Philosophie Wörterbuch

V2 Induk

Induktion durch vollständige Aufzählung

Die Induktion durch vollständige Aufzählung ist eine Form der Deduktion und nicht der Induktion wie der Name erwarten lässt. Dies hängt mit der engen Verwandtschaft zur aufzählenden Induktion zusammen.

Aristoteles, der die Induktion durch vollständige Aufzälung entdeckt hat, nennt diese Induktionssyllogismus.

Nehmen wir an, eine Klasse K habe die Elemente a, b, c. Wissen wir, dass die Eigenschaft F auf das Element a zutrifft, und stellen dann fest, dass sie auch auf das Element b und das Element c zutrifft, dann können wir den Schluss ziehen, dass alle Elemente dieser Klasse die genannte Eigenschaft haben.

Einige Logiker vertreten die Ansicht, dass die Induktion durch vollständige Aufzählung der Form nach dem Darapti entspricht, andere betrachten die vollständige Induktion als distributiven Syllogismus.


Vagheit

Vagheit

Als Vagheit bezeichnet man eine Unbestimmtheit.

Eine Begriff ist ein vager Begriff, wenn es wenigstens ein Objekt aus dessen Grundbereich gibt, für den nicht feststellbar ist, ob er zur Extensionalität des Begriffes gehört. Dabei muss das Unvermögen aus dem Begriff und nicht aus subjektiven Gründen resultieren.

Eine Aussage ist eine vage Aussage, wenn nicht für alle Situationen feststellbar ist, ob die Aussage wahr ist. Die Vagheit einer Aussage macht es unmöglich, Situationen auf die sie zutrifft von Situationen zu unterscheiden, auf die sie nicht zutrifft.

Vaisesh

Vaiseshika

Die Vaiseshika-Schule ist eine Richtung der indischen Philosophie, die dem Kanada zugeschrieben wird. Sie hat einen atomistischen Charakter. Als Elemente der Körper werden Erde, Wasser, Luft und Licht genannt.

Vedanta

Vedanta

Die Vedanta-Philosophie betrachtet das empirische Wissen als Nichtwissen. Dem wahren Wissen enthüllt sich die Vielheit der Dinge und Individuen als Schein, als Illusion (Schleier der Maja).

In Wahrheit existiert nur das Eine, das göttliche Allwesen, das Brahman. Die Welt ist nichtig, wesenlos (Akosmismus), keinesfalls eine Emanation des Göttlichen. Das Brahman ist ewiges, unwandelbares, reines Sein, übersinnlich, immateriell.

Die Körperwelt ist ebenso Schein wie die Welt der einzelnen Ichs, die nur in der Erscheinung verschieden, an sich aber eins, das göttliche Selbst (Atman) sind. Es wird also ein monistischer Pantheismus gelehrt.

Höchstes Ziel ist die, alle Seelenwanderung, alle Wiedergeburt (mit den Folgen des früheren Le- bens, dem Karma) aufhebende Einswerdung mit dem Einen.

Velatus

Verhüllter

Als Verhüllter (lat.: velatus) bezeichnet man einen antiken Sophismus, der auf Eubulides zurückgeht.

Erkennst Du diesen Verhüllten? Nein! Es ist Dein Vater! Daraus folgt: Du erkennst Deinen Vater nicht.

Dieser Sophismus ist ein quaternio terminorum. Er beruht auf einer unklaren Verwendung des Wortes erkennen. Eubulides wolte mit diesem Sophismus zeigen, dass Erkenntnis unmöglich ist.

Venn

John Venn

Der englische Logiker John Venn (* 4. August 1834 in Drypool, Hull, † 4. April 1923 in Cambridge) war Professor in Cambridge. Er benutzte erstmalig den Terminus symbolische Logik.

Venn ist ein Wegbereiter der Wahrscheinlichkeitstheorie. In seinem Werk The Logic of Chance (1866) führte er die Häufigkeitsinterpretation der Wahrscheinlichkeit als erster systematisch aus. Er stellte sich damit der Interpretation der Wahrscheinlichkeit als Grad des Gllaubens entgegen. An seine Überlegungen hat Reichenbach bei der Entwicklung seiner Wahrscheinlichkeitslogik angeknüpft.

Venn untersuchte auch Modalurteile.

Venn ist als Schöpfer der Venn-Diagramme bekannt, die eine Weiterentwicklung der Eulerschen Kreise sind und von ihm 1881 in seinem Werk Symbolic Logic eingeführt wurden.

Mit Hilfe eines Systems zweier sich überschneidender Ellipsen brachte er die Beziehungen zwischen Klassen bzw. Umfängen von Begriffen zum Ausdruck.

In The Principles of Empirical or Inductive Logic (1889) knüpft Venn bei Mill an. Er kritisiert aber Mills induktive Methoden, weil sie vom Wissenschaftler Kenntnisse voraussetzen, über die er in der Praxis nicht verfügt.

Werke

  • Symbolic logic. 1881
  • The Logic of Chance. 1866
  • The foundations of chance. 1872
  • On the Diagrammatic and Mechanical Representation of Prepositions and Reasonings, in: Philosophical Magazine and Journal of Science, July 1880
  • The Principles of Empirical or Inductive Logic. 1889
  • The Biographical History of Gonville and Caius College, 1349-1897

Literatur

  • Merrill, Daniel D.: Venn, John. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy, London

Weblinks


Unverbeg

Unvereinbare Begriffe

Begriffe, deren Umfänge sich nicht decken und die auch keinen gemeinsamen Elemente haben. Sie enthalten Merkmale, die nicht nur die Möglichkeit der völligen, sondern auch der teilweisen Übereinstimmung ausschließen.

Zu den unvereinbaren Begriffen gehören konträre und kontradiktorische Begriffe.

Von unvereinbaren Begriffen sind vereinbare Begriffe zu unterscheiden.

Tugcdeth

Tugendethik

Als Tugendethik bezeichnet man ethische Theorien, die von Tugend ausgehen. Da in vielen Theorien Tugenden an den Menschen gebunden sind, sind Tugendethiken gewöhnlich anthropozentrisch ausgestaltet. Dies ist nicht zwingend, da man klassische Tugenden wie Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, Glaube, Liebe, Hoffnung neben einem Gott auch Tieren zusprechen kann. Man käme dann zu einer pathozentrischen Tugendethik.

U Indukt

Unvollständige Induktion

Als unvollständige Induktion (lat. inductio incompleta) oder problematische Induktion bezeichnet man jede Induktion, die keine vollständige Induktion ist.

Bei einer unvollständigen Induktion spricht man also, wenn die induktiv gewonnene Konkulusion über die Prämissen hinausgeht.

U Schieb

Unterschieben einer These

Als Unterschieben einer These (lat. ignoratio elenchi) bezeichnet man einen Fehler in der Argumentation, der dadurch entsteht, dass man nachdem man begonnen hat, eine These zu beweisen, beginnt im Verlaufe der Beweisführung eine andere These zu beweisen, die der ersten nur äußerlich ähnelt.