Juschkew

Pawel Salomonowitsch Juschkewitsch (1873 – 1945)

Der russische Sozialdemokrat und Philosoph Pawel Salomonowitsch Juschkewitsch steht dem Positivismus und dem Pragmatismus nahe. Er bezeichnet seine Position als Empiriosymbolismus.


Kaila

Eino Kaila (1890 – 1958)

Der finnische Philosoph, Psychologe und Logiker Eino Kaila ist ein Vertreter des logischen Positivismus.

Er gehörte zum Wiener Kreis und war an der Entwicklung der Psychologie und der Logik in Skandinavien maßgeblich beteiligt.

In der Logik untersuchte Kaila vor allem Probleme der Deduktion, der Induktion und der Wahrscheinlichkeit. Außerdem beschäftigte er sich mit philosophischen Fragen der Naturwissenschaften.


Kalicki

Jan Kalicki (1922 – 1953)

Jan Kalicki ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.


Kambart

Friedrich Kambartel

Der deutsche Philosoph und Wissenschaftstheoretiker Friedrich Kambartel (* 1935) studierte Chemie, Physik, Mathematik, Mathematischen Logik und Philosophie an der Universität Münster, wo er auch promovierte und sich habilitierte. Er wurde als Professor für Philosophie an die Universität Konstanz berufen. Kambartel stand der Erlanger Schule nahe und arbeitete mit Jürgen Mittelstraß in Konstanz zusammen. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung 2000 lehrte er in Frankfurt am Main.

Kambartels Schwerpunkt ist die Praktische Philosophie.

Werke

  • Was ist und soll Philosophie (1968)
  • Erfahrung und Struktur-Bausteine zu einer Kritik des Empirismus und Formalismus (1968)
  • Ethik und Mathematik (1972)
  • Wie abhängig ist die Philosophie von der Erfahrung und Geschichte? (1973)
  • Erkennen und Handeln; Methodische Analysen zur Ethik
  • Freges Nachgelassene Schriften und wissenschaftlicher Briefwechsel 1969 Praktische Philosophie und konstruktive Wissenschaftstheorie (1974)
  • Theorie und Begründung (1976)


Kamlah

Wilhelm Kamlah

Wilhelm Kamlah (* 3. September 1905 in ehem. Hohendorf, heute Neugatterleben an der Bode bei Bernburg/Harz, † 24. September 1976 in Erlangen) war ein deutscher Historiker, Theologe, Musikwissenschaftler und Philosoph.

Leben

Wilhelm Kamlah wurde als Sohn eines Pfarrers geboren und wuchs in Harsleben bei Halberstadt auf, wo er aufs Gymnasium ging. Von 1924 bis 1930 studierte er in Marburg, Tübingen, Heidelberg und Göttingen Musikwissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie. Zu seinen Lehrern gehörte Rudolf Bultmann und Martin Heidegger. 1931 promovierte er in Göttingen bei dem Historiker Percy Ernst Schramm. Ab 1932 am Historischen Institut als Assistent tätig erhielt er 1934 wegen jüdischer Versippung Berufsverbot, führte seine historischen Studien zwar danach privat weiter fort, wirkte aber bis zu seiner Einziehung hauptsächlich als Leiter des von ihm 1926 gegründeten Motettenchors.

Im Krieg schwer verwundet konnte er nach dessen Ende in Göttingen als Privatdozent in Philosophie wieder tätig werden und – unterstützt von Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker – sich habilitieren. Ab 1951 lehrte er als außerordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Hannover, wo er erstmals Paul Lorenzen begegnete.

1954 wurde er zum Philosophieordinarius an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen berufen, wo er bis 1970 tätig war und mit dem 1964 auf sein Betreiben ebenfalls dorthin berufenen Paul Lorenzen die Erlanger Schule begründete.

