Drobisch

Moritz Wilhelm Drobisch (1802 – 1896)

Der Mathematiker, Philosoph, Psychologe und Logiker Moritz Wilhelm Drobisch, geboren in Leipzig, war in Leipzig Professor.

Drobisch ist stark von Herbart beeinflußt.

Er nähert sich vom empirisch-formalistischen Standpunkt aus der metaphysischen Richtung der Identifizierung von Sein und Denken. Später nimmt er eine vermittelnde Position zwischen beiden Standpunkten ein.

Aufgabe der Logik ist die Feststellung der Normalgesetze des Denkens. Die Logik ist eine formale Wissenschaft und von der Psychologie unabhängig. Die Logik ist nach Drobisch eine normative Wissenschaft.

Voraussetzung der Logik ist das konkrete, mit dem Erkennen verschmolzene Denken, aus welchem sie ihre Grundformen durch Abstraktion gewinnt. Das Denken ist, seiner Funktion nach, ein Zusammenfassen eines Mannigfaltigen in einer Einheit.

Das Allgemeine und Notwendige ist nach Drobisch kein Ergebnis der Erfahrung, sondern ein Ergebnis des Denkens. Nicht die Begriffe selbst sind von der Erfahrung unabhängig, sondern die Verknüpfung ist erfahrungsunabhängig. Die logischen Begriffe entstehen im Denken, im Urteil. Es gibt nur notwendige Urteile und Schlüsse, aber keine notwendigen Begriffe.

Die Axiome der Mathematik haben unmittelbare Evidenz als Tatsachen der Anschauung von assertorischer Geltung.

Assoziation und Reproduktion sind die psychischen Grundprozesse.

Drobisch schlug ein Verfahren zur Algebraisierung der Syllogistik vor. Mit diesem Verfahren werden einfache Formen des Urteils algebraisch rekonstruiert und darauf eine Behandlung der Schlüsse aufgebaut.

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Empedokl

Empedokles von Akragas (ca. 495 – 435 v. u. Z.)

Der griechische Politiker, Arzt und Philosoph Empedokles, selber aus der Aristokratie stammend, lehnte die ihm angetragene Königswürde ab und wurde zum Führer der Demokratie in Akragas.

Als Arzt vertrat er den Grundsatz, dass man nur heilen kann, wenn man die Natur des Menschen und die den Menschen umgebende Natur erkennt. Sein Ruhm gründet sich auf die erfolgreiche Bekämpfung der Malaria. Er ließ – wie uns berichtet wird – den Sumpf bei Seiinunt entwässern und beseitigte damit die Brutstätten dieser Krankheit. Er ließ des weiteren Berge abtragen bzw. Schluchten in sie schlagen, damit günstige Winde das Klima seiner Heimatstadt beeinflussen konnten.

Sein Tod ist unklar. Man fand, so berichtet eine Legende, am Krater des Ätna eine seiner Sandalen und schloß daraus, dass er sich freiwillig dem Feuer überantwortet habe. Andere dagegen berichten, dass er – trotz allen Ruhmes – aus seiner Heimatstadt vertrieben und in der Verbannung gestorben sei.

Es sind Framgente von Empedokles‘ Schriften Über die Natur und Reinigungen überliefert.

Die Schrift Über die Natur enthält seine wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Empedokles vertrat die Auffassung, wonach Feuer, Luft, Erde und Wasser Ursprung aller Dinge sind:

"Höre zuerst von den vier Grundwurzeln aller Dinge: Zeus, der Schimmernde, Hera, die Leben erleihende, und Hades und Nestis, die aus ihren Tränen sterblichen Quell entspringen lässt." [11 fr. 6].

Der mythische Charakter der Ausführungen des Empedokles ergibt sich aus der Gattung dieses Werkes, ein Gedicht, und daher mit poetischer, allegorische Ausdrucksweise.

Zeus bezeichnet das Feuer, Hera die Luft, Hades die Erde und Nestis – die sizilianische Göttin des Feuchten – das Wasser.

Aristoteles bemerkt:

Empedokles sprach über "vier Elemente, indem er zu den genannten die Erde als viertes hinzufügte: diese Elemente sollen immer erhalten bleiben und niemals entstehen – sie sollen sich nur hinsichtlich ihrer Menge (oder Wenigkeit) ändern, indem sie sich zu einem verflechten und aus dem Einen wieder entflechten" [Aristoteles: Metaphysik A 3. 984a 9 – 11].

