257. Die Barstukken

257. Die Barstukken

In der Stadt Rastenburg und bei derselben gibt es auch Zwergmännlein, die führen dort den seltsamen Namen Barstukken, auch Fingerlinge, und die sind nicht so böse als die andern, die weiter nordwärts hausen. Sie wohnen vornehmlich in einem Hügel bei dem Dorfe Heiligelinde, wo in den Heidenzeiten eine übergroße Linde gestanden haben soll, unter welcher nach dem Volksbrauch die Götter verehrt wurden.

Die Barstukken erscheinen als gute und hülfreiche Hausgeister, welche bei Kranken wachen, wenn die Wächter schlummern, besonders bei Mondschein. Denen sie gütig gesinnt sind, denen schleppen sie zu, was sie von denen nehmen, die sich nicht hold gegen sie beweisen. Man mußte ihnen ein sauberes Tischchen decken und darauf einfache Kost stellen, Brot, Butter, Käse, Bier, Milch, damit waren sie zufrieden und verzehrten es. Blieb alles unberührt, so war das kein gutes Zeichen, dann wollten die Barstukken nichts mehr von dem Hausbesitzer wissen und taten für das Gesinde keine Arbeit mehr. Die Barstukken, auch Berstuken genannt, hatten einen Gott über sich, der hieß Puschkait. Seine und ihre Wohnung war unter Holunderbüschen.

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258. Heiligelinde

258. Heiligelinde

Als die Götterstätte in der Nähe von Rastenburg zerstört war, blieb doch dem Volke, obschon es zum Christentum bekehrt war, die Stelle lieb und wert, und es wurde auf jenem Hügel eine junge Linde gepflanzt. Nun saß einmal vor vielen hundert Jahren ein Missetäter zu Rastenburg auf den Tod gefangen, dem erschien, weil er reuig war, am Tage vor seiner anberaumten Hinrichtung die heilige Jungfrau, die sprach ihm tröstlich zu und gab ihm ein Messer und ein Stück Holz und sagte: Schnitze aus dem Holz, wozu du Lust hast, und setze das Bild dann auf eine Linde. Solches tat er und begann zu schnitzen, und am andern Morgen war es die kostbarste Schnitzerei geworden, ein übervortreffliches Marienbild mit dem Jesusknaben auf dem Arm, und nun erzählte der Gefangene von der Wundererscheinung. Darauf wollte ein Rat zu Rastenburg den Gefangenen nicht richten, sondern gab ihn frei, damit er Mariens Befehl vollziehe. Darauf ist der Mann aus Rastenburg gegangen gen Rössel zu, aber er ist vier Tage herumgeirrt, bis er eine Linde fand, und das war auf dem alten Götterhügel, darauf stellte er sein Bild. Es war aber der Ort gar nicht weit von Rastenburg und noch näher bei Rössel gelegen und führt jetzt die Straße von einem Ort zum andern dort vorbei. Als das Bild auf der Linde stand, blieb die Linde Sommer und Winter grünen, und das Bild begann Wunder zu üben, wie jenes wundertätige Holzbild der heiligen Jungfrau mit dem Kinde unter der Linde zu Grimmenthal, die noch heute steht. Ein Blinder ward vorbeigeführt, der sah einen hellen Schein, dem ging er nach, und als seine Hand die Linde berührte, wurden seine Augen aufgetan, und er sah zuerst vor allem das Bild und betete dankend an. Das Vieh, das am Baume vorbeigetragen wurde, beugte die Kniee vor dem Bilde. Da nun die zu Rastenburg von dem Bilde hörten, wollten sie es bei sich verehren und in gute Obhut nehmen, stellten daher eine große Prozession an und zogen über Poswangen und Pötschendorf nach dem Hügel und holten das Bild; allein am andern Morgen war es fort und wieder an der alten Stelle. Da haben die Rastenburger eine noch größere Prozession angestellt und sind wieder hingezogen und haben das Bild geholt, es ging ihnen aber wieder ebenso – das Bild kehrte zu seiner Linde zurück, wo es stehen wollte. Und nun wurde dort eine Kapelle gebaut und entstand eine große Wallfahrt, und ein Ort baute sich an, der wurde Heiligelinde genannt. Alle Bäume in der Gegend zwischen den vier Dörfern Pötschendorf, Beeslack, Kattmedien und Rabowen, deren genauen Mittelpunkt Heiligelinde bildet, neigen ihre Wipfel jener Kapelle zu.

