Cohn

Jonas Cohn (1869 – 1947)

Jonas Cohn, in Görlitz geboren, ist ein Vertreter der Südwestdeutsche Schule des Neukantianismus. Er arbeitete als Professor in Freiburg in Br.

Die Ästhetik ist nach Cohn eine kritische Wertwissenschaft. Die Psychologie ist nur eine Hilfswissenschaft der Ästhetik.

Der ästhetische Wert hat Forderungscharakter. Er will allgemeingültig sein. Das Schöne tritt da auf, wo der Ausdruck sich gänzlich in der Form offenbart.

Logik und Erkenntnistheorie sind nicht auf Psychologie zu basieren. Die Grundsätze des Erkennens sind von Werten und Zielen abhängig.

Der Satz der Immanenz besagt, dass alles, was erkannt werden soll, unter den Bedingungen der Erkenntnisformen stehen muss.

Es handelt sich hier nicht um das psychologische, individuelle Ich, sondern um das reine Erkenntnissubjekt, um ein ideales Ich, welches Norm und Ziel des Erkennens ist. Es will sich auf den Standpunkt des überindividuellen Ich erheben, welches nie bloßes Objekt sein kann, sondern als Einheit der Formen alles zu Erkennenden vorausgesetzt wird.

Ziel des Erkennens ist stets ein Zusammenhang. Reines Erkenntnisziel ist ein Urteilszusammenhang.

Chatelet

Gabrielle-Emilie du Châtelet-Lomont (1706 – 1749)

Die französische Mathematikerin und Philosophin wurde 1706 in eine aristokratische Familie hineingeboren.

1733 lernte sie ihren späteren Freund Voltaire kennen, mit dem sie von 1734 bis 1748 auf Schloß Virey in der Champagne zusammenlebte.

Zwischen beiden entwickelte sich in der intellektuellen Atmosphäre von Cirey eine enge Zusammenarbeit in vielen Bereichen, die sich in den dieser Zeit verfassten Schriften von beiden widerspiegelt.

Sie war maßgeblich an der Ausarbeitung der Elements de la philosophie de Newton Voltaires beteiligt (1738).

Zur Unterstützung dieser Abhandlung schrieb Châtelet-Lomont eine anonyme Rezension Lettre sur les élements de la philosophie de Newton (1738).

Von 1745-1749 übersetzte sie Newton’s Hauptwerk Philosophiae naturalis principia mathematica aus dem Lateinischen und ergänzte sie durch zwei längere Kommentare.

In ihren Institutions physiques (1740) favorisiert sie den Leibnizschen Kraftbegriff und proklamiert das Prinzip der mechanischen Energieerhaltung. Dadurch und durch ihre Replik auf Mairans Stellungnahme zu ihrer Position beteiligte sie sich an der sog. vis-viva-Kontroverse.

In ihrer der Wissenschaftstheorie bemüht sie sich, dem Zusammenhang von Theorie und Experiment gerecht zu werden, indem sie die Leibnizschen Erkenntnisprinzipien zur Begründung der Newtonschen und der Leibnizschen Physik heranzieht, aber auch die Rolle der Erfahrung betont.

Nachdem Voltaire und Châtelet-Lomont auseinandergelebt hatten, begann sie 1748 eine Liebesbeziehung zu dem Armeeoffizier Saint-Lambert. Als sie 1749 erneut schwanger wurde, befürchtete sie, die Geburt des Kindes nicht zu überleben. Tatsächlich starb sie im gleichen Jahr am Kindbettfieber.

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Coleridg

Samuel Tylor Coleridge (1772 – 1834)

Samuel Tylor Coleridge ist ein Philosoph der Romantik. Seine anfängliche Begeisterung für die Französische Revolution weicht seit der Jakobinerdiktatur einer entschiedenen Ablehnung, die sich auch auf alle Folgeerscheinungen der Revolution erstreckt.

Cheiloni

Cheilonis

Cheilonis ist die Tochter des Lakedaimoniers Cheilon. Iamblichos erwähnt Cheilonis in seiner Aufzählung der 17 Pythagoreerinnen. Die Textstelle mit der Aufzählung lautet: " bedeutendsten Pythagoreerinnen: Timycha, die Frau des Myllias von Kroton, Philtys, die Tochter des Theophris von Kroton, Schwester des Byndakos, Okkelo und Ekkelo, die Schwestern der Lukaner Okkelos und Okkilos, Cheilonis, die Tochter des Lakedaimoniers Cheilon, die Lakonerin Kratesikleia, die Frau des Lakedaimoniers Kleanor, Theano, die Frau des Metapontiers Brotinos, Myia, die Frau des Milon von Kroton, Lasthenia aus Arkadien, Habroteleia, die Tochter des Habroteles von Tarent, Echekrateia von Phlius, Tyrsenis aus Sybaris, Peisirrhode aus Tarent, Theadusa aus Lakedaimon, Boio aus Argos, Babelyka aus Argos, Kleaichma, die Schwester des Lakedaimoniers Autocharidas. Insgesamt: 17." (Iamblichos: Pythagoras, 1963, 267)

Collins

John Anthony Collins (1676 – 1729)

Der Engländer John Anthony Collins ist als Vertreter des Deismus bekannt.

