859. Der Passauer Tölpel

859. Der Passauer Tölpel

Zu Passau, das als eine Dreistadt nächst Oberhausen am Zusammenstrom dreier Flüsse liegt, der Donau, des Inn und der Iltz, ist gegen der großen Kirche über bei einer Mauer ein abscheulich großes Mensch«nhaupt in Stein gehauen zu sehen, dessen Mund zwei Spannen lang ist, woraus zu schließen, welche Anmut das Ganze zeigt, das wird der Passauer Tölpel genannt und ist weit und breit bekannt als ein Wahrzeichen, neben dem Stadtwappen, das nicht minder als ein solches gilt und einen geschundenen Wolf vorstellt. Und erging es den Passauer Gesellen immer schlecht genug, wenn sie in die Fremde kamen, denn da war des Fragens nach ihrer guten Stadt Wahrzeichen kein Ende. Die Klugen wußten sich aber gar gut zu helfen, denn sie erwiderten dann insgemein den unkundigen Fragern, sie hätten ein getreues Abbild des Tölpels mit sich in die Fremde gebracht, und so nun einer geneigt war, solches zu sehen, ließen sie ihn in einen Spiegel blicken, da sähe er Tölpels zur Genüge. So auch in der eigenen Stadt, wenn einer neugierig war und den Tölpel sehen wollte und nach ihm fragte, führten sie ihn zu einem Rohrbrunnen, ließen ihn in dem Wasserspiegel sein eigen Antlitz schauen, und wenn sie es recht wohl mit ihm meinten, gössen sie ihm einen Stutz Wasser über den Kopf oder stießen sein Gesicht zum Gesicht im Wasser, da hatte er dann gleich eine Tölpelei zu Gesicht bekommen.

Ein anderweites Wahrzeichen zu Passau war der Blutstein, auf diesem ließ Herzog Otto von Bayern einen ihm feindlichen Legaten des Papstes des Namens Albrecht, der ihm die Stadt aufsässig gemacht, erwürgen, schinden und in Stücke hauen, davon soll noch der geschundene Wolf im Passauer Stadtwappen herrühren.

