Philosophie

Aprioism

Apriorismus

Apriorismus nennt man eine der wichtigsten erkenntnistheoretischen Positionen. Er findet sich z. B. bei Platon, Leibniz und Kant.

Seine Vertreter behaupten, dass die menschliche Erkenntnis ihre in Vernunftprinzipien und Vernunftwahrheiten eine solide Grundlage hat. Die Vernunftprinzipien und Vernunftwahrheiten gehen der Sinneserfahrung voraus (a priori) und sind von ihr unabhängig.

Die radikalen Aprioristen (z. B. Platon) meinen, dass die Sinneswahrnehmung zu keiner wahren Erkrenntnis führen kann und deshalb keine entscheidende Bedeutung hat. Wahre Erkenntnis beruht allein auf der Vernunft.

Die gemäßigteren Aprioristen (z. B. Kant) behaupten dagegen, dass die Erfahrung zwar eine konstitutive Rolle spielt, aber von der Vernunft durch synthetische Grundsätze ergänzt werden muss, die die Bedingungen der Möglichkeit von Wirklichkeitserfahrung überhaupt ausdrücken, z. B. die Kategorie von Ursache und Wirkung oder die Anschauungsformen von Raum und Zeit.

Erstmals in der Geschichte wurde der Ausdruck Aproprismus in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von Neukantianern verwendet.

Der Marburger Schule dient das Wort auch als Bezeichnung für die Methode ihrer eigenen Philosophie.

Arbor

Arbor porphyrii

Bekannt ist ein von Porphyrios von Tyros vorgeschlagenes Schema der fünf Grundbegriffe, – Gattung (genus), Art (species), artbildender Unterschied (differentia specifia), wesentliches Merkmal (proprium), unwesentliches bzw. zufälliges Merkmal (accidens) – das später die Bezeichnung arbor porphyrii (Baum des Porphrios) erhielt, mit dem das Verhältnis zwischen Gattungsbegriffen und Artbegriffen bei der dichotomischen Einteilung graphisch dargestellt wird.

arbor porphyrii

Zur Klasse der Wesen gehören körperliche Wesen und nichtkörperliche Wesen. Der Begriff Körper seinerseits enthält in seinem Umfang den beseelten Körper oder Organismus und den nichtbeseelten Körper usw.

Argument

Argument

Argument (lat. argumentum) heißt ein Gedanke dessen Wahrheit geprüft und durch die Praxis bewiesen ist und der deshalb zur Begründung der Wahrheit oder der Falschheit eines anderen Satzes angeführt werden kann.

Das Argument ist Bestandteil jeder Beweisführung. Als Argument kann man u. a. Axiome verwenden, die in einem betrachteten System gebräuchlich sind, sowie Definitionen und Urteile über sicher bekannte Tatsachen.

Als Argument darf kein Gedanke angeführt werden, in dem ein Verstoß gegen die Gesetze und Regeln der Logik enthalten ist. Mit falschen Argumenten kann man in der Regel keine These begründen.

Typische Verstöße gegen diese Forderung sind die in der Logik bekannten Fehler error fundamentalis und petitio principii.

In Beweisen müssen die Argumente ein zureichender Grund der These sein. Ein Verstoß gegen diese Regel stellen die oft in falschen Beweisführungen anzutreffenden Fehler non sequitur und a dicto secundum quid disctum simpliciter dar.

Außerdem müssen die Argumente Gedanken sein, deren Wahrheit selbständig, unabhängig von der These bewiesen ist. Ein Verstoß gegen diese Regel ist ein logischer Fehler, der circulus vitiosus.

Die Argumentationstheorie ist in vielfacher Weise mit der Kommunikationstheorie und Dialoglogik verknüpft.

Arist

Aristoteles (384 – 322 v. u. Z.)

Der griechische Philosoph, Logiker und Naturforscher Aristoteles wurde im makedonischen Stagira geboren. Daher wird Aristoteles auch der Stagirite genannt.

Aristoteles ging 367 nach Athen, um an Platons Akademie zu studieren.

In den 20 Jahren, die er dort blieb, entwickelte er eigene philosophische Auffassungen, die von denen des Lehrmeisters immer weiter abwichen. Obwohl Platon Aristoteles mit großer Achtung begegnete, überließ er 347 die Leitung der Akademie seinem Neffen Speusippos.

Aufgrund beträchtlicher Differenzen mit Speusippos über das richtige Philosophieverständnis verließ Aristoteles die Akademie und ließ sich in Assos und später in Mytilene nieder.

342 rief Philipp von Makedonien Aristoteles an seinen Hof, damit dieser die Erziehung des Sohnes Alexander, des späteren Alexander des Großen, übernimmt.