Seine fachliche Entwicklung wandte sich von theologischen Untersuchungen im Mittelalter anschließend zur Philosophie, worin durch Diskussionen mit Arnold Gehlen und Martin Heidegger eine philosophische Anthropologie entstand. Weitere Arbeitsgebiete erstreckten sich auf die Themen der Logik, der Sprach- und Wissenschaftskritik und der Entstehung des neuzeitlichen Denkens.

Philosophische Anthropogie und Ethik

Im Zentrum von Kamlahs Lehre vom Menschen steht zunächst die Bedürftigkeit des Menschen. Sein erster anthropologischer Satz lautet: Wir Menschen alle sind bedürftig. Demnach ist der Mensch stets verwickelt und involviert in sein Fragen und Handeln. Alle seine Handlungen beziehen sich stets auf seine Bedürftigkeit. Probleme, wie das der Willensfreiheit oder das Leib-Seele-Problem, sind nach Kamlah Scheinprobleme. Sie entstehen durch den Versuch, sich unter der Prämisse der res extensa dem Menschen zu nähern. Nicht durch die Addition des freien Willen zu den physikalischen Gegenständen gelangt man zum Menschen: Der Mensch ist stets schon erreicht. Von diesem ausgehend gelangt man durch Subtraktion von Leben und Sprache zu den Gegenständen der Physik.

Ein weiterer, wichtiger Begriff in Kamlahs Anthropologie ist das Widerfahrnis. Unter Widerfahrnissen versteht Kamlah Ereignisse, die dem Menschen geschehen, auch ohne dass er ein eigenes Erleben dieser Ereignisse hat. Ein Widerfahrnis ist z.B. eine unerwartet beglückende Liebe, ein Autounfall oder eine Krankheit. Ein Beispiel für ein pures Widerfahrnis ohne eigenes Erleben ist der eigene Tod. Die Widerfahrnisse stehen in einem Reaktionszusammenhang zu den Handlungen: Handlungen sind stets durch Widerfahrnisse bedingt. Laut Kamlah gibt es demnach keine puren Handlungen.

Ausgehend von seinem ersten anthropologischen Satz und der Konkretisierung dieses Satzes in der Feststellung, dass wir Menschen aufeinander angewiesen sind, entwirft Kamlah deduktiv seine normative Ethik. Er folgert aus den beiden Sätzen die praktische Grundnorm: Beachte, dass die anderen bedürftige Menschen sind wie du selbst, und handle demgemäß. Die Notwendigkeit dieser Folgerung ist die Einsicht, eine existenzielle Form des Verstehens. Die Einsicht kombiniert eigenen Erfahrungen im Umgang mit Handlungs- und Widerfahrnisprädikatoren mit einer gewissen Aufgeschlossenheit, sein Leben entsprechend der eigenen Lebenserfahrung, aber auch der von anderen Menschen, zu gestalten.

Ausgehend von der praktischen Grundnorm aber auch in Anlehnung an den kategorischen Imperativ von Kant fordert Kamlah die Verallgemeinerbarkeit und die Allgemeingültigkeit in seiner Ethik.

Kamlah betrachtet nicht nur die Frage Wie soll ich handeln? als Gegenstand der Ethik, sondern auch die Frage nach dem Leben-können: Wie lebe ich ein erfülltes Leben?. Die Frage nach dem Leben-können beantwortet er durch seine Eudämonie.

Ähnlich wie die Grundnorm der Ausgangspunkt für die normative Ethik ist, steht im Mittelpunkt der eudämonistischen Ethik die Grunderfahrung des Loslassens. Erst wer die Erfahrung des Loslassens von seiner selbstbefangenen Begehrlichkeit macht und bemerkt, dass dieses Loslassen ein Leben-können im Sinne eines ruhigen und gelassenen Lebens ermöglich, gelangt zur Grundeinsicht, zur Eudämonie.

