Oper

Gaetano Donizetti – Torquato Tasso

Gaetano Donizetti

Torquato Tasso

Oper in drei Akten

Personen

Alfonso II, Herzog von Ferrara

Eleonora, seine Schwester

Eleonora, Gräfin von Scandiano

Torquato Tasso

Roberto Geraldini, Geheimschreiber des Herzogs

Gherardo, Hof-Cavalier des Herzogs

Ambrogio, Tasso’s Diener

Hofleute

Soldaten

Erster Akt.

Vorsaal im herzoglichen Pallaste.

Erste Scene.

Hof-Cavaliere, dann Gherardo, später Ambrogio.

CHOR.

Unsre beiden Rebenbuhler,

Der Poet, verliebt, voll Ehrgeiz,

Und der Narr, der ihn beneidet,

Geben uns am Hofe hier

Stets zur Unterhaltung Stoff.

Doch dem armen Tasso, fürcht’ ich,

Droht ein schweres Ungewitter.

Wenn nicht alle Zeichen trügen,

Kommt es immer näher schon,

Und ist bald zum Ausbruch reif.

GHERARDO.

Wie, Was sagt Ihr! Wirklich? Nichts?

Gehet, hebet Euch von dannen.

CHOR.

Ha, Gherardo! Hört Ihr ihn?

Er fängt schon zu fragen an,

Wie er’s an der Art stets hat.

In Verwirrung ist gerathen

Dieses armen Narren Sinn;

Eifersucht und Neid erfüllt ihn,

Quält und plagt ihn unaufhörlich,

Daß er niemals Ruhe hat.

GHERARDO.

Die beste Art und Weise,

Beim Reden oder Schreiben,

Bleibt immer doch das Fragen,

Ich zieh’ es Allem vor.

Es stände ohne Fragen

So mancher da als Esel;

Und ohne Fragen käme

Kein Doctor je zum Ziel.

Das Fragen ist die Angel,

Geheimnisse zu fischen;

Nie macht man, wenn ich frage,

Ein X mir für ein U.

Ist Tasso hier vorbeigegangen?

War er nicht eingeladen?

Hat sich der Herzog wegbegeben?

Der Secretair sich schon entfernt?

Hat von den beiden Leonoren

Keine nach mir gesragt?

Wird Mantna’s Gesandter

Wohl feierlich empfangen?

Was hat er zu verhandeln?

Weshalb kommt er wohl her?

Wie ist der Herzog aufgelegt?

Wo mag die Gräfin seyn?

So laßt doch eine Sylbe

Dem Munde nur entschlüpfen.

Zum Henker! Steht doch nicht so stumm

Wie Bilder da von Stein.

Ihr schweigt ja wie die Mumien;

Es macht mich wirklich toll!

CHOR.

Wenn Ihr uns nicht in Ruhe laßt

Mit Euren vielen Fragen,

So können wir unmöglich Euch

Auf etwas Auskunft geben.

Seyd doch nur still, es geht ja doch

Nicht Alles auf einmal.

GHERARDO.

Doch, wie ich sehe,

Kommt dort Torquato’s

Einfält’ger Diener

Daher gegangen.

Wenn ich mit guter

Art ihn hier frage,

Wie ein Orakel

Antwortet er.

CHOR.

Nehmt Euch in Acht, Herr,

Daß es nicht Eurer

Lästigen Neugier

Uebel ergeht.

GHERARDO.

Geht doch, Ihr Thoren!

Ihr macht mich lachen.

Ein Mann von Klugheit

Weiß, was er thut.

GHERARDO.

Was macht Torquato? Dichtet er?

AMBROGIO.

Ja.

GHERARDO.

Eist verliebt, er seufzet?

AMBROGIO.

Nein.

GHERARDO.

Von Eleonoren redet er?

AMBROGIO.

Ja.

GHERARDO.

Doch welche er liebt, das weißt Du nicht?

AMBROGIO.

Nein.

GHERARDO.

Er schwärmt wohl in Begeisterung?

AMBROGIO.

Ja.

GHERARDO.

Zürnt er auf mich nicht voll Eifersucht?

AMBROGIO.

Nein!

GHERARDO.

Sprichst Du stets so lakonisch?

AMBROGIO.

Ja!

GHERARDO.

Mehr willst Du mir nicht sagen?

AMBROGIO.

Nein!

GHERARDO.

Dieser großartige

Tragische Styl

Treibt mir die Galle

Noch in’s Geblüt!

Unnütze Bestie!

Pack’ Dich zum Teufel!

Einfält’ger Tölpel!

Esel Du!

AMBROGIO.

Nein!

CHOR.

Alles vergebens!

Er ist betrogen.

Ha, ich muß lachen,

Nichts weiß er nun.

Ihm ist geblieben

Stumm das Orakel.

All sein Geplauder

Half ihm zu nichts.

GHERARDO.

Tantalusqualen

Muß ich empfinden.

Was wollt Ihr sagen?

Lacht doch nur nicht.

Aerger und Neugier

Will mich ersticken.

Spottet nur; endlich

Weiß ich es doch!

AMBROGIO.

Frag’, bis Du schwarz wirst!

Ich stelle taub mich.

Wie er auch in mich dringt,

Ich lach’ und schweige.

Ich bin gescheidt, ich geh’

Nicht in die Falle,

Und speis’ ihn ruhig ab

Mit Ja und Nein.

Die Hof-Cavaliere gehen ab.

GHERARDO.

Du ungezog’ner Mensch! Mir, Don Gherardo,

Deß Auge dem des Luchses gleicht,

Mir, der Alles erfährt, Alles durchschaut,

Antwortest Du ganz trocken Ja und Nein?

Wo willst Du hin? In welcher Absicht?

Hast Du Eleonora Scandiano

Verstohlen nicht zu Tasso’s Zimmer

Die Schritte wenden seh’n?

Sie ist die Leonore, die er

Im Herzen trägt? Nicht wahr?

Du kannst das Räthsel lösen? Weshalb leugnen?

AMBROGIO.

Ich bin ein treuer Diener, darum schweig’ ich.

Ab.

GHERARDO.

Er geht zu Geraldini? Also hat

Torquato ihn dahin geschickt. Ach, wär’ nur

Aus diesem Robert etwas heraus zu bringen,

Dem sicher nicht verborgen blieb, für wen

Sich Tasso in geheimer Lieb’ verzehret.

Was für Mauier! Sie brummen in den Bart.

Aha, jetzt hör’ ich: »Gleich

Werd’ ich zu Tasso kommen.«

Wenn er heraus kommt, nehm’ ich ihn in Empfang.

Und wenn er mir nichts sagt? Oder wenn ich erfahre,

Daß Tasso die Gräfin, sie ihn wieder liebt?

Sie soll ihn lieben? Weshalb? der Paar Verse wegen?

Ha, Weiber! – Weh mir! Wie die Eifersucht mich quält.

Ab.

Zweite Scene.

Tasso’s Zimmer.

TORQUATO allein.

O du mein einzig Leben, holder Strahl

Vom Lichte ew’ger Schönheit,

Ach, nichts fehlt dir, als nur das Mitleid.

Doch nein, auch das nicht! Mitleid kündet oft mir

Das stumme Lächeln deiner Rosenlippen,

Und dieses Lächeln lohnt mir tausend Qualen.

O du auf ewig mein! Verhaßte Kluft,

Die zwischen uns sich öffnet! – Hoffnung,

Verlaß mich nicht! – Nur einmal laß mich

Die süßen Worte hören: ich liebe dich,

Und all mein Leid verzeih’ ich dann dem Schicksal.

Dritte Scene.

Ambrogio mit Geraldini, der Vorige.

GERALDINI.

Schweig’, laß mich! Heiliger Begeisterung

Ist er jetzt hingegeben.

Ambrogio ab.

Stolzer Dichter,

Der jeden höhern Glanz verdunkeln will,

Dein Stern soll unter geh’n. Kurz soll Dein Reich seyn!

TORQUATO.

Täusch’ ich mich nicht?

GERALDINI.

Er schwärmt!

TORQUATO.

O welche Wonne!

Die ganze Welt zu Füßen mir! Hoch über ihr

Steh’ ich, wenn ich das große Ziel erreiche.

GERALDINI.

Ha, träume nur; ich wache, Dir zum Verderben.

TORQUATO.

Wann werd’ ich frei und offen mich

Eleonoren’s Lieb’ erfreuen dürfen?

O güt’ger Himmel, laß mich dies laugen!

Hinweg dann, Cither, Lorbeeru, Scham und Bangen.

GERALDINI für sich.

Der Unvorsicht’ge! Was schreibt er? Dies Blatt

Spricht ihm sein Urtheil.

Laut.

Träumst Du?

Schwärmst Du?

Verrätherisch sind Deine Seufzer.

Sie künden Deines Herzens

Geheime Liebesqual.

TORQUATO.

O Robert, höre mich!

In der Weihe der Begeist’rung,

Wie ich sie noch nie empfunden,

Fühlt’ ich mich empor getragen

Auf des Glücks, der Liebe Schwingen.

Meiner Liebe Ziel zu finden

Schwang ich mich von Stern zu Sterne,

Und in göttlicher Gestaltung

Fand ich sie im Sonnenglanze;

Huldvoll reichte sie die Hand mir,

Selig durfte ich sie küssen,

Und sie sprach: ich liebe dich!

Ach, es war ein Augenblick nur!

Schnell entschwand mir Leonore!

Und dies Blatt nur trägt die Zeichen

Meiner Sehnsucht ausgedrückt.

GERALDINI.

Dieser Verse holder Zauber

Kündet der Begeist’rung Quelle.

Die Geliebte war Dir nahe,

Es entflammte Dich ihr Lächeln,

Und der Liebe sel’ge Hoffnung

Strömtest Du auf dieses Blatt hin.

Nicht verbergen, nicht verhehlen

In des Herzens sel’gem Rausche

Kannst Du Deiner Sehnsucht Triebe,

Fessellos sprengt ihre Hülle

Die geheime Liebesgluth.

Doch, Torquato, nicht vermessen!

Eile, sie zu unterdrücken,

Sonst seh’ ich der Rache Blitze

Schon geschleudert auf Dein Haupt.

TORQUATO.

Ach, in diese Verse hab’ ich

Ausgeströmt des Herzens Gluthen!

In den Bildern des Gedichtes

Find’ ich meiner Liebe Züge;

Lieb’ hat sie mir eingegeben,

Lieb’ ist ihre Schöpferin.

GERALDINI.

Von des Neides, von des Argwohns

Banden seh’ ich Dich umstricket,

Im unsel’gen Rausch der Liebe

Wirst Du in’s Verderben stürzen.

Ha, er selbst leiht mir die Waffen:

Dieses Blatt führt mich zum Ziel.

Still! Mich dünkt, ich höre Tritte.

Vierte Scene.

Ambrogio, die Vorigen.

AMBROGIO.

Die Prinzessin will Torquato seh’n!

Ab.

TORQUATO.

Sie!

GERALDINI.

Du Unvorsicht’ger!

TORQUATO.

Welches Glück!

Ach, vielleicht hör’ ich das Wort der Liebe!

Sel’ger Traum von Himmelswonne,

Meine Seele hast Du nicht getäuscht!

GERALDINI.

Was nur hoff’st Du?

TORQUATO.

Alles hoff’ ich!

GERALDINI.

So verbrenne jenes Blatt!

TORQUATO.

Ich selbst? Nein, nein!

Ach, meine eignen Verse,

Ich kann sie nicht verbrennen,

Ich würde Vaterschmerzen

Bei ihrer Asche fühlen.

Doch Dir will ich sie lassen;

Magst Du sie dann vernichten.

Ich will sie nicht beweinen,

Dem Freunde tran’ ich ganz.

O Liebe, sey mir günstig,

Mein Herz folgt Deinem Winke.

Wenn mir die Wonne blühet,

Von ihr geliebt zu werden,

Beneiden Kön’ge mich.

GERALDINI.

Nein, jenes inhaltschwere Blatt,

Ich kann es nicht bewahren;

Die Wände haben Ohren hier,

Die Lüfte müßt’ ich fürchten.

Du kannst es nicht zerstören?

Wohl, so will ich’s verbrennen,

Vergiß, daß Du es schriebest;

Dem Freunde traue ganz.

Ha, Hochgefühl der Rache,

Dir öffn’ ich meine Seele.

An seinem Unglück will ich,

An seinem Schmerz mich weiden,

Kein Mitleid werde ihm.

Tasso ab.

Fünfte Scene.

Geraldini, dann Gherardo.

GERALDINI.

Ha, lang’ ersehnte Rache!

Nach Jahren wirst Du endlich mir,

So hoff’ ich, nun zu Theil.

GHERARDO.

Robert, ist es erlaubt?

GERALDINI für sich.

Er kommt zu rechter Zeit!

GHERARDO.

Tasso war bei Euch; nun ist er schon fort!

Wohin ging er? Was hat er hier gewollt?

Sprach er von mir? Was sagt’ er von der Scandiano?

GERALDINI.

Er sprach nicht bloß!

GHERARDO.

Was sonst?

GERALDINI.

Er schrieb

Sehr freie Verse, die von Liebe reden.

GHERARDO.

Er schrieb? Ha, Freund –

GERALDINI.

Das ist ein Hauptverbrechen!

GHERARDO.

Wo ist das Blatt?

GERALDINI.

Er zeigt’ es mir, doch dann

Verschloß er es voll Eifersucht.

GHERARDO.

Wo?

GERALDINI.

Dort!

Wenn das der Herzog wüßte!

GHERARDO.

Nun, was meint Ihr?

GERALDINI.

Er liebt nicht solche Unbesonnenheit,

Er will, daß strenge Sitte herrsche

An seinem Hofe.

GHERARDO.

Also glaubt Ihr –

GERALDINI.

Meint Ihr’s mit Tasso gut?

GHERARDO.

Ei freilich!

Ihr könnt Euch d’rauf verlassen,

Wenn dieses Blatt durch Zusall

Dem Herzog in die Hände käme,

Wär’ Tasso –

GERALDINI.

Der Unsel’ge wär’ verloren!

Ab.

Sechste Scene.

GHERARDO allein.

Verloren! Was verlang’ ich mehr?

Ich könnte – warum nicht? Der Saal ist weit,

Ambrogio wird’s nicht hören. Leise nur!

Man muß auf Alles denken. Es wird gehen!

Ich habe mehr Geheimes schon ergründet. Ha, da ist es!

Das Meiste ist gescheh’n, was übrig bleibt, ist wenig.

Ab.

Siebente Scene.

Zimmer der Prinzessin Eleonore.

DIE PRINZESSIN ELEONORE allein.

O, wie mir seiner Dichtung hohe Worte

Zum Herzen dringen! Ja, Torquato,

Das Schicksal will’s, ich muß dich lieben.

Mich schützt nicht hohe Herkunft, nicht der Thron –

Umsonst! Der Liebe widersteh’ ich nicht.

Wenn in hehren Liedestönen

Heldenthaten er verkündet,

Wenn er sang von Krieg und Liebe,

Sprach sein Blick zu meinem Herzen.

Unbewußt von seinem Feuer

Fühlt’ ich meine Brust entzündet;

Ach, die Liebe, erst ein Spiel nur,

Wurde zur Nothwendigkeit.

Weinte er, mußt’ ich auch weinen;

Wenn er seufzte, that auch ich es;

Es begegneten die Herzen

Sich in süßer Schwärmerei.

Hinweg, du holde Täuschung

Der hoffnungslosen Liebe!

Ich träume Wonne, die mein Herz vergiftet.

O, möchte immer das Geschick

Mir Thron und Krone rauben,

Wenn seine Liebe nur, sein Herz

Mir bis zum Tode bliebe.

In Niedrigkeit versunken

Wollt’ ich dem Schicksal trotzen;

Wenn Tasso mein nur wäre,

Entbehrt’ ich Alles gern.

Ja, bis zum Grab verbunden

Gehören wir uns an.

Er zögert noch! – Langsame Qual verzehrt mich,

Sobald ich ihn nicht sehe. Könnt’ er wohl –

Nein, falsch ist dieser eifersücht’ge Argwohn.

O komm, Geliebter! – Ha, mein Herz, du bebest?

Das ist sein wohlbekannter Schritt. Wie hebt

Voll Wonne meine Brust sich ihm entgegen!

O wer kann sie beschreiben, meine Lust!

Achte Scene.

Eleonore, Torquato.

ELEONORE.

Torquato? Unbeweglich! Stumm!

TORQUATO.

Mich fesselt

Ehrfurcht und Scheu.

ELEONORE.

Wie, Scheu? Bin ich

So fürchterlich, daß Euch das Wort erstarrt?

TORQUATO.

Ihr seyd mir eine Göttin, die ich stumm anbete.

ELEONORE.

Ihr schmeichelt mir.

TORQUATO.

Nein, Tasso kann nicht lügen.

Der ehrfurchtsvollsten Liebe heiße Gluth

Hat Herz und Sinne ganz mir eingenommen;

Sie ist die Flamme, die mein Leben nährt.

ELEONORE.

Bei meiner leidenden Gesundheit

Bedarf ich Stärkung. Immer fand ich sie

In Euren Dichtungen.

TORQUATO.

Das macht mich stolz!

ELEONORE.

Doch meine armen Augen –

Bei Seite.

die so

viel geweint –

Sind nicht mehr so wie sonst.

TORQUATO für sich.

Noch immer mächtig!

ELEONORE.

En’r Herz ist gut, wie reich begabt Eu’r Geist,

Drum wählet aus Goffredo

Die Stelle, die am passendsten Euch scheint,

Und leset gütig sie mir vor,

Daß Eure Stimme Trost dem Herzen spende,

Bei Seite.

Das, ach! so viel gelitten.

TORQUATO für sich.

Liebe, steh’ mir bei!

Zweiter Gesang: sechszehnte Strophe.

Ich will die Stelle von Olindo wählen –

Sie kam aus meinem Herzen.

ELEONORE.

Und sie wird mir

Zu Herzen dringen.

Für sich.

Er hat in Olindo

Sich selbst, mich in Sophronia geschildert.

Wohl fass’ ich seiner Wahl geheimen Sinn.

TORQUATO für sich.

O möchte sie’versteh’n, daß ich für mich jetzt spreche.

Sie heißt Sophronia, Olindo er,

Sie sind aus Einer Stadt, sind Eines

Glaubens;

Er ist bescheiden wie sie schön ist,

An Wünschen reich, an Hoffnung arm,

begehrt er nichts,

Er weiß nicht, oder wagt es nicht zu reden,

Und sie verachtet ihn vielleicht –

ELEONORE.

Dich verachten? Glaub’ es nimmer!

O wie sehr thust Du mir Unrecht!

Wenn der Mund auch schwieg, das Auge

That des Herzens Wunsch Dir kund.

TORQUATO.

Du verschmähst mich nicht? O Wonne!

Ha, nun segn’ ich meine Leiden.

Wenn Du Mitleid mit mir fühlest,

Wer ist seliger als ich?

ELEONORE.

Ich wäre grausam?

TORQUATO.

Nein, nicht glaub’ ich’s!

ELEONORE.

Doch hat Dein Mund mich angeklagt.

Kann’s auch Dein Herz?

TORQUATO.

Die lange Qual,

Die ich erlitt, entschuld’ge mich!

Nach bang durchwachten Nächten

Stets kummervolle Tage!

Gewaltsam unterdrücken

Wollt’ ich des Herzens Leiden.

ELEONORE.

»Du liebtest Andre wohl?«

TORQUATO.

Nein, nimmer!

»Zu bergen jene Gluthen,

Die mir Dein holdes Bildniß

Im Herzen heiß entflammet«,

Stellt’ ich mich flüchtig liebend;

Doch Dich nur liebte ich.

Dich seh’n, und sich zu einer Andern wenden,

Nein, dies vermag kein Herz!

ELEONORE.

Dich hören, und mich einem Andern weihen,

Nein, nie vermag’s mein Herz!

Doch schweige!

TORQUATO.

Nein, ich kann’s nicht.

ELEONORE.

Schweige!

Torquato, ach, wir sind am Hofe:

Hier sind die Mauern selbst Verräther;

O schweig, wenn Dir mein Leben lieb ist.

TORQUATO.

Wohlan, ich schweige; doch zuvor –

ELEONORE.

Sprich schnell!

TORQUATO.

Mein süßes Leben,

O sag’ mir –

ELEONORE.

Was begehrst Du?

TORQUATO.

Sag mir, daß Du mich liebest.

ELEONORE.

O, schone mich!

TORQUATO.

Eleonore!

ELEONORE.

Laß mich!

TORQUATO.

Liebst Du mich? Sage: liebst Du mich?

ELEONORE.

Ach, ja!

BEIDE.

Nicht mehr will ich verwünschen

Die Leiden, die mich quälten,

Da Seligkeit der Liebe

Mich nun so reich beglückt.

Ist mir’s vergönnt, mein Leben,

Mit Dir vereint zu sterben,

So will den Tod ich segnen,

Der mich der Erd’ entrückt.

TORQUATO.

Du bist erfüllt, mein Traum!

Neunte Scene.

Ein Page, die Vorigen.

ELEONORE.

Torquato!

Hab’ Acht. – Mein Bruder schickt Dich? –

Ach, mäß’ge Dich!

TORQUATO.

Ich bin geliebt!

ELEONORE.

Gieb mir das Blatt und geh.

Der Page ab.

»Sieh, Schwester, wie die Dichter

Geheimnisse zu wahren

Versteh’n.« – O Gott, was ist das?

TORQUATO.

Ich zittre!

ELEONORE.

»Wann werd’ ich frei und offen

Mich Eleonorens Lieb’ erfreuen dürfen« –

TORQUATO.

Himmel! Was muß ich hören?

ELEONORE.

Tasso! Ja, das ist Deine Handschrift!

TORQUATO.

Wer konnte mich verrathen?

ELEONORE.

Als Verbrechen

Wird es der Herzog anseh’n.

TORQUATO.

Ha! Gewiß

War’s der Verräther Robert!

Tod werde ihm!

ELEONORE.

Er naht sich.

Halt’ Dich zurück: ich will es.

Zehnte Scene.

Die Vorigen, Geraldini, dann die Gräfin Scandiano und Gherardo.

GERALDINI.

Prinzessin,

Es hat Mantna’s Herrscher

Bei meinem Herrn, dem Herzog,

Um Eure Hand geworben.

ELEONORE.

Wann?

TORQUATO.

Ha, ich bebe!

GERALDINI.

Der Gesandte,

Der gestern angekommen,

War eben jetzt zur Audienz beim Herzog,

Und hat den Antrag ausgesprochen.

ELEONORE.

Nun, und mein Bruder?

GERALDINI.

Sendet

Zu Euch mich mit der Botschaft.

TORQUATO für sich.

Ha, Verräther!

GRÄFIN.

O Theure! Ihr sollt uns entrissen werden,

Euch in ein andres Land begeben!

ELEONORE.

Allein der Herzog?

GRÄFIN.

Euer Bruder liebt Euch.

Es schmerzt ihn, sich von Euch zu trennen;

Doch wünscht er die Verbindung,

Und bittet um das Jawort Euch.

GERALDINI.

So ist es.

GHERARDO.

Ferrara werdet Ihr verlassen?

Ist’s ein Geschwätz nur? Ein Geheimniß?

Ihr wollt nach Mantua gehen,

Prinzessin, ist es Wahrheit? –

Vergebens! Sie ist taub. –

Weshalb giebt die Prinzessin

Mir heute kein Gehör?

Was hat sie diesen Morgen?

Hat sie heut’ ihre Launen? –

Hier geht es mir nicht besser. –

Mein sehr verehrter Robert,

Ihr wißt es doch ganz sicher:

Der Fürst von Mantua

Hat ihre Hand begehret?

Die Antwort war wohl spröde?

Ich will noch nicht heirathen,

Ich will noch ledig bleiben? –

Auch der ist hart wie Felsen!

Noch immer nichts zu fischen! –

Ein schönes Thema zum Sonett;

Doch ist’s noch nicht geschrieben.

Torquato, ich will wetten,

Ihr sinnt ganz in der Stille

Schon auf ein Hochzeitslied.

Hab’ ich’s errathen?

TORQUATO.

Nein!

GHERARDO.

Daß Gott erbarm’! Der Dichter

Muß toll geworden seyn!

TORQUATO.

Ha, Verräther! Undankbarer!

So hast Du Dein Wort gehalten?

Hast das heiligste Geheimniß

Meiner Liebe frech enthüllet!

Da Du mich so tief verletztest,

Raube mir nun auch das Leben!

Ew’ger Fluch und ew’ge Schande

Folge Deinem Namen nach.

GERALDINI.

Mäß’ge Deines Zornes Toben;

Tasso, nein, Du thust mir Unrecht.

Was ich spreche, kommt vom Herzen;

Nicht hab’ ich mein Wort gebrochen.

Den Verdacht, der auf mir lastet,

Kann ich zwar noch nicht verscheuchen;

Doch ich bin fürwahr nicht schuldig,

Zeigen wird es klar die Zeit.

GRÄFIN.

Darf ich trau’n des Glückes Lächeln,

So blüht Hoffnung mir: besitzen

Werd’ ich Tasso’s Herz, von jeder

Nebenbuhlerin befreit.

Ewig strahlt sein hoher Name

In dem Glanz des Dichterruhmes,

Und mit ihm wird auch der meine

Leuchten in die fernste Zeit.

ELEONORE.

Ihn vergessen! Ihm entsagen!

Kann ich so mein Herz bezwingen?

Ihn verlassen! Also sollt’ ich

Seine heiße Lieb’ ihm lohnen?

Ach, die Kraft will mir entschwinden,

Tod wird meine Qualen enden.

Ja, ein Opfer treuer Liebe

Wird in mir die Nachwelt seh’n.

GHERARDO.

Ach, warum bin ich nicht Maler,

Diese Gruppe nachzubilden!

Jene dort vergeht vor Liebe,

Dieser bebt in wildem Grimme.

Voll von Hoffnung ist die Gräfin,

Sie getröstet sich des Sieges;

Doch was dort der Vierte redet,

Ist zur Zeit mir noch nicht klar.

TORQUATO.

Falscher Freund! Dem Herzog hast Du

Meine Verse überliefert?

GERALDINI.

Nein, ich schwör’s!

TORQUATO.

Du bist ein Schurke!

GHERARDO.

Jetzt versteh’ ich –

GERALDINI.

Ha, Unsinn’ger!

TORQUATO.

Zieh den Degen!

GHERARDO.

Mäßigt Euch!

GRÄFIN.

Unbesonnener!

ELEONORE.

Halt’ ein, Torquato!

TORQUATO.

Lügner!

ELEONORE.

Mäßigung!

TORQUATO.

Ich muß ihn tödten!

ELEONORE UND GRÄFIN.

Nein, Erbarmen!

TORQUATO.

Nichts mehr hör’ ich!

ELEONORE UND GRÄFIN.

Robert! Ach!

GERALDINI.

So muß ich mich vertheid’gen!

ELEONORE.

Don Gherardo, steht uns bei.

GRÄFIN.

Trennt sie, Don Gherardo!

GHERARDO.

Wo es Degenstöße regnet,

Wag’ ich mich nicht gerne hin.

TORQUATO.

Bube!

GERALDINI.

Zitt’re!

GHERARDO.

Tolle Jungen!

Gräfin, wenn ich vorwärts gehe,

Sterbe ich um Euch.

GRÄFIN.

Sie sind von Sinnen!

TORQUATO UND GERALDINI.

Zitt’re!

ELEONORE, GRÄFIN UND GHERARDO.

Haltet ein!

Elfte Scene.

Der Herzog, Pagen und Hof-Cavaliere ihm vortretend, die Vorigen.

CHOR.

Der Herzog!

ALLE FÜNF.

Der Herzog!

HERZOG.

Wie! In Gegenwart der Damen,

Hier am Hofe?

GERALDINI.

Mich vertheid’gen mußt’ ich.

HERZOG.

Ein so thörichtes Vergessen aller Sitte

Hätt’ ich, Tasso, Euch nicht zugetraut.

TORQUATO.

Wahr ist’s, Herzog! Ja, gefehlt hab’ ich!

Doch –

ELEONORE.

Mein Bruder!

HERZOG.

Es ist schon verziehen.

Robert brachte Dir die Kunde,

Daß der Fürst von Mantua,

Dem der Ruf Dein Lob verkündet,

Herz und Hand von Dir begehrt.

ELEONORE.

Doch, mein Bruder –

HERZOG.

Ich auch wünsch’ es!

ELEONORE.

Aber wenn –

HERZOG.

Du bist mir theuer!

ELEONORE.

Doch ich leide –

HERZOG.

Du wirst sicher

Meine Liebe nicht verscherzen wollen.

ELEONORE UND TORQUATO.

Gott! Welch Unheil!

HERZOG.

Du magst überlegen.

Ich begreif’ es wohl, der Schritt ist ernst.

Doch, kommt jetzt nach Belrignardo,

Uns begleite Don Gherardo,

Tasso, Robert und die Gräfin.

Dort, wo rein’re Lüfte wehen,

Wo Natur so hold uns lächelt,

Wirst Du, klug wie stets Du war’st, Dich

Mit der Herzogin berathen,

Ob Du meinem Wunsch Dich fügest.

Kommt mit mir, ich wünsche heute

Alle froh zu seh’n.

GHERARDO.

O, sicher!

Für sich.

Das ist mir nicht klar.

GRÄFIN UND GERALDINI für sich.

Stellt er sich heiter?

TORQUATO UND ELEONORE für sich.

Ich kann ihm nicht trau’n.

GHERARDO.

Was zögern wir?

HERZOG für sich.

Draußen werd’ ich wachen.

Laut.

Laßt uns geh’n!

CHOR.

Wir folgen.

HERZOG.

Ihr versöhnet wieder Euch!

ELEONORE UND TORQUATO.

Ach, mein Herz fühlt Todesqual!

GERALDINI.

Ihn ereilt des Herzogs Zorn.

GRÄFIN UND GHERARDO.

Unruh’, Zweifel quälen mich!

HERZOG.

Lösen soll das Räthsel sich!

TORQUATO UND ELEONORE.

Nimmer fühlt’ ich solche Qualen,

Wie ich jetzt sie muß erleiden;

Tödten wollen mich die Schmerzen,

Und, o Gott! doch sterb’ ich nicht.

Aber des Geschickes Strenge

Soll mein Herz nicht niederbeugen:

Noch im Tode sey ihr / sein Name

Meines Mundes letzter Hauch.

GERALDINI.

Ha, der Rache erster Schimmer

Hellt die Nacht in meinem Herzen;

An den Leiden, die ihn treffen

Weidet meine Seele sich.

Ihn, den das Geschick gehoben,

Soll mein Haß nun niederbeugen:

Ja, sein Schicksal ist entschieden;

Leben soll er sich zur Qual.

HERZOG UND CHOR.

Hinaus nach Belrignardo,

Laßt allen Zorn entschwinden.

Dort kehr’ in heit’rer Ruhe

Der Friede Euch zurück.

ELEONORE.

Warum, grausames Schicksal,

Läßt du mich Wonne kosten,

Wenn du den Kelch des Glückes mir

So schnell entziehen willst?

Dies trügerische Lächeln

Verbirgt des Zornes Regung;

Doch wehe, wenn es schwindet,

Dann naht das Mißgeschick.

GERALDINI.

Nicht länger, Tasso, sollen

Dich Tausende beneiden:

In bitt’ren Thränen bald erlischt

Dein Ruhmesglanz, dein Glück.

Ein trügerisches Lächeln

Birgt noch des Zornes Regung;

Doch wehe, wenn es schwindet,

Dann trifft Dich Mißgeschick.

GRÄFIN.

Umsonst nährt sie im Herzen

Für Tasso heiße Triebe;

Sie muß entflieh’n dem süßen Wahn,

Sonst sinkt dahin ihr Glück.

Ein trügerisches Lächeln

Birgt noch des Zornes Regung,

Doch wehe, wenn es schwindet,

Dann droht ihr Mißgeschick.

TORQUATO.

Nur eine sel’ge Stunde

Erblühte meinem Herzen;

In bittern Thränen schon erlischt

Der Liebesglanz, das Glück.

Ein trügerisches Lächeln

Birgt kaum des Zornes Regung;

Doch bald, ihn ganz zu stillen,

Ist günstig das Geschick.

GHERARDO.

Ich sehe, die Verwirrung

Kommt bloß von jenem Blatte,

Das, aus des Herzogs Hand ein Blitz,

Hieher geschlendert ist.

Zwar kann ich all’ die Fragen

Und Zweifel noch nicht lösen,

Doch macht die Zeit gefällig

Sie klar wohl meinem Blick.

Zweiter Akt.

Gallerie im Schlosse Belriguardo.

Erste Scene.

Hof-Cavaliere.

ERSTER CHOR.

Sagt, wer mag Torquato’s Schrank

Wohl erbrochen haben?

ZWEITER CHOR.

Man weiß es nicht.

Doch das Blatt, das man ihm raubte,

Was enthielt es?

ERSTER CHOR.

Man weiß es nicht.

ALLE.

So viel ist gewiß, dies Blatt hat

Großes Unheil angerichtet;

Fragt man aber Jemand, spricht er

Ernsthaft nur: man weiß es nicht.

Ach, man kommt ganz in Verwirrung,

Spürt man diesen Räthseln nach.

Warum nur hat uns

Heute der Herzog,

Der ganz vergnügt schien,

Ganz unvermuthet

Nach Belriguardo

Hinausgeführt?

Ich kann’s nicht einseh’n,

Warum’s geschah.

ERSTER CHOR.

Fast möcht’ ich sagen –

ZWEITER CHOR.

Ich wollte wetten –

ALLE.

Daß hier geheime

Absicht ihn leitet.

Doch mit der Zeit wird sich

Alles enthüllen.

Was uns jetzt dunkel ist,

Wird uns dann klar.

ERSTER CHOR.

Also Geduld nur –

ZWEITER CHOR.

Doch seyd nicht müßig –

ERSTER CHOR.

Forschet durch Fragen

Vorsichtig nach.

ALLE.

Dann ist bis morgen,

Das ist kein Zweifel,

Uns das Geheimniß

Sicher bekannt.

Sie ziehen sich zurück.

Zweite Scene.

Die Gräfin Scandiano und Gherardo.

GHERARDO.

Nein, Gräfin, Ihr habt Unrecht!

GRÄFIN.

Ich habe niemals Unrecht!

GHERARDO.

Doch –

GRÄFIN.

Den Schrank,

Der fremdes Eigenthum ist, aufzubrechen,

Daraus geheime Schriften zu entwenden,

Und unsres größten Dichters

Verächtlicher Angeber dann zu werden,

Ist schwarze Frevelthat.

GHERARDO.

Die Liebe trägt die Schuld.

GRÄFIN.

Die Liebe? Träumet Ihr?

GHERARDO.

Ich glaubte,

Der Dichter des Goffredo schwärme

Für Euch. Der Name Eleonore

Betrog mich; doch der Herzog versteht sich besser

Auf’s Lesen, und sah gleich, daß hier die Rede

Von der Prinzessin ist –

GRÄFIN.

Nein!

GHERARDO.

Von seiner Schwester.

GRÄFIN.

Nein, nein: der Herzog irrt. Nur mich liebt

Tasso.

Die zarte Scheu, mit welcher er mir naht,

Verkündet es.

GHERARDO.

Also –

GRÄFIN.

Er liebt mich, und mein Herz,

Das seine Triebe tief in sich verschließt,

Ist ihm in reiner, tugendhafter Lieb’ ergeben.

GHERARDO.

So wär’ ich mithin –

GRÄFIN.

Gänzlich abgewiesen.

GHERARDO.

Und meine Lage –

GRÄFIN.

Läßt Euch nichts mehr hoffen.

Ab.

GHERARDO.

Ha, meine Wuth!

Dritte Scene.

Der Herzog, der Vorige, die Hof-Cavaliere im Hintergrunde.

HERZOG.

Gherardo, saher

Ihr die Prinzessin nicht?

GHERARDO.

Nein, Hoheit!

HERZOG.

Wißt Ihr nicht, wo sie seyn mag?

GHERARDO.

Wirklich nicht!

HERZOG.

Das nimmt mich Wunder. Alles wißt Ihr ja!

GHERARDO.

Ei nun, ich will mich just nicht rühmen,

Doch in Entdeckungen da bin ich stark.

Das Blatt von Tasso, das anstößige

Verhältniß, das ich hab’ entdeckt,

War eine wicht’ge Sache.

HERZOG.

O gewiß!

Ganz Eurer würdig.

GHERARDO.

Dank, mein Fürst!

HERZOG.

Ich will, daß Ihr,

Und Jeder, der Euch gleicht, es wisse –

GHERARDO.

Zu Befehl!

HERZOG.

Daß meine Seele nied’rer Schlechtigkeit

Stets abhold seyn wird:

Daß ich zu herrschen weiß.

GHERARDO.

Sehr wohl!

HERZOG.

Daß läst’ge Neugier

Mir höchst zuwider ist, Angeber tödtlich

Ich hasse, und an meinem Hofe sie nicht seh’n will.

Ab. Die Hof – Cavaliere treten vor.

CHOR.

Don Gherardo! So hat endlich

Die Weissagung sich erfüllet.

Endlich trifft’s doch ein, daß Neugier

Die gerechte Straf’ erhält.

Ich bedaur’ Euch. Es ist arg!

Von der Gräfin abgewiesen,

Einem Dichter, einem Tasso

Schmählich nachgesetzt zu seyn!

GHERARDO.

Ich verschmäht um einen Tasso?

Ich, ein Mann von Rang und Titel,

Der zu seinen Ahnen zählet

Sechs Marchesen und drei Grafen,

Ich, der in der Seitenlinie

Ist aus freiherrlichem Stamme?

Einem eigensinn’gen Schwärmer,

Einem Tagdieb, einem Schwätzer,

Einem Thörichten, Halbtollen,

Der ein Cicero sich dünket,

Werd’ ich nachgesetzt? Ich, ein Kritiker,

Diplomat, Politiker,

Numismatiker, Geograph,

Archäolog, Historiograph,

Metaphysiker, Hydrostatiker,

In den Pandekten Hochgelehrter,

Epigraph, Botaniker,

Anatom, Mechaniker,

Algebraiker, Publicist,

Financier und Oekonomist,

Ich, auf’s Allergenauste bewandert

In Ceremonien und Etiquette?

Ei, meine allerschönste Gräfin,

Da habt Ihr sehr schlecht gewählt.

CHOR.

Nun, vielleicht mag sie Euch nicht

Wegen Eurer sechszig Jahre.

GHERARDO.

Ei was sechszig! Acht und funfzig;

Bei dem Edelmann, dem Gelehrten

Zählet man die Jahre nicht.

CHOR.

Für die Weisheit sind Jahrhunderte

Freilich wohl nur Augenblicke,

Aber für die Schönheit ist ein

Jahr schon eine Ewigkeit.

GHERARDO.

Doch gesetzt, ich zähle sechszig;

Wer von all den jungen Kämpen

Kann in ritterlichen Künsten

Sich mit mir zu messen wagen?

So wie ich, tanzt nie, ich wette,

Zierlich einer Menuette.

Geh’ ich, ist mein Schritt beflügelt,

Reit’ ich, hab’ ich solche Haltung,

Daß ich immer ähnlich sehe

Marc-Aurel im Capitole.

Frisch bin ich, belebt und rüstig,

Kleide stets mich mit Geschmack.

Nun, der arme Tasso aber

Ist so mager, dünn und schmächtig,

Kommt mit jedem Tage näher

Der Abzehrung und der Schwindsucht.

Ich bedaure ihn, doch jene,

Die für ihren Vortheil blind ist,

Die sich angebetet glaubt,

Und nicht sieht, daß sie verlacht wird;

Daß, wenn man’s nur recht betrachtet,

Diese Klagen, diese Seufzer,

Dieses Schmachten, diese Scenen,

Diese Schwäche, dieses Leiden,

Bis zur Deutlichkeit beweisen,

Daß in Tasso’s Herzen jene

Unsrer beiden Leonoren

Wird als Göttin angebetet

Und mit heißer Gluth geliebt,

Die des Herzogs Schwester ist, –

Sie soll es gar bald erfahren,

Daß sie thöricht sich betrogen,

Rächen will ich völlig mich.

CHOR.

Aber wie?

GHERARDO.

Das wird sich finden.

CHOR.

Was wollt Ihr?

GHERARDO.

Noch weiß ich’s nicht.

Aber unermüdlich streb’ ich,

Bis ich endlich komm’ an’s Ziel.

Ihr Freunde, wachet überall

Mit aufmerksamen Blicken,

An allen Orten müsset Ihr,

In allen Winkeln forschen,

Bis aus dem Schooß der Finsterniß

Das Wahre sich enthüllt,

Und jenes übermüth’ge Weib

Beschämt, vernichtet wird.

CHOR.

An Fragen, Forschen, Spüren soll

Es unsrerseits nicht fehlen,

Bis hinter das Geheimniß wir

Mit voller Klarheit kommen,

Bis sich das Räthsel endlich ganz

Gelöset haben wird.

Zu spät wird dann die eitle Frau

Erst ihren Irrthum seh’n.

Doch nun hört auf zu schwatzen,

Und laßt uns endlich geh’n.

Wenn wir hier stehen bleiben,

Das macht uns klüger nicht.

GHERARDO.

So gehet meinetwegen,

Ich halt’ Euch länger nicht.

Alle ab.

Vierte Scene.

Die Prinzessin Eleonore und Ambrogio.

ELEONORE.

Sprichst Du die Wahrheit?

AMBROGIO.

Ja, Prinzessin!

Ich sah’s mit eig’nen Augen.

ELEONORE.

Also Robert

Ist nicht der Schuldige?

AMBROGIO.

Nein, sicher nicht!

Ich bin fest überzeugt,

Gherardo ist der Dieb. So war die Sache:

Um heute früh zu Euch zu geh’n,

Wie Ihr’s begehrtet, gnäd’ge Frau,

Hatte mein Herr in Eile

Sein Zimmer schon verlassen,

Und Robert war allein zurückgeblieben.

Doch unterdessen war ihm

Jener Neugier’ge bis in’s Zimmer

Gefolgt. Als Geraldini nun

Weggeht, begleit’ ich ihn bis vor die Thür.

Ich kehre um, da hör’ ich ein Gekrach;

Schnell spring’ ich zu, und sehe

Den Schrank erbrochen, den mein Herr

Verschlossen hat. Gherardo hält ein Blatt

In seiner Hand, und will’s heraus nicht geben,

Er droht sogar, voll Unverschämtheit,

Mich mit Stockschlägen zu mißhandeln.

Ich stell’ mich in den Weg, er stößt mich fort,

entwischt,

Und ich seh’ ihn hinein zum Herzog geh’n.

Da hatt’ ich nun das Nachseh’n!

ELEONORE.

Hast Tasso Alles Du entdeckt?

AMBROGIO.

Von A bis Z hab’ ich es ihm erzählt.

ELEONORE.

Und er?

AMBROGIO.

Er tobt, er sinnt auf Rache

An Don Gherardo.

ELEONORE.

Sage ihm – doch nein;

Such’ Robert auf, und schick’ ihn heimlich zu mir,

Doch schweigst Du gegen Deinen Herrn, ver-

stehst Du mich?

AMBROGIO.

Ja, ja, ich weiß schon Euren Willen:

Ich bin ein Mann von Welt, zwei Worte

g’nügen mir.

Ab.

Fünfte Scene.

Eleonore allein, dann Geraldini.

ELEONORE.

Weh mir! – Am fürchterlichsten Scheidewege

Steht nun mein Herz. Die Liebe Tasso’s

Ist kein Geheimniß mehr. Bleib’ ich – o Gott!

Ich kenne meinen Bruder,

Und zitt’re! Wenn ich gehe – Ach!

Ich kenne Tasso’s Herz,

Er wird verzweifeln, sterben.

Schrecklicher Scheideweg! Ich kann nicht wählen;

Hier meines Bruders Zorn dort des Geliebten Tod.

GERALDINI.

Prinzessin!

ELEONORE.

Alles weiß ich!

GERALDINI.

Ich entschuld’ge Tasso.

Gerecht war seine Wuth.

ELEONORE.

Ja; doch ich weiß,

Ihr seyd unschuldig, Robert!

Sein Diener hat mir Alles aufgeklärt.

GERALDINI für sich.

Ich triumphire!

ELEONORE.

Hört mich an:

Eleonore bittet Euch! Geht hin zu Tasso,

Umarmet ihn, und sagt ihm,

Wenn er mich liebt – es ist Euch Alles

Ja nun bekannt –

GERALDINI.

Hohes Geheimniß!

Selbst nicht der Luft will ich’s vertrau’n.

ELEONORE.

Sagt ihm,

Ich wünsche, daß er wieder Freund Euch sey.

GERALDINI.

Wie glücklich

Bin ich, wenn er mir diesen Namen wieder giebt.

ELEONORE.

So liebt Ihr ihn?

GERALDINI.

O säh’t Ihr in mein Herz!

Ich eile –

ELEONORE.

Hört mich noch, wenn wahre Freundschaft

Für den Unglücklichen Ihr fühlt. Ich muß

Ein Band, das mir verhaßt ist, knüpfen,

Oder den Zorn des Herzogs fürchten,

Und kann mich nicht entschließen. Einmal nur

Mit Tasso noch zu sprechen, ist mein Wunsch,

Um seinen Rath zu hören, ob ich ferner hier

In Thränen weilen, ob ich von ihm scheiden soll.

Doch –

GERALDINI.

Ich verstehe.

ELEONORE.

Ihm –

GERALDINI.

Werd’ ich’s verkünden.

ELEONORE.

Robert!

Ein wichtiges Geheimniß ist’s!

GERALDINI.

Ich fühle

Mich stolz auf Eu’r Vertrau’n.

ELEONORE.

Ewig muß es

Für Jedermann verborgen bleiben.

GERALDINI.

Das schwör’ ich!

ELEONORE.

Wenn Nacht und Stille herrschen,

Und in den Lorbeerbüschen

Des Mondes milde Strahlen

Das Dunkel sanft erhellen,

Will ich dort, wo die Quelle

Mit leisem Murmeln rieselt,

Im Schatten still verborgen

Des Freundes schweigend harren;

Jedoch er komme ruhig,

Gefaßt und ganz allein.

Dort will zum letzten Male

Ich weinend bei ihm seyn.

GERALDINI.

Ich fühle ganz, Prinzessin,

Was Eure Seele leidet.

Wenn Ihr des Freundes denket,

Ist seine Qual die Eure;

Ihr fühlt sie mit, die Leiden

Des liebenden Geliebten;

Doch will’s das harte Schicksal,

Daß Ihr die Thränen berget.

Vom unterdrückten Schmerze

Gequält das Herz Euch bricht,

Ihr unterliegt im Kampfe

Der Liebe und der Pflicht.

ELEONORE.

Doch wenn des Schicksals Wille

Mich zwingt, von ihm zu scheiden,

Was bleibt dem armen Tasso

Dann noch?

GERALDINI.

Ein Herz: das meine.

ELEONORE.

Wenn dies ihm bleibt, dann wird er nicht

Der Bosheit Opfer seyn.

Er wird dann an des Freundes Brust

Doch ruhig weinen können,

Er wird des Trostes sich erfreu’n,

Mit Euch von mir zu sprechen.

Ihr helft ihm tragen dann die Qual

Der hoffnungslosen Liebe;

Ach, in des Unglücks Tagen,

Ist uns ein Gott der Freund.

GERALDINI.

Ja, seinen Thränen, seinem Schmerz

Sey stets mein Busen offen,

Er finde wenigstens zum Trost

Ein Herz, das mit ihm fühlet.

Kann ich auch stillen nicht die Qual

Der hoffnungslosen Liebe,

So soll doch meine Freundschaft

Treu theilen seinen Schmerz.

ELEONORE.

Ich werde leichter tragen

Den herben Schluß des Schicksals,

Wenn Du ihm treu bleibst.

GERALDINI für sich.

Er sey Staub,

Vom Sturme fortgeweht.

ELEONORE.

Du wirst zu hohen Werken

Befeuern seine Seele;

Den größten Dichter dankt Dir dann

Das Vaterland.

GERALDINI für sich.

Er falle!

ELEONORE.

Wenn vor den Waffen des Hasses, des Neides

Du Torquato’s Leben beschützest,

Wird die Welt dir in freudiger Achtung

Seiner Dichtungen Schätze verdanken.

O gedenke stets an Leonoren,

Denke, daß sie um Dein Mitleid flehte;

Meine Wünsche und meine Thränen,

O vergiß sie in Ewigkeit nicht!

GERALDINI für sich.

Endlich lächelt, ich darf es hoffen,

Mir das Glück und führt mich zum Siege.

Mit befriedigter Rache Wonne

Werd’ ich herab auf den Stolzen blicken.

Laut.

Fürchtet nicht, daß ich je vergesse

Eure Wünsche und Eure Leiden:

Von der Freundschaft Stimme erwecket,

Mitleid für Euch im Herzen spricht.

Beide ab.

Sechste Scene.

Der Herzog allein, dann Geraldini.

HERZOG.

Ich wache, Unvorsichtige! Vollgült’ge

Bedeutungsvolle Rache muß ich haben.

Sie ist Bedürfniß meinem Herzen,

Und Klugheit und Gewalt sichern sie mir.

Ihr niedrigen, ihr neidischen Gemüther,

Die ihr den großen Dichter haßt,

Ihr dient als Werkzeug mir, doch ich durchschau euch;

Euch gilt nur sein Verdienst für seine Schuld.

Boshafte Thoren! Ha, da kommt der Schlimmste.

Robert, habt Ihr mit Tasso Euch versöhnt?

GERALDINI.

Da die Prinzessin selbst es wollte,

Konnt’ er mir wohl verweigern die Umarmung

Des Freundes? Ihres Wortes Kraft

War mächtiger in seinem Herzen,

Als die Gewißheit, daß ich schuldlos sey.

HERZOG für sich.

Er schuldlos!

Laut.

Und doch weilt er noch immer

So einsam hier an diesem heitern Orte?

GERALDINI.

Er scheut noch Euren Zorn;

Doch dann, wenn Nacht und Stille herrschen,

Wenn in den Lorbeerbüschen

Des Mondes milde Strahlen

Das Dunkel sanft erhellen, wird er

Zur kühlen Quelle wandeln,

Und dort dem Echo seine Leiden klagen.

HERZOG.

Allein?

GERALDINI.

Ich glaub’ es. Doch, mein Fürst, ich wage nicht –

HERZOG.

Sprich nur.

GERALDINI.

Wenn Ihr ihm unerwartet, während er

Eurer Verzeihung noch nicht sicher ist, Euch zeigtet,

Und ihn mit mildem, güt’gen Wort erquicktet,

Wie Ihr in wahrhaft königlicher Weise

Stets zu Unglücklichen zu sprechen pflegt,

Ihr würdet ihm als eine Gottheit erscheinen.

HERZOG für sich.

Teuflische List!

Laut.

Dein mitleidsvolles Herz

Verleugnet sich nicht. Ja, Dein Rath ist gut,

Ich werde ihn befolgen.

GERALDINI.

Dank, mein Fürst!

Für sich.

O Freude!

HERZOG.

Du kommst mit mir, die unverhoffte Freude

Des trauernden Torquato

Mit zu genießen.

GERALDINI für sich.

Ha, das trifft mich unerwartet!

Ich werde als Verräther gelten.

Laut.

Mein Fürst –

HERZOG.

Ich will es!

Beide ab.

Siebente Scene.

Gebüsch.

Torquato, Gherardo ihm nachschleichend, dann die Prinzessin.

TORQUATO.

O Nacht, die du ringsum

Den dunkeln Mantel ausgebreitet hältst,

In dessen Schutz die Liebe bang sich birgt,

Und du, mitleid’ger Mond,

Der du mit holdem Strahl die Finsterniß

Der feuchten, schwarzen Nacht verscheuchst,

Ich komme, wo mich Liebe hingerufen,

Wo nur der Quelle und des Windes

Rauschen

Den Klagen meines Herzens Antwort

giebt.

GHERARDO.

Allein! Um diese Zeit! Und hier! da mag

Ein Andrer schlafen; ich muß seh’n, was da herauskommt.

Ich folg’ ihm, wie sein Schatten. Ich verlass’ ihn nicht.

ELEONORE.

Torquato!

GHERARDO.

Die Gesellschaft vermehrt sich!

TORQUATO.

Bist Du’s?

ELEONORE.

Erkennst Du mich nicht?

GHERARDO.

Ha, die Prinzessin! Schnell muß ich’s der Gräfin

melden.

ELEONORE.

Tasso!

TORQUATO.

O sprich, ist diese Seligkeit

Vielleicht ein trügerischer Traum nur?

Doch wenn Du’s bist, o schöner Stern der Liebe,

Der mir mit holdem Glanz das Herz entzückt,

Wer hält im Zaum dann meiner Wünsche

Kühnheit?

ELEONORE.

Genug der Schwärmerei. Es sollte

Uns diese kostbaren Minuten

Kein bitt’res Wort verkümmern; doch verrathen hat

Uns unvorsicht’ge Liebe. Das gequälte Herz

Vermag’s nicht auszusprechen, und doch muß es,

O mein Geliebter –

TORQUATO.

Sprich, o Theure –

ELEONORE.

Lebe wohl –

TORQUATO.

Liebst Du mich nicht?

ELEONORE.

Weil ich Dich liebe,

So müssen wir – ich sprech’ es aus – uns trennen.

TORQUATO.

Ich muß Dir also wenig

Unglücklich wohl erscheinen,

Da Du mein Elend noch vergrößern willst?

ELEONORE.

Nie werd’ ich eines Andern seyn; doch Dir, Torquato,

Kann Leonore nicht gehören.

TORQUATO.

O Tod!

ELEONORE.

Die Klugheit will’s; entsagen müssen wir

Der Schwärmerei der Leidenschaft –

Tasso! Ja, Du mußt scheiden!

TORQUATO.

Kannst Du’s sagen?

Weh mir! Ich muß von Stein wohl seyn,

Da diese Kunde mich nicht tödtet.

ELEONORE.

Das Schicksal trennt die Herzen, die sich lieben.

TORQUATO.

Allein, verlassen! – Komm, fliehe mit mir!

ELEONORE.

Es wäre Wahnsinn.

TORQUATO.

Was bleibt mir?

ELEONORE.

Dein Geist,

Dein Dichterruhm und meine Thränen.

TORQUATO.

Soll ich,

Der Spielball eines grausamen Geschickes,

Kein Pfand der Treue, keinen Trost für

meine Sehnsucht

Von Dir empfangen, Grausame?

ELEONORE.

Hier dieser Ring

Enthält mein Haar.

TORQUATO.

O unverhofftes,

Entzückendes Geschenk!

Mit süßen Banden bin ich ewig so

An Dich gefesselt.

ELEONORE.

Es entschwinden schnell

Und unbemerkt den Liebenden die Augenblicke.

Drum fasse Muth – O Qual!

TORQUATO.

Was willst Du sagen, Theure?

ELEONORE.

Das harte Schicksal will’s – wir müssen scheiden.

TORQUATO.

Ja – auf ewig!

ELEONORE.

Hör’, o hör’ mich!

Schon fühl’ ich den Tod im Herzen;

Doch der Liebe Thränen werden

Thauen auf mein frühes Grab.

Darf ich’s hoffen?

TORQUATO.

Ha, Grausame!

Freut Dich’s, mir das Herz zu brechen?

Ach, kann ich Dir Thränen spenden,

Wenn im Schmerz ihr Quell versiegt?

ELEONORE

Wenn im nächsten Augenblicke

Uns des Schicksals Wille scheidet,

O, so wollen wir noch einmal

Uns der Wonne überlassen.

Ja, an Deiner Brust vergess’ ich

Alle Qualen, alle Leiden.

Ewig wird mein Herz Dir schlagen,

Ewig mein das Deine seyn;

Diese Flammen reiner Liebe

Löscht des Todes Hand allein.

Achte Scene.

Der Herzog mit Geraldini, die Gräfin und Gherardo; die Vorigen.

GERALDINI.

Seht, er ist nicht allein.

HERZOG.

Sey still.

GHERARDO.

Nun, sagt’ ich Euch die Wahrheit?

GRÄFIN.

Schweigt!

TORQUATO.

Ach! Mich loszureißen,

Wo soll die Kraft ich finden?

GHERARDO.

Hört Ihr?

ELEONORE.

O geh, verlaß mich!

GRÄFIN.

Treuloser!

TORQUATO.

Ach, vergebens!

GERALDINI.

Er trennt sich von der Gräfin.

HERZOG.

Glaubst Du?

TORQUATO.

Auf Deine Hand laß

Mein Leben mich verhauchen.

GHERARDO.

Habt Ihr genug?

ELEONORE.

O Theurer,

Zu schwer machst Du die Trennung!

TORQUATO.

Mein bist Du! Trotz dem Schicksal!

ELEONORE.

Laß mich, ich muß Dir widerstreben!

TORQUATO.

Komm, folg’ mir. Deinem Unterdrücker

Entziehe Dich.

HERZOG.

Herbei! –

Bewaffnete und Pagen kommen.

Ha, welch Geschick! der Arme!

Seht, Tasso ist von Sinnen!

Nehmt schnell ihn in Gewahrsam,

Bewacht ihn Tag und Nacht.

TORQUATO.

Mein Schwerdt? Nein!

ELEONORE.

Willst Du mich verderben?

HERZOG.

Prinzessin!

TORQUATO.

Dir nur geb’ ich es.

HERZOG.

Führt ihn hinweg!

GHERARDO.

Besänftigt Euch!

HERZOG.

Er ist von Sinnen!

TORQUATO.

Ich von Sinnen?

ELEONORE.

Gott!

GRÄFIN.

Erbarmen!

ELEONORE.

Ach, um dieser Thränen willen.

GHERARDO UND GERALDINI.

Mein Fürst!

ELEONORE.

Mein theurer Bruder!

TORQUATO.

Ich wär’ von Sinnen?

HERZOG.

Ja!

TORQUATO.

So geh’ ich denn zur Haft;

Doch erst mußt Du mich hören.

»Du, der die Liebe strafen will,

Du hast ein Herz von Stein, bist herzlos.

Ein wildes Thier bist Du in menschlicher Gestalt,

Wenn Du den sinnlos nennst, der Liebe fühlt.

Doch nein; fremd sind den Thieren

Der Wildniß selbst nicht diese Triebe.

Willst Du mein Blut? die Brust ist unbewehrt;

Doch über meinen Geist hast Du nicht Macht.

Verstand ist Gabe Gottes;

So lang’ mir Gott ihn läßt, nenn’ ich ihn mein.«

ELEONORE.

Ich ward verrathen! Heimlich freut

Der Falsche sich des Sieges.

Schwer laste dieser Thränen

Gewicht auf seinem Haupt.

GERALDINI.

So fällt er endlich! Es zerrinnt

Der Wahn des stolzen Träumers!

Doch heucheln muß ich Thränen

Und Mitleid noch mit ihm.

GHERARDO.

O weh! Ganz wider Willen muß

Ich Thränen noch vergießen.

Er thut mir Leid, wie sehr er

Mir auch zuwider ist.

GRÄFIN.

Es tödten mich die Schmerzen:

Ach, Mitleid wird ihm nicht!

HERZOG.

So wird die Zeit es lösen

Dies thör’ge Liebesband.

TORQUATO.

Hinweg mit euch, ihr Thränen,

Man soll nicht schwach mich seh’n.

ELEONORE.

Mein Bruder!

TORQUATO.

Ha, was thust Du?

Laß Dich zu Bitten nicht herab,

Verschwende nicht die Thränen,

Dies harte Herz erweichst Du nicht.

GERALDINI.

Torquato!

TORQUATO.

Du! – O sieh’ mich an,

Dein Herz durchschau’ ich.

GERALDINI.

Glaube mir –

TORQUATO.

Ich glaube, daß Du Deiner Wuth

Zum Opfer mich erkohren.

GERALDINI UND GHERARDO.

O Himmel!

TORQUATO.

Geht, Verräther,

Verderben mich, und Mitleid dann

Noch heucheln, ist zu ruchlos!

HERZOG.

Folgt dem Befehl, bringt ihn zur Haft!

ELEONORE.

Mein Herz erliegt der Qual!

TORQUATO.

Wer würd’ um diese Thränen nicht

Den Kerker mir beneiden?

ELEONORE UND TORQUATO.

Die Leiden, die uns das Geschick

So grausam hat bereitet,

Trägt die Geschichte in ihr Buch

Mit blut’gen Zügen ein.

Den schuldlos Liebenden, die man

So ohn’ Erbarmen trennte,

Wird mitleidsvoll die fernste Zeit

Noch eine Thräne weih’n.

HERZOG.

Mich fürchten lernen sollen sie,

Die meiner Macht vergaßen;

Mitleid mit den Verblendeten

Würde hier strafbar seyn.

Doch trinmphiren sollen nicht

Die niedrigen Verräther,

Geweckt aus ihrem stolzen Traum

Will ich der Schmach sie weih’n.

GERALDINI.

Befriedigung fühlt nun mein Herz,

Ich seh’ den Feind erliegen;

Nicht mehr wird er voll Uebermuth

Der stolze Günstling seyn.

Doch kann bei diesen Thränen nicht

Mein Herz gefühllos bleiben;

Sie flößen unwillkürlich mir

Des Mitleids Regung ein.

GHERARDO.

Jetzt, Gräfin, da zu sehen ist,

Daß er den Kopf verloren,

Begebt Euch nicht mehr in Gefahr,

Stellt Euer Trachten ein.

Wenn er verrückt geworden ist,

Kann er Euch nichts mehr helfen,

Seht seine Wuth: laßt ab von ihm;

Ihr müßt vernünftig seyn.

GRÄFIN.

Nein, größ’res Leid kann nimmermehr

Wohl Tasso’s Herz empfinden;

Der Feinde falsches Mitleid mehrt

Noch seine Qual und Pein.

Zu schrecklich ist das Mißgeschick,

Das schwer ihn hat getroffen.

Laßt mich! In meinen Thränen will

Ich ungestört nun seyn.

TORQUATO.

Leb wohl, mein theures Leben,

Jenseits winkt Wiederseh’n!

ELEONORE.

Ich harre Dein, Geliebter,

In sel’gen Himmelshöh’n!

HERZOG.

Trennt sie, folgt dem Befehle:

Vollführt will ich ihn seh’n!

Dritter Akt.

Gefängniß.

Einzige Scene.

Torquato allein, später Hof-Cavaliere.

TORQUATO.

»Was bin ich, und was war ich? Wo befind’ ich mich?

Wer führte mich hieher, hält mich in Haft?

Ach, wem hab’ ich vertraut? Wie bin ich hintergangen?

Für mich ist kein Erbarmen! Hier, wo Mitleid dürft’gem

Und krankem Volke einen Sammelplatz bereitet,

Im dunkeln Kerker, unter hartem Zwang,

Dem Spott des gier’gen Pöbels preisgegeben,

Muß ich dem Tod’ entgegenschmachten,

Ein niedres Spiel des feindlichen Geschickes.«

Am Arno haben meine Feinde

Sich wider mich verschworen; rastlos

Verfolgt mich heimlich eines Dämons Tücke;

Die Welt nennt sinnlos mich – und Liebe glüht

im Herzen.

O daß die Luft zu dir

Doch meine Seufzer trüge!

Daß dir das Echo doch

Mein Leiden möchte künden,

Holde Geliebte!

Wohl nennt man sinnlos mich,

Hält mich in strengen Banden,

Doch lieb’ ich ewig dich;

Nicht sinnlos bin ich, wenn ich

Mein Herz dir weihe.

Fünf Jahre schwanden! Noch ein Jahr! Und

wieder eins!

Vielleicht hat Leonore mich vergessen!

Vielleicht – o schrecklich! – schenkt sie Glauben

Der falschen Stimme, die für sinnlos mich

Erklärt, durch die ich schnöd’ verrathen,

Mit Schmach bedeckt, hier eingeschlossen schmachte;

Sie weint, und kann nicht meine Fesseln lösen.

CHOR in der Ferne.

Es lebe Tasso!

TORQUATO.

Täusch’ ich mich? Von fern

Erklang mein Name.

CHOR.

Auf dem Capitole

Sprießt der Lorbeer seinem Haupte.

TORQUATO.

Ha, was hör’ ich!

Die Hof – Cavaliere treten ein.

CHOR.

Von des Herrschersitzes Höhe

Streckt Dir Rom die Hand entgegen;

Eile, seinem Wink zu folgen,

Denn für Deine Stirn, o Tasso,

Ist der hehre Kranz gewunden,

Der Petrarca einst geschmückt,

Und dort an der Tiber Fluthen

Keinen Dichter sonst beglückt.

Du bist frei, erheb’ die Blicke,

Würd’ger Sohn des Vaterlandes;

Eine fürstliche Versammlung

Hat auf dem Tarpej’schen Felsen

Dir den Lorbeer zugesprochen,

Den entblättert keine Zeit.

Er sey des Verdienstes Zeichen,

Sinnbild der Unsterblichkeit.

TORQUATO.

Ach! Laßt mich Athem schöpfen! Zu viel Wonne!

Gekrönt dort meine Dichtung! Nach den Dornen,

Die mir so lang zu Theil geworden sind,

Wird endlich mir ein Lorbeerkranz geboten.

Eleonore! Der jetzt von dir scheidet,

Er ist dir gleich: auch ich trag’ eine Krone.

CHOR.

So komm’ denn!

TORQUATO.

Ja, doch erst zu ihr. Ich will sie fragen,

Ob diese seltne Krone, die für Gold

Nicht feil ist, mich zu ihr erhebt.

CHOR.

Halt’ ein!

Frage nicht; stumm sind die Todten,

Und das Grab giebt keine Antwort;

Nicht durch Worte, noch durch Thräuen

Spricht lebloser Staub zu Dir.

TORQUATO.

Sie ist todt? Für mich verloren?

Ach, so bin ich ganz verlassen!

Doch, ist sie auch stumm für immer,

Ewig hört sie doch mein Herz.

Ja, sie spricht zu mir. In Träumen

Wird sie zu mir niedersteigen,

Minder stolz, doch himmlisch schöner

Kehrt sie dann zu mir zurück.

Ha, ich sehe sie! – du bist es!

Sieh den Lorbeer dir zu Füßen.

Den ersehnten Preis des Sieges,

Ich verschmäh’ ihn, da du starbst.

CHOR.

Genug der Thränen, Tasso!

Oeffne Dein Herz dem Ruhme.

Sieh, wie Dein Genius mächtig

Den Flug der Zeit besieget.

Im Schutz des heil’gen Lorbeers

Trotzt er der Macht der Jahre.

Jahrhunderte durchfliegt er

Auf nimmermüden Schwingen.

Und Deiner Lieder hoher Klang

Schallt mächtig durch die Welt,

Bis einst der Bau der Schöpfung

Wie Staub, verweht vom Winde,

Zertrümmert und zerfällt.

TORQUATO.

Der Neid verstumme nun fortan,

Rom macht unsterblich mich.

Und du, die mir die Seligkeit,

Die mir das Leid gegeben,

Der Blumen Schmuck, der Thränen Zoll

Weih’ Deinem Grabe ich.

CHOR.

Wohlauf, nach Rom! Nicht weine mehr;

Die Ehre leitet Dich.

TORQUATO.

Ja, auf den Ruf der Ehre

Eil’ ich zum Strand der Tiber;

Dort an der Cäsarn stolzem Sitz

Winkt mir der Lorbeerkranz.

CHOR.

Auf, eile! Deines Unglücks Nacht

Erhellt des Ruhmes Glanz.

Gaetano Donizetti – Maria von Rohan

Gaetano Donizetti

Maria von Rohan

Tragische Oper in drei Akten

Personen

Richard, Graf von Chalais

Heinrich, Herzog von Chevreuse

Maria, Gräfin von Rohan

Der Vicomte von Suza

Armand von Gondi

Von Fiesko

Aubry, Sekretär des Herzogs

Ein Diener Chevreuse’s

Chor, Cavaliere und Damen, Bogenschützen, ein Thürsteher des Königs, Pagen, Wachen, Diener

Chevreuse’s

Die Handlung geht vor zu Paris, unter der Regierung Ludwig des Dreizehnten.

Erster Akt.

Erste Scene.

Saal im Louvre zu ebener Erde. Links eine Treppe welche zu den Gemächern des Königs, rchts

eine zweite, welche zu denen der Königin führt. Seitenthüren, im Hintergrune ein Säulengang.

Die Nacht beginnt brennende Kerzen ringsumher.

Cavaliere und Damen, von verschiedenen Seiten kommend.

EINIGE DAMEN.

So wär’ es wahr! in diesen Königs-Hallen,

Wo finst’res Schweigen nur geherrscht allein,

Hier soll jetzt plötzlich Festes-Jubel tönen,

Soll ringsum strahlen heller Kerzen Schein?

ERSTER CAVALIER.

Wohl flammt ein Blitz durch solch’ ein tief Geheimniß,

Verkündend oft den Wechsel des Geschicks.

ZWEITER CAVALIER leise.

Der Stern des Herrn Ministers ist im Sinken.

DRITTER CAVALIER wie oben.

Er stürzt herab vom Gipfel seines Glück’s.

ERSTER CAVALIER.

Es frommt nicht solch’ Geheimniß zu ergründen.

ZWEITER CAVALIER.

Solch Thun ist kühn, doch weise ist es nicht.

EIN GREISER CAVALIER.

Der Fürsten und der Völker Loos bestimmen,

Laßt Gott, der droben ernst sein Machtwort spricht.

Sie entfernen sich.

Zweite Scene.

Chalais kommt aus den Gemächern des Königs, blickt nach den Zimmern der Königin hinüber, zieht

einen Brief hervor und liest.

»Geht nicht mit auf die Jagd; ich muß Euch sprechen,

Bevor der König noch zurückgekehrt.« –

So lange mied Maria meine Rähe,

Nie durft ich laut ihr klagen meine Pein ..

Jetzt! – dieser Wunsch! sie liebt mich! sie wird mein!

Nein! meiner hoffnungstrunknen Seele

Droht nicht der Täuschung herber Schmerz;

Wie aus dem starren Schlaf des Todes

Erwacht zum Leben neu mein Herz.

Du Theure! könnt ich mit Dir theilen

Des Erdendaseins Lust und Leid,

Dann wären alle meine Tage

Ein Traum voll Liebes-Seligkeit.

Dritte Scene.

Maria aus den Gemächern der Königin. Der Vorige.

MARIA.

Graf?

CHALAIS.

Ihr seid aufgeregt.

MARIA.

Ach und wie sehr!

Nur Ihr vermögt ein Unglück abzuwenden.

CHALAIS.

Ich? …

MARIA.

Ja! Es drängt die Zeit, so hört mich an

Zum Kampf auf Tod und Leben war Chevreus

Gefordert von dem Neffen des Ministers;

Der Fordernde ist auf dem Platz geblieben,

Und das Gesetz bedroht dafür den Herzog,

Nun mit dem Tod.

CHALAIS.

Ja leider!

MARIA.

Eine Hoffnung

Auf seine Rettung bleibt noch: Ihr.

CHALAIS.

So sprecht.

MARIA leidenschaftlich.

Die hellste Sonne königlicher Gunst

Strahlt Euch, o so erfleht denn vom Monarchen,

Des Schuld’gen Leben, und er ist gerettet.

CHALAIS.

Er ist Euch nah verwandt, doch … ha, der Qual! …

Der Himmel ende gnädig meinen Argwohn …

Muß ich in ihm den Nebenbuhler fürchten?

MARIA, den Blick senkend.

(Gott! was soll ich ihm sagen.)

CHALAIS.

Wie, Ihr schweigt?

So liebt Ihr mich nicht mehr?

MARIA.

Ich darf es nicht.

CHALAIS.

Was hör’ ich!

Man vernimmt Hörnerklang.

MARIA.

Ha, der König kehrt zurück;

Er ehrt der Mutter Fest durch seine Nähe …..

Der nächste Morgen schaut das Blutgerüst;

Nur kurze Augenblicke sind noch Euer,

Um des Monarchen Gnade anzufleh’n.

CHALAIS.

Mein Schicksal hängt am Winke Eures Auges.

Gott! ich beschütze eines and’ren Leben,

Mein Lohn dafür vielleicht ist Todesqual.

Er geht in die Zimmer des Königs.

MARIA.

Dein Nebenbuhler … Ach! ist mein Gemahl.

Nichts hat mehr Raum in meinen Herzen

Als Kummer tief und grenzenlos!

Erstorben ruht dort jede Hoffnung,

Wie in des Grabes dunklem Schooß,

All meine Stunden, o der Pein!

Zählt nur der Schmerz, der Schmerz allein.

Mein letzter Trost in tiefsten Leiden,

Sind stumme Trauer und Geduld;

Die Thräne, Weh mir! selbst die Thräne

Von mir vergossen, wird zur Schuld,

Sie nähert sich den Zimmern des Königs, in höchster Aufregung.

Vierte Scene.

Fiesko, der Vicomte. Damen. Cavaliere. Die Vorigen, dann ein Thürsteher.

VICOMTE.

Gräfin wie! so laute Freude,

Sicht Euch traurig.

DAMEN.

Sprecht warum?

MARIA.

Traurig ich? (O Gott, entsetzlich!

Qual der Seele macht mich stumm.)

FIESKO leise zu den andern.

Seht, sie harrt mit bangem Blick

Als wär sein Wohl auch ihr Glück.

MARIA.

Ha! wer naht, ich glüh’ und bebe!

Der Thürsteher tritt ein, überreicht Maria ein Blatt und entfernt sich wieder.

Träum’ ich? Gnade les’ ich hier.

CAVALIERE zu einander.

Seht ein Schreiben!

MARIA.

(Richard, Ed’ler!

Alles, Alles dank’ ich Dir.)

Ewig sei der Tag gesegnet,

Wo ich Dich zuerst geschaut;

Großmuthsvoller! einst mir theuer,

Dir mit Recht, hab’ ich vertraut.

Dürft ich, o, mit einem Worte,

Wie so gern beglückt’ ich Dich,

Doch der Liebe tief Geheimniß

Darf nur wissen Gott und ich.

FIESKO. VICOMTE. CHOR zu einander.

(Seht, o seht der Gräfin Blick

Kündet strahlend höchstes Glück.)

Maria giebt den Damen ein Zeichen, diese folgen ihr in die Gemächer der Königin.

Fünfte Scene.

CHEVREUSE allein.

Er kommt noch nicht, und Du, still harrst Du meiner,

Maria, Heißgeliebte, die der Himmel

Als Engel mir zum Trost herabgesendet!

Ja wahrlich, Theure, Du warst auserseh’n

Für mich vom Schicksal Gnade zu erfleh’n;

O welch ein Tag voll Edens Wonne!

Dich soll ich wiedersehen, Dich!

Nein, nein auf Erden lebt kein Wesen,

Das heiß’re Liebe fühlt als ich.

Ich darf Dir wieder zärtlich sagen

Daß mir Du Seel’ und Sinn geweiht,

Daß mir Du Deines Herzens Treue,

Gelobt hast für die Ewigkeit.

Ha, Tag voll Paradieses-Wonne,

Voll Liebesseligkeit für mich!

Nein, nein auf Erden lebt kein Wesen,

Daß heiß’re Liebe fühlt als ich.

Er geht.

Sechste Scene.

Fiesko. Vicomte. Gondi. Cavaliere. Chalais.

GONDI mit ungezwungenem Anstande eintretend.

Ich grüß’ Euch, Cavaliere.

VICOMTE.

Was, Du hier!

CAVALIERE.

Wie, Armand!

VICOMTE UND FIESKO.

Er ist rasend.

GONDI.

Welch’ Verwundern!

FIESKO.

Du wagst es jetzt bei Hofe Dich zu zeigen?

Warst Du im unglückseligen Duell,

Nicht Sekundant des Herzogs von Chevreuse?

Flieh’, sonst ereilt Dich des Ministers Zorn.

Chalais tritt mit ernster Miene ein, und geht in Hintergrunde auf und ab.

GONDI.

Der hat an ernst’re Dinge jetzt zu denken,

Sein Fall ist sicher und ganz nah!

FIESKO.

Ganz sicher.

GONDI spöttisch.

Freund, Deinetwegen blutet mir das Herz

Zum Schützenhauptmann hätt’ er Dich ernannt.

FIESKO.

Von seinem Sturz wagt Niemand schon zu reden.

Du freust Dich dessen laut, Verweg’ner Du!

GONDI.

Er ist mein Nebenbuhler, hört nur zu.

Alle umkreisen ihn, Chalais bleibt im Hintergrunde lauschend stehen.

Um doch nicht müßig ganz zu bleiben,

War vor zwei Monden ich so dreist,

Den Hof zu machen einer Dame,

Von Schönheit, Rang und Stand und Geist.

Ich sende Brief auf Brief vergebens,

Verschmachte fast vor Liebesschmerz,

Doch leichter schien ein Fels zu rühren

Als meiner Spröden grausam Herz.

Lueretia, selbst, wie Schnee so rein,

Schien minder keusch als sie zu sein.

VICOMTE. FIESKO. CHOR.

Traut nicht dem Scheine zu geschwind,

Da die Lucretien selten sind.

GONDI.

Dies schwere Räthsel aufzulösen,

Um jeden Preis, ward mir zur Lust;

So folgt’ ich meiner strengen Schönen

Denn überall, ihr unbewußt;

Und siehe da, nach wenig Tagen,

An einem Morgen früh, ganz früh,

Schlüpft in den Palast des Ministers…

Wer meint ihr wohl? Sie wirklich, sie

Ja, traut dem Schein nicht zugeschwind,

Da die Lucretien selten sind;

Ein Frauenherz scheint kalt wie Eis,

Und birgt doch Liebe glühend heiß.

ALLE außer Chalais.

Ihr Name, nun?

GONDI.

Ist Euch gar wohl bekannt:

Maria Gräfin Rohan.

CHALAIS auf Gondi zustürzend.

Ha Verweg’ner!

GONDI.

Wie, Richard!

CHALAIS.

Lüg’ner, schändlicher Verläumder!

DIE UEBRIGEN.

Graf.

GONDI den Degen ziehend.

Tilge diesen Schimpf mit Deinem Blut.

CHALAIS.

Sogleich, ja!

VIEOMTE UND CAVALIERE.

Habet ein!

FIEAKO.

Seid ihr von Sinnen!

Hier im Palaste ein Duell ! Man kommt.

CHALAIS.

Wohl denn auf Morgen

Er wirft einen Handschuh vor Gondi nieder, den dieser aufhebt.

Ist dies Zauberei?

Der Herzog!

CAVALIERE. GONDI.

Was, Chevreuse?

Siebente Scene.

Chevreuse. Die Vorigen.

CHEVREUSE.

Ja, meine Freunde.

VICOMTE.

Bei Hofe Du?

CHEVREUSE.

Du siehst es

FIESKO.

Wie nur? sprich!

CHEVREUSE Chalais umarmend.

Befrage meinen Retter dort, nicht mich.

Doch wie! Du scheinst bewegt.

CHALAIS.

Bewegt?

VICOMTE.

Natürlich.

Hat er so eben Armand doch gefordert.

CHALAIS blickt zornig zu Gondi hinüber.

Auf Tod und Leben.

CHEUVREUSE.

Ha, so wählst Du mich

Zu Deinem Secundanten.

CHALAIS.

Herzog, nein;

Schon hat sich der Vicomte dazu erboten.

CHEVREUSE.

Doch fordert der Gebrauch zwei Secundanten,

Wenn Ihr Euch schlagen wollt, auf Tod und

Leben.

Sich hastig zu Gondi wendend.

Sagt mir, wo trefft Ihr Euch?

GONDI.

Am Thurm von Nesle.

CHEVREUSE.

Wohl, nenne jetzt mir noch den Tag, die

Stunde.

GONDI.

So bald das nächste Morgenroth sich zeigt.

Der Saal füllt sich mit Cavalieren und Hofdamen.

VICOMTE.

Mich ruft die Pflicht, ich muß zum König gehen,

Wir werden bei dem Fest uns wiedersehn.

Er geht in die Gemächer des Königs.

Achte Scene.

Maria, die Vorigen.

MARIA.

Der Tanz beginnt, ich bringe wicht’ge Nachricht,

Der Kardinal – er ist nicht mehr Minister.

FIESKO.

Wie!

MARIA.

Ihre Majestät die Königin

Hat selbst es ausgesprochen.

GONDI.

Welch ein Glück.

DIE ANDERN, Fiesko ausgenommen.

Der König lebe hoch!

CHEVREUSE.

Beneidenswerth

Macht wahrlich heut’ mich des Geschickes Gunst,

Denn ich darf stolz jetzt diesem hohen Kreise,

Die Gattin zeigen, die ich mir erwählt.

DIE ANDERN.

Was sagst Du?

CHEVREUSE.

So vernehmt: Für seinen Neffen,

Den, wie ihr wißt ich im Duell getödtet,

Warb Richelien um meiner Theuren Hand,

Um zu entgeh’n der Rache des Ministers

Verschwieg ich meine Heirath.

CHOR. FIESKO.

Doch wer ist

Die Herzogin?

CHALAIS UND GONDI.

Die Gattin Deiner Wahl?

MARIA.

(Ich zitt’re.)

CHEVREUSE, Maria vorstellend.

Wünscht mir Glück.

CHALAIS mit Entsetzen.

Sie? Sie o Qual!

CHEVREUSE.

Ein selig Jahr ist jetzt dahin geflossen,

Seit uns verknüpft geheimer Ehe Band,

Seit mir beglückt durch Sie das Erdenleben

Gleich einem Himmelstraume zaub’risch schwand.

MARIA.

(Ich sehe seiner Seele heiße Schmerzen

Des Inner’n Pein verräth sein Angesicht,

Ich seh’ die Qualen seines wunden Herzens,

Ach, wunder als das meine ist es nicht.)

CHALAIS.

(Gott! welch Geheimniß löst dort seinen Schleier,

Mein Lebenshimmel hüllt in Nacht sich ein.

Nur noch ein Glück kann mir dir Erde bieten:

Die Gruft, die mich begräbt und meine Pein.)

GONDI. FIESKO. CHOR.

Wir Alle theilen Eurer Seele Wonne,

Ersehnen Euch der Liebe reinstes Glück.

Was nur die weite Welt besitzt an Gütern

Das spende huldvoll stets Euch das Geschick.

Neunte Scene.

Der Vicomte. Die Vorigen.

VICOMTE sich verbeugend vor Chalais.

Graf!

CHALAIS.

Nun.

VICOMTE.

Die Gnade Seiner Majestät

Hat zum Minister eben Euch ernannt.

FIESKO.

(Ihn)

CHEVREUSE.

Du Minister!

MARIA.

Himmel.

GONDI. CHOR.

Wär’ es wahr.

ALLE.

Wir bringen Graf, Euch unsern Glückwunsch dar.

Chevreuse drückt Chalais die Hand, die Uebrigen umringen Chalais. Fiesko sucht seinen Zorn zu

verbergen.

CHEVREUSE. VICOMTE. FIESKO. CHOR.

Wir seh’n das Ungewitter jetzt entschweben,

Das Frankreich’s schönem Lande schwer gedroht;

Ein leuchtend Glücks-Gestirn wird sich erheben,

Froh grüßen wir der Hoffnung Morgenroth.

CHALAIS.

(Ha, wenn ich je der Ehrlust Flammen-Triebe

Mit Stolz genährt in meiner Mannes-Brust,

So war es, werth zu sein Maria’s Liebe,

Nur der Gedanke war allein mir Lust,

Doch jetzt, da einem Andern fest verbunden

Maria diesem Lieb’ und Leben weiht:

Leb’ wohl, Du Hoffnung himmlisch schöner Stunden,

Du gold’ner Traum von Ehr’ und Seligkeit!)

MARIA.

(O, reine Liebe du zum Vaterlande,

Du Ruhmes-Lust erfüllt ihm ganz das Herz;

Macht ihr frei von einem Liebesbande

Das mitleidslos ihn fesselt an den Schmerz.)

CHALAIS. CHEVREUSE. VICOMTE UND GONDI leise zu einander.

Wie schnell vom Himmel Wetterwolken schwinden,

So wird das Dunkel flieh’n das uns umgraut.

CHEVREUSE. MARIA. VICOMTE. GONDI. CHOR.

Raum wird in jeder Brust die Freude finden,

Rings wiederhallen wird der Freude Laut.

FIESKO.

(Ha, meinen tiefen Haß darf Niemand ahnen,

Durch täuschend Lächeln sei mein Groll verhüllt,)

CHALAIS.

(Ich selbst will seinem Schwert die Wege bahnen

Zu meiner Brust, von Todesqual erfüllt.)

Der Vorhang des Hintergrundes fällt, man erblickt die Gärten des Louvre, Chalais, gefolgt vom

Vicomte, eilt den Zimmern des Königs zu, und wendet sich vor seiner Entfernung noch ein Mal

nach Maria zurück. Alle gehen in den Festsaal.

Ende des ersten Aktes.

Zweiter Akt.

Erste Scene.

Ein Saal in Chalais Palaste. Im Hintergrunde ein Fenster, durch welches man den Louvre

erblickt. Seitenthüren.

