Driesch

Hans Driesch (1867 – 1941)

Hans Driesch wurde am 28.10.1867 in Bad Kreuznach geboren und starb am 16.4.1941 in Leipzig.

Dreisch besuchte 1877-1886 ein humanistisches Gymnasium, die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. Er studierte in Freiburg, München und Jena Zoologie. 1889 promovierte er in Jena bei Haeckel mit einer Arbeit unter dem Titel ‚Tektonische Studien an Hydroidpolypen‘, die sich mit der Struktur von Polypenstöcken beschäftigte.

Da seiner Ansicht nach die Stammbaum-Methodik nicht ausreichte, um dynamische Probleme der Biologie zu bewältigen, beschäftigte er sich nach einer Forschungsreise in die Tropen 1890 mit biologischen Werken die von Gegnern Haeckels geschrieben worden waren. Die aufgrund dieser Überlegungen entstandene Arbeit über ‚Die mathematisch-mechanische Betrachtung morphologischer Probleme der Biologie‘ (1891) führte zum äußeren Bruch mit Haeckel.

Experimentelle entwicklungsgeschichtliche Arbeiten begründeten seinen Ruhm als Entwicklungsphysiologe. Über seinen philosophischen Bildungsweg schreibt Driesch in einer Selbstdarstellung: "Als Student habe ich einmal, in Freiburg bei Riehl, ein einstündiges philosophisches Kolleg über Willensfreiheit gehört. In Jena verbot jedoch der ‚gute Ton‘ den jungen Naturforschern damals den Besuch philosophischer Vorlesungen, und so blieb jenes Freiburger Kolleg das einzige. Nun fiel mir aber, als ich eben promoviert hatte, Liebmanns ‚Analysis der Wirklichkeit‘ in die Hände. Dieses Werk hat einen sehr starken Einfluss auf mich gehabt und mich zunächst einmal zum Studium der Originalwerke Kants und Schopenhauers, dann weiter Descartes‘, Lockes und Humes geführt. So war bald eine gewisse philosophische Grundlage da, vervollkommnet durch Riehls ‚Kritizismus‘, und auf ihr gestalteten sich nun meine nächsten, von den Experimenten her beeinflußten, biotheoretischen Schriften." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 51).
In diesen ‚biotheoretischen Arbeiten‘ (‚Die Biologie als selbständige Grundwissenschaft‘, 1893, ‚Analytische Theorie der organischen Entwicklung‘, 1894) verwendete Driesch einen Teleologie-Begriff, über den er später schrieb: "Mein Teleologie-Begriff war aber, mir selbst unbewusst, in einem sehr wesentlichen Punkte unbestimmt, in demselben Punkte, in dem das meines Erachtens der kantische ist. Ich hatte immer schlechthin von ‚zweckmäßig‘, von ‚teleologisch‘ geredet. Was ich gemeint hatte, war aber durchaus nicht immer ‚Vitalismus‘, sondern etwas, was ich später als ’statische Teleologie‘ bezeichnet habe oder auch als ‚vorgebildete Zweckmäßigkeit‘; ich meinte nämlich damals, dass die Konstellation der Materie, als ein für alle Mal Gegebenes, die hinzunehmende Grundlage der zweckmäßigen und ‚harmonischen‘ organischen Vorgänge sei, während diese Vorgänge selbst vom physikalisch-chemischen Typus seien." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 51).

Die Überwindung dieses Teleologie-Begriffes führte Driesch zum Vitalismus.

Die 1899 erschienene Schrift ‚Die Lokalisation morphogenetischer Vorgänge, ein Beweis vitalistischen Geschehens‘, bezeichnet Driesch als seine erste vitalistische bzw. dynamisch-teleologische Schrift. (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 52).

