Probkrit
Problem des Kriteriums
Die Formulierung des Problems des Kriteriums (problem of the criterion) geht auf Chisholm zurück [1] [2].Chisholm geht von zwei Fragen aus [3]:
- Was wissen wir? D. h.: Was ist die Extension (extent) unseres Wissens?
- Wie entscheiden wird, in einem besonderen Fall, ob wir etwas wissen? D. h.: Was sind die Kriterien oder Standards unseres Wissens bzw. der Rechtfertigung.
Wenn wir die Antwort auf eine der beiden Fragen kennen, lässt sich die Antwort auf die andere Frage ableiten. Wenn wir jedoch eine der beiden Fragen nicht beantworten können, gilt dies auch für die andere [4].
Daraus folgt so Chisholm ein Dilemma der Erkenntnistheorie. Nehmen wir die Argumente des Skeptikers hinzu, bekommen wir ein Trilemma.
[1] Chisholm, R.: Theory of Knowledge. Englewood Cliffs, N.J. 21997, chap. 7
[2] Chisholm, R.: The Problem of the Criterion. In: Chisholm, R.: The Foundations of Knowledge. Minneapolis 1982, 61 – 75
[3] Chisholm, R.: Theory of Knowledge. Englewood Cliffs, N.J. 21997, 120
[4] Chisholm, R.: Theory of Knowledge. Englewood Cliffs, N.J. 21997, 120
Prosyl
Prosyllogismus
Als Prosyllogismus bezeichnet man einen Syllogismus, der Teil eines zusammengesetzten Syllogismus ist und dessen Schlusssatz die Prämisse für einen nachfolgenden Syllogismus bildet.Philos
Philosophie
Seinem griechischen Ursprung nach bedeutet das Wort Philosophie Weisheits- oder Wissenslehre. Der Begriff geht auf Heraklit und Herodot zurück. Nach Heraklit soll Pythagoras sich als philosophos bezeichnet haben (Diog. Laërtes, Prooem. 12. VIII 1, 8).Heute bezeichnet man als Philosophie jede theoretisch begründete Anschauung vom Weltganzen, der Stellung des Menschen im Weltganzen, der Werte, der Erkenntnis- und Handlungsmöglichkeiten des Menschen sowie seiner Rechte und Pflichten.
Die Fragen nach der Abgrenzung des Gegenstandsbereichs und nach der Gültigkeit von Argumenten und Theorien sind philosophische Fragen ist.
Die Philosophie setzt die Einzelwissenschaften voraus. Die Einzelwissenschaften brauchen die Philosophie zur Begründung ihrer allgemeinen, mit anderen Wissenschaften gemeinsamen Begriffe und Methoden.
Ursprünglich sind Philosophie, Wissenschaft und Religion eins. Sie differenzieren sich aus dem Mythos zu eigenständigen Disziplinen.
Zuerst hat Platon die Philosophie als Wissenschaft bestimmt. (Theaet. 143 D). Der Philosoph steht zwischen dem Unwissenden und dem (absolut) Wissenden (Sympos. 204 B). Die Philosophie ist der Erwerb des Wissens (Euthydem. 288 D). Quelle der Philosophie ist das Staunen (Theaet. 155 D).
Auch Aristoteles betrachtet die Philosophie als Wissenschaft (Met. VI 1, 1026a 18). Philosophie ist Wissenschaft der Wahrheit (Met. II 1, 993 b 20). Quelle der Philosophie ist wie bei Platon die Verwunderung (Met. I 2, 982 b 12).
Die Stoiker und Epikureer weisen der Philosophie neben ihrer theoretischen Aufgabenstellung eine praktische Bedeutung zu.
Die Philosophie bestimmen die Stoiker als Streben nach Tüchtigkeit und Tugend.
Epikur bestimmt die Philosophie als vernunftvolles Streben nach Glückseligkeit. (Sextus Empiricus adv. Math. XI, 169).
In der Patristik bildet sich eine philosophiefeindliche Haltung innerhalb der Theologie. In der Scholastik, insbesondere unter dem Einfluß von Thomas von Aquin, wurden Philosophie und Theologie miteinander versöhnt und schließlich als identisch betrachtet.