Diese Ruhe der Seele stellt eine wichtige Lebensbedingung dar, neben den Gütern der Vitalität (insb. Nahrung, Kleidung, Wohnung etc.) und anderen Gütern, die nicht dogmatisch gesetzt werden dürfen. Für den Fall eines dauerhaften Verlustes der wichtigsten Lebensbedingungen kritisiert Kamlah die universell verneinende Moral gegenüber dem Freitod und plädiert für das Recht selbst den Zeitpunkt des eigenen Todes zu wählen.

Werke

  • 1935 Apokalypse und Geschichtstheologie. Die mittelalterliche Auslegung der Apokalypse vor Joachim von Fiore. Promotionsarbeit; Nachdruck 1965
  • 1940 Christentum und Selbstbehauptung. Historische und philosophische Untersuchungen zur Entstehung des Christentums und zu Augustins ‚Bürgschaft Gottes‘. erschien
  • 1951 unter dem Titel Christentum und Geschichtlichkeit.
  • 1949 Der Mensch in der Profanität. Versuch einer Kritik der profanen durch vernehmende Vernunft
  • 1960 Wissenschaft, Wahrheit, Existenz.
  • 1967 zus. mit Paul Lorenzen: Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens.
  • 1969 Utopie, Eschatologie, Geschichtsteleologie.
  • 1972 Philosophische Anthropologie: Sprachkritische Grundlegung und Ethik.
  • 1975 Von der Sprache der Vernunft. Philosophie und Wissenschaft in der neuzeitlichen Profanität.
  • 1976 Meditatio mortis. In: Hans Ebeling: Der Tod in der Moderne. Königstein/Ts.: 1979

Weblinks


Kanizsa

Gactano Kanizsa

Gactano Kanizsa ist ein Schüler von Benussi und damit ein Mitglied des italienischen Zweiges der Grazer Schule.

Weblinks


Kant

Immanuel Kant (1724 – 1804)

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant stammte aus einer pietistischen Handwerkerfamilie in Königsberg. Er studierte in Königsberg 1740 – 1746 Philosophie, Mathematik und Theologie. Das Studium verdiente er sich durch Privatstunden und durch Gewinne beim Billiard.

Nach dem Studium, durch den Tod des Vaters dazu genötigt, arbeitete Kant als Hauslehrer.

In der Entwicklung seines Denkens unterscheidet man zumeist zwei Perioden: die vorkritische (bis Anfang der 1770er Jahre) und die kritische. Letztere Phase ist durch seine Hauptwerke Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft charakterisiert.

In der vorkritischen Phase befasste sich Kant umfangreich mit naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Problemen.

In seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit, den Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1749) versucht Kant einen mathematischen Streit zwischen Cartesianern und Leibnizianern durch eine Relativierung des Standpunktes zu lösen.

In seiner anonym erschienen Arbeit Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels (1755) erklärt er die Himmelsentstehung physikalisch und stellt die Hypothese auf, dass sich das Sonnensystem aus einer rotierenden Nebelmasse, die aus kleinsten im Raum verteilten Materieteilchen besteht, den Newtonschen Gesetzen gemäß in seiner gegenwärtigen Gestalt entwickelt habe. Diese Erklärung der Entstehung der Himmelskörper nimmt die Theorie von Laplace vorweg.

Bedeutend für Kants naturwissenschaftliche Auffassungen war auch die Annahme der Existenz von Galaxien außerhalb der Milchstraße sowie die Idee von der Hemmung der Erdrotation durch die Flutwelle.

1755 kehrte Kant an die Königsberger Universität zurück. Er promovierte 1755 mit der Arbeit De igne und habilitierte sich im selben Jahr mit Nova dilucidatio. Bereits hier fragt Kant nach den Bedingungen der Möglichkeit unserer Erkenntnis. Allerdings sieht er sie hier noch in einem göttlichen Verstand begründet.

Nach der Habilitation war Kant Privatdozent an der Universität Königsberg.

Im Versuch, die negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen (1763) unterscheidet Kant zwischen logischem und Realgrund sowie zwischen logischem Widerspruch und realer Entgegensetzung (von Kant Realprugnanz genannt).

