Gilbert

Gilbert de la Porrés (1070 – 1154)

Der französische Logiker Gilbert de la Porrés (Gilbertus Porretanus) ist ein Vertreter der Schule von Chartres und einer der Gründer der neuen Logik. Er schrieb das Buch De sex principiis, in welchem er sechs der zehn aristotelischen Kategorien (Raum, Zeit, Handlung, Leiden, Zustand, Lage) kommentiert.


Garve

Christian Garve (1742 – 1798)

Christian Garve, geboren in Breslau, war kurze Zeit Dozent und Professor der Philosophie in Leipzig. Er starb in Breslau.

Garve übersetzte Schriften von Ferguson, Burke, Cicero, Paley, Smith und Aristoteles.

Garve ist ein Popularphilosoph, der vom englischen Empirismus beeinflußt ist. Die Sinnesqualitäten sind nach Garve Wirkungen der Dinge auf den Organismus.

Unlust entsteht, wenn der Körper Teile verliert oder wenn sich andere anhäufen. Lust entsteht, wenn jener Mangel ersetzt wird oder dieser Überfluß wegfällt.


Glivenko

Valerij Ivanovic Glivenko


Der russische Mathematikewr und Logiker Valerij Ivanovic Glivenko (auch: Waleri Iwanowitsch Gliwenko, * 2. Januar 1897 (21. Dezember 1896) in Kiew, † 15. Februar 1940 in Moskau) studierte in Moskau und wurde 1928 Professor im Pädagogischen Institut Karl Liebknecht in Moskau.

Er arbeitete u. a. zu den Grundlagen der Mathematik und zur konstruktiven Logik. Er entwickelte gleichzeitig mit Kolmogorov und Heyting ein formales System der konstruktiven Logik und zeigt, dass es keine dreiwertige Logik gibt, die als Interpretation der konstruktiven Logik geeignet ist.

Außerhalb der Logik ist er vor allem durch den sog. Glivenko-Cantelli-Satz bekannt geworden.

Werke

  • Sur la logique de M. Brouwer. Academie Royale de Belgique, Bulletins de la classe des sciences, 15 (1929) 5, 183 – 188
  • Sulla determinazione empirica di probabilita. G. Inst. Ital. Attuari, 4, 1933
  • Théorie générale des structures (1938) (franz.)

Weblinks


Gassendi

Pierre Gassendi (1592 – 1655)

Der französische Logiker und Philosoph Pierre Gassendi knüpfte am antiken Atomismus an und betrachtete die physikalische Welt streng mechanistisch.

Nach Gassendi ist die Logik die Lehre vom richtigen Denken. Sie ist abiuncta a rebus (reine Logik) und coniuncta cum rebus (angewandte Logik).


Gast

Heinrich Köselitz (geb. 1854)

Heinrich Köselitz begegnet uns häufig unter seinem Pseudonym Peter Gast.

Im Thematikon zu Peter Gasts Die heimliche Ehe schreibt Carl Fuchs in einem biographischen Vorwort:

"Peter Gast ist (10. Januar) 1854 zu Annaberg in Sachsen geboren, jener alten Veste des Silberbergbaues auf dem Erzgebirge, nahe der böhmischen Grenze. Wie dort auf dem Gebirgskamm nord- und süddeutsches Wesen zusammenstoßen, so kommen auch in ihm selbst durch Abkunft beide Elemente zusammen: sein Vater (Industrieller und Vizebürgermeister) entstammt einer einheimischen Patrzierfamilie, seine Mutter ist eine Wienerin." [zit. nach Janz, C. P. 1979, I, 693 f.].

Sein Vater Hermann Gustav Köselitz war Färbereibesitzer, Stadtrat, Ehrenbürger in Annaberg.

Als 15jähriger schrieb H. Köselitz Walzerkompositionen.

Schriften Jean Pauls und der Einfluss eines im Elternhaus verkehrenden Theologen regten seine geistige Entwicklung an.

1871 begann er in Leipzig eine kaufmännische Lehre.

Im Frühjahr 1872 bekam er die väterliche Einwilligung zum Musikstudium im Konservatorium der Musik zu Leipzig.

1878 ist H. Köselitz nach Venedig gezogen.

Nietzsche hatte sich ohne Erfolg an Bülow und Hermann Levi (1839 – 1900) gewandt – Levi war ein Dirigent aus dem Wagnerkreis -, um sie zur Aufführung seiner Oper Löwen von Venedig zu gewinnen.

Die Uraufführung des Löwen von Venedig erfolgt 1891 in Danzig (heute: Gdansk) unter dem Titel Die heimliche Ehe.