Chalais ist mit Schreiben beschäftigt. Aubry im Hintergrunde. Vom Louvre her erschallt

Tanzmusik.

CHALAIS im Schreiben sich unterbrechend.

Im Festgewühle sah ich sie noch Einmal,

Zum letzten Male! … O mein grausam Schicksal!

Maria’s Mutter stirbt, und fordert sterbend

Daß ihre Tochter mir entsage …

Die Glocke des Louvre schlägt vier Uhr. Chalais schreibt weiter versiegelt dann den Brief, und

zieht ein Bild hervor, das er an den Brief befestigt.

AUBRY näher kommend.

Herr Graf!

CHALAIS verschließt den Brief in den Schreibtisch und steckt den Schlüssel ein.

Hab’ Acht! Bin ich nicht heimgekehrt

Wenn sich der Abend nähert, dann erbrich

Selbst meinen Schreibtisch, und den Brief hier bringe …

Die Aufschrift sagt an Wen … Doch sei verschwiegen …

Verstehst Du mich?

AUBRY.

Stets war ich pflichtgetreu.

CHALAIS.

Ja wohl! Der Mutter Schlaf ist traumbewegt.

Du Theure! Eh vielleicht die gold’ne Sonne

Noch heute ihren Tageslauf vollbracht,

Umfängt uns Beide Schlaf in Grabesnacht.

Du treue, heißgeliebte Seele,

Die bald zu ihrem Schöpfer schwebt,

O, harre nur noch kurze Stunden

Bis sich mit Dir mein Geist erhebt.

Mir sagt es klar des Herzens Stimme,

Ich stehe an des Grabes Rand;

Verein’ im Himmel uns die Liebe,

Wie sie hienieden uns verband.

Maria tritt ein.

CHALAIS.

Wer mag wohl jene Maske sein?

Zweite Scene.

Die Vorigen, Maria im Domino, das Gesicht mit einer Maske bedeckt; dann Chevreuse von Innen.

CHALAIS auf seinen Wink entfernt sich Aubry, Maria nimmt die Maske ab.

Maria! O Entzücken ohne Gleichen!

Es ist nur Traum, Traum nur … erweck’t mich nicht! …

MARIA.

O redet von Entzücken Ihr nicht, Graf,

Der Tod ist nah Euch … Richelieu …

CHALAIS.

Sprecht aus.

MARIA.

Ist wieder, was er einst gewesen.

CHALAIS.

Wie?

MARIA.

Der König hat ihn angehört, und leicht

Ward es dem Listigen sich rein zu waschen

Von jeder Schuld.

CHALAIS.

Und Ihr?

MARIA.

Die Königin

Hat das Geheimniß selbst mir mitgetheilt;

Ihr habt des Gatten Leben mir erhalten,

So laßt mich dankbar jetzt das Eure’ retten.

Ihr müßt entflieh’n;

CHALAIS.

Entflieh’n? Ha, hör’ ich recht?

MARIA.

Und ohne Zögern, ja. Der Kardinal

Beschuldigt Euch des schändlichsten Verraths.

Bei Tages Anbruch soll man Euch verhaften,

Und Eu’rer wartet Tod durch Henkershand.

CHEVREUSE von Innen.

Wo ist der Graf? Chalais, Chalais!

MARIA mit Entsetzen.

O Himmel! …

Der Herzog mein Gemahl……

CHALAIS.

Wo berg’ ich Euch?

Ha, recht! – mich macht Entsetzen todesbleich.

Er zieht Marie, die unbeweglich steht, mit sich fort und verbirgt sie in die Waffenkammer.

Dritte Scene.

Chevreuse; die Vorige.

CHEVREUSE.

Er schliefe noch?

CHALAIS geht eintretend Chevreuse entgegen, mit verstellter Ruhe.

Du, Heinrich?

CHEVREUSE.

Dich erwartet

Hab’ ich bis jetzt im Hause des Vicomte.

Die Stunde zum Duell bestimmt, ist nah’,

Ich komme daher selbst …

CHALAIS einen verstörten Blick auf das Cabinet werfend.

Sprich leiser Freund,

Die Mutter könnt’ uns hören.

CHEVREUSE leise.

Wohl gesprochen.

Laß uns die Waffen nehmen jetzt und gehen.

Er nähert sich dem Schreibtisch.

Was? Denkst Du einen Ball denn zu besuchen,

Daß Du den Degen so zerbrechlich wählst?

Ein Festschmuck hängt daran – welch eine Grille!

Du hast zehn bess’re Klingen, und gar weislich

Ist mir die Wahl der Waffen zuerkannt.

Dies Recht ist mein, ich bin Dein Secundant.

Er will in das Cabinett gehen.

CHALAIS.

Was suchst Du dort? bleib! bleib! – ich bitte.

CHEVREUSE, er bemerkt die Maske und nimmt sie auf.

Wenn Du nicht willst,

Was seh’ ich da?

Jetzt weiß ich Alles.

CHALAIS.

Du kannst glauben.

CHEVREUSE.

Was meine Augen sehen, ja.

CHALAIS.

Dich täuscht der Schein, trau’ meinem Worte

Nicht Liebe führt sie her, nein, nein!

Ich kann es Dir vor Gott beschwören,

Ganz schuldlos ist ihr Herz, ganz rein.

CHEVREUSE scherzend.

Die Mutter könnt’ es hören, sprich

Fein leiser, Freund, ich bitte Dich. –

Glaub’ Heinrich nicht, ich sei gekommen

Um Dein Geheimniß zu erspäh’n.

Der Eifer nur für Deine Ehre,

Hieß mich so früh schon zu Dir geh’n,

Fort, fort man würde Dich verhöhnen

Wenn Du zu spät kämst.

CHALAIS.

Du sprichst wahr.

Ermanne Dich und zeig’ Dich muthig

Wie sonst in Stunden der Gefahr.

Auf, auf, wir eilen ja zum Siege,

Den lächelnd uns gewährt das Glück,

Den Heldenmuth, der sonst Dir eigen,

Ruf in die tapf’re Brust zurück;

Wie heut die Liebe, zart und rein,

Wird auch der Ruhm Dir hold jetzt sein.

CHALAIS wirft einen Blick auf das Cabinett.

(Gott, wenn ich Ihrer Angst gedenke,

Erstarrt im Herzen mir das Blut;

Hast Du nun endlich, feindlich Schicksal,

Gesättigt Deine blinde Wuth?

Ha, wahrlich gleichen Folterschmerz

Ertrug noch nie ein menschlich Herz.)

CHEVREUSE.

Wohlan, ich will zum Kampfplatz eilen,

Du folgst mir Freund, sobald….

CHALAIS.

Ja, ja.

CHEVREUSE.

Doch, Richard, säume nicht zu lange,

Denn sieh’, das Morgenroth ist da.

Chevreuse geht, Chalais verschließt die Thür, und naht sich dem Cabinett.

CHALAIS.

Maria!

Vierte Scene.

Der Vorige. Maria mühsam sich aufrecht haltend.

CHALAIS.

Laßt Euch nieder.

MARIA.

Gott! des Todes

Wär’ ich im nächsten Augenblick gewesen.

CHALAIS.

Erholt Euch, die Gefahr ist jetzt vorüber.

MARIA.

Vorüber? Ja! Doch nur um einer andern

Ihr gleich an Furchtbarkeit, den Platz zu räumen.

Ich habe Alles dort gehört … Ein Zweikampf –

Entsetzlich! nein … Ihr stellt Euch nicht.

CHALAIS.

Wie?

MARIA.

Nein!

Bei Allem, was auf Erden und im Himmel

Euch werth und heilig ist: schwört mir, Paris

Jetzt zu verlassen; jetzt, wo furchtbar Euch

Der Tod von allen Seiten hier bedroht,

CHALAIS.

Was sagt Ihr! Meine Ehre …

MARIA.

O des Wahnes!

Dem pflichtgetreuen Unterthan verbietet

Die Ehre, das Gesetz zu übertreten,

Und ein Gesetz, so heilig als gerecht,

Bestraft den Zweikampf schwer.

CHALAIS.

Weißt Du es nicht?

Vergebens ringt der Mensch mit dem Geschick,

Mich reißt es fort … müßt’ es zum Tode sein,

Doch folg’ ich ihm.

Es schlägt fünf Uhr, Chalais will sich entfernen.

MARIA.

Nein, Mitleidsloser, nein.

CHALAIS.

Die Stunde hat geschlagen.

MARIA leidenschaftlich.

Ha, entsetzlich!

Bleib’, bleib’ noch! … hör’ mich an, ich

bitte Dich.

CHALAIS.

Ich darf nicht, nur Ein Augenblick des Säumens

Und einen Feigling nennt man schmachvoll mich.

MARIA.

O weile! weile noch, laß’ Dich erfleh’n.

Maria bittet, kannst Du widersteh’n.

Mit wachsender Aufregung und von Thränen unterbrochen.

O sage mir, wodurch kann ich Dich rühren,

Sprich, welches Wort bewegt Dein grausam Herz,

Kann Deine Brust zur Mitleid nichts bewegen,

Nicht meine Klagen … nicht mein heißer Schmerz?

Ha, Deiner Mutter denke! Hab’ Erbarmen

Mit ihr, mit mir von Todesqual bedroht.

O Richard, Richard, wenn Du fällst im Kampfe,

Gibst Du der theuren Mutter selbst den Tod.

Zu Chalais Füßen knieend.

CHALAIS.

Halt ein! (Wie nur verberg’ ich meine Thränen,

Vergebens! sie benetzen mir den Blick.)

Mein Leben ruht in des Allmächt’gen Händen,

Er hat entschieden über mein Geschick.

Hör’ auf Dein grausam Mitleid mir zu weih’n.

Das tief’res Weh mir bringt als Todespein,

Erhebe Dich, willst Du das Herz mir brechen.

Er will sie erheben, Maria kommt ihm knieend näher.

MARIA.

Zu Füßen Dir, wirst Du mich sterben seh’n,

Wenn Du dem Zweikampf nicht entsagst …

CHALAIS.

Unmöglich.

MARIA mit immer wachsender Angst.

Gieb nach, erhöre der Verzweif’lung Fleh’n,

Wo nehm’ ich Worte her wie Dich beschwören,

O Himmel wolle gnädig mir verzeih’n,

Erbarmen, Allbarmherziger! .. Erbarmen,

Mein Richard.

CHALAIS.

Ha, so soll ich ehrlos sein!

MARIA.

Doch sprich …. sprich, wenn auch ich mich nun entehre,

Wenn Gott … die Welt, nun mein Geständniß hört,

Daß Du der Heißgeliebte meiner Seele,

Daß rastlos mich der Sehnsucht Gluth verzehrt,

CHEVREUSE.

Wie, Du sprichst wahr? Ich sterbe vor Entzücken ….

Mich liebtest Du … noch als Du Dich vermählt,

Noch einmal sprich es aus… Mit neuem Leben,

Haft Du Maria meine Brust beseelt.

Du liebst mich noch?

MARIA.

Dich lieb’ ich, Dich allein;

Dein war mein Herz, Dein wird es ewig sein.

Es wird an die Thür gepocht.

CHALAIS.

Du siegst.

Fünfte Scene.

Die Vorigen. Der Vicomte.

VICOMTE.

Graf.

CHALAIS.

Freund!

VICOMTE.

Vorüber ist die Stunde

An Deiner Statt steht Heinrich kampfbereit.

CHALAIS.

Und ich … Gott! … Halt’ ihn auf, bring’ ihm die Kunde

Daß ich Dir folge.

MARIA.

Weh; bedenk’ mein Leid.

CHALAIS zu Maria.

Wie! hast Du nicht gehört?

VICOMTE.

Chalais, fort, fort.

CHALAIS.

Ich eile.

MARIA.

Nein, o nein! – Der Tod harrt dort!

CHALAIS.

Der Tod! O wisse ich begann zu sterben

Als ich vernahm, Du wärest nicht mehr mein,

O laß mich! laß mich gehn in mein Verderben;

Erfüllt muß endlich doch mein Schicksal sein,

Doch wenn Maria in verschwieg’ner Stille,

Dem Grabe Richards Schmerzensthränen weiht:

Dann schaut im Geist er seine kalte Hüllen

Nicht ohne Schmerz nur, nein! mit Seligkeit!

MARIA.

Bei ihr der Theuren, die Dich einst geboren,

Bei Deiner Liebe, die ich mein genannt,

Bei meiner Seelen-Folter sei beschworen,

Flieh! … flieh’! Bewaff’ne nicht zum Kampf die Hand.

Erspare unermeßlich Weh mir Armen….

Ich flehe vor Dir, sinkend in den Straub:

Erbarmen, Richard, schenke mir Erbarmen

Dein Tod giebt auch dem Tode mich zum Raub.

Chalais enteilt, Maria folgt ihm.

Ende des zweiten Aktes.

Dritter Akt.

Erste Scene.

Saal bei Chevreuse. Der Eingang ist im Hintergrund. Eine Seitenthüre. Eine große Uhr. Ein

Tisch zwischen zwei Stühlen.

Chevreuse, einen Arm in der Binde, sitzt an einem Tisch, auf welchem sich die Chalais

gehörigen Pistolen befinden. Maria steht von einer Seite, Chalais von der andern. Einige

Diener umher.

CHEVREUSE zu Maria.

Sei ruhig, meine Wunde ist nur leicht,

Noch leichter als es scheint.

CHALAIS.

Trotz meines Willens,

Erschien ich auf dem Kampfplatz doch zu spät,

Wesshalb haft Du mich nicht erwartet, sprich.

CHEVREUSE.

Den Folgen eines andern großen Unglücks

Jetzt vorzubeugen, ist die nächste Sorge.

Du bist auf Frankreichs Boden nicht mehr sicher.

Er steht auf.

Ich will Dir einen Weg zur Rettung bahnen.

CHALAIS.

Was willst Du thun, Dein Zustand fordert

Ruhe.

CHEUVREUSE.

Ich ruhen, wenn Gefahr dem Freunde droht,

O Richard, wenig kennst Du Heinrichs Herz.

Er winkt Dienern ihm zu folgen und entfernt sich durch die Seitenthür.

MARIA.

(Nicht aufzuseh’n wag’ ich vor Schaam und Schmerz.)

Zweite Scene.

Ein Diener von Chevreuse. Aubry. Die Vorigen.

Diener kündigt Aubry an, und zieht sich dann zurück.

AUBRY in großer Aufregung.

Vergebens such’ ich Euch schon lange

Und find’ Euch jetzt durch Hülfe des Vicomte.

CHALAIS.

Bringst Du mir böse Nachricht?

AUBRY.

Eure Wohnung

Ward plötzlich rings besetzt von Bogenschützen,

Genau durchsucht, und was sich an Papieren

Dort vorgefunden, das ward mitgenommen.

CHALAIS.

Wel’ch ein Ereigniß

Zu Aubry.

Geh’.

In Verzweiflung.

Maria! Gott!

Du bist verloren.

MARIA.

Ich? Was sagst Du! Himmel!

CHALAIS.

Ich schrieb an Dich mit aller Gluth der Liebe,

Bevor ich zum Duell ging; jenes Blatt

Ist zweifellos in des Ministers Händen,

Wird bald in denen Deines Gatten sein.

MARIA.

Ha, tödten wird er mich.

CHALAIS.

Gewiß! so meide

Des Zornes ersten Ausbruch, flieh mit mir.

MARIA.

Nein!

CHALAIS.

Heilig ist des Freundes Gattin mir,

Mein Wort zum Pfand darauf, und daß ich Dich

In Deines Bruders Arme führen will.

Versprech ich Dir zugleich.

Ein geheimer Ausgang öffnet sich, der Seitenthür gegenüber.

MARIA.

Der Herzog, still!

Dritte Scene.

Chevreuse. Die Vorigen.

CHEVREUSE.

Auf diesem Weg erreichst Du ungefährdet,

Die Mauern von Paris; dort wartet Deiner.

Ein flüchtig Roß. Auf! fort! … beeile Dich

Chevreuse entfernt sich durch die geheime Thür.

CHALAIS hastig.

Maria, wenn die nächste Stunde schlägt,

Und Du kommst nicht, dann, um mit Dir zu sterben,

Kehr’ ich zurück.

Er folgt Chevreuse.

MARIA mit Bitterkeit.

Welch’ unheilvolle Bande

Hat doch Dein Wille, Mutter, hier geknüpft;

Gehorsam war ich Dir, ich zagte nicht –

Und Tod wird mir als Lohn erfüllter Pflicht

Knieet weinend nieder.

Auf die Betrübten schaut voll Gnade

Der Vater, der im Himmel thront,

Der den Gehorsam seiner Kinder

Mit reichem Segen huldvoll lohnt.

Du, Mutter, nur kannst von mir wenden

Das Unheil, das mich schwer bedroht,

Nur Dein Gebet kann mich erretten

Vor furchtbar nahem, grausen Tod.

Wenn für ihr Kind die Mutter fleht,

Erhört der Himmel das Gebet.

Ich fühl’ es klar, Du, Vater droben,

Bist gnädig meinem heißen Fleh’n.

Ja! endlich werd’ ich meine Leiden

Nach langem Kampf geendet seh’n.

Ein Hoffnungsstrahl erglänzt mir wieder,

Der mild mein krankes Herz erquickt,

Und wieder scheint mit lichten Farben

Das Bild der Zukunft mir geschmückt.

Vierte Scene.

Chevreuse. Die Vorige. Dann Fiesko.

CHEVREUSE.

Er ist entflohen, und in kurzer Zeit

Wird er von Frankreich fern sein.

MARIA.

(Gott, ich zitt’re!)

DIENER eintretend.

Der Schützen Hauptmann.

MARIA erschreckend.

(Weh, mir naht der Tod!)

CHEVREUSE.

Warum erbebst Du? Richard ist gerettet.

Gegen die Thür.

Er möge kommen.

FIESKO.

Ihr Frau Herzogin,

Seid zu der Königin befohlen worden

Er geht.

MARIA mit schneller Bewegung.

Ich eile.

CHEVREUSE.

Werde ruhig erst Maria.

MARIA.

Und bin ich es denn nicht? … Doch mein Gemahl

Wenn Du es wünschest bleib’ ich noch.

CHEVREUSE.

Nein, nein!

MARIA sich entfernend.

(Die Erde stürzt vor meinen Schritten ein.)

Sie begegnet Fiesko, der sich verbeugt. Chevreuse sieht ihr mit Verwunderung nach.

Fünfte Scene.

In Uniform. Einige Schützen, die jenseits des Eingangs stehen bleiben. Der Vorige.

FIESKO.

Der Herr Minister hofft, Ihr werdet mir,

Des angeklagten Grafen Schutzort nennen;

Doch vor der Antwort, Herzog, les’t dies Blatt.

Ich werde warten.

Er giebt Chevreuse den Brief, an welchem das Bild befestigt ist, und zieht sich mit den

Schützen zurück.

CHEVREUSE, das Blatt entfaltend.

Richard’s Handschrift, wie!

Er lies’t.

»Vielleicht fall’ ich noch heute im Duell

Ich sterbe dann für Dich; die Nacht des Grabes;

Verhüllt auch meine Liebe dann zu Dir.

Beweine mich, doch nur im stillen Herzen;

Mein letztes Lebewohl, sagt Dir dies Blatt,

Von Deinem holden Bild begleitet.« –

Er öffnet die Schachtel, welche das Bild enthält.

Wie

Maria! – Sie – Sie wirklich! – ha! und Richard …

In letzt verfloss’ner Nacht … Abscheulich … nein

Ein Dämon täuscht mich … Ja! … ich zweifle noch;

Es kann nicht sein..

Er betrachtet das Bild von Neuem.

Und doch! … Sie ist es doch.

Im hellsten Glanz der Freuden Sonne

Schien mir das Leben reichgeschmückt,

Die Huld des Himmels gab mir gnädig,

Was hoch ein Menschenherz beglückt

Weh’ mir! mich täuschten Trug-gestalten,

Ein Wahn nur war mein flüchtig Glück,

Die ganze, schreckenvolle Wahrheit

Entschleiert heut sich meinem Blick! …

Der Tag scheint öde mir und traurig

In Dunkelheit der Nacht gehüllt.

Ein weites Grab scheint mir die Erde,

Von Gifthauch rings die Luft erfüllt.

Sechste Scene.

Fiesko. Der Vorige, dann der Diener.

FIESKO.

Nun?

CHEVREUSE.

Sprecht, was woll Ihr?

FIESKO.

Wißt Ihr es nicht mehr?

Ich fordre Antwort, Herzog.

CHEVREUSE.

Der Verräther

Ist längst entfloh’n … (Und Sie vielleicht! Ha! Sie …

Ist ihm gefolgt… Entsetzlicher Gedanke!)

Er klingelt, ein Diener tritt ein.

Die Herzogin erscheine. …

FIESKO.

Leere Sorge!

Aus dem Palast darf Niemand sich entfernen ..

CHEVREUSE.

(Ha! so wird doch der Rache Lust noch mein!)

FIESKO.

Lebt wohl! Der Graf wird aufzufinden sein.

Er entfernt sich eiligst.

CHEVREUSE zum Diener.

Erfülle mein Geheiß sogleich; geh! bitte

Daß hierher komme die Frau Herzogin.

Der Diener geht.

Es ist des Todes-Engels ernste Stimme

Die heut Dich zu mir ruft, Verrätherin!

In Dir hatt’ ich des Lebens Glück gefunden,

Du warst wir theu’rer als der Sonne Licht;

Warst theurer selbst mir als des Himmels Gnade,

Gott ist gerecht: mich trifft sein Strafgericht.

Und doch benetzt des feigen Mitleids Regung

Die Wimper mir mit einer Thräne Naß!

Ha! bald soll sie ein Blutstrom überfluthen,

Vergossen von der Rachbegier, vom Haß.

Er zieht sich zurück.

Siebente Scene.

Maria, der Diener, dann Chevreuse.

MARIA tritt näher, unsicheren Schrittes, bleich, mit verstörten Zügen.

Der Tod harrt meiner! …

CHEVREUSE tritt, ungesehen von Maria, welche sich im Vorgrunde befindet, ein; er hält einen

Dolch in der Rechten, seine Züge sind von Wuth entstellt.

Ha! die Ungetreue!

Da ist sie! … Wahrlich, leichter würd’ es mir

Den Dolch in meine eig’ne Brust zu stoßen.

Er wirft den Dolch von sich, schreitet vor, zwingt Maria sich neben ihn zu setzen, und gibt

dem Diener ein Zeichen sich zu entfernen. Maria blickt nach der Uhr.

Wie angstvoll Du dem Lauf des Zeigers folgst’

Ja! Du hast Recht, Maria, Deiner wartet…

Maria geräth in Verwirrung.

Die Königin…

MARIA.

(Ha! jedes seiner Worte

Und jeder Blick vermehrt noch mein Entsetzen.)

CHEVREUSE.

Was macht Dich beben in des Mannes Nähe

Der einst Dich heiß geliebt … noch Dich liebt

Mehr als ein sterblich Wesen … der Vertrauen

Dir ohne Maaß geschenkt.

MARIA.

Herzog! .. (ich zitt’re.)

CHEVREUSE.

Mit Schmach des Gatten Namen zu bedecken,

Ihn zu entehren! … furchtbar, grausenvoll

Ist der Gedanke; … doch erschreckt er nicht

Die pflichtvergess’ne Gattin; wird die Schande,

Durch die Du mich besteckt, je offenbar ….

So löscht nur Blut sie aus.

MARIA.

Halt ein! Halt ein! …

(O Gott! entsetzlich wird mein Schicksal sein.)

CHEVREUSE sich bezwingend und mit Hohn.

Ganz hab’ ich jetzt Dein schönes Herz verstanden,

Und Deine Treue ward mir klar genug;

Mit Kindes-Unschuld schmückst Du Deine Seele,

Du kennst nicht Lüge, Heuchelei und Trug.

Wem könnt’ ich wohl das Kleinod Deiner Ehre

So sicher anvertrau’n als Deiner Hut.

MARIA.

O mein Gemahl! … hör auf … laß Dich beschwören.

Aus Deiner Wunde quillt ein Strom von Blut.

CHEVREUSE wutherfüllt aufstehend.

Des Blutes mehr hab’ ich für ihn vergossen,

Mein Leben setzt’ ich für den Frevler ein! …

MARIA.

O werde ruhig! …

CHEVREUSE.

Ha! für solch ein Opfer

Wird nun zum Lohne Schimpf und Schande mein! …

Und das Geschick beschützt noch den Verräther,

Entzieht ihn der gerechten Rache Wuth …

MARIA.

Herzog! O Gott! …

CHEVREUSE.

Und ich sollt’ ihn nicht tödten,

Nicht kühlen meinen Zorn in seinem Blut? …

MARIA.

Entsetzlich! …

CHEVREUSE.

Ich soll nicht sein Herz zerreißen,

Sein falsches Herz, mit meiner eignen Hand?

Die Uhr schlägt.

MARIA wendet voller Entsetzen mit einem Schrei sich dem verborgenen Ausgange zu.

Ach!

CHEVREUSE.

Welch ein Schrei! Warum hast Du Dein Auge

So angstvoll jener Thür dort zugewandt?

Ha! welch ein Hoffnungsstrahl! … der Frevler! … sprich …

Gieb Antwort mir …

MARIA.

Erbarme. meiner. Dich!

Sie sinkt fast ohnmächtig zu Chevreus’s Füßen.

CHEVREUSE reißt Maria zur geheimer Thür fort.

Laß Beide uns nach jenem Ausgang blicken,

Laß seh’n, wer kommen wird durch jene Thür…

Dich, Heuchlerin macht sprachlos das Entsetzen,

Der Rache Wonne raubt den Athem mir.

MARIA.

O hör mich an … laß ab vom wilden Zorne.

Auf meinen Lippen stirbt des Flehens. Wort.

Nicht weiter weiter nicht vergeb’nes Hoffen.

Weh’! Weh’ mir! mich umringen Tod und Mord …

Achte Scene.

Der Ausgang öffnet sich. Chalais erscheint. Die Vorigen.

CHEVREUSE mit wilder Freude.

Ha!

MARIA.

Jetzt ist voll der Becher meiner Leiden.

CHEVREUSE.

Was führt in diese Mauern Dich zurück?

CHALAIS wirft seinen Degen von sich.

Die glühend heiße Sehnsucht nach dem Tode

Mein unversöhnlichzürnendes Geschick.

CHEVREUSE.

Gut wählst Du Deine Zeit.

MARIA zu Chalais.

Weh’ Aermster Dir!

Ein Blick des Herzogs macht Maria verstummen.

(Vor seinem Blick entweicht das Leben mir.)

Neunte Scene.

Der Diener. Die Vorigen.

DIENER.

Vernehmt, Herr Herzog, Bogenschützen dringen

In den Palast.

MARIA.

Weh’.

CHEVREUSE.

Richard, sei bereit,

Tod wird der nächste Augenblick Dir bringen,

Denk’ an den Himmel, an die Ewigkeit.

CHALAIS.

Mir ist es leicht ein Dasein hinzugeben,

Das mir verhaßt, so will ich selbst es gern ..

Im Begriff hinaus zu eilen.

CHEVREUSE, Chalais zurückhaltend.

Nicht von der Stelle! … Mir gehört Dein Leben …

Nur kurze Zeit noch halt die Schützen fern.

Zum Diener der sogleich abgeht.

CHALAIS.

(Was nun beginnen?)

MARIA.

Erde, schließ’ mich ein!

CHEVREUSE dringt Chalais ein Pistol auf.

Nimm! …

CHALAIS.

Wie!

CHEVREUSE deutet auf die Thür.

Hinaus!

MARIA.

Barbaren Ihr! .. Nein! .. Nein! .

CHEVREUSE.

Nur in der Brust die Todeswunde

Darfst Du verlassen diesen Ort;

Mir wahrlich, schlug die Sterbe-Stunde,

Zum blut’gen Kampfe fort denn, fort!

Wie heiß Dein Herz auch für ihn fleht,

Die Gottheit hört nicht solch’ Gebet.

CHALAIS.

Ich bebe nicht vor Deinem Wüthen,

Nein! stille Deine Rach-Begier;

Mir kann kein Glück das Dasein bieten,

Preis geb’ ich gern mein Leben Dir.

Auf! zög’re nicht! vergieß mein Blut;

Tod ist mir ein ersehntes Gut.

MARIA.

Ha! vor des grausen Kampfs Beginnen

Ich bitte, … ich beschwöre Dich …

Kann menschlich Fleh’n Dein Herz gewinnen …

So tödte aus Erbarmen mich.

Jetzt wär’ mir Leben Folterpein.

O Gnade … Gnade … Tod sei mein!

Man vernimmt Lärmen an der Thür des Hintergrundes. Chevreuse stößt Maria von sich, und reißt

Chalais zum Ausgange fort; bald darauf fallen zwei Pistolenschüsse. Chevreuse erscheint mit

verstörten Zügen und wuthfunkelnden Blicken. Maria sinkt ohnmächtig zu Boden.

Ende der Oper.

Gaetano Donizetti – Lucia von Lammermoor

Gaetano Donizetti

Lucia von Lammermoor

Tragische Oper in 3 Akten

Personen

Lord Heinrich Asthon

Miss Lucia, dessen Schwester

Sir Edgard von Ravenswood

Lord Arthur Buklaw

Raimunt Bidebent, Erzieher und Vertrauter der Lucia

Alisa, Lucia’s Freundin

Normann, Hauptmann der Reisigen von Ravenswood

Damen. Ritter. Verbündete Asthons. Bewohner von Lammermoor. Edelknaben. Reisige. Dienerschaft

Asthons

(Die Handlung geht in Schottland vor, theils im Schlosse von Ravenswood, theils im verfallenen

Thurme von Wolferag. – Zeit: gegen Ende des 16. Jahrhunderts.)

Erster Akt.

Garten

Erste Scene.

Normann und der Chor.

NORMANN. CHOR.

Auf, durchstreifet die nahen Gestade,

Der Ruinen verödete Pfade!

Fall’ des grausen Geheimnisses Schleier,

Es gebietet die Ehre, die Pflicht!

Leuchte Wahrheit im gräßlichen Feuer

Wie des Blitzes verzehrendes Licht.

Chor ab.

Zweite Scene.

Heinrich, Raimund, Normann.

NORMANN.

Dich quält Unruh’!

HEINRICH.

Wohl hab ich Ursach’ – Du weißt es,

Meines Schicksals Gestirne sind verdunkelt –

Indeß Edgard, der Todtfeind meines Geschlechtes

Hebt übermüthig nun die freche Stirne

Mit frechem Höhnen!

Nur eine Hand war’s, die mich schützen konnte

Vor meinem nahen Sturz, doch nein – Lucia

Stößt sie zurück mit eitlem Schmähen.

Nein – Schwester war sie mir niemals!

RAIMUND.

Betrübte Jungfrau, die innig mit bitteren Zähren

Um frischen Grabe geliebter Mutter weinet –

Denkt die an Hymen? O vergebt dem Herzen,

Das der Liebe entsagt, gebeugt von Schmerzen.

NORMANN.

Der Liebe entsagt! Lucia

Glüht von Liebe!

HEINRICH.

Ha! was sprichst Du?

RAIMUND.

O Wort!

NORMANN.

So höret! Einst wandelte sie dort im Haine

Auf jenem öden Pfad, der ihrer Mutter

Hülle umschließet, als unter wildem Brüllen

Auf sie ein Stier sich stürzet –

Doch durch die Lüfte fährt wie ein Donnerschlag

Ein Schwertstreich und hingestrecket

Fällt das Unthier.

HEINRICH.

Und wer hat es erschlagen!

NORMANN.

Der, dessen Namen ich nie nennen wollte –

HEINRICH.

Und Lucia?

NORMANN.

Sie liebt ihn!

HEINRICH.

Sah’ sie ihn wieder?

NORMANN.

Ja, täglich.

HEINRICH.

Und wo denn?

NORMANN.

In jenem Haine!

HEINRICH.

Ich glühe –

Und den Verführer kennst Du nicht?

NORMANN.

Nur Argwohn konnt’ ich schöpfen.

HEINRICH.

Ha rede!

NORMANN.

Es ist Dein Todtfeind!

RAIMUND.

O Himmel!

NORMANN.

Den Du verabscheust.

HEINRICH.

Und wär’ es möglich – Edgardo?

RAIMUND.

Ach!

NORMANN.

Den Du nanntest.

HEINRICH.

Grausam entflammt die Höllenwuth.

Die Du mir weckst im Herzen,

Zu schrecklich tobt schon mit wilder Gluth

Argwohn in meinem Herzen,

Der Rache Wuth ergreifet mich,

Es glüht in meiner Brust!

Ja, selbst die Schwester raubte mir

Meines Hauses Ehre!

Mag selbst der Tod sie treffen,

Eh’ sie die Schmach vermehre!

Mag selbst der Tod sie treffen.

Es wär mir größ’re Lust!

NORMANN.

Um Dich nicht entehrt zu sehen,

War grausam ich mit Dir.

RAIMUND.

O Himmel, hör’ mein Flehen,

Schütz, Du die Unschuld hier!

Dritte Scene

Vorige. Chor der Jäger.

CHOR.

Deine Zweifel sind entdecket!

NORMANN.

Hörst Du sie?

HEINRICH.

Erzählet!

RAIMUND.

O Himmel!

CHOR.

In das Gras dahin gestrecket,

Von dem langen Irren müde,

Lagen wir in jenem Theile,

Wo des Thurmes Gipfel hänget,

Als ein Mann in voller Eile

Todtenbleich vorübersprenget,

Als er näher uns gekommen,

Ward er gleich in’s Aug’ genommen;

Doch auf seines Rosses Rücken

Floh er pfeilschnell unsern Blicken,

Dennoch nannt ein Falkonierer

Uns des Unbekannten Namen –

HEINRICH.

Und welchen?

CHOR.

Edgardo!

HEINRICH.

Edgard! O Rache! Ja, ich schwöre!

Dir entgeht Dein Opfer nicht!

RAIMUND.

Ach nein! das glaube nicht! O höre!

HEINRICH.

Nur vergebens ist Dein Streben,

Mein Mitleid zu erfleh’n,

Meine Ehre will ich rächen,

Sollte ich auch untergeh’n.

Ha! Verweg’ne! Es konnt’ Euer Leben

Ja mein Grimm schon längs verdammen,

Und der argen Zwietracht Flammen

Lösch’ mit Eurem Blute ich!

RAIMUND.

Ach, welch’ schreckenvolle Sorgen

Nahen diesem Hause sich.

CHOR.

Glaube nur! am nächsten Morgen

Flieht er Deinem Grimme nicht.

Welche Schrecken, welche Sorgen

Nahen diesem Hause sich!

Alle ab.

Vierte Szene.

Park.

Lucia. Alisa.

LUCIA.

Jene Quelle, ach, nie

Kann ohne Furcht ich sehen, ach, ja, Du weißt es,

Ein Ravenswood –

Von falscher Eifersucht, hat dort die Gattin

Grausam ermordet, die Unglücksel’ge

Sank in die Wogen, und ruht

Noch dort im Wellengrabe;

Ja, mir erschien ihr Schatten.

ALISA.

Was sagst Du?

LUCIA.

So höre!

Im tiefem Schweigen lag die Nacht,

Umhüllte Berg’ und Haine!

Und traurig rieselte der Bach

Beim matten Mondenscheine.

Da bebt ein leiser Klageton

Bang durch die Lüfte hin;

Und aus des Baches Wellen sah ich

Den bleichen Schatten zieh’n.

Als wenn er spräche sah ich nun

Die Lippen sich bewegen,

Als wenn er winkte schien er mir

Die Todtenhand zu regen;

So stand er einen Augenblick

Und schwand dann schnell dahin,

Die Welle erst wie Silber rein,

Floß blutig nun dahin!

ALISA.

Deutlich, o Himmel liegt es hier am Tage,

Ahnungsvoll sind Deine Triebe:

Ach, Lucia, entsage

Einer solchen Unglücksliebe!

LUCIA.

Sie nun ist all mein Leben, mein Sehnen,

Durch sie der Himmel mein;

O sel’ge Wonnestunde,

Wenn er’ mit heißem Triebe

Zum ewgen Liebesbunde

Den Treueschwur mir weiht.

Vergessen sind die Leiden;

In süßen Freudenthränen

Fühl’ ich an seiner Seite

Des Himmels Seligkeit.

ALISA.

Ach, Deiner harren Stunden

Voll Qual und Herzeleid!

Fünfte Scene.

Edgard. Vorige.

EDGARD.

Lucia! Verzeihe,

Daß in so später Stunde

Dich zu sehen ich wünsche! Doch wisse:

Gründe dazu mich zwangen;

Schon der nächste Morgen mich führt

In ferne Lande!

LUCIA.

Was sagst Du?

EDGARD.

Ich segle nach befreundeten Gestaden,

Wo es vergönnt mir ist,

Für Schottlands Wohl zu wirken.

LUCIA.

Und so in Thränen

Verläßt Du mich nun hier?

EDGARD.

Eh’ ich von Dir scheide,

Sehe mich Asthon, versöhnt will meine Rechte

Ich ihm noch reichen, als Friedensunterpfand

Ford’re ich Deine Hand.

LUCIA.

Ach, nein! Ach schweige!

Noch verhülle ein Schleier

Die Liebe uns’rer Herzen! –

EDGARD.

Ich verstehe! Der Verfolger

Des Hauses Ravenswood,

Der Feind meines Stammes ist zufrieden noch nicht.

Er tödtete den Vater,

Raubte mir mein altes Erbe, genug nicht

Was will er noch? was ist

Des Räubers Verlangen?

Soll noch mein Blut ihn laben?

Er mag es haben,

Denn er haßt mich! –

LUCIA.

Mäßige Deines Zornes Regen!

EDGARD.

Wuth und Rache in mir erstehen.

LUCIA.

Edgard! –

EDGARD.

Höre und bebe!

In des Todes düst’rer Klause,

Auf dem Grabe meines Vaters

Hab’ geschworen ich Deinem Hause

Ew’gen Haß! ja ew’gen Haß! –

Doch ich sah Dich und schnell entschwunden

War der Zorn, der mein Herz entflammte,

Es entfloh’n die Rachegeister,

Mild und sanft zog Liebe ein.

LUCIA.

O sei ruhig, schweige! schweige!

Jeder Laut kann Dich hier entdecken,

Siehst Du nicht, wie viel ich leide?

Soll mich tödten nicht der Schrecken?

Weichen mögen die anderen Triebe,

Dich entflamme nur die Liebe.

Und der Eid, den Du gesprochen,

Gelte nur der Lieb’ allein.

EDGARD.

Schwör’ hier mir als Gattin Treue,

Schwör’ es hier bei den ew’gen Strahlen!

Gott ja hört die heil’ge Weihe!

Mag sein Fluch auf den Meineid fallen,

Deinem Loose verein’ ich meines.

Ich bin Dein Gatte! –

LUCIA.

Und ich die Deine!

Unser Schicksal lenkt die Liebe!

EDGARD.

Unser Schicksal lenket Gott!

LUCIA UND EDGARD.

Unsrer Herzen reine Triebe

Kann verlöschen nur der Tod!

EDGARD.

Doch nun muß ich von Dir scheiden!

LUCIA.

Welche schreckenvolle Worte! –

Leite Dich des Himmels Segen! –

EDGARD.

Dir nur schlägt mein Herz entgegen! –

LUCIA.

Mögen öfters ein’ge Zeilen

Kunde mir von Dir ertheilen,

Und das halb entfloh’ne Leben

Nähret Hoffnung immerhin! –

EDGARD.

Diener werd’ ich stets gedenken.

Ja, Dein Bild folgt überall!

LUCIA. EDGARD.

Zu Dir wird meine Seufzer

Der leise Zephyr tragen.

Es wird der Welle Rauschen

Dir künden der Liebe Klagen,

Dir sagen, wie ein treues Herz

Erliegt dem schweren Gram;

Dann drück’ von einer Thräne feucht

An’s Herz dies theure Pfand.

EDGARD.

O Lucia! Ich scheide!

LUCIA.

Leb’ wohl denn! –

EDGARD.

Erinn’re Dich! Uns bindet ein Eid!

LUCIA.

Leb’ wohl! –

Ende des ersten Aktes.

Zweiter Akt

Saal.

Erste Scene.

Lucia. Heinrich.

HEINRICH.

Dich glaubt’ ich heit’rer an diesem Tag’ zu sehen,

An diesem Tag’, wo Hymens gold’ne Fackel

Entzündet für Dich ist, Du sieh’st und schweigest –

LUCIA.

Jene kalten Todesschauer,

Die mein Antlitz so bleich umschweben,

Sagen Dir in ew’ger Dauer,

Du bist Ursach an meinem Schmerz.

Möge Gott Dir dann einst vergeben

Dein unmenschlich hartes Herz.

HEINRICH.

Deine Liebe, Dein Vermessen

Machte mich so zum Tyrannen,

Doch dies Alles sei vergessen,

Ja, es spricht Dir Dein Bruder zu.

Ich konnte meinen Zorn verbannen,

Bann’ die schnöde Liebe auch Du!

Arthur’s gedenke!

LUCIA.

Schweige, o schweige!

Einem Andern schwur ich schon Treu’.

HEINRICH.

Nein, Du kannst nicht! –

LUCIA.

O Heinrich!

HEINRICH.

Genug!

Dies Schreiben wird Dir sagen

Wie unwürdig Du gewählet.

Lies dann!

LUCIA.

Ach, mir bricht das Herz! –

HEINRICH.

Ha, Du sinkest! –

LUCIA.

Weh mir Armen! –

Ach, schon tödtet mich der Schmerz! –

Ich litt’ in Thränen, ich schmachtete in Schmerzen,

Mein Leben, mein Hoffen, gestützt auf ein Herz,

Ich fühle mein Ende, schon nahet es sich,

Dies Herz voller Tücke verleugnete mich.

HEINRICH.

Du trautest mit Leichtsinn dem trugvollen Herzen,

Versetztest die Deinen in Schande und Schmerzen!

Der zürnende Himmel, schon rächte er sich,

Dein Herz voller Tücke verleugnete Dich! –

LUCIA.

Was hör’ ich?

HEINRICH.

Hörst Du? im Jubelton

Schallet das Ufer!

LUCIA.

Weswegen!

HEINRICH.

Dein Bräutigam nahet!

LUCIA.

Wie schauerlich fühl’ ich ein inneres Regen.

HEINRICH.

Es harret schon das Brautbett für Dich.

LUCIA.

Das Grab, ja das Grab, es harret schon meiner.

Dunkle Nacht hüllt mich ein.

HEINRICH.

Höre! Todt ist nun Wilhelm, und sicherlich

Besteigt den Thron nun Maria!

Und die Partei, der ich getreu,

Liegt nun im Staube knieend.

LUCIA.

Ach, ich bebe!

HEINRICH.

Vor meinem Fall

Arthur nur kann mich retten –

Ja, er nur!

LUCIA.

Und ich dann?

HEINRICH.

Mich retten mußt Du!

LUCIA.

O Heinrich!

HEINRICH.

Komm nun zu Arthur!

LUCIA.

O Gott!

HEINRICH.

Könntest Du mich hintergehen,

Dann ist Alles preisgegeben,

Ehre raubst Du mir und Leben,

Giebst dem Henkerbeil mich hin.

Ja, Du wirst im Traum mich sehen,

Wenn ich bleich und blutig Dir erscheine,

Und der Stahl vom Blut geröthet,

Schwebe immer vor Deinem Sinn.

LUCIA.

Du, der jede Thräne zählet,

Der Du liesest in diesem Herzen,

Wenn ich nicht in meinen Schmerzen

Ganz von Dir verstoßen bin:

Nimm, Allmächt’ger, nimm mein Leben,

Das nur Thränen gab und Klagen,

Nein, ich kann’s nicht länger tragen,

Nimm, o Tod, die Qual von mir.

Heinrich ab.

Zweite Scene.

Heinrich. Arthur. Normann. Ritter und Damen. Anverwandte des Asthon. Pagen. Bewaffnete.

Bewohner von Lammermoor. Diener.

CHOR.

Für Dich im frohen Jubelklang

Laut tönen Burg und Säle! –

Durch Dich erfüllt nach langem Harm

Hoffnung nun uns’re Seele.

Freundschaft ist’s, die Dich führet,

Liebe, sie leite Dein Herz,

Wie Stern’ bei düsterem Himmel,

Wie Lächeln unter Schmerz.

ARTHUR.

Verschwunden nur auf kurze Zeit

War Euer Stern im Dunkeln,

Durch mich soll er in Herrlichkeit

In voller Schönheit funkeln.

Reich’ mir die Hand zum Pfande,

Komm, Heinrich, an mein Herz,

Von unserm Freundschaftsbande

Entfliehet Noth und Schmerz. –

Wo ist Lucia? –

HEINRICH.

Bald werden wir

Bei uns sie seh’n. – Wenn ja

Zu traurig sie erschiene,

O dies befremde Dich nicht,

Der Mutter Tod betrübte

Sie, die sie innig liebte.

ARTHUR.

Lös’ einen Zweifel! –

Edgard, hieß es, wollt’ es wagen,

Mit Frechheit ohne Gleichen

Von Liebe ihr zu sagen,

Der Verwegene!

HEINRICH.

Er that es –

Doch Lucia, sie –

CHOR.

Sieh’ da, es nahet Lucia! –

Dritte Scene.

Lucia. Raimund. Vorige.

HEINRICH.

Sieh’ da, Dein Bräut’gam! – Unsel’ge! –

Willst Du mich stürzen?

LUCIA.

O Himmel. –

ARTHUR.

Meine Theure, hör’ meine Schwüre an,

Der reinsten wärmsten Liebe.

HEINRICH.

Vollzieh’n wir nun den Ritus! Tritt näher.

ARTHUR.

Süße Worte! –

LUCIA.

Ich gehe nun hin zum Opfer! –

RAIMUND.

Tröste, o Gott, die Arme!

HEINRICH.

So säume nicht, schreibe!

LUCIA.

So sei es denn! –

Es ist gescheh’n! – Ich Arme! –

HEINRICH.

Ich athme!

LUCIA.

Ich starre und glühe, ich sinke! –

CHOR.

Was geschieht? – Wer nahet? –

Vierte Scene.

Edgard und Diener. Vorige.

EDGARD.

Ich Edgard! –

ALLE ANDERE.

Edgardo! –

LUCIA.

Edgardo! O Todesstreich! –

CHOR.

Edgardo – welcher Schreck!

HEINRICH.

Wer kennt mich in meinem Grimme,

Meine Hand dies Schwert schon faßte:

In mir regt sich eine Stimme

Für die arme halb Erblaßte –

Meine Schwester! durch mein Streben!

Schwebt sie zwischen Tod und Leben!

Ach, wie mir im Innern wühlet

Der Gewissensbisse Schmerz!

EDGARD.

Welch Gefühl mit mächt’gem Streben

Ringt in meinem heißen Grimme!

Ihre Qualen, des Busens Beben

Zeigen ihrer Reue Stimme.

Ach, getrennt sind alle Bande,

Und sie steht am Grabens-Rande.

Hast Du auch den Schwur gebrochen,

Muß ich dennoch lieben Dich –

LUCIA.

Ach, ich hoffte, daß mein Leben

Schon ein Raub des Schreckens würde;

Doch der Tod, taub meinem Streben,

Lös’t mich nicht von dieser Bürde.

Ja, die Binde ist gefallen,

Seh’ betrogen mich von Allen;

Könnt’ ich Thränen nur erwecken,

Weinend lindernd meinen Schmerz.

ARTHUR. RAIMUND. CHOR.

Worte kann ich vereinen,

Um zu schildern meinen Schrecken;

Finst’re Unglückswolken scheinen

Heut’ der Sonne Strahl zu decken.

So wie Rosen welkend beben,

Schwebt sie zwischen Tod und Leben;

Wer für sie nicht Mitleid fühlet,

Hat fürwahr ein steinern Herz.

HEINRICH. ARTHUR. RITTER.

Eile fort aus diesen Hallen,

Sonst mußt Du durch’s Schwert hier fallen.

EDGARD.

Sterben will ich, doch soll fließen

Nicht allein mein Herzensblut.

RAIMUND.

Gebet Gott, dem Höchsten, Ehre!

Stecket Eure Schwerter ein! –

Ich gebiet’s in seinem Namen,

Sucht sein Beispiel nachzuahmen,

Friede! Friede! Seine Gnade

Haßt den Mörder, die Schrift sagt’s rein:

Wer durch’s Schwert dem Nächsten schadet,

Soll durch’s Schwert gerichtet sein!

HEINRICH.

O Verweg’ner! wer führte Dich

In diese Mauern?

EDGARD.

Mein Verhängniß!

Meine Rechte! –

Ja, Lucia schwur den Eid der Treue mir!

RAIMUND.

O leist’ Verzicht auf diese Liebe,

Sie ist vermählt!

EDGARD.

Vermählt schon? Nein! –

RAIMUND.

Sieh’ dann! –

EDGARD.

Zittre! – Ha, erkläre! –

Dies Deine Züge? – Wohlan, so rede!

Deine Hand ist’s? –

LUCIA.

Ja!

EDGARD.

Das Pfand der Treue nimm hier zurück!

Gieb das meine! –

LUCIA.

So höre! –

EDGARD.

Gieb es mir zurück! –

Ha, Verrätherin an Liebe und Glück!

Ha, verfluchet sei jene Stunde,

Wo vereint zum Liebesbunde,

Ich vergaß, was meiner Ehre,

Meinem Stamm ich schuldig bin.

Des Himmels Rachezorn entflamme,

Dich zu strafen! –

HEINRICH. RAIMUND. CHOR.

Er wagt es hier! –

HEINRICH UND CHOR.

Fort, entfliehe den tödtlichen Streichen,

Noch vermagst Du von hier zu entweichen!

Doch der Zorn, der im Herzen uns lodert,

Holet, Verräther, im Kurzem Dich ein!

Ja der Schandfleck, der Rache erfordert,

Wird mit Blute gerächet einst sein! –

EDGARD.

Nun, wohlan, den tödtenden Streichen

Seht die Brust mich frei und furchtlos reichen!

Und es schreite nun über die Leichen

Hin die Braut in den festlichen Saal!

Blutgeröthet die schöne Hand sie reiche

Dort dem Mörder in freudiger Wahl! –

LUCIA.

Schütz’ ihn Gott in so schrecklicher Stunde,

Hör’ die Bitte aus bebendem Munde

Einer Armen versunken in Schmerzen,

Die auf Erden nicht glücklich kann sein.

Hör’ dies Flehen vom sterbenden Herzen,

Du kannst helfen, ja Du nur allein.

RAIMUND.

Unglücksel’ger entflieh’ den Gefahren,

Such’ Dein Leben und Dich zu bewahren;

Lebe, ja die Zeit, sie heilt alle Wunden.

Suche, auch für Dich wird Hülfe noch sein.

O wie oft, nach traurigen Stunden,

Stellt sich die Zufriedenheit ein!

Ende des zweiten Aktes.

Dritter Akt.

Ländliches Zimmer.

EDGARDO.

Gräßlich ist dieser Abend

Wie mein Geschick entsetzlich;

Ja, brüllt o Donner!

Ihr Blitze kreuzt euch fürchterlich!

Zerrüttet sei jedes Werk der Schöpfung,

Das Weltall sinke.

Wenn ich nicht irre,

Hör’ ich Tritte nahen.

Ja, ‘s ist ein Roß!

Jetzt hält es!

Wer ist’s, der trotz des Wetters,

Wo Elemente kämpfen,

Sich meiner Burg kann nahen?

ASTHON.

Ich bin’s!…

EDGARDO.

Welche Kühnheit!

Asthon! hier kannst Du’s wagen

Dich zu zeigen trotz meiner Rache?

ASTHON.

Daß ich’s that, wirst Du beklagen!

EDGARDO.

Beklagen?

ASTHON.

Warst Du unter meinem Dache?

EDGARDO.

Hier, wo sich nach Rache sehnend

Meines Vaters Geist noch weilet,

Droht Dir Tod entgegen gähnend,

Wo Dein Fuß, auch immer weilet,

Ueber diese Schwelle schreitend,

Beben sollest Du fürwahr;

Wie, wer in den Abgrund gleitend,

Schaudernd bebt vor der Gefahr.

ASTHON.

Wisse, alles ward vollstrecket

Ja Lucia ist vermählet!

EDGARDO.

Wie er Eifersucht erwecket,

Und durch Spotten mein Herz noch quälet.

ASTHON.

Ja vermählet schon…

EDGARDO.

Mein Herz noch quälet!…

Und dann?…

ASTHON.

So höre. Laut ertönten alle Säle

Von der frohen Hochzeitfeier,

Stärker doch in meiner Seele

War der Rache lodernd Feuer.

Hierher wie vom Sturm gehoben,

Führt mich ihre wilde Gluth

Und der Elemente Toben,

Mischte sich mit meiner Wuth.

EDGARDO.

Von mir was willst Du?

ASTHON.

So höre mich.

Strafend die Schmach der Meinen

Ist schon das Racheschwerdt bereit;

Richtend Dir zu erscheinen,

Dich tödtet kein Anderer, o nein!

Du fällst durch mich, durch mich allein.

EDGARDO.

Ja meinem Vater schwur ich es

Das Herz Dir zu durchbohren.

ASTHON.

Du? Sprich wann?

EDGARDO.

Wann?

ASTHON.

Der nächste Morgen

Sei zur Rache auserkohren!

An dem Begräbnißort,

Der Ravenswood.

EDGARDO.

Ich komme!

ASTHON.

Es ist Dein sicherer Todesgang.

EDGARDO.

Dort find’st Du Deinen Tod!

ASTHON.

Am nächsten Morgen.

EDGARDO.

Am nächsten Morgen.

BEIDE.

Auf eile, o Sonne!

Beleuchte vom Himmel

Im blutigen Glanze,

Das Waffengetümmel!

Beleuchte die Oede,

Die furchtbare Fehde,

Des tödtlichen Hasses,

Der furchtbarsten Wuth.

Gehen ab.

Zweite Scene.

Saal.

Bewohner von Lammermoor. Ritter.

CHOR.

Im frohen Jubelklang

Jauchzet, Ihr Brüder! –

Laut tönt’ die Freude

In Schottland nun wieder.

Wisse der Feinde Schaar,

Daß wir beglücket,

Daß uns gewogen

Die Sterne noch sei’n!

Daß uns die Furcht fürwahr

Nimmer bedrücket

Freundschaft und Liebe

Schützt den Verein.

Dritte Scene.

Raimund. Vorige.

RAIMUND.

Schweige die Lust in jedem Munde!

CHOR.

Wie Dich die Todtenblässe deckt!

Gott, was bringst Du?

RAIMUND.

Schreckenskunde.

CHOR.

Ha, Du machst uns starr vor Schreck!

RAIMUND.

Aus des Brautpaares heimlichen Zimmer,

Wo vor Kurzem hin sie gingen,

Hört’ ich deutlich ein Klag’gewimmer

Wie ein Sterberöcheln dringen!

Eilends trat ich in jene Kammer,

Ha, wer schildert meinen Jammer,

Gräßlich lag dort in seinem Blute

Todt Arthuro dahin gestrecket,

Und Lucia mit wildem Muthe

Hielt sein Schwert, vom Blut beflecket.

Lächelnd that sie mir die Frage:

Ha, wo ist denn mein Bräut’gam, sage –

Und in ihrem starren Blicke

Zeigt sich ihr verwirrter Sinn:

Unglückseliges Geschicke!

Ihr Verstand, er ist dahin! –

CHOR.

O schweres Unglück, ach welchen Schrecken

Muß dies Ereigniß in uns erwecken!

O Nacht mit deiner so dichten Hülle

Sei Du der Schreckensscene Grab, –

O komm nur ja nicht in seiner Fülle

Des Himmels Strafe auf uns herab. –

HEINRICH.

Da ist sie!

Vierte Scene.

Lucia. Die Vorigen.

CHOR.

Gerechter Himmel! sie scheint vom Tode erstanden!

LUCIA.

O süße Töne!

Ich vernahm seine Stimme! Ach, jene Stimme

Stieg mir in’s Herz hernieder,

Edgard, Du hast mich wieder!

Entflohen bin ich Deinen Feinden – ein Schauder

Rieselt kalt mir durch das Herz – durch alle Glieder.

Mein Fuß wankt, hier bei der Quelle setz’ Dich

An meine Seite. – O weh! der blutige Schatten

Erbebt sich, um uns zu scheiden!

Hier am Altar, Edgard, wird er uns meiden?

Siehst Du die Rosen? des Himmels Harmonieen

Hörst Du ertönen! Ach, lieblich

Klingen die Hymnen, der Ritus beginnt schon –

O welche Freude – o Wonne, die man fühlet,

Und nicht beschreibet.

Schon glimmt der Weihrauch

Schimmern die heiligen Kerzen,

Im Altarkleide naht schon der Priester,

Reiche mir die Rechte. O Tag der Freude!

Endlich bin ich Dein! Du bist der Meine.

Wir sind auf immer vereint.

Der Erde höchste Wonne

Sei mir mit Dir beschieden,

Ein Himmel sei hienieden

Für uns des Lebens Bahn.

RAIMUND. CHOR.

In dieser Schreckenslage

Nimm, Herr! Dich ihrer an!

RAIMUND.

Es nah’t Heinrich!

Fünfte Scene.

Heinrich. Vorige.

HEINRICH.

Sage mir:

Ist wahr die Schreckenskunde?

RAIMUND.

Wahr – nur zu wahr.

HEINRICH.

Ha, Falsche, Du? Die Strafe folgt zur Stunde.

RAIMUND. CHOR.

Halt ein!

RAIMUND.

O Himmel! siehst Du nicht ihre Lage?

LUCIA.

Was willst Du?

HEINRICH.

Ha! todtenbleich!

LUCIA.

O wehe mir!

RAIMUND.

Ihr Sinn hat sie verlassen.

HEINRICH.

O Himmel!

RAIMUND.

Zitt’re, o Bösewicht! durch Dich muß sie erblassen!

LUCIA.

Blick mich nicht an so schrecklich!

Ich unterschrieb wohl treulich –

Ha, fürchterlich in seiner Wuth

Tritt er den Ring mit Füßen!

Er fluchet meiner! ach, alles dies

Läßt mich ein Bruder büßen.

Doch treu blieb ich dem Schwure,

Wen willst Du nennen? Arthur?

Höre mich! verzeih, Edgard!

CHOR.

O Nacht voll Schreck und Grauen!

LUCIA.

Ich steh’ am Rand des Grabes,

Netze mit meinen Thränen

Doch meine Erdenhülle,

Im Himmel ist mein Wille

Zu beten dann für Dich.

Nur einst mit Dir vereinet –

Ergötzt der Himmel mich!

RAIMUND. CHOR.

Wer hier vor Schmerz nicht weinet,

Ist fühllos sicherlich!

HEINRICH.

Reue mit Schmerz vereinet

Nagt tief im Herzen mir.

Alle ab.

Sechste Scene.

Die Gräber der Ravenswood.

EDGARD.

Ihr Gräber meiner Ahnen! Euch nahet der Letzte

Von dem unglücksel’gen Stamme!

Nehmt ihn zu Euch nun auf! Es ist erloschen

Des Grimmes Flamme. Schutzlos will ich stellen

Mich meines Gegners Schwerdt. Zur Last geworden

Ist mir das Leben! Eine Wüste ist es ohne sie,

Eine Wüste diese Erde!

Vom Festesglanz die Fenster

Festlich noch strahlen – doch schweiget

Schon Musik in den Hallen.

O Undankbare! –

Während hier ich klage, und mich Verzweiflung fasset

Wirst Du in Wonne lachen –

An der Seite des Gatten,

Du träumst nur Entzücken, ich nur vom Grabe!

An tiefer Trauerstätte

Verfallen dem Geschicke,

Weil’ ich mit schwerem Herzeleid

Und thränenfeuchtem Blicke.

Hin ist nun meine Lebenskraft,

Beben fühlt meine Brust.

Gebrochen hast Du grausam

Den Eid der treuen Liebe,

Konnt’ ich auf der Erde nicht

Mitleid von Dir erflehen,

Verachte meine Asche nicht,

Ich sterbe ja für Dich!

Siebente Scene.

Bewohner von Lammermoor. Vorigen.

CHOR.

Ach, die Arme! O Mißgeschick!

O es ist um sie geschehen!

Ihre starren Schmerzesblicke

Werden nicht den Morgen sehen!

EDGARD.

Ach, erklärt, wem gilt die Klage?

Ach, so redet, saget mir,

Was ist gescheh’n?

CHOR.

Ach, Lucia!

EDGARD.

O Himmel! redet weiter!

CHOR.

Ja, die Arme eilt von hinnen –

Flieht aus diesem Weltgetümmel,

Liebe raubte ihre Sinnen,

Schon fühlt sie des Todes Bangen,

Nur nach Dir steht ihr Verlangen!

EDGARD.

Ach, Lucia! Todt Du! –

CHOR.

Die Sterbeglocke tönet!

Ruh’ in Frieden! –

EDGARD.

Mein Geschick ist nun entschieden!

Hat der Tod uns auch geschieden

Soll vereinen er uns auch!

CHOR.

Sammle früher Deine Sinne

Und gieb unserm Rath Gehör! –

Letzte Scene.

Vorige. Raimund.

RAIMUND.

Armer, was ist Dein Beginnen?

Deine Lucia ist nicht mehr!

EDGARD.

Und seh’n soll ich sie nicht? Ach Lucia! –

Engel, Du im Strahlenkleide,

Der entschwebt zur ew’gen Freude,

Neige Dich versöhnt hernieder,

Gieb zu sterben mir die Kraft,

Menschenhaß hat sich vergangen.

Schwer an Liebe und an Treue,

Doch bei Dir in heil’ger Weihe

Schwindet Gram und alles Leid. –

Ja, ich folge Dir!

RAIMUND.

Unbesonn’ner!

CHOR.

Was thust Du?

RAIMUND.

Ha, Entsetzen!

RAIMUND UND CHOR.

O welch’ schreckensvolle Scene!

Gott, vergieb ihm dies Vergehen.

Ende der Oper.

Gaetano Donizetti – Don Pasquale

Gaetano Donizetti

Don Pasquale

Komische Oper in drei Akten

Personen

Don Pasquale, ein alter Junggeselle, altmodisch, geizig, leichtgläubig, eigensinnig, im Grunde

ein guter Kerl (Baß)

Doktor Malatesta, Arzt, ein findiger Kopf, zu allen Scherzen gern aufgelegt,

unternehmungslustig (Bariton)

Ernesto, Neffe des Don Pasquale, jung, glücklicher Liebhaber von Norina (Tenor)

Norina, eine junge Witwe, sprunghaftes Naturell, unfähig Widerspruch zu ertragen, aber

aufrichtig und gefühlvoll (Sopran)

Ein Notar, verkleideter Freund Malatestas (Baß)

Ein Haushofmeister. Mehrere Bediente und Mägde. Eine Putzmacherin. Ein Friseur

Ort und Zeit der Handlung: Rom um 1750

Ouvertüre

Erster Akt

Saal im Hause Don Pasquales

Haupttüre im Hintergrunde, zwei Seitentüren nach den anderen Zimmern. Es ist Tag.

Erster Auftritt

Don Pasquale allein. Dann Malatestas Stimme.

Nr. 1. Introduktion

DON PASQUALE sieht ungeduldig auf die Uhr.

Schon um neune! Ach, der Doktor

könnte endlich wiederkommen!

Horch … mir scheint … er ist es … Unsinn!

‘s war im Garten nur der Wind.

Welch ein Pillchen, mein Herr Neffe,

geb’ ich Eurem Mund zu beißen,

und ich will Don Schafskopf heißen,

zeig’ ich Euch nicht, wer wir sind!

MALATESTA von draußen.

Ist’s erlaubt?

DON PASQUALE.

Nur näher, näher!

Zweiter Auftritt

Don Pasquale. Doktor Malatesta.

PASQUALE ängstlich.

Habt Ihr?

MALATESTA.

Ruhe! Haltung! Würde!

PASQUALE.

Mich zerquetscht der Sehnsucht Bürde …

Habt Ihr eine?

MALATESTA.

In der Tat!

PASQUALE.

Dank dem Himmel!

MALATESTA für sich.

O der Trottel! O Pasquale!

Laut.

Hört mich mit gespannten Ohren!

Eine, die für Euch geboren,

nur für Euch, Don, ganz allein!

PASQUALE.

Sprecht, ich bin nur noch zwei Ohren,

selig, stumm, ein Bild von Stein.

MALATESTA.

So höret!

Nr. 2. Romanze

MALATESTA.

Schön wie ein holder Engel,

hierher gesandt zur Erde,

und wie die Lilie keusch und rein,

kurz, eine ganz Verklärte.

Blicke voll ros’gem Lachen,

Blicke, die selig machen,

lächelnde, ros’ge Lippen

und wie Ebenholz das Haar.

PASQUALE.

Wie? Meine Frau das? O welch ein Glück!

Ach, Doktor, Doktor! Ist’s auch wahr?

MALATESTA.

Unschuldig wie ein Engel,

fremd allen bösen Trieben,

bescheiden wie ein Veilchen

und anmutig zum Verlieben.

Mildtätig mit den Armen,

voll Güte und Erbarmen;

Gott schuf es Euch zum Lieben,

dies Wesen wunderbar!

Rezitativ

PASQUALE.

Familie?

MALATESTA.

Fein, vermögend!

PASQUALE.

Der Name?

MALATESTA.

Wie der meine.

PASQUALE.

Verwandt mit Euch am Ende?

MALATESTA.

Ein bißchen, ja … entfernt …

PASQUALE.

O, was Ihr saget!

MALATESTA.

‘s ist meine Schwester!

PASQUALE.

O Freude! Das macht mich doppelt froh.

Wann darf ich sie sehen?

MALATESTA.

Nun … morgen um die Abendzeit.

PASQUALE.

Erst morgen? Nein, heute! Heute!

Ich will sie gleich betrachten.

MALATESTA.

Erst noch ein wenig schmachten!

Es tut Euch gut, bewegt das Blut.

Bald kommt sie zu Euch her.

PASQUALE.

Wahrhaftig?

MALATESTA.

Zähmt das heiße Blut!

Ich bringe sie Euch her.

PASQUALE.

O Lieber!

MALATESTA.

Doch höret mich …

PASQUALE.

Geht, ich bitte.

MALATESTA.

Doch … hört!

PASQUALE.

Beflügelt Eure Schritte

und holt sie gleich mir her!

Hält ihm den Mund zu und treibt ihn fort.

Dritter Auftritt

Don Pasquale allein.

Nr. 3. Kavatine

PASQUALE.

Ein Feuer, Feuer,

es brennt mich, brennt mich,

auswendig, inwendig,

in Herz und Hirne.

Alter vergangen,

Jugend kam her.

Grad, als ob zwanzig,

zwanzig ich wär’!

Du Holde, komme doch,

süße Gemahlin!

Von Mädchen, Buben

fühl’ ich mich Vater.

Ich seh’ sie springen,

höre sie schrein,

woll’n mit mir spielen

und lustig sein.

Neues Leben!

Komm heran nun, mein Herr Neffe!

Mit Euch rupf’ ich ein Hühnchen,

sobald ich Euch treffe …

Da ist er schon!

Vierter Auftritt

Don Pasquale. Ernesto.

Rezitativ

PASQUALE.

Kommst eben recht.

Wollt’ dich grade rufen lassen.

Bitte, bitte!

Will dir keine Rede halten,

nur ganz kurz möcht’ ich fragen.

Also höre!

Ist’s wahr oder nicht wahr,

daß ich jetzt vor acht Wochen

dir ein Mädchen ohne Tadel

anbot, reich, schön, von Adel?

ERNESTO.

Es ist wahr.

PASQUALE.

Und versprach ich dir nicht weiter

‘ne Rente noch dazu und nach meinem Tode,

was ich besitze?

ERNESTO.

So ist es.

PASQUALE.

Ferner droht’ ich

im Falle des Trotzes

dich zu enterben und nötigen Falles

noch mich selbst zu vermählen.

ERNESTO.

So ist es.

PASQUALE.

Wohlan denn!

Ich biete dir noch einmal

wie vor acht Wochen

die Gattin an.

ERNESTO.

Ich kann nicht. Ach, nur Norina,

ihr gehört meine Liebe.

PASQUALE.

Wohl – doch sonst auch nichts.

ERNESTO.

Mit Respekt solltet Ihr lieber reden

von der Armut, rein und voll Tugend.

PASQUALE.

Du bist also entschlossen?

ERNESTO.

Unwiderruflich fest.

PASQUALE.

Nun gut, so such dir

auf der Stell’ eine Wohnung!

ERNESTO.

So wollt Ihr mich verjagen?

PASQUALE.

Dein Trotz und Ungehorsam,

er enthebt mich der Rücksicht.

Sorg’ für dich selber künftig.

Ich nehm’ mir ‘ne Frau!

Nr. 4. Duett

ERNESTO. Ihr – ‘ne Frau?

PASQUALE. Ja, mein Herrchen.

ERNESTO. Ihr?

PASQUALE. Wie ich jetzo vor dir stehe.

ERNESTO. Ach, entschuldigt mein Erstaunen.

PASQUALE.

Ich bin verlobet.

ERNESTO.

Welche Tollheit!

Ihr seid verlobet?

PASQUALE.

Ich sag’s zum zweiten Male:

Aus Cornato Don Pasquale,

Hausbesitzer, hier zuständig,

an Seel’ und Leib lebendig,

hat die hohe Ehr’ dir anzuzeigen,

daß er sich vermählen will.

ERNESTO.

Ihr macht Witze!

PASQUALE.

Witze? Ihr irrt Euch!

Zwar bin ich nicht mehr ein Knabe,

doch da gut gelebt ich habe,

ist mir Kraft und Saft geblieben.

Drum, Herr Neffe, mag’s belieben,

seht mein Haus von draußen an!

ERNESTO.

Weh, ich bin vom Glück vertrieben,

ach, mein Gott, was fang’ ich an?

Traum in Nacht und Tagen,

nun bist du hingeschwunden.

Ich muß dem Glück entsagen,

eh ich es ganz gefunden.

Arm und verlassen,

verstoßen ins bittre Elend,

eh ich dich elend mache,

Teure, entsag’ ich dir!

PASQUALE.

Ein Querkopf, nicht zu sagen!

Der Bursche ist aus Eisen!

So mag er’s denn auch tragen,

ich will es ihm beweisen.

Er hat es selbst verschuldet,

und was er nun erduldet,

mir soll er es nicht klagen, –

ist selber daran schuld!

ERNESTO.

Noch zwei Worte, Onkel, bitte!

PASQUALE.

Steh’ zu Diensten.

ERNESTO.

Einer kann allein sich irren,

rätlich scheint, sich Rat zu holen,

und der Doktor Malatesta

ist ein Mann von Ernst und Würde.

PASQUALE.

Richtig, richtig!

ERNESTO.

Fragt ihn, Onkel, doch.

PASQUALE.

Ist auf’s schönste schon geschehen.

ERNESTO.

Widerriet er?

PASQUALE.

Nein, ganz und gar nicht,

gratulierte voll Entzücken.

ERNESTO.

Gratulierte?

PASQUALE.

Hör mich, komm, ich sag’ dir mehr.

Sie … nun spitz die Ohren, Bester!

Sie … doch still … ist seine Schwester!

ERNESTO.

Seine Schwester? Laßt das Scherzen! Seine Schwester?

PASQUALE.

Seine Schwester!

ERNESTO.

Malatestas?

PASQUALE.

Malatestas!

ERNESTO.

Verräter, dem ich glaubte!

Wo ist die Geliebte?

Schicksal, das mich beraubte,

ach, ende diese Pein!

Was soll ich weiter leben,

rings nur von Leid umgeben?

Du nahmst mir die Geliebte,

so nimm mir auch das Sein!

PASQUALE.

Der Hieb hat gut gesessen.

Nun wird das Herrchen kirre,

hat seinen Witz vergessen,

steht da als wie von Stein.

Doch recht geschieht dem Knaben,

er wollt’s nicht anders haben

und wird, wenn ich nicht irre,

künftig vernünftig sein.

Sie gehen ab.

Verwandlung

Zimmer im Hause Norinas

Fünfter Auftritt

Norina tritt in einem Buche lesend ein. Später ein Diener.

Nr. 5. Kavatine

NORINA lesend.

»O diese Glut in Blicken,

Vorgeschmack vom Paradies,

daß sich der Held voll Entzücken

wonnig besiegen ließ

und in die Kniee niedersank

und ewige Liebe schwor.«

Sie legt das Buch weg.

Ich kenn’ den tiefen Zauber

von einem Blick zur rechten Zeit,

ich weiß, wie schnell ein Herz entbrennt

in bittersüßer Seligkeit.

Der Blicke schnelle Grüße,

heimlicher Tränen Süße,

ich kenne sie und kenne

die liebe Mattigkeit.

Ich kenne all die Wege

und zärtlichen Gehege

der Liebe, der Treue

und ihre Heimlichkeit.

Den Kopf voll Kapricen.

lieb’ ich nicht zu trauern,

bin nicht von den Sauern,

kenn’ nicht Trauerton.

Will mal überfließen

die Galle und quälen:

bis drei gilt’s zu zählen,

da lache ich schon.

Rezitativ

Und der Doktor nicht zu sehen?

Dies dumme Warten!

Vom Lügengewebe

gegen Freund Don Pasquale

hört’ ich nur allzu flüchtig;

so verstand ich nur wenig und warte.

Ein Diener tritt ein, übergibt ihr einen Brief und geht dann wieder.

Wie? Was? Ernesto? Ich zittre …

Sie liest voll Staunen, dann mit Schrecken.

Sechster Auftritt

Norina. Doktor Malatesta.

MALATESTA.

Guten Abend, Norina!

Das schöne Lügenplänchen …

NORINA.

Ist mißglückt, ist zu Ende!

MALATESTA.

Was denn? Was ist?

NORINA reicht ihm den Brief.

Da leset!

MALATESTA liest.

»Meine Norina, ich schreibe

den Tod im Herzen.«

Für sich.

Wir machen ihn munter!

»Don Pasquale, angestellt

von jenem Schurken –«

Für sich.

Danke!

»– dem doppelzüngigen Doktor Malatesta,

verlobte sich mit dessen Schwester,

verjagte mich aus seinem Hause,

enterbt mich völlig. Entsagen muß ich,

die Liebe will es so.

Ich verlasse Rom sofort und nächstens

Europa. Addio! Bleibt glücklich! Dieses

wünscht Euch von Herzen der Eure.. Ernesto.«

Die übliche Dummheit!

NORINA.

Doch wenn er abreist?

MALATESTA.

Er reist nicht, glaubt mir!

Bin ich bei ihm, und er erfährt,

was wir gesponnen, so wird er bleiben,

dess’ bin ich überzeugt.

NORINA.

Doch möcht’ ich wissen,

was Ihr gesponnen. – Bitte!

MALATESTA.

Um den Neffen zu strafen,

der nicht will, was er möchte,

will Pasquale sich kurzer Hand beweiben.

NORINA.

Das weiß ich schon.

MALATESTA.

Nun gut, ich bin sein Hausarzt

und steh’ bei ihm in Ansehn

schon seit Jahren,

legt’ mein Veto ein – vergebens.

Drum hab ich schnell gewechselt meine Taktik

und steh’ ihm scheinbar bei.

Don Pasquale weiß,

daß hier in dem Kloster meine Schwester …

Und Ihr sollt für sie segeln.

Euch hat er nie gesehn, Euch präsentier’ ich,

eh andre vor uns kommen;

sieht er Euch, ist er weg.

NORINA.

Ganz vortrefflich!

MALATESTA.

Und auf der Stell’ ist Hochzeit!

Mein Vetter, Freund Carlotto,

gibt den Notar ab.

Das andere, Freundin, das ist Eure Sache,

ich glaube, daß Ihr’s trefft.

Bringt ihn zum Wahnsinn,

er ist ganz in Euren Händen.

NORINA.

Schon gut. Bin im Bilde.

Sodann …

MALATESTA.

Ganz vortrefflich!

Nr. 6. Duett

NORINA.

Gut, ja, ich tu’s! Für meine Liebe,

da will ich mich gerne maskieren

und den Alten brav vexieren,

alles soll kopfüber gehn!

MALATESTA.

Für Ernesto, für Norina

geb’ ich mich gern ans Intrigieren,

und es wird mich amüsieren,

Don Pasqual im Netz zu sehn.

NORINA.

Nun, so sei es! Mög’s gelingen!

MALATESTA.

Seid nur schlau vor allen Dingen!

NORINA.

Spiel’ ich die Traurige, die Tolle?

MALATESTA.

Nein, das ist nicht Eure Rolle.

NORINA.

Muß ich seufzen, weinen, schrein?

MALATESTA.

Wartet, ich will Lehrer sein. –

Spielt die Einfalt mir vom Lande.

NORINA.

O, das kann ich ausgezeichnet!

Ach, ich schäm’ mich … bin so bange,

Danke … sehr, ich … bin noch klein.

MALATESTA.

Brava, brava, kleine Schlange,

besser könnt’ es gar nicht sein!

NORINA.

Schief das Köpfchen.

MALATESTA.

Flüsterstimme.

NORINA.

Ach, ich schäm’ mich.

MALATESTA.

O, die Schlimme! –

Besser könnt’ es gar nicht sein.

NORINA.

Etwa so?

MALATESTA.

Ja, brava!

NORINA.

Schon der Plan zum großen Werke

gibt mir Lust und gibt mir Stärke.

Nun zum Kriege mit dem Alten

für der Liebe heil’ge Sache!

Was ich sagte, will ich halten,

was ich will, das kann ich gut.

Der Gedanke an die Rache

tut mir wie die Rache gut.

MALATESTA.

Ach, der arme Don Pasquale!

Aus der Liebe Racheschale

überschwemmt ihn bald mit Brausen

ungeheure Wetterflut.

Hu, des Sturmes wildes Sausen,

Blitzesschrecken, Donnergrollen!

Bald umtobt mit schweren, vollen

Strömen dich des Wetters Wut!

Zweiter Akt

Saal im Hause Don Pasquales

Es ist Tag.

Erster Auftritt

Ernesto, aufs äußerste niedergeschlagen.

Nr. 7. Rezitativ und Arie

Rezitativ

ERNESTO.

Armer Ernesto! Wie mit einem Mal

genieß’ ich der Qualen allerbitterste Hefe!

Ach, mein Feind ist nun dieser,

dem als Freund ich so ganz und gar vertraute!

Norina verlieren – o Jammer!

Allein wie konnt’ ich sie ketten

an dies elende Leben?

Nein, ich mußt’ es ihr schreiben,

das Wort des Abschieds.

Weh mir, ich darf nicht bleiben!

Arie

In der Fremde will ich weilen,

will allein mein Unglück tragen.

Ach, es wird mein Herz nicht heilen

und nicht enden meine Klagen.

Doch es sollen nicht Not und Schmerzen

und es sollen nicht Land und Meer

weg dich reißen aus meinem Herzen,

meine Liebe geb’ ich nicht her.

Und wenn einst in zartem Triebe

neu du glühest und vergessen

unser Glück, unsre Liebe,

die ich einst so reich besessen,

dann sollst du nicht fürchten, Süße,

daß ein Elender dich verflucht;

seine Seufzer sind die Grüße,

sind ein Hauch, der das Glück für dich sucht.

Rezitativ

Da ist der Onkel. Ich gehe.

Verwundetes Wild will sich verstecken.

Entfernt sich.

Zweiter Auftritt

Don Pasquale in großer Gala, begleitet von einem Diener.

PASQUALE zum Diener.

Wenn du hier eingelassen

den Doktor Malatesta – doch ohn’ Begleitung –

paß genau auf, du Schlingel!

darf niemand mehr herein.

Wehe dir, du Tölpel,

wenn du dawider handelst!

Jetzt pack dich, verschwinde!

Der Diener ab.

Den Notar hab’ ich selbst bestellt,

es ist mein bester, ältester Freund,

der von dort

Weist auf die Tür rechts.

wird erscheinen.

Man kann nicht wissen,

nicht jeder Herr Notar ist zuverlässig.

Holla, sie kommen!

Hymen, in deinen Schutz sei ich genommen!

Dritter Auftritt

Pasquale. Doktor Malatesta, die verschleierte Norina an der Hand.

Nr. 8. Terzett

MALATESTA.

Vorwärts! Mutig!

NORINA.

Ich vergehe. Ach, ich zittre!

MALATESTA.

Tretet nur ein!

Indem er Norina eintreten läßt, winkt er Don Pasquale zu, sich beiseite zu stellen. Dieser

verbirgt sich in einer Ecke.

NORINA.

Ach, mein Bruder, ach mein Bruder!

MALATESTA.

Nicht so zittern!

NORINA.

Ach, ach Gott!

Sobald Norina in den Vordergrund gekommen, eilt Malatesta auf Don Pasquale zu.

MALATESTA.

Aus dem Kloster erst entlassen,

weiß sie sich noch nicht zu fassen,

diese kleine wilde Taube,

die zu zähmen Euch bestimmt.

NORINA.

Ach, mein Bruder!

MALATESTA.

Fassung, Fassung!

NORINA.

Gott, ach Gott, wenn jemand käme!

Für sich.

Daß ich diesen Narren zähme,

weiß ich jetzt schon ganz bestimmt.

PASQUALE in seinem Versteck.

Holde Einfalt! Jede Wendung

so, daß mich’s gefangen nimmt,

und ich heiße sie Vollendung,

wenn das Antlitz dazu stimmt.

NORINA.

Ach, mein Bruder!

MALATESTA.

Welch Gezitter!

NORINA.

So allein! Ach, ich vergehe!

MALATESTA deutet auf Pasquale.

Nicht allein. Sieh diesen Ritter!

Don Pasqual ist in der Nähe.

NORINA.

Wie? Was? Ein Mann! O weh, ich Arme!

Schnell fort von hier!

PASQUALE für sich.

Welch ein Kind, daß Gott erbarme!

Diese süße Unschuld mir!

MALATESTA für sich.

Ha, du bist schon im Alarme,

doch noch wärmer macht sie dir!

Rezitativ

MALATESTA zu Norina.

Keine Angst, nur nicht fürchten.

‘s ist Don Pasquale,

mein Freund und Gönner,

Krone aller Ehrenmänner.

PASQUALE verbeugt sich tief.

NORINA schenkt ihm keinen Blick.

MALATESTA zu Norina.

Erwidert seinen Gruß doch!

NORINA ohne Don Pasquale anzusehen.

Danke …

bitte …

PASQUALE für sich.

Die Hand wie Alabaster!

MALATESTA leise.

Er ist schon in Siedehitze.

NORINA für sich.

Wart, altes Laster!

PASQUALE rückt Stühle zusammen und setzt sich in die Mitte.

MALATESTA.

Na, was sagt Ihr?

PASQUALE.

Ach, ein Engel! Doch der Schleier …

MALATESTA.

Sie würde niemals wagen,

den Schleier aufzuschlagen

vor einem Mann. Wollt Ihr jetzo sondieren,

ob eure Charaktere harmonieren,

dann wird man sehen …

PASQUALE.

Verstehe. Es soll geschehen. –

Zu Norina.

Da ich mir darf gestehen …

Und da auch der Herr Bruder …

der beste der Doktoren …

hab’ ich … das heißt …

MALATESTA leise.

… den Kopf verloren.

Zu Norina.

Gebet Antwort!

NORINA.

Bitte … danke …

Macht einen Knicks.

PASQUALE.

Ich wollt’ Euch sagen, abends

haben die Damen gern Gesellschaft …

NORINA.

O, mein Herr, nein! In dem Kloster

waren abends wir alleine.

MALATESTA.

Doch zuweilen im Theater?

NORINA.

Ich weiß nicht, was das ist,

und mag’s nicht wissen!

PASQUALE.

Und dabei sollt Ihr bleiben.

Doch muß man so oder so die Zeit vertreiben.

NORINA.

Mit Sticken, Nähereien oder Stricken;

auch geht man in die Küche.

Die Zeit hat’s gar zu eilig.

MALATESTA für sich.

Die kennt die Schliche!

PASQUALE ebenso.

Sie ist für mich geschaffen.

Verdammter Schleier da!

MALATESTA.

Liebe Sofronia, leget ab Euren Schleier!

NORINA.

Ach Gott … vor einem Mann!

MALATESTA.

Wenn ich es wünsche …

NORINA.

… so gehorche ich gleich.

Nimmt den Schleier ab.

PASQUALE.

Alle Wetter!

MALATESTA.

Mein Gott, was ist?

PASQUALE.

Eine Bombe hat eingeschlagen,

Ihr müßt, Ihr müßt sie fragen,

ob sie will sein mein Eigen.

Ich kann bloß stehn und schweigen.

Ich schwitze! Ich friere! Bin tot!

MALATESTA.

Nicht verzagen! Mir scheint,

sie ist geneigt, ich will sie fragen. –

Zu Norina.

Schwesterchen, liebes, kleines,

sagt mir … wollt Ihr wohl … nun also …

Dieser Herr da … gefällt er Euch?

NORINA.

Ich schäme mich, ‘s zu sagen …

MALATESTA.