Ab 1770 wirkte Kant als Professor für Logik und Metaphysik.

Nach der Dissertation De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (1770) veröffentlichte Kant elf Jahre nichts.

In seiner kritischen Periode geht Kant davon aus, dass es notwendig ist, die Erkenntnisfähigkeit des Menschen kritisch zu untersuchen. Erst danach können theoretische Philosophie, Ethik und Naturphilosophie positiv ausgearbeitet werden kann.

In der Kritik der reinen Vernunft (1781) und ihrer Popularisierung Prologomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (1783) untersucht Kant die Frage, ob und wie allgemeines, notwendiges Wissen möglich ist. Kant folgt Hume in der Auffassung, dass solches Wissen nicht der Erfahrung entspringen kann. Derartiges Wissen kann nur den a priori gegebenen Formen der sinnlichen Erkenntnis und der Verstandeserkenntnis entspringen.

Allgemeines und notwendiges Wissen existiert in Gestalt von Urteilen.

Dabei unterscheidet Kant analytische und synthetische Urteile. In analytischen Urteilen enthält das Prädikat nur, was bereits im Subjekt enthalten ist. Sie sind Urteile a priori und vermitteln im strengen Sinne kein neues Wissen.

In synthetischen Urteilen enthält das Prädikat immer etwas, was im Subjekt nicht enthalten ist. Damit bringen synthetische Urteile neues Wissen.

Synthetische Urteile, die neues Wissen enthalten, das nicht allgemeingültig ist, nennt Kant Urteile a posteriori. Ihn interessiert jedoch der Möglichkeit synthetischer Urteile a priori, d. h. die Möglichkeit von Urteilen, die allgemeingültiges und zugleich neues Wissen enthalten. Diese Frage diskutiert Kant sowohl für die Mathematik als auch für die reine Naturwissenschaft und die Metaphysik.

Es gibt nach Kant sowohl in der Mathematik als auch in der reinen Naturwissenschaft synthetische Urteile a priori. Zu beantworten ist daher die Frage wie derartige Urteile möglich sind. Für die Metaphysik ist die Frage zu klären, ob sie synthetische Urteile a priori enthält. Dabei entspricht bei Kant dieses Problem der Frage, ob Metaphysik als theoretische Wissenschaft möglich sei.

Der Beanwortung dieser Fragen widmet sich die Kritik der reinen Vernunft. Sie ist daher in drei Hauptabschnitte gegliedert: Die transzendentale Ästhetik untersucht die sinnliche Anschauung, die transzendentale Analytik untersucht die Tätigkeit des Verstandes, die transzendentale Dialektik die Vernunft.

Die transzendentale Analytik und die transzendentale Dialektik fasst Kant zur transzendentale Logik zusammen.

In der Mathematik beruht die Möglichkeit synthetischer Urteile a priori nach Kant auf Anschauungsformen a priori, die den Gegenstand der mathematischen Erkenntnis bilden. Kant unterscheidet zwei derartige Anschauungsformen: Raum als Form des äußeren Sinnes und die Zeit als Form des inneren Sinnes.

Die Möglichkeit der geometrischen Urteile a priori beruht nach Kant auf der Apriorität des Raumes. Die Möglichkeit der arithemtischen Urteile a priori beruht dagegen auf der Apriorität der Zeit.

Wie die Dinge an sich, d. h. unabhängig von der menschlichen Anschauung, beschaffen sind, ist nach Kant grundsätzlich nicht erkennbar.

Die Möglichkeit von Urteilen a priori in der theoretischen Naturwissenschaft beruht auf den apriorischen Formen der Verstandestätigkeit. Diese Formen bezeichnet er als die allgemeinen Verstandesbegriffe oder Kategorien.

Kant unterscheidet Kategorien der Quantität (Einheit, Vielheit, Allheit), der Qualität (Realität, Negation, Einschränkung), der Relation (Substanz, Ursache, Gemeinschaft) und der Modalität (Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit). Die ersten beiden Kategorien jeder Gruppe fasst Kant als gegensätzlich auf. Die letztere ist für ihn die Einheit der ersten beiden.

