246. Die zwölf Johannes

246. Die zwölf Johannes

In Königsberg waren ihrer Zwölfe, die hießen allesamt Johannes, und hatten die gemeine Rede vernommen, daß einem, der Johannes heiße, der Teufel nichts anhaben könne, der täuschte sie mächtiglich. Denn da sich nun diese zwölf Gesellen zusammengetan, den Teufel zu berufen, ihm ihre Armut zu klagen und sich von ihm reich machen zu lassen, so gingen sie alle zusammen hinaus auf den Glappenberg, der jetzt der Rollberg heißt, zogen einen Kreis, stellten sich hinein und begannen den Teufel zu beschwören. Sie wünschten sich vornehmlich jeder einen Schilling, der stets Geld heckte, und war ihr Glaube, der Teufel bringe dreizehn Schillinge solchen Beschwörern dargetragen; einer davon gehöre ihm, und wer nun durch Los oder Unglück den Teufelsschilling empfange, dessen Seele verfalle beim Tode dem Teufel, die andern Eilfe aber gingen frei aus. Da nun aber, so rechneten die Beschwörer, der Teufel ihrer keinem etwas anhaben könne, weil sie alle Johannes hießen, so sei keine Gefahr dabei, der Teufel müsse die Schillinge doch bringen und den Unglücksschilling für sich behalten, mit der Erlaubnis, sich selbst zu holen, wenn es ihm beliebe. – Es kam aber ganz anders. Der Teufel war nicht in freigebiger, brutpfennigspendender Laune. Er erschien, und zwar in mancherlei Weise, führte lange Gespräche mit seinen Beschwörern, und diese in allerhand Sprachen, und verwirrte ihre Sinne so ganz und gar, daß vier von ihnen niederstürzten und ihren Geist aufgaben, vier andere wurden ganz irrsinnig, und viere rannten von dannen und gelobten zur Buße ihrer Freveltat eine Wallfahrt nach St. Jakob in Compostell.

Das ist geschehen zu Königsberg unter der Regierung des Hochmeisters Hans von Tieffen, und wäre wohl nicht geschehen, wenn diesen zwölf Johannessen die alte thüringische Sage kund gewesen wäre von dem Frankenkönige, der ein Glücksschiff hatte, das alle Tage einmal die Welt umfuhr, und darauf zwölf Schüler waren, die auch alle Johannes hießen, von denen aber nahm sich alle Jahre der Teufel einen, und den letzten ließ er auf den Petersberg bei Erfurt fallen, der zuvor der Berbersberg hieß. Auch da hatte der Name Johannes, der noch heutiges Tages in der deutschen Christenheit und vornehmlich auf dem Lande so allverbreitet ist, seine Schirmkraft gegen den Bösen nicht bewährt.

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247. Schnabelschuhe

247. Schnabelschuhe

Zur selben Zeit, als die Teufelsbeschwörung durch die zwölf Johannesse in Königsberg sich zutrug, hatte der Modenteufel ein tolles Tragen spitzer Schuhschnäbel auf die Bahn gebracht. Die wurden getragen erst eines Fingers lang, dann einer Spanne lang, und mancher trug sie eine halbe Elle lang und meinte damit so vielen Staat zu machen wie hernachmals die Kriegsleute mit Pluderhosen und in neuer Zeit die Vornehmen mit chinesischen Fingernägeln. Da trug sich’s zu, daß eines Hauptmanns Sohn aus Marienburg vom Teufel besessen ward, und wurde dieser Teufel, der den Jüngling besaß, beschworen, auszufahren; da redete der Teufel aus dem Junker heraus: Ausfahren will ich wohl, aber ich muß erst wissen, wo ich darauf hineinfahren soll. Wollt Ihr mir nicht vergönnen, in die Schnabelschuhe zu fahren? Ich vermeine, es sei für zehntausend Teufel Platz in selbigen, und da man dem Teufel so viel in die Schuhe schiebt, kann er sich auch einmal selbst in die Schuhe schieben. – Das wurde dem Teufel vergönnt, und er fuhr in die Schnabelschuhe. Als das nun ruchbar wurde im Lande Preußen, da wollte kein Mensch mehr solche Schuhe tragen, und die Mode kam in Abnahme und hörte zuletzt ganz auf. Wo aber hernachmals dieser Teufel hingefahren ist, als es keine Schnabelschuhe mehr gab, davon ist keine gewisse Kunde aufbehalten, er müßte denn in das Kreuztor zu Königsberg gefahren sein, das am Ende der Burgfreiheit stand, da wo der Roßgarten anfängt; nebenan zur Rechten im Winkel stand ein altes Klostergebäu zum heiligen Kreuz, und das Tor war stets verschlossen. Als aber hernachmals die Mönche vertrieben wurden, fuhr der Teufel in das Tor und machte, daß es immer offen stand, wie sorgsam man es auch verschlossen halten wollte. Endlich ist es im Jahre 1705 ganz abgebrochen worden.

