745. Berggeister um Altenstein

745. Berggeister um Altenstein

Unterm Schloß Altenstein liegt Glücksbrunn, ein vormaliger Hüttenort. Lebhafter Bergbau wurde vormals von den hier und in Steinbach zahlreich wohnenden Bergleuten betrieben, jetzt wird nur noch wenig Ausbeute gewonnen. In den Schachten und Stollen gab es auch Berggeister und manchen versetzten Hort. Venetianer sind gar häufig gekommen und haben viel hinweggetragen. Am Löge, oberhalb Steinbach, hat ein goldner Hirsch sich oftmals sehen lassen. Einst ging ein junger Bergknappe aus Steinbach nach seinem Schacht auf der Windleite. Wie er nahe zur Winde kam, sah er ein ganzes Heer kleiner Bergmännerchen an der Winde stehen, die waren gar tätig und eifrig mit Aufwinden und mit Gesteinpochen. Wie er nun mit offnem Munde näherschritt, ganz verwundert über die verwunderliche kleine Knappschaft, hui! da purzelten sie kopfüber allzumal in den Schacht, und es tat einen Kracher, als ob der ganze Schacht in sich zusammenbreche. Da grauste es dem jungen Bergmann mächtiglich, ging hin zum Schacht, schnallte sein Hinterleder ab und schmiß es samt dem Grubenlicht in die Teufe hinab und sagte: Mit euch fahre ich nicht an! Und ging hinüber in die Ruhl und wurde ein Messerschmied, und als er dies gute Gewerk gelernt hatte, kam er wieder nach Steinbach, tat sich allda als Messermacher nieder und brachte so das Handwerk dorthin als erster Meister. Und da haben die Steinbacher es ihm nachgemacht und sind aus Bergleuten Messermacher geworden, und wohnen jetzt über anderthalbhundert Meister allda und kein einziger Bergmann mehr.

Einst arbeitete ein Häuer aus Glücksbrunn im Reginaschacht, da hörte er ein Rauschen und meinte, es fahre etwa ein Steiger an, und sähe eine Menschengestalt, anzuschauen wie ein Bergamtsoberer mit schwarzem Hut, grünem Oberkleid mit Manschetten, schwarzen Beinkleidern und Schuhen, weißen Strümpfen, in der Hand ein hellbrennend Grubenlicht, schönen Antlitzes und von glänzenden Augen, so groß, daß er am Ort, das über fünf Schuh hoch war, an den First anstieß. Der bestürzte Häuer schwieg und arbeitete angestrengt weiter immer rascher und heftiger. Da wandte sich die Gestalt gegen Morgen und fuhr in der Strecke von dannen. Hätte der furchtsame Häuer nur den Bergmannsgruß Glück auf! gesprochen, so hätte sich ihm ohne Zweifel der reiche Stollen des Glückes erschlossen und aufgetan. So aber sah er nie wieder diese Bergerscheinung. Andern erschien der Berggeist im Grubenkittel, Kniebügel an den Beinen, einen schwarzen Schiefhut auf dem Kopf, mit großen glänzenden Augen und auch einem Grubenlicht in der Hand, auf sie zukommend, auch diese wichen furchterfüllt dem Geiste aus und fuhren wieder aus dem Schachte. Des Geistes Grubenlicht erhellte fast die Hälfte des aufwärtsgehenden Schachtes.