Cherbury

Herbert von Cherbury (1581 – 1648)

Herbert von Cherbury ist als Vertreter des Deismus und insbesondere als Vertreter einer Vernunftreligion bekannt.


Comnena

Anna Comnena (1083 – 1148)

Die byzantinische Gelehrte Anna Comnena wurde am 1. Dezember 1083 geboren und war die Lieblingstochter des Kaisers Alexius I.

Bereits mit jungen Jahren wurde sie mit Constantine Doukas verlobt, der jedoch vor der Heirat starb. Sie heiratete dann den Adligen Nicephorus Bryennius.

Einige Zeit nahm sie intensiv an den Intrigen des byzantinischen Hofes teil, den sie aber später verließ, um sich der Literatur und der Philosophie zu widmen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1137 zog sie sich in ein Kloster zurück. Anna Comnena’s Hauptwerk ist die in griechischer Sprache geschriebene Alexiade, eine aus 15 Büchern bestehende Geschichte der Regierung ihres Vaters mit dem Titel Annae Comnenae Alexiadis Libri.

Die Alexiade enthält neben historischen Darstellungen auch Informationen zu zeitgenössischen Philosophen.

So beschreibt sie im 5. Buch Johannes Italos, Schüler von Michael Psellos, der über Platon, Porphyrios, Iamblichos und Psellos schrieb, und Kommentare zu den Topics und De Interpretione von Aristoteles verfasste.

Ein Mitglied des Kreises um Anna Comnena war der neuplatonische Kommentator der Nikomachischen Ethik, Euratius aus Nicea, den sie in der Alexiade erwähnt, weil er Alexis mit seinen Argumenten gegen die Manchiäer aus Philoppopolis unterstützt haben soll.

Andere Mitglieder des Kreises waren Michael aus Italien, George und Demetrio Tornikes, Johannes von Venedig, und Irene und ihr Mann Bryennius. Eines der wichtigsten Mitglieder war Michael von Ephesus, ein Schüer des Psellos. Durch ihn wurden zwei aristotelische Werke, Bewegung und Progression der Tiere, im Abendland bekannt.

Anna Comnena hatte auch religiöse Interessen und unterstützte den christlichen Aristotelismus, der auch neuplatonische Züge hatte.

Sie forschte außerdem im Bereich der Medizin, leitete ein Krankenhaus in Konstantinople und schrieb ein Traktat über die Gicht.

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Chisholm

Roderick M. Chisholm (geb. 1916)

Chisholm studierte u. a. bei Arthur E. Murphey, Charles A. Baylis, C. J. Ducasse, R. M. Blake, C. I. Lewis, Donald C. Williams und Quine.

Typisch für seine philsophische Arbeit ist es, zentrale Begriffe der Theorie mit möglichst wenigen Grundbegriffen explizit zu definieren. Die Adäquatheit der Definitionen wird durch Widerlegungsversuche anhand intuitiver Gegenbeispiele überprüft.

Chisholm ist Herausgeber von Werken Meinong’s und Brentano’s.

Alles was existiert, ist nach Chisholm ein Individuum, ein Attribut oder ein Zustand. Mengen, Klassen, Propositionen, mögliche Welten und Sachverhalte definiert Chisholm mit diesen Grundkategorien. Attribute sind notwendige Entitäten.

Chisholm’s Begriff der de-re-Notwendigkeit beruht auf dem Gedanken, dass einige Eigenschaften einer Entität x wesentliche Eigenschaften von x sind, d. h. x hat diese Eigenschaften notwendigerweise. So ist es eine wesentliche Eigenschaft einer Person, ein individuelles Ding zu sein.

Nach Chisholm ist es unmöglich, eine überzeugende Ontologie ohne intentionale Grundbegriffe zu entwickeln.

Ein Urteil zu fällen, eine bestimmte Empfindung zu haben und etwas zu beabsichtigen sind nach Chisholm Beispiele für intentionale Eigenschaften. Die Struktur intentionaler Eigenschaften kann nach Chisholm durch Reflexion auf eigene psychische Zustände und auf mentale Akte (d. h. eigene intentionale Eigenschaften) erfasst werden.