Nach Paracelsus ist die Philosophie vollendete Erkenntnis der Dinge und Erkenntnis der unsichtbaren Natur.
Nach Patrizzi ist Philosophie Streben nach Weisheit.
Nach Hobbes ist die Philosophie Erkenntnis der Dinge aus ihren Ursachen und Gründen.
Locke versteht unter Philosophie die wahrhafte Erkenntnis der Dinge.
Nach Shaftesbury ist die Philosophie study of happiness.
Berkeley bezeichnet sie als the study of wisdom and truth.
Nach Wolff ist die Weltweisheit eine Wissenschaft aller möglichen Dinge. Sie handelt davon, wie und warum sie möglich sind.
Nach Kant ist es Aufgabe der Philosophie, Begriffe, die als verworren gegeben sind, zu zergliedern, ausführlich und bestimmt zu machen. Vier Fragen machen das Feld der Philosophie aus: Was kann ich wissen? – Was soll ich tun? – Was darf ich hoffen? – Was ist der Mensch? Die erste Frage beantwortet die Metaphysik, die zweite die Moral, die dritte die Religion, und die vierte die Anthropologie.. Durch die Philosophie erhalten die Wissenschaften Ordnung und Zusammenhang.
Fichte faßt die Philosophie als Wissenschaftslehre auf. Sie will dasjenige im Gange unserer Vernunft, das uns unter dem Gesichtspunkte des gemeinen Bewußtseins unbekannt bleibt, entdecken. "Was für eine Philosophie man wähle, hängt … davon ob, was man für ein Mensch ist."
Hegel definiert die Philosophie formal als denkende Betrachtung der Gegenstände, material als Wissenschaft des Absoluten, als die sich denkende Idee, die wissende Wahrheit. Der Philosoph beabsichtigt zu erkennen, was unveränderlich, ewig, an und für sich ist. Ihr letztes Ziel ist, den Gedanken, den Begriff mit der Wirklichkeit zu versöhnen.
Nach Fechner ist die Philosophie die Wissenschaft der Wissenschaften.
Nach Avenarius ist die Philosophie "das wissenschaftlich gewordene Streben …, die Gesamtheit des in der Erfahrung Gegebenen mit dem geringsten Kraftaufwand zu denken".
Nach Mach besteht die Philosophie in einer gegenseitigen kritischen Ergänzung, Durchdringung und Vereinigung der Spezialwissenschaften zu einem einheitlichen Ganzen.
Auch Wundt betont den Zusammenhang von Philosophie und Einzelwissenschaften. Die Philosophie soll den ganzen Umfang wissenschaftlicher Erfahrung zur Grundlage nehmen. Die Philosophie geht den Einzelwissenschaften nicht voran. Sie führt die Arbeit der Einzelwissenschaft weiter. Die Philosophie muss den allgemeinen Erkenntnissen der Wissenschaften die endgültige systematische Ordnung geben. Alles Philosophieren beruht auf einem Trieb nach Systematisierung des Erkennens und seiner Methoden. Die Philosophie kann nicht bloße Wertlehre sein, da in jeder Wissenschaft Wertungen notwendig sind, auch kann sie nicht rein normativ sind. Die Philosophie ist eine allgemeine Wissenschaft, welche die durch die Einzelwissenschaften vermittelten allgemeinen Erkenntnisse zu einem widerspruchslosen System zu vereinigen hat.
Windelband bestimmt die Philosophie als Wertlehre, als normative Wissenschaft von den allgemeingültigen Werten.
Nach Uphues ist die Philosophie die Wissenschaft vom Wesen der Dinge und vom System der Wahrheit.
Die Philosophie wird in unterschiedliche Disziplinen aufgeteilt. Die Einteilung der Philosophie in Physik, Ethik und Logik geht nach Sextus Empiricus (adv. Math. VII, 16) auf Xenokrates zurück.
Plotin teilt die Philosophie in Dialektik, Physik und Ethik).
Nach Scotus Eriugena zerfällt die Philosophie in die praktische, die physische, die theologische und die logische Wissenschaft.
