572. Der wahre Christbaum

572. Der wahre Christbaum

Eine Meile von Gera ist ein Dorf, darin stand noch im vorigen Jahrhundert ein Apfelbaum, welcher Borsdorfer Äpfel trug; er begann aber sein erstes Blühen in jeder Christnacht und trug reife Äpfel. Die Leute sagen, daß dieser Baum zum ersten Male in der Nacht geblüht habe, da der Heiland geboren worden, und habe auch in derselben Nacht Früchte getragen. Durch ein sonderbares Wunder sei derselbe erhalten worden.

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573. Der blaue Dunst

573. Der blaue Dunst

Die Stadt Gera im Vogtlande und ihre Umgegend ist voll von Sagen aus der Pestzeit. Eine Menge Ortschaften wurden von der Pest ergriffen, und die Einwohner starben nur so hin, da hat sich allerlei ereignet, das noch sagenhaft fortlebt.

Zu Gera kamen zwei fremde Gesellen in ein Haus, darinnen schon etliche Personen an der Pest gestorben waren, und zechten miteinander. Da sah der eine einen seltsam blauen Rauch, wie ein dünner Nebel, in einem Winkel ganz sachte aufsteigen, stieß seinen Kameraden an, und da sah der den blauen Dunst auch, und sahen beide, wie derselbe sich in eine Klunze in der Wand sachte hinein verschlich. Da schnitzte geschwind der erste Geselle zur Kurzweil einen Pflock, schlug den in die Klunze und verkeilte sie damit, und als die Gesellen ihre Zeche bezahlt, zogen sie weiter. Nachderhand ist niemand mehr an der Pest gestorben. Nun geschah es ein paar Jahre später, daß der eine Geselle zufällig wieder nach Gera kam, da niemand mehr an die schlimme Sache dachte, und war in derselben Wirtsstube und sahe von ohngefähr seinen damals eingeschlagenen Pflock, daß der noch an dem vorigen Ort stak; lachte daher und sprach zu den andern Zechgesellen: Schaut! Vor ein paar Jahren hab‘ ich dahinein einen blauen Vogel gesperrt, wollen doch sehen, ob er noch darinnen ist. Zog alsobald den Pflock heraus, da quoll gleich hinterm Pflock her der blaue Dunst, und das war die Pest, die befiel gleich einige Leute im Haus, und breitete sich in der ganzen Stadt aus, und raffte noch weit mehr Leute hin denn das erstemal.

Ähnlich ging es in Mora bei Ranis; alldort war die Pest auch in einen Balken verkeilt. Ein Knabe schlug aus Mutwillen den Keil heraus, da zog sie als ein blauer Dunst über Häuser und Höfe und übers Feld, nahm die Richtung nach Böhmersdorf und Zeulenroda und ergriff die Ortschaften, so daß viele Menschen ihr erlagen. In Zadelsdorf starb alles, und der Zeulenroder Totengräber begrub das ganze Dorf; auf einmal fand er eine alte Jungfer unter den Toten, die lebte noch und sperrte sich; da sagte er: Ei was, da könnte jeder kommen und sagen, ich lebe noch – und wollte sie durchaus mit in die Grube werfen, sie entfloh ihm aber glücklich und machte sich auf den Zeizberg bei Gera, das ist der bekannte Berg, den die alten Jungfern mit Stecknadeln umgraben müssen und in Fingerhüten wegtragen. Und wenn sie dann gestorben sind, so werden sie zu Unken, sitzen im Sumpfteich und singen:

Unk, unk, unk,
Vor Zeiten war ich jungk.
Hätt‘ ich einen Mann genommen,
Wär‘ ich nicht in’n Sumpf gekommen;
Unk, unk, unk,
Wär‘ ich noch einmal jungk! –