Chisholm vertritt eine personalistische Handlungstheorie. Nur Personen – oder allgemeiner denkende Subjekte können intentionale Eigenschaften haben, nicht aber Strukturen, abstrakte Systeme oder Prozesse. Funktionalistische Theorien des Mentalen lehnt er ab.

Die Vorstellung menschlicher Verantwortung ist weder mit einer deterministischen noch mit einer indeterministischen Grundauffassung des Handelns vereinbar. Eine Handlung muß als durch die handelnde Person und nicht als durch Ereignisse oder Dispositionen verursacht angesehen werden. Chisholm führt daher eine Personenkausalität (person causality) ein, die nicht auf Kausalbeziehungen zwischen Ereignissen (transeunte Verursachung) zurückführbar ist. Der Handelnde verursache – so diese Theorie – immanent bestimmte Ereignisse im Gehirn, die dann Körperbewegungen verursachen. Eine Person ist schon dann frei, den Versuch zu unternehmen, eine Handlung auszuführen oder zu unterlassen, wenn es für beides keine hinreichende Kausalbedingung gibt.

Auf Chisholm geht die Formulierung des Problems des Kriteriums zurück. Chisholm will das Problem lösen, indem er ähnlich wie Moore als ein fundamentales Prinzip annimmt, dass wir zumindest das wissen, von dem wir im common sense denken, dass wir es wissen.

Chisholm wendet sich gegen den epistemischen Holismus und betrachtet apriorisches Wissen als eine Quelle von Gewißheit. A-priori-Wissen beruht auf dem geistigen Erfassen von Eigenschaften. Es gibt Beziehungen zwischen Eigenschaften, die jeder einsieht, der versteht, was es heißt, die betreffende Eigenschaft zu haben. Alles was sich aus solchen Einsichten in notwendige Wahrheiten deduktiv ergibt, ist apriorisches Wissen. Die zweite Quelle von Gewißheit ist die Selbstzuschreibung selbstpräsentierender Eigenschaften.

Ein zentraler Begriff der Erkenntistheorie von Chisholm ist der des epistemisch Besseren. Das epistemische Bessere führt Chisholm auf das intrinsische Bessere zurück.

Nach Chisholm ist die Paradoxie von Chisholm, eine zentrale Paradoxie der deontischen Logik benannt.

Das Problem der objektiven Bezugnahme beantwortet Chisholm seit First Person (1981) unter Verwendung des Begriffes direkte Zuschreibung. Nach Chisholm ist die direkte Zuschreibung die primäre Form des Urteilens, auf die alle anderen Arten von Urteilen zurückzuführen.

Chisholm vertrat die These des Primats des Intentionalen.


Comte

Auguste Comte

Isidore Marie Auguste François Xavier Comte (* 19. Februar 1798 in Montpellier, †  5. September 1857 in Paris) war Mathematiker, Philosoph, Religionskritiker und einer der Begründer der Soziologie. Comte hat als erster den Begriff Soziologie geprägt.

Leben

Sein Vater war der Steuerbeamte Louis-Auguste-Xavier Comte, seine Mutter Félicité-Rosalie Comte. Nach dem Besuch der Schule in Montpellier studierte Auguste Comte an der École Polytechnique in Paris. 1816 kam es zu einer Studentenrevolte, die École schloss vorübergehend. Die Kursteilnehmer konnten eine Neuzulassung zu einem späteren Zeitpunkt beantragen. So musste Comte die École verlassen und setzte seine Studien an der medizinischen Schule in Montpellier fort. Als die École später wiedereröffnet wurde, versuchte Comte nicht, sich erneut einzuschreiben.

Bald zog er nach Paris, wo er seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten, u. a. als Privatlehrer für Mathematik bestritt. Als teilweiser Autodidakt war er sehr belesen, studierte weite Felder historischer und philosophischer Literatur, holte sich Anregungen bei so unterschiedlichen Autoren wie dem Turgot, Condorcet, Montesquieu, Hume, Immanuel Kant und Joseph de Maistre.

Er wurde Student, Freund und Sekretär des bedeutenden Industrie- und Sozialtheoretikers Graf Claude-Henri Comte de Saint-Simon, der seinen Schüler in intellektuelle Gesellschaft brachte. In Saint-Simons Zeitschriften publizierte Comte seine ersten journalistischen Arbeiten. 1824 verließ er Saint-Simon, wieder wegen nicht beizulegender Meinungsverschiedenheiten.