Empedokles kann also Ewigkeit und Unveränderlichkeit des wahren Sein annehmen als auch Entstehen und Vergehen erklären.

Empedokles hat das Wirken der Natur in Analogie zum künstlerischen Produktionsprozeß beschrieben:

"Wie wenn Maler bunte Gemälde als Weihgeschenke verfertigen, Männer, die in ihrer Kunst dank ihrer Klugheit wohlbewandert sind – wenn diese die vielfarbigen Gifte in ihren Händen genommen und harmonisch gemischt haben, indem sie vom einen mehr, vom andern weniger nehmen, dann lassen sie daraus Gestalten entstehen, die allem möglichen gleichen: bald entwerfen sie Bäume, bald Männer und Weiber, bald wilde Tiere und Vögel und Fische des Wassers, bald auch lang lebende Götter, die hoch geehrt sind – so ist auch die Quelle der irdischen Dinge, so viele uns in ihrer unendlichen Fülle bekanntgeworden sind, nirgendwo anders als in ihnen (den Elementen) zu suchen." [13 fr. 23]

Es scheinen drei Bedingungen zu sein, die die Mischung ermöglichen:

1. Die Elemente bestehen aus kleinsten Teilchen, denen die Eigenschaft des jeweiligen Elements zukommt.

Galenus aus Pergamon schreibt: "Empedokles meinte, dass aus den vier unveränderlichen Elementen die Natur der zusammengesetzten Stoffe hervorgehe, indem die ersten (d. h. die Urteilchen) so miteinander vermischt wären, wie wenn jemand Rost und Kupfererz und Zinkerz und Vitriolerz ganz fein zerriebe und zu Pulver machte und miteinander mischte, so dass er nichts von ihnen ohne einen Teil eines anderen in die Hand nehmen kann." [Galen zu Hippokrates‘ Schrift Von der Natur des Menschen XV 32].

Aristoteles schreibt: "(Die Mischung der Elemente nach Empedokles) muss eine Vereinigung sein wie eine Mauer, die aus Ziegelsteinen zusammengefügt ist. Und diese Mischung wird aus Elementen bestehen, die als solche unverändert bleiben, aber in kleinen Teilen nebeneinandergefügt sind. Und ebenso ist es mit der Substanz des Fleisches und jedem andern Stoff." [Aristoteles: Vom Entstehen und Vergehen II 7. 334a 26ff.].

2. Die Mischung der aus Feuer-, Luft-, Erd-, und Wasserteilchen bestehenden Dinge wird möglich, weil diese Poren besitzen, durch die Ausflüsse anderer Dinge eindringen können. Absolute Leere wird verworfen.

Alexandros von Aphrodisias schreibt: "Warum der Herakleische Stein (der Magnet) das Eisen anzieht: Empedokles behauptet, dass auf Grund der Ausflüsse, die von beiden Seiten stattfinden, und auf Grund der Poren des Magneten, die den Ausflüssen des Eisens symmetrisch sind, sich das Eisen auf den Magneten zu bewege. Denn dessen Ausflüsse stoßen die Luft, die auf den (Ausgängen der) Poren des Eisens lagert, fort und setzen die die Poren verstopfende Luft in Bewegung.

Wenn diese verdrängt sei, dann folge das Eisen seinem Ausfluß, der (nun) in seiner Gesamtheit auf einmal erfolge. Denn wenn sich die Ausflüsse des Eisens auf die Poren des Magneten zu in Bewegung setzten, folge – weil sie (die Ausflüsse) diesen symmetrisch wären und in sie hineinpaßten, auch das Eisen (selber) mitsamt seinen Ausflüssen und gerate so in Bewegung." [Alexander von Aphrodisias: Physikalische Fragen II 23 S. 72].

Passen Ausflüsse und Poren nicht zueinander, findet keine Mischung statt, wie etwa bei Öl und Wasser.

Hervorzuheben ist, dass Empedokles die Mischung aufgrund der Symmetrie der Poren erfolgen lässt.

