Lexika

Beobacht

Beobachtung

Der empiristischen Auffassung zufolge stellt die Beobachtung die Grundlage jeder Erfahrung dar.

Dem Empirismus zufolge sind Beobachtungen die Grundlage unseres Wissens.

Wir haben eine Neigung, unseren Beobachtungen zu vertrauen, und ziehen sie gerne zu Rechtfertigungen heran. Es gibt jedoch Begründungskontexte, in denen unsere Beobachtungen selbst rechtfertigungspflichtig werden. Es gehört zu unseren Überzeugungen über Wahrnehmung, dass wir in manchen Fällen relativ zuverlässige Beobachter sind, aber in anderen Fällen unseren Sinnen nicht unbedingt vertrauen können. Für jede Beobachtungsaussage gibt es Irrtumsrisiko.


Berry

Berry’s Antinomie

Berrys Antinomie ist eine semantische Antinomie.

Sie wurde 1906 von B. Russell veröffentlicht. Man gehe davon aus, dass die kleinste Zahl, die nicht mit weniger als vierundzwanzig Silben beschrieben werden kann, eine Zahl bezeichnet. Obwohl diese Zahl nicht mit weniger als 24 Silben beschrieben werden kann, haben wir es eben mit nur 23 Silben getan.

Averism

Averroismus

Als Averroismus bezeichnet man eine auf Ibn Rushd (Averroës) zurückgehende Auslegung des Aristoteles.

Der Averroismus geht vom Vorrang der philosophischen Wahrheit gegenüber der Religion aus. Er vertrat die These von der Unsterblichkeit der kollektiven, allgemeinen Menschlichen Seele. Die Unsterblichkeit der individuelle menschlichen Seele lehnte er ab. Wichtige Vertreter sind Siger von Brabant, Boëtius de Dacias, Petrus Hispanus und William Shyreswood.

Der Averoismus hat umfangreich auf den Aristotelismus der Renaissance, insbesondere auf die Paduaner Schule nachgewirkt.

Axiom

Axiom, Grundsatz

Als Axiom oder Grundsatz bezeichnet man einen ursprünglichen, unbeweisbaren Satz. Das Axiom ist die Grundlage der Beweise eines Gebietes.

Bereits Platon sieht in reinen, dem Denken entstammenden Grundsätzen, Grundurteilen die Quelle aller Erkenntnis. Von dem relativen Grundsatz (hypothesis) muss zu einem zulänglichen, ersten Satz, zum voraussetzungslosen Prinzip zurückgegangen werden.

Bei Aristoteles ist das Axiom ein Satz, der keinen Beweis braucht und die Grundlage eines Beweises bildet. Aristoteles bezeichnet auch einen praktischen Grundsatz als Axiom.

Die Stoiker verstehen unter Axiom einen durch sich selbst klaren Satz.

Die Scholastiker betrachten die Axiome als uns angeborene ewige Wahrheiten.

Descartes behauptet die Vernunftnotwendigkeit der Axiome.

Nach Galilei haben die Axiome ursprüngliche Evidenz.

Nach Locke gehören alle aus unmittelbarer Erfahrung entspringenden Sätze zu den Axiomen. Beispiel für ein solches Axiom ist der Satz der Identität. Die Axiome beruhen auf der unterscheidend-vergleichenden Funktion der Seele. Die Klarheit der Axiome beruht auf der Festigkeit, die sie im Bewußtsein erlangen.

Leibniz betrachtet die Axiome als angeboren, insofern sie, potentiell, im Bewußtsein angelegt sind und man sie im Denken finden kann, ohne von der Erfahrung auszugehen.

Hume betont, dass die Axiome durch das reine Denken entdeckt werden können, ohne von irgend einem empirischen Dasein abhängig zu sein.

Nach Reid sind die Axiome oder Prinzipien durch Intuition bewusst werdende ursprüngliche Wahrheiten (self-evident truths). Sie sind von strenger Notwendigkeit und Allgemeinheit.