1822 veröffentlichte Comte die Schrift Plan de traveaux scientifiques nécessaires pour réorganiser la société als grundlegendes Werk der Philosophie des Positivismus. Ein Lehrstuhl blieb ihm „wegen der unmoralischen Falschheit seines mathematisierenden Materialismus“ versagt. Selbst eine bescheidene Stelle als Mathematik-Repetitor verlor er später wegen seiner strittigen Schriften. Sein Lebensunterhalt hing von Förderern und von finanzieller Hilfe seiner Freunde ab. In seiner Privatwohnung hielt er Vorträge, die auch von bekannten Wissenschaftlern seiner Zeit besucht wurden.

1826 erkrankte er und wurde in eine psychiatrische Heilanstalt eingewiesen, welche er jedoch wieder verließ, ohne kuriert worden zu sein. Im April 1827 misslang ihm ein Selbstmordversuch. Er heiratete Caroline Massin, eine ehemalige Prostituierte. 1842 wurde die Ehe geschieden.

Seit April 1826 bis zu seiner Scheidung veröffentlichte er sein Hauptwerk, die sechs Bände seiner Cours de philosophie positive, basierend auf seinen Vorlesungen als Privatgelehrter.

Von 1844 an verehrte Comte die Großbürgersgattin Clotilde de Vaux, ein Verhältnis, das platonisch blieb. Nach ihrem Tod 1846 wurde diese Liebe quasi-religiös und Comte sah sich als Gründer und Prophet einer neuen Religion der Menschlichkeit. Der ehemals vor allem den strengen Tatsachenwissenschaften anhängende Comte, rief praktisch eine neue Theokratie aus. Er veröffentlichte vier Ausgaben des Système de Politique des Positivs (1851 – 1854).

Lehre

Comte unterschied zwei Universalgesetze in allen Wissenschaften: Das Gesetz der drei Phasen (Drei-Stadien-Gesetz) (kindliche Religion, jungenhafte Metaphysik, männliche positive Wissenschaft) und das enzyklopädische Gesetz. Indem er diese Theoreme kombinierte, entwickelte Comte eine systematische und hierarchische Klassifikation aller Wissenschaften, einschließlich der anorganischen Physik (Astronomie, Geowissenschaft und Chemie), der organischen Physik (Biologie), vor allem jedoch der neuartigen sozialen Physik, die er später Soziologie genannt hat. Nach Comte schloss diese Wissenschaft auch proto-behaviouristische Psychologie und Ethik ein.

Comtes Ansatz barg durchaus Widersprüche: einerseits die Orientierung an harten Fakten und nachgewiesenen wissenschaftlichen Erkenntnissen (unwandelbare Naturgesetze), andererseits die Voraussetzung eines bald mystisch gefärbten Gemeinschaftsgeistes (esprit d’ensemble), der Zweifelsucht, egoistischen Individualismus und Liberalismus des vorangegangenen metaphysischen Zeitalters durch Altruismus ersetzen wollte.