Auf die Symmetrie von Ausflüssen und Poren, durch die alle Dinge charakterisiert sind, stützt Empedokles seine Erkenntnislehre. Aus ihr leitet er den Grundsatz ab, dass Gleiches nur von Gleichen erkannt werden kann.

3. Zwei entgegengesetzte Kräfte bewirken die Mischung bzw. die Trennung des Gemischten: Liebe und Haß.

Liebe, die Kraft der Aphrodite bewirkt das Einswerden, die Harmonie. Der Streit bewirkt das Viele, letztlich das Chaos. Der Streit ist der Vater aller einzelnen Dinge. Liebe und Haß vollziehen den Kreislauf der Elemente:

"Zweierlei will ich dir sagen: denn bald wächst ein einziges Sein aus Mehrerem zusammen, bald wird es wieder Mehreres aus Einem. Zwiefach der sterblichen Dinge Entstehung, zwiefach auch ihr Dahinschwinden. Denn die Vereinigung aller Dinge erzeugt und zerstört die eine; die andere aber, kaum herangewachsen, fliegt davon, wenn sie (die Elemente) sich wieder scheiden. Und dieser fortwährende Wechsel hört niemals auf: bald kommt alles durch die Liebe in Eins zusammen, bald wieder scheiden sich alle Dinge voneinander durch den Haß des Streites – sofern nun auf diese Weise Eins aus Mehrerem zu werden pflegt und wieder aus der Spaltung des Einen Mehreres hervorgeht, insofern entstehen die Dinge und haben kein ewiges Leben; insofern aber ihr ständiger Wechsel niemals aufhört, insofern sind sie ewig unerschüttert im Kreislauf." [18 fr. 17]. Die Rolle des Feuers unter den Elementen, die gegensätzlichen Kräfte, der Streit als Vater der Dinge, der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen erinnern stark an Heraklitsches Denken. Während aber bei Heraklit das ewige Werden Prinzip des Seins ist, reduziert Empedokles dieses Werden auf die einzelnen getrennten Dinge. Die Elemente selber bleiben unveränderlich. Während bei Heraklit die Gegensätze ständig, gleichzeitig das Werden bewirken, lässt Empedokles die gegensätzlichen Kräfte in gewisser Weise nacheinander wirken.

Den Ausgangspunkt des Weltprozesses beschreibt Empedokles im eher Parmenidischen als Heraklitischen Sinne: "So liegt in dem festen Verlies der Harmonie der kugelförmigen Sphairos gebannt, der sich ringsum herrschenden Einsamkeit freut." [50 fr. 27].

"Kein Zwist und kein ungebührlicher Streit herrscht in seinen Gliedern." [51 fr. 27a]. Dies ist der Zustand der absoluten Mischung und der absoluten Herrschaft der Liebe. Dieser Zustand wird durch den Haß aufgelöst.

Der Haß löst das Eine, die Harmonie auf. Das Resultat des Hasses ist das Chaos, der Zustand der absoluten Trennung, der absoluten Macht des Hasses. Die Liebe beginnt wieder ihren Vormarsch. Zwischen den beiden Polen der absoluten Macht der Liebe und der absoluten Macht des Hasses, vollzieht sich der Weltprozeß, entstehen und vergehen die Welten, bildet sich und zerfällt der Kosmos, werden und verschwinden die Dinge. Die Bildung des Kosmos beginnt bei Empedokles dadurch, dass sich aus dem Sphairos zunächst die Luft absondert und sich kuppelförmig ausdehnt, danach das Feuer, das unter der Kuppel seinen Platz einnimmt, schließlich die Erde und das Wasser, und aus der Mischung der vier Elemente bilden sich alle Dinge.

Aus der Mischung der Elemente gingen auch die organischen Wesen hervor. Anaximandros war der erste, der das Leben aus dem Wasser und die Menschen aus den Fischen hervorgehen ließ. Bei Empedokles gehen die organischen Wesen – wie alle Dinge – aus der Mischung der Elemente hervor: "Zuerst kamen noch ganz rohe Erdklumpen hervor, die von beidem, vom Wasser und Feuer, den rechten Anteil bekommen hatten. Sie trieb das Feuer empor, das zum Gleichen gelangen wollte. Sie zeigten noch nicht die liebliche Gestalt von Gliedern noch Stimme oder Schamglied, wie es den Menschen eigen ist." [90 fr. 62].