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248. Die Schatzgräbermönche

248. Die Schatzgräbermönche

Bei Königsberg liegt ein vereinzelter Berggipfel mit schöner Aussicht, der heißt der Galtgartenberg oder der Rinau, und sind dortherum der Höhen nur wenige, und kann einer weit umschauen von der Höhe des Rinau, unter sich die alte Königsstadt und nordwärts die dörferbesäete Landschaft und darüber hinaus rechts das Kurische Haff und links der Ostsee endlosen Spiegel und zwischen beiden zur dämmernden Ferne sich verlierend die grüne Linie der Kurischen Nehrung, südostwärts aber das Frische Haff. Auf diesem Gipfel war vorzeiten auch ein Heidenheiligtum, und soll da droben absonderlich ein Abgott des Namens Ligo verehrt worden sein, ein Gott des Frühlings und der Freude, von welchem uns wenig Kunde überkommen; vielleicht ist er ein und derselbe Gott mit dem, den die Polen Ligiez nannten, ein Ruhestifter und Versöhner. Reine Jungfrauen mußten ihm heilige Flammen nähren. Später sollen die Herren über Samland, Samos Nachkommen, der ein Sohn König Waidewuts war, auf dem Berge gewohnt und ihre Götter droben verehrt haben in einem heiligen Haine, und zwar vornehmlich den Gott der Tafelfreude Curcho oder Gorcho und den Herdengott Warskaito, wie auch den Geflügelgott Ischwambrat, welche Götterdreiheit im uralten Mythus der Preußen den zweiten Rang nach den höchsten Göttern Perkunnos, Pikollus und Potrimpus einnahm. Endlich eroberte der Deutsche Orden auch Samland und zerstörte die heidnischen Heiligtümer, und in noch späterer Zeit drängte die Lehre Luthers auch den Marienorden zur Seite, die Klöster wurden aufgehoben, und die Mönche und Nonnen wurden zu Herden ohne Hirten. Da waren vierzehn Mönche, die hatten nichts mehr zu leben, wohl aber manche Kenntnis von geheimen Dingen, und die wußten wohl, daß auf dem Rinau Schätze vergraben waren in nicht geringer Zahl. Die wanderten hinauf, gar wohl mit allem versehen, was zum Schätzegraben nötig, stießen auf altes Trümmergemäuer und schlugen ein. Da fanden sie ein Gewölbe, darinnen standen große Urnen, aber bei jeder Urne lag ein schwarzer Hund, und jedem Hunde rauchte es aus dem Maule, und das war ein so giftiger Brodem, daß gleich fünf Mönche tot niederstürzten und drei andere, die mit den übrigen flohen, des andern Tages starben. Da sahen die sechs übrigen Mönche, daß sie doch noch nicht alles mit sich getragen zum Schatzgraben, und beredeten sich, es dennoch noch einmal zu versuchen, aber mit besserem Rüstzeug, und gingen nochmals hinauf, nahmen Heiligenbilder mit, mit geweihtem Öle bestrichen, und das Allerheiligste und hielten das an die Grube und lasen eine heilige Messe und sangen Litaneien. Da verschwanden die Hunde, und der Gifthauch ward nicht mehr verspürt, und die Urnen konnten ohne Beschwerde hinweggenommen werden, nur waren sie sehr schwer. Die Mönche hatten eine große Freude, und es war schön anzusehen, wie jeder Mönch eine große schwere Urne vom Berg heruntertrug, daß er schwitzte und keuchte, denn diese Töpfe waren einige Fuß hoch und hatten Bäuche fast wie die der Mönche. Im Beisein des Bischofs und des Hauskomturs schritten sie nun zur sorgfältigen Untersuchung des Inhaltes dieser altheidnischen Aschenkrüge. Da fand sich allerlei Schönes: Lehmen, Sand, kleine Kohlen, Knochenreste, Asche – aber von Metall, geschweige von edlem, nicht ein Splitter. Da zogen die Mönche lange Gesichter, denn sie waren keine Altertumsforscher, sonst hätten sie auch an den leeren Urnen noch eine große Freude gehabt und wären froh gewesen, dieselben ganz und unzerbrochen vom Rinau heruntergebracht zu haben. Und weil niemand da war, an dem sie ihren Verdruß auslassen konnten, so mußte der Teufel herhalten. Er mußte das Gold in den Töpfen in schnöde Asche und Kohlen verwandelt haben und hatte doch im entferntesten nicht daran gedacht, der arme Teufel, dem immer alles in die Schuhe geschoben ward.