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574. Der lange Mann in Hof

574. Der lange Mann in Hof

Zu Hof ist eine Gasse, heißt die Marktgasse, in selbiger hat sich ein großer, schwarzer, langer Mann sehen lassen, der reichte mit seinem Kopf hoch über die Häuser, und seine Beine sperrte er so breit auseinander, wie die Gasse war. Eine Frau des Namens Walburg Widmännin mußte abends durch die Gasse gehen, sah ihn und wußte nicht, sollte sie durch seine Beine hindurchlaufen oder zurückweichen. Endlich faßte sie sich ein Herz, schlug ein Kreuz und schritt in Gottes Namen mitten in der Gasse unter des langen Mannes Beinen hindurch. Kaum war sie durch, so klappte der lange Mann seine Beine zusammen, daß es krachte, und ward ein Gerassel und Geprassel, als prassele die ganze Marktgasse über den Haufen. Und darauf hat sich die große Pest angehoben und hat in der Marktgasse zuerst angefangen und sich durch das ganze Vogtland verbreitet. – In der schönen Bergkirche über Schleiz ist noch ein steinern Denkmal eines Pestmannes zu sehen, der brachte die Pest nach Schleiz, daß die Stadt fast ausstarb.

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558. Der Stammname Reuß

558. Der Stammname Reuß

Das Reußenland, wie das Vogtland auch nicht selten genannt wird, soll den Namen von einem wendischen Volksstamme Ruzzen erhalten haben, ein Gleichklang mit Russen, wie im russischen Kaisertitel der Selbstherrscher aller Reußen wieder an die deutsche Provinz erinnert. Die Sage verschmäht die etymologisierende Ableitung des Landesnamens und erzählt: Da Kaiser Friedrich II. die große Heerfahrt gen Palästina tat, an der Landgraf Ludwig von Thüringen und so viele Grafen und Herren dieser Lande teilnahmen, so ritten auch ein Vogt von Plauen, Herr zu Gera, und jener durch seine nachherige Doppelehe bekannte Graf von Gleichen mit. Als nun in der Schlacht vor Ptolomais der letztere von den Sarazenen gefangen wurde, widerfuhr dem Vogt von Plauen ein gleiches trübes Los; er wurde von den Heiden einem moskowitischen Kaufmann als Sklave verkauft und von diesem in dessen Heimat geführt. Dort diente nun der deutsche Graf als ein leibeigener Knecht, und als die Russen von den Tataren mit Krieg überzogen wurden, tat er sich im Kampfe mannlich hervor, geriet aber zum zweitenmal in die Gefangenschaft. Ein Talarenfürst namens Hekkata ward sein neuer Gebieter, und da die siegreichen und mächtigen Horden dieser wilden Völkerschaft herausbrachen in das deutsche Land und schon bis Schlesien vorgedrungen waren, befand sich auch der ehemalige Vogt von Plauen mit im Zuge und ersahe eine gute Gelegenheit, zu entrinnen. Er kam wieder zu seinem Land und Volke, ordnete seine Angelegenheiten, zog dann an den Kaiserhof und tat sich hervor durch ritterliches Gebaren in Schimpf und Ernst. Weil er aber häufig sich in russischer Tracht sehen ließ, auch die Sprache der Moskowiter wohl zu reden verstand und manche Sitte derselben angenommen, so nannte man ihn den langen Russen oder Reußen, und so ist auch sein Name in den alten Dokumenten Ruzzo, Rüzzo geschrieben zu finden. Von ihm ging dann der Beiname Reuß als Familien- wie als Regentenname auf alle Linien der Vogte über und verdrängte in spätern Zeiten den letztern ganz.