Kant begründet die Notwendigkeit der Axiome aus der Apriorität der Anschauungs- und Denkformen. Geometrische Sätze sind apodiktisch, daher können sie weder Erfahrungsurteile sein, noch aus ihnen geschlossen werden. Die Quelle aller Grundsätze ist der reine Verstand.

Kant unterscheidet mathematische und dynamische Grundsätze.

Die mathematischen Grundsätze gehen nur auf die Anschauung. Sie sind unmittelbar. Die mathematischen Grundsätze gliedern sich in Axiome der Anschauung und Antizipationen der Wahrnehmung.

Die dynamischen Grundsätze gehen auf das Dasein einer Erscheinung überhaupt und sind nur mittelbar evident. Kant unterscheidet bei den dynamischen Grundsätzen die Analogien der Erfahrung und die Postulate des empirischen Denkens.

Nach Fries beruht die Notwendigkeit der Axiome auf der dauernden Tätigkeit der Vernunft. Die Axiome werden dadurch bewiesen (demonstriert), dass wir die Anschauung nachweisen, die in ihnen ausgesprochen wird.

Nach Windelband sind die Axiome für die genetische Methode tatsächliche Auffassungsweisen, welche sich in der Entwicklung der menschlichen Vorstellungen, Willensentscheidungen und Gefühle herausgebildet haben. Für die kritische Methode sind die Axiome Normen, welche unter der Voraussetzung gelten sollen, dass das Denken den Zweck hat, wahr zu sein, das Wollen den Zweck hat, gut zu sein bzw. das Fühlen den Zweck hat, Schönheit zu erfassen.

Für Mill sind die Axiome experimentelle Wahrheiten. Sie werden durch Verallgemeinerung aus der Beobachtung gewonnen und sind das Ergebnis der Induktion. Vorausgesetzt wird die Gleichmäßigkeit des Naturgeschehens.

Nach Maimon sind die mathematischen Axiome nicht a priori, da sie der Erkenntnis des Gegenstandes nicht vorhergehen. Die Notwendigkeit der Axiome ist bloß subjektiv.

Wundt betont, dass sich apodiktische Sätze nicht aus Anschauungen sondern aus zwingenden Schlussfolgerungen ergeben. Die Notwendigkeit der geometrischen Sätze beruht auf deren ausnahmsloser Gültigkeit. Die Axiome der Zeit können nur aus der Erfahrung stammen, weil sie, abgesehen von der Aufeinanderfolge unserer Vorstellungen, völlig gegenstandslos sind. Die mathematischen Axiome sind Anwendungen des Satzes vom Grunde auf mathematische Grundbegriffe. A priori sind sie nur, insofern Raum und Zeit begrifflich unabhängig von jeder speziellen Erfahrung bestimmt werden können. Die mathematischen Axiome haben den Charakter allgemeinster Erfahrungsgesetze. Sie beruhen auf ursprünglichen Induktionen und sind gleichzeitig Gesetze des Denkens und der Denkobjekte. Das Prinzip der Konstanz mathematischer Gesetze und das Prinzip der Permanenz der mathematischen Operationen bringen die Allgemeingültigkeit der mathematischen Begriffe zum Ausdruck.

Schuppe sieht den Grund der Evidenz der mathematischen Axiome in deren Anschaulichkeit.

Nach Schubert-Soldern beruht die Evidenz der mathematischen Axiome auf der Undenkbarkeit des Gegenteils.

Ähnlich bestimmt Sigwart die Axiome als Sätze, deren Wahrheit und Gewißheit unmittelbar einleuchtet und deren Gegenteil nicht gedacht werden kann.

Die Axiome der Mathematik haben nach Drobisch unmittelbare Evidenz als Tatsachen der Anschauung von assertorischer Geltung.

Die Axiome der Geometrie sind nach Erdmann empirischen Ursprungs. Nur sofern die Raumvorstellung durch psychische Vorgänge erzeugt wird, ist sie a priorisch.