Nur mutig!

NORINA.

Ja …

Für sich.

Du bist ein Riesenesel!

MALATESTA.

Meinen Segen! Da nehmt sie!

PASQUALE.

Ich Glücklicher! Ich juble auf!

NORINA leise.

Wart noch ein bißchen, warte!

PASQUALE.

Nun hurtig zum Notare!

MALATESTA.

Ich hab’ für alle Fälle

den meinen mitgebracht.

Er sitzt im Warteflur, laßt mich ihn rufen.

PASQUALE.

Herr Doktor, dafür laßt mich nur sorgen.

BEIDE um die Wette.

Herein, Herr Notare, herein,

Herr Notare!

Vierter Auftritt

Die Vorigen. Der Notar. Diener, die einen Tisch zum Schreiben herrichten.

NOTAR grüßt, setzt sich und macht sich zum Schreiben fertig.

Nr. 9. Quartett und Finale

MALATESTA diktierend.

Es sind erschienen etcetera

Sofronia Malatesta,

gebürtig in etcetera,

in irgendeinem Nest da …

Und andrerseits etcetera

Der Ritter Don Pasquale etcetera …

NOTAR.

Etcetera.

MALATESTA.

Etcetera, daß sie, wie sich’s gebühret …

NOTAR.

Etcetera.

MALATESTA.

Gemäß dem Rituale,

nach tiefer Überlegung

und Hin- und Hererwägung …

NOTAR.

… wägung.

MALATESTA.

Eingehn der Ehe Copula,

dazu sind sie ja da.

PASQUALE zum Notar.

Habt Ihr geschrieben?

NOTAR.

Geschrieben!

PASQUALE.

Schon gut.

Zu Malatesta.

Wollt weiter belieben.

MALATESTA diktiert.

Der Herr, der Don etcetera,

tut hiermit deklarieren,

daß er von seinem Hab und Gut

die Hälfte will zedieren

der Obigen etcetera,

die er zum Ehweib sich ersah,

denn dazu ist er da.

NOTAR.

Geschrieben!

PASQUALE.

Und weiter wünscht er …

NOTAR.

… er …

PASQUALE.

Daß alle ehren sollen

sie als seine geliebte – Gemahlin

und ihr Gehorsam zollen.

Sie soll hier dominieren,

das will ich statuieren,

dazu bin ich ja da.

NORINA UND MALATESTA.

Wir bestätigen Eure Großmut,

dazu sind wir ja da.

NOTAR.

Hier der Kontrakt. Nun die Namen.

PASQUALE unterschreibt.

Hier ist der meine.

MALATESTA führt Norina an den Tisch.

Nun, liebe Schwester, der deine,

und dann ist es geschehn.

NOTAR.

Ein Zeuge ist noch nötig,

soll’s nach dem Rechte gehn.

Man hört Ernestos Stimme vor der Tür. Norina läßt die Feder fallen.

ERNESTO draußen.

Zum Teufel! Zurück, ihr Tagediebe!

Zurück! Ich will doch sehn!

NORINA für sich.

Ernesto! Jetzt beim Himmel,

bleibt mir das Herze stehn.

MALATESTA ebenso.

Ernesto! Ach, und er weiß nichts!

Verdammt! Wie wird das gehn!

Fünfter Auftritt

Die Vorigen. Ernesto.

ERNESTO zu Pasquale.

Ich will Adieu Euch sagen,

man weist mich von der Türe.

Wer darf die Frechheit wagen,

Wer darf sich’s unterstehn?

PASQUALE.

Ach Gott!

Wir hatten Geschäfte groß und wichtig,

doch kommst du eben richtig.

Es fehlt zum Ehkontrakte

ein Zeuge unterm Pakte.

Zeigt auf Norina.

Hier, Neffe, deine Tante!

ERNESTO für sich.

Norina! Schmach und Schande!

Fällt nicht der Himmel ein?

Das kann und kann nicht sein!

Laut und zornig.

Die hier?

MALATESTA.

Die Tante dort, mein Bester,

ist meine Schwester!

Leise zu Pasquale.

Ach, er ist erregt, habt Mitleid,

ich kriege ihn schon klein.

Zu Ernesto leise.

Verschon uns mit Protesten!

Es ist zu deinem Besten!

Willst du Norina halten,

mußt du jetzt folgsam sein.

NORINA.

Um Gotteswillen stille,

sonst stürzt das Ganze ein.

ERNESTO.

Sofronia, seine Schwester?

Ich muß von Sinnen sein.

MALATESTA laut.

Hier ist der zweite Zeuge,

Ernesto will es sein.

Führt Norina zum Unterschreiben.

ERNESTO unterschreibt ebenfalls, wenn auch zögernd.

NOTAR.

Nun ist geschehn die Vermählung.

Entfernt sich unauffällig.

PASQUALE will Norina umarmen.

Mein Schneckchen!

NORINA plötzlich in verändertem Tone.

Nur Ruhe bitte!

Vom Leibe mir zwei Schritte,

und fragt erst um Erlaubnis.

PASQUALE unterwürfig.

Darf ich, mein Mäuschen?

NORINA.

Nein!

ERNESTO lacht.

Ha! Ha!

PASQUALE.

Was gibt’s da zu lachen?

Wart nur, du Frecher, dich will ich lehren!

Du sollst dich jetzo zum Teufel scheren!

NORINA.

O pfui!

Solch bäurisches Betragen

find’ ich durchaus nicht fein.

Zu Ernesto.

Ihr bleibet!

Zu Pasquale.

Die guten Sitten,

die flöß’ ich Euch noch ein.

PASQUALE.

Herr Doktor?

MALATESTA.

Don Pasquale?

PASQUALE.

Welch Wechsel!

MALATESTA.

Sehr fatale!

PASQUALE.

Was soll das nur?

MALATESTA.

Beruhigt Euch,

ich werde bei Euch sein!

NORINA UND ERNESTO für sich.

Ich kann nicht mehr, ich platze,

mir drückt’s das Zwerchfell ein!

NORINA zu Pasquale.

Ein Mann wie Ihr, so greisenhaft

und dick und ohne Allüren,

kann keine schöne junge Frau

galant spazieren führen.

Ich brauch’ einen Cavaliere;

Zu Ernesto.

erweist Ihr mir die Ehre?

PASQUALE.

O nein, Madame, Entschuldigung,

o nein, das kann nicht sein!

NORINA.

Kann nicht sein? Warum?

PASQUALE energisch.

Weil ich’s nicht wünsche.

NORINA.

Ihr wollt’s nicht haben?

PASQUALE.

Nein!

NORINA mit gemachter schmeichlerischer Sanftmut.

Nein?

O mein Engelchen, was fällt Euch ein?

Ihr wollt? Wie dürft Ihr wollen?

Ich will! Nach dem Kontrakte

soll ich nur wollen sollen!

PASQUALE.

Herr Doktor!

NORINA.

Mir sollen alle gehorsam sein,

mir, mir und mir nur allein!

MALATESTA für sich.

Jetzt kommt es zur Entscheidung.

ERNESTO ebenso.

Jetzt heißt es: schnappt er ein?

PASQUALE.

Doch wenn … nun aber der …

NORINA.

Ich dulde kein »aber«!

PASQUALE.

Wenn dieser …

NORINA.

Wer? Ihr habt zu schweigen!

Still da! Jetzt war ich milde,

doch kann ich Krallen zeigen.

Mit entsprechender Geste.

und grab’ dem Götterbilde

ein Angedenken ein.

PASQUALE weicht zurück.

O träum’ ich? Wach’ ich? Welch ein Schrecken!

Beißen? Kratzen? Brava! Prächtig!

Oder will sie mich nur necken?

Das sind dumme Spässe, dächt’ ich.

Wehe, wehe, Don Pasquale,

was wird wohl dein Ende sein?

NORINA UND ERNESTO.

Bitter scheint es ihm zu schmecken!

Dieser Schreck ergreift ihn mächtig!

MALATESTA.

Wie sich seine Glieder strecken,

fast wird er vor Schrecken schmächtig!

Mut, mein lieber Don Pasquale,

es ist nur ein böser Schrecken,

es ist nur ein böser Schein.

NORINA UND ERNESTO.

Unsre lustige Kabale

wird nun wohl begriffen sein!

NORINA ergreift eine Klingel und schellt heftig.

DIENER tritt ein.

NORINA.

Ich wünsche hier geschwinde

die Dienerschaft zu sehn.

DIENER ab.

PASQUALE für sich.

Was will sie? Mein Gesinde?

MALATESTA ebenso.

Soll’s auf dem Kopfe stehn?

Sechster Auftritt

Die Vorigen. Haushofmeister. Zwei Diener.

NORINA.

Drei im ganzen? Hahaha, ausgezeichnet!

Knapp ausgerechnet drei!

Zum Haushofmeister.

Zu Euch!

Mich dünkt, Ihr seid der Chef

der Dienerschaft, beflissen

in aller Treu, ein Mann von Ehr’,

Erfahrung, Würde, Wissen.

Drum wünsche ich, daß Euer Sold

jetzo verdreifacht sei.

Ich brauche neue Leute,

Lakaien, Kammerzofen,

mich dünkt, es sind zwei Dutzend

für’s erste mir genug.

PASQUALE wütend.

Jetzt seid Ihr doch wohl fertig?

NORINA.

Schon jetzt? Ihr seid nicht klug.

Zum Haushofmeister.

Gleich nachher müßt Ihr laufen,

zwei Wagen mir zu kaufen

mit Polstern und mit Federn,

vom Holz der feinsten Zedern.

PASQUALE.

Jetzt seid Ihr endlich fertig?

NORINA.

Doch fast hätt’ ich vergessen:

das Haus ist ganz abscheulich,

die Möbel mehr als greulich;

die ganze Rumpelkammer wird

von Grund aus umgekehrt.

Besorgt mir noch behende

für punkt vier Uhr ein Essen,

besorgt es mir aufs beste,

es kommen fünfzig Gäste.

Und daß mir auch nicht das Kleinste fehlt,

so wie es sich gehört.

MALATESTA UND ERNESTO.

Ein Blitz herunterfährt!

HAUSHOFMEISTER entfernt sich mit den beiden Dienern.

PASQUALE.

Wer zahlt das?

NORINA.

Mein Himmel, Ihr!

PASQUALE.

Ich aber schwöre hier,

ich zahle gar nichts.

NORINA.

So?

PASQUALE.

Nein, bin ich der Herr im Hause?

NORINA.

Ach, laßt doch diese Flause!

Herr – hier, wo ich befehle?

MALATESTA zu Norina.

Ich bitt’ Euch …

NORINA zu Pasquale.

Bei meiner Seele,

Ihr seid ein Bauer, ein Ungetüm,

ein unerzogner Narr!

PASQUALE höhnisch.

Drum nahm ich Euch zur Frau!

MALATESTA zu Pasquale.

Nehmt es nicht so genau!

NORINA.

Doch nur Geduld, ich komme,

fürwahr, ich komme ihm!

PASQUALE.

Ha, sie will mich massakrieren,

in die Hölle mich bugsieren,

will mich zum Gelächter machen,

doch das soll nicht also sein.

Aus des Teufels Elixieren

gab sie mir zu trinken ein.

NORINA zu Ernesto.

Dir den Star zu operieren,

spiel’ ich heute hier den Drachen,

nur um dich nicht zu verlieren,

ging auf dieses Spiel ich ein.

Diesen Narren zu vexieren,

macht mir wahrlich selber Pein.

ERNESTO zu Norina.

Teure, sieh mich revozieren,

aus dem Mißtraun mich erwachen,

nie will ich mehr phantasieren,

daß du könntest untreu sein.

MALATESTA zu Pasquale.

Teurer Don, wollt Euch kalmieren,

das sind eben Ehesachen,

Jeder muß sie ausprobieren,

geht ins Bett und schlaft allein.

Zu Norina und Ernesto.

Aber euch, ihr Teufelsdrachen,

rat’ ich auf der Hut zu sein!

Dritter Akt

Saal im Hause Don Pasquales

Auf Tischen, Stühlen und am Boden liegen zerstreut Toilettenartikel für Damen, Kleider, Hüte,

Pelze, Spitzen, Schärpen, Kartons usw. Abend.

Erster Auftritt

Don Pasquale sitzt in großer Aufregung an einem Tisch voll Preislisten und Rechnungen. Diener

stehen teils wartend umher, kommen teils aus Norinas Zimmer. Ein Friseur verläßt dieses

soeben, eilt über die Bühne und geht durch die Mitteltüre ab. Später eine Putzmacherin.

Nr. 10. Introduktion

ERSTER DIENER.

Die Diamanten! Schnelle! Schnelle!

ZWEITER DIENER.

Die Marchande de modes!

DRITTER DIENER.

Komme sie nur!

PUTZMACHERIN tritt mit einem Berg von Kartons ein und verschwindet in Norinas Zimmer.

VIERTER DIENER mit einem Pelz, Blumenstrauß und Parfümflaschen.

In den Wagen auf der Stelle!

WEITERE DIENER.

Hier der Fächer, der Schleier, der Pompadour,

das Lorgnon, das Schnupftuch, das Puderkästchen.

Ist zum Souper schon alles gerichtet?

FÜNFTER DIENER.

Die Pferde ins Geschirre

und schleunigst angespannt!

PASQUALE.

Abscheuliches Gewirre,

ich komm’ um den Verstand!

DIE DIENER haben ihre Aufträge ausgeführt und eilen hinaus.

Zweiter Auftritt

Don Pasquale allein.

Rezitativ

PASQUALE die Rechnungen studierend.

Laßt sehen!

Für die Modistin hundert Taler.

Sehr verbunden!

Den Herren Kutschern sechshundert.

Bagatelle!

Vierzehnhundertundfünfzig für Geschmeide.

Für die Pferde … Fahrt zum Teufel

alle Pferde, alle Händler und auch die Ehe!

Ausgehn am ersten Tag unsrer Ehe

ist so ohne Recht und Würde,

daß ich als Herr im Hause

muß protestieren,

muß Einspruch hier erheben,

was auch geschehe.

Doch wenn ich sie höre,

wenn ich sie vor mir sehe –

sie hat verteufelte Augen

so zum Regieren,

weiß so herrisch zu schauen,

daß ich das Fieber kriege vor Grauen

schon bei der Vorstellung.

O Don Pasquale, wohin bist du gekommen?

Auf alle Fälle versuche ich’s einmal,

es gehe so schief es wolle.

Ach, sie kommt. O wehe!

Dritter Auftritt

Don Pasquale.

Norina in großem Putz, ausgehfertig.

Nr. 11. Duett

PASQUALE.

Ei, wohin in solcher Eile,

schönes Fräulein, darf ich fragen?

NORINA.

Ins Theater, Langeweile

nach Gefallen zu verjagen.

PASQUALE.

Nun, und wenn der Mann bescheiden

einen Einspruch würde wagen?

NORINA.

Würde man so was nicht leiden,

denn der Mann hat nichts zu sagen.

PASQUALE.

Nur nicht auf die Spitze treiben

dies unglaubliche Betragen!

Heut zuhause soll’n Sie bleiben,

auf Ihr Zimmer gehen Sie!

NORINA spöttisch.

Nur nicht sich so sehr erregen!

Alten Leuten ist zu raten,

zeitig sich ins Bett zu legen.

Alles andre morgen früh.

Marsch zu Bette, wohl zu ruhen,

marsch zu Bette, gute Nacht!

PASQUALE vertritt ihr den Weg.

Hier geblieben?

NORINA.

Zu Befehle!

PASQUALE.

Ich bin müde.

NORINA.

Ich bin munter.

PASQUALE.

Freche Katze!

NORINA.

Unverschämter!

Holla nimm, da hast du deinen Lohn!

Gibt ihm eine Ohrfeige.

PASQUALE.

Dies das Ende, Don Pasquale,

brauchst nicht weiter nachzudenken,

irgendwo dich aufzuhenken,

wird nun wohl das Beste sein!

NORINA für sich.

Dieser Knalleffekt war bitter,

doch ich konnt’ ihn dir nicht schenken,

denn ich muß zum Ziele lenken

und darf nicht bedenklich sein.

Laut.

So – ich gehe!

PASQUALE.

Geht, doch spart Euch

ja des Wiederkehrens Mühe.

NORINA.

Morgen komm’ ich in der Frühe.

PASQUALE.

Zugeschlossen wird mein Haus.

NORINA.

Ei, ei, mein Gebieter,

spiel Er nicht den Tiger,

leg dich lieber nieder,

mein guter Großpapa.

Wenn Träume dich wiegen,

wird Ärger verfliegen,

und morgen zur Früh ist

die Gattin dir nah.

PASQUALE.

Ich lasse mich scheiden!

Ich pfeif’ auf die Ehe!

Vor Ärger und Leiden

schon starb ich beinah.

Erst wenn ich geschieden,

kehrt wieder der Frieden,

nie wieder geschieht mir,

was jetzt mir geschah!

NORINA geht ab, beim Fortgehen läßt sie einen Zettel fallen.

Vierter Auftritt

Don Pasquale allein. Später ein Diener.

Rezitativ

PASQUALE hebt den von Norina fallengelassenen Zettel auf.

Noch so ein Zettel voll Häubchen und voll Spitzen,

wie sie die Gnädige sät in den Stuben.

Öffnet den Zettel und liest.

»Vielgeliebte Sofronia!« –

O wehe, was soll das heißen?

»Zwischen neun und zehn Uhr heut Abend

erwart’ ich meine Vielgeliebte

hinterm Garten, Du weißt, am bewußten Platze.

Ich empfehle meinem Schatze,

wenn es geht, mich zu lassen

durch’s kleine Hinterpförtchen. Dort ohne Stören

im Schatten könnten wir uns angehören.

Noch eines, Geliebte,

ich werde ein Zeichen durch Singen Dir geben.

Nun spitz deine Öhrchen!

Der Deine in Treue fürs Leben.«

Außer sich.

Das ist zuviel! Zuviel! Sie will

mich um das Leben bringen.

O weh, ich kann nicht mehr,

ich bin am Ende.

Ich rufe Malatesta.

Klingelt, ein Diener erscheint.

Sofort zum Doktor laufen,

und sag ihm, ich sei krank,

ich lieg’ im Sterben.

Diener ab.

Werd’ ich sie nimmer los,

muß ich verderben!

Er entfernt sich.

Fünfter Auftritt

Die Dienerschaft des Hauses.

Nr. 12. Chor

ALLE.

Welch unaufhörliches Hinum und Herum,

just wie geschlagen, o jerum, o jerum.

Kling-kling von dort, ping-ping von da,

man wird verrückt, verrückt beinah.

Alles so fein, in großem Stile,

wir schwimmen im Fett, halleluja!

DIE ZOFEN.

Nach Tische kam man sich in die Haare.

DIE DIENER.

Das fängt gut an; gebt uns Bericht.

DIE ZOFEN.

Sagte die Gnädige: Adieu, ich fahre.

Sagte der Herr: Du fährst mir nicht!

Mit Zank und Schnaufen

gab es ein Raufen.

DIE DIENER.

Aber die Gnädige gewann, hahaha!

Da steckt ein Neffchen im Hintergrunde.

DIE ZOFEN.

‘s ist für den Alten ‘ne böse Stunde.

DIE DIENER.

Der Gnäd’gen mangelt es nicht an Feuer.

DIE ZOFEN.

Dem Alten ist es nicht recht geheuer.

ALLE.

Stille, es kommt wer; wir wollen verschwinden.

Wir schwimmen im Fett, halleluja!

Sie ziehen sich zurück.

Sechster Auftritt

Doktor Malatesta und Ernesto.

Rezitativ

MALATESTA.

Wohl verstanden?

ERNESTO.

Vortrefflich. Schnell in den Garten,

meine Rolle fein zu spielen.

MALATESTA.

Und ich die meine dito!

Doch vor allem, daß dich der Alte

nicht erkenne!

ERNESTO.

Nur nicht ängstlich!

MALATESTA.

Sobald du uns kommen hörst …

Ernesto …. bin ich über die Mauer.

MALATESTA.

Bravo, bravissimo!

ERNESTO.

Auf Wiedersehen!

Eilt davon.

MALATESTA allein.

Diese plötzliche Berufung lehrt mich,

er ist auf den Leim gegangen

und will die Ungetreue jetzt erwischen.

Sieht in die Kulisse.

Armer Kerl! Gott, wie schaust du doch verändert!

Die Augen umrändert!

Man könnte Mitleid fühlen …

Doch heißt es Haltung,

wieder den Doktor spielen.

Siebenter Auftritt

Doktor Malatesta.

Don Pasquale.

Rezitativ

MALATESTA.

Don Pasquale?

PASQUALE.

Ha, Schwager, Ihr seht in mir

‘ne wandelnde Leiche.

MALATESTA.

Laßt mich hören!

Was kann im Glück Euch stören?

PASQUALE für sich.

Zu denken, daß die eigne Borniertheit

mir eingebrockt die Suppe!

Hätte doch lieber der Junge seine Puppe!

MALATESTA für sich.

Das ist wichtig zu wissen!

Laut.

So sagt mir endlich doch …

PASQUALE.

Fast eine ganze Jahresrente

in Hauben und Bändern verschwenden –

das ist nicht alles.

MALATESTA.

Was weiter?

PASQUALE.

Das gnädige Fräulein

möchte ins Theater fahren.

Ich widerspreche milde,

jedes Wort ist vergeblich,

ist ganz verloren.

Ich befehle … sie gibt die Antwort

mir hinter die Ohren.

MALATESTA.

Eine Schelle?

PASQUALE.

Eine Schelle, ja, so ist es.

Doch noch nicht alles,

es kommt noch viel schlimmer.

Da leset …

Gibt ihm den Brief.

MALATESTA nachdem er gelesen.

Bin versteinert!

PASQUALE.

Doch bei allen Teufeln, ich nehme Rache!

MALATESTA.

Sehr richtig!

PASQUALE.

Ich werd’ sie fassen

in flagranti!

MALATESTA.

Wie das?

PASQUALE.

Hört mich ruhig. Ich hab’ mein Plänchen.

Höret an!

MALATESTA.

So redet!

Nr. 13 Duett

PASQUALE.

In den Garten, leise, leise,

schleichen wir, und meine Leute

bilden dichte Zingelkreise,

fangen uns die freche Beute.

Ist das Paar ins Garn gegangen,

haben wir sie fest gefangen,

sei kein Augenblick verloren,

gleich zum Bürgermeister hin!

MALATESTA.

Doch bedenket, Eure Beute,

sie ist ja doch meine Schwester.

Soll es denn für Eure Leute

ein erwünschtes Schauspiel sein?

Bessren Plan laßt uns ersinnen.

Halt – mir fällt schon erwas ein!

Hört mich an, wie ich es meine:

Gehn wir beide schnell alleine,

lauern wir in den Gebüschen,

bis die beiden wir erwischen,

und wir packen sie und drohen,

drohen mit der Polizei,

bis die beiden uns versprechen,

daß die Schmach zu Ende sei.

PASQUALE.

Doktor, nein, so kann’s nicht sein.

MALATESTA.

Sagt, ist denn der Plan nicht fein?

PASQUALE.

Für so niederträcht’ge Dinge

ist die Strafe zu geringe.

Fort muß sie aus meinem Haus.

BEIDE.

Delikat ist die Affäre,

Rache ist, was ich (er) begehre (begehret),

doch die Klugheit muß der Strenge

freilich an der Seite sein.

PASQUALE.

Ihr müßt wissen …

MALATESTA.

Ha, gefunden!

PASQUALE.

Was? Ich bitte

schnelle, schnelle. Bitte redet!

MALATESTA.

Unsre Schritte

lenken wir ins Büschedunkel

und belauschen das Gemunkel

der Verruchten. Ist es sündig,

dann soll sie vertrieben sein.

PASQUALE.

Bravo, bravo, bin’s zufrieden.

Bravo, bravo, mag’s geschehen.

Warte, mein Drache,

leise, verstohlen,

so naht die Rache,

ha, dich zu holen.

Haha, sie packt dich,

ha, am Genicke,

all deine Tücke

büßest du mir.

Da wird nichts helfen,

Kabale und Schliche,

erlogenes Lächeln,

Seufzer und Tränen.

Dich hat meine Rache

in sicherer Schlinge,

in eiserner Falle

zappelst du mir.

MALATESTA.

Träume, nur träume,

armer Pasquale,

Träume sind Schäume.

Doch das Finale,

wehe, es packt dich,

eiserne Kralle,

und in der Falle

zappelst du hier.

Der Arme baut

Kalkül auf Kalkül,

ahnt nicht, daß alles

Blasen im Winde.

Der Tölpel merkt nicht

die offene Falle,

springt in das Eisen

mit Wollust schier.

Sie gehen zusammen ab.

Verwandlung

Garten am Hause Don Pasquales

Nacht. Mondschein.

Achter Auftritt

Ernesto, in einen Mantel gehüllt. Chor hinter der Szene.

Nr. 14. Serenade

ERNESTO.

O süße Nacht

im Mai durchwacht!

Tiefblauer Samt

der Himmel, vom Mond durchflammt.

CHOR.

O süße Nacht

im Mai durchwacht!

ERNESTO.

Herz, ah, wie weit!

Selige Mattigkeit!

O komme zu mir,

die ich erwarte hier.

CHOR.

Herz, ach, wie weit!

Selige Mattigkeit!

ERNESTO.

Es wehen Seufzer

in trüben Winden,

mein Herz, es suchet dich

und muß dich finden.

Ich warte dein,

du mein Herzbegehr,

bleib’ ich allein,

so leb’ ich nicht mehr.

Und all dein Weinen

ruft mich nicht zurück,

bin ich gestorben,

starb auch dir dein Glück.

CHOR.

Und all dein Weinen

ruft mich nicht zurück,

bin ich gestorben,

starb auch dir dein Glück.

Neunter Auftritt

Norina aus dem Hause. Ernesto, der den Mantel fallen läßt. Später Don Pasquale und Doktor

Malatesta.

Nr. 15. Notturno

NORINA UND ERNESTO.

Laß es, ach, laß es mich hören,

sag es mir immer aufs neu,

daß wir einander gehören,

daß du für immer mir treu.

Das Wort von deinen Lippen

ist Balsam für meine Wunden.

Wo du bist, muß ich gesunden,

krank bin ich ferne von dir.

PASQUALE ist herbeigeschlichen und hat sich hinter einem Strauch verborgen.

Seht doch da, wohl aufgepaßt!

MALATESTA hinter Pasquale.

Nur leise, leise!

Zehnter Auftritt

Norina. Ernesto. Pasquale. Malatesta.

Rezitativ

PASQUALE hat sein Versteck verlassen und leuchtet Norina mit der Laterne ins Gesicht.

Halt da, halt!

NORINA.

Diebe! Zu Hilfe!

PASQUALE.

Stille! Wo ist der Buhle?

NORINA.

Wer?

PASQUALE.

Der eben hier war,

mit Euch im Gespräche!

NORINA.

Alle Himmel, wen könnt Ihr meinen?

Hier war keine Seele.

MALATESTA für sich.

Die freche Katze!

ERNESTO hat sich inzwischen aus dem Staube gemacht.

Elfter Auftritt

Norina. Pasquale. Malatesta.

PASQUALE.

Ihr wagt zu leugnen?

So werd’ ich ihn Euch zeigen!

NORINA.

Noch einmal denn:

‘s war niemand hier. Ihr scheint zu phantasieren.

PASQUALE.

Was trieb Euch, grad jetzt hier zu spazieren?

NORINA.

Frische Luft genießen.

PASQUALE.

Frische Luft! Die Unverschämte!

Fort aus meinem Hause oder …

NORINA.

Oho, mein Herr Gemahl,

Was habt Ihr für Ideen?

PASQUALE.

Fort sag’ ich, hinaus!

NORINA.

Nicht mal im Traum. Das hier ist mein Haus.

Ich bleibe!

PASQUALE.

Bombengranaten tausend!

MALATESTA tritt dazwischen.

Don Pasquale,

jetzt ist die Reih’ an mir. Laßt mich nur machen

und schweigt stille. Ich habe Vollmacht?

PASQUALE.

Vollkommen!

NORINA.

O Gott, jetzt kommt’s zum Krachen.

MALATESTA zu Norina.

Paßt auf! Erst die Erstaunte nach Kräften spielen.

Laut.

Ich bitte, Schwester, hört mich

geduldig an. Es gilt,

Euch eine Schmach zu ersparen.

NORINA.

Mir eine Schmach?

MALATESTA leise.

Vortrefflich so!

Laut.

In dieses Haus wird morgen

einziehn ‘ne neue Gattin.

NORINA.

‘ne neue Gattin? Mir das zu bieten!

MALATESTA leise.

Das ist der Moment, nun bitte wüten!

NORINA.

Gattin von wem?

MALATESTA.

Ernestos, Norina.

NORINA.

Das kokette Geschöpf, die schlaue Norina!

PASQUALE für sich.

Bravo, mein Doktor!

MALATESTA zu Norina.

Seht, schon gewonnen!

NORINA.

Das wäre grad so meine Sache!

Norina so mit mir unter einem Dache!

Niemals! Viel lieber geh’ ich!

PASQUALE für sich.

O, machte sie’s doch wahr!

NORINA als ob sie überlege.

Doch … einen Augenblick!

Wenn diese Heirat eine List nur wäre?

Da will ich doch erst sehen …

MALATESTA.

‘s ist richtig. – Don Pasquale, soll es gehen,

müßt den beiden Ihr euren Segen geben,

sonst geht sie Euch nicht fort.

PASQUALE.

Nun, meinetwegen!

MALATESTA ruft.

Heda, heda! Heraus da, Ernesto!

Zwölfter Auftritt

Die Vorigen. Ernesto.

Bediente.

ERNESTO.

Hier bin ich!

MALATESTA.

So höret.

Es gibt Euch Don Pasquale

zur Ehe Frau Norina und eine Jahresrente

von rund viertausend Talern.

ERNESTO.

Ach, teurer Onkel, ist das wahr?

MALATESTA zu Pasquale.

Jetzt keine Zeit verlieren,

sagt schleunig ja!

NORINA.

Ich will nicht!

PASQUALE.

Ich aber will es!

Zu Ernesto.

Lauf und hole Norina,

auf der Stelle will ich sie dir zum Weibe geben.

MALATESTA.

Nicht not, sie zu suchen.

Die Braut steht hier.

PASQUALE.

Wieso? Erklärt Euch!

MALATESTA.

Hier steht Norina.

PASQUALE.

Dies ist Norina? Bombengranaten!

Und Sofronia?

MALATESTA.

Im Pensionate.

PASQUALE.

Und meine Ehe?

MALATESTA.

War keine Ehe,

nur eine Warnung, vor Leid Euch zu wahren.

PASQUALE.

O diese Räuber!

Für sich.

Welches Vergnügen!

Himmel, ich dank’ dir!

Laut.

So mich belügen!

ERNESTO.

Wollet verzeihen!

NORINA.

Wollet verzeihen!

MALATESTA.

Nun seid Ihr glücklich aus allen Gefahren.

PASQUALE.

Da, Generalpardon! Habt meinen Segen!

Schenk euch der Himmel sein schönstes Glück!

Nr. 16. Rondo-Finale

MALATESTA.

Bravo, bravo, Don Pasqual!

Nun vernimm auch die Moral!

NORINA.

Die Moral von der Geschichte

aufzufinden ist nicht schwer,

daß ich kurz sie Euch berichte,

bitt’ ich um Gehör:

Weiße Haare sollen nicht freien

um der Jugend Lockenkranz,

sonst gibt’s böse Balgereien

und mit allen Teufeln Tanz.

PASQUALE.

Die Moral hat böse Spitzen,

doch auf mich, da paßt sie ganz,

und mit Recht ließ Blut mich schwitzen

dieser freche Mummenschanz.

ERNESTO UND MALATESTA.

Die Moral hat böse Spitzen,

doch es stimmt nun die Bilanz:

auf dem rechten Haupte sitzen

seht Ihr nun den Hochzeitskranz.

Gaetano Donizetti – Der Liebestrank

Gaetano Donizetti

Der Liebestrank

Komische Oper in zwei Aufzügen

Personen

Adina, eine junge reiche Pächterin, (Sopran)

Nemorino, ein junger Landmann, (Tenor)

Belcore, Sergeant, (Bariton)

Dulcamara, ein Quacksalber, (Baß)

Gianetta, ein Wäschermädchen, (Sopran)

Ein Notar

Ein Soldat

Ein Diener

Ein Mohr

Wäscherinnen. Landleute. Schnitter. Unteroffizier. Trommler. Trompeter. Soldaten. Knechte

Ort der Handlung: Ein Dorf im Florentinischen.

Im ersten Aufzug: Dorfgegend, Berge, Wald, Getreidefelder.

Im zweiten Aufzug: Innerer Hof von Adinas Pachtgut.

Zeit: 1815.

Spielzeit: Zweiundeineviertel Stunde.

Erste deutsche Aufführung: Berlin, Königstädtisches Theater, 26. Juni 1834.

Nr. 1. Präludium und Introduktion.

Der Vorhang hebt sich nach dem einundachtzigsten Takte.

Erster Aufzug.

Dorfgegend. Im Hintergrunde Berge, Wald und Getreidefelder. Hinten eine felsige Erhöhung, von

der sich ein Ablauf nach unten zieht. Rechts eine große Buche mit einem Tisch und zwei

Lehnschemeln davor; von der Buche nach dem Baume rechts Leinen mit Wäsche. Links vorn der

Pachthof mit Eingangsthür; vor dem Pachthof ein niederer Schemel. Links hinten ein Brunnen an

einem Baum; an dem Brunnen Zuber, mehrere Eimer und Waschkörbe.

Es ist inmitten des Tages.

Links und rechts vom Darsteller.

Erster Auftritt.

Gianetta. Adina. Nemorino. Bauern. Bäuerinnen. Schnitterinnen. Wäschermädchen. Knechte.

Gianetta und Adina letztere lesend, sitzen sich gegenüber auf den beiden Lehnschemeln unter

der großen Buche inmitten des Platzes.

Nemorino steht links vorn und betrachtet Adina unverwandten Blickes.

Wäschermädchen, Schnitterinnen, Bauern und Bäuerinnen in einer Gruppe um die Buche herum.

Knechte und Wäschermädchen um den Brunnen herum links hinten mit Waschen beschäftigt.

GIANETTA UND CHOR.

Vor des Tages Hitz’ und Schwüle

Schirmen uns der Buche Zweige;

Kurze Rast in frischer Kühle

Wird uns neue Kraft verleihn.

Wenn die Sonne Flammen sprühet,

Muß der kühle Quell uns laben,

Doch wenn Lieb’ im Herzen glühet,

Flößt kein Trunk uns Labung ein.

Nur wer sich der Lieb’ entziehet,

Kann beglückt und heiter sein.

Nur wer sich der Lieb’ entziehet,

Kann beglückt und heiter sein. –

Nr. 2. Kavatine.

NEMORINO die lesende Adina beobachtend.

Welche Schönheit, welche Reize,

Die Adina hold umschweben!

All mein Mühen, all mein Streben

Flößt ihr kein Erbarmen ein!

Sie gebildet und belesen,

Und ich arm beschränktes Wesen,

Ich kann nichts von all den Dingen,

Seufzen kann ich nur allein.

O wie schön! O wie schön, ach!

Welche Schönheit, welche Reize,

Die Adina hold umschweben!

All mein Mühen, all mein Streben

Flößt ihr kein Erbarmen ein!

Nein, ach, nein!

Flößt ihr kein Erbarmen ein!

Wer erheitert meine Sinne,

Lehrt mich liebenswürdig sein?

GIANETTA UND CHOR.

Wenn die Sonne Flammen sprühet,

Muß der kühle Quell uns laben!

NEMORINO für sich.

O weh mir Armen!

GIANETTA UND CHOR.

Doch wenn Lieb’ im Herzen glühet,

Flößt kein Trunk uns Labung ein.

GIANETTA.

Nein, dann flößt kein Trunk uns Labung ein.

CHOR.

Dann flößt kein Trunk uns Labung ein.

NEMORINO für sich.

Wer erheitert meine Sinne,

Lehrt mich liebenswürdig sein? –

GIANETTA UND CHOR.

Nur wer sich der Lieb’ entziehet,

Kann beglückt und heiter sein.

NEMORINO für sich.

Wer erheitert meine Sinne,

Lehrt mich liebenswürdig sein?

GIANETTA UND CHOR.

Nur wer sich der Lieb’ entziehet,

Kann beglückt und heiter sein.

NEMORINO für sich.

Ach, wer lehret mich

Liebenswürdig sein!

Nr. 3. Kavatine.

ADINA lachend.

Hahahaha!

Sie steht auf.

Gianetta ebenso.

ADINA.

Eine drollige Geschichte!

Was sind das für tolle Sachen!

Die Arbeit hört auf.

Alle versammeln sich um Adina.

GIANETTA UND CHOR.

Warum lachst du? Laß doch hören! –

Sag’, was machte dich so lachen?

ADINA wichtig thuend, doch lächelnd.

Tristans Lieb’ und Herzenswehe

Ist es, was das Buch enthält.

GIANETTA UND CHOR.

Lies doch! lies doch! ei, so lies doch!

NEMORINO für sich.

Zu ihr mich schleichen werd’ ich, während sie erzählt.

GIANETTA UND CHOR.

Lies – doch!

ADINA liest.

Tief von Isoldens Reizen

War Tristans Herz getroffen:

Getäuscht in seinem Hoffen,

Ward er vor Sehnsucht krank.

Da kam, ihm Trost zu spenden,

Ein Wundermann gegangen;

Der gab mit milden Händen

Ihm einen Liebestrank,

Um seine Qual zu enden:

Isoldens Hochmut sank.

Lächelnd zum Chor, ohne zu lesen.

Könnten wir doch nur ergründen,

Ob der Wundermann noch lebt;

Nirgends ist er mehr zu finden

Und verloren sein Rezept.

GIANETTA, NEMORINO UND CHOR.

Könnten wir doch nur ergründen,

Ob der Wundermann noch lebt;

Nirgends ist er mehr zu finden,

Und verloren sein Rezept,

Ja, sein Rezept. – Lies doch!

Lies doch weiter!

ADINA liest weiter.

Kaum hatt’ er in zwei Zügen

Den Zaubertrank genommen,

So wußt’ er zu besiegen

Schmelzend und zärtlich.

Isoldens Grausamkeit.

Mit Pathos.

In einem Augenblicke

Hatt’ er ihr Herz bezwungen,

Sie hing an Tristans Blicke,

Von seinem Arm umschlungen,

Und heiß durch ihre Adern

Durchzuckt sie Liebesschmerz. –

Wie vorher lächelnd, ohne zu lesen.

Könnten wir doch nur ergründen,

Ob der Wundermann noch lebt;

Nirgends ist er mehr zu finden,

Und verloren sein Rezept.

GIANETTA, ADINA, NEMORINO UND CHOR.

Könnten wir doch nur ergründen,

Ob der Wundermann noch lebt;

Nirgends ist er mehr zu finden,

Und verloren sein Rezept.

Trommelwirbel links in der Nähe.

Alle wenden sich nach hinten und beobachten nach links hinein.

Der Sergeant Belcore marschiert mit einem Tambour, zwei Trompetern, einem Unteroffizier und

acht Soldaten, alle in vollständiger Ausrüstung, von

links hinten über den Ablauf herbei.

Zweiter Auftritt.

Die Vorigen. Belcore und seine Soldaten.

BELCORE kommandiert nach fünfunddreißig Takten des Marsches.

Halt! – Front! – Richt’ euch!

G’wehr bei Fuß! – Rührt euch!

Die Soldaten stellen ihre Gewehre in Rotten.

Belcore steckt seinen Säbel ein, nimmt den Hut ab und von demselben einen schönen

Blumenstrauß, nähert sich mit diesem Adina, den Hut unterm Arm.

Nr. 4. Kavatine und Stretta der Introduktion.

BELCORE zu Adina.

So wie Paris mit dem Apfel

Nur die Schönste einst beglücket,

Soll der Strauß, den ich gepflücket,

Auch nur dir beschieden sein.

Mehr als jener Hirtenknabe

Darf mein Los ich glücklich preisen,

Denn zum Lohn für meine Gabe

Seinen Strauß überreichend.

Ist dein kleines Herzchen mein!

Er setzt seinen Hut auf.

ADINA halblaut zu den Mädchen, indem sie den Strauß an den Busen steckt.

Wie bescheiden ist das Herrchen.

GIANETTA halblaut.

Ja, wahrhaftig!

CHOR ebenso.

Ja, wahrhaftig!

ADINA halblaut.

Wie bescheiden!

NEMORINO beiseite, voll Wut.

O ich vergehe!

BELCORE für sich, nach Adina gewendet.

Ja, ich wette, kleines Närrchen,

Bist verliebt im höchsten Grade.

Und wer möchte drob erstaunen?

Laut.

Ein Sergeant voll Stolz und Ehre!

Leis’ erbebt das Herz der Frauen,

Läßt ein blanker Helm sich schauen.

Auch für Mars glüht’ einst Cythere,

Mußte liebend sich ihm weihn.

ADINA für sich.

O wie sinnig!

GIANETTA ebenso.

Ja, wahrhaftig!

BELCORE.

Leis’ erbebt das Herz der Frauen,

Läßt ein blanker Helm sich schauen.

NEMORINO für sich, mit verbissenem Ärger.

O welche Pein!

BELCORE.

Auch für Mars glüht’ einst Cythere,

Mußte liebend, ja, sich ihm weihn. –

Zu Adina.

Da die Herzen sich verstehen,

Warum willst du dich noch zieren?

Laß uns denn kapitulieren,

Sag’, wann soll die Hochzeit sein?

ADINA schelmisch.

Ei, mein Herr, nur nicht so eilen,

Lassen Sie mir doch auch Zeit.

NEMORINO für sich, bebend.

Soll Adina ich verlieren,

Bleibt der Tod mir nur allein!

BELCORE dringend zu Adina.

So laß uns doch –

ADINA schelmisch.

Nicht so eilen –

BELCORE wie vorher.

Kapitulieren! Sag’, wann soll –

NEMORINO wie vorher.

Weh mir Armen!

BELCORE wie vorher.

Die Hochzeit sein?

NEMORINO wie vorher.

Weh mir Armen!

BELCORE wie vorher.

Sag’, wann soll die Hochzeit sein?

ADINA schelmisch.

Nicht so eilen, nicht so eilen,

Bittend.

Lassen Sie mir doch auch Zeit!

BELCORE feurig.

Nicht lange mehr besonnen,

Bald ist die Zeit verronnen;

Im Krieg, wie in der Liebe

Heißt’s rasch entschlossen sein.

Aus meinen Siegerbanden

Kann nichts dich mehr befreien,

Nein, nein, dich mehr befrein!

ADINA scherzend zu Belcore.

Ei, seht mir doch die Männer an

Mit ihrem eitlen Prahlen,

Sie glauben, eh’ der Kampf beginnt,

Die Sieger schon zu sein!

Nein, nicht so leicht gelingt es dir,

Adina ist zu schlau! sie ist zu schlau!

NEMORINO sich aneifernd.

Könnt ich wie er es wagen,

Mein Leid ihr zu gestehen,

Kaum dürfte meinen Klagen

Ihr Herz verschlossen sein!

Könnt ich wie er es wagen,

Mein Leid ihr zu gestehen,

Kaum würde meinen Klagen

Ihr Herz verschlossen sein!

Mein schüchternes Betragen

Wird nie mir Glück verleihn!

Ach, nein! ach, nein! ach, nein! kein Glück verleihn!

BELCORE feurig, drängend.

Nicht lange mehr besonnen! –

Bald ist die Zeit verronnen!

Im Krieg wie in der Liebe –

Ja, da heißt’s, rasch entschlossen sein! –

Aus meinen Siegerbanden

Kann nichts dich mehr befrein,

Dich mehr befrein, dich mehr befrein! –

Kann nichts, kann nichts dich mehr befrein!

ADINA abwehrend, scherzend.

Mein Herr, nur nicht so eilen,

So lassen Sie mir Zeit! –

Mein Herr – nur nicht so eilen!

Mein Herr, Geduld! mein Herr, Geduld!

GIANETTA UND CHOR belustigt unter sich.

Da gäb es wohl zu lachen hier –

Wenn ihm der Streich gelänge! –

Da gäb es wohl zu lachen hier! –

Der Freier bunte Menge,

Wie würde sie’s erfreun!

Doch nein, in ihrem Herzen

Wird niemals Liebe sein!

Nein nein, nein nein, nein nein,

Nie Liebe sein!

Haha, haha, haha, haha!

MÄNNERCHOR wie vorher.

Nein, nein, in ihrem Herzen wird –

BELCORE wie vorher.

Kapituliere!

MÄNNERCHOR wie vorher.

Niemals Liebe sein!

ADINA wie vorher.

Nur nicht so eilen!

FRAUENCHOR wie vorher.

Nein, nein, in ihrem Herzen

Wird niemals Liebe sein!

ADINA wie vorher.

Ei, seht mir doch die Männer an,

Mit ihrem eitlen Prahlen;

Sie glauben, eh’ der Kampf beginnt,

Die Sieger schon zu sein!

Für sich, nach Belcore hin.

Nein, nicht so leicht gelingt er dir,

Adina ist zu schlau!

Nein, nicht so leicht gelingt es dir,

Adina ist zu schlau! Ja, ja, sie ist zu schlau!

BELCORE wie vorher.

Schatz, aus meinen Siegerbanden

Kann nichts dich mehr befrein!

NEMORINO für sich, sich ereifernd.

Könnt’ ich wie er es wagen!

Könnt’ ich wie er es wagen,

Mein Leid ihr zu gestehen,

Kaum dürfte meinen Klagen

Ihr Herz verschlossen sein!

BELCORE wie vorher.

Nicht lange mehr besonnen! –

Ach, bald ist die Zeit verronnen.

Im Krieg wie in der Liebe –

Ja, da heißt’s rasch entschlossen sein!

NEMORINO wie vorher.

Könnt’ ich wie er es wagen,

Mein Leid ihr zu gestehen,

Kaum dürfte meinen Klagen

Ihr Herz verschlossen sein!

ADINA abwehrend, scherzend.

Mein Herr, nur nicht so eilen,

So lassen Sie mir Zeit! –

CHOR UND GIANETTA belustigt unter sich.

Da gäb es wohl zu lachen hier,

Wenn ihm der Streich gelänge!

Da gäb es wohl zu lachen hier,

Da gäb’s zu lachen hier!

GIANETTA UND CHOR beiseite.

In ihrem Herzen

Wird niemals Liebe sein!

NEMORINO wie vorher.

Mein schüchternes Betragen

Wird nie mir Glück verleihn!

BELCORE mit Zuversicht.

Aus Siegerhand

Kann nichts dich mehr befrein!

ADINA wie vorher.

Nein, nicht so leicht gelingt es dir,

Adina ist zu schlau!

GIANETTA UND CHOR beiseite.

Doch nein, in ihrem Herzen

Wird niemals Liebe sein!

BELCORE wie vorher.

Aus meinen Siegerarmen

Kann nichts dich mehr befrein!

ADINA wie vorher.

Nein, nicht so leicht gelingt es dir,

Adina ist zu schlau!

NEMORINO wie vorher.

Mein schüchternes Betragen

Wird nie mir Glück verleihn!

BELCORE spricht, zu Adina. Du erlaubst doch mir und meinen Leuten, in deinem Pachthof ein

wenig auszuruhen?

ADINA freundlich erwidernd. O sehr gern! Nach links zeigend. Kommt nur herein. An einem guten

Trunke zur Erquickung soll es nicht fehlen.

BELCORE galant. Sehr verbunden! Für sich, mit Humor. Sie thut schon, als ob ich zur Familie

gehörte.

ADINA zu den andern. Ihr könnt nun wieder an eure Arbeit gehen, die Hitze hat schon etwas

nachgelassen. Sie giebt den Schnitterinnen einen Wink, ihre Arbeit wieder aufzunehmen und

deutet Gianetta an, von den Wäscherinnen die Wäsche besorgen zu lassen.

Gianetta vollzieht den Auftrag.

Die Wäscherinnen und Gianetta nehmen die Wäsche von den Leinen rechts und tragen sie in Körben

in den Pachthof links.

Die Schnitterinnen entfernen sich nach verschiedenen Seiten hin.

Bauern und Bäuerinnen folgen ihnen.

Belcore wirft Adina eine Kußhand zu, giebt seinen Soldaten ein Zeichen und geht mit ihnen ab

in den Pachthof links.

Adina weist die Knechte an, den Soldaten nachzugehen und ihnen zu trinken zu geben.

Die Knechte folgen den Soldaten.

Adina wendet sich, wenn alle andern sich entfernt haben, ebenfalls nach dem Pachthof.

Nemorino zupft sie sachte am Rocke.

Dritter Auftritt.

Nemorino, Adina zu seiner Linken.

Recitativ.

Nr. 5. Recitativ und Duett.

NEMORINO sanft und zurückhaltend; singt.

Ach, nur ein Wörtchen, Adina!

ADINA ungeduldig.

Gewiß die alte Leier,

Der fade Liebesjammer.

Ihn zurechtweisend.

Du thätest besser,

In die Stadt zu deinem Ohm zurückzukehren,

Der krank daniederliegt

An schwerem Leiden.

NEMORINO.

Doch gegen meine Leiden ist’s nichts, ich wette!

Nicht kann von dir ich scheiden!

Tausendmal schon versucht ich’s!

ADINA.

Wird er nun sterben,

So wird ein andrer erben.

NEMORINO.

Was kümmert’s mich?

ADINA.

In Not und Elend

Wirst du zu Grunde gehen!

NEMORINO.

Sei’s aus Not, sei’s aus Liebe –

Das gilt mir gleich.

ADINA.

Höre mich!

Du bist gut, du bist recht artig –

Nemorinos Gesicht erheitert sich.

ADINA.

Doch kannst mit dem Sergeanten

An Artigkeit dich nimmer messen.

Nemorino wird wieder traurig.

ADINA.

So, wie ich brav dich nenne,

Sag’ ich dir auch, daß dein Herz

Vergebens brenne,

Mit Malice.

Daß ich eigensinnig bin;

Was heut’ mich fesselt,

Macht Verdruß mir und Abscheu

Am nächsten Tage.

NEMORINO.

Adina, sag’, warum?

ADINA.

Ei, schöne Frage.

Duett.

ADINA.

Frag’ die kühlen Morgenlüfte,

Frag’, warum sie schmeichelnd kosen;

Bald mit Lilien und bald mit Rosen

Bald über Flur und Bäche wehn:

Nur Natur kann man es nennen,

Was zum Flattern sie bewegt.

Ja, Natur, ja, Natur zum Flattern,

Zum Flattern sie bewegt.

NEMORINO traurig.

Also soll ich?

ADINA derb.

Mir entsagen! Mir entsagen! Fliehn von hier!

NEMORINO.

Ach, wie könnt’ ich das ertragen?

ADINA.

Nicht vermagst du’s? So sag’, warum? Warum?

NEMORINO.

Warum? Warum? –

Frage doch, warum die Quelle,

Die dem Felsen schnell entspringet,

Hin zum Meere rieselnd dringet,

Wo der Tod sie kalt umfängt.

Ach, sie kann es dir nicht sagen,

Welch geheime Macht sie drängt!

ADINA mit Güte.

Also willst du?

NEMORINO.

Wie sie nun sterben,

Doch vor deinem Angesicht.

ADINA.

Magst bei andern um Liebe werben!

NEMORINO.

Nein, o nein! Das kann ich nicht!

Das kann ich nicht! Das kann ich nicht!

ADINA ausgelassen lachend.

Von dem Wahne dich zu heilen,

Denn nur Wahn ist Liebestreue,

Mußt du meine Ansicht teilen,

Täglich lieben eine Neue.

Statt dem Gram mich hinzugeben,

Dient die Liebe mir zum Scherz;

So genieße ich mein Leben

Und in Freiheit bleibt mein Herz,

Ja, ja, mein Herz,

Und in Freiheit bleibt mein Herz!

NEMORINO.

Ach! Wo ich weile, wo ich gehe,

Fühl’ ich bang’ mein Herz erbeben;

Träume mich in deine Nähe,

Seh’ dein Bild mich hold umschweben.

Hat dein Leichtsinn auch getrieben

Mit der Liebe seinen Scherz,

Ach, zum zweitenmal zu lieben,

Das vermag kein treues Herz!

ADINA.

Ja, ja, ja!

Sie geht an ihm vorüber nach rechts.

NEMORINO.

Nein, nein, nein!

ADINA.

Ja, ja, ja!

NEMORINO.

Nein, nein, nein!

ADINA.

Ja, ja, ja!

NEMORINO.

Das vermag kein treues Herz!

ADINA.

So genieße ich mein Leben

Und in Freiheit bleibt mein Herz!

NEMORINO.

Nein, nein, nein! – Nein, nein, nein!

Das vermag fürwahr kein treues Herz!

ADINA mit Güte.

Also willst du?

NEMORINO.

Ich will in Liebe sterben

Vor deinem Angesicht!

ADINA.

Magst bei andern –

NEMORINO.

Nein.

ADINA.

Liebe werben!

NEMORINO.

Nein, lieber sterben für dich! –

ADINA.

Ei, ei, für mich willst sterben du?

Von dem Wahne dich zu heilen,

Denn nur Wahn ist Liebestreue,

Mußt du meine Ansicht teilen,

Täglich lieben eine Neue!

NEMORINO.

Hat dein Leichtsinn auch getrieben

Mit der Liebe seinen Scherz,

Ach, zum zweitenmal zu lieben,

Das vermag kein treues Herz!

ADINA.

Ja, ja, ja!

Sie geht an ihm vorüber nach links.

NEMORINO.

Nein, nein, nein!

ADINA.

Ja, ja, ja!

NEMORINO.

Nein, nein, nein!

ADINA.

Ja, ja, ja!

NEMORINO.

Das vermag kein treues Herz!

ADINA.

So genieße ich mein Leben

Und in Freiheit bleibt mein Herz!

NEMORINO.

Nein, nein, nein! – Nein, nein, nein!

Das vermag fürwahr kein treues Herz!

Hat dein Leichtsinn auch getrieben

Mit der Liebe seinen Scherz,

Ach, zum zweitenmal zu lieben,

Das vermag kein treues Herz!

ADINA.

Statt dem Gram mich hinzugeben,

Dienet Liebe mir zum Scherz;

So genieße ich mein Leben,

Und in Freiheit bleibt mein Herz!

Adina wendet sich zum Abgang nach links in den Pachthof.

Nemorino eilt ihr mit bittender Gebärde nach.

Adina bemerkt es und dreht sich um.

Nemorino erschrickt.

Adina droht ihm mit erhobenem Finger.

Nemorino tritt ihr bittend näher.

Adina stampft leicht auf, stellt sich böse und zeigt ihm mit ausgestreckter Hand, daß er gehen

solle.

Nemorino geht in kläglicher Haltung ab nach rechts hinten.

Adina eilt laut lachend ab nach links in den Pachthof.

Ein Posthorn wird von links in der Nähe gehört.

Landleute eilen von allen Seiten herbei und beobachten nach links.

Vierter Auftritt.

Landleute.

Nr. 6. Chor.

FRAUENCHOR.

Ei, was mag dieser Ton wohl bedeuten? –

MÄNNERCHOR.

Hört, o höret! Was Neues!

Habt ihr’s noch nicht vernommen?

In vergoldetem Wagen

Ist ein Fremder angekommen.

Welcher Adel in Mienen und Blicken,

In Mienen und Blicken!

Wie die Leute sich neigen und bücken,

Sich neigen und bücken!

Sicher geht auf so glänzende Weise

Nur ein Baron, ein Marquis auf die Reise.

FRAUEN UND MÄNNER.

Sicherlich geht auf so glänzende Weise

Nur ein Baron, ein Marquis auf die Reise.

Solchen Herrn ihr wohl hier noch nicht sahet,

‘s ist ein Herzog, der steigt bei uns ab!

Ha, gebt Achtung, er kommt schon, er nahet.

Schnell die Hüte, die Mützen herab!

Der Quacksalber Dulcamara kommt von links hinten auf einem mit Gold verzierten Wagen, der von

einem magern Gaul gezogen wird; eine Stange mit einem schlecht gemalten Bildnis Dulcamaras und

eine Tafel mit einer Ratte darauf gezeichnet sind an der Hinterseite des Wagens angebracht;

der Wagen ist über und über mit marktschreierischen Gemälden, Fahnen und Schildern bedeckt,

selbst der Gaul hat Tafeln mit Inschriften auf sich hängen; hinter Dulcamara ein auffallend

gekleideter, reich bordierter Diener mit einem Posthorn und mit einem Kasten voll Tinkturen,

Pillenschachteln, Medikamenten etc.; ein kleiner Mohr führt den Gaul und teilt dann Zettel mit

Anpreisungen aus; der Wagen fährt schräg in die Mitte und Dulcamara bleibt im Wagen stehen.

Fünfter Auftritt.

Dulcamara. Diener. Mohr. Landleute.

Die Landleute umstehen staunend den Wagen.

Nr. 7. Kavatine mit Chor.

DULCAMARA.

Vernehmet! Ihr Leute! O höret mich!

Gemurmel.

Seid stille! Spitzt die Ohren!

Es wird still.

Gewiß ist schon vom weiten

Seit langen grauen Zeiten

Durch Famas laute Zungen

Der Ruf zu euch gedrungen

Vom Doktor Dulcamara,

Berühmt durch seine Thaten,

Durch seine Wunderkuren,

Bekannt in ganz Europa,

Gesprochen.

Selbst bei den Mulatten –

Er singt weiter.

Als Arzt zieh ich von Haus zu Haus,

Durch Berge und durch Thäler,

Ich treibe jede Krankheit aus

Und leere die Spitäler.

Ich biet’ euch die Gesundheit an

Mit meiner Medizin;

Drum komm und kaufe jedermann,

Ich geb’ sie wohlfeil hin! –

Diener reicht ihm während der folgenden Anpreisungen die Gegenstände, Schachteln, Gläser und

Mixturen zu.

DULCAMARA greift nach einer Flasche und einem Blättchen mit Beschreibung.

Hier sehet mein Specifikum,

Es wirkt auf seltne Weise;

Schnell bringt es alle Motten um,

Die Ratten und die Mäuse.

Er reicht das Blättchen hin.

In dem Certifikate

Vom hohen Magistrate

Könnt’ ihr die Probe lesen,

Da steht es deutlich drin.

Er ergreift eine zweite Flasche.

Durch dieses, mein Specifikum,

Sympathisch wirkend um und um,

Ward kürzlich erst ein Alter

Noch seines Stamms Erhalter:

Ein paar gesunde Zwillinge

Wiegt er auf seinen Knien!

Er langt nach einer Salbenbüchse und zeigt sie umher.

Mit diesem Elixire

Still’ ich der Witwen Sehnen,

Es schwinden ihre Thränen

In kurzer Zeit dahin.

CHOR.

Ah!

DULCAMARA sich zu den Matronen wendend, zeigt er eine große Flasche mit einem Totenkopf.

Und ihr, verehrte Frauen,

Wollt ihr euch jung erhalten,

Dem Mittel könnt ihr trauen,

Es glättet alle Falten!

Mit mehreren Fläschchen in der Hand.

Tragt, Mädchen, ihr Verlangen

Nach Grübchen in den Wangen?

Ihr jungen Bauersleute,

Wollt ihr recht schöne Bräute,

So kaufet mein Specifikum,

Ich geb’s euch wohlfeil hin!

Ihr Bursche und ihr Mädchen,

Ihr Witwen und ihr Frauen,

Kommt, kaufet mein Specifikum,

Ich geb’s euch wohlfeil hin!

Sei einer paralytisch,

Asthmatisch und asphyktisch,

Rheumatisch, apoplektisch,

Hysterisch oder hektisch,

Und kann ein schwacher Magen

Ein Gläschen nicht vertragen,

Ich weiß ihn zu kurieren

Mit meiner Medizin.

Er zeigt eine Schachtel vor.

Dies Mittel ist für Wanzen gut,

Auch wohl es für die Leber thut,

Es hilft auch für die Wassersucht,

Ist herrlich für die Lungensucht;

Drum kauft nur mein Specifikum,

Ihr Männer und ihr Frauen,

Ihr dürfet mir vertrauen,

So wahr ich ehrlich bin.

Herbei! Herbei! Ihr Mädchen!

Herbei! Herbei! Ihr Frauen!

Kommt, kaufet mein Specifikum,

Ich biet’s euch wohlfeil an,

Ja, ja, ich biet’s euch wohlfeil an! –

Er weist mit einem Stäbchen bald auf die Aushängeschilder, auf sein Pferd und auf seinen

Wagen, bald auf Flaschen und Gläser.

Der Mohr und der Diener bieten immerfort Medikamente aus.

DULCAMARA.

Ja, ich bring’s von weiter Reise

Über tausend Meilen her.

Er ergreift wieder eine Flasche.

Wie? Ihr fraget nach dem Preise?

Was der Wert der Flasche wäre?

Schreiend.

Zwanzig Thaler.

Lächelnd.

Nein! –

Vierzehn? – Nein! – Sieben!

O seid darum nicht bange.

Weil ihr freundlich hergekommen

Und mich höflich aufgenommen,

Sollt ihr wohlfeil es bekommen:

Sehr laut.

Einen Thaler wendet an.

CHOR staunend.

Einen Thaler? Ei, man denke!

Das ist ja ein Ehrenmann! –

DULCAMARA eine große Flasche mit einer langen Fahne vorzeigend.

Sehet her, für diese Flasche

Mit dem Wunder-Elixire,

Geben die, die ich kuriere,

Sonst mir jedesmal neun Lire.

Doch da ich hier Orts geboren,

Geb’ ich etwas dran verloren,

Und ihr sollt die Wundergaben

Um drei Lire von mir haben.

Er spricht zu seinem Diener.

Blase nun!

Diener bläst auf seinem Posthorn.

DULCAMARA steigt vom Wagen.

Klar und deutlich muß euch allen

Der Beweis ins Auge fallen,

Daß ihr so bei diesem Handel

Einen Thaler euch gespart.

CHOR.

Ja, die Rechnung ist ganz richtig!

Wollet schnell nur her es geben!

Großer Doktor, Ihr sollt leben!

Sie drängen sich an ihn. Dulcamara teilt gegen Bezahlung Fläschchen, Büchsen, Schachteln und

dergleichen aus.

Kaufet! – Drei Lire! – Avanti! – Avanti!

CHOR.

Nimmer wird man Euch vergessen,

Denn Ihr seid ein braver Mann! Ja!

DULCAMARA.

Ach, der Heimat süße Bande

Wirken Wunder dann und wann!

CHOR.

Nimmer wird man Euch vergessen!

DULCAMARA.

Denn der Heimat süße Bande

Wirken Wunder dann und wann!

CHOR.

Nimmer wird man Euch vergessen,

Braver Mann!

DULCAMARA.

Wirken Wunder dann und wann!

CHOR.

Ja, Ihr seid ein braver Mann!

DULCAMARA im tragischen Tone.

Denn der Heimat süße Bande

Wirken Wunder dann und wann!

CHOR.

Ein braver Mann!

DULCAMARA.

Denn der Heimat süße Bande

Wirken Wunder dann und wann,

Ja, dann und wann!

CHOR.

Ein braver Mann, ein braver Mann,

Ja, Ihr seid ein braver Mann,

Braver Mann!

Sie bezahlen den Doktor, zerstreuen sich mit ihren Medikamenten, sich eifrig besprechend und

auf Dulcamara zurückweisend, nach allen Seiten hin.

Nemorino ist schon früher von rechts hinten herbeigekommen, hat eifrig auf Dulcamara

hingehorcht, scheint einen Entschluß gefaßt zu haben und nachdem die Landleute alle

verschwunden sind, nähert er sich dem Doktor.

Der Mohr und der Diener entfernen sich nach links in den Pachthof, wie um eine Erfrischung zu

erbitten, nachdem sie vorher den Gaul abgespannt und nach links hinten weggeführt haben.

Sechster Auftritt.

Nemorino, Dulcamara zu seiner Linken. Dann der Mohr, der Diener, zwei Knechte.

Recitativ.

Nr. 8. Recitativ und Duett.

NEMORINO für sich; singt.

Nur Mut! Vielleicht erlesen

Zu meinem Glücke

Ist von höherm Wesen der Wundermann,

Der hier erst angekommen.

Ich will ihn sprechen,

Ist mein Herz auch beklommen. –

Er zieht seinen Hut, laut.

Herr Doktor, Ihr verzeiht mir,

Ihr habt wohl, wie man sagte,

Gar wunderbare Sachen?

DULCAMARA mit Pathos.

Ja, zum Staunen!

Pandoras Schätze trage ich in meiner Tasche.

NEMORINO voll Begierde.

Habt Ihr denn auch zum Beispiel

Ihm zublinzelnd.

Jenen Liebestrank der Königin Isolde?

DULCAMARA ihn anstarrend.

He? Was? Was für’n Ding?

Duett.

NEMORINO sieht sich um, ob jemand lauscht und nähert sich; halblaut.

Man erzählt von einem Tranke,

Der ein sprödes Herz soll rühren.

DULCAMARA ihn verstehend, pfiffig.

Ach! Ja, ja! Verstehe, begreife!

Ich kann selbst ihn destillieren!

NEMORINO freudig.

Wär’ es wahr?

DULCAMARA.

Ja, heutzutag’

Ist die Frage, ist die Frage stark danach!

NEMORINO.

Welches Glück! Und Ihr verkauft ihn?

DULCAMARA.

Ich verkauf’ ihn aller Welt!

NEMORINO.

Nennt den Preis mir nur geschwinde!

DULCAMARA mild.

Er ist billig!

NEMORINO froh.

Billig?

DULCAMARA ihn fixierend.

Das heißt – je nachdem.

NEMORINO betrübt.

Einen Dukaten – mehr hab’ ich nicht!

DULCAMARA schnell und freudig.

Und gerade reicht es hin.

NEMORINO reicht ihm sein Geldstück.

Ach, empfangt für Eure Gabe

All mein Geld und heißen Dank.

DULCAMARA nimmt den Dukaten, geht an den Wagen und nimmt eine mit einer Vignette beklebte

Flasche heraus.

Hier hast du den Wundertrank!

NEMORINO nimmt mit heftigem Entzücken.

Sehr verbunden, o sehr verbunden!

Aller Kummer ist entschwunden!

Zaubermittel, wer dich erfunden,

Ist fürwahr ein großer Mann! Ja! –

Er küßt die Flasche und drückt sie liebevoll an sein Herz.

DULCAMARA geht an ihm vorüber nach rechts; für sich.

Auf der Erde weitem Kreise

Hab’ ich Dumme wohl gefunden,

Doch ich traf auf meiner Reise

Keinen solchen Pinsel an.

Er will nach links abgehen.

NEMORINO wie vorher.

Sehr verbunden, sehr verbunden!

Aller Kummer ist entschwunden!

Zaubermittel, wer dich erfunden,

Ist fürwahr ein großer Mann!

Ihn zurückhaltend.

Einen Augenblick, Herr Doktor.

Nur noch eines möcht’ ich wissen. –

Wie muß ich den Trank genießen?

DULCAMARA mit verschmitzter Miene auf die Vignette weisend.

Schüttle ihn erst eine Weile,

Sonst zersetzen sich die Teile.

Öffne dann den Kork der Flasche;

Doch ist Vorsicht zu gebrauchen,

Denn der Geist kann leicht verrauchen!

NEMORINO hat mit offenem Munde und mit großer Aufmerksamkeit zugehört.

Gut!

Der Mohr, der Diener und zwei Knechte kommen von links aus dem Pachthof und entfernen den

Wagen nach links hinter den Pachthof.

DULCAMARA.

Eilig setz’ ihn an die Lippen –

NEMORINO leckt mit der Zunge, als ob er schon koste.

Gut!

DULCAMARA.

Nur ein wenig davon zu nippen –

NEMORINO bejahend.

Gut!

DULCAMARA.

Und die Wirkung wird sich zeigen,

Freund, ich stehe dir dafür.

NEMORINO mit Erstaunen.

Wirkt es schnelle?

DULCAMARA einlenkend.

Nicht auf der Stelle!

Erst in vierundzwanzig Stunden.

Beiseite.

Zeit hab’ ich indes gefunden,

Weit bin ich alsdann von hier!

NEMORINO ihn ansehend, mit saurem Gesicht.

Doch wie schmeckt es?

DULCAMARA dessen sich bewußt.

Ganz vortrefflich!

NEMORINO mit großen Augen.

Ganz vortrefflich?

DULCAMARA.

Ganz vortrefflich!

Beiseite.

‘s ist Bordeaux, kein Elixir!

NEMORINO wie vorher.

Sehr verbunden, o sehr verbunden!

Aller Kummer ist verschwunden!

Zaubermittel, wer dich erfunden,

Ist fürwahr ein großer Mann!

DULCAMARA für sich.

Nein, ich traf auf meiner Reise

Keinen solchen Pinsel an!

NEMORINO.

Sehr verbunden, sehr verbunden!

Aller Kummer ist verschwunden!

Zaubermittel, wer dich erfunden,

Ist fürwahr ein großer Mann!

Er will sich entfernen.

DULCAMARA ihm zurufend.

Junger Mann – he! he!

NEMORINO kehrt um.

Herr Doktor?

DULCAMARA geheimnisvoll.

Reinen Mund! – Verstanden?

Hörst du? Fein stille – geschwiegen!

Liebestränke abzusetzen,

Widerstreitet den Gesetzen.

NEMORINO.

Aha!

DULCAMARA.

Ja, ja, glaub’ mir!

Es widerstreitet den Gesetzen!

Geheimnisvoll.

Freund, es wär’ um uns geschehen,

Mischt die Obrigkeit sich drein!

Also nur schweigen!

NEMORINO die Hand aufs Herz legend.

Heilig will ich’s Euch versprechen,

Werde schon verschwiegen sein.

DULCAMARA.

Nur schweigen!

NEMORINO.

Heilig will ich’s Euch versprechen!

DULCAMARA.

Nur schweigen!

NEMORINO.

Heilig will ich’s Euch versprechen,

Werde schon verschwiegen sein!

DULCAMARA ihm die Hand reichend und sie schüttelnd.

Gehe denn, du Hochbeglückter,

Reichen Lohn bringt dein Vertrauen,

Denn die Mädchen und die Frauen

Sind bis morgen alle dein.

Gehe denn, du Hochbeglückter,

Denn die Mädchen und die Frauen

Sind bis morgen alle dein!

NEMORINO mit Feuer.

Ach, das Herz, das Herz der einen,

Soll fortan mir ganz gehören.

Keiner sonst, das will ich schwören,

Wird der Trank gewidmet sein.

DULCAMARA für sich.

Früh, wenn kaum die Nacht sich endet,

Hoff’ ich fern von hier zu sein!

Laut.

Gehe denn, du Hochbeglückter,

Reichen Lohn bringt dein Vertrauen,

Denn die Mädchen und die Frauen

Sind bis morgen alle dein!

Für sich.

Früh, wenn kaum die Nacht sich endet,

Hoff’ ich fern von hier zu sein!

NEMORINO nach Dulcamara hin.

Ja, vom Himmel mir gesendet,

Traf er hier im Dorfe ein!

DULCAMARA.

Nun, so geh’, du Hochbeglückter, geh’, geh’!

NEMORINO.

Fort denn!

DULCAMARA.

Geh’, doch nur strenges, strenges Schweigen,

Ja, Schweigen!

NEMORINO.

Ich versprech’ es!

Werde schon verschwiegen sein.

Ach, das Herz, das Herz der einen

Soll fortan mir ganz gehören;

Keiner sonst, das will ich schwören,

Soll der Trank gewidmet sein!

DULCAMARA für sich.

Früh, wenn kaum die Nacht sich endet,

Hoff’ ich fern von hier zu sein!

Laut.

Gehe denn, du Hochbeglückter,

Reichen Lohn bringt dein Vertrauen,

Denn die Mädchen und die Frauen

Sind bis morgen alle dein!

Für sich.

Früh, wenn kaum die Nacht sich endet,

Hoff’ ich fern von hier zu sein! Doch –

NEMORINO wie vorher.

Ja, vom Himmel mir gesendet,

Traf er hier im Dorfe ein!

DULCAMARA.

Doch wirst du strenge auch verschweigen –

NEMORINO.

Ich versprech’ es!

DULCAMARA.

Wirst du strenge auch verschweigen?

NEMORINO.

Ja, ich schwöre!

DULCAMARA für sich.

Früh, wenn kaum die Nacht sich endet,

Hoff’ ich fern von hier zu sein!

Früh, wenn kaum die Nacht sich endet,

Hoff’ ich fern von hier zu sein!

NEMORINO.

Ja, vom Himmel mir gesendet,

Traf er hier im Dorfe ein!

Traf er hier im Dorfe ein!

DULCAMARA.

Ja, fern zu sein, ja, fern zu sein!

Ja, dann hoff’ ich fern zu sein!

Nemorino läuft in großer Freude umher, den Doktor in seinem Eifer umhalsend.

Dulcamara lacht und geht an ihm vorüber ab nach links in den Pachthof.

Siebenter Auftritt.

Nemorino allein.

Recitativ oder beliebig Dialog.

Nr. 9. Recitativ.

NEMORINO hebt die Flasche hoch, singt.

Göttlicher Trank, du mein nun!

Ja, ganz mein eigen! –

Wie kräftig muß der Tranksein,

Da seine Kraft,

Noch nicht einmal getrunken,

Mich schon erhebet

Und mir schafft Begeistrung! –

Ach, daß mein heißes Sehnen

Die Wirkung erst soll sehen

Und fühlen die Freude,

Wenn ein Tag vergangen?

Zaudre nicht!

Er trinkt.

O köstlich! O herrlich!

Schnell noch ein Schlückchen!

Er trinkt in langen Zügen.

Ich fühle durch die Adern

Wonnige Wärme rieseln.

Feurig.

Ob wohl ihr Herz

Bald diese süße Flamme

Auch zu fühlen beginnt?

Er trinkt.

O welche Wonne!

Rosig erscheint die Welt

Heut’ meinem Blicke!

Ja, selbst der Appetit

Kehrt mir zurück.

Er setzt sich an den Tisch rechts, nimmt Brot und Früchte aus der Tasche und singt laut und

mit vollem Munde.

La, la, la, la, la, la, la, la, la!

NEMORINO die Flasche mit Wohlgefallen betrachtend, spricht. Himmlischer Trank, du bist nun

mein, ganz mein Eigentum! Wie groß muß deine Zauberkraft sein, wenn du noch ungetrunken mich

schon belebst, erhebst und mir Mut und Stärke durch die Adern gießest! Aber warum das Zaudern?

Warum soll ich warten, bis ein ganzer langer Tag verflossen ist? Ich probier’s gleich! Es wird

den Kopf nicht kosten! Er trinkt. Herrlich! Er streicht sich den Bauch. Ganz köstlich! Ich

hab’s ja gesagt! Schnell noch einmal! Er trinkt in langen Zügen; aufatmend. Ah! Ich werde ein

anderer Mensch! So was hab’ ich ja nie gefühlt! Es hämmert mir im Kopf und es zittert mir im

Herzen! Feurig. Ob’s bei ihr ebenso ist? Fast sollt’ ich es glauben! Mir sagt’s die Ahnung,

die mir die schöne Welt noch herrlicher erscheinen läßt – und der Hunger, der mich plötzlich

quält! Er setzt sich an den Tisch rechts, nimmt Brot und Früchte aus der Tasche und singt laut

und mit vollem Munde.

La, la, la, la, la, la, la, la, la!

Adina kommt von links aus dem Pachthof.

Achter Auftritt.

Nemorino, Adina zu seiner Linken.

ADINA beobachtet Nemorino, für sich.

Wer ist der Narr?

Sie tritt näher.

Was seh’ ich? ‘s ist Nemorino! –

Gar so lustig? Und weshalb?

NEMORINO.

La, la. la –

Er sieht sie, für sich.

Himmel, da ist sie!

Er steht auf, will auf sie zu, besinnt sich aber und setzt sich wieder; für sich.

Doch nein, ich bleibe kalt!

An meinen Seufzern

Darf sie nimmer sich erfreun!

Sie selbst soll morgen,

Wie ich’s bisher gethan,

Um Liebe flehen!

ADINA für sich.

Er sieht mich gar nicht an?

Was ist geschehen?

ADINA für sich. Wer schreit denn so hier herum? Sie tritt näher. Wahrhaftig, es ist Nemorino!

Und so lustig? Wie geht denn das zu?

NEMORINO wie vorher. La, la, la – Er sieht sie; für sich. Richtig, da ist sie! Er steht auf,

will auf sie zu, besinnt sich aber und setzt sich wieder. Nicht voreilig, Nemorino! Bleibe

kalt! Sie soll auch nicht einen Seufzer von mir hören, die Hartherzige! Morgen wird sich das

Blättchen wenden! Dann wird sie um Liebe betteln – ja, betteln – wie ich es bisher gethan

habe. Nur Geduld, nur Geduld!

ADINA für sich. Was ist denn mit ihm vorgegangen? Er sieht mich ja nicht einmal an. Was ist

denn da geschehen?

Nr. 10. Duett.

NEMORINO steht auf, tanzt und trinkt.

Lalalalalalalalalalalalala

Lalalalalalalalalalala!

ADINA staunend, für sich.

Wie soll ich das verstehen?

Verstellung scheint es nur!

NEMORINO.

Lalalalalalalalalalalalalalalalalalala!

Lalalalalalalalalalalalalalalalalalalalalalala!

Für sich, heimlich nach Adina blickend.

Noch zeigt sie keine Liebe!

Lalalalalalalalalalalalalalalalala

Lalalalalalalalalalalalalalalalala!

ADINA wie vorher.

Ja, ja, er will mich necken.

NEMORINO für sich.

Noch kann ich nichts entdecken.

ADINA für sich.

Gleich hab’ ich’s wahrgenommen.

NEMORINO für sich.

Geduld, es wird schon kommen.

ADINA lacht.

Haha! – Ha! –

NEMORINO.

An meiner Sehnsucht Leiden

Mag noch ihr Herz sich weiden;

Geduld, Geduld bis morgen,

Dann ist die Reih’ an mir,

Die Reih’ an mir, die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Den Ketten zu entfliehen,

Dahin geht sein Bemühen!

Jedoch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür.

Den Ketten zu entfliehen,

Dahin geht sein Bemühen!

Jedoch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür!

NEMORINO.

O juble nur, morgen schon,

Dann ist die Reih’ an mir,

Die Reih’ an mir!

An meiner Sehnsucht Leiden

Mag noch ihr Herz sich weiden;

Ja, morgen naht das Ende, ja,

Ja, dann ist die Reih’ an mir!

Er trinkt heimlich; gesteigert wie vorher.

Lalalalalalalala!

ADINA sich nähernd.

Bravissimo!

Ei, ei, das muß ich loben,

Du folgest meiner Lehre.

NEMORINO heiter zu ihr.

Ich wollt’ es nur erproben,

Ob’s wohl auch möglich wäre!

ADINA ironisch.

Und deinen Herzenskummer?

NEMORINO.

Ich wiege ihn in Schlummer.

ADINA wie vorher.

Der Schmerz, den du empfunden?

NEMORINO mit Frohsinn.

Er ist schon halb verschwunden;

Noch vierundzwanzig Stunden,

Dann wird er ganz vergehn!

ADINA sich erstaunt stellend.

Gewiß?

Nemorino bejaht.

ADINA.

Ei, ei, das freut mich!

Und doch – wir wollen sehn!

Sie geht an ihm vorüber nach rechts.

NEMORINO.

Mein Herz wird heilen.

ADINA.

Nun wohlan! Nun wohlan!

Sie geht lachend auf und nieder.

NEMORINO für sich.

An meiner Sehnsucht Leiden

Mag noch ihr Herz sich weiden!

ADINA für sich.

Den Ketten zu entfliehen,

Dahin geht sein Bemühen!

NEMORINO für sich.

Geduld, Geduld bis morgen,

Dann ist die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Ja, doch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

An meiner Sehnsucht Leiden –

ADINA für sich.

Den Ketten zu entfliehen,

Den Ketten zu entfliehen,

Dahin geht sein Bemühen;

Jedoch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

An meiner Sehnsucht Leiden

Mag noch ihr Herz sich weiden;

Schon morgen naht das Ende sich,

Dann ist die Reih’ an mir!

Schon morgen naht das Ende, ja,

Dann ist die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Jedoch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

Ja, ja, die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Ja, ja, bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

Ja, ja, die Reih’ an mir! –

Zu Adina.

Mein Herz wird heilen.

ADINA schelmisch lächelnd.

Gewißlich?

NEMORINO.

Ja, ja, gewiß! – Ja, ja, gewiß!

ADINA wie vorher.

Ja?

NEMORINO gesteigert.

Ja!

ADINA ebenso.

Ah! –

NEMORINO für sich.

Ja! – An meiner Sehnsucht Leiden –

Mag noch ihr Herz sich weiden.

ADINA für sich.

Den Ketten zu entfliehen,

Dahin geht sein Bemühen!

NEMORINO für sich.

Geduld, Geduld bis morgen,

Dann ist die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Jedoch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

An meiner Sehnsucht Leiden –

ADINA für sich.

Den Ketten zu entfliehen,

Den Ketten zu entfliehen,

Dahin geht sein Bemühen;

Jedoch mit stärkern Banden

Wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

An meiner Sehnsucht Leiden

Mag noch ihr Herz sich weiden;

Schon morgen naht das Ende sich,

Dann ist die Reih’ an mir!

Schon morgen naht das Ende sich,

Dann ist die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Jedoch mit stärkern Banden

Ja, wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

Ja, ja, die Reih’ an mir –

ADINA für sich.

Ja, ja, bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

Ja, ja, die Reih’ an mir!

ADINA für sich.

Ja, dann wird er bestraft dafür!

NEMORINO für sich.

Ja, morgen ist die Reih’ an mir!

Sergeant Belcore singt im Pachthofe links.

Neunter Auftritt.

Adina rechts, Nemorino zu ihrer Linken. Belcore im Pachthofe.

Nr. 11. Terzett.

BELCORE drinnen singend.

Tram! tram! tram! tram! tram! tram! tram! tram! tram!

Im Krieg und in der Lieb’

Darf man es nicht verpassen –

ADINA geht an Nemorino vorüber nach links; für sich.

Ganz recht kommt mir Belcore!

BELCORE drinnen.

Man muß den Zeitpunkt fassen

Im Krieg und in der Lieb’!

NEMORINO für sich.

Schon prahlt er mit dem Sieg!

BELCORE drinnen.

Ja, man muß den Zeitpunkt fassen

Im Krieg und in der Lieb’!

Tram! Tram! – Tram! tram!

Er kommt von links aus dem Pachthof heraus und begrüßt Adina freundlich und zutraulich.

ADINA ebenso zu ihm.

Mein Freund, seid Ihr zufrieden?

Was sagt Ihr zum Quartiere?

BELCORE.

Der Platz will Trotz mir bieten,

Obgleich ich ihn blockiere!

ADINA nach Nemorino blickend.

Solch tapferm Helden sollte

Nicht leicht ein Sieg entgehn!

BELCORE.

Ja! Wenn nur Gott Amor wollte?

ADINA freundlich.

Er will, Ihr werdet es schon sehn!

BELCORE freudig erstaunt.

Himmel! So dürft’ ich hoffen?

NEMORINO ingrimmig für sich.

Mein Herz will fast verzagen!

BELCORE Adinas Hand ergreifend.

Mein Engel, sag’ es offen,

Wann wird die Stunde schlagen?

ADINA freundlich und entgegenkommend.

In kurzem schon!

NEMORINO erschreckt auf seinen vorigen Sitz zurücksinkend.

Was Teufel!

BELCORE dringend.

O rede!

ADINA Nemorino beobachtend, stark betonend.

In sechs Tagen!

BELCORE.

Ah! Vor Freude, vor Behagen –

NEMORINO fröhlich und laut.

Hahahaha!

BELCORE.

Fühl’ ich das Herz mir schlagen!

NEMORINO wie vorher.

Hahahaha!

BELCORE.

Das Herz –

NEMORINO wie vorher.

Hahahaha!

Er steht auf.

BELCORE.

Mir schla – gen!

NEMORINO wie vorher.

So geht’s recht schön! So geht’s recht schön!

Haha, haha! So geht’s recht schön! –

BELCORE für sich.

Was hat der hier zu lachen?

Geduld, ich lehr’ ihn schweigen!

Den Weg werd’ ich ihm zeigen,

Will er nicht von hier gehn!

NEMORINO wildlustig lachend.

Haha, nur zu!

BELCORE wie vorher.

Den Weg werd’ ich ihm zeigen –

NEMORINO wildlustig.

Haha, nur zu.

BELCORE wie vorher.

Wird er nicht von hier gehn!

ADINA für sich.

Sein Unglück macht ihn lachen!

Ei, fürwahr, das ist doch eigen!

Ihm meinen Zorn zu zeigen,

Kann ich kaum noch widerstehn!

NEMORINO für sich.

Ganz herrlich stehn die Sachen!

Er wähnt sie schon sein eigen! –

Bis morgen wird sich’s zeigen –

Da sollt ihr Wunder sehn!