Zentraler Begriff dieser Arbeit ist das harmonisch-äquipotentielle System. Driesch schreibt: "Harmonisch-äquipotentielle Systeme nenne ich solche in der Embryologie oder bei der Wiederherstellung der gestörten Organisation (Restitution) auftretenden Zellgesamtheiten, für deren organisatorische Leistung es nichts ausmacht, ob man ihnen beliebige Teile nimmt oder ihre Teile beliebig verlagert." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 52).

Ab 1902 machten experimentelle Arbeiten nicht mehr das Zentrum seiner Tätigkeit aus. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf philosophische Probleme.

Zunächst bemühte er sich die Überlegungen vom morphogenetischen Gebiet auf die gesamte Biologie zu übertragen. Die Ergebnisse dieser Arbeit veröffentlichte er in den Schriften ‚Die organischen Regulationen‘ (1901) und ‚Die ‚Seele‘ als elementarer Naturfaktor‘ (1903).

Über sein nächstes Werk schreibt H. Driesch: "In der Schrift Naturbegriffe und Natururteile (1904) fasste ich zusammen, was ich über die Beziehungen zwischen Organischem und Anorganischem zu sagen hatte. Dieses Buch enthält als Hauptsache eine eingehende Kritik der Energetik und, als deren Wesentlichstes, den Nachweis, dass der sogenannte ‚zweite Hauptsatz‘ aus zwei logisch ganz heterogenen Teilen besteht; zum anderen bringt es zum ersten Male im engeren Sinne philosophische Fundierungen und Kritisches über den Kausalitätsbegriff; endlich denkt es natürlich die Hauptfrage zu lösen, wie Entelechie zu Materie und Energie in Beziehung stehe." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 53).

1905 schrieb Driesch eine kurze Geschichte des Vitalismus und stellte zudem sein eigenes ‚biotheoretisches‘ System dar. Die entsprechende Arbeit heißt ‚Der Vitalismus als Geschichte und als Lehre‘.

In das Jahr 1905 fällt auch das Studium von Werken von Sigwart, Lotze, Wundt, Windelband und Überweg-Heintze, sowie eigene Studien zur reinen Logik und Kategorientheorie, die ihn später zur Ordnungslehre führten.

Die schottische Universität Aberdeen wählte Driesch 1907/8 zum Gifford Lecturer. Zehn große Vorträge waren in jedem dieser beiden Jahre zu halten; sie mussten in Buchform erscheinen. Als Thema wählte Driesch ‚The Science and Philosophy of the Organism‘.

Driesch schreibt über die nächsten Jahre: "Die Jahre 1907/08 hatten mich, freilich im Ausland und nur auf kurze Zeit zum ersten Male zum Universitätslehrer gemacht. Ich hatte Gefallen daran gefunden, und so hatten denn einige Kollegen in Heidelberg es nicht schwer, mich zur Habilitation für ‚Naturphilosophie‘ zu überreden. Von allen üblichen Formalitäten wurde dabei abgesehen. So war ich denn also (1909) Provatdozent, zunächst in der naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät, wurde 1911 Extraordinarius und trat Anfang 1912 in die philologische Fakultät über." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 55).
Interessant ist die Bestimmung der Philosophie durch Driesch: "Philosophie ist das gefügehafte Wissen vom Wissen und von allem Gewußten als Gewußtem. Der Zusatz ‚als Gewußtem‘ scheidet Philosophie von Wissenschaft im eigentlichen Sinne; ein Teil der Wissenschaft wird sofort zu einem Teil der Philosophie, wenn er als gewusster betrachtet wird und, neben einer Inhaltlichkeit, in seinem Gewußtsein erfasst wird." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 58).
Driesch gliedet sein philosophisches System in drei Teile: die Lehre vom Ausgang, die Ordnungslehre und die Wirklichkeitslehre.

"Von diesen drei Teilen ist aber die erste keine eigentliche ‚Lehre‘, sondern kommt vor aller Lehre; er besteht in der schlichten selbstbesinnlichen Feststellung, dass es einen von allen anderen Sachverhalten unterschiedlichen Ursachverhalt gibt, welcher allein über jeden Zweifel erhaben und auch allein zum Ausgang der Lehre vom Wissen geeignet ist." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 58).