"Ihr (der Erde) entsprossen viele Köpfe ohne Hälse, Arme irrten für sich allein umher, ohne Schultern, und Augen schweiften allein herum, der Stirnen entbehrend." [94 fr. 57].

"Da wuchsen viele Geschöpfe heran mit Doppelantlitz und doppelter Brust, mit dem Rumpf eines Rindes, aber dem Antlitz eines Menschen, und umgekehrt kamen andere zum Vorschein, Menschenleiber mit Kuhhäuptern, Mischwesen, die teils Männer-, teils Frauengestalt hatten und mit beschatteten Schamgliedern ausgestattet waren." [97 fr. 61].

Da nun aber Gleiches zum Gleichen strebe, Harmonie wolle, fanden die Arme ihre entsprechenden Schultern, die Augen ihre entsprechenden Stirnen. Aphrodite stellte "mit den Nägeln der Liebe" die Vereinigung her.

Wie Empedokles die Enstehung des Organischen auf natürliche Weise zu erklären versuchte, so interpretierte er die Seele, das heißt die Fähigkeit, wahrzunehmen und zu denken. Diese Fähigkeit liege im Blut: "In den Fluten des Blutes, das entgegenspringt, ist (die Denkkraft) ernährt, wo gerade das Denken nach Meinung der Menschen seinen Sitz hat. Denn das das Herz umströmende Blut ist dem Menschen die Denkkraft." [148 fr. 105].

"Denn aus ihnen (den Elementen) ist alles passend zusammengefügt, und durch sie denken, freuen und grämen sie sich." [152 fr. 107].

Sinneswahrnehmung entsteht durch Berührung des Gleichen durch das Gleiche: "Denn mit der Erde (in uns) sehen wir die Erde, mit dem Wasser das Wasser, mit der Luft die göttliche Luft, aber mit dem Feuer das vernichtende Feuer, mit der Liebe die Liebe, den Streit mit dem traurigen Streite." [158 fr. 109].

Trotz Kenntnis der Grenzen des menschlichen Wahrnehmens und Denkens, vertritt Empedokles einen Erkenntnisoptimismus: "Doch wohlan, betrachtete scharf mit jedem Sinne, wie ein jedes Ding offenbar ist; und glaube den Augen nicht mehr als den Ohren; schätze auch nicht das brausende Gehör höher als die Wahrnehmungen des Gaumens und setze nicht die Glaubwürdigkeit der anderen Sinne zurück, soweit es einen Pfad der Erkenntnis gibt, sondern suche jedes einzelne Ding zu erkennen, soweit es offenbar ist." [161 fr. 4, 9ff].


Diels

Hermann Diels (1848 – 1922)

Der klassische Philologe Hermann Diels arbeitete vor allem zur antiken Philosophie (Doxographi Graeci (1879), Die Fragmente der Vorsokratiker (1903, 121966/67)) und Naturwissenschaften und Technik (Antike Technik (1914)).

Dignaga

Dignaga (5. oder 6. Jh. v. u. Z.)

Der indische Logiker Dignaga gilt als Schöpfer der buddhistischen Logik.

Das Hauptwerk von Dignaga Über die Quellen der Erkenntnis war nicht nur in Indien, sondern auch in China und Japan bekannt.

Der Begriff ist bei Dignaga ein Produkt des Denkens. Der Schluss ist eine Verknüpfung von Begriffen, die sich den apriorischen Denkgesetzen unterordnet.

Dignaga untersucht die Frage, welchen Forderungen man den logischen Grund unterordnen muß, damit er notwendige und hinreichende Bedingung wird.

Dignaga nennt drei Forderungen:

  1. Der logische Grund und die logische Folge müssen sich auf einen einzigen Gegenstandsbereich beziehen.
  2. Der logische Grund muss mit dem zusammenhängen, womit auch die logische folge zusammenhängt.
  3. Der logische Grund muss mit all dem vergleichbar sein, womit auch die logische Folge unvereinbar ist.

Dignaga lehrte zwei Arten des Syllogismus:

  1. den dreigliedrigen Syllogismus mit Grund, Beispiel und These,
  2. den fünfgliedrigen Syllogismus mit These, Grund, Beispiel, Anwendung und Konklusion.


