Glück
Glück
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Wie jauchzt meine Seele Und singet in sich! Kaum, daß ichs verhehle, So glücklich bin ich. Rings Menschen sich drehen Zu eng wird das Zimmer, Gepreßt bricht die Freude Und frag ich und sinn ich, |
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Wie jauchzt meine Seele Und singet in sich! Kaum, daß ichs verhehle, So glücklich bin ich. Rings Menschen sich drehen Zu eng wird das Zimmer, Gepreßt bricht die Freude Und frag ich und sinn ich, |
Denkst du noch jenes Abends, still vor Sehnen,
Wo wir zum letztenmal im Park beisammen?
Kühl standen rings des Abendrotes Flammen,
Ich scherzte wild – du lächeltest durch Tränen.
So spielt der Wahnsinn lieblich mit den Schmerzen
An jäher Schlüfte Rand, die nach ihm trachten;
Er mag der lauernden Gefahr nicht achten;
Er hat den Tod ja schon im öden Herzen.
Ob du die Mutter auch belogst, betrübtest,
Was andre Leute drüber deuten, sagen –
Sonst scheu – heut mochtst du nichts nach allem fragen,
Mir einzig zeigen, nur, wie du mich liebtest.
Und aus dem Hause heimlich so entwichen,
Gabst du ins Feld mir schweigend das Geleite,
Vor uns das Tal, das hoffnungsreiche, weite,
Und hinter uns kam grau die Nacht geschlichen.
Du gehst nun fort, sprachst du, ich bleib alleine;
Ach! dürft ich alles lassen, still und heiter
Mit dir so ziehn hinab und immer weiter –
Ich sah dich an – es spielten bleiche Scheine
So wunderbar um Locken dir und Glieder;
So ruhig, fremd warst du mir nie erschienen,
Es war, als sagten die versteinten Mienen,
Was du verschwiegst: Wir sehn uns niemals wieder!
Schon wird es draussen licht auf Berg und Talen;
Aurora, stille Braut, ihr schönen Strahlen,
Die farbgen Rauch aus Fluß und Wäldern saugen,
Euch grüssen neu die halbverschlafnen Augen.
Verrätrisch, sagt man, sei des Zimmers Schwüle,
Wo nachts ein Mädchen träumte vom Geliebten:
So komm herein, du rote, frische Kühle,
Fliegt in die blaue Luft, ihr schönen Träume!
Ein furchtsam Kind, im stillen Haus erzogen,
Konnt ich am Abendrot die Blicke weiden,
Tiefatmend in die laue Luft vor Freuden.
Er hat um diese Stille mich betrogen.
Mit stolzen Augen, fremden schönen Worten
Lockt er die Wünsche aus dem stillen Hafen,
Wo sie bei Sternenglanze selig schlafen,
Hinaus ins unbekannte Reich der Wogen;
Da kommen Winde buhlend angeflogen,
Die zarte Hand zwingt nicht die wilden Wellen,
Du musst, wohin die vollen Segel schwellen.
Da zog er heimlich fort. – Seit jenem Morgen
Da hatt ich Not, hatt heimlich was zu sorgen.
Wenn nächtlich unten lag die stille Runde,
Einförmig Rauschen herkam von den Wäldern,
Pfeifend der Wind strich durch die öden Felder
Und hin und her in Dörfern bellten Hunde,
Ach! wenn kein glücklich Herz auf Erden wacht,
Begrüßten die verweinten Augen manche Nacht!
Wie oft, wenn wir im Garten ruhig waren,
Sagte mein Bruder vor vielen Jahren:
„Dem schönen Lenz gleicht recht die erste Liebe.
Wann draussen neu geschmückt die Frühlingsbühne,
Die Reiter blitzend unten ziehn durchs Grüne,
In blauer Luft die Lerchen lustig schwirren,
Läßt sie sich weit ins Land hinaus verführen,
Fragt nicht, wohin, und mag sich gern verirren,
Den Stimmen folgend, die sie wirrend führen.
Da wendet auf den Feldern sich der Wind,
Die Vögel hoch durch Nebel ziehn nach Haus;
Es wird so still, das schöne Fest ist aus.