Nach Duns Scotus zerfällt die Philosophie in Metaphysik, Mathematik und Physik.
F. Bacon gliedert die Philosophie in philosophia prima (Ontologie), Naturphilosophie natürliche Theologie, Anthropologie (Psychologie, Logik, Ethik) und Politik (philosophia civilis).
Nach Locke besteht die Philosophie aus Physik, Ethik und Semiotik (Logik).
Nach Schopenhauer gliedert sich die Philosophie in Dianoiologie, Logik und Metaphysik.
Eine heute gebräuchliche Gliederung teilt die Philosophie in Logik, Erkenntnistheorie, Metaphysik (darunter Ontologie und philosophische Anthropologie) sowie Ethik auf. Sehr üblich ist auch die Unterscheidung zwischen theoretischer Philosophie (Logik, Wissenschaftstheorie, Erkenntnistheorie, Kausaltheorie, Kohärenztheorie) und praktischer Philosophie (Werttheorie, Ethik, Ästhetik, Sprachphilosophie, die Kulturphilosophie, Kommunikationstheorie, Philosophie des Geistes, Rechtsphilosophie, Religionsphilosophie). Die theoretische Philosophie wurde früher auch als reine Philosophie bezeichnet.
Plural
Pluralität der Ursachen
Wenn eine Erscheinung die Folge einer von mehreren Ursachen sein kann, spricht man von der Pluralität der Erscheinungen.Um die Ursache einer solcher Erscheinung zu finden, muss man sukzessiv klären, ob diese Erscheinung nicht durch mehrere Ursachen hervorgerufen wird.
Wenn man feststellt, dass eine Pluralität vorliegt, ergibt sich die Notwendigkeit, aus der Menge aller Ursachen die tatsächliche Ursache zu finden, die die Erscheinung hervorgerufen hat.
Plurium
Vermengung vieler Fragen zu einer
Als Vermengung vieler Fragen zu einer (auch: fallacia plurium interrogationum) bezeichnet man einen logischen Fehlschluß, der darin besteht, dass in einer Frage gleichzeitig mehrere mit ja oder nein zu beantwortenden Fragen zusammenfaßt, so dass sich die Antwort auf jede beliebige aus der Reihe der gestellten Fragen beziehen kann. Auf derartige Fragen kann man nicht nur mit ja oder nein antworten.Ein klassisches Beispiel ist der Sophismus:
Schlägst Du jetzt Deinen Vater?
Die Antwort Nein bedeutet anzuerkennen, dass es früher so war.
Poly Alg
Polyadische Algebren
Die polyadischen Algebren sind von Halmos definierte Weiterführungen der Booleschen Algebren, die auch für die Prädikatenlogik eine algebraische Behandlung ermöglichen. Dasselbe Ziel streben die von Tarski definierte Zylinderalgebra Algebren und die von Rieger definierten substitutiv indizierten Algebren an.
Positism
Logischer Positivismus
Logischer Positivismus (auch logischer Empirismus oder Neopositivismus) heißt eine Richtung in der Philosophie, die in Österreich und Deutschland nach dem 1. Weltkrieg entstand.Der logische Positivismus wurzelt im Wiener Kreis, der auf die Philosophie in Deutschland, Polen, Großbritannien, den USA und Skandinavien großen Einfluß ausübte.
Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland (1933) und Österreich (1938) musste sich der logische Positivismus aus dem deutschen Sprachraum zurückziehen und gewann in der angelsächsischen Philosophie an Einfluß. Der logische Positivismus knüpft am Empirismus, an Machs Empiriokritizismus, am logischem Atomismus und an die Entwicklungen innerhalb der Mathematik, der Logik (Peano, Hilbert, Frege, Russell, Whitehead), in der Physik (Einstein) und in der Wissenschaftstheorie (Helmholtz, Duhem, Poincaré) an.
Neben den Mitgliedern des Wiener Kreises und der Berliner Gruppe sind auch Ayer, Goodman, Jörgensen, Kaila, Morris, E. Nagel, Naess, Oppenheim, Petzäll, Quine,, Ramsey, Stebbing, Stevenson und Tarski dem logische Positivismus zuzurechnen.