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746. Der Wallfahrtgarten

746. Der Wallfahrtgarten

Droben überm Luthersbrunnen unter dem Gerberstein hat vorzeiten, wie die Sage geht, ein Nonnenkloster gestanden, und da sind immer viele Wallfahrer hingezogen, und es ziehen noch heutiges Tages welche dahin, obgleich das Kloster längst zerstört ist. Die Nonnen aber haben vor der Zerstörung noch einen großen Schatz allda vergraben, und eine von ihnen hat sich zu dem Schatz verwünscht, seiner zu hüten. Viele Leute haben sie wandeln sehen, denn der Weg nach Ruhl geht dort vorbei, schloß-schleierweiß, doch hat sie keinem Menchen etwas getan. Die aber dort nach Schätzen gegraben haben, haben nichts gefunden. Vor hundert Jahren in einem Vorfrühling, da es noch keine Blätter und Blumen gab, sind Leute dorthinauf ins Reisig gegangen, die hatten ihr kleines Kind von fünf bis sechs Jahren bei sich und setzten das Kind zu ihren Körben und gingen in den Wald, ihrer Arbeit zu warten. Wie sie aber wieder hin nach den Körben kamen, da ging es wie bei der Frau auf Burg Epprechtstein, das Kind war fort, und vergebens riefen und suchten es die Leute im ganzen Walde. Doch wie sie es eine ziemliche Weile gesucht hatten, da kam das Kind gelaufen und war voller Freude, und hatte rote Beeren und Blumen und Kirschen, und sagte, wie sie fort gewesen wären und es so allein gewesen und sie so lange ausgeblieben, da hätte es sich gefürchtet und hätte geweint, und wäre auf einmal eine weiße Jungfer gekommen, die hätte ihm gesagt, es solle nicht weinen, sie kämen wieder, und es solle mit ihr gehen in ihren Garten, da gäbe es Beeren und reife Kirschen und Blumen. Und da hätte es davon nehmen dürfen, so viel es gewollt, und es sollte nur alle Tage zu ihr heraufkommen. Und nachher hätte die weiße Jungfer gesagt, nun solle es gehen, seine Mutter riefe ihm – und da sei es wiedergekommen, aber seine Leute sollten nur einmal mitkommen in den hellig schönen Garten. Und ob das alles den Leuten ganz unglaublich dünkte, so folgten sie doch dem Kinde und kamen auch wirklich an den Garten, sahen darin die Blumen und Blüten, die Beeren und Kirschen und auch die weiße Jungfer. Und die weiße Jungfer winkte ihnen, hereinzukommen in den Garten, aber sie fürchteten sich und enteilten samt dem Kinde. Aber alle Tage ankerte das Kind nach dem Garten und nach der weißen Jungfrau und wollte hin zu ihr, und weil es nicht fortgelassen ward, so weinte es beständig und härmte sich und wurde krank bis zum Sterben. Da saß seine Mutter an des Kindes Bettchen und weinte zu Gott im Himmel hinein, daß sie das Kindchen verlieren sollte, und betete. Da hob sich mit einem Male das Kind im Bettchen in die Höhe und streckte die Händchen aus und lachte mit dem ganzen Gesichtchen und rief: Siehst du, Mutter – die weiße Jungfer – wie sie mir rote Beeren (Erdbeeren) bringt und Johannisbeeren? Und da starb’s. – Niemals hat jemand auf der Wallfahrt und dortherum den Garten der weißen Jungfrau wiedergefunden.