Nach Poincaré sind geometrische Axiome weder synthetische Wahrheiten a priori noch experimentelle Wahrheiten, sondern Konventionen.

B Gruppe

Berliner Gruppe

Die Gesellschaft für empirische Philosophie in Berlin war eine Gruppe von logischen Positivisten die sich in Berlin um Reichenbach bildete. Sie wird häufig als Berliner Gruppe bezeichnet. Zur Berliner Gruppe gehörte u. a. Grelling, Dubislav und Hempel.

Die Berliner Gruppe übte wie der Wiener Kreises zwischen den beiden Weltkriegen auf Philosophen, Naturwissenschaftler und Mathematiker in Europa und den USA großen Einfluß aus.


B Schule

Berliner Schule

Die wichtigsten Vertreter der Berliner Schule der Gestaltpsychologie suchte anders als die Grazer Schule und die Leipziger Schule in den Gestaltgesetzen des phänomenalen Feldes die Ursache für psychische Phänomene wie die optische Wahrnehmung.

Die wichtigsten Vertreter dieser Schule waren M. Wertheimer, K. Koffka, K. Lewin und W. Köhler.

Barbier

Antinomie vom Barbier

Russell hat eine verständliche Parallele zu Russell’s Antinomie in der Antinomie vom Barbier gegeben, der alle Bewohner in der Stadt x rasiert, die sich nicht selbst rasieren. Er rasiert sich selbst, eben wenn er es nicht tut. Wie Russell’s Antinomie so ist auch die Antinomie vom Barbier eine logische Antinomie.

Assoz G

Assoziationsgesetz

Nach Hume bezeichnet man als Assoziationsgesetze die Art und Weise, wie sich unsere Bewußtseinsinhalte verknüpfen, ohne Rücksicht darauf, ob diese Verknüpfungen Tatbeständen außerhalb des Bewußtseins entsprechen oder nicht.

Die Tatsache, dass sich Vorstellungen überhaupt miteinander verknüpfen lassen, gilt ihm als psychisches Grundgesetz, von dem er drei Erscheinungsformen unterscheidet:

  1. das Gesetz der Ähnlichkeit,
  2. das Gesetz der Berührung in Raum und Zeit und
  3. das Gesetz der Verursachung.

Diese Gesetze erinnern an die drei Arten von Assoziationen,

  • nach der Ähnlichkeit,
  • nach dem Gegensatz,
  • nach der räumlichen oder zeitlichen Nähe,

die Aristoteles in der Schrift Gedächtnis und Erinnerung unterscheidet.

Hegel hat in &; 455 seiner Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundriß diese Position kritisiert:

"Die sogenannten Gesetze der Ideen-Association haben besonders mit … [der] Blüte der empirischen Psychologie ein großes Interesse gehabt. Fürs erste sind es keine Ideen, welche associiert werden. Fürs andere sind diese Beziehungsweisen keine Gesetze, eben darum schon, weil so viele Gesetze über dieselbe Sache sind, wodurch Willkür und Zufälligkeit, das Gegenteil eines Gesetzes, vielmehr Statt hat; es ist zufällig, ob das Verknüpfende ein Bildliches oder eine Verstandeskategorie, Gleichheit und Ungleichheit, Grund und Folge usf. ist. Das Fortgehen in Bildern und Vorstellungen nach der associierenden Einbildung ist überhaupt das Spiel eines gedankenlosen Vorstellens, in welchem die Bestimmung der Intelligenz noch formelle Allgemeinheit überhaupt, der Inhalt aber der in Bildern gegebene ist."

Nach Thomas Brown gibt es im Grunde nur ein Assoziationsgesetz, das der Berührung (contiguity) in Raum und Zeit.

Nach Bain gibt es Assoziation durch Kontiguität (Berührung in Raum und Zeit) und durch Similarität.

Nach T. Lipps sind die Assoziationsgesetze (der Ähnlichkeit und Gleichzeitigkeit) Gesetze der Vervollständigung zur Einheit.

