Das Lied des alten Kängurumannes

Das Lied des alten Kängurumannes

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Känguru war nicht immer so, wie wir ihn kennen, sondern ein ganz anderes Tier mit vier kurzen Beinen. Er war grau und wollig, und sein Stolz war beträchtlich: er tanzte auf einem Gesteinsaufschluß mitten in Australien und ging zu dem Kleinen Gott Nqa.

Vor dem Frühstück, um sechs, ging er zu Nqa und sagte: »Mach mich einzigartig unter allen Tieren, bis heute nachmittag um Fünf.«

Auf sprang Nqa von seinem Sitz in einer Sandgrube und schrie: »Geh weg!«

Er war grau, und er war wollig, und sein Stolz war beträchtlich: er tanzte auf einer Felsenklippe mitten in Australien und ging zu dem Mittleren Gott Nquing.

Nach dem Frühstück, um acht, ging er zu Nquing und sagte: »Mach mich einzigartig unter allen Tieren; und mach mich auch wunderbar berühmt, und zwar bis heute nachmittag um Fünf.«

Auf sprang Nqiung aus seiner Burg im Spinifex und schrie: »Geh weg!«

Er war grau, und er war wollig, und sein Stolz war beträchtlich: er tanzte auf einer Sandbank mitten in Australien und ging zu dem Großen Gott Nquong.

Vor dem Mittagessen, um Zehn, ging er zu Nquong und sagte: »Mach mich einzigartig unter allen Tieren; und mach mich wunderbar heiß begehrt, und zwar bis heute Nachmittag um Fünf.«

Auf sprang Nquong aus seinem Bad in einer Salzpfanne und schrie: »Ja, mach’ ich!«

Nquong rief Dingo – Gelber Hund Dingo – immer hungrig, staubig im Sonnenschein, und zeigte ihm Känguru. Nquong sagte: »Dingo! Wach auf, Dingo! Siehst du den vornehmen Herrn, der da auf einem Aschenloch tanzt? Er will berühmt und heiß begehrt sein. Dingo, tu das für ihn!«

Auf sprang Dingo – Gelber Hund Dingo – und sagte: »Was, dieses Katzen-Kaninchen?«

Los rannte Dingo – Gelber Hund Dingo – immer hungrig, grinsend wie eine Kohlenschütte, – rannte Känguru hinterher.

Los rannte das stolze Känguru auf seinen vier Beinen, wie ein Kaninchen.

Damit, o meine Geliebte, endet der erste Teil der Geschichte!

Er rannte durch die Wüste; er rannte durch die Berge; er rannte durch die Salzpfannen, er rannte durch die Riedbänke; er rannte durch die blauen Gummibäume; er rannte durch den Spinifex; er rannte, bis seine Vorderfüße weh taten.

Er mußte!

Immer noch rannte Dingo – Gelber Hund Dingo – immer hungrig, grinsend wie eine Rattenfalle, kam nicht näher, blieb nicht zurück, – rannte Känguru nach.

Er mußte!

Immer noch rannte Känguru – Alter Kängurumann. Er rannte durch die Ti-Bäume; er rannte durch den Mulgafarn; er rannte durch das lange Gras; er rannte durch das kurze Gras; er rannte durch die Wendekreise des Steinbocks und des Krebses; er rannte, bis seine Hinterfüße weh taten.

Er mußte!

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Das ist ein Bild vom alten Kängurumann, als er noch ein Anderes Tier mit vier kurzen Beinen war. Ich habe ihn groß und wollig gezeichnet, und du kannst sehen, wie stolz er ist, weil er einen Blumenkranz im Haar hat. Er tanzt auf einem Gesteinsaufschluß (das ist ein Stück Fels) mitten in Australien um sechs Uhr vor dem Frühstück. Du kannst sehen, dass es sechs Uhr ist, weil die Sonne gerade aufgeht. Das Ding mit den Ohren und dem offenen Mund ist der Kleine Gott Nqa. Nqa ist sehr erstaunt, weil er noch nie ein Känguru so tanzen gesehen hat. Der Kleine Gott Nqa sagt gerade: ›Geh weg‹, aber der Kängurumann ist so in den Tanz vertieft, dass er ihn noch nicht gehört hat.

Der Kängurumann hat keinen richtigen Namen. Er hat ihn verloren, weil er so stolz war.

Immer noch rannte Dingo – Gelber Hund Dingo – hungriger und hungriger, grinsend wie ein Pferdegeschirr, kam nicht näher, blieb nicht zurück; und sie kamen zum Wollgong-Fluß.

Nun gab es da keine Brücke, und es gab keine Fähre, und Känguru wußte nicht, wie er rüberkommen sollte; also stellte er sich auf seine Beine und hüpfte.

Er mußte!

Er hüpfte durch die Kacke; er hüpfte durch die Schlacke; er hüpfte durch die Wüsten mitten in Australien. Er hüpfte wie ein Känguru.

Zuerst hüpfte er einen Meter; dann hüpfte er drei Meter; dann hüpfte er fünf Meter; seine Beine wurden stärker; seien Beine wurden länger. Er hatte keine Zeit für eine Rast oder eine Erfrischung, aber er hatte große Sehnsucht danach.

Immer noch rannte Dingo – Gelber Hund Dingo – sehr verwundert, sehr hungrig, und fragte sich, was in aller Welt oder in allen Himmeln Alten Kängurumann zum Hopsen gebracht hatte.

Denn er hüpfte wie ein Grashüpfer; wie eine Erbse in der Saucenpfanne; oder wie ein neuer Gummiball im Kinderzimmer.

Er mußte!

Er zog seine Vorderbeine an; er hüpfte auf seinen Hinterbeinen; er streckte als Gegengewicht seinen Schwanz nach hinten – und er hüpfte durch die Darling-Hügel.

Er mußte!

Immer noch rannte Dingo – Müder Hund Dingo – hungriger und hungriger, sehr verwundert, und fragte sich, wann in aller Welt oder in allen Himmeln Alter Kängurumann stehen bleiben würde.

Da kam Nquong aus seinem Bad in den Salzpfannen und sagte: » Es ist Fünf Uhr.«

Hin setzte sich Dingo – Armer Hund Dingo – immer hungrig, finster im Sonnenschein; hängte seine Zunge heraus und heulte.

Hin setzte sich Känguru – Alter Kängurumann – streckte seinen Schwanz wie einen Melkschemel hinter sich und sagte: »Gott sei Dank ist das vorbei!«

Dann sagte Nquong, der immer ein vornehmer Herr ist: »Warum bist du dem Gelben Hund Dingo nicht dankbar? Warum dankst du ihm nicht für das, was er für dich getan hat?«

Dann sagte Känguru – Müdes Altes Känguru – »Er hat mich aus dem Heim meiner Kindheit verjagt; er hat mir durch sein Gehetze meine regelmäßigen Mahlzeiten verdorben; er hat meine Gestalt so verändert, dass ich sie niemals zurückerlangen werde; und er hat mit meinen Beinen Kratze gespielt.«

Dann sagte Nquong: »Vielleicht irre ich mich, aber hast du mich nicht gebeten, dich anders als alle anderen Tiere zu machen, sowie auch, dich wirklich begehrenswert zu machen? Und jetzt ist es Fünf Uhr.«

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Dieses Bild zeigt den Alten Kängurumann um fünf Uhr nachmittags, als er seine schönen Hinterbeine bekommen hatte, genau wie der Große Gott Nquong es versprochen hatte. Du kannst sehen, dass es fünf Uhr ist, weil die zahme Hausuhr des Großen Gottes Nquong es anzeigt. Das ist Nquong in seinem Bad, er streckt die Füße heraus. Alter Mann Känguru ist frech zu Gelbem Hund Dingo. Gelber Hund Dingo hat quer durch ganz Australien versucht, Känguru zu fangen. Du siehst, wie die Abdrücke von Kängurus neuen großen Füßen weit bis über die kahlen Hügel laufen. Gelber Hund Dingo ist schwarz gezeichnet, weil ich diese Bilder nicht mit richtigen Farben aus dem Malkasten malen darf; außerdem ist Gelber Hund Dingo schrecklich schwarz und staubig geworden, als er durch die Kacke und die Schlacke rannte.

Die Namen der Blumen, die rund um Nquongs Bad wachsen, weiß ich nicht. Die beiden Dinge, die draußen in der Wüste hocken, sind die beiden anderen Götter, mit denen Känguru frühmorgens gesprochen hatte. Das Ding mit den Buchstaben drauf ist Kängurus Beutel. Er mußte einen Beutel haben, genau so wie er Beine haben mußte.

»Ja,« sagte Känguru. »Ich wünschte, ich hätte das nicht getan. Ich dachte, du würdest das mit Zaubersprüchen und Gesängen machen, aber dieses war ein übler Scherz.«

»Scherz!« sagte Nquong aus seinem Bad in den Blauen Gummibäumen. »Sag das noch einmal, und ich pfeife Dingo, dass er dir die Hinterbeine abläuft.«

»Nein,« sagte Känguru. »Ich bitte um Entschuldigung. Beine sind Beine, und du brauchst sie nicht mehr zu verändern, was mich betrifft. Ich wollte Euer Gnaden nur erklären, dass ich seit heute morgen nichts zu essen bekommen habe und wirklich sehr ausgehungert bin.«

»Ja,« sagte Dingo – Gelber Hund Dingo – »ich bin in eben derselben Lage. Ich habe ihn einzigartig unter allen Tieren gemacht; aber was kriege ich jetzt zum Abendbrot?«

Da sagte Nquong aus seinem Bad in der Salzpfanne: »Kommt morgen wieder, um mich das zu fragen, weil ich mich jetzt waschen werde.«

So saßen sie verlassen mitten in Australien, Alter Kängurumann und Gelber Hund Dingo, und jeder sagte: »Das ist deine Schuld!«

Dies ist das vollmundige Lied
von dem Rennen des Kängurumanns
In einem einzigen Spurt gerannt – einzigartiges Ereignis
Gestartet vom Großen Gott Nquong von Warrigaborrigarooma,
Alter Kängurumann zuerst – Gelber Dingohund hinterher

Känguru raste davon,
Seine Hinterbeine stampften wie Maschinenkolben
Raste vom Morgen bis zum Dunkelwerden,
Machte fünfundzwanzig Fuß mit jedem Sprung
Gelber Dingohund lag zurück
Wie eine gelbe Wolke in der Ferne-
Viel zu beschäftigt, um zu bellen.
Meine Güte! Kamen die weit herum!

Niemand weiß, wo sie waren,
Oder folgte ihnen auf der Spur,
Denn der Kontinent
Hatte noch keinen Namen bekommen
Sie rannten über dreißig Grad,
Von der Torresstraße bis zum Kap Leeuwin
(Schau bitte im Atlas nach),
Und sie rannten denselben Weg zurück.

Stell dir vor, du könntest
Von Adelaide zum Pazifik trotten
An einem Nachmittag
Das ist die Hälfte nur von dem,
Was diese Sportler schafften
Dir wäre ziemlich heiß
Doch deine Beine würden sich kolossal entwickeln-
Ja, mein aufdringlicher Sohn,
Du wärest ein Fabelhaftes Kind!

Wie das Kamel zu seinem Höcker kam

Wie das Kamel zu seinem Höcker kam

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Das ist nun die nächste Geschichte, und sie erzählt, wie das Kamel seinen großen Höcker bekam.

Am Anfang der Zeit, als die Welt noch ganz neu war und alles, und die Tiere eben erst begannen, für den Menschen zu arbeiten, war da ein Kamel, und das lebte mitten in der Heulenden Wüste, weil es nicht arbeiten wollte; und nebenbei war es selbst auch ein Heuler. Also war es höchst unerträglich untätig und fraß Zweige und Dornen und Tamarisken und Wolfsmilch und Stacheln; und wenn irgendjemand es ansprach, sagte es »Höm!« Nur »Höm! Und weiter nichts.

Jetzt kam das Pferd am Montag morgen zu ihm, mit dem Sattel auf dem Rücken und einer Trense im Maul und sagte, »Kamel, Kamel, komm raus und trabe wie wir alle.«

»Höm!« sagte das Kamel; und das Pferd lief davon und erzählte es dem Menschen.

Jetzt kam der Hund zu ihm, mit einem Stöckchen im Maul, und sagte, »Kamel, o Kamel, komm und schleppe und trage wie wir alle.«

»Höm!« sagte das Kamel; und der Hund lief davon und erzählte es dem Menschen.

Jetzt kam der Ochse mit dem Joch auf dem Nacken zu ihm und sagte »Kamel, o Kamel, komm und pflüge wie wir alle.«

»Höm!« sagte das Kamel; und der Ochse lief davon und erzählte es dem Menschen.

Am Ende des Tages rief der Mensch das Pferd und den Hund und den Ochsen zusammen und sagte, »Drei, o Drei, ich habe sehr großes Mitleid mit euch (wo die Welt so neu ist und alles); aber das Höm-Ding in der Wüste kann nicht arbeiten, sonst wäre es jetzt hier, also werde ich es in Ruhe lassen, und ihr müßt doppelt arbeiten, um das auszugleichen.«

Das machte die Drei sehr wütend (wo die Welt so neu war und alles), und sie hielten ein Palaver, und ein Indaba, und ein Panchayet, und ein Pau-Wau am Rande der Wüste; und das Kamel kam, höchst unerträglich untätig, Wolfsmilch kauend, und lachte sie aus. Dann sagte es »Höm!« und ging wieder davon.

Jetzt kam der Dschinn Aller Wüsten in einer Wolke von Staub heran gerollt (Dschinns reisen immer so, weil es Magie ist), und er hielt an, um mit den Dreien zu palavern und zu pau-wauen.

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Das ist das Bild von dem Dschinn, wie er mit der Magie anfängt, die dem Kamel den Höcker brachte. Zuerst zog er mit dem Finger eine Linie in die Luft, die fest wurde; dann machte er eine Wolke und danach ein Ei –- du kannst beides unten auf dem Bild sehen –- und dann wurde das zu einem magischen Kürbis, der sich in eine große weiße Flamme verwandelte. Dann nahm der Dschinn seinen magischen Fächer und fachte die Flamme an, bis sie sich selber in Magie verwandelte. Es war eigentlich gute und sehr freundliche Magie, obwohl sie dem Kamel den Höcker geben mußte, weil das Kamel faul war. Der Dschinn Aller Wüsten war einer der nettesten Dschinns, deshalb tat er niemals etwas wirklich Unfreundliches.

»Dschinn Aller Wüsten,« sagte das Pferd, »darf irgendwer so untätig sein, wo die Welt so neu ist und alles?«

»Sicherlich nicht,« sagte der Dschinn.

»Nun,« sagte das Pferd, »da ist ein Ding mitten in deiner Heulenden Wüste (und es ist selbst ein Heuler) mit einem langen Hals und langen Beinen, und das hat seit Montagmorgen keinen Schlag Arbeit getan. Es will nicht traben.«

»Hui!« sagte der Dschinn und pfiff, »das ist mein Kamel, bei allem Gold von Arabien! Was sagt es dazu?«

»Es sagt ›Höm!‹ sagte der Hund; »und es will weder schleppen noch tragen.«

»Sagt es noch irgend etwas anderes?«

»Nur ›Höm!‹; und es will nicht pflügen,« sagte der Ochse.

»Sehr gut,« sagte der Dschinn. »Ich werde ihm das Höm schon zeigen, wenn ihr bitte einen Moment warten möchtet.«

Der Dschinn wickelte sich in seinen Staubmantel und flog über die Wüste, und fand das Kamel, höchst unerträglich untätig, wie es sein Spiegelbild in einem Wasserloch betrachtete.

»Mein langer und blubbernder Freund,« sagte der Dschinn, »was höre ich da, dass du nicht arbeitest, wo die Welt so neu ist und alles?«

»Höm!« sagte das Kamel.

Der Dschinn setzte sich hin, stützte das Kinn in die Hand und begann, eine Große Magie auszudenken, während das Kamel sein eigenes Spiegelbild in dem Wasserloch betrachtete.

»Du hast den Dreien seit Montagmorgen zusätzliche Arbeit beschert, alles wegen deiner unerträglichen Untätigkeit,« sagte der Dschinn; und er fuhr fort, Magie auszudenken, mit dem Kinn in der Hand.

»Höm!« sagte das Kamel.

»An deiner Stelle würde ich das nicht noch einmal sagen,« sagte der Dschinn; »du könntest es einmal zu viel sagen. Blubberer, ich will, dass du arbeitest.«

Und das Kamel sagte wieder »Höm!«; aber kaum hatte es das gesagt, als es seinen Rücken, auf den es sehr stolz war, anschwellen sah, zu einem großen, dicken, schwabbelnden Höcker anschwellen.

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Dies ist das Bild von dem Dschinn aller Wüsten, wie er mit seinem magischen Fächer die Magie entfacht. Das Kamel frißt einen Akazienzweig, und hat soeben einmal zu oft »Höm!« gesagt (der Dschinn hatte es ihm schon angekündigt), und deshalb kommt der Höcker. Das große handtuchähnliche Ding, das wie eine Zwiebel aus dem Ding wächst, ist die Magie, und man kann schon den Höcker obendrauf sehen. Der Höcker paßt auf die flache Stelle auf dem Rücken des Kamels. Das Kamel ist zu sehr damit beschäftigt, seine eigene Schönheit in dem Wasserspiegel zu betrachten, um zu bemerken, was ihm passiert.

Unter dem eigentlichen Bild ist ein Bild von der Welt-wie-sie-ganz-neu-war-und-alles. Es sind zwei rauchende Vulkane darauf, ein paar andere Berge und ein paar Steine und eine schwarze Insel und ein gewundener Fluß und eine Menge anderer Sachen, außerdem eine Arche Noah. Ich konnte nicht alle Wüsten zeichnen, für die der Dschinn verantwortlich war, also habe ich nur eine gezeichnet, aber das ist eine sehr wüste Wüste.

»Siehst du das?« sagte der Dschinn. »Das ist dein eigenes Höm, das du durch deine Verweigerung der Arbeit auf dich herab gebracht hast. Heute ist Donnerstag, und du hast keine Arbeit getan seit dem Montag, als die Arbeit anfing. Jetzt wirst du arbeiten.«

»Wie kann ich das,« sagte das Kamel, »mit diesem Höm auf meinem Rücken?«

»Das ist mit Absicht so gemacht,« sagte der Dschinn, »weil du die ersten drei Tage versäumt hast. Jetzt wirst du drei Tage lang ohne zu essen arbeiten können, weil du von deinem Höm leben kannst; und sage nie, dass ich nichts für dich getan hätte. Verlasse die Wüste und geh zu den Dreien, und benimm dich. Höm dich!«

Und das Kamel hömte sich, mit Höm und allem, und ging fort, um sich den Dreien anzuschließen. Und seit diesem Tage trägt das Kamel immer einen Höm (wir sagen jetzt »Höcker« dazu, um seine Gefühle nicht zu verletzen); aber es hat noch immer nicht die drei Tage aufgeholt, die es seit dem Anfang der Welt versäumt hat, und es hat noch immer nicht gelernt, sich zu benehmen.

Der Höm des Kamels ist ein häßlicher Klump
das sieht man ganz deutlich im Zoo
doch sehr viel häßlicher noch ist der Höm
der von Trägheit und Abhängen kommt.

Kinder und Große wie du-uu-uu,
mit etwas zu wenig zu tu-uu-un,
Kriegen den Höm,
kameelischen Höm,
den Höm, der trüb ist und grau-uu.

Aus dem Bett klettern wir mit krauslichem Kopf
Und mit Ächzen und Krächzen im Rachen,
Wir frösteln und blinzeln und grunzen verstopft
Beim Anblick von Bad, Schuh’n und Sachen.

Ich möchte mich gerne im Winkel vergraben
(Jawohl, und du solltest auch einen haben)
Krieg‘ ich den Höm-
Kameelischen Höm-
Den Höm, der trüb ist und grau.