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854. Sankt Emmeran

854. Sankt Emmeran

Was der heilige Sebald für Nürnberg ward, hochverehrter Wundertäter, segenwirkender Schutzpatron und gefeierter Heiliger, das alles wurde Sankt Emmeran für die freie Reichs- und Reichstagstadt Regensburg, von der die Rede geht, daß sie so viele Kirchen und Kapellen gehabt als das Jahr Tage. Der heilige Emmeran oder Heimeran stammte aus Guienne und war Bischof von Poitiers. Aus Neigung, die Heiden zu bekehren, kam er nach Deutschland und nach Bayern. In diesem Lande hatte zwar der heilige Rupert bereits den Samen des Christentums ausgestreut, jedoch noch nicht an allen Orten, und Theodo V., der Bayerherzog, bat Sankt Emmeran, das gottselige Werk fortzusetzen. Herzog Theodo hatte eine schöne Tochter namens Utha, und Utha hatte einen Liebsten namens Siegebald, und der hatte den Namen mit der Tat, er hatte bald gesiegt, und zwar allzubald, und war darüber bei Utha großes Herzeleid, und wußte sich keines Rates, fürchtete vielmehr, daß der Zorn ihres Vaters und Bruders sie und ihren Geliebten töten würde. Da entdeckte sie sich dem heiligen Emmeran, und der fromme reine Mann war von so himmlischer Güte, daß er ihr den Rat gab, sie möge ihn als Täter nennen. Ob er nun glaubte, die Sache damit minder schlimm für Utha zu machen und der Rache zu entgehen, da er gerade im Begriff war, gen Rom zu reisen, oder ob er sich nach dem martervollsten Tode sehnte, weiß man nicht. Er reiste ab, und die geängstigte Utha befolgte seinen Rat. Zornentbrannt warf sich alsbald Landopert, ihr Bruder, mit einer Schar Mannen aufs Roß und setzte dem frommen Pilger nach, holte ihn auch bald genug zwischen dem Inn und der Isar beim Dorfe Helfenburg ein und schrie ihn spöttlich an: Ei guten Tag, Bischof! Ei guten Tag, Herr Schwager! – ließ alsbald Emmeran greifen, auf eine Leiter binden, ihm die Hände und Füße abhauen, die Nase und Ohren abschneiden, die Augen ausstechen und den verstümmelten noch lebenden Körper in die Sonne stellen. Als die grause Tat geschehen war, wurden zwei Männer sichtbar, welche eilig die abgelösten Gliedmaßen des heiligen Mannes sammelten und vor den Augen der Mordknechte verschwanden, und zu dem wahnbetörten Landopert trat Wolflet, ein Geistlicher, dem Emmeran alles vertraut und seinen Tod vorausgesagt hatte, und welcher, als die Mordtat geschah, nicht beihanden war, hätte sie auch schwerlich hemmen können. Nun freilich ward Landopert die übereilte grausame Tat von Herzen leid, war aber einmal geschehen, und wurde der Körper erhoben und gen Regensburg geführt, und da fuhr die Seele aus dem Munde des Gemordeten wie ein rosenroter Blitzstrahl und fuhr gen Himmel. An dem Orte des Mordes wölbte sich von selbst ein grüner Hügel, wie ein Grab, und geschahen daselbst unzählige Wunder. Der heilige Leichnam wurde zu Regensburg in St. Georgen beigesetzt, und Landopert erbaute zur Sühne und zur Buße seiner Untat das berühmte Stift St. Emmeran. Solches alles hat sich begeben im Jahre des Herrn 652, da noch die Agilolfinger in Bayern herrschten. Ob des heiligen Mannes schuldloser und blutiger Opfertod der Prinzessin Utha zugute gekommen, meldet die Sage nicht, aber der Stadt Regensburg ist dieser Tod zu hohem Glück gediehen bis zur Zeit, da in Kostnitz das Konzil war und der Huß verbrannt wurde. Da sind in Regensburg zwei Geistliche gewesen, die haben es laut gesagt, daß dem Huß zu viel geschehen sei. Da wurden diese beiden ergriffen und ihnen auch gleichwie dem Huß getan, und ward damals der Ketzerturm erbaut. Von dieser Zeit an, erging die Sage, habe man bemerken wollen, daß sich das Glück dieser Stadt gar merklich verkehrt und ins Abnehmen gekommen.

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84. Der Heiligen Gräber

84. Der Heiligen Gräber

Im Mosellande beim Dorfe Chau steht eine dem heiligen Eucharius geweihte Kapelle. Sankt Eucharius war ein Sohn des Königs Baccius von Catalonien und der Lientrudis, dessen Gemahlin. Dieses fromme Paar gab aber nicht nur dem heiligen Eucharius das Leben, sondern auch dem heiligen Eligius, der heiligen Liberia, der heiligen Susanna, der heiligen Memia, der heiligen Oda und der heiligen Gertrudis. Alle diese Heiligen wurden mit vielen Edlen dieses Gaues durch die wilden Vandalenhorden, welche Julianus Apostata in das Land führte, umgebracht, an der Zahl zweitausendzweihundert, und das geschah im Jahre 262 nach Christi Geburt, am 10. Mai. So wurde jene Gegend ein großer Totenhof, und die alte Kapelle an der Mosel, Chau gegenüber, wurde zum Grabstein der frommen Märtyrer und bewahrt auf Gedenktafeln das Gedächtnis derselben der Nachwelt auf.

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849. Schweppermanns Eier und Grab

849. Schweppermanns Eier und Grab

Ohnweit Amberg in der bayrischen Oberpfalz, im Kloster Castel, ruht der fromme Schweppermann, der war Feldmarschall Kaiser Ludwigs des Bayern, tapfer und bewährt, und half ihm vornehmlich zum Siege wider seinen Gegenkönig, Friedrich den Schönen von Österreich. Da nun die Siegesschlacht geschlagen war, darin Friedrich der Schöne gefangen worden, so sprach der Sieger zu dem Besiegten: Seid gottwillkommen, Herr Vetter! Wir sehen Euch gerne – und behandelte ihn mild und gütig. Wie es nun an des Königs Tafel wenig zum besten war, denn die Kriegsgurgeln hatten allen Vorrat aufgezehrt, und gab nur Eier, und auch deren nur ein einziges mehr, als Personen an der Tafel saßen, so überzählte sie der Kaiser, nahm zwei Eier, legte diese auf Schweppermanns Teller und sprach:

Jedem ein Ei,
Dem frommen Schweppermann zwei.

