Lexika

Gemsinn

Gemeinsinn, common sense, sensus communis

Als Gemeinsinn (lat. sensus communis, engl. common sense) oder gemeinen bzw. gesunden Menschenverstand bzw. Verstand bezeichnet man in der Philosophie ein Vermögen zu Wissen oder zu ethischen Einsichten zu gelangen, ohne auf rationale Argumente zurückgreifen zu müssen.

Wir finden den Begriff bereits in der Antike. Für Aristoteles ist der common sense eine Art innerer Sinn, ein Mittleres zwischen der Sinnestätigkeit der einzelnen Sinne und dem Verstand (De Anima III 2).

Bei Augustinus nimmt der sensus communis nicht nur das Empfinden der Sinne, sondern auch deren Nichtempfinden wahr.

Thomas von Aquinus schreibt dem sensus communis alles zu, was weder den einzelnen Sinnen noch dem Verstand zuzuschreiben ist. So gehören bei ihm u. a. Phantasie und Gedächtnis zum sensus communis.

Melanchthon unterscheidet die fünf äußere Sinne Gemeinsinn, Beurteilungsvermögen, Phantasie, Denken und Gedächtnis. Bei Descartes kommen Hunger und Durst hinzu.

Um dem Skeptizismus zu begegnen, sah die Schottische Schule in Analogie zu Humes moralischem Gefühl den common sense als feststehendes Vermögen der Beurteilung von Erkenntnis an, als Sinn für das Wahre.

Für Thomas Reid, den wichtigsten Vertreter der schottischen Schule ist die Existenz der Außenwelt common sense und damit nicht zu bezweifeln. Er widerspricht mit dieser Position u. a. Locke, Berkeley und Hume.

Stewart bezeichnet die selbstgewissen Grundsätze des common sense als Grundgesetze der menschlichen Überzeugung (fundamental laws of human belief).

Für Moore ist der common sense Maßstab der Kritik von Erkenntnistheorien. Bei Moore ist der Begriff des common sense eng mit dem Begriff des gewöhnlichen Sprachgebrauchs verknüpft.

Chisholm nimmt ähnlich wie Moore an, dass wir zumindest das wissen, von dem wir im common sense denken, dass wir es wissen.


Genethik

Genethik

Die Genethik ist der Teilbereich der angewandten Ethik, der sich mit der Kritik und Begründung von moralischen Werten, Prinzipien und Normen in Bezug auf Probleme befaßt, die sich aus der Anwendung gentechnischer Verfahren am Menschen und an der nichtmenschlichen Natur ergeben. Daher lässt sich die Genethik als Teil der Bioethik betrachten.

Solche moralischen Probleme sind u. a.

  1. Probleme hinsichtlich der durch genetische Eingriffe implizierten Risiken, ihrer Bewertung sowie der Zumutbarkeit,
  2. Probleme der Diskrepanz zwischen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten,
  3. Probleme die sich daraus ergeben, dass Verfahre neben der Therapie von Krankheiten auch die Möglichkeit der Qualitätskontrolle der menschlichen Erbausstattung ermöglichen.


Genius

Genius malignus

Am Ende seiner ersten Meditation diskutiert Descartes die Annahme, irgendein böser Geist bringe ihn dazu zu glauben, er hätte einen Körper und Sinnesorgane, mittels derer er materielle Außendinge wahrnehme, obwohl dies in Wirklichkeit nichts zutrifft. Diesen bösen Geist nennt man in der Philosophie Genius malignus.

Eine moderne Version des Genius-malignus-Argumentes ist das brain-in-the-vat-Argument.

Wenn wir die Möglichkeit einer derartigen Täuschung nicht ausschließen können, folgt (jedenfalls nach der Standardkonzeption von Wissen) aus der Genius-malignus-Idee ein umfassender Skeptizismus in bezug auf unser Wissen von der Außenwelt.


Genprox

Genus proximum

Lateinische Bezeichnung für die nächsthöhere Gattung.