Da hilft es nur, nicht herumzuhocken,
Nicht mit ’nem Buch am Kamin zusammenzusacken;
Man ergreife stattdessen Schaufel und Hacken
Und grabe, bis man schwitzt über alle vier Backen;

Und dann wirst du sehen, dass Sonne und Wind
Gemeinsam mit dem Gartendschinn
Wegpusten den Höm-
Den gräßlichen Höm-
Den Höm, der trüb ist und grau.

Ich krieg ihn genauso wie duuuuu-
Wenn ich manchmal zu wenig tu-uuuuu-
Wir kriegen alle den Höm-
Kamelischen Höm-
Kinder und Große au–uu-uuch!

Wie der erste Brief geschrieben wurde

Wie der erste Brief geschrieben wurde

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Es war einmal vor langerlanger Zeit ein Neu-Steinzeitmann. Er war kein Jütländer oder Angelsachse, oder sogar Drawide, was er gut hätte sein können, Meistgeliebte, aber frag‘ nicht warum. Er war ein Primitiver, und er lebte kuschelig in einer Höhle, und er trug sehr wenig Kleidung, und er konnte nicht lesen und nicht schreiben und wollte das auch gar nicht, und außer, wenn er hungrig war, war er ganz glücklich. Sein Name war Tegumai Bopsulai, und das bedeutet: ›Mann-der-seinen-Fuß-nicht-eilig-vorwärts-setzt‹; aber wir, o Meistgeliebte, werden ihn einfach Tegumai nennen. Und seine Frau hieß Teshumai Tewindrow, und das bedeutet: ›Dame-die-sehr-viele-Fragen-stellt‹; aber wir, o Meistgeliebte, werden sie einfach Teshumai nennen. Und der Name seiner kleinen Tochter war Taffimai Metallumai, und das bedeutet: ›Kleine-Person-ohne-Manieren-die-verhauen-gehört‹; aber ich werde sie Taffi nennen. Und sie war Tegumai Bopsulais Meistgeliebte und ihrer Mami Bestgeliebte, und sie bekam nicht halb so viel Haue, wie ihr gut getan hätte; und alle drei waren sie sehr glücklich. So bald Taffi umherlaufen konnte, ging sie mit ihrem Pappi Tegumai überall hin, und manchmal kamen sie nicht bevor sie sehr hungrig waren zur Höhle zurück, und dann sagte Teshumai Tewindrow: »Wo in aller Welt seid ihr zwei gewesen und habt euch so entsetzlich dreckig gemacht? Wirklich, mein Tegumai, du bist nicht besser als meine Taffi.«

Nun paß auf und hör zu!

Eines Tages ging Tegumai Bopsulai durch den Biber-Sumpf zum Wagai-Fluß, um Karpfen zum Abendbrot zu speeren, und Taffi ging mit. Tegumais Speer war aus Holz, mit Haifischzähnen an der Spitze, und bevor er auch nur einen Fisch erwischt hatte, hatte er ihn sauber abgebrochen, als er ihn zu fest auf den Grund des Flusses stach. Sie waren meilenweit von zu Hause weg (natürlich hatten sie sich in einer kleinen Tasche etwas zu Essen mitgenommen), und Tegumai hatte nicht daran gedacht, ein paar Ersatzspeere mitzunehmen.

»Das ist ja eine schöne Bescherung!« sagte Tegumai. »Ich werde den halben Tag brauchen, um das zu reparieren.«

»Du hast doch noch den schwarzen Speer zu Hause,« sagte Taffi. »Laß mich zur Höhle zurück laufen und Mami bitten, dass sie ihn mir gibt!«

»Das ist zu weit für deine kleinen dicken Beine,« sagte Tegumai. »Außerdem könntest du in den Biber-Sumpf fallen und ertrinken. Wir müssen einfach das Beste draus machen.« Er setzte sich hin und nahm seinen kleinen ledernen Werkzeugbeutel heraus, der voller Rentiersehnen und Lederstreifen und Klumpen von Bienenwachs und Harz war, und fing an, den Speer zu reparieren.

Taffi setzte sich auch hin, ließ die Zehen ins Wasser hängen und stützte das Kinn in die Hand und dachte sehr stark nach. Dann sagte sie – »ich meine, Pappi, dass es ein ekelhafter Mist ist, dass du und ich nicht schreiben können, nicht wahr? Wenn wir es könnten, könnten wir eine Botschaft schicken und einen neuen Speer bestellen.«

»Taffi,« sagte Tegumai, »wie oft habe ich dir gesagt, dass du vernünftig sprechen sollst? ›Ekelhafter Mist‹ ist kein schöner Ausdruck, aber, wo du es gerade erwähnst, es könnte Vorteile haben, wenn wir nach Hause schreiben könnten.«

In dem Moment kam ein fremder Mann den Fluß entlang, aber der gehörte zu einem weit entfernten Stamm, den Tewaras, und er verstand nicht ein einziges Wort von Tegumais Sprache. Er stand am Ufer und lächelte Taffi an, weil er auch eine kleine Tochter zu Hause hatte. Tegumai zog einen Streifen Hirschsehen aus seinem Werkzeugbeutel und fing an, den Speer zu reparieren.

»Komm her,« sagte Taffi. »Weißt du, wo Mami wohnt?« Und der fremde Mann sagte »Um!«, weil er, wie du weißt, ein Tewara war.

»Dumm!« sagte Taffi. Und stampfte mit dem Fuß auf, weil sie einen Schwarm sehr großer Karpfen den Fluß hinaufziehen sah, gerade jetzt, wo ihr Pappi seinen Speer nicht benutzen konnte.

»Belästige keine Erwachsenen,« sagte Tegumai, so mit seiner Speerreparatur beschäftigt, dass er sich nicht einmal umdrehte.

»Tu ich doch gar nicht,« sagte Taffi. »Ich will nur, dass er tut, was ich will, und er versteht nichts.«

»Dann belästige mich nicht,« sagte Tegumai, und fuhr mit seinem Ziehen und Zerren an den Hirschsehnen fort, den Mund voller loser Enden. Der fremde Mann – ein echter Tewara war das – setzte sich ins Gras, und Taffi zeigte ihm, was ihr Pappi machte. Der fremde Mann dachte: ›Dieses ist ein sehr wundervolles Kind. Sie stampft mit dem Fuß vor mir auf und schneidet Gesichter. Sie muß die Tochter des edlen Häuptlings sein, der so bedeutend ist, dass er mich nicht einmal bemerkt.‹ Also lächelte er noch höflicher als zuvor.

»Also,« sagte Taffi, »ich möchte gerne, dass du zu meiner Mami gehst, weil deine Beine länger sind als meine, und weil du nicht in den Biber-Sumpf fallen wirst, und um Pappis anderen Speer bittest – den mit dem schwarzen Handgriff, der über unserer Feuerstelle hängt.«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) dachte, »Dieses ist ein sehr, sehr wundervolles Kind. Sie schwenkt die Arme und schreit mich an, aber ich verstehe nicht ein Wort, das sie sagt. Aber wenn ich nicht tue, was sie will, fürchte ich sehr, dass dieser stolze Häuptling, Mann-der-Besuchern-den-Rücken-kehrt, wütend wird.« Er stand auf, drehte ein großes Stück Rinde von einer Birke ab und gab das Taffi. Er tat das, Meistgeliebte, um zu zeigen, dass sein Herz so weiß war wie die Birkenrinde, und dass er nichts Böses im Schilde führte; aber Taffi verstand es nicht ganz richtig.

»Oh!« sagte sie. »Jetzt verstehe ich! Du willst Mamis Adresse haben? Natürlich kann ich nicht schreiben, aber ich kann Bilder malen, wenn ich etwas Spitzes zum Kratzen finde. Bitte leih mir den Haifischzahn von deiner Halskette.«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) sagte nichts, also streckte Taffi ihre kleine Hand aus und zog an der schönen Perlen-, Samen- und Haifischzahnkette, die er um den Hals trug.

Der fremde Mann (der ein Tewara war) dachte, ›Dieses ist ein sehr, sehr, sehr wundervolles Kind. Der Haifischzahn an meinem Hals ist ein magischer Haifischzahn, und man hat mir immer gesagt, dass jeder, der ihn ohne meine Erlaubnis berührt, unverzüglich anschwellen und zerplatzen würde, aber dieses Kind schwillt nicht an und zerplatzt nicht, und der bedeutende Häuptling, Mann-der-sich-nur-um-seine-Arbeit-kümmert, der mich immer noch nicht bemerkt hat, scheint keine Angst zu haben, dass sie anschwillt oder zerplatzt. Ich werde besser noch höflicher sein.‹

Also gab er Taffi seinen Haifischzahn, und sie legte sich flach auf den Bauch, die Beine in der Luft, wie manche Leute, wenn sie auf dem Wohnzimmerfußboden Bilder malen wollen, und sie sagte: »Jetzt werde ich dir ein paar schöne Bilder malen! Du kannst mir über die Schulter sehen, aber du darfst nicht wackeln. Zuerst male ich Pappi beim Fischen. Es sieht ihm nicht sehr ähnlich; aber Mami wird ihn erkennen, weil ich seinen Speer ganz zerbrochen gemalt habe. Gut, jetzt male ich den anderen Speer, den er braucht, den Speer mit dem schwarzen Griff. Es sieht aus, als ob er in Pappis Rücken steckte, aber das kommt nur, weil der Haifischzahn abgerutscht und dieses Rindenstück nicht groß genug ist. Das ist der Speer, den du holen sollst; also male ich jetzt noch ein Bild von mir, wie ich es dir erkläre. Meine Haare stehen nicht so hoch, wie ich es gemalt habe, aber so kann ich es besser malen. Jetzt male ich dich. Ich weiß, dass du in Wirklichkeit sehr nett bist, aber ich kann dich auf dem Bild nicht nett malen, also darfst du nicht beleidigt sein. Bist du beleidigt?«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) lächelte. Er dachte: »Es muß irgendwo eine große Schlacht geplant sein, und dieses außergewöhnliche Kind, die meinen magischen Zahn nimmt, aber weder anschwillt noch zerplatzt, befiehlt mir, alle großen Stammeshäuptlinge zusammenzurufen, damit sie ihm helfen. Er ist ein großer Häuptling, sonst hätte er mich bemerkt.«

»Schau,« sagte Taffi und zeichnete sehr angestrengt und kratzig, »jetzt habe ich dich gemalt, mit dem Speer, den Pappi haben möchte, in der Hand, um dich zu erinnern, dass du ihn hierher bringen mußt. Jetzt zeige ich dir, wie du Mamis Wohnung findest. Du gehst da lang, bis du zu zwei Bäumen kommst (das da sind Bäume) und dann gehst du über einen Hügel (das ist ein Hügel) und dann kommst du zu einem Bibersumpf voller Biber. Ich habe nicht die ganzen Biber reingemalt, weil ich keine Biber malen kann, aber ich habe ihre Köpfe gemalt, und mehr wirst du sowieso nicht von ihnen sehen, wenn du durch den Sumpf gehst. Paß auf, dass du nicht reinfällst! Dann ist unsere Höhle direkt hinter dem Bibersumpf. Sie ist nicht wirklich so hoch wie die Hügel, aber ich kann nicht so klein malen. Da draußen ist meine Mami. Sie ist schön. Sie ist die allerschönste Mami auf der Welt, aber sie wird nicht beleidigt sein, wenn sie sieht, dass ich sie so einfach gemalt habe. Sie wird sich freuen, weil ich malen kann. Also, falls du es vergißt, habe ich den Speer, den Pappi haben möchte, außen vor unsere Höhle gemalt. Eigentlich ist er drinnen, aber wenn du meiner Mami das Bild zeigst, wird sie ihn dir geben. Ich habe sie mit Händen hoch gemalt, weil ich weiß, sie freut sich, wenn sie dich sieht. Ist das nicht ein schönes Bild? Und verstehst du auch alles, oder soll ich es noch mal erklären?«

Der fremde Mann (der ein Tewara war) schaute das Bild an und nickte sehr kräftig. Er dachte bei sich: ›Wenn ich den Stamm dieses großen Häuptlings nicht herbeihole, um ihm zu helfen, wird er von seinen Feinden erschlagen werden, die von allen Seiten mit Speeren auf ihn zu kommen. Jetzt verstehe ich, warum der große Häuptling so getan hat, als bemerke er mich nicht! Er befürchtete, dass seine Feinde sich in den Büschen verstecken und ihn sehen könnten. Darum wendete er mir den Rücken zu und ließ dieses weise und wundervolle Kind das Bild malen, das mir seine Schwierigkeiten zeigt. Ich will los und bei seinem Stamm Hilfe für ihn holen.‹ Er fragte Taffi nicht einmal nach dem Weg, sondern raste wie der Wind los durch die Büsche, mit der Birkenrinde in der Hand, und Taffi, höchst zufrieden, setzte sich hin.

Und hier ist das Bild, das Taffi ihm malte!

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»Was hast du gemacht, Taffi?« sagte Tegumai. Er hatte den Speer repariert und schwenkte ihn vorsichtig hin und her.

»Ich habe ein bißchen was urganisiert, lieber Pappi,« sagte Taffi. »Wenn du mich nichts fragst, wirst du es gleich schon merken, und dann wirst du überrascht sein. Du weißt nicht, wie du überrascht sein wirst, Pappi! Versprich, dass du überrascht sein wirst.«

»Sehr gut,« sagte Tegumai und fing wieder an zu fischen.

Der fremde Mann – wußtest du, dass er ein Tewara war? – eilte mit dem Bild davon und rannte einige Meilen, bis er fast zufällig Teshumai Tewindrow am Eingang ihrer Höhle antraf, wie sie sich mit einigen anderen Neusteinzeitdamen unterhielt, die sie zu einer primitiven Mahlzeit eingeladen hatte. Taffi ähnelte Teshumai sehr, besonders in der oberen Gesichtshälfte und um die Augen herum, also lächelte der fremde Mann – immer ein reiner Tewara – höflich und überreichte Teshumai die Birkenrinde. Er war schnell gerannt, so dass er schnaufte, und seine Beine waren von Dornensträuchern zerkratzt, aber er versuchte trotzdem, höflich zu sein.

Sobald Teshumai das Bild sah, schrie sie wie sonstwas und stürzte sich auf den fremden Mann. Die anderen Neusteinzeitdamen schlugen ihn sofort nieder und setzten sich in einer Sechserreihe auf ihn, während Teshumai ihn an den Haaren zog.

»Es ist so offensichtlich wie die Nase im Gesicht dieses fremden Mannes,« sagte sie. »Er hat meinen Tegumai mit Speeren aufgespießt und meine arme Taffi so erschreckt, dass ihre Haare aufrecht stehen; und, damit nicht zufrieden, bringt er mir ein gräßliches Bild davon. Seht!« Sie zeigte das Bild allen Neusteinzeitdamen, die geduldig auf dem fremden Mann saßen. »Hier ist mein Tegumai mit gebrochenem Arm; hier ist ein Speer, der in seinem Rücken steckt; hier ist ein Mann mit wurfbereitem Speer; hier ist noch ein Mann, der einen Speer aus einer Höhle wirft, und hier ist eine ganze Bande« (das waren in Wirklichkeit Taffis Biber, aber sie sahen ziemlich wie Leute aus) die hinter Tegumai herankommen. Ist das nicht entsetzlich!«

»Höchst entsetzlich!« sagten die Neusteinzeitdamen, und sie schmierten dem fremden Mann Schlamm in die Haare (wovon er sehr überrascht war), und sie schlugen die Widerhallenden Stammestrommeln und riefen alle Häuptlinge von Tegumais Stamm zusammen, mit allen Hetmännern und Dolmännern, mit Negussen, Woons und Mullahs der Organisation, überdies die Kriegsherren, Schamanen, Jujumänner, Bonzen und alle, die dann beschlossen, dass sie der fremde Mann, bevor sie ihm den Kopf abhackten, sofort zum Fluß führen und ihnen zeigen sollte, wo er die arme Taffi versteckt hatte.

Inzwischen war der arme fremde Mann (obwohl er ein Tewara war) richtig verärgert. Sie hatten ihm ziemlich dicken Schlamm in die Haare geschmiert; sie hatten ihn auf knorrigen Kieseln rauf und runter gerollt; sie hatten in einer langen Reihe zu sechst auf ihm gesessen; sie hatten ihn herumgebufft und geknufft, bis er kaum noch atmen konnte; und obwohl er ihre Sprache nicht verstand, war er ziemlich sicher, dass die Namen, die die Neusteinzeitdamen ihm gegeben hatten, nicht damenhaft waren. Trotzdem sagte er nichts, bis der ganze Stamm von Tegumai versammelt war, und dann führte er sie zurück zum Ufer des Wagaiflusses, und da fanden sie Taffi, die Blumenkränze flocht, und Tegumai, der mit seinem reparierten Speer sorgfältig kleine Karpfen aufspießte.

»Toll, du warst aber schnell!« sagte Taffi. »Aber warum hast du so viele Leute mitgebracht? Lieber Pappi, da ist meine Überraschung. Bist du überrascht, Pappi?«

»Sehr,« sagte Tegumai; »aber damit ist das Fischen für heute erledigt. Auweh, der ganze liebe, freundliche, nette, saubere Stamm ist da, Taffi.«

Und so war es auch. Allen voran marschierte Teshumai Tewindrow mit den Neusteinzeitdamen, die den fremden Mann gut festhielten, dessen Haare voller Schlamm waren (obwohl er ein Tewara war). Hinter ihnen kamen der Oberhäuptling, der Vize-Häuptling, die Hilfs- und Assistenz-Häuptlinge (alle bis an die Schneidezähne bewaffnet), die Hetmänner und und Centurionen, Zugführer mit ihren Zügen, und Dolmänner mit ihren Divisionen; Woons, Negusse und Mullahs standen weiter hinten (aber auch bis an die Zähne bewaffnet). Hinter ihn der Stamm in hierarchischer Ordnung, angefangen bei Besitzern von vier Höhlen (eine für jede Jahreszeit) einer privaten Rentier-Rennstrecke und zwei Lachstreppen, über feudale Zinsbauern mit vorstehenden Zähnen und einem Anteil an einem halben Bärenfell im Winter, sieben Meter vom Feuer, bis hin zu adskribierten Leibeigenen, deren Erbteil aus der Anwartschaft auf einen ausgelutschten Markknochen bestand. (Sind das nicht schöne Wörter, Meistgeliebte?) Alle waren sie da, sprangen umher und lärmten, und sie verschreckten alle Fische im Umkreis von zwanzig Meilen, und Tegumai dankte ihnen in flüssiger neusteinzeitlicher Rede.

Dann rannte Teshumai Tewindrow hin und küsste und herzte Taffi sehr ausgiebig; aber der Oberhäuptling des Stammes von Tegumai ergriff Tegumai an den Federn in seinem Haarknoten und schüttelte ihn heftig.

»Erklären! Erklären! Erklären!« schrie Tegumais ganzer Stamm.

»Um’s Himmels willen!« sagte Tegumai. »Laß meinen Haarknoten los. Kann ein Mensch nicht mal seinen Karpfenspeer zerbrechen, ohne dass die ganze Landbevölkerung herbeigelaufen kommt? Ihr seid ein sehr distanzloses Volk.«

»Ich glaube nicht, dass ihr Pappis Speer mit dem schwarzen Griff überhaupt mitgebracht habt,« sagte Taffi. »Und was macht ihr da mit meinem netten fremden Mann?«

Sie bufften ihn zu zweit und zu dritt und zu zehnt, bis er die Augen verdrehte. Er konnte nur nach Luft schnappen und auf Taffi zeigen.

»Wo sind die bösen Leute, die dich mit dem Speer verletzt haben, Liebling?« sagte Teshumai Tewindrow.

»Solche Leute gab’s keine,« sagte Tegumai. »Mein einziger Besucher heute morgen war der arme Kerl, den ihr eben zu erwürgen versucht. Bist du nicht ganz gesund, oder bist du krank, o Stamm von Tegumai?«

»Er hat ein entsetzliches Bild gebracht,« sagte der Oberhäuptling, – »ein Bild, auf dem du voller Speere warst.«

»Äh-hm – v’leicht sollte ich erklären, dass ich ihm das Bild gegeben habe,« sagte Taffi, aber sie fühlte sich nicht ganz wohl dabei.