Die Oper Der Löwe von Venedig von H. Köselitz hatte am 11.02.1933 auch in Chemnitz Premiere und erlebte dort 8 Aufführungen.

Die Oper war mit den besten Solisten besetzt, die Chemnitz damals zu bieten hatte. Der Stil der Oper erinnert etwas an Albert Lortzing (1801 – 1851), ist handwerklich sauber gearbeitet.

Das Thematikon von Carl Fuchs erschien 1890 bei Naumann in Leipzig.

Literatur

  • Janz, Curt Paul: Nietzsche. Biographie in 3 Bdn., München/Wien: Hanser 1978 ff.
  • Lenzewski, Gustav: Artikel: Gast, Peter. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Hg.: Friedrich Blume. Kassel/Basel: Bärenreiter o. J., Bd. 4. Sp. 1435 – 1437


Frank

Philipp Frank

Philipp Frank (* 20. März 1884 in Wien, † 21. Juli 1966 in Cambridge, Massachusetts, USA) war ein Philosoph, Physiker und Mathematiker.

Philipp Frank studierte Physik bei Ludwig Boltzmann an der Universität Wien und promovierte dort in theoretischer Physik im Jahre 1907. Schon seit der Studienzeit interessierte ihn philosophischen Fragen and kam er in Kontakt mit dem Wiener Kreis. Er war befreundet mit Ludwig von Mises. Aus der Zusammenarbeit ging unter anderem das Buch Differentiagleichungen und Integralgleichungen der Mechanik und Physik (1925) hervor.

Frank schrieb eine Arbeit über Kausalität. Albert Einstein war beeindruckt von Franks Ideen und es gab einen regen Austausch zwischen beiden. Frank habilitierte sich und wurde Dozent an der Universität Wien im Jahre 1910. Auf Einsteins Empfehlung wurde Frank in 1912 sein Nachfolger an der Deutschen Universität in Prag, wo er bis 1938 blieb. Aufgrund des Einmarsches der Wehrmacht und der Zerschlagung des Wiener Kreises wanderte Frank in die USA aus. Dort war er zunächst Gastdozent und danach Dozent in Physik und Mathematik an der Harvard-Universität.

Frank arbeitete auf mehreren Gebieten der Mathematik: Variationsrechnung, Fourierreihen, Funktionenraum, Geometrische Optik, Schrödingersche Wellenmechanik und Relativitätstheorie. Seine Publikationen decken einen weiten Bereich ab.

Werke

  • The Law of Causality and Its Limits (Vienna Circle Collection) Philipp Frank et al (1997)
  • Foundations of Physics (Foundations of the Unity of Science Vol. 1 No. 7)
  • The validation of scientific theories
  • Relativity and its astronomical implications: The significance of general relativity presented in the language of the layman
  • Thermodynamics
  • Between physics and philosophy
  • Interpretations and misinterpretations of modern physics
  • Relativity,: A richer truth (Seeds-of-thought series)
  • Einstein: Sein Leben und seine Zeit
  • Die Differential- und Integralgleichungen der Mechanik und Physik, 1930
  • Das Kausalgesetz und seine Grenzen, 1988
  • Modern science and its philosophy, 1955
  • Philosophy of science
  • Wahrheit – relativ oder absolut. 1952
  • The validation of scientific theories, 1961


Franklin

Christina L. Franklin (1847 – 1930)

Die amerikanische Logikerin Christina L. Franklin ist die Schöpferin der Lehre vom Antilogismus.


Frauenst

Julius Frauenstädt (1813 – 1879)

Julius Frauenstädt lebte in Berlin. In den ersten Schriften knüpft er an Hegel an. Später vertrat er einen Voluntarismus, der von dem von Schopenhauer abweicht.

Die eigentliche Ursache alles Geschehens ist der Wille.

Die Vielheit der Individuen ist mehr als bloßer Schein (Objektiv-phänomenaler Individualismus). Die Einheit des Weltwillens umschließt eine Vielheit relativ selbständiger Wesen. Wie der Wille ist auch das Vorstellen ein allgemeines Attribut des Seienden. Der Intellekt ist ein ebenso ewiges Prinzip wie der Wille.

Wie die Anschauungsformen (Raum und Zeit) ist auch die Denkform der Kausalität objektiv bedingt.

Frauenstädt ist nicht pessimistisch.


Frege

Friedrich Ludwig Gottlob Frege (1848 – 1925)

Der deutsche Mathematiker, Logiker und Philosoph arbeitete an der Universität Jena.

Er wurde am 9. November 1848 in Wismar geboren. 1869 ging er an die Universität von Jena und 1871 nach Göttingen.

1873 promovierte er in Geometrie an der Universität Göttingen. 1874 habilitierte er in Jena und wurde dort Privatdozent.