Als nun Schweppermann gestorben und begraben war, da wurde ihm diese schöne Grabschrift gesetzt:

Hie liegt begraben Herr Seyfried Schwepperman
Alles thuns wandel an (makellos)
Ein Ritter keck vnde fest
Der czu Grundersdorf thät das best
Er ist nu tod
Dem genate got
Jedem eyn ey
Deme frommen Schwepperman zwey.

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850. Trausnitz

850. Trausnitz

Da Ludwig der Bayer den Österreicher Friedrich den Schönen in seine Macht und Gewalt gebracht hatte, so ließ er ihn nach der sichern Feste Trausnitz ob Landshut bringen, ihn da verwahrlich aufzubehalten. Wie nun Friedrich nach dem Namen des Schlosses fragte und selben erfuhr, erseufzete er und sprach: Ja wohl, truwes nit, trau’s nicht! Ich habe sein je nit getraut, daß ich sollte darein gebracht werden. – Zu Friedrichs Bruder, Herzog Leopold dem Ruhmreichen, trat bald darauf ein Zauberer, der erbot sich, mit des Teufels Beihülfe Friedrich zu befreien, und sandte auch wirklich einen Teufel auf die Trausnitz, den Gefangenen hinwegzuführen. Dieser stellte sich dem Könige in Pilgrimstracht vor Augen und erbot sich, ihn auf seinen Schultern von dannen zu tragen, wie Herzog Heinrich den Löwen über Meer. Da fragte der König Friedrich: Wer bist du? – Mußt du es wissen? fragte der Teufel zurück. Dich aus dem Kerkerschloß zu holen, kam ich her, nicht um deinen Fragen Rede zu stehn. – Da graute dem Könige, und schlug ein Kreuz, und der höllische Postmeister fuhr von dannen. Hernach hat Herzog Leopold dem König Ludwig mit Krieg also weh getan, daß er den Gefangenen doch entlassen mußte.

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851. Der Krötenberg

851. Der Krötenberg

Im Landgerichte Rottenburg, zwischen Landshut und Abensberg, liegt im Biebertale ein kleines Kirchdorf, Nordholz geheißen, und nahe dabei ein Berg, der eine Burgtrümmer trägt, allwo ein ritterliches Geschlecht gleichen Namens hauste. Mit diesem Berge hat es eine sondere Beschaffenheit; alljährlich im Maimond gebiert er – nicht Mäuse gleich dem kreisenden Berge des Sprüchworts, sondern eitel Kröten. Scharenweise wie aus einer Quelle schwulgern sie hervor und purzeln und patschen übereinander in Haufen den Berg hinab und rauschen und rascheln im Laub und Gesträuch. Drunten ist ein Weiher, da ziehen sich die Kröten hinein, und binnen drei Tagen ist der so voll, daß er überläuft, und da laufen die Kröten auch mit über und statten der nahen Mühle Besuch ab, verbreiten sich über Hof und Garten, in Stuben und Keller, Kammern und auf den Boden und machen das Haus fast unbewohnbar. Niemand weiß, woher der so plötzliche Zuspruch, item, die Kröten sind da, und niemand tut ihnen etwas, denn – das ist die Hauptsache – je mehr ihrer kommen, je willkommener sind sie, weil sie prophetische Tiere sind, nämlich Vorboten einer reichen Getreideernte, wenn sie in recht großer Zahl erscheinen, wie der Heerwurm auf dem Thüringer Walde. Nach drei Tagen verlieren sie sich, ohne daß man gewahrt, wo sie hinkommen; zurück in den Berg gehen sie nicht, derselbe hat aber von dieser seltsamen Naturerscheinung den Namen Krötenberg erhalten.