»Du!« sagte der ganze Stamm von Tegumai. »Kleine-Person-ohne-Manieren-die-verhauen-gehört! Du?«

»Taffi-liebes, ich fürchte, wir stecken ein bißchen in Schwierigkeiten,« sagte ihr Pappi und legte seinen Arm um sie, also machte es ihr nichts.

»Erklären! Erklären! Erklären!« sagte der Oberhäuptling des Stammes von Tegumai und hüpfte auf einem Fuß.

»Ich wollte, dass der fremde Mann Pappis Speer holen sollte, also habe ich ihn gemalt,« sagte Taffi. »Es waren gar nicht so viele Speere. Es war nur ein Speer. Ich habe ihn nur dreimal gemalt, um sicherzugehen. Ich konnte nichts dran ändern, dass es aussah, als ob er in Pappis Kopf steckte – es war nicht genug Platz auf der Birkenrinde; und das, was Mami böse Leute genannt hat, sind meine Biber. Ich habe sie gemalt, um ihm den Weg durch den Sumpf zu zeigen; und ich habe Mami am Höhleneingang gemalt, wie sie ihn freundlich anguckt, weil er ein netter fremder Mann ist, und ich glaube, ihr seid einfach die dümmsten Leute der Welt,« sagte Taffi. »Er ist ein sehr netter Mensch. Warum habt ihr ihm Schlamm in die Haare geschmiert? Wascht ihn!«

Lange Zeit sagte niemand etwas, bis der Oberhäuptling lachte; dann lachte der fremde Mann (der ein Tewara war); dann lachte Tegumai, bis er platt auf das Ufer fiel; dann lachte der ganze Stamm immer mehr und schlimmer und lauter. Die einzigen, die nicht lachten, waren Teshumai Tewindrow und ihre Neusteinzeitdamen. Sie waren alle immer höflich zu ihren Ehemännern und sagten sehr oft ‚Idiot’.

Dann rief und sagte und sang der Oberhäuptling des Stammes von Tegumai: »O Kleine-Person-ohne-Manieren-die-verhauen-gehört, du hast eine große Erfindung gemacht!«

»Das wollte ich nicht; ich wollte nur Pappis Speer mit dem schwarzen Griff,« sagte Taffi.

»Mach dir nichts draus. Es ist eine große Erfindung, und eines Tages werden die Menschen es ›Schreiben‹ nennen. Im Moment sind es nur Bilder, und, wie wir heute gesehen haben, werden Bilder nicht immer richtig verstanden. Aber es wird eine Zeit kommen, o Kind von Tegumai, da wir Buchstaben machen – alle sechsundzwanzig – und genauso gut lesen wie schreiben werden, und dann werden wir immer genau das sagen, was wir meinen, ohne jeden Fehler. Laßt die Neusteinzeitdamen den Schlamm aus dem Haar des Fremden waschen.«

»Das wird mich freuen,« sagte Taffi, »weil ihr schließlich, obwohl ihr jeden einzelnen anderen Speer aus dem Stamm von Tegumai mitbrachtet, Pappis Speer mit dem schwarzen Griff vergessen habt.«

Dann rief und sagte und sang der Oberhäuptling: »Liebe Taffi, das nächste Mal, wenn du einen Bilderbrief schreibst, schickst du besser einen Mann damit los, der unsere Sprache spricht, um zu erklären, was er bedeutet. Mit persönlich ist es egal, weil ich ein Oberhäuptling bin, aber es ist schlecht für den Rest des Stammes von Tegumai, und, wie du siehst, überrascht es den Fremden.«

Dann nahmen sie den fremden Mann (einen echten Tewara aus Tewar) in den Stamm von Tegumai auf, weil er ein feiner Mensch war und kein Theater machte wegen des Schlamms, den die Neusteinzeitdamen ihm ins Haar geschmiert hatten. Aber von jenem Tag bis heute (und das ist meiner Meinung nach alles Taffis Schuld), haben nur sehr wenige kleine Mädchen gerne Schreiben und Lesen gelernt. Die meisten ziehen es vor, Bilder zu malen und mit ihren Pappis zu spielen – genau wie Taffi.

Es blieb nur noch ein grüner Pfad
Vom alten Weg durchs Merrowtal –
Ein Stundenmarsch bis Guildford Stadt
Dem Flusse Wey gehört das Tal.

Hier regten alte Briten sich,
Sobald das Pferdeglöckchen klang
Neugierig auf Waren, wunderlich
Aus dunkelem Phönikerland.

Und irgendwo hier saß man nett
Mit Fremden im Gespräch und so –
Man tauschte Perlen gegen Jett
Und Zinn und hübsche Torcs und so.

Doch lang, sehr lang vor jener Zeit
(Als Bisons wanderten vorbei)
Da lebte Taffi hier im Tal
Mit ihrem Pappi Tegumai.

Dann gab es Biber dort am Bach
Auf ihrem Sumpf steht Bramley heut‘
Aus Shere kam Mancher, schaute nach
Wo Taffi war, ist Shamley heut‘.

Der Wey, von ihr Wagai genannt,
War seinerzeit sechsmal so groß;
Und nobel war der ganze Stamm,
Von Tegumai, ganz grandios!

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Hier ist die Geschichte von Taffimai Metallumai, wie sie vor langer Zeit von den Alten Völkern auf einen alten Stoßzahn geschnitzt wurde. Wenn du meine Geschichte liest oder dir vorlesen läßt, kannst du sehen, wie alles auf dem Stoßzahn beschrieben ist. Der Stoßzahn gehörte zu einer alten Stammestrompete, die dem Stamm von Tegumai gehörte. Die Bilder wurden mit einem Nagel oder so etwas hineingeritzt, und dann wurden die Ritze mit schwarzem Wachs ausgefüllt, aber die Trennlinien und die fünf kleinen Kreise am unteren Ende wurden mit rotem Wachs ausgefüllt. Als er noch neu war, hatte er eine Art Netz aus Perlen und Muschelschalen und Edelsteinen an einem Ende; aber das ist entzwei und verlorengegangen – alles außer dem kleinen bißchen, das du siehst. Die Buchstaben rund um den Stoßzahn waren Magie – Runenmagie – und wenn du sie lesen kannst, wirst du etwas ziemlich Neues herausfinden. Der Stoßzahn ist aus Elfenbein – sehr gelb und zerkratzt. Er ist zwei Fuß lang und zwei Fuß im Umfang und wiegt elf Pfund und neun Unzen.

Wie das Rhinozeros zu seiner Haut kam

Wie das Rhinozeros zu seiner Haut kam

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Es war einmal auf einer unbewohnten Insel an der Küste des Roten Meeres, da lebte ein Parse, von dessen Hut die Sonnenstrahlen in mehr als orientalischer Pracht reflektiert wurden. Und der Parse lebte am Roten Meer mit nichts als seinem Hut und seinem Messer und einem Kochherd von der Art, den man keinesfalls anfassen darf. Und eines Tages nahm er Mehl und Wasser und Korinthen und Pflaumen und Zucker und so weiter und machte sich einen Kuchen, der zwei Fuß breit und drei Fuß dick war. Es war wirklich ein Erlesenes Nahrungsmittel (das ist magisch), und er setzte ihn auf den Herd, weil er auf dem Herd kochen durfte, und er buk ihn und buk ihn bis er ganz fertig braun war und höchst sentimental duftete. Aber gerade, als er anfangen wollte, ihn zu essen, kam aus dem Gänzlich Unbewohnten Binnenland ein Rhinozeros zum Strand herunter, mit einem Horn auf der Nase, zwei Schweinsäuglein und wenig Manieren. In jenen Tagen paßte dem Rhinozeros seine Haut ganz genau. Es waren nirgendwo irgendwelche Falten darin. Es sah genau wie das Rhinozeros von der Arche Noah aus, aber natürlich viel größer. Jedenfalls hatte es damals keine Manieren, und es hat heute keine Manieren, und es wird nie Manieren haben. Es sagte „Hau!“ und der Parse ließ den Kuchen liegen und kletterte auf die Spitze eines Palmenbaums, mit nichts an als seinem Hut, von dem die Sonnenstrahlen in mehr als orientalischer Pracht reflektiert wurden. Und das Rhinozeros warf den Ölkocher mit seiner Nase um, und der Kuchen rollte in den Sand, und es spießte den Kuchen auf das Horn auf seiner Nase, und es fraß ihn und ging, wobei es mit dem Schwanz wedelte, in das verlassene und Gänzlich Unbewohnte Binnenland, welches an die Inseln Mazanderan, Socotra und die Vorgebirge des Grösseren Äquinoktiums angrenzt. Dann kam der Parse von seinem Baum herunter und stellte den Herd wieder auf die Beine und rezitierte folgendes Sloka, welches, weil du es noch nicht gehört hast, ich nun vortragen werde:-

Der, wer tut versuchen
des Parsenmanns Kuchen
wird fürchterlich fluchen.

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Dieses Bild zeigt, wie der Parse anfängt, an einem sehr heißen Tag auf der Unbewohnten Insel im Roten Meer seinen Kuchen zu essen; und von dem Rhinozeros, wie es aus dem Insgesamt Unbewohnten Binnenland herabkommt, welches, wie du wahrhaftig sehen kannst, völlig felsig ist.

Die Haut des Rhinozeros ist ziemlich glatt, und die drei Knöpfe, mit der sie zugeknöpft ist, sind unten drunter, deshalb kann man sie nicht sehen. Das Schillernde auf dem Hut des Parsen sind die Sonnenstrahlen, die in mehr als orientalischer Pracht reflektiert werden, denn wenn ich echte Strahlen gezeichnet hätte, würden sie das ganze Bild ausfüllen. In dem Kuchen sind Rosinen; und das Rad-Ding, das vorne im Sand liegt, gehörte zu einem der Streitwagen des Pharaohs, als er versuchte, das Rote Meer zu überqueren. Der Parse hat es gefunden und behalten, um damit zu spielen. Der Name des Parsen war Pestonji Bomonji, und das Rhinozeros wurde Strorks genannt, weil es durch den Mund atmete anstatt durch die Nase. Über den Kochherd würde ich an deiner Stelle keine Fragen stellen.

Aber das hatte viel mehr zu bedeuten, als du denkst.

Weil es vier Wochen später eine Hitzewelle am Roten Meer gab, und alle ihre sämtlichen Kleider auszogen. Der Parse nahm seinen Hut ab; aber das Rhinozeros zog seine Haut aus und trug sie über der Schulter, als es zum Strand herabkam, um zu baden. In jenen Tagen wurde sie am Bauch mit drei Knöpfen zugeknöpft und sah wie ein Regenmantel aus. Es sagte überhaupt nichts über den Kuchen des Parsen, weil es ihn ganz aufgefressen hatte; und es hatte überhaupt keine Manieren, weder damals, noch seitdem, noch künftig. Es watschelte geradewegs ins Wasser und blies Blasen aus der Nase, die Haut ließ es am Strand liegen.

Jetzt kam der Parse vorbei und fand die Haut und er lächelte ein Lächeln, das zweimal ganz um sein Gesicht herum lief. Dann tanzte er dreimal um die Haut herum und rieb sich die Hände. Dann ging er in sein Lager und füllte dort seinen Hut mit Kuchenkrümeln, denn der Parse aß nichts anderes als Kuchen und fegte nie sein Lager. Er nahm die Haut und schüttelte sie, und er schrubbte sie, und er füllte sie so voll mit alten, trockenen, abgestandenen, kitzligen Kuchenkrümeln und verbrannten Korinthen, wie nur hineingehen wollten. Dann kletterte er in den Wipfel seines Palmenbaums und wartete, dass das Rhinozeros aus dem Wasser käme und sie anzöge.

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Dieses Bild zeigt, wie der Parse anfängt, an einem sehr heißen Tag auf der Unbewohnten Insel im Roten Meer seinen Kuchen zu essen; und von dem Rhinozeros, wie es aus dem Insgesamt Unbewohnten Binnenland herabkommt, welches, wie du wahrhaftig sehen kannst, völlig felsig ist.

Die Haut des Rhinozeros ist ziemlich glatt, und die drei Knöpfe, mit der sie zugeknöpft ist, sind unten drunter, deshalb kann man sie nicht sehen. Das Schillernde auf dem Hut des Parsen sind die Sonnenstrahlen, die in mehr als orientalischer Pracht reflektiert werden, denn wenn ich echte Strahlen gezeichnet hätte, würden sie das ganze Bild ausfüllen. In dem Kuchen sind Rosinen; und das Rad-Ding, das vorne im Sand liegt, gehörte zu einem der Streitwagen des Pharaohs, als er versuchte, das Rote Meer zu überqueren. Der Parse hat es gefunden und behalten, um damit zu spielen. Der Name des Parsen war Pestonji Bomonji, und das Rhinozeros wurde Strorks genannt, weil es durch den Mund atmete anstatt durch die Nase. Über den Kochherd würde ich an deiner Stelle keine Fragen stellen.

Und das Rhinozeros tat das auch. Es knöpfte sie mit den drei Knöpfen zu, und das kitzelte wie Kuchenkrümel im Bett. Da wollte es sich kratzen, aber davon wurde es nur schlimmer; und dann legte es sich in den Sand und rollte und rollte und rollte herum, und bei jedem Rollen kitzelten die Kuchenkrümel schlimmer und schlimmer und schlimmer. Da rannte es zu dem Palmenbaum und rieb und rieb und rieb sich daran. Es rieb sich so sehr und so feste, dass es die Haut zu einer großen Falte über den Schultern verschob, und noch einer Falte unten, wo die Knöpfe waren (aber es rieb die Knöpfe ab), und es rieb sich noch ein paar Falten über den Beinen. Und damit verdarb es sich die Laune, machte aber nicht den geringsten Eindruck auf die Kuchenkrümel. Sie blieben unter der Haut und kitzelten.

Aber der Parse kam von seinem Palmenbaum herab, mit dem Hut auf dem Kopf, von dem die Sonnenstrahlen in mehr als orientalischer Pracht reflektiert wurden, packte seinen Kochherd zusammen und ging davon, Richtung Orotavo, Amygdala, Hochlandweiden von Anantarivo und Marschen von Sonaput.

Diese unbewohnte Insel
Liegt vor Kap Guardafui,
Bei den Stränden von Socotra,
Und dem rosa Meer von Arabie:
Aber heiß – zu heiß von Suez
darum können wir nicht buchen
bei P&O
oder so
und den Kuchen-Parsen besuchen!

Wie der Leopard zu seinen Flecken kam

Wie der Leopard zu seinen Flecken kam

Übersetzt von Erich Ferdinand

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In den Tagen, als alle glücklich anfingen, Meistgeliebter, lebte der Leopard in einer Gegend, die ›das Hohe Veldt‹ genannt wurde. Denk‘ dran, es war nicht das Tiefe Veldt oder das Buschveldt oder das Saure Veldt, sondern das gänzlich kahle, heiße, besonnte Hohe Veldt, wo es Sand gab und sandfarbene Felsen und nur Büschel von sandig-gelbem Gras. Da lebten die Giraffe und das Zebra und die Elenantilope und der Kudu und die Kuhantilope; und sie waren vollständig über und über sandgelb-bräunlich; aber der Leopard, der war der vollständig sandgelbst-bräunlichste von allen – eine Art grau-gelblich katzenförmiges Tier, das aufs Haar zu der vollständig gelblich-gräulich-bräunlichen Farbe des Hohen Veldts passte. Das war schlecht für die Giraffe und das Zebra und die Übrigen; denn er legte sich zu einem vollständig gelblich-gräulich-bräunlichen Stein oder Grasflecken, und wenn die Giraffe oder das Zebra oder die Elenantilope oder das Kudu oder der Buschbock oder der Bontebock vorüberkamen, schreckte er sie aus ihrem sprunghaften Leben. O ja, das tat er! Und außerdem gab es da noch einen Äthiopier mit Pfeil und Bogen (das war damals ein gänzlich gräulich-gelblich-bräunlicher Mann), der bei dem Leopard im Hohen Veldt lebte; und sie jagten zusammen – der Äthiopier mit seinem Pfeil-und-Bogen, und der Leopard ausschließlich mit seinen Zähnen und Krallen – bis die Giraffe und die Elenantilope und das Kudu und das Quagga und alle die Übrigen nicht mehr wußten, wohin sie noch springen sollten, Meistgeliebter. O nein, sie wußten es wirklich nicht mehr!

Nach langer Zeit – sie hatten alle ein langes Leben in diesen Zeiten – lernten sie, allem aus dem Weg zu gehen, was wie ein Leopard oder Äthiopier aussah; und Schritt für Schritt – die Giraffe zuerst, weil sie die längsten Beine hatte – verließen sie das hohe Veldt. Sie machten sich davon, tage- und tage- und tagelang, bis sie zu einem großen Wald kamen, vollständig voller Bäume und Büsche und streifiger, fleckiger, klecksiger Schatten, und da versteckten sie sich: und nach langer Zeit, weil sie halb im Schatten und halb in der Sonne standen, und wegen der flimmer-flackernden Schatten der Bäume, die auf sie fielen, wurde die Giraffe fleckig, und das Zebra streifig, und die Elenantilope und das Kudu wurden dunkler, mit kleinen welligen grauen Strichen auf dem Rücken, wie Rinde auf einem Baumstamm; so dass du sie, obwohl du sie hören und riechen konntest, nur selten sehen konntest, und das nur, wenn du genau wußtest, wo du nachschauen mußtest. Es ging ihnen wunderbar in den vollständig fleckig-streifigen Schatten des Waldes, während der Leopard und der Äthiopier im vollständig gräulich-gelblich-bräunlichen Hohen Veldt draußen herumrannten und sich wunderten, wo alle ihre Frühstücke und Mittagessen und Abendbrote geblieben waren. Schließlich waren sie so hungrig, dass sie Ratten und Käfer und Felskaninchen aßen, der Leopard und der Äthiopier, und dann hatten sie das Grosse Bauchweh, alle beide; und dann trafen sie Baviaan – den hundeköpfigen, bellenden Pavian, der das Wirklich Weiseste Tier in Ganz Süd-Afrika ist.

Sprach Leopard zum Pavian (und es war ein sehr heißer Tag)

»Wo ist das ganze Wild hingegangen?«

Und Baviaan zwinkerte. Er wußte es.

Sprach der Äthiopier, »Kannst du mir den derzeitigen Aufenthalt der eingeborenen Fauna benennen?« (Das bedeutete genau dasselbe, aber der Äthiopier benutzte immer so lange Wörter. Er war erwachsen.)

Und Baviaan zwinkerte. Er wußte es.

Dann sagte Baviaan, »Das Wild ist zu anderen Flecken gegangen; und mein Rat an dich, Leopard: gehe auch zu anderen Flecken, so bald du kannst.«

Und der Äthiopier sagte: »Das ist alles sehr schön, aber ich möchte wissen, wohin die eingeborene Fauna gewandert ist.«

Da sagte Baviaan, »Die eingeborene Fauna hat sich der eingeborenen Flora angeschlossen, weil es höchste Zeit für eine Veränderung war; und mein Ratschlag für dich, Äthiopier, ist, dass du dich verändern solltest, so bald du kannst.«

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Dies ist der weise Baviaan, der Hundskopfpavian, welcher Ziemlich Das Weiseste Tier in Ganz Südafrika ist. Ich habe ihn nach einer Statue gezeichnet, die ich mir in meinem eigenen Kopf ausgedacht habe, und auf seinen Gürtel und seine Schulter und auf das Ding, auf dem er sitzt, habe ich seinen Namen geschrieben. Ich habe es in Schriften geschrieben, die man heute Koptisch und Hieroglyphisch und Cuneiformisch und Bengalisch und Burmisch und Hebräisch nennt, weil er so weise ist. Er ist nicht schön, aber sehr weise; und ich würde ihn gerne mit Wasserfarben ausmalen, aber das darf ich nicht. Das regenschirmähnliche Ding um seinen Kopf ist seine gewöhnliche Mähne.

