Lotze
Rudolph Hermann Lotze (1817 – 1881)
Nach Meinung des deutschen Philosophen und Logikers Rudolph Hermann Lotze kann das Bewußtsein nicht über die Grenzen dessen hinausgehen, was dem Subjekt bereits bekannt ist, da alle Kenntnisse des Menschen von der Außenwelt auf Vorstellungen über diese Welt beruhen, die im Menschen vorhanden sind. Lotze unterschied eine subjektive und eine objektive Seite der Gedanken.Nach Lotze soll die Logik lehren in welchen Formen wir unsere Einzelvorstellungen verbinden und abändern müssen, damit wir aus gegebenen Tatsachen der Wahrnehmung andere nicht wahrgenommene oder zukünftige Tatsachen berechnen können. Die Logik ist nach Lotze unabhängig von der Psychologie.
In den Beziehungen zwischen den Begriffen unterschied er die Subordinierung, d. h. das Aufsteigen von der Art zur Gattung, und die Subsumtion, d. h. das Unterordnen einer Art unter ein Merkmal einer Gattung.
Bekannt ist seine Kritik an dem Gesetz vom Wechselverhältnis von Inhalt und Umfang eines Begriffes bei der Verallgemeinerung.
Lotze führt die Induktion auf die Deduktion zurück.
Seine Vorlesungen über Logik hörtenu. a. Vladislavlev, Troizki und Karinski.
Lotze hat den Begriff des Wertes in die philosophische Diskussion eingeführt.
Lubkin
Alexander Stepanowitsch Lubkin (1770 – 1815)
Der russische Philosoph und Logiker Alexander Stepanowitsch Lubkin unterrichtete Logik am Armeeseminar in Petersburg. Er war von 1812 bis zu seinem Tode Professor der Philosophie an der Universität Kasan.Er definierte die Logik als jenen Teil der Anthropologie, der den Gebrauch der Verstandestätigkeit untersucht und Verfahren aufstellt, wie man die Verstandestätigkeit lenkt. Logik ist daher die Wissenschaft vom richtigen und begründeten Urteilen über die Dinge.
Das Wesen der Erkenntnis suchte Lubkin in der Einheit von Sinnlichem und Logischem.
Lubkin schlug eine eigene Klassifikation der Figuren des Syllogismus vor. Dabei geht er nicht davon aus, dass der Mittelbegriff gesetzt wird, sondern davon, wie er verwendet wird.
Wahrheit ist nach Lubkin die Ähnlichkeit unserer Gedanken mit den Gegenständen, an die wir denken. In seinen letzten Lebensjahren ließ er auch die religiöse Wahrheit zu.
Lukacs
György Lukacs (1885 – 1971)
Der ungarische Philosoph und Literaturwissenschaftler György Lukacs (auch Georg Lukacs) stammt aus jüdisch-bürgerlichem Hause.Er studierte in Budapest, Berlin (bei Georg Simmel) und Heidelberg (bei Rickert, Lask und M. Weber).
Lukacs war 1919 Mitglied der ungarischen Revolutionsregierung. Als sie gestürzt wurde floh er nach Wien. Später hielt er sich in Moskau auf. 1944 kehrte Lukacs nach Ungarn zurück. Er war Professor für Ästhetik und Kulturphilosophie. 1956 nahm Lukacs am ungarischen Aufstand teil.
In seinen ästhetischen Schriften stellt Lukacs u. a. die literarischen Gattungen in einen sozialen Zusammenhang und verteidigt die (bürgerlich-)realistische Erzählweise gegen neuere Formen.