Der Ursachverhalt besteht nach Driesch aus drei Bestandteilen: (1) ‚Ich, der um sein Wissen Wissende‘ (2) ‚habe bewusst‘ (3) ‚Etwas‘.

Im Sommer 1909 begann Driesch mit der Ausarbeitung seine logischen Systems, das 1912 unter dem Titel ‚Ordnungslehre‘ erschien.

Die Absicht, welche ursprünglich zu ihrem Entwurf geführt hatte, war die logische Rechtfertigung des Vitalismus gewesen. Driesch untersucht weiter die Fragen: Was sind Kategorien? Wie komme ich zu Kategorien? Was heißt Denken? Wovon hat das Denken auszugehen? Die Ordnungslehre wurde von Driesch bewusst ‚methodisch-solipsistisch‘ gestaltet.

1903 entwarf Driesch seine ‚Wirklichkeitslehre‘, in der er zeigen will, dass Metaphysik als Lehre vom ‚Wirklichen‘, vom ‚An sich‘ hypothetisch und als induktive Wissenschaft möglich ist.

In seiner 1916 erschienen Schrift ‚Leib und Seele‘ (2. Aufl. 1920) bemüht sich Driesch den psychomechanischen Parallelismus durch den Vergleich der ‚Mannigfaltigkeitsgrade‘ des Physischen und Psychischen zu widerlegen.

Im Frühjar 1920 siedelte Driesch als Ordinarius nach Köln über. Im Herbst 1921 wurde er als Nachfolger Volkelts nach Leipzig berufen, wo er bis zu seiner vorzeitigen Emeritierung wirkte. In Leipzig schrieb Driesch vor allem Arbeiten, die seine bisherigen Überlegungen präszisierten.

Die Grundidee der Ethik von Driesch geht auf das Ganzheitsprinzip zurück: Die ganzheitliche unsterbliche Seele des Menschen sei in materielle Ketten geschlagen. Das Urbefinden des Menschen sei das Leiden. Die Aufgabe der Menschheit besteht darin, das Leiden zu lindern, zu bekämpfen.

Ethik müsse auf politischem Gebiet fruchtbar werden. Deshalb wandte Driesch sich mit seinen sittlichen Hauptforderungen (Beseitigung der Kriege, des Nationalismus, des Rassismus, des Antisemitismus und Kolonialismus) vor allem an die Staatsmänner und Lehrer. Er empfahl Pazifismus als Grundhaltung und sah in passiver Existenz und Boykottmaßnahmen die einzigen Mittel im Friedenskampf. Eine Revolution zum Sturz eines Diktators war für ihn ein extremes und ethisch nicht wünschenswertes Mittel.

Driesch zeichnete das Bild einer künftigen geistigen Gemeinschaft der Menschheit, die auf den durch alle Völker erarbeiteten kulturellen Traditionen aufbaue und über den Völkerbund zum Menschheitsstaat entwickelt werden müsse.

Driesch war führend in der ‚Liga für Menschenrechte‘ tätig, die die Ideale der Völkerverständigung propagierte. Er argumentierte öffentlich gegen die den Faschismus vorbereitende Liaison von Junkertum, Militarismus und Reaktion. Driesch verurteilte öffentlich faschistische und antisemitische Kampagnen und Ausschreitungen, so z. B. die gegen Theodor Lessing, der 1933 ermordet wurde. In einem Rundfunkvortrag anläßlich des 12. Jahrestages der Novemberrevolution warnte er das deutsche Volk vor der drohenden Diktatur.

Nach seiner durch die faschistischen Machthaber veranlaßten vorzeitigen Emeritierung 1933 traten parapsychologische Probleme in den Vordergrund seiner Arbeit.