Acht Jahre lang war Aristoteles in Makedonien tätig. Als Alexander den Thron bestiegen hatte, kehrte Aristoteles nach Athen zurück und gründete dort 335 seine eigene Schule, das Lykeion.

Aristoteles hielt Vorlesungen, betrieb Forschungen auf diversen Gebieten und arbeitete an zahlreichen Manuskripten über Themen der Naturwissenschaft, Psychologie, Metaphysik, Ethik, Dichtkunst und Rhetorik.

Nach Alexanders Tod im Jahre 323 erhoben sich die Athener gegen die makedonische Herrschaft. Aristoteles war in Gefahr, wegen Hochverrats zum Tod verurteilt zu werden. Aristoteles floh nach Chalkis auf Euböa. Dort starb er einige Monate später im Alter von 62 Jahren.

Von starkem Interesse für die heutige Logik sind die Ansichten des Aristoteles zur Logik.

Wissenschaft im weitesten Sinn wird von Aristoteles in theoretische und praktische eingeteilt. Theoretische Wissenschaften untersuchen "das, was nicht anders sein kann", und fragen schlicht nach der Wahrheit. Sie zerfallen in drei Disziplinen mit je eigenem Thema: Die Physik studiert Gegenstände mit selbständiger Existenz und der Tendenz zur Veränderung. Die Mathematik studiert das, was unveränderlich, aber ohne selbständige Existenz ist. Die Erste Philosophie (griech. prote philosophia, von Aristoteles‘ Nachfolgern Metaphysik genannt) handelt vom selbständig Existierenden, das zugleich unveränderlich ist.

Die praktischen Wissenschaften beschäftigen sich mit dem, "was anders sein kann". Sie zielen letztlich darauf ab, Anleitungen zum Handeln zu geben. Ihre wichtigsten Gebiete sind Ethik und Politik.

Sein Werk Über die Seele beschäftigt sich mit den allgemeinen Grundzügen des Lebens ebenso wie mit der Frage der Sterblichkeit bzw. Unsterblichkeit der Vernunft.

Bei dem mit Physik betitelten Werk handelt es sich um eine überwiegend naturphilosophische Abhandlung, die die Begriffe Werden, Veränderung, Ort, Zeit, Raum, Endlichkeit, Unendlichkeit u. a. m. erläutert.

Aristoteles geht davon aus, dass eine Anzahl natürlicher Dinge existiert, die sich bewegen und über die man in der Alltagssprache reden kann. Der Philosophie soll an die Alltagssprache anknüpfen und einen Begriffsapparat entwickeln, um die Dinge und ihre Bewegungen angemessen beschreiben zu können; ebenso soll er die Voraussetzungen für die Möglichkeit einer solchen Bewegung untersuchen. Dagegen ist es nicht Aufgabe des Philosophie, die Existenz der Welt oder der Bewegung von abstrakten (göttlichen) Prinzipien aus zu erklären oder zu beweisen; denn die Existenz von Welt und Bewegung ist von vornherein als unproblematisch vorausgesetzt.

Bezeichnend für das später Metaphysik genannte Werk ist, dass es im Gegensatz zur Naturphilosophie der elementaren Periode nicht die Natur in ihrer Ganzheit zu erklären sucht; statt dessen will es eine Theorie der veränderlichen Einzeldinge entwickeln.

Vom alltäglichen Sprechen ausgehend, nimmt Aristoteles an, dass jedes Werden etwas Zugrundeliegendes voraussetzt (griech. hypokeimenon; lat. substratum), etwas, das im Lauf des Prozesses eine bestimmte Gestalt annimmt (griech. morphe).

Von hier aus gelangt A. zur Unterscheidung zwischen Stoff (griech. hyle; lat. materia) und Form (griech. eidos; lat. forma).

Form und Stoff können als zwei Aspekte eines Dings voneinander unterschieden, aber nicht voneinander getrennt werden. Die Form ist nämlich immer das Innewohnende. Eine Form existiert nur als die Form dieses oder jenes Einzeldings.

An diesem Punkt steht Aristoteles im Widerspruch zu Platon, sofern er die Annahme einer selbständig existierenden – transzendenten im Gegensatz zur immanenten – Form (eidos) leugnet. Es gibt eine Ausnahme, einen Fall, in dem eine Form existiert, ohne zugleich Stoff zu sein. Diese Form ohne Stoff ist Gott.

Wenn von einem konkreten Einzelding die Rede ist, wird der Begriff Stoff nur in relativem Sinn benutzt.

Die Prozeßhaftigkeit wird in der Unterscheidung zwischen Möglichkeit (griech. dynamis; lat. potentia) und Verwirklichung (griech. energeia; lat. actus) vertieft, eine Unterscheidung, die mit der zwischen Stoff und Form eng zusammengehört.