Dikaiar

Dikaiarchos von Messene (ca. 310 v. u. Z.)

Dikaiarchos war Schüler von Aristoteles und Theophrastos.

Er schrieb mit Bios tes Hellados eine Kulturgeschichte Griechenlands und verfasste philosophische, literaturgeschichtliche und biographische Arbeiten.

In seiner Schrift Tripolitikon soll er Platons Staatslehre kritisiert haben.

Seele ist nach Dikaiarchos nicht eine immaterielle, besondere Substanz, sondern die allen Organismen eigene Fähigkeit des Lebens und Empfindens.

Ferner wird berichtet, dass er eine Erdbeschreibung verfasste. Er soll auf Grund von zum Teil eigenen Vermessungen eine Erdkarte angelegt haben und äußerte sich wohl zur Kugelgestalt der Erde und zu derem Umfang.


Demetr

Demetrius

Der kynische Philosoph stand mit seinen Theorien den Stoikern, insbesondere Epiktetos, nahe.

Er betonte den Begriff der Anstrengung und diskutierte über das Wesen der Seele und ihre Trennung vom Körper.

Seneca, der von ihm beeinflußt wurde, bezeichnet ihn als einen der besten Männer seiner Zeit.


Dilthey

Friedrich Wilhelm Dilthey

Der deutsche Philosoph, Psychologe und Pädagoge Wilhelm Dilthey (* 19. November 1833 in Wiesbaden-Biebrich, † 1. Oktober 1911 in Seis am Schlern) besuchte als Sohn einer calvinistischen Predigerfamilie in Wiesbaden das Gymnasium und referierte dort zum Abitur das Thema Über den Einfluß des griechischen Altertums auf die Jugend. In Berlin (1853) und Heidelberg (1852) studierte er Geschichte, Theologie und Philosophie u.a. bei August Boeckh, Kuno Fischer, Leopold von Ranke und Friedrich Adolf Trendelenburg.

1856 legte er sein erstes theologisches Staatsexamen ab. Nach Abschluss der staatlichen Schulamtsprüfung wurde er Lehrer am Französischem und Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin. Im Jahre 1864 promovierte er mit einer lateinisch geschriebenen Arbeit über die Ethik von Schleiermacher und habilitierte im gleichen Jahr über das moralische Bewusstsein. In Basel erhielt er 1867/1868 eine Professur. Es folgten Anstellungen in Kiel (1868 – 1871), Breslau (1871 – 1882) und Berlin von 1883 bis 1908.

Philosophie

Dilthey war um 1900 die Zentralfigur der so genannten Lebensphilosophie in Deutschland.

So wie Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft die erkenntnistheoretische Grundlage der Naturwissenschaften geklärt hatte, bemühte sich Dilthey in seinem lebenslangen Projekt einer Kritik der historischen Vernunft die Grundlage für die von ihm so benannten Geisteswissenschaften zu legen. Dabei orientierte er sich an J. G. Droysens geschichtsphilosophischen Vorstellungen des Historismus.

In der Tradition Schleiermachers bemühte er sich, die Hermeneutik als Methodenlehre der Geisteswissenschaften zu entwickeln. Anfangs sah er das Erleben als Grundlage der Hermeneutik und das Verstehen als psychologische Einfühlung in die geistigen Vorgänge eines Autors.

Später aber wich Dilthey von diesem psychologischen Standpunkt ab und rückte die Begriffe des Ausdrucks und des Ausdrucksverstehens in den Mittelpunkt der geisteswissenschaftlichen Methodik: Die Geisteswissenschaften hätten die Aufgabe, den Zusammenhang zwischen Leben, Ausdruck und Verstehen zu klären. Dabei sei der Ausdruck eher Objektivation des allgemeinen Geistes eines Zeitalters, als Erscheinungsform individueller Lebensimpulse eines Autors oder Künstlers.

Diltheys Konzeption der Hermeneutik als Verstehenstheorie und Methodologie der Geisteswissenschaften hatte großen Einfluss auf alle weiteren wissenschaftstheoretischen Diskussionen, in denen es um die Abgrenzung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ging.

