Oper

Hector Berlioz – Beatrice und Benedikt

Hector Berlioz

Beatrice und Benedikt

Oper in zwei Akten

Personen

Don Pedro, Befehlshaber der sicilianischen Armee

Leonato, Gouverneur von Messina

Hero, dessen Tochter

Beatrice, Leonato’s Nichte

Claudio, Adjutant Don Pedro’s

Benedict, sicilianischer Officier, Freund Claudio’s

Somarone, Kapellmeister

Ursula, Hero’s Gesellschaftsdame

Ein Notar

Musiker, Sänger und Sängerinnen

Volk von Messina

Hochzeiksgäste

Gefolge des Don Pedro und des Gouverneurs

Diener

Tänzer

Tänzerinnen

Diener

Ort der Handlung: Messina. Beginnt Mittags und endet in derselben Nacht.

Erster Akt

Ein prächtiger Park vor dem Palast Leonato’s rechts, zu welchem Stufen führen.

Im Vordergrunde links ein kleines Bosket, davor ein Ruhesitz. Rechts gegenüber eine Statue, zu deren Füßen Blumen. Im Hintergrunde Ausblick auf Messina und auf das Meer.

1. Scene.

Volk von Messina strömt freudig erregt vom Hintergrunde her ein.

Nr. 1. Chor.

Der Feind ist geschlagen,

Victoria!

Die tapferen Helden sind uns schon nah!

Don Pedro kehrt wieder,

Singt Sieges-Lieder!

Triumph laßt erschallen!

Durch Straßen und Hallen

Verkündet die glorreiche That:

Der Retter Sicilien’s naht!

DIE FRAUEN.

Dem siegreichen Führer

Laßt Rosen uns pflücken,

Den Pfad seines Ruhmes

Ihm blühend zu schmücken!

DIE MÄNNER.

Seiner muthigen Schaar

Flechtet Lorbeer in’s Haar!

ALLGEMEINER CHOR.

Der Feind ist geschlagen,

Victoria!

Die tapferen Helden sind uns schon nah!

Don Pedro kehrt wieder,

Singt Sieges-Lieder!

Triumph laßt erschallen!

Durch Straßen und Hallen

Verkündet die glorreiche That:

Der Retter Siciliens naht!

Heil seiner That!

Heil, Heil! Er naht!

Lebhafte Bewegung im Volke. Leonato mit Gefolge aus dem Hintergrund. Das Volk tritt nach beiden Seiten zurück. Hero und Beatrice treten aus dem Palast.

2. Scene.

Volk. Leonato. Hero. Beatrice. Später Tänzer.

LEONATO sehr lebhaft.

Er kommt, der Held, der uns den Sieg errang!

Des Volkes Jubel nur hält ihn zurück.

Gleich ist er hier.

HERO schwärmerisch, sehr warm.

Und mit ihm Claudio!

LEONATO.

Der Feldherr nennt ihn seine rechte Hand

Und theilt mit ihm den Ruhm.

HERO.

Dem Himmel Dank!

BEATRICE.

Und kam mit ihm auch Signor Eisenfresser?

LEONATO lachend.

Der Name ist mir fremd, wen meint die Nichte?

HERO.

So nennt die Muhme Signor Benedict.

LEONATO.

Man lobt an ihm den Muth und heit’re Laune!

Er haute tüchtig d’rein $150

BEATRICE.

Ja! Bei der Tafel!

HERO.

Mißkennt die Muhme nicht, ‘s ist Uebermuth!

Sie kämpfen stets mit Witz und scharfen Worten

BEATRICE.

Sein Witz ist lahm, sein Wort ist ohne Sinn!

LEONATO.

Und doch ist’s Claudio’s Freund!

BEATRICE.

Den tröste Gott!

Das Fieber wär’ mir lieber als die Freundschaft!

Das läßt uns frei doch immer Tag um Tag.

Trommelwirbel aus der Ferne.

LEONATO.

Der Feldherr kommt! Stimmt an das Siegeslied.

Leonato nach dem Hintergrunde, dem Don Pedro entgegeneilend, ab.

Nr. 2. Chor.

Der Feind ist geschlagen!

Victoria!

BEATRICE den Chor heftig unterbrechend.

