Philosophie Wörterbuch

Essendi

causa essendi

Die Scholastik unterscheidet streng zwischen der causa essendi (Ursache des Seins) und der causa cognoscendi. Die causa essendi ist die Ursache dafür ist, dass ein Seiendes ist, wie es ist.

Empfind

Empfindung

Als Empfindung (lat. sensation, sensio; engl. sensation) oder Sinnesempfindung werden entweder Sinnesdaten oder die Perzeption bezeichnet.

Unter Empfindungen stellt man sich in der Regel elementare Bestandteile oder Inhalte der Sinneswahrnehmung, des Bewußtseins oder des Erlebens vor, die in einem Subjekt durch (meistens äußere) Reize veranlaßt werden.

Zu den Bestimmungen von Empfindungen gehören vor allem die Qualität, die Intensität sowie die Dauer.

Empfindungen können nach den betroffenen Sinnen eingeteilt werden (Gesichts-, Gehör-, Tastempfinden …). Außerdem lassen sich Empfindungen nach dem einteilen, was empfunden wird bzw. welche Qualität die Empfindung hat (Farb-, Klang-, Temperaturempfindung …).

Descartes unterscheidet zwischen der Innenwelt der Empfindungen und der Außenwelt der realen Gegenstände. Die Empfindungen sind die Bewußtseinsinhalte, aus denen die Existenz der äußeren Realität erschlossen wird.

Kant unterscheidet zwischen den Empfindungen als subjektive Erscheinungen oder Anschauungen und den Verstandesbegriffen. Indem sich die Verstandesbegriffe auf die Anschauung beziehen, entsteht eine gegenständliche Auffassung.

Wie Wittgenstein zu zeigen versucht hat, sind Empfindungen in keinem Sinn privat, insbesondere nicht im Sinn eines bevorzugten Zugangs.


Entsch

Entscheidende Ursache

Entscheidende Ursache (auch: ausschlaggebende Ursache) nennt man jene mitwirkende Ursache, die der Wirkung unmittelbar vorausgeht.

So ist der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt, eine entscheidende Ursache.

Enumerat

Enumerative Induktion

Die enumerative Induktion ist eine Sonderform der Induktion durch einfache Aufzählung.

In ihr verläuft die logische Prozedur des Überganges von den Prämissen zur Konklusion nach folgendem Russelschen Prinzip:

  1. Es ist eine gewisse Anzahl von n Fällen einer Klasse a gegeben.
  2. Diese n Fälle erweisen sich alle als Glieder einer Klasse b.
  3. Es ist kein einziger Fall in a bekannt, der nicht zu b gehört.

Auf dieser Grundlage kann man zwei Behauptungen aufstellen:

  • bei spezieller Induktion: Es wird der auf die n Fälle folgende Fall aus a als ein Fall aus b angenommen;
  • bei allgemeiner Induktion: Es werden alle Fälle aus a als Fälle aus b betrachtet.

Beide Behauptungen haben eine gewisse Wahrscheinlichkeit, die bei Vergrößerung der Zahl n zunimmt.

Enzyklop

Enzyklopädisten

Enzyklopädisten nennt man die Begründer, Mitarbeiter und Herausgeber der unter Leitung von Diderot und d’Alembert 1751-1772 erschienenen Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, die aus 28 Bänden besteht.

Mitarbeiter waren u. a. Rousseau, Voltaire, Montesquieu und d’Holbach.

Die Enzyklopädie gilt als der endgültige Durchbruch der französischen Aufklärung.

Episbess

epistemisch besser

Der Begriff epistemisch besser (epistemically preferable) ist ein zentraler Begriff in der Erkenntnistheorie von Chisholm. Er ist normativ gemeint.

p zu glauben ist für die Person s epistemisch besser als q zu glauben heißt, dass es in der gegebenen epistemischen Situation Person objektiv vernünftiger ist, p zu glauben als q.

Das epistemisch Bessere führt Chisholm auf das intrinsisch Bessere zurück, d. h. p zu glauben ist für eine Person epistemisch besser als q zu glauben, wenn das Hinzutreten des Glaubens, dass p, bei gegebener Evidenzbasis zu einem intrinisch besseren Bewußtseinszustand führt als das Hinzutreten des Glaubens, dass q.

Man kann meines Erachtens den Begriff des epistemisch besseren auf den Begriff der Kohärenz zurückführen: p ist epistemisch besser als q für ein Subjekt s, wenn die relationale Kohärenz von p bezüglich des Überzeugungssystems von s größer ist als die relationale Kohärenz von q. Der Begriff ist dann eng verwandt mit den kohärenztheoretischen Konkurrenzbegriffen von K. Lehrer u. a.

Episyl

Episyllogismus

Als Episyllogismus bezeichnet man einen Syllogismus, der Teil eines zusammengesetzten Syllogismus ist und dessen Prämisse Schlusssatz des vorangehenden Syllogismus ist.

Epizykl

Epizyklentheorie

Die Epizyklentheorie wurde durch Apollonios von Perge begründet. Später brachte sie Hipparchos von Nikaia in die Planetentheorie ein. Diese Theorie erlangte bei Klaudios Ptolemaios dann eine große Bedeutung.

Epizyklentheorie Der betrachtete Planet P bewegt sich im Kreis um den Punkt M. Dabei wird M auf den Deferenten um die Erde E herumgetragen, so dass sich die kräftig ausgezogene beobachtete Schleifenbahn des Planeten um die Erde ergibt, die als Epizykloide bezeichnet wird.

Erfolg

Erfolgsbedingungen von Sprechakten

E. Rolf hat den Erfüllungsbedingungen und den Gelingensbedingungen von Sprechakten die Erfolgsbedingung hinzugefügt, um die Frage nach dem Warum eines Tuns, nach der intendiert zu unterstellenden Wirkung des Tuns beantworten zu können [1].

Im Unterschied zur Erfüllungsbedingung einer Behauptung ist deren Erfolgsbedingung erfüllt, wenn die Behauptung vom Hörer für wahr gehalten wird.


[1] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 19 f.

Erfuell

Erfüllensbedingungen von Sprechakten

In der Sprechakttheorie unterscheidet man die Gelingensbedingungen und die Erfüllungsbedingungen eines Sprechaktes. Mitunter wird diesen Bedingungen noch die Erfolgsbedingung hinzugestellt. Eine Sprechakt kann gelingen, ohne erfüllt zu sein.

Die Erfüllungsbedingung einer Aufforderung besteht in derjenigen Handlung, die der Adressat der Aufforderung zufolge ausführen soll [1].

Ob die Aufforderung vollzogen wird, ob der Aufgeforderte der Aufforderung nachkommt, ist eine Frage, die unabhängig von dem Gelingen der Aufforderung ist. Eine Aufforderung kann gelingen, auch wenn sie nicht erfüllt wird.

Die Erfüllungsbedingung eines Versprechens besteht in derjenigen Handlung, auf die sich der Sprecher durch das Versprechen festlegt [2].

Bei Searle und Vanderveken wird die Erfüllungsbedingung von Behauptungen und Festlegungen als Wahrheitsbedingung bezeichnet. Die Behauptung ist erfüllt, wenn der propositionale Gehalt dem Weltzustand entspricht [3].

Eine Bitte ist erfüllt, wenn der propositionale Gehalt durch den zukünftigen Weltzustand wahr gemacht wird [4].

Expressiva haben den Sprechakttheoretikern zufolge keine Erfüllungsbedingungen.


[1] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 15
[2] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 16
[3] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 16
[4] Rolf, E.: Illokutionäre Kräfte. Grundbegriffe der Illokutionslogik. Opladen 1997, 17