Gleiche Wanderung eines Marienbildes, von welcher die Sagen häufig melden, wird auch von Kulm erzählt, allwo das Bild immer wieder aus der Kirche auf die Stadtmauer wich.

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25. Die Würfelwiese

25. Die Würfelwiese

Ganz nahe der Stadt Baden im Aargau liegt eine Wiese, welche die Würfelwiese genannt wird. Darauf soll oft der Teufel sein Spiel haben. Seit undenklichen Jahren werden auf ihr Würfel gefunden, viele Tausende, und keiner weiß, wo sie herkommen, ob Römer hier eine Würfelfabrik gehabt oder ob Meister Urian diese seine Lieblinge hier im Erdreich wachsen läßt, genug, sie kommen hervor, als ob sie quillten, mit jedem Maulwurfshaufen, und ist die Ursache noch niemals zu ergründen gewesen.

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259. Sankt Georg schützt Holland

259. Sankt Georg schützt Holland

Als der Hochmeister Albrecht mit den Polen kriegte, waren diese schon bis zum Städtchen Preußisch-Holland vorgedrungen, welches nicht weit von Elbing liegt, und hielten es mit achttausend Mann umlagert; im Städtlein aber war gar wenig streitbare Mannschaft, dennoch geschah den Belagerern ein großer Schade, und sie vermochten nicht, Holland zu gewinnen. Denn wenn sie einen Sturm unternahmen, sahen sie einen bekreuzten Ritter mit einem wunderlichen uralten Helm und einem strahlenden Panzer, darüber eine weiße bekreuzte Tunika den Streitern voran, der immer da vorkämpfte, wo die Belagerten sich schwach zeigten. Das haben hernachmals die Gefangenen selbst ausgesagt, welche bei einem Ausfall gemacht wurden, und als das Polenheer vor Holland über zweitausend Mann verloren hatte, ward die Belagerung aufgehoben. Auch die Kugeln, die der Feind in die Stadt geschossen, hatten keine Wirkung. Eine derselben aus einer Notschlange traf in eine Wiege, in welcher zwei Kinder schliefen, ohne eines derselben zu verletzen. Ein offenbares Zeichen höheren, göttlichen Schutzes.

Gleiche Hülfe von oben ließ auch der Stadt Elbing der Himmel angedeihen, als im Jahre 1260 die heidnischen Polen die Stadt mit großer Macht belagerten. Männer mit weißen schwarzbekreuzten Mänteln kämpften an der Spitze der Christenstreiter mit feurigen Schwertern, und die Belagerung ward gänzlich abgeschlagen und der Feind in Unordnung und wilde Flucht gebracht.

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260. Die drei Hostien

260. Die drei Hostien

Dem Helfer in Not und Gefahr, dem siegreichen heiligen Ritter Georg, war zu Elbing eine gar schöne und zierdevolle Kirche erbaut und geweiht worden, aber im Jahre 1400 geschah es, daß diese Kirche in Brand geriet und bis zum Grunde niederbrannte, denn sie war nicht von Stein, sondern nur von Holz. Alle ihr Geschmuck, Reichtum und ihre Zier war durch die Flamme vernichtet, doch fand sich unversehens im Schutt eine Kapsel völlig unversehrt, und darin waren drei kleine geweihte Hostien enthalten. Mit großer Feier und Andacht wurde das hochheilige Sakrament erhoben, in einer Kirche verwahrt, und an die Stelle der eingeäscherten St. Georgskirche ließ der Hochmeister durch den Bruder Hellwing Schwang eine neue, steinerne Kirche erbauen, welcher dann die Hostienkapsel feierlich zugeeignet wurde, und gab ihr den Namen Zum Leichnam Jesu. Viele Wunderwerke sind hernachmals in dieser Kirche geschehen.