Genug! Genug! $150

Habt Ihr das Lied noch nicht zum Ueberdruß gesungen?

Und welche Reime! Lieder $150 wieder, schallen $150 hallen

Heftig.

Ich halt’ es nicht mehr aus!

Ab in den Palast.

HERO zum Volk.

Hört nicht auf sie!

Fahrt, Freunde, fort! Mein Herz theilt Euren Jubel!

CHOR.

Der Feind ist geschlagen,

Victoria!

Die tapferen Helden sind uns schon nah!

Don Pedro kehrt wieder,

Singt Sieges-Lieder!

Triumph laßt erschallen!

Verkündet die glorreiche That:

Der Retter Siciliens naht!

Heil seiner That!

Heil, Heil! Er naht!

Während dieses Chores geht Hero nach der Seite zu ab, nachdem sie vorher auf den Stufen des Palastes mit ungeduldiger Sehnsucht nach der Stadt geblickt hat. Das Volk hat sich ganz nach dem Hintergrund gedrängt Tänzer treten auf.

Nr. 2 bis National-Tanz: Sicilienne.

Volk und Tänzer verschwinden dem Hintergrunde

zu.

3. Scene.

Hero tritt wieder, aus dem Parke kommend, auf.

Nr. 3. Arie.

Er ist mir nah! Er kehrt mir wieder!

Sein edles Auge wird mir strahlen,

Jetzt noch verklärt vom Heldenruhm!

Bald soll ich ihn umfassen,

Bald nie mehr ihn verlassen,

Ach, unaussprechlich süßes Glück,

Der Himmel führt ihn mir zurück!

Noch glaub’ ich’s kaum, $150

Ist’s nicht ein Traum? $150

Laß, theurer Mann,

Den Kranz auf’s Haupt Dir drücken:

Komm’ an mein Herz,

Die Liebe soll Dich schmücken!

O, Liebe ohne Schranken!

O, Treue ohne Wanken!

Vergessen sind die Thränen,

Die ich um ihn geweint,

Ruh’ kann mein Herz erst finden,

Wenn er mit mir vereint.

Ich baue fest

Auf meines Helden Lieben!

Er blieb mir treu,

Wie ich ihm treu geblieben!

O, Liebe ohne Schranken!

O, Treue ohne Wanken!

Mein Claudio ist mir nah,

Schon ist er da!

Leonato ist mit Don Pedro und seinem Gefolge eingetreten. Don Pedro begrüßt die, inzwischen wieder aus dem Palast gekommene Beatrice. Aus dem Gefolge tritt Claudio zu Hero vor.

4. Scene.

Don Pedro. Leonato. Hero. Beatrice. Claudio. Benedict.

CLAUDIO.

Geliebte Hero!

HERO.

Claudio, theurer Freund!

Sie ziehen sich zurück. Don Pedro begrüßt das Paar. Benedict tritt vor. Alle, außer Beatrice und Benedict, gehen im Gespräch in den Garten, wo sie ab und zu sichtbar werden.

BEATRICE.

Ihr seid auch wieder da?

BENEDICT.

Und Ihr seid noch am Leben?

BEATRICE.

Wie vielen Feinden habt Ihr denn den Tod gegeben?

BENEDICT.

Ja, rathet nur, es kann $150

BEATRICE.

Vielleicht die Hälfte sein.

BENEDICT.

Zählt Ihr Euch nicht dazu, Fräulein Verachtung?

BEATRICE.

Nein!

Nr. 4. Duett.

BEATRICE.

Wie sollte »Verachtung« wohl sterben,

So lange Ihr noch lebt?

Ihr sorgt, daß sie nie kann verderben,

Weil Ihr die Nahrung ihr gebt!

Selbst Höflichkeit, vor Euch

Würde Verachtung sogleich!

Da Ihr, Verweg’ner, wagt,

Vor Augen ihr zu treten,

Und keck sie anzureden,

Macht sie nun lachend auf Euch Jagd!

BENEDICT.

Mein Fräulein, Ihr fordert zum Kampf mich auf’s Neue

Mit altem Uebermuth?

Nur zu! Ich bewies, daß ich Zungen nicht scheue,

Auch damit fecht’ ich gut!