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747. Die Männer im Flußberg

747. Die Männer im Flußberg

Hoch über Liebenstein im Gebirge erhebt sich ein Bergkopf mit zerklüfteten Flußspatfelsen, der Flußberg genannt; dort hat es gespukt und die Wanderer geneckt seit undenklichen Zeiten. Von unsichtbaren Händen wurden dort Ohrfeigen ausgeteilt; das Weinen eines kleinen Kindes ward dort vernommen, wer ihm aber nachging, fand es nie, sondern verirrte sich im Waldesdickicht. Auch das wütige Heer hat dahinten im Flußberg seinen Sitz; das kommt über den Gerberstein und den Hirschpalz dahergezogen und läßt sich im Flußberg nieder, und wen es erwischt, der ist verloren. Wenn man es durch die Luft kommen hört, muß man sich nur gleich auf den Bauch und auf das Gesicht der Länge lang auf den Erdboden legen und ein Vaterunser beten, da zieht es vorüber und kann einem nichts anhaben, weil es immer in der Luft bleiben muß, solange es sich nicht in ein Bergloch niedertut wie hier im Flußberg oder im Hörseelenbergsloch oder sonstwo. In den Flußberg geht das Loch ganz tief hinunter, und in dasselbe sind, gleichwie in der Berghöhle im Zobten, auch drei Männer gebannt, welche aber nicht lesen im liber obedientiae und auch nicht lateinisch sprechen. Der eine das ist ein Wirt und Metzger aus Steinbach bei Liebenstein, der hat den Leuten immer das Fleisch zu knapp gewogen und das Bier zu knapp gemessen, und wie er gestorben war, hat er alsfort wandern müssen und hat im Keller und in der Fleischkammer immer herumgepoltert und gerufen: Drei Kartel für e Kann! Drei Viertel für e Pfoind! – so lange, bis ein Jesuiter geholt wurde, der diesen Geist bannte, in einen Sack steckte und in den Flußberg trug. Der zweite das war ein Müller drunten in den Sauerbrunns-Grumbach bei Liebenstein, der hat die Leute beim Mahlen betrogen und gemetzt, daß ihnen die Augen übergingen, und hat auch Grenzsteine verrückt. Nachher hat er auch wandern müssen und hat in der Mühle herumgepoltert und ist als feuriger Mann auf seinen Ackern und Wiesen herumgeschwebt, wo er die Grenzsteine verrückt hat. Da hat ihn auch ein Jesuiter bannen und hinter in das Flußloch tragen müssen. Nachher war noch einer in Schweina, der hat die Grenzsteine so geschickt verrückt, daß seine Acker alle Jahre größer geworden sind; darauf hat er gar arg gespukt, daß sich die Leute, wenn es kaum anfing dunkel zu werden, nicht mehr auf den Weg von Schweina nach Steinbach trauten, denn dort lagen seine Acker, und da wanderte er. Selbiger Mann ist ebenfalls durch einen Pöpelsträger hinauf in den Flußberg getragen worden. Und da sitzen nun die Drei, und zu ihrer Unterhaltung haben ihnen die Jesuiter ein eisernes Kartenspiel gegeben, und weil sie im Leben allzeit gern gekartet, karten sie nun auch fort und fort Solo und betrügen einander und werden uneins und wamsen sich eine Weile und machen einen Lärm und Spektakel wie das wütige Heer. Wer um Mitternacht am Flußloch vorübergeht, der kann sie drunten gellen, schreien und zanken hören, das geht durcheinander: Drei Kartel für e Kann! Drei Viertel für e Pfoind! Trumpf aus! Drei Metze für e Maß! Trumpf aus! – und so immer fort, und prügeln sich, daß der ganze Flußstein wackelt.

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748. Wer weiß, ob’s wahr ist?

748. Wer weiß, ob’s wahr ist?

Zwischen Liebenstein und Salzungen liegt ein Dörflein, das heißt Ettmarshausen, früher hat es Ottmarshausen geheißen, dort war ein Garten, der wurde ummauert, und als die Mauer samt der Eingangstür fertig war, so schrieb der Maurermeister in den einen Türpfeiler die Jahrzahl und seines Namens Anfangsbuchstaben also ein:

A. D. 1548. M. A. L.
C. F.

Weil aber nicht derselbige Meister, sondern der Gesell die ganze Arbeit gemacht und vollbracht hatte, so grub der Geselle in den andern Pfeiler die Worte ein:

Wer weiss ob's wahr ist?

Darauf ist in der ganzen Gegend das Sprüchwort entstanden, wenn einer sich eines Dinges rühmt, das nicht er vollbracht hat, sondern ein anderer: Wer weiß, ob’s wahr ist, stand an der Ettmarshäuser Gartentüre – oder man sagte ihm wohl auch ins Gesicht: Du – denk an die Ettmarshäuser Gartentüre. Und dieses Sprüchwort lebt noch, obschon Garten und Tür, Mauer und Schrift längst nicht mehr vorhanden.