Das verwirrte den Leoparden und den Äthiopier, aber sie gingen los, um die eingeborene Flora zu suchen, und plötzlich, nach so-und-so-vielen Tagen, sahen sie einen großen, hohen, hochgewachsenen Wald voller Baumstämme, die alle vollständig gefleckt und verdeckt und verdreckt und bematscht und beklatscht und bekleckst und befleckt und kreuz-und-quer mit Schatten bedeckt waren. (Sag das mal schnell und laut, dann wirst du sehen, wie sehr schattig der Wald gewesen sein muß.)

»Was ist das,« sagte der Leopard, »was da so vollständig dunkel und doch so voller kleiner Lichtstückchen ist?«

»Ich weiß es nicht,« sagte der Äthiopier, »aber es muß die eingeborene Flora sein. Ich rieche Giraffe, und ich höre Giraffe, aber ich kann keine Giraffe sehen.«

»Das ist seltsam,« sagte der Leopard. »Ich nehme an, das kommt, weil wir gerade aus dem Sonnenschein gekommen sind. Ich rieche Zebra, und ich höre Zebra, aber ich kann kein Zebra sehen.«

»Warte mal,« sagte der Äthiopier. »es ist lange her, dass wir sie gejagt haben. Vielleicht haben wir vergessen, wie sie aussehen.«

»Quatsch!« sagte der Leopard. Ich weiß noch genau, wie sie auf dem Hohen Veldt waren, besonders die Markknochen. Giraffe ist ungefähr siebzehn Fuß hoch, und von Kopf bis Fuß vollständig rötlichocker-goldgelb; und Zebra ist ungefähr viereinhalb Fuß groß, vollständig grau-rehbraun gefärbt von Kopf bis Fuß.«

»Ähm,« sagte der Äthiopier und schaute in die fleckig-klecksigen Schatten des eingeborenen Flora-Waldes. »Dann sollten sie auf diesem dunklen Hintergrund auffallen wie reife Bananen im Räucherhaus.«

Das taten sie aber nicht. Der Leopard und der Äthiopier jagten den ganzen Tag; und obwohl sie sie riechen und hören konnten, sahen sie kein einziges von ihnen.

»Um Gottes Willen,« sagte der Leopard zur Abendbrotzeit, »laß uns warten bis es dunkel wird. Dieses Jagen bei Tageslicht ist absolut skandalös.«

So warteten sie die Dunkelheit ab, und da hörte der Leopard ein schnüffelndes Atmen in dem Sternenlicht, das ganz streifig durch die Zweige fiel, und es roch wie Zebra, es fühlte sich wie Zebra an, und als er es umwarf, trat es wie Zebra, aber er konnte es nicht sehen. Also sagte er, »Sei still, o Person ohne Form. Ich werde mich bis zum Morgen auf deinen Kopf setzen, weil du etwas an dir hast, was ich nicht verstehe.«

Gleichzeitig hörte er ein Grunzen und ein Krachen und ein Scharren, und der Äthiopier rief: »Ich habe ein Ding gefangen, das ich nicht sehen kann. Es riecht wie Giraffe, und es tritt wie Giraffe, aber es hat keine Form.«

»Trau‘ ihm nicht,« sagte der Leopard. »Setz dich bis zum Morgen auf seinen Kopf – so wie ich. Sie haben keine Form – keins von ihnen.«

So saßen sie auf ihnen, akkurat bis zur hellen Morgenzeit, und dann sagte der Leopard, »Was hast du an deinem Tischende, Bruder?«

Der Äthiopier kratzte sich am Kopf und sagte: »Es sollte vollständig zart gräulich-rehbraun sein, und es sollte Zebra sein; aber es ist über und über mit schwarzen und purpurnen Streifen bedeckt. Was in aller Welt hast du mit dir angestellt, Zebra? Weißt du nicht, dass ich dich auf dem Hohen Veldt aus zehn Meilen Entfernung sehen könnte? Du hast überhaupt keine Form.«

»Ja,« sagte das Zebra. »Aber hier ist nicht das Hohe Veldt. Kannst du das nicht sehen?«

»Jetzt kann ich’s,« sagte der Leopard. Aber gestern ging es überhaupt nicht. Wie macht man das?«

»Laßt uns aufstehen,« sagte das Zebra, »und wir zeigen es euch.«

Sie ließen das Zebra und die Giraffe aufstehen; und Zebra ging zu einem kleinen Dornbusch, wo das Sonnenlicht ganz streifig schien, und Giraffe

ging zu ein paar höheren Bäumen, wo die Schatten ganz fleckig waren.

»Jetzt paßt auf,« sagten das Zebra und die Giraffe. »So wird’s gemacht. Eins-zwei-drei! Und wo ist euer Frühstück?«

Leopard glotzte, und Äthiopier glotzte, aber alles was sie sahen, waren streifige Schatten und fleckige Schatten im Wald, aber keine Spur von Zebra und Giraffe. Die waren einfach weggegangen und hatten sich im schattigen Wald versteckt.

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Dies ist das Bild von dem Leoparden und dem Äthiopier, nachdem sie den Rat des Weisen Baviaan angenommen hatten und der Leopard zu anderen Flecken gegangen war und der Äthiopier seine Haut verändert hatte. Der Äthiopier war eigentlich ein Schwarzer, und sein Name war Sambo. Der Leopard hieß Spots, und so nennt man ihn in England immer noch. Sie jagen in dem fleckig-klecksigen Wald, und sie suchen Herrn Eins-zwei-drei-wo-ist-dein-Frühstück. Wenn du ein wenig suchst, wirst du Herrn Eins-zwei-drei finden, gar nicht weit weg. Der Äthiopier ist hinter einem gescheckten verdeckten Baum versteckt, weil der zu seiner Haut paßt, und der Leopard liegt neben einer fleckig-klecksigen Steinbank, weil die zu seinen Flecken paßt. Herr Eins-zwei-drei-wo-ist-dein-Frühstück steht da und frißt Blätter von einem hohen Baum. Das ist in Wirklichkeit ein Suchbild wie ›Wo ist die Katze?‹

»Hi! Hi!« sagte der Äthiopier. »Den Trick sollte man lernen. Nimm dir ein Beispiel, Leopard. Dich sieht man in diesem Dunkel wie ein Stück Seife im Kohlenkasten.«

»Ho!Ho!« sagte der Leopard. »Würde es dich sehr verwundern zu hören, dass du in dieser Dunkelheit auffällst wie ein Senfpflaster auf einem Kohlensack?«

»Gut – mit Beleidigungen fängt man kein Mittagessen,« sagte der Äthiopier. »Kurz und knapp gesagt: wir passen nicht zu unserem Hintergrund. Ich werde Baviaans Rat annehmen. Er sagte: ich sollte mich verändern; und da ich außer meiner Haut nichts habe, was ich verändern könnte, werde ich die ändern.«

»Wozu?« sagte der Leopard in fürchterlicher Aufregung.

»Zu einer nett aussehenden schwarz-bräunlichen Farbe, mit ein wenig Purpur darin und einer Spur schieferblau. Es wird das Optimale sein, um sich in Löchern und hinter Bäumen zu verstecken.«

So änderte er an Ort und Stelle seine Hautfarbe, und der Leopard wurde aufgeregter als je zuvor; er hatte noch niemals gesehen, dass ein Mensch seine Hautfarbe änderte.

»Aber was ist mit mir?« sagte er, als der Äthiopier seinen letzten kleinen Finger in die feine neue schwarze Haut verwandelt hatte.

»Du nimmst auch Baviaans Rat an. Er sagte: du solltest zu Flecken gehen.«

»Das habe ich doch getan,« sagte der Leopard. »Ich bin so schnell ich konnte zu neuen Flecken gegangen. Ich bin mit dir zu diesem Flecken gegangen, und das hat mir viel Gutes gebracht.«

»Oh,« sagte der Äthiopier. »Baviaan hat keine Flecken in Süd-Afrika gemeint. Er meinte Flecken auf deiner Haut.«

»Was soll das bringen?« sagte der Leopard.

»Denk an Giraffe,« sagte der Äthiopier. Oder, wenn du Streifen bevorzugst, denk an Zebra. Sie sind mit ihren Streifen und Flecken perfekt zufrieden.«

»Ähm,« sagte der Leopard. »Ich möchte nicht wie Zebra aussehen – niemals.«

»Gut, dann denk dir was aus,« sagte der Äthiopier. »weil ich es hassen würde, ohne dich jagen zu gehen, aber das muss ich wohl, wenn du darauf bestehst, wie ein Sonnenblume vor einem geteerten Zaun auszusehen.«

»Ich nehme dann also Flecken,« sagte der Leopard; »aber mach sie nicht so vulgär groß. Ich möchte nicht wie Giraffe aussehen – niemals.«

»Ich mache sie mit den Fingerspitzen,« sagte der Äthiopier. »Auf meiner Haut ist noch reichlich Schwarz übriggeblieben. Stell dich her!«

Dann preßte der Äthiopier seine fünf Finger fest zusammen (es war noch viel Schwarz auf seiner neuen Haut übrig) und drückte sie überall auf den Leoparden, und überall, wo seine fünf Finger hinkamen, machten sie fünf kleine schwarze Abdrücke, alle ganz eng zusammen. Du kannst sie auf jedem beliebigen Leopardenfell sehen, Meistgeliebter. An eingen Stellen rutschten die Finger, und die Abdrücke wurden etwas verschmiert; aber wenn du dir jetzt irgendeinen Leoparden genau anschaust, wirst du sehen, das es immer fünf Flecken sind – von fünf fetten schwarzen Fingerspitzen.«

»Jetzt bist du eine Schönheit!« sagte der Äthiopier. Du kannst draußen auf dem nackten Boden liegen und wie ein Haufen Kieselsteine aussehen. Du kannst auf den nackten Felsen liegen und aussehen wie ein Stück Lavagestein. Du kannst auf einem beblätterten Zweig liegen und aussehen wie Sonnenschein, der durch die Zweige fällt; und du kannst gerade mitten auf dem Weg liegen und aussehen wie nichts Besonderes. Stell dir das vor und schnurre!«

»Aber wenn ich das alles bin,« sagte der Leopard, »warum bist du dann nicht auch fleckig geworden?«

»Oh, glattes Schwarz ist für einen Neger am besten,« sagte der Äthiopier. »Jetzt komm, laß uns sehen, ob wir nicht mit Herrn ‚Eins-zwei-drei-wo-ist-euer-Frühstück klarkommen!«

So gingen sie und lebten fortan glücklich und in Frieden, Meistgeliebter. Das ist alles.

Oh, und gelegentlich wirst du Erwachsene sagen hören, »Kann der Äthiopier seine Hautfarbe ändern, oder der Leopard seine Flecken?« Ich denke, so etwas Dummes würden nicht einmal Erwachsene immer wieder sagen,wenn der Leopard und der Äthiopier es nicht wenigstens einmal getan hätten – was meinst du? Aber sie werden es nie wieder tun, Meistgeliebter. Sie sind ganz zufrieden, wie sie sind.

Ich bin der hochweise Baviaan, hör‘ mein weises Wort
»Laß uns in der Landschaft aufgehen – nur wir zwei geh’n fort«
Leute sind gekommen – mit der Kutsche – zu Besuch. Aber Mama ist da…
Ja, ich darf gehen, wenn du mitkommst – Kindermädchen sagte »Ja«.
Zu den Schweineställen gehen und uns auf den Hofzaun setzen!
Den Kaninchen was erzählen, schau’n, wie sie durchs Gatter wetzen.
Wir sollen – ach, egal, Papi, Hauptsache, wir allein zu zweit
Wir sollen auf Entdeckung gehen, bis zum Abendbrot ist Zeit!
Hier, deine Stiefel bring ich dir, die Mütze und den Stock,
Hier, auch noch Pfeife und Tabak – komm schnell, wir hauen ab.

Die Krabbe, die mit dem Meer spielte

Die Krabbe, die mit dem Meer spielte

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Vor den Erhabenen und Weit Zurückliegenden Zeiten, o meine Meistgeliebte, war die Zeit des Ersten Anfangs; und das waren die Tage, als der Älteste Magier die Sachen in Gang brachte. Zuerst brachte er die Erde in Gang; dann brachte er die Sonne in Gang; und dann sagte er allen Tieren, dass sie zum Spielen herauskommen konnten. Und die Tiere sagten: »O Ältester Magier, was sollen wir spielen?« und er sagte: »Ich zeige es euch.« Er nahm den Elefanten – Alles-was-es-an-Elefant-gab – und er sagte: »Du spielst, ein Elefant zu sein.« Und Alles-was-es-an-Elefant-gab spielte. Er nahm den Biber – Alles-was-es-an-Biber-gab – und sagte: »Du spielst, ein Biber zu sein.« Und Alles-was-es-an-Biber-gab spielte. Er nahm die Schildkröte – Alles-was-es-an-Schildkröte-gab – und sagte: »Du spielst, eine Schildkröte zu sein.« Und Alles-was-es-an-Schildkröte-gab spielte. Einen nach dem anderen nahm er alle Tiere und Vögel und Fische und sagte ihnen, was sie spielen sollten.

Aber gegen Abend, als die Leute und alles unruhig und müde wurden, kam der Mensch (Mit seiner eigenen kleinen Tochter?) – Ja, mit seinem eigenen meistgeliebten kleinen Tochtermädchen auf den Schultern, und er sagte: »Was ist das für ein Spiel, Ältester Magier?« Und der Älteste Magier sagte: »Ho, Sohn Adams, es ist das Spiel des Ersten Anfangs; aber du bist zu verständig für dieses Spiel.« Und der Mensch salutierte und sagte: »Ja, ich bin zu verständig für dieses Spiel; aber sieh zu, dass alle Tiere mir gehorsam werden.«

Nun, während die beiden miteinander sprachen, verdrückte sich Pau Amma die Krabbe, die als nächstes dran gewesen wäre, seitwärts, und schlüpfte in das Meer, wobei sie vor sich hinmurmelte: »Ich werde mein eigenes Spiel in den tiefen Wassern spielen, und ich werde diesem Sohn Adams nie gehorsam sein.« Niemand sah sie verschwinden, außer der kleinen Tochter, die sich an die Schulter des Menschen lehnte. Und das Spiel ging weiter, bis alle Tiere ihre Aufgaben bekommen hatten; und der Älteste Magier wischte sich den feinen Staub von den Händen und ging auf der Welt umher, um zu sehen, wie die Tiere spielten.

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Dieses Bild zeigt, wie die Krabbe Pau Amma wegläuft, während der Älteste Magier mit dem Menschen und seiner kleinen Tochter sprach. Der Älteste Magier sitzt auf seinem magischen Thron, in seine magische Wolke gehüllt. Die drei Blumen vor ihm sind die drei Magischen Blumen. Oben auf dem Hügel kannst du Alles-was-es-an-Elefant-gab sehen, und Alles-was-es-an-Kuh-gab, und Alles-was-es-an-Schildkröte-gab, wie sie losgehen, um zu spielen, wie es der Älteste Magier ihnen gesagt hatte. Die Kuh hat einen Buckel, weil sie Alles-was-es-an-Kuh-gab war; deshalb mußte sie alles haben, was nachher alle Kühe brauchen würden, die es je geben würde. Unter dem Hügel sind Tiere, die gelernt haben, welche Spiele sie spielen sollen. Du kannst Alles-was-es-an-Tiger-gab sehen, wie er Alles-was-es-an-Knochen-gab anlächelt, und du siehst Alles-was-es-an-Elch-gab, und Alles-was-es-an-Papagei-gab, und Alles-was-es-an-Kaninchen-gab auf dem Hügel. Die anderen Tiere sind auf der anderen Seite des Hügels, also habe ich sie nicht gezeichnet. Das kleine Haus auf dem Hügel ist Alles-was-es-an-Haus-gab. Der Älteste Magier hat es gebaut, um dem Menschen zu zeigen, wie er sich ein Haus bauen könnte, wenn er wollte. Die Schlange rund um den spitzigen Hügel ist Alles-was-es-an-Schlange-gab, und sie spricht mit Alles-was-es-an-Affe-gab, und der Affe ist frech zu der Schlange, und die Schlange ist frech zu dem Affen. Der Mensch ist sehr in sein Gespräch mit dem Ältesten Magier vertieft. Die kleine Tochter schaut zu, wie Pau Amma wegläuft. Das bucklige Ding vorne im Wasser ist Pau Amma. Sie war damals keine gewöhnliche Krabbe. Sie war eine Königskrabbe. Deshalb sieht sie anders aus. Das Ding in dem der Mensch steht, und das wie aus Ziegelsteinen aussieht, ist das große Miz-Labyrinth. Wenn der Mensch seine Unterhaltung mit dem Ältesten Magier beendet hat, wird er in das Miz-Labyrinth gehen, weil er das muß. Das Zeichen auf dem Stein unter dem Fuß des Menschen ist ein magisches Zeichen: und unten drunter habe ich die drei magischen Blumen hingezeichnet, ganz in die magische Wolke verwoben. Dieses ganze Bild ist Große Medizin und Starke Magie.

Er ging nach Norden, Meistgeliebte, und er fand Alles-was-es-an-Elefant-gab, der mit seinen Füßen auf den schönen neuen Erdboden stampfte, der für ihn gemacht war, und ihn mit seinen Stoßzähnen umgrub.

»Kun?« sagte Alles-was-es-an-Elefant-gab, und das hieß: »Ist das so in Ordnung?«

»Payah kun,« sagte der Älteste Magier, und das hieß: »Das ist ganz in Ordnung«; und er hauchte die großen Felsen und Erdklumpen an, die Alles-was-es-an-Elefant-gab aufgeworfen hatte, und daraus wurde das große Himalaya-Gebirge, und das kannst du dir auf der Landkarte anschauen.

Er ging nach Osten, und er fand Alles-was-es-an-Kuh-gab, die fraß auf dem Feld, das für sie gemacht war, und sie schleckte mit ihrer Zunge um einen ganzen Wald auf einmal herum, und verschluckte ihn und ließ sich nieder, um wiederzukäuen.

»Kun?« sagte Alles-was-es-an-Kuh-gab.

»Payah kun,« sagte der Älteste Magier; und er hauchte den kahlen Flecken an, wo sie gefressen hatte, und die Stelle, auf der sie sich niedergelassen hatte, und eines wurde die Große Indische Wüste, und das andere wurde die Wüste Sahara, und die kannst du dir auf der Landkarte anschauen.

Er ging nach Westen, und er fand Alles-was-es-an-Biber-gab, der einen Biberdamm über die Mündungen großer Flüsse baute, die für ihn gemacht waren.

»Kun?« sagte Alles-was-es-an-Biber-gab.

»Payah kun,« sagte der Älteste Magier; und er hauchte die gefällten Bäume und das ruhige Wasser an, und sie wurden zu den Everglade-Sümpfen in Florida, und du kannst sie dir auf der Landkarte anschauen.

Dann ging er nach Süden und fand Alles-was-es-an-Schildkröte-gab, die mit ihren Flossenhänden in dem Sand kratzte, der für sie bereitgestellt worden war, und Sand und Felsen wirbelten durch die Luft und fielen weit weg in das Meer.

»Kun?« sagte Alles-was-es-an-Schildkröte-gab.

»Payah kun,« sagte der Älteste Magier; und er hauchte auf den Sand und die Felsen, wo sie ins Meer gefallen waren, und sie wurden zu den wunderschönen Inseln Borneo, Celebes, Sumatra, Java und den anderen des Malaiischen Archipels, und du kannst sie dir auf der Landkarte anschauen!

Zuguterletzt traf der Älteste Magier den Menschen an den Ufern des Flusses Perak und sagte: »Ho! Adams Sohn, sind dir alle die Tiere gehorsam?«

»Ja,« sagte der Mensch.

»Ist dir die ganze Erde gehorsam?«

»Ja,« sagte der Mensch.