Ich sehnte oft so sehr

Nach Euch mich wieder her!

Wenn er uns erscheint

Mit Schönheit geschmückt,

Die Jeden entzückt:

Vermeidet man nimmer den Feind!

BEATRICE.

Feig sucht Ihr

Mit Schmeichelei zu siegen?

BENEDICT.

Schmeicheln? Ich?

Dann müßt’ ich unterliegen!

Doch $150 sei es bekannt $150

Ich war zu galant;

Ich bin unempfindlich,

Bleib’ unüberwindlich!

In mich zwar sind alle Frauen verliebt,

Doch Alle lasse vergeblich ich schmachten:

Ich lernte die Liebe gründlich verachten,

Ein Glück, daß Ihr $150 nicht auch mich liebt!

BEATRICE.

So hört: daß ich hierin $150

Ganz Eurer Meinung bin!

BENEDICT.

Ich will ja nur vor Allen

Recht gründlich Euch mißfallen.

Ach! zu schmerzlich wär’ es mir,

Wenn in mich verliebt auch Ihr!

BEATRICE.

Und ich schwöre Euch zum Lohn:

Unausstehlich seid Ihr schon! $150

Für sich.

Ha! seltenes Vergnügen,

Verlegen ihn zu seh’n!

Ich muß ihn noch besiegen;

Der Bösewicht

Soll noch um Gnade fleh’n.

BENEDICT gleichzeitig; für sich.

Welch’ reizendes Vergnügen,

Im Zorne sie zu seh’n!

Sie muß mir unterliegen,

Eh’ weich’ ich nicht!

Sie soll um Gnade fleh’n.

BEATRICE ebenso.

Unsre Frauen-Ehre

Räch’ an ihm ich sogleich;

Sein Widerstand vermehre

Nur den Triumph zugleich.

BENEDICT ebenso.

Aller Männer-Ehre

Vertret’ ich heldenreich:

Ihr Widerstand vermehre

Mir den Triumph zugleich.

Laut.

Müßt’ ich einst finden

Für all’ meine Sünden

Durch eine Frau mein Strafgericht:

Blond nur sei sie nicht!

BEATRICE.

Das darf ich nie verzeih’n.

BENEDICT.

Denn die wär’ mir doch

Zu große Pein. $150

BEATRICE.

Sollt’ ich noch finden

Für all’ meine Sünden

Durch einen Mann mein Strafgericht:

Nur ohne Bart!

BENEDICT.

Ha! Das verzeih’ ich nicht.

BEATRICE.

O Himmel, höre mich!

Die Strafe wär’ zu hart!

Für sich.

Ha, seltenes Vergnügen,

Verlegen ihn zu seh’n!

Ich muß ihn noch besiegen;

Der Bösewicht

Soll noch um Gnade fleh’n!

BENEDICT ebenso.

Welch’ reizendes Vergnügen,

Im Zorne sie zu seh’n!

Sie muß mir unterliegen,

Eh’ ruh’ ich nicht:

Sie soll um Gnade fleh’n!

Don Pedro kommt mit Leonato, Claudio und Hero wieder zurück. Leonato führt Hero in den Palast. Beatrice folgt ihnen mit einer spöttischen Geberde gegen Benedict, der diese lachend erwiedert. Benedict besinnt sich dann einen Augenblick, will Beatrice folgen, wird aber von Don Pedro zurückgehalten, der ihn anruft.

5. Scene.

Don Pedro. Claudio. Benedict.

DON PEDRO.

He, Signor Benedict!

BENEDICT.

Mein Feldherr! zu Befehl!

DON PEDRO.

Ihr seid durch mich zum Hochzeitsfest geladen,

Der Gouverneur vermählt die Tochter.

BENEDICT.

Wann?

DON PEDRO.

Heut Nacht!

BENEDICT.

An wen?

DON PEDRO.

An Euren Freund!

BENEDICT.

Dann hab’ ich keinen mehr; wer freit, ist mir verloren.

Bist Du’s, mein Claudio, so leb’ auf ewig wohl!

DON PEDRO.

Dir schlägt wohl auch die Stunde!

BENEDICT.

Mir?

Er schüttelt sich.