Werke

  • Système de politique positive. (anonym publiziert, 1824)
  • Cours de philosophie positive. (6 Bände, bis 1842)
  • Traité élémentaire de géométrie analytique à deux et à trois dimensions. (1843)
  • Discours sur l’esprit positif. (1844)
  • Traité philosophique d’astronomie populaire, ou Exposition systématique de toutes les notions de philosophie astronomique qui doivent devenir universellement familières. (1844)
  • Discours sur l’ensemble du Positivisme, ou Exposition sommaire de la doctrine philosophique et sociale propre à la grande république occidentale composée de cinq populations avancées, française, italienne, germanique, britannique et espagnole. (1848)
  • République occidentale. Ordre et progrès. (1848)
  • Calendrier positiviste, ou Système général de commémoration publique destiné surtout à la transition finale de la grande république occidentale composée de cinq populations avancées, française, italienne, germanique, britannique et espagnole composée par Auguste Comte, et publié au nom de la Société positiviste. (1849)
  • Système de politique positive, ou Traité de sociologie, instituant la religion de l’humanité. (4 Bände,1851-1854)
  • Catéchisme positiviste, ou Sommaire exposition de la religion universelle, en onze entretiens systématiques entre une femme et un prêe;tre de l’humanité. (1852)
  • Appel aux conservateurs. (1855)
  • Lettres d’Auguste Comte à Monsieur Jacques-Pierre-Fanny Valat. 1815-1844. (1870)
  • Lettres d’Auguste Comte à John Stuart Mill. 1841-1846. (1877)
  • Opuscules de philosophie sociale. 1819-1828. (1883)
  • Testament d’Auguste Comte, avec les documents qui s’y rapportent: pièces justificatives, prières quotidiennes, confessions annuelles, correspondance avec Mme de Vaux, publié par ses exécuteurs testamentaires, conformément à ses dernières volontés. (Herausgegeben von Pierre Laffitte, 1884)
  • Lettres d’Auguste Comte, fondateur de la religion universelle et premier grand-prêe;tre de l’humanité, à Henry Edgar et à Monsieur John Metcalf. (Herausgegeben von Jorge Lagarrigue, 1889)
  • Lettres d’Auguste Comte à Henry Dix Hutton. (1890)
  • Lettres inédites de John Stuart Mill à Auguste Comte, publiées avec les réponses de Comte. (zusammen mit John Stuart Mill und einer Einführung von Lucien Lévy-Bruhl, 1899)
  • Lettres d’Auguste Comte à divers, publiées par ses exécuteurs testamentaires. (mehrere Bände, bis 1905)
  • Correspondance inédite d’Auguste Comte. (4 Bände, 1903-1904)
  • Lettres d’Auguste Comte au docteur Robinet, son médecin et l’un de ses exécuteurs testamentaires et à sa famille. (Herausgegeben von Émile Corra, 1926)
  • Lettres et fragments de lettres. (Herausgegeben von F. Germano Medeiros, 1926)
  • Lettres inédites à Célestine de Blignières. (Herausgegeben von Paul Arbousse-Bastide, 1932)
  • Nouvelles lettres inédites.
  • Le Prolétariat dans la société moderne. (Mit einer Einführung von Rudolfo Paula Lopes, 1946)
  • Œuvres d’Auguste Comte. (12 Bände, 1968-1971)
  • Écrits de jeunesse. 1816-1826. Suivis du Mémoire sur la cosmogonie de Laplace. 1835.
  • Plan des travaux scientifiques nécessaires pour réorganiser la société. (Herausgegeben und annotiert von Angèle Kremer-Marietti, 1970)
  • Sommaire appréciation de l’ensemble du passé moderne. (Herausgegeben und annotiert von Angèle Kremer-Marietti, 1971)
  • La Science sociale. (Herausgegeben und eingeleitet von Angèle Kremer-Marietti 1972)
  • Correspondance générale et confessions. (8 Bände, 1973-1990)

Literatur

  • Gerhard Wagner: Auguste Comte zur Einführung. Hamburg 2001


Chomsky

Noam Chomsky

Avram Noam Chomsky (* 7. Dezember 1928 in Philadelphia, Pennsylvania, USA) ist Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Er entwickelte die nach ihm benannte Chomsky-Hierarchie, seine Beiträge zur allgemeinen Sprachwissenschaft förderten den Niedergang des Behaviorismus und den Aufstieg der Kognitionswissenschaft. Neben seiner linguistischen Arbeit gilt Chomsky als einer der bedeutendsten politischen Intellektuellen Nordamerikas und ist als scharfer Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik bekannt. Er ist ein Anhänger des Anarchosyndikalismus.

Leben

Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia (Pennsylvania, USA) als Sohn des jüdischen Gelehrten William Chomsky geboren. Im Jahr 1945 begann er, an der University of Pennsylvania Philosophie und Linguistik zu studieren. Zu seinen Lehrern zählten der Sprachwissenschaftler Zellig Harris und der Philosoph Nelson Goodman. Chomskys anarchistische Überzeugungen bildeten sich schon in den 1940er Jahren heraus. Von großer Bedeutung war dabei die Auseinandersetzung mit den anarchistischen Experimenten während des Spanischen Bürgerkriegs. Chomsky hatte in dieser Zeit auch Kontakte zu zionistischen Organisationen.

Anfang der 1950er Jahre studierte er einige Jahre an der Harvard University, bis er 1955 an der Universität von Pennsylvania in Linguistik promovierte. In seiner Doktorarbeit The Logical Structure of Linguistic Theory begann er bereits damit, einige der Ideen zu entwickeln, die er 1957 in seinem Buch Syntactic Structures, einem der bekanntesten Werke der Linguistik, ausarbeitete.

Nach der Verleihung der Doktorwürde lehrte Chomsky zunächst als Assistenzprofessor, seit 1961 als ordentlicher Professor für Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology. In den 1960er Jahren wurden seine revolutionären linguistischen Arbeiten weltweit anerkannt, seither gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet.