»Ist dir das ganze Meer gehorsam?«

»Nein,« sagte der Mensch. »Einmal am Tag und einmal in der Nacht läuft das Meer in den Fluß Perak und treibt das Süßwasser zurück in den Wald, so dass mein Haus naß wird; einmal am Tag und einmal in der Nacht läuft es den Fluß hinunter und zieht das ganze Wasser mit sich, so dass nichts als Schlamm zurückbleibt und mein Kanu umkippt. Hast du ihm gesagt, es sollte dieses Spiel spielen?«

»Nein,« sagte der Älteste Magier. »Das ist ein neues und schlechtes Spiel.«

»Schau!« sagte der Mensch, und als er das sagte, kam das große Meer die Mündung herauf und trieb den Fluß Perak zurück, bis er alle die dunklen Wälder Meilen und Meilen weit überschwemmte und das Haus des Menschen überflutete.

»Das ist verkehrt. Setz dein Kanu ins Wasser, und wir werden herausfinden, wer da mit dem Meer spielt,« sagte der Älteste Magier. Sie setzten sich in das Kanu; die kleine Tochter kam auch mit; und der Mensch nahm seinen Kris – einen kurvigen, welligen Dolch mit flammenförmiger Klinge – und sie stießen ab in den Fluß Perak. Dann fing das Meer an, zurück und zurück zu fließen, und das Kanu wurde aus der Mündung des Flusses Perak gesaugt, an Selangor vorbei, an Malacca vorbei, an Singapur vorbei, hinaus und hinaus bis zu der Insel Bintang, als ob es an einem Faden gezogen würde.

Da stand der Älteste Magier auf und rief: »Ho! Tiere, Vögel, Fische, die ich am Ersten Anfang in meine Hände genommen habe und die ich die Spiele gelehrt habe, die sie spielen sollen, welches von euch spielt mit dem Meer?«

Da sagten alle Tiere, Vögel und Fische zusammen: »Ältester Magier, wir spielen die Spiele, die du uns gelehrt hast – wir und und unsere Kindeskinder. Aber nicht eines von uns spielt mit dem Meer.«

Dann ging der Mond groß und voll über dem Wasser auf, und der Älteste Magier sagte zu dem buckligen alten Mann, der im Mond sitzt und eine Angelschnur spinnt, mit der er hofft, eines Tages die Welt zu fangen: »Ho! Fischer im Mond, spielst du mit dem Meer?«

»Nein,« sagte der Fischer; »ich spinne eine Schnur, mit der ich eines Tages die Welt fangen werde; aber ich spiele nicht mit dem Meer.« Und er fuhr fort, seine Schnur zu spinnen.

Nun gibt es da auch noch eine Ratte auf dem Mond, die die Schnur des alten Fischers genauso schnell zernagt, wie sie gesponnen wird, und der Älteste Magier sagte zu ihr: »Ho! Ratte im Mond, spielst du mit dem Meer?«

Und die Ratte sagte: »Ich bin zu sehr damit beschäftigt, die Schnur zu zernagen, die dieser alte Fischer spinnt. Ich spiele nicht mit dem Meer.« Und sie fuhr fort, die Schnur zu zernagen.

Da hob die kleine Tochter ihre weichen braunen Arme mit den schönen weißen Muschelketten hoch und sagte: »O Ältester Magier! Als mein Vater hier am Ersten Anfang mit dir sprach, und ich auf seiner Schulter lehnte, während die Tiere ihre Spiele lernten, ging ein unartiges Tier ins Meer, bevor du ihm sein Spiel erklärt hattest.«

Und der Älteste Magier sagte: »Wie verständig sind kleine Kinder, die sehen und schweigen! Wie sah das Tier aus?«

Und die kleine Tochter sagte: »Es war rund und es war flach; und seine Augen saßen auf Stielen; und er ging so seitwärts; und er trug eine starke Rüstung am Körper.«

Und der Älteste Magier sagte: »Wie verständig sind kleine Kinder, die die Wahrheit sprechen! Jetzt weiß ich, wohin Pau Amma gegangen ist. Gebt mir ein Paddel!«

Also nahm er das Paddel; aber es war gar nicht nötig, zu paddeln, denn das Wasser floß gleichmäßig an allen Inseln vorbei, bis sie zu dem Ort kamen, der Pusat Tasek heißt – das Herz des Meeres – wo das große Loch ist, das ins Herz der Welt führt, und in dem Loch wächst der Wunderbaums Pauh Janggi, der die magischen Zwillingsnüsse trägt. Dann ließ der Älteste Magier seinen Arm bis zur Schulter durch das warme Wasser gleiten, und unter den Wurzeln des Wunderbaumes berührte er den breiten Rücken der Krabbe Pau Amma. Und Pau Amma beruhigte sich unter der Berührung, und das Meer hob sich, wie Wasser in einem Bassin sich hebt, wenn man seine Hand hineintaucht.

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Dies ist das Bild der Krabbe Pau Amma, wie sie aus dem Meer emporsteigt, so hoch wie der Rauch von drei Vulkanen. Ich habe die drei Vulkane nicht gezeichnet, weil Pau Amma so groß war. Pau Amma versucht, eine Magie zu machen, aber sie ist nur eine dumme alte Krabbe und kann überhaupt nichts. Du siehst, dass sie nur aus Beinen und Klauen und leerer hohler Schale besteht. Das Kanu ist das Kanu, in dem der Mensch und das Mädchen und der Älteste Magier vom Flusse Perak hergesegelt sind. Das Meer ist ganz schwarz und blubberig, weil Pau Amma gerade aus Pusat Tasek emporgestiegen ist. Pusat Tasek ist unten drunter, also habe ich es nicht gezeichnet. Der Mensch schwenkt sein gekrümmtes Kris-Messer vor Pau Amma. Die kleine Tochter sitzt ruhig mitten in dem Kanu. Sie weiß, dass sie bei ihrem Pappi ganz sicher ist. Der Älteste Magier steht am anderen Ende des Kanus und fängt gerade mit einer Magie an. Er hat seinen magischen Thron am Strand zurückgelassen und seine Sachen ausgezogen, damit sie nicht nass werden, und die magische Wolke hat er auch da gelassen, damit das Boot nicht umkippt. Das Ding, das auch wie ein Kanu aussieht, nennt man einen Ausleger. Das ist ein Stück Holz, an Stangen festgebunden, und es verhindert, dass das Kanu umschlägt. Das Kanu ist aus einem einzigen Stück Holz gemacht, und an einem Ende hat es ein Paddel.

»Ah« sagte der Älteste Magier. »Jetzt weiß ich, wer mit dem Meer gespielt hat.« Und er rief laut: »Was machst du, Pau Amma?«

Und tief unten antwortete Pau Amma: »Einmal am Tag und einmal in der Nacht gehe ich aus, um mir Futter zu suchen. Einmal am Tag und einmal in der Nacht kehre ich zurück. Laß mich in Ruhe.«

Da sagte der Älteste Magier: »Höre, Pau Amma. Wenn du aus deiner Höhle gehst, ergießen sich die Wasser des Meeres nach Pusat Tasek, und alle Strände aller Inseln fallen trocken, und die kleinen Fische sterben, und Radscha Mojang Kaban, der König der Elefanten, seine Füße werden schlammig. Wenn du zurückkommst und dich in Pusat Tasek verkriechst, steigen die Wasser des Meeres, und die kleinen Inseln werden halb ertränkt, und das Haus des Menschen wird überschwemmt, und Radscha Abdullah, der König der Krokodile, sein Maul füllt sich mit Salzwasser.«

Da lachte Pau Amma tief unten und sagte: »Ich wußte nicht, dass ich so wichtig bin. Von jetzt an werde ich sieben Mal täglich ausgehen, und die Wasser werden nicht mehr stillstehen.«

Und der Älteste Magier sagte: »Ich kann dich nicht zwingen, das Spiel zu spielen, das du spielen solltest, Pau Amma, weil du mir am Ersten Anfang entkommen bist; aber wenn du dich nicht fürchtest, dann komm hoch, damit wir darüber reden können.«

»Ich fürchte mich nicht,« sagte Pau Amma, und sie kam im Mondlicht herauf, an die Oberfläche des Meeres. Niemand auf der Welt war so groß wie Pau Amma – denn sie war die Königskrabbe aller Krabben. Keine einfache Krabbe, sondern eine Königskrabbe. Eine Seite ihrer riesigen Schale berührte den Strand von Sarawak; die andere berührte den Strand von Pahang; und sie war höher als der Rauch aus drei Vulkanen! Als sie sich durch die Zweige des Wunderbaums Pauh Janggi erhob, riß sie eine der großartigen Zwillingsfrüchte ab – der magischen doppelkernigen Nüsse, die jung machen – und die kleine Tochter sah sie am Kanu vorbeispringen und zog sie hinein und fing an, die weichen Augen mit ihrer kleinen goldenen Schere auszustechen.

»Nun,« sagte der Magier, »mach einen Zauber, Pau Amma, um zu zeigen, dass du wirklich wichtig bist.«

Pau Amma rollte mit den Augen und schwenkte die Beine, aber sie konnte nur das Meer aufwühlen, denn, obwohl sie eine Königskrabbe war, war sie doch nichts anderes als eine Krabbe, und der Älteste Magier lachte.

»Du bist am Ende doch nicht so wichtig, Pau Amma,« sagte er. »Nun laß mich mal versuchen,« und er machte mit seiner linken Hand etwas Magisches – nur mit dem kleinen Finger der linken Hand – und, siehe da, Meistgeliebte, Pau Ammas harte, blau-grün-schwarze Schale fiel von ihr ab wie die Hülle von einer Kokosnuß, und Pau Amma war auf einmal ganz weich – weich wie die kleinen Krabben, die du manchmal am Strand findest, Meistgeliebte.

»Du bist ja tatsächlich sehr wichtig,« sagte der Älteste Magier. »Soll ich den Menschen hier bitten, dich mit dem Kris aufzuschneiden? Soll ich nach Radscha Moyang Kaban senden, dem König der Elefanten, damit er dich mit seinen Stoßzähnen piekt, oder soll ich Radscha Abdullah, den König der Krokodile, rufen, damit er dich beißt?«

Und Pau Amma sagte: »Ich schäme mich! Gib mir meine harte Schale zurück und laß mich nach Pusat Tasek zurückkehren, und ich werde mich nur einmal am Tage und einmal in der Nacht rühren, um Futter zu suchen.«

Und der Älteste Magier sagte: »Nein, Pau Amma, ich werde dir deine Schale nicht zurückgeben, denn dann wirst du größer und stolzer und stärker werden, und vielleicht dein Versprechen vergessen und wieder mit dem Meer spielen.«

Da sagte Pau Amma: »Was soll ich machen? Ich bin so groß, dass ich mich nur in Pusat Tasek verstecken kann, und wenn ich woanders hingehe, so weich wie ich jetzt bin, werden die Haie und Hundsfische mich fressen. Und wenn ich, so weich wie ich bin, nach Pusat Tasek gehe, bin ich zwar in Sicherheit, kann aber nicht ausgehen, um mir Futter zu suchen, und dann werde ich sterben.« Und sie fuchtelte mit den Beinen und jammerte.

»Höre, Pau Amma,« sagte der Älteste Magier. »Ich kann dich nicht zwingen, das Spiel zu spielen, für das du bestimmt bist, weil du mir am Ersten Anfang entkommen bist; aber wenn du dich freiwillig dafür entscheidest, kann ich jeden Stein und jedes Loch und jedes Algenbüschel in allen Meeren für immer zu einem sicheren Pusat Tasek für dich und deine Kinder machen.«

Da sagte Pau Amma: »Das ist gut, aber ich entscheide mich noch nicht. Guck! Da ist der Mensch, der am ersten Anfang mit dir sprach. Wenn er dich nicht abgelenkt hätte, wäre ich nicht des Wartens müde geworden und weggelaufen, und dieses alles wäre nie geschehen. Was wird er für mich tun?«

Und der Mensch sagte: »Wenn du dich entscheidest, werde ich einen Zauber machen, damit das tiefe Wasser und auch das trockene Land für dich und deine Kinder eine Heimat sein können – so dass du dich sowohl am Land als auch auf dem Meer verstecken kannst.«

Und Pau Amma sagte: »ich entscheide mich noch nicht. Guck! da ist das Mädchen, das mich am Ersten Anfang weglaufen sah. Wenn sie gleich was gesagt hätte, hätte der Älteste Magier mich zurückgerufen, und alles dieses wäre nie geschehen. Was wird sie für mich tun?«

Und die kleine Tochter sagte: »Ich esse hier gerade eine gute Nuß. Wenn du dich entscheidest, werde ich einen Zauber machen und dir diese Scheren geben, die sehr scharf und stark sind, so dass du und deine Kinder jeden Tag solche Kokosnüsse essen könnt, wenn ihr vom Meer auf das Land kommt; oder ihr könnt euch mit euren eigenen Scheren selbst ein Pusat Tasek graben, wenn kein Stein und keine Höhle in der Nähe ist; und wenn die Erde zu hart ist, könnt ihr mit der Hilfe dieser selben Scheren auf einen Baum klettern.«

Und Pau Amma sagte: »Ich entscheide mich noch nicht, denn, so weich wie ich bin, werden mir diese Geschenke nichts nützen. Gib mir meine Schale zurück, o Ältester Magier, dann werde ich euer Spiel spielen.«

Und der Älteste Magier sagte: »Ich werde sie dir für elf Monate im Jahr zurückgeben, Pau Amma; aber im zwölften Monat jeden Jahres wird sie wieder weich werden, um dich und alle deine Kinder daran zu erinnern, dass ich ein Magier bin, und um dich in Demut zu halten, Pau Amma; denn ich sehe, dass du zu eingebildet werden wirst, wenn du sowohl unter Wasser als auch auf dem Land laufen kannst; und wenn du Bäume erklettern und Nüsse knacken und mit deinen Scheren Löcher graben kannst, wirst du zu gierig werden, Pau Amma.«

Da dachte Pau Amma ein wenig nach und sagte: »Ich habe mich entschieden. Ich werde alle Geschenke annehmen.«

Da machte der Älteste Magier mit der rechten Hand einen Zauber, mit allen fünf Fingern der rechten Hand, und siehst du, Meistgeliebte, da wurde Pau Amma kleiner und kleiner, bis am Ende nur noch eine kleine grüne Krabbe im Wasser neben dem Kanu schwamm, die mit sehr zarter Stimme rief: »Gebt mir die Scheren!«

Und die Tochter nahm sie auf die Fläche ihre kleinen braunen Hand, setzte sie auf den Boden des Kanus und gab ihr Scheren, und Pau Amma nahm sie mit seinen winzigen Armen, öffnete und schloss sie und ließ sie schnappen und sagte: »Ich kann Nüsse essen. Ich kann Schalen knacken. Ich kann Löcher graben. Ich kann Bäume erklettern. Ich kann in der trockenen Luft atmen, und ich kann unter jedem Stein ein sicheres Pusat Tasek finden. Ich wußte nicht, dass ich so wichtig bin. Kun?« (Ist das so in Ordnung?)

»Payah-kun,« sagte der Älteste Magier, und er lachte und gab ihr seinen Segen; und die kleine Pau Amma schlüpfte über die Bordwand des Kanus ins Wasser; und sie war so winzig, dass sie sich an Land im Schatten eines trockenen Blattes hätte verstecken können, oder unter einer leeren Muschelschale am Grunde des Meeres.

»Haben wir das gut gemacht?« sagte der Älteste Magier.

»Ja,« sagte der Mensch. »Aber jetzt müssen wir nach Pusat Tasek zurück, und das ist eine ermüdende Paddelstrecke. Wenn wir gewartet hätten, bis Pau Amma von Pusat Tasek nach Hause zurückgekommen wäre, hätte das Wasser uns von selbst dorthin getragen.«

»Du bist faul,« sagte er Älteste Magier. »Also werden deine Kinder auch faul sein. Sie werden die faulsten Leute auf der Welt sein. Man wird sie oft als Faultiere bezeichnen;« und er richtete seinen Finger auf den Mond und sagte:

»O Fischer, hier ist ein Mensch, der zu faul ist, um nach Hause zu rudern. Zieh sein Kanu mit deiner Schnur nach Hause, Fischer.«

»Nein,« sagte der Mensch. »Wenn ich mein Leben lang faul sein soll, laß das Meer für immer zweimal täglich für mich arbeiten. Das wird mir viel Paddeln ersparen.«

Und der Älteste Magier lachte und sagte: »Payah kun« (Das ist in Ordnung).

Und die Ratte im Mond hörte auf, die Schnur zu zernagen; und der Fischer ließ seine Schnur herab, bis sie das Meer berührte, und er zog das ganze tiefe Meer, vorbei an der Insel Bintang, vorbei an Singapur, vorbei an Malacca, vorbei an Selangor, bis das Kanu in die Mündung des Flusses Perak zurück wirbelte. »Kun?« sagte der Fischer im Mond.

»Payah kun,« sagte der Älteste Magier. »Nun sieh zu, dass du das Meer für immer zweimal am Tag und zweimal bei Nacht hin- und herziehst, so dass dem faulen Fischern viel Paddeln erspart bleibe. Aber paß auf, dass du nicht zu stark ziehst, sonst werde ich einen Zauber auf dich werfen wie auf Pau Amma.«

Dann fuhren sie allen den Fluß Perak hinauf und gingen zu Bett, Meistgeliebte.

Nun höre und paß auf!

Von jenem Tage an bis heute hat der Mond das Meer immer hinauf und hinunter gezogen und das gemacht, was wir die Gezeiten nennen. Manchmal zieht der Fischer des Meeres ein bißchen zu stark, und dann kriegen wir die Springflut; und manchmal zieht er ein wenig zu schwach, und dann kriegen wir das, was man Nippflut nennt; aber fast immer ist er vorsichtig, wegen des Ältesten Magiers.

Und Pau Amma? Wenn du an den Strand gehst, kannst du sehen, wie alle Babies von Pau Amma sich kleine Pusat Taseks unter jedem Stein und Algenbüschel im Sand machen; du kannst sehen, wie sie mit ihren kleinen Scheren winken; und in manchen Teilen der Welt leben sie wirklich auf dem trockenen Land, rennen die Palmenbäume hinauf und fressen Kokosnüsse, genau wie es die kleine Tochter vorausgesagt hatte. Aber einmal im Jahr müssen alle Pau Ammas ihre Schalen abwerfen und weich sein – um sie daran zu erinnern, was der Älteste Magier tun könnte. Und darum ist es nicht gerecht, Pau Ammas Babies zu töten oder zu jagen, nur weil die alte Pau Amma vor sehr langer Zeit so dumm und unverschämt war.

Oh Ja! Und Pau Ammas Babies mögen es nicht, aus ihren kleinen Pusat Taseks geholt und in Einmachgläsern nach Hause gebracht zu werden. Deshalb zwicken sie dich mit ihren Scheren, und das geschieht dir recht!

P’s und O’s auf Chinafahrt
Streifen Pau Ammas Spielplatz hart
Pusat Tasek ist irgendwie
Nah bei der Strecke von B.I.
U.Y. und N.D.L.
kennen Pau Ammas Lieblingsstell‘
Wie auch der Meeresfischer kennt
Bens, Rubattino und M.M.
Jedoch, (und das erscheint mir dumm)
ATL fährt andersrum;
O. & O. und D.O.A.
Fahr’n nur nach Amerika.
Orient, Anchor, Bibby, Hall,
Fahr’n so weit auf keinen Fall.
U.C.S. vermeidet lieber
die Gegend: wegen Dschungelfieber.
Und wenn ›Beavers‹ seine Fracht
Hätte nach Penang gebracht,
Oder ›Shaw-Savill‹ brächt‘ nur
Passagier‘ nach Singapur,
Oder ›White Star‹ führ‘ – au weia!
Ungeniert nach Surabaya,
Oder B.S.A. getraute
sich nach Cheribon trotz Flaute
Dann käm‘ der große Mister Lloyd
und schleppte sie zurück noch heut‘!

Mein Rätsel kannst du leicht ermessen,
Sobald du Mangosteens gegessen.