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739. Die Wasunger Streiche

739. Die Wasunger Streiche

Der deutsche Süden hat seine Wunderklugen wie der deutsche Norden; warum sollte das innere Deutschland leer ausgehen? Wer hätte nicht von Schwabenstreichen gehört oder von des Nordlands und Nordstrands witzreichen Leuten? So muß auch das Städtlein Wasungen im Meininger Lande, gleich Ummerstadt und gleich Schnett in demselben Lande, sich solche Streiche nachrühmen lassen und muß sich mit dem bekannten schlimmen Trost trösten: andern geht’s nicht besser, denn es hat Genossen in Schilda und Schöppenstedt, Polkwitz und Borsheim, Tettera und Wesenberg, Hirschau und Amweiler, Trifels und Weilheim, Stockach und Karlstadt, Ahlen und Beutelsbach, Bopfingen und Reutlingen, Düren und Mühlheim, Ganslosen und Kasendorf, Venlo und Mecheln, Hotstrupp und Gabel, Romöe und Büsum, Kisdorf und Bishorst und an hundert andern. Das ist auch keine neue Sache und Geschichte, daß die Welt der Wasunger und anderer Lalenburger Streiche rühmt, schon vor mehr denn hundert Jahren ward also geschrieben: »Im übrigen ist niemandem leicht im Hennebergischen unbewußt, daß allerhand possierliche Schwänke und Histörichen von denen zu Wasungen erzählt werden, welche eine ziemliche Verwandtschaft mit denen in Meißen berühmten Schildbürger Geschichten haben.« Hohe Regierung machte es damals und noch früher gerade auch nicht besser, wie eben zu allen Zeiten und allenthalben ihre Lalenstreiche unter den Aktentischen hervorschlupfen – sie gestattete ausdrücklich und gnädiglich schon im Jahre 1578, daß zur Winterszeit der Wasunger Ziegenhirt mit den Ziegen den Schloßberg und die Hunnenburg betreiben möge – wahrscheinlich sollten die Ziegen Schneeblumen und Eiszapfen fressen. Die zu Wasungen litten nicht, daß ein fremder Dieb an ihren Galgen gehenkt werde, sie gaben ihm den Staupbesen und ein Stück Geld mit der Weisung, er solle hingehen und sich henken lassen, wo er wolle; machten es also sänftiglicher wie die Erfurter, die einem zuvor den Kopf abschlugen und erst dann ihn hingehen ließen, wohin er wollte. Und darüber braucht keiner zu lachen, selbiger Streich der Wasunger war klug und ist in neuer Zeit im lieben deutschen Vaterlande mit manchem Strolch, vornehmem und gemeinem, ihnen nachgetan worden. Auch Eselseier haben sie ausbrüten wollen, als welche ein Fuhrmann ihnen verkauft, es waren aber sotane Eier Quarkkäse – auch darin hatten und haben sie im lieben Deutschland viele Genossen, nur mit dem Unterschied, daß häufig die Esel selbst über dem Quark brüten und nichts Gescheites zutage fördern, daran auch nur ein vernünftiger Mensch seine Freude haben könnte; mit der Katze ging es ihnen schier wie den Gabelern, und von der tragbaren Ehrenpforte, von der Salzsaat, von der durch kluges Abschneiden eines Stiefelpaares bewirkten Verschaffung eines Paares Pantoffeln darf man nicht viel Redens machen, so wenig wie von denen letztbekannten Streichen des Jahres 1848, wo auch zu Wasungen die Werra brannte und die Milchtöpfchen überliefen, so daß aus den süßen eitel Sauertöpfe wurden.

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740. Stein vom Himmel

740. Stein vom Himmel

In Frauenbreitungen, zwischen Wasungen und Salzungen gelegen, liegt ein großer schwarzer Stein, der fiel einmal vom Himmel herab ins Feld, und niemand konnte ihn wegbringen, so schwer war er. Da aber der Stein vom Himmel gefallen war, so wollten die zu Frauenbreitungen ihn gern in ihre Kirche haben. Und da hatten sie einen Gefangenen, der ein großes Verbrechen begangen, der war seines Zeichens ein Leinweber und zugleich ein starker Hans, was sonst die Leinweber nicht sind. Der vermaß sich, wenn man ihn sündelos machen wolle, so wolle er den Stein, wie der Eckardser Graf den seinen, vom Felde herein ins Ort und in die Kirche tragen, wenn auch nicht auf der Brust und auf dem Herzen, sondern in seiner Schürze. Das ward dem starken Leineweber zugelassen, und er trug richtig den Stein in einem Gange bis nach Frauenbreitungen herein. Aber da er auf den Markt kam, riß die Schürze mitten entzwei, der Stein glitt heraus und fiel an die Stelle, wo er noch liegt, niemand brachte ihn weiter. Dem Leinweber fiel der Schreck in die Kniekehle. Zum Andenken trägt seitdem das ganze Handwerk kurze Schürzen. Der Stein liegt noch und heißt der Glittstein.