BELCORE für sich.

Was hat er hier zu lachen?

Geduld, ich lehr’ ihn schweigen!

Den Weg werd’ ich ihm zeigen,

Wird er nicht von hier gehn!

Ich werd’ den Weg ihm zeigen schon,

Wird er nicht von hier gehn!

ADINA für sich.

Ihm meinen Zorn zu zeigen,

Kann kaum ich widerstehn!

Sein Unglück macht ihn lachen,

Fürwahr, das ist doch eigen! –

Den Zorn ihm – nun zu zeigen –

Ja, ihm meinen Zorn zu zeigen,

Kann ich kaum noch widerstehn!

NEMORINO für sich.

Bis morgen wird sich’s zeigen,

Da sollt ihr Wunder sehn!

Ganz herrlich stehn die Sachen,

Er wähnt sie schon sein eigen!

Schon morgen – da wird sich’s zeigen!

Ja, schon morgen wird sich’s zeigen,

Morgen sollt ihr Wunder sehn!

BELCORE für sich.

Dieser Gimpel! – Dieser Gimpel! –

Ja, den Weg werd’ ich ihm zeigen,

Ja, den Weg ihm zeigen,

Wird er fort nicht gehn –

ADINA für sich.

Ihm meinen Zorn zu zeigen,

Kann ich kaum noch widerstehn!

NEMORINO für sich.

Haha, haha, hahahaha, haha, haha, hahahaha!

Ja, morgen wird sich’s zeigen,

Da sollt ihr Wunder sehn!

BELCORE für sich.

Wird er von hier nicht gehn!

Den Weg werd’ ich ihm zeigen,

Wird er von hier nicht gehn!

ADINA für sich.

Ihm meinen Zorn zu zeigen,

Kann ich kaum noch widerstehn!

NEMORINO für sich.

Haha, haha, hahahaha, haha, haha, hahahaha!

Ja, morgen wird sich’s zeigen,

Ei, da sollt ihr Wunder sehn!

BELCORE für sich.

Wird er von hier nicht gehn!

Den Weg werd’ ich ihm zeigen,

Wird er von hier nicht gehn!

Trommelwirbel links hinten.

Gianetta kommt mit den Wäscherinnen von links aus dem Pachthof.

Die Soldaten und Knechte folgen von ebendaher.

Landleute, Bauern und Bäuerinnen eilen von allen Seiten herbei.

Zehnter Auftritt.

Die Vorigen. Gianetta. Soldaten, Bauern und Bäuerinnen, Wäscherinnen, Knechte zurückstehend.

Nr. 12. Quartett und Stretta. Erstes Finale.

GIANETTA zu Belcore.

Mein Herr Sergeant! Mein Herr Sergeant!

Recht gut, recht gut, daß man Euch hier fand.

BELCORE.

Was giebt’s? Da bin ich!

Was soll die Eile?

EIN SOLDAT mit einer Schrift.

Vor zwei Minuten kam die Stafette,

Die eine Ordre hier für Euch gebracht.

Er überreicht sie.

BELCORE nimmt und liest.

Von meinem Hauptmann. –

Ah! – Ah, recht gut, recht schön!

Recht gut, recht schön!

Zu den Soldaten.

Auf, Kameraden! –

Wir müssen gehn!

CHOR DER LANDLEUTE.

Ihr wollt marschieren?

CHOR DER SOLDATEN.

Von hier marschieren?

BELCORE.

Frühzeitig morgen!

CHOR DER LANDLEUTE.

O weh! So eilig?

NEMORINO Adina beobachtend.

Es macht ihr Sorgen.

BELCORE achselzuckend.

Die Ordre lautet so,

Kann’s nicht verstehn!

CHOR DER SOLDATEN.

Verwünschtes Schicksal! Aus den Quartieren

Muß man so oft hin und her marschieren,

Daß man vom Liebchen so bald muß gehn!

BELCORE zärtlich zu Adina.

Du hast es vernommen:

Schon morgen wir scheiden!

CHOR DER FRAUEN.

Ihr geht – so bald?

So bald schon scheiden?

CHOR DER MÄNNER.

Ja, ja –

BELCORE wie vorher.

O denk’ zuweilen meiner,

Der sobald dich muß meiden!

CHOR DER MÄNNER.

Sobald – sobald schon scheiden?

NEMORINO selbstzufrieden für sich.

Ja, ja, schon morgen –

Wirst du’s erfahren!

ADINA nach Nemorino blickend, zu Belcore.

Treu will mein Herz stets

Ich dir bewahren

Und mein Versprechen halt’ treu ich dir.

NEMORINO für sich, wie vorher.

Wart’ nur – haha! –

BELCORE feurig.

Geliebte!

NEMORINO wie vorher.

Ja, ja, schon morgen

Wirst du’s erfahren!

BELCORE.

Bist du entschlossen, dein Wort zu halten,

Ei, welch ein Hindernis

Kann hier noch walten?

Kannst du nicht heut’ noch

Die Hand mir geben?

NEMORINO laut, erschreckt.

Wie, was? Schon heute?

ADINA Nemorino betrachtend, froh für sich.

Ich seh’ ihn beben!

Stockend, laut zu Belcore.

Wohlan! – Noch heute!

NEMORINO erschrocken sich Adina nähernd.

Wie? Schon heute? O Adina!

Du sagst: noch heute?

ADINA pikiert.

Warum denn nicht?

NEMORINO bittend.

O warte

Noch bis morgen!

ADINA drängend.

Warum?

NEMORINO wichtig.

Nur heute, heute nicht!

ADINA gesteigert.

Warum?

BELCORE trotzig zu Nemorino.

Was kann’s dich kümmern?

Du armer Wicht!

Du armer Wicht! Du armer Wicht!

NEMORINO.

Wozu die Eile? Wozu die Eile?

Adina, nur heute nicht! –

Ärgerlich, Adina mit Heftigkeit bittend.

Adina, glaube mir, laß dir nur sagen!

Ach, ihn zu freien, wie kannst du’s wagen?

Ach, einen Tag nur! laß dich bewegen!

Weshalb ich flehe, weiß ich allein!

Nur bitterm Grame eilst du entgegen

Und ewig, ewig wirst du’s bereun!

BELCORE tritt zwischen Nemorino und Adina, stößt Nemorino fort.

Dem Himmel dank’s und seinem Walten,

Daß ich für trunken dich gehalten!

Gehauen hätt’ ich dich in Stücke,

Doch flößt du mir Erbarmen ein.

Zeigst du noch ferner dich meinem Blicke,

Dann, toller Schwätzer, kannst du dich freun!

NEMORINO für sich, mit Beben.

O der Doktor!

ADINA.

Mein Freund, was wollt Ihr –

BELCORE heftig zu Nemorino.

Jetzt pack’ dich –

ADINA.

Mit ihm beginnen?

BELCORE wie vorher.

Zum Teufel!

ADINA für sich.

Der arme Bursche –

BELCORE wie vorher.

Und gehe –

ADINA für sich.

Ist halb von Sinnen!

BELCORE wie vorher.

Du Pavian!

ADINA für sich.

Stets will vor Liebe –

BELCORE.

Zeigst du dich ferner meinem Blicke,

Dann, toller Schwätzer, kannst du dich freun! –

Heftig.

O du Pavian! Geh’ zum Teufel! –

Dem Himmel dank’s und seinem Walten,

Daß ich für trunken und närrisch dich gehalten,

Doch flößt du mir Erbarmen ein!

Zeigst du noch ferner dich meinen Blicken,

Dann, toller Schwätzer, kannst du dich freun!

ADINA für sich wie vorher.

Das Herz ihm brechen,

Vergeht in Sehnsucht, um mich zu frein!

Für sein Betragen werd’ ich mich rächen,

Zu meinen Füßen soll er’s bereun!

NEMORINO laut.

Ach, Adinchen!

Für sich, mit Beben.

O der Doktor!

Weh mir Armen!

Bittend.

Schon morgen, Teure,

Schon morgen! Ja, ewig, ewig wirst du’s bereun!

Nur bitterm Grame – eilst du entgegen,

Ach, ewig wirst du es bereun!

GIANETTA für sich.

Ei, seht doch an! Ei, wie vermessen!

Er kann den Abstand so sehr vergessen!

Er schickt sich an, den Kampf zu wagen,

Mit Belcore läßt er sich ein!

CHOR unter sich.

Ei, seht doch nur an, ei, wie vermessen!

Er kann den Abstand so sehr vergessen!

Ei, seht doch, ei, seht doch, ei, seht doch nur an!

GIANETTA UND CHOR.

Ei, sehet doch den Gecken an,

Den armen übermüt’gen Thoren!

NEMORINO zu Adina.

Ach, einen Tag nur, laß dich bewegen! –

Ach, ewig wirst du es bereun,

Wirst es bereun, wirst es bereun!

BELCORE zu Nemorino.

Dank es dem Himmel und seinem Walten,

Daß ich für trunken und für närrisch dich gehalten!

Doch jetzt pack’ dich! Zeigst du noch ferner

Dich meinem Blick, dann, toller Schwätzer,

Kannst du dich freun, kannst du dich freun –

ADINA für sich.

Für sein Betragen werd’ ich mich rächen,

Ja, zu meinen Füßen soll er es bereun,

Soll er’s bereun, soll er’s bereun!

GIANETTA für sich.

Er schickt sich an, den Kampf zu wagen!

Mit Belcore läßt er sich ein! Seht doch an!

Gewiß, ihm möcht’ es wohl behagen,

Ließ sich Adina von ihm frein,

Von ihm frein, von ihm sich frein!

CHOR unter sich.

Ei, sehet doch den Gecken an,

Den armen übermüt’gen Thoren!

Er schickt sich an, den Kampf zu wagen,

Mit Belcore läßt er sich ein!

Gewiß, ihm möcht’ es wohl behagen,

Ließ sich Adina von ihm frein,

Von ihm sich frein, von ihm sich frein!

BELCORE.

Kannst, toller Schwätzer, du dich freun! –

ADINA entschlossen.

Nun kommt, Belcore! –

Lachend.

Schickt schnell zum Notare!

NEMORINO verzweifelt für sich.

Herr Doktor! Erbarmen!

Gieb Rettung mir Armen!

BELCORE, GIANETTA UND CHOR.

Wahrhaftig, ‘s ist Narrheit!

NEMORINO wie vorher.

Herr Doktor! Herr Doktor!

ADINA für sich.

Dir wird nun dein Lohn!

NEMORINO wie vorher.

Herr Doktor! Herr Doktor!

BELCORE, GIANETTA UND CHOR.

Wahrhaftig, ‘s ist Narrheit!

ADINA für sich.

Dir wird nun dein Lohn! –

Lachend zu den Anwesenden.

Beim fröhlichen Feste –

Seid all meine Gäste!

BELCORE übermütig.

Ich lad’ euch, ihr Mädchen,

Zum Tanz und zum Schmaus!

GIANETTA UND CHOR.

Ein Schmaus und ein Tänzchen, Wer schlüge das aus?

NEMORINO wie vorher.

Herr Doktor, zu Hilfe!

Herr Doktor, kommt zu Hilfe mir!

ADINA heiter.

Beim fröhlichen Feste

Seid all ihr meine Gäste! –

Ja, zum Schmause!

GIANETTA UND CHOR.

Wer schlüge das aus? Wer schlüge das aus?

Ein Schmaus und ein Tänzchen,

Wer schlüge das aus!

BELCORE wie vorher.

Zum Tanz und zum Schmause!

ADINA nach Nemorino hin, für sich.

Dir wird dein Lohn!

NEMORINO wie vorher.

Ich sehe die Menge mich spottend umringen,

Die Brust wird mir enge, das Herz will zerspringen,

Es schwand mir der Hoffnung erquickendes Licht!

Herr Doktor, zu Hilf’, verlaßt mich doch nicht! –

Ja – ja – lacht nicht!

Ach, Herr Doktor, zu Hilfe, verlaßt mich doch nicht!

BELCORE, ADINA UND CHOR wie vorher.

Laßt muntre Gesänge voll Jubel erklingen,

Im bunten Gedränge uns tanzend umschlingen,

Wir dulden beim Feste kein trübes Gesicht!

Drum lacht dieses Thoren und schonet ihn nicht!

Laßt muntre Gesänge voll Jubel erklingen,

Im bunten Gedränge uns tanzend umschlingen,

Wir dulden beim Feste kein trübes Gesicht!

GIANETTA wie vorher.

Laßt muntre Gesänge voll Jubel erklingen,

Im bunten Gedränge uns tanzend umschlingen,

Wir dulden beim Feste kein trübes Gesicht!

Sie lacht seiner Thorheit und schonet ihn nicht!

Laßt muntre Gesänge voll Jubel erklingen,

Im bunten Gedränge uns tanzend umschlingen,

Wir dulden beim Feste kein trübes Gesicht.

NEMORINO wie vorher.

Ich sehe die Menge mich spottend umringen,

Die Brust wird mir enge, das Herz will zerspringen,

Es schwand mir der Hoffnung erquickendes Licht!

Herr Doktor, zu Hilf’, verlaßt mich doch nicht!

Herr Doktor! Herr Doktor! Erbarmen! Zu Hilf’!

Ach, Herr Doktor, zu Hilf’! Ach, Herr Doktor, zu Hilf’!

Herr Doktor, kommt, o kommt doch, kommt!

Zu Hilf’! Zu Hilf’! Zu Hilf’! Zu Hilf’!

BELCORE, ADINA UND CHOR wie vorher.

Laßt muntre Gesänge voll Jubel erklingen,

Im bunten Gedränge uns tanzend umschlingen,

Wir dulden beim Feste kein trübes Gesicht!

Drum lacht dieses Thoren und schonet ihn nicht!

Hahahahahaha! Hahahahahaha! Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha!

Nun laßt uns gehn! Nun laßt uns gehn!

GIANETTA wie vorher.

Laßt muntre Gesänge voll Jubel erklingen,

Im bunten Gedränge uns tanzend umschlingen,

Wir dulden beim Feste kein trübes Gesicht!

Sie lacht seiner Thorheit und schonet ihn nicht!

Nun laßt uns gehn! Nun laßt uns gehn!

Adina giebt Belcore den Arm.

Belcore führt sie an Nemorino vorüber.

Adina und Belcore betrachten Nemorino dabei mit spöttischem Lachen und gehen ab nach links in

den Pachthof.

Nemorino will ihnen in höchster Erregung ergrimmt nacheilen.

Die Soldaten halten ihn zurück.

Gianetta sucht ihn zu beruhigen.

Nemorino stößt sie zurück und beginnt plötzlich in höchster Leidenschaft zu lachen und zu

tanzen.

Die Anderen werden davon ergriffen und lachen mit.

Gianetta wendet sich schluchzend ab.

Zweiter Aufzug.

Nr. 13. Introduktion und Chor.

Dorfgegend, Wald, Getreidefelder, Berge

Innerer Hof von Adinas Pachtgut mit Aussicht ins Freie auf Wald, Getreidefelder und Berge.

Eingangsthor links Mitte. Rechts von dem Eingangsthor Musikantentribüne. Rechts der Eingang in

das Pachthaus. Links Wirtschaftsgebäude. Tische, festlich geschmückt, mit Wein, Blumen und

Speisen besetzt und von Stühlen umstellt. Schattige Bäume.

Es ist Tag.

Erster Auftritt.

Doktor Dulcamara, Gianetta, Adina, Sergeant Belcore essen und trinken am Tisch rechts mit

Wäscherinnen, Bauern und Bäuerinnen. An den Tischen in der Mitte und links essen und trinken

Soldaten, Bauern und Bäuerinnen und stehen essend und trinkend im Hintergrunde. Auf der

Tribüne rechts vom Eingangsthor Musikanten.

DULCAMARA, BELCORE, GIANETTA UND CHOR.

Nun singet und trinkt!

Ja, singt, ja, singt und trinkt!

Bei frohem Rundgesange

Laßt Braut und Bräut’gam leben!

Sie mögen sich noch lange

Des schönsten Glücks erfreun!

BELCORE.

Das Lob des Weins, der Liebe

Will laut ich stets verkünden,

Denn Gram und Kummer schwinden

Bei Liebe und bei Wein!

Das Lob des Weins, der Liebe

Will laut ich stets verkünden,

Denn Gram und Kummer schwinden

Bei Liebe und bei Wein!

DULCAMARA UND CHOR.

Nun singt – ja, singt – ja, singt – ja, singt!

ADINA für sich.

Warum muß Nemorino

Jetzt nicht zugegen sein!

DULCAMARA, BELCORE, GIANETTA UND CHOR.

Bei frohem Rundgesange

Laßt Braut und Bräut’gam leben!

Sie mögen sich noch lange

Des schönsten Glücks erfreun!

Des schönsten, des schönsten Glücks erfreun!

Sie mögen sich noch lange

Des schönsten Glücks erfreun,

Des schönsten, des schönsten Glücks erfreun!

Des Glücks, des schönsten Glücks erfreun!

Dulcamara der inzwischen tüchtig gegessen und getrunken hat, wischt sich den Mund und steht

auf.

Nr. 14. Recitativ und Barkarole.

DULCAMARA.

Ihr liebet den Gesang;

Auch ich kann damit dienen!

Es ist noch gar nicht lang’

Ein Lied bei uns erschienen!

Gern will ich’s produzieren,

Ich weiß, es wird euch freun!

Zu Adina gewendet.

Will, mich zu sekundieren,

Die Braut so gütig sein?

CHOR steht auf und horcht erwartungsvoll auf Dulcamara.

O laßt das Lied uns hören,

Es soll uns Freud’ gewähren;

Wenn solch ein Mann es lobet,

Dann muß es herrlich sein!

Alle Übrigen stehen auf.

DULCAMARA zieht zwei Büchelchen aus der Tasche, giebt eines mit Grazie und schmachtenden

Blicken Adina; sprechend. Das Theater stellt eine wüste menschenleere Insel dar, auf welcher

eine Rosenlaube befindlich. Der Senator Dreizack, ein Hypochonder und Podagrist, lernt dort

auf der Promenade, bei einigen dreißig Grad Wärme, eine soeben durch einen zu erwartenden

Sturm ans Land geworfene Schifferin kennen und bietet ihr sein Herz und seine Hand an. Es ist

anbrechender Morgen und die Sonne wirft soeben ihren letzten Strahl aus Westen auf jenen

unglücklich Liebenden. Den Ton ändernd. Dieses Intermezzo hat auf allen Bühnen Italiens Furore

gemacht und ist unter dem so bezeichnenden Titel: »Nina, die schöne Schifferin und der Senator

Dreizack« allgemein bekannt.

Er singt.

Barkarole für zwei Stimmen.

Den Anwesenden zuwinkend.

Seid stille!

Er tritt in die Mitte.

Adina zu seiner Rechten stehend, nimmt das Büchelchen, sieht hinein und giebt, mit dem Kopfe

nickend und lächelnd, ihre Zustimmung, mitsingen zu wollen.

Dulcamara führt Belcore an einen Tisch links.

Belcore setzt sich dort.

DULCAMARA ordnet seine Zuhörer in einem Halbkreis und spricht bei der Fermate. Ruhe! Erste

Stanze! Dann singt er, agiert mit komischem Liebespathos gegen Adina und sieht dann und wann

in sein Büchelchen.

Barkarole.

DULCAMARA.

Holdes Kind, willst du mich haben,

Du bist schön und ich bin reich!

Tauschen wir nun unsre Gaben,

Dann sind wir einander gleich!

ADINA begleitet ihren Gesang mit Gesten wie Dulcamara.

Ein Senator, welche Ehre!

Will ein Schiffermädchen frein?

Doch der Mann, den ich begehre,

Muß von meinesgleichen sein!

Sie wendet sich ironisch lächelnd von ihm ab.

DULCAMARA begeistert.

Süßes Kind, entschließe dich,

Komm, o komm, beglücke mich!

ADINA demütig.

Excellenza irren sich,

Kein Senator paßt für mich!

CHOR sehr stark.

Bravo, bra –

Sie klatschen in die Hände.

DULCAMARA schreiend unterbrechend.

Silentium! Stille! –

Er spricht wieder bei der Fermate.

Zweite Stanze!

Dann singt er wieder wie vorher.

O du Schönste aller Schönen,

Laß die Liebe, nimm mein Gold,

Stille dieses heiße Sehnen,

Sei mir nur ein wenig hold!

ADINA mit Gebärden wie Dulcamara.

Ein Senator, welche Ehre!

Will ein Schiffermädchen frein?

Nur Zanetto ich begehre,

Er nur kann mein Schätzchen sein!

DULCAMARA kniet in feuriger Begeisterung vor ihr.

Süßes Kind, entschließe dich,

Komm, o komm, beglücke mich!

ADINA hebt ihn schüchtern empor.

Excellenza irren sich,

Kein Senator paßt für mich!

CHOR laut jubelnd, wobei Einige Dulcamara umarmen.

Bravo, bravo, Dulcamara,

Herrlich ist die Barkarole!

Keinen Sänger kann es geben,

Der wie Ihr in aller Gunst!

DULCAMARA stolz und aufgeblasen.

Ja, der Doktor Dulcamara

Ist Professor jeder Kunst!

DULCAMARA UND CHOR.

Ja, der Doktor Dulcamara

Ist Professor jeder Kunst!

ADINA, DULCAMARA UND CHOR.

Ist Professor jeder Kunst,

Ja, jeder Kunst!

Dulcamara erbittet sich von Adina das Büchelchen zurück und steckt beide Büchelchen wieder

ein.

Der Notar kommt mit dem Ehekontrakt in einer Mappe von links durch das Eingangsthor links

Mitte.

Zweiter Auftritt.

Die Vorigen. Der Notar.

Belcore steht auf.

Notar nimmt die Mitte und begrüßt das Paar mit einer tiefen Verneigung.

Adina geht ihm entgegen, steht zu seiner Linken und erwidert seinen Gruß mit zurückhaltender

verlegener Freundlichkeit.

Recitativ.

Nr. 15. Recitativ und Duett.

BELCORE singt, ohne Pause sortfahrend, laut.

Doch stille! Der Herr Notarius!

Für sich.

Bald ist mein Glück gegründet,

Adina wird nun mein!

CHOR zum Notar.

Seid uns gegrüßet!

DULCAMARA tritt dem Notar zur Rechten, ihn verbindlich begrüßend.

Willkommen! Freundlich gegrüßet

Seist du auch mir!

Du Hymens und Amors

Special!

ADINA tritt hinter Belcore weg auf die linke Ecke.

Schon ist hier der Notar!

Verlegen sich umsehend, betrübt für sich.

Doch Nemorino kommt noch nicht.

BELCORE zu Adina.

O Teure, laß uns gehen!

Frappiert.

Doch ach, was muß ich sehen?

So trüb’ ist meine Sonne?

ADINA entschlossen, laut.

‘s geht vorüber!

Ärgerlich für sich.

Er ist nicht hier zu meiner

Rache Wonne.

BELCORE zärtlich zu Adina.

O komm, laß uns nicht weilen,

Zum Eh’kontrakt zu eilen!

Belcore und Adina nehmen den Notar in die Mitte und geleiten ihn nach rechts in das Pachthaus.

Gianetta, die Landleute, Soldaten und Musikanten wenden sich nach links Mitte unter dem

folgenden

Chor aus Nr. 13 zum Abgang.

CHOR.

Bei frohem Rundgesange

Laßt Braut und Bräut’gam leben!

Sie mögen sich noch lange

Des schönsten Glücks erfreun!

Des schönsten, des schönsten Glücks erfreun!

Des Glücks, des schönsten Glücks erfreun!

Sie verschwinden nach links Mitte.

Bauernbursche tragen den Mitteltisch, die Tische links und deren Stühle nach rechts und links

hinweg. Der große Tisch rechts mit seinen Stühlen und ein Tisch links mit zwei Stühlen

bleiben, nachdem sie vorher abgeräumt worden sind, stehen.

Dulcamara nahm schon vorher eine Flasche und ein Glas, empfiehlt sich Adina und den übrigen,

setzt sich dann an den Tisch links, schenkt sich ein und trinkt.

Recitativ.

DULCAMARA singt.

Die Freuden der Verlobung

Und ihre Festlichkeiten sind angenehm.

Doch besser noch gefallen mir

Die Klänge, die zur Tafel erschallen.

Nemorino kommt gedankenvoll, mit untergeschlagenen Armen von links durch das Eingangsthor

links Mitte.

Dritter Auftritt.

Dulcamara, Nemorino zu seiner Linken.

NEMORINO sieht nach der Thür rechts.

Den Notar sah ich, ja, den Notar!

Ach, dahin ist alle Hoffnung,

Verachtet mein Herz.

Er bemerkt Dulcamara nicht.

DULCAMARA singend und trinkend, ohne Nemorino zu sehen, gleichsam die früheren Verse

wiederholend.

O du Schönste aller Schönen,

Sei mir nur ein bißchen hold.

NEMORINO erschrickt, sieht sich um.

Ihr hier, Herr Doktor?

DULCAMARA steht auf.

Zur Tafel hat mich geladen

Die schöne Braut.

NEMORINO in großer Erregung, laut vor sich hin.

Doch ich – bin in Verzweiflung,

Bin außer mir!

Weh’ mir, ich bin verloren!

Die mein Herz sich hat erkoren,

Heute noch muß sie mich lieben! –

DULCAMARA kopfschüttelnd für sich.

Er ist närrisch!

Laut zu ihm.

Nimm das Elixir,

Dann ist’s um sie geschehen.

NEMORINO schwer atmend, rasch.

Lieber Herr Doktor, noch eine Flasche!

DULCAMARA.

Von Herzen gern! mich freut es,

Bedrängten beizustehen.

Gierig.

Doch hast du Geld?

NEMORINO mit dem Kopf verneinend, ihn starr anblickend.

Gar keines mehr!

DULCAMARA ironisch verächtlich.

Mein Guter, so komme schnell zu mir,

Wenn du was hast.

Im Gasthaus wirst du mich finden;

Nun lebe wohl!

Laß nicht die Zeit unnütz entschwinden!

Er trinkt aus und geht lachend mit seiner Flasche und seinem Glas ab nach rechts in das

Pachthaus.

NEMORINO.

Wehe mir Armen!

Er setzt sich an den Tisch links und stützt den Kopf verdrießlich in die Hand.

Sergeant Belcore kommt gestikulierend von rechts aus dem Pachthaus, schüttelt den Kopf und

sieht, ohne Nemorino zu bemerken, nach dem Hause zurück.

Vierter Auftritt.

Belcore, Nemorino zu seiner Linken.

Recitativ.

BELCORE für sich.

Der Weiber bunte Launen,

Ach, wer kann sie ergründen?

Adina liebt mich,

Will mit mir sich verbinden.

Doch erst diesen Abend

Will sie unterzeichnen.

NEMORINO erblickt Belcore.

Ha, mein Rival!

Er faßt sich wütend am Kopfe.

Könnt’ ich mit eignen Händen mich vernichten!

BELCORE für sich.

Zum Henker!

Welche Wut ergreift den Armen?

Er geht auf Nemorino zu, ihn anschreiend.

He! holla! he, guter Freund,

Sag’ an, was dich so quälet?

NEMORINO verdrießlich.

Ich muß verzweifeln, weil ich –

Weil’s mir an Gelde fehlet,

Und niemand kann mir helfen.

BELCORE ironisch lächelnd.

Ei, sei nicht thöricht!

Ist es dies nur allein?

Gewichtig und flott.

Werde Soldat und zwanzig Thaler sind dein!

Duett.

NEMORINO schnellt erfreut empor.

Zwanzig Thaler?

BELCORE bejahend.

In blankem Golde!

NEMORINO.

Wann denn? Noch heute?

BELCORE.

Auf der Stelle!

NEMORINO für sich.

Ha! Was thu’ ich?

BELCORE.

Und mit dem Solde

Ruhm und Ehr’ im Regimente!

NEMORINO.

Ach! Nicht Ruhm kann mich verführen,

Gerne leist’ ich drauf Verzicht!

BELCORE.

Ist es Liebe? In den Quartieren

Fehlt’s an schmucken Mädchen nicht!

Nein, nein, nein, nein, nein!

An schmucken Mädchen fehlt es nicht!

NEMORINO.

Ach nein!

Für sich.

Ach nein! Ah! –

Blut’ger Kämpfe wildem Grauen

Soll ich nun entgegenziehen?

BELCORE ihn lockend.

Zwanzig Thaler!

NEMORINO für sich.

Meiner Heimat Blumenauen,

Freund und Oheim soll ich fliehen!

BELCORE wie vorher.

In blankem Golde!

NEMORINO wie vorher.

Doch ich weiß auf andern Wegen

Nicht ihr Mitleid zu erregen,

Ach, vielleicht wird sie erbeben,

Ja, wird mein Schicksal ihr bekannt!

BELCORE.

Bei der Trommel lautem Schalle

Giebt uns Liebe das Geleite;

Flinke Marketenderinnen

Ziehen schäkernd uns zur Seite!

NEMORINO für sich.

Gerne wag’ ich selbst mein Leben!

BELCORE fröhlich.

Mädchen finden sich die Menge,

Sind mit Helden nicht zu strenge;

Flehen, Seufzen, Schmachten, Beben

Ist uns Kriegern nicht bekannt!

NEMORINO für sich.

Winkt am Ziel Adinas Hand!

BELCORE lockend, munter, fast tanzend.

Glaube mir, das schönste Leben

Bietet der Soldatenstand!

Flehen, Seufzen, Schmachten, Beben

Ist uns Kriegern nicht bekannt!

Glaube mir, das schönste Leben

Bietet der Soldatenstand!

NEMORINO für sich.

Gerne wag’ ich selbst mein Leben,

Ja, winkt am Ziel mir Adinas Hand!

BELCORE wie vorher.

Ja, glaube mir!

NEMORINO für sich.

Gern wag’ ich –

BELCORE wie vorher.

Ja, glaube mir!

NEMORINO für sich.

Mein Leben –

BELCORE wie vorher.

Das schönste Leben –

NEMORINO für sich.

Winkt mir Adinas Hand!

BELCORE wie vorher.

Bietet der Soldatenstand, Ja, glaube mir!

NEMORINO für sich.

Gern wag ich –

BELCORE wie vorher.

Ja, glaube mir!

NEMORINO für sich.

Mein Leben!

BELCORE wie vorher.

Das schönste Leben –

NEMORINO für sich.

Winkt mir Adinas Hand –

BELCORE wie vorher.

Bietet der Soldatenstand!

Ja, glaube mir, das schönste Leben

Bietet der Soldatenstand! Ja, unser Stand! –

NEMORINO für sich.

Adinas Hand! Adinas Hand!

Winkt mir am Ziel Adinas Hand! –

Rasch zu Belcore.

Zwanzig Thaler!

BELCORE zieht eine Börse hervor und öffnet sie schnell.

Auf der Stelle!

NEMORINO.

Wohlan! – Hurtig! – Her das Handgeld!

BELCORE tritt an Nemorino vorüber hinter den Tisch links, legt das Geld auf den Tisch und

drückt die Hand darauf.

Nicht so hitzig! – Nur gelassen!

Unterschreib’ erst dies Papier!

Er legt Nemorino eine Schrift vor, die er nebst einem Stift hervorzieht, zeigt auf die Stelle

und spricht bei der Fermate.

Hierher den Namen oder drei Kreuze!

NEMORINO spricht fragend.

Hierher?

Belcore bejaht.

NEMORINO seufzend sprechend.

Es sei!

Er unterschreibt und streicht dann rasch das Geld ein; für sich, singend.

Dulcamara!

Ja, eilig bin ich bei dir!

Ja, eilig bin ich bei dir, bei dir!

Er will forteilen.

BELCORE hat zufrieden nickend die Schrift und den Stift eingesteckt, hält Nemorino zurück.

Brav, mein Junge, eingeschlagen!

Es geschieht.

Du gefällst mir, bin zufrieden!

Wirst du tapfer dich betragen,

Ist dir Ehr’ und Glück beschieden!

Bald hast du den Streif erworben,

Wenn mein Beispiel dich belehrt. Ja!

Für sich.

Den Rival hab’ ich geworben,

Das allein ist schon viel wert!

NEMORINO.

Wüßtet Ihr, nach welchem Ziele

Ich bei diesem Schritt gerungen:

Kenntet Ihr nur die Gefühle,

Die so heiß mein Herz durchdrungen!

Für sich.

Wie dies Geld mir reich soll lohnen,

Ach, das weiß nur ich allein!

Es ist mehr als Millionen,

Glückt es mir, geliebt zu sein!

BELCORE.

Mädchen finden sich die Menge,

Sind mit Helden nicht so strenge;

Flehen, Schmachten, Seufzen, Beben

Ist uns Kriegern nicht bekannt!

Wenn wir in die Stadt marschieren,

Winkt manch’ reizendes Gesicht!

NEMORINO.

Kenntet Ihr nur die Gefühle,

Die so heiß mein Herz durchdrungen!

BELCORE.

Glaube mir, in den Quartieren

Fehlt’s an schmucken Mädchen nicht!

NEMORINO.

Ja, wie dies Geld mir reich soll lohnen,

Davon weiß nur ich allein.

BELCORE.

Ja, glaube mir, in den Quartieren

Fehlt’s an schmucken Mädchen nicht!

Brav, mein Junge, eingeschlagen!

Es geschieht.

Du gefällst mir, bin zufrieden!

Wirst du tapfer dich betragen,

Ist dir Ehr’ und Glück beschieden!

Bald hast du den Streif erworben –

NEMORINO.

Ah, du weißt nicht –

BELCORE.

Wenn mein Beispiel dich belehrt!

NEMORINO.

Ach ja!

Für sich.

Wie dies Gold soll reich mir lohnen,

Ach, das weiß nur ich allein!

Es ist mehr als Millionen,

Glückt es mir, geliebt zu sein!

BELCORE für sich.

Den Rival hab’ ich geworben,

Das allein ist schon viel wert!

NEMORINO für sich.

Ja, glückt es mir, geliebt zu sein,

Geliebt zu sein!

BELCORE laut.

Als Krieger wirst geliebt du sein,

Geliebt du sein!

Beide gehen Arm in Arm nach hinten; am Eingangsthor trennen sie sich.

Belcore geht lachend ab nach rechts in das Pachthaus.

Nemorino wendet sich durch das Eingangsthor links Mitte nach rechts hinten.

Gianetta kommt in eifriger Unterhaltung mit vielen jungen Bauernmädchen von links hinten durch

das Eingangsthor links Mitte.

Fünfter Auftritt.

Gianetta, Bauernmädchen um sie herum.

Nr. 16. Chor.

MÄDCHEN.

Sollt’ das wohl möglich sein?

GIANETTA.

Wie ich euch sage.

MÄDCHEN.

Ich kann’s nicht glauben!

GIANETTA.

Ihr dürft es glauben!

MÄDCHEN.

Doch sprich, erzähl’! Woher die Nachricht?

GIANETTA.

Stille!

MÄDCHEN.

Wer dir es sagte, erzähl’ und sprich!

GIANETTA den Finger auf dem Mund.

So sprecht doch leise nur!

Schweigt vor den Leuten!

Noch darf die Sache man

Nicht laut verbreiten,

Denn unserm Krämer

Kam es zu Ohren,

Der im Vertrauen es mir gesagt.

MÄDCHEN.

Wie, unser Krämer hat dir’s gesagt?

Dann ist’s gewiß auch wahr,

Ich bürg’ dafür.

ALLE.

Dann ist’s gewiß auch wahr!

Leise!

Ich bürg’ dafür, ich bürg’ dafür!

Stille!

GIANETTA geheimnisvoll.

Er raunte vorhin mir sacht ins Ohr,

Daß Nemorino den Oheim verlor.

Gestern schon nahm ihn der Tod aus der Welt

Und es erbt der Neffe

Unmenschlich viel Geld.

Bewegung.

Doch daß mir keine es weiter erzählt!

Doch daß mir keine –

MÄDCHEN.

Wir schweigen still!

GIANETTA.

Es weiter erzählt!

MÄDCHEN.

Wir schweigen still vor aller Welt,

Vor aller Welt!

GIANETTA.

Stille!

MÄDCHEN.

Stille! –

ALLE unter sich.

Nun kann er sich im Golde vergraben,

Kann seine eigene Wirtschaft haben;

Jetzt wagt kein Mädchen, ihn auszuschlagen,

Und die er nimmt, kann vom Glücke sagen!

GIANETTA.

Doch stille, leise! stille, leise!

MÄDCHEN.

Doch daß es keine weiter erzählt,

Stille, nur stille vor aller Welt!

ALLE.

Stille! leise! stille vor aller Welt! stille!

Nun kann er sich im Golde vergraben,

Kann seine eigene Wirtschaft haben;

Jetzt wagt kein Mädchen, ihn auszuschlagen,

Und die er nimmt, kann vom Glücke sagen!

Doch daß es keine weiter erzählt,

Stille, nur stille vor aller Welt!

Nemorino kommt von rechts hinten durch das Eingangsthor links Mitte.

Sechster Auftritt.

Gianetta und die Mädchen. Nemorino.

Alle Mädchen ziehen sich, sowie sie Nemorinos ansichtig werden, nach rechts hinten.

Nemorino nur mit sich beschäftigt, bemerkt sie nicht.

Nr. 17. Quartett mit Chor.

NEMORINO für sich.

Wahrlich, von diesem Wundertrank

Hab’ reichlich ich genossen!

Wie es der Doktor versprochen,

Sind alle Mädchen mein, ja!

Alle Mädchen mein!

Mein Busen atmet freier,

Die Hoffnung kehret wieder;

Mein Herz ergreift ein Feuer,

Wie ich’s noch nie empfand!

GIANETTA für sich.

Noch kennt er nicht sein volles Glück,

Leicht wird er mein nun sein!

MÄDCHEN unter sich.

Er ist so blöd, voll Schüchternheit,

Noch ist ihm nichts bekannt!

NEMORINO wendet sich nach rechts zum Pachthof.

Nur Mut!

GIANETTA tritt ihm mit einem Knicks grüßend entgegen.

Ergebne Dienerin!

Mädchen knicksen mit Gianetta.

NEMORINO fragend.

Gianetta!

ALLE MÄDCHEN freundlich knicksend.

Ergebne Dienerin, ergebne Dienerin!

NEMORINO verwundert für sich.

Ei, was wollen diese Mädchen?

GIANETTA für sich, kokettierend.

Er ist ein schöner Junge!

NEMORINO für sich.

Ei, was soll’s?

MÄDCHEN unter sich.

Er ist ein schöner Junge!

NEMORINO für sich.

Ei, was soll’s?

GIANETTA für sich.

Er ist, das muß man sagen –

NEMORINO für sich.

Ach – ich merke –

MÄDCHEN unter sich.

Er ist, das muß man sagen –

GIANETTA stets für sich.

Ein art’ger junger Mann –

NEMORINO stets für sich.

Des Doktors Wundertrank –

MÄDCHEN stets unter sich.

Ein art’ger junger Mann!

GIANETTA.

Er weiß sich zu betragen,

Man sieht ihn gerne an!

NEMORINO fröhlich und erstaunt.

Fängt schon zu wirken an!

MÄDCHEN umgeben ihn, drängen eine um die andere vor.

Er weiß sich zu betragen,

Man sieht ihn gerne an!

GIANETTA.

Er ist, das muß man sagen –

NEMORINO.

Es kommt schon! es kommt schon!

MÄDCHEN.

Er ist, das muß man sagen –

GIANETTA.

Ein art’ger junger Mann!

NEMORINO.

Es fängt zu wirken an!

MÄDCHEN.

Ein art’ger junger Mann!

GIANETTA.

Er weiß sich zu betragen –

NEMORINO.

Es kommt schon! es kommt schon!

MÄDCHEN.

Er weiß sich zu betragen!

GIANETTA.

Man sieht ihn gerne an!

NEMORINO.

Es fängt zu wirken an!

MÄDCHEN.

Man sieht ihn gerne an!

GIANETTA.

Ein art’ger junger Mann!

NEMORINO.

Ja!

MÄDCHEN.

Ein art’ger junger Mann!

GIANETTA.

Ein art’ger junger Mann,

Man sieht ihn gerne an!

NEMORINO.

Des Doktors Wundertrank fängt schon an,

Fängt zu wirken schon an!

Hahahahaha!

MÄDCHEN.

Ein art’ger junger Mann,

Man sieht ihn gerne an! –

Doktor Dulcamara kommt, schon ganz reisefertig, von rechts aus dem Pachthaus.

Sergeant Belcore und Adina folgen ihm.

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Dulcamara. Belcore. Adina.

Belcore übergiebt im Heraustreten Adina Nemorinos Verschreibung und geht dann ab durch das

Eingangsthor links Mitte nach links hinten.

Achter Auftritt.

Die Vorigen ohne Belcore.

GIANETTA UND MÄDCHEN umschmeicheln Nemorino wie vorher.

Ihn gerne an!

NEMORINO wie vorher.

Hahahahahahaha!

DULCAMARA UND ADINA ganz verwundert, unter sich.

Was seh’ ich?

NEMORINO wie vorher.

Welch Entzücken!

Er sieht Dulcamara, laut.

Laßt mich ans Herz Euch drücken!

Der Trank, wie Ihr versprochen,

Flößt allen Liebe ein!

ADINA erstaunt, für sich.

Was hör’ ich?

DULCAMARA ungläubig pfiffig.

So darf ich’s glauben?

Er tritt zwischen Gianetta und Nemorino; zu den Mädchen, nach Nemorino hinweisend.

Er gefällt euch?

GIANETTA UND DIE MÄDCHEN.

Ihr könnt noch fragen?

Es könnte sein Betragen

Nicht liebenswürd’ger sein!

GIANETTA wie vorher; für sich.

Den lieben schmucken Jungen –

Laß ich mir nicht entgehen!

Was andern schon gelungen,

Wird mir so schwer nicht sein!

DULCAMARA wie vorher; für sich.

Ist’s möglich, was ich höre?

Lachend.

Nach allem, was geschehen,

Muß ich doch wohl auf Ehre

Ein Wunderdoktor sein!

Er tritt zwischen Nemorino und Adina.

NEMORINO wie vorher; für sich.

Ach! könnt’ ich sie verkünden,

Die Lust, die mich durchdrungen!

Wenn alle Lieb’ empfinden,

Ist auch ihr Herz wohl mein!

ADINA erstaunt und eifersüchtig, für sich.

Statt trostlos ihn zu finden,

Muß ich ihn heiter sehen!

Von neuem ihn zu binden,

Wird dies wohl möglich sein?

ALLE MÄDCHEN für sich.

Den lieben schmucken Jungen

Laß ich mir nicht entgehen!

Was andern schon gelungen,

Wird mir so schwer doch nicht sein!

GIANETTA.

Nun laßt uns alle zum Tanze gehen!

Zärtlich zu Nemorino.

Werdet Ihr kommen?

NEMORINO sieht heimlich nach Adina, thut aber, als beachte er sie nicht; zärtlich zu Gianetta

und den anderen Mädchen.

Ich werde sehen!

ALLE MÄDCHEN drängen sich an Nemorino.

Ihr werdet doch tanzen?

GIANETTA.

Mit mir?

NEMORINO wie vorher.

Ja!

DIE ANDERN MÄDCHEN Gianetta wegdrängend.

Mit mir?

NEMORINO wie vorher.

Ja!

GIANETTA sich vordrängend.

Ich bin die erste!

DIE ANDERN MÄDCHEN.

Nein, ich! nein, ich!

GIANETTA wie vorher.

Mir ist’s versprochen!

NEMORINO wie vorher.

Ei, seht doch! ei, seht doch!

GIANETTA will ihn fortziehen.

So komm doch!

NEMORINO macht sich los.

Sachte!

DIE ANDERN MÄDCHEN ihn bedrängend.

Entscheidet!

NEMORINO wie vorher.

Nur stille!

Zu Gianetta.

Du bist die erste!

Zu den andern.

Dann du, dann du!

DULCAMARA für sich, nach Nemorino gewendet.

Daß Gott erbarme, er liebt sie alle!

Mag’s wohl bekommen, tanz’ du nur zu!

Tanz’ du nur zu, tanz’ du nur zu!

ADINA tritt zwischen Nemorino und Dulcamara; zu Nemorino, ihn bewegt an der Hand fassend.

He, Nemorino!

NEMORINO beglückt für sich.

Ha, auch Adina!

DULCAMARA erschreckt ausrufend.

Der tanzt mit allen!

ADINA.

Nur auf zwei Worte:

Ein kleines Sümmchen kann dich verführen,

Dich als Soldaten zu engagieren?

GIANETTA UND DIE MÄDCHEN erschrocken, laut.

O Himmel! zum Soldaten?

ADINA Nemorino fester fassend.

Das war ein Fehler!

Ich spräche gerne deshalb mit dir!

NEMORINO sieht sie erwartungsvoll und schmachtend an.

Ei, ei, so rede! ei, ei, so rede!

GIANETTA UND DIE MÄDCHEN Nemorino bedrängend.

Nur fort, zum Tanz, zum Tanz, zum Tanze!

NEMORINO zu Adina.

Gleich nach dem Tanze

Siehst du mich hier! – Sogleich! – Sogleich!

Er wendet sich zum Gehen.

ADINA ihn zurückhaltend.

Ach, höre! ach, höre!

DULCAMARA.

Ich bin ein ganzer Narr! –

Der Fall ist neu und selten! –

In welch’ erhabnem Glanze

Strahlet heut’ mein Elixir!

ADINA wie vorher zu Nemorino.

O höre!

NEMORINO froh für sich.

Was sie mir sagen will,

Ist leicht zu sehen,

Sie kann dem Liebestrank

Nicht widerstehen!

Ja, sie empfinde nur

Im wunden Herzen

Der Sehnsucht Schmerzen,

Der Liebe Pein!

ADINA für sich.

Ha! wie so launenvoll

Sind unsre Triebe,

Mit bittrer Reue

Rächt sich die Liebe.

NEMORINO wie vorher, für sich.

Ja, sie ertrage nun –

ADINA stets für sich.

Ihm, den ich quälte –

NEMORINO stets für sich.

Der Liebe Pein –

ADINA.

Mit kaltem Hohne,

Muß ich zum Lohne –

NEMORINO.

Der Liebe Pein!

ADINA.

Nun Liebe weihn!

Ihm, den ich quälte

Mit kaltem Hohne,

Muß ich zum Lohne –

NEMORINO.

Ja, sie ertrage nun

Der Liebe Pein!

ADINA.

Nun Liebe weihn!

Muß ich zum Lohne

Liebe weihn, ja, Liebe weihn,

Ja, Liebe weihn!

NEMORINO.

Ja, sie ertrage

Nun der Liebe Pein!

DULCAMARA lächelnd für sich.

Ich seh’ sie alle vor Lieb’ erkranken;

Nur meinem Wundertrank hat er’s zu danken!

Ich werde Schätze mir noch verdienen;

Ich werde bald schon ein Krösus sein!

GIANETTA für sich.

Nach allen Männern fast vom ganzen Orte

Hat sie geangelt schon mit süßem Worte!

Mit Nemorino soll’s ihr nicht gelingen,

In ihre Falle geht er nicht ein!

NEMORINO für sich.

Ja, sie empfinde nun – der Liebe Pein!

Ja, sie empfinde nun im wunden Herzen

Der Sehnsucht Schmerzen, der Liebe Pein!

ADINA für sich.

Ha, wie so launenvoll – sind unsre Triebe!

Mit bittrer Reue rächt sich die Liebe!

Ihm, den ich quälte mit kaltem Hohne,

Muß ich zum Lohne nun Liebe weihn!

MÄDCHEN unter sich.

Nach allen Männern fast vom ganzen Orte

Hat sie geangelt schon mit süßem Worte;

Mit Nemorino soll’s ihr nicht gelingen,

In ihre Falle geht er nicht ein!

DULCAMARA lächelnd für sich.

Ich werde bald ein Krösus sein!

GIANETTA für sich.

Sie fühlet Pein, sie fühlet Pein,

Doch er geht nicht in ihre Falle ein!

NEMORINO für sich.

Der Liebe Pein, der Liebe Pein,

Der Sehnsucht Schmerzen, der Liebe Pein!

Ja, sie ertrage diese Pein, ja, sie ertrag’ der Liebe Pein!

ADINA für sich.

Ja, Liebe weihn, ja, Liebe weihn,

Muß ich zum Lohn nun Liebe weihn!

MÄDCHEN unter sich.

Sie lockte – ihn gerne,

Doch er geht nicht in ihre Falle ein!

Er geht nicht in die Falle ein!

Gianetta und die Mädchen nehmen Nemorino in ihre Mitte und wenden sich zum Abgang.

Adina sieht ihnen betrübt und aufgeregt nach.

Nemorino wendet sich, bevor er geht, verstohlen nach Adina zurück, doch scherzt er mit den

Mädchen und schwingt den Hut vor Freude.

Gianetta und die Mädchen fassen ihn am Arm und hüpfen in ausgelassener Fröhlichkeit mit ihm

fort durch das Eingangsthor links Mitte nach links hinten.

Dulcamara lacht über das Possenspiel.

Neunter Auftritt.

Adina, Dulcamara zu ihrer Linken.

Recitativ.

Nr. 18. Recitativ und Duett.

ADINA schmerzlich ergriffen, singt.

O wie geht er zufrieden!

DULCAMARA stolz.

Mir soll er’s danken!

ADINA ihn erstaunt betrachtend.

Wie? Euch, Herr Doktor?

DULCAMARA selbstbewußt lächelnd.

Ja, mir nur!

Ich gebiete der Freude, destilliere die Lust,

Und schaffe Liebe gleich dem Rosenwasser.

Was Ihr bewundert,

Was Euch mit Staunen füllet an dem Jüngling,

Das alles ist mein Werk,

Das Werk des Doktors!

ADINA verächtlich.

Possen!

DULCAMARA.

Possen, sagt Ihr? Ungläubige!

Possen? Wär’ Euch bekannt nur die Gewalt

Der Alchimie, der hohe Wert des Elixirs

Der Königin Isolda!

ADINA staunend fragend.

Isolda?

Sie denkt nach, als ob sie sich ihrer Vorlesung erinnere.

DULCAMARA.

Isolda! Verstehe ich doch selbst,

Es zu bereiten.

ADINA für sich.

Was hör’ ich?

Laut.

Und Nemorino? Und jenes Elixir?

DULCAMARA.

Mich fragte er,

Wie Lieb’ man könnt’ erwecken

In einem harten Herzen.

ADINA.

Er also liebte!

DULCAMARA.

Und seufzte Tag und Nacht.

Vergebens war sein Hoffen!

Nur einen Tropfen von diesem Trank,

Dem herrlichen, zu kaufen,

Opfert seine Freiheit er

Und ward Soldat!

Duett.

ADINA für sich.

Ach, wie grausam! Soviel Treue

Lohnt’ ich mit Verachtung dir!

DULCAMARA sie beobachtend, für sich.

Ha, nun kommt sie an die Reihe!

ADINA für sich.

Wie grausam!

DULCAMARA für sich.

Not thut ihr mein Elixir!

ADINA für sich.

Wie grausam!

Dulcamara fragend.

Also wirklich ist Nemorino

Hochbeglückt in seiner Liebe?

DULCAMARA eitel.

Alle Mädchen sind besessen,

Können nimmer ihn vergessen.

ADINA ängstlich weiterfragend.

Ach! Welcher Schönen konnt’ es gelingen,

Seine Liebe zu erringen?

DULCAMARA.

O so heiß geliebt von allen,

Wird auch keine ihm mißfallen.

ADINA für sich.

Und voll edler reiner Treue –

DULCAMARA für sich.

Ja, nun kommt an sie die Reihe!

ADINA wie vorher.

Hing dies Herz einst nur an mir!

DULCAMARA für sich.

Not thut ihr mein Elixir!

Laut, eitel.

Alle Mädchen sind besessen,

Können nimmer ihn vergessen.

Für sich.

Ja, nun kommt an sie die Reihe,

Not thut ihr mein Elixir!

ADINA für sich.

Ja, voll edler reiner Treue

Hing dies Herz einst nur an mir!

DULCAMARA.

O Adina! – Kannst mir vertrauen!

Nur das Köpfchen in die Höhe!

An den Mienen ist’s klar zu schauen,

Daß du leidest an Herzenswehe!

Wenn du willst –

ADINA schnell.

Und was? So redet!

DULCAMARA.

Helfen will ich Trotzkopf dir

Bei meinem Leben!

Ich will dir ein Mittel geben,

Das hinweg das Übel schafft.

ADINA ihn schelmisch fixierend.

Doktor, fruchtlos ist Eu’r Streben,

Denn bei mir hat’s keine Kraft!

DULCAMARA.

Willst du, soll kein Mann entrinnen,

Alle sollen um dich schmachten.

ADINA.

Mit so vielen, was beginnen?

Nur nach einem will ich trachten!

DULCAMARA.

Tausend Weiber sollst du sehen,

Die in Eifersucht vergehen!

ADINA.

Ach, wie soll es mich erfreuen,

Zwietracht lieblos auszustreuen?

DULCAMARA.

Einen Reichen kannst du wählen –

ADINA.

Ich will lieben und nicht zählen.

DULCAMARA.

Willst du Grafen, willst du Marchesen?

ADINA.

Nemorino ist erlesen –

DULCAMARA.

Ich will dir ein Mittel geben –

ADINA.

Fruchtlos ist doch Euer Streben –

DULCAMARA.

Das hinweg das Übel schafft!

ADINA.

Denn bei mir hat’s keine Kraft!

Nein, nein, bei mir hat’s keine Kraft! Nein!

DULCAMARA zieht einige Fläschchen hervor.

Nimm doch dies – oder dies!

Ich will dir ein Mittel geben,

Das hinweg das Übel schafft!

So nimm die’s hier!

ADINA.

Ach nein, bei mir hat’s keine Kraft!

DULCAMARA spricht.

So?

Er singt weiter.

Wie kannst du dich unterstehen,

Meinen Liebestrank zu schmähen?

ADINA.

Euern Wundertrank in Ehren,

Doch ich kann ihn leicht entbehren;

Andre Mittel als Mixturen

Führen mir den Teuren zu!

DULCAMARA geht an ihr vorüber nach rechts; für sich.

Freund! Hier scheitern deine Kuren!

Die ist pfiffiger als du, ja! ja!

ADINA feurig.

Ein vertraulich süßes Nicken,

Und ein Wink als Liebeszeichen

Kann der Männer Sinn berücken,

Und ein Marmorherz erweichen.

Zauber liegt schon in den Blicken,

Reden Lieb’ sie und Entzücken;

Nemorino kann nicht fliehen,

An mich ist er festgebannt!

Auf ihr Gesicht zeigend.

Das Rezept steht hier geschrieben,

Hier im Aug’ ist Liebestrank!

Ein vertraulich süßes Nicken,

Und ein Wink als Liebeszeichen

Kann der Männer Sinn berücken,

Und ein sprödes Herz erweichen.

Zauber liegt schon in den Blicken,

Reden Lieb’ sie und Entzücken;

Nemorino kann nicht fliehen,

An mich fest ist er gebannt!

Nein, nein, er kann mir nicht entfliehn!

DULCAMARA für sich.

Ach, ich merk’ es, lose Kleine,

Deine Kunst besiegt die meine! –

Ei, die Schelmin! – Ei, die Schelmin! –

Armer Doktor! Ja, mit diesem holden Munde

Schlägst und heilst du manche Wunde,

Und ein Strahl aus deinen Blicken

Kann ein krankes Herz erquicken!

Nein, nein, man kann ihr nicht entfliehn!

Nein, nein, er kann nicht!

Er spricht.

Ei?

Er singt weiter.

Ja, ich merk’ es, lose Kleine,

Deine Kunst besiegt die meine!

ADINA.

Ach! Herr Doktor!

DULCAMARA.

Ja, mit diesem holden Munde

Schlägst und heilst du manche Wunde!

ADINA.

Ach! Herr Doktor!

DULCAMARA.

Und ein Strahl von deinen Blicken

Kann ein krankes Herz erquicken!

ADINA.

Zauber liegt schon in den Blicken –

DULCAMARA.

Die Arznei kann’s nicht erreichen,

Was durch Anmut wohl gelang;

Ja, beschämt muß ich hier weichen!

ADINA.

Reden Lieb’ sie und Entzücken!

DULCAMARA.

Ja, beschämt muß ich hier weichen,

Besser ist ihr Liebestrank!

ADINA auf ihr Gesicht zeigend.

Das Rezept steht hier geschrieben,

Hier im Aug’ ist Liebestrank!

Ein vertraulich süßes Nicken,

Und ein Wink als Liebeszeichen

Kann der Männer Sinn berücken,

Und ein Marmorherz erweichen.

Zauber liegt schon in den Blicken,

Reden Lieb’ sie und Entzücken;

Nemorino kann nicht fliehen,

Fest an mich ist er gebannt!

Nein, nein, er kann mir nicht entfliehn!

DULCAMARA.

Ei, die Schelmin! – Ja, ich merk’ es!

Lose Kleine! Deine Kunst besiegt die meine! –

Ei, die Schelmin! – Ei, die Schelmin! –

Armer Doktor! Ja, mit diesem holden Munde

Schlägst und heilst du manche Wunde,

Und ein Strahl aus deinen Blicken

Kann ein krankes Herz erquicken!

Nein, nein, man kann ihr nicht entfliehn!

ADINA.

Ja, in dem Aug’ ist Liebestrank!

DULCAMARA.

Ja, beschämt muß ich hier weichen,

Besser ist ihr Liebestrank!

Adina schabt abgehend Dulcamara ein Rübchen.

Dulcamara droht ihr freundlich.

Beide gehen ab nach rechts in das Pachthaus.

Nemorino kommt von links hinten durch das Eingangsthor links Mitte.

Zehnter Auftritt.

Nemorino allein.

Nemorino sieht mit Wehmut in den Blicken nach dem Pachthof rechts, will hinein, zögert und

geht langsam in den Vordergrund.

Nr. 19. Romanze.

NEMORINO.

Wohl drang aus ihrem Herzen

Ein Seufzer zu mir her,

Und bei der Mädchen Scherzen

Hob ihre Brust sich schwer!

Was will mein Herz noch mehr?

Liebe, sie fühlet deine Macht,

Ja, deine Macht!

Hinge ihr Auge nur einmal

Liebend an meinem Blick;

Gäb’ mir ihr Mund nur einmal

Der Liebe Wort zurück.

Ach, gäbe sie mit schmachtendem Blick

Der Liebe süß Geständnis zurück!

Mag dann der Tod mir drohn,

Ach, mir ward der schönste Lohn!

Adina ist schon etwas vorher von rechts aus dem

Pachthaus erschienen.

Nemorino bemerkt Adina und wendet sich anscheinend zum Gehen.

Elfter Auftritt.

Adina, Nemorino zu ihrer Linken.

Adina ruft ihm verlegen zu.

Nemorino wendet sich mit zögernden Schritten zu ihr zurück.

Recitativ.

Nr. 20. Recitativ, Arie und Duett.

ADINA singt.

Nemorino! Warum willst du fliehen?

Was konnte dich bewegen,

Die Waffen zu ergreifen?

NEMORINO.

Ich sah, es würde nimmermehr

Mein Glück hier reifen.

ADINA.

Doch Nemorino, dein Leben ist mir teuer.

Was du unterschrieben,

Hab’ von Belcore ich zurückerworben.

NEMORINO froh ausrufend.

Adina!

Für sich.

Des Trankes Kraft scheint bei ihr sich zu entfalten.

Arie.

ADINA zieht Nemorinos Vertrag hervor, den ihr vorher Belcore übergeben hat.

Nimm hier! – Nimm hier!

Nemorino nimmt den Vertrag.

ADINA.

Ich bring’ die Freiheit dir!

Bleibe im Vaterlande,

Denn des Geschickes Bande

Fesseln dich ewig noch nicht. Bleibe!

Du findest Liebe überall,

Treu wird ein Herz für dich schlagen!

Ach! Bald wird verstummen dein Klagen,

Wonne wird lachen dir.

Duett.

NEMORINO beglückt für sich.

Nun wird sie reden.

ADINA reicht ihm die Hand, als wolle sie gehen.

Leb’ wohl denn!

NEMORINO sie erstaunt ansehend, hält sie zurück.

Wie? Du willst scheiden?

ADINA zögernd.

Ich – ja!

NEMORINO.

Nichts weiter sagst du mir?

ADINA.

Nichts weiter.

NEMORINO.

Wohlan!

Er läßt ihre Hand los.

Nimm dies Papier!

Er giebt ihr den Vertrag zurück; verzweifelt.

Kann Lieb’ ich nicht erwerben,

Will als Soldat ich sterben;

Der Stab ist nun gebrochen,

Der Doktor trieb nur Scherz;

Will als Soldat nun sterben,

Der Doktor trieb nur Scherz.

Er will fort.

ADINA legt ihren Arm auf den seinen, sieht ihn liebevoll an; dann schlägt sie den Blick zu

Boden.

Nein! Wahr hat er gesprochen,

Frag’ doch dein treues Herz! –

Wisse denn und höre! Wisse denn!

Du bist mir teuer!

NEMORINO freudig außer sich.

Himmel!

ADINA verschämt.

Du bist mir teuer! Ich liebe dich, liebe dich!

NEMORINO sie an beiden Händen fassend.

Du liebst mich?

ADINA mit gesenkten Blicken.

Dich lieb’ ich!

NEMORINO entzückt.

Ja?

ADINA wie vorher.

Teurer!

NEMORINO ebenso.

Ja?

ADINA ebenso.

Teurer!

NEMORINO zitternd.

O Wonne, kaum noch fass’ ich dich.

ADINA.

Was du um mich gelitten –

NEMORINO wie vorher.

Du liebst mich?

ADINA.

Soll Liebe dir vergüten.

NEMORINO.

Betrog der Doktor nicht?

ADINA.

Nein!

NEMORINO sie umfassend.

O Wonne, kaum noch fass’ ich dich!

ADINA zärtlich.

Glück soll fortan dir lachen, Dir lachen!

NEMORINO freudig.

O Wonne!

ADINA sich an ihn schmiegend.

Vergiß vergangne Leiden,

Erkenne meine Reue!

BEIDE umfangen.

Vergiß vergangne Leiden, ach!

Erkenne meine Reue!

Nichts soll von dir mich scheiden,

Nein! dir schwör’ ich ew’ge Treue!

Ja, mein, ja, mein, du mein,

Ja, mein, ewig mein! / dein!

NEMORINO stets wie vorher.

O Wonne, kaum noch fass’ ich dich!

ADINA ebenso.

Teurer!

NEMORINO.

Mich betrog der Doktor nicht?

ADINA.

Nein!

NEMORINO.

O welche Seligkeit!

BEIDE.

Vergiß vergangne Leiden, ach!

Erkenne meine Reue!

Nichts soll von dir mich scheiden,

Nein! dir schwör’ ich ew’ge Treue!

Ja, mein, ja, mein, du mein,

Ja, mein, ewig mein! / dein!

ADINA.

Nichts soll von dir mich scheiden,

Dir schwör’ ich ew’ge Treu’!

Ja, mein sollst du sein!

NEMORINO.

Der Doktor täuschte nicht!

ADINA wie vorher.

Nichts soll von dir mich scheiden,

Dir schwör’ ich ew’ge Treu’! Ja!

Mein sollst du sein!

Ja, mein sollst du auf ewig sein,

Ja, mein auf ewig sein!

NEMORINO wie vorher.

O welche Seligkeit!

Ja, dein will ich auf ewig sein! –

Will dein auf ewig sein!

Beide stehen in Umarmung.

Trommelwirbel links hinten in der Nähe.

Sergeant Belcore marschiert mit seinen Soldaten von links hinten durch das Eingangsthor links

Mitte

herbei.

Doktor Dulcamara kommt gleich nachher von rechts hinten durch das Eingangsthor; sein Mohr und

sein Diener folgen ihm mit seinem Gaul und Wagen, der mit den beiden letzteren Personen vor

dem Eingangsthor hält.

Gianetta kommt von links hinten mit Landleuten und Wäscherinnen, die ihr von rechts und links

hinten durch das Eingangsthor folgen.

Zwölfter Auftritt.

Gianetta. Belcore. Adina. Nemorino. Dulcamara. Soldaten. Landleute. Wäscherinnen. Der Diener.

Der Mohr.

Nr. 21. Recitativ.

BELCORE sieht die Umarmung, eilt vor und ruft den beiden Liebenden und seinen Soldaten im

Kommandoton zu.

Halt!

Dann zu seinen Soldaten.

Front! Präsentiert!

Es geschieht.

Erstaunt.

Was seh’ ich? – Vor meinem Nebenbuhler

Laß ich präsentieren?

Er spricht kommandierend.

Gewehr auf Schulter! Gewehr bei Fuß! Rührt euch!

Es geschieht.

ADINA zu Belcore.

Ja, ja, so ist’s, Belcore!

Ohne Groll möcht’ ich gerne Euch scheiden sehen!

Er wird mein Gatte! Was geschehen –

BELCORE entschlossen, ihr mit süßsaurem Gesicht entsagend.

Ist geschehen!

Behalte ihn, du Schelmin,

Schlimmer für dich!

Noch giebt es andre Mädchen!

Viel Tausend weiß ich wohl noch aufzutreiben.

DULCAMARA wichtig und lächelnd zu Belcore.

Nur müßt Ihr fein

Beim Liebestrank verbleiben.

NEMORINO pfiffig, indem er Dulcamara die Hand reicht.

Euch, weiser Mann, hab’ ich mein Glück zu danken!

CHOR Dulcamara anstaunend.

Was hör’ ich?

DULCAMARA wichtig und aufgebläht.

Ja, mir! Denn wisset, daß Nemorino

Heute mit einem Male

Hier der reichste Besitzer ist geworden,

Denn sein Oheim ist gestorben!

ADINA erstaunt.

Sein Oheim tot?

NEMORINO ebenso.

Mein Oheim tot?

GIANETTA für sich.

Das wußt’ ich längst.

DULCAMARA für sich.

Und auch mir war es bekannt!

Laut.

Doch was ihr noch nicht wisset,

Und was ihr nicht wissen könnt:

Vernehmt, daß dieser überirdische Trank

Nicht nur die Kraft hat,

Liebe zu heilen gleich auf der Stelle,

Er macht auch reich arme Teufel!

CHOR staunend.

O herrlicher Trank!

Nr. 22. Zweites Finale.

DULCAMARA übertrieben lobpreisend.

Er kurieret alle Mängel,

Sind sie gleich uns angeboren,

Macht aus Weibern pure Engel,

Wenn die Schönheit sie verloren.

Krumme, Lahme macht er gehen,

Taube hören, Blinde sehen,

Ja, er glättet jede Stelle,

Wo zuvor ein Buckel war!

Er winkt seinem Diener und Mohren.

CHOR Dulcamara bedrängend.

Mir ein Fläschchen, hurtig, schnelle!

Gebt, o gebt mir gleich ein Paar!

Mohr und Diener nehmen Medikamente aus dem Wagen, verkaufen sie an die Landleute und nehmen

das Geld dafür.

DULCAMARA wie vorher.

Wenn die Tanten neidisch wachen,

Wird der Schlaf sie bald besiegen;

Selbst die eifersücht’gen Drachen

Weiß er schmeichelnd einzuwiegen!

Bringet Trost den müden Schönen,

Die im Bette schlaflos gähnen!

Ja, es hilft für alle Fälle

Und beseitigt die Gefahr!

CHOR wie vorher.

Mir ein Fläschchen, hurtig, schnelle,

Gebt, o gebt mir gleich ein Paar!

Mohr und Diener wie vorher.

DULCAMARA aufschneidend wie vorher.

Einen Schatz empfingt ihr heute,

Alles hab’ ich euch gegeben:

Gold, Gesundheit, Männer, Bräute,

Schönheit, Glück und langes Leben!

Mit so herrlichen Geschenken

Dürft ihr freundlich mein gedenken,

Ja, für all die Wundergaben

Mögt ihr stets mir dankbar sein!

Er geht nach hinten und steigt in seinen Wagen.

CHOR zudringlich wie vorher.

Kehrt mit Euren Wundergaben

Bald im Dorfe wieder ein!

ADINA UND NEMORINO.

Was wir heut’ errungen haben,

Ist die schönste aller Gaben,

Liebe nur kann sie verleihn!

Zu Dulcamara.

Lebt wohl nun! lebt wohl!

BELCORE nach Dulcamara hin.

Charlatan, ein Wassergraben

Mög’ dein nächstes Lager sein!

Hüt’ dich wohl!

GIANETTA UND CHOR nach Dulcamara hin.

Kehrt mit Euren Wundergaben

Bald im Dorfe wieder ein!

Lebt wohl nun, lebt wohl!

Der Mohr bläst draußen am Wagen das Posthorn.

Der Diener und der Mohr nehmen dann auf dem Wagen mit Platz.

Dulcamara grüßt herablassend mit den Händen und fährt fort.

Alle winken ihm mit Tüchern und Hüten nach.

Belcore wendet sich achselzuckend zu seinen Soldaten.

Gaetano Donizetti – Anna Bolena

Gaetano Donizetti

Anna Bolena

Tragische Oper in zwei Akten

Personen

Heinrich der Achte, König von England

Anna Boulen, seine Gemahlin

Johanna Seymour, Hoffräulein der Königin

Lord Rochefort, Bruder der Königin

Lord Richard Percy

Smeton, Page und Musikus der Königin

Sir Hervey, Hauptmann der Leibwache

Hofdamen und Pagen der Königin

Hofleute. Lords. Leibwache des Königs

Der erste Akt spielt in Windsor, der zweite zu London, im Jahre 1586.

Erster Akt.

Großer Saal im Schlosse zu Windsor.

Erste Scene.

Hofherren. Später Johanna Seymour.

CHOR.

Er kommt noch nicht? Seyd stille!

Er wird nicht kommen? Und Anna?

Sie duldet still, doch trauert sie,

Ihr Stern wird untergehen,

Des Königs Herz, so wandelbar,

Sucht neuer Liebe Lust.

Des finstern Argwohns ganze Macht

Tobet in seiner Brust.

JOHANNA.

Mehr, als ich es ertragen kann,

Ist sie mir zugewendet,

Ist ihr nicht meine Schuld bewußt,

Ist wohl ihr Aug’ gebleudet.

Wie mir die Ruhe raubet

Der schuldbewußte Sinn.

Zweite Scene.

Vorige. Anna. Damen. Pagen. Smeton.

ANNA.

Warum dies ernste Schweigen im geselligen Saale?

Selbst Deine Launen, immer so heiter,

Kannst Du heute nicht finden,

Und kein Lächeln erblick’ ich.

JOHANNA.

Wer könnte lächeln, in froher Laune,

Wenn der Königin Miene

Nur Trauer kündet.

ANNA.

Verstimmt wohl mag ich scheinen,

Doch ohne Grund! Sorgen, finstre Schwermuth

Und Kummer rauben mir die Freude

Seit so manchem Tage.

SMETON.

Die Arme!

JOHANNA.

Ich zittre bei jedem ihrer Worte.

ANNA.

Smeton, tritt vor!

SMETON.

Königin!

ANNA.

Nimm Deine Harfe und brich dieses Schweigen

Durch Deine Lieder, durch den Klang der Saiten,

Bis sich der König naht.

JOHANNA.

Nun athm’ ich wieder.

ANNA.

Laßt uns aufmerksam hören!

SMETON.

Für sie mein Leben!

Lächelt der Liebe Rosenkelch,

Und Kummer drückt Dich nieder,

Scheucht mich Dein stiller Schmerz,

Giebt Trost Dein Lächeln wieder.

Vor meines Auges Strahlen

Schwinden des Lebens Qualen,

Und Lunens sanftes Himmelslicht

Strahlet Dein Zauberblick.

Sieht Dich mein Aug’ so reizerfüllt

Und still durch’s Leben gehen,

Glaub’ ich der ersten Liebe Schmerz

Im Mädchenblick zu sehen.

Herrsche auf Englands Throne,

Doch leicht entbehrt die Krone

Der mit des Blickes Allgewalt

Dringet in jedes Herz.

ANNA.

Schweige! o schweige!

SMETON.

Gebieterin! o Gott!

CHOR.

Tief ist ihr Herz erschüttert.

ANNA.

Wie dieses Jünglings süßes Lied

Mächtig das Herz beweget,

Der ersten Liebe Schmerz und Lust

Noch in der Brust sich reget;

Ihn werd’ ich nie vergessen,

Der dieses Herz besessen.

Und nicht Ersatz gewähret mir

Der Glanz, der mich umgiebt.

Doch wohl vergebens harren wir,

Bald wird die Nacht entschwinden.

JOHANNA.

Sanft dämmert schon das Morgenroth.

ANNA.

Wohlan denn! auf Wiedersehen,

Laßt uns zur Ruhe gehen;

Nicht kommt der König mehr.

Nun komm’! wir gehen.

JOHANNA.

Ach! wie sie zittert.

ANNA.

O Liebe, deine Himmelsmacht

Sie lindre meine Schmerzen,

Laß Untreu’ mächtig werden nicht

In des Geliebten Herzen.

Ich gab mich ihm zu eigen,

Mir ward zu Theil die Krone,

Und die beschworne Treue

Bewahrt’ ich auf dem Throne.

Doch ist’s des Himmels Wille,

Daß mich Berrath soll treffen,

So will ich lieber sterben,

Als mich verlassen seh’n.

Alle ab.

Dritte Scene.

JOHANNA allein.

Wie mir das Herz erbebet,

Wie die Schuld mich bewegt – hab’ ich verrathen,

Was meine Brust erschüttert?

In meinen Zügen hat Verrath sie gelesen.

Wie drückte an ihr Herz mich die Arme,

An ihren Busen, den Vertrauen erfüllt,

Konnt’ ich zurück mich ziehen von diesem drohenden Abgrund;

Die früh’re Ruhe, sie ist entschwunden;

Ach, dem Schicksal entgehen kann ich wohl nimmer,

Mit diesem Herzen –

Himmel! Ja, er ist’s!

Vierte Scene.

Der König, Johanna.

KÖNIG.

Warum erbeben?

JOHANNA.

Ich zitt’re! –

KÖNIG.

Und wo ist Jene? –

JOHANNA.

Sie ruhet.

KÖNIG.

Ich nimmer. –

JOHANNA.

Hört meine Bitte! – Ach, mein Gebieter! –

Nie seh’ ich Euch so wieder, o schwört es

Mir Armen!

KÖNIG.

So soll es seyn! Bald wirst Du

Am versammelten Hofe mit mir Dich zeigen. –

Du staunest? Johanna! Erhoben sollst Du werden!

JOHANNA.

Dann laßt mich sterben! Im Grabe

Verdeck’ ich nur mein Vergehen.

KÖNIG.

Zum Throne

Werd’ ich Dich führen, wie Annen es geworden,

Mein ganzes Land soll Dich, Geliebte, preisen.

JOHANNA.

O mein Geliebter! Nicht eitler Glanz

Führt mich zu diesem Ziele.

KÖNIG.

Von Deinem Herzen

Hoffe ich mehr.

JOHANNA.

Und so liebt mich mein König?

KÖNIG.

Ha, Falsche, was kannst Du wünschen?

JOHANNA.

Der Tugend Größe!

KÖNIG.

Größe? Ja, sie soll Dir werden,

Wie die Welt nicht höh’re kennet,

Wenn man meinen Namen nennet

Strahlt ein Glanz auf Dich zurück.

Keine gleichet Dir auf Erden,

Und Du bist mein höchstes Glück!

JOHANNA.

Nur der Tugend frommes Walten

Kann mir einzig Größe geben,

Doch zerstöret ist mein Leben,

Nimmer find’ ich wahres Glück,

Wird die Flamme nicht erkalten,

Kehrt die Ruhe nie zurück.

KÖNIG.

Ich verstehe!

JOHANNA.

Mein König, hört!

Soll Argwohn meine Liebe lohnen?

KÖNIG.

Nun kenne ich Dein Streben!

JOHANNA.

Mein König!

KÖNIG.

Nicht mir gilt Deine Liebe.

JOHANNA.

Mein König!

KÖNIG.

Den Thron willst Du erreichen.

Anna auch versprach mir Liebe,

Und mein Herz ward ihr zum Lohne,

Doch des Stolzes eitle Triebe

Zogen sie zur Königskrone.

Nun hat sie ihr Haupt getragen,

Doch allmählig wankt sie schon,

Und sie fand mit bittern Klagen

Nur in ihr des Schicksals Hohn.

JOHANNA.

Ach, nicht ich versprach Euch Liebe,

Und nicht strebt ich nach der Krone,

Die Erwied’rung Eurer Triebe

In des Herzens Tiefe wohnet.

Wie könnt’ ich es eitel wagen,

Mich zu nah’n dem Königsthron.

Höret doch der Unschuld Klagen,

Nehmt von mir des Schicksals Hohn.

KÖNIG.

Du verläßt mich?

JOHANNA.

Ich muß es!

KÖNIG.

Verweile!

JOHANNA.

Ach, ich kann nicht!

KÖNIG.

Verweile und höre:

Meine Krone sollst Du zieren,

Zum Altar werd’ ich Dich führen.

JOHANNA.

Himmel! – Und Anna?

KÖNIG.

Bestraf’ ich.

JOHANNA.

Was hör’ ich!

KÖNIG.

Es erbleich’ ihr falscher Schimmer!

JOHANNA.

Wär’ sie schuldig?

KÖNIG.

Ich war betrogen;

Liebe hat sie mir gelogen.

Früher schon in fremden Banden,

Und auch jetzt als Königin.

JOHANNA.

Euer Bündniß?

KÖNIG.

Werd’ ich zernichten.

JOHANNA.

Sie verstoßen?

KÖNIG.

Bald wird’s geschehen.

JOHANNA.

Ach, ich will, ich kann’s nicht glauben,

Lasset nicht die Strenge walten,

Euch die Gattin zu erhalten,

Glaubet falschem Argwohn nicht.

Wolltet Ihr den Thron ihr rauben,

Nur ihr Herz und meines bricht.

KÖNIG.

Bald wird Deinen Wahn Dir rauben

Meines Willens strenges Walten,

Und Dein Eifer wird erkalten,

Wenn des Nebels Schleier bricht.

Vor der Wahrheit bitterm Glauben

Bebt Dein Herz, doch meines nicht!

Fünfte Scene.

Park im Schlosse zu Windsor.

Percy und Rochefort.

ROCHEFORT.

Wen seh’ ich! auf Englands Boden –

Du, mein Percy!

PERCY.

Mich rief zurück, o Theurer,

Des Königs Gnade; hier will ich ihn erwarten.

Bald wird zur Jagd er ziehen,

Und hier vorüber; wie sind der Heimath Lüfte

Dem sich sehnenden Herzen des lang’ Verbannten

Die höchste aller Freuden, doch nicht dem meinen.

ROCHEFORT.

Höre, mein Freund! erlegen

Bist Du nicht dem Schmerz; Dich zu erkennen

Ist mir gelungen.

PERCY.

Du kannst noch spotten?

Du, der meinen Kummer genau doch kennet,

Der mich verzehret, – ich wage kaum zu forschen

Nach Deiner Schwester, nach Anna Dich zu fragen.

ROCHEFORT.

Schwer drückt die Krone, deckt sie des Herzens Klagen.

PERCY.

Was mir das Gerücht verkündet,

Ist’s Wahrheit wohl? – Der König wanket?

ROCHEFORT.

Erkaltet für sie und ihren Kummer.

PERCY.

Ach, Anna, geraubet wardst du mir, der dich liebte,

Um dich nur zu verderben.

ROCHEFORT.

O schweig’, Verweg’ner!

PERCY.

Was könnte ich noch fürchten?

Von dem Tag, da sie entschwunden,

Mußt ich brechen süße Bande,

Fern von ihr in fremdem Lande

Schloß sich nicht die Wunde zu;

Nimmer fand ich frohe Stunden,

Fern von Menschen durft’ ich klagen,

Wo die Erde mich getragen,

Hofft’ in ihr ich Grabesruh’!

ROCHEFORT.

Wirst Du nun in ihrer Nähe

Auch des Herzens Gluth bezwingen?

PERCY.

Wenn ich sie nur lächeln sehe,

Werd’ ich Fassung wohl erringen.

Sollte mich der Schmerz bezwingen?

Nein, die Lust wird überwiegen,

Und der Qual bin ich entnommen,

Keinen Kummer fühl’ ich mehr.

ROCHEFORT.

Stille jetzt, die Jäger kommen,

Denn laut wird es rings umher.

Sechste Scene.

Vorige, Jäger, Pagen, Krieger.

CHOR.

Zur Jagd! Es schallt des Hornes Klang,

Gesattelt stehen schon die Rosse,

Und Hunde bellen, Jagdgeschrei

Ertönt vom Königsschlosse;

Durch Feld und Wald zieh’n wir vereint,

Ja, der König bald erscheint.

PERCY.

Und mit ihm Anna!

ROCHEFORT.

Ach schweig’!

O Richard! ach schweige!

PERCY.

Ach, so in den schönen Tagen

In der ersten Jugendliebe

Fühlte ich dieselben Triebe,

Und sie war mein höchstes Glück.

Bald werd’ ich mein Schicksal lesen

In den sanften Himmelsblicken,

Wird ihr Lächeln mich entzücken,

Kehrt die Blüthenzeit zurück.

Siebente Scene.

Der König und sein Gefolge, dann Anna mit Damen und Dienern, Percy, Hervey und Leibwache.

KÖNIG.

Wie, schon so früh entflohen

Heute der Ruhe?

ANNA.

Viel stärker war das Streben,

Meinen König zu sehen,

Nach manchem Tage, als Bedürfniß der Ruhe.

Mag meine Sehnsucht mein Erscheinen vertreten.

KÖNIG.

Wohl manche schwere Sorge

Hab’ ich getragen, doch waren stets die Gedanken

Zu Dir gewendet, und nicht eine Stunde

Bist Du entgangen dem aufmerksamen Auge. –

Lord Percy hier?

ANNA.

Was muß ich sehen! er ist es!

KÖNIG.

Kommet mir näher!

PERCY.

Gebieter!

KÖNIG.

Schnell kehrt Ihr wieder –

PERCY.

Nicht zögern wollt’ ich, o König!

Einen Augenblick länger, Euch auszusprechen,

Was ich dankbar empfinde, und eilend nah’ ich

Zu Euren Füßen, die Treue Euch zu schwören!

Die Hand, die mich verbannte, und mich wiedergegeben

Dem Vaterlande, laßt mich sie küssen!

KÖNIG.

Ich weiß, daß Ihr schuldlos –

Von Eurer Treue bin ich überzeugt.

Die mit Euch erwachsen, mit Euch erzogen,

Sie kannte des Herzens Treue, gerne glaub’ ich,

Was Anna sagt.

PERCY.

Anna?

ANNA.

Kaum wag’ ich aufzublicken!

PERCY.

Diese Worte, darf ich sie glauben?

Habt Ihr mich nicht ganz vergessen?

ANNA.

Nimmer wollte England glauben,

Daß Ihr Euch so schwer vergessen.

KÖNIG.

Ja, Eure Treue wird sich bewähren,

Ihr Vertrauen wird Percy ehren;

Schwer hat man Euch angeklagt,

Sie allein vertraute Euch!

PERCY.

Diese Güte!

ANNA.

Erhebt Euch! – nicht weiter!

ROCHEFORT.

Er vergißt sich!

KÖNIG.

Hervey!

HERVEY.

Gebieter!

ANNA.

Ach, ich fühle mein Herz erbeben,

Seh’ ich fließen seine Thränen,

Nimmer endet dieses Sehnen,

Nimmer endet diese Pein.

PERCY.

Ach! ich fühl’ ein neues Leben,

Nein, sie hat mich nicht vergessen,

Und ihr Herz, das ich besessen,

Bleibet auch für immer mein.

ROCHEFORT.

Wahnsinn ist es zu ihr zu heben

Deine Hoffnung, ist eitles Streben,

Dich bewacht, ich seh’s mit Beben,

Jeder Blick zu meiner Pein.

KÖNIG.

Mein Vertrauen sey Dir gegeben,

Seine Schritte wirst Du erspähen,

Und kein Blick darf Dir entgehen,

Dann sollst Du mein Rächer seyn.

HERVEY.

Ja, ich schwör’s bei meinem Leben,

Ruhig dürft Ihr auf mich vertrauen.

Wird mein Herr auf mich jetzt bauen,

Soll er bald befriedigt seyn.

KÖNIG.

Da Ihr nun dem Vaterlande

Und dem Hof’ zurückgegeben,

Schließ’ ich fester noch die Bande,

Meine Gunst soll Euch erheben.

PERCY.

Eure Gnade zu erreichen

Laßt mich einem Bessern weichen,

Und kaum könnt’ ich –

KÖNIG.

Nein, nein, ich will es,

Stets um mich soll Percy seyn,

Laßt die Jagd uns nun vergnügen!

Anna! lebt wohl! –

ANNA.

O welche Pein! –

ALLE.

Dieser Tag, so schön begonnen,

Sey mit froher Lust gekrönt,

Haben Beute sie / wir gewonnen,

Fröhlich dann das Horn ertönt.

ANNA. PERCY.