Oder, wenn du nicht so lange warten kannst, frag‘ mal, ob sie dir das erste Blatt der »Times« geben können; auf Seite 2 siehst du links oben die Überschrift »Reedereien«; dann nimm den Atlas (und das ist das schönste Bilderbuch der Welt) und schau nach, wie die Namen der Orte, zu denen die Dampfer fahren, zu den Namen auf der Landkarte passen. Jedes Dampfer-Kind sollte das können; wenn du aber nicht lesen kannst, bitte jemanden, es dir zu zeigen.

Wie der Wal zu seinem Rachen kam

Wie der Wal zu seinem Rachen kam

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Es war einmal im Ozean, o mein Meistgeliebter, ein Wal, und der fraß Fische. Er fraß den Sternfisch und den Sonnenfisch, und die Krabbe und die Dabbe, und den Barsch und den Dorsch, und den Kabeljau samt seiner Frau, und die Makrele und die Garnele und den wirklich echten Schlingel-Schlängel-Aal. Alle Fische, die er im ganzen Ozean finden konnte, fraß er so mit seinem Maul! Bis zuletzt nur noch ein kleiner Fisch im ganzen Ozean übrig war, und das war ein kleiner Schlaufisch, und der schwamm ein wenig hinter dem rechten Ohr des Wales, um in Sicherheit zu sein. Dann stellte sich der Wal auf seinen Schwanz und sagte: »Ich habe Hunger«. Und der kleine Schlaufisch sagte mit kleiner schlauer Stimme, »Edler und großmütiger Walfisch, hast Du jemals Mensch geschmeckt?«

»Nein,« sagte der Wal, »wie schmeckt das?«

»Nett,« sagte der Schlaufisch. »Nett aber knotig.«

»Dann bring mir was davon,« sagte der Wal, und schlug mit seinem Schwanz das Meer schaumig.

»Aber nur einen auf einmal« sagte der Schlaufisch. »Wenn du nach 50° nördlicher Länge und 40° westlicher Breite schwimmst (das ist magisch), wirst du auf einem Floss sitzend, mitten im Ozean, mit nichts bekleidet als einem Paar blauer Segeltuchhosen und einem Paar Hosenträger (du darfst die Hosenträger nicht vergessen, Meistgeliebter), und einem Taschenmesser, einen schiffbrüchigen Seemann finden, der, was ich dir aus Anstandsgefühl sage, ein Mann unendlicher Raffinesse und Findigkeit ist.«

So schwamm und schwamm der Wal nach 50° nördlicher Länge und 40° westlicher Breite, so schnell er schwimmen konnte, und auf einem Floß sitzend, mit nichts bekleidet als einem Paar blauer Segeltuchhosen, einem Paar Hosenträger (du mußt besonders die Hosenträger im Gedächtnis behalten, Meistgeliebter), und einem Taschenmesser, fand er einen einzelnen, einsamen schiffbrüchigen Seemann, der seine Zehen ins Wasser hielt.

Dann öffnete der Wal sein Maul weit und weiter und weiter, bis es fast seinen Schwanz berührte, und er verschluckte den schiffbrüchigen Seemann, und das Floss, auf dem er saß, und seine blauen Segeltuchhosen, und die Hosenträger (die du nicht vergessen darfst), und das Taschenmesser – er verschluckte das alles in seine warme, dunkle innere Speisekammer, und dann schmatzte er so mit den Lippen und drehte sich dreimal auf seinem Schwanz.

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Dies ist das Bild von dem Wal, wie er den Seemann mit der unendlichen Raffinesse und Findigkeit verschluckt, mitsamt dem Floß und dem Taschenmesser und seinen Hosenträgern, die du nicht vergessen darfst. Die Dinger mit den Knöpfen sind die Hosenträger des Seemanns, und direkt daneben kannst du das Messer sehen. Er sitzt auf dem Floß, aber es ist zur Seite gekippt, so dass du nicht viel davon siehst. Das weißliche Ding an der linken Hand des Seemanns ist ein Stück Holz, mit dem er versuchte, das Floß zu rudern, als der Wal vorbeikam. Das Holzstück wird Gaffelklaue genannt. Der Seemann ließ es draußen, als er hineinrutschte. Der Name des Wals war Grinser, und der Seemann hieß Mr. Henry Albert Bivvens. Der kleine Schlaufisch versteckt sich unter dem Bauch des Wals, sonst hätte ich ihn gezeichnet. Dass das Meer so wirbel-quirlig ist, liegt daran, dass der Wal es alles in sein Maul saugt, um Mr. Henry Albert Bivvens und das Floß und das Taschenmesser und die Hosenträger einzusaugen. Du darfst niemals die Hosenträger vergessen.

Aber sobald der Seemann, der ein Mann von unendlicher Raffinesse und Findigkeit war, sich wirklich in der warmen, dunklen inneren Speisekammer fand, stampfte er und hüpfte er, und er pochte und er klopfte, und er tollte und er tanzte, und er krawallte und er knallte, und er schlug und er biss, und er sprang und er kroch, und er graulte und er jaulte, und er hopste und er tobte, und er weinte und er greinte, und er krabbelte und er babbelte, und er schritt und er glitt, und er tanzte Hornpipe wo er nicht durfte, und der Wal wurde wirklich sehr unglücklich. (Hast du die Hosenträger vergessen?)

Also sagte er zu dem Schlaufisch, »Dieser Mann ist sehr knotig, und außerdem macht er mir einen Schluckauf. Was soll ich machen?«

»Sag ihm, er soll rauskommen,« sagte der Schlaufisch.

Also rief der Wal in seinen Rachen hinab dem schiffbrüchigen Seemann zu, »Komm raus und benimm dich. Ich habe den Schluckauf.«

»Nix da!« sagte der Seemann. »Nichts zu machen, sondern ganz im Gegenteil. Bring mich zu meinem Heimatstrand und den weißen Klippen von Albion, dann werde ich es mir durch den Kopf gehen lassen.« Und er begann, noch toller als zuvor zu tanzen.

»Du solltest ihn besser heimbringen,« sagte der Schlaufisch zu dem Wal. »Ich hätte ich warnen sollen, dass er ein Mann von unendlicher Raffinesse und Findigkeit ist.«

Also schwamm und schwamm und schwamm der Wal, mit beiden Flossen und dem Schwanz, so schnell er mit seinem Schluckauf konnte; und schließlich sah er des Seemanns Heimatstrand und die weißen Klippen von Albion, und er rutschte halb auf den Strand, und öffnete sein Maul weit und weiter und weiter, und sagte, »Umsteigen nach Winchester, Ashuelot, Nashua, Keene und Bahnhof Fitchburg Road;« und gerade, als er »Fitch« sagte, spazierte der Seemann ihm aus dem Maul. Aber während der Wal geschwommen war, hatte der Seemann, der wirklich eine Person von unendlicher Raffinesse und Findigkeit war, sein Taschenmesser genommen und das Floß zu einem kleinen Gitter geschnitzt, das ganz kreuz und quer verlief, und er hatte es mit seinen Hosenträgern zusammengebunden (jetzt weißt du, warum du die Hosenträger nicht vergessen solltest!) und er drückte das Gitter gut und fest in den Rachen des Wals, und da steckte es! Dann rezitierte er das folgende Sloka, welches, weil du es noch nicht gehört hast, ich jetzt vortragen werde-

Ein alter Gitterrost
verdirbt dir nun die Kost.

Denn der Seemann war auch Hi-ber-ni-er. Und er trat heraus auf den Strandkies und ging heim zu seiner Mutter, die ihn hatte gehen lassen, damit er seine Zehen ins Wasser halten konnte; und er heiratete und lebte fortan glücklich und in Frieden. Das tat auch der Wal. Aber von diesem Tage an verhinderte der Gitterrost in seinem Rachen, den er weder aushusten noch herunterschlucken konnte, das er irgendetwas anderes fraß als sehr, sehr kleine Fische; und das ist der Grund, warum Wale heutzutage niemals Männer oder Jungen oder kleine Mädchen fressen.

Der kleine Schlaufisch ging und versteckte sich im Schlamm unter der Türschwelle des Äquators. Er befürchtete, dass der Wal wütend auf ihn sein könnte.

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Hier sieht man, wie der Wal den kleinen Schlaufisch sucht, der sich unter der Türschwelle des Äquators versteckt. Der kleine Schlaufisch hieß Pingel. Er versteckt sich zwischen den Wurzeln des großen Seetangs, der vor den Türen des Äquators wächst. Ich habe die Türen des Äquators gezeichnet. Sie sind geschlossen. Sie werden immer geschlossen gehalten, weil eine Tür immer geschlossen sein sollte. Das Seil-Ding direkt darüber ist der Äquator selbst; und die Dinger, die wie Felsen aussehen, sind die beiden Riesen Moar und Koar, die den Äquator in Ordnung halten. Sie haben die Schattenbilder auf die Türen des Äquators gemalt, und sie haben auch all die verdrehten Fische unter den Türen geschnitzt. Die Fische mit den weißen Schnauzen werden Weißschnauzendelphine genannt, und die anderen Fische mit den komischen Köpfen nennt man Hammerhaie. Der Wal fand den kleinen Schlaufisch nicht, bis er sich beruhigt hatte, und dann wurden sie wieder gute Freunde.

Das Taschenmesser nahm der Seemann mit nach Hause. Er trug die blauen Segeltuchhosen, als er auf den Strandkies heraustrat. Die Hosenträger blieben zurück, du verstehst, um den Gitterrost zusammen zu binden; und das ist das Ende dieser Geschichte.

Wenn die Kabinenluken sind dunkel und grün,
Von den Wellen draußen auf See;
Wenn das Schiff macht wupp (mit ’nem Wackeln darin)
Und der Steward fällt in die Suppenterrin‘,
Und die Koffer rutschen davon;
Das Kindermädchen liegt wie ein Bündel auf Deck
Und Mama schickt dich müde hinaus,
Und du bist ungekämmt, ungewaschen und nackt,
Na dann wirst du wissen (wenn du’s nicht erraten hast)
du bist 50° Nord und 40° West!

Der Ursprung der Gürteltiere

Der Ursprung der Gürteltiere

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Dieses, o Meistgeliebte, ist eine weitere Geschichte aus den Erhabenen und Lang-Vergangenen Zeiten. Genau in der Mitte dieser Zeiten gab es einen stachlig-pieksigen Igel, und der lebte an den Ufern des schlammigen Amazonas, wo er schalige Schnecken und so was fraß. Und er hatte einen Freund, eine bedächtig-solide Schildkröte, die an den Ufern des schlammigen Amazonas lebte und sich von grünem Salat und so was ernährte. Und so weit war alles in Ordnung, Meistgeliebte. Verstehst du?

Aber außerdem, und zur gleichen Zeit, in jenen Erhabenen und Lang-Vergangenen Zeiten nämlich, gab es da einen Scheckigen Jaguar, und der lebte auch an den Ufern des schlammigen Amazonas; und er fraß alles, was er kriegen konnte. Wenn er keine Hirsche oder Affen kriegen konnte, fraß er Frösche und Käfer; und wenn er keine Frösche und Käfer kriegen konnte, ging er zu seiner Jaguarmutter, und sie erklärte ihm, wie man Igel und Schildkröten frißt.

Sie sagt es ihm so vielmals, wobei sie graziös mit dem Schwanz wedelte: »Mein Sohn, wenn du einen Igel findest, mußt du ihn ins Wasser werfen, dann wird er sich auseinanderrollen, und wenn du eine Schildkröte fängst, mußt du sie mit deiner Pfote aus ihrem Panzer kratzen.« Und damit war das in Ordnung, Meistgeliebte.

In einer wunderschönen Nacht an den Ufern des schlammigen Amazonas fand Scheckiger Jaguar den stachlig-pieksigen Igel und die bedächtig-solide Schildkröte, wie sie unter einem umgefallenen Baumstamm saßen. Sie konnten nicht weglaufen, also rollte Stachlig-Pieksig sich zu einem Ball zusammen, weil er ein Igel war, und Bedächtig-Solide zog den Kopf und die Füße unter den Panzer, so weit es ging, weil er eine Schildkröte war; und damit war das in Ordnung, Meistgeliebte. Verstehst du?

»Nun hört mir mal zu,« sagte Scheckiger Jaguar, »weil das jetzt sehr wichtig ist. Meine Mutter sagte mir, dass, wenn ich einen Igel treffe, ich ihn ins Wasser werfen soll, dann wird er sich auseinanderrollen, und wenn ich eine Schildkröte antreffe, soll ich sie mit der Pfote aus dem Panzer kratzen. Nun, welcher von euch ist der Igel, und welcher ist die Schildkröte? – denn, bei meinen Flecken, ich kann’s nicht sagen.«

»Weißt du genau, was deine Mama gesagt hat?« sagte Stachlig-Pieksiger Igel. Bist du ganz sicher? Vielleicht hat sie ja auch gesagt, dass du, wenn du eine Schildkröte auseinanderrollst, sie mit einem Kratzer aus dem Wasser panzern sollst, und wenn du einen Igel anfaßst, mußt du ihn auf den Panzer fallen lassen.«

»Weißt du genau, was deine Mama gesagt hat?« sagte Bedächtig-Solide Schildkröte. »Bist du ganz sicher? Vielleicht hat sie ja auch gesagt, dass du einen Igel in die Pfote fallen lassen musst, wenn du ihn ins Wasser tust, und dass du eine Schildkröte, wenn du sie antriffst, panzern mußt, bis sie sich auseinanderrollt.«

»Ich glaube, es war überhaupt nicht so,« sagte der Scheckige Jaguar, aber er war ein wenig verwirrt; »bitte, sagt das doch noch einmal etwas deutlicher.«

»Wenn du mit der Pfote Wasser kratzst, rollst du es mit einem Igel auseinander,« sagte Stachlig-Pieksig. »Vergiß das nicht, denn es ist wichtig.«

»Aber,« sagte die Schildkröte, »wenn du dein Fleisch in die Pfote nimmst, mußt du es mit einem Kratzer in die Schildkröte fallen lassen. Warum kannst du das nicht verstehen?«

»Von eurem Gerede tun mir die Flecken weh,« sagte Scheckiger Jaguar; »und nebenbei, ich wollte eure Ratschläge überhaupt nicht. Ich wollte nur wissen, wer von euch Igel ist und wer Schildkröte.«

»Ich werd’s dir nicht sagen,« sagte Stachlig-Pieksig. »Aber du kannst mich aus meinem Panzer kratzen, wenn du möchtest.«

»Aha!« sagte Scheckiger Jaguar. Jetzt weiß ich, dass du Schildkröte bist. Du dachtest, ich würde es nicht tun! Aber jetzt tu ich’s.« Scheckiger Jaguar schlug pfeilschnell mit seiner Patschpfote zu, gerade, als Stachlig-Pieksig sich einrollte, und natürlich war Jaguars Patschpfote sofort voller Stacheln. Was noch schlimmer war, er hatte Stachlig-Pieksig einen Schubs gegeben, so dass der wegrollte, weiter und weiter, in das Unterholz und die Büsche, wo es zu dunkel war, um ihn wiederzufinden. Dann steckte er sich die Patschpfote ins Maul, und natürlich taten die Stacheln nun noch mehr weh. Sobald er wieder sprechen konnte, sagte er: »Jetzt weiß ich, dass er auf keinen Fall Schildkröte ist. Aber«- und er kratzte sich mit der nicht-bestachelten Pfote am Kopf – »woran kann ich erkennen, dass dieser andere Schildkröte ist?«

»Aber ich bin Schildkröte,« sagte Bedächtig-Solide. »Deine Mutter hatte ganz recht. Sie sagte, du solltest mich mit der Pfote aus dem Panzer kratzen. Fang an.«

»Vor einer Minute hast du nicht gesagt, dass sie das gesagt hat,« sagte Scheckiger Jaguar, wobei er an den Stacheln in seiner Pfote saugte. »Du sagtest, sie habe etwas ganz anderes gesagt.«

»Gut, angenommen, du sagst, dass ich sagte, dass sie etwas ganz anderes gesagt habe, dann weiß ich aber nicht, worin der Unterschied bestehen soll; denn wenn sie gesagt hat, was du sagtest, dass ich gesagt habe, sie habe es gesagt, ist das ganz dasselbe, als wenn ich gesagt hätte, dass sie gesagt habe, was sie gesagt hat. Andererseits, wenn du meinst, dass sie gesagt habe, dass du mich mit einem Kratzer entrollen sollst, anstatt mich mit einem Panzer ins Wasser zu patschen, kann ich doch nichts dafür, oder?«

»Aber du sagtest, du wolltest mit meiner Pfote aus dem Panzer gekratzt werden,« sagte Scheckiger Jaguar.

»Wenn du noch einmal nachdenkst, wirst du erkennen, dass ich nichts dergleichen gesagt habe. Ich sagte, dass deine Mutter sagte, dass du mich aus dem Panzer kratzen solltest,« sagte Bedächtig-Solide.

»Was wird geschehen, wenn ich das tue?« fragte der Jaguar sehr verächtlich und sehr vorsichtig.

»Ich weiß es nicht, weil ich noch niemals aus dem Panzer gekratzt worden bin; aber ich sag’s dir ganz ehrlich, wenn du mich wegschwimmen sehen willst, mußt du mich nur ins Wasser werfen.«

»Das glaube ich nicht,« sagte Scheckiger Jaguar. »Du hast alles, was meine Mutter mir gesagt hat, mit dem durcheinandergeworfen, was du mich gefragt hast, ob ich sicher wäre, dass sie sie nicht gesagt hat, so dass ich nicht mehr weiß, ob ich auf dem Kopf oder auf meinem scheckigen Schwanz stehe, und jetzt kommst du an und erzählst mir Sachen, die ich verstehen kann, und es verwirrt mich noch mehr. Meine Mutter hat mir gesagt, dass ich einen von euch ins Wasser werfen muß, und weil du anscheinend so heiß darauf bist, geworfen zu werden, glaube ich, dass du nicht geworfen werden willst. Also spring‘ in den schlammigen Amazonas, und zwar ein bißchen plötzlich.«

»Ich mache dich darauf aufmerksam, dass deine Mami nicht erfreut sein wird. Sag ihr nicht, dass ich’s dir nicht gesagt hätte,« sagte Bedächtig-Solide.

»Wenn du noch ein Wort darüber verlierst, was meine Mutter gesagt hat-« antwortete der Jaguar, aber er hatte den Satz noch nicht ausgesprochen, als Bedächtig-Solide geräuschlos in den schlammigen Amazonas tauchte, eine weite Strecke unter Wasser schwamm und auf dem Ufer herauskam, wo Stachlig-Pieksig auf ihn wartete.

»Das war sehr knapp,« sagte Stachlig-Pieksig. »Ich hänsele den Scheckigen Jaguar nicht. Was hast du ihm gesagt, wer du wärst?«

»Ich habe ihm aufrichtig gesagt, dass ich eine wahrheitsliebende Schildkröte bin, aber er wollte es nicht glauben, und er ließ mich in den Fluß springen, um zu sehen, was ich bin, und das tat ich, und er ist erstaunt. Jetzt ist er weg, um es seiner Mami zu erzählen. Hör ihn dir an!«

Sie konnten Scheckiger Jaguar zwischen den Bäumen und Büschen längs des schlammigen Amazonas auf und ab brüllen hören, bis seine Mami kam.

»Sohn, Sohn,« sagte seine Mutter vielmals, wobei sie graziös mit dem Schwanz wedelte, »was hast du getan, das du nicht hättest tun sollen?«

»Ich habe versucht, etwas mit der Pfote aus seinem Panzer zu kratzen, das sagte, es wolle aus dem Panzer gekratzt werden, und meine Pfote ist voller Sta-hacheln,« sagte Scheckiger Jaguar.

