Seneca

Lucius Annaeus Seneca (4 v. u. Z. – 65 u. Z.)

Der römische Staatsmann, Schriftsteller und Philosoph Lucius Annaeus Seneca d. J. war ein Stoiker. Allerdings hielt er seine Philosophie auch für nicht-stoische Einflüsse offen (Pythagoras, Epikur, Kynismus).

Seneca ist der Lehrer und Erzieher Neros. Er war 54 bis 62 in hohen politischen Ämtern. Er musste sich auf Neros Befehl das Leben nehmen.

Senecas Werk umfasst neun Tragödien und eine Vielzahl moralphilosophier Abhandlungen und Essays.

Seneca trug wesentlich zur Ausbildung stärker religiöser Akzente im Stoizismus bei (Betonung der Gottesidee, der Gottesverwandtschaft des menschlichen Geistes und der Weltvernunft, Vorsehungsglaube, Schicksalsidee).

Zu den Grundzügen seiner Ethik gehört die Frage der Todesbereitschaft, die Forderung nach Menschenfreundlichkeit, sozialem Verständnis und menschlicher Vervollkommnung und das Lob der Armut und Bedürfnislosigkeit.

Der Zorn gilt in Senecas Moralpsychologie als einer der Affekte, welche die Gemütsruhe stören. Zorn ist die Lust, eine erlittene Kränkung zu rächen. Doch wenn man von der Annahme ausgeht, dass ein Unrecht geschehen ist, ist man bereits nachdenklich geworden. Genau deshalb kann der Zorn auch beherrscht werden: indem man sich nicht kränken lässt. Handelte es sich beim Zorn um ein unabhängiges Gefühl, wäre er nicht zu zügeln. Aber der Mensch ist ein Vernunftwesen und nicht wie ein Tier der Gewalt seiner Instinkte und Impulse unterworfen. Daher besteht seine moralische Aufgabe in der Verwirklichung der menschlichen Natur und der Beherrschung seiner Affekte.


Schaff

Adam Schaff (geb. 1913)

Der polnische Philosoph und Logiker Adam Schaff hat vor allem zur Erkenntnistheorie und zur Semiotik gearbeitet.

Er bmüht sich um den Nachweis, dass die Bedeutung eines Sprachzeichens mit dem Begriff identisch ist.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Schaff der Problematik unscharfer Ausdrücke und ihrer Präzisierung.

Gegen die Fehlerhaftigkeit der Sprache richte sich nach Schaff die semantische Analyse, die er als Analyse der Bedeutung des Ausdrucks versteht. Die semantische Analyse bezweckt, sachliche und logische Fehler zu verhindern, die menschliches Denken und Kommunizieren erschweren.

Gegen die These von Russell und Black, dass alle sprachlichen Zeichen unbestimmt seien, wendet Schaff ein, dass man zwar zeigen könne, dass sprachliche Zeichen in gewisser Hinsicht immer ungenau sind, dass sie aber in anderer Hinsicht gewöhnlich exakt sind.

Die sprachlichen Zeichen sind nicht ungenau, weil sie unvollkommen sind, sondern sondern weil zwischen den starren, die Erscheinungen der Wirklichkeit unter irgendeinem Gesichtspunkt klassifizierenden Einteilung und dieser Wirklichkeit eine Verhältnis der Inadäquatheit besteht.

Die Wirklichkeit entzieht sich durch ihre Veränderlichkeit, ihre Übergänge von einem Zustand zum anderen, von einer Erscheinung zur anderen jeglicher starrer Klassifikation.

Schaffs Auffassung, dass sich die Logik einzig und allein mit Aussagesätzen, nicht jedoch mit Befehls-, Frage- und Wunschsätzen befasse, ist heute überholt.

Schellin

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (* 27. Januar 1775 in Leonberg, †  20. August 1854 in Bad Ragaz, Schweiz) war einer der Hauptvertreter der Philosophie des deutschen Idealismus.