Seit etwa 1950 ist der logische Positivismus keine selbständige philosophische Richtung mehr.
Der logische Positivismus fordert, dass sich alle Terme einer präzisen Wissenschaftssprache, außer dem logischen, letztendlich auf das direkte Erfassen von Sinnesdaten zurückführen lassen müssen bzw. durch ostensive Definition zu erklären sind. Ein vorheriges Verstehen seiner Bedeutung sollte hier nicht vorausgesetzt sein und die Wahrnehmung von Sinnesdaten als unkorrigierbar gelten.
Philosophische Aussagen, die beanspruchen, eine Erkenntnis über die Welt zu enthalten, bezeichnet der logische Positivismus als reine Metaphysik. Solche Behauptungen sind nicht falsch, aber kognitiv sinnlos.
Die traditionellen philosophischen Probleme betrachtet der logische Positivismus daher als Pseudoprobleme, die ebenso sinnlos sind wie die Behauptungen, die sie veranlassen.
Der logische Positivismus unterscheidet analytische Sätze und Basissätze.
Analytische Sätze sind Sätze, die innerhalb der verschiedenen Formen von Logik und Mathematik formuliert werden können. Diese Sätze sagen nichts über die Welt aus, sondern nur etwas über das Verhältnis zwischen Symbolen.
Die grundlegenden Axiome und Schlussfolgerungsregeln in der Mathematik und Logik sind Konventionen und keine Seinswahrheiten. Es ist daher a priori nicht möglich zu entscheiden, welche Mathematik bei der Beschreibung verschiedener Aspekte der Welt verwendet werden kann.
Die Basissätze sind wahr, wenn sie Sinneswahrnehmungen wiedergeben.
Aus Basissätzen und analytischen Sätzen können weitere Sätze abgeleitet werden.
Da alle Wissenschaften nach Entdeckung von Gesetzmäßigkeiten zwischen wahrnehmbaren Phänomenen streben, gibt es keinen entscheidenden logischen oder methodologischen Unterschied zwischen den Wissenschaften. Wir können deshalb die verschiedenen Wissenschaften innerhalb einer Einheitswissenschaft zusammenbringen.
Der logische Positivismus ist, da er logische Gesetze unabhängig von der Erfahrung (und damit den Verstand) als Grundlage unseres Wissens anerkennt keine Form des Empirismus im strengen Sinne, sondern eine Kombination von Empirismus und Realismus.
Posthoc
post hoc, ergo propter hoc
Als post hoc, ergo propter hoc bzw. post hoc non est ergo propter bezeichnet man einen logischen Fehlschluß, der durch einen Verstoß gegen den Satz vom zureichenden Grunde in der Induktion hervorgerufen wird.Aus der zeitlichen Aufeinanderfolge wird auf einen Kausalzusammenhang geschlossen.
Nicht alles, was einer Erscheinung zeitlich vorausgeht, bildet auch ihren Grund. Jeden Tag beobachten die Menschen, dass der Nacht der Tag und dem Tag die Nacht folgt. Wenn daraus jemand schließt, dass die Nacht Ursache des Tages und der Tag Ursache der Nacht ist, würde er post hoc, ergo propter hoc schließen.
Pragmat
Pragmatisches Paradoxon
Das pragmatische Paradoxon, das u. a. von A. Pap diskutiert wird, beruht nicht, wie die semantischen Antinomien, auf einem Widerspruch in dem, was behauptet wird. Es liegt vielmehr darin, dass ein Widerspruch besteht zwischen dem, dass das Betreffende behauptet wird, und dem, was behauptet wird.Sagt man z. B. Es regnet, aber ich glaube das nicht, so gerät man unter normalen Umständen in Widerspruch zu der pragmatischen Voraussetzung für eine Behauptung, dass der Redende selbst an das glaubt, was er behauptet.
Ein anderes Beispiel ist die Person, die behauptet, dass sie nicht existiert. Ihre Äußerung ist kein logischer Widerspruch, denn sie hätte sehr wohl nicht existieren können; aber Bedingung dafür, dass sie diese Behauptung machen kann, ist die, dass sie falsch ist.