»Sohn, Sohn,« sagte seine Mutter vielmals, wobei sie graziös mit dem Schwanz wedelte, »an den Stacheln in deiner Patschpfote sehe ich, dass das ein Igel gewesen sein muß. Den hättest du ins Wasser werfen sollen.«

»Das habe ich mit dem anderen Ding getan; und der sagte, er sei eine Schildkröte, und ich habe ihm nicht geglaubt, aber es war ganz wahr, und er ist in den schlammigen Amazonas getaucht, und er kam nicht wieder rauf, und ich habe überhaupt nichts zu essen, und ich glaube, wir sollten lieber woandershin umziehen. Die hier am schlammigen Amazonas sind zu schlau für mich Ärmsten!«

»Sohn, Sohn,« sagte seine Mutter vielmals, wobei sie graziös mit dem Schwanz wedelte, »nun hör mir zu und merk dir, was ich sage. Ein Igel rollt sich zu einem Ball zusammen, und seine Stacheln stehen in alle Richtungen auf einmal heraus. Daran kannst du den Igel erkennen.«

»Ich mag diese alte Dame kein kleines bißchen,« sagte Stachlig-Pieksig im Schatten eines großes Blattes. »Möchte mal wissen, was sie noch alles weiß?«

»Die Schildkröte kann sich nicht zusammenrollen,« fuhr Mutter Jaguar fort, wobei sie vielmals graziös mit dem Schwanz wedelte. »Sie zieht nur den Kopf und die Beine in den Panzer. Daran kannst du die Schildkröte erkennen.«

»Ich mag diese alte Dame gar nicht – gar nicht, sagte Bedächtig-Solide Schildkröte. Nicht einmal Scheckiger Jaguar kann diese Hinweise vergessen. Es ist sehr schade, dass du nicht schwimmen kannst, Stachlig-Pieksig.«

»Erzähl mir nichts,« sagte Stachlig-Pieksig. »Stell dir vor, wie viel besser es wäre, wenn du dich zusammenrollen könntest. Das ist ein Schlamassel! Hör dir Scheckigen Jaguar an.«

Scheckiger Jaguar saß am Ufer des schlammigen Amazonas, saugte Stachel aus seiner Pfote und sagte sich vor-

»Kann nicht rollen, aber schwimmt-
Bedächtig-Solide bestimmt!
Rollt sich auf, wird nicht gern nass-
Stachlig-Pieksig ist das!«

»Das wird er nicht vergessen, solange die Sonne scheint,« sagte Stachlig-Pieksig. »Halt mein Kinn hoch, Bedächtig-Solide. Ich werde schwimmen lernen. Es könnte nützlich sein.«

»Ausgezeichnet!« sagte Bedächtig-Solide; und er hielt Stachlig-Pieksigs Kinn, während Stachlig-Pieksig in den Wassern des schlammigen Amazonas strampelte.

»Du wirst noch ein hervorragender Schwimmer,« sagte Bedächtig-Solide. »Wenn du jetzt meine Rückenplatten ein wenig aufschnüren könntest, will ich mal versuchen, wie weit ich es im Zusammenrollen bringe. Es könnte nützlich sein.«

Stachlig-Pieksig half, die Rückenplatten der Schildkröte ein wenig aufzuschnüren, so dass Bedächtig-Solide es mit viel Drehen und Zerren tatsächlich schaffte, sich ein winziges kleines bißchen zusammen zu rollen.

»Ausgezeichnet!« sagte Stachlig-Pieksig. »Aber ich sollte es damit erstmal genug sein lassen. Du wirst schon ganz blau im Gesicht. Führ mich freundlicherweise noch einmal ins Wasser, und ich werde den Seitenschlag üben, den du so leicht findest.« Und so übte Stachlig-Pieksig, und Bedächtig-Solide schwamm nebenher.

»Ausgezeichnet!« sagte Bedächtig-Solide. »Noch ein bißchen üben, und du wirst ein richtiger Wal. Wenn ich dich jetzt noch einmal bitten dürfte, meine Bauch- und Rückenplatten um zwei weitere Löcher aufzuschnüren, werde ich diese faszinierende Krümmung versuchen, die du so einfach findest. Wird der Scheckige Jaguar staunen!«

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Dieses Bild zeigt die ganze Geschichte von dem Jaguar und dem Igel und der Schildkröte und dem Gürteltier auf einem Haufen. Es sieht ziemlich gleich aus, egal, wie du es drehst. Die Schildkröte ist in der Mitte und übt gerade, sich zusammenzurollen, darum sind die Teile ihres Panzer so auseinander gespreizt. Sie steht auf dem Igel, der wartet, bis er mit den Schwimmübungen anfangen kann. Der Igel ist ein Japanischer Igel, weil ich unsere eigenen Igel im Garten nicht finden konnte, als ich sie zeichnen wollte. (Es war heller Tag, und sie waren in ihren Betten unter den Dahlien.) Gescheckter Jaguar schaut um die Ecke, mit seiner Patschpfote, die seine Mami behutsam verbunden hat, weil er sich gestochen hat, als er den Igel auskratzen wollte. Er staunt sehr über das, was die Schildkröte da macht, und seine Pfote tut ihm weh. Das rüsselige Ding mit dem kleinen Auge, über das der Gescheckte Jaguar zu klettern versucht, ist das Gürteltier, in welches die Schildkröte und der Igel sich verwandeln werden, sobald sie mit ihrem Zusammenrollen und Schwimmen fertig sind. Es ist ein ganz magisches Bild, und das ist einer der Gründe, warum ich dem Jaguar keinen Backenbart gezeichnet habe. Der andere Grund ist, dass er noch so jung war, dass ihm noch kein Backenbart wachsen konnte. Der Kosename, mit dem seine Mami den Jaguar rief, war ›Stoffel‹.

»Ausgezeichnet!« sagte Stachlig-Pieksig, ganz nass von dem schlammigen Amazonas. »Ich konstatiere, dass ich dich nicht von einem aus meiner eigenen Familie unterscheiden könnte! Zwei Löcher hast du, glaube ich, gesagt? Ein bißchen mehr Ausdruck, bitte, und grunze nicht so sehr, der Scheckige Jaguar könnte uns hören. Wenn du fertig bist, möchte ich die lange Tauchstrecke versuchen, die du so einfach findest. Wird der Scheckige Jaguar staunen!«

Und so tauchte Stachlig-Pieksig, und Bedächtig-Solide tauchte nebenher.

»Ausgezeichnet!« sagte Bedächtig-Solide. »Ein bisken mehr darauf achten, dass du den Atem anhältst, und du wirst am Grunde des schlammigen Amazonas deinen Haushalt führen können. Jetzt werde ich versuchen, meine Hinterbeine um die Ohren zu wickeln, was du ja so besonders gemütlich findest. Wird der Scheckige Jaguar staunen!«

»Ausgezeichnet!« sagte Stachlig-Pieksig. »Aber es überdehnt deine Rückenplatten ein wenig. Sie überlappen einander, statt Seite an Seite zu liegen.«

»Oh, das macht die Übung,« sagte Bedächtig-Solide. »Ich habe auch bemerkt, dass deine Stacheln miteinander zu verschmelzen scheinen, und dass du anfängst, ziemlich wie ein Kiefernzapfen auszusehen, und nicht mehr so sehr wie eine Kastanienfrucht.«

»Tatsächlich?« sagte Stachlig-Pieksig. »Das kommt davon, dass das Wasser mich so aufgeweicht hat. Oh, wird der Scheckige Jaguar staunen!«

Sie fuhren mit ihren Übungen fort, halfen sich gegenseitig, bis der Morgen herankam; und als die Sonne hoch stand, ruhten sie aus und trockneten sich. Da sahen sie, dass sie sich beide sehr verändert hatten.

»Stachlig-Pieksig,« sagte die Schildkröte nach dem Frühstück, »ich bin nicht mehr, was ich gestern noch gewesen bin, aber ich glaube, dass ich für Scheckigen Jaguar immer noch sehr amüsant sein kann.«

»Das war genau, was ich gerade dachte,« sagte Stachlig-Pieksig. »ich glaube, dass Schuppen gegenüber Stacheln eine ungeheure Verbesserung darstellen – ganz zu schweigen von der Befähigung zum Schwimmen. Oh, wird der Scheckige Jaguar staunen! Laß uns gehen und ihn suchen.«

Nach einiger Zeit fanden sie Scheckigen Jaguar, der immer noch seine Patschpfote pflegte, die in der vorigen Nacht verletzt worden war. Er war so überrascht, dass er dreimal rückwärts ohne anzuhalten über seinen scheckigen Schwanz purzelte.

»Guten Morgen!« sagte Stachlig-Pieksig. »Und wie geht’s heute deiner lieben graziösen Mami?«

»Es geht ihr ganz gut, danke,« sagte Scheckiger Jaguar; »aber ihr müßt entschuldigen, wenn ich mich im Moment nicht ganz genau an eure Namen erinnere.«

»Das ist herzlos von dir,« sagte Stachlig-Pieksig, »wenn man bedenkt, das du mich gestern um diese Zeit mit der Pfote aus meinem Panzer kratzen wolltest.«

»Aber du hattest keinen Panzer. Es waren alles Stacheln,« sagte Scheckiger Jaguar. »Ich weiß es. Guck dir nur meine Pfote an!«

»Du hast mir befohlen, mich in den schlammigen Amazonas zu werfen und zu ertrinken,« sagte Bedächtig-Solide. »Warum bist du heute so grob und vergeßlich?«

»Kannst du dich nicht mehr erinnern, was deine Mutter dir gesagt hat?« sagte Stachlig-Pieksig.

»Kann nicht rollen, aber schwimmt –
Stachlig-Pieksig bestimmt!
Rollt sich auf, wird nicht gern nass –
Bedächtig-Solide ist das!«

Dann rollten sie sich beide zusammen und rollten immer um Scheckiger Jaguar herum, bis ihm seine Augen wirklich wie Wagenräder im Kopf herumgingen.

Dann ging er und holte seine Mutter.

»Mutter, sagte er, »es gibt heute zwei neue Tiere in den Wäldern, und der eine, wo du sagtest, der kann nicht schwimmen, schwimmt doch, und der andere, wo du sagtest, der kann sich nicht zusammenrollen, rollt sich doch zusammen; und sie haben sich ihre Stacheln geteilt, glaube ich, weil sie beide über und über geschuppt sind, statt dass der eine glatt und der andere sehr stachlig ist; und außerdem rollen sie immer im Kreis herum, und mir geht’s nicht gut.«

»Sohn, Sohn,« sagte seine Mutter vielmals, wobei sie graziös mit dem Schwanz wedelte, »ein Igel ist ein Igel, und kann nichts anderes sein als ein Igel; und eine Schildkröte ist eine Schildkröte, und kann niemals irgendetwas anderes sein.«

»Aber es ist kein Igel und keine Schildkröte. Es ist etwas von beidem, und ich weiß seinen richtigen Namen nicht.«

»Unsinn!« sagte Mutter Jaguar. »Alles hat einen richtigen Namen. Ich würde es ›Gürteltier‹ nennen, bis ich den richtigen herausgefunden hätte. Und ich würde die Pfoten davon lassen.«

Und der Scheckige Jaguar beherzigte, was ihm geraten wurde, besonders das mit dem Pfoten-davon-lassen; aber das Seltsame ist, das von jenem Tage an bis heute, o Meistgeliebte, niemand an den Ufern des schlammigen Amazonas für Stachlig-Pieksig und Bedächtig-Solide jemals einen anderen Namen benutzt hat als ›Gürteltier‹. Es gibt anderswo natürlich Igel und Schildkröten (einige sogar in meinem Garten); aber die echte alte und listige Sorte, die ihre Schuppen überlapp-lipp-lappend eine über der anderen liegen hat, wie Kiefernzapfen, die in den Erhabenen und Lang-Vergangenen Zeiten an den Ufern des schlammigen Amazonas lebte, wird immer Gürteltier genannt, weil sie so listig war.

Nun ja; na gut, Meistgeliebte. Verstehst du?

Ich reiste nie am Amazon,
erreichte nie Brazil;
Doch der Don und Magdalena
die fahren dauernd hin!

Ja, täglich von South-Ampton,
die Dampfer, weiß und Gold,
Roll’n runter bis nach Rio,
(Roll‘ hin – roll‘ hin nach Rio!)
Und ich möcht‘ so gern nach Rio
Noch bin ich nicht zu alt!

Ich sah noch nie den Jaguar,
das Gürteltier noch nie
das Tier mit einem Gürtel ‚rum,
das fehlt mir irgendwie.

Darum will ich nach Rio
zu Wundern mannigfalt –
Roll‘ hin, roll‘ hin nach Rio –
Roll‘ wirklich bis nach Rio!
O, so gern rollt‘ ich nach Rio
Bevor ich werd‘ zu alt !

Die Katze, die frei umherstreifte

Die Katze, die frei umherstreifte

Übersetzt von Erich Ferdinand

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Höre und merke auf und lausche; denn dieses geschah und ereignete sich und wurde und war, O meine Meistgeliebte, als die zahmen Tiere noch wild waren. Der Hund war wild, und das Pferd war wild, und die Kuh war wild, und das Schaf war wild, und das Schwein war wild – so wild wie es nur sein konnte – und sie streiften wild und im Alleingang in den Weiten Wilden Wäldern umher. Aber das wildeste aller wilden Tiere war die Katze. Sie streifte frei umher, und sie fühlte sich überall zu Hause.

Natürlich war auch der Mann noch wild. Er war schrecklich wild. Er wurde erst zahm, als er der Frau begegnete, die ihm sagte, dass sie so eine wilde Lebensweise nicht leiden konnte. Anstatt eines feuchten Blätterhaufens als Schlafstelle suchte sie eine nette trockene Höhle aus; und sie bestreute den Boden mit sauberem Sand; und hinten in der Höhle zündete sie ein nettes Holzfeuer an; und sie hängte ein getrocknetes Wildpferdfell mit dem Schwanz nach unten vor den Eingang der Höhle; und sie sagte: »Wisch dir die Füße ab, wenn du reinkommst, Lieber, und jetzt wohnen wir.«

An dem Abend, Meistgeliebte, aßen sie Wildschaf, auf heißen Steinen geröstet und gewürzt mit wildem Pfeffer und wildem Knoblauch; und Wildente, gefüllt mit Wildreis und wildem Bockshornklee und wildem Koriander; Markknochen vom Wildochsen; und Wildkirschen und wilde Grenadillen. Dann legte sich der Mann überglücklich beim Feuer schlafen; aber die Frau blieb noch auf und kämmte sich die Haare. Sie nahm den Knochen von der Hammelschulter – das große dicke Schulterblatt – und sie betrachtete die wundervollen Zeichen darauf, warf noch Holz auf das Feuer und machte einen Zauber. Sie machte den ersten Gesangszauber der Welt.

Draußen in den Weiten Wilden Wäldern versammelten sich alle wilden Tiere, wo sie aus der Ferne das Licht des Feuers sehen konnten, und fragten sich, was das bedeuten sollte. Dann stampfte das Wildpferd mit seinem wilden Huf und sagte: »O meine Freunde und O meine Feinde, warum haben der Mann und die Frau das große Licht in dieser großen Höhle gemacht, und welches Leid wird es uns zufügen?«

Der Wilde Hund hob seine wilde Nase, schnupperte den Geruch des gebratenen Hammels und sagte: »Ich werde hingehen und sehen und schauen und berichten; denn ich glaube, es ist etwas Gutes. Katze, komm mit.«

»Nein, nie!« sagte die Katze. »Ich bin die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause. Ich werde nicht mitkommen.«

»Dann können wir nie wieder Freunde sein,« sagte der Wilde Hund und trabte davon zur Höhle. Aber als er ein kleines Stück weit weg war, sagte die Katze zu sich selbst: »Ich bin überall zu Hause. Warum sollte ich nicht auch hingehen und sehen und schauen und wieder weggehen, wie es mir paßt.« Also schlich sie leise, ganz leise, dem Wilden Hund hinterher und versteckte sich, so dass sie alles hören konnte.

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Dies ist das Bild von der Höhle, in der der Mann und die Frau zu allererst lebten. Es war wirklich eine sehr nette Höhle und viel wärmer, als sie aussieht. Der Mann hatte ein Kanu. Es liegt am Flußufer im Wasser, damit es aufquillt. Das zerfledderte Ding am anderen Ufer ist das Lachsnetz des Mannes, mit dem er Lachse fängt. Hübsche saubere Steine führen vom Fluß zur Höhle hinauf, so dass der Mann und die Frau Wasser holen können, ohne Sand zwischen die Zehen zu kriegen. Die Dinger weit unten am Srand, die wie schwarze Käfer aussehen, sind in Wirklichkeit Stämme von toten Bäumen, die aus den Weiten Wilden Wäldern vom anderen Ufer herüber geschwommen sind. Der Mann und die Frau zogen sie aus dem Wasser, trockneten sie und machten Feuerholz daraus. Ich habe den Pferdefellvorhang am Höhleneingang nicht gezeichnet, weil die Frau ihn gerade zum Waschen heruntergenommen hat. Alle die kleinen Schmutzflecken im Sand zwischen der Höhle und dem Fluß sind Abdrücke von den Füßen des Mannes und den Füßen der Frau.

Der Mann und die Frau sind beide in der Höhle beim Mittagessen. Als das Baby kam, sind sie in eine gemütlichere Höhle ungezogen, weil das Baby immer zum Fluß gekrabbelt und hineingefallen ist, und der Hund es herausziehen mußte.

Als der Wilde Hund den Höhleneingang erreichte, hob er das getrocknete Pferdefell mit der Nase an und schnüffelte nach dem wunderbaren Geruch des gebratenen Hammels, und die Frau, die das Schulterblatt betrachtete, hörte ihn, lachte und sagte: »Da kommt der erste. Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, was willst du?«

Der Wilde Hund sagte: »O meine Feindin, Weib meines Feindes, was riecht hier so gut in den Wilden Wäldern?«

Da nahm die Frau einen gebratenen Hammelknochen auf und warf ihn dem Wilden Hund vor und sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, probiere und versuch’s.« Der Wilde Hund nagte an dem Knochen, und der war leckerer als alles, was er je geschmeckt hatte, und er sagte: »O meine Feindin, Weib meines Feindes, gib mir noch einen.«

Die Frau sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, hilf meinem Mann am Tag bei der Jagd und bewache in der Nacht diese Höhle, und ich werde dir so viele gebratene Knochen geben, wie du brauchst.«

»Ah!« sagte die Katze, als sie das hörte. »Das ist eine sehr kluge Frau, aber sie ist nicht so klug wie ich.«

Der Wilde Hund kroch in die Höhle und legte der Frau den Kopf auf den Schoß und sagte: »O meine Freundin, Weib meines Freundes, ich werde deinem Mann den ganzen Tag beim Jagen helfen, und bei Nacht werde ich eure Höhle bewachen.«

»Ah!« sagte die Katze. »Das ist ein sehr dummer Hund.« Und sie ging durch die Weiten Wilden Wälder davon, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang. Aber sie verriet nichts.

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Dies ist das Bild von der Katze, die allein umherstreifte, wie sie im Alleingang durch die Weiten Wilden Wälder wandert und ihren Wilden Schweif schwenkt. Sonst ist außer ein paar Pilzen nichts auf dem Bild. Sie wuchsen da, weil die Wälder ziemlich feucht waren. Das klumpige Ding auf dem unteren Zweig ist kein Vogel. Es ist Moos, das da wuchs, weil es in den Wilden Wäldern so feucht war.
br> Unter dem richtigen Bild ist ein Bild von der gemütlichen Höhle, in die der Mann und die Frau umgezogen sind, als das Baby kam. Es war ihre Sommerhöhle, und davor pflanzten sie Weizen an. Der Mann reitet auf dem Pferd, um die Kuh zu suchen und zum Melken zur Höhle zurück zu bringen. Er hält die Hand hoch und winkt dem Hund, der auf die andere Seite des Flusses geschwommen ist, um dort Kaninchen zu suchen.

Als der Mann aufwachte, sagte er: »Was macht der Wilde Hund denn hier?« Und die Frau sagte: »Sein Name ist nicht mehr Wilder Hund, sondern Erster Freund, weil er für immer und immer und immer unser Freund sein wird. Nimm ihn mit, wenn du Jagen gehst.«

Am nächsten Abend schnitt die Frau einen großen grünen Armvoll frisches Gras aus den Wasserwiesen, trocknete es am Feuer, so dass es wie frischgemähtes Heu roch, und sie setzte sich an den Höhleneingang und flocht ein Halfter aus Pferdehaut, und sie schaute auf das Hammel-Schulterblatt – auf das große breite Schulterblatt – und machte einen Zauber. Sie machte den zweiten Gesangszauber der Welt.