Leben

Schelling stammte aus einer schwäbischen Pfarrersfamilie, die der protestantischen Mystik und dem Pietismus anhing. Er besuchte zunächst die deutsche Schule in Bebenhausen und die Lateinschule in Nürtingen. 1790 trat er mit einer Sondergenehmigung bereits im Alter von 15 Jahren in das Tübinger Evangelische Stift ein, das zur Universität gehörte. Dort studierte er mit Friedrich Hölderlin und Georg W. F. Hegel Theologie. Seine Ideen wurden vor allem durch die geistige Welt der theologischen Aufklärung und den Enthusiasmus der Französischen Revolution geprägt.

In seinem Studium vertiefte er sich in die Werke von Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte. Die Nähe zu Fichtes Gedanken kam in seiner Dissertation Vom Ich als Prinzip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen (1795) zum Ausdruck. Später brach er jedoch mit Fichte.

Ein starker Einfluss war für ihn immer die Philosophie Spinozas. Die Grundlagen zu seiner Naturphilosophie legte er mit vertiefenden Studien in Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin an der Leipziger Universität (1796 – 1798). Diese verbreitete er erstmals als Ideen zu einer Philosophie der Natur (1797). Schelling begann Leibniz‘ Denken kennenzulernen, was half, seinen Naturbegriff zu erweitern.

1798 berief Goethe ihn neben Fichte als Professor nach Jena. Ab 1803 lehrte er an der Universität Würzburg, ab 1806 in München, 1820 – 1826 in Erlangen, 1827 – 1841 wieder in München (wo er unter anderem Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und enger Vertrauter König Ludwigs I. war) und ab 1841 in Berlin.

Philosophie

Schellings Philosophie hat infolge seiner Anregbarkeit so viele Wandlungen durchgemacht, dass man ihn nicht unpassend den „Proteus“ der Philosophie genannt hat. Seine Lehre zerfällt in zwei Hauptperioden, die voneinander durch die 1809 erschienene Abhandlung Über das Böse getrennt werden und von ihm selbst als negative und positive, von anderen (richtiger) als pantheistische und theistische bezeichnet worden sind.

Beiden Perioden gemeinsam ist das Bemühen, das Ganze der Wissenschaft aus einem einzigen Prinzip systematisch abzuleiten, jedoch mit dem Unterschied, dass dieses Prinzip in der ersten Periode (Philosophie = Vernunftwissenschaft) als innerhalb der Vernunft selbst gelegenes (immanentes, rationales), dessen Folgen notwendige und daher der bloßen Vernunft erreichbare sind, in der zweiten Periode (Philosophie = positive Wissenschaft) dagegen als jenseits und über der Vernunft gelegenes (transzendentes, übervernünftiges, „unvordenkliches“) angesehen wird, dessen Folgen „freie“ (d. h. vom Wollen oder Nichtwollen abhängige, ebensogut stattfinden als ausbleiben könnende) und daher nur durch „Erfahrung“ (Geschichte und Offenbarung) erkennbar sind.

In der pantheistischen Periode knüpft er an Fichte an. Hier erscheint Schelling, wie Fichte, von dem Bestreben beherrscht, die Philosophie als eine Vernunftwissenschaft darzustellen.

Prinzip der Philosophie ist in dieser Periode im Anschluss an Fichtes ursprüngliche Wissenschaftslehre (nach Beseitigung des Kantschen Dinges an sich) das schöpferische Ich als das einzige Reale, durch dessen innerlich zwiespältige, ruhelos setzende und wieder aufhebende Tätigkeit die Totalität des Wissens als des einzig Realen zustande kommt, daher sein System Idealismus ist. Während jedoch Fichte das Ich nur als menschliches sah (was Schelling bestritt), fasste es Schelling vom Anbeginn an als allgemeines oder absolutes auf, dessen bewusstlos (in der Naturform) schöpferische Produktion die reale Natur-, dessen bewusst (in der Geistesform) schöpferische Produktion die ideale Geisteswelt, beide (das Ideale wie das Reale) aber als „Seiten“ desselben (absoluten) Ich in ihrer Wurzel identisch seien. Die Deduktion des gesamten Naturseins (natura naturata) aus dem Absoluten als (unbewusst) schaffendem Realprinzip (natura naturans) ist Gegenstand der Naturphilosophie (1797-99), derjenigen Gestalt seiner Philosophie, durch welche er, wie er noch in seiner Berliner Antrittsrede sich rühmte, „ein neues Blatt in der Geschichte der Philosophie aufgeschlagen haben“ will.