Nr. 5. Terzett.

Ich Ehemann? Gott soll mich bewahren!

Nein, lieber will in ein Kloster ich geh’n,

Eher noch sollt’ dort Ihr büßen mich seh’n,

Ja $150 lieber möchte zur Hölle ich fahren!

CLAUDIO UND DON PEDRO.

Welch’ Schreckensschwur! Gott mög’ ihn verzeihen!

Frevelnd verhöhnt er das zärtlichste Band!

Sein Hochmuth will lieber ein Büßergewand,

Als je der Liebe das Leben weihen.

BENEDICT.

Zwar einer Frau $150 es ist wahr $150

Verdanke ich mein Leben;

Daß mich ein Weib gebar,

Muß ich ihr wohl vergeben:

Aber $150 als Dank dafür

Mich krönen zu lassen

Mit der bekannten Ehemann-Zier $150

Will meiner Stirne nicht passen!

Leicht könnt’ als Eh’gemahl

Der besten aller Frauen

Ich ungerecht mißtrauen;

So bleibe mir denn freie Wahl:

Keiner von Allen

Je zu gefallen.

Und das Ende vom Lied:

Besser, daß Alle man mied!

Ich Ehemann? Gott soll mich bewahren!

Lieber noch möcht’ in ein Kloster ich geh’n,

Eher noch sollt’ Ihr dort büßen mich seh’n,

Ja $150 lieber möchte zur Hölle ich fahren!

CLAUDIO UND DON PEDRO.

Welch’ Schreckensschwur! Gott mög’ ihn verzeihen!

Frevelnd verhöhnt er das zärtlichste Band;

Sein Hochmuth will lieber ein Büßergewand,

Als je der Liebe das Leben weihen!

CLAUDIO.

Der Hohn,

DON PEDRO.

Der Trotz $150

CLAUDIO.

Geht doch zu weit!

BENEDICT.

Weil selbst zu sehr verliebt Ihr seid!

CLAUDIO.

So verachtet Ihr alle Frauen?

BENEDICT.

Nein $150 Keiner will ich nur trauen!

DON PEDRO.

Das süßeste Liebesglück?

BENEDICT.

Nein $150 nur das Ehe-Geschick.

CLAUDIO.

Den Trost in all’ unsern Leiden!

BENEDICT.

Die sie erst selbst uns bereiten!

DON PEDRO.

Unseres Lebens Gefährte!

BENEDICT.

Unserer Freiheit Beschwerde.

CLAUDIO.

Mit Schönheit geziert!

BENEDICT.

Die gar bald sich verliert!

DON PEDRO.

Das häusliche Glück!

BENEDICT.

Ein klägliches Stück!

CLAUDIO.

Die Quelle von Freuden $150

BENEDICT.

Die Viele bereuten!

DON PEDRO.

Die Sympathie $150

BENEDICT.

Und Disharmonie $150

CLAUDIO.

Der Treue $150

BENEDICT.

Und Reue $150

DON PEDRO.

Verein $150

BENEDICT.

Und Pein!

CLAUDIO UND DON PEDRO.

Die heilige $150

BENEDICT.

Langweile $150

CLAUDIO UND DON PEDRO.

Ehe!

BENEDICT.

Wehe!

Ich Ehemann? Gott soll mich bewahren!

Lieber noch möcht’ in ein Kloster ich geh’n,

Eher noch sollt’ Ihr dort büßen mich seh’n,

Ja $150 lieber möchte zur Hölle ich fahren!

CLAUDIO. DON PEDRO.

Welch’ Schreckensschwur! Gott mög’ ihn verzeihen!

Frevelnd verhöhnt er das zärtlichste Band;

Sein Hochmuth will lieber ein Büßergewand,

Als je der Liebe das Leben weihen!

BENEDICT.

Sollte je Benedict

Dem Ehe-Joche sich beugen,

Straft ihn, wie Ihr wollt,

Mit den tollesten Streichen.

An seinem Haus schreibt dann

Die Worte an:

»Hier ist $150 zu seh’n $150 Benedict $150 Als Ehemann.«

CLAUDIO. DON PEDRO.

Wir merken’s gut, nehmt Euch in Acht!