Gar weit die Heimat liegt, das schöne Kind
Find’t nicht nach Hause mehr, nicht weiter fort –
Hüt dich, such früh dir einen sichern Port!“
(Joseph von Eichendorff)
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Genug gemeistert nun die Weltgeschichte! Die Sterne, die durch alle Zeiten tagen, Ihr wolltet sie mit frecher Hand zerschlagen Und jeder leuchten mit dem eignen Lichte. Doch unaufhaltsam rucken die Gewichte, O stille Schauer, wunderbares Schweigen, Und in Gewittern von den Bergesspitzen |
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Steig nur, Sonne, Auf die Höhn! Schauer wehn, Und die Erde bebt vor Wonne. Kühn nach oben Und vom hohen Frischer Morgen! |
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| Man setzt uns auf die Schwelle, Wir wissen nicht, woher? Da glüht der Morgen helle, Hinaus verlangt uns sehr. Der Erde Klang und Bilder, Tiefblaue Frühlingslust, Verlockend wild und wilder, Bewegen da die Brust. Bald wird es rings so schwüle, Die Welt eratmet kaum, Berg‘, Schloß und Wälder kühle Stehn lautlos wie im Traum, Und ein geheimes Grausen Beschleichet unsern Sinn: Wir sehnen uns nach Hause Und wissen nicht, wohin? |
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| Dein Wille, Herr, geschehe! Verdunkelt schweigt das Land, Im Zug der Wetter sehe Ich schauernd Deine Hand. O mit uns Sündern gehe Erbarmend ins Gericht! Ich beug im tiefsten Wehe Zum Staub mein Angesicht, Dein Wille, Herr, geschehe! |
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Schlag mit den flammgen Flügeln! Wenn Blitz aus Blitz sich reißt: Steht wie in Rossesbügeln So ritterlich mein Geist. Waldesrauschen, Wetterblicken Es schiffen die Gedanken Herr Gott, es wacht Dein Wille, |
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| So laß herein nun brechen Die Brandung, wie sie will, Du darfst ein Wort nur sprechen, So wird der Abgrund still; Und bricht die letzte Brücke, Zu Dir, der treulich steht, Hebt über Not und Glücke Mich einsam das Gebet. |
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| Wie ein todeswunder Streiter, Der den Weg verloren hat, Schwank ich nun und kann nicht weiter, Von dem Leben sterbensmatt. Nacht schon decket alle Müden Und so still ists um mich her, Herr, auch mir gib endlich Frieden, Denn ich wünsch und hoff nichts mehr. |
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Wie oft wollt mich die Welt ermüden, Ich beugt aufs Schwert mein Angesicht Und bat Dich frevelhaft um Frieden – Du wußtests besser, gabst ihn nicht. Ich sah in Nacht das Land vergehen, »Meine Lieder sind nicht deine Lieder, Und alle Bilder ferne treten, |
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Von allen guten Schwingen
Zu brechen durch die Zeit,
Die mächtigste im Ringen,
Das ist ein rechtes Leid.
Gleichwie auf dunklem Grunde
Der Friedensbogen blüht,
So durch die böse Stunde
Versöhnend geht das Lied.
Lieder schweigen jetzt und Klagen,
Nun will ich erst fröhlich sein,
All mein Leid will ich zerschlagen
Und Erinnern – gebt mir Wein!
Wie er mir verlockend spiegelt
Sterne und der Erde Lust,
Stillgeschäftig dann entriegelt
All die Teufel in der Brust,
Erst der Knecht und dann der Meister,
Bricht er durch die Nacht herein,
Wildester der Lügengeister,
Ring mit mir, ich lache dein!
Und den Becher voll Entsetzen
Werf ich in des Stromes Grund,
Daß sich nimmer dran soll letzen
Wer noch fröhlich und gesund!
Lauten hör ich ferne klingen,
Lustge Bursche ziehn vom Schmaus,
Ständchen sie den Liebsten bringen,
Und das lockt mich mit hinaus.
Mädchen hinterm blühnden Baume
Winkt und macht das Fenster auf,
Und ich steige wie im Traume
Durch das kleine Haus hinauf.
Schüttle nur die dunklen Locken
Aus dem schönen Angesicht!
Sieh, ich stehe ganz erschrocken:
Das sind ihre Augen licht,
Locken hatte sie wie deine,
Bleiche Wangen, Lippen rot –
Ach, du bist ja doch nicht meine,
Und mein Lieb ist lange tot!