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261. Die Wunder der Marienburg

261. Die Wunder der Marienburg

Als die Kreuzherren in dem Heiligen Lande waren und in Jerusalem wohnten, da war alldort ihre Burg dasselbe Haus, darin der Heiland mit seinen Jüngern zuletzt geweilt und das Nachtmahl eingesetzt hatte. Da nun die Ritter nach Deutschland heimkehrten, nahmen sie von diesem Hause einen behauenen Stein mit sich über Meer und weiheten ihn zum Grundstein des Ordenshaupthauses Marienburg. Darum segnete der Herr diesen Bau, daß er so groß und fest und herrlich wurde und in all seiner alten Pracht und Schönheit noch steht bis auf den heutigen Tag, während tausend und abertausend Schlösser in Trümmer sanken.

Zahlreiche Wunder haben sich im Schlosse Marienburg begeben, wie die Sage geht. So steht noch weit in die Ferne sichtbar und leuchtend außerhalb der Schloßkirche das riesighohe Marienbild, welches der Hochmeister Konrad von Jungingen setzen ließ. Ein frommer Meister fertigte dieses zwölf Ellen hohe Bild und setzte daran den Preis seines ganzen Lebens. Als das Bild nun vollendet war und an seine Stelle gebracht werden sollte, da tat es dem Meister weh, sich von dem lieben Bilde zu trennen, und zündete vor ihm geweihete Kerzen an und betete vor ihm und weinte bitterlich. Da war ihm, als sehe die Mutter aller Gnaden ihn strahlend an, und als hebe das Bild gegen ihn winkend die Hand, und ging vor dem Bilde ein zum ewigen Frieden.

Nach der Schlacht bei Tannenberg, welche die Kraft des Ordens brach, war Marienburg der Ritter letzte Stütze und Schirmhut, wurde aber von den Polen hart belagert und umdrängt. Da ärgerte einen Polenfürsten das herrliche im Glanze seiner Goldmosaik strahlende Marienbild, das gleichsam wie das Symbol des ewigen Sieges des Christentums gegen das Heidentum hoch erhoben über dem wilden Toben und Drängen stand, und er wollte es vernichten oder doch verhöhnen und schänden. Schieße nach der Maria! Schieße ihr die Augen aus! gebot der Polenfürst einem seiner Söhne, und der Sohn spannt die Armbrust, legt den schweren Bolzen auf und zielt nach des Bildes Augen. Aber plötzlich senkt er die Armbrust und ruft: Vater! Wo ist denn das Bild? Ich sehe es ja nicht mehr! Mir wird so schwarz vor den Augen! Der junge Polenprinz war plötzlich erblindet. Darüber ergrimmt der Fürst, er nimmt selbst die Armbrust, zielt gut und trifft – beinahe – denn vor dem Bilde wendet sich rückprallend der Pfeil und fährt dem Fürsten pfeilgeschwind mitten durch das Herz.

Einst waren auf Marienburg zwei Liebende. Da aber das Haus des Ordens ein Haus der Entsagung von irdischer Lust sein sollte, so duldete es nicht dergleichen Gefühle, und die Liebenden wurden in Steine verwandelt, wie Mönch und Nonne in der Wartburg Nähe in riesige Felsen. Lange hat man auf Marienburg diese Steine gezeigt und wahrgenommen, daß sie aus Schmerz noch salzige Tränen weinten.