Ihr werdet noch von uns verlacht!

BENEDICT.

Leicht konnt’ ich das versprechen,

Nie sollt Ihr an mir rächen,

Was an den Frauen ich verbrach!

Nie fleh’ ich um Barmherzigkeit,

Zur Buße bin ich stets bereit!

Könnt’ Ihr verliebt mich seh’n,

Mag, was Ihr wollt, gescheh’n.

CLAUDIO. DON PEDRO.

Denkt nur an das Versprechen!

Wir werden einst schon rächen,

Was an den Frauen Ihr verbracht!

Wir strafen ohne Barmherzigkeit,

Denn Eure Frechheit geht zu weit!

Wenn wir verliebt Euch seh’n,

Dann soll’s Euch schlimm ergeh’n!

Benedict lachend ab, in den Palast.

DON PEDRO.

Ein Ehefeind ist Benedict geblieben;

Doch wett’ ich d’rauf, er ist es nur zum Schein, $150

Drum muß er heut noch rasend sich verlieben

Und morgen schon um Beatrice frei’n!

CLAUDIO.

Um Beatrice, wie? $150 In wenig Tagen

Hätt’ sich dies Paar im Wortgefecht erschlagen!

DON PEDRO.

Auf Euren Beistand bau’ ich meinen Plan.

Claudio verneigt sich zustimmend.

Doch still! Ich seh’ die Musikanten nah’n,

Die heute Nacht hier ihre Kunst beweisen!

Wär’ sie von Eis und Benedict von Eisen:

Der Zauberklang von echt’ und falschen Tönen

Lockt ihn in’s Ehenetz sammt seiner Schönen!

Beide ab in den Palast.

6. Scene.

Somarone. Musiker. Sänger und Sängerinnen.

Somarone, Musiker, welche Instrumente haben, Sänger und Sängerinnen treten auf.

SOMARONE.

Jetzt hab’ ich’s satt!

Was steckt die Nasen Ihr in’s Notenblatt?

Kennt Ihr noch nicht die Noten, lernt Ihr’s nimmer!

Ich fürchte fast, Ihr habt noch keinen Schimmer!

Die Musiker stimmen.

Halt! Wozu bin ich da? Erst stimmt den reinen Ton!

CHOR DER MUSIKER.

Maëstro, hört Ihr nicht? Wir stimmen schon!

Sie stimmen.

SOMARONE schreiend.

Halt! Halt’ ein mit Deinem Lärm, Gesell!

Du sprengst mir ja das Trommelfell!

Setz’ ein jetzt: A!

Zum Anderen.

Nun Du!

Beide blasen A und As.

Was? Der bläst nun As! Intrigue scheint mir das!

Ihr wollt den Ruhm des Meisterwerk’s mir rauben,

Zur Pein der Hörer schmeichelt Ihr den Tauben.

Die Musiker blasen.

So geht’s! Seid Ihr jetzt fertig?

CHOR DER MUSIKER frisch.

Ja!

SOMARONE.

Ihr Sänger, tretet an! Nun kommt En’r Theil!

Was steht Ihr da und habt Maulaffen feil!

Könnt Ihr’s noch nicht?

CHOR DER SÄNGER ängstlich.

Nein!

SOMARONE unwillig.

Nun, so nehmt die Noten!

Die Musiker haben inzwischen von Dienern herbeigebrachte Pulte aufstellen lassen. Die Sänger stellen sich in Ordnung. Somarone dirigirt.

Nr. 6. Chor.

Die Choristen singen diesen Chor aus ihren Stimmen und mit etwas übertriebenem Ausdruck.

O stirb, Du holdes Paar, von Liebesglück berauscht!

Dies wär’ der schönste Tod, den Ihr mit keinem tauscht.

Das Leben ist ein Traum, die Welt ein Jammerthal;

Wenn Ihr im Glücke sterbt, entgeht Ihr spät’rer Qual!

Wir preisen Euch im Chor, mit feierlichem Klang,

Gleichgut zum Hochzeitslied, als wie zum Grabgesang.

SOMARONE zornig.

Was soll das Schrei’n? Ihr weckt mit dem Spektakel ja die Todten,

Und sollt den Lebenden Entzückung zeigen!