Dieser Tag, so schön begonnen,

Schimmert ernst auf meine Bahn.

KÖNIG.

Meine Beute ist gewonnen,

Keine Macht sie retten kann.

Achte Scene.

Kabinet im Schlosse.

SMETON allein.

Ja, einsam bin ich – in anderen Gemächern

Wohl die Damen verweilen; und sollt’ auch Eine

Mich hier bemerken, weiß sie ja doch,

Daß ich durfte diese inneren Gemächer mit meiner Harfe

Nach der Königin Willen oft wohl betreten. –

Was ich im Stillen raubte, dies Bild der Geliebten,

Leg’ ich zurück, eh’ man entdecket meiner Kühnheit Frevel,

Nur einmal noch will ich küssen diese himmlischen Züge.

Leb’ wohl nun, du Heißgeliebte, die meines Herzens Schläge

Hier in dem Bildniß mir zurückgegeben. Lebe wohl!

Hör’ ich nicht geh’n? – es naht sich hier

Jemand dem Gemache – fort ohne Weilen.

Neunte Scene.

Anna. Rochefort.

ANNA.

Schweige, ich will nicht hören

Die gefährliche Bitte.

ROCHEFORT.

O laß ihn kommen

Den Tiefbetrübten, nicht darfst Du fürchten,

Daß ihn Gefahr hier bedrohet; doch fürcht’ ich wohl für Percy,

Wenn Deine kalte Strenge, des Herzens Qualen

Die Sinne ihm verwirren.

ANNA.

Weh’ mir, ach warum mußt’ ich ihn wiederseh’n! –

Wohlan! er komme! Du wache über uns,

Daß Niemand sich hier nahe,

Der mir nicht treu ergebenö.

ROCHEFORT.

Beruhige Dich!

Ab.

Zehnte Scene.

Anna. Smeton.

SMETON.

Nicht kann ich fliehen!

ANNA.

Warum gewährt’ ich, ich sollte nimmer ihn seh’n,

Ihn streng’ vermeiden; ach, konnte ich

Ihn durch Strenge kränken,

Der noch lebet in diesem Herzen?

Elfte Scene.

Percy. Anna.

ANNA.

Er ist es! – Ich bebe! ich zitt’re!

PERCY.

Anna!

ANNA.

Ach, Richard!

Nicht lange darfst Du weilen,

Vorsicht und Stille! Vielleicht muß ich bereuen

Meine gebrochene Treue. Ich büße,

Du siehst es, ja ich büße mit Strenge.

Meinem Stolze ward Englands Krone,

Und doch mit Dornen umwunden.

PERCY.

Ja, ich seh’ Deinen Kummer; Dir ist vergeben,

Der eigne Schmerz entschwindet,

Denk’ ich des Deinen, nicht kann ich zürnen, ich vergesse,

In Deiner Nähe die frühern herben Leiden,

Ja, sie weichen Deinem Himmelsblicke,

Wie nach Wellen und Sturm die Hoffnung leuchtet,

Alles will ich vergessen. Aus Deinen Augen

Strahlt mir mein Stern entgegen.

ANNA.

Nimmermehr, nicht solche Worte! Was kannst Du hoffen?

Vergessen hast Du die Bande und meine Schwüre.

PERCY.

O sprich nicht aus, nicht denken

Will ich es mehr, ja nur Anna kenne ich,

Und Richard erkennst Du nimmer, der Dich geliebet,

Der lieben Dich gelehret, dem Du sein Alles,

Der Dich zurück begehret? Der König hasset Dich?

ANNA.

Er haßt mich; es ist wahr!

PERCY.

Wohl, ich geh’, doch wiedersehen,

Muß ich Dich, versprich es! schwöre!

ANNA.

Nein, nie mehr!

PERCY.

Nie mehr? So ende

Sich mein jammervoll Geschick!

ANNA.

Ach! halt’ ein! Du rasest!

Zwölfte Scene.

Vorige. Smeton.

SMETON.

Entsetzen!

ANNA.

Güt’ger Himmel!

PERCY.

Von mir zurück!

ANNA.

Hallet ein! o haltet! wir sind verloren!

Hört! man naht sich! Ach! ich vergehe!

Dreizehnte Scene.

Die Vorigen. Rochefort.

ROCHEFORT.

Theure Schwester!

SMETON.

Deine Sinne schwinden!

ROCHEFORT.

Der König naht!

SMETON.

O Gott!

Vierzehnte Scene.

Die Vorigen, der König und Hervey.

KÖNIG.

Was seh’ ich?

In der Königin Gemache

Muß ich bloße Schwerdter seh’n!

Schnell herbei!

Fünfzehnte Scene.

Vorige, Ritter, Damen, Pagen, Wachen, dann Johanna.

PERCY.

O bitt’res Schicksal!

CHOR.

Hier sind wir!

SMETON. ROCHEFORT.

Was wird geschehen?

KÖNIG.

Jeder schweigt, von Angst beklommen,

Doch vermuth’ ich, was geschehen,

Und der König mußte kommen,

Seine Schande hier zu sehen!

Alle seyd Ihr hier nun Zeugen

Von dem schnöden Hochverrath!

SMETON.

König! o König! ich muß schweigen,

Doch geschah nicht Frevelthat!

KÖNIG.

Wie, Du wagst es? In Deinen Jahren

Schon ein Meister schlauer Lügen?

SMETON.

Tödtet mich, doch, unerfahren,

Kann ich nimmer Euch betrügen!

KÖNIG.

Ha! was seh’ ich?

SMETON.

O Gott!

KÖNIG.

Dies Bildniß?

Kaum kann ich den Augen glauben,

Dieses Bild hat Dich gerichtet,

Und bezeuget Dein Vergeh’n.

PERCY.

Anna! Ihr Bildniß!

SMETON.

Ich bin vernichtet!

ANNA.

Ach, wo bin ich? Was ist geschehen?

Zum Opfer auserkohren

Hat mich des Schicksals Tücke,

Wohin ich immer blicke,

So les’ ich nur Verdacht;

Doch, was ich Dir geschworen,

Hab’ ich auch treu bewacht.

KÖNIG.

Nur falsch hast Du geschworen;

Hier stehst Du Deine Schande!

Zerrissen sind die Bande.

Folge des Schicksals Macht,

Denn bald bist Du verloren,

Bewährt sich mein Verdacht.

PERCY.

O, wär’ ich nie geboren!

Sie konnte mich betrügen?

Mit diesen Engelszügen!

Wie schwer bin ich erwacht!

Das Höchste ist verloren!

Bald ist mein Lauf vollbracht.

JOHANNA.

Weh’ mir, sie ist verloren!

Ich seh’s in seinen Blicken.

Nicht kann ich unterdrücken

Die Angst, die hier erwacht. –

O wär’ ich nie geboren!

Wird so mir Thron und Macht?

SMETON. ROCHEFORT.

Weh’ mir, sie ist verloren!

Kaum kann ich es ertragen!

Vergebens sind die Klagen!

Zu schwer ist der Verdacht!

O wär’ ich nie geboren!

Mich trifft des Schicksals Macht.

KÖNIG.

Schnell in den Kerker führet sie

Alle, zu dieser Stunde!

ANNA.

Alle? – Mein König! –

KÖNIG.

Fort von hier!

ANNA.

Ach! nur ein Wort!

KÖNIG.

Von hinnen!

Nicht ich, des Landes Richter nur,

Sie sollen Recht Dir sprechen.

ANNA.

Richter, für Anna?

Für Anna den Kerker?

PERCY. SMETON. ROCHEFORT.

Für Anna?

ANNA.

Ach, mein Tod ist schon beschlossen,

Wenn mich der zu richten waget,

Der mich selber angeklaget,

Der Gewalt erliege ich!

Aber wenn mein Blut geflossen,

Rächet einst das Schicksal mich!

KÖNIG.

Ja, Dein Tod ist schon beschlossen,

Denn man müßte mich verhöhnen,

Sollte ich Dich schuldlos wähnen,

Der Verdacht verdammet Dich.

Hat das Recht Dein Blut vergossen,

Dauert dennoch Anna mich.

PERCY. JOHANNA. SMETON. ROCHEFORT.

Ja, ihr Schicksal ist beschlossen,

Rimmer kann sie ihm entgehen,

Keine Rettung mehr erspähen.

Strenge rächt der König sich.

Doch wird Annens Blut vergossen,

Rächt es einst sich fürchterlich.

CHOR.

Ja, das Schicksal hat’s beschlossen,

Und gehorsam seinem Willen

Alle Schrecken sich enthüllen,

Jeder Hoffnungsstrahl entwich.

Wird der Unschuld Blut vergossen,

Rächt es einst sich fürchterlich.

Zweiter Aufzug.

Vorgemach.

Erste Scene.

Wachen. Damen.

CHOR DER DAMEN.

Schnell nun entschwand der Königin

Der Glanz, der sie umgeben,

Und Kummer nur ist ihr Gewinn,

Gefahren sie umschweben.

Ja selbst Johanna bleibet fern,

Die sie so sehr geliebt,

Doch leuchtet auch ihr böser Stern,

Fühlt sie des Schicksals Walten.

Wir wollen mit ergeb’nem Sinn

Fest uns’re Treue halten.

Nicht fliehen wir die Königin,

Wenn sich ihr Stern auch trübt.

Zweite Scene.

Anna und die Vorigen. Hernach Hervey mit Wache.

ANNA.

Ihr, meine Lieben,

Seyd mir getreu geblieben.

An Eurem Herzen sind’ ich Ruhe,

Noch leuchtet mir die Hoffnung,

Doch sterb’ ich gern, denn diese Erde,

Sie bietet mir nur Schmerz und Kummer

Nach eitlen Träumen.

Wer naht sich? Hervey!

HERVEY.

Königin! hart ist der bitt’re Auftrag

Vom hohen Rathe, den Pflicht mir gebietet.

ANNA.

Wohlan, vollende!

HERVEY.

Die Damen Deines Hofes.

Sie sollen zeugen.

DIE DAMEN.

Hoffe!

ANNA.

In seinem Wahn beharr’t der König noch?

Wie kann er glauben, was mit Abscheu mich erfüllt?

HERVEY.

Was kann ich sagen?

ANNA.

Mit offener Stirne

Den Richtern, die Gewalt mir gesetzt,

Kann ich mich zeigen; daß schuldlos Eure Herrin,

Mag Euer Mund bekennen. Ihr kennet Anna!

DIE DAMEN.

O bitt’re Stunde!

ANNA.

Gehorchet!

Hervey und die Damen ab.

Dritte Scene.

Anna. Dann Johanna.

ANNA.

Himmel! dir ergeb’ ich mich gerne,

Ich fleh’ zu dir, beschließe!

Verdien’ ich diese Schande, richte mich mild!

Du kennst dieses Herz, o Himmel!

JOHANNA.

Anna in Thränen? Kaum wag’ ich mich

In ihre Nähe!

ANNA.

Schwer rächet

Die Qualen seiner früheren Gattin

An mir nun ein ernst Geschicke!

Doch kann ich kaum ertragen

Die Schmach, die mir bestimmt

Des Schicksals Walten!

JOHANNA.

Ach, meine Königin!

ANNA.

Seymour! Du kehrest wieder an dieses Herz zurück?

So blaß, in Thränen? Du scheinst verwirrt?

Bebest? – Aus Deinem Munde

Hör’ ich wohl neue Schrecken?

JOHANNA.

Der Kummer, Entsetzen,

Treibt mich zu Deinen Füßen, o hör’ mein Flehen;

Fürchte des Königs Ausspruch, nimmer wird er Dich schonen.

Mit stillem Beben, wird das Gericht,

Gehorchend seinem Willen,

Diese Schmach nun erfüllen;

Und selbst Dein Leben kann sein Haß Dir nun rauben.

O fliehe! entflieh’ aus diesem Lande!

ANNA.

Erkläre, fasse Dich!

JOHANNA.

Es sagen? ich zitt’re!

Doch mußt Du’s hören. Wirst schuldig Du erklärt,

Bist Du verloren; man raubt Dir Thron und Leben!

ANNA.

Was sagest Du?

JOHANNA.

Das Schicksal,

Das Dich verfolget, hemmet Dir jeden Ausweg,

Wenn Du nicht fliehest.

ANNA.

Du kannst mir solches rathen?

Du kennst mich nicht!

JOHANNA.

Ach! glaube mir!

ANNA.

Du willst,

Daß ich mit Schmach mich bedecke, und Du, Seymour,

Du kannst mir dieses rathen?

JOHANNA.

Nur Schmach und Schande

Dich hier erwartet. O Königin, erfülle meine Bitte!

Es ist des Königs Wunsch, es ist die Bitte

Der Unglücksel’gen, die des Königs Liebe

Will auf den Thron erheben.

ANNA.

Sprich, wer ist sie?

Ja, Du weißt es! o rede! sie könnt’ es wagen,

Zu rathen ihrer Königin – Entehrung,

Die ich mir selbst soll geben? – rede – wer ist sie?

JOHANNA.

Unglücklich ist sie!

ANNA.

Was ich durch sie geworden!

Mag des Vorwurfs Schlangenbissen

Sie im Thronesglanz erliegen!

JOHANNA.

Ach! Du weißt nicht –

ANNA.

Von Schmerz zerrissen

Soll sie nimmer den Gram besiegen.

JOHANNA.

Ach, verzeihe!

ANNA.

Auf dem Throne

Werde ihr die Dornenkrone!

Wenn vor Liebe wonnetrunken

Er in ihren Arm gesunken,

Werde Marter ihrem Glücke,

Mein Gespenst mit starrem Blicke!

Und das Beil, das mich erschlagen,

Schwing’ ich in der kalten Hand.

JOHANNA.

Ach! welche Bilder! ich sterbe! – Entsetzen! –

Mein Geschick – hast Du – genannt!

ANNA.

Du?! was hör’ ich?!

JOHANNA.

Sieh’ mich hier zu Deinen Füßen!

ANNA.

Wie? Verworf’ne!

JOHANNA.

Bitt’res Wehe

Füllt den Busen – und mein Gewissen!

ANNA.

Fliehe! –

JOHANNA.

Ach, hab’ Erbarmen! –

Gieb ein tröstend Wort mir Armen!

Seinen Worten, seinem Flehen

Konnt’ ich nimmer widerstehen!

Daß ich liebe, ist meine Schande,

Und Verbrechen sind die Bande,

Dennoch fühl’ ich, die schuld’ge Liebe

Will nicht weichen aus der Brust!

ANNA.

Schweige! – Nur seine Triebe

Sie entflammten Deine Brust.

Deiner Reue will ich vergeben;

Nimmer wirst Du ihm entgehen,

Auf den Thron wird er Dich heben,

Und Du wirst beglückt Dich sehen;

Doch bald endet sein Entzücken,

Und Dir bleibet Schmerz und Pein,

Nur die Todtenblume pflücken

Wirst Du dann – und Anna seyn!

JOHANNA.

Hat Dein Herz mir auch vergeben,

Kann ich nicht dem Gram entgehen,

Nicht der Thron kann mich erheben,

Muß ich Dich verstoßen sehen.

Nie entschwinden meinen Blicken

Deine Qualen, Deine Pein.

Nie wird Liebe mich beglücken,

Immer werd’ ich elend seyn.

Ab.

Vierte Scene.

Hofleute, später Hervey.

HOFLEUTE 1.

O sagt, wer vor den Richtern jetzt

Von den Beklagten stehet?

HOFLEUTE 2.

Smeton!

HOFLEUTE 1.

Vielleicht der Jüngling wohl

Die Wahrheit eingestehet.

HOFLEUTE 2.

Geschlossen sind die Pforten noch,

Ernst ist der Augenblick.

ALLE.

Wache, o Himmel, über ihn!

Jung noch, und unerfahren,

Wie leicht giebt er sich den Schlingen hin,

Schweben um ihn Gefahren.

Mag er vergessen nimmer doch

Der Königin Geschick!

ALLE.

Stille! merkt auf!

HERVEY.

Die Königin

Und Percy vor Gericht!

CHOR.

Und Smeton?

HERVEY.

Hat angeklagt!

CHOR.

Der Schändliche!

Hat gegen sie gesprochen?

HERVEY.

Was er den Richtern eingestand,

Hat sie mit Schmach bedeckt.

CHOR.

Des Königs Haß bestrafet nun,

Was der Verrath entdeckt.

Fünfte Scene.

Der König, die Vorigen.

HERVEY.

Entfernt Euch! – Seht den König! –

Was hat, o König,

Dein Zorn beschlossen?

KÖNIG.

Was meine List geleitet,

Ist schon erfüllet, der erste Streich gelungen:

Wer ihn geführt – frohlocket!

HERVEY.

Schnell fiel der Page

In unsre Schlinge!

KÖNIG.

Im Kerker mag er erwarten

Der blinde Knabe die Frucht des falschen Wahnes,

Bis wird die Stunde schlagen,

Die meine Rache krönet, und sie zu retten

Mag er noch glauben. – Doch, sie erscheinet.

HERVEY.

Mit Anna, von der Wache gefolgt.

Auch Percy naht. –

KÖNIG.

Von hinnen!

Sechste Scene.

Anna und Percy von Wachen umgeben. Vorige.

ANNA.

Verweile, o König! –

Verweile, und höre!

KÖNIG.

Das ziemt den Richtern!

ANNA.

Sieh’ mich zu Deinen Füßen! tödte mich durch

Deine Hand!

Wohl magst Du mich entheben der Schande des Gerichts,

Des Königs Name in mir geachtet werde!

KÖNIG.

Hast Du geachtet auch wohl die Königin?

Von meiner Seite stiegst Du zu diesem nieder.

PERCY.

So sehr verachtet hast Du Percy wohl nicht,

Als Du erschienst, kühn ihm zu rauben,

Die mir auf ewig theuer!

KÖNIG.

Verweg’ner! Du wagst es?

PERCY.

Der Wahrheit Sprache mußt Du hören!

Bald werd’ ich nun erscheinen vor jenem Richter,

Dem die Deinen weichen, der mich richtet

Nach meinem Herzen. Bei Jenem schwör’ ich,

Ich schwöre es! Anna, rein ist sie geblieben!

Ja, tief empört, hat sie mir streng verwiesen

Des Herzens Wünsche, ich schwör’ es!

KÖNIG.

Werth fand sie ihrer Liebe einen niedern Pagen.

Er hat’s gestanden, und viele der Damen

Ihres Hofes.

ANNA.

Ende! die frevelhafte Klage

Erhebet meine Würde, denn selber hast Du

Den Pagen wohl verführt, mich anzuklagen.

Ja, von Dir nur kommt der Frevel.

KÖNIG.

Du kannst es wagen, Verweg’ne!

ANNA.

Du schändest

Dich allein und Deine Macht. Tödten

Kannst Du die Gattin, doch nicht verhöhnen,

Und meine Schande ist nur, daß ich entsagte

Dem Herzen Percy’s, das mich zärtlich geliebt.

Und daß ich glaubte, das Glück bei Dir zu finden,

Der mir nur Schmach jetzt beut.

PERCY.

O welche Wonne!

Nein! nie hat solcher Frevel

In diesem Herzen wohl Raum gefunden.

Ich kenne Anna! und freudig

Mit diesem Glauben geh’ ich dem Tod’ entgegen!

Doch Du wirst leben, ja, Du wirst leben!

KÖNIG.

Was hör’ ich?

Bald sollt Ihr Beide sterben!

Was könnte Euch noch retten?

PERCY.

Das Recht allein!

ANNA.

Gerechtigkeit

Trägt hier Tyrannenketten.

KÖNIG.

Wohl müßte sie hier schweigen,

Schüchtern vor Dir sich neigen,

Als Aragoniens Tochter

Du von dem Thron verdrängt?

Doch laut soll sie nun sprechen!

PERCY.

Magst Du sie hören, wenn sie ihr Loos verhängt!

Soll der Verrath bestrafet seyn,

Magst Du den Tod mir geben;

Doch sey das Opfer ich allein,

Schone nur Annens Leben! –

Wir sind vermählt!

KÖNIG.

Was hör’ ich?

ANNA.

Was sagst Du?!

KÖNIG.

Du wagst es?

PERCY.

Das Band hast Du gebrochen,

Ich ford’re sie zurück!

KÖNIG.

Ist’s wahr, was er gesprochen?

ANNA.

Percy!

PERCY.

Kannst Du’s leugnen?

ANNA.

Mißgeschick!

PERCY.

Denke der ersten Jugendzeit,

Die stets mein Trost geblieben,

Selbst als Du mir die Treue brachst –

Mußt’ ich Dich dennoch lieben.

Der, dem Du Dich ergeben,

Raubt Dir nun Ehr’ und Leben,

An diesem treuen Herzen

Suche Dein früheres Glück!

ANNA.

Ach! wie beschämt Dein Edelmuth!

Treu bist Du mir geblieben! –

Verworfen hab’ ich, Verbrecherin,

Den stets ich mußte lieben.

Getrennt von Dir, mein Leben,

Hat mir der Thron gegeben

Neue und bitt’re Schmerzen –

Für meiner Liebe Glück!

KÖNIG.

Schwer sey die Strafe, und strenger noch

Will ich die Rache nun üben –

Vergebens wagt Ihr zu täuschen mich,

Frevel habt Ihr getrieben.

Bald sollet Ihr erbeben,

Und Eure falschen Herzen

Vereint ein ernst Geschick.

Wohlan! man führe sogleich

Vor Gericht die Königin!

Bald werd’ auf den Thron ich heben,

Die nur würdig allein ihn zu zieren.

Kron’ und Leben mag die Falsche verlieren,

Die nur Schande und Hohn mir gebracht.

ANNA. PERCY.

Wohl kannst Du den Tod uns geben,

Magst Du Dich mit Schmach bedecken,

Kron’ und Leben mit Schande beflecken –

Doch auf Dich fällt der schnöde Verdacht.

Siebente Scene.

Die Vorigen, Hervey.

HERVEY.

Für Euch mit froher Kunde

Hier ich erscheine; schenken will Euch das Leben

Des Königs Huld!

PERCY.

Leben? für uns Beide? und Anna?

HERVEY.

Die Strafe des Verbrechens

Wird sie erleiden.

PERCY.

Und mir will er vergeben,

Und sie bestrafen, die schuldlos? der Frauen Zierde

Will er morden! – Schnell magst Du künden dem König,

Daß ich verwerfe die mir geschenkte Gnade!

HERVEY.

Was hör’ ich! – Und Rochefort?

ROCHEFORT.

Folgt seinen Lieben zum Tode!

PERCY.

Höre doch des Freundes Bitte!

Willst Du ihre Leiden mehren?

Lebend scheide aus uns’rer Mitte,

Und erfülle, was wir begehren!

Denke trauernd an Deine Lieben,

Die im Tode sich vereint,

Daß doch Jemand hier geblieben,

Der an unserm Grabe weint!

ROCHEFORT.

Theurer Freund! laß mich Dir folgen!

Dich entbehren kann ich nimmer.

HERVEY.

Eure Antwort?

PERCY. ROCHEFORT.

Entweiche! – Wir sterben!

HERVEY.

Ihr müßt scheiden!

ROCHEFORT.

Leb’ wohl dann – auf immer!

PERCY.

Les’ ich Muth in Deinen Blicken,

Kann gefaßt ich von Dir scheiden,

Denn ich litt nur Deine Leiden,

Bebte nur für Dich allein!

Ja, der Tod wird uns beglücken,

Denn er endet alle Qualen;

In des Morgenrothes Strahlen

Grüßet uns ein bess’res Seyn!

Alle ab.

Achte Scene.

Anna’s Damen.

CHOR.

Wer sie erblicket in ihren Leiden,

So fest und ruhig, so still, bescheiden;

Der steht verbluten ihr edles Herz.

Ein steinern Bildniß nur glaubt man zu sehen,

Dem Marmorthränen im Auge stehen.

Verwirrt lächelt sie mit blassem Munde,

Bebend erwartet sie die Schreckensstunde;

Wenn der Gedanke sich zum Bild’ gestaltet,

Spricht die Verzweiflung aus ihrem Schmerz.

Neunte Scene.

Anna, Vorige.

ANNA.

Ich seh’ Euch weinen? woher die Thränen am Hochzeitstage,

Bei Hochzeitfreuden? Der König harret, geschmücket

Steht er schon am Altar. Schnell, meine Lieben,

Bringt die bräutlichen Kleider! Die Stirne schmücket

Mit der Krone von Rosen –

Daß Percy nichts erfahre! so will’s der König.

CHOR.

Welch’ bitt’re Erinnerung!

ANNA.

Wer sprach von Percy?

Percy kommt nicht zurück; sollt’ er erscheinen,

Müßt’ ich fliehen seine Blicke, vergebens hier ist er!

Wie er zürnend auf mich blickt! – Ach, verzeihe!

Sieh mich elend geworden! rette mich aus schweren,

Aus eisernen Banden! – Ja, Du lächelst? O Wonne!

Nicht einsam wird Deine Anna nun sterben!

Laß mich an Deiner Hand

Dort wieder leben,

Wo mich im Heimathland

Träume umschweben

Von meiner Jugend

Seligem Glück.

Dort wird die Gegenwart

Leise entschwinden,

Dort Ruh’ und Lebensglück

Sich wieder finden,

Ach hör’ mein Flehen,

Führ’ mich zurück.

Zehnte Scene.

Vorige. Wachen. Hofleute. Herren.

ANNA.

Welch dumpfer Ton! – Was seh’ ich?

Hervey und Wachen!

HERVEY.

Oeffnet! und führet die Gefang’nen

Nun fort zu ihrer Strafe!

ANNA.

Ach! in welcher Stunde

Schwindet der Wahnsinn! ganz soll ich ihn fühlen

Den Augenblick des Schreckens!

Letzte Scene.

Vorige. Rochefort, Percy, zuletzt Smeton

PERCY. ROCHEFORT.

Anna! –

ANNA.

Mein Bruder!

Und Percy Du! – Für mich müßt Ihr nun sterben!

SMETON.

Allein nur durch meine Thorheit! – Mich nur verdammet!

ANNA.

Smeton!

PERCY.

Verworf’ner!

SMETON.

Ach! wohl verworfen! ich sterbe

Mit Verbrechen beladen! im Wahne fiel ich,

Verführt vom König, in diese Schlinge, und glaubte

Euch zu erretten, da Lüge ich gesprochen;

Doch zu spät nun erkenn’ ich dies Truggewebe!

Da ich nur glaubte, die Hoffnung meines Herzens

Trifft der Fluch mich am Grabe.

ANNA.

Smeton – Du bist es? –

Knieend – verweilst Du? Wo hast Du Deine Harfe?

Wer riß Dir Deine Saite?

ROCHEFORT.

Anna! –

PERCY.

Was sagst Du!

CHOR.

Ihr Wahnsinn kehrt zurück.

ANNA.

O hört dies Tönen in meinem Herzen,

Dies ängstlich leise Stöhnen in Todesschmerzen!

Der letzten Stunde Beben erhebt zum bess’ren Leben

Mich bald empor! O hört dies Tönen –

ROCHEFORT. PERCY. SMETON.

O bitt’rer Schmerz!

CHOR.

Die Arme!

ANNA.

Bald schwingt die bange Seele sich

Hinauf in’s bess’re Leben,

Die Hoffnung steht am Grabesrand,

Strahlend im Himmelsglanz.

CHOR.

O mag, vom Wahn befangen,

Sie sanft hinüber schweben!

Ein Himmelsbote winde ihr

Den letzten Blumenkranz!

ANNA.

Wer erweckt mich? – wo bin ich, Percy? – sagt, was hör’ ich? –

Festesklänge hör’ ich schallen, was deuten diese Töne?

CHOR.

Von dem Jubel des Volkes umgeben

Wird gekrönt –

ANNA.

Ach schweiget! verstummt!

Nur mein Blut muß vergossen noch werden, –

Und erreicht hat der Frevel sein Ziel!

CHOR.

Wenn die Hoffnung verschwindet auf Erden,

Lohnt dem Dulder das himmlische Ziel!

Auf ihn vertraue!

ANNA.

Wahn entschwinde, der Himmel versöhnet. –

Ihn nur seh’ ich, in dieser Schreckensstunde!

Ward mein Schmerz auch auf Erden verhöhnet,

Deckt das Grab doch die blutende Wunde,

Und der Lohn wird dort oben mir werden,

Bald erreich’ ich das strahlende Ziel!

CHOR.

Unglücksel’ge! sie sinkt, sie stirbt!

ROCHEFORT. SMETON. PERCY.

Schon erreicht hat ein Opfer das Ziel!

Alexander Borodin – Fürst Igor

Alexander Borodin

Fürst Igor

Oper in vier Aufzügen mit Prolog

Personen

Ìgor Swíatosslàwitsch, Fürst von Gewersk (Bariton)

Iaroslàwna, seine Frau in zweiter Ehe (Sopran)

Wladîmir Ìgorewitsch, sein Sohn aus erster Ehe (Tenor)

Wladîmir Iaroslàwitsch, Fürst Gàlitzky, Bruder der Fürstin Iaroslàwna (Baß)

Kontschàk (Baß),

Gsak (Baß), Polowêzkische Chane

Kontschakôwna, Tochter des Chans Kontschàk (Alt)

Owlûr, ein getaufter Polowzer (Tenor)

Skulà (Baß),

Eròschka (Tenor), Gudokspieler

Die Amme der Fürstin Iaroslàwna (Sopran)

Ein Polowêzkisches Mädchen (Sopran)

Russische Fürsten und Fürstinnen, Bojaren und Bojarenfrauen, Greise, russische Krieger, junge Mädchen, Volk

Polowêzkische Chane, Gefährtinnen der Kontschakòwna, Sklavinnen (Tschagen) des Chans Kontschàk, russische Kriegsgefangene, Polowêzkische Wachen und Heer

Die Handlung geht vor sich: im Prolog, im 1. und 4. Aufzuge – in der Stadt Putivl; im 2. und 3. Aufzuge – im Polowêzkischen Feldlager. Jahr 1185.

Prolog

Ein öffentlicher Platz in der Stadt Putivl. Die Truppen sind zum Ausmarschieren bereit. Das Volk begrüßt sie. Beim Aufgehen des Vorhangs tritt Fürst Ìgor, von Fürsten und Bojaren begleitet, feierlich aus der Kathedrale.

CHOR DES VOLKES.

Helle Sonne sei Ehre, Ehre!

Hoch am Himmelsdom!

Dir, unserem Fürsten sei Ehre,

Ruhm im heiligen Rußland bei uns!

Ehre sei tapferem Fürsten Troubtschewsky,

Dem mutigen Wsèwolod Heil!

Heil euch! Unserem Fürsten sei Ehre!

Und in der Stadt Putivl jungem Wladîmir,

Wie Swiatoslâw, jungem Fürsten von Rilsk,

Sei Ehre, Ehre!

Ìgor sei gelobt im Russenland!

Helltönend’ Loblied erklingt in den Steppen,

Wie an dem breiten Don bis an das weite Meer.

Fürsten, ihr werdet gelobt in der Fremde.

Heil euch, ihr Herrlichen, und eurem tapf’ren Heer.

Und holde Mädchen am Ufer der Donau

Singen im Chore euch, Fürsten, die Loblieder.

Süßen Ton’s fluten ihr’ Lieder bis Kiew.

Lobt nun die Herrlichen, heil euren Kriegsleuten.

Heil euch! Heil euch!

FÜRST ÌGOR.

Voran, voran zum blut’gen Krieg!

CHOR DES VOLKES.

Gott helfe euch zu schlagen Feindes Heere!

Zum Kampf, zum Kampf mit Heiden-Chanen!

Jetzt gilt’s, an ihnen unsere Schmach zu rächen.

CHOR DER BOJAREN.

Sieg unserm Fürst, dem Sieger von Oltava!

Sieg unserm Fürst, dem Sieger von der Warle,

Und Tod dem Feind, wie einst am Ufer Merles,

Und mög’ das mächt’ge Heer der Chane schmählich ganz untergeh’n.

Schlage, Fürst, des Feindes Schwarm!

FÜRST ÌGOR.

Wir zieh’n in den Kampf um zu streiten

Für Glauben, für Rußland, für Volk.

Ich möchte durchstreichen die Steppen

Kampflustig mit Speer,

Die weiten, die weglosen Steppen.

Dort einen ruhmvollen Tod finden,

Oder heimkehren siegreich.

CHOR DES VOLKES.

Gott begleite Euch! Gott sei mit euch Allen!

So ziehe in den Kampf mit Gottes Schutz und wehe dem Feind!

Bald kehrst du heim, o Fürst, als Sieger unseres Feind’s!

Heil dir! Heil dir!

FÜRST ÌGOR.

Auf! Auf! Die Stunde, sie ist da.

Es wird dunkel. Die Sonnenfinsternis fängt an. Alle blicken mit Erstaunen zum Himmel auf.

FÜRST WLADÎMIR GÀLITZKY.

Was soll’s bedeuten? Den hellen Tag verschlingt die Nacht!

Und, gleich dem Neumond, sieht wie die Sichel die Sonne aus!

CHOR.

Himmels Zeichen ist das, guter Fürst!

Ach, dieses Zeichen droht mit Unheil!

Es wird ganz dunkel auf der Bühne.

Sieh da: am Tage funkeln Sterne!

Die Erde hüllt sich in Dunkel ein!

Fürst, bleibe heim, ziehe nicht in den Krieg!

Allmählich wird es heller.

FÜRST ÌGOR.

Was dieses Zeichen voran deutet,

Das werden wir erfahren bald.

Da niemand dem Geschick entgehen kann,

Wozu dient uns’re Furcht?

Wir streiten für gerechte Sache:

Für Glauben, Heimat, für das Volk.

Es wäre schändlich heimzukehren ohn’ Schwertstreich,

Da der Feind uns droht.

CHOR DER BOJAREN.

Fürst, du hast recht,

Doch wär’ es besser nicht zu ziehn.

FÜRST ÌGOR.

Freunde, schwingt euch auf Rosse

Und fliegt zum blauen Meer mit Falkeneile!

Es wird ganz hell auf der Bühne.

CHOR.

Heil dir, Heil dir!

Fürst Ìgor entfernt sich, um seine Truppen zu besichtigen. Fürsten und Bojaren begleiten ihn.

SKULÀ.

Ihr, Freunde, zieht zu Feld; wir bleiben aber hier.

Wir wollen Glück versuchen anderswo.

ERÒSCHKA.

Beim Fürst Gàlitzky, unserm guten Herrn.

Frei und frank lebt man dort!

SKULÀ.

Richtig! Da genießt man Bier und Meth im Überflusse.

Sie werfen ihre Waffen zu Boden und schleichen davon.

FÜRST ÌGOR.

Wollen wir jetzt Abschied nehmen, Kriegsgesell’,

Von unsern holden Frauen, an die Brust sie pressen.

IAROSLÀWNA Ìgor umarmend.

Mein Seelenfreund, o bleibe,

O bleibe doch bei mir; o zieh’ nicht hin.

Es ist nicht Zeit, glaub’ mir, mein Herz,

O kehr’ zu mir, o hör’ mein Fleh’n!

Ein großes Unglück wird ergeh’n,

O mein Geliebter, über dich und uns.

FÜRST ÌGOR.

Mein holdes Lieb, hör’ auf zu weinen;

Trübe nicht umsonst die Augen.

‘s ist nicht möglich heimzukehren, glaube mir.

IAROSLÀWNA.

Ich glaube meinem Herzen, Lieb;

Es tut mir so furchtbar weh.

FÜRST ÌGOR.

Ach, laß dein Klagen, laß dein Weinen.

Manchesmal schon hast du Abschied von dem Gatten genommen ohne Furcht.

Die Ehre will’s, die Pflicht zwingt uns zu streiten für das Vaterland.

Wir müssen zieh’n, o glaube mir!

Die Ehre will’s, die Pflicht. Leb wohl, mein Lieb!

IAROSLÀWNA.

Ich glaube meinem Herzen, Lieb;

Die Angst preßt mir die Brust.

Ich weiß ja, was du sagen wirst im voraus,

Und ich begreife deine Worte, verstehe dich;

Doch nagt am Herzen bittres Leid; es ahnet Mißgeschick. Leb’ wohl!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Ganz recht! Es muß so sein, wir zieh’n.

Die Ehre will’s, die Pflicht zwingt uns.

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Ganz recht! Ihr müsset zieh’n zum Krieg!

FÜRST ÌGOR.

Nun, Gott mit dir, mein Schatz. Zum Höchsten steh’ für uns, Lieb!

Sich an Gàlitzky wendend.

Wladîmir, nimm meine Frau in deinen Schutz jetzt;

Und hüte sie vor Unglück und vor Gram,

Erleicht’re ihr die Last des bittren Loses

Durch kosend’ Wort, durch kosend’ Blick.

Ich bitte dich darum, Wladîmir.

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Bereit bin ich dir stets zu dienen, du hast mir manchen Dienst erwiesen.

Zur Zeit als Vater mich verbannt, und meine Brüder mich verließen,

Hast du Hilfe mir geleistet, hast den Vater mir ersetzt,

Versöhntest dann den Heimatlosen mit dem Vater, der verzieh;

Dann kehrte ich zurück zur Heimat,

Und dir verdank’ ich das.

FÜRST ÌGOR.

Ei, geh doch, laß es. Es freut mich, daß ich dir geholfen.

Iaroslàwna mit den Fürstinnen und Bojarinnen ab.

‘s ist Zeit; nun auf zum Krieg!

Fürst Ìgor nähert sich dem Greise.

Ehrwürd’ger Greis, o segne uns zum Kampf für unser Vaterland,

Die Fürsten segne und das Heer!

CHOR.

Zieht mit Gottes Schutz;

Gott steh’ euch bei im Kampfe.

Gott helfe uns im blut’gen Streit.

Der Greis segnet die Armee.

Gott geb’ den Sieg euch und schütz’ die Krieger,

Scheuch’ fort die Feinde, zerschmett’re ihr furchtbares Heer.

Ìgor, die übrigen Fürsten und Bojaren besteigen ihre Rosse und reiten voran.

HALBCHOR DER BOJAREN.

Rühmet die Fürsten, die Krieger!

CHOR DES VOLKES.

Lichten Sternen sei Ehre in der Höhe am Himmel,

Den Fürsten sei Ruhm im heiligen Rußland bei uns!

Mächtige Fürsten, kleinere Fürsten, seid nun alle gelobt!

Ehre sei euch, unsren Fürsten im Russenland.

Heil dem kampflustigen, mutigen Wsêwolod,

Jungen fürstlichen Falken Wladîmir.

Lasse Gott sie lange leben, unsre Fürsten, unsre Krieger, unser Heer!

Der Vorhang fällt.

Erster Akt

Erstes Bild

Szene im Hofe des Hauses Wladîmir Gàlitzkys

CHOR.

Ruhm sei unserem Fürsten Wladîmir Gàlitzky!

Heil dir!

SKULÀ.

Nun spiel’! Nicht des Flusses Wellen brausen,

Aus den Ufern treten schäumend,

Nicht von Wellen wird die Gegend ringsumher ganz überschwemmt.

CHOR.

Sieh, das sind ja flotte Burschen, die des Nachts ein Mädchen rauben.

Ho! Ho! Wie sie schwelgen. Wie sie spielen!

Rühmen ihren Fürst die ganze Nacht hindurch.

Es lebe hoch nun unser Fürst Wladîmir.

ERÒSCHKA.

Wehe Mägdelein, dem süßen, wirft sie sich zu Fürstenfüßen.

Du, Herr mein! Sperr’ mich doch nicht ein!

Will daheim zum Väterchen, will daheim zum Mütterchen!

Ach! Laß mich gehen, ach, schone mein!

CHOR.

Ho! Ho! Kerle schwelgen! Kerle spielen!

Rühmen ihren Fürst die ganze Nacht hindurch.

Es lebe hoch der Fürst Wladîmir Gàlitzky.

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Fürwahr, so ist’s: ich hass’ die Langeweil’.

Verhüt’ es Gott, daß ich solch’ Leben treib’ wie Ìgor.

Mein Herz sehnt sich nach Lust, nach echtem Fürstenleben.

Mich ekeln Gram und Kummer an.

Ach, wählt mich einmal doch zu eurem Fürsten! Ich führ’ dann flottes Leben. Ei was!

Wenn ich Fürst, wie Ìgor, wäre! Ach, hätt’ ich mal diese Ehre,

Führt’ ich dann fürwahr flottes Leben gar.

Tags beim froem Schmaus gemütlich hielte ich Gericht wohl gütlich,

Unter heit’rer Lust, meiner Kraft bewußt.

Bei mir wä’s so eingerichtet, daß wohl jedermann gerichtet

Würd’ nach meiner Art, ohn’ daß er drauf wart’! Holla, Wein herbei!

Nachts der schmucken Mädchen Menge, hübsch, rotwangig, dick und weiß,

Stimmten an im Chor Gesänge, tanzten lustig all im Kreis!

Die schönsten schätzt’ ich hoch im Preise, ständ’ es nicht in meiner Macht?

Ehrte sie auf meine Weise: schwelgt mit ihnen in der Nacht.

Solches Los wär’ zu beneiden, Freude, Lust würd’ ich nicht meiden.

Wüßt’ ich freudevoll, was ich machen soll.

Wär’ die Kasse bald zu Ende, da ich Hab und Gut verschwende

Froh bei Tag und Nacht. Sonst wozu die Macht?

So im glücklich heitern Kreise lebte ich in froher Weise

Bis zu meinem Tod ohne Müh’ und Not! Holla, Wein herbei!

CHOR.

Heil dem Fürsten Wladîmir! Heil dir! Und die Fürstin?

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Die Schwester? Ha, sie ist zu sanftmütig.

Mag ins Kloster gehen und laß’ sie dort zum Höchsten fleh’n

Für meine sünd’ge Seel’, daß er mein’ Schuld erlaß!

Kommt lieber gleich zu mir all’, von meinem Meth zu kosten.

He! Ihr Leute! Rollt dem Volke ein Faß Wein heraus!

Er will in den Terem gehen.

CHOR.

Heil Wladîmir! Heil dem Fürsten!

Eine Mädchenschar läuft herein. Wladîmir bleibt stehen.

CHOR DER MÄDCHEN.

Ach! Wehe uns! Ach! Not und Pein!

Fürst, deine Kerle sind sehr unverschämte Leut’.

Haben ein Mägdelein pfiffig entführet uns.

Hab’ Mitleid! Ach! Lief’re sie uns!

WLADÎMIR GÀLITZKY.

He, ihr Weiber, hört auf zu heulen,

Sitzt denn die Maid nicht im Terem des Fürsten,

Fehlt ihr etwas zum Wohlbehagen?

Trocknet die Tränen ab, sollt fröhlich sein,

Da ich sie mache ja zum Liebchen mein.

Ganz frei von Sorgen, vom lieben Morgen

Ißt sie sich und trinkt sich satt.

Nun, so geht fort, hört mein letzt’ Wort:

Ihr kriegt euer Mädchen nicht!

CHOR DER MÄDCHEN.

Ach, wehe uns! Ach, großer Gott!

Fürst hab’ Erbarmen doch, hab’ Mitleid, schone sein.

Lief’re sie ihren Eltern, guter Fürst.

Gib es frei! Hab’ Mitleid! Lief’re sie uns!

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Was bleibt ihr stehen, ihr kriegt die Maid nicht.

Fort, und fangt nicht nur den Lärm an von vorn,

Sonst trifft euch noch Unglück. Ei, fürchtet mein’n Zorn!

Hört auf zu wehklagen, ich hab’ es satt, ei, hinaus!

Die Mädchen entfliehen. Der Prinz geht hinaus.

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Da haben wir’s, lebt wohl, Väterchen, Mütterchen, macht euch fort!

Wohl nun bekomme, Mädel, euch der Schmaus!

SKULÀ.

Still, ihr Kerle, hört zu! Doch wenn die Fürstin Wind bekommt davon

Und läßt uns dann packen. Wirklich!

CHOR DES VOLKES.

Schwach ist die Fürstin! Ihr fehlt’s an Leuten. Wir sind die Mächt’gen

Sie ist zu schwach, ihr fehlen Leut’,

Das Volk zog ja zu Felde. Wohlan! Nichts schreckt uns ab. Ist’s wahr?

SKULÀ.

Ganz recht! Nicht reich an Gnaden die Fürstin ist, die Geiz’ge.

Wohl bleibt sie ohne Diener.

ERÒSCHKA.

Versteht sich, du hast recht.

SKULÀ.

So steht es beim freigeb’gen Fürsten nicht,

Der schont, der liebt uns wie ein guter Vater; schau’ hin: Wein ein ganzes Faß!

Die Diener des Fürsten rollen ein Faß Wein heraus.

SKULÀ grob und mit komischem Ernst.

Es versammelt sich bei dem guten Fürst,

Bei Wladîmir, unserem Fürst von Gàlitzky,

Es versammelt sich Säuferschar,

Des Fürsten Leute trinken all’, sie trinken arg und stark.

Ihre Lust ist Wein.

SKULÀ UND ERÒSCHKA.

Schmerzlich stöhnen des Fürsten Leute:

Wir haben alles versoffen: Geld und Gut;

Tranken viel auf dein Wohlsein, Fürst;

Dabei vertranken all’ Geld und Gut. Du unser Wohltäter, gnädiger Fürst.

Laß trinken uns, Herr, starkes Hirsenbier.

Vom schäumenden Meth biet’ ein’ Humpen voll!

Vom geistigen Wein schenk’ uns reichlich ein,

Ein Faß starken Weins rolle uns heraus!

Dafür aber, gnäd’ger Fürst, wir werden dir treu dienen,

Dir knechtisch gehorchen stets, wir werden dein’ Sklaven sein.

CHOR.

Ja, für dich opfern wir unser Leben auf, Fürst.

SKULÀ.

Also antwortet darauf der gnäd’ge Herr, unser guter Fürst Iaroslàwitsch:

He, ihr Säufer da, treue Diener mein,

Ei, wie hätte ich nicht Mitleid mit euch:

Recht herbes Schicksal ist das eurige,

Schwere Pflichten habt ihr wohl auf euch, schweren Dienst.

ERÒSCHKA.

Ihr arbeitet ja vom Morgen bis Abend ohn’ Rast und Ruh,

Vom Mittag bis zur Nacht, von Vesper bis Frühmeß.

Wohl schwer ist die Arbeit, viel Müh’ und Not hat man im Dienst bei mir,

Man trägt schwere Sorgen, nun tut eure Pflichten.

Trinkt und singt soviel ein jeder mag.

Nun, auf mein’ Gesundheit trinket! Singt und schwelgt!

CHOR.

Der könnte wohl das Fürstentum regieren!

Wohlan, so sei’s! Wir machen ihn zum Fürsten!

Kriegsleut’ sind fort und Ìgor ausgezogen.

Was zögern wir? Was haben wir zu fürchten? Was denn?

Es fehlt uns nicht an Leuten, uns droht ja kein’ Gefahr!

Das Heer ist fort, die Fürsten ausgezogen. Die Hilfe fehlt.

ERÒSCHKA, SKULÀ UND CHOR.

So sammelt euch zu Scharen auf dem Platze; die Glocke zieht

Zum Wetsche ohne Säumen.

Wir setzen Ìgor ab. Wladîmir sei nun Fürst jetzt!

So sammelt euch zu Scharen zum Wetsche ohne Säumen,

Wir setzen Ìgor ab! Uns droht ja kein’ Gefahr.

Flotte Burschen schwelgten, lachten,

Ihren Herrn zum Fürsten machten.

Wie sie schwelgen, wie sie spielen.

Rühmen ihren Fürsten die ganze Nacht!

Ruhm sei Wladîmir Gàlitzky!

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Will daheim zum Väterchen, will daheim zum Mütterchen!

Ach, laß mich gehn, ach, hör’ mein Fleh’n!

Sie gehen, aufeinander gestützt, lachend ab.

Der Vorhang fällt.

Zweites Bild

Ein Zimmer im Terem Iaroslàwnas. Iaroslàwna allein.

IAROSLÀWNA.

Seit langer Zeit ist schon

Mein teurer Mann, mein holder Seelenfreund,

Gegen die Polowzer mit seinem Sohn,

Mit Wsèwolod, unserm Bruder,

Und mit Kriegern ausgezogen.

Seitdem kein Bote kam zu uns,

Und keine Nachricht hab’ ich

Bis jetzt von meinem treuen Mann.

Nun eilt herbei, ihr Boten, sprecht mir

Von Ìgor und gebet meiner Seele Ruh’!

Ach, mein Herz ist voll Unruh: es ahnt nur Schmerz;

Weh mir! Vor Gram vergehe ich, vor Kummer,

Mein Herzeleid quält mich, weissaget nichts Gutes mir!

Wo seid ihr, heit’ren Tage, wo mein Mann

Stets war mit mir, mein Heißgeliebter?

Die heit’ren Tage sind vorbei!

Allein bin ich mit meinem Schmerz,

Allein mit meinen bittren Tränen.

Mit Liebesglut harr’ ich dein, mein süßer Mann,

Ich späh’ nach dir! Gib mir Nachricht, schick’ mir Boten!

Allein umsonst; kein Bote kommt;

Ich warte lange, lange!

Von bösen Träumen werde ich geplagt bei Tag und Nacht.

Ich träume oft von meinem Mann,

Als ob er noch mit mir wär’.

Dann macht er mir den Wink: ich soll ihm folgen.

Weit, weit von mir geht er selbst indes, und läßt mich ganz allein.

O, dann ergreift mich Gram, Entsetzen. Ich wach’ dann auf,

Und Ströme bittrer Tränen fließen; mich dann zu fassen weiß ich nicht.

Ach, einst in jenen Tagen unseres Glücks,

War ich stets munter, fröhlich, sorglos.

Dahingeflogen ist mein Glück:

Mein Geist ist trüb’, mein Herz bestürzt.

Bei Tag und Nacht vergieß’ ich Tränen.

Tagaus, tagein denk’ ich nur des, der fort ist;

Nur eine Sorge plagt mich in der Nacht:

Warum schickt er kein’ Boten mir

Seit langer Zeit, und läßt mich warten lange.

O! Komm zu mir, mein teurer holder Gatte.

O! Eil’ herbei, mein Freund! Wo bist du, mein Fürst, mein Liebster?

Sie bedeckt das Gesicht mit ihren Händen und gerät in tiefes Nachdenken.

DIE AMME.

Da sind zu dir gekommen Mädchen, Fürstin.

Sie bitten um Rechtspflege. Sag’, sollen sie herein?

Darf ich sie gleich einführen?

IAROSLÀWNA.

Gewiß! Nun, tu’ es! Laß sie ein!

Die Amme ab. Dann kommt sie mit den Mädchen zurück.

DIE JUNGEN MÄDCHEN sich vor Iaroslàwna verbeugend.

Schweren Herzens kommen wir zu dir, o Fürstin!

Bitten, flehen dich um deine Gunst.

Nimm in deinen Schutz uns! Dir, wie unsrer Mutter,

Klagen wie die Not. O hilf!

Stürmisch drang ein Bösewicht ins Heim der Mädchen,

Er entführte uns ein Mädchen, sperrt’ es ein und hält’s bei sich.

Ach, umsonst wir baten, ach, umsonst wir flehten,

Daß er nicht entehre unser armes Mädchen.

Höhnisch lachend, drohend schimpfend schickt er uns mit Schlägen fort,

Der Bösewicht! Sei gerecht und gnädig,

Bitten wir dich, Fürstin! Nimm in deinen Schutz uns gütig!

Laß uns nicht beschimpfen, strafe den Verführer. Laß das Mädchen uns gleich liefern!

Nein, büßen soll er das Verbrechen, wenn du es befiehlst!

IAROSLÀWNA.

Nun nennt mir doch den Verführer! Wer hat entführt die Maid? Wer ist es denn?

DIE JUNGEN MÄDCHEN zögernd.

So sagt es doch geschwind! Um Gottes Willen sprich! Sprich denn!

IAROSLÀWNA.

Wer ist’s? Wer ist es denn?

DIE JUNGEN MÄDCHEN.

Ich wag’s nicht. Es ist uns bange.

Gestehen wollen wir, gesteh’n alles sogleich.

Sei uns gnädig nun, ohne Groll auf uns, Fürstin,

Schaue her. Der Beleidiger ist der

Zornige Fürst Wladîmir,

Ja, Iaroslàwes Sohn, Fürst von Gàlitzky!

Jahrelang vorher verursachte schon viele

Leiden uns in der Stadt Putivl unser

Zorniger Fürst Wladîmir, Sohn Iaroslàws.

Ach, seit Ìgor zog in den Krieg zum Don

Sind wir elender und unglücklicher

Denn Wladîmir quält uns ja alle tot.

Über Stadt und Land, wie der Sturm losbricht,

Mit der Kriegerschar jagt er querfeldein,

Wild bei Tag und Nacht, unser zorniger Fürst Wladîmir,

Ja, Iaroslàwes Sohn, grauser Fürst!

Und die Rasenden, die Besoffenen,

Toben kreuz und quer und beschimpfen uns.

Ohne Rast und Ruh’ Unfug treiben sie.

Selbst die Polowzer sind uns gnädiger,

Denn Wladîmir quält uns alle tot.

Freie Hand hat er loszuschlagen jetzt gegen Elende.

Seit der tapfre Fürst Ìgor uns verließ

Ist Putivl verwaist und ganz hilfelos!

Den Fürsten bring’ zur Ruhe, Fürstin, wir bitten dich darum.

Wladîmir Gàlitzky tritt ein. Die Mädchen schreien vor Angst auf.

DIE MÄDCHEN.

Ach! Er ist es! Wehe uns! Gott sei uns nun gnädig!

WLADÎMIR GÀLITZKY die Mädchen bedrohend.

Fort, fort, hinaus, hinaus mit euch!

Sie entfliehen. Die Amme entfernt sich auf einen Wink Iaroslàwnas.

IAROSLÀWNA.

Waldîmir!

Mit einer Schar Verweg’ner

Drangst du in ein Haus ein, entführtest frech ein Mädchen bei Nacht,

Hältst es bei dir jetzt, nachdem du es entehrt;

Behältst es wider seinen Willen.

Ist es wahr? So sag’ mir: Wer ist sie. Um Gottes willen, sprich!

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Was geht es dich doch an? Was nützet dir sein Name?

Ich halt’ was ich gekriegt. Ich krieg’ was mir gefällt;

Das Mädchen kenn’ ich gar nicht und hab’ dazu kein’ Lust.

Die Welt ist voll von Mädchen; wer kennt sie alle da?

Nun, freut dich mein Besuch, mein Herzchen? Was? Du bist nicht hochbeglückt?

Eile freundlich mir entgegen, wenn ich käm’ auch nicht gelegen.

Vollen Becher schenk’ mir ein, Ehrenplatz sei mein.

Doch wenn ich dich wirklich stör’, du hieltest Rat

Mit dem Gesindel; pfui, mit dem elenden.

Ich höre dich, fürwahr.

IAROSLÀWNA.

Ach! Wann endet meine Not? Dein Trotz und Unverschämtheit

Sind nicht mehr zu ertragen. Nun, ich bin es satt.

Ha! Warte nur! Bald kommt zurück mein Ìgor; ich sag’ ihm,

Erfahren wird er’s schon. Ihm wirst du Rechenschaft ablegen müssen dann.

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Zu deinen Reden ja ich lache nur, fürwahr.

Dein Ìgor mag ankommen, was geht es doch mich an?

Bin ich nicht Fürst wie er? Bin ich nicht selbst Gebieter

Und Herr? Putivler gehorchen mir wie ihm,

Und auf mein Rufen werden mich wohl

Alle wählen gleich zum Fürsten,

Und auch Wetsche wird mich wählen.

Alle sind gewogen mir.

Dann wird an mir die Reihe sein zu herrschen über euch all’!

Nimm dich in acht und fürchte meinen Zorn!

IAROSLÀWNA.

Du wagst mich zu bedroh’n?

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Nun zürne nicht, vergib mir meinen kleinen Scherz!

Ich wollte sehen nur, wie du dich ärgerst, dich betrübst.

O, wenn du wüßtest, Schwester, wie schön der Zorn dich macht!

Dieser Feuerblick, der Wangen Glut und Purpurröte, das Blut,

Das ins Gesicht steigt, brennt darauf! Du bist ja schön, du bist ja jung,

Dein Mann ist fern von dir jetzt. Die Einsamkeit ist traurig.

Ist’s möglich, daß seitdem du sei’st mit allen stets

So streng wie mit dem Bruder? Gewiß beglückst du schon

Mit deiner Liebe jemand. Ist’s möglich, daß du dem Manne treu bleibst?

Fürwahr, ich kann’s nicht glauben! Unmöglich ist’s!

IAROSLÀWNA.

Vergißt du denn, daß ich bin Fürstin, daß Fürstenmacht sei ja auch mein?

Ha, warte nur: Ich werd’ verschicken dich nach Galitsch unter Wache,

Zu deinem Vater, zu dem strengen. Dann hast du ja mit ihm zu tun.

Befrei’ das Mädchen ohne Säumen, gleich! Geh’ fort, hinaus, hinaus!

WLADÎMIR GÀLITZKY.

Wohlan! Nun, wie du willst! So sei’s! Das Mädchen befreie ich

Und werde mir ein andres kriegen. Ei, was!

Er geht ab.

IAROSLÀWNA.

Am ganzen Leib’ beb’ ich, mich kaum beherrsche!

Ach! Möchte doch mein Ìgor bald ankommen,

Dann ruhte meine Seele aus von Leiden.

Ich bin schon müd’ und für den Kampf zu schwach.

Die zum Stadtrate gehörigen Bojaren treten ein und verbeugen sich vor Iaroslàwna.

Willkommen seid ihr mir, Bojaren; es freut mich euer Besuch;

Mir weise Ratgeber seid ihr, der Fürstin Macht die feste Stütze;

Die treuesten Freunde in der Not, auf die man sich verlassen kann.

Gott euch zum Gruß! Doch saget mir, was führt euch

Zu mir zu dieser Zeit? Ihr, unerwartet’ Gäste?

Ach, eine böse Ahnung trübt mein’ Sinn mit Argwohn.

So saget mir: was ist gescheh’n?

DIE BOJAREN.

Sei mutig, o Fürstin, wir kommen um dir

Eine traurige Mär zu verkünden.

Ach, über uns all’ ein sehr großes Unglück ist plötzlich ergangen.

IAROSLÀWNA.

Welches Unglück! Sprecht doch weiter!

DIE BOJAREN.

Die feindlichen Truppen in unserem Lande,

In unserer Nähe zieh’n rasch

Gegen uns. Der mächtige Chan,

Der furchtbare Gsak führt zahlreiche Scharen herbei.

IAROSLÀWNA.

Das Unglück hat uns ja bis jetzt verfolgt.

Wo ist unser Herr? Wo ist denn der Fürst? Ich will es erfahren sogleich!

O weh! Besiegt ist unser Heer. Der Fürst ist umgebracht.

Erkläret euch!

DIE BOJAREN.

Uns rastlos verfolgt die strafende Hand

Des zürnenden Gottes schon längst! Wir können ja nicht

Entgeh’n dem Geschick, und niemand es kann.

Zugrund’ gegangen ist das ganze Heer,

Von zahlloser Menge gedrängt und besiegt.

Der Fürst ist verwundet, sein Bruder und Sohn

In feindliche Hände geraten, alle drei.

IAROSLÀWNA.

Verwundet ist der Fürst? O, Not und Pein!

Doch nein! Ich glaub’s nicht! Unmöglich! Nein! Nein!

Sie stürzt ohnmächtig zusammen. Aus ihrer Ohnmacht erwachend.

So ist es wirklich, gefangen, ach,

Und verwundet. Des grausen Chans Heer rückt heran?

Bojaren, wie ist zu helfen dieser Not jetzt?

Es fehlt uns an Hilfe, an Kriegsleuten! Wer wird die Stadt beschützen?

Sagt, wer?

DIE BOJAREN.

Manchesmal am Stadttor stehend

Harrten wir den Feind entgegen

Mutvoll, treu der hohen Pflicht.

Stark befestigt ist die Stadt ja:

Sei nun ruhig: unsre Mauern,

Unsre Gräben sind verstärkt.

Deshalb sei nun außer Sorge,

Mutig, kühn, mit Gottes Hilfe,

Retten wir Putivl;

Was sind Gräben und die Schanzen?

Uns verleiht die Kraft der Glaube

An den Herren Gott; unsern Arm stählt

Treue Liebe zu dem Fürsten

Und zu dir, o gnäd’ge Fürstin,

So wie zu unserm Vaterland.

IAROSLÀWNA.

Habt Dank, Bojaren! Es ist mir sehr erfreulich

Zu hören solche Reden, vom Herzen kommen sie ja.

Ich war schon entmutigt vor Gram und Kummer.

Doch eure edlen Reden beleben

Meine Seele; ohne Hoffnung war ich lange;

Ich geb’ mich ihr jetzt hin.

Sie verbeugt sich vor den Bojaren. Hinter der Bühne ertönen die Sturmglocken. Die Bojaren hören hin.

DIE BOJAREN.

Horcht! Sturmglocken! Ihre Unglücksklänge

Verheißen uns großes Elend und Beschwerden viel.

IAROSLÀWNA.

Ist’s möglich? Gerechter Gott! Das ist der Feind, der stürmt auf uns ein!

Aus den Fenstern wird die Feuersglut sichtbar. Hinter der Bühne hört man die Weiber wehklagen.

Hilf Himmel! Was soll aus uns werden? Du, heil’ge Mutter Gottes, steh’ uns bei!

O du mein Gott! Ach, Gottes Zorn ist’s,

Gottes Strafe trifft uns!

Wir können ja nicht dem Geschicke entgeh’n!

DIE BOJAREN.

Der Feind naht, der mächt’ge Feind ist da. Es brennt.

Die Festung brennt, auf den Feldern jagen Feinde!

Bojaren, besteigt geschwind die Mauern!

Ach! Gottes Strafe, Gottes Zorn!

Die Bojaren ziehen ihre Schwerter.

Doch halte sich ein Teil von uns bereit, die Fürstin zu beschützen.

Wir können ja nicht dem Geschicke entgeh’n!

Der Vorgang fällt.

Zweiter Akt.

Im Polowêzkischen Feldlager. Am Abend.

EIN POLOWÊZKISCHES MÄDCHEN.

Sonnenglut verdörrt dich, Blümchen,

Dich erfrischt kein Tropfen Wasser,

Und du neigest tief zur Erde

Wehmutsvoll die welken Blättchen.

CHOR DER MÄDCHEN.

Doch wenn Nacht die Kühlung zuweht,

Wenn der Tau sich niederläßt,

Hebst du froh empor dein Häuptchen,

Wird ganz frisch dein Blütenkleid.

Und, vom Tau benetzt,

Belebt sich deiner Farben bunter Schmuck.

DAS JUNGE MÄDCHEN.

Gleich dem Blümchen, dem verdorrten,

Welkt das Herz vor Leid und Unglück,

Freudlos schmachtet nach der Liebe,

Nach dem süßen Kosungswort.

CHOR.

Doch sie Nacht kommt, die erwünschte,

Holder Seelenfreund mit ihr.

Alles, was das Herz bekümmert,

Scheucht er fort im Augenblick.

Gleich vom Tau benetztem Blümchen,

Wird das Herz ganz munter, frisch.

Tanz der Polowêzkischen Mädchen.

KONTSCHAKÒWNA.

Tageslicht erlischt. Endet den Gesang,

Und den Tanz! Schwarze Nacht breitet aus ihren Schleier.

Nacht, o brich doch schnell ein, in dein’ Flor hüll’ mich ein, in den

Nebelflor grau und feucht. Ach, die Stunde schlägt, wo wir uns seh’n.

O, komm, mein holder Freund! Ahnt nicht dein Herz, daß ich

Dein’ harre lange, daß ich späh nach dir?

Wo bist du, Seelenfreund? Sage mir, Holder, wo bist du?

Ich harre dein, Herzliebster mein! Die Stunde schlägt des sel’gen Glücks.

Sie ist da, die Stunde, wo ich dein und wo du mein!

Nacht, o brich doch schnell ein, in dein’ Flor hüll’ mich ein,

In den Nebelflor grau und feucht!

Ach, die Stunde schlägt, wo wir uns seh’n. Sie ist nah!

Russische Kriegsgefangene, die von der Arbeit zurückkehren, erscheinen im Hintergrund unter Wache.

KONTSCHAKÒWNA.

Ihr, holden Freundinnen, gebt den Gefangenen

Zu trinken Kumyß und lindert ihren Schmerz

Mit süßem Kosungswort.

Die Polowêzkischen Mädchen begrüßen die Gefangenen und bieten ihnen Trank und Speise.

DIE RUSSISCHEN GEFANGENEN.

Herr Gott schenke euch Gesundheit,

Schmucke Mädchen, für das herzlich gute Wort.

Trank und Speise bietet ihr uns

Und mit kühlem Kumyß stillet unsern Durst.

Den gefang’nen Kriegern waret ihr stets gnädig; habt bis jetzt

Uns nicht einmal beleidigt.

Herr Gott schenke euch Gesundheit, schmucke Mädchen, für das herzlich gute Wort.

Und die purpurrote Rose, Chanes Tochter, soll leben!

Die Kriegsgefangenen grüßen die Mädchen und Kontschakòwna und entfernen sich hinter die Bühne.

Auf der Bühne erscheint die Polowêzkische Patrouille, welche die Runde macht. Kontschakòwna und ihre Mädchen gehen ab. Gegen das Ende des Chors wird die Bühne ganz leer. Die Nacht bricht

ein. Im Hintergrunde wird nur Owlûr sichtbar, der Wache hält.

CHOR DER POLOWÊZKISCHEN STREIFWÄCHTER.

Hinter Bergeshaupt verbirgt die Sonne sich.

Geht zur Ruh’; mit ihr das Tageslicht erlischt.

Zündet an der Himmel seine Sterne,

Himmel schickt den Mond in blaue Ferne.

Und beleuchtet all’ auf dem Erdenball.

Die Patrouille entfernt sich hinter die Bühne.

‘s ist Zeit zu gehen zur Ruh’!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Tageslicht langsam erlischt,

Sonnenball steht hinter’m Walde,

Abendrots Strahlen verglühen.

Schwarze Nacht bricht ein auf Erden;

Nächtliche Schatten hüllen die Steppe

In schwarzen Schleier. O, laue südliche Nacht!

Du wehst uns zu Liebesträume;

In dem Busen Wonne erregst und lockst zur Liebe.

Harrest du mein, o holde Herzensmaid?

Harrst du? Wohl mein Herz ahnet es, sagt es mir.

Laß meinen Ruf nicht antwortlos!

Mit heißer Ungeduld harr’ ich dein, holdes Lieb.

Komm zu mir! O, komm geschwind;

Mein Herz ruft dich, holde Maid!

Fühlst du, daß der Liebe Leid mein Herz durchglüht?

Heiß für dich glühe ich, mein Herzenslieb!

Gebe gern mein Leben für dich hin! Nun, was zögerst du, Lieb?

Eile doch herbei, komm ohne Furcht, die ganze Welt ruht,

Versunken in den Schlaf; ruht in dem Schoß der Nacht.

Mein Herz ruft dich, holde Maid!

O, komm in schwarze Nacht gehüllet,

Wann alles ruht und Träume weh’n,

Wann Liebe unser Herz erfüllet,

Bloß Himmelsaugen uns anseh’n.

Die ganze Welt ruht. Alles schläft

Im Nachtschoß. O, komm!

KONTSCHAKÒWNA.

Bist du es, Herzensfreund? Bist du’s, Geliebter mein,

Dem ich mein Herz geschenkt? Innig erwünschter Freund,

O, wie ich deiner geharrt!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Liebst du mich?

KONTSCHAKÒWNA.

Herzinniglich!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Liebst du mich treu? Sag’ es noch, Lieb!

KONTSCHAKÒWNA.

O, innig und treu; voll Liebe ist mein Herz. Du, meine Freude!

Ja, ich liebe dich, Freund, von ganzem Herzen,

Heiß glüht meine flammende Seel’ für dich,

Nur dir will mein Herz gehören.

Du bist mir alles in der Welt.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Wann schließen wir den Ehebund?

Wann wirst du, Herzensmaid, ganz die Meine sein?

Wann nenn’ ich dich mein süßes Weib?

KONTSCHAKÒWNA.

Wann werde ich die Deine sein?

Herzensfreund! Mein süßes Glück!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Ach, wiederhol’ dies Kosungswort!

Es klingt so süß, so schön! Du teures Herzlieb!

Duett.

KONTSCHAKÒWNA.

Ja, ich liebe dich, Freund,

Mit ganzer Glut meiner jungen Seel’.

Mit zärtlich reiner Glut, o du mein Schatz.

Voll Treue, voll Lieb’ ist mein Herz!

Ach, wann werde ich ganz die Deine sein?

Und auf ewig dein?

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Ach, liebe mich wieder,

Innig, zärtlich, teures Mädchen,

Liebe ewig deinen Freund!

Lieb’ mich innig und treu!

Ach, wann wirst du denn ganz die Meine sein?

Auf ewig mein?

O holde Maid, o süßes Lieb! Auf ewig mein!

KONTSCHAKÒWNA.

Was sagt dein Vater? Ach, wird er segnen unser Band, Geliebter?

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

O nein! Mein Vater wird’s nicht tun, bis wir beide ganz frei werden, Liebe.

KONTSCHAKÒWNA.

Schade, daß er dem Starrsinn treu bleibt. Mein Vater wünscht dich ja sogleich zum Sohn.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Ein leis’ Geräusch dort, horch! Jemands Schritt.

KONTSCHAKÒWNA.

Uns hört kein Lauscher hier.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Doch! Wir werden gestört, mein Vater ist’s!

KONTSCHAKÒWNA.

Ach, bleib’ noch; verlaß mich nicht!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Leb’ wohl!

KONTSCHAKÒWNA.

Du fliehst, läßt mich allein?

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Leb’ wohl!

Sie gehen nach verschiedenen Seiten auseinander.

FÜRST ÌGOR in den Vordergrund tretend.

Umsonst nach Ruhe sucht das trübe, schwere Herz.

Erquickend süßer Schlaf schließt nicht die Augen.

Du bist in der Erinnerung verloren,

Vom Gram umwallter Geist!

In Schmerz denk’ ich an Himmelszeichen,

Vor mir taucht auf das Bild des Ruhmes,

Errung’ner Siege über Feind.

Nach jammervollem Ende meines Ruhmes

Kommt die Gefangenschaft, die Schmach.

Die Brust voll Kampflust, fielet ihr,

Krieger, im Schlachtgewühl für die Heimatsehre,

Geschändet sind mein Ruhm und meine Ehre;

Die traute Heimat flucht ihrem Fürst,

Schimpf und Schande, ach, und der Schmerz der Fessel noch!

Und der Verachtung preisgegeben.

O, gebt mir meine Freiheit wieder,

Und ich wasch’ weg die Schmach mit Blut im Kampf.

Ich rette meine Fürstenehre,

Vom gier’gen Feind mein Heimatland!

Du allein, mein holdes Täubchen,

Wirst verzeihn dem armen Dulder,

Fühlen wirst mit deinem Herzen,

Was mich kränkt und drückt.

Und in unruhvollem Sinne

Spähest du den Weg entlang,

Tag und Nacht ins Land hinaus.

Und bittre Tränen wein’st.

Wie? Schmachten in Gefangenschaft und wissen,

Daß unser Feind bedrängt das Land, uns plagt,

Quält mit gier’ger Wut!

Unterm grausen Joch der Heiden

Stöhnt jetzt das Russenland, flucht mir!

O, gebt mir meine Freiheit wieder,

Und ich wasch’ weg die Schmach mit Blut im Kampf,

Vom Feinde rett’ das Heimatland!

Umsonst nach Ruhe sucht das müde, schwere Herz.

Erquickend süßer Schlaf schließt nicht die Augen.

Du bist in der Erinnerung verloren,

Vom Gram umwallter Geist!

Kein Ausgang stellt sich dar! Ach, drückend

Ist es mir, grausig. Kein Stern winkt im Dunkel freundlich mir!

Owlûr nähert sich dem Fürsten Ìgor. Das Morgenrot erglänzt. Gegen das Ende des Gesprächs

wird es ganz hell.

OWLÛR.

Darf ich dich gnäd’ger Fürst anreden?

Dir einen Rat zu geben wage ich.

FÜRST ÌGOR.

Was ist denn?

OWLÛR.

Glührot stammt der Ost auf, sieh da,

Und seiner Strahlen Glanz verscheucht die Nacht.

Das Frührot flammt für dich bald auf und für die Heimat.

Ich werde dir zur Flucht verhelfen.

Verschaffen will ich dir ein flinkes Roß,

Schwing’ dich rasch drauf und zieh’ von dannen.

FÜRST ÌGOR.

Ich? Flieh’n? Heimlich die Flucht ergreifen? Das wäre nicht brav.

Ha, bist du wohl bei Sinnen, Freund?

OWLÛR.

Ach, vergib mir meine Frechheit;

Verschmähe nicht den Rat, den ich dir gab.

Doch nicht für dich, für Russenland mußt du jetzt flüchten;

Du kannst ja retten dadurch dein Volk,

Glauben, dein’ Ehre. Verschmäh’ es nicht!

FÜRST ÌGOR.

Schweig’ still nun!

Für sich.

Er hat vielleicht auch recht.

Ich muß die Heimat rächen.

Ich weiß kein andres Mittel, vielleicht verkündigt mir

Das Frührot, das jetzt erwacht,

Des jungen Morgen Glanz, der flammt für mich bald auf,

Fürs Heimatland.

Zu Owlûr.

Wie? Flüchten? Doch wär’s schändlich,

Den Chan zu täuschen, der für mich bürgt. Geh’ fort!

OWLÛR.

Dich bindet ja kein heil’ger Eidschwur, Fürst.

Dich knüpft kein Schwur ja an den Chan bis jetzt.

FÜRST ÌGOR.

Geh fort! Hab’ Dank für deinen Dienst, Freund! Doch flüchten kann ich nicht.

Owlûr geht ab mit trauriger Miene. Kontschàk tritt auf.

KONTSCHÀK.

Wie geht es, Fürst? Weshalb bist du so traurig?

Ist gescheh’n dir ein Unglück, Fürst?

Was? Fehlt es dir an Netz? Was? Sind die Sperber mild?

Erlegen nicht die Beute pfeilschnell. Die meinigen nimm.

FÜRST ÌGOR.

Es fehlt nicht d’ran. Die Sperber sind voll Habgier.

Doch quält sich der gefang’ne Falk’ zu Tode.

KONTSCHÀK.

In meinem Lande bist du kein Gefang’ner.

Du bist mein teurer Gast. Man liebt dich,

Schätzt und ehrt dich. Verwundet an dem Fluß Kajàla,

Gefangen wurdest du.

Für dich bin ich jetzt Bürge.

Du bist mein teurer Gast.

Man ehrt dich hier wie einen Chanen, Fürst.

Alles steht zu deinen Diensten.

Selbst dein Sohn und deine Krieger. Du lebst hier

Wie ein Chan. Du lebst hier wie ich selbst.

Gefang’ne leben nirgends so, wie du hier!

Richtig? O, nein, bei mir bist du wohl kein Gefang’ner.

Ich behandle dich ja achtungsvoll.

Teurer Bruder, dich hab’ ich stets bewundert,

Deinen Mut in dem Kampf, deine Tapferkeit, Fürst,

Halte dich teuer und lieb.

Ja, dich schätzt’ ich immer hoch.

O, halt mich nicht für deinen Feind. Nein, dein freundlicher Wirt

Bin ich jetzt, lieber Gast. So erzähle doch mir

Was so trübe dich macht, so unglücklich.

Willst du von meinen flinken Rossen?

Nimm auch das beste Zelt. Das scharfe Schwert der Ahnen

Ist auch dein. Gewalt’ge Hiebe führt es,

Und Ströme Blut vergoß es, sein Blinken ist Todesleuchten.

Und wo es erscheint, weicht alles scheu.

An Macht, an Stärke ist der Chan unermeßlich,

Alles zittert vor mir ringsumher.

Ich bin tapfer, unerschrocken furchtlos,

Meinem Joch neigt sich all’, meinem furchtbaren Joch,

Doch hast du niemals gebeuget dein stolzes Haupt vor mir,

Ach wie gern möchte ich sein stets dein Bundesgenoß’

Und dein liebender Bruder und Freund, nicht dein Feind.

Ja, mein innigster Wunsch ist es, glaub’ mir!

Willst du gleich kriegen, Fürst, schönste Sklavinnen:

Neulich vom Kaspimeer sind sie hergeführt. Was? Verlangt dir’s

Nach Sklavinnen? Nimm davon was dein Herz nur begehrt.

Viele prachtvolle Schönheiten habe ich.

In schwarzen Flechten wallt langes Haar, schlängelt sich.

Feueraugen sind so voll von Leidenschaft,

Funken sprühen, bald kosen mit zärtlichem Blick.

Nun, was schweigst du? Wähle gleich dir die schönste der Sklavinnen, Fürst!

He! Sklavinnen führt gleich herbei! Mögen sie tanzen, Lieder singen

Zu unsrer Lust und zur Ergötzlichkeit des Fürsten.

FÜRST ÌGOR.

Ich dank’ dir, Chan, für deine Güte,

Du hast mich stets sehr großmütig behandelt,

Ich möchte gern auch dir was Gutes tun.

Er drückt ihm die Hand.

Doch wird das Leben mir zum Tod in der Gefangenschaft, die drückt mich.

KONTSCHÀK.

Der Gram ist’s ob Heimat! Nun, wenn du willst, so tut

Sich gleich auf dein Gefängnis, Fürst. Gib nur dein Wort mir gleich,

Daß gegen mich wirst du nie kämpfen, Ìgor,

Und wirst mir nie den Weg verlegen.

FÜRST ÌGOR.

Nein, ich bin ein Mann von Wort,

Und deshalb geb’s nicht. Ich gesteh dir offen,

Daß ich nicht hielte solchen Schwur.

So wisse, Chan: ich würde kämpfen

Mit dir auf Leben und Tod.

Einfallen würd’ ich in dein Land,

Verlegen würd’ ich dir den Weg.

Ich will mit meinem Helme Wasser aus dem Don schöpfen.

KONTSCHÀK.

Wohlan! Wie derb sagst du die reine Wahrheit.

Ganz so wie ich! Wenn wir Bundesgenossen wären,

Krieg zusammen führten! Wir machten alles untertan.

Wie zwei Tiger jagten wir zusammen

Und in gier’gem wildem Trieb Blut tränken.

Wohl alles neigte sich unserm grausen Joch.

Weh’ dem, der trotzt’ uns! Er wäre tot im Nu.

Richtig? Ha, ha, ha, ha, doch weigerst du dich noch? Nimm Platz!

Polowêzkische Sklaven und Sklavinnen treten ein. Einige von ihnen sind mit Tamburinen und anderen Musikinstrumenten versehen. Nach diesen schreiten die Männer des Gefolges Kontschàks. Fließender

Tanz der Mädchen.

CHOR.

Auf den Flügeln linden Zephyrs,

Du, trautes Lied, flieg’ fort zum Heimatlande,

Dahin, wo heimatliche Töne klangen

So lieb, so süß dem Ohr der freien Mädchen.

Wo die Luft voll Wonne weht uns sanft entgegen,

Wo in Wolken schlummern Bergeshöh’n, vom Meer gewiegt,

Wo die heim’schen grünen Berge

Mit lichten Streifen glüh’ umzieht die Sonne,

In üpp’ger Pracht die Rose blüht und duftet.

Im Laub der Wälder, wo die Vögel singen

Im grünen Laub. Schwing’ dich, Lied, zu jenem Lande.

Tanz der Männer. Allgemeiner Tanz.

Rühmet, preiset unsern großen Chan!

Lobet, preiset seine Taten!

Heil dem Chan!

Heller Sonne gleicht ja seine Macht!

Seinesgleichen gibt es nirgends.

Tanz der Sklavinnen.

KONTSCHÀK zu Ìgor.

Siehst du die Sklavinnen? Diese Schönheiten

Hinter dem Kaspimeer hab’ ich hervorgebracht.

Sag’ mir, welche am meisten gefällt dir, Fürst.

Gleich werd’ ich schenken das Mädchen, das du dir gewählt.

Allgemeiner Tanz.

CHOR.

Rühmet, preiset unsern Herrn!

Lobet, rühmet seine Taten.

Seinesgleichen gibt es nirgends.

Tanz der Knaben.

Gleich den Ahnen bist du ruhmvoll, großmächt’ger Chan.

Tanz der Mädchen. Fließend.

Auf den Flügeln linden Zephyrs usw…

Schneller Tanz der Sklaven, Tanz der Männer, allgemeiner Tanz.

Zur Ergötzlichkeit des Chanes

Tanzet Mädchen, singet, spielet.

Zu der Lust des Chanes, Mädchen,

Tanzet, singet alle lustig,

Tanzet, schmucke Mädchen,

Tanzet zur Lust des großen Herrn.

Heil unserm Chan! Ruhm und Preis.

Der Vorhang fällt.

Dritter Akt.

Der Vorhang geht auf. Ein Rand des Polowêzkischen Lagers wird sichtbar. Von allen Seiten eilen Polowzer herbei und in die Ferne blickend, erwarten die Ankunft der Armee von Gsak. Die Bühne füllt sich nach und nach mit dem heranziehenden Heere Gsaks. Trompetenbläser, Tamburinschläger usw. usw. Die Krieger führen russische Kriegsgefangene herbei und tragen eine reiche Beute. Die Polowzer begrüßen die Krieger mit wilden körperlichen Bewegungen. Gegen das Ende des Marsches erscheint Chan Gsak zu Pferde auf der Bühne; ihm nach das Detachement seiner nächsten Umgebung. Kontschàk eilt ihm entgegen und begrüßt ihn. Fürst Ìgor, Wladîmir Ìgorewitsch und russische Gefangene halten sich zurückgezogen, alles beobachtend.

CHOR.

Unsre Krieger nah’n siegreich, im Triumphe.

Heil dem braven Heere! Singet ihm Siegesgesänge!

Heil dem grausen Chanen!

Gsak kommt an als Sieger. Chans Kämpen ziehn

Mit reicher Beut’. Heil dem grausen Chanen!

Habt viel Dörfer wohl verbrannt!

Manches Weib entführt vom Land!

Habt besäet manches Feld

Mit der Feinde Knochen. Heil euch!

Dem wilden Wüstentiger gleich

Sprengt er und flog

Mit Windesschnelle in den Feind,

Schlug ihn, zertrat im Kampfgewühl;

Da legten sie sich nieder bald, die Söhne Russenlands.

KONTSCHÀK.

Den Sieg hast du errungen,

Du Schwert der grausen Chane!

Da alles uns gelungen,

Besiegt wird bald das Russenland.

Nach der Schlacht an der Kajàla

Ist das Schwert berühmt geworden:

Die Stadt Rimy hat erobert

Sie den Flammen preisgab. Chane,

Euch der Ruhm verherrlicht, weit ertönt das Lob der Grausen.

Ja, alles neigt sich unserm Joch,

Und niemand steht uns gleich an Macht.

CHOR.

Heil den Chanen Gsak und Kontschàk!

KONTSCHÀK.

Wie viele Städte in dem Land

Sind verbrannt! Dort breitet sich die Steppe aus,

Pfadlos öd! In ihrem Schoß viel Menschen ruhn.

Dort sprengen nur wilde Tiere, heulen.

Wie viele Mütter stöhnen auf, weinen, trauern.

Indessen ruhn die Kinder still im Schoß der Steppe,

Wo Adlergeschrei ruft die Tier’ zum Schmaus herbei.

Den Sieg hast du errungen… usw.

Trompeten schmettert! So wollen wir jetzt teilen unter uns die reiche Beute!

Nun kommt! Laßt einen großen Schmaus ausrichten,

Lobgesänge laßt erschallen!

Die Tänzer ruft herbei! Die schönsten der Gefangenen führt

In mein Zelt herein. Geschwind! Morgen früh wir halten Rat,

Wie neuen Angriff bald zu wagen.

Paßt auf, daß die Gefangenen nicht entflieh’n;

Sonst, Wächter, wehe euch! Nun kommt!

Ab.

CHOR DER CHANEN.

So eilen wir sogleich zu Rat;

Womöglich schnell zu einer Tat.

Was, wagen wir gleich neuen Schlag,

Statt abzuwarten manchen Tag?

Wer muß zu Felde zieh’n? Ich oder mein Kam’rad?

Zieh’n wir gen Kiejew und belagern diese Stadt?

So eilen wir sogleich zu Rat.

Alle ab außer den Russen.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Wie? Chan Gsak nahm unsre Stadt? Er hauste ohne Schonung dort?

Mit sich die Kinder führte er und Weiber, als Gefangene,

Zarte Mädchen hat entehrt, geplündert unser Land,

Der grause Chan; entließ keinen Mann lebendig aus der Stadt.

Ach, flieh, Fürst; zur Rettung deiner Heimat flieh!

Sonst geht zugrunde Russenland! Fürst, Owlûr wird dir

Zur Flucht verhelfen; er verspricht’s.

Fürst, durch Freundeshilfe flieh, beschütze uns;

Sonst geht zugrunde Russenland!