Ab 1879 war er Extraordinarius und von 1896 bis 1917 ordentlicher Honorarprofessor in Jena. Er starb am 26. Juli 1925 in Bad Kleinen.

In seinem 1879 erschienenen Werk Begriffsschrift entwickelte Frege eine erste formalisierte Sprache zur Behandlung der Prädikatenlogik erster Stufe unter Einschluß der Aussagenlogik. Da er hierbei eine relativ komplizierte zweidimensionale Symbolik benutzte, blieben seine Erkenntnisse weitgehend unbekannt.

Frege leistete eine Klärung der logischen Zusammenhänge im Bereich der elementaren Prädikation. Er verwies auf die grundlegenden Unterschiede zwischen Merkmalen und Eigenschaften. Die Merkmale von Begriffen sind Eigenschaften von Gegenständen. Die Eigenschaften sind Merkmale möglicher Begriffe.

Frege versuchte als erster eine umfassende Analyse der Begriffe Sinn und Bedeutung und wurde damit zu einem Begründer der logischen Semantik. Den Sinn definiert er als die Gegebenheitsweise des Gegenstandes, die Bedeutung als den Bezugsgegenstand. Die Bestimmung der Bedeutung und des Sinnes von ganzen Sätzen führt zur Bestimmung von Wahrheitswerten. Die Bedeutung eines Satzes muss nach Frege dasjenige sein, was sich nicht ändert, wenn wir beliebige Teilausdrücke ersetzen.

Er war Gegner einer psychologisch orientierten Logik.

In seinem Werk Grundgesetze der Arithmetik wollte Frege den gesamten Inhalt der Mathematik auf die formale Logik zurückführen. Damit wurde er zum Begründer des Logizismus. Als der zweite Band im Druck war, wurde ihm durch Russell, die nach diesem benannte Antinomie der Menge aller Mengen, die sich nicht selbst als Element enthalten, brieflich mitgeteilt. Frege erklärte daraufhin eine der Grundlagen seiner Theorie als erschüttert und Versuchte die Neubestimmung des Zahlbegriffes sowohl durch eine semantische Vertiefung der Prädikatenlogik als auch durch Rückgriff auf die konstruktive Vorgehensweise in der Geometrie.

Die Erarbeitung dieses Zuganges, die in Richtung der späteren konstruktiven Mathematik führt, ist verbunden mit einer umfassenden Kritik der formalistischen Begründung der Mathematik durch Hilbert.

Weblinks


Freud

Sigmund Freud (1856 – 1939)

Der österreichische Neurologe und Psychopathologe Sigmund Freud begründete die Psychoanalyse. Er entwickelte zunächst die Psychoanalyse als Theorie der Diagnose und Therepie von Neurosen, dehnte die Psychoanalyse aber später auf andere Bereiche der Psychologie und auf Bereiche der Sozialphilosophie aus. Insbesondere auf die philosophischen Ansichten von Künstlern und künstlerisch inspirierten Philosophen übte er einen großen Einfluss aus.

Freud studierte an der Universität Wien Medizin und arbeitete anschließend an der Wiener Universität. 1886 eröffnete er in Wien eine eigene Praxis. Freud konnte 1938 von Wien nach London fliehen.

Die Ursache der Neurose sah er in einer Störung der sexuellen Entwicklung in der frühen Kindheit eines Menschen. Die Fortwirkung des frühkindlichen Traumas im Erwachsenenalter bewirkt die Neurose.

Zunächst versuchte Freud die karthartische Methode und die Hypnose zur Neurosentherapie einzusetzen. Später bildete vor allem die Traumdeutung und die Methode der freien Assoziation die Grundlage seiner Therapie.

Freud entwickelt zwei topische Modelle des Subjekts, d. h. Modelle der Komponenten des psychischen Apparats.

In der ersten Topik wird das Bewußte vom Unbewussten unterschieden. In der zweiten Topik die er vor allem in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) entwickelt, unterscheidet Freud das Es, das Ich und das Über-Ich. Dabei tritt das Es an die Stelle des Unbewussten. Es bildet das triebhafte Element der Psyche und kennt weder Negation, noch Zeit oder Widerspruch.

Das Ich und das Über-Ich entsteht aus dem Es.

Die verdrängenden Vorstellungen werden dem Über-Ich zugeschrieben. Es ist ein Teil des Ich und beurteilt die Gedanken, Gefühle und Handlungen des Ichs. Das Über-Ich entsteht nach Freud mit der Auflösung des Ödipus-Komplexes (ca. im 5. Lebensjahr)

Nach Freud unterliegt auch die Gesellschaft der Triebdynamik.

Online-Texte