Die Kategorien leitet Kant aus der traditionellen Klassifizierung der Urteile ab. Jeder Urteilsform liegt ein reiner Begriff der Synthesis zugrunde, die entsprechende Kategorie.

Mit Hilfe der Kategorien, deren Funktion es ist das Angeschaute synthetisch zusammenzufassen, wird das Mannigfaltige der Anschauung als Gegenstand gedacht.

Jedes Ding wird durch die Kategorien bestimmt. Wie die Anschauungsformen Raum und Zeit sind auch die Kategorien allgemeingültig. Da die Kategorien allgemeingültig sind, muss auch – so Kant – das mit dem Hilfe der Kategorien gedachte allgemeingültig sein. Damit sei allgemeingültiges, notwendiges Wissen in den reinen Naturwissenschaften möglich.

Der Vermittlung von sinnlicher Anschauung und begrifflichem Denken dienen bei Kant die Schemata der reinen Verstandesbegriffe und die produktive Einbildungskraft. Die synthetische Einheit des in den Sinnen gegebenen Mannigfaltigen, die der Verstand mit Hilfe der Kategorien herbeiführt, begründet Kant mit der transzendentalen Einheit der Apperzeption.

In der transzendentalen Dialektik untersucht Kant die Vernunfterkenntnis. Er stellt die Frage, ob Metaphysik als Wissenschaft möglich ist.

Vernunfterkenntnis besteht in der Tätigkeit des menschlichen Denkens, das begriffliche Denken zur Einheit zu bringen und zum Bedingten der Verstandeserkenntnis das Unbedingte zu finden. Die Vernunft geht von den Grundsätzen des reinen Verstandes aus.

Die Vernunft geht über die Grenzen möglicher Erfahrung hinaus. Damit wird sie transzendent. Die Vernunft führt zu Ideen. Ideen sind Vernunftbegriffe, denen kein entsprechender Gegenstand in der Anschauung gegeben werden kann.

Die Idee der Seele ist die vollständige Einheit des denkenden Subjektes. Die Idee der Welt ist die unbedingte Einheit der Reihe der Bedingungen aller Erscheinungen. Die Idee Gottes ist die absolute Einheit aller Erscheinungen überhaupt.

Da die Ideen transzendent sind, enthalten sie bei Kant keine im strengen Sinne wissenschaftliche Erkenntnis. Diese müßte sich auf Verstand und Anschauung stützen.

Das Denken gerät bei der Untersuchung der Idee der Welt in Antinomien.

Kant unterscheidet mathematische und dynamische Kategorien.

Mathematische Kategorien enthalten die antinomischen Aussagen über die Endlichkeit oder Unendlichkeit der Welt bzw. über die Zusammensetzung der Welt aus einfachen oder aus unendlich teilbaren Teilen. Diese Antinomien sind auflösbar, indem man nachweist, dass sowohl These als auch Antithese falsch sind.

Dynamische Kategorien beinhalten die antinomischen Aussagen auf die Fragen, ob alles in der Welt nur notwendig sei oder ob es auch Ursachen durch Freiheit gibt bzw. ob es in der Welt ein schlechthin notwendiges Wesen gibt. Diese Antinomien löst Kant, indem er These und Antithese verschiedenen Ebenen zuordnet. So löst er seine dritte Antinomie dadurch, dass der Mensch als empirisches Wesen ganz der Notwendigkeit, den Naturgesetzen unterliege, während er als intelligibles, als Vernunftwesen über Freiheit verfüge.

In seinem ethischen Hauptwerk Kritik der praktischen Vernunft (1788) schreibt Kant der Vernunft als praktischer Vernunft im Unterschied zur theoretischen gesetzgebende und nicht nur regulative Bedeutung zu. Kant betont die Würde, den Wert und die Freiheit jedes Menschen.