In der zweiten Periode, in welcher er seinen eignen Worten nach wieder zu Kant zurückgekehrt ist, sieht Schelling die Philosophie als eine „die bloße Vernunfterkenntnis überschreitende positive Wissenschaft“.

Werke

  • „Ideen zu einer Philosophie der Natur“ (1797),
  • „Von der Weltseele“ (1798),
  • „System des transcendentalen Idealismus“ (1800),
  • „Philosophie der Kunst“ (Vorlesung) (1802/1803),
  • „System der gesamten Philosophie und der Naturphilosophie insbesondere“ (Nachlass) (= „Wurzburger-“ oder „1804system“) (1804)
  • „Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit“ (1809),
  • „Weltalter“ (1811: es gibt noch andere Versionen dieser Schrift),
  • „Philosophie der Mythologie“ (Vorlesung) (1842),
  • „Philosophie der Offenbarung“ (Vorlesung) (1854).

Literatur

  • Xavier Tilliette: Schelling: Biographie. Aus dem Franz. v. S. Schaper. Stuttgart 2004
  • Michaela Boenke (Hrsg.): Schelling. München 2001
  • Manfred Frank: Eine Einführung in Schellings Philosophie. Frankfurt a. M. 1985
  • Jochen Kirchhoff: Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1988
  • Franz Josef Wetz: Friedrich W.J. Schelling zur Einführung, Hamburg 1996
  • Hans Michael Baumgartner/Harald Korten: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. München 1996
  • Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Stuttgart 1998
  • Walter E. Ehrhardt: Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. In: Theologische Realenzyklopädie 30 (1999), S. 92 – 102
  • Karl Jaspers: Schelling. Größe und Verhängnis (1955).
  • Hartmut Rosenau: Die Differenz im christologischen Denken Schellings. Europäische Hochschulschriften 23/248. Lang, Frankfurt a.M. 1985 (Diss. Wuppertal 1984)
  • Bernhard Barth: Schellings Philosophie der Kunst. Göttliche Imagination und ästhetische Einbildungskraft. Symposion 92. Alber, Freiburg i. Brsg.; München 1991 (Diss. Freiburg 1986)
  • Bernd-Olaf Küppers: Natur als Organismus. Schellings Naturphilosophie und ihre Bedeutung für die moderne Biologie. Philosophische Abhandlungen 58. Klostermann, Frankfurt a. M. 1992
  • John Elbert Wilson: Schellings Mythologie. Zur Auslegung der Philosophie der Mythologie und der Offenbarung. Spekulation und Erfahrung 2/31. Frommann-Holzboog, Stuttgart; Bad Cannstatt 1993
  • Otfried Höffe (Hrsg.): F. W. J. Schelling: Über das Wesen der menschlichen Freiheit. Klassiker auslegen 3. Akad.-Verl., Berlin 1995 (Aufsatzsammlung über die Freiheitsschrift)
  • Axel Hutter: Geschichtliche Vernunft. Die Weiterführung der Kantischen Vernunftkritik in der Spätphilosophie Schellings. Frankfurt a. M. 1996
  • Sven Jürgensen: Freiheit in den Systemen Hegels und Schellings. Würzburg 1997 (Diss. Osnabrück 1994)
  • Christian Danz (Hrsg.): System als Wirklichkeit. 200 Jahre Schellings „System des transzendentalen Idealismus“ Würzburg 2001

Weblinks


Schleg A

August Wilhelm von Schlegel (1767 – 1845)

Der deutsche Philosoph August Wilhelm von Schlegel, Sohn eines Generalsuperintendenten, studierte mit seinem Bruder Friedrich Schlegel in Göttingen Theologie und Philosophie.