In Geschichte und Klassenbewusstsein (1923) legt er den Marxismus als eine Methode dar, die von der Idee der konkreten Totalität ausgeht. Nicht isoliert, sondern nur im Zusammenhang lässt sich etwas verstehen, so dass allein das Ganze die eigentliche Wirklichkeit ist. Dieser Gedanke wird mit dem Marxsche Topos des Proletariats verbunden. Das Proletariat vermag, sofern es Selbstbewusstsein, d. h. Klassenbewusstsein, erlangt, die Gesellschaft vom Standpunkt der Totalität oder des wahren Allgemeinen aus zu begreifen und umzugestalten. Dazu ist es in der Lage, weil es nicht von Sonderinteressen beherrscht wird.
Lukasiew
Jan Lukasiewicz (1878 – 1956)
Der polnische Logiker und Mathematiker Jan Lukasiewicz war von 1915-1939 Professor an den Universitäten von Lwow und Warschau und Mitbegründer der Lwow-Warschau-Schule der mathematischen Logik und Grundlagenforschung. Er gehörte auch dem Krakower Kreis an. Während der Besetzung Polens durch die Nazis wirkte er an der Warschauer Untergrunduniversität.
Ab 1949 wirkte er in Dublin (Irland).
Lukasiewicz gilt als ein hervorragender Kenner der griechischen Literatur über Logik.
Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Aussagenlogik, insbesondere zur mehrwertigen, zur modalen und zur intuitionistischen Logik.
Von Lukasiewicz stammt die erste von der klassischen Logik abweichende und explizit als mehrwertige Logik präsentierte Aussagenlogik [1]. Diese Logik hatte einen zusätzlichen Quasiwahrheitswert. Diese Logik wurde von Lukasiewicz sehr bald verallgemeinert. Eine zusammenfassende Darstellung hat er gemeinsam mit Tarski veröffentlicht [2].
In seinen mehrwertigen Logiken verwendet &;ukasiewicz die heute als Lukasiewicz-Tarski-Negation und als Lukasiewicz-Tarski-Implikation bezeichneten Wahrheitswertfunktionen.
Von Lukasiewicz wurde die gelegentlich nach ihm benannte klammerfreie Notation der Ausdrücke eines Aussagenkalküls systematisch begründet und verwendet.
&;ukasiewicz entwickelte ein eigenes Verfahren zur Formalisierung der aristotelischen Syllogistik.
Literatur
- M. Talasiewicz: Jan Lukasiewicz – The Quest for the Form of Science. In: Polish Philosophers of Science and Nature in the 20th Century. (Ed. by Wladyslaw Krajewski) Amsterdam-Atlanta 2000
[1] Lukasiewicz, J.: O logice trójwarto&;ciowej, Ruch Filozoficzny 5 1920, 170f.;
engl. in: Lukasiewicz, J.: Selected Works (ed. L. Borkowski) Amsterdam/London/Warschau 1970
[2] Lukasiewicz, J./Tarski, A.: Untersuchungen über den Aussagenkalkül, Comptes Rendus Séances Société des Sciences et Lettres Varsovie, Cl. III, 23 (1930), 30 – 50
Weblinks
- Polish Philosophy Page (engl.)
- Raspa, Venanzio: Lukasiewicz on the Principle of Contradiction
- LeBlanc, Owen: Lukasiewicz, Aristotle, and Contradiction
- Betti, Arianna: Lukasiewicz and Le&;niewski on Contradiction
- Betti, Arianna: The Incomplete Story of Lukasiewicz and Bivalence
- Becchi, Alessandro: Logic and Determinism in Jan Lukasiewicz’s philosophy
- Wolenski, Jan: Theories of Truth in Austria and Polish Philosophy
- Bibliographie
- Bigaj, Tomasz: Philosophical Remarks on three-valued logic (PDF, engl.)
- Pouivet, Roger: Lukasiewicz – de l’aristotélisme autrichien à l’aristotélisme polonais (franz.)
- Font, Josep Maria/Hájek, Petr: Lukasiewicz and modal logic (PDF, engl.)
- Font, Josep Maria/Hájek, Petr: On Lukasiewicz’s four-valued modal logic (PDF, engl.)
- Encyclopedia PWN (poln.)