FÜRST ÌGOR.

Wie? Chan Gsak nahm unsre Stadt? Er hauste ohne Schonung dort;

Hat unsre Weiber dann entführt und unsre zarten Jungfrauen frech entehrt;

Entließ lebendig niemand, grauser Chan.

Ich bleib’ nicht länger hier. Ja, bald zieh’ ich für

Mein Land das Racheschwert. Ja, uns droht die Gefahr auf allen Seiten jetzt.

Der Feind stürmt auf Russenvolk; zum Angriff führt sein Heer.

Bald zieh’ ich für mein Land das Racheschwert!

CHOR DER RUSSISCHEN GEFANGENEN.

Ja, Chan Gsak nahm unsre Stadt; entließ lebendig keinen Mann;

Mit sich als Gefang’ne hat er geführt die Weiber, zarte Mädchen hat entehrt.

Entflieh’, Fürst! Die Flucht ergreif’ zur Rettung deiner Heimat.

Owlûr verspricht dir flinke Rosse zu verschaffen.

Zieh’ von dannen, Fürst, nach Rußland und rette es!

Es fährt ein mit Kriegsbeute beladener Wagenzug heran. Die Polowzer laufen in Scharen herbei.

CHOR DER POLOWZER Knaben.

Man führt uns Leute an! Ha, wehe euch!

Der Chan hat viel geraubt! Ha, Tod dem Feind!

CHOR DER RUSSISCHEN GEFANGENEN.

Sieh da, Fürst, die Beute, die man anführt!

Siehst du, wie der blut’ge Mörder unser Land geplündert hat.

Es werden einige Kriegsgefangene herbeigeführt.

CHOR DER POLOWZER.

Die Kriegsgefang’nen sind’s. Ha, wehe euch!

Der Chan hat viel geraubt! Ha, wehe euch!

Tod dem Feind! Schmach über euch! Blut um Blut!

Wehe über euch! Dem Fürsten Tod!

CHOR DER RUSSISCHEN GEFANGENEN.

Sieh da, Fürst, die Kriegsgefang’nen, die Chan uns fortgeführt.

Wieviel Männer hat der blut’ge Mörder fortgeführt mit sich.

Weh, bei ihnen ist ja kein Erbarmen. Wie sie drohen uns!

O flieh’, Fürst, und zieh’ nach Haus; beschütze Rußland vor dem Feind!

Die Polowzer ab; russische Kriegsgefangene gehen in ihre Zelte hinein. Krieger Wache stehend. Hinter der Bühne hört man Trompeten schmettern.

CHOR DER WACHEN.

Der hellen Sonne gleicht Kontschàk. Dem lichten Monde gleich Chan Gsak.

Den Sternen sind die Chane gleich. Hell glänzt Ruhm unsrer Chane.

Er glänzt wie Lichter des Himmels, herrlich

Auf das Wohlsein unsrer Chane, Heil!

Laßt uns Kumyß trinken gleich.

Uns aufheitern wird der Kumyß.

Wachen wir dann ohne Rast.

Weh’ dem Flüchtling, dem verweg’nen!

Sicher treffen unsre Pfeile!

Unsre flinken Rosse werden

Ihn erreichen bald im Steppenraum.

Wir schufen Lieder zum Ruhm der Chane

Durch ihre Kriege hoch berühmt!

Owlûr geht durch die Bühne, Säcke mit Kumyß tragend. Die Wachen trinken, singen und fangen an zu tanzen. Ein Tänzer fällt; ein zweiter, ein dritter. Gegen das Ende des Tanzes wird es dunkel auf der Bühne. Die Wachen schlafen ein.

OWLÛR schleicht vorsichtig spähend zum Zelte Ìgors.

Schick’ dich an zur Reise, Fürst.

Besoffen ist das Volk; die Wachen schliefen ein.

Gesattelt stehn die Rosse; jenseits des Dons

Werd’ ich erwarten dich und deinen Sohn.

Flüsternd.

Um Mitternacht werd’ ich laut pfeifen.

Kommt beide schleunigst dann zum Fluß zu mir;

Eile, Fürst, wie ein Hermelin zum Schilf;

Ins Wasser gleich wie eine Ent’;

Und werfe dich aufs flinke, mut’ge Roß;

Wie Falken fliegen wir dann beide, Ìgor,

Hoch über den Nebeln.

FÜRST ÌGOR im Zelte.

So sei’s. Zur Reise schon sind wir bereit.

Owlûr ab.

Kontschakòwna stürzt in höchster Erregung herein und bleibt vor dem Zelte Wladîmirs stehen.

KONTSCHAKÒWNA.

Wladîmir! Ist’s möglich, daß du fliehest? Verlaß mich nicht!

O sieh mein Herzeleid! Mir ist bekannt ja alles:

Gefaßt ist der Entschluß nach Rußland zu fliehn.

So willst du mich verlassen, die dich zum Rasen liebt,

Die dein auf ewig ist? Ich kann’s nicht glauben,

Das wäre grausam ja. Es kann nicht sein!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Leb’ wohl! Wir müssen scheiden! Leb’ wohl, mein süßes Lieb!

Die Ehre will’s, die Pflicht. O wehe mir!

Mein Blick wird trüb’, im Busen pocht das Herz.

Mein Mut ist aus! Nicht mehr weiß ich zu fassen mich.

Mein Lieb’, leb’ wohl!

KONTSCHAKÒWNA.

O widersteh’ nicht mehr dem Bitten deines Liebs!

Laß mich, Geliebter, ziehn mit dir nach Russenland.

Mit meiner Liebe nimm auch meine Freiheit, Fürst.

Verschließ nur nicht dein Herz. Wie deine Sklavin bin bereit

Mit dir gleich fortzugeh’n.

FÜRST ÌGOR kommt aus seinem Zelt.

Wladîmir, sag’ was soll’s bedeuten? Du mit der Fürstin hier?

Ha, bist vielleicht zum Feind geworden, zum Verräter, Sohn?

Vielleicht zum Götzenknecht?

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Leb’ wohl, mein Lieb!

KONTSCHAKÒWNA.

Erhöre mich! Sieh, ich verderbe ja!

Ich, freies Kind der Steppen, erblüht in Schönheitspracht;

Ich, Stolz des Heimatlands, ich, Tochter des Gebieters,

Zu deinen Füßen sink’, umklamm’re deine Knie!

O nimm mich, nimm mich mit von dannen!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Wer mag ihr widersteh’n? Heiß schlägt mein Herz! Es bebt die Seele!

FÜRST ÌGOR.

Laß ab von ihm! Uns eilen laß! Fort, fort!

Man hört Pfeifen hinter der Bühne.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

O wehe mir! Wer mag ihr wiedersteh’n?

FÜRST ÌGOR.

Die Ehre will’s, die Pflicht! Das Wohl der Heimat zwingt dazu.

Sonst geht zugrund’ das Land!

KONTSCHAKÒWNA.

Dir hab’ ich ganz mich hingegeben.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Es wogt die Brust! Es glüht das Blut.

Aufs neue Pfeifen.

FÜRST ÌGOR.

Nun, hörst du, ein fernes Pfeifen? Uns ruft Owlûr.

Fort, fort! ‘s ist Zeit! Laß, Fürstin, ab von ihm!

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

O, welche Pein! Wehe mir! Wer mag ihr widerstehn!

KONTSCHAKÒWNA.

Hab’ Erbarmen! Bleib’ bei mir! Auf mein Flehn gib acht!

FÜRST ÌGOR.

Verloren sind wir dann! Uns droht der Tod! Aus Träumen nun erwach’, mein Sohn!

Fürst Ìgor will ihn fortziehen.

WLADÎMIR ÌGOREWITSCH.

Laß, Vater, mich sie pressen noch an meine Brust, zum letzten Mal.

FÜRST ÌGOR.

Laß ab von ihr! ‘s ist Zeit zu flieh’n!

KONTSCHAKÒWNA.

Auf ewig schwurst dich mein und ich bin auch ganz dein;

Ja, unaufhörlich dein. Ich teile dein Geschick.

Kalt bleibt dein Herz bei meinem Schmerz: taub ist dein Ohr.

Wohl denn! Ich wecke auf das Lager!

Sie schlägt auf das Wachtbrett, um Leute zusammenzurufen.

FÜRST ÌGOR.

Leb’ wohl!

Entfliehend.

KONTSCHAKÒWNA zu den Polowzern, die von allen Seiten herbeieilen.

Fürst Ìgor ist entflohn, mit Hilfe des Owlûr!

Ach, haltet fest den Sohn!

DIE POLOWZER.

Schwingt euch auf Rosse, schießt scharfe Pfeile,

Dem Flüchtling setzt nach mit Falkeneil’!

Freunde, sprengt rasch, pfeilschnell! Den jungen Fürsten aber

Bindet an den Baum, schießt ihn herunter gleich!

Unser Pfeil sicher trifft!

KONTSCHAKÒWNA.

O nein, mein Freund soll leben! Er ist auf ewig mein!

Nehmt hin mein ganzes Blut! Laßt mich statt seiner sterben!

Mich treff’ der Tod! Schießt mich zuerst herunter

Mit euren Pfeilen; laßt mich gehn

Mit meinem Freund in Tod! Ich folge ihm!

DIE POLOWZER.

Ruft alle Chane gleich herbei! Auf ihr Gebot laßt uns jetzt hören!

Da kommt Kontschàk nun selbst!

Kontschàk und die Chane treten ein.

KONTSCHÀK.

Ha, welch ein Lärm? Was ist’s? Tochter, sag’ was machst du hier?

DIE POLOWZER.

Fürst Ìgor ist entfloh’n. Warf sich aufs flinke Roß

Mit Hilfe des Owlûr, und beide sprengen fort.

KONTSCHÀK.

Ha, wack’rer Bursch!

Fürwahr, er ist meiner Liebe wert.

Das ist sehr brav von ihm! So wie er hätt’ ich getan!

Wie gerne wär’ ich sein bester Freund.

Und sein Bundesgenosse blieb’ ich treu.

Heida! Die Wachen führt zum Tod! Wladîmir aber lebe!

Folgt rasch dem Befehl!

CHOR DER CHANEN.

Kontschàk, laß uns Rat halten! Hör auf unser Wort; vernünftig ist’s,

Wir folgen ja auch deinem Rat, wenn es sich handelt um den Krieg.

Der junge Falke folgt dem alten Falken nach.

So wollen wir herunterschießen ihn mit Pfeil.

Folg’ unserm Rat und tue so.

Wir hören ja stets auf dein Wort,

Wenn es sich handelt um den Krieg.

Verschmähe auch nicht unsern Rat.

Den frechen Schwarm der Russen laß hinrichten ohne Aufschub, Chan!

KONTSCHÀK.

Nein, da der Falk’ geflogen ist in sein Nest,

So wollen wir den Jungen mit einem Mädchen fesseln gleich.

Hier ist deine Braut, Wladîmir!

Kein Feind bist du; du bist mein Schwager.

Und morgen waffnet euch zum Kampfe.

Auf, auf zum Streit! Nach Russenland! Schmach, Tod dem Feind!

DIE POLOWZER UND DIE CHANE.

Nach Russenland! Schmach, Tod dem Feind!

Zum Kampf, zum Streit! Allen Chanen Heil!

Der Vorhang fällt.

Vierter Akt

Die Mauern der Stadt Putivl und ein Platz. Der Tag bricht an. Iaroslàwna ist allein auf den Zinnen der Mauer.

IAROSLÀWNA.

Ihr, Tränen, fließt! Lindert meinen Schmerz.

Zum Gemahl schick’ ich sie all’,

Zum blauen Meer schick’ ich sie morgens früh.

Ach, ich möchte wie ein Kuckuck

Längs der Donau pfeilschnell fliegen,

Meinen Biberärmel in der

Kajala anfeuchten,

Um dem Fürsten seine Wunden,

Die bluttriefenden, zu waschen.

O du lieber Wind. O weshalb wehst du so heftig?

Weshalb trägst du Chansche Pfeile unserm Herrn entgegen?

Ist es dir zu wenig unter Wolken dort zu wehn,

Und die Schiffe auf dem Meer zu schaukeln?

Weshalb hast du, lieber Wind, so lang’ geweht im Felde?

Weshalb hast du, Herr, verweht mein’ Freude auf dem Grase?

Ihr Tränen fließt, lindert meinen Schmerz.

Zum Gemahl schick’ ich sie all’,

Zum blauen Meer schick’ ich sie morgens früh.

O du, hochberühmter Dnieper,

Du hast steinerne Gebirge

Ja durchbrochen im Polowzer Gebiet.

Swjatoslàves lange Böte

Zu den Zelten des Kobiak

Hast du, lieber Dnieper, getragen, großer, blauer, berühmter Dnieper!

Bring zurück mir meinen Fürsten, damit ich nicht länger wein’,

Tränen nicht zu schicken brauche zum blauen Meer, zum Fürst.

Leuchtend’, dreimal leuchtend’ Sonne! Allen scheinst du warm und schön und hell,

Alle wärmst du und liebkosest. Allen bist gewogen.

Weshalb hast du brennend’ Strahlen

Auf die Krieger ausgegossen?

Durch Durst im wasserlosen Felde

Ihre Bogen hast gebunden,

Und mit Schmerz die Köcher ihnen

Fest geschlossen hast? Warum?

Eine Schar Landleute ziehn vorbei, ein Lied singend. Iaroslàwna sitzt in Gedanken versunken.

CHOR DER LANDLEUTE.

Nicht ein Sturmwind ist’s, der tobt und heult,

Uns mit Unheil droht, uns bedroht.

‘s ist Chan Gsak der stürmt auf uns.

Nicht ein Rabe naht im schnellen Flug,

Vor dem Unglück warnt, und uns warnt.

Chan Gsak ist’s, der auf uns losrückt.

Nicht ein grauer Wolf Herden schreckt,

Chan Gsak ist’s, der das Land zerstört.

IAROSLÀWNA die zerstörten Umgebenden ansehend.

Wie verwüstet ist das Land! Dörfer sind verbrannt. Felder steh’n öd und leer.

Ach, der Feind hat uns zerstört, was blühend war.

Und Stille herrscht weit in der Rund’, kein Lied erschallt jetzt lustig.

Blickt spähend in die Ferne.

In der Ferne seh’ ich da zwei Ritter nah’n.

Der eine trägt die Kleidung unserer Feinde.

Ach, vielleicht rückt wieder los der Chan auf uns?

Gott bewahr’, behüte! Nun, was wird aus uns werden?

Wer wird Putivl beschützen dann?

Der andre Reitersmann trägt ja ein russ’sches Kleid.

Wohl ist es kein gemeiner Krieger.

Von Haltung stolz und prächtig ist er,

Und trägt auf sich der Herrschaft Zeichen.

Gewiß ein russ’scher Fürst kommt zu Besuche.

Wer mag dieser Fürst sein? Wer ist es? Was will er?

Was weiß ich? Auflösen kann ich nicht dieses Rätsel.

Ach! Es kann nicht sein! Ist es Traum, ein Spiel des Bösen?

Nein. Das sind die Züge meines Mannes ja!

Die mir längst bekannten, teuren Züge. Das ist er.

Heimgekehrt ist Ìgor!

Fürst Ìgor erscheint zu Rosse auf der Bühne. Owlûr begleitet ihn. Der Fürst springt aus dem Sattel und eilt zu Iaroslàwna.

FÜRST ÌGOR.

Sei gegrüßt, Geliebte! Sei gegrüßt, Geschätzte!

Gott vereint uns aufs neu! Du mein holdes Lieb!

IAROSLÀWNA.

Du, mein lichter Falke! Du mein Trost, mein’ Freude!

Herzgeliebter! Du mein teurer Gatte!

Ist es die Wahrheit, ist es Traum?

Ich traue eignen Augen kaum,

Von bösen Träumen aufgeschreckt,

Die mich bis jetzt geplagt, geneckt.

Wie oft hab ich geträumt von dir,

Bei Tag, sowie bei Nacht!

Wie oft erschienst du,

Liebster, mir, wie jetzt in dieser Kriegerstracht!

FÜRST ÌGOR.

Dein Gatte kommt aus fremdem Land;

‘s ist kein Gespenst, das drückt dein’ Hand.

Ich schaue deiner Augen Glut

Und mich belebt aufs neue Mut.

Nun kommt dein Herzensfreund zurück;

Mit ihm das längst erwünschte Glück.

IAROSLÀWNA.

Du gibst mir wieder deinen Kuß,

Nichts stört jetzt unseres Glücks Genuß;

Kein Mißtraun und kein Überdruß!

Hin ist mein Herzeleid.

Deiner Hände zartes Drücken,

Deiner Liebesglut Entzücken,

Holder Augen süßes Blicken

Mich beleben jetzt aufs neu.

Gott, wie ich um dich gelitten,

O, du meine höchste Wonne,

Meiner Seele lichte Sonne!

Du, mein einz’ger Trost, mein Held,

Du, mein Höchstes, Einz’ges in der Welt!

FÜRST ÌGOR.

Ja, vorbei sind böse Träume,

Die bis jetzt dich, Lieb, geplagt

Und gestöret in der Nacht.

IAROSLÀWNA.

Bist du entflohn?

FÜRST ÌGOR.

Bin heimlich entflohn vom Chan,

Als ich erfuhr, daß Gsak rückt los

Auf unser Land, plündert es.

Ich bin dem Heiden-Chan entflohn,

Um wieder ein neues Heer zum Angriff zu führen bald,

Um zu verlegen unserm Feind den Weg.

IAROSLÀWNA.

Deiner Hände weiches Drücken,

Deiner Liebesglut Entzücken,

Holder Augen süßes Blicken

Mich beleben jetzt aufs neu.

Gott, wie ich um dich gelitten usw. …

FÜRST ÌGOR.

Vorbei sind böse Träume all,

Vorbei der Trennung Weh und Qual.

Aus unserem Herzen, unserem Sinn

Ist aller Gram und Argwohn hin,

Die Freude hat uns neu belebt.

So scheint die Sonne strahlend mild,

Nach grausem Sturm, der tobte wild;

Und es wird wieder hell.

Bald neue Scharen werbe ich,

Zum Angriff führe sie zum Krieg.

Und sicher treffen wir den Feind!

Fürst Ìgor und Iaroslàwna schreiten langsamen Schrittes zur Zitadelle. Während des folgenden Liedes der Gudokspieler bleiben sie vor dem Tore stehen in lebhafter Unterhaltung; dann verschwinden sie hinter dem Tore.

ERÒSCHKA UND SKULÀ treten ein, beide etwas berauscht; sie spielen und singen.

Summ’ und brumm’, Gudok, ei summ mit Saus und Braus,

Und spiel’ ein Loblied sein unserem gnäd’gen Herrn;

Fürst von Sewersk ist jetzt sehr weit von uns;

Sitzt im Kerkerschloß in dem Steppenschoß,

Seinem Freund, dem Chan, ist er untertan.

Stürzt’ sein Heer in den Tod, leidet selber Not;

Da im tollen Mut gar zur Unzeit,

Zog er in den Krieg, ließ man ihn im Stich,

Und in den sand’gen Steppen kam sein braves Heer

Ganz um vor Durst, vor Hunger und vom mörd’schen Speer.

Mit dem russ’schen Gold unser braver Fürst

Baute Brücken sich, doch dem Feinde wich.

In die Kajala hat sein Ruhm versenkt

Samt dem wackren Heer, Schätzen und Gewehr.

Deshalb heutzutage in dem ganzen Russenland,

In der weiten Welt, nun kurz, allüberall

Laut klagt man tausendfach unsern gnäd’gen Herrn

Den sewersk’schen Fürst an und wehklagt man

Ob dem tollen Fehltritt in der Stadt Kiew,

Sowie an der Donau und an dem buch’gen Meeresufer.

Summ’ und brumm’ Gudok, ei summ’ mit Saus und Braus,

Spiel’ ein Loblied fein dem wack’ren, mächt’gen Fürst.

SKULÀ.

Fürst von Sewersk, der brave gnäd’ge Fürst.

Voll Erstaunen hören sie auf zu singen, da sie in der Ferne den Fürsten Ìgor und Iaroslàwna erblicken, die in den Kreml hineingehen.

Ist’s Traum? Ist’s Spuk? Ei, sieh mal!

ERÒSCHKA.

Er ist’s!

SKULÀ.

Ist es möglich? Unglaublich ist’s.

ERÒSCHKA.

Gott steh’ uns bei, Gott schütze uns!

Wehe uns! Nichts jetzt rettet uns.

Man wird uns zugrunde richten! Weh, weh!

Um unser Leben ist es getan!

Verloren sind wir, gänzlich verloren!

SKULÀ.

So schlimm steht es nicht, man weiß ja,

Was gilt bei uns, Russen, Wein und schlauer Streich.

Feinen Scherz muß unser Kopf ersinnen, Bruder.

Sie setzen sich einander gegenüber und fangen an zu denken.

Nun?

ERÒSCHKA.

Nun?

SKULÀ.

Nun?

ERÒSCHKA.

Nun?

Zögernd.

Entflieh’n?

SKULÀ.

Heim’schen Herd? Waldwärts wandeln? Dank schön! Närrisch wär’s.

ERÒSCHKA.

Ins Feld?

SKULÀ.

Steht dir der Sinn nach Gras und nach Baumrinde?

Statt guten Weins, willst du Wasser saufen?

Solches Hundeleben ist längst für mich dahin, bin es satt,

Was Besseres und Schlau’res müssen wir hervorsuchen.

ERÒSCHKA.

Was nun?

SKULÀ.

Schweig still…. Stör’ mich nicht…. Ausgedacht den Streich!

Auf den Glockenturm hindeutend.

Siehst du? Siehst du?

ERÒSCHKA im Bedenken.

Jenen Glockenturm?

SKULÀ macht ihm den Wink mit der Hand, er soll läuten.

Läute! Läute!

ERÒSCHKA.

Wozu muß ich jetzt läuten, Freund?

SKULÀ.

Um zu retten unser Leben, nicht vor Hunger zu krepieren,

Dann auch Wein kriegen wir uns fein. He, läut’ die Sturmglock’, Freund!

Beide greifen nach den Stricken der Glocke und fangen an Sturm zu läuten.

ERÒSCHKA.

He, Volk, ei her, zu uns! Eilt rasch herbei ihr all’!

Eilt alle herbei zu uns ohn’ Säumen!

Das Volk läuft von allen Seiten herbei.

CHOR.

Welch ein Geläut! Was bedeutet das? Was soll das heißen?

ERÒSCHKA UND SKULÀ mit Ernst.

Gott schickt uns großes Glück, Gesell!

CHOR.

Von diesen tollen Gecken ist es noch ein Streich!

Wie sie schrei’n! Gewiß viel Wein habt ihr verschluckt.

He, fort mit ihnen! Schleppt die Schurken hinweg!

Fort mit ihnen, hinaus!

He, Freunde, halt’ ein! Hört doch auf! Hört mal zu!

Horcht!

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Rechtgläub’ge, höret! Große Freud’ schickt Gott.

CHOR.

Was freut euch, Säufer, so sehr?

SKULÀ.

Berauscht? Gott bewahre! Nein Freund, vor Freude sisn! wir wohl außer und.

Sie trübt unsern Sinn. Unser Fürst kommt!

CHOR.

Der Bösewicht von Gàlitzky? Sei er verdammt auf ewig.

ERÒSCHKA.

Es handelt sich doch nicht um ihn! Fürst Ìgor kommt! Ist schon da!

SKULÀ.

Ìgor Swjatoslàwitsch!

CHOR.

Ha, seid ihr wohl bei Sinnen? Was?

SKULÀ.

Du glaubst’s nicht? Sieh dort, auf dem Fußweg unsern Fürst.

Er ging gleich vorbei mit seiner Frau. Erkennst seinen Helm, sein’ Speer?

Und hinter ihm her geht der Polowzer, der mit dem Fürsten angekommen! Da!

ERÒSCHKA.

Siehst du?

CHOR.

Fürst! Fürst ist’s ja! He, zieht die Glocke! Läutet das Volk rasch zusammen!

Fragt den Polowzer, ob wirklich der gnäd’ge Fürst gleich angekommen sei.

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Ei, horcht, Rechtgläubige!

Die Volksschar vergrößert sich nach und nach. Einige nähern sich Owlûr und belästigen ihn mit Fragen.

CHOR.

Wirklich ist er heimgekehrt?

Unsern Fürsten schickt uns Herr Gott!

ERÒSCHKA UND SKULÀ läuten aufs neue.

Gott schickt uns ein großes Glück!

Greise und Bojaren treten ein.

CHOR.

Gott schickt uns den Retter, den Vater des Volkes!

Plötzlich ist er heimgekehrt für das Wohl des ganzen Volkes!

DIE BOJAREN UND GREISE.

Wer hat zuerst verbreitet das Gerücht?

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Wir, armen Gudokspieler, Herr!

DIE BOJAREN UND GREISE.

Gudokspieler?

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Des guten Fürst’s ergeb’ne Diener, ehrwürd’ger Greis.

DIE BOJAREN UND GREISE.

Ihr seid die Diener des Aufrührers ja?

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Pfui! Im Dienst bei ihm standen wir noch niemals.

Wir sind die hiesigen, dem Lande einheimisch.

DIE BOJAREN UND GREISE.

Dennoch habt ihr verkehrt mit Fürsten Gàlitzky?

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Nein, mit ihm hatten wir gar keinen Umgang.

Seht treue Untertan sind wir unserm Fürsten Ìgor.

DIE BOJAREN UND GREISE.

Nun, heute soll

Sich alles freu’n; des Fürsten Rückkehr feiern!

Gott euch berate!

Sie übergeben den Lohn den Gudokspielern.

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Ei, trinkt auf die Gesundheit unsres Fürsten, unsers Vaters!

Summ’ mit Saus und Braus, Gudok, ei, spiel ein feines Loblied unserm Fürst!

Schlußchor.

DIE BOJAREN UND GREISE.

Nicht umsonst war unser Flehen: den geliebten guten Fürsten

Hat Gott heimgeführt, gerettet, uns bewahrt mit starker Hand.

DAS VOLK.

Plötzlich ist zurückgekommen unser Fürst aus fremdem Lande,

Freut sich alt und jung der Kunde seiner Wiederkehr.

ERÒSCHKA UND SKULÀ.

Strömt alle haufenweise geschwind zu Zitadelle!

Dahin muß man rasch ziehn. Wohlan! Wollen wir entgegeneilen

Unserm Fürsten, unserm Vater, jauchzend, jubelnd ihn begrüßen,

Froh, mit Lustgeschrei!

DIE BOJAREN UND GREISE.

Halt! Laßt uns geh’n zuerst zum Fürsten

Und begrüßen unsern Herrn.

Wartet hier: es wird sich zeigen

Seinem Volk der gnäd’ge Fürst.

Greise und Bojaren ziehen in den Kreml ein.

DAS VOLK.

Unsre Alten haben ja wahrhaftig recht:

Wollen wir den Fürst empfangen wie’s sich schickt.

Die Volksmenge vergrößert sich nach und nach, es ziehen geputzte Weiber herein. Viele tragen aus ihren Häusern Brot und Salz hinaus.

Wie am Festtag möge jeder sich ankleiden, sauber, fein,

Mög’ sich schmücken mit den Bändern, mit Halsschnüren, Ohrgehäng!

Überreichen muß das Volk ihm Salz und Brot.

Für das Volk muß man bereiten Quaß und Meth.

ERÒSCHKA UND SKULÀ Gudok spielend.

Ei, trinkt auf die Gesundheit unseres Fürsten, unsers Vaters!

Summ’ und brumm’ Gudok; ei, singt ein Loblied fein dem Fürsten!

VOLK.

Wollen wir entgegeneilen

Unserm Fürsten, unserem Vater.

Glücklich ist zurückgekommen

Unser Fürst aus fremdem Land.

Wollen wir entgegeneilen

Unserm Fürsten, jauchzend, jubelnd

Werden gastlich ihn empfangen, nach der Sitte.

Nicht umsonst ist er gekommen. Ungemach vergang’ner Zeiten ist dahin.

Fürst Ìgor kommt mit der Fürstin aus dem Kreml heraus. Sie erscheinen auf dem Platze; Greise und Bojaren begleiten sie. Fürst Ìgor begrüßt das Volk und wird von demselben jubelnd empfangen.

VOLK.

Heil dem tapfren, guten Fürsten Ìgor!

Heil ihm und Preis!

Der Vorhang fällt.

Georges Bizet – Carmen

Georges Bizet

Carmen

Opéra-comique en quatre actes

Personnages

Don José

Escamillo

Le Dancaire

Le Remendado

Moralès, brigadier

Zuniga, lieutenant

Lillas Pastia

Un guide

Carmen

Micaela

Frasquita

Mercédès

En Espagne. – Vers 1820.

Acte premier

Une place à Séville. – A droite, la porte de la manufacture de tabac. – Au fond, face au public, pont praticable traversant la scène dans toute son étendue. – De la scène on arrive à ce point par un escalier tournant qui fait sa révolution à droite au-dessus de la porte de la manufacture de tabac. – Le dessous du pont est praticable. – A gauche, au premier plan, le corps de garde. – Devant le corps de garde, une petite galerie couverte, exhaussée de deux ou trois marches; près du corps de garde, dans un râtelier, les lances des dragons avec leurs banderoles jaunes et rouges.

Scène première

Moralès, Micaela, soldats, passants.

Au lever du rideau, une quinzaine de soldats Dragons du régiment d’ Almanza, sont groupés devant le corps de garde. Les uns assis et fumant, les autres accoudés sur la balustrade de la galerie. Mouvement de passants sur la place. Des gens pressés, affairés, vont, viennent, se rencontrent, se saluent, se bousculent, etc.

CHŒUR.

Sur la place

Chacun passe,

Chacun vient, chacun va;

Drôles de gens que ces gens-là.

MORALÈS.

A la porte du corps de garde

Pour tuer le temps,

On fume, on jase, l’on regarde

Passer les passants.

REPRISE DU CHŒUR.

Sur la place

Etc.

Depuis quelques minutes Micaëla est entrée. Jupe bleue, nattes tombant sur les épaules, hésitante, embarrassée, elle regarde les soldats, avance, recule, etc.

MORALÈS, aux soldats.

Regardez donc cette petite

Qui semble vouloir nous parler,

Voyez, elle tourne, elle hésite.

CHŒUR.

A son secours il faut aller.

MORALÈS, à Micaëla.

Que cherchez-vous, la belle?

MICAELA.

Je cherche un brigadier.

MORALÈS.

Je suis là,

Voilà!

MICAELA.

Mon brigadier, à moi, s’appelle

Don José … le connaissez-vous?

MORALÈS.

José, nous le connaissons tous.

MICAELA.

Est-il avec vous, je vous prie?

MORALÈS.

Il n’est pas brigadier dans notre compagnie.

MICAELA, désolée.

Alors il n’est pas là.

MORALÈS.

Non, ma charmante, il n’est pas là,

Mais tout à l’heure il y sera.

Il y sera quand la garde montante

Remplacera la garde descendante.

TOUS.

Il y sera quand la garde montante

Remplacera la garde descendante.

MORALÈS.

Mais en attendant qu’il vienne,

Voulez-vous, la belle enfant,

Voulez-vous prendre la peine

D’entrer chez nous un instant?

MICAELA.

Chez vous!

LES SOLDATS.

Chez nous.

MICAELA.

Non pas, non pas

Grand merci, messieurs les soldats.

MORALÈS.

Entrez sans crainte, mignonne,

Je vous promets qu’on aura,

Pour votre chère personne,

Tous les égards qu’il faudra.

MICAELA.

Je n’en doute pas; cependant

Je reviendrai, c’est plus prudent.

Reprenant en riant la phrase du sergent.

Je reviendrai quand la garde montante

Remplacera la garde descendante.

LES SOLDATS, entourant Micaëla.

Vous resterez.

MICAELA, cherchant à se dégager.

Non pas! non pas!

Au revoir, messieurs les soldats.

Elle s’échappe et se sauve en courant.

MORALÈS.

L’oiseau s’envole,

On s’en console.

Reprenons notre passe-temps,

Et regardons passer les gens.

REPRISE.

Sur la place

Chacun passe, etc.

Le mouvement des passants qui avait cessé pendant la scène de Micaëla a repris avec une certaine animation Parmi les gens qui vont et viennent, un vieux monsieur donnant le bras à une jeune dame … Le vieux monsieur voudrait continuer sa promenade, mais la jeune dame fait tout ce qu’elle peut pour le retenir sur la place. Elle paraît émue, inquiète. Elle regarde à droite, à gauche. Elle attend quelqu’un et ce quelqu’un ne vient pas. Cette pantomime doit cadrer très exactement avec le couplet suivant.

MORALÈS.

I

Attention! chut! Taisons-nous!

Voici venir un vieil époux,

Œil soupçonneux, mine jalouse,

Il tient au bras sa jeune épouse;

L’amant sans doute n’est pas loin;

Il va sortir de quelque coin.

En ce moment un jeune homme entre rapidement sur la place.

Ah! ah! ah! ah!

Le voilà.

Voyons comment ça tournera.

Le second couplet continue et s’adapte fidèlement à la scène mimée par les trois personnages. Le jeune homme s’approche du vieux monsieur et de la jeune dame, salue et échange quelques mots à voix basse, etc.

MORALÈS.

II

Imitant le salut empressé du jeune homme.

Vous trouver ici, quel bonheur!

Prenant l’air rechigné du vieux mari.

Je suis bien votre serviteur.

Reprenant l’air du jeune homme.

Il salue, il parle avec grâce.

Puis l’air du vieux mari.

Le vieux mari fait la grimace;

Imitant les mines souriantes de la dame.

Mais d’un air fort encourageant

La dame accueille le galant.

Le jeune homme, à ce moment, tire de sa poche un billet qu’il fait voir à la dame.

Ah! ah! ah! ah!

L’y voilà;

Voyons comment ça tournera.

Ah! ah! ah! ah!

L’y voilà;

Voyons comment ça tournera.

Le mari, la femme et le galant font tous les trois très lentement un petit tour sur la place, le jeune homme cherchant à remettre son billet doux à la dame.

MORALÈS.

III

Ils font ensemble quelques pas;

Notre amoureux, levant le bras,

Fait voir au mari quelque chose,

Et le mari toujours morose

Regarde en l’air … Le tour est fait,

Car la dame a pris le billet.

Le jeune homme, d’une main, montre quelque chose en l’air au vieux monsieur et, de l’autre, passe le billet à la dame.

Ah! ah! ah! ah!

Et voilà.

On voit comment ça tournera

TOUS, riant.

Ah! ah! ah! ah!

Et voilà,

On voit comment ça tournera.

On entend au loin, très au loin, une marche militaire, clairons et fifres. C’est la garde montante qui arrive. Le vieux monsieur et le jeune homme échangent une cordiale poignée de main. Salut respectueux du jeune homme à la dame. Un officier sort du poste. Les soldats du poste vont prendre leurs lances et se rangent en ligne devant le corps de garde. Les passants à droite forment un groupe pour assister à la parade. La marche militaire se rapproche, se rapproche … La garde montante débouche enfin venant de la gauche et traverse le pont. Deux clairons et deux fifres d’abord. Puis une bande de petits gamins qui s’efforcent de faire de grandes enjambées pour marcher au pas des dragons. – Aussi petits que possible les enfants. Derrière les enfants, le lieutenant Zuniga et le

brigadier don José, puis les dragons avec leurs lances.

Scène II

Les mêmes, Don José, Le Lieutenant.

CHŒUR DES GAMINS.

Avec la garde montante

Nous arrivons, nous voilà …

Sonne, trompette éclatante,

Ta ra ta ta, ta ra ta ta;

Nous marchons la tête haute

Comme de petits soldats

Marquant sans faire de faute.

Une … deux … marquant le pas,

Les épaules en arrière

Et la poitrine en dehors,

Les bras de cette manière

Tombant tout le long du corps

Avec la garde montante

Sonne, trompette éclatante,

Nous arrivons, nous voilà,

Ta ra ta ta, ta ra ta ta.

La garde montante va se ranger à droite en face de la garde descendante. Dès que les petits gamins qui se sont arrêtés à droite devant les curieux ont fini de chanter, les officiers se saluent de l’épée et se mettent à causer à voix basse. On relève les

sentinelles.

MORALÈS, à don José. Il y a une jolie fille qui est venue te demander. Elle a dit qu’elle reviendrait …

JOSÉ. Une jolie fille?

MORALÈS. Oui, et gentiment habillée, une jupe bleue, des nattes tombant sur les épaules …

JOSÉ. C’est Micaëla. Ce ne peut être que Micaëla.

MORALÈS. Elle n’a pas dit son nom.

Les factionnaires sont relevés. Sonneries des clairons. La garde descendante passe devant la garde montante. – Les gamins en troupe reprennent derrière les clairons et les fifres de la garde descendante la place qu’ils occupaient derrière les tambours et les fifres de la garde montante.

REPRISE DU CHŒUR DES GAMINS.

Et la garde descendante

Rentre chez elle et s’en va.

Sonne, trompette, éclatante,

Ta ra ta ta, ta ra ta ta.

Nous partons la tête haute

Comme de petits soldats.

Marquant, sans faire de faute,

Une … deux … marquant le pas.

Les épaules en arrière

Et la poitrine en dehors,

Les bras de cette manière

Tombant tout le long du corps.

Et la garde descendante

Rentre chez elle et s’en va.

Sonne, trompette éclatante,

Ta ra ta ta, ta ra ta ta.

Soldats, gamins et curieux s’éloignent par le fond; chœur, fifres et clairons vont diminuant. L’officier de la garde montante pendant ce temps, passe silencieusement l’inspection de ses hommes. Quand le chœur des gamins et les fifres ont cessé de se faire entendre, le lieutenant dit: Présentez lances … Haut lances … Rompez les rangs. Les dragons vont tous déposer leurs lances dans le râtelier, puis ils rentrent dans le corps de garde. Don José et le lieutenant restent seuls en scène.

Scène III

Le lieutenant, Don José.

LE LIEUTENANT. Dites-moi, brigadier?

JOSÉ, se levant. Mon lieutenant?

LE LIEUTENANT. Je ne suis dans le régiment que depuis deux jours et jamais je n’étais venu à Séville. Qu’est-ce que c’est que ce grand bâtiment?

JOSÉ. C’est la manufacture de tabacs …

LE LIEUTENANT. Ce sont des femmes qui travaillent là? …

JOSÉ. Oui, mon lieutenant. Elles n’y sont pas maintenant; tout à l’heure, après leur dîner, elles vont revenir. Et je vous réponds qu’alors il y aura du monde pour les voir passer.

LE LIEUTENANT. Elles sont beaucoup?

JOSÉ. Ma foi, elles sont bien quatre ou cinq cents qui roulent des cigares dans une grande salle …

LE LIEUTENANT. Ce doit être curieux.

JOSÉ. Oui, mais les hommes ne peuvent pas entrer dans cette salle sans une permission …

LE LIEUTENANT. Ah!

JOSÉ. Parce que, lorsqu’il fait chaud, ces ouvrières se mettent à leur aise, surtout les jeunes.

LE LIEUTENANT. Il y en a de jeunes?

JOSÉ. Mais oui, mon lieutenant.

LE LIEUTENANT. Et de jolies?

JOSÉ, en riant. Je le suppose … Mais à vous dire vrai, et bien que j’aie été de garde ici plusieurs fois déjà, je n’en suis pas bien sûr, car je ne les ai jamais beaucoup regardées …

LE LIEUTENANT. Allons donc! …

JOSÉ. Que voulez-vous? … ces Andalouses me font peur. Je ne suis pas fait à leurs manières, toujours à railler … jamais un mot de raison …

LE LIEUTENANT. Et puis nous avons un faible pour les jupes bleues, et pour les nattes tombant sur les épaules …

JOSÉ, riant. Ah! mon lieutenant a entendu ce que disait Moralès?

LE LIEUTENANT. Oui …

JOSÉ. Je ne le nierai pas … la jupe bleue, les nattes, c’est le costume de la Navarre … ça me rappelle le pays …

LE LIEUTENANT. Vous êtes Navarrais?

JOSÉ. Et vieux chrétien. Don José Lizzarabengoa, c’est mon nom … On voulait que je fusse d’église, et l’on m’a fait étudier. Mais je ne profitais guère, j’aimais trop jouer à la paume … Un jour que j’avais gagné, un gars de l’Alava me chercha querelle; j’eus encore l’avantage, mais cela m’obligea de quitter le pays. Je me fis soldat! Je n’avais plus mon père; ma mère me suivit et vint s’établir à dix lieues de Séville … avec la petite Micaëla … c’est une orpheline que ma mère a recueillie, et qui n’a pas voulu se séparer d’elle …

LE LIEUTENANT. Et quel âge a-t-elle, la petite Micaëla?

JOSÉ. Dix-sept ans …

LE LIEUTENANT. Il fallait dire cela tout de suite … Je comprends maintenant pourquoi vous ne pouvez pas me dire si les ouvrières de la manufacture sont jolies ou laides. La cloche de la manufacture se fait entendre.

JOSÉ. Voici la cloche qui sonne, mon lieutenant, et vous allez pouvoir juger par vous-même … Quant à moi je vais faire une chaîne pour attacher mon épinglette.

Scène IV

Don José, soldats, jeunes gens et cigarières.

La place se remplit de jeunes gens qui viennent se placer sur le passage des cigarières. Les soldats sortent du poste. Don José s’assied sur une chaise, et reste là fort indifférent à toutes ces allées et venues, travaillant à son épinglette.

CHŒUR.

La cloche a sonné, nous, des ouvrières

Nous venons ici guetter le retour,

Et nous vous suivrons, brunes cigarières,

En vous murmurant des propos d’amour.

A ce moment paraissent les cigarières, la cigarette aux lèvres. Elles passent sous le pont et descendent lentement en scène.

LES SOLDATS.

Voyez-les … Regards imprudents,

Mine coquette,

Fumant toutes du bout des dents

La cigarette.

LES CIGARIÈRES.

Dans l’air, nous suivons des yeux

La fumée

Qui vers les cieux

Monte, monte parfumée.

Dans l’air nous suivons des yeux

La fumée,

La fumée,

La fumée,

La fumée.

Cela monte doucement

A la tête,

Cela vous met gentiment

L’âme en fête,

Dans l’air nous suivons des yeux

La fumée,

Etc.

Le doux parler des amants

C’est fumée;

Leurs transports et leurs serments

C’est fumée.

Dans l’air nous suivons des yeux

La fumée,

Etc.

LES JEUNES GENS, aux cigarières.

Sans faire les cruelles,

Ecoutez-nous les belles,

Vous que nous adorons,

Que nous idolâtrons.

LES CIGARIÈRES reprennent en riant.

Le doux parler des amants

C’est fumée;

Leurs transports et leurs serments

C’est fumée.

Dans l’air nous suivons des yeux

La fumée,

Etc.

Scène V

Les mêmes, Carmen.

LES SOLDATS.

Nous ne voyons pas la Carmencita.

LES CIGARIÈRES ET LES JEUNES GENS.

La voilà,

La voilà,

Voilà la Carmencita.

Entre Carmen. Absolument le costume et l’entrée indiqués par Mérimée. Elle a un bouquet de cassie à son corsage et une fleur de cassie dans le coin de la bouche. Trois ou quatre jeunes gens entrent avec Carmen. Ils la suivent, l’entourent, lui parlent. Elle minaude et caquette avec eux. Don José lève la tête. Il regarde Carmen, puis se remet à travailler tranquillement à son épinglette.

LES JEUNES GENS, entrés avec Carmen.

Carmen, sur tes pas, nous nous pressons tous;

Carmen, sois gentille, au moins réponds-nous

Et dis-nous quel jour tu nous aimeras.

CARMEN, les regardant.

Quand je vous aimerai, ma foi, je ne sais pas.

Peut-être jamais, peut-être demain;

Mais pas aujourd’hui, c’est certain.

L’amour est un oiseau rebelle

Que nul ne peut apprivoiser,

Et c’est bien en vain qu’on l’appelle

S’il lui convient de refuser.

Rien n’y fait; menace ou prière,

L’un parle bien, l’autre se tait;

Et c’est l’autre que je préfère,

Il n’a rien dit, mais il me plaît.

L’amour est enfant de Bohême,

Il n’a jamais connu de loi;

Si tu ne m’aimes pas, je t’aime;

Si je t’aime, prends garde à toi! …

L’oiseau que tu croyais surprendre

Battit de l’aile et s’envola …

L’amour est loin, tu peux l’attendre

Tu ne l’attends plus … il est là…

Tout autour de toi, vite, vite

Il vient, s’en va, puis il revient …

Tu crois le tenir, il t’évite

Tu veux l’éviter, il te tient.

L’amour est enfant de Bohême,

Il n’a jamais connu de loi;

Si tu ne m’aimes pas, je t’aime

Si je t’aime, prends garde à toi!

LES JEUNES GENS.

Carmen, sur tes pas, nous nous pressons tous;

Carmen, sois gentille, au moins réponds-nous.

Moment de silence. Les jeunes gens entourent Carmen, celle-ci les regarde l’un après l’autre, sort du cercle qu’ils forment autour d’elle et s’en va droit à don José, qui est toujours occupé de son épinglette.

CARMEN. Eh! compère, qu’est-ce que tu fais là? …

JOSÉ. Je fais une chaîne avec du fil de laiton, une chaîne pour attacher mon épinglette.

CARMEN, riant. Ton épinglette, vraiment! ton épinglette … épinglier de mon âme … Elle arrache de son corsage la fleur de cassie et la lance à don José. Il se lève brusquement. La fleur de cassie est tombée à ses pieds. Eclat de rire général; la cloche de la manufacture sonne une deuxième fois. Sortie des ouvrières et des jeunes gens sur la reprise de.

L’amour est enfant de Bohême,

Etc.

Carmen sort la première en courant et elle entre dans la manufacture. Les jeunes gens sortent à droite et à gauche. – Le lieutenant qui, pendant cette scène, bavardait avec deux ou trois ouvrières, les quitte et rentre dans le poste après que les soldats y sont rentrés.

Scène VI

DON JOSÉ. Qu’est-ce que cela veut dire, ces façons- là? … Quelle effronterie! … En souriant. Tout ça parce que je ne faisais pas attention à elle! … Alors, suivant l’usage des femmes et des chats qui ne viennent pas quand on les appelle et qui viennent quand on ne les appelle pas, elle est venue … Il regarde la fleur de cassie qui est par terre, à ses pieds. Il la ramasse. Avec quelle adresse elle me l’a lancée, cette fleur … là, juste entre les deux yeux … ça m’a fait l’effet d’une balle qui m’arrivait … Il respire le parfum de la fleur. Comme c’est fort! … Certainement, s’il y a des sorcières, cette fille-là en est une.

Entre Micaëla.

Scène VII

Don José, Micaela.

MICAELA. Monsieur le brigadier?

DON JOSÉ, cachant précipitamment la fleur de cassie. Quoi? … Qu’est-ce que c’est? … Micaëla! … c’est toi …

MICAELA. C’est moi! …

JOSÉ. Et tu viens de là-bas? …

MICAELA. Et je viens de là-bas … C’est votre mère qui m’envoie…

JOSÉ.

Ma mère …

JOSÉ.

Eh bien, parle … ma mère …

MICAELA.

J’apporte de sa part, fidèle messagère,

Cette lettre.

JOSÉ, regardant la lettre.

Une lettre.

MICAELA.

Et puis un peu d’argent.

Elle lui remet une petite bourse.

Pour ajouter à votre traitement,

Et puis …

JOSÉ.

Et puis?

MICAELA.

Et puis? … vraiment je n’ose

Et puis … encore une autre chose

Qui vaut mieux que l’argent et qui, pour un bon fils,

Aura sans doute plus de prix.

JOSÉ.

Cette autre chose, quelle est-elle?

Parle donc.

MICAELA.

Oui, je parlerai;

Ce que l’on m’a donné, je vous le donnerai.

Votre mère avec moi sortait de la chapelle,

Et c’est alors qu’en m’embrassant,

Tu vas, m’a-t-elle dit, t’en aller à la ville:

La route n’est pas longue, une fois à Séville,

Tu chercheras mon fils, mon José, mon enfant …

Et tu lui diras que sa mère

Songe nuit et jour à l’absent …

Qu’elle regrette et qu’elle espère,

Qu’elle pardonne et qu’elle attend;

Tout cela, n’est-ce pas? mignonne,

De ma part tu le lui diras,

Et ce baiser que je te donne

De ma part tu le lui rendras.

JOSÉ, très ému.

Un baiser de ma mère?

MICAELA.

Un baiser pour son fils,

José, je vous le rends, comme je l’ai promis.

Micaëla se hausse un peu sur la pointe des pieds et donne à don José un baiser bien franc, bien maternel. Don José très ému la laisse faire. Il la regarde bien dans les yeux. – Un moment de silence.

JOSÉ, continuant de regarder Micaëla.

Ma mère, je la vois … je revois mon village.

Souvenirs d’autrefois, souvenirs du pays!

Vous remplissez mon cœur de force et de courage

O souvenirs chéris,

Souvenirs d’autrefois! souvenirs du pays!

Ensemble.

JOSÉ.

Ma mère, je la vois,

Etc.

MICAELA.

Sa mère, il la revoit,

Etc.

JOSÉ, les yeux fixés sur la manufacture.

Qui sait de quel démon j’allais être la proie!

Même de loin, ma mère me défend,

Et ce baiser qu’elle m’envoie

Écarte le péril et sauve son enfant.

MICAELA.

Quel démon, quel péril? je ne comprends pas bien.

Que veut dire cela?

JOSÉ.

Rien! Rien!

Parlons de toi, la messagère

Tu vas retourner au pays …

MICAELA.

Ce soir même, et demain je verrai votre mère.

JOSÉ.

Eh bien! tu lui diras que José, que son fils,

Que son fils l’aime et la vénère,

Et qu’il se conduit aujourd’hui

En bon sujet pour que sa mère

Là-bas soit contente de lui.

Tout cela, n’est-ce pas? mignonne,

De ma part, tu le lui diras,

Et ce baiser que je te donne,

De ma part tu le lui rendras.

Il l’embrasse.

MICAELA.

Oui, je vous le promets … de la part de son fils

José, je le rendrai comme je l’ai promis.

Reprise de l’ensemble

JOSÉ.

Ma mère, je la vois

Etc.

MICAELA.

Sa mère il la revoit.

Etc.

JOSÉ. Attends un peu maintenant … je vais lire sa lettre …

MICAELA. J’attendrai, monsieur le brigadier, j’attendrai …

JOSÉ, embrassant la lettre avant de commencer à lire. Ah! Lisant. Continue à te bien conduire, mon enfant! L’on t’a promis de te faire maréchal des logis, peut-être alors pourras-tu quitter le service, te faire donner une petite place et revenir près de moi. Je commence à me faire bien vieille. Tu reviendrais près de moi et tu te marierais, nous n’aurions pas, je pense, grand-peine à te trouver une femme, et je sais bien, quant à moi, celle que je te conseillerais de choisir: c’est tout justement celle qui te porte ma lettre … Il n’y en a pas de plus sage et de plus gentille …

MICAELA, l’interrompant. Il vaut mieux que je ne sois pas là! …

JOSÉ. Pourquoi donc? …

MICAELA, troublée. Je viens de me rappeler que votre mère m’a chargée de quelques petits achats; je vais m’en occuper tout de suite.

JOSÉ. Attends un peu, j’ai fini …

MICAELA. Vous finirez quand je ne serai plus là …

JOSÉ. Mais la réponse? …

MICAELA. Je reviendrai la prendre avant mon départ et je la porterai à votre mère … Adieu!

JOSÉ. Micaëla!

MICAELA. Non, non … je reviendrai, j’aime mieux cela … je reviendrai, je reviendrai …

Elle sort.

Scène VIII

Don José, puis les ouvrières, le lieutenant, soldats.

JOSÉ, lisant. »Il n’y en a pas de plus sage, ni de plus gentille … il n’y en a pas surtout qui t’aime davantage … et si tu voulais …« Oui, ma mère, oui, je ferai ce que tu désires … j’épouserai Micaëla, et quant à cette bohémienne, avec ses fleurs qui ensorcellent …

Au moment où il va arracher les fleurs de sa veste, grande rumeur dans l’intérieur de la manufacture. – Entre le lieutenant suivi des soldats.

LE LIEUTENANT.

Eh bien! eh bien! qu’est-ce qui arrive? …

Les ouvrières sortent rapidement et en désordre.

CHŒUR DES CIGARIÈRES.

Au secours! n’entendez-vous pas?

Au secours, messieurs les soldats!

PREMIER GROUPE DE FEMMES.

C’est la Carmencita.

DEUXIÈME GROUPE DE FEMMES.

Non pas, ce n’est pas elle.

PREMIER GROUPE.

C’est elle.

DEUXIÈME GROUPE.

Pas du tout.

PREMIER GROUPE.

Si fait, dans la querelle

Elle a porté les premiers coups.

TOUTES LES FEMMES, entourant le lieutenant.

Ne les écoutez pas, monsieur, écoutez-nous,

Ecoutez-nous,

Ecoutez-nous.

PREMIER GROUPE, elles tirent l’officier de leur côté.

La Manuelita disait

Et répétait à voix haute

Qu’elle achèterait sans faute

Un âne qui lui plaisait.

DEUXIÈME GROUPE, même jeu.

Alors la Carmencita,

Railleuse à son ordinaire,

Dit: un âne, pour quoi faire?

Un balai te suffira.

PREMIER GROUPE.

Manuelita riposta

Et dit à sa camarade:

Pour certaine promenade

Mon âne te servira.

DEUXIÈME GROUPE.

Et ce jour-là tu pourras

A bon droit faire la fière;

Deux laquais suivront derrière

T’émouchant à tour de bras.

TOUTES LES FEMMES.

Là-dessus toutes les deux

Se sont prises aux cheveux.

LE LIEUTENANT.

Au diable tout ce bavardage.

A don José.

Prenez, José, deux hommes avec vous

Et voyez là-dedans qui cause ce tapage.

Don José prend deux hommes avec lui. – Les soldats entrent dans la manufacture. Pendant ce temps les femmes se pressent, se disputent entre elles.

PREMIER GROUPE.

C’est la Carmencita.

DEUXIÈME GROUPE.

Non, non, écoutez-nous

Etc., etc.

LE LIEUTENANT, assourdi.

Holà! holà!

Éloignez-moi toutes ces jemmes-là.

TOUTES LES FEMMES.

Écoutez-nous! écoutez-nous!

Les soldats repoussent les femmes et les écartent.

Tout doux! tout doux!

Éloignez-vous et taisez-vous.

LES FEMMES.

Écoutez-nous!

LES SOLDATS.

Tout doux.

Les cigarières glissent entre les mains des soldats qui cherchent à les écarter. – Elles se précipitent sur le lieutenant et reprennent le chœur.

PREMIER GROUPE.

La Manuelita disait,

Etc.

DEUXIÈME GROUPE.

Alors la Carmencita,

Etc.

LES SOLDATS, en repoussant encore une fois les femmes.

Tout doux! tout doux!

Éloignez-vous et taisez-vous.

Les soldats réussissent enfin à repousser les cigarières. Les femmes sont maintenues à distance autour de la place par une haie de dragons. Carmen paraît, sur la porte de la manufacture, amenée par don José et suivie par deux dragons.

Scène IX

Les mêmes, Carmen.

LE LIEUTENANT. Voyons, brigadier … Maintenant que nous avons un peu de silence … qu’est-ce que vous avez trouvé là-dedans? …

JOSÉ. J’ai d’abord trouvé trois cents femmes, criant, hurlant, gesticulant, faisant un tapage à ne pas entendre Dieu tonner … D’un côté il y en avait une, les quatre fers en l’air, qui criait: Confession! confession! … je suis morte … Elle avait sur la figure un X qu’on venait de lui marquer en deux coups de couteau … en face de la blessée j’ai vu …

Il s’arrête sur un regard de Carmen.

LE LIEUTENANT. Eh bien? …

JOSÉ. J’ai vu mademoiselle …

LE LIEUTENANT. Mademoiselle Carmencita?

JOSÉ. Oui, mon lieutenant …

LE LIEUTENANT. Et qu’est-ce qu’elle disait, mademoiselle Carmencita?

JOSÉ. Elle ne disait rien, mon lieutenant, elle serrait les dents et roulait des yeux comme un caméléon.

CARMEN. On m’avait provoquée … je n’ai fait que me défendre … Monsieur le brigadier vous le dira … A José. N’est-ce pas, monsieur le brigadier?

JOSÉ, APRÈS un moment d’hésitation. Tout ce que j’ai pu comprendre au milieu du bruit c’est qu’une discussion s’était élevée entre ces deux, dames, et qu’à la suite de cette discussion, mademoiselle, avec le couteau dont elle coupait le bout des cigares, avait commencé à dessiner des croix de saint André sur le visage de sa camarade … Le lieutenant regarde Carmen; celle-ci, après un regard à don José et un léger haussement d’épaules, est redevenue impassible. Le cas m’a paru clair. J’ai prié mademoiselle de me suivre … Elle a d’abord fait un mouvement comme pour résister … puis elle s’est résignée … et m’a suivi, douce comme un mouton!

LE LIEUTENANT. Et la blessure de l’autre femme?

JOSÉ. Très légère, mon lieutenant, deux balafres à fleur de peau.

LE LIEUTENANT, à Carmen. Eh bien! la belle, vous avez entendu le brigadier?.. A José. Je n’ai pas besoin de vous demander si vous avez dit la vérité.

JOSÉ. Foi de Navarrais, mon lieutenant!

Carmen se retourne brusquement et regarde encore une fois José.

LE LIEUTENANT, à Carmen. Eh bien! … vous avez entendu? … Avez-vous quelque chose à répondre? … parlez, j’attends … Carmen au lieu de répondre se met à fredonner.

CARMEN, chantant.

Coupe-moi, brûle-moi, je ne te dirai rien,

Je brave tout, le feu, le fer et le ciel même.

LE LIEUTENANT. Ce ne sont pas des chansons que je te demande, c’est une réponse.

CARMEN, chantant.

Mon secret je le garde et je le garde bien;

J’en aime un autre et meurs en disant que je l’aime.

LE LIEUTENANT. Ah! ah! nous le prenons sur ce ton-là … A José. Ce qui est sûr, n’est-ce pas, c’est qu’il y en des coups de couteau, et que c’est elle qui les a donnés …

En ce moment cinq ou six femmes à droite réussissent à forcer la ligne des factionnaires et se précipitent sur la scène en criant: Oui, oui, c’est elle! … Une de ces femmes se trouve près de Carmen. Celle-ci lève la main et veut se jeter sur la femme. Don José arrête Carmen. Les soldats écartent les femmes, et les repoussent cette fois tout à fait hors de la scène. Quelques sentinelles continuent à rester en vue gardant les abords de la place.

LE LIEUTENANT. Eh! eh! vous avez la main leste décidément. Aux soldats. Trouvez-moi une corde.

Moment de silence pendant lequel Carmen se remet à fredonner de la façon la plus impertinente en regardant l’officier.

UN SOLDAT, apportant une corde. Voilà, mon lieutenant.

LE LIEUTENANT, à don José. Prenez et attachez- moi ces deux jolies mains Carmen, sans faire la moindre résistance, tend en souriant ses deux mains à don José. C’est dommage vraiment, car elle est gentille … Mais si gentille que vous soyez, vous n’en irez pas moins faire un tour à la prison. Vous pourrez y chanter vos chansons de Bohémienne. Le porte-clefs vous dira ce qu’il en pense. Les mains de Carmen sont liées, on la fait asseoir sur un escabeau devant le corps de garde. Elle reste là immobile, les yeux à terre. Je vais écrire l’ordre. A don José. C’est vous qui la conduirez … Il sort.

Scène X

Carmen, don José.

Un petit moment de silence. – Carmen lève les yeux et regarde don José. Celui-ci se détourne, s’éloigne de quelques pas, puis revient à Carmen qui le regarde toujours.

CARMEN. Où me conduirez-vous? …

JOSÉ. A la prison, ma pauvre enfant …

CARMEN. Hélas! que deviendrai-je? Seigneur officier, ayez pitié de moi … Vous êtes si gentil … José ne répond pas, s’éloigne et revient, toujours sous le regard de Carmen. Cette corde, comme vous l’avez serrée, cette corde … J’ai les poignets brisés.

JOSÉ, s’approchant de Carmen. Si elle vous blesse, je puis la desserrer … Le lieutenant m’a dit de vous attacher les mains … il ne m’a pas dit …

Il desserre la corde.

CARMEN, bas. Laisse-moi m’échapper, je te donnerai un morceau de la bar lachi, une petite pierre qui te fera aimer de toutes les femmes.

JOSÉ, s’éloignant. Nous ne sommes pas ici pour dire des balivernes … Il faut aller à la prison. C’est la consigne, et il n’y a pas de remède.

Silence.

CARMEN. Tout à l’heure vous avez dit: foi de Navarrais … vous êtes des Provinces? …

JOSÉ. Je suis d’Elizondo …

CARMEN. Et moi d’Etchalar …

JOSÉ, s’arrêtant. D’Etchalar!… c’est à quatre heures d’Elizondo, Etchalar.

CARMEN. Oui, c’est là que je suis née … J’ai été emmenée par des Bohémiens à Séville. Je travaillais à la manufacture pour gagner de quoi retourner en Navarre, près de ma pauvre mère qui n’a que moi pour soutien … On m’a insultée parce que je ne suis pas de ce pays de filous, de marchands d’oranges pourries, et ces coquines se sont mises contre moi parce que je leur ai dit que tous leurs Jacques de Séville avec leurs couteaux ne feraient pas peur à un gars de chez nous avec son béret bleu et son maquila. Camarade, mon ami, ne ferez-vous rien pour une payse?

JOSÉ. Vous êtes Navarraise, vous? …

CARMEN. Sans doute.

JOSÉ. Allons donc … il n’y a pas un mot de vrai … vos yeux seuls, votre bouche, votre teint … Tout vous dit Bohémienne …

CARMEN. Bohémienne, tu crois?

JOSÉ. J’en suis sûr …

CARMEN. Au fait, je suis bien bonne de me donner la peine de mentir … Oui, je suis Bohémienne, mais tu n’en feras pas moins ce que je te demande … Tu le feras parce que tu m’aimes …

JOSÉ. Moi!

CARMEN. Eh! oui, tu m’aimes … ne me dis pas non, je m’y connais! tes regards, la façon dont tu me parles. Et cette fleur que tu as gardée. Oh! tu peux la jeter maintenant … cela n’y fera rien. Elle est restée assez de temps sur ton cœur; le charme a opéré …

JOSÉ, avec colère. Ne me parle plus, tu entends, je te défends de me parler …

CARMEN. C’est très bien, seigneur officier, c’est très bien. Vous me défendez de parler, je ne parlerai plus …

Elle regarde don José qui recule.

Finale.

CARMEN.

Près de la porte de Séville,

Chez mon ami Lillas Pastia,

J’irai danser la séguedille

Et boire du Manzanilla!

Oui, mais toute seule on s’ennuie,

Et les vrais plaisirs sont à deux …

Donc, pour me tenir compagnie,

J’emmènerai mon amoureux …

Mon amoureux! … il est au diable.

Je l’ai mis à la porte hier …

Mon pauvre cœur très consolable,

Mon cœur est libre comme l’air …

J’ai des galants à la douzaine,

Mais ils ne sont pas à mon gré;

Voici la fin de la semaine,

Qui veut m’aimer je l’aimerai.

Qui veut mon âme … elle est à prendre …

Vous arrivez au bon moment,

Je n’ai guère le temps d’attendre,

Car avec mon nouvel amant …

Près de la porte de Séville,

Chez mon ami Lillas Pastia,

J’irai danser la séguedille

Et boire du Manzanilla.

JOSÉ.

Tais-toi, je t’avais dit de ne pas me parler.

CARMEN.

Je ne te parle pas … je chante pour moi-même,

Et je pense … il n’est pas défendu de penser,

Je pense à certain officier,

A certain officier qui m’aime,

Et que l’un de ces jours je pourrais bien aimer …

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Mon officier n’est pas un capitaine,

Pas même un lieutenant, il n’est que brigadier

Mais c’est assez pour une Bohémienne,

Et je daigne m’en contenter!

JOSÉ, déliant la corde qui attache les mains de Carmen.

Carmen, je suis comme un homme ivre

Si je cède, si je me livre,

Ta promesse, tu la tiendras …

Si je t’aime, tu m’aimeras …

CARMEN, à peine chanté, murmuré.

Près de la porte de Séville,

Chez mon ami Lillas Pastia,

Nous danserons la séguedille

Et boirons du Manzanilla.

JOSÉ Parlé. Le lieutenant! … Prenez garde.

Carmen va se replacer sur son escabeau, les mains derrière le dos. – Rentre le lieutenant.

Scène XI

Les mêmes, le lieutenant, puis les ouvriers, les soldats, les bourgeois.

LE LIEUTENANT.

Voici l’ordre, partez et faites bonne garde …

CARMEN, bas à José.

Sur le pont je te pousserai

Aussi fort que je pourrai …

Laisse-toi renverser … le reste me regarde!

Elle se place entre les deux dragons. José à côté d’elle. Les femmes et les bourgeois pendant ce temps sont rentrés en scène toujours maintenus à distance par les dragons … Carmen traverse la scène de gauche à droite allant vers le pont.

L’amour est enfant de Bohême,

Il n’a jamais connu de loi;

Si tu ne m’aimes pas, je t’aime,

Si je t’aime, prends garde à toi.

En arrivant à l’entrée du pont à droite, Carmen pousse José qui se laisse renverser. Confusion, désordre, Carmen s’enfuit. Arrivée au milieu du pont, elle s’arrête un instant, jette sa corde à la volée par-dessus le parapet du pont, et se sauve

pendant que sur la scène, avec de grands éclats de rire, les cigarières entourent le lieutenant.

Acte deuxième

La taverne de Lillas Pastia. – Tables à droite et à gauche. Carmen, Mercédès, Frasquita, le lieutenant Zuniga, Moralès et un lieutenant. C’est la fin d’un dîner. La table est en désordre. Les officiers et les Bohémiennes fument des cigarettes. Deux Bohémiens raclent de la guitare dans un coin de la taverne et deux Bohémiennes, au milieu de la scène, dansent. – Carmen est assise, regardant danser les Bohémiens, le lieutenant lui parle bas, mais elle ne fait aucune attention à lui. Elle se lève tout à coup et se met à chanter.

Scène première

Carmen, le lieutenant, Moralès, officiers et bohémiennes.

CARMEN.

I

Les tringles des sistres tintaient

Avec un éclat métallique

Et sur cette étrange musique

Les zingarellas se levaient,

Tambours de basque allaient leur train,

Et les guitares forcenées

Grinçaient sous des mains obstinées,

Même chanson, même refrain,

La la la la la la.

Sur ce refrain, les Bohémiennes dansent. Mercédès et Frasquita reprennent avec Carmen le: La la la la la.

II

Les anneaux de cuivre et d’argent

Reluisaient sur les peaux bistrées;

D’orange ou de rouge zébrées

Les étoffes flottaient au vent;

La danse au chant se mariait

D’abord indécise et timide,

Plus vive ensuite et plus rapide,

Cela montait, montait, montait!

La la la la la la.

MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

La la la la la la.

III

Les Bohémiens à tour de bras,

De leurs instruments faisaient rage,

Et cet éblouissant tapage,

Ensorcelait les zingaras!

Sous le rythme de la chanson,

Ardentes, folles, enfiévrées,

Elles se laissaient, enivrées,

Emporter par le tourbillon!

La la la la la la.

LES TROIS VOIX.

La la la la la la.

Mouvement de danse très rapide, très violent. Carmen elle-même danse et vient, avec les dernières notes de l’orchestre, tomber haletante sur un banc de la taverne. Après la danse, Lillas Pastia se met à tourner autour des officiers d’un air embarrassé.

LE LIEUTENANT. Vous avez quelque chose à nous dire, maître Lillas Pastia?

PASTIA. Mon Dieu, messieurs …

MORALÈS. Parle, voyons …

PASTIA. Il commence à se faire tard … et je suis, plus que personne, obligé d’observer les règlements. Monsieur le corrégidor étant assez mal disposé à mon égard … je ne sais pas pourquoi il est mal disposé …

LE LIEUTENANT. Je le sais très bien, moi. C’est parce que ton auberge est le rendez-vous ordinaire de tous les contrebandiers de la province.

PASTIA. Que ce soit pour cette raison ou pour une autre, je suis obligé de prendre garde … or, je vous le répète, il commence à se faire tard.

MORALÈS. Cela veut dire que tu nous mets à la porte! …

PASTIA. Oh! non, messieurs les officiers … oh! non … je vous fais seulement observer que mon auberge devrait être fermée depuis dix minutes …

LE LIEUTENANT. Dieu sait ce qu’il s’y passe dans ton auberge, une fois qu’elle est fermée …

PASTIA. Oh! mon lieutenant …

LE LIEUTENANT. Enfin, nous avons encore, avant l’appel, le temps d’aller passer une heure au théâtre … vous y viendrez avec nous, n’est-ce pas, les belles?

Pastia fait signe aux Bohémiennes de refuser.

FRASQUITA. Non, messieurs les officiers, non, nous restons ici, nous.

LE LIEUTENANT. Comment, vous ne viendrez pas …

MERCÉDÈS. C’est impossible.

MORALÈS. Mercédès! …

MERCÉDÈS. Je regrette …

MORALÈS. Frasquita! …

FRASQUITA. Je suis désolée …

LE LIEUTENANT. Mais toi, Carmen, je suis bien sûr que tu ne refuseras pas …

CARMEN. C’est ce qui vous trompe, mon lieutenant … … je refuse et encore plus nettement qu’elles deux, si c’est possible …

Pendant que le lieutenant parle à Carmen, Andrès et les deux autres lieutenants essayent de fléchir Frasquita et Mercédès.

LE LIEUTENANT. Tu m’en veux?

CARMEN. Pourquoi vous en voudrais-je?

LE LIEUTENANT. Parce qu’il y a un mois, j’ai eu la cruauté de t’envoyer à la prison …

CARMEN, comme si elle ne se rappelait pas. A la prison?

LE LIEUTENANT. J’étais de service, je ne pouvais pas faire autrement.

CARMEN, même jeu. A la prison … je ne me souviens pas d’être allée à la prison …

LE LIEUTENANT. Je sais pardieu bien que tu n’y es pas allée … le brigadier qui était chargé de te conduire ayant jugé à propos de te laisser échapper … et de se faire dégrader et emprisonner pour cela …

CARMEN, sérieuse. Dégrader et emprisonner? …

LE LIEUTENANT. Mon Dieu oui … on n’a pas voulu admettre qu’une aussi petite main ait été assez forte pour renverser un homme …

CARMEN. Oh!

LE LIEUTENANT. Cela n’a pas paru naturel …

CARMEN. Et ce pauvre garçon est redevenu simple soldat? …

LE LIEUTENANT. Oui … et il a passé un mois en prison …

CARMEN. Mais il en est sorti?

LE LIEUTENANT. Depuis hier seulement!

CARMEN, faisant claquer ses castagnettes. Tout est bien, puisqu’il en est sorti, tout est bien.

LE LIEUTENANT. A la bonne heure, tu te consoles vite …

CARMEN, à part. Et j’ai raison … Haut. Si vous m’en croyez, vous ferez comme moi, vous voulez nous emmener, nous ne voulons pas vous suivre … vous vous consolerez …

MORALÈS. Il faudra bien.

La scène est interrompue par un chœur chanté dans la coulisse.

CHŒUR.

Vivat! vivat le torero!

Vivat! vivat Escamillo!

Jamais homme intrépide

N’a, par un coup plus beau,

D’une main plus rapide,

Terrassé le taureau!

Vivat! vivat le torero!

Vivat! vivat Escamillo! …

LE LIEUTENANT. Qu’est-ce que c’est que ça?

MERCÉDÈS. Une promenade aux flambeaux …

MORALÈS. Et qui promène-t-on?

FRASQUITA. Je le reconnais … c’est Escamillo … un torero qui s’est fait remarquer aux dernières courses de Grenade et qui promet d’égaler la gloire de Montes et de Pepo Illo …

MORALÈS. Pardieu, il faut le faire venir … nous boirons en son honneur!

LE LIEUTENANT. C’est cela, je vais l’inviter. Il va à la fenêtre. Monsieur le torero … voulez-vous nous faire l’amitié de monter ici? vous y trouverez des gens qui aiment fort tous ceux qui, comme vous, ont de l’adresse et du courage … Quittant la fenêtre. Il vient …

PASTIA, suppliant. Messieurs les officiers, je vous avais dit …

LE LIEUTENANT. Ayez la bonté de nous laisser tranquilles, maître Lillas Pastia, et faites-nous apporter de quoi boire …

REPRISE DU CHŒUR.

Vivat! vivat le torero!

Vivat! vivat Escamillo!

Paraît Escamillo.

Scène II

Les mêmes, Escamillo.

LE LIEUTENANT. Ces dames et nous, vous remercions d’avoir accepté notre invitation; nous n’avons pas voulu vous laisser passer sans boire avec vous au grand art de la tauromachie.

ESCAMILLO.

Messieurs les officiers, je vous remercie.

I

Votre toast … je peux vous le rendre,

Senors, car avec les soldats

Les toreros peuvent s’entendre,

Pour plaisir ils ont les combats.

Le cirque est plein, c’est jour de fête,

Le cirque est plein du haut en bas.

Les spectateurs perdent la tête

S’interpellent à grands fracas;

Apostrophes, cris et tapage

Poussés jusques à la fureur,

Car c’est la fête du courage,

C’est la fête des gens de cœur.

Toreador, en garde,

Et songe en combattant

Qu’un œil noir te regarde.

Et que l’amour t’attend.

TOUT LE MONDE.

Toreador, en garde,

Etc.

Entre les deux couplets, Carmen remplit le verre d’Escamillo.

II

Tout d’un coup l’on a fait silence:

Plus de cris! que se passe-t-il?

C’est l’instant, le taureau s’élance

En bondissant hors du toril …

Il entre, il frappe, un cheval roule

En entraînant un picador.

Bravo, toro! … hurle la foule,

Le taureau va, vient, frappe encor …

En secouant ses banderilles …

Il court, le cirque est plein de sang;

On se sauve, on franchit les grilles;

Allons … c’est ton tour maintenant.

Toreador, en garde,

Et songe en combattant

Qu’un œil noir te regarde

Et que l’amour t’attend.

TOUT LE MONDE.

Toreador en garde,

Etc.

On boit, on échange des poignées de main avec le toréador.

PASTIA. Messieurs les officiers, je vous en prie.

LE LIEUTENANT. C’est bien, c’est bien, nous partons.

Les officiers commencent à se préparer à partir. – Escamillo se trouve près de Carmen.

ESCAMILLO. Dis-moi ton nom, et la première fois que je frapperai le taureau, ce sera ton nom que je prononcerai.

CARMEN. Je m’appelle la Carmencita!

ESCAMILLO. La Carmencita?

CARMEN. Carmen, la Carmencita, comme tu voudras.

ESCAMILLO. Eh bien! Carmen ou la Carmencita, si je m’avisais de t’aimer et d’être aimé de toi, qu’est- ce que tu me répondrais?

CARMEN. Je répondrais que tu peux m’aimer tout à ton aise mais que quant à être aimé de moi pour le moment, il n’y faut pas songer!

ESCAMILLO. Ah!

CARMEN. C’est comme ça.

ESCAMILLO. J’attendrai alors et je me contenterai d’espérer …

CARMEN. Il n’est pas défendu d’attendre et il est toujours agréable d’espérer.

MORALÈS, à Frasquita et à Mercédès. Vous ne venez pas décidément?

MERCÉDÈS ET FRASQUITA, sur un nouveau signe de Pastia. Mais non, mais non …

MORALÈS, au lieutenant. Mauvaise campagne, lieutenant.

LE LIEUTENANT. Bah! la bataille n’est pas encore perdue … Bas, à Carmen. Écoute-moi, Carmen, puisque tu ne veux pas venir avec nous, c’est moi qui dans une heure reviendrai ici …

CARMEN. Ici? …

LE LIEUTENANT. Oui, dans une heure … après l’appel.

CARMEN. Je ne vous conseille pas de revenir …

LE LIEUTENANT, riant. Je reviendrai tout de même. Haut. Nous partons avec vous, torero, et nous nous joindrons au cortège qui vous accompagne.

ESCAMILLO. C’est un grand honneur pour moi, je tâcherai de ne pas m’en montrer indigne lorsque je combattrai sous vos yeux.

REPRISE DE L’AIR.

Toreador, en garde,

Et songe en combattant,

Etc.

Tout le monde sort, excepté Carmen, Frasquita, Mercédès et Lillas Pastia.

Scène III

Carmen, Frasquita, Mercédès, Pastia.

FRASQUITA, à Pastia. Pourquoi étais-tu si pressé de les faire partir et pourquoi nous as-tu fait signe de ne pas les suivre?

PASTIA. Le Dancaïre et le Remendado viennent d’arriver … ils ont à vous parler de vos affaires, des affaires d’Égypte.

CARMEN. Le Dancaïre et le Remendado? …

PASTIA, ouvrant une porte et appelant du geste. Oui, les voici … tenez …

Entrent le Dancaïre et le Remendado. – Pastia ferme les portes, met les volets, etc., etc.

Scène IV

Carmen, Frasquita, Mercédès, le dancaire, le remendado.

FRASQUITA. Eh bien, les nouvelles?

LE DANCAIRE. Pas trop mauvaises, les nouvelles; nous arrivons de Gibraltar …

LE REMENDADO. Jolie ville, Gibraltar! … on y voit des Anglais, beaucoup d’Anglais, de jolis hommes les Anglais, un peu froids, mais distingués.

LE DANCAIRE. Remendado! …

LE REMENDADO. Patron.

LE DANCAIRE, mettant la main sur son couteau. Vous comprenez?

LE REMENDADO. Parfaitement, patron …

LE DANCAIRE. Taisez-vous, alors. Nous arrivons de Gibraltar, nous avons arrangé, avec un patron de navire, l’embarquement de marchandises anglaises. Nous irons les attendre près de la côte, nous en cacherons une partie dans la montagne et nous ferons passer le reste. Tous nos camarades ont été prévenus … ils sont ici, cachés, mais c’est de vous trois surtout que nous avons besoin … vous allez partir avec nous …

CARMEN, riant. Pourquoi faire? pour vous aider à porter des ballots? …

LE REMENDADO. Oh! non … faire porter des ballots à des dames … ça ne serait pas distingué.

LE DANCAIRE, menaçant. Remendado?

LE REMENDADO. Oui, patron.

LE DANCAIRE. Nous ne vous ferons pas porter de ballots, mais nous avons besoin de vous pour autre chose.

Quintette.

LE DANCAIRE.

Nous avons en tête une affaire.

MERCÉDÈS.

Est-elle bonne, dites-nous?

LE REMENDADO.

Elle est admirable, ma chère;

Mais nous avons besoin de vous.

LES TROIS FEMMES.

De nous?

LES DEUX HOMMES.

De vous.

Car nous l’avouons humblement,

Et très respectueusement,

En matière de tromperie,

De duperie,

De volerie,

Il est toujours bon, sur ma foi,

D’avoir les femmes avec soi.

Et sans elles,

Mes toutes belles,

On ne fait jamais rien

De bien.

LES TROIS FEMMES.

Quoi! sans nous jamais rien,

De bien?

LES DEUX HOMMES.

N’êtes-vous pas de cet avis?

LES TROIS FEMMES.

Si fait, je suis

De cet avis.

TOUS LES CINQ.

En matière de tromperie,

De duperie,

De volerie,

Il est toujours bon, sur ma foi,

D’avoir les femmes avec soi,

Et sans elles,

Les toutes belles,

On ne fait jamais rien

De bien.

LE DANCAIRE.

C’est dit alors, vous partirez.

MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

Quand vous voudrez.

LE REMENDADO.

Mais tout de suite.

CARMEN.

Ah! permettez;

A Mercédès et à Frasquita.

S’il vous plaît de partir, partez,

Mais je ne suis pas du voyage;

Je ne pars pas … je ne pars pas.

LE DANCAIRE.

Carmen, mon amour, tu viendras,

Et tu n’auras pas le courage

De nous laisser dans l’embarras.

CARMEN.

Je ne pars pas, je ne pars pas.

LE REMENDADO.

Mais au moins la raison, Carmen, tu la diras?

CARMEN.

Je la dirai certainement;

La raison, c’est qu’en ce moment

Je suis amoureuse.

LES DEUX HOMMES, stupéfaits.

Qu’a-t-elle dit?

FRASQUITA.

Elle dit qu’elle est amoureuse.

LES DEUX HOMMES.

Amoureuse!

LES DEUX FEMMES.

Amoureuse!

LES DEUX HOMMES.

Voyons, Carmen, sois sérieuse.

CARMEN.

Amoureuse à perdre l’esprit.

LES DEUX HOMMES.

Certes, la chose nous étonne,

Mais ce n’est pas le premier jour

Où vous aurez su, ma mignonne.

Faire marcher de front le devoir et l’amour.

CARMEN.

Mes amis, je serais fort aise

De pouvoir vous suivre ce soir

Mais cette fois, ne vous déplaise,

Il faudra que l’amour passe avant le devoir.

LE DANCAIRE.

Ce n’est pas là ton dernier mot?

CARMEN.

Pardonnez-moi.

LE REMENDADO.

Carmen, il faut

Que tu te laisses attendrir.

TOUS LES QUATRE.

Il faut venir, Carmen, il faut venir.

Pour notre affaire,

C’est nécessaire,

Car entre nous.

LES DEUX FEMMES.

Car entre nous …

CARMEN.

Quant à cela, je l’admets avec vous.

REPRISE GÉNÉRALE.

En matière de tromperie,

De duperie,

De volerie,

Etc.

LE DANCAIRE. En voilà assez; je t’ai dit qu’il fallait venir, et tu viendras … je suis le chef …

CARMEN. Comment dis-tu ça?

LE DANCAIRE. Je te dis que je suis le chef …

CARMEN. Et tu crois que je t’obéirai? …

LE DANCAIRE, furieux. Carmen! …

CARMEN, très calme. Eh bien! …

LE REMENDADO, se jetant entre le Dancaïre et Carmen. Je vous en prie … des personnes si distinguées.

LE DANCAIRE, envoyant un coup de pied que le Remendado évite. Attrape ça, toi …

LE REMENDADO, se redressant. Patron …

LE DANCAIRE. Qu’est-ce que c’est?

LE REMENDADO. Rien, patron!

LE DANCAIRE. Amoureuse … ce n’est pas une raison, cela.

LE REMENDADO. Le fait est que ce n’en est pas une … moi aussi je suis amoureux et ça ne m’empêche pas de me rendre utile.

CARMEN. Partez sans moi … j’irai vous rejoindre demain, mais pour ce soir je reste …

FRASQUITA. Je ne t’ai jamais vue comme cela; qui attends-tu donc? …

CARMEN. Un pauvre diable de soldat qui m’a rendu service …

MERCÉDÈS. Ce soldat qui était en prison?

CARMEN. Oui.

FRASQUITA. Et à qui, il y a quinze jours, le geôlier a remis de ta part un pain dans lequel il y avait une pièce d’or et une lime? …

CARMEN, remontant vers la fenêtre. Oui.

LE DANCAIRE. Il s’en est servi de cette lime? …

CARMEN, remontant vers la fenêtre. Non.

LE DANCAIRE. Tu vois bien! ton soldat aura eu peur d’être puni plus rudement qu’il ne l’avait été; ce soir encore il aura peur … tu auras beau entrouvrir les volets et regarder s’il vient, je parierais qu’il ne viendra pas.

CARMEN. Ne parie pas, tu perdrais …

On entend dans le lointain la voix de don José.

DON JOSÉ, la voix très éloignée.

Halte là!

Qui va là?

Dragon d’Almanza!

Où t’en vas-tu par là,

Dragon d’Almanza?

Moi je m’en vais faire,

A mon adversaire,

Mordre la poussière.

S’il en est ainsi,

Passez mon ami,

Affaire d’honneur,

Affaire de cœur,

Pour nous tout est là,

Dragons d’Almanza.

La musique n’arrête pas. Carmen, le Dancaïre, le Remendado, Mercédès et Frasquita, par les volets entrouverts, regardent venir don José.

MERCÉDÈS. C’est un dragon, ma foi.

FRASQUITA. Et un beau dragon.

LE DANCAIRE, à Carmen. Eh bien, puisque tu ne veux venir que demain, sais-tu au moins ce que tu devrais faire?

CARMEN. Qu’est-ce que je devrais faire? …

LE DANCAIRE. Tu devrais décider ton dragon à venir avec toi et à se joindre à nous.

CARMEN. Ah! … si cela se pouvait! … mais il n’y faut pas penser, … ce sont des bêtises … il est trop niais.

LE DANCAIRE. Pourquoi l’aimes-tu puisque tu en conviens toi-même?

CARMEN. Parce qu’il est joli garçon donc et qu’il me plaît.