In dieser Zeit begann Chomsky, sich in der Öffentlichkeit deutlicher politisch zu artikulieren. Seit 1964 protestierte er gegen das Eingreifen der USA in Vietnam. 1969 veröffentlichte er Amerika und die neuen Mandarine, eine Sammlung von Aufsätzen über den Vietnamkrieg. Ebenso deutlich bezog Chomsky Stellung gegen die US-amerikanische Politik in Kuba, Haiti, Ost-Timor, Nicaragua, im Palästinakonflikt und gegenüber den „Schurkenstaaten“ sowie zum Golf- und Kosovokrieg, zur Frage der Menschenrechte, zu Globalisierung und neoliberaler Weltordnung. Heute ist er, neben seiner weiter unbestrittenen Bedeutung für die Linguistik, zu einem der bedeutendsten Kritiker der US-Außenpolitik, der politischen Weltordnung und der Macht der Massenmedien geworden.

Sprachtheorie

Noam Chomsky hat die Darstellung natürlicher Sprachen formalisiert. Die Neuerung war, die einzelsprachlichen Ausdrücke mit Hilfe einer Metasprache rekursiv zu definieren. Die aus der Metasprache abgeleiteten Klassen von Grammatiken können in eine Hierarchie eingeteilt werden, die heute Chomsky-Hierarchie genannt wird. Seine Arbeit stellt einen wichtigen Meilenstein für die Linguistik dar.

Formale Sprachen und die Chomsky-Hierarchie spielen auch in der Informatik eine wichtige Rolle, insbesondere in der Komplexitätstheorie und im Compilerbau.

Zusammen mit den Arbeiten Alan Turings begründen sie einen eigenen Bereich in der Mathematik und machen strukturelle Bereiche und Formalismen natürlicher Sprachen einer mathematischen Betrachtung zugänglich, unter anderem mit dem Ergebnis, dass maschinelle Übersetzungen prinzipiell möglich sind.

Vielen Forschern innerhalb der Computerlinguistik gelten Chomskys Theorien, insbesondere die Generative Transformationsgrammatik und seine Government and Binding-Ansätze, allerdings seit ungefähr 1980 zwar als bedeutende Pionierleistung, jedoch als heute veraltet, insofern sie sich auf natürliche Sprachen beziehen – im Gegensatz zu Programmiersprachen und anderen formalen Sprachen, wo seine Formalismen weiterhin mit Gewinn verwendet werden können.

Chomskys erstes Buch Syntactic Structures ist ein gekürzter, umgearbeiteter Auszug aus seiner weit umfänglicheren Doktorarbeit Logical Structure of Linguistic Theory, in dem er die Transformationsgrammatik einführte. Die Theorie nimmt Äußerungen (Worte, Phrasen, Sätze) und setzt sie mit Oberflächenstrukturen in Zusammenhang, die selbst wieder mit abstrakteren Tiefenstrukturen korrespondieren. (Eine steife und klare Unterscheidung zwischen Oberflächen- und Tiefenstrukturen wird heute in gegenwärtigen Versionen der Theorie nicht mehr vorgenommen.) Umformungsregeln bestimmen zusammen mit den Regeln für die Struktur von Phrasen und anderen Strukturprinzipien sowohl die Erzeugung als auch die Interpretation von Äußerungen. Mit einem begrenzten Instrumentarium von grammatikalischen Regeln und einer endlichen Anzahl von Wörtern kann eine unbegrenzte Menge von Sätzen gebildet werden, darunter solche, die noch nie zuvor gesagt wurden. Die Fähigkeit, unsere Äußerungen auf diese Weise zu strukturieren, ist angeboren und somit ein Teil des genetischen Programms des Menschen. Dieses wird Universalgrammatik genannt. Wir sind uns dieser Strukturprinzipien im Allgemeinen genausowenig bewusst wie wir es uns der meisten unserer biologischen und kognitiven Eigenschaften sind.

Minimalistisches Programm

Chomskys Minimalist Program (MP) stellt seit Mitte der 1990er Jahre strenge Anforderungen an die Universalgrammatik. Grammatikalischen Prinzipien unterliegende Sprachen sind festgelegt und angeboren, der Unterschied zwischen den Weltsprachen kann durch das Setzen von Parametern im Gehirn charakterisiert werden, was oft mit Schaltern verglichen wird (beispielsweise der prodrop-Parameter, der anzeigt, ob ein explizites Subjekt wie im Englischen oder Deutschen immer benötigt wird -prodrop, oder es wie im Spanischen oder Italienischen auch wegfallen kann +prodrop). In Abhängigkeit von diesen Parametern weisen Sprachen grammatische Eigenschaften auf, die nicht mehr zusätzlich gelernt werden müssen. Ein Kind, das eine Sprache lernt, müsse nur die notwendigen lexikalischen Einheiten (Worte) und Morpheme erwerben und die Parameter auf passende Werte festlegen, was bereits anhand weniger Beispiele erfolgen könne.