Er kam nach einem vierjährigen Aufenthalt als Hauslehrer in Amsterdam nach Jena, wo er 1798 Philosophieprofessor wurde. 1798 – 1800 gab er zusammen mit Friedrich Schlegel die Zeitschrift Athenaeum, die programmatische Zeitschrift der deutschen Romantik, heraus.

Er wirkte auch an Schillers Horen und Musenalmanach mit. 1801 ging er nach Berlin, wo er eine Reihe von Vorlesungen hielt, die die Geschichte der klassischen und der romantischen Literatur behandelten. 1804 verließ er Berlin in der Gesellschaft Madame de Staëls und verbrachte die nächsten 14 Jahre auf deren Landsitz zu Coppet oder auf Reisen.

Nach Madame de Staëls Tod folgte er 1818 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Literatur und Kunstgeschichte in Bonn. August Wilhelm Schlegel spielte eine große Rolle bei der Begründung der Romanistik und der indischen Philologie in Deutschland. Er übersetzte zahlreiche Werke der englischen, italienischen, spanischen und portugiesischen Literatur.


Schleg F

Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel (1772 – 1829)

Der deutsche Dichter, Philosoph und Sprachforscher Friedrich Schlegel (ab 1815 von Schlegel), Sohn eines Generalsuperintendenten, verbrachte lange Jahre einer schwermütigen Jugend bei Verwandten. 1788 gab ihn sein Vater in eine Lehre bei einem Leipziger Bankhaus. Obwohl er die Gymnasialausbildung nicht abgeschlossen hatte, gelang es ihm, 1790 zusammen mit seinem Bruder August Wilhelm Schlegel in Göttingen ein Studium zu beginnen (Jura, Philologie, Geschichte, Philosophie). 1791 – 1793 setzte Friedrich Schlegel sein Studium in Leipzig ohne den Bruder fort.

1794 zog er aus Geldnot zu seiner Schwester Charlotte nach Dresden. Im Sommer 1796 folgte er seinem Bruder nach Jena und gab mit ihm 1798 – 1800 die Zeitschrift Athenaeum, die programmatische Zeitschrift der deutschen Romantik, heraus.

1800 habilitierte er sich; er konnte aber in Jena seine akademischen Pläne nicht verwirklichen und zog über Berlin, Dresden und Leipzig nach Paris. In Paris las er über deutsche Literatur und Philosophie. Er nahm auch Sanskritstudien auf.

Zunächst sehr kritisch gegenüber den kirchlichen Autoritäten und Institutionen eingestellt, trat Friedrich Schlegel 1808 zum Katholizismus über.

1809 erhielt er eine feste Stelle als Hofsekretär in Wien, gleichzeitig war er Herausgeber einer Armeezeitung im Stab des Erzherzogs Karl. 1814 nahm er am Wiener Kongreß diplomatisch und publizistisch teil. Von 1815 bis 1818 arbeitete er als Österreichischer Legationsrat am Frankfurter Bundestag mit. 1819 begleitete er als Kunstsachverständiger den Kaiser und Metternich auf einer Italienreise. Nach der Abberufung aus den österreichischen Diensten arbeitete Friedrich Schlegel in Wien an der Gesamtausgabe seiner Werke.

Online-Texte


Schleid

Matthias Jakob Schleiden (1804 – 1881)

Matthias Jakob Schleiden, geboren in Hamburg, war ab 1839 Professor in Jena. ab 1863 war er in Dorpat und ab 1864 in Dresden. Schleiden starb in Wiesbaden und ist Anhänger von Fries.

Schleiden unterscheidet scharf zwischen der Natur, ihrer Gesetzlichkeit und der freien Geisteswelt.