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24. Der Kreuzliberg

24. Der Kreuzliberg

Auch im Aargau, ohnweit Baden, wohnte auf einem Burgberge eine Königstochter, die oft zu einem nahen Bühel ging, wo sie im Schatten ruhte und der schönen Landschaft sich freute. Sie wußte aber nicht, daß Geister in dem Bühel hausten, deren Art keine gute war. Eines Tages kam sie abermals zu ihrem Lieblingsplatz, aber kaum erkannte sie ihn wieder; wildes Geklüft und geborstenes Erdreich starrte ihr da entgegen, wo sie noch kurz zuvor auf schwellendem Moos im kühlenden Baumschatten geruht hatte, und weit hinab in die Tiefe gähnte eine jähe Schlucht. Die Jungfrau aber war unerschrocknen Sinnes, weil sie rein und schuldlos war, und so setzte sie die Füße in den düstern Gang, um zu schauen, wie es darinnen beschaffen sei. Da gewahrte sie, daß es ein ungeheurer Keller war, Fässer lagen da über Fässern, und siehe, schreckhafte Gestalten huschten an sie heran, ergriffen sie an den Händen und zogen sie über alle die Fässer weiter und weiter zur Tiefe fort, so daß sie endlich aus Angst und Bangigkeit die Besinnung verlor und nicht mehr wußte, was mit ihr geschah. Da sie nun in der Burg daheim vermißt wurde, ward ausgesandt, sie zu suchen, und ward also gesucht an allen Orten und Enden ringsumher. Siehe, da fand sie einer nicht gar weit von dem Geisterhügel auf einer kleinen Anhöhe stehend, mit in die Erde gewurzelten Füßen, der Leib steinhart und die Arme in Äste ausgewachsen und gen Himmel ausgestreckt, wie die Jungfrau Daphne in der heidnischen Fabel. Alle, die das sahen, entsetzten sich vor dem grausenhaften Anblick solcher Baumverwandlung, und da ward nach dem nahen Kloster Wettingen hinübergesendet, von dort ein Wunderbild zu holen. Als das Bild gebracht ward, da schwand der unheimliche Zauber, der die Königstochter umstrickt hatte, und sie ward wieder erlöset. Des zum Andenken setzte man ein Kreuz auf den Berg, wo diese Sache sich begeben, der hieß fortan der Kreutberg, und jener Bühel, darin die Jungfrau die Fässer erblickt, und der sich wieder geschlossen, heißt der Teufelskeller bis auf den heutigen Tag.