LE REMENDADO, avec fatuité. Le patron ne comprend pas ça, lui … qu’il suffise d’être joli garçon pour plaire aux femmes …

LE DANCAIRE. Attends un peu, toi, attends un peu …

Le Remendado se sauve et sort. Le Dancaïre le poursuit et sort à son tour entraînant Mercédès et Frasquita qui essaient de le calmer.

DON JOSÉ, la voix beaucoup plus rapprochée.

Halte-là!

Qui va là?

Dragon d’Almanza!

Où t’en vas-tu par là,

Dragon d’Almanza?

Exact et fidèle,

Je vais où m’appelle

L’amour de ma belle.

S’il en est ainsi,

Passez mon ami,

Affaire d’honneur,

Affaire de cœur,

Pour nous tout est là,

Dragons d’Almanza!

Entre don José.

Scène V

Don José, Carmen.

CARMEN. Enfin … te voilà … C’est bien heureux!

JOSÉ. Il y a deux heures seulement que je suis sorti de prison.

CARMEN. Qui t’empêchait de sortir plus tôt? Je t’avais envoyé une lime et une pièce d’or … avec la lime il fallait scier le plus gros barreau de ta prison … avec la pièce d’or il fallait, chez le premier fripier venu, changer ton uniforme pour un habit bourgeois.

JOSÉ. En effet, tout cela était possible.

CARMEN. Pourquoi ne l’as-tu pas fait?

JOSÉ. Que veux-tu? j’ai encore mon honneur de soldat, et déserter me semblerait un grand crime … Oh! je ne t’en suis pas moins reconnaissant … Tu m’as envoyé une lime et une pièce d’or … La lime me servira pour affiler ma lance et je la garde comme souvenir de toi. Lui tendant la pièce d’or. Quant à l’argent …

CARMEN. Tiens, il l’a gardé! … ça se trouve à merveille … Criant et frappant. Holà! … Lillas Pastia, holà! … nous mangerons tout … tu me régales … holà! holà! …

Entre Pastia.

PASTIA, l’empêchant de crier. Prenez donc garde …

CARMEN, lui jetant la pièce. Tiens, attrape … et apporte-nous des fruits confits; apporte-nous des bonbons, apporte-nous des oranges, apporte-nous du Manzanilla … apporte-nous de tout ce que tu as, de tout, de tout …

PASTIA. Tout de suite, mademoiselle Carmencita.

Il sort.

CARMEN, à José. Tu m’en veux alors et tu regrettes de t’être fait mettre en prison pour mes beaux yeux?

JOSÉ. Quant à cela non, par exemple.

CARMEN. Vraiment.

JOSÉ. L’on m’a mis en prison, l’on m’a ôté mon grade, mais ça m’est égal.

CARMEN. Parce que tu m’aimes?

JOSÉ. Oui, parce que je t’aime, parce que je t’adore.

CARMEN, mettant ses deux mains dans les mains de José. Je paie mes dettes … c’est notre loi à nous autres Bohémiennes … Je paie mes dettes … je paie mes dettes …

Rentre Lillas Pastia apportant sur un plateau des oranges, des bonbons, des fruits confits, du Manzanilla.

CARMEN. Mets tout cela ici … d’un seul coup, n’aie pas peur … Pastia obéit et la moitié des objets roule par terre. Ça ne fait rien, nous ramasserons tout cela nous-mêmes … sauve-toi maintenant, sauve-toi, sauve-toi. Pastia sort. Mets-toi là et mangeons de tout! de tout! de tout!

Elle est assise; don José s’assied en face d’elle.

JOSÉ. Tu croques les bonbons comme un enfant de six ans …

CARMEN. C’est que je les aime … Ton lieutenant était ici tout à l’heure, avec d’autres officiers, ils nous ont fait danser la Romalis …

JOSÉ. Tu as dansé?

CARMEN. Oui; et quand j’ai eu dansé, ton lieutenant s’est permis de me dire qu’il m’adorait …

JOSÉ. Carmen!

CARMEN. Qu’est-ce que tu as? … Est-ce que tu serais jaloux, par hasard? …

JOSÉ. Mais certainement, je suis jaloux …

CARMEN. Ah bien! … Canari, va! … tu es un vrai canari d’habit et de caractère … allons, ne te fâche pas … pourquoi es-tu jaloux? parce que j’ai dansé tout à l’heure pour ces officiers … Eh bien, si tu le veux, je danserai pour toi maintenant, pour toi seul.

JOSÉ. Si je le veux, je crois bien que je le veux …

CARMEN. Où sont mes castagnettes? … qu’est-ce que j’ai fait de mes castagnettes? En riant. C’est toi qui me les a prises, mes castagnettes?

JOSÉ. Mais non!

CARMEN, tendrement. Mais si, mais si … je suis sûre que c’est toi … ah bah! en voilà des castagnettes. Elle casse une assiette, avec deux morceaux de faïence, se fait des castagnettes et les essaie … Ah! ça ne vaudra jamais mes castagnettes … Où sont-elles donc?

JOSÉ, trouvant les castagnettes sur la table à droite. Tiens, les voici …

CARMEN, riant. Ah! tu vois bien … c’est toi qui les avais prises …

JOSÉ. Ah! que je t’aime, Carmen, que je t’aime!

CARMEN. Je l’espère bien.

Duo

CARMEN.

Je vais en ton honneur danser la Romalis,

Et tu verras, mon fils,

Comment je sais moi-même accompagner ma danse.

Mettez-vous là, don José, je commence.

Elle fait asseoir don José dans un coin du théâtre. Petite danse, Carmen, du bout des lèvres, fredonne un air qu’elle accompagne avec ses castagnettes. Don José la dévore des yeux. On entend au loin, très

loin, des clairons qui sonnent la retraite. Don José prête l’oreille. Il croit entendre les clairons, mais les castagnettes de Carmen claquent très bruyamment. Don José s’approche de Carmen, lui prend le bras, et l’oblige à s’arrêter.

JOSÉ.

Attends un peu, Carmen, rien qu’un moment, arrête.

CARMEN.

Et pourquoi, s’il te plaît?

JOSÉ.

Il me semble, là-bas …

Oui, ce sont nos clairons qui sonnent la retraite

Ne les entends-tu pas?

CARMEN.

Bravo! j’avais beau faire … Il est mélancolique

De danser sans orchestre. Et vive la musique

Qui nous tombe du ciel!

Elle reprend sa chanson qui se rythme sur la retraite sonnée au-dehors par les clairons. Carmen se remet à danser et don José se remet à regarder Carmen. La retraite approche … approche … approche … passe sous les fenêtres de l’auberge … puis s’éloigne … Le son des clairons va s’affaiblissant. Nouvel effort de don José pour s’arracher à cette contemplation de Carmen … Il lui

prend le bras et l’oblige encore à s’arrêter.

JOSÉ.

Tu ne m’as pas compris … Carmen, c’est la retraite …

Il faut que, moi, je rentre au quartier pour l’appel …

Le bruit de la retraite cesse tout à coup.

CARMEN, regardant don José qui remet sa giberne et rattache le ceinturon de son sabre.

Au quartier! pour l’appel! j’étais vraiment bien bête!

Je me mettais en quatre et je faisais des frais

Pour amuser monsieur, je chantais … je dansais …

Je crois, Dieu me pardonne,

Qu’un peu plus, je l’aimais …

Ta ra ta ta, c’est le clairon qui sonne!

Il part! il est parti!

Va-t’en donc, canari.

Avec fureur, lui envoyant son shako à la volée.

Prends ton shako, ton sabre, ta giberne.

Et va-t’en, mon garçon, retourne à ta caserne.

JOSÉ.

C’est mal à toi, Carmen, de te moquer de moi;

Je souffre de partir … car jamais, jamais femme,

Jamais femme avant toi

Aussi profondément n’avait troublé mon âme.

CARMEN.

Ta ra ta ta, mon Dieu …, c’est la retraite,

Je vais être en retard. Il court, il perd la tête,

Et voilà son amour.

JOSÉ.

Ainsi tu ne crois pas

A mon amour?

CARMEN.

Mais non!

JOSÉ.

Eh bien! tu m’entendras.

CARMEN.

Je ne veux rien entendre …

Tu vas te faire attendre.

JOSÉ, violemment.

Tu m’entendras, Carmen, tu m’entendras!

De la main gauche il a saisi brusquement le bras de Carmen; de la main droite, il va chercher sous sa veste d’uniforme la fleur de cassie que Carmen lui a jetée au premier acte. – Il montre cette fleur à Carmen.

JOSÉ.

I

La fleur que tu m’avais jetée,

Dans ma prison m’était restée

Flétrie et sèche, mais gardant

Son parfum terrible, enivrant.

Et pendant des heures entières,

Sur mes yeux fermant mes paupières,

Ce parfum, je le respirais

Et dans la nuit et je te voyais.

Car tu n’avais eu qu’à paraître

Qu’à jeter un regard sur moi

Pour t’emparer de tout mon être,

Et j’étais une chose à toi.

II

Je me prenais à te maudire,

A te détester, à me dire!:

Pourquoi faut-il que le destin

L’ait mise là, sur mon chemin?

Puis je m’accusais de blasphème

Et je ne sentais en moi-même

Qu’un seul désir, un seul espoir,

Te revoir, Carmen, te revoir! …

Car tu n’avais eu qu’à paraître,

Qu’à jeter un regard sur moi

Pour t’emparer de tout mon être,

Et j’étais une chose à toi.

CARMEN.

Non, tu ne m’aimes pas, non, car si tu m’aimais,

Là-bas, là-bas, tu me suivrais

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Là-bas, là-bas, dans la montagne,

Sur ton cheval tu me prendrais,

Et comme un brave, à travers la campagne,

En croupe, tu m’emporterais.

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Là-bas, là-bas, si tu m’aimais,

Là-bas, là-bas, tu me suivrais.

Point d’officier à qui tu doives obéir,

Et point de retraite qui sonne

Pour dire à l’amoureux qu’il est temps de partir.

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Le ciel ouvert, la vie errante

Pour pays l’univers, pour loi ta volonté,

Et surtout la chose enivrante,

La liberté! la liberté!

Là-bas, là-bas, si tu m’aimais,

Là-bas, là-bas, tu me suivrais.

JOSÉ, presque vaincu.

Carmen!

CARMEN.

Oui, n’est-ce pas,

Là-bas, là-bas, tu me suivrais,

Tu m’aimes et tu me suivras.

JOSÉ, s’arrachant brusquement des bras de Carmen.

Non, je ne veux plus t’écouter …

Quitter mon drapeau … déserter …

C’est la honte, c’est l’infamie,

Je n’en veux pas!

CARMEN.

Eh bien, pars!

JOSÉ.

Carmen, je t’en prie …

CARMEN.

Je ne t’aime plus, je te hais!

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Adieu! mais adieu pour jamais.

JOSÉ.

Eh bien, soit! … adieu pour jamais.

Il va en courant jusqu’à la porte … Au moment où il y arrive, on frappe … Don José s’arrête. Silence. On frappe encore.

Scène VI

Les mêmes, le lieutenant.

LE LIEUTENANT, au-dehors.

Holà! Carmen! holà! holà!

JOSÉ.

Qui frappe? qui vient là?

CARMEN.

Tais-toi …

LE LIEUTENANT, faisant sauter la porte.

J’ouvre moi-même et j’entre.

Il entre et voit don José. – A Carmen.

Ah! fi, la belle.

Le choix n’est pas heureux; c’est se mésallier

De prendre le soldat quand on a l’officier.

A don José.

Allons! décampe.

JOSÉ.

Non.

LE LIEUTENANT.

Si fait, tu partiras.

JOSÉ.

Je ne partirai pas.

LE LIEUTENANT, le frappant.

Drôle!

JOSÉ, sautant sur son sabre.

Tonnerre! il va pleuvoir des coups.

Le lieutenant dégaine à moitié.

CARMEN, se jetant entre eux deux.

Au diable le jaloux!

Appelant.

A moi! à moi!

Le Dancaïre, le Remendado et les Bohémiens paraissent de tous les côtés. Carmen d’un geste montre le lieutenant aux Bohémiens; le Dancaïre et le Remendado se jettent sur lui, le désarment.

Mon officier, l’amour

Vous joue en ce moment un assez vilain tour,

Vous arrivez fort mal et nous sommes forcés,

Ne voulant être dénoncés,

De vous garder au moins pendant une heure.

LE DANCAIRE ET LE REMENDADO.

Nous allons, cher monsieur, quitter cette demeure,

Vous viendrez avec nous …

CARMEN.

C’est une promenade;

Consentez-vous?

LE DANCAIRE ET LE REMENDADO, le pistolet à la main.

Répondez, camarade,

Consentez-vous?

LE LIEUTENANT.

Certainement,

D’autant plus que votre argument

Est un de ceux auxquels on ne résiste guère

Mais gare à vous plus tard.

LE DANCAIRE, avec philosophie.

La guerre, c’est la guerre.

En attendant, mon officier,

Passez devant sans vous faire prier.

CHŒUR.

Passez devant sans vour faire prier.

L’officier sort, emmené par quatre Bohémiens, le pistolet à la main.

CARMEN, à don José.

Es-tu des nôtres maintenant?

JOSÉ.

Il le faut bien.

CARMEN.

Le mot n’est pas galant.

Mais qu’importé, tu t’y feras

Quand tu verras

Comme c’est beau la vie errante,

Pour pays l’univers, pour loi ta volonté,

Et surtout la chose enivrante,

La liberté! la liberté!

TOUS.

Le ciel ouvert! la vie errante,

Pour pays l’univers, pour loi sa volonté,

Et surtout la chose enivrante,

La liberté! la liberté!

Acte troisième

Le rideau se lève sur des rochers … site pittoresque et sauvage … Solitude complète et nuit noire. Prélude musical. – Au bout de quelques instants, un contrebandier paraît au haut des rochers, puis un autre, puis deux autres, puis vingt autres çà et là, descendant et escaladant des rochers. Des hommes portent de gros ballots sur les épaules.

Scène première

Carmen, don José, le dancaire, le remendado, Frasquita, Mercédès, contrebandiers.

CHŒUR.

Écoute, compagnon, écoute,

La fortune est là-bas, là-bas,

Mais prends garde pendant la route,

Prends garde de faire un faux pas.

LE DANCAIRE, JOSÉ, CARMEN, MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

Notre métier est bon, mais pour le faire il faut

Avoir une âme forte,

Le péril est en bas, le péril est en haut,

Il est partout, qu’importe?

Nous allons devant nous, sans souci du torrent,

Sans souci de l’orage.

Sans souci du soldat qui là-bas nous attend,

Et nous guette au passage.

Écoute, compagnon, écoute,

La fortune est là-bas, là-bas …

Mais prends garde pendant la route,

Prends garde de faire un faux pas.

LE DANCAIRE. Halte! nous allons nous arrêter ici … ceux qui ont sommeil pourront dormir pendant une demi-heure …

LE REMENDADO, s’étendant avec volupté. Ah!

LE DANCAIRE. Je vais, moi, voir s’il y a moyen de faire entrer les marchandises dans la ville … une brèche s’est faite dans le mur d’enceinte et nous pourrions passer par là; malheureusement on a mis un factionnaire pour garder cette brèche.

JOSÉ. Lillas Pastia nous a jait savoir que, cette nuit, ce factionnaire serait un homme à nous …

LE DANCAIRE. Oui, mais Lillas Pastia a pu se tromper … le factionnaire qu’il veut dire a pu être changé … Avant d’aller plus loin je ne trouve pas mauvais de m’assurer moi-même … Appelant. Remendado! …

LE REMENDADO, se réveillant. Hé?

LE DANCAIRE. Debout, tu vas venir avec moi …

LE REMENDADO. Mais, patron …

LE DANCAIRE. Qu’est-ce que c’est? …

LE REMENDADO, se levant. Voilà, patron, voilà! …

LE DANCAIRE. Allons, passe devant.

LE REMENDADO. Et moi qui rêvais que j’allais pouvoir dormir … C’était un rêve, hélas! c’était un rêve! …

Il sort suivi du Dancaïre.

Scène II

Les mêmes, moins le dancaire et le remendado.

Pendant la scène entre Carmen et José, quelques Bohémiens allument un feu près duquel Mercédès et Frasquita viennent s’asseoir, les autres se roulent dans leurs manteaux, se couchent et s’endorment.

JOSÉ. Voyons, Carmen … si je t’ai parlé trop durement, je t’en demande pardon, faisons la paix.

CARMEN. Non.

JOSÉ. Tu ne m’aimes plus, alors?

CARMEN. Ce qui est sûr, c’est que je t’aime beaucoup moins qu’autrefois … et que si tu continues à t’y prendre de cette façon-là, je finirai par ne plus t’aimer du tout … Je ne veux pas être tourmentée ni surtout commandée. Ce que je veux, c’est être libre et faire ce qu’il me plaît.

JOSÉ. Tu es le diable, Carmen?

CARMEN. Oui, qu’est-ce que tu regardes là, à quoi penses-tu?

JOSÉ. Je me dis que là-bas … à sept ou huit lieues d’ici tout au plus, il y a un village, et dans ce village une bonne vieille femme qui croit que je suis encore un honnête homme …

CARMEN. Une bonne vieille femme?

JOSÉ. Oui; ma mère.

CARMEN. Ta mère. Eh bien là, vrai, tu ne ferais pas mal d’aller la retrouver, car décidément tu n’es pas fait pour vivre avec nous … chien et loup ne font pas longtemps bon ménage …

JOSÉ. Carmen …

CARMEN. Sans compter que le métier n’est pas sans péril pour ceux qui, comme toi, refusent de se cacher quand ils entendent des coups de fusil … plusieurs des nôtres y ont laissé leur peau, ton tour viendra.

JOSÉ. Et le tien aussi … si tu me parles encore de nous séparer et si tu ne te conduis pas avec moi comme je veux que tu te conduises …

CARMEN. Tu me tuerais, peut-être? … José ne répond pas. A la bonne heure … j’ai vu plusieurs fois dans les cartes que nous devions finir ensemble. Faisant claquer ses castagnettes. Bah! arrive qui plante …

JOSÉ. Tu es le diable, Carmen? …

CARMEN. Mais oui, je te l’ai déjà dit …

Elle tourne le dos à José et va s’asseoir près de Mercédès et de Frasquita. – Après un instant d’indécision, José s’éloigne à son tour et va s’étendre sur les rochers. – Pendant les dernières répliques de la scène, Mercédès et Frasquita ont étalé des cartes devant elles.

Trio.

FRASQUITA.

Mêlons!

MERCÉDÈS.

Coupons!

FRASQUITA.

C’est bien cela.

MERCÉDÈS.

Trois cartes ici …

FRASQUITA.

Quatre là.

MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

Et maintenant, parlez, mes belles

De l’avenir donnez-nous des nouvelles;

Dites-nous qui nous trahira,

Dites-nous qui nous aimera.

FRASQUITA.

Moi, je vois un jeune amoureux

Qui m’aime on ne peut davantage.

MERCÉDÈS.

Le mien est très riche et très vieux

Mais il parle de mariage.

FRASQUITA.

Il me campe sur son cheval,

Et dans la montagne il m’entraîne.

MERCÉDÈS.

Dans un château presque royal,

Le mien m’installe en souveraine.

FRASQUITA.

De l’amour à n’en plus finir,

Tous les jours nouvelles folies.

MERCÉDÈS.

De l’or tant que j’en puis tenir,

Des diamants … des pierreries.

FRASQUITA.

Le mien devient un chef fameux,

Cent hommes marchent à sa suite.

MERCÉDÈS.

Le mien, en croirai-je mes yeux …

Il meurt, je suis veuve et j’hérite.

Reprise de l’ensemble

Parlez encor, parlez, mes belles,

De l’avenir donnez-nous des nouvelles;

Dites-nous qui nous trahira,

Dites-nous qui nous aimera.

Elles recommencent à consulter les cartes.

FRASQUITA.

Fortune!

MERCÉDÈS.

Amour!

Carmen, depuis le commencement de la scène, suivait du regard le jeu de Mercédès et de Frasquita.

CARMEN.

Donnez, que j’essaie à mon tour.

Elle se met à tourner les cartes. – Musique de scène.

Carreau, pique … la mort!

J’ai bien lu … moi d’abord.

Montrant don José endormi.

Ensuite lui … pour tous les deux la mort!

A voix basse, tout en continuant à mêler les cartes.

En vain pour éviter les réponses amères,

En vain tu mêleras,

Cela ne sert à rien, les cartes sont sincères

Et ne mentiront pas.

Dans le livre d’en haut, si ta page est heureuse,

Mêle et coupe sans peur,

La carte sous les doigts se tournera joyeuse

T’annonçant le bonheur.

Mais si tu dois mourir, si le mot redoutable

Est écrit par le sort,

Recommence vingt fois … la carte impitoyable

Dira toujours: la mort!

Se remettant.

Bah! qu’importe après tout, qu’importe? …

Carmen bravera tout, Carmen est la plus forte!

FRASQUITA, MERCÉDÈS ET CARMEN.

Parlez encor, parlez, mes belles,

De l’avenir donnez-nous des nouvelles,

Dites-nous qui nous trahira,

Dites-nous qui nous aimera.

Rentrent le Dancaïre et le Remendado.

Scène III

Carmen, don José, Frasquita, Mercédès, le dancaire, le remendado.

CARMEN. Eh bien? …

LE DANCAIRE. Eh bien, j’avais raison de ne pas me fier aux renseignements de Lillas Pastia; nous n’avons pas trouvé son factionnaire, mais en revanche nous avons aperçu trois douaniers qui gardaient la brèche et qui la gardaient bien, je vous assure …

CARMEN. Savez-vous leurs noms à ces douaniers?

LE REMENDADO. Certainement nous savons leurs noms; qui est-ce qui connaîtrait les douaniers si nous ne les connaissions pas? Il y avait Eusebio, Perez et Bartolomé.

FRASQUITA. Euseibo …

MERCÉDÈS. Perez …

CARMEN. Et Bartolomé … En riant. N’ayez pas peur, Dancaïre, nous vous en répondons de vos trois douaniers …

JOSÉ, furieux. Carmen!…

LE DANCAIRE. Ah! toi tu vas nous laisser tranquilles avec ta jalousie … le jour vient et nous n’avons pas de temps à perdre … En route, les enfants … On commence à prendre les ballots. Quant à toi S’adressant à José. je te confie la garde des marchandises que nous n’emporterons pas … Tu vas te placer là, sur cette hauteur … tu y seras à merveille pour voir si nous sommes suivis …; dans le cas où tu apercevrais quelqu’un, je t’autorise à passer ta colère sur l’indiscret. – Nous y sommes? …

LE REMENDADO. Oui, patron.

LE DANCAIRE. En route alors … Aux femmes. Mais vous ne vous flattez pas, vous me répondez vraiment de ces trois douaniers?

CARMEN. N’ayez pas peur, Dancaïre.

Morceau d’ensemble.

CARMEN.

Quant au douanier c’est notre affaire;

Tout comme un autre il aime à plaire,

Il aime à faire le galant,

Laissez-nous passer en avant.

CARMEN, MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

Quant au douanier c’est notre affaire

Laissez-nous passer en avant.

MERCÉDÈS.

Et le douanier sera clément.

FRASQUITA.

Et le douanier sera charmant.

CARMEN.

Il sera même entreprenant! …

Ensemble.

TOUTES LES FEMMES.

Quant au douanier c’est notre affaire,

Tout comme un autre il aime à plaire,

Il aime à faire le galant.

Laissez-nous passer en avant.

TOUS LES HOMMES.

Quant au douanier c’est leur affaire,

Tout comme un autre il aime à plaire,

Il aime à faire le galant,

Laissons-les passer en avant.

FRASQUITA.

Il ne s’agit plus de bataille,

Non, il s’agit tout simplement

De se laisser prendre la taille

Et d’écouter un compliment.

CARMEN, MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

Quant au douanier, c’est notre affaire,

Etc., etc.

Reprise de l’ensemble.

MERCÉDÈS.

S’il faut aller jusqu’au sourire,

Que voulez-vous? on sourira,

Et d’avance, je puis le dire,

La contrebande passera.

CARMEN, MERCÉDÈS ET FRASQUITA.

Quant au douanier, c’est notre affaire,

Etc., etc.

Reprise de l’ensemble.

Tout le monde sort. – José ferme la marche et sort en examinant l’amorce de sa carabine; – un peu avant qu’il soit sorti, on voit un homme passer sa tête au-dessus du rocher. C’est un guide.

Scène IV

Le guide, puis Micaela.

LE GUIDE; il s’avance avec précaution, puis fait un signe à Micaëla que l’on ne voit pas encore. Nous y sommes.

MICAELA, entrant. C’est ici.

LE GUIDE. Oui, vilain endroit, n’est-ce pas, et pas rassurant du tout?

MICAELA. Je ne vois personne.

LE GUIDE. Ils viennent de partir, mais ils reviendront bientôt, car ils n’ont pas emporté toutes leurs marchandises … je connais leurs habitudes … prenez garde … l’un des leurs doit être en sentinelle quelque part et si l’on nous apercevait …

MICAELA. Je l’espère bien qu’on m’apercevra … puisque je suis venue ici tout justement pour parler à … pour parler à un de ces contrebandiers …

LE GUIDE. Eh bien là, vrai, vous pouvez vous vanter d’avoir du courage … tout à l’heure quand nous nous sommes trouvés au milieu de ce troupeau de taureaux sauvages que conduisait le célèbre Escamillo, vous n’avez pas tremblé … Et maintenant venir ainsi affronter ces Bohémiens …

MICAELA. Je ne suis pas facile à effrayer.

LE GUIDE. Vous dites cela parce que je suis près de vous, mais si vous étiez toute seule …

MICAELA. Je n’aurais pas peur, je vous assure.

LE GUIDE. Bien vrai? …

MICAELA. Bien vrai …

LE GUIDE, naïvement. Alors je vous demanderai la permission de m’en aller. – J’ai consenti à vous servir de guide parce que vous m’avez bien payé; mais maintenant que vous êtes arrivée … si ça ne vous fait rien, j’irai vous attendre là, où vous m’avez pris … à l’auberge qui est au bas de la montagne.

MICAELA. C’est cela, allez m’attendre!

LE GUIDE. Vous restez décidément?

MICAELA. Oui, je reste!

LE GUIDE. Que tous les saints du paradis vous soient en aide alors, mais c’est une drôle d’idée que vous avez là …

Scène V

MICAELA, regardant autour d’elle. Mon guide avait raison … l’endroit n’est pas bien rassurant.

I

Je dis que rien ne m’épouvante,

Je dis que je réponds de moi,

Mais j’ai beau faire la vaillante,

Au fond du cœur, je meurs d’effroi …

Toute seule, en ce lieu sauvage

J’ai peur, mais j’ai tort d’avoir peur,

Vous me donnerez du courage,

Vous me protégerez, Seigneur …

Protégez-moi, protégez-moi, Seigneur.

II

Je vais voir de près cette femme

Dont les artifices maudits

Ont fini par faire un infâme

De celui que j’aimais jadis;

Elle est dangereuse, elle est belle,

Mais je ne veux pas avoir peur,

Je parlerai haut devant elle,

Vous me protégerez, Seigneur …

Protégez-moi, protégez-moi, Seigneur.

Mais … je ne me trompe pas … à cent pas d’ici … sur ce rocher, c’est don José Appelant. José, José! Avec terreur. Mais que fait-il? … Il ne regarde pas de mon côté … il arme sa carabine, il ajuste … il fait feu … On entend un coup de feu. Ah! mon Dieu, j’ai trop présumé de mon courage … j’ai peur … j’ai peur.

Elle disparaît derrière les rochers. – Au même moment entre Escamillo tenant son chapeau à la main.

Scène VI

Escamillo, puis don José.

ESCAMILLO, regardant son chapeau. Quelques lignes plus bas … et ce n’est pas moi qui, à la course prochaine, aurais eu le plaisir de combattre les taureaux que je suis en train de conduire …

Entre José.

JOSÉ, son manteau à la main.

Qui êtes-vous? répondez.

ESCAMILLO, très calme.

Eh là … doucement!

Duo.

LE TORERO.

Je suis Escamillo, toréro de Grenade.

JOSÉ.

Escamillo!

LE TORERO.

C’est moi.

JOSÉ, remettant son couteau à sa ceinture.

Je connais votre nom,

Soyez le bienvenu; mais vraiment, camarade,

Vous pouviez y rester.

LE TORERO.

Je ne vous dis pas non

Mais je suis amoureux, mon cher, à la folie,

Et celui-là serait un pauvre compagnon

Qui, pour voir ses amours, ne risquerait sa vie.

JOSÉ.

Celle que vous aimez est ici?

LE TORERO.

Justement.

C’est une zingara, mon cher.

JOSÉ.

Elle s’appelle?

LE TORERO.

Carmen.

JOSÉ.

Carmen!

LE TORERO.

Elle avait pour amant

Un soldat qui jadis a déserté pour elle.

JOSÉ.

Carmen!

LE TORERO.

Ils s’adoraient, mais c’est fini, je crois.

Les amours de Carmen ne durent pas six mois.

JOSÉ.

Vous l’aimez cependant …

LE TORERO.

Je l’aime.

JOSÉ.

Mais pour nous enlever nos filles de Bohême,

Savez-vous bien qu’il faut payer?

LE TORERO.

Soit, on paiera.

JOSÉ.

Et que le prix se paie à coups de navaja,

Comprenez-vous?

LE TORERO.

Le discours est très net.

Ce déserteur, ce beau soldat qu’elle aime

Ou du moins qu’elle aimait, c’est donc vous?

JOSÉ.

C’est moi-même.

LE TORERO.

J’en suis ravi, mon cher, et le tour est complet.

Tous les deux, la navaja à la main, se drapent dans leurs manteaux.

Ensemble.

JOSÉ.

Enfin ma colère

Trouve à qui parler.

Le sang, je l’espère,

Va bientôt couler

LE TORERO.

Quelle maladresse!

J’en rirais vraiment!

Chercher la maîtresse

Et trouver l’amant.

Mettez-vous en garde

Et veillez sur vous,

Tant pis pour qui tarde

A parer les coups.

Ils se mettent en garde à une certaine distance.

LE TORERO.

Je la connais, ta garde navarraise,

Et je te préviens en ami,

Qu’elle ne vaut rien …

Sans répondre, don José marche sur le torero.

A ton aise.

Je t’aurai du moins averti.

Combat. – Musique de scène. Le torero très calme cherche seulement à se défendre.

JOSÉ.

Tu m’épargnes, maudit.

LE TORERO.

A ce jeu de couteau

Je suis trop fort pour toi.

JOSÉ.

Voyons cela.

Rapide et très vif engagement corps à corps. José se trouve à la merci du torero qui ne le frappe pas.

LE TORERO.

Tout beau,

Ta vie est à moi, mais en somme

J’ai pour métier de frapper le taureau,

Non de trouer le cœur de l’homme.

JOSÉ.

Frappe ou bien meurs … Ceci n’est pas un jeu.

LE TORERO, se dégageant.

Soit, mais au moins respire un peu.

Reprise de l’ensemble.

JOSÉ.

Enfin ma colère

Etc.

LE TORERO.

Quelle maladresse!

Etc.

Après le dernier ensemble, reprise du combat. Le torero glisse et tombe. – Entrent Carmen et le Dancaïre; Carmen arrête le bras de don José. – Le torero se relève; le Remendado, Mercédès, Frasquita et les contrebandiers rentrent pendant ce temps.

CARMEN.

Holà, José! …

LE TORERO, se relevant.

Vrai, j’ai l’âme ravie

Que ce soit vous, Carmen, qui me sauviez la vie.

CARMEN.

Escamillo!

LE TORERO, à don José.

Quant à toi, beau soldat,

Nous sommes manche à manche et nous jouerons la belle

Le jour où tu voudras reprendre le combat.

LE DANCAIRE.

C’est bon, plus de querelle,

Nous, nous allons partir.

Au torero.

Et toi, l’ami, bonsoir.

LE TORERO.

Souffrez au moins qu’avant de vous dire au revoir,

Je vous invite tous aux Courses de Séville.

Je compte pour ma part y briller de mon mieux,

Et qui m’aime y viendra.

A don José qui fait un geste de menace.

L’ami, tiens-toi tranquille,

J’ai tout dit et n’ai plus qu’à faire mes adieux …

Jeu de scène. Don José veut s’élancer sur le torero. Le Dancaïre et le Remendado le retiennent. Le torero sort très lentement.

JOSÉ, à Carmen.

Prends garde à toi, Carmen … je suis las de souffrir …

Carmen lui répond par un léger haussement d’épaules et s’éloigne de lui.

LE DANCAIRE.

En route … en route … il faut partir …

TOUS.

En route … en route … il faut partir …

LE REMENDADO.

Halte! … quelqu’un est là qui cherche à se cacher.

Il amène Micaëla.

CARMEN.

Une femme!

LE DANCAIRE.

Pardieu, la surprise est heureuse.

JOSÉ, reconnaissant Micaëla.

Micaëla! …

MICAELA.

Don José! …

JOSÉ.

Malheureuse!

Que viens-tu faire ici?

MICAELA.

Moi, je viens te chercher …

Là-bas est la chaumière

Où, sans cesse priant,

Une mère, ta mère,

Pleure son enfant …

Elle pleure et t’appelle,

Elle te tend les bras;

Tu prendras pitié d’elle,

José, tu me suivras.

CARMEN.

Va-t’en! va-t’en! Tu feras bien,

Notre métier ne te vaut rien.

JOSÉ, à Carmen.

Tu me dis de la suivre?

CARMEN.

Oui, tu devrais partir.

JOSÉ.

Pour que toi tu puisses courir

Après ton nouvel amant.

Non, vraiment,

Dût-il m’en coûter la vie,

Non, je ne partirai pas,

Et la chaîne qui nous lie

Nous liera jusqu’au trépas …

Tu ne m’aimes plus, qu’importe,

Puisque je t’aime encor, moi.

Cette main est assez forte

Pour me répondre de toi,

Je te tiens, fille damnée,

Et je te forcerai bien

A subir la destinée

Qui rive ton sort au mien.

Dût-il m’en coûter la vie,

Non, je ne partirai pas,

Et la chaîne qui nous lie

Nous liera jusqu’au trépas.

MICAELA.

Écoute-moi, je t’en prie,

Ta mère te tend les bras,

Cette chaîne qui te lie,

José, tu la briseras.

CHŒUR.

Il t’en coûtera la vie,

José, si tu ne pars pas,

Et la chaîne qui vous lie

Se rompra par ton trépas.

CARMEN.

C’était écrit! cela doit être:

Moi d’abord … et puis lui … Le destin est le maître.

MICAELA.

Don José!

JOSÉ.

Laissez-moi, car je suis condamné!

MICAELA.

Une parole encor! … ce sera la dernière.

Ta mère se meurt et ta mère

Ne voudrait pas mourir sans t’avoir pardonné.

JOSÉ.

Ma mère… elle se meurt …

MICAELA.

Oui, don José.

JOSÉ.

Partons …

A Carmen.

Sois contente, je pars, mais nous nous reverrons.

Il entraîne Micaëla. – On entend le torero.

LE TORERO, au loin.

Toreador, en garde,

Et songe en combattant

Qu’un œil noir te regarde

Et que l’amour t’attend.

José s’arrête au fond … dans les rochers … Il hésite, puis après un instant.

JOSÉ.

Partons, Micaëla, partons.

Carmen écoute et se penche sur les rochers. – Les Bohémiens ont pris leurs ballots et se mettent en marche.

Acte quatrième

Une place à Séville. – Au fond du théâtre les murailles de vieilles arènes … L’entrée du cirque est fermée par un long vélum. – C’est le jour d’un combat de taureaux. Grand mouvement sur la place. – Marchands d’eau, d’oranges, d’éventails, etc., etc.

Scène première

Le lieutenant, Andrès, Frasquita, Mercédès, etc., puis Carmen et Escamillo.

CHŒUR.

A deux cuartos,

A deux cuartos,

Des éventails pour s’éventer,

Des oranges pour grignoter,

A deux cuartos,

A deux cuartos,

Señoras et caballeros …

Pendant ce premier chœur sont entrés les deux officiers du deuxième acte, ayant au bras les deux Bohémiennes Mercédès et Frasquita.

PREMIER OFFICIER.

Des oranges, vite.

PLUSIEURS MARCHANDS, se précipitant.

En voici.

Prenez, prenez, mesdemoiselles.

UN MARCHAND, à l’ officier qui paie.

Merci mon officier, merci.

LES AUTRES MARCHANDS.

Celles-ci, señor, sont plus belles …

TOUS LES MARCHANDS.

A deux cuartos,

A deux cuartos,

Señoras et caballeros.

MARCHAND DE PROGRAMME.

Le programme avec les détails.

AUTRES MARCHANDS.

Du vin …

AUTRES MARCHANDS.

De l’eau.

AUTRES MARCHANDS.

Des cigarettes.

DEUXIÈME OFFICIER.

Holà! marchand, des éventails.

UN BOHÉMIEN, se précipitant.

Voulez-vous aussi des lorgnettes?

REPRISE DU CŒUR.

A deux cuartos,

A deux cuartos,

Des éventails pour s’éventer,

Des oranges pour grignoter,

A deux cuartos,

A deux cuartos,

Señoras et caballeros.

LE LIEUTENANT. Qu’avez-vous donc fait de la Carmencita? je ne la vois pas.

FRASQUITA. Nous la verrons tout à l’heure … Escamillo est ici, la Carmencita ne doit pas être loin.

ANDRÈS. Ah! c’est Escamillo, maintenant?

MERCÉDÈS. Elle en est folle …

FRASQUITA. Et son ancien amoureux José, sait-on ce qu’il est devenu? …

LE LIEUTENANT. Il a reparu dans le village où sa mère habitait … l’ordre avait même été donné de l’arrêter, mais quand les soldats sont arrivés, José n’était plus là …

MERCÉDÈS. En sorte qu’il est libre?

LE LIEUTENANT. Oui, pour le moment.

FRASQUITA. Hum! je ne serais pas tranquille à la place de Carmen, je ne serais pas tranquille du tout.

On entend de grands cris au dehors … des fanfares, etc., etc. C’est l’arrivée de la Cuadrilla.

CHŒUR.

Les voici, voici la quadrille,

La quadrille des toreros,

Sur les lances de soleil brille,

En l’air toques et sombreros!

Les voici, voici la quadrille,

La quadrille des toreros.

Défilé de la Cuadrilla. Pendant ce défilé, le chœur chante le morceau suivant.

Entrée des alguazils.

Voici, débouchant sur la place,

Voici d’abord, marchant au pas,

L’alguazil à vilaine face,

A bas! à bas! à bas! à bas!

Entrée des chulos et des banderilleros.

Et puis saluons au passage,

Saluons les hardis chulos,

Bravo! vivat! gloire au courage!

Voyez les banderilleros!

Voyez quel air de crânerie,

Quels regards et de quel éclat

Étincelle la broderie

De leur costume de combat.

Entrée des picadors.

Une autre quadrille s’avance,

Les picadors comme ils sont beaux!

Comme ils vont du fer et de leur lance

Harceler le flanc des taureaux.

Paraît enfin Escamillo, ayant près de lui Carmen radieuse et dans un costume éclatant.

Puis l’espadon, la fine lame,

Celui qui vient terminer tout,

Qui paraît à la fin du drame

Et qui frappe le dernier coup.

Bravo! bravo! Escamillo!

Escamillo, bravo!

ESCAMILLO, à Carmen.

Si tu m’aimes, Carmen, tu pourras tout à l’heure

En me voyant à l’œuvre être fière de moi.

CARMEN.

Je t’aime, Escamillo, je t’aime et que je meure

Si j’ai jamais aimé quelqu’un autant que toi.

LE CHŒUR.

Bravo! bravo! Escamillo!

Escamillo, bravo!

Trompettes au-dehors. Paraissent deux trompettes suivis de quatre alguazils.

PLUSIEURS VOIX, au fond.

L’alcade,

L’alcade,

Le seigneur alcade!

Chœur de la foule se rangeant sur le passage de l’alcade.

Pas de bousculade,

Regardons passer

Et se prélasser

Le seigneur alcade.

LES ALGUAZILS.

Place, place au seigneur alcade!

Petite marche à l’orchestre. Sur cette marche défile très lentement au fond l’alcade précédé et suivi des alguazils. Pendant ce temps Frasquita et Mercédès s’approchent de Carmen.

FRASQUITA.

Carmen, un bon conseil, ne reste pas ici.

CARMEN.

Et pourquoi, s’il te plaît?

FRASQUITA.

Il est là.

CARMEN.

Qui donc?

FRASQUITA.

Lui,

Don José … dans la foule il se cache; regarde.

CARMEN.

Oui, je le vois.

FRASQUITA.

Prends garde.

CARMEN.

Je ne suis pas femme à trembler,

Je reste, je l’attends … et je vais lui parler.

L’alcade est entré dans le cirque. Derrière l’alcade, le cortège de la quadrille reprend sa marche et entre dans le cirque. Le populaire suit … L’orchestre joue le motif: Les voici, voici la quadrille, et la foule en se retirant a dégagé don José … Carmen reste seule au premier plan. Tous deux se regardent pendant que la foule se dissipe et que le motif de la marche va diminuant et se mourant à l’orchestre. Sur les dernières notes, Carmen et don José restent seuls, en présence l’un de l’autre.

Scène II

Carmen, don José.

Duo.

CARMEN.

C’est toi?

JOSÉ.

C’est moi.

CARMEN.

L’on m’avait avertie

Que tu n’étais pas loin, que tu devais venir,

L’on m’avait même dit de craindre pour ma vie,

Mais je suis brave et n’ai pas voulu fuir.

JOSÉ.

Je ne menace pas, j’implore, je supplie;

Notre passé, je l’oublie,

Carmen, nous allons tous deux

Commencer une autre vie,

Loin d’ici, sous d’autres cieux.

CARMEN.

Tu demandes l’impossible.

Carmen jamais n’a menti,

Son âme reste inflexible

Entre elle et toi, c’est fini.

JOSÉ.

Carmen, il en est temps encore,

O ma Carmen, laisse-moi

Te sauver, toi que j’adore,

Et me sauver avec toi.

CARMEN.

Non, je sais bien que c’est l’heure,

Je sais que tu me tueras,

Mais que je vive ou je meure

Je ne céderai pas.

Ensemble.

JOSÉ.

Carmen, il en est temps encore,

O ma Carmen laisse-moi

Te sauver, toi que j’adore,

Et me sauver avec toi.

CARMEN.

Pourquoi t’occuper encore

D’un cœur qui n’est plus à toi?

En vain tu dis: je t’adore,

Tu n’obtiendras rien de moi.

JOSÉ.

Tu ne m’aimes donc plus?

Silence de Carmen et don José répète.

Tu ne m’aimes donc plus?

CARMEN.

Non, je ne t’aime plus.

JOSÉ.

Mais moi, Carmen, je t’aime encore;

Carmen, Carmen, moi je t’adore.

CARMEN.

A quoi bon tout cela? que de mots superflus!

JOSÉ.

Eh bien, s’il le faut, pour te plaire,

Je resterai bandit, tout ce que tu voudras,

Tout, tu m’entends, mais ne me quitte pas,

Souviens-toi du passé, nous nous aimions naguère.

CARMEN.

Jamais Carmen ne cédera.

Libre elle est née et libre elle mourra.

CHŒUR ET FANFARES, dans le cirque.

Viva! la course est belle,

Sur le sable sanglant

Le taureau qu’on harcèle

S’élance en bondissant …

Viva! Bravo! victoire!

Frappé juste en plein cœur,

Le taureau tombe! Gloire

Au torero vainqueur!

Victoire! victoire!

Pendant ce chœur, silence de Carmen et de don José … Tous deux écoutent … En entendant les cris de: Victoire, victoire! Carmen a laissé échapper un:

Ah! d’orgueil et de joie … Don José ne perd pas Carmen de vue … Le chœur terminé, Carmen fait un pas du côté du cirque.

JOSÉ, se plaçant devant elle.

Où vas-tu? …

CARMEN.

Laisse-moi.

JOSÉ.

Cet homme qu’on acclame,

C’est ton nouvel amant.

CARMEN, voulant passer.

Laisse-moi.

JOSÉ.

Sur mon âme,

Carmen, tu ne passeras pas.

Carmen, c’est moi que tu suivras!

CARMEN.

Laisse-moi, don José! … je ne te suivrai pas.

JOSÉ.

Tu vas le retrouver … tu l’aimes donc?

CARMEN.

Je l’aime,

Je l’aime, et devant la mort même,

Je répéterais que je l’aime.

FANFARES ET REPRISE DU CHŒUR, dans le cirque.

Viva! bravo! victoire!

Frappé juste en plein cœur,

Le taureau tombe! Gloire

Au torero vainqueur!

Victoire! Victoire! …

JOSÉ.

Ainsi, le salut de mon âme,

Je l’aurai perdu pour que toi,

Pour que tu t’en ailles, infâme!

Entre ses bras, rire de moi.

Non, par le sang, tu n’iras pas,

Carmen, c’est moi que tu suivras!

CARMEN.

Non! non! jamais!

JOSÉ.

Je suis las de te menacer.

CARMEN.

Eh bien! frappe-moi donc ou laisse-moi passer.

CHŒUR.

Victoire! victoire!

JOSÉ.

Pour la dernière fois, démon,

Veux-tu me suivre?

CARMEN.

Non! non!

Cette bague autrefois tu me l’avais donnée,

Tiens.

Elle la jette à la volée.

JOSÉ, le poignard à la main, s’avançant sur Carmen.

Eh bien, damnée …

Carmen recule … José la poursuit … Pendant ce temps fanfares et chœur dans le cirque.

CHŒUR.

Toreador, en garde,

Et songe en combattant

Qu’un œil noir te regarde

Et que l’amour t’attend.

José a frappé Carmen … Elle tombe morte … Le vélum s’ouvre. La foule sort du cirque.

JOSÉ.

Vous pouvez m’arrêter … c’est moi qui l’ai tuée.

Escamillo paraît sur les marches du cirque … José se jette sur le corps de Carmen.

O ma Carmen! ma Carmen adorée!

Fin

Georges Bizet – Carmen

Georges Bizet

Carmen

Oper in vier Akten

Personen

Carmen

Don José, Sergeant

Escamillo, Stierfechter

Zuniga, Leutnant

Moralès, Sergeant

Micaëla, ein Bauernmädchen

Dancaïro,

Remendado, Schmuggler

Frasquita,

Mercédès, Zigeunermädchen

Soldaten

Strassenjungen

Cigarrenarbeiterinnen

Zigeuner

Zigeunerinnen

Schmuggler

Volk

Ort und Zeit der Handlung: Spanien 1820.

Erster Akt.

Ein Platz in Sevilla.

Nr. 1. Präludium.

Nr. 2. Scene und Chor.

CHOR DER SOLDATEN.

Diese Menge, im Gedränge!

Wie das kommt, geht und bleibt,

Närrisches Volk umher sich treibt.

MORALÈS.

Müssig hier vor der Wache Halle,

Dass die Zeit geht hin,

Raucht man und schwatzt und mustert alle,

Die vorüberziehn.

CHOR.

Diese Menge, im Gedränge usw.

MORALÈS.

Doch seht, da kommt mit bangem Zagen

Ein Mädchen zu uns – irr ich nicht;

Sie blickt umher, scheint zu zögern und zu fragen.

CHOR.

Ihr beizustehn ist unsre Pflicht.

MORALÈS.

Was suchst du, hübsche Kleine?

MICAËLA.

Ich? ich such einen Sergeant.

MORALÈS.

Sieh ihn hier – in mir!

MICAËLA.

Nein, Ihr seid der nicht, den ich meine,

Don José – so wird er genannt.

MORALÈS.

Don José – ist uns wohl bekannt.

MICAËLA.

Gewiss? So find ich ihn hier? Sie verzeihen!

MORALÈS.

Sergeant ist er, ganz recht, doch nicht in unsern Reihen.

MICAËLA.

Nicht hier? Ich dachte ja.

MORALÈS.

Mein holdes Mädchen, er ist nicht da.

Doch warte hier und sei nicht bang,

Er kommt hierher, ‘s dau’rt nicht lang.

Er kommt hierher, wenn wir die Runde machen

Und werden abgelöst durch neue Wachen.

CHOR.

Er kommt hierher usw.

MORALÈS.

Willst du auf dem Platz da bleiben,

Liebes Kind, so zart und fein,

Langeweile zu vertreiben,

Komm unterdes zu uns herein.

MICAËLA.

Zu euch?

CHOR.

Zu uns!

MICAËLA.

Nein, nein, nein, nein,

Ihr Herrn Soldaten, das kann nicht sein.

MORALÈS.

Komm herein nur ohne Bangen,

Ich verspreche dir bestimmt,

Freundlich wirst du hier empfangen,

In allen Ehren, wie sich’s geziemt.

MICAËLA.

Ich weiss wohl zu schätzen diese Ehr,

Doch meine ich, ‘s wird besser sein, ich komm hierher

Wieder zurück, wenn Sie die Runde machen

Und werden abgelöst durch neue Wachen.

MORALÈS UND CHOR.

Bleibe doch hier, bis wir die Runde machen

Und werden abgelöst durch neue Wachen.

Bleibe doch da!

MICAËLA.

Nein, nein, nein –

Das kann nicht sein.

MORALÈS UND CHOR.

Bleibe doch da!

MICAËLA.

Auf Wiedersehn, ihr Herrn Soldaten –

Das kann nicht sein –

MORALÈS.

Seht hin sie eilen;

Wir müssen weilen.

Freunde, kommt, lasst uns wieder sehn

Nach Leuten, die vorübergehn.

CHOR.

Diese Menge, im Gedränge usw.

Nr. 3. Chor der Strassenjungen.

Schnell herbeigestürmt wie’s Wetter,

‘s kommen die Soldaten ja,

Hört der Trompete Geschmetter:

Trateratatata!

Wenn die Wachen aufmarschieren,

Gehn wir wie Soldaten mit,

Lasst voran uns defilieren:

Eins! Zwei! im gleichen Schritt.

Brust heraus, den Kopf nach oben,

Und die Arme ziehet an;

Rasch! nun die Füsse gehoben,

So marschier’n wir Mann für Mann!

Wir sind da! Tratateratatata!

Nr. 3 a. Rezitativ.

MORALÈS. Ein junges Mädchen, voll Liebreiz in ihrem ganzen Wesen, fragte uns nach dir. Blaues Kleidchen und blonde Zöpfe.

JOSÉ. Das war sie, Micaëla!

ZUNIGA. Ist nicht dort die Fabrik unsrer köstlichen Cigaretten, die beschäftigt so viele Mädchen?

JOSÉ. So ist’s, mein Offizier! Doch glaubet mir, nirgends findet Ihr mehr so flatterhafte Mädchen.

ZUNIGA. Mag’s drum sein, wenn sie nur schön sind.

JOSÉ. Ach, davon weiss ich wahrlich nichts, denn wenig kümmert mich wohl diese Gattung Mädchen.

ZUNIGA. Was dich bekümmert, Freund, ich weiss es wohl! ‘s ist ein junges, reizendes Mädchen, Micaëla, so nennt sie sich. Blaues Kleidchen und blonde Zöpfe. Nun, Freundchen, gesteh, hab ich recht?

JOSÉ. Ich gestehe, ‘s ist wahr, dass ich sie liebe. Doch wie gerufen kommen von dort die Mädchen der Fabrik. Sehet selbst und urteilt, ob sie Euch gefallen.

Nr. 4. Chor.

JUNGE LEUTE.

Eilen wir herbei mit der Glocke Tönen,

Auf die Mädchen hier warten wir am Ort –

Gehn wir ihnen nach, diesen braunen Schönen,

Flüstern ihnen zu manches süsse Wort!

CHOR DER SOLDATEN.

Seht sie da! wie keck ohne Scheu, diese Koketten,

Kommen lachend, rauchen dabei ihre Cigaretten.

CHOR DER CIGARRENARBEITERINNEN.

Seht, wie Raucheswolken ziehn

In die Lüfte

Kräuselnd dahin

Und verbreiten holde Düfte.

Sanft betäubet, schlürft den Rauch

Mit den Lippen,

Und wie im Hauch

Lasst uns süsse Wonne nippen.

Ist so ein Mann Liebe zu schwören bereit,

Das ist Hauch –

Sagt er, dass uns ist sein Leben geweiht,

Leicht wie Rauch –

Ein treues Herz in der Brust

Ist nur Hauch –

O süsser Schmerz, Liebeslust,

Das ist ein Hauch,

So leicht wie Rauch!

Seht, wie Raucheswolken ziehn

Dahin durch die Lüfte;

Ach! Sie verbreiten die lieblichen Düfte

Und ziehn sanft sich kräuselnd dahin. –

Duftger Rauch

Leicht wie Hauch!

CHOR DER SOLDATEN.

Doch wir sehen nicht Carmen in ihrer Mitte.

ALLGEMEINER CHOR.

Ah! sie kommt! Carmen naht mit flüchtigem Schritte.

CHOR DER JUNGEN LEUTE.

Carmen! sieh, wir folgen am Fusse dir.

Carmen, ach, sei artig, gib Antwort hier

Und nenn uns den Tag, wo dein Sinn endlich bricht,

Und wo dein sprödes Herz uns von Liebe spricht.

CARMEN.

Wann ich Liebe euch schenk? fürwahr, das weiss ich nicht,

Wohl niemals vielleicht – ‘s kann morgen schon sein –

Eins weiss ich gewiss: Heute? – Nein!

Nr. 5. Habanera.

CARMEN.

Ja, die Liebe hat bunte Flügel,

Solch einen Vogel zähmt man schwer;

Haltet fest sie mit Band und Zügel,

Wenn sie nicht will, kommt sie nicht her.

Ob ihr bittet, ob ihr befehlet,

Und ob ihr sprecht und ob ihr schweigt,

Nach Laune sie den erwählet,

Und heftig liebt, der stumm sich zeigt.

CHOR.

Ja, die Liebe hat bunte Flügel usw.

CARMEN.

Die Liebe von Zigeunern stammet,

Frägt nach Rechten nicht, Gesetz und Macht;

Liebst du mich nicht, bin ich entflammet,

Und wenn ich lieb, nimm dich in acht.

CHOR.

Die Liebe von Zigeunern stammet usw.

CARMEN.

Glaubst den Vogel du schon gefangen,

Ein Flügelschlag – ein Augenblick,

Er ist fort, und du harrst mit Bangen;

Eh du’s versiehst – ist er zurück.

Weit im Kreise siehst du ihn ziehen,

Bald ist er fern, bald ist er nah.

Halt ihn fest, und er wird entfliehen,

Weichst du ihm aus – flugs ist er da.

CHOR.

Glaubst den Vogel du schon gefangen usw.

Nr. 6. Scene.

CHOR DER JUNGEN LEUTE.

Carmen, sieh, wir alle folgen dir.

Carmen, ach, sei artig, gib Antwort hier,

Wann dein Sinn endlich bricht

Und dein Herz von Liebe uns spricht?

CHOR DER CIGARRENARBEITERINNEN.

Die Liebe von Zigeunern stammet usw.

Nr. 6a. Rezitativ.

JOSÉ. Ha, das heiss ich doch Unverschämtheit! Wie mit dem Sträusschen so geschickt sie mich traf, wie mit einer Kugel! Dieser Duft ist berauschend, und die Blume, wie schön! – Und das Mädchen – sollt wirklich Hexen es geben, ist sie eine, ganz gewiss.

MICAËLA. José!

JOSÉ. Micaëla!

MICAËLA. Ich bin da!

JOSÉ. Welche Freude!

MICAËLA. Mich hat die Mutter hergesendet!

Nr. 7. Duett.

JOSÉ. Wie? du kommst von der Mutter? Ach, die Teure, die Gute –

MICAËLA. Als Botin komm ich her und bring mit frohem Mute dieses Schreiben.

JOSÉ. Wie – ein Schreiben?

MICAËLA.

Und noch dies Stückchen Gold,

Um aufzubessern deinen knappen Sold.

Und noch –

JOSÉ.

Was noch?

MICAËLA.

Und noch, – wie soll ich’s sagen, –

Und noch hat mir die Mutter etwas aufgetragen,

Von hohem Wert für einen guten Sohn,

Wohl mehr als Gold und reicher Lohn.

JOSÉ.

So sprich, mein Mädchen, was sie gegeben?

Sag es mir!

MICAËLA.

Nun, wohlan, es sei!

Was sie von Herzen gab, ich überbring es treu!

Sonntag war’s, aus der Kirche gingen wir soeben,

Sie sprach zu mir mit sanftem Ton:

»Nun mach dich auf den Weg, nach der Stadt hinzureisen,

Gott sei mit dir, mein Kind, er wird den Pfad dir weisen.

Er führet sicher dich zu José, meinem Sohn,

Sag dem teuren Kind meiner Schmerzen,

Mutterliebe währt ew’ge Zeit,

Dass sie sein Bildnis trägt im Herzen,

Was er getan, sie gern verzeiht.

Lebe wohl!« sprach mit feuchtem Blicke

Sie zu mir, »und den heissen Kuss,

Den ich auf deine Lippen drücke,

Bring ihn dar als der Mutter Gruss.«

JOSÉ.

Einen Kuss meiner Mutter?

MICAËLA.

Für den Sohn gab sie mir;

Und wie ich ihn empfing, geb ich ihn treulich dir!

JOSÉ.

Ich seh die Mutter dort, sie ruft zurück mir im Bilde

Das stille Tal und das Haus, wo meine Wiege einst stand,

Ach, gerne denk deiner ich, mein teures Heimatland.

Es schlägt mein Herz so stark, und doch wird mir so milde.

Ich seh die Mutter dort, wo meine Wiege stand,

Ruft sie zurück im Bilde. –

MICAËLA.

Er sieht die Mutter dort, sie ruft zurück ihm im Bilde

Das stille Tal und das Haus, sein teures Heimatland.

Wie schlägt sein Herz so stark, und doch wird ihm so milde,

Er sieht die Mutter dort, wo seine Wiege stand,

Ruft sie zurück im Bilde.

JOSÉ.

Wer weiss es, welcher Dämon sich gegen mich wendet?

Selbst in der Ferne schützt mich der Mutter Wort –

Und dieser Kuss, den sie gesendet,

Entreisst mich der Gefahr, er sei mein Schirm und Hort.

MICAËLA.

Die Gefahr dich bedroht? welch Dämon kann das sein?

O vertrau es mir an.

JOSÉ.

Nichts! nein!

Lasse das Fragen, sei ohne Sorgen,

Und sag mir, wann heimwärts du ziehst.

MICAËLA.

Ich? diesen Abend, und bin bei der Mutter schon morgen.

JOSÉ.

Bei meiner Mutter? o sag, wenn du sie siehst;

Dass ich sie lieb aus vollem Herzen,

Mein Dasein nur ihr ist geweiht.

Mög es lindern der Trennung Schmerzen,

Dass sie liebt und verzeiht,

Dass ich treu dir ins Auge blicke,

Sag es ihr, und den heissen Kuss,

Den ich auf deine Lippen drücke,

Bring ihr den, als des Sohnes Gruss.

MICAËLA.

Ich schwör’s, den heissen Kuss, den gegeben du mir,

José, wie ich’s versprach, ich bring’ ihn treulich ihr.

JOSÉ, MICAËLA.

Ich seh die Mutter dort, usw.

Er sieht die Mutter dort, usw,

Nr. 7a. Rezitativ.

JOSÉ. Bleibe da, während hier den lieben Brief ich lese.

MICAËLA. Nicht doch, ich gehe jetzt und später kehr ich zurück.

JOSÉ. Warum willst du fort?

MICAËLA. Weil ich denke, dass besser es ist, wenn ich gehe; noch manches hab ich zu besorgen.

JOSÉ. Du kehrst zurück?

MICAËLA. Bald bin ich hier.

JOSÉ. Fürchte nichts, o Mutter! Dein Sohn wird deine Wünsche mit Freuden stets erfüllen. Lieb ich doch Micaëla, sie soll mein Weibchen sein, trotz deiner Blumen, du braune Hexe.

Nr. 8. Chor.

ZUNIGA.

Was ist dort geschehen?

CHOR DER CIGARRENARBEITERINNEN.

1. GRUPPE.

Kommt zu Hilf! hört ihr das Geschrei?

2. GRUPPE.

Kommt zu Hilf! Eilet schnell herbei!

1. GRUPPE.

Carmen begann den Streit,

2. GRUPPE.

Nein, nein, sie ist nicht schuldig! ‘s ist nicht wahr.

1. GRUPPE.

Sie war es, sie ist so ungeduldig,

Sie hat den ersten Streich getan.

2. GRUPPE.

Nein, höret sie nicht an.

O hört uns an

Carmen hat’s nicht getan,

Herr Soldat, hört uns an.

1. GRUPPE.

Nein, hört sie nicht an,

O hört uns an.

Nein, nein, sie hat’s getan!

Herr Soldat, hört uns an!

2. GRUPPE.

Mercédès beim Wickeln sprach:

Mir ist zuwider das Laufen,

Möchte einen Esel kaufen,

Reiten bis hierher gemach.

1. GRUPPE.

Carmen, wie es schon ihr Brauch,

Hob an mit spöttischen Mienen:

Wozu soll ein Esel dienen?

‘s ging mit einem Besen auch.

2. GRUPPE.

Mercédès nichts schuldig blieb,

Ihr Mundwerk geht wie am Schnürchen:

Wünsche ich mir so ein Tierchen,

Geschieht’s ja nur dir zulieb!

1. GRUPPE.

Auf dem Esel kannst verkehrt

In Parade du sitzen,

Aus der Stadt mit Nesselspitzen

Peitscht man dich, wie sich’s gehört.

ALLE.

Kaum heraus dieses Wort war,

Lagen sie sich in dem Haar,

Eh man’s versah, zu spät es war,

Lagen sie sich in dem Haar.

ZUNIGA.

Zum Teufel! mit dem Schrein und Plaudern!

Hinein, José! und nehmt mit Euch zwei Mann,

Sehet nach, was es gibt und schafft Ruh ohne Zaudern.

CHOR.

1. GRUPPE.

Carmen begann den Streit.

2. GRUPPE.

Nein, nein! sie ist nicht schuldig!

1. GRUPPE.

Sie ist so ungeduldig!

2. GRUPPE.

‘s ist nicht wahr!

1. GRUPPE.

Sie hat den ersten Streich getan.

ZUNIGA.

Heda! fort mit dem Weibsvolk und schafft freie Bahn.

CHOR.

Mein Herr! nein, höret sie nicht an,

Sie war’s, die es getan!

O hört uns an,

Die hat’s getan.

2. GRUPPE.

Carmen hat’s nicht getan,

Herr Soldat, hört uns an,

1. GRUPPE.

Nein, nein, sie hat’s getan

Herr Soldat hört uns an.

Carmen den Streit fing an,

Sie führt den blutigen Streich!

2. GRUPPE.

Mercédès hat’s getan!

Sie ging entgegen ihr gleich.

1. GRUPPE.

Carmen hat’s getan

2. GRUPPE.

Mercédès fing an.

1. GRUPPE.

Ja, ja, ja!

2. GRUPPE.

Nein, nein, nein!

ALLE.

Sie hat zuerst den Streich getan.

1. GRUPPE.

Carmen zuerst fing an

Sie war’s, sie hat’s getan.

2. GRUPPE.

Mércède’ hat’s getan

Sie war’s, sie hat’s getan.

Nr. 9. Lied und Rezitativ.

CHOR. Mein Offizier, ein Streit entspann sich droben, wohl zuerst nur in Worten, dann kam’s zu Messerstichen, ‘s ward ein Mädchen verwundet.

ZUNIGA. Und durch wen?

JOSÉ. Hier durch diese!

ZUNIGA. Du hast’s gehört, was hast du zu erwidern?

CARMEN.

Tralalalala!

Brenne, schneide und foltre, dass reden ich soll,

Tralalalala!

Doch, ich trotze dem Himmel, dem Eisen, dem Feuer.

ZUNIGA. Keine Lieder will hören ich, gib Antwort auf meine Frage sogleich.

CARMEN.

Tralalalala!

Das Geheimnis ist mein, und ich hüte es wohl.

Tralalalala!

Ja, ich lieb ihn, im Tode noch ist er mir teuer.

Rezitativ.

ZUNIGA.

Willst lassen das Singen du nicht,

Nun, so magst im Gefängnis du singen nach Lust.

CHOR.

Ins Gefängnis mit ihr.

ZUNIGA. Beim Teufel! leicht, wie es scheint, führt dein Händchen das Messer!

CARMEN.

Tralalalala.

ZUNIGA.

‘s ist doch schade um diese Kleine, reizend das Schmollen ihr lässt.

Doch gilt es hier, Ernst ihr zu zeigen.

Bindet ihr die Hände fest!

CARMEN.

Wo führst du mich hin?

JOSÉ.

Nach dem Befehl folgst du mir ins Gefängnis!

CARMEN.

Und kannst du mich nicht befreien?

JOSÉ.

Leider nein, folgen muss ich dem Befehl.

CARMEN. Doch ich weiss, dass für mich den Befehlen des Chefs du trotzest, alles tust, was ich von dir will, und warum? Weil du mich liebest!

JOSÉ. Ich dich lieben?

CARMEN. Ja, mein Freund! Die Blume, die ich dir geworfen, du weisst, die Blume der Hexe, die du in der Brust noch verbirgst, sie übt den Zauber.

JOSÉ.

Sprich nicht mehr zu mir, schweige still!

Nicht hör ich länger dich an!

Nr. 10. Seguidilla und Duett.

CARMEN.

Draussen am Wall von Sevilla

Wohnet mein Freund Lillas Pastia,

Dort tanze ich die Seguidilla

Und trink Manzanilla!

Dort, bei meinem Freunde Lillas Pastia.

Ach, besser ist es doch zu zweien,

Langweilig ist’s, allein zu sein.

So soll mir, seinen Arm zu leihen,

Der Liebste mein Begleiter sein.

Der Liebste mein? wenn ich ihn hätte!

Ich jagt ihn gestern erst davon.

Mein armes Herz ist ohne Zweifel,

Frei, wie der Vogel in der Luft.

Ich zähl die Liebsten dutzendweise,

Keiner gefällt mir sicherlich.

So schliesst die Woche im Geleise,

Und wer mich mag, den liebe ich.

Wer kommt mir denn liebend entgegen,

Wer findet wohl das rechte Wort?

‘s ist nicht Zeit, das zu überlegen,

Mit dem Liebsten muss schnell ich fort.

JOSÉ.

Jetzt schweig – ich hab das Sprechen dir verboten überhaupt.

CARMEN.

Ich sprach ja nicht mit dir, ich sing für mich nur eben,

Dabei denk ich – das Denken, mein ich, ist wohl erlaubt,

Ich denk an den Mann, lieb und wert,

An den Offizier, den ich lieb, mehr als mein Leben

Und dem mein Herz für ew’ge Zeit gehört.

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Mein Offizier ist, ich kann’s nicht verhehlen,

Nicht Kapitän, auch nicht Leutnant, er ist nur Sergeant,

Doch, was hat ein Zigeunerkind auszuwählen?

Bin zufrieden mit seinem Stand.

JOSÉ.

Carmen, ach, mir schwinden die Sinne,

Kaum mehr weiss ich, was ich beginne,

Dein Versprechen, es bindet dich,

Wenn ich dich liebe, ach, dann liebst du auch mich?

CARMEN.

Ja.

JOSÉ.

Bei Lillas Pastia!

CARMEN.

Wir tanzen dort die Seguidilla.

JOSÉ.

Wir tanzen dort.

CARMEN.

Trinken vereint Manzanilla.

JOSÉ.

Carmen! Du hältst dein Wort?

CARMEN.

Ach! draussen am Wall usw.

Nr. 11. Finale.

ZUNIGA.

Hier der Befehl! Nun geht und haltet gute Wache.

CARMEN.

Unterwegs geb ich dir einen Stoss

Mit der ganzen Kraft, und der lässet mich los;

Strauchle dann, falle hin, das andre ist meine Sache.

Von José abgeführt, lacht sie Zuniga ins Gesicht.

Die Liebe von Zigeunern stammet,

Fragt nach Rechten nicht, Gesetz und Macht;

Liebst du mich nicht, bin ich entflammet,

Und wenn ich lieb, nimm dich in acht!

Vorhang.

Zweiter Aufzug.

Zigeunerschenke.

Nr. 12. Zigeunerlied.

CARMEN.

Was ist des Zigeuners höchste Lust?

Wenn heimatliche Töne klingen,

Erinnerung mit leisen Schwingen

Ein süss Gefühl weckt in der Brust.

Hört ihr der Tamburinen Klang,

Das Rauschen der Gitarre-Saiten?

Wie lustig sie den Tanz begleiten;

Dazu ertönt Zigeunersang.

Tralalala!

Wie leuchten auf der Haut so braun

Die Ringe und das Goldgeschmeide;

Wie herrlich ist im bunten Kleide

Das Zigeunermädchen anzuschaun.

Der Tanz wird vom Gesang belebt,

Erst schüchtern, unentschlossen, leise,

Dann immer mehr im Wirbelkreise

Das Blut sich brausend in den Adern hebt.

Tralalala!

Zigeuner hält mit starkem Arm

Den Leib der Tänzerin umfangen.

Wie glühen Augen ihr und Wangen,

Ihm wird ums Herz so wohl und warm.

Wie hebet freudig sich der Sinn,

Dem Klang der Instrumente lauschend,

Im Gedränge sich wild berauschend,

Der Zigeuner fliegt im Tanz dahin.

Tralalala!

CARMEN, FRASQUITA, MERCÉDÈS.

Tralala, tralala!

Nr. 12a. Rezitativ.

FRASQUITA. Ihr Herren, Pastia sagt –

ZUNIGA. Was will er denn von uns, der gute Pastia?

FRASQUITA. Er sagt, der Herr Corregidor will, dass man schliesse die Schenke.

ZUNIGA. Nun denn, so gehen wir. Ihr aber kommt doch mit?

FRASQUITA. Nicht doch, wir bleiben hier.

ZUNIGA.

Und du, Carmen, du folgst mir doch?

Du, Schelmin, gesteh es nur ein, dass du mir zürnst.

CARMEN. Ich zürnen Euch? Warum?

ZUNIGA. Der Soldat, den für dich man damals eingesperrt –

CARMEN. Ach, was ist aus dem Armen geworden?

ZUNIGA. Heut verliess er die Haft.

CARMEN. Er ist frei! O wie schön!

CARMEN, FRASQUITA, MERCÉDÈS. Gut Nacht, ihr lieben süssen Herrn!

Nr. 13. Chor.

Ein Hoch dem Torero!

Es leb Escamillo!

Ja, bringt ihm ein Hoch.

ZUNIGA. Seht mit Fackeln man begleitet hier den Sieger des Zirkus von Granada! Schnell, Herr Wirt, bringt uns Wein! Er soll hier mit uns trinken auf seinen letzten Sieg, und auf die Zukunft auch! Ein Hoch dem Torero.

ALLE.

Ein Hoch dem Torero!

Es leb Escamillo!

Ja, bringt ihm ein Hoch.

Nr. 14. Lied.

ESCAMILLO.

Euren Toast kann ich wohl erwidern.

Mit euch, ihr Herren, sind wir ja nah verwandt,

Und der Torero reicht seinen Brüdern,

Eilt er wie sie zum Kampf, die fröhliche Hand.

Saht ihr wohl schon am heiligen Feste

Den weiten Zirkus von Menschen voll?

Bis hoch hinauf sitzen die Gäste,

Lärmen und schrein, ein Getöse ist es wie toll,

Mancher zittert, und mancher schweiget,

Mancher blickt hinab mit wilder Wut,

‘s ist der Tag, wo sich der Tapfre zeiget

Und erprobt den wahren Mut.

Drum rasch voran, mit Mut voran! Ach! –

Auf in den Kampf, Torero!

Stolz in der Brust,

Siegesbewusst.

Wenn auch Gefahren dräun,

Sei wohl bedacht,

Dass ein Aug dich bewacht

Und süsse Liebe lacht.

CHOR.

Auf in den Kampf usw.

ESCAMILLO.

Plötzlich wie im Zauberkreise

Ein bang Entsetzen sich in den Zügen malt,

‘s herrscht Totenstille rings in dem Kreise,

Durch den Zwinger bricht heraus der Stier mit Allgewalt.

Er stürzt vor, treibt in die Enge

Ein stolzes Ross – es fällt – begräbt den Picador.

»Ah, bravo Toro!« heulet die Menge.

Wütend rennt der Stier im Kreise umher, Kopf hoch empor.

Die wucht’gen Hörner wild er senket,

Es fliesset rings das Blut – er brüllet fürchterlich.

Alles flieht – an den Pforten rüttelt –

Da tret auf den Kampfplatz ich

Mit Mut voran! Ach!

Auf in den Kampf usw.

CHOR.

Auf in den Kampf usw.

Nr. 14a. Rezitativ.

ESCAMILLO. Du Schöne, o sprich, sag deinen Namen mir, bei meinem nächsten Siege will laut ich ihn nennen.

CARMEN. Carmen, Carmencita, mein Herr, Euch zu dienen.

ESCAMILLO. Sag, wenn ich dich liebte, hätt ich Hoffnung?

CARMEN. Jenun, beim Warten ist nichts zu verlieren.

ESCAMILLO. Die Antwort ist wohl nicht sehr zärtlich, doch ich lasse die Hoffnung nicht schwinden und warte.

CARMEN. Ich kann’s Euch nicht verbieten, auch ist Hoffnung so süss.

ZUNIGA. Da du mir nicht folgst, holdes Kind, so komm ich wieder.

CARMEN. Wagt das nicht, rat ich Euch!

ZUNIGA. Bah! Ich wag es doch!

FRASQUITA. Kommt herein, sagt, was gibt’s Neues!

DANCAÏRO. ‘s ist nicht so schlecht, was ich berichte. Heut Nacht sollen wir Waren schaffen zur Stadt, jedoch dazu brauchen wir euch.

FRASQUITA, MERCÉDÈS, CARMEN. Ihr brauchet uns?

DANCAÏRO. Ihr müsst die Zöllner halten uns fern.

Nr. 15. Quintett.

DANCAÏRO.

Ich hab ein Geschäft vorzuschlagen.

FRASQUITA UND MERCÉDÈS.

Ist’s auch was Gutes? saget mir.

DANCAÏRO.

Wunderbar und wird uns was tragen;

Jedoch dabei sein müsset ihr.

FRASQUITA, MERCÉDÈS, CARMEN.

Wie wir? im Ernst? dabei sein müssen wir?

DANCAÏRO, REMENDADO.

Ja, ihr, im Ernst, dabei sein müsset ihr.

Denn wir gestehen es in Demut ein,

Wir sind dafür viel zu schwach, allein.

Wo es sich dreht um Schurkerei,

Spitzbüberei und Prellerei,

Hat man gewonnen sicher viel.

Ist so ein Weib mit in dem Spiel.

Wo das fehlt,

Der Mann sich nur quält,

Und bringt nichts von der Hand

Zu Stand.

FRASQUITA, MERCÉDÈS, CARMEN.

Wo das fehlt, usw.

DANCAÏRO, REMENDADO.

Gesteht es ein,

Es muss so sein.

FRASQUITA, MERCÉDÈS, CARMEN.

Wir sehen es ein,

Es mag so sein!

ALLE.

Wo es sich dreht um Schurkerei usw.

DANCAÏRO.

Nun abgemacht, ihr seid dabei?

FRASQUITA, MERCÉDÈS.

Nun denn, es sei!

DANCAÏRO.

Doch allsogleich!

CARMEN.

Ach! nur ein Wort!

Wenn ihr beide so wollt, geht fort.

Ich wünsch euch viel Glück auf die Reise;

Doch ich bleib da, geht ohne mich!

DANCAÏRO, REMENDADO.

Ach, das ist seltsam, sicherlich.

Hast du bedacht? auf diese Weise,

Carmen, du lässest uns im Stich.

DANCAÏRO.

Doch den Grund sage uns, Carmen, so sprich!

FRASQUITA, MERCÉDÈS, DANCAÏRO, REMENDADO.

Sag den Grund!

CARMEN.

Ich will es ehrlich eingestehn.

DIE VIER ANDEREN.

So sprich! was ist’s?

CARMEN.

Warum ich nicht mit euch will gehn?

DIE VIER ANDEREN.

Nun denn?

CARMEN.

Weil ich innig liebe!

DIE VIER ANDEREN.

Ach, das ist gut, sie spricht von Liebe!

Wie, du liebst?

CARMEN.

Ja, ich liebe!

DANCAÏRO.

Ach, geh! Carmen, wer da ernsthaft bliebe!

CARMEN.

Bin verliebt mit rasender Glut.

DANCAÏRO, REMENDADO.

Ei! wunderbar, ich muss gestehen,

‘s ist drollig, wenn so Carmen spricht;

Und ist ja öfters schon geschehen,

Dass du vergessen Liebe, wie Pflicht!

CARMEN.

Ihr Freunde! ehrlich will ich’s sagen,

Ich geh mit euch heut abend nicht.

Ihr müsst darob euch nicht beklagen,

Doch der Lieb selge Lust gilt mir mehr als die Pflicht.

DANCAÏRO.

Das ist doch nicht dein letztes Wort?

CARMEN.

Ei, ganz gewiss.

REMENDADO.

Nur fort!

Auf deine Freunde nimm Bedacht.

DIE VIER ANDEREN.

O komm mit uns, Carmen, in dieser Nacht

Auf dich wir zählen,

Du darfst nicht fehlen,

Wir sagen’s frei.

CARMEN.

Ich weiss es wohl und stimm euch völlig bei.

ALLE.

Wo es sich dreht um Schurkerei,

Spitzbüberei und Prellerei usw.

Auf Ehre, wahrhaftig, es ist gewiss,

Dass man gewinnet viel,

Ist so ein Weib im Spiel,

Denn auf die Frauen

Kann man bauen.

Nr. 15 a. Rezitativ.

DANCAÏRO. Sag, wen erwartest du?

CARMEN. Den Soldat, von dem ich euch erzählt, der sich, um mich zu retten, selber einsperren liess.

REMENDADO. Fürwahr, der Spass war gut!

DANCAÏRO. Wer weiss, ob der sich’s nicht überlegt, her zu kommen. Bist du auch sicher, dass er kommt?

Nr. 16. Lied.

JOSÉ.

He, holla!

Halt! Wer da?

Mann von Alcala!

CARMEN.

Hört ihr ihn? – Er ist da!

JOSÉ.

Wo willst hinaus du da,

Mann von Alcala?

Meinem Feind entgegen,

Mit dem blanken Degen

In den Staub ihn legen.

Ist’s so in der Tat,

Dann passiert, Soldat!

Wo’s die Ehre gilt,

Wo ein holdes Frauenbild,

Sind wir alle da,

Wir von Alcala!

FRASQUITA.

Es ist ein Dragoner.

MERCÉDÈS.

Und wie hübsch er ist!

DANCAÏRO.

Ha, das wär für uns ein wackrer Kamerad.

REMENDADO.

Such ihn zu gewinnen.

CARMEN.

Niemals folgt er uns.

DANCAÏRO.

Den Versuch mache doch!

CARMEN.

Sei’s! ich will’s versuchen.

JOSÉ.

He, holla!

Halt! wer da?

Mann von Alcala!

Wo willst hinaus du da,

Mann von Alcala?

Treu in Tod und Leben

Zu dem Liebchen eben,

Dem ich mich ergeben.

Ist’s so in der Tat,

Dann passiert, Soldat!

Wo’s die Ehre gilt,

Wo ein holdes Frauenbild,

Sind wir alle da,

Wir von Alcala!

Nr. 16a. Rezitativ.

CARMEN. Bist du endlich da?

JOSÉ. Carmen!

CARMEN. Du kommst aus deiner Haft?

JOSÉ. Zwei Monate sass ich fest.

CARMEN. Du beklagst dich?

JOSÉ. Keineswegs! Zu leiden galt’s für dich! Viel mehr noch würd ich dulden!

CARMEN. So liebst du mich?

JOSÉ. Ob ich dich liebe?

CARMEN. Hier waren heut Offiziere als Gäste, es wurde auch getanzt

JOSÉ. Du hast getanzt?

CARMEN. Ich will wetten, dich quälet Eifersucht.

JOSÉ. Gewiss! Liebt ich dich sonst?

CARMEN. Nur sacht, mein Freund, nur sacht!

Nr. 17. Duett.

CARMEN.

Tanzen will ich zu Eurer Ehr,

Und Ihr sollt sehn, mein Herr,

Mich selber zu begleiten im stande bin ich.

Setzet Euch, Don José!

Nun beginn ich!

Carmen tanzt und schlägt die Castagnetten.

JOSÉ. O halte ein, Carmen! einen Moment, mein Leben!

CARMEN. Und warum? sprich, was gibt’s?

JOSÉ. Hörst du nicht? Das ist – ja, es sind die Trompeten, die das Zeichen geben, zur Heimkehr naht die Frist.

CARMEN.

Bravo! Bravo! will’s nicht behagen

Dem Herrn zu tanzen

Nach der Castagnetten Schlägen,

So schickt zum Glück

Der Himmel selbst die Musik.

JOSÉ. Nein, du verstehst mich nicht, Carmen, es ist das Zeichen, – ich muss nun fort, nach Haus, ins Quartier, zum Appell.

CARMEN.

Ins Quartier? Zum Appell?

Ha! wie töricht ohnegleichen

War doch mein gutes Herz,

Mit Lachen und mit Scherz,

In voller Lust bereit,

Zu kürzen ihm die Zeit.

Bald mit Tanz, bald mit Sang,

Und sag ich’s ohne Zwang,

Selbst mein Herz ward schwach!

Traterata! da beim Trompetenklang!

Traterata! springt er schnell in die Höh

Und will fort. – Nun, so geh!

Da nimm deinen Helm, den Säbel, das Gehänge –

Nun, mein Junge, so geh! zur Kaserne dich dränge!

JOSÉ.

O spotte nicht, Carmen! Wie unrecht tust du mir.

Mir bricht das Herz entzwei, soll ich von dannen ziehen.

Noch hat kein Weib vor dir, bei meinem Eid!

Erfüllt die Seele mir mit solchem heissen Glühen.

CARMEN.

Traterata! da ruft es zum Appelle!

Traterata! Ich komme noch zu spät!

O mein Gott! ‘s geht zum Appelle,

Ach, mein Kopf ist verdreht,

Hinweg! nur schnelle!

Ist das deine Liebe zu mir?

JOSÉ.

Du zweifelst noch an meiner Lieb zu dir?

CARMEN.

Lass mich!

JOSÉ.

Wohlan! so hör mich an!

CARMEN.

Nein, nein, ich will nichts hören,

Dein Beteuern und Schwören

Soll mich nimmer betören.

Nein, nein, nein!

JOSÉ.

Ja, ich will es so, höre mich an!

Er zieht aus der Brusttasche den Cassienstrauss hervor.

Hier an dem Herzen treu geborgen,

Die Blume, sieh, von jenem Morgen;

Entblättert, welk in Kerkerluft,

Behielt sie noch den süssen Duft.

Ach, wie bange sind die düstern Stunden

Dem geschlossnen Aug hingeschwunden!

Vom Duft berauschet, lag ich da –

In dunkler Nacht dein Bild ich sah.

Ich fluchte dir in wildem Grimme,

Und grollend sprach hier eine Stimme:

Warum doch fügt es das Geschick,

Dass du erschienst vor meinem Blick?

Dann die bittre Lästerung beklagend,

Dann bald hoffnungsvoll, dann verzagend,

Durchbebt mein Herz der stille Schmerz,

Ich bat zu Gott mit heissem Flehn:

Ach, teures Mädchen, dich wiederzusehn.

Da standest du vor meinen Blicken.

Klar fühlte ich, es war um mich getan,

Du meine Wonne, mein Entzücken!

Dein ist mein Herz, und ewig dir gehör ich an!

Carmen, ich liebe dich!

CARMEN.

Nein, du liebst mich nicht!

JOSÉ.

Ha, was sagst du?

CARMEN.

Nein, du liebst mich nicht, nein!

Denn, von Lieb gerührt,

Hätt’st längst du mich hinweg geführt.

Dort in der Felsen wilde Klüfte

Würdest du fliehen jetzt mit mir;

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Auf einem Pferde flögst du schier

Hin, wie ein Sturmwind brausend durch die Lüfte,

Auf dem Sattel die Braut vor dir,

Dort gibt es in der Berge Ferne,

Heimlichen Aufenthalt für dich,

Du folgtest gerne,

Liebtest du mich!

JOSÉ.

Carmen!

CARMEN.

Es hausen dort nur deinesgleichen.

Kein Offizier, dem blindlings gehorchen du musst.

Dort tönt zum Appelle kein Zeichen.

Das den Geliebten reisst von der liebenden Brust,

Offen die Welt, nicht Sorgen drücken,

Unbegrenzt dein Vaterland,

Nur dein Wille gilt als höchste Macht,

Und voran, das seligste Entzücken

Die Freiheit lacht.

JOSÉ.

O Gott! Carmen!

CARMEN.

Dort in der Felsen wilde Klüfte

Würdest du fliehen jetzt mit mir!

JOSÉ.

Ha, schweige!

CARMEN.