Kant geht davon aus, dass der Mensch nicht nur ein Naturwesen, sondern auch ein Vernunftwesen ist. Der Mensch kann als Vernunftwesen in seinem sittlichen Willen nicht durch materielle und empirische Beweggründe wie Interessen und sinnliche Triebe bestimmt werden, sondern nur durch ein allgemeines Vernunftgesetz. Ein solches Gesetz der praktischen Vernunft kann nur die Form einer allgemeinen Gesetzgebung haben. Kant formuliert als Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft (Sittengesetz):

"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne"

Das Sittengesetz ist ein kategorischer Imperativ, da der Mensch, soweit er als Vernunftwesen handelt, vollständig dem Gesetz unterworfen ist. Moralisch ist eine Handlung nur dann, wenn sie allein aus Achtung vor dem Sittengesetz geschieht. Eine Handlung die dem Sittengesetz entspricht, aber aus anderen Motiven geschieht, ist bloß legal.

Die Autonomie des Willens besteht in der Bestimmtheit des Willens durch die Vernunft. Die Autonomie des Willens ist Ausdruck der Freiheit. Der Mensch ist frei, wenn sein Wille durch die Vernunft bestimmt wird.

In der Kritik der Urteilskraft versucht Kant theoretische und praktische Vernunft zu vermitteln. Die menschliche Vernunft ist nach Kant genötigt, die Natur in weiner Weise zu denken, als ob in ihr Zwecke nach Freihheitsgesetzen realisiert würden. Diese Zweckmäßkeit kommt nicht von der Natur selbst. Sie ist ein Denknotwendigkeit eines besonderen Vermögens der Vernunft, der reflektierenden Urteilskraft. Diese Urteilskraft betrachtet die vielfältigen besonderen Naturgesetze so, als ob sie einer allgemeinen Zweckmäßigkeit untergeordnet wären.

Die reflektierende Urteilskraft ist entweder ästhetisch oder teleologisch.

Im ästhetischen Urteil wird die Schönheit des Gegenstandes als Form der Zweckmäßigkeit betrachtet. Das ästhetische Urteil beruht nicht auf dem Begriff, sondern auf dem Gefühl der Lust oder Unlust. Die ästhetische Urteilskraft ist formal und hat keine Beziehung zu menschlichen Zwecken und Interessen. Damit ist das Wohlgefallen am Schönen nach Kant interessenlos. Das Schöne muss vom Angenehmen und Guten unterschieden werden, da diese mit Interessen verbunden sind. Subjekt der Kunst ist für Kant das Genie, das fähig ist Kunstwerke frei von Nachahmung zu schaffen.

Die reflektierende Urteilskraft kann auch teleologisch sein. Dinge als Naturzweck sind organisierte Wesen. Sie sind natürliche Organismen, die zu sich selbst wechselseitig als Ursache und Wirkung verhalten. Ihre Teile sind zur Einheit verbunden, dass sie wechselseitig Ursache und Wirkung ihrer Form sind. Ein organisiertes Wesen ist nicht bloß Maschine. Sie verfügt nicht nur über eine bewegende, sondern auch über eine bildende Kraft.

Als Gegenstände wissenschaftlichen Verstandesdenkens müssen die Organismen unter dem Gesichtsmunkt der mechanischen Naturgesetzlichkeit betrachtet werden. Als Gegenstände der Vernunft sind sie unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit zu betrachten.

Dabei ist jedoch der Naturzweck für Kant kein konstitutiver Verstandesbegriff, sondern ein regulativer Begriff für die reflektierende Urteilskraft.

Kants Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie findet sich vor allem in der Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht (1784) und in der Arbeit Zum ewigen Frieden (1795).

Der Staat ist für Kant eine Vereinigung von Menschen unter Rechtsgesetzen. Die Freiheit besteht im Recht jedes Menschen, sich nur den Gesetzen zu unterwerfen, denen er seine Zustimmung gegeben hat.

