Lexika

Grot

Nikolaus von Grot (1852 – 1899)

Nikolaus von Grot wirkte in Odessa und Moskau.

Er stellt eine Theorie des psychischen Kreislaufes auf. Dieser Kreislauf umfasst vier Momente:

  • objektive Empfänglichkeit (Empfindung und Vorstellung),
  • subjektive Empfänglichkeit (Gefühl),
  • subjektive Tätigkeit (Streben) und
  • objektive Tätigkeit (Bewegung).

Nach Grot sind physische und psychische Energie ineinander umsetzbar. Dabei besteht eine Erhaltung psychischer Energie besteht.

Die Logik fasst Grot psychologistisch auf.

Im All formt der Wille die Materie und strebt danach, sie zu unterdrücken.


Gorgias

Gorgias von Leontinoi (ca. 485 – 380 v. u. Z.)

Der griechische Philosoph Gorgias aus Leontinoi in Sizilien ist einer der Hauptvertreter der griechischen Sophistik.

Er kam 427 als Gesandter seiner Heimatstadt nach Athen, wo er als Redner und Redelehrer begeisterten Anklang fand.

Gorgias hat entscheidend zur Entwicklung einer rhetorischen Kunstprosa beigetragen, indem er, um die psychologische Wirkung der Rede zu erhöhen auch für die Prosa in gewissen Grenzen eine poetische Ausdrucksweise forderte und die bewusste Anwendung bestimmter stilistischer Schmuckmittel (gorgianische Figuren) verlangte: inhaltlich und formal gleichgebaute, im Umfang einander genau entsprechende parallele Satzglieder (Isokolie), die nach Möglichkeit in gegensätzlicher Beziehung zueinander stehen (Antithese) und den gleichen Lautausklang haben (Homoioteleuton; entspricht dem Reim in der modernen Dichtung), außerdem rhythmisch gestaltete Satzschlüsse (Klauseln) aufweisen.

Neben Prunk- und Festreden (u.a. Leichenrede auf die im Peloponnesischen Krieg gefallenen Athener) verfasste Gorgias zu Unterrichtszwecken Musterdeklamationen (Lob der Helena, Palamedes), deren spitzfindige Argumentation bemerkenswert ist.

Gorgias erklärte in seinem Werk "Über das Nichtseiende oder über die Natur", dass "überhaupt nichts ist", nicht einmal die Natur.

Er versuchte in diesem Werk, das nicht erhalten ist, den Satz zu beweisen suchte: "Es ist nichts. Wenn etwas wäre es nicht mitteilbar."

Von den zahlreichen Schülern des Gorgias ist besonders Isokrates zu erwähnen.

Platon hat einen seiner Dialoge nach Gorgias benannt.


Grzegor

Andrei Grzegorczyk (geb. 1922)

Der polnische Mathematiker und Logiker Andrei Grzegorczyk befasste sich mit der klassischen zweiwertigen Logik, mit Problemen der Metamathematik, der Theorie der rekursiven Funktionen, der Theorie der rekursiven Funktionale und mit Anwendungen in der konstruktiven Logik. Nach Grzegorczyk ist ein zentrales Axiom der Modallogik benannt.

Die Gesetze der Logik sind für Grzegorczyk Schemata zur Konstruktion komplizierter wahrer Aussagen.


Gergonne

Joseph D. Gergonne (1771 – 1859)

Der französische Astronom, Mathematiker und Logiker Joseph D. Gergonne untersuchte die fünf grundegenden Relationen zwischen Klassen. Er stellte sie graphisch mit Hilfe von Kreisen dar, die den Eulerschen Kreisen in der Syllogistik entsprechen.

Abaelard – Ayer| Baader – Burski| Cabanis – Czeżowski | Dacqué- Durkheim | Ebbinghaus- Ewald | Faber- Fritzsche | Galenos- Gunsun Lun | Häberlin- Hypatia | Iamblichos- Iulianus | Jacoby- Juschkewitsch | Kaila- Kurylowicz | LaMettrie – Lykon | Maass- Myia | Nalbandjan- Nyman | Ockham- Owen | Palágyi- Pythagoras | Queccius- Quine | Radischtschew- Ryle | Saarnio- Szumowski | Taine- Tyrsenis | Uphues| Valla- Vorländer | Wahl- Wwedenski | Xeniades- Xenophon | Zadeh- Zoilos

Galilei

Galileo Galilei (1564 – 1642)

Der italienische Mathematiker und Naturwissenschaftler wendete die modernen naturwissenschaftlichen Methoden auf das Studium der Astronomie und der Erdbewegung anwendete.

Bei Galilei ist Erfahrung identisch mit methodisch kontrolliertem Beobachten und Experimentieren, durch das wir unser Wissen über die Welt erweitern. Es wird damit auf die Bedeutung des experimentellen Forschens für unsere Erkenntnis verwiesen.

Weblinks


Germain

Sophie Germain (1776 – 1831)

Sophie Germain wurde 1776 in Paris als mittlere von drei Töchtern geboren.

Sie war Autodidaktin. Mit Hilfe von Büchern, die sie als Dreizehnjährige in der Bibliothek des Vaters entdeckte, erwarb sie Grundkenntnisse der Analysis. Sie brachte sich selbst Latein bei, um die Werke von Newton und Euler lesen zu können.

Als ihr mathematisches Interesse offenkundig wurden, engagierte ihre Familie nicht etwa Privatlehrer zur Förderung der Begabung, sondern versuchte mit allen Mitteln ihre Neigung zu bekämpfen.