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55. Die Windecker

55. Die Windecker

Über der Stadt Weinheim an der Bergstraße erhebt sich die Burgtrümmer Windeck, von welcher manche Sagen gehen. Einst jagte ein freisamer Rittersmann, als Windeck schon verfallen war, einen flüchtigen Hirsch, der flüchtete sich geradezu mitten in die Ruinen der alten Burg und entschwand seinen Augen, der Ritter aber sah sich einsam in stiller Ode. Der Tag war heiß, und ihn dürstete sehr, er gedachte wohl der Sage, daß in den verschütteten Kellern der Windeck noch manch ein gutes Trünklein liege. Siehe, da stand vor ihm ein Jungfräulein im schloßenweißen Gewande, die hielt ein köstlich Trinkhorn, das bis zum Rande gefüllt war, und bot es ihm zum Tranke. Der Ritter trank und konnte kein Auge mehr von der schönen Jungfrau wenden; sie aber nahm ihr Trinkhorn zurück und verschwand. Seitdem blieb der Ritter fort und fort an die Trümmer von Windeck gebannt, immer hoffend, daß die Herrliche, die ihn bezaubert mit ihren Augen, wie mit dem Tranke, ihm einmal wieder erscheine; niemand aber kann sagen, ob der Ritter sie noch einmal gesehen, denn auch als er endlich verstorben war, wandelte sein Geist noch ruhelos durch die Trümmer.

Auch der Geist eines der letzten Windeckers soll zuzeiten auf dem Turme der alten Windeck erblickt werden, die Arme sehnend hinüberstreckend in der Richtung nach Straßburg. Eine Straßburgerin war sein Weib, Heimatliebe zog sie aus seinen Armen, im hohen Münster dort betete sie, im Münster starb sie, im Münster ist ihr Grab. Sehnend nach ihr brach im Tode des Gatten Herz.

Anders als dieses Ritters Herz beschaffen waren die Herzen der allerletzten Sprossen des edlen Geschlechtes derer von Windeck. Unsäglicher Geiz war ihr alleiniges Glück. Einsam hausten und als Junggesellen die Brüder in der verfallenen Feste; diese baulich zu erhalten, hätte Geld gekostet, und solches hatten die Brüder viel zu lieb, um es hinauszustoßen aus ihrem Kasten in die feindliche böse Welt. Aller Dienerschaft taten sie sich ab, denn Diener kosten etwas, nämlich Kost und nebenbei doch noch Geld. Selbst Hund und Katze fraßen den Brüdern endlich doch gar zu viel, und sie fanden daß es ein kostspieliges Ding sei, vierbeiniges Vieh zu halten, zumal wenn es nicht zum wenigsten Milch oder Wolle gebe. Dennoch hielten sie beide gemeinschaftlich noch ein Tierchen, und das war eine Meise – die brauchte nicht viel – sie gaben ihr täglich eine Nuß. Da hatte einstmals einer der Brüder eine schlaflose Nacht, und in schlaflosen Nächten pflegen die Geizigen zu rechnen. Und da rechnete der Herr von Windeck und brachte heraus, daß das Jahr 365 Tage, auch manchesmal 366 Tage habe, und daß ebenso viele Nüsse sechs Schock und einige darüber machten, und daß ein Schock Nüsse, wenn sie billig, wie an der Bergstraße – anderwärts kosten sie mehr – drei Kreuzer kosteten, und daß dieses alljährlich die Summe von achtzehn Kreuzern und mehr betrage, sechsmal so viel, als eine Meise wert sei. – Am andern Tage teilte der Windecker seinem Bruder die angestellte Rechnung mit, worüber dieser erschrak und eine Zeitlang ganz tiefsinnend wurde. Wenn wir bedenken, lieber Bruder, sprach er endlich, daß bei sechs Schock Nüssen auch viele taube sind, so können wir sogar sieben Schock rechnen, ohne die Mühewaltung, welche das Füttern, Wassergeben und Bauerreinigen eines solchen unnützen Fressers verursacht. – Ja, lieber Bruder, sprach der erste wieder mit einem Seufzer, wir haben uns da von unsrer Gutherzigkeit gegen dieses unvernünftige Geschöpf, gegen unsre Meise, zu einer unverantwortlichen Verschwendung hinreißen lassen, denn bedenke, wie viele Jahre wir nun schon das nutzlose Geschöpf füttern! Es ist ganz unerhört! – Darauf wurden die Brüder alsbald einig, dem unnützen, kostspieligen Kostgänger den Bauer zu öffnen und ihn hinfliegen zu lassen, wohin er wollte. Aber der Schmerz über ihre zu spät von ihnen erkannte Verschwendung nagte den Brüdern am Herzen, sie konnten sich jene nicht vergeben, diesen nicht überwinden, und am folgenden Tage hatte der Gram über ihre Verschwendung ihnen zu gleicher Zeit das Herz gebrochen.