Kant befürwortet die Gewaltenteilung.

Die Geschichte ist trotz des Chaos und der Zufälligkeit der einzelnen Handlungen gesetzmäßig. Sie verläuft insgesamt in eine fortschrittliche Richtung. Grundlage des Fortschritts ist der Antagonismus zwischen dem Hang der Menschen, in Gesellschaft zu treten, und dem Hang der Menschen, sich zu vereinzeln. Kant bezeichnet dies mit dem Oxymoron ungesellige Geselligkeit. Ohne diese würden die Menschen in Stagnation verfallen.

Das Ziel der geschichtlichen Bewegung ist für Kant ein allgemeiner Rechtszustand, der nicht nur die Verhältnisse zwischen den Individuen, sondern auch zwischen den Völkern umfasst. In einem Zustand soll weder Krieg zwischen den Individuen noch zwischen den Völkern sein. Obwohl diese Idee in absehbarer Zeit nicht realisiert werden kann, sollte sie in wachsendem Maße das Handeln der Menschen bestimmen. Dadurch kommt die Menschheit dem Ziel näher.

Online-Texte

Weblinks


Karamsin

Nikolaj Michajlowitsch Karamsin (1766 – 1826)

N. M. Karamsin ist ein Vertreter der russischen Aufklärung.


Johann S

Johannes Scotus Eriugena (ca. 810 – ca. 877)

Johannes Scotus (der Schotte) Eriugena (der Irländer) ist ein in Irland (welches damals Scotia maior hieß) geborener Schotte. Er ging um 840 an den Hof Karls des Kahlen von Frankreich nach Paris. Dort arbeitete er als Lehrer an der Hofschule und übersetzte Schriften des Dionysius Areopagita und dessen Kommentators Maximus Confessor ins Lateinische.

Gegen den Mönch Gottschalk schrieb er eine Abhandlung De divina praedestinatione, wegen welcher er als Ketzer verdächtigt wurde.

Seine Lehre ist der Versuch einer Verschmelzung des neuplatonischen Emanationssystems mit dem christlichen Schöpfungsgedanken und der Trinitätslehre.

Die Heilige Schrift und die Schriften der Kirchenväter sind ihm eine Offenbarung der Vernunft. Wahre Philosophie und wahre Religion sind identisch. Die Philosophie gliedert sich in praktische, physische, theologische und logische Wissenschaft. Wie Pseudo-Dionysios unterscheidet Johannes Scotus Eriugena positive und negative Theologie. Letztere hat den Vorrang, da Gott überber alles, was man von ihm aussagen kann, erhaben ist.

Er ist ein Vertreter des Realismus. Das Allgemeine ist real, als Idee vor den Dingen und als Essenz in den Dingen.

Die Dialektik als die Lehre von den allgemeinen Begriffen und Wesenheiten geht von den Gattungen zu den Arten und von diesen wieder zu den Gattungen. Die Kategorien stehen untereinander in Beziehung, wobei die Substanz (ousia) die Grundlage der anderen ist. Keine Kategorie vermag das Wesen Gottes auszudrücken.

Gott schafft alles und tritt daher in allem aus seiner Verborgenheit hervor. Die Zeit ist erst mit der Welt entstanden. Unmittelbar geht aus Gott die Welt der Ideen hervor, die intelligible, ewiggeschaffene, übersinnliche Welt (mundus intelligibilis).

Die Ideen sind die schöpferischen Urbilder und Urgründe der Dinge. Die Einheit der Ideen ist der Logos. Durch seinen Willen und sein Schauen erschafft nun Gott die raum-zeitliche Welt als Abbild der Idealwelt aus Nichts oder aus seinem Wesen heraus.

Die Körper bestehen aus Form und Materie bzw. aus vier Elementen.

Der Mensch ist ein Mikrokosmus. Die Seele ist eine einfache, sich selbst denkende Substanz, welche den Körper durchdringt, der ihr Abbild ist. Die Seele be- wegt den Leib.