Werke

  • Einleitung in die Geisteswissenschaften (1883)
  • Die Entstehung der Hermeneutik (1900)
  • Das Erlebnis und die Dichtung (1906)
  • Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften (1910)

Online-Texte

Literatur

  • J. Habermas: Erkenntnis und Interesse, Frankfurt/M. 1968, Kap. II, 7 u. 8.
  • E. Hufnagel: Wilhelm Dilthey. Hermeneutik als Grundlegung der Geisteswissenschaften, in: U. Nassen (Hg.): Klassiker der Hermeneutik, Paderborn 1982.
  • Matthias Jung: Dilthey zur Einführung, Hamburg 1996
Dieser Artikel basiert auf verschiedenen Informationsquellen, unter anderem auch auf dem Artikel Wilhelm Dilthey (Stand: 15. Januar 2006 ) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Dieser Text steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der früheren Autoren ist hier verfügbar.


Demokrit

Demokritos von Abdera (460 – 371 v. u. Z.)

Abdera war zur Zeit des griechischenPhilosophen Demokritos(auch Demokrit) als wichtiger Warenumschlagspunkt – es lag amHandelsweg zwischen Thrakien und Persien – auch ein kulturellesZentrum. Hier wirkte auchProtagoras, Hippokrates.

Von den Alten wird berichtet, dass Demokrit ausgedehnte Bildungsreisenunternahm, die ihn nach Ägypten, Babylon, Persien und Indien gewführt habensollen. Diese Reisen verschlangen das vom Vater ererbte Vermögen. DieVerschleuderung ererbter Vermögen war strafbar. Demokrit wurde deswegen vorGericht gestellt. Er sagte nichts zu seiner Verteidigung, sondern las nur ausseinen Werken vor. Das überzeugte die Richter davon, dass er sein Erbe wohlangelegt hätte.

Die Ausgangsfrage Demokrits ist traditionell: Was ist das in WahrheitSeiende?

Demokrits Antwort:

"in Wirklichkeit gibt es nur die Atome und dasLeere" [119 fr. 125].

Nach Aristoteles können wir die Zeit hinzufügen:

"… die Zeit sei unentstanden, und hierdurch beweist Demokritdie Unmöglichkeit, dass alles auf der Welt entstanden sei." [Aristoteles,Physik VIII 1251 b 16].

Zenons Analyse der unendlichen Teilbarkeit hattezu paradoxen Resultatengeführt. Deshalb stellte Demokrit die Antithese auf:Es existieren letzte, unteilbare Teilchen, eben Atome, Bausteine aller Dinge.

Den Atomen kommen Eigenschaften zu, die auchParmenides dem Sein zugedacht hatte: Ewigkeit,Unveränderlichkeit, Unteilbarkeit, Kompaktheit, das heißt keine Leere kennend.

Demokrit nimmt im Gegensatz zur Eleatikjedoch kein unbewegliches Sein, sondern unendlich viele, im Raum sichbewegende Atome als das wahrhaft Seiende an.

Im Unterschied zur Auffassung desEmpedokles über die Elemente Teilchen und zuAnaxagors‘ Spermata sind die Merkmale, duch die sich die Atome voneinander unterscheiden, quantitativer Natur: Sieunterscheiden sich durch Gestalt, die mit der Größe verbunden ist, durch die Lage und durch die Anordnung.

Aristoteles hat das am Buchstaben-Modell illustriert. Die Atome unterscheidensich:

  • der Gestalt nach wie A und Z,
  • der Lage nach wie N und Z,
  • der Anordnung nach wie NA und AN.

Die Verkettung der Atome bewirkt das Entstehen, die Auflösung der Verkettungdas Vergehen.

Es bedarf keiner Kraft, die von außen Entstehen und Vergehen bewirkt, daBewegung eine wesentliche Eigenschaft der Atome. Demokrit kann daher aufEmpedokles‘ Liebe und Haß und auf Anaxagoras‘ nous verzichten.

Aristoteles hat Demokrit kritisiert, da er nicht erkläre woher die Bewegungkomme.

Demokrit fasste die Bewegung als bloße Ortsveränderung der Atome und übersah,dass Körper im leeren Raum mit gleicher Geschwindigkeit fallen. Fallen sieaberr mit gleicher Geschwindigkeit, dann bleibt ihre Lage zueinanderunverändert; dann kann es aber auch zu keinem Aufprall, zu keinem Wirbel, zukeiner Verkettung der Atome kommen. Diese Dilemma hatEpikur gesehen und zu lösen versucht.

