Philosophie Wörterbuch

Notcontd

Notiones contradictoriae

Lateinische Bezeichnung für kontradiktorische Begriffe.

Notcontr

Notiones Contrariae

Lateinische Bezeichnung für konträre Begriffe.

Newcast

Newcastle-Circle

Der Newcastle-Circle wurde von William Cavendish initiert und gefördert. Er spielte in England um 1630 eine wichtige Rolle im Streit um die Ablösung des scholastischen Aristotelismus.

Im französischen Exil versammelte sich dieser Kreis erneut um William Cavendish und seinen Bruder Charles. Die Mitglieder unter ihnen Walter Charlton, Margaret Cavendish und Thomas Hobbes, hatten Kontakt zu Gassendi und Descartes.

Nexus

Kausalnexus

Kausalnexus (auch: Ursache-Wirkung-Beziehung, Kausalitätsverhältnis, Kausalitätsbeziehung) nennt man die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung.

Hume ist jedoch nicht der Auffassung, dass zwischen Ursache und Wirkung ein notwendiger Zusammenhang besteht. Der einzige Zusammenhang, der zwischen Ursache und Wirkung besteht, beruht nach Hume allein auf einem psychischen Mechanismus in der menschlichen Wahrnehmung, der Gewohnheit. Diese begründet keinen notwendigen Kausalzusammenhang, d. h. beschreibt nichts Objektives, sondern resultiert aus der subjektiven Erwartung und begründet daher bloß eine Wahrscheinlichkeit. Man bezeichnet solche Theorien als Regularitätstheorien.

Mill hat gezeigt, dass Humes Analyse zu schwach ist, um den Kausalitätsbegriff im Ganzen abzudecken. Damit die Ereignisse der Typen a und b in ein Kausalitätsverhältnis zu stehen kommen, genügt es nicht, dass das faktische Erscheinen von a-Ereignissen immer mit dem faktischen Erscheinen von b-Ereignissen verbunden ist.

Nach Mill müssen a- und b-Ereignisse unbedingt verbunden sein, d. h. sie müssen unter allen vorstellbaren (oder allen möglichen) Umständen und nicht nur unter den tatsächlich gegebenen verbunden sein.

Kant stimmt Hume darin zu, dass wir von unserer Erfahrung abhängig sind, wenn wir in konkreten Fällen entscheiden sollen, welche Ereignisse in einem Kausalverhältnis stehen. Im Gegensatz zu Hume glaubt Kant jedoch nicht, dass die Regelmäßigkeiten in unserer Erfahrungswelt eine bloß kontingente Tatsache darstellen. Unsere Erkenntnis ist so beschaffen, dass wir überhaupt nicht zwischen subjektiven Vorstellungen und objektiven Ereignissen unterscheiden könnten, wenn wir nicht bereits die Begriffe Ursache und Wirkung besäßen. Diese Begriffe sind Grundbegriffe Kategorien, die als Werkzeuge des Verstands bei der Deutung der Phänomene notwendigerweise vorliegen müssen, damit objektive Erkenntnis überhaupt erst möglich wird. Daher gilt das Kausalitätsprinzip (= jedes Ereignis hat eine Ursache) notwendigerweise für unsere gesamte Erfahrungswelt. Ob es auch für die Welt der Dinge an sich Geltung hat, ist eine Frage. die nach Kant prinzipiell weder von der Philosophie noch von den Wissenschaften beantwortet werden kann.

In der Diskussion nach 1960 ist die Regularitätstheorie weitgehend aufgegeben worden, ohne dass ein Konsens gefunden wird. Es ist klar geworden, dass zwischen dem Sinn des Urteils a ist Ursache von b und der Möglichkeit, die Wahrheit des Urteils zu bestätigen oder zu widerlegen, unterschieden werden muss.

Die Bedeutung des Ausdrucks notwendiger Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ist ebenfalls umstritten.

Reichenbach hat die Ursache als hinreichende Bedingung der Wirkung bestimmt. Andere haben die Ursache als notwendige und hinreichende Bedingung oder als notwendige Bedingung der Wirkung verstanden.

Mackie hat vorgeschlagen, die Ursache als eine INUS-Bedingung (nicht hinreichender, aber notwendiger Teil einer Bedingung, die selbst nicht notwendig, aber hinreichend für die Wirkung ist) zu deuten.

Seit den 70er Jahren versucht amn, das Verhältnis zwischen Ursache und Wirkung mit Hilfe kontrafaktischer Konditionalsätze und dem Begriff möglicher Welten zu fassen.

Untersucht wird der Kausalnexus in der Kausaltheorie.