Ausgewählte Werke:

(1) Philosophie des Organischen, 2 Bde, Leipzig 1909

(2) Ordnungslehre. Ein System des nichtmetaphysischen Teiles der Philosophie. Jena 1912

(3) Wirklichkeitslehre. Ein metaphysischer Versuch. Leipzig 1917

(4) H. Driesch: Mein System und sein Werdegang. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen. (2. Aufl.) Leipzig 1923, 49-78).

(5) Die sittliche Tat. Ein moralphilosophischer Versuch. Leipzig 1927

(6) Der Mensch und die Welt. Leipzig 1928

Elsenh

Theodor Elsenhans (geb. 1868)

Theodor Elsenhans war Professor an der Technischen Hochschule in Dresden.

Wahrheitskriterium ist das Evidenzgefähl, das sich mit dem Vernunftglauben verbindet.

Die Psychologie ist eine Vorarbeit zur Erkenntnistheorie. Die Erkenntnistheorie richtet ihr Augenmerk auf die Beziehung von Subjekt und Objekt.

Die Ethik ist nach Elsenhans die Wissenschaft vom sittlichen Bewußtsein. Es gibt ein absolutes Sittengesetz, dessen Äußerungen der Entwicklung unterliegen.


Diderot

Denis Diderot (1713 – 1784)

Der französische Philosoph, ist Mitbegründer und Herausgeber der Enzyklpoädie.

Von Diderot stammt die Idee, dass die Empfindung möglicherweise eine allgemeine Eigenschaft der Materie ist. Die Atome sind Träger von Empfindungen, aus denen das Denken entsteht. Aus der Berührung der Atome entsteht das für die Menschen und das All einheitliche Bewußtsein.

In seiner Erkenntnistheorie antizipierte er die Lehre von den Reflexen.

Die Materie wird seiner Ansicht nach auf drei Arten erkannt:

  1. durch Beobachtung,
  2. durch Denken und
  3. durch Experiment.

Den Agnostizismus lehnte er entschieden ab und verteidigte die Idee von der Erkennbarkeit der Welt.

Nach Diderot bezeichnet Wissen eine zuverlässige und bewiesene Kenntnis. Unkenntnis setzt eine Idee von der Sache voraus, ohne dass ein angemessenes Urteil gebildet werden könnte.

Als Logik bezeichnete Diderot die Wissenschaft vom richtigen Denken und der gebührenden Verwendung unserer geistigen Fähigkeiten vermittels Definitionen, Einteilungen und Überlegungen.

Die Aufgabe der Logik sah Diderot darin, zu lehren, die Gedanken zur Erlangung der Wahrheit richtig zu verbinden.


Diels

Hermann Diels (1848 – 1922)

Der klassische Philologe Hermann Diels arbeitete vor allem zur antiken Philosophie (Doxographi Graeci (1879), Die Fragmente der Vorsokratiker (1903, 121966/67)) und Naturwissenschaften und Technik (Antike Technik (1914)).

Dignaga

Dignaga (5. oder 6. Jh. v. u. Z.)

Der indische Logiker Dignaga gilt als Schöpfer der buddhistischen Logik.

Das Hauptwerk von Dignaga Über die Quellen der Erkenntnis war nicht nur in Indien, sondern auch in China und Japan bekannt.

Der Begriff ist bei Dignaga ein Produkt des Denkens. Der Schluss ist eine Verknüpfung von Begriffen, die sich den apriorischen Denkgesetzen unterordnet.

Dignaga untersucht die Frage, welchen Forderungen man den logischen Grund unterordnen muß, damit er notwendige und hinreichende Bedingung wird.

Dignaga nennt drei Forderungen:

  1. Der logische Grund und die logische Folge müssen sich auf einen einzigen Gegenstandsbereich beziehen.
  2. Der logische Grund muss mit dem zusammenhängen, womit auch die logische folge zusammenhängt.
  3. Der logische Grund muss mit all dem vergleichbar sein, womit auch die logische Folge unvereinbar ist.

Dignaga lehrte zwei Arten des Syllogismus:

  1. den dreigliedrigen Syllogismus mit Grund, Beispiel und These,
  2. den fünfgliedrigen Syllogismus mit These, Grund, Beispiel, Anwendung und Konklusion.


