"Was Theodoros tut, ohne dafür eines Unrechtes geziehen zu werden, das kann auch Hipparchia tun, ohne dabei eines Unrechtes geziehen zu werden; Theodoros aber tut nicht unrecht, wenn er sich selbst schlägt, also tut auch Hipparchia nicht unrecht, wenn sie den Theodoros schlägt." (Diogenes Laërtios, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VI 96-98).

Bekannt sind auch die Sophismen Verhüllter und Gehörnter von Eubulides.

Weitere Beispiele für Sophismen:

  • Wer jemanden unterrichtet, der will, dass sein Schüler weise wird und aufhört ungebildet zu sein. Das heißt, er will, dass sein Schüler zu dem wird, das er nicht ist, und aufhört, das zu sein, was er jetzt ist. Folglich will er ihn aus dem Sein in das Nichtsein führen, d. h. ihn vernichten.
  • Dieser Hund hat Kinder, d. h. er ist Vater. Aber ist Dein Hund. Das heißt er ist Dein Vater. Da Du ihn schlägst, schlägst Du Deinen Vater.
  • Ein Tier ist etwas, was eine Seele hat. Mit meinem Eigentum kann ich nach Gutdünken verfahren. Meine Götter wurden mir von meinen Vätern vererbt und bilden mein Eigentum. Götter haben eine Seele, folglich sind sie Tiere. DAraus folgt: Mit meinen Göttern kann ich umgehen, wie es mir gefällt.
  • Wenn die Wand nicht atmet, weil sie kein Tier ist, so würde sie doch atmen, wenn sie ein Tier wäre. Aber viele Tiere, z. B. die Insekten, atmen nicht. Folglich atmet die Wand nicht deshalb nicht, weil sie kein Tier ist. Daraus folgt: Die Wand ist ein Tier, auch wenn sie nicht atmet.
  • Grammatisch Richtiges ist besser als Falsches. Frieden ist das Beste. Daraus folgt: Der Frieden ist etwas grammatisch Richtiges.
  • Ein Dieb will nichts Schlechtes erwerben. Der Erwerb von etwas Gutem ist eine gute Sache. Folglich will der Dieb etwas Gutes.
  • Diese Statue ist ein Kunstwerk. sie ist Deine. Daraus folgt: Die Statue ist ein Kunstwerk von Dir.


Sorites

Sorites-Paradox, Haufen-Argument

Dieses zur Gruppe der Slippery-slope-Argumente gehörende Paradox ist eines der Paradoxa des Eubulides aus Milet. Es findet sich auch bei Eukleides von Megara.

Eukleides von Megara formulierte das Paradox wie folgt:

Wenn fünfzig Körner einen Haufen bilden, dann auch neunundvierzig; wenn neunundvierzig, dann auch achtundvierzig. Setzen wir dieses Verfahren fort, so kommen wir zu der absurden Folgerung, dass zwei Körner einen Haufen bilden.

Nach Aristoteles geht das Haufen-Argument auf Zenon von Elea zurück [Aristoteles, Physik H 5, 250a 19f.].

Die Erkenntnis, dass diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann, führte in die megarischen Schule dicht an die Dialektik von Kontinuität und Diskontinuität in der Begriffsbildung heran.

Da aber die Megariker Begriffe lediglich auf das Unveränderliche in den Erscheinungen bezogen, folgerten sie aus der mangelnden Eindeutigkeit von Begriffsbestimmungen auf die Nichtexistenz von realer Bewegung und Entwicklung.

Eine andere Version des Argumentes besagt, dass ein fallender Kornhaufen kein Geräuch machen kann, da der Haufen aus lauter Körner besteht, die einzeln genommen lautlos zu Boden fallen [Aristoteles, Physik H 5, 250 b 20].


Sinnlk

Sinnlichkeit

Als Sinnlichkeit bezeichnet man die Fähigkeit zur Perzeption. Man spricht daher auch (nicht ganz korrekt) vom Wahrnehmungsvermögen.

Im Empirismus wird die These vertreten, dass alles Wissen über die Wirklichkeit aus der Sinneserfahrung stammt und dass alle Begriffe von der Sinneserfahrung abgeleitet sind.

Im Sensualismus (Mach) wird die These vertreten, dass alle Erkenntnis aus des Sinneseindrücken stammt.

Kant beschreibt die Sinnlichkeit als Rezeptivität, die uns in der Begegnung der Gegenstände Anschauung ermöglicht.

Bei Hegel stellt die sinnliche Gewißheit ein erstes unmittelbares Wissen dar.