Die Assoziationsgesetze sind – nach Cornelius – notwendige Folgen der Bedingungen, ohne welche die Einheit unseres Bewußtseins nicht gedacht werden kann.


Basale

Basale Überzeugung

Der fundamentalistischen Erkenntistheorie zufolge gibt es eine epistemisch ausgezeichnete Klasse von Überzeugungen, die selber keiner Rechtfertigung durch andere Überzeugungen bedürfen. Diese Überzeugungen bezeichnet man als basale Überzeugung oder als basale Meinungen.

Assoz P

Assoziationspsychologie

Als Assoziationspsychologie (auch: Assoziationismus) bezeichnet man die Lehre, nach der alle Resultate des menschlichen Denkens, nur durch psychische Gesetzmäßigkeiten bedingte Umbildungen der urspänglichen Sinnesempfindungen sind.

Der theoretiasche Ausgangspunkt ist durch die Auffassung von Hobbes gegeben, dass Erkenntnistätigkeit und physiologische Vorgänge einen einheitlichen mechanischen Zusammenhang bilden.

Als Begründer der Assoziationspsychologie gilt David Hartley. Er knüpft neben Hobbes auch an Locke und Peter Brown an. Für alle sich im psychischen Bereich abspielenden Vorgänge, bei denen neue Vorstellungsgebilde entstehen, führt Hartley den schon von Locke verwendeten Begriff der Assoziation ein. Die psychologischen und physiologischen Abläufe befinden sich infolge eines vollkommenen Parallelismus in einem stetigen, nicht aufhebbaren Zusammenhang. Die den geistigen Vorgängen zugrunde liegende Form der physiologischen Bewegung sah er in Anlehnung an Newton in den Vibrationen von Gehirn und Nerven.

Auch Joseph Priestley sieht die Vorstellungsassoziationen in Abhängigkeit von den Gehirnschwingungen. Er spricht jedoch – anders als Hartley – von einer Materialität der seelischen Vorgänge und will eine Physik des Nervensystems schaffen. Priestley betrachtet die Psychologie als Teil der Physiologie.

Erasmus Darwin geht ebenfalls von Hartley aus. Er leitet die Materialität des Psychischen aus der Tatsache gemeinsamer körperlicher Eigenschaften.

Ein weiterer wichtiger Vertreter der englischen Assoziationspsychologie ist James Mill.

In Anknüpfung an Hartley und Priestley bildete sich in Deutschland im 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine neue Schule der Psychologie. Zu dieser Schule gehören Weikard, Lossius und Hissmann.

Unter dem Einfluß der englischen Assoziationspsychologie steht auch Herbart. Herbart und Thomas Brown verwarfen den Gedanken der Abhängigkeit bzw. Determiniertheit der Assoziation psychischischer Erscheinungen von. bzw. durch materielle Ursachen und fassen die Assoziation subjektiver Vorstellungen und ihre Komponenten als elementare, primäre psychische Phänomene auf, aus denen sich nicht nur die gesamte psychische Tätigkeit, sondern auch die Realität selbst aufbauen soll.

Die Assoziationspsychologie gelangte im 19. Jahrhundert zu wertvollen experimentellen Erkenntnissen vor allem auf dem Gebiet der Psychologie der Wahrnehmung und des Gedächtnisses (F. Galton, H. Ebbinghaus, W. Wundt).

Wundt versucht das Bewußtsein durch Analyse in seine Elemente und die zwischen diesen Elemente bestehenden Beziehungen (Assoziationen) aufzugliedern.

Im Gegensatz zur klassischen Assoziationspsychologie weist Wundt mit Hilfe des an Leibniz anknüpfenden Apperzeptionsbegriffs auf den ganzheitlichen Charakter des Psychischen hin und betont die Aktivität des Subjekts (Apperzeption als Quelle der Selbsttätigkeit).

In den experimentellen Arbeiten traten einige Probleme zutage, z. B. die Ignorierung des Systemcharakters der psychischen Tätigkeit, die sie zum Gegenstand der Kritik durch die Gestaltpsychologie werden ließ.