Dikaiar

Dikaiarchos von Messene (ca. 310 v. u. Z.)

Dikaiarchos war Schüler von Aristoteles und Theophrastos.

Er schrieb mit Bios tes Hellados eine Kulturgeschichte Griechenlands und verfasste philosophische, literaturgeschichtliche und biographische Arbeiten.

In seiner Schrift Tripolitikon soll er Platons Staatslehre kritisiert haben.

Seele ist nach Dikaiarchos nicht eine immaterielle, besondere Substanz, sondern die allen Organismen eigene Fähigkeit des Lebens und Empfindens.

Ferner wird berichtet, dass er eine Erdbeschreibung verfasste. Er soll auf Grund von zum Teil eigenen Vermessungen eine Erdkarte angelegt haben und äußerte sich wohl zur Kugelgestalt der Erde und zu derem Umfang.


Demetr

Demetrius

Der kynische Philosoph stand mit seinen Theorien den Stoikern, insbesondere Epiktetos, nahe.

Er betonte den Begriff der Anstrengung und diskutierte über das Wesen der Seele und ihre Trennung vom Körper.

Seneca, der von ihm beeinflußt wurde, bezeichnet ihn als einen der besten Männer seiner Zeit.


Dilthey

Friedrich Wilhelm Dilthey

Der deutsche Philosoph, Psychologe und Pädagoge Wilhelm Dilthey (* 19. November 1833 in Wiesbaden-Biebrich, † 1. Oktober 1911 in Seis am Schlern) besuchte als Sohn einer calvinistischen Predigerfamilie in Wiesbaden das Gymnasium und referierte dort zum Abitur das Thema Über den Einfluß des griechischen Altertums auf die Jugend. In Berlin (1853) und Heidelberg (1852) studierte er Geschichte, Theologie und Philosophie u.a. bei August Boeckh, Kuno Fischer, Leopold von Ranke und Friedrich Adolf Trendelenburg.

1856 legte er sein erstes theologisches Staatsexamen ab. Nach Abschluss der staatlichen Schulamtsprüfung wurde er Lehrer am Französischem und Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin. Im Jahre 1864 promovierte er mit einer lateinisch geschriebenen Arbeit über die Ethik von Schleiermacher und habilitierte im gleichen Jahr über das moralische Bewusstsein. In Basel erhielt er 1867/1868 eine Professur. Es folgten Anstellungen in Kiel (1868 – 1871), Breslau (1871 – 1882) und Berlin von 1883 bis 1908.

Philosophie

Dilthey war um 1900 die Zentralfigur der so genannten Lebensphilosophie in Deutschland.

So wie Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft die erkenntnistheoretische Grundlage der Naturwissenschaften geklärt hatte, bemühte sich Dilthey in seinem lebenslangen Projekt einer Kritik der historischen Vernunft die Grundlage für die von ihm so benannten Geisteswissenschaften zu legen. Dabei orientierte er sich an J. G. Droysens geschichtsphilosophischen Vorstellungen des Historismus.

In der Tradition Schleiermachers bemühte er sich, die Hermeneutik als Methodenlehre der Geisteswissenschaften zu entwickeln. Anfangs sah er das Erleben als Grundlage der Hermeneutik und das Verstehen als psychologische Einfühlung in die geistigen Vorgänge eines Autors.

Später aber wich Dilthey von diesem psychologischen Standpunkt ab und rückte die Begriffe des Ausdrucks und des Ausdrucksverstehens in den Mittelpunkt der geisteswissenschaftlichen Methodik: Die Geisteswissenschaften hätten die Aufgabe, den Zusammenhang zwischen Leben, Ausdruck und Verstehen zu klären. Dabei sei der Ausdruck eher Objektivation des allgemeinen Geistes eines Zeitalters, als Erscheinungsform individueller Lebensimpulse eines Autors oder Künstlers.