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741. Der vergrabene Kobold

741. Der vergrabene Kobold

Zu Frauenbreitungen am steinernen Haus sollte eine Ausbesserung vorgenommen werden, und da geschah es, daß ein Steinhauergeselle in der Mittagsstunde müßig aus einer Luke des Hauses in einen Garten hinabsah. Da sah er eine Frau gegangen kommen, die ging unter einen alten Birnbaum, grub dort ein Loch und setzte eine Schachtel hinein, die sie unterm Mantel verborgen gehalten hatte, und deckte das Loch mit Rasen sorglich wieder zu. Nach dem Feierabend trieb den Gesellen zu sehen, was wohl die Frau dort möge vergraben haben, einen Schatz oder die Frucht eines Verbrechens. Er ging zum Baume, grub nach und erhob die Schachtel; als er sie öffnete, lag ein scheußlicher Kobold darin, eine halbe Elle lang, kohlschwarz wie der Teufel, Bockshörner am Kopf, Pferdehufe an den Füßen, jeder Zoll ein Teufel, und mit Telleraugen, welche glühten wie Feuer. Der Gesell ließ vor Schreck und Entsetzen die Schachtel fallen, und wie sie hinplauzte, hüpfte der Kobold heraus, schlug eine helle, widerliche Lache auf, sprang um seinen Befreier mit höhnischen Grimassen herum und verschwand dann mit gellendem Gelächter, indem er dem großen Breitunger See zueilte, in den er sich stürzte. Den Gesellen packte ein Fieber, und er starb an dem Schreck. Nie hat man den Kobold wiedergesehen, auch nie die Frau erforscht, die solchen greulichen Schatz vergraben.

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725. Vom Grimmental

725. Vom Grimmental

Wo sich vom Dorf Einhausen das von der Hasel durchflossen Tal über Ellingshausen nach Schwarza hin zieht, nannte man es ehedem das grüne Tal wegen seiner Grüne. Dort hat am Ausgang des grünen Tales in das Tal der Werra ein alter Bet- und Opferstock mit dem Bilde der Jungfrau Maria gestanden, unter einer mächtig großen Linde, vom Gestrüpp umwachsen und fast ganz vergessen. Nun trug sich’s zu, daß ein Rittersmann, Heinz Teufel, der in Obermaßfeld wohnte, auf einem Jagdritt von schwerer Leibesschwachheit überfallen wurde, sich zu dem Bilde schleppte und dort um Hülfe flehte. Und da sein Gebrest alsbald ein Ende nahm, schrieb er es dem Bilde zu, verkündete dessen Wunderkraft, machte eine fromme Stiftung und baute eine Kapelle über das Holzbild. Darauf erhob sich eine große Wallfahrt, und der Ruf des wundertätigen Marienbildes breitete sich nach allen Seiten aus, so daß die Menschen aus allen Landen scharenweise gezogen kamen. Lahme, Blinde, Taube, Preßhafte aller Art, davon es vielen im Traum vorgekommen war, sie würden im Grimmental, wie man die Wunderstätte im grünen Tal hernach nannte. Hülfe und Genesung finden. Und vielen half der feste Glaube. Darum baute hernach der Fürstgraf Wilhelm von Henneberg an den Ort eine prächtige Wallfahrtkirche. Viele Wunder tat die Mutter Gottes im Grimmental, davon nur eins. In Meiningen saßen drei Gefangene in harter Verstrickung im großen Burgturm, die riefen die Maria vom Grimmental an, und siehe, sie erschien ihnen und erledigte sie ihres Gefängnisses, daß sie ohne menschliche Hülfe frei und ledig gingen, diese nahmen alsbald ihren Weg nach Grimmenthal, priesen und dankten. Es sind in Grimmenthal in einem Jahr vierundvierzigtausend Waller gewesen, und es klingt wunderbar, wenn man liest, daß 1503 zur Pfingstzeit auch gegen dreihundert mohrische Ritter, welche durch Schlesien hergezogen kamen, dort ihre Andacht verrichteten. Doktor Luther eiferte sehr gegen diese Wallfahrt, sprach und schrieb von ihr: Daher ist kommen der große Betrug des Teufels mit dem Wallfahrten in das Grimmental, da die Leute verblendet, als wären sie toll und töricht, Knechte und Mägde, Hirten, Weiber, ihren Beruf ließen anstehen und liefen dahin. Ist recht Grimmental, vallis furoris. – Und bald nach der Reformation nahm die Wallfahrt ein Ende. Jetzt steht an der alten Wallfahrtstätte ein schönes Hospital, und die Grimmentalslinde, darunter das Muttergottesbild stand, grünt und blüht noch in jedem Sommer. Sie mißt sechsunddreißig Fuß im Umfang.