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249. Jodokus‘ Eiche

249. Jodokus‘ Eiche

Nicht allzuweit von Königsberg liegt die Stadt Labiau, dort stand vorzeiten hart am Wasser eine große Eiche, die war dem heiligen Jodokus geweiht, das war ein Schirmvogt der Gewässer. Und die Eiche hatte eine Höhlung, dahinein warfen die Schiffer, die auf der Deine fuhren, im Vorbeifahren einen Opferpfennig, und wer das tat, den sicherte und schirmte der Heilige vor Stürmen, und die Schiffer opferten gern ihren Pfennig, denn es war gar ein wunderbarliches Gefühl ihnen vererbt aus Urväterzeiten her, dieses altheidnische Verehren geheiligter Eichen. Da ließ eines Tages ein Bösewicht sich gelüsten, seine gierige Hand nach dem Schatze auszustrecken, und raubte alles, was er fand, nahe an vierzig Mark. Von Stund an verdorrte die Eiche, aber wie die Eiche verdorrte, verdorrte auch des Räubers Hand. Die Schiffer aber wissen noch immer die Stelle, wo die Eiche stand, und die noch fromm sind unter ihnen, werfen an jener Stelle immer noch ihren Opferpfennig in den Fluß, obschon seit langen Zeiten auch des heiligen Jodokus in jener Gegend kaum noch jemand eingedenk ist. Dieser Wasserheilige ward abgebildet mit dem Stabe in die Erde stoßend, aus welcher eine Quelle entspringt.

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250. Der Hungerkerker in Tapiau

250. Der Hungerkerker in Tapiau

Tief unterm Schlosse zu Tapiau ist ein Gewölbe, das stieß früher an die Sakristei der Krypta der Ordenskirche. Von diesem Gewölbe gehen schaurige Sagen, was alles in ihm die Ordensritter Greuelvolles vollbracht.

Zu Zeiten des Hochmeisters Heinrich von Richtenberg lebte ein frommer und gelehrter Mann, Dietrich von Kuba, der war beider Rechte Doktor und wohlgelitten bei zwei Päpsten, Paulus dem Andern und Sixtus, dessen Nachfolger, und der letztere ernannte ihn zum Bischof von Samland. Das war aber geschehen ganz gegen Wunsch und Willen des Deutschordensmeisters und seines Kapitels, und der Ernannte ward ihnen verhaßt, denn der Orden war verwildert und wollte keinen Römling und Papstgünstling und mehr ritterlich leben denn geistlich. Der Bischof aber gedachte in seinem Sinn unter des Papstes Schutz den verderbten Orden zu bessern und zu reformieren, und wer in der Welt mit Glück reformieren will, der muß eine eiserne Faust, eine eherne Stirne und ein feuriges Herz haben, sonst wird es ihm nimmer gelingen, denn die Welt will nicht reformiert und gebessert sein. Und des Bischofs Dietrich von Kuba Eigenschaften reichten nicht aus, einer zahlreichen ritterlichen stolzen und mutvollen Ritterklerisei allein gegenüberzustehen. Die Ordensgebietiger nahmen ihn gefangen und ließen ihn in das Schloß gen Tapiau führen, wo er in ehrlicher Haft nach Standesgebühr gehalten ward. Aber dort umspann schnöder Verrat den gefangenen Bischof; er wird zu einem Fluchtversuch beredet, entdeckt und nun sein Verderben beschlossen. Der Hochmeister und das Ordenskapitel verdammten den unglücklichen Mann zum Hungertode. In das erwähnte Gewölbe ward er gebracht, dort an die Mauer angeschmiedet und fortan ohne Trank und Speise gelassen. Acht Tage lang schmachtete er hier in unendlicher Qual. Am achten Tage hörte das Volk in der Kirche, da die Sakristeitüre zufällig offengeblieben war, eine heisere Stimme wimmernd rufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Mein Gott, mein Gott, erbarme dich meiner!

Diese Stimme ward nachher noch oft gehört, als des Bischofs Leiche längst beigesetzt war, was in Königsberg geschah. Die Untat ward ruchbar, der Papst ergrimmte gegen den Orden, aber der Orden schwur sich rein. Eine Zeit darauf erkrankte der Hochmeister heftig. Schon war er jedoch wieder auf dem Wege der Genesung, als er mit einem Male auffuhr und rief: Meinen Harnisch! Mein Roß! Der Bischof – ich muß fort! Der Bischof ladet mich vor Gottes Gericht! Herr, mein Gott, erbarme dich meiner! – Und sank um und war tot.