Diltheys Konzeption der Hermeneutik als Verstehenstheorie und Methodologie der Geisteswissenschaften hatte großen Einfluss auf alle weiteren wissenschaftstheoretischen Diskussionen, in denen es um die Abgrenzung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ging.

Werke

  • Einleitung in die Geisteswissenschaften (1883)
  • Die Entstehung der Hermeneutik (1900)
  • Das Erlebnis und die Dichtung (1906)
  • Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften (1910)

Online-Texte

Literatur

  • J. Habermas: Erkenntnis und Interesse, Frankfurt/M. 1968, Kap. II, 7 u. 8.
  • E. Hufnagel: Wilhelm Dilthey. Hermeneutik als Grundlegung der Geisteswissenschaften, in: U. Nassen (Hg.): Klassiker der Hermeneutik, Paderborn 1982.
  • Matthias Jung: Dilthey zur Einführung, Hamburg 1996
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Demokrit

Demokritos von Abdera (460 – 371 v. u. Z.)

Abdera war zur Zeit des griechischenPhilosophen Demokritos(auch Demokrit) als wichtiger Warenumschlagspunkt – es lag amHandelsweg zwischen Thrakien und Persien – auch ein kulturellesZentrum. Hier wirkte auchProtagoras, Hippokrates.

Von den Alten wird berichtet, dass Demokrit ausgedehnte Bildungsreisenunternahm, die ihn nach Ägypten, Babylon, Persien und Indien gewführt habensollen. Diese Reisen verschlangen das vom Vater ererbte Vermögen. DieVerschleuderung ererbter Vermögen war strafbar. Demokrit wurde deswegen vorGericht gestellt. Er sagte nichts zu seiner Verteidigung, sondern las nur ausseinen Werken vor. Das überzeugte die Richter davon, dass er sein Erbe wohlangelegt hätte.

Die Ausgangsfrage Demokrits ist traditionell: Was ist das in WahrheitSeiende?

Demokrits Antwort:

"in Wirklichkeit gibt es nur die Atome und dasLeere" [119 fr. 125].

Nach Aristoteles können wir die Zeit hinzufügen:

"… die Zeit sei unentstanden, und hierdurch beweist Demokritdie Unmöglichkeit, dass alles auf der Welt entstanden sei." [Aristoteles,Physik VIII 1251 b 16].

Zenons Analyse der unendlichen Teilbarkeit hattezu paradoxen Resultatengeführt. Deshalb stellte Demokrit die Antithese auf:Es existieren letzte, unteilbare Teilchen, eben Atome, Bausteine aller Dinge.

Den Atomen kommen Eigenschaften zu, die auchParmenides dem Sein zugedacht hatte: Ewigkeit,Unveränderlichkeit, Unteilbarkeit, Kompaktheit, das heißt keine Leere kennend.

Demokrit nimmt im Gegensatz zur Eleatikjedoch kein unbewegliches Sein, sondern unendlich viele, im Raum sichbewegende Atome als das wahrhaft Seiende an.

Im Unterschied zur Auffassung desEmpedokles über die Elemente Teilchen und zuAnaxagors‘ Spermata sind die Merkmale, duch die sich die Atome voneinander unterscheiden, quantitativer Natur: Sieunterscheiden sich durch Gestalt, die mit der Größe verbunden ist, durch die Lage und durch die Anordnung.

Aristoteles hat das am Buchstaben-Modell illustriert. Die Atome unterscheidensich:

  • der Gestalt nach wie A und Z,
  • der Lage nach wie N und Z,
  • der Anordnung nach wie NA und AN.

Die Verkettung der Atome bewirkt das Entstehen, die Auflösung der Verkettungdas Vergehen.

Es bedarf keiner Kraft, die von außen Entstehen und Vergehen bewirkt, daBewegung eine wesentliche Eigenschaft der Atome. Demokrit kann daher aufEmpedokles‘ Liebe und Haß und auf Anaxagoras‘ nous verzichten.