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852. Die Abensberger Schar

852. Die Abensberger Schar

Da Kaiser Heinrich II. zu Regensburg Hof hielt, stellte er ein Jagen an in den Forsten zwischen Regensburg und Abensberg und lud dazu die benachbarten Edeln, doch mit dem Gebot, es möchte ihrer keiner mehr denn nur einen Diener mitbringen, sintemalen es schien, als sei der Kaiser freigebiger gegen die Pfaffen gewesen als gegen die Jäger. Siehe, da nahete dem Hoflager im Walde von Avensberg her eine starke und stattliche Männerschar, alle in guter Jagdwehr und hoch zu Roß, und große Dienerschaft lief neben den Rossen. Wer nahet dorten mit so vielem Gefolge? fragte der Kaiser, und die Antwort lautete: Graf Babo ist’s, der Abensberger. – Da nun der Graf nahe herzuritt, sah ihn der Kaiser ungnädig an und fragte: Du hast wohl Unser Gebot nicht vernommen oder verstanden, daß du so viele Mäuler uns ins Lager führest? – Darauf sprang Graf Babo vom Roß und beugte seine Kniee vor dem Kaiser und sprach: Hoher Herr! Du hattest die Gnade, mir und meinen Söhnen zu erlauben, dem Jagen beizuwohnen. Jeder von uns kommt selbander nur mit einem Diener! – Das sind ja über sechzig Mannen! rief der Kaiser. – Ja, hoher Herr! Es sind unserer sechsundsechzig! erwiderte mit heiterer Miene Graf Babo. Und da traten zweiunddreißig Männer, Jünglinge und Knaben, die indes von ihren Rossen gestiegen waren, und knieten nieder, und Babo sprach: Siehe, hoher Herr, das sind alle meine lieben Söhne, die und noch acht Töchter habe ich mit zwei Frauen erzeugt in Gottes Hülfe und die Söhne erzogen zu deinem Dienst, und übergebe und widme sie dir mit Leib und Leben! – Das laß ich gelten! rief der Kaiser, sind das deine Söhne, ei, so sollen es auch meine Söhne sein. Einem ist die Natur freigebig, einem ist sie karg. – Und reichte einem jeden der zweiunddreißig die Hand, und dem Vater zu allererst, und verhieß ihnen Schlösser und Lehen, ihren gräflichen Stand wohl fortzuführen.

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853. Die heilige Stilla

853. Die heilige Stilla

Aus dem Geschlechte der Grafen von Abensberg ging eine fromme Maid hervor, deren Name war Stilla. Sie war die Tochter Wolfram II. Stilla erbaute eine Kapelle unfern Abensberg in die Ehre Sankt Peters und stiftete mit ihren Brüdern Rapoto und Konrad das Kloster Heilsbronn. Stilla gelobte dem Himmel ewige Keuschheit, besuchte täglich im Geleit ihrer Frauen ihren Andachtsort und hätte nichts lieber gehabt, als auch an dessen Stätte ein Kloster erstehen zu sehen. Sie teilte mit dem heiligen Sebald ganz ein und dasselbe Sehnen, da zu ruhen, wohin weiße Stiere ihren Leichnam ohne Führer ziehen würden. Diesen Ort bezeichnete auch bereits ein Handschuh, den Stilla in die Luft warf, aber nicht im Zorn wie die thüringische Sophia oder Alberade von Banz, sondern in lauterer frommer Zuversicht, und der Handschuh war, einer weißen Taube gleich, nach ihrer Kapelle zugeflogen und hatte auf diese sich niedergelassen. Da nun Stilla gestorben war, sollte sie in das Kloster gen Heilsbronn begraben werden, aber da taten die Dienerinnen deren letzten Willen kund, und so ward derselbe befolgt, und das weiße Stiergespann zog ihre Leiche ohne Lenker zu ihrer Kapelle hin. Danach ist auch ihr heißer Wunsch noch erfüllt und an deren Stätte ein Frauenkloster erbaut worden, welches den Namen Marienburg empfing. Rechts beim Eingang in die Klosterkirche erblickt man Stillas Grab, und geschahen allda viele Wunder, und wurde Stilla als Heilige vom Volke verehrt, gleichwie die preußische Dorothea, obschon kein Papst sie kanonisierte; aber Bischof Rainboto von Eichstätt hatte in der Peterskapelle ihr zu Ehren einen Altar errichtet und geweiht.