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237. Die weiße Jungfrau der Bayerburg

237. Die weiße Jungfrau der Bayerburg

Als Herzog Heinrich von Bayern im Jahre 1337 dem Deutschen Orden mit starker Heeresmacht zu Hülfe zog, erbaute er eine Schutz- und Trutzburg dem alten Ordenshause Christmemel am Memelstrome gegenüber, die war gar groß und fest und wurde die Bayerburg genannt. Die sollte die ganze Gegend schirmen gegen das heidnische Litauen, und eine große Stadt mit dem Sitz eines Erzbischofs sollte sich um sie her begründen. Allein dem ward nicht also. Der Ordenshochmeister setzte einen Komtur in die Bayerburg und vierzig Ritter, die sollten sie behaupten und ein gottseliges Leben in der Burg führen. Solches führten sie aber mitnichten, sondern ein Leben voll Lust und Schlemmens, mit Trunk, Spiel und Buhlerei. Einstmals brachten sie eine edle christliche Jungfrau in ihre Gewalt, die sie zu ihren Sünden zu nötigen versuchten, allein die Jungfrau willigte nimmer ein und rief in ihrer Not den Herrn an, ihren Leiden und der Ritter Greuel ein Ende zu machen. Und da tat sich die Erde auf und verschlang die Burg, die Ritter und die Jungfrau. Ihr aber ward ob ihrer Reinheit willen vergönnt, als Schutzgeist der Gegend bisweilen sichtbarlich zu erscheinen. Sie warnt die Leute vor Bösem und erzeigt ihnen Gutes. Wo die Burg gestanden hatte, gähnte ein tiefer Schlund und Abgrund hinab, in diesen stürzte vor langer Zeit ein Kind, und die Eltern jammerten ratlos droben am Rande des Abgrundes, denn niemand traute sich hinabzusteigen. Da entstieg dem Abgrunde die weiße Jungfrau und hielt in ihren Armen das unversehrte Kind, gab es zurück und verschwand. So ist sie vielen hülfreich gewesen. Auch die Schätze der versunkenen Burg, die sie bewacht, würde sie gern verteilen, aber ein schwarzer Teufel wohnt mit ihr zugleich in der Tiefe, der wehrt es ihr. Einst wird die weiße Jungfrau den schwarzen Teufel überwinden und alle ihre Schätze im Lande austeilen.

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238. Schlacht im Nebel

238. Schlacht im Nebel

In den endlosen Kriegen des Deutschen Ordens gegen das litauische Heidenvolk geschah es im Jahre 1394, daß das Ordensheer bis zur Landeshauptstadt Wilna vorgedrungen war und diese Stadt belagerte. Den Belagerern die Zufuhr abzuschneiden, führte Großfürst Witoudt ein starkes Heer heran und schlug Lager. Die Zufuhr aber zu schützen, entsandte der Meister vier Banner, jedes von hundert Mannen, die stießen bei Redemynne auf die litauer Fürsten Witoudt und Karjebut von Sewerien mit ihrem großen Heer, doch lag noch ein Fließ oder Bruch zwischen den Ordenskriegern und den Litauern; um diesen zogen erstere, und da gewahrten sie, daß des Feindes Heer also groß war, daß zehn Feinde auf einen Christenreiter kamen. Dennoch wagten sie mutig den Angriff, und da ließ Gott aus dem Bruch einen dichten Nebel aufsteigen, daß die Litauer ihrer Gegner Kleinzahl nicht wahrnahmen, sondern meinten, der Hochmeister mit dem ganzen Ordensheer stehe gegen sie, und da die Kreuzritter so tapfer und heftig angriffen, so hielten die Litauer nicht stand, sondern flohen von allen Seiten nach allen Seiten. Und solange der Kampf währte, in welchem gar viele Heiden erschlagen wurden, vermochte kein Wind den Nebel zu zerteilen.