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736. Der grünende Pfahl

736. Der grünende Pfahl

Nahe beim Dorfe Untermaßfeld erhebt sich der Hexenberg, so genannt, weil auf ihm die Hexen nicht etwa tanzten, sondern verbrannt wurden, und zwar sehr viele. So war auch ein armer Junge aus Leutersdorf namens Hans Schau der Hexerei angeklagt, wurde im Amt zu Maßfeld torquiert und mußte, wie sehr er auch seine Unschuld beteuerte, bekennen, daß er ein schädlicher Hex sei, und da kam es von Jena, daß er verbrannt werden sollte. Der Jüngling wurde zum Dorfe hinausgeführt, über die Werrabrücke, die Hexentreppe, davon noch Rudera sichtbar, und den Berg hinauf; viel Volk lief mit. Als der arme Sünderzug den Berg etwa halb hinauf war, kam man an eine Stelle, wo ein Bauer Pfähle einschlug, um junge Bäume daranzubinden. Da wandte sich bei einem dieser Pfähle der Jüngling weinend nach dem Volk, hob seine gefesselten Hände gen Himmel und rief: So wahr ich unschuldig zum Tode geführt werde, so wahr wird Gott ein Zeichen tun und geben, daß dieser dürre Pfahl ausschlagen und zum starken Baume werden wird! Die Richter und das Volk aber lachten sein, und oben ward er verbrannt. Wie alles wieder herunterkam, blieben einige bei dem Pfahl stehen, und siehe, da sproßten grüne Blättlein heraus und braune Zweiglein, aus denen Knospen brachen, und lebendiges Grün sprang aus dem toten Holz. Des wunderte sich jedermann und ging nachdenklich nach Hause. Und seitdem ist keine Hexe und kein Hexenmeister mehr im Henneberger Land verbrannt worden. Der Pfahl aber wurde eine starke Buche, die einzige am Hexenberg, der mit Nadelholz bewachsen ist, und steht noch im ehemaligen Köhlers Berggarten, wo jeder sie sehen kann.

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737. Das Gebet der Mutter

737. Das Gebet der Mutter

Ohnweit des Schlosses Landsberg und dem Haßfurtwalde erhebt sich der hohe Gebaberg, an diesem, auf der Seite nach Meiningen zu, nicht weit vom Dörflein Träbes, liegt ein tiefer Erdfall, insgemein das Träbeser Loch genannt, und unten am Fuß der Geba liegt das Dorf Seba und nahe dabei ein kleiner See. Vor alten Zeiten war das Träbeser Loch bis an den Rand voll Wasser, und an der Stelle des Sees erblickte man die schönste und fruchtbarste Wiese im ganzen Tal. Diese war Eigentum einer reichen, hochbetagten Witwe. Die Witwe ward krank, und ihre beiden Söhne traten an ihr Lager, als sie in großer Schwachheit lag, glaubten, sie schlummere, und begannen sich untereinander über ihr Erbe zu besprechen, und wie sie miteinander teilen wollten, wurden auch fertig miteinander, bis auf die Wiese, die wollte jeder ganz und ungeteilt besitzen, und von den leisen Worten kam es zu lauten, so daß sich die Brüder am Sterbebette der Mutter zankten, und daß einer drohte, den andern totzuschlagen, worauf sie voll Zorn die Stube verließen. Die kranke Frau hatte alles gehört, ward schmerzlich bewegt in ihrem Herzen und richtete ein flehentliches Gebet zu Gott, daß er verhüten möge den Bruderzwist, vielleicht den Brudermord um einer Wiese willen, und daß er doch möge die Hoffnung beider auf dieses Erbstück zu Wasser werden lassen. Und Gott erhörte das Gebet der Mutter, denn als der nächste Morgen anbrach, so war von der Wiese keine Spur mehr zu sehen, sondern an ihrer Stelle war ein großer Wasserspiegel ausgebreitet. Niemand wußte sich zu erklären, woher auf einmal die Wassermenge, bis Bauern aus Träbes vom Berg herunterkamen und berichteten, daß in der vergangenen Nacht ihr See verschwunden und an dessen Stelle ein furchtbar tiefer, trichterförmiger Kessel sichtbar sei. Da entsetzten sich die Brüder und versöhnten sich am Lager der Mutter, welche Gott und sie segnete und starb.

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