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841. Die Waldjungfrauen

841. Die Waldjungfrauen

In der Nähe des Städtchens Baiersdorf zwischen Erlangen und Forchheim liegt ein Wald und in dem Wald ein Quell, aus diesem kamen, so erzählen alte Leute, zum öftern Jungfrauen in die Stadt von holdseliger Gestalt und Gebärde. Sie wohnten den Tänzen der Jugend bei und erfreuten auch mit süßem Gesang die Zuhörer. Da traf sich’s wohl bisweilen, daß eines Jünglings Herz in Liebe kam gegen diese zarten Mädchen, und daß er ihnen nachfolgte, wenn sie zum Wald zurückgingen. Oder es trieb auch manchen die Neugier hinaus in den Wald, zu erspähen, in welchem Schloß oder Haus diese Huldinnen wohnten, doch hat es keinem Glück gebracht, der ihren Spuren folgte. Die Liebenden kehrten meist in sich gekehrt und tiefsinnig zurück; einer sprach, ein anderer lachte nie mehr, ein dritter fiel in schwere Krankheit des Gemüts, daran er starb. Die Neugierigen wurden geschreckt durch häßliche Waldgespenste und empfingen zum Teil allen Übeln Lohn des Vorwitzes. Daher wurde es bald im Volke üblich, die Kinder zu warnen, zumal abends, nicht in den Wald zu gehen oder im Walde einer Jungfrauenerscheinung nachzuwandeln, weil es Unglück bringe. Heutzutage sieht man die Waldjungfrauen nicht mehr und hört nichts mehr von ihnen.

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842. Die Spinnerin

842. Die Spinnerin

Die Spinnerin, so nennt das Volk eine romantische Felsengruppe zwischen Westheim und Dochstätten, nicht weit von Marktbergel in Mittelfranken gelegen. Einst ging vom nahen Wessachhof ein junges Mädchen mit ihrem Rocken im Arm nach Westheim spinnen; in der Spinnstube ging es lustig her, und sie blieb ungewöhnlich lange trotz der Warnung ihrer Eltern, nicht über zehn Uhr auszubleiben – es war aber schon zwischen elf und zwölf Uhr, als sie ihren Nachhauseweg antrat, und weil es ungewöhnlich finster war, hatte sie die Begleitung zweier junger Bursche angenommen. Als nun die drei über die Felsen und Abgründe dahinschritten, wurde es so stockfinster, daß sie keinen Weg und Steg mehr sahen. Darüber begannen die beiden Bursche zu fluchen und zu lästern und riefen den bösen Feind zu Hülfe, während das arme Mädchen ängstlich schrie und klagte. Der Teufel ließ gar nicht lange auf sich warten, er erschien, packte die Lästerer, drehete ihnen die Hälse um und warf sie in die Schluchten hinab. Die arme Spinnerin aber war vor Schreck und Graus auf der Stelle des Todes und stürzte ebenfalls in den Abgrund. Sie spukt heute noch dort; die Wanderer, welche zur Abendzeit des Weges kommen, die führt sie irre. Zuweilen hören sie auch das wütende Heer über sich vorüberziehen. Noch in neuerer Zeit geschah dies einem jungen Mann, der seine Verwandten besuchen wollte; er mußte die ganze Nacht gehen, und früh war er ebenso weit von dem Ort entfernt, den er besuchen wollte, als des Abends vorher, ohnerachtet er den Weg genau kannte. Er klagte seinen Irrgang einem alten Jäger einige Tage daraus! Ja! sagte dieser, da hat die Spinnerin Sie irregeführt. – Diese Spinnerin kann immer noch zufrieden sein, sie wandelt doch noch auf Erden und ist nicht so weit hinweggewünscht wie die Spinnerin im Mond.

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