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23. Der Besserstein

23. Der Besserstein

Im Aargau, da, wo Reuß und Limmat in die Aar und die Aar in den Rhein fließen, liegt der Geißberg, der trägt auf seinem Gipfel die Trümmer einer Ritterburg. Ein Herr von Villigen baute die Burg auf das schönste und festeste, hatte seine Herzensfreude daran, gedachte in ihr glücklichen Alters froh zu werden und in Leutseligkeit und Güte seinen Untersassen ein treuer Vater zu sein. Fertig stand der Bau, und festlich sollte er eingeweiht werden. Des Bauherrn Söhne und alle Gefreundete rings im Gau waren versammelt, und die Humpen kreisten. Der Ritter von Villigen sprach zu den Söhnen: Da schaut nun, wie gut sich’s hier wohnen wird in der Pracht der Gegend, rund um uns her unsre fleißigen Leute und Mannen, mitten im Kreis der Dörfer unser stattliches Burghaus, fest gegen den Feind, offen dem Freund, den Bedrängten ein Schutz, den Dürftigen ein Hospitium! So wollt ich’s haben.

Ja, Vater, sprachen die Söhne, das ist traun eine wackre Trutzburg worden; da mag sich das nichtsnutzige Volk auflehnen oder nicht, wir zwingen es von hier aus, wir werden ihm den Fuß auf den Nacken setzen. Von hier aus können wir Zölle legen auf die Flüsse und den Rheinstrom, auf Wege und Stege. Der ganze Gau muß uns tributpflichtig werden, damit unser Gut sich mehre und unser Name ein gefürchteter sei im Rhein- und Schweizerlande. – Als der Herr von Villigen diese Rede seiner Söhne vernahm, war es ihm, als wolle sein Blut stocken und sein Herz brechen, und zürnend brach er aus: Entartete Söhne! So ist euer Sinn? Wartet, den will ich euch bessern! – Und warf seinen vollen Humpen zur Erde, daß er in tausend Scherben zerklirrte. Wie dieser Humpen zertrümmert liegt, so soll dieser stolze Bau, meine Lust und meine Freude, zertrümmert liegen! – Und berief seine Mannen, seine Untersassen, sein ganzes Volk, und hieß sie den neuen Bau abbrechen und verfluchte die Hand, die ihn wiederum zu bauen beginnen werde. Besser Stein, ein wüster Stein, als eine Zwingburg des Volkes und des Gaues, die Schimpf auf den edeln Namen derer von Villigen häuft! rief er – und seitdem liegt auf dem Geißenberge der öde Mauerrest und heißt allwege im Volke der Besserstein.

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239. Der König im Berge

239. Der König im Berge

Auf einer Höhe bei Lauenburg in Kassuben hatte sich im Jahre 1596 eine ungeheure Kluft aufgetan. Deren Tiefe, und wie sie innen beschaffen sei, hätte der Rat gern erfahren; nun waren allda zu Lauenburg zwei Gefangene, das waren zum Tode verurteilte Missetäter, denen bot der Rat Leben und Freiheit, wenn sie es wagen wollten, hinab in die Tiefe zu steigen und Kunde heraufzubringen von dem, was sie drunten gesehen. Diese Missetäter fuhren hinab, tief, unendlich tief, und als sie endlich drunten im Berge ankamen, da erblickten sie einen großen und schönen Garten, und in dem Garten stand ein Baum mit lieblicher weißer Blüte. Und unter dem Baume stand ein Kind, das winkte den Männern und führte sie über einen weiten Plan zu einem Schloß. Daraus klang vernehmlich mancherlei Saitenspiel und liebliches Getöne, und wie das Kind den Männern die Pforte öffnete, sahen sie drinnen im Saal einen König auf silbernem Stuhle sitzen, der hielt in der einen Hand einen goldenen Szepter und in der andern Hand einen Brief. Diesen Brief gab der König in des Kindes Hand, und das Kind gab ihn den Missetätern. Die brachten ihn herauf, und dann ward ihnen ewiges Schweigen auferlegt, und sie wurden freigelassen, und niemals hat jemand erfahren, was in dem Briefe gestanden hat.

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