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262. Der Remterpfeiler

262. Der Remterpfeiler

Ein großes Wunderzeichen begab sich zur Marienburg, als dieselbe von den Polen belagert wurde. Die Polen hatten einen Troßbuben gefangen und fragten ihn aus nach des Baues Gelegenheit, wo seine größte Schwäche und wo das Geschütz den meisten Schaden bringen könne; sie versprachen ihm nicht nur die Freiheit, sondern auch hohen Lohn, und der Bube, der zumal einen Haß gegen den Hochmeister hatte, beschrieb dem Feind, wie das ganze weite und kühne Bogengewölbe des Remters auf einem einzigen gewaltigen Pfeiler mitten im Remter laste. Bräche eine Kugel den Pfeiler, so müsse das ganze Gewölbe zusammenstürzen. Das dünkte den Polen eine gute Kunde und eine leichte Sache, den ganzen Nest des Ordens mit einem Schlage zu vernichten. Es ward daher mit dem verräterischen Knecht ein Zeichen verabredet, das er geben sollte, wann der Ordenskonvent im Remter beim Mahle sitze, und das größte und stärkste Geschütz wurde nach dem Pfeiler gerichtet, der Bube aber freigelassen. Bald darauf, als dieser die Zeit ersah, daß alle Ritter im Remter versammelt waren, hing er einen roten Hut an einem Fenster aus, wie verabredet war, und der Arkebusier im Polenlager brannte sein großes Stück los, und im Remter geschah ein Donnergeprassel, aber der Pfeiler stand ruhig – die Kugel hatte ihn gar nicht getroffen, sie war oben durch die Mauer gefahren und hatte über dem Kamin ein Loch geschlagen, allwo sie noch heute eingemauert zu sehen ist.

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24. Der Kreuzliberg

24. Der Kreuzliberg

Auch im Aargau, ohnweit Baden, wohnte auf einem Burgberge eine Königstochter, die oft zu einem nahen Bühel ging, wo sie im Schatten ruhte und der schönen Landschaft sich freute. Sie wußte aber nicht, daß Geister in dem Bühel hausten, deren Art keine gute war. Eines Tages kam sie abermals zu ihrem Lieblingsplatz, aber kaum erkannte sie ihn wieder; wildes Geklüft und geborstenes Erdreich starrte ihr da entgegen, wo sie noch kurz zuvor auf schwellendem Moos im kühlenden Baumschatten geruht hatte, und weit hinab in die Tiefe gähnte eine jähe Schlucht. Die Jungfrau aber war unerschrocknen Sinnes, weil sie rein und schuldlos war, und so setzte sie die Füße in den düstern Gang, um zu schauen, wie es darinnen beschaffen sei. Da gewahrte sie, daß es ein ungeheurer Keller war, Fässer lagen da über Fässern, und siehe, schreckhafte Gestalten huschten an sie heran, ergriffen sie an den Händen und zogen sie über alle die Fässer weiter und weiter zur Tiefe fort, so daß sie endlich aus Angst und Bangigkeit die Besinnung verlor und nicht mehr wußte, was mit ihr geschah. Da sie nun in der Burg daheim vermißt wurde, ward ausgesandt, sie zu suchen, und ward also gesucht an allen Orten und Enden ringsumher. Siehe, da fand sie einer nicht gar weit von dem Geisterhügel auf einer kleinen Anhöhe stehend, mit in die Erde gewurzelten Füßen, der Leib steinhart und die Arme in Äste ausgewachsen und gen Himmel ausgestreckt, wie die Jungfrau Daphne in der heidnischen Fabel. Alle, die das sahen, entsetzten sich vor dem grausenhaften Anblick solcher Baumverwandlung, und da ward nach dem nahen Kloster Wettingen hinübergesendet, von dort ein Wunderbild zu holen. Als das Bild gebracht ward, da schwand der unheimliche Zauber, der die Königstochter umstrickt hatte, und sie ward wieder erlöset. Des zum Andenken setzte man ein Kreuz auf den Berg, wo diese Sache sich begeben, der hieß fortan der Kreutberg, und jener Bühel, darin die Jungfrau die Fässer erblickt, und der sich wieder geschlossen, heißt der Teufelskeller bis auf den heutigen Tag.