1839 entdeckte er mit Schwann die organische Zelle als die Einheit, aus deren Vervielfältigigung und Differenzierung alle Organismen entstehen.


Schlick

Moritz Schlick

Der Physiker und Philosoph Friedrich Albert Moritz Schlick (* 14. April 1882 in Berlin, † 22. Juni 1936 in Wien) ist der Begründer und einer der führenden Köpfe des Wiener Kreises. Seine Beiträge im Rahmen einer wissenschaftlichen Philosophie reichen von der Naturphilosophie und Erkenntnislehre bis hin zur Ethik und Ästhetik.

Leben

Schlick studierte nach seinem Abitur am Luisenstädtischen Realgymnasium in Berlin Naturwissenschaften und Mathematik an den Universitäten Heidelberg, Lausanne und Berlin. 1904 wurde er bei Max Planck mit einer physikalischen Arbeit Über die Reflexion des Lichts in einer inhomogenen Schicht promoviert. Er studierte ab dem Wintersemester 1907/08 in Zürich Psychologie.

1911 habilitierte sich Schlick mit der Schrift Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik an der Universität Rostock, wo er bis 1921 forschte und lehrte. Aus dieser Zeit stammt auch seine freundschaftliche Beziehung zu Albert Einstein, mit dessen Relativitätstheorie er sich als einer der ersten auf ihre philosophischen Konsequenzen hin auseinandersetzte. 1918 erscheint Schlicks Hauptwerk, die Allgemeine Erkenntnislehre, in der Schlick gegen positivistische und neukantische Positionen einen erkenntnistheoretischen Realismus verteidigt.

1921 folgte Schlick einem Ruf auf eine ordentliche Professur an der Universität Kiel und 1922 übernahm er den Lehrstuhl für Naturphilosophie an der Universität Wien. Der dort 1924 von ihm gegründete interdisziplinäre Diskussionszirkel ist als der Wiener Kreis in die Philosophiegeschichte eingegangen. Von 1929 bis 1932 diskutierte Schlick regelmäßig mit Ludwig Wittgenstein.

1936 wurde Schlick im Gebäude der Wiener Universität von einem ehemaligen Studenten, Hans Nelböck, erschossen.

Werke

  • Lebensweisheit. Versuch einer Glückseligkeitslehre, München 1908
  • Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik, in: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie und Soziologie, 34 (1910), 386 – 477
  • Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik, Berlin 1917
  • Allgemeine Erkenntnislehre. Berlin 1918
  • Vom Sinn des Lebens, in: Symposion. Philosophische Zeitschrift für Forschung und Aussprache, 1(1927), 331 – 354
  • Fragen der Ethik. Wien 1930
  • Gesammelte Aufsätze 1926-1936, Wien 1938

Weblinks


Schmier

Zygmunt Schmierer (gest. 1943)

Zygmunt Schmierer ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.


Schopenh

Arthur Schopenhauer

Leben

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 in Stutthof bei Danzig, †  21. September 1860 in Frankfurt am Main) wurde in Stutthof bei Danzig geboren. Seine Eltern, beide aus Danzig stammend, waren Heinrich Floris Schopenhauer und Johanna Schopenhauer. Heinrich war Kaufmann, seine Frau Johanna Schriftstellerin. Die Familie Schopenhauer verließ Danzig 1793, nachdem es von Preußen annektiert worden war, und siedelte sich in Hamburg an. 1805 starb Schopenhauers Vater, vermutlich durch Selbsttötung. Johanna zog mit ihrem Sohn Arthur und ihrer Tochter Adele nach Weimar.