Skandal

Skandal der Philosophie

In der Kritik der reinen Vernunft schreibt Kant: "so bleibt es immer ein Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das Dasein außer uns … bloß auf Glauben annehmen zu müssen und, wenn es jemandem einfällt es zu bezweifeln, ihm keinen genugthuenden Beweis entgegenstellen zu können" [1].

Martin Heidegger hat 1927 in Sein und Zeit erwidert: "Der ‚Skandal der Philosophie‘ besteht nicht darin, dass dieser Beweis bislang noch aussteht, sondern darin, dass solche Beweise immer wieder erwartet und versucht werden", denn zu "beweisen ist nicht, dass und wie eine ‚Außenwelt‘ vorhanden ist, sondern aufzuweisen ist, warum das Dasein als In-der-Welt-sein die Tendenz hat, die ‚Außenwelt‘ zunächst ‚erkenntnistheoretisch‘ in Nichtigkeit zu begraben, um sie dann erst zu beweisen" [2].


[1] Kant, I.: Kritik der reinen Vernunft B XL
[2] Heidegger, M.: Sein und Zeit, &; 43a (1927, 91960, 205f.

Skepsis

Skeptizismus


Skepsis2

Skeptizismus

Etymologie

Die Bezeichnung Skeptiker (griech.: skeyiz, skeptikoz, neulat.: scepticus, engl. scepticism, sceptic; franz.: scepticisme, sceptique; ital.: scetticismo, scettico) wurde in der Spätantike für jene Philosophen geläufig, die als "sich des Urteils über alles Enthaltende" bezeichnet worden waren und die man heute auch die antiken Skeptiker nennt.

Das griechische Adjektiv skeptikoz heißt wörtlich: einer der (etwas) untersucht. skeyiz heißt also zunächst nichts anderes als eingehende Untersuchung.

Philon von Alexandrien benutzt das Wort skeptikoi, um Philosophen zu bezeichnen [1].

Zur Zeit von Sextus Empiricus wurde skeyiz oder skeptikoz die übliche Bezeichnung für den Pyrrhoneer. Die pyrrhonischen Skeptiker wurden auch Aporetiker (aporhtikoz), Zetetiker (xhthtikoz, Forschender) oder Ephektiker (efektikoz, Strebender)) genannt.


Skepsis3

Skeptizismus

Grundthese des Skeptizismus

Die philosophische Skepsis vertritt die Auffassung, dass die Wahrheit eines Urteils nicht erkennbar sei. Dabei wird die Wahrheit – zumindest bei den Skeptikern der Antike – als Übereinstimmung des im Urteil ausgedrückten Sachverhaltes mit dem wirklichen, erkenntnisunabhängigen Sachverhalt verstanden, auf den sich das Urteil beziehe. Damit vertritt zumindest die antike Skepsis eine Korrespondenztheorie der Wahrheit.

Der Skeptiker geht davon aus, dass wir in unseren Urteilen den Anspruch erheben, einen Gegenstand so zu beschreiben, wie er an sich selbst und unabhängig von unseren jeweiligen Vorstellungen von ihm beschaffen sei.

Gegen diesen Anspruch richtet er sich, weil ihm die Einlösung dieses Anspruches unbeweisbar erscheint. Viele Skeptiker bestreiten jedoch nicht, dass es möglich sei, dass ein Urteil den Anspruch erfülle und somit wahr sei. Sie bestreiten die Beweisbarkeit des Anspruchs und halten daher das Urteil für einen voreiligen Akt, dessen man sich enthalten müsse, wenn man sich nicht auf bloße Dogmen verlassen wolle.

Der Streit zwischen Skeptizismus und Dogmatismus ist kein Streit um mögliche Gewißheit, sofern damit ein subjektiver Glaubenszustand oder gar eine Art Gefühl, das bestimmte Urteile begleitet, gemeint ist. Hierüber besteht Einigkeit, da auch die meisten Skeptiker diese Möglichkeit einräumen. Sie bestreiten jedoch, dass es eine Methode gibt, um sich selbst oder einen anderen zu irgendeiner Überzeugung zu zwingen, und zwar selbst dann, wenn der andere Überzeugungsversuchen zugänglich ist. Um den Zwang auszuüben, müsste man von einem Urteil nicht nur überzeugt sein und seine Wahrheit behaupten, sondern man müsste sie beweisen, d. h. sie so darlegen, dass sie jedermann einleuchten muß und niemand, der an der Wahrheit interessiert ist, umhin kann, dem Urteil zuzustimmen. Das lässt sich nach Ansicht des Skeptikers nicht erreichen.