Die Erkenntnis schwingt sich von der sinnlichen Wahrnehmung über die Erfassung der Ideen durch die Vernunft zur Schauung Gottes in seiner Theophanie.

Das Böse existiert nicht in Gott, es ist unnatürlich, beruht nur auf einer Verkehrtheit des freien Willens, einer Privation des Guten.

Die Lehre des Johannes Scotus Eriugena hat u. a. David von Dinant und Amalrich von Bena beeinflußt.


Karnead

Karneades von Kyrene (214 – 129 v.u.Z.)

Karneades war der vierte Nachfolger des Arkesilaos in der Leitung der Akademie. Sein Lehrer Hegesinos von Pergamon war Schüler des Euandros, der wiederum Lakydes, den Schüler des Arkesilaos, gehört hatte [1].

Neben Hegisinos zählt der Stoiker Diogenes von Babylon zu den Lehrern von Karneades. Er unterrichtete ihn in Dialektik. [2].

Auch Philo soll – so Hieronymus – Lehrer von Karneades gewesen sein.

Besonders gründlich studierte er die Schriften der Stoa. Diogenes Laërtios berichtet, dass Karneades gesagt habe: "Wenn Chrysipp nicht wäre, dann wäre auch ich nicht." [3].

Diogenes Laërtios berichtet, dass Karneades von der Philosophie so fasziniert war, dass er darüber vergessen habe, seine Haare und Nägel zu schneiden. [4].

Karneades selbst hat nichts geschrieben. Seine Lehre wurde von seinem Schüler und Nachfolger Kleitomachos aufgezeichnet.

Sextus Empiricus lässt mit Karneades die "Neue Akademie" beginnen [5].

Das bekannteste Ereignis aus dem Leben des Karneades ist sein Auftritt im Jahr 155 in Rom. Athen hatte die attische Küstenstadt Oropos überfallen und geplündert. Die Bürger wandten sich an Rom mit der Bitte um Beistand, und das von Rom zum Schiedsrichter eingesetzte Sikyon (norwestlich von Korinth) verhängte 500 Taler Strafe über Athen. Daraufhin schickten die Athener die drei bekanntesten Philosophen, Karneades, den Stoiker von Babylon und den Peripatetiker Kritolaos, nach Rom. Sie erreichten, dass die Strafe auf 100 Talente herabgesetzt wurde [6].

Karneades demonstrierte seine Kunst, mit gleicher Überzeugungskraft für und gegen eine Sache zu sprechen. An einem Tag trug er ein Verteidigung der Gerechtigkeit vor, um am Tag darauf alles umzustoßen und die Gründe gegen die Gerechtigkeit vorzutragen [7].

Für Sextus Empiricus steht Arkesilaos der pyrrhonischen Skepsis näher als Karneades [8].

Karneades untersuchte als erster die Theorie der Wahrscheinlichkeit sowie die Frage nach der Möglichkeit des Wissens: Urteile können nur Gültigkeit haben, wenn ihre Prämissen gültig sind. Diese hängen aber ihrerseits wieder von der Gültigkeit der eigenen Vordersätze ab, und so fort bis ins Unendliche.

Da Kaneades auch die Existenz eines Wahrheitskriteriums leugnete, kam er zu dem Schluss, dass es Wissen nicht geben könne, und forderte die Enthaltung von jeglichem Urteil.

Das praktische Verhalten solle sich auf die Wahrscheinlichkeit stützen, von der es drei Grade gebe, deren höchsten man im Interesse der eigenen Glückseligkeit anstreben solle.

Karneades kritisierte die Erkenntnistheorie und die polytheistischen Gottesvorstellungen der Stoa.


[1] Luc. 16
[2] Luc. 98
[3] DL IV 62
[4] DL IV 62
[5] PH I 220
[6] Pausanias VII 11, Ciceor, De orat. II 155 [7] Laktanz, Inst. V 14,3-5
[8] PH I 232