Arthur kam nie mit seiner Mutter zurecht: Als Johann Wolfgang von Goethe – der ein Freund Johannas war – ihr prophezeite, dass ihr Sohn für große Dinge bestimmt sei, antwortete sie ablehnend und in völliger Ahnungslosigkeit: Sie habe niemals von zwei Genies innerhalb einer Familie gehört. Arthur Schopenhauer studierte an der Universität von Göttingen und erhielt den Doktortitel der Philosophie an der Universität von Jena. Im Jahr 1820 begann Schopenhauer, an der Universität von Berlin zu lehren. Dort sollte er auch seinen berühmten Streit mit Hegel austragen. Er setzte seine Vorlesungen zur selben Zeit wie Hegel an, sah sich aber damit konfrontiert, dass ihm so die Zuhörer ausblieben. Bald kehrte er daher der Universität den Rücken und begann die Universitätsphilosophie zu verachten. Seinen Lebensunterhalt konnte er durch ein ansehnliches Erbe bestreiten.

Philosophie

Schopenhauer war ein Bewunderer Kants und sah sich in dessen Nachfolge. Er verachtete seinen Zeitgenossen Hegel. Auch gegen Schelling und Fichte polemisiert er in seinen Schriften, obwohl er bei beiden studiert hatte und durch sie beeinflusst wurde.

Kants Ding an sich war für ihn zwar auch unerkennbar (es entzieht sich der Vernunfterkenntnis), jedoch nicht unerfahrbar. Durch Introspektion können wir uns dessen gewiss werden, was auch wir letzten Endes sind: Wir erfahren in uns den Willen, er ist das Ding an sich. Dieser ist die Triebfeder nicht nur allen Handelns von Mensch und Tier, sondern auch die selbst grundlose Ursache hinter den Naturgesetzen. Die Welt ist letztlich blinder, vernunftloser Wille. Schopenhauer vertritt damit einen metaphysischen Voluntarismus.

Doch die Welt ist nicht nur Wille, sondern erscheint auch als Vorstellung. Sie ist die durch Raum und Zeit sowie Kausalität (die den a priori gegebenen Erkenntnismodus von uns Verstandeswesen bilden) individuierte und verknüpfte Erscheinung des einen Willens. Die Welt ist meine Vorstellung ist der erste Hauptsatz seiner Philosophie. Was uns als Welt erscheint ist nur für uns, nicht an sich. Es gibt für ihn nichts Beobachtetes ohne Beobachter, kein Objekt ohne ein Subjekt (eine Erkenntnis, deren Entdeckung er Berkeley zuschreibt). Die Welt, als Vorstellung betrachtet, zerfällt in Subjekte und Objekte, die sowohl untrennbar voneinander als auch radikal voneinander verschieden, jedoch letzten Endes beide nur Erscheinungen des Willens sind, der das Wesen der Welt ist, das sich, in Subjekt und Objekt erscheinend, gleichsam selbst anschaut.

Wie Kant bezeichnet er die Vorstellungs- oder Erscheinungswelt als empirisch real, jedoch transzendental ideal. Insofern ist Schopenhauer zwar Idealist, er darf aber in keiner Weise mit den deutschen Idealisten gleichgesetzt werden, da er deren Primat der Vernunft diametral entgegensteht; Schopenhauer glaubt an die Vernunft ebensowenig wie an den Menschen – er ist Pessimist. Leben ist für ihn gleichbedeutend mit Leiden. Er selbst litt vor allem an der jahrzehntelangen Nichtbeachtung seiner Philosophie. Erst nach dem Fehlschlagen der deutschen und österreichischen Revolutionen von 1848, konnte man sich mit dem Schopenhauerschen pessimistischen Blick identifizieren und seine Philosophie fand zunehmend Beachtung und Einfluss.

Nicht nur seine Auffassung des Lebens als Leiden, sondern auch ein weiterer Aspekt seiner Philosophie rückt ihn in die Nähe des indischen Denkens, das er in Form der Upanischaden auch intensiv studierte: Seine Ästhetik kulminiert in Weltverneinung. Dem Menschen, als höchster Form des sich in der Erscheinungswelt objektivierenden Willens, ist die Möglichkeit gegeben, den Willen und das Leiden aufzuheben und so in einen Zustand des Nichtseins (eine Art Nirvana) zu gelangen. Im Genuss von Kunst und insbesondere Musik „will“ der Mensch nicht, sondern ist in einem Zustand der reinen Anschauung.

