Mittag
Mittag
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Vergeht mir der Himmel Vor Staube schier, Herr, im Getümmel Zeig Dein Panier! Wie schwank ich sündlich, |
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Vergeht mir der Himmel Vor Staube schier, Herr, im Getümmel Zeig Dein Panier! Wie schwank ich sündlich, |
| Wenn die Wogen unten toben, Menschenwitz zu Schanden wird, Weist mit feurgen Zügen droben Heimwärts dich der Wogen Hirt. Sollst nach keinem andern fragen, Nicht zurückschaun nach dem Land, Faß das Steuer, laß das Zagen! Aufgerollt hat Gottes Hand Diese Wogen zum Befahren Und die Sterne, dich zu wahren. |
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O wunderbares, tiefes Schweigen, Wie einsam ists noch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, Als ging‘ der Herr durchs stille Feld. Ich fühl mich recht wie neu geschaffen, Die Welt mit ihrem Gram und Glücke Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd, |
Es wandelt was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
die Lust hat eignes Grauen,
und alles hat den Tod.
Ins Leben schleicht das Leiden
Sich heimlich wie ein Dieb,
wir alle müssen scheiden
von allem was uns lieb.
Was gäb‘ es doch auf Erden,
wer hielt den Jammer aus,
wer möchte geboren werden,
hieltst du nicht droben haus!
Du bist’s, der , was wir bauen,
mild über uns zerbricht,
daß wir den Himmel schauen –
darum so klag‘ ich nicht.
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Hörst du nicht die Bäume rauschen Draußen durch die stille Rund? Lockts dich nicht, hinabzulauschen Von dem Söller in den Grund, Wo die vielen Bäche gehen Wunderbar im Mondenschein Und die stillen Schlösser sehen In den Fluß vom hohen Stein? Kennst du noch die irren Lieder |
Für alle muß vor Freuden
Mein treues Herze glühn,
Für alle muß ich leiden,
Für alle muß ich blühn,
Und wenn die Blüten Früchte haben,
Da haben sie mich längst begraben.
(Joseph von Eichendorff)
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Die Lüfte linde fächeln, Aus stillen Meeres Schaum Sirenen tauchend lächeln, Der Schiffer liegt im Traum. Da faßt der Sturm die Wellen, In jenen stillen Tagen Du hast das Glück zerschlagen; Das sind die mächtgen Stürme, Kein Meerweib will sich zeigen, O führe an den Riffen |
Joseph von Eichendorff
Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mutger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.
Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! Ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!
Joseph von Eichendorff
Es geht wohl anders, als du meinst:
Derweil du rot und fröhlich scheinst,
Ist Lenz und Sonnenschein verflogen,
Die liebe Gegend schwarz umzogen;
Und kaum hast du dich ausgeweint,
Lacht alles wieder, die Sonne scheint –
Es geht wohl anders, als man meint.
Herz, in deinen sonnenhellen
Tagen halt nicht karg zurück!
Allwärts fröhliche Gesellen
Trifft der Frohe und sein Glück.
Sinkt der Stern: alleine wandern
Magst du bis ans End der Welt –
Bau du nur auf keinen andern
Als auf Gott, der Treue hält.
Was willst auf dieser Station
So breit dich niederlassen?
Wie bald nicht bläst der Postillon,
Du mußt doch alles lassen.
Die Lerche grüßt den ersten Strahl,
Daß er die Brust ihr zünde,
Wenn träge Nacht noch überall
Durchschleicht die tiefen Gründe.
Und du willst, Menschenkind, der Zeit
Verzagend unterliegen?
Was ist dein kleines Erdenleid?
Du mußt es überfliegen!
Der Sturm geht lärmend um das Haus,
Ich bin kein Narr und geh hinaus,
Aber bin ich eben draußen,
Will ich mich wacker mit ihm zausen.
Ewig muntres Spiel der Wogen!
Viele hast du schon belogen,
Mancher kehrt nicht mehr zurück.
Und doch weckt das Wellenschlagen
Immer wieder frisches Wagen,
Falsch und lustig wie das Glück.
Der Wandrer, von der Heimat weit,
Wenn rings die Gründe schweigen,
Der Schiffer in Meeres Einsamkeit,
Wenn die Stern aus den Fluten steigen:
Die beide schauern und lesen
In stiller Nacht,
Was sie nicht gedacht,
Da es noch fröhlicher Tag gewesen.
| Mein Gott, Dir sag ich Dank, Daß Du die Jugend mir bis über alle Wipfel In Morgenrot getaucht und Klang, Und auf des Lebens Gipfel, Bevor der Tag geendet, Vom Herzen unbewacht Den falschen Glanz gewendet, Daß ich nicht taumle ruhmgeblendet, Da nun herein die Nacht Dunkelt in ernster Pracht. |
1815
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Was Großes sich begeben, Der Kön’ge Herrlichkeit, Du sahsts mit freudgem Beben, Dir wars vergönnt, zu leben In dieser Wunderzeit. Und über diese Wogen O wunderbares Grauen, Und hat nun ausgerungen Laß bilden die Gewalten! Die Fesseln müssen springen, |
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Wo aber werd ich sein im künftgen Lenze? So frug ich sonst wohl, wenn beim Hüteschwingen Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen, Denn jeder Wipfel bot mir frische Kränze. Ich wußte nur, daß rings der Frühling glänze, Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben Und heimwärts rufen mich die Abendglocken, |
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Von Bretagnes Hügeln, die das Meer Blühend hell umsäumen, Schaute ein Kirchlein trostreich her Zwischen uralten Bäumen. Das Kornfeld und die Wälder weit Denn auf des Kirchhofs schattigem Grund Sie hatten am Kreuz auf stiller Höh Ihr Hauptmann aber lehnt‘ am Baum, Er sprach verwirrt: »Da drüben stand Ich seh ihn noch: Wie durch den Sturm Und als es war entlaubt vom Brand, Er sah so wunderbar auf mich, Seitdem hör ich in Träumen schwer Es sollen keine Glocken gehn, Und dieses Kirchlein hier bewacht, Und als die Nacht schritt leis daher, Im Wind die Glock von selbst anschlug, Nun sieht er auch im Meere fern Am Ufer aber durch die Nacht Nur manchmal von den Buchten her Der wächst und breitet sich im Nahn Und einsam auf des Schiffleins Rand Die Barken eine weite Rund Da schwieg der Wind und rauscht‘ das Meer Und als er das Kreuz hob in die Luft, Da taumelt‘ er und sank ins Gras Und als die Gesellen kommen zum Strand, Die stürzten sich in den Krieg so weit, |
Joseph von Eichendorff
Lindes Rauschen in den Wipfeln,
Vöglein, die ihr fernab fliegt,
Bronnen von den stillen Gipfeln,
Sagt, wo meine Heimat liegt?
Heut im Traum sah ich sie wieder,
Und von allen Bergen ging
Solches Grüßen zu mir nieder,
Daß ich an zu weinen fing.
Ach, hier auf den fremden Gipfeln:
Menschen, Quellen, Fels und Baum,
Wirres Rauschen in den Wipfeln, –
Alles ist mir wie ein Traum.
Die fernen Heimathöhen,
Das stille, hohe Haus,
Der Berg, von dem ich gesehen
Jeden Frühling ins Land hinaus,
Mutter, Freunde und Brüder,
An die ich so oft gedacht,
Es grüßt mich alles wieder
In stiller Mondesnacht.