Chomskys Herangehensweise ist durch mehrere Beobachtungen motiviert. Ihn erstaunte zunächst das Tempo, mit dem Kinder Sprachen lernen. Weiterhin stellte er fest, dass Kinder auf der ganzen Welt auf eine ähnliche Weise sprechen lernen. Schließlich bemerkte er, dass Kinder bestimmte typische Fehler machen, wenn sie ihre erste Sprache erlernen, wohingegen andere offensichtlich logische Fehler nicht auftreten.

Chomskys Ideen hatten einen starken Einfluss auf die Untersuchung des kindlichen Spracherwerbs. Die meisten in diesem Bereich arbeitenden Wissenschaftler lehnen Chomskys Theorien jedoch ab und bevorzugen Emergenz- oder Konnektionismustheorien, die auf allgemeinen Verarbeitungsmechanismen im Gehirn aufbauen. Letztlich bleiben aber praktisch alle linguistischen Theorien kontrovers, und so wird auch die Untersuchung des Spracherwerbs aus der Chomsky’schen Perspektive fortgeführt.

Generative Grammatik

Chomskys Herangehensweise an die Syntax, oft generative Grammatik genannt, wurde, obwohl sie sehr verbreitet ist, durch viele Forscher, in Frage gestellt. Chomskys syntaktische Analysen sind oft hochgradig abstrakt. Sie beruhen auf der sorgfältigen Untersuchung der Grenze zwischen grammatikalischen und ungrammatikalischen Mustern in konkreten Sprachen (vergleiche den so genannten pathologischen Fall, der in der Mathematik eine ähnlich bedeutende Rolle spielt). Derartige grammatische Entscheidungen können genau genommen jedoch nur durch Muttersprachler getroffen werden. Deshalb konzentrieren sich Linguisten meist auf die eigene Muttersprache beziehungsweise Sprachen, die sie fließend beherrschen, für gewöhnlich englisch, französisch, deutsch, holländisch, italienisch, japanisch oder eine der chinesischen Sprachen. Manchmal scheitert eine Analyse der generativen Grammatik, wenn sie auf eine Sprache angewandt wird, die zuvor nicht studiert wurde. Wenn neue Sprachen erforscht werden, führt dies meist zu zahlreichen Korrekturen am Konzept der generativen Grammatik. Die Anforderungen, die an sprachliche Universalien (Aussagen, die auf alle Sprachen zutreffen) gestellt werden, wurden im Lauf der Zeit stetig mehr.

Eine der Hauptmotivationen für eine alternative Auffassung, dem funktional-typologischen Verständnis oder der Sprachtypologie (die oft mit Joseph H. Greenberg in Verbindung gebracht wird), ist es, Hypothesen der sprachlichen Universalien auf dem Studium einer möglichst großen Vielfalt von Sprachen zu begründen, die entdeckten Variationen zu klassifizieren und Theorien zu formen, die auf dieser Klassifikation aufbauen. Chomskys Ansatz ist zu detailliert und zu sehr auf das Wissen von Muttersprachlern bezogen, um dieser Methode zu folgen, obschon sein Ansatz im Lauf der Zeit auf ein breites Spektrum von Sprachen Anwendung fand.

Chomsky-Hierarchie

Chomsky ist, unabhängig davon, inwieweit seine Ergebnisse Schlüssel zum Verständnis menschlicher Sprache darstellen, berühmt für seine Untersuchungen formaler Sprachen. Seine Chomsky-Hierarchie teilt die formale Grammatik in Klassen wachsender Ausdruckskraft. Jede folgende Klasse kann zu einem breiteren Satz formaler Sprachen als die vorhergehende führen. Interessanterweise vertritt er die Auffassung, dass die Beschreibung einiger Aspekte der Sprache eine im Sinne der Chomsky-Hierarchie komplexere formale Grammatik benötigen als die Beschreibung anderer Aspekte. Beispielsweise reiche eine reguläre Sprache aus, die englische Morphologie zu beschreiben, sei aber nicht stark genug, um auch die englische Syntax zu beschreiben. Die Chomsky-Hierarchie ist über ihre Bedeutung für die Linguistik hinaus zu einem wichtigen Element der theoretischen Informatik, speziell des Compilerbaus geworden, da sie über bedeutende Verbindungen und Isomorphismen mit der Automatentheorie verfügt.

Beiträge zur Psychologie

Chomskys Theorie einer Universalgrammatik war ein direkter Angriff auf die etablierten behavioristischen Theorien seiner Zeit und hatte erhebliche Auswirkungen auf das wissenschaftliche Verständnis des kindlichen Spracherwerbs und der menschlichen Fähigkeit zur Interpretation von Sprache.