In der Ethik vertritt Schopenhauer im radikalen Unterschied zu Kant eine Mitleidsethik. Der einzige Grund uneigennützig zu handeln ist die Erkenntnis des Eigenen im Anderen – das ist Mitleid. So bemerkt der vom blinden Willen umgetriebene Mensch, dass in allen anderen Lebewesen derselbe blinde Wille haust und sie ebenso leiden lässt wie ihn – daher leidet er mit ihnen. Es folgt hieraus ein im Vergleich zu Kant radikal anderer „Imperativ“. Bei Schopenhauer lautet das Prinzip aller Moral: „Neminem laede, immo omnes, quantum potes, iuva (Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst)“. Schopenhauer schließt in seine Ethik eindeutig auch den Schutz der Tiere mit ein, so meint er :“Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.“ (Grundlage der Moral, § 19)

Ferner ist Schopenhauer Determinist, er leugnet die Willensfreiheit. Dies kommt in einem seiner berühmtesten Aussprüche zum Ausdruck: „Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“ In der der streng kausal geordneten empirischen Welt, der Welt der Vorstellung ist kein Platz für einen frei, also ohne jede empirische Ursache, handelnden Menschen. Und auch aus der nicht-empirischen Welt, der Welt des Willens, kann keine Freiheit herrühren, da ebenjener Wille blind, sinn- und ziellos ist. Außerdem glaubt Schopenhauer jeder Mensch habe einen vorgezeichneten Charakter, der sich nicht ändern lasse. Man kann ihm nur gemäß handeln („tun, was man will“). Dasjenige, was man will (was der jeweilige Charakter vorgibt), kann man aber nicht wollen (den Charakter nicht ändern).

Umfassend gebildet und interessiert, beschäftigte er sich auch intensiv mit der Naturforschung seiner Zeit. In seiner Schrift „Der Wille in der Natur“ zeigt er wissenschaftliche-empirisch Hinweise für die Richtigkeit seiner philosophisch-metaphysischen Theorie auf. Newtons Theorie des Lichts, die heute freilich als richtig gilt, lehnte er aber zugunsten der Goethe’schen Farbenlehre ab.

Werke

  • Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, 1813
  • Über das Sehn und die Farben, 1816
  • Die Welt als Wille und Vorstellung, 1818/1819, vol 2 1844
  • Die Kunst, Recht zu behalten (1830)
  • Über den Willen in der Natur, 1836
  • Über die Freiheit des menschlichen Willens, 1839
  • Über die Grundlage der Moral, 1840
  • Die beiden Grundprobleme der Ethik, 1841
  • Parerga und Paralipomena, 1851
  • Baltasar Graci´ns Handorakel und Kunst der Weltklugheit (Übersetzer), 1862
  • Nachlassband von Julius Frauenstedt, 1864

Online-Texte

Literatur

  • Margot Fleischer: Schopenhauer. Freiburg 2001.
  • Klaus-Jürgen Grün: Arthur Schopenhauer. München 2000.
  • Arthur Hübscher: Arthur Schopenhauer, ein Lebensbild.
  • Volker Spierling: Arthur Schopenhauer zur Einführung,
  • Bryan Magee: The Philosophy of Schopenhauer, Oxford 1997

Weblinks


Sakkas

Ammonios Sakkas (um ca. 175 bis ca. 242 u. Z.)

Der alexandrinische Philosoph Ammonios Sakkas war ursprünglich Tagelöhner (daher Sakkas = der Sackträger).

Ammonios Sakkas war Lehrer von Plotin, Simplikios und Origines. Er ist einer der Begründer des Neuplatonismus angesehen und gehört zur alexandrinischen Schule.

Ammonios Sakkas hinterließ keine schriftlichen Zeugnisse.