Komm, lass uns eilen fort von hier,

Auf einem Pferde flögst du schier

Hin, wie ein Sturmwind durch die Lüfte,

Auf dem Sattel die Geliebte vor dir,

Fühltest du Liebe zu mir.

JOSÉ.

Schweig, o schweig, hab Mitleid doch mit mir,

Mein Gott!

CARMEN.

O teurer Freund! ist bange dir?

O sprich: fühlst du nicht Lieb zu mir?

JOSÉ.

Ach lasse ab, o schweig, hab Mitleid mit mir!

O mein Gott! weh mir.

CARMEN.

Komm, lass uns fliehen weit von hier,

Dort in die Berge folge mir!

O fliehen wir, o folge mir!

JOSÉ.

Carmen, schweig, weh mir.

Nein! ich will nichts hören! o schweig!

Die Fahne verlassen, schnöde feig?

Welche Schande! entehrt mich zu sehen,

Nein! nimmermehr!

CARMEN.

Nun wohl! geh!

JOSÉ.

Carmen! hör mein Flehen!

CARMEN.

Nein! ich lieb dich nicht mehr! geh, ich hasse dich.

Nimmermehr siehst du mich! –

JOSÉ.

O höre, Carmen!

Wohlan! lebe wohl! auf ewig – leb wohl!

CARMEN.

So geh! Hinweg!

Nr. 18. Finale.

ZUNIGA von draussen.

Holla! Carmen – holla!

JOSÉ.

Wer klopft? wer ist da?

CARMEN.

O schweig!

ZUNIGA.

Ich öffne selber und komme!

Ach, pfui, da seht die Fromme!

Nicht glücklich ist die Wahl, ‘s macht wenig Ehre dir,

Da den Sergeanten nehmen, wenn dir winkt der Offizier!

Zu José.

Du, geh mach weiter.

JOSÉ.

Nein!

ZUNIGA.

Du gehst im Augenblick!

JOSÉ.

Ich weiche nicht zurück.

ZUNIGA.

Unverschämter!

JOSÉ.

Zum Teufel! es ist um Euch getan!

CARMEN.

Halt ein, rühr ihn nicht an!

Zu mir, zu mir!

Zigeuner und Schmuggler erscheinen plötzlich von allen Seiten.

Mein Kapitän! Mein Offizier! es spielt die Liebe Euch

Fürwahr da einen schlechten Streich.

Denn, seht, Ihr kommet heut

Zu ungelegner Zeit;

Und leider sind gezwungen wir,

Soll nicht Verrat uns drohen hier,

Ein Stündchen Euch der Freiheit zu berauben.

DANCAÏRO UND REMENDADO.

Mein lieber Herr, wir bitten sehr,

Verlassen müssen wir dies Haus, Ihr wollt erlauben,

Ihr geht doch mit sogleich,

Wenn wir ersuchen Euch?

CARMEN.

Die Abendluft geniesset.

DANCAÏRO UND REMENDADO.

Ihr willigt ein?

Nun sprecht, was Ihr beschliesset.

ZUNIGA.

Ei, ganz gewiss, um so mehr,

Als ihr höflich seid!

Und so gewichtgen Gründen widersteht man schwer.

Doch hütet euch, treff ich euch in spätrer Zeit.

DANCAÏRO.

Du mein Gott! ‘s ist so Kriegsgebrauch,

Doch, unterdes, mein Offizier,

Ist’s Euch gefällig – gehen wir!

REMENDADO UND DIE MÄNNER.

Ist’s Euch gefällig – gehen wir!

CARMEN.

Nun, bist du uns ganz zugewandt?

JOSÉ.

Ja, weil ich muss!

CARMEN.

Ach, das klingt nicht sehr galant.

Doch was liegt daran? Ganz unser du bist,

Wenn du erst siehst:

Offen die Welt – nicht Sorgen drücken

Unbegrenzt dein Vaterland.

Nur dein Wille gilt als höchste Macht,

Und voran: das seligste Entzücken,

Die Freiheit lacht!

ALLE.

O folg uns in felsige Klüfte,

Wilder, doch rein wehn dort die Lüfte,

Entschliess dich mit uns zu gehn,

Und du wirst mit Staunen sehn:

Offen die Welt, nicht Sorgen drücken;

Unbegrenzt dein Vaterland!

Nur dein Wille gilt als höchste Macht,

Und voran: das seligste Entzücken,

Die Freiheit lacht!

Vorhang.

Dritter Aufzug.

Wilde Gebirgsgegend, dunkle Nacht.

Nr. 19. Sextett und Chor.

CHOR.

Nur mutig die Schlucht hinab, ihr Kameraden,

Dem, der waget, reicher Lohn gebührt,

Doch behutsam, auf rauhen Pfaden

Ein falscher Tritt zum Abgrund führt.

CARMEN, FRASQUITA, MERCÉDÈS JOSÉ, DANCAÏRO, REMENDADO.

Trefflich belohnt sich die Mühe fürwahr,

Doch eh’ man an das Ziel gelangt, gilt’s klug sein und verwegen,

Wir führen hier ein Leben voll Gefahr.

So winket uns auf sonniger Höh, in tiefer Schlucht entgegen,

Ob uns Blitze bedrohn oder tobt der Orkan,

Ob uns Felsen umstarren und Giessbäche schäumen,

Ob Soldaten wir finden auf unserer Bahn,

Die, in Dunkelheit spähend, die Pfade umsäumen!

Ohne Sorgen, nur mutig voran.

VORIGEN UND CHOR.

Nur mutig die Schlucht hinab usw.

Nr. 19 a. Rezitativ.

DANCAÏRO. Ihr ruhet hier ein Stündchen aus, Kameraden. Wir wollen uns erst überzeugen, ob der Weg auch frei ist, ob die Bresche im Walde nicht besetzt mit Wachen ist.

CARMEN. Worüber sinnest du?

JOSÉ. Ich erinnerte mich, dass nicht weit von hier lebt eine brave Frau, die noch für ehrlich mich hält. – Ach, leider täuscht sie sich.

CARMEN. Wer ist denn dieses Weibchen?

JOSÉ. Höre, Carmen, darüber lass jeden Scherz! ‘s ist meine Mutter!

CARMEN. Ei nun, geh doch wieder heim zu der Mutter, denn unser Handwerk passt doch nicht für dich, und das beste wär wohl, wenn du gingest noch heute.

JOSÉ. Verlassen soll ich dich?

CARMEN. Und noch heute!

JOSÉ. Von dir mich trennen, Carmen?! Sprichst du noch einmal solch ein Wort –

CARMEN. Willst du wohl gar mich töten? – Seine Blicke! sie verzehren mich! Doch was liegt wohl daran? Das Geschick mag sich erfüllen!

Nr. 20. Terzett.

MERCÉDÈS, FRASQUITA.

Mische, hebe, weissagen wir!

Drei Karten sind da, viere hier.

So lasset uns die Karten befragen,

Ja, ganz gewiss die Zukunft sie uns sagen,

Zeigt uns den Mann, der Lieb gesteht,

Und wer dies treue Herz verrät.

Nun denn – fang an.

FRASQUITA.

Da, ein Jüngling, schmuck von Gestalt,

Sein Herz fühlt für mich süsses Wehe.

MERCÉDÈS.

Der Meine ist reich, doch sehr alt,

Aber dennoch spricht er von Ehe.

FRASQUITA.

Er entführt mich auf seinem Ross,

Sprengt mit mir in felsige Klause.

MERCÉDÈS.

Ich sehe ein herrliches Schloss,

In dem ich als Königin hause.

FRASQUITA.

Ewig währt die Liebe zu mir,

Jeder Tag bringt Lust nur und Freude.

MERCÉDÈS.

Von Silber und Gold strotz ich schier,

Edelgestein, Perlen und Seide.

FRASQUITA.

Wohl hunderte folgen ihm nach,

Banditenchef ist sein Gewerbe.

MERCÉDÈS.

Da sieh, und der Meinige!

Ach ja!

Er stirbt – Ach!

Ich bin Witwe und erbe!

FRASQUITA, MERCÉDÈS.

Ach, wie gut das ist, die Karten zu fragen.

Ja, ganz gewiss die Zukunft sie uns sagen!

Zeigt uns den Mann, der Lieb gesteht,

Und wer dies treue Herz verrät!

MERCÉDÈS.

Das Glück!

FRASQUITA.

Die Lieb!

CARMEN.

Lasst sehn, was für mich übrig blieb?

Carreau, Pique! – der Tod!

Wohl les ich, was uns droht,

Früher für mich – später für ihn – der Tod.

Wenn dir die Karten einmal bittres Unheil künden,

Vergebens mische sie,

So oft du frägst, du wirst die gleiche Antwort finden,

Die Karten lügen nie.

Ist dir bestimmt im Schicksalsbuch das Glück, der Segen,

So mische unverzagt,

Stets auf dieselbe Art wird sich die Karte legen

Und dir nur Gutes sagt.

Hat aber prophezeit den Lebenslauf zu enden,

Des Schicksals Machtgebot,

Die Karten unerbittlich magst du drehn und wenden,

Sie künden stets den Tod.

Dann mische zwanzigmal mit zitternd bangen Händen

Die Karten, unerbittlich, sie künden stets den Tod.

Mir droht der Tod, ewig der Tod.

FRASQUITA, MERCÉDÈS.

Wie schön das ist, die Karten zu fragen usw.

Das Glück, die Lieb, wie schön – o Gott!

CARMEN.

O düstres Los, mir droht – der Tod.

Nr. 20 a. Rezitativ.

CARMEN. Was gibt’s?

DANCAÏRO. Wir wollen versuchen durchzukommen, hoffentlich wird’s gehn. Ihr bleibet hier, José, bewachet unsre Waren.

FRASQUITA. Der Weg ist nicht ganz frei?

DANCAÏRO. Nein! Am Walle die Bresche, sie ist besetzt, drei Zöllner wachen dort, ich sah sie selbst. Ihr müsst uns von ihnen befrein.

CARMEN. Nehmet nur die Waren und geht, ihr kommet durch, wir stehn dafür.

Nr. 21. Ensemble.

FRASQUITA, MERCÉDÈS, CARMEN.

Ach, die Zöllner sind nur Sünder,

Lieben ja die Frau’n und hübsche Kinder,

Und mancher spielt gerne den Galan,

Ach, lasst uns, wir schaffen freie Bahn!

ZIGEUNERINNEN.

Ach, die Zöllner sind nur Sünder usw.

ALLE.

Zöllner sind Sünder!

MERCÉDÈS.

Aber öfters zart und fein.

ALLE.

Lieben die Frau’n –

CARMEN.

Werden uns auch günstig sein.

ALLE.

und hübsche Kinder

FRASQUITA.

Wollen ihrer Huld sich freun!

MERCÉDÈS.

Ein braver Zöllner lässt uns zur Stadt hinein.

ALLE FRAUEN.

Ach, die Zöllner sind auch Sünder usw.

DANCAÏRO, REMENDADO, MÄNNER.

Die Zöllner sind ja doch nur Sünder,

Sie lieben Frau’n und hübsche Kinder,

Und mancher spielet den Galan,

Drum lasset sie gewähren, denn sie schaffen freie Bahn.

FRASQUITA, MERCÉDÉS, CARMEN.

Hier gilt es nicht Kämpfe, nicht Schlachten,

Es ist ein Krieg anderer Art,

Ein wenig schwärmen oder schmachten

Ein süsses Wort, freundlich und zart

Sollten sie gar Küsschen verlangen,

Gibt man sie auch, was liegt daran?

ALLE FRAUEN.

Doch zum Ziele wird man gelangen,

Wir kommen durch, frei ist die Bahn.

ZIGEUNERINNEN.

Die Conterbande langet an!

ALLE.

Die Zöllner sind ja doch nur Sünder,

Lieben Frau’n und hübsche Kinder,

Und mancher spielet den Galan.

ALLE FRAUEN.

Lasset uns, wir schaffen freie Bahn,

Lasset uns voran!

Ja, voran

Frei ist, die Bahn!

Nr. 22. Rezitativ und Arie.

MICAËLA. Hier in der Felsenschlucht sollen hausen die Schmuggler. Hier soll er sein, ich werd ihn sehn. – Mir wird so bang an diesem Schreckensorte. O mein Gott, gib Kraft mir, ihn zu retten!

Ich sprach, dass ich furchtlos mich fühle,

Und, trotz Gefahr, Mut meine Seele belebt. –

Doch wenn ich auch die Tapfre spiele,

Vor Angst und Schreck mir das Herz erbebt.

Wild ist der Ort, voll Grauen,

Und ich bin hier allein; doch Mut – was zag ich mehr?

Ja, nur auf ihn dort will ich bauen,

Du wirst mich schützen, Gott, mein Herr!

Jenem Weibe nah’ ich mit Bangen,

Das frech sein reines Herz getrübt,

In ihrem Netze hält sie gefangen

Den Mann, den ich so heiss geliebt.

Man sagt, sie sei schön und gefährlich,

Ach, sie zu sehen, welche Pein!

Doch darf ich erbeben? Nein, o nein!

Vor sie tret ich offen und ehrlich:

Ach, nur Mut wird Gott der Schwachen leihn,

Mein Gott, du wirst mir Mut verleihn,

Ja, ich sprach usw.

Nr. 22a. Rezitativ.

MICAËLA. Doch täusch ich mich nicht? – Dort, dort auf jenem Felsen, er ist’s, José – José! – Er scheint mich nicht zu sehn. Doch was ist das? – Er legt an sein Gewehr – Gott, meiner Kraft hab ich allzuviel zugetraut!

ESCAMILLO. Eine Linie tiefer, und alles wär vorbei!

JOSÉ. Wer da? Stehet still!

ESCAMILLO. Ei, sachte nur, mein Freund!

Nr. 23. Duett.

ESCAMILLO.

Ich bin Escamillo – in dem Stierkampfe Sieger!

JOSÉ.

Escamillo?

ESCAMILLO.

Ich bin’s!

JOSÉ.

Hab gehört schon von Euch.

Willkommen seid Ihr hier, doch wahrlich, es wär klüger,

Wenn nicht hierher Ihr kämt.

ESCAMILLO.

Es war ein dummer Streich.

Aber ich bin verliebt, mein Freund, will’s ehrlich sagen,

Und in der Tat, es däucht kein echter Spanier mir,

Der für sein Liebchen nicht das Leben wollte wagen.

JOSÉ.

Dieses Liebchen, o sprecht – ist es hier?

ESCAMILLO.

Ganz gewiss. – Zigeunerin, so wie es scheint.

JOSÉ.

Wie ist ihr Name?

ESCAMILLO.

Carmen!

JOSÉ.

Carmen!

ESCAMILLO.

Carmen – ja, mein Freund.

Es hat bis jetzt ihr Herz einem Soldaten angehört,

Der ihr zulieb verliess des Regimentes Fahne.

JOSÉ.

Carmen!

ESCAMILLO.

Sie liebten sich – vorbei ist’s, wie ich ahne.

Carmens Liebe nie länger als sechs Wochen währt.

JOSÉ.

Und doch seid Ihr verliebt?

ESCAMILLO.

Ei, freilich.

Verliebt, mein teurer Freund, zum Wahnsinn,

Ihr findet’s wohl verzeihlich.

JOSÉ.

Doch wenn man ein Zigeunerkind dem Stamme entrissen

So zahlt man auch, das müsst Ihr wissen!

ESCAMILLO.

Wie? Man bezahlt? Sei’s – desto besser!

JOSÉ.

Nur eine Münze gilt: »Das blinkende Messer«.

ESCAMILLO.

Das blinkende Messer?

JOSÉ.

Versteht Ihr wohl?

ESCAMILLO.

Ach, der Fall ist ja klar.

Und der Soldat, Ihr seid es ohne Zweifel,

Der Carmens Liebster ist – oder war.

JOSÉ.

Ja, alle Teufel!

ESCAMILLO.

Das freut mich wirklich sehr.

So wagen wir den Kampf, er gereicht mir zur Ehr.

JOSÉ.

Ha! er wagt es, mich zu höhnen,

Wild erwacht in mir die Wut –

Sein Blut kann nur den Schimpf versöhnen,

Fliessen soll sein Blut!

ESCAMILLO.

Eitler Liebe wollt ich frönen,

Und nun gilt es Kampfesmut,

Ich finde statt der Schönen

Den Liebsten, das ist gut!

BEIDE.

Mag der Kampf entscheiden;

Nun wehre dich!

‘s gilt einem von beiden –

Sei’s Hieb – sei’s Stich.

Nr. 24. Finale.

CARMEN.

Halt ein! halt ein! José!

ESCAMILLO.

Ach! der Gedanke macht mich beben,

Dass Carmen selbst es war, die rettete mein Leben! zu José

Mein Soldat! lebe wohl! Auf bald’ges Wiedersehen.

Das Messer in der Hand – wir uns entgegenstehen,

Bestimm den Tag, wo sich der Kampf erneuern soll.

DANCAÏRO.

Es ist genug, lasst jetzt den Streit!

Wisst, wir müssen nun fort, mein Freund,

Entferne dich, es ist Zeit!

ESCAMILLO.

Nur noch ein Wort, bevor ich zu gehn bin bereit:

Ich lad euch alle ein, dort in Sevillas Mauern

Zum nächsten Stiergefecht, wo gefeiert ich bin,

Und ich sag nur ein Wort:

Wer mich liebt, der ist dort!

Mein Freund, was soll das Lauern?

Was ich sprach, ja, hat offnen Sinn,

Hier meine Freundeshand zum Abschied nehmet hin.

JOSÉ.

Hüte dich wohl, Carmen, müde bin ich der Qual!

ESCAMILLO von fern.

Auf in den Kampf, Torero,

Stolz in der Brust, siegesbewusst;

Wenn auch Gefahren dräun,

Sei wohl bedacht,

Dass ein Aug dich bewacht

Und süsse Liebe lacht!

Vorhang.

Vierter Aufzug.

Platz in Sevilla. Es ist der Tag eines Stiergefechtes. Auf dem Platze herrscht grosse Bewegung.

Nr. 25. Chor.

VERKÄUFER, VERKÄUFERINNEN.

Nur zwei Cuartos, nur zwei Cuartos!

Fächer zum fächeln kühler Luft,

Hier Orangen, welch süsser Duft,

Hier Programme, deutlich genau,

Hier Wein, hier Wasser, hier Cigaretten,

Nur zwei Cuartos, nur zwei Cuartos.

Señoras und Caballeros!

ZUNIGA.

Gebt Orangen, schnell.

VERKÄUFERINNEN.

Nehmet hier, den Damen mag es wohl bekommen!

EINE VERKÄUFERIN.

Schön Dank, mein schmucker Herr Offizier,

ALLE.

Hättet ihr die schönren genommen

Fächer zum fächeln kühler Luft usw.

ZUNIGA.

Zwei Fächer gib, gute Frau!

EIN ZIGEUNER.

Sehet hier die schönen Lorgnetten!

ALLE.

Nur zwei Cuartos usw.

Ballett.

Nr. 26. Marsch und Chor.

KINDER.

Ha, sie naht, es ist die Quadrilla!

CHOR.

Seht sie da, sie kommt herbei – es ist die Quadrilla.

Seht sie hier mit Schwert und mit Lanze,

Die Quadrilla der Toreros,

Wie das strahlt im sonnigen Glanze!

Schwingt hoch empor Mützen und Sombreros,

Ha, sie naht, es ist die Quadrilla der Toreros!

KINDER.

Ach, da kommen auch Alguazile!

Wo’s ein Fest gibt, fehlen die nie,

Leider sind es ihrer zu viele,

Hole doch der Teufel sie.

Hurra!

CHOR.

Hol der Teufel sie – hurra!

Grüssen wir die tapferen Reihn

Jener Männer, genannt »Chulos«.

Bravo! Viva! Lasst uns schrein:

Jenen tapfern Reihn Chulos,

Ein Hoch den Banderilleros!

Die Mienen tollkühn und verwegen,

Da seht! Geschmückt mit Bändern wunderbar,

Mit Golde ausgelegt die Degen,

Da seht! Begrüsst die wackre Schar!

Ein Hoch den Banderilleros!

Was sehn in der Sonne wir blitzen?

Es sind die Picadors – wie sind sie schön,

Wenn mit blanken, eisernen Spitzen

Kühn dem Stier sie entgegengehn.

Da kommt er! Der Tapfre! Escamillo!

Hoch ruft dem Torero!

Stolz in der Brust,

Siegesbewusst!

Dem in blutig heisser Schlacht

Stets das Glück treulich hat gelacht.

Escamillo erscheint. Neben ihm Carmen.

CHOR.

Hoch Escamillo!

Seht sie hier mit Schwert und mit Lanze usw.

Bravo, viva, bravo!

ESCAMILLO zu Carmen.

Liebst du mich treu und innig und willst mir angehören,

Dann sieh hin; dort im Kampf, sollst du stolz sein auf mich,

Wenn du wahrhaft liebst.

CARMEN.

Escamillo, ich lieb dich und ich kann dir es schwören,

Noch nie hab ich geliebt einen Mann, so wie dich.

BEIDE.

Ja – ich liebe dich!

MEHRERE STIMMEN.

Platz! Platz für den Señor Alkalde!

FRASQUITA.

Carmen, darf ich dir raten?

Geh fort und bleib nicht da!

CARMEN.

Und warum? sprich, was gibt’s?

MERCÉDÈS.

Er ist da!

CARMEN.

José?

MERCÉDÈS.

Ja! Don José,

In der Menge dort lauernd verbirgt er sich.

CARMEN.

Ja, ja, ich seh ihn.

FRASQUITA.

O, hüte dich! –

CARMEN.

Ich bin nicht das Weib, das sich fürchtet und zagt,

Ich erwart ihn – hör ihn an, was er sagt.

MERCÉDÈS.

Carmen, glaub mir und hüte dich.

CARMEN.

Ich fürchte nichts!

FRASQUITA.

O, hüte dich!

Nr. 27. Duett und Finale.

CARMEN.

Du bist’s?

JOSÉ.

Ich bin’s!

CARMEN.

Es ward mir schon die Kunde,

Dass du nicht weit entfernt, dass du mir stelltest nach;

Selbst Gefahr für mein Leben brächte diese Stunde,

Doch ich bin furchtlos – feige Flucht wäre Schmach.

JOSÉ.

Ich will dir ja nicht drohn – ich bitte – sieh mich beben.

Ich fleh zu dir, o Carmen! Die Vergangenheit sei vergeben.

Komm, ziehn wir beide fort,

Wir beginnen ein neues Leben

Weit von hier, an fernem Ort.

CARMEN.

Was du verlangst, es ist unmöglich!

Fern von mir ist Heuchelei,

Es bleibt mein Herz unbeweglich,

Und zwischen uns ist es vorbei,

Und was mein Los auch sei,

Zwischen uns ist es vorbei!

JOSÉ.

O Carmen, nur ein Wort noch höre,

Ach, zu mir wiederkehre;

Ich reisse ja aus diesem Abgrund dich

Und deine Ehre!

O folge mir, ich rette dich und mich.

CARMEN.

Nein, all dein Flehn ist vergebens,

Mag mir Tod auch künden dein Blick.

Und wär’s das Ende meines Lebens,

Nein, nein! ich weiche keinen Schritt zurück.

JOSÉ.

Carmen, nur ein Wort noch höre usw.

CARMEN.

Nicht länger mein Herz betör,

Es schlägt nimmermehr für dich,

Mag der Tod ereilen mich.

Eh’ ich zu dir wiederkehre,

Fest unwandelbar ist mein Entschluss;

Verlasse mich!

JOSÉ.

Wie, du liebst mich nicht mehr?

CARMEN.

Nein, ich liebe dich nicht mehr!

JOSÉ.

Doch all mein Hoffen und mein Lieben

Ist ewig treu nur dir geblieben.

CARMEN.

Wozu die Worte noch? sie klingen hohl und leer.

JOSÉ.

Carmen, mein Herz ist treu geblieben,

Wohlan! ich bleibe treu den Scharen,

Und bin Bandit wie sie,

Ich tue, was du willst,

Ja, höre wohl:

Wenn du der Liebe heisses Sehnen stillst.

Ach, denke doch vergangner Zeit zurück,

Wo wir so selig waren.

Zu deinen Füssen lieg ich hier,

Carmen, geh nicht von mir.

CARMEN.

Es weichet Carmen keinem Gebot!

Frei will ich sein, frei selbst noch im Tod.

CHOR im Zirkus.

Viva! Viva! ach, wie so herrlich!

In dem blutgen Sand wie gefährlich

Rennt der Stier dem Kämpfer entgegen,

Seht da, wie Escamillo zieht seinen Degen –

Wie das Tier gereizt auf ihn springt –

Ob der Stoss ihm glücklich gelingt?

Seht da, seht da, Victoria!

JOSÉ.

Wohin eilst du?

CARMEN.

Lasse mich!

JOSE.

Dem dort man Beifall schreit –

Ha! Er ist es, den du liebst!

CARMEN.

Lasse mich!

JOSÉ.

Bei meiner Seligkeit,

Du gehest nicht von hier!

Carmen! nein, folgen musst du mir.

CARMEN.

Lasse mich, Don José, ich kann nicht mit dir ziehn.

JOSÉ.

Du gehst zum Stelldichein? sprich! so liebst du ihn?

CARMEN.

Ich lieb ihn und selbst im letzten Augenblick

Sag ich’s laut: »Er nur ist all mein Glück.«

CHOR im Zirkus.

Viva! Viva! ach, wie so herrlich!

In dem blut’gen Sand wie gefährlich

Rennt der Stier dem Kämpfer entgegen,

Seht da, Escamillo zieht seinen Degen,

Siegsbewusst

Ihm zielt nach der Brust.

JOSÉ.

Dahin, was mir wert war und teuer,

Das Heil meiner Seele entflohn,

Indessen du – ein Ungeheuer,

In seinen Armen lachest Hohn!

Bei meinem Blut! – das darf nicht sein!

Carmen! du folgst mir! du bist mein!

CARMEN.

Nein, nimmermehr!

JOSÉ.

Zauderst du – ist’s um dich getan.

CARMEN.

Wohlan! so töte mich oder gib frei die Bahn!

CHOR im Zirkus.

Victoria!

JOSÉ.

So sprich dein letztes Wort,

Dämon! folgest du mir?

CARMEN.

Fort! Fort!

Diesen Ring, den du einst als Liebespfand gegeben,

Da!

JOSÉ.

Nun denn, so stirb!

Zieht seinen Dolch und stürzt auf Carmen los.

CHOR im Zirkus.

Auf in den Kampf, Torero!

Stolz in der Brust

Siegesbewusst!

Wenn auch Gefahren dräun,

Sei wohl bedacht, –

Dass ein Aug dich bewacht

Und süsse Liebe lacht.

JOSÉ stösst ihr den Dolch in die Brust. Sie sinkt nieder und stirbt.

Seht mich hier, blutgerötet,

Ja, ich hab sie getötet! –

Ach, Carmen! du mein angebetet Leben!

Alguazils und Soldaten treten vor, um José festzunehmen. Allgemeine Gruppe.

Ende.

Hector Berlioz – Béatrice et Bénédict

Hector Berlioz

Béatrice et Bénédict

Opéra comique en 2 actes

Personnages

Don Pedro, général de l’armée sicilienne (Basse)

Claudio, aide de camp du général (Baryton)

Bénédict, officier sicilien, ami de Claudio (Ténor)

Léonato, gouverneur de Messine

Héro, fille de Léonato (Soprano)

Béatrice, nièce de Léonato (Soprano)

Ursule, dame d’honneur d’Héro (Mezzo-soprano)

Deux Valets

Un Messager

Un Tabellion

Somarone, maître de chapelle (Basse)

Musiciens, Choristes

Peuple Sicilien

Seigneurs et Dames de la cour du gouverneur

La scène est à Messine.

Acte premier

Dans le parc du gouverneur de Messine

Au premier plan, à gauche, un petit bosquet, derrière lequel on peut, des deux côtés, se cacher ou d’où l’on peut se montrer; tout auprès, un siège de repos. A droite, en face, une statue; à ses pieds, des fleurs, dont quelques-unes peuvent être cueillies.

Dans le fond, une terrasse, élevée de quelques degrés, ouverte et accessible des quatre côtés, courant en travers de la scène. Du côté des spectateurs, et vers le fond de la scène’ elle débouche sur un escalier.

A gauche, la terrasse conduit vers les parties les plus sombres du parc; à l’entrée se voit une fontaine. A droite, la terrasse conduit au château du gouverneur. Dans la profondeur de la scène, la ville de Messine, en contre-bas.

En perspective, à droite, le palais du gouverneur, sur une colline; à ses pieds une partie de la ville; à gauche, la mer.

L’action commence en plein jour, et se poursuit jusqu’à l’arrivée de la nuit. A la fin, la lune se lève; la lumière se réfléchit sur la mer et les fontaines. Autant que possible, obscurité sur le parc à gauche; illuminer brillamment le château à droite.

La droite et la gauche sont prises du point de vue du spectateur.

Acte Premier

La scène représente le parc du gouverneur de Messine.

Scène première

Le peuple sicilien, entrant.

N° 1.

CHŒUR.

Le More est en fuite. Victoire!

Don Pedro s’est couvert de gloire.

A ses braves honneur!

Vive la Sicile!

Que les monts et la plaine, et la cour et la ville

Répètent le nom du vainqueur!

LES FEMMES.

Pour ce vaillant, cueillons des roses

A l’ombre des myrtes écloses!

LES HOMMES.

Pour ses nobles guerriers

Tressons des lauriers!

TOUS.

Le More est en fuite. Victoire!

Etc.

Scène II

Léonato, Héro, Béatrice.

LÉONATO. Enfin cette guerre est terminée! Les Mores ont été taillés en pièces, et les survivants ont été trop heureux de pouvoir remonter sur leurs vaisseaux et regagner l’Afrique, d’où ils ne seront pas tentés de revenir. Don Pedro, notre illustre général, arrive aujourd’hui même.

HÉRO. Ah! mon père, quel bonheur! et … Claudio le suit, sans doute?

LÉONATO. Assurément! Claudio n’est-il pas le bras droit du général?

BÉATRICE. Il est vrai, le général est si fort engoué de lui …

LÉONATO. Au reste, nous allons avoir des détails, on m’annonce un message.

Scène III

Les Mêmes, un Messager.

LE MESSAGER, remettant une lettre à Léonato. Monseigneur, je vous annonce l’arrivée du général. Quand je l’ai quitté, il n’était qu’à trois lieues de Messine.

LÉONATO, sans interrompre la lecture de sa lettre. Combien d’hommes avez-vous perdus dans cette action?

LE MESSAGER. Très peu, et aucun officier de marque.

LÉONATO. Le prix d’une victoire est doublé, quand le vainqueur ramène tout son monde. Je vois, par cette lettre, que Don Pedro a conféré d’éclatants témoignages de satisfaction au jeune Claudio.

HÉRO, à part, avec joie. Dieu!

LE MESSAGER. Il les a mérités par une conduite à laquelle Don Pedro à rendu justice, et il a été au- delà de ce que promettait son âge. C’est un agneau qui s’est conduit comme un lion.

BÉATRICE. Veuillez me dire, je vous prie, si le seigneur Matamore est de retour, ou non, de la guerre.

LE MESSAGER. Je ne connais dans l’armée personne de ce nom, madame.

HÉRO. Ma cousine veut parler du seigneur Bénédict.

LE MESSAGER. Oh! il est de retour, et aussi agréable que jamais. C’est encore un vaillant.

BÉATRICE. Vaillant auprès d’une dame; mais qu’est- il en face d’un guerrier?

LE MESSAGER. Brave devant un brave, et homme en face d’un homme. Lui aussi a, dans cette guerre, rendu d’importants services.

BÉATRICE. Vous aviez des vivres avariés, et il vous a aidés à les consommer. C’est un intrépide gastronome, il a un excellent estomac.

LÉONATO. Veuillez, monsieur, ne pas mal juger de ma nièce! Il y a entre elle et le seigneur Bénédict une guerre d’épigrammes, et ils ne se rencontrent jamais qu’il ne s’engage entre eux une escarmouche d’esprit.

BÉATRICE. Hélas! il a perdu beaucoup de son esprit dans notre dernière rencontre. Quel est maintenant son frère d’armes? Car il en prend un nouveau tous les mois.

LE MESSAGER. Est-il possible?

BÉATRICE. Très possible. Ses affections changent, comme la forme de sa toque, à chaque mode nouvelle.

LE MESSAGER. Je vois, madame, que ce gentilhomme n’est pas dans vos papiers.

BÉATRICE. Non! s’il y était, je les brûlerais tous. Mais qu’est, je vous prie, son frère d’armes?

LE MESSAGER. Il est habituellement dans la compagnie du noble Claudio.

BÉATRICE. Mon Dieu! il s’attachera à lui, comme la fièvre. On le gagne plus facilement que la peste, et à l’instant même on devient fou. Dieu soit en aide au noble Claudio! S’il a attrapé le Bénédict, il lui en coûtera plus de six mille ducats avant d’être guéri.

LE MESSAGER. Je tâcherai, madame, d’être de vos amis.

BÉATRICE. Je vous le conseille.

LÉONATO. Ma nièce, vous ne deviendrez jamais folle.

BÉATRICE. Non, tant que la canicule ne viendra pas en janvier.

LE MESSAGER. Je vais au devant du général. Il sort.

Scène IV

CHŒUR. Le More est en fuite. Victoire!

BÉATRICE, l’interrompant. Assez! assez! aurez- vous bientôt fini de nous chanter: Gloire et victoire, Guerriers et lauriers? Quelles rimes! Voilà les suites de la guerre! Je me sauve. Elle sort, Léonato la suit bientôt après.

HÉRO. Ne l’écoutez pas, mes amis. Continuez! Je suis heureuse, moi, de vous entendre et de partager votre joie.

Scène V

HÉRO, LE CHŒUR Héro parcourt les groupes en ayant l’air de se réjouir avec eux du retour de l’armée.

N° 2. – Chœur.

Le More est en fuite. Victoire!

Don Pedro s’est couvert de gloire.

A ses braves, honneur!

Vive la Sicile!

Que les monts et la plaine, et la cour et la ville

Répètent le nom du vainqueur!

Le Chœur sort en dansant.

Scène VI

HÉRO, seule.

N° 3. – Air.

Je vais le voir. Son noble front rayonne

De l’auréole du vainqueur.

Cher Claudio, que n’ai-je une couronne!

Je te la donnerais, je t’ai donné mon cœur.

Il me revient fidèle.

Plus d’angoisse mortelle!

Mes tourments sont finis,

Nous allons être unis!

De sa constance,

De sa vaillance,

Ma main sera le prix.

Scène VII

Don Pedro, accompagné de sa suite; Claudio, Bénédict, Léonato, Héro, Béatrice.

LÉONATO. Recevez mes félicitations, général! La Sicile est délivrée par vous. Notre île entière tressaille de joie et de reconnaissance.

DON PEDRO. Épargnez-moi, mon cher Gouverneur! je n’aime pas à entendre parler de ce que j’ai fait. Grâce à Dieu et à la valeur de ces jeunes braves Montrant Claudio et Bénédict, l’ennemi a pris la fuite, après des pertes énormes. J’en suis heureux autant que vous. Mais, n’en parlons plus! Nous avons, si je ne me trompe, un sujet plus doux d’entretien. Saluant Héro. C’est demain, n’est-ce pas, que …

Léonato lui fait signe de se taire, et l’emmène dans le fond en parlant bas.

BÉNÉDICT. Eh! mais, pourtant ce que nous avons fait n’est pas trop mal: cinq mille morts restés sur le champ de bataille …

CLAUDIO, courant à Héro, remonte. Chère Héro!

HÉRO. Cher Claudio! Ils s’éloignent vers le fond du jardin en causant.

BÉATRICE à Bénédict. Oh! sans doute, les héros de l’Iliade, Alexandre et César, ne sont rien auprès de vous, et ce serait pitié de parler, le même jour, de leurs exploits et des vôtres.

BÉNÉDICT. Eh! quoi, signora Dédain, vous vivez encore?

N° 4. – Duo.

BÉATRICE.

Comment le Dédain pourrait-il mourir?

Vous êtes vivant! on le verrait naître

S’il n’existait pas;

Et tant qu’ici-bas

Vous oserez paraître,

Pour son bon plaisir,

Il ne voudra pas en sortir.

BÉNÉDICT.

Aimable Dédain, on est trop heureux

D’endurer vos coups! Que ne suis-je maître

De suivre vos pas!

Oui, tant qu’ici-bas

Vous daignerez paraître

Pour ravir nos yeux,

Qui donc voudrait aller aux cieux?

BÉATRICE.

J’ai pitié de votre ironie!

BÉNÉDICT.

Moi, railler! certes, je le nie ….

Mais franchement, non.

Vous avez raison,

Je suis insensible,

D’humeur inflexible,

Et c’est un vrai bonheur pour nous,

Qu’adoré de toutes les femmes,

Enflammant, malgré moi, tant d’âmes,

Je ne sois point aimé de vous.

BÉATRICE.

N’ayez à ce sujet aucune inquiétude!

BÉNÉDICT.

De vous déplaire en tout je ferai mon étude,

J’aurais trop de chagrin de vous désespérer.

BÉATRICE.

Vous pouvez, sans effort, seigneur, vous rassurer.

ENSEMBLE.

Mais quel plaisir étrange

Trouvé-je à l’irriter!

Comme un cœur qui se venge,

Je sens le mien bondir et palpiter.

Un frisson de colère

Me prend quand je le / la vois;

Son rire m’exaspère,

Et je tremble à sa voix.

BÉNÉDICT.

Dieu du ciel, faites-moi la grâce

De ne pas femme m’octroyer,

Montrant Béatrice.

Brune, surtout!

BÉATRICE.

Quelle menace!

BÉNÉDICT.

Mieux vaut en enfer m’envoyer.

BÉATRICE.

Dieu du ciel, faites-moi la grâce

De ne pas m’imposer d’époux,

Montrant Bénédict.

Barbu, surtout!

BÉNÉDICT.

Quelle menace!

BÉATRICE.

Je le demande à deux genoux.

Reprise de l’ensemble

Mais quel plaisir étrange

Etc …

Béatrice sort.

Scène VIII

Bénédict, Don Pédro, se rapprochant avec Léonato, et suivi à quelque distance de Claudio et d’Héro.

LÉONATO, à Héro. Ma fille, suivez-moi!

Il l’emmène.

Scène IX

Don Pedro, Claudio, Bénédict.

Bénédict fait un mouvement pour sortir.

DON PEDRO. Bénédict, ne partez pas! Le gouverneur me charge de vous inviter à une fête qu’il donne ce soir dans son palais, et dont un de vos amis sera le héros. A Claudio. Vous y viendrez aussi, Claudio. Devinez-vous quel peut être cet ami de Bénédict?

CLAUDIO. Mon général … je ne sais … je n’ose croire …

BÉNÉDICT. Oh! c’est lui. Voilà le héros! Je le vois trembler.

DON PEDRO. En effet, c’est Claudio qui sera dès ce soir l’heureux époux de sa belle fiancée. A Claudio. La mission que vous m’aviez confiée a pleinement réussi. Léonato consent à ne plus retarder votre mariage.

CLAUDIO. Se peut-il?

DON PEDRO. Oui, et, dans l’espoir de cette réunion, instruit d’ailleurs dès longtemps de votre belle conduite à l’armée, il avait tout préparé pour la cérémonie. A ce soir, donc! L’exemple ne vous tente- t-il pas, Bénédict?

BÉNÉDICT. Moi?

N° 5. – Trio.

BÉNÉDICT.

Me marier? Dieu me pardonne!

Ah! j’aime mieux dans un couvent,

Moisir sous le froc tristement,

Et que l’univers m’abandonne.

CLAUDIO ET DON PEDRO.

Quelle fureur! Dieu vous pardonne

De maudire un lien charmant,

Et de préférer le couvent

Au bonheur que l’hymen nous donne!

BÉNÉDICT.

Oui, oui, plutôt moisir dans un couvent!

D’une femme, il est vrai que je reçus la vie;

Elle m’éleva, je l’en remercie;

Mais si, malgré tout, je ne me soucie

Que fort peu de porter de hauts bois sur le front,

Les femmes me pardonneront.

Par ma défiance,

De toutes les blesser je n’ai pas le vouloir;

Je ne saurais pourtant avoir

En l’une d’elles confiance,

Et ma conclusion,

C’est que je veux mourir garçon.

Ensemble.

BÉNÉDICT.

Me marier? Dieu me pardonne!

Ah! j’aime mieux, dans un couvent,

Moisir sous le froc tristement,

Et que l’univers m’abandonne.

CLAUDIO ET DON PEDRO.

Quelle fureur! Dieu vous pardonne

De maudire un lien charmant,

Et de préférer le couvent

Au bonheur que l’hymen nous donne!

CLAUDIO.

Impie!

DON PEDRO.

Ingrat!

CLAUDIO.

Blasphémateur!

BÉNÉDICT.

J’admire votre noble ardeur,

CLAUDIO.

Une douce compagne!

BÉNÉDICT.

Que la ruse accompagne

DON PEDRO.

Qui berce vos ennuis!

BÉNÉDICT.

Et qui trouble vos nuits!

CLAUDIO.

Une constante amie!

BÉNÉDICT.

Une intime ennemie!

DON PEDRO.

Qui vieillit avec vous!

BÉNÉDICT.

Qui vieillit avant nous!

CLAUDIO.

Un charme, une grâce!

BÉNÉDICT.

Qu’un hiver efface!

DON PEDRO

Un trésor d’amour!

BÉNÉDICT.

Qu’épuise an seul jour!

CLAUDIO.

Source de vie!

BÉNÉDICT.

Caquet de pie!

DON PEDRO.

Fidélité!

BÉNÉDICT.

Fragilité!

CLAUDIO.

Tendresse!

BÉNÉDICT.

Faiblesse!

DON PEDRO.

Cœur pur!

BÉNÉDICT.

Peu sûr!

CLAUDIO ET DON PEDRO.

Maître …

BÉNÉDICT.

Traître!

CLAUDIO ET DON PEDRO.

Doux!

BÉNÉDICT.

Houx!

Reprise de l’ensemble.

BÉNÉDICT.

Me marier? Dieu me pardonne

Etc.

CLAUDIO ET DON PEDRO.

Quelle fureur! Dieu vous pardonne!

Etc.

BÉNÉDICT.

Si jamais Bénédict au joug peut se soumettre,

Il consent, ou le diable m’emporte, à voir mettre,

Comme une enseigne, sur son toit,

Ces mots écrits: »Ici l’on voit

Bénédict, l’homme

Marié.«

DON PEDRO ET CLAUDIO.

Comme

Nous rirons tous, le jour

Qu’on le verra pâle d’amour.

Ensemble.

BÉNÉDICT.

Ah! l’étrange folie!

Non, jamais de ma vie,

De matrimoniomanie

Je ne vis un exemple égal.

Je ris de leur instance,

Et de leur persistance

A prôner le destin banal,

CLAUDIO ET DON PEDRO.

Ah! l’étrange folie!

Non, jamais de ma vie,

De matrimoniophobie

Je ne vis un exemple égal.

Rions de sa prudence,

Et de sa persistance

A craindre l’accident fatal!

BÉNÉDICT, ironiquement.

Je vous quitte, messieurs, vous me convertiriez.

Il sort à droite.

Scène X

Don Pedro, Claudio.

DON PEDRO. Par le ciel! Il faut que nous en venions à bout. La seule femme qui convienne à cet étourdi, c’est Béatrice.

CLAUDIO. Comme aussi le seul homme qui convienne à cette folle, c’est Bénédict.

DON PEDRO. Eh bien! laissez-moi faire et, si votre aimable fiancée veut me venir en aide, nous parviendrons è réaliser le projet de ce mariage invraisemblable, dont le Gouverneur vient aussi de m’entretenir, et nous verrons, avant qu’il soit peu, Bénédict l’homme marié. Je vais communiquer mon plan à Héro; suivez-moi chez elle! vous connaîtrez la comédie et le rôle que je prétends vous y faire jouer. Voici venir les musiciens que le seigneur Léonato veut, ce soir, faire entendre à la fête; ils viennent répéter leur épithalame.

CLAUDIO. Laissons-les à leur discordante étude!

Ils sortent à droite.

Scène XI

Somarone, suivi de Chanteurs et de Musiciens portant des hautbois.

Les vrais joueurs de hautbois restent à l’orchestre.

SOMARONE, venant de gauche. Allons! chacun de vous doit maintenant savoir sa partie, ou il ne la saura jamais; voyons l’ensemble. Ah! c’est un bel ouvrage, et que j’ai mis plus de huit jours à composer. Placez-vous, placez-vous! Ici!.. Ici donc!.. là, en me regardant. Bon! il me tourne le dos. Mais, malheureux, comment verras-tu la mesure? … Il faudra donc que je te la batte sur la tête ou sur les épaules? … Ah! j’oubliais … êtes-vous d’accord, vous autres?

UN MUSICIEN. Oui, oui, parfaitement!

SOMARONE. Voyons, donne ton la.

Le premier hautbois donne le la.

SOMARONE, à l’autre. Et toi?

Le second hautbois donne le la bémol qu’il tient en même temps que le la naturel du premier.

SOMARONE, portant la main à ses oreilles. Ah! aïe! Holà! Pouah! misérable! Veux-tu bien t’accorder tout de suite! … Il y a de quoi déchirer des oreilles d’âne. Voilà comment vous avez osé l’autre soir, exécuter ma sérénade! Vous avez juré de m’assassiner! Ils s’accordent.

SOMARONE, à peu près satisfait. Enfin!.. Y êtes- vous?.. Je n’ai plus à vous donner qu’une dernière instruction, mais la plus importante. Je ne ferai pas de longs discours sur ma musique. Il lève son bâton de conducteur en l’air, comme pour marquer la première mesure et, parcourant d’un regard superbe les rangs des exécutants.: Mesdames et Messieurs, le morceau que vous allez avoir l’honneur d’exécuter est un chef-d’œuvre! Comme çons! … Il bat la mesure.

N° 6. – Epithalame Grotesque.

CHŒUR Premier couplet, chanté fort.

Mourez, tendres époux

Que le bonheur enivre!

Mourez! pourquoi survivre

A des instants si doux?

Comme la nuit calme et rêveuse,

Qu’une mort bienheureuse

Descende paisible sur vous!

Mourez, tendres époux

Que le bonheur enivre!

Mourez! pourquoi survivre

A des instants si doux?

SOMARONE, aux choristes. Ah! mon Dieu! vous me beuglez cet épithalame comme un De profundis! Vous ne comprenez donc pas … ce … ce chef- d’œuvre?.. Un chant de bonheur! un chant d’amour! qui doit ravir en extase les mariés … la nuit … qui doit s’envoler … s’exhaler … comme un parfum d’harmonie vers leur chambre nuptiale!

Scène XII

Les précédents, Bénédict venant de droite.

BÉNÉDICT, à part, dans le fond. Je ne conçois pas qu’un homme, qui voit combien est insensé celui qui se soumet à l’empire de l’amour, puisse, en devenant amoureux, tomber dans l’insigne folie qu’il a ridiculisée dans autrui et s’offrir en butte à ses propres sarcasmes.

Somarone, pendant le monologue de Bénédict, examine attentivement un passage de sa partition.

SOMARONE. Un instant! je veux changer quelque chose à la seconde ritournelle.

Il écrit quelques notes au crayon sur son manuscrit.

BÉNÉDICT, continuant son monologue. Et cependant, tel est Claudio. J’ai vu un temps où l’harmonie la plus délicieuse à son oreille, c’était le son du fifre et du tambour, et maintenant il leur préfère de langoureuses mélodies! J’ai vu un temps où il eût fait dix lieues à pied pour voir une bonne armure; à présent, il passera dix nuits à combiner la coupe d’un nouveau pourpoint. Du diable si l’amour fait jamais de moi un sot de ce calibre!

Il disparaît.

SOMARONE, après avoir écrit, il va montrer le passage modifié, au 1er hautbois. Essaie-moi cela! Le hautbois joue quelques mesures.

BÉNÉDICT, pendant le solo de hautbois. Ah! des musiciens!.. une répétition!.. Écoutons!

SOMARONE. Très bien! Peste! à première vue! Oh! tu es un gaillard! J’écrirai pour toi un joli saltarello dans ma nouvelle messe.

Scène XIII

Don Pedro, Claudio, Somarone, Bénédict.

BÉNÉDICT, reparaissant dans un coin du jardin. Ah! voici le Général et notre amoureux chevalier.

DON PEDRO, à Somarone. Eh bien! nous ferez- vous entendre la musique en question?

SOMARONE. Oui, Excellence! oui, Altesse! Monseigneur … et avec de nouveaux agréments que je viens d’y ajouter. Il tend son bâton de chef d’orchestre à un domestique. Emportez ceci! et apportez-moi le bâton n° 37, le bâton ducal!.. Le domestique sort. C’est le bâton, Monseigneur, dont je me sers devant les personnes … les personnes de qualité, dans les circonstances … solennelles …

DON PEDRO. Certainement, mon cher Maestro, je suis très flatté … mais …

SOMARONE. Monseigneur, je connais mes devoirs. Le domestique revient et lui tend respectueusement sur un plat d’argent un bâton en ivoire et ébène. Somarone, prenant délicatement sur le plat le nouveau bâton, dit. Ivoire et ébène, Monseigneur; noir et blanc! Cela imprime à l’exécution un caractère à la fois riant et sombre.

DON PEDRO. Très bien!

SOMARONE. Et c’est précisément le double caractère du morceau que je suis fier de vous faire entendre. Aux musiciens. Riant et sombre, vous entendez; c’est la vie et la mort, tout est là … Allons! … à nous! Il bat la mesure avec toutes sortes de gestes exagérés. Don Pedro et Claudio sont assis sur un des côtés du théâtre. Sur l’autre côté sont le pupitre et l’estrade de Somarone. A sa droite et à l’entrée d’une des coulisses, on voit deux faux joueurs de hautbois devant leurs pupitres.

N° 6 bis. – Épithalame Grotesque.

Second couplet chanté doux

Mourez, tendres époux

Que le bonheur enivre!

Mourez! Pourquoi survivre

A des instants si doux?

Perdus dans l’extase infinie,

Oublieux de la vie,

Au ciel ensemble envolez-vous!

Mourez, etc.

DON PEDRO. Comment? »mourez.« Il ne faut pas que les époux meurent! Quelles diables de paroles est cela?

SOMARONE. Monseigneur, cela se dit en haute poésie.

DON PEDRO. Ah! en haute poésie … en haute … très bien!

SOMARONE, à part. Il est un peu … bourgeois, le général.

DON PEDRO. Après tout, les époux ne s’en porteront pas plus mal. D’ailleurs vos chanteurs prononcent les vers de telle sorte qu’on ne les entendra pas. Quant à la musique, mon cher maestro, ah! la musique.. elle est excellente … savante … A part. Je n’y a rien compris.

CLAUDIO. Ni moi non plus.

SOMARONE, bas à Don Pedro. Mais les chanteurs sont pitoyables.

BÉNÉDICT, bas, en se montrant à travers la charmille. Dis donc plutôt: impitoyables!

SOMARONE. C’est une fugue, monseigneur.

DON PEDRO. Ah! diable! et pourquoi une fugue?

SOMARONE. Le mot fugue veut dit fuite, et j’ai fait une fugue à deux sujets, à deux thèmes, pour faire songer les deux époux à la fuite du temps.

DON PEDRO. Bravo! c’est admirable. Musique symbolique!

SOMARONE. Philosophique!

CLAUDIO. Cabalistique!

BÉNÉDICT, bas. Et sudorifique, car il est en nage.

SOMARONE. Ah! si vous entendiez cela bien exécuté! …

DON PEDRO. Vous êtes trop sévère, vos choristes ont chanté d’une façon fort passable. Il parle bas è Claudio.

BÉNÉDICT. Si mes chiens avaient hurlé de la sorte, je les aurais pendus sans miséricorde. Pourvu que ces voix discordantes ne me présagent pas quelque malheur!

DON PEDRO, à Claudio. C’est convenu. A Somarone. Entendez-vous, maestro? Procurez-vous encore quelque chanteurs de choix, car ce morceau nous plaît, et nous voulons qu’il produise tout son effet, cette nuit, sous les fenêtres de la charmante Héro. Venez me trouver ensuite! j’aurai peut-être d’autres ordres à vous donner.

SOMARONE. Ah! … Ah! … Monseigneur, Excellence! … Altesse! … Général! … Vous prenez les grands moyens! … Ce sera superbe! … Il sort avec les musiciens.

Scène XIV

Don Pedro, Claudio, Léonato entrant, Bénédict, caché.

DON PEDRO. Eh bien, Léonato, avez-vous fait de nouvelles observations, et croyez-vous toujours Béatrice amoureuse de Bénédict?

LÉONATO. Plus que jamais, je venais pour vous en parler.

CLAUDIO, bas à Don Pedro. Avancez toujours, il nous écoute. Haut. Pour moi, je n’aurais jamais cru qu’elle pût se prendre d’affection pour un homme.

LÉONATO. Ni moi; mais le merveilleux de l’affaire, c’est de la voir aimer Bénédict, l’homme qu’elle paraissait abhorrer le plus.

BÉNÉDICT, à part. Serait-il possible? Et le vent soufflerait-il dans cette direction?

LÉONATO. Je vous avoue, général, que je ne sais qu’en penser. Mais vous ne pouvez concevoir jusqu’où va la violence de son amour pour lui.

DON PEDRO. C’est peut-être une feinte.

CLAUDIO. Je serais porté à le croire.

LÉONATO. Une feinte, dites-vous? Alors il faut convenir que jamais passion feinte ne contrefit à ce point l’énergie d’une passion véritable.

DON PEDRO. Par quels signes sa passion se manifeste-t-elle?

CLAUDIO, bas. Garnissez bien l’hameçon, le poisson va mordre.

LÉONATO. Par quels signes? On la voit assise, immobile.. A Claudio. Ma fille vous a dit en quel état …

CLAUDIO. Elle me l’a dit, en effet.

DON PEDRO. En quel état? Parlez! Vous me surprenez. J’aurais cru son cœur à l’épreuve de toutes les attaques de l’amour.

LÉONATO. Je l’aurais juré, surtout en ce qui concerne Bénédict.

DON PEDRO. Lui a-t-elle fait connaître ses sentiments?

LÉONATO. Non, elle jure de ne jamais les lui révéler.

CLAUDIO. Il est vrai, Héro l’assure. »Eh quoi, dit- elle, lui écrirais-je que je l’aime, après toutes les marques de dédain que je lui ai prodiguées?« Léonato. C’est ce qu’elle disait tout à l’heure en prenant la plume pour lui écrire. Elle a commencé une lettre qu’elle a presqu’aussitôt déchirée en mille morceaux, se reprochant d’être assez immodeste pour écrire à un homme qui ne fera que rire de ses avances. »Je juge de lui par moi, a-t-elle dit; s’il m’écrivait, je me moquerais do lui«.

CLAUDIO. Puis, fille est tombée à genoux, pleurant, sanglotant, s’arrachant les cheveux, se frappant la poitrine, exhalant à la fois des prières et des imprécations.

LÉONATO. Son exaltation, au dire de ma fille, a atteint maintenant un degré de violence à faire craindre qu’elle n’attente à ses jours.

BÉNÉDICT, à part. Je prendrais tout cela pour un piège, dans la bouche de tout autre que cette barbe grise: je ne puis croire que l’imposture se cache sous des dehors si vénérables.

DON PEDRO. Si elle s’obstine à cacher ses sentiments à Bénédict, il serait convenable que quelque autre se chargeât de l’en instruire.

CLAUDIO. A quoi bon? Il s’en ferait un jeu, et ce serait pour lui un prétexte à de nouveaux sarcasmes contre cette infortunée.

DON PEDRO. S’il en était capable, on ferait, en le pendant, une œuvre méritoire. Une femme aussi accomplie, vertueuse, à n’en point douter!

CLAUDIO. Et charmante!

DON PEDRO. Et d’une raison supérieure en tout, excepté dans son amour pour Bénédict.

LÉONATO. Oh! général, quand la raison est aux prises avec la passion, il y a dix à parier contre un que c’est la passion qui l’emportera. Je le déplore à juste titre, et comme son oncle et comme son tuteur.

DON PEDRO. Plût à Dieu qu’elle m’eût pris pour l’objet de sa folle tendresse! Mettant à l’écart toute haute considération, je l’eusse épousée. J’ai envie d’en parler à Bénédict pour voir ce qu’il dira.

CLAUDIO. N’en faites rien, mon Général! que plutôt Béatrice, cédant aux conseils d’Héro, étouffe son amour!

LÉONATO. Cela est impossible; son cœur périrait à la tâche.

Les personnages qui se sont peu à peu éloignés en causant, disparaissent.

BÉNÉDICT, sortant de sa cachette. Ce n’est pas une plaisanterie; leur conversation est sérieuse. Ils plaignent Béatrice; il paraît que sa passion est au comble. Elle m’aime! Je dois la payer de retour. J’ai entendu le blâme dont je suis l’objet … Il se cache.

Don Pedro, revenant avec Claudio et Léonato. Eh bien, nous reparlerons de cela avec votre fille; en attendant, laissons les choses comme elles sont. J’aime Bénédict, et je souhaiterais que, jetant sur lui-même un regard modeste, il s’avouât, en toute humilité, combien il est indigne d’une telle femme.

LÉONATO. Voulez-vous venir, Général? le dîner est prêt.

CLAUDIO, bas. Si, après cela, il n’en est pas amoureux fou, je ne veux plus compter sur rien.

Ils sortent à gauche.

Scène XV

BÉNÉDICT, se montrant tout à fait. Non, il faut que le monde soit peuplé! quand je disais que je mourrais garçon, je ne pensais pas devoir vivre jusqu’à ce que je fusse marié. Ils disent que Béatrice est belle, c’est une vérité que je puis certifier moi- même; qu’elle est vertueuse, je n’en disconviens pas; qu’elle montre une raison supérieure en tout, hormis dans l’amour qu’elle a pour moi. En effet, ce n’est pas une grande preuve de raison qu’elle donne là; ce n’est pas non plus une preuve de folie, car je vais être effroyablement amoureux d’elle.

N° 7. – Rondo.

Ah, je vais l’aimer, mon cœur me l’annonce.

A son vain orgueil je sens qu’il renonce.

Je vais l’admirer,

Je vais l’adorer,

L’idolâtrer!

Fille ravissante,

Béatrice! O dieux!

Le feu de ses yeux,

Sa grâce agaçante,

Son esprit si fin,

Son charme divin,

Tout séduit en elle,

Et sa lèvre appelle

Un baiser sans fin.

Ah! je vais l’aimer, mon cœur me l’annonce.

A son vain orgueil je sens qu’il renonce.

Je vais l’admirer,

Je vais l’adorer,

L’idolâtrer.

Chère Béatrice!

Ciel! il se pourrait …

Elle m’aimerait …

O joie! ô supplice!

Un pareil bonheur,

Est-il pour mon cœur?

Si c’était un songe!

O cruel mensonge!

O rage! ô fureur!

Non … Je vais l’aimer, mon cœur me l’annonce.

A son vain orgueil je sens qu’il renonce.

Je vais l’admirer,

Je vais l’adorer,

L’idolâtrer.

Voici la belle Héro et son amie, je ne me sens pas d’humeur en ce moment à faire de l’esprit avec elles. Je suis mal à mon aise. Allons rêver ailleurs! Il sort à gauche.

Scène XVI

Héro, Ursule.

HÉRO. Je sais bien bon gré à mon père de m’avoir dispensée d’assister à ce banquet. Je suis si fatiguée de tous ces préparatifs … Nous signons le contrat ce soir … Mon cœur est plein de joie; mais le bruit et la foule me sont insupportables.

URSULE. Voilà votre mélancolie qui vous reprend. Vous étiez si gaie tout à l’heure!

HÉRO. Oui, j’étais entrée dans l’esprit du rôle que mon père a voulu me faire jouer. C’était si plaisant de savoir ma cousine aux écoutes dans la chambre voisine de la mienne, pendant que nous faisions l’éloge de Bénédict, et que nous parlions de son violent amour pour elle! Amour qu’il est si loin d’éprouver et qu’il n’éprouvera jamais!

URSULE. Ah! non, certes! pas plus qu’elle n’aimera Bénédict. Ce sont deux êtres incapables d’un tendre sentiment, et surtout d’un tendre sentiment l’un pour l’autre.

HÉRO. Pourtant, la porte étant ouverte, je la voyais dans une glace sans qu’elle s’en doutât, et, au moment où tu as dit: »Le malheureux en mourra!«, elle a fait un mouvement si brusque que j’ai failli partir d’un éclat de rire qui eût tout compromis.

URSULE. N’importe! j’ai peine à croire que la ruse ait chance de succès.

HÉRO. Je ne le crois guère non plus. C’est pourquoi il ne faut pas pousser trop loin cette plaisanterie. Béatrice nous en voudrait à la mort, si elle se doutait que nous avons voulu nous moquer d’elle. Soupirant Ah! …

Elles vont s’asseoir sur un banc de gazon.

N° 8. – Nocturne.

URSULE.

Vous soupirez, madame!

HÉRO.

Le bonheur oppresse mon âme.

Je ne puis y songer sans trembler malgré moi.

Claudio! Claudio! Je vais donc être à toi.

Ensemble.

Nuit paisible et sereine!

La lune, douce reine,

Qui plane en souriant;

L’insecte des prairies,

Dans les herbes fleuries

En secret bruissant;

Philomèle

Qui mêle

Aux murmures du bois

Les splendeurs de sa voix;

L’hirondelle

Fidèle

Caressant sous nos toits

Sa nichée en émois;

Dans sa coupe de marbre

Ce jet d’eau retombant,

Écumant;

L’ombre de ce grand arbre

En spectre se mouvant,

Sous le vent;

Harmonies

Infinies,

Que vous avez d’attraits

Et de charmes secrets

Pour les âmes attendries!

2e Couplet.

URSULE.

Quoi? vous pleurez, madame!

HÉRO.

Ces larmes soulagent mon âme;

Tu sentiras couler les tiennes à ton tour,

Le jour où tu verras couronner ton amour.

Ensemble.

Respirons en silence

Ces rosés que balance

Le souffle du zéphir!

A sa fraîche caresse

Livrons nos fronts! … il cesse

Et meurt dans un soupir.

Nuit paisible et sereine,

Etc … Etc.

Elles s’éloignent en effeuillant des roses.

Acte Deuxieme

La scène représente un grand salon du palais du Gouverneur. Une porte à droite et une autre à gauche. On entend dans la salle voisine, par la porte de gauche, toute grande ouverte, un bruit de verres, d’assiettes et de voix confuses. Un domestique sort à la course de la salle du festin, traverse la scène et ressort par la porte opposée. Un autre paraît, exécutant l’évolution contraire, et entre dans la salle du festin. Le premier reparaît portant une grande fiasque de vin.

Scène première

Domestiques

Voix de la salle du festin.

Du vin! du vin!

PREMIER DOMESTIQUE. Oui! oui! On y va! Après le festin des maîtres, le festin des valets. Parce que c’est jour de noces, il faut que tout le monde ici fasse ripaille, jusqu’aux soldats du général, jusqu’à ces chanteuses, jusqu’à cette canaille de musiciens que Monseigneur a voulu festoyer aussi!

DEUXIÈME DOMESTIQUE, sortant de la salle du festin. Va donc leur porter ta dame Jeanne! Ils sont altérés comme les cendres de l’Etna. Et cela ne suffira pas encore.

PREMIER DOMESTIQUE. Je n’ai pas besoin de me presser. N’est-ce pas une honte qu’il nous faille servir de tels misérables?

DEUXIÈME DOMESTIQUE. Des soudards!

PREMIER DOMESTIQUE. Des bohémiens!

DEUXIÈME DOMESTIQUE. Des gourgandines!

PREMIER DOMESTIQUE. Des joueurs de flûte!

DEUXIÈME DOMESTIQUE. Oui, mais le Somarone a le pied leste, et ce gros âne, le bien nommé, vient de me le faire sentir … en un certain endroit …

PREMIER DOMESTIQUE. Il a rué?

DEUXIÈME DOMESTIQUE. Ah! et de quelle force! …

SOMARONE, de la salle du festin. Holà! valets! du vin donc! per Bacco!

PREMIER DOMESTIQUE. Le voilà qui brait maintenant! Allons, je vais le faire taire.

VOIX DE LA SALLE. Du vin! de par tous les diables, du vin! La cave est donc vide?

PREMIER DOMESTIQUE, se précipitant avec sa fiasque vers la salle du festin. Voilà, Messeigneurs! A l’autre. Reviens vite!

Il entre, le 2e domestique sort à la course.

VOIX DE LA SALLE DU FESTIN. Te moques-tu, maraud! une bouteille! Il en faut dix! Autres voix. Vingt! Autres voix. Cent! Alerte! décampe!

Le 1er domestique sort à la course de la salle du banquet; au moment où le 2e entre sur la scène par la porte opposée, portant une fiasque énorme sur chaque bras.

PREMIER DOMESTIQUE, tournant la tête du côté de la salle du festin. J’y vole, messeigneurs! J’y vole!

DEUXIÈME DOMESTIQUE, tournant la tête du côté de la porte par laquelle il entre, et ayant l’air de répondre à quelque interlocuteur éloigné. Impossible! on ne peut pas se passer de moi.

Les deux domestiques se heurtent l’un contre l’autre et tombent sur le théâtre.

PREMIER DOMESTIQUE. Butor!

DEUXIÈME DOMESTIQUE. Animal! Tu as failli me faire casser mes bouteilles. Au diable les gens serviles! Quel besoin as-tu de te presser ainsi?

PREMIER DOMESTIQUE. Eh! pardieu! ils ont le diable au corps, ils boivent à faire frémir, ils crient, ils chantent, ils vont faire improviser le Somarone.

DEUXIÈME DOMESTIQUE. Je veux entendre cela.

Il entre. L’autre sort du côté opposé. Chants dans la salle voisine Préludes de trompettes et de guitares, rumeurs de table.

SOMARONE. Je veux bien vous improviser quelque chose; mais accompagnez-moi tous; vous, les chanteuses, avec vos guitares, vous les soldats, avec vos trompettes, avec les tambourins, avec tous les instruments favoris de Mars et de Bacchus! Il chante.

N° 9. – Improvisation.

Le vin de Syracuse

Accuse

Une grande chaleur

Au cœur

De notre île

De Sicile,

Vive ce fameux vin

Si fin,

Vive ce fameux vin

Si fin!

LE CHŒUR.

Vive ce fameux vin

Si fin!

SOMARONE.

Mais la plus noble flamme,

Douce à l’âme

Comme au cœur

Du buveur,

C’est la liqueur vermeille

De la treille

Des coteaux de Marsala

Qui l’a!

LE CHŒUR.

Il a raison, et sa rare éloquence

S’unit à la science

Du vrai buveur.

Honneur

A l’improvisateur!

LE CHŒUR ET SOMARONE.

Ensemble.

Le vin de Syracuse

Accuse

Etc.

VOIX DIVERSES, parlé.

Bravo! Bravo! Voyons le second couplet!

SOMARONE, entrant sur la scène, suivi d’une partie du chœur. Le second! Ah! le second! Je ne suis pas plus embarrassé pour le premier. Je vous en improviserais trente.

VOIX DIVERSES. Non! non! C’est assez de deux! Allez, maestro! Silence, donc!

Les guitares et les trompettes restent dans la coulisse.

SOMARONE, chantant.

Le vin …

Le vin fin …

De Syracuse …

Accuse …

Oui, certes! le vin

De Syracuse …

LE CHŒUR.

Poète divin,

Ta muse

Abuse,

Tu le vois,

De notre patience.

Assez d’éloquence,

Rimeur aux abois,

Bois!

Le vin de Syracuse

Accuse

Une grande chaleur

Au cœur.

De notre île

De Sicile.

Vive ce fameux vin

Si fin!

Mais la plus noble flamme,

Douce à l’âme

Comme au cœur

Du buveur,

C’est la liqueur vermeille

De la treille

Des coteaux de Marsala

Qui l’a!

A la fin de ce chœur, le 1er domestique reparaît portant un panier plein de fiasques et de bouteilles d’énormes dimensions. Cris de joie à son entrée dans la salle du festin.

VOIX DIVERSES. Viva! Viva! A la bonne heure! Voilà un garçon intelligent!

SOMARONE. Portons le panier dans le jardin, nous y boirons au clair de lune.

VOIX. Oui, oui, c’est une idée. Nous danserons le Saltarello.

SOMARONE. Mais dansons et buvons vite, car l’heure de la cérémonie approche, et nous devons nous y présenter … dans un état … décent, s’il est possible.

VOIX DIVERSES.

Au jardin! Au jardin!

Ils sortent et traversent le théâtre en chantant.

Mais la plus noble flamme,

C’est le vin de Marsala

Qui l’a.

Scène II

Béatrice, entrant très agitée.

N° 10. – Air.

Dieu! que viens-je d’entendre?

Je sens un feu secret

Dans mon sein se répandre.

Bénédict … se peut-il? Bénédict m’aimerait?

… … … … … … … … .

Il m’en souvient, le jour du départ de l’armée,

Je ne pus m’expliquer

L’étrange sentiment de tristesse alarmée

Qui de mon cœur vint s’emparer.

Il part, me dis-je, il part, je reste!

Est-ce la gloire, est-ce la mort

Que réserve le sort

A ce railleur que je déteste?

Des plus noires terreurs

La nuit suivante fut remplie …

Les Mores triomphaient, j’entendais leurs clameurs.

Des flots du sang chrétien la terre était rougie.

En rêve je voyais Bénédict haletant,

Sous un monceau de morts, sans secours, expirant.

Je m’agitais sur ma brûlante couche.

Des cris d’effroi s’échappaient de ma bouche.

En m’éveillant, enfin, je ris do mon émoi.

Je ris de Bénédict, de moi,

De mes sottes alarmes …

Hélas! Ce rire était baigné de larmes.

Il m’en souvient, le jour du départ de l’armée,

Etc.

Je l’aime donc?.. Oui, Bénédict, je t’aime.

Je ne m’appartiens plus. Je ne suis plus moi-même.

Sois mon vainqueur,

Dompte mon cœur!

Viens, viens, déjà ce cœur sauvage

Vole au-devant de l’esclavage!

Adieu, ma liberté,

Ma frivole gaîté,

Adieu dédains, adieu folies,

Adieu, mordantes railleries!

Béatrice, à son tour,

Tombe victime de l’amour.

Scène III

Entrent Ursule et Héro, Béatrice.

HÉRO, entrant de gauche. Qu’as-tu donc, Béatrice? Quelle agitation! Je ne te vis jamais ainsi.

BÉATRICE. Moi?.. je … rien!

HÉRO. Allons! tu auras vu Bénédict, je gage. Tu ne peux le rencontrer sans te laisser aller à des accès de colère qui, pardonne à ma franchise! semblent peu dignes de toi.

URSULE. Et qu’il est si loin de mériter!

HÉRO. Ursule a raison; le caractère de Bénédict est bien changé, il ne parle maintenant de toi qu’avec des expressions qui t’étonneraient fort … Mais tu le hais à un point …

BÉATRICE. Assez, cousine!

HÉRO. C’est pourtant un brave et charmant gentilhomme.

URSULE. Plus à plaindre qu’à blâmer.

BÉATRICE. Si vous continuez, je vous quitte.

HÉRO. Allons! taisons-nous, mais je te voudrais voir devenir plus humaine. Je suis si heureuse …

N° 11. – Trio.

HÉRO ET URSULE, ensemble.

Je vais d’un cœur aimant,

Héro d’un cœur aimant,

Être / Sera la joie et le bonheur suprême.

Mon / Son cher Claudio m’aime, / l’aime,

Et mon / son époux restera mon / son amant.

BÉATRICE, avec un accent tendre.

Tu vas d’un cœur aimant

Être la joie et le bonheur suprême.

Ton cher Claudio t’aime

Et ton époux restera ton amant.

HÉRO ET URSULE, à part, en regardant Béatrice.

Quelle douceur! Quel changement!

URSULE, À Béatrice.

Eh quoi! madame, un seul moment

A ces deux cœurs porteriez-vous envie?

Et cette liberté, charme de votre vie,

Pourriez-vous la donner pour un époux amant?

BÉATRICE.

Un amant! un époux! à moi! de l’esclavage

Traîner la chaîne en frémissant!

Ah! j’aime mieux dans un couvent

Voir se flétrir la fleur de mon bel âge

Sous le cilice et le noir vêtement.

HÉRO.

Certes, belle cousine,

A ton cœur fier l’hymen serait fatal;

Et si d’un cavalier que ta taille divine,

Tes traits si beaux, ton esprit sans égal,

Auraient forcé de te rendre les armes,

Les yeux pour toi fondaient en larmes

Avec Ursule.

Ne va / N’allez pas, un jour,

D’un tendre retour

Payer son amour!

BÉATRICE.

Je me moque, chère cousine,

De tous ces paladins à la mine assassine,

Ne crains pas que pour eux je faiblisse à mon tour!

Non, non, le plus vaillant m’eût-il rendu les armes,

Je rirais de ses larmes,

Et d’un tendre retour

On ne me verrait pas payer son fol amour.

URSULE.

Dans le mariage, hélas! l’habitude,

Spectre à l’œil éteint,

Où l’ennui se peint,

Amène trop souvent dégoûts et lassitude.

Et tardifs remords.

Et bientôt après, c’est la jalousie,

Ce monstre aux yeux verts,

Vomi des enfers,

Oui vient empoisonner une innocente vie

Par d’affreux transports.

Ah! si Claudio … Ciel! un tel outrage!..

Devait pour moi se refroidir ….

BÉATRICE, égarée.

Ah! j’en mourrais de rage.

HÉRO.

Pour une autre me fuir …

Dieu! n’être plus aimée …

BÉATRICE.

J’en perdrais la raison.

HÉRO.

Etre par lui trompée!

BÉATRICE.

Ah!

HÉRO.

Délaissée!

BÉATRICE.

Ah! le fer! le poison!

HÉRO, riant.

Lionne en furie!

Quoi! la jalousie

Aurait sur tes sens

Un pareil empire?

Mais, j’ai voulu rire.

Non, non, je le sens,

Avec Ursule.

Je vais / Héro d’un cœur aimant

Être / Sera la joie et le bonheur suprême.

Mon / Son cher Claudio m’aime, / l’aime,

Et mon / son époux restera mon / son amant.

BÉATRICE, rêvant.

Héro d’un cœur aimant

Sera la joie et le bonheur suprême.

Son cher Claudio l’aime,

Et son époux restera son amant.

HÉRO. On nous attend, chère Ursule! nous avons à peine le temps d’achever ma parure. Viens-tu, Béatrice?

BÉATRICE. Je vous suis.

Elle tombe sur un banc, absorbée par ses pensées. Elle écoute le chœur suivant avec une émotion croissante.

N° 12. – Chœur Lointain.

Derrière la scène.

Viens, viens, de l’hyménée

Victime fortunée!

Viens charmer tous les yeux,

Viens parer tes cheveux

De la fleur virginale!

La pompe nuptiale

Se prépare, l’époux attend;

Le sourire des cieux descend.

Viens, viens! l’heureux époux attend.

A la fin du chœur, Béatrice, qui avait le visage caché dans ses mains, se lève par un mouvement brusque et, se dirigeant vivement vers une des coulisses de gauche, y rencontre Bénédict qui en sort.

Scène IV

Bénédict, Béatrice.

BÉATRICE, apercevant Bénédict. Ciel!

BÉNÉDICT, apercevant Béatrice. Ah!

Ils restent un instant interdits.

BÉNÉDICT. Madame!

BÉATRICE. Seigneur!..

BÉNÉDICT. On vous cherche …

BÉATRICE. Vous me cherchiez? …

BÉNÉDICT. Je n’ai pas dit cela … les convives du gouverneur s’étonnent de votre absence.

BÉATRICE. Je pense bien qu’ils s’étonnent peu de la vôtre. On sait que vous êtes toujours où vous ne devriez pas être.

BÉNÉDICT. Où je ne devrais pas être? … Mais pourquoi ne serais-je pas ici?

BÉATRICE. Pourquoi y êtes-vous? Que me voulez- vous? Je ne puis faire un pas sans vous rencontrer. Vous êtes mon ombre. Vous me poursuivez. Vous m’obsédez!

BÉNÉDICT. Que ne puis-je être plus que votre ombre, et ne pas vous quitter davantage! … je vous jure …

BÉATRICE. Je vous jure que votre raillerie est tout à fait déplacée et fort inutile, car je comprends, je devine le vrai sens de toutes vos paroles … Vous croyez … me rendre ridicule, et faire croire … aux gens … que je vous crois … mais n’en croyez rien. A part. Ah! mon Dieu! je ne sais plus ce que je dis. Haut. Le ridicule est à moi, oui, je m’en sers pour fustiger les gens qui me déplaisent.

BÉNÉDICT, à part. Qu’elle est belle!

BÉATRICE. Et vous êtes de ceux-là A part. Je suis brutale.

BÉNÉDICT. Madame!

BÉATRICE. Je vous déteste. A part. Pauvre malheureux!

BÉNÉDICT. Calmez-vous, madame!

BÉATRICE. Je vous exècre.

BÉNÉDICT. Je ne puis dire …

BÉATRICE, éclatant en sanglots. Mais que me voulez-vous?

BÉNÉDICT, très ému. Je.. ne … puis … dire que … je vous aie jamais aimée …

BÉATRICE, riant aux éclats. Ah! ah! ah! Je l’espère bien.

BÉNÉDICT. Mais si …

BÉATRICE. Quoi?

BÉNÉDICT. Si … je pouvais trouver en vous quelque indulgence … jamais un cœur …

BÉATRICE. Allez! … Allez donc! La rime est: constance. Décochez-moi un madrigal! vous en êtes capable, vous êtes poète! Ah! ah! ah!

BÉNÉDICT, attendri. Si je ne suis pas poète, je veux tâcher de le devenir, pour mériter au moins vos railleries; je souffre trop de vous voir injuste.

BÉATRICE, à part. Comme il m’aime! Haut. A la bonne heure! Mais, par grâce, laissez-moi enfin! Je … je …

BÉNÉDICT. Je me retire … pardonnez si j’ai troublé votre solitude. A part. Quel amour! Son âme est bouleversée! Adorable femme!

BÉATRICE, contenant à peine un nouvel accès de larmes. Mais, partez-donc! Allons! voici les fiancés maintenant! Le gouverneur, le Général, tous les invités! Où me cacher? Elle s’essuie les yeux et veut se sauver vers le fond. Léonato l’arrête.

Scène V

Léonato, Don Pedro, Claudio, Bénédict, un Tabellion, Héro, Béatrice, Ursule, Seigneurs et dames de la cour du Gouverneur.

LÉONATO, ramenant Béatrice. Restez, ma chère nièce! et vous, Bénédict, pouvez-vous quitter ma fille en un pareil moment?

N° 13. – Morceau d’Ensemble.

Tous les personnages et le chœur.

MARCHE NUPTIALE.

Dieu qui guidas nos bras pour chasser l’infidèle,

Préside à cet heureux moment!

Ange du chaste hymen, viens prendre sous ton aile

HÉRO ET CLAUDIO.

Un / Ce couple amoureux et constant! / charmant!

Dieu de l’amour, de la jeunesse,

Il réunit beauté, jeunesse.

Bénis ma sincère tendresse,

Gloire, fidélité, tendresse.

Comble de tes faveurs

Deux fidèles cœurs.

Ces deux nobles cœurs,

Dieu qui guidas nos bras pour chasser l’infidèle!

Etc.

LÉONATO, au tabellion. Tout est-il prêt?

LE TABELLION. Oui, monseigneur. Cet acte est en bonne forme, il n’y manque plus que la signature.

DON PEDRO. Approchez, Claudio! Claudio signé. A vous, charmante Héro! Héro signe à son tour. Prenant la plume et la passant ensuite aux seigneurs siciliens. A nous maintenant, à nous les joyeux témoins.

LE TABELLION, tirant un autre papier de son portefeuille. Voici le second contrat. Où sont les fiancés?

LÉONATO, avec une feinte surprise. Le second?

DON PEDRO, de même. Qui encore se marie donc ici?

LE TABELLION. Oui. J’ai été requis pour préparer un deuxième contrat; le voici.

LÉONATO. Ah ça! il faut pourtant trouver des fiancés! A l’assistance. Qui se sentirait ici la fantaisie de se marier? Bénédict fait un mouvement. Léonato l’arrêtant; Oh! je ne parle pas pour vous, on sait bien …

BÉNÉDICT, s’élançant vers Béatrice. M’aimez- vous?

BÉATRICE. Non, pas plus que de raison.

BÉNÉDICT. Il faut alors que votre oncle, le Général et Claudio aient été induits en erreur, car ils m’ont juré que vous m’aimiez.

BÉATRICE. M’aimez-vous?

BÉNÉDICT. Non, pas plus que de raison.

BÉATRICE. Il faut alors que ma cousine et Ursule se soient étrangement trompées, car elles m’ont juré que vous m’aimiez.

BÉNÉDICT. Ils juraient que vous m’aimiez à en perdre la tête.

BÉATRICE. Elles juraient que vous mouriez d’amour pour moi.

BÉNÉDICT. Il n’en était rien. Vous ne m’aimez donc pas?

BÉATRICE. Non, vraiment, je ne vous aime que d’amitié.

LÉONATO. Allons, ma nièce, j’ai la certitude que vous l’aimez.

CLAUDIO, tirant un papier de sa poche. Et moi, je ferais le serment qu’il est amoureux d’elle, car voici un papier écrit au crayon de sa main; je l’ai trouvé tout à l’heure sur un banc du jardin. C’est le commencement d’un sonnet sorti de son cerveau et destiné à Béatrice.

HÉRO, en tirant un autre. Et en voici un autre tombé, ce matin, de la poche de ma cousine; il est de son écriture et contient des réflexions sur Bénédict, qui prouvent qu’elle était au moins fort préoccupée de ce gentilhomme.

BÉNÉDICT. Miracle! Voilà nos mains qui déposent contre nos cœurs! A Béatrice. Allons, je veux bien que vous soyez ma femme; mais je vous jure que, si je vous prends, c’est par compassion.

BÉATRICE. Je ne veux pas vous refuser; mais je vous jure que c’est bien malgré moi. Ce que j’en fais n’est que pour vous sauver la vie, car on m’a dit que vous étiez sur le point de mourir de consomption.

BÉNÉDICT. Silence! je vous coupe la parole.

Il l’embrasse.

DON PEDRO. Eh bien, Bénédict?

BÉNÉDICT, l’interrompant. Voulez-vous que je vous dise? … Un collège tout entier de faiseurs d’épigrammes ne me ferait pas changer d’idée; croyez-vous que je me soucie d’une satire ou d’un sarcasme? Non, celui qui s’inquiète des propos d’autrui n’osera jamais rien faire qui ait le sens commun; bref, j’ai résolu de me marier, et tout ce qu’on peut dire à l’encontre m’est parfaitement indifférent; vous auriez donc tort de rétorquer contre moi mon propre langage, car l’homme est une créature changeante, et c’est par là que je conclus. Il va signer le contrat. Béatrice et les témoins signent ensuite.

DON PEDRO. Bravo, l’orateur!

LÉONATO, et l’assistance. Bravo! Bravo!

CLAUDIO, à la cantonade. Entrez, vous autres!

Scène VI

Somarone entre, suivi de ses musiciens et de quatre choristes portant chacun au bout d’un bâton un écriteau retourné. Les quatre porteurs d’écriteaux se rangent à côté les uns des autres, vers le milieu du théâtre. Somarone fait signe aux musiciens de commencer. Le porteur du 1er écriteau, placé à gauche du spectateur, avance d’un pas et fait faire un demi-tour à son écriteau, qui se présente alors son côté écrit, où se lit en grosses lettres le mot: ICI.

LE CHŒUR, chantant.

Ici …

Le porteur du 2e écriteau imite le premier.

LE CHŒUR.

l’on voit …

Le porteur du 3e écriteau imite le 2e.

LE CHŒUR.

Bénédict …

Le porteur du 4e écriteau, comme les précédents.

LE CHŒUR.

l’homme marié.

Tous éclatent de rire.

BÉNÉDICT, parlé. Oui, oui, oui, oui, l’homme marié, et très heureux de l’être.

N° 13. – Scherzo.

BÉNÉDICT.

L’amour est un flambeau,

BÉATRICE.

L’amour est une flamme,

BÉNÉDICT.

Un feu follet qui vient on ne sait d’où,

BÉATRICE.

Qui brille et disparaît pour égarer notre âme,

BÉNÉDICT.

Attire à lui le sot et le rend fou.

BÉATRICE.

Folie, après tout, vaut mieux que sottise.

Ensemble.

Adorons-nous donc et, quoi qu’on en dise,

Un instant soyons fous!

Aimons-nous!

Je sens à ce malheur ma fierté résignée.

Sûrs de nous haïr! donnons-nous la main

Oui, pour aujourd’hui la trêve est signée:

Nous redeviendrons ennemis demain.

TOUS, AVEC LE CHŒUR.

Demain! Demain!