Gesell P

Philosophische Gesellschaft

Während Husserl in Göttingen wirkte (1901-1916), bildete sich ein Gesprächskreis dieses Namens, indem Schüler und Studenten Husserls arbeiteten. Zu ihnen gehörte z. B. Edith Stein.

Husserl selbst hat diesen Gesprächskreis ins Leben gerufen.

Als Hedwig Conrad-Martius 1910 nach Göttingen kam, wurde sie schnell Vorsitzende dieser Gesellschaft.

Die Philosophische Gesellschaft ist später als Göttinger Schule in die Philosophiegeschichte eingegangen.

Gesischl

Gesicherter Schluss

Als gesicherten Schluss bezeichnet man einen mittelbarer Schluss dessen Schlusssatz wahr ist.

Gestalt

Gestaltpsychologie

Die Gestaltpsychologie entstand gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihre philosophischen Wurzeln sind zum Teil in der Strukturpsychologie von Felix Krueger und seiner Leipziger Schule, in der Philosophie von F. Brentano, in der Grazer Schule von A. Meinong und in der Phänomenologie von E. Husserl zu suchen.

Der Begriff der Gestalt bzw. der Gestaltqualität wurde von Ch. von Ehrenfels (1890) zuerst formuliert und am Beispiel einer Verlaufsgestalt, der Melodie, demonstriert.

Eine solche Gestalt kann nach Ehrenfels nicht als Summe der sie konstituierenden Töne interpretiert werden, da sie transportierbar sei, wobei die Qualität des Ganzen erhalten bleibe.

Diese beiden Merkmale – Übersummativität und Transponierbarkeit – seien konstituierend für alle echten Gestalten (Ehrenfelskriterien).

Gemeint sind in allen Fällen psychische Phänomene, vor allem der Wahrnehmung, meist demonstriert am Beispiel der optischen Wahrnehmung.

Die Ursache solcher psychischen Phänomene wird in der Grazer Schule in der Intentionalität, in der Leipziger Schule im Gefühlsgrund des Erlebens und in der Gestaltpsychologie der Berliner Schule in den Gestaltgesetzen des phänomenalen Feldes gesucht.


Gabeghoe

Nächsthöherer Gattungsbegriff

Ein Begriff, der die (möglichst wesentlichen) Merkmale der nächsthöheren Gattung wiedergibt, heißt nächsthöherer Gattungsbegriff.

Gattbegr

Gattungsbegriff

Begriff, der die (möglichst wesentlichen) Merkmale einer Klasse von Gegenständen ausdrückt, die Gattung für irgendwelche Arten ist. Gattungsbegriffe werden auch Oberbegriffe genannt.

Der Gattungsbegriff ist ein subordinierender Begriff, in den dem Umfang nach kleinere Begriffe eingehen. Mit Ausnahme der Individualbegriffe und der Kategorien kann ein und derselbe Begriff gleichzeitig sowohl Artbegriff als auch Gattungsbegriff sein, je nachdem, auf welchen anderen Begriff er bezogen wird. Ein Gattungsbegriff fehlt nur den Kategorien.

Um Gattungsbegriffe zu finden, wird man in der Regel nach Begriffen suchen, die dem zu definierenden Begriff verwandt sind. Anschließend wird man prüfen, ob es sich bei einigen der gefundenen Begriffe um Gattungsbegriffe handelt. Dabei kann man folgendes Prüfverfahren benutzen: Der gefundene Begriff (A) ist dann ein Gattungsbegriff des zu definierenden Begriffes (B), wenn die Aussage "Jedes B ist ein A" bzw. "Jedes B zählt zu den A" wahr ist.

Nach einer anderen Konstruktionsmethode findet man einen Gattungsbegriff, indem man von einem der Nebenmerkmale des zu definierenden Begriffs abstrahiert: Man trennt es gedanklich von den übrigen Merkmalen und sieht von ihm ab.

Gatthoeh

Nächsthöhere Gattung

Die unmittelbar umfassendere Klasse von Gegenständen (Gattung), zu der die betrachteten Gegenstände gehören, wird als nächsthöhere Gattung (genus proximum) bezeichnet. Für Alkalimetall z. B. ist Metall die nächsthöhere Gattung.