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249. Jodokus‘ Eiche

249. Jodokus‘ Eiche

Nicht allzuweit von Königsberg liegt die Stadt Labiau, dort stand vorzeiten hart am Wasser eine große Eiche, die war dem heiligen Jodokus geweiht, das war ein Schirmvogt der Gewässer. Und die Eiche hatte eine Höhlung, dahinein warfen die Schiffer, die auf der Deine fuhren, im Vorbeifahren einen Opferpfennig, und wer das tat, den sicherte und schirmte der Heilige vor Stürmen, und die Schiffer opferten gern ihren Pfennig, denn es war gar ein wunderbarliches Gefühl ihnen vererbt aus Urväterzeiten her, dieses altheidnische Verehren geheiligter Eichen. Da ließ eines Tages ein Bösewicht sich gelüsten, seine gierige Hand nach dem Schatze auszustrecken, und raubte alles, was er fand, nahe an vierzig Mark. Von Stund an verdorrte die Eiche, aber wie die Eiche verdorrte, verdorrte auch des Räubers Hand. Die Schiffer aber wissen noch immer die Stelle, wo die Eiche stand, und die noch fromm sind unter ihnen, werfen an jener Stelle immer noch ihren Opferpfennig in den Fluß, obschon seit langen Zeiten auch des heiligen Jodokus in jener Gegend kaum noch jemand eingedenk ist. Dieser Wasserheilige ward abgebildet mit dem Stabe in die Erde stoßend, aus welcher eine Quelle entspringt.

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250. Der Hungerkerker in Tapiau

250. Der Hungerkerker in Tapiau

Tief unterm Schlosse zu Tapiau ist ein Gewölbe, das stieß früher an die Sakristei der Krypta der Ordenskirche. Von diesem Gewölbe gehen schaurige Sagen, was alles in ihm die Ordensritter Greuelvolles vollbracht.

Zu Zeiten des Hochmeisters Heinrich von Richtenberg lebte ein frommer und gelehrter Mann, Dietrich von Kuba, der war beider Rechte Doktor und wohlgelitten bei zwei Päpsten, Paulus dem Andern und Sixtus, dessen Nachfolger, und der letztere ernannte ihn zum Bischof von Samland. Das war aber geschehen ganz gegen Wunsch und Willen des Deutschordensmeisters und seines Kapitels, und der Ernannte ward ihnen verhaßt, denn der Orden war verwildert und wollte keinen Römling und Papstgünstling und mehr ritterlich leben denn geistlich. Der Bischof aber gedachte in seinem Sinn unter des Papstes Schutz den verderbten Orden zu bessern und zu reformieren, und wer in der Welt mit Glück reformieren will, der muß eine eiserne Faust, eine eherne Stirne und ein feuriges Herz haben, sonst wird es ihm nimmer gelingen, denn die Welt will nicht reformiert und gebessert sein. Und des Bischofs Dietrich von Kuba Eigenschaften reichten nicht aus, einer zahlreichen ritterlichen stolzen und mutvollen Ritterklerisei allein gegenüberzustehen. Die Ordensgebietiger nahmen ihn gefangen und ließen ihn in das Schloß gen Tapiau führen, wo er in ehrlicher Haft nach Standesgebühr gehalten ward. Aber dort umspann schnöder Verrat den gefangenen Bischof; er wird zu einem Fluchtversuch beredet, entdeckt und nun sein Verderben beschlossen. Der Hochmeister und das Ordenskapitel verdammten den unglücklichen Mann zum Hungertode. In das erwähnte Gewölbe ward er gebracht, dort an die Mauer angeschmiedet und fortan ohne Trank und Speise gelassen. Acht Tage lang schmachtete er hier in unendlicher Qual. Am achten Tage hörte das Volk in der Kirche, da die Sakristeitüre zufällig offengeblieben war, eine heisere Stimme wimmernd rufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mein Gott, mein Gott, erbarme dich meiner!

Diese Stimme ward nachher noch oft gehört, als des Bischofs Leiche längst beigesetzt war, was in Königsberg geschah. Die Untat ward ruchbar, der Papst ergrimmte gegen den Orden, aber der Orden schwur sich rein. Eine Zeit darauf erkrankte der Hochmeister heftig. Schon war er jedoch wieder auf dem Wege der Genesung, als er mit einem Male auffuhr und rief: Meinen Harnisch! Mein Roß! Der Bischof – ich muß fort! Der Bischof ladet mich vor Gottes Gericht! Herr, mein Gott, erbarme dich meiner! – Und sank um und war tot.

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