Bedingung dafür, dass die Atome sich bewegen können, ist für Demokrit derleere Raum. Da unendlich viele Atome sind, müssen sie getrennt, einzeln sein.Die Leere trennt die Atomme. Damit ist die Leere Beedingung für die Bewegungder Atome und für die Vielheit und Einheit dieSonnenstäubchen Seelen seien [vgl. De anima I 2. 404a 16ff.].

Auf die Sonnenstäubchen verweist Demokrit wegen ihrer Bewegtheit, durch diesie dem Verhalten speziell der Seelenatome ähneln.

"Demokrit erklärt Seele und Geist schlechthin für dasselbe. Das Wahre nämlichsei das, was sich den Sinnen darbietet. Deshalb habe Homer die Worte zu Recht gedichtet: ‚Hektor lag da, seinen Geist auf anderes lenkend.‘ Er verwendet hier das Wort ‚Geist‘ nicht imSinne des auf die Wahrheitgerichteten (Denk)vermögens, sondern identifizierte Seele undGeist." [Aristoteles, De anima I 2. 404a 27ff.].

Die Lehre der sogenannten orphischen Epos die behauptete, "dass die Seele beimEinatmen aus dem All eindringen von den Winden getragen" [Aristoteles, Deanima I 5. 410b 29f.] ist für Aristoteles falsch, da die Pflanzen und einigeTiere nicht atmen [Aristoteles, De anima I 5. 410b 30 – 411a 2].

Demokritos ist einer der Begründer der Induktionslogik, in der die Analogieeinen bedeutenden Platz einnimmt. DieWahrheit, so nahm er an,kann man erkennen, wenn man von der sinnlichen Wahrnehmung und der Beobachtungeinzelner Fakten zu Verallgemeinerungen übergeht, dieder Verstand aufgrund der Wahrnehmungsdaten bildet.

Das Urteil ist nachDemokritos die Verbindung von Subjekt und Prädikat.

Bei Demokritos findet sich auch das Honig-Beispiel.

Metrodor von Chios gilt als Schüer Demokrits.

Diodoros

Diodoros Chronos (gest. ca. 370 v. u. Z.)

Der griechische Logiker und Philosoph Diodorus Chronos ist Vater von Argia, Theognis, Artemisia, Pantakleia und Menexene.

Diodorus Chronos ist der wichtigste Vertreter der Schule der Dialektiker. Er gilt als Lehrer von Philon von Megara.

Diodoros Chronos widmete in seinen Arbeiten dem Problem des Realen und des Möglichen viel Aufmerksamkeit.

Von ihm stammt der Kyrieuon, ein Beweis der These, dass nichts möglich ist, was nicht ist oder sein wird.

Diodoros Chronos bestritt auch die Möglichkeit der Bewegung.

Er war ein Kenner der Theorie der Implikation und er war einer der ersten Denker, die bemerkten, dass die Ableitbarkeit des Hintergliedes B einer Implikation aus deren Vorderglied A eine notwendige Bedingung für die Wahrheit eines Satzes der Form "wenn A, so B" ist.

Semantisch vertrat er die Ansicht, dass "kein Wort bedeutungslos oder mehrdeutig sein [könne], da jeder, der es gebrauche, etwas ganz Bestimmtes damit bezeichnen wolle, auch wenn ein anderer etwas anderes darunter verstehe."


Demorgan

Augustus de Morgan (1806 – 1871)

Der schottische Mathematiker und Logiker Augustus de Morgan ist der Begründer der logischen Theorie der Relationen. Er befasste sich sowohl mit einfachen, der einstelligen Subjekt-Prädikat-Verbindung der Urteile der traditionellen Logik, als auch mit mehrstelligen Relationen.

De Morgan formulierte wichtige Zusammenhänge der Aussagen- und der Klassenlogik.

Er arbeitete die Relationenalgebra aus, in der er vor allem die Summe, das Produkt und die Komposition von Relationen untersuchte und sich zudem intensiver mit der Transitivität von Relationen beschäftigte.

Nach de Morgan sind die de Morganschen Regeln benannt worden, die allerdings schon im 16. Jahrhundert vom indischen Logiker Siroman Raghunatha angewendet wurden.

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