Aristoteles hat Demokrit kritisiert, da er nicht erkläre woher die Bewegungkomme.

Demokrit fasste die Bewegung als bloße Ortsveränderung der Atome und übersah,dass Körper im leeren Raum mit gleicher Geschwindigkeit fallen. Fallen sieaberr mit gleicher Geschwindigkeit, dann bleibt ihre Lage zueinanderunverändert; dann kann es aber auch zu keinem Aufprall, zu keinem Wirbel, zukeiner Verkettung der Atome kommen. Diese Dilemma hatEpikur gesehen und zu lösen versucht.

Bedingung dafür, dass die Atome sich bewegen können, ist für Demokrit derleere Raum. Da unendlich viele Atome sind, müssen sie getrennt, einzeln sein.Die Leere trennt die Atomme. Damit ist die Leere Beedingung für die Bewegungder Atome und für die Vielheit und Einheit dieSonnenstäubchen Seelen seien [vgl. De anima I 2. 404a 16ff.].

Auf die Sonnenstäubchen verweist Demokrit wegen ihrer Bewegtheit, durch diesie dem Verhalten speziell der Seelenatome ähneln.

"Demokrit erklärt Seele und Geist schlechthin für dasselbe. Das Wahre nämlichsei das, was sich den Sinnen darbietet. Deshalb habe Homer die Worte zu Recht gedichtet: ‚Hektor lag da, seinen Geist auf anderes lenkend.‘ Er verwendet hier das Wort ‚Geist‘ nicht imSinne des auf die Wahrheitgerichteten (Denk)vermögens, sondern identifizierte Seele undGeist." [Aristoteles, De anima I 2. 404a 27ff.].

Die Lehre der sogenannten orphischen Epos die behauptete, "dass die Seele beimEinatmen aus dem All eindringen von den Winden getragen" [Aristoteles, Deanima I 5. 410b 29f.] ist für Aristoteles falsch, da die Pflanzen und einigeTiere nicht atmen [Aristoteles, De anima I 5. 410b 30 – 411a 2].

Demokritos ist einer der Begründer der Induktionslogik, in der die Analogieeinen bedeutenden Platz einnimmt. DieWahrheit, so nahm er an,kann man erkennen, wenn man von der sinnlichen Wahrnehmung und der Beobachtungeinzelner Fakten zu Verallgemeinerungen übergeht, dieder Verstand aufgrund der Wahrnehmungsdaten bildet.

Das Urteil ist nachDemokritos die Verbindung von Subjekt und Prädikat.

Bei Demokritos findet sich auch das Honig-Beispiel.

Metrodor von Chios gilt als Schüer Demokrits.

Diodoros

Diodoros Chronos (gest. ca. 370 v. u. Z.)

Der griechische Logiker und Philosoph Diodorus Chronos ist Vater von Argia, Theognis, Artemisia, Pantakleia und Menexene.

Diodorus Chronos ist der wichtigste Vertreter der Schule der Dialektiker. Er gilt als Lehrer von Philon von Megara.

Diodoros Chronos widmete in seinen Arbeiten dem Problem des Realen und des Möglichen viel Aufmerksamkeit.

Von ihm stammt der Kyrieuon, ein Beweis der These, dass nichts möglich ist, was nicht ist oder sein wird.

Diodoros Chronos bestritt auch die Möglichkeit der Bewegung.

Er war ein Kenner der Theorie der Implikation und er war einer der ersten Denker, die bemerkten, dass die Ableitbarkeit des Hintergliedes B einer Implikation aus deren Vorderglied A eine notwendige Bedingung für die Wahrheit eines Satzes der Form "wenn A, so B" ist.

Semantisch vertrat er die Ansicht, dass "kein Wort bedeutungslos oder mehrdeutig sein [könne], da jeder, der es gebrauche, etwas ganz Bestimmtes damit bezeichnen wolle, auch wenn ein anderer etwas anderes darunter verstehe."