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559. Das Teufelswehr

559. Das Teufelswehr

Auf dem Eichrück im Forstdistrikte Walsburg der Saale ohnweit Ziegenrück hauste in der Vorzeit der Teufel mit seinem Gefolge, und wer sich jener Stelle näherte, den suchte er mit List zu fangen. Einstmals kam ein Maurermeister dahin. Mit ihm ging der Böse eine Wette ein, daß er vor des Maurers Augen von Mitternacht bis zum Hahnenschrei über die reißendsten Fluten des Flusses ein Wehr erbauen wolle. Der Maurermeister ging darauf ein und stieg auf einen Baum in der Nähe, um von dort aus die Sache mit anzusehen. Zu seinem Schrecken gewahrte er, wie der Teufel große Felsblöcke aus den Bergen herausriß, sie in die Saale stürzte und mit den Füßen festtrat. Kaum fehlten noch ein Mandel Ellen an der Vollendung des Werkes, da rief der Maurer auf dem Baume in der größten Seelenangst mit lauter Stimme: Kikeriki! Kikeriki! Kikeriki! – so täuschend, daß der Teufel wähnte, ein wirklicher Hahn habe gekrähet. Wütend darüber schlug er mit seiner Hand auf einen neben ihm befindlichen Felsen, so daß noch heute der Eindruck, den der Schlag gemacht, darauf zu sehen ist, und fuhr dann auf und davon. Das Wehr steht noch unvollendet mit der von dem Teufel gelassenen Öffnung und wird das Teufelswehr genannt.

Auf einem großen in der Nähe des Wehrs befindlichen Steine sind tellerund schüsselartige Vertiefungen, aus denen vor Beginn des Wehrbaues der Teufel mit seinem Gefolge gegessen haben soll.

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560. Die Hüttenmännchen im Klosterhammer

560. Die Hüttenmännchen im Klosterhammer

Im Klosterhammer bei Lobenstein hausten in frühern Zeiten Hüttenmännchen, die den Hüttenarbeitern vorarbeiteten. Oftmals beobachtete man sie, wie sie in grünen Hemdchen geschäftig sich bezeigten. Das eine Hüttenmännchen legte Kohlen an, das andere brachte Eisen getragen, ein drittes ließ den großen Hammer los. Wenn die Hüttenarbeiter kamen, war der größte Teil ihrer Arbeit schon verrichtet. Seit die Männchen verschwunden sind, ist die gute Zeit der Hüttenarbeiter vorüber.

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561. Das Licht für sich

561. Das Licht für sich

Bei der Lerch, einem kleinen Dorfe in der Nähe von Hirschberg, wurde vor nicht allzu langen Jahren häufig ein Licht gesehen; es kam und ging eine gewisse Strecke und diese dann wieder zurück, und das zu dreien Malen, dann verschwand es. Niemand wagte sich hinan, ihm zu begegnen oder es zu verstören. Endlich kam einmal ein ganz junges Halbwisserlein, das hatte im Seminarium mächtigliche Aufklärung in sich geschluckt und war ganz voll davon; das lachte und schalt die dummen Bauern in der Lerch aus, daß sie an einen solchen abergläubigen Spuk glaubten, und sprach: Es gibt nur ein Licht, das ist das Licht unserer Vernunft und unserer Aufklärung! – und sie sollten ihm nur das Licht zeigen, er wollte es wohl fragen, was es für ein Licht sei, und es ihnen dann schon aus der Natur erklären. Die Bauern warteten einen der gewissen Abende ab, an welchem das Licht zu wandeln pflegte, und geleiteten das Schulmeisterlein hin zu dem Orte, und da kam das Licht. Frisch und keck schritt der Schulmeister auf das Licht zu und rief, als er ihm nahe kam: Heda! Was bist du für ein Licht? – Die Bauern aber waren zurückgeblieben, doch nahe genug, daß sie einen mächtigen Patsch hörten und gleich darauf noch einen und die Worte von einer gellenden Stimme:

Bekümmre dich um dich!
Ich bin ein Licht für mich! –

Und dabei hatte der vorlaute Aufklärer zwei fetzenmäßige Ohrfeigen erhalten. Von da an gaben ihm die Bauern in der Lerch den Spottnamen Lichtfreund. Er schwur aber Stein und Bein, er wäre keiner.