1959 veröffentlichte Chomsky seine Kritik an B. F. Skinners Verbal Behaviour, einem Buch, in dem der führende Vertreter der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorherrschenden behavioristischen Psychologie behauptete, dass Sprache in erster Linie ein Verhalten (engl. behavior) sei. Dieses Verhalten, so Skinner weiter, könne wie jedes andere Verhalten – vom Schwanzwedeln eines Hundes bis zur Vorstellung eines Klaviervirtuosen – durch Belohnung geformt werden. Sprache wird nach Skinner vollständig über Vorbilder und über die Konditionierung durch die Umwelt erworben.

Chomskys Kritik an Skinners Methodik und seinen grundlegenden Annahmen bereitete den Weg für eine Revolution gegen die behavioristische Doktrin. In seinem Buch Cartesianische Linguistik von 1966 und anderen weiterführenden Arbeiten entwickelte Chomsky eine Erklärung der menschlichen Sprachfähigkeit, die auch für Untersuchungen in anderen Bereichen der Psychologie Modellcharakter entfaltete.< Der Geist ist nach Chomsky kognitiv. Das bedeutet, dass er tatsächlich mentale Zustände, Überzeugungen, Zweifel usw. enthält. Frühere Ansichten haben das mit dem Argument abgelehnt, dass es sich lediglich um Ursache-Wirkung-Beziehungen – beispielsweise der Art Wenn Du mich fragst, ob ich X will, werde ich Y sagen – handle. Im Widerspruch hierzu zeigte Chomsky, dass es besser sei, den Geist so zu verstehen, als ob man es mit Gegenständlichem wie Überzeugungen oder auch Unbewusstem zu tun hätte.

Zweitens behauptete er, dass ein Großteil dessen, was der erwachsene Geist könne, bereits angeboren sei. Es käme zwar kein Kind auf die Welt, das bereits eine Sprache spreche, aber alle werden mit der Fähigkeit zum Spracherwerb geboren, die es sogar gestatte, in wenigen Jahren gleich mehrere Sprachen geradezu aufzusaugen. Psychologen erweiterten diese These weit über das Feld der Sprache hinaus. Der Geist des Neugeborenen wird heute nicht mehr als unbeschriebenes Blatt betrachtet.

Schließlich entwickelte Chomsky aus dem Konzept der Modularität ein entscheidendes Merkmal der kognitiven Architektur des Geistes. Der Geist sei aus einer Ansammlung zusammenwirkender spezialisierter Subsysteme zusammengesetzt, die aber nur eingeschränkt miteinander kommunizierten. Diese Vorstellung unterscheidet sich stark von der alten Idee, dass jedes Stückchen Information im Geist durch jeden anderen kognitiven Prozess abgerufen werden könne. (Optische Täuschungen zum Beispiel lassen sich nicht abschalten, sogar dann nicht, wenn man wisse, dass es sich um Illusionen handle.)

Werke

  • Noam Chomsky: Syntactic Structures. Mouton, Den Haag 1957
  • Aspects of the Theory of Syntax, 1965
  • Noam Chomsky: Language and Mind Harcourt New York 1968; dt.: Sprache und Geist.
  • Rules and Representations, 1980, dt.: Regeln und Repräsentationen
  • Lectures on Government and Binding, 1981,
  • Knowledge of Language. Its Nature, Origin and Use, 1986
  • Language and Thought, 1993
  • The Minimalist Program, 1995
  • American power and the new mandarines. New York 1969; dt.: Amerika und die neuen Mandarine. Politische und zeitgeschichtliche Essays
  • „Human Rights“ and American foreign policy. 1978
  • Manufacturing Consent – The Political Economy of the Mass Media. New York 1988
  • Noam Chomsky: Profit over People – Neoliberalism and Global Order. Seven Stories New York 1998dt.: Profit over People – Neoliberalismus und globale Weltordnung.
  • Rogue States: The Rule of Force in World Affairs. South End Press, Cambridge 2000

Literatur

  • Robert F. Barsky: Noam Chomsky: A Life of Dissent. 1998, dt.: Noam Chomsky – Libertärer Querdenker.
  • Alison Edgley: „The social and political thought of Noam Chomsky“. Routledge, London 2001
  • Michael Haupt/Larissa MacFarquhar (Hrsg.): „Wer ist Noam Chomsky?“. Hamburg/Wien 2003
  • David Barsamian (Hrsg.): „Propaganda and the public mind – conversations with Noam Chomsky“. London 2001

Weblinks