Wie Weihrauch soll das Lied zum Fenster steigen!

Zu einem Oboebläser auf der Bühne.

Und Du, mein Söhnchen, blase die Figur hier!

Oboist bläst.

Recht brav, mein Sohn!

Zu Allen.

Nun noch einmal zusammen!

Er giebt sein Zeichen zum Anfang. Während des folgenden Chores ruft Somarone.

Mit Salbung! Meine Herren, mit Salbung! $150

Au, Au! Der Rhythmus! Zusammen! Zusammen!

Nicht schleppen! Jetzt in Extase! Nun zart und süß!

Leicht! Leicht! Vorwärts, vorwärts! Zart! Zart!

Ausdrucksvoll! $150 Zart! Leicht! Salbungsvoll!

So, so, so, so, so ist’s recht!

Nr. 6bis.

Chor

Mit Oboesolo. Sanfter und besser gesungen, wie das erste Mal.

O stirb, Du holdes Paar, von Liebesglück berauscht!

Dies wär’ der schönste Tod, den Ihr mit keinem tauscht.

Das Leben ist ein Traum, die Welt ein Jammerthal;

Wenn Ihr im Glücke sterbt, entgeht Ihr spät’rer Qual.

Wir preisen Euch im Chor, mit feierlichem Klang,

Gleich gut zum Hochzeitslied, als wie zum Grabgesang.

Somarone, die Musiker und die Sänger nach dem Hintergrunde zu, links ab. Diener nehmen die Pulte

weg.

7. Scene.

Benedict. Später Leonato. Pedro. Claudio.

BENEDICT tritt heftig aus dem Palast. $150 Sonnen-Untergang.

Nein! Das ertrag’ ich nicht! Ein Mann wie der,

Ein Held, den nur die Kriegsdrommete freute,

Zum Narr’n geworden durch die Thorheit Liebe,

Der dem Gesäusel einer Flöte lauscht!

Man kommt! $150 Ich will’s nicht seh’n!

Er verbirgt sich hinter dem Bosket. Don Pedro mit Leonato und Claudio aus dem Palast.

DON PEDRO.

Was bringt Ihr uns für wunderliche Mähr?

Die holde Beatrice sei verliebt?

LEONATO.

Ja, auf mein Wort! Und über beide Ohren!

CLAUDIO leise zu Don Pedro, mit Seitenblick auf Benedict.

Der Vogel sitzt im Netz!

LEONATO.

Noch mehr; ihr Abgott $150

DON PEDRO.

Nun?

LEONATO.

Ist Benedict!

BENEDICT.

Wie? Weht daher der Wind?

LEONATO.

Sie schien ihn zu verachten. Keinen Spott,

Schlagfertig wie sie ist mit ihrer Zunge,

Hat sie gespart. Er gab’s ihr tüchtig wieder,

Doch immer hatte sie das letzte Wort!

DON PEDRO.

Und Alles, ihre Liebe zu verbergen?

LEONATO.

So sagt mir Hero, die ihr Zimmer theilt!

Bei Tage spottet sie, doch sinkt der Abend,

Schickt sie verliebte Seufzer nach den Sternen,

Und flüstert leis’ im Traume: »Benedict«!

DON PEDRO.

Unglaublich scheint’s! Ihn, den Weiberfeind!

Und hat sie nie ihm ihre Lieb’ gezeigt?

LEONATO.

Im Gegentheil! Sie schwört, daß sie ihn hasse,

Läßt ihm kein gutes Haar, neckt ihn beständig.

Kurz: Wenn die Liebe Wahn $150 hier ist sie Tollheit,

Die eh’r sich selbst vernichtet als gesteht!

BENEDICT leise, für sich.

Ich hielt’s für Scherz, für eitel Fopperei,

Wenn nicht der Greis, der Oheim, es berichtet’!

CLAUDIO zu Don Pedro.

Jetzt zündet schon der Funke in dem Zunder!

LEONATO.

Sie wird sich nie vor Benedict verrathen.

DON PEDRO.

So müßt’s ein And’rer thun $150

LEONATO.

Verhüt’ es Gott!

Er triebe nur mit ihrer Neigung Spott!