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562. Der Dockenteich

562. Der Dockenteich

Eine halbe Stunde nordwestlich von Merkendorf bei Auma, bei der Aumamühle, liegt ein Teich, der Dockenteich genannt; vor langer Zeit sollen in ihm ein Vater und zwei wunderliebliche Töchter gehaust haben, deren Zartheit und Anmut die Leute nicht besser zu bezeichnen wußten, als daß sie die Schwestern, welche ihnen sonst unbekannt waren, mit dem Namen der Docken bezeichneten. Diese Mädchen teilten auch mit Erdentöchtern die Schwachheit, Freundinnen vom Tanze zu sein, ließen sich daher oft herab, nach Merkendorf und Piesigitz zu kommen. Natürlich fanden sie bald Anbeter, und diese unterließen nicht, sie nach Hause zu geleiten; an dem Teiche angekommen, fanden sie eine Art Tür, hinter welcher Stufen hinabführten, auf denen sie bald zu einer bequemen und geräumigen Wohnung gelangten. Doch versteckten die Mädchen ihre Begleiter sorgfältig hinter der Haustür, indem sie äußerten, ihr Vater, der alte Nix, müßte erst zur Ruhe und könnte keine Christen reichen (riechen). Hier hatten sie Gelegenheit, mit Zittern ein Gespräch zwischen den Töchtern und dem Vater zu belauschen, worin letzterer äußerte: Emweder seid ihr bei Christen gewesen, oder ihr habt Christen bei euch; indem sie ersteres bejahten, wurde der Vater ruhiger. Diesen Docken war von dem Vater sehr streng anbefohlen, abends zehn Uhr nach Hause zu kommen, indem er drohte, sie sonst umzubringen. Absichtlich hielten sie einst die Merkendorfer Bursche länger zurück und begleiteten sie dann. Bei dem längeren Ausbleiben der Bursche sagten die Merkendorfer Jungfrauen ahnungsvoll zu der Jugend, morgen früh sollten sie nur hinten nach dem Teich sehen; wäre das Wasser des Teiches rot, so wären sie ermordet. Früh war wirklich der Teich blutrot, und von den Burschen und Mädchen sah man niemals etwas wieder.

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563. Geist Karrstet

563. Geist Karrstet

In Bunzig lebte vor langer Zeit ein Edelmann, Karrstet, der bei Belgrad gegen die Türken mitgefochten hatte, ein wilder, trotziger Mann. Als er nach einem nicht friedevollen Leben endlich gestorben war, wurde sein Leichnam in die Kirche zu Hohenleuben begraben, aber noch jetzt reitet das Gespenst dieses Toten nächtlicherweile auf einem weißen Streitrosse den Weg entlang, auf welchem die Leiche nach Hohenleuben gebracht wurde, ja selbst bis in die Kirche hinein dringt der Spuk. Denn einstmals schickte der Prediger zu Hohenleuben einen seiner Söhne im Zwielichte des Abends in die Kirche, ein auf dem Altar liegendes Buch zu holen, und derselbe nahm zu seiner Begleitung zwei Söhne des Kantors mit. Kindischer Mutwille trieb den einen dieser Knaben, die Kanzel zu besteigen und zu rufen: Geist Karrstet, komm! Geist Karrstet, komm! Siehe, da erdröhnte das Gebäude, und schrecklich und grauserlich ritt der Spuk mit lautem Getöse über die Weiberstühle dahin. Die Knaben wurden bewußtlos auf dem Kirchhofe gefunden. Seitdem hat keiner wieder den Geist gerufen.

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