Draußen in den Wilden Wäldern fragten sich alle wilden Tiere, was mit dem Wilden Hund geschehen war, und schließlich stampfte das Wilde Pferd mit dem Huf und sagte: »Ich werde gehen und sehen und berichten, warum der Wilde Hund nicht zurückgekommen ist. Katze, komm mit.«

»Nein, nie!« sagte die Katze. »Ich bin die Katze, die alleine umherstreift, und ich bin überall zu Hause. Ich werde nicht mitgehen.« Aber trotzdem folgte sie dem Wilden Pferd leise, ganz leise, und versteckte sich, so dass sie alles hören konnte.

Als die Frau das Wilde Pferd trappeln und über seine lange Mähne stolpern hörte, lachte sie und sagte: »Hier kommt der zweite. Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, was willst du?«

Das Wilde Pferd sagte: »O meine Feindin, Weib meines Feindes, wo ist der Wilde Hund?«

Die Frau lachte, nahm das Schulterblatt auf, schaute es an und sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, du bist nicht wegen des Wilden Hundes hergekommen, sondern wegen dieses guten Grases.« ( In jenen Erhabenen Zeiten war der Genitiv noch überall verbreitet, Anm.d.Übers.)

Und das wilde Pferd, trappelnd und über seine lange Mähne stolpernd, sagte: »Das ist wahr; gib es mir zu fressen.«

Die Frau sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, beuge deinen wilden Kopf und trage, was ich dir gebe, und du sollst dreimal täglich das wunderbare Gras fressen.«

»Ah,« sagte die Katze, als sie das hörte, »das ist eine schlaue Frau, aber sie ist nicht so schlau wie ich.« Das Wilde Pferd beugte seinen wilden Kopf und die Frau zog ihm den geflochtenen Lederhalfter über, und das Wilde Pferd atmete auf die Füße der Frau und sagte: »O meine Herrin, Weib meines Herrn, für dieses wunderbare Gras will ich euer Diener sein.«

»Ah,« sagte die Katze, als sie das hörte, »das ist ein sehr dummes Pferd.« Und sie ging durch die Weiten Wilden Wälder davon, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang. Aber sie verriet nichts.

Als der Mann und der Hund vom Jagen kamen, sagte der Mann: »Was macht das Wilde Pferd hier?« Und die Frau sagte: »Sein Name ist nicht mehr Wildes Pferd, sondern Erster Diener, weil es uns für immer und immer und immer von einem Ort zum andern tragen wird. Reite auf seinem Rücken zur Jagd.«

Am nächsten Tag kam die Wilde Kuh zur Höhle, ihren wilden Kopf hoch erhoben, damit ihre wilden Hörner sich nicht in den wilden Bäumen verfingen, und die Katze folgte ihr und versteckte sich genau wie zuvor; und alles ging wieder genau so wie zuvor; und die Katze sagte dasselbe wie zuvor, und als die Wilde Kuh versprochen hatte, der Frau jeden Tag ihre Milch im Tausch für das wunderbare Gras zu geben, ging die Katze durch die Weiten Wilden Wälder, ihren wilden Schweif schwenkend und in ihrem wilden Alleingang davon, ganz genau wie zuvor. Aber sie verriet nichts. Und als der Mann und das Pferd und der Hund vom Jagen nach Hause kamen und die selben Fragen wie zuvor stellten, sagte die Frau: »Ihr Name ist nicht mehr Wilde Kuh, sondern Spenderin Guter Nahrung. Sie wird uns für immer und immer und immer die warme weiße Milch geben, und ich werde sie pflegen, während du mit dem Ersten Freund und dem Ersten Diener jagen gehst.«

Am nächsten Tag wartete die Katze, ob noch ein Wildes Ding zu der Höhle gehen würde, aber niemand rührte sich in den Weiten Wilden Wäldern, also ging die Katze allein hin; und sie sah, wie die Frau die Kuh molk, und sie sah das Licht des Feuers in der Höhle, und sie roch den Geruch der warmen weißen Milch.«

Katze sagte; »O meine Feindin, Weib meines Feindes, wo ist die Wilde Kuh hingegangen?«

Die Frau lachte und sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, geh‘ zurück in die Wälder, denn ich habe meine Haare hochgeflochten, und ich habe das magische Schulterblatt weggepackt, und wir haben keinen Bedarf mehr an Freunden oder Dienern in unserer Höhle.«

Katze sagte: »Ich bin kein Freund und ich bin kein Diener. Ich bin die Katze, die alleine umherstreift, und ich wünsche, in eure Höhle zu kommen.«

Frau sagte: »Warum bist du dann nicht am ersten Abend mit dem Ersten Freund gekommen?«

Katze wurde sehr wütend und sagte: »Hat der Wilde Hund Geschichten über mich erzählt?«

Da lachte die Frau und sagte: »Du bist die Katze, die frei umherstreift, und fühlst dich überall zu Hause. Du bist weder Freund noch Diener. Du hast es selbst gesagt. Hau ab und geh zu deinem Überall-Zu-Hause.«

Da tat die Katze so, als ob es ihr leid täte und sagte: »Darf ich niemals in die Höhle kommen? Darf ich niemals am warmen Feuer sitzen? Darf ich niemals die warme weiße Milch trinken? Du bist doch sehr weise und sehr schön. Du solltest nicht grausam sein, nicht einmal zu einer Katze.«

Die Frau sagte: »Ich wußte, dass ich weise bin, aber ich wußte nicht, dass ich schön bin. Also werde ich einen Handel mit dir machen. Wenn ich jemals ein Wort zu deinem Lob sage, darfst du in die Höhle kommen.«

»Und wenn du zwei Worte zu meinem Lob sagst?« sagte die Katze.

»Das werde ich niemals tun,« sagte die Frau, »aber falls ich zwei Worte zu deinem Lob sage, darfst du in der Höhle am Feuer sitzen.«

»Und wenn du drei Worte sagst?« sagte die Katze.

»Das werde ich niemals tun,« sagte die Frau, »aber falls ich drei Worte zu deiner Ehre sage, darfst du dreimal täglich die warme weiße Milch trinken, für immer und immer und immer.«

Da machte die Katze einen Buckel und sagte: »Nun mögen der Vorhang am Eingang der Höhle und das Feuer im Innern der Höhle und die Milchtöpfe, die am Feuer stehen, sich erinnern, was meine Feindin, das Weib meines Feindes, gesagt hat.« Und sie ging, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang durch die Weiten Wilden Wälder davon.

Als an diesem Abend der Mann, das Pferd und der Hund vom Jagen kamen, erzählte die Frau ihnen nichts von dem Handel, den sie mit der Katze gemacht hatte, weil sie befürchtete, dass es ihnen nicht gefallen würde.

Die Katze lief weit, weit weg und vesteckte sich lange Zeit in den Weiten Wilden Wäldern in ihrem wilden Alleingang, bis die Frau sie ganz vergessen hatte. Nur die kleine Fledermaus – die kleine kopfüber-Fledermaus – die in der Höhle hing, flog mit den Neuigkeiten, die es gab, zur Katze.

Eines Abends sagte die Fledermaus: »In der Höhle ist jetzt ein Baby. Er ist neu und rosa, und fett und klein, und die Frau hat es sehr gern.«

»Ah,« sagte die Katze, »aber was hat das Baby sehr gern?«

»Es hat Sachen gern, die weich sind und kitzeln,« sagte die Fledermaus. »Es mag warme Sachen im Arm halten, wenn es einschläft. Es mag, wenn man mit ihm spielt. Das mag es alles gerne.«

»Ah,« sagte die Katze, als sie das hörte, »dann ist jetzt meine Zeit gekommen.«

In der nächsten Nacht ging die Katze durch die Weiten Wilden Wälder und versteckte sich ganz nah bei der Höhle, bis am Morgen der Mann und der Hund und das Pferd zum Jagen gingen. Die Frau war an dem Morgen sehr mit Kochen beschäftigt, und das Baby weinte und störte sie bei der Arbeit. Also trug sie es vor die Höhle und gab ihm eine Handvoll Kiesel zum Spielen. Aber das Baby weinte immer noch.

Da streckte die Katze ihr Patschpfötchen aus und tätschelte dem Baby die Bäckchen, und es gluckste; und die Katze rieb sich an seinen speckigen Knieen und kitzelte es mit dem Schwanz unter dem speckigen Kinn. Und das Baby lachte; und die Frau hörte es und lächelte.

Dann sagte die Fledermaus – die kleine kopfüber-Fledermaus, die am Höhleneingang hing: »O meine Gastgeberin, Weib meines Gastgebers und Mutter des Sohnes meines Gastgebers, ein wildes Ding aus den wilden Wäldern spielt sehr schön mit deinem Baby.«

»Gesegnet sei das Ding, was immer es auch sein mag,« sagte die Frau und streckte ihren Rücken, »denn ich war heute morgen eine sehr beschäftigte Frau und es hat mir einen Dienst erwiesen.«

In genau dieser Minute und Sekunde, Meistgeliebte, fiel der getrocknete Pferdefell-Vorhang, der mit dem Schwanz nach unten über den Eingang der Höhle gespannt war – wuusch! – herunter, weil er sich an den Handel erinnerte, den sie mit der Katze gemacht hatte, und als die Frau hinging und ihn aufhob – siehe da! – da saß die Katze ganz zufrieden in der Höhle.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »ich bin es: denn du hast ein Wort zu meinem Lob gesprochen, und jetzt darf ich für immer und immer und immer in der Höhle sitzen. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

Die Frau war sehr wütend, nahm ihr Spinnrad auf und begann zu spinnen. Aber das Baby weinte, weil die Katze weggegangen war, und die Frau konnte es nicht beruhigen, weil es um sich schlug und trat und ganz blau im Gesicht wurde.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »nimm einen Faden von dem Garn, das du spinnst, binde es an deine Spinnwirtel und zieh sie über den Boden, und ich werde dir einen Zauber zeigen, der dein Baby so laut zum Lachen bringt, wie es jetzt schreit.«

»Ich werde das mal machen,« sagte die Frau, »weil ich mit meiner Weisheit am Ende bin, aber ich werde dir nicht dafür danken.«

Sie band den Faden an die kleine tönerne Spinnwirtel und zog sie über den Boden, und die Katze rannte hinterher, schlug mit den Pfoten danach und rollte Hals-über-Kopf, warf sie sich rücklings über die Schulter und jagte zwischen ihren Hinterbeinen danach, verlor sie zum Schein und sprang wieder darauf los, bis das Baby so laut lachte, wie es geschrieen hatte, und hinter der Katze her krabbelte und in der ganzen Höhle herumtollte, bis es müde wurde und sich mit der Katze in den Armen schlafen legte.

»Jetzt,« sagte die Katze, »werde ich dem Kind ein Lied singen, von dem es eine Stunde lang schlafen wird,« und sie begann zu schnurren, laut und leise, leise und laut, bis das Baby fest schlief. Die Frau lächelte, als sie auf die zwei herabschaute und sagte: »Das hast du wunderbar gemacht. Keine Frage, du bist sehr gescheit, O Katze.«

In der selben Minute und Sekunde, Meistgeliebte, kam der Rauch des Feuers hinten in der Höhle in Wolken von der Decke herab – puff! – weil er sich an den Handel erinnerte, den sie mit der Katze gemacht hatte, und als er sich verzogen hatte – siehe da! – saß die Katze ganz gemütlich direkt am Feuer.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »ich bin es, denn du hast ein zweites Wort zu meinem Lob gesprochen, und jetzt kann ich für immer und immer und immer an dem warmen Feuer hinten in der Höhle sitzen. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

Da war die Frau sehr sehr wütend, und öffnete ihr Haar, legte Feuerholz nach, holte das breite Schulterblatt des Hammels hervor und begann einen Zauber zu machen, der sie davor schützen sollte, ein drittes Wort zum Lob der Katze zu sagen. Es war kein Gesangszauber, Meistgeliebte, es war ein Stummer Zauber; und nach und nach wurde es so still in der Höhle, dass eine kleine winzige Maus aus einer Ecke hervorkroch und über den Boden rannte.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »gehört die kleine Maus zu deinem Zauber?«

»Aah! Hieeh! Nein, überhaupt nicht!« sagte die Frau, und sie ließ das Schulterblatt fallen und sprang auf den Hocker, der vor dem Feuer stand, und drehte ihr Haar sehr schnell auf, aus Angst, dass die Maus daran herauflaufen würde.

»Ah,« sagte die Katze, als sie das sah, »dann wird die Maus mir nicht schaden, wenn ich sie auffresse?«

»Nein,« sagte die Frau und drehte ihre Haare auf, »friß sie schnell auf, und ich werde dir ewig dankbar sein.«

Katze machte einen Sprung und fing das Mäuschen, und die Frau sagte: »Tausend Dank. Nicht einmal der Erste Freund ist schnell genug, um so wie du Mäuschen zu fangen. Du mußt sehr klug sein.«

In diesem selben Moment und Augenblick, o Meistgeliebte, zerbrach der Milchtopf, der beim Feuer gestanden hatte, in zwei Stücke – ffft – weil er sich an den Handel erinnerte, den sie mit der Katze gemacht hatte, und als die Frau von ihrem Hocker sprang– siehe da! – schlabberte die Katze die warme weiße Milch aus einem der Bruchstücke.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »ich bin es; denn du hast drei Worte zu meinem Lob gesprochen, und jetzt kann ich dreimal täglich für immer und immer und immer die warme weiße Milch trinken. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

Da lachte die Frau und stellte der Katze eine Schale mit warmer Milch hin und sagte : »O Katze, du bist so klug wie ein Mensch, aber denk daran, dass dein Handel nicht mit dem Mann oder dem Hund abgeschlossen wurde, und ich weiß nicht, was sie machen werden, wenn sie nach Hause kommen.«

»Was interessiert mich das?« sagte die Katze. »Wenn ich meinen Platz am Feuer in der Höhle und dreimal täglich meine warme Milch habe, kümmert es mich nicht, was der Mann oder der Hund machen.«

Als an dem Abend der Mann und der Hund in die Höhle kamen, erzählte die Frau ihnen die ganze Geschichte von dem Handel, während die Katze am Feuer saß und grinste. Dann sagte der Mann: »Ja, aber mit mir hat sie keinen Handel gemacht, und auch nicht mit den anständigen Männern, die nach mir kommen werden.« Dann zog er seine beiden Lederstiefel aus und nahm seine kleine Steinaxt (das waren drei) und er holte ein Stück Holz und ein Beil (das macht zusammen fünf ), stellte alles in einer Reihe auf und sagte: »Jetzt werden wir unseren Handel machen. Wenn du nicht Mäuse fängst, so lange du in der Höhle bist, für immer und immer und immer, werde ich diese fünf Sachen nach dir werfen, sobald ich dich sehe, und alle anständigen Männer nach mir werden das auch so halten.«

»Ah,« sagte die Frau, als sie das hörte, »das ist eine sehr kluge Katze, aber sie ist nicht so klug wie mein Mann.«

Die Katze zählte die fünf Sachen (die sehr knorrig aussahen) und sagte: »Ich werde für immer und immer und immer Mäuse fangen, wenn ich in der Höhle bin; aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

»Nicht, wenn ich in der Nähe bin,« sagte der Mann. »Wenn du das zuletzt nicht gesagt hättest, hätte ich alle diese Sachen für immer und immer und immer weggelegt; aber jetzt werde ich meine Stiefel und meine kleine Steinaxt nach dir werfen (das sind drei), wann immer ich dich sehe. Und alle anständigen Männer nach mir werden das auch so halten.«

Dann sagte der Hund: »Wartet mal. Mit mir und mit allen anständigen Hunden nach mir hat sie keinen Handel gemacht.« Und er zeigte seine Zähne und sagte: »Wenn du nicht für immer und immer und immer lieb zu dem Baby bist, so lange ich in der Höhle bin, werde ich dich jagen, bis ich dich habe, und wenn ich dich habe, werde ich dich beißen. Und alle anständigen Hunde nach mir werden das auch so halten.«

»Ah,« sagte die Frau, als sie das hörte, »das ist eine sehr kluge Katze, aber sie ist nicht so klug wie der Hund.«

Die Katze zählte die Zähne des Hundes (und die sahen sehr spitz aus) und sagte: »Ich werde für immer und immer und immer lieb zu dem Baby sein, wenn ich in der Höhle bin, so lange es nicht zu feste an meinem Schwanz zieht. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

»Nicht, wenn ich in der Nähe bin,« sagte der Hund. »Wenn du das zuletzt nicht gesagt hättest, hätte ich für immer und immer und immer meine Schnauze gehalten; aber jetzt werde ich dich auf einen Baum scheuchen, wann immer ich dich sehe. Und alle anständigen Hunde nach mir werden das auch so halten.«

Dann warf der Mann seine zwei Stiefel und seine kleine Steinaxt (das macht drei) nach der Katze, und die Katze rannte aus der Höhle, und der Hund scheuchte sie auf einen Baum; und von jenem Tage bis heute, Meistgeliebte, werden drei von fünf anständigen Männern immer mit Sachen nach einer Katze werfen, sobald sie sie sehen, und alle anständigen Hunde werden sie auf einen Baum scheuchen. Aber die Katze hält ihre Seite des Handels genauso ein. Sie wird Mäuse töten und lieb zu Babies sein, wenn sie im Haus ist, solange die sie nicht zu feste am Schwanz ziehen. Aber wenn sie damit fertig ist, und auch zwischendurch, und wenn der Mond aufgeht und die Nacht kommt, dann ist sie die Katze, die frei umherstreift, und ist überall zu Hause. Dann geht sie in die Weiten Wilden Wälder oder auf die Weiten Wilden Dächer, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang.

 

Pussi sitzt am Feuer und schnurrt,
Pussi springt auf den Baum,
Spielt mit dem alten Kork an der Schnur,
Spielt für sich, beachtet mich kaum.
Viel lieber ist mir da Bello, der Hund
Der sich richtig benehmen kann,
Bello ist, was der Erste Freund war, und
ich bin der Höhlenmann.

Pussi ist nur Mein-Mann-Freitag geblieben,
Bis es Zeit war, die Pfoten zu rühren;
(Für Crusoe hat sie’n Fuß-Abdruck geschrieben)
Jetzt will sie auf Dächern spazieren.
Sie plustert den Schwanz und miaut
Und kratzt und rennt hin und her.
Doch Bello spielt mit und bellt fröhlich laut,
Mein Erster Freund, das ist er.

Pussi reibt ihr Köpfchen an meinem Knie
Tut so, als liebt‘ sie mich sehr;
Doch wenn ich zu Bett geh, seh ich sie nie,
Dann läuft sie im Hof hin und her;
Und da bleibt sie, bis die Sonne aufgeht,
Darum weiß ich, sie macht mir was vor;
Denn Bello schnarcht nachts bei mir vor dem Bett,
Mein Erstester Freund, das ist er!

Ein Sang des Kabir

Ein Sang des Kabir

        Oh, wie leicht wog die Welt in der Macht seiner Hand!
Wie weit zog sein Ruhm über Lehen und Land!
Er stieg nieder vom Thron, ließ die Macht und den Schein,
Ging in Bettlergewand, ein Bairagi zu sein.

Weiß glüht Delhis Straße, dem Fuß nun zur Matten,
Dammar und Akazie dem Haupt nun zum Schatten,
Sein Heim das Gewühl, Feld und Wald, Wüstenei’n,
Einen Pfad sucht im All der Bairagi allein.

Er schaute den Menschen, sein Auge ward klar
(Einer wird, spricht Kabir, einer ist, einer war),
Der Tat roter Nebel nicht hüllt ihn mehr ein,
Er wandelt den Pfad – ein Bairagi – allein.

Daß vom Bruder, dem Tier, seinem Bruder, der Erde,
Seinem Bruder, dem Gott, Erkenntnis ihm werde,
Ließ Thron er und Rat – er starb nun dem Schein
(Ihr hört? spricht Kabir), ein Bairagi zu sein.