Für die Erklärung eines konkreten Prozesses reicht es nicht aus, auf eine Ursache hinzuweisen, die bewirkt hat, dass der Prozeß in Gang kam. Neben der Wirkursache muß der Stoff berücksichtigt werden, der es ermöglicht hat, dass die Form einen bestimmten Zweck erreichen konnte. Insgesamt sind vier Ursachen zu berücksichtigen: die Wirkursache, die Stoffursache die Formursache und die Zweckursache.

Der entscheidende Unterschied zwischen der Psyche des Menschen und der aller anderen lebenden Wesen besteht in der Fähigkeit des Menschen, vernünftig zu denken. Der Mensch ist das vernünftige Tier, behauptet Aristoteles und diese Bestimmung öffnet auch den Zugang zur Ethik, der Wissenschaft von dem, was anders sein kann.

Online-Texte

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Anthrori

anthropooriginär

Eine Äußerung heißt anthropooriginär, wenn der Sprecher ein Mensch ist, sonst heißt sie nichtanthropooriginär.

So ist zum Beispiel ein Befehl, den ein Mensch einem Hund gibt, anthropooriginär. Er ist aber nichtanthropoauditoriell und nichtanthroporeferentiell.

Ob Tiere bzw. die Natur überhaupt Kommunikationspartner sein können, ist umstritten. Nur bei einigen höheren Tieren kann man wohl eine der menschlichen Kommunikationsfähigkeit vergleichbare Fähigkeit annehmen. So konnte in Versuchen Schimpansen die Verwendung einiger Zeichen der amerikanischen Zeichensprache beigebracht werden.

Der Tanz der Bienen stellt eine Informationsübermittlung durch Signale dar, nicht aber eine der menschlichen Sprache vergleichbare Sprache. Die von ihnen verwendeten Kommunikationstechniken lassen keinen Schluss auf Selbstbewusstsein zu, schließen es aber auch nicht aus. Selbstbewusstsein und Sprachfähigkeit sind nicht notwendig gekoppelt. So würde man einem Taubstummen, der die Gebärdensprache nicht beherrscht, nicht das Selbstbewusstsein absprechen.

Anthrref

anthroporeferentiell

Eine Äußerung heißt anthroporeferentiell, wenn sie auf einen Menschen Bezug nimmt, sonst heißt sie nichtanthroporeferentiell.

Von diesem Begriff zu unterscheiden, sind die Begriffe anthropooriginär und anthropoauditoriell.

Antilog

Antilogismus

Der Begriff Antilogismus bezeichnet in der Logik die Unvereinbarkeit der Prämissen eines kategorischen Syllogismus mit der Negation des Schlusssatzes.

Dem Antilogismus liegen die Gesetze des logischen Schließens zugrunde, denen zufolge der Schlusssatz nicht falsch sein darf, wenn die Prämissen wahr sind.

Die Lehre des Antilogismus geht auf die Logikerin Christina L. Franklin zurück.

Antin S

Semantische Antinomie

Die semantischen Antinomie haben seit den Stoikern und Megarikern große Bedeutung für Logik und Sprachanalyse. Diese Antinomien werden semantische genannt, weil sie in jedem Fall einen oder mehrere semantische Begriffe, z. B. Wahrheit, berühren.

Die folgenden Antinomie gehören zu den interessantesten semantischen Antinomien:

  1. Lügner-Antinomie
  2. Berry’s Antinomie
  3. Grelling’s und Nelson’s Antinomie


Antinom

Antinomie

Der Begriff Antinomie ist von Kant als philosophisch relevanter Terminus geprägt worden.

Im engeren Sinne besteht eine Antinomie aus zwei sich widersprechenden Gesetzen, Regeln oder Maximen.

Eine Antinomie im weiteren Sinn ist jedes Paar wohlbegründeter Behauptungen, These bzw. Antithese, die einander widersprechen. Die vier Antinomien der Vernunft bei Kant sind Antinomie im weiteren Sinne.

Für die Logik enthält eine Theorie eine Antinomie, wenn eine Kontradiktion in ihr nachgewiesen werden kann. Häufig ist dann in ihr jede Formel beweisbar. Dies gilt nur in parakonsistenten Theorien nicht.

Häufig werden die Antinomien mit den Paradoxa gleichgesetzt.

Antireg

Anti-Regel

Der Begriff Anti-Regel ist ein zentraler Begriff der Wissenschaftstheorie von P. K. Feyerabend.

Er bezeichnet eine Regel die der Induktion widerspricht. D. h. der Wissenschaftler soll sich nicht scheuen, methodische Regeln aufzustellen, die zu Hypothesen führen, die anerkannten Theorien und beobachtbaren Tatsachen widersprechen.