Um die Unterscheidung von Rescher zwischen absoluten (guaranteeing) und zureichenden (authorizing) Wahrheitskriterien aufzugreifen: Die Skeptiker akzeptieren, dass es zureichende Wahrheitskriterien gibt, leugnen aber die Existenz absoluter Wahrheitskriterien.

Schmerz

Schmerz

Schmerz ist in seinem ursprünglichen Sinn die durch Erregung sensibler Nerven hervorgerufene Empfindung. Diese Empfindung unterscheidet sich von der Sinnesempfindung dadurch, dass sie nur auf den eigenen Körper bezogen wird.

Sie löst schon bei geringer Intensität starke Unlust aus.

Da der Schmerz starke Unlust auslöst, wird auch diese Unlust selbst, das Wiederstreben gegen das empfundene oder wahrgenommene Übel Schmerz genannt. Der Schmerz in diesem weiteren Sinn kann sich sowohl im sinnlichen wie im geistigen finden und auch auf die Erkennntis anderer als körperlicher Schädigungen beziehen. Er heißt dann seelischer Schmerz.

Der Schmerz gilt als selbstpräsentierende Eigenschaft.

Der Schmerz ist ein Übel, da er das Erlebnis eines Übels ist.

Man unterscheidet die durch die Haut (Stechen, Schneiden, Brennen, Jucken) und die durch innere Organe ausgelösten Schmerzen.

Schmerzen heißen exzentrisch, wenn er seine Ursache an einer anderen Stelle hat als an der, wo er empfunden wird.

Ein Schmerz heißt irradiiert, wenn er sich auf andere, nicht unmittelbar betroffene Stellen überträgt.

Der Teil des menschlichen Gehirns, der mit Schmerzempfindung verbunden ist, ist die Großhirnrinde.

Bis zur 18. Schwangerschaftswoche ist die Großhirnrinde noch nicht so weit entwickelt, dass sich synaptische Vorgänge in ihr abspielen. D. h., die Signale, die bei einem Erwachsenen Schmerzempfinden auslösen werden noch nicht empfangen. Zwischen 18 und 25 Wochen erreicht das Gehirn des Fötus ein Stadium, in dem zwar synaptische Vorgänge stattfinden, der Fötus aber noch im Stadium des Schlafes verharrt und vermutlich unfähig ist, Schmerz zu empfinden. Etwa in der 30. Woche beginnt der Fötus zu erwachen und ist sicher auch schmerzempfindlich und was wichtiger ist, der Fötus ist bereits außerhalb des Mutterleibs lebensfähig.

Peter Singer hat vorgeschlagen, um auf der sicheren Seite zu sein, ab der 18. Schwangerschaftswoche Empfindungsfähigkeit anzunehmen. [1].

Die Bestimmung des Zeitpunktes spielt in der ethischen Diskussion, um die Verwendung von Föten für medizinische Zwecke eine große Rolle.


[1] Singer, P.: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart 21994, 213

Schneibe

Sich schneidende Begriffe

Begriffe, deren Inhalt unterschiedlich ist und deren Umfänge sich teilweise decken, z. B. "Schriftsteller" und "Wissenschaftler". Einerseits ist in dem Begriffsumfang "Wissenschaftler" ein Teil des Begriffsumfangs "Schriftsteller" enthalten, andererseits ist in dem Begriffsumfang "Schriftsteller" ein Teil des Begriffsumfangs "Wissenschaftler" enthalten.

Die sich schneidenden Begriffe gehören zu den vereinbaren Begriffen. Die lateinische Bezeichnung für sich schneidende Begriffe ist: notiones inter se convenientes.

Schott

Schottische Schule

Schottische Schule nennt man eine philosophische Richtung im 18. und 19. Jahrhundert in Schottland.

Die Schottische Schule knüpft an die englische Moralphilosophie und Ästhetik an und richtet sich unter Berufung auf den common sense gegen den Humeschen Skeptizismus.

Von Thomas Reid begründet wandte sie sich neben der Erkenntnislehre und Religionsphilosophie auch der Ethik, Psychologie und Ästhetik zu.

Wichtige Vertreter sind James Beattie, Catherine Esther Beecher, Dugald Stewart, Thomas Brown und James Mackintosh.

Die Philosophie des common sense wirkt auch in Deutschland (F. H. Jacobi und die Popularphilosophie), Frankreich (Royer-Collard) und England (William Hamilton).