Außer für Mathematik interessierte sie sich besonders für philosophische und gesellschaftspolitische Fragen sowie für Literatur und Musik.

Ausgangspunkt ihres 1833 posthum veröffentlichten wissenschaftstheoretischen Essays Considérations générales sur l’état des sciences et des lettres ist ihre Überzeugung einer tiefen Verwandtschaft der Denkweisen in den Natur- und Geisteswissenschaften. Ihrer Ansicht nach liegen alle menschlichen Tätigkeiten bestimmte universale Grundformen des Denkens zugrunde.

Um ihre These zu belegen, weist sie anhand der historischen Wissenschaftsentwicklung nach, dass das menschliche Denken stets eine Strukturierung der Erscheinungen intendierte.

In der Wissenschaftsentwicklung unterscheidet Sophie Germain drei aufeinanderfolgende Stadien.

  1. Auf der ersten Stufe sucht der Mensch überall sein Ebenbild. Zunächst personifiziert er leblose Gegenstände, die ihm Urheber für alle Naturvorgänge sind (Fetichismus). Später erdichtet er unsichtbare Wesen, um sich die Naturerscheinungen zu erklären (Polytheismus). In der letzten Phase führt er die Regelmäßigkeit der Himmelsbewegungen und die Beständigkeit der irdischen Naturphänomene auf das Wirken eines einzigen Gottes zurück.
  2. Das zweite Niveau wird erreicht, wenn der Mensch sich mit einem beliebigen göttlichen Willen nicht mehr begnügt, sondern in allen Dingen das Gesetz der Notwendigkeit sucht und über die gegenseitige Abhängigkeit aller Ereignisse nachdenkt. Was seinen positiven Kenntnissen noch fehlt, versucht er durch seine Systeme zu ersetzen mit dem Ziel, bekannte Tatsachen zu einer Gesamtheit zu vereinen.
  3. Das dritte Stadium folgt auf die Systeme der philosophischen Spekulation als methodische sich an der Erfahrung wendende Forschung.

Die Übereinstimmung mit Comtes Dreistadiengesetz ist frappierend. Es ist unklar, wem die Priorität zukommt.

Im Gegensatz zu Comte räumt sie der Mathematik eine Sonderstellung unter den exakten Wissenschaften ein. Für ihre Idee einer Einheit der Wissenschaft ist der aus eigener Erfahrung in der Forschung gewonnene Begriff der Analogie von entscheidender Bedeutung.

Da die menschlichen Erkenntnisstrukturen auf Einheit ausgerichtet sind, ergeben sich auf allen Gebieten dieselben formalen Ordnungsbeziehungen, wenn auch jeweils zwischen verschiedenen Objekten.

Daher lassen sich Erkenntnisse aus einem Bereich analog stets auf andere Gebiete übertragen. Etliche Theoreme der Physik sind so auch in der Soziologie gültig.

1831 starb sie nach zweijähriger Krankheit an Brustkrebs.

Weblinks


Galitsch

Alexandr Iwanowitsch Galitsch (1783 – 1848)

Der russische Philosoph und Logiker A. I. Galitsch studierte von 1808 bis 1813 in Deutschland. Er war Adjunkt-Professor am Petersburger Pädagogischen Institut.

Nach seiner Geschichte der philosophischen Systeme (1818 – 1819) wurde Galitsch der Gottlosigkeit und des Vergehens gegen die Grundlagen des Staates beschuldigt und verlor die Leitung des Lehrstuhles.

In seinen Vorlesungen untersuchte der neben der in der damaligen Logik üblichen Darlegung der Lehre von den Syllogismen auch Probleme der Induktion und der Analogie.


Gerson

Johannes Gerson (Johann Charlier) (1363 – 1420)

Der Mystiker Johannes Gerson (Johann Charlier aus Gerson bei Rheims) ist ein Schüler von Pierre d’Ailly. Er war Kanzler der Universität Paris.

Johannes Gerson wurde von den Grafen von St. Victor und von Bonaventura beeinflußt. Er neigt dem Nominalismus zu. Die mystische Theologie stützt sich auf die innere Erfahrung und Offenbarung. Über der Vernunft (ratio) steht die intelligentia, welche unmittelbar das Wesen der Dinge erfasst.


Galton

Francis Galton (1822 – 1911)

Francis Galton ist ein Evolutionist. Er arbeite vor allem zur Vererbungslehre (Statistische Methode) und der Eugenik, der Verbesserung der Menschenrasse durch Beeinflussung der Selektion.

Die allgemeinen Vorstellungen nennt er generic images oder blended memories. Er leitet sie aus der Vermischung der Differenzen von Vorstellungen eines und desselben Gegenstandes ab.

Geulincx

Arnold Geulincx (1624 – 1669)

Der holländische Philosoph und Logiker Arnold Geulincx ist ein Cartesianer und ein Vertreter des Okkasionalismus.

In seiner Schrift Logica fundamentalis (1662) formulierte Geulincx einige aussagenlogische Theoreme.

Geulincx stellte die Frage nach der Allgemeingültigkeit des Modus Darapti, eines der Modi der dritten Figur des kategorischen Syllogismus.

Geulincx bringt das Beispiel für diesen Modus:

Jeder weiße Mensch ist weiß.
Jeder weiße Mensch ist ein Mensch.
Einige Menschen sind weiß.

Die Prämissen in diesem Syllogismus – so Geulincx – sind notwendig, aber der Schlusssatz ist zufällig. Aus einem notwendigen Urteil, kann aber nach seiner Auffassung auf kein zufälliges Urteil geschlossen werden.