Lukian
Lukianos aus Samosata (ca. 125 – 200)
Lukianos (lat. Lucianus; dt. Lukian) aus Samosata (Syrien) stammt aus einfachen Verhältnissen. Er war ursprünglich Advokat, später Rhetoriklehrer und durchzog als Prunkredner und Sophist mit Vortragsreisen, die ihm gute Einnahmen sicherten das römische Imperium. Im Alter nahm er eine Beamtenstelle bei römischen Statthalter in Ägypten an.Lukianos verspottet in seinen Schriften sowohl den Aberglauben als die Dogmen und Überhebungen der Philosophen. Am meisten sympathisiert er mit Epikur und Platon.
An literarischen Formen verwendete er die Übungs- und Prunkrede, Erzählung, Brief, Gespräch (Hetären-, Götter- und Totengespräche), Diatribe u. a. Sein Verdienst ist u. a., den platonischen Dialog mit Komödienmotiven und der Satire des Menipos verbunden zu haben.
Lukrez
Lucretius Carus
Der Dichter und Philosoph Lucretius Carus (auch Lukrez) ist ein Vertreter der Atomistik und lebte in Rom. Er berief sich vor allem auf die Lehre von Epikur. Sein Lehrer war wahrscheinlich Philodemos.In seinem Lehrgedicht De rerum natura stellt er in sechs Büchern die epikuräische Philosophie dar.
Lucretius Carus war betrebt, eine Philosophie zu vermitteln, die dem Menschen Gemütsruhe und Gelassenheit gibt und ihm die Furcht vor dem Tode und den Göttern nimmt, die aus der Unkenntnis des Menschen über seine Stellung in der Welt, über die Natur und das Wesen entspringt und folglich durch Aufklärung überwunden werden muss.
Dabei spielen die atomistischen Theorie, die Lehre von der Sterblichkeit der menschlichen Seele und die Auffassung, dass die Götter weder in der Lage noch willens sind, sich in das Erdenleben einzumischen, die entscheidende Rolle.
Lucretius Carus fordert nicht das Lathe biosas Epikurs, sondern nimmt Anteil an den gesellschaftlichen Ereignissen seiner Zeit, verurteilt den sittlichen Verfall des Adels, klagt den Krieg und seine Schrecken an, die durch den technischen Fortschritt ständig anwachsen.
Lucretius Carus versucht, die Entstehung der Gesellschaft und Kultur auf natürliche Weise zu erklären. Die Menschen lebten zunächst in einem tierähnlichen Zustand, ohne Sprache, Erkenntnis und sozialen Zusammenhalt, die sich erst durch die Erfahrung entwickelten.
Die Staatsentstehung erklärt er durch die Vertragstheorie. Als Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung sieht er die Vernunft der Menschen an.
Online-Texte
Lun
Gunsun Lun (ca. 325 – ca. 250 v. u. Z.)
Der Logiker Gunsun Lun ist als Autor von Paradoxien, z. B. der vom Fliegenden Pfeil, bekannt, die an die Paradoxien von Zenon von Elea erinnern. Gunsun Lun untersuchte die logische Natur der Kopula im Satz. Er analysierte den mittelbaren Schluss vom Typ der Analogie sowie die Typologie der Merkmale.
Luszczew
Seweryna Luszczewska-Romahnowa
Seweryna Luszczewska-Romahnowa (*1904, † 1978) ist Schülerin von Twardowski und gehörte zur Lwow-Warschau-Schule.
Literatur
T. Batóg: Seweryna Luszczewska-Romahnowa – Logic and Philosophy of Science. In: Polish Philosophers of Science and Nature in the 20th Century. (Ed. by Wladyslaw Krajewski) Amsterdam-Atlanta 2000
Lykon
Lykon aus Troas
Lykon aus Troas war 270 – 226 v. u. Z. Nachfolger seines Lehrers Straton als Haupt der peripatetischen Schule. Er arbeitete vornehmlich als Kommentator des Aristoteles.