Nomindef

Nominaldefinition

Nominaldefinition (lat.: definitio nominalis) nennt man die Bedeutungserklärung eines Wortes, Namens oder eines Terminus, der einen Begriff bezeichnet. In einer Nominaldefinition semantischen Charakters wird z. B. auf den Gegenstand verwiesen, der mit einem neu geschaffenen Terminus bezeichnet wird. Der Nominaldefinition wird die Realdefinition gegnübergestellt.

Mit Hilfe einer Nominaldefinition wird ein neuer Terminus eingeführt als Abkürzung für einen anderen Ausdruck, es wird die Bedeutung eines neu in die Theorie eingeführten Zeichens, Wortes oder Ausdrucks erklärt.

N

N

Der Buchstabe N ist der erste Buchstabe des lateinischen Wortes necessarium (= notwendig) und wird in der Logik manchmal als Funktor der Notwendigkeit benutzt. Üblicher ist jedoch das Zeichen

In der polnischen Notation bezeichnet der Buchstabe N die Negationsfunktion.

Natlogik

Natürliche Logik

Pjotr Dmitrijewitsch Lodi unterschied die natürliche Logik, die er auch volkstümliche Logik nennt, von der erworbenen Logik.

Die natürliche Logik ist die natürliche Anlage zum folgerichtigen Denken.

Nebenbeg

Nebenbegriff

Nebenbegriffe nennt man Begriffe, die gleichermaßen ein und demselben Gattungsbegriff untergeordnet sind.

Die Nebenbegriffe gehören zu den vereinbaren Begriffen.

Nebenbegriffe werden auch koordinierte Begriffe genannt.

Negbegr

Negativer Begriff

Begriff, der das Fehlen einer gewissen Eigenschaft im Gegenstand widerspiegelt, z. B. nicht schön, mittellos. Nach Aristoteles darf ein Begriff nicht negativ sein.

Negmehr

Wahrheitswertfunktionen für Negationen

Häufig wird zur Beschreibung der Negation in Systemen mehrwertiger Logik die Wahrheitswertfunktion non1 verwendet, die sich durch die Formel

non1(x) =df 1 – x

beschreiben lässt. Man nennt diese Negation auch &;ukasiewiczTarski-Negation.

In der fünfwertigen Logik ergibt sich folgende Funktionstabelle

Die Negation non1 fällt mit der dreiwertigen Negation von &;ukasiewicz [1] und für den allgemeinen Fall mit der Negation von &;ukasiewicz und Tarski [2] zusammen. Sie entspricht beispielsweise auch der (dreiwertigen) inneren Negation von Bo&;var.

Diese Negation erfüllt die Normalbedingung der Negation, aber wenn es den Quasiwahrheitswert 1/2 gibt nie die Standardbedingung der Negation.

Eine andere Negation hat Post [3] verwendet. Sie wird auch als Post-Negation bezeichnet. Diese Negation lässt sich in die Formel:

non2 =df x – (1 / (M – 1)), falls x &; 0, 1 sonst

bringen, wobei M die Anzahl der Quasiwahrheitswerte ist.

In der fünfwertigen Logik ergibt sich folgende Funktionstabelle

x01/41/23/41 non1(x)13/41/21/40

Während die Funktion non1 auch bei unendlichen Quasiwahrheitsmengen sinnvoll ist und auch von
&;ukasiewicz und Tarski zu verwendet wurde, ist non2 nur für endliche Quasiwahrheitswertmengen sinnvoll. Man kann sie aber auf verschiedene Weise für unendliche Quasiwahrheitswertmengen verallgemeinern. Eine natürliche Verallgemeinerung ist die Formel

non2 =df x, falls x &; 0, 1 sonst

für die unendliche Wahrheitswertmenge.

Die Funktion non1 erfüllt die Normalbedingung der Negation, die Funktion non2 dagegen nicht, falls M > 2 ist.

Bei Gödel findet sich eine weitere Negation, die sich daher zu Recht als Gödel-Negation bezeichnen lässt und wie folgt definiert ist:

non3(x) =df 1, falls x = 0, 1 sonst

In der fünfwertigen Logik ergibt sich folgende Funktionstabelle

x01/41/23/41 non2(x)101/41/23/4

Diese Negation erfüllt zwar die Normalbedingung der Negation, aber nicht allgemein die Standardbedingung der Negation.


[1] &;ukasiewicz, J.: O logice trójwarto&;ciowej, Ruch Filozoficzny 5 1920, 170f.;
engl. in: &;ukasiewicz, J.: Selected Works (ed. L. Borkowski) Amsterdam/London/Warschau 1970
[2] &;ukasiewicz, J./Tarski, A.: Untersuchungen über den Aussagenkalkül, Comptes Rendus Séances Société des Sciences et Lettres Varsovie, Cl. III, 23 (1930), 30 – 50
[3] Post, E. L.: Introduction to a general theory of elementary proposition, American Journal Mathematics 43 (1921), 163 – 185

x01/41/23/41 non1(x)10000