Hättest du nur nicht gesprochen
Und so frech geblickt nach mir,
Das hat ganz den Traum zerbrochen
Und nun grauet mir vor dir.
Da nimm Geld, kauf Putz und Flimmern,
Fort und lache nicht so wild!
O ich möchte dich zertrümmern,
Schönes, lügenhaftes Bild!
Spät von dem verlornen Kinde
Kam ich durch die Nacht daher,
Fahnen drehten sich im Winde,
Alle Gassen waren leer.
Oben lag noch meine Laute
Und mein Fenster stand noch auf,
Aus dem stillen Grunde graute
Wunderbar die Stadt herauf.
Draußen aber blitzts vom weiten,
Alter Zeiten ich gedacht´,
Schaudernd reiß ich in den Saiten
Und ich sing die halbe Nacht.
Die verschlafnen Nachbarn sprechen,
Daß ich nächtlich trunken sei –
O du mein Gott! und mir brechen
Herz und Saitenspiel entzwei!
(Joseph von Eichendorff)
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Der Jugend Glanz, der Sehnsucht irre Weisen, Die tausend Ströme durch das duftge Land, Es zieht uns all zu seinen Zauberkreisen. – Wem Gottesdienst in tiefster Brust entbrannt, Der sieht mit Wehmut ein unendlich Reisen Zu ferner Heimat, die er fromm erkannt: Und was sich spielend wob als irdsche Blume, Wölbt still den Kelch zum ernsten Heiligtume. So schauet denn das buntbewegte Leben |
Sie stand wohl am Fensterbogen
Und flocht sich traurig das Haar,
Der Jäger war fortgezogen,
Der Jäger ihr Liebster war.
Und als der Frühling gekommen,
Die Welt war von Blüten verschneit,
Da hat sie ein Herz sich genommen
Und ging in die grüne Heid‘.
Sie legt das Ohr an den Rasen,
Hört ferner Hufe Klang –
Das sind die Rehe, die grasen
Am schattigen Bergeshang.
Und abends die Wälder rauschen,
Von fern nur fällt noch ein Schuß,
Da steht sie stille zu lauschen:
»Das war meines Liebsten Gruß!«
Da sprangen vom Fels die Quellen,
Da flohen die Vöglein ins Tal.
»Und wo ihr ihn trefft, ihr Gesellen,
O, grüßt mir ihn tausendmal!«
Möchte‘ wissen, was sie schlagen
So schön bei der Nacht,
‚s ist in der Welt ja doch niemand,
Der mit ihnen wacht.
Und die Wolken, die reisen,
Und das Land ist so blaß,
Und die Nacht wandert leise
Durch den Wald übers Gras.
Nacht, Wolken, wohin sie gehen,
Ich weiß es recht gut,
Liegt ein Grund hinter den Höhen,
Wo meine Liebste jetzt ruht.
Zieht der Einsiedel sein Glöcklein,
Sie höret es nicht,
Es fallen ihr die Löcklein
Übers ganze Gesicht.
Und daß sie niemand erschrecket,
Der liebe Gott hat sie hier
Ganz mit Mondschein bedecket,
Da träumt sie von mir.
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Und wenn es einst dunkelt, Der Erd bin ich satt, Durchs Abendrot funkelt Eine prächtge Stadt: Von den goldenen Türmen |
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Still bei Nacht fährt manches Schiff, Meerfey kämmt ihr Haar am Riff, Hebt von Inseln an zu singen, Die im Meer dort untergingen. Wann die Morgenwinde wehn, |
Joseph von Eichendorff
Über Bergen, Fluß und Talen,
Stiller Lust und tiefen Qualen
Webet heimlich, schillert, Strahlen!
Sinnend ruht des Tags Gewühle
In der dunkelblauen Schwüle,
Und die ewigen Gefühle,
Was dir selber unbewußt,
Treten heimlich, groß und leise
Aus der Wirrung fester Gleise,
Aus der unbewachten Brust,
In die stillen, weiten Kreise.
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Schlafe Liebchen, weils auf Erden Nun so still und seltsam wird! Oben gehn die goldnen Herden, Für uns alle wacht der Hirt. In der Ferne ziehn Gewitter; Schlingend sich an Bäum und Zweigen, Und ein wunderschöner Knabe Und in wunderbaren Weisen Ach, den süßen Klang verführet |
Joseph von Eichendorff
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.