Sie ist verständig immerdar geblieben,

Und toll nur darin, Benedict zu lieben.

Sie lachen. Don Pedro ab mit Leonato, Claudio folgt $150 Benedict kommt rasch hervor.

BENEDICT.

Warum denn toll? Das seh’ ich doch nicht ein!

Es überrascht mich zwar, doch $150 weshalb sollt’s nicht sein?

Die Liebe geht absonderliche Pfade,

Und Amor’s Pfeil trifft Herzen ohne Gnade.

Ich bin nicht schlecht gebaut, nicht fad ist mein Gesicht:

Daß sie mich liebt, ist neu; unmöglich $150 ist es nicht.

Er kommt nach vorn. $150 Nachdenklich.

Gesetzt, die Kund’ sei wahr $150 und alle Zweifel schwinden,

Nun, so ist’s mein Geschick, darin muß man sich finden.

Schön ist sie, das ist wahr, ein sittsam munt’res Kind.

Wenn ich’s bis jetzt nicht sah, war’s, weil ich toll und blind.

Und wenn sie gar mich liebt, ich sag’ es mit Entzücken,

Die Arme öffne ich, sie an mein Herz zu drücken.

Nr. 7. Rondo.

Ich liebe sie schon!

Mein Herz hat gesprochen!

Jetzt darf ich’s gesteh’n,

Der Bann ist gebrochen.

Ihr will ich verzeihen

All’ meine Pein;

Ihr will ich mich weihen,

Und ihr nur allein!

Wie wagt’ ich zu glauben,

Daß lieben sie kann?

Daß je könnte rauben

Ihr Herz auch ein Mann?

Sie ist zum Entzücken!

So klug, so gewandt

Noch Keine ich fand!

O, dürft’ ich erst küssen

Den reizenden Mund

Zum ewigen Bund!

Ich liebe sie schon,

Mein Herz hat gesprochen!

Jetzt darf ich’s gesteh’n,

Der Bann ist gebrochen.

Theure Beatrice!

Ich vergött’re Dich,

Und Du $150 liebest mich?

O Jubel, o Wonne!

Doch $150 schweige mein Mund,

Bis durch sie es mir kund.

Ach, darf ich’s denn glauben!

Kann nichts mir sie rauben?

Sollt’ Täuschung es sein?

Nein, nein, nein, nein!

Sie liebt auch mich,

Ihr Herz hat gesprochen!

Ich darf mir’s gesteh’n,

Der Bann ist gebrochen!

Ab in den Hintergrund nach links.

Es ist Dämmerung eingetreten und wird langsam Nacht. Beim Eintritt der Dunkelheit wird der Palast erleuchtet.

8. Scene.

Hero und Ursula lebhaft aus dem Palast.

URSULA.

Erzählt, wie ging es aus?

HERO.

Ich denke, gut!

Ich that, ganz wie mein Vater mir befohlen.

Geheimnißvoll beugt ich mich zur der Muhme,

Als ich die Rosen in das Haar ihr steckte

Und flüsterte: »Ich wüßte Einen wohl,

Der mich um diesen Liebesdienst beneidet.«

Sie lachte erst, dann fiel sie in Gedanken,

Dann rieth sie hin und her, beschwor mich endlich,

Neugierig, wie sie ist!

URSULA.

Das wäre Jede

In solchem Fall!

HERO.

Den Namen zu verrathen.

Erst sträubt’ ich mich; dann, wie von ungefähr,

Nannt’ ich den Namen: Benedict! Sie stutzte!

Erst ward sie roth bis in das Haar hinein

Und warf das Köpfchen zürnend in den Nacken,

Dann ward sie blaß und sah mich zweifelnd an.

Ich aber sprach, wie mich der Vater lehrte;

Ihr Zürnen schwand. Sie horchte schweigend zu.

So kämpft’ sie zwischen Weinen, zwischen Lachen!

Und wie unglaublich ich sein Werben malte,

Sie glaubte mir und sah so vor sich hin!

Da lief ich fort $150 der Vogel ist im Garn!

URSULA.

So bringt der Zufall Amor’n oft Gelingen,

Den trifft sein Pfeil, der fängt sich in den Schlingen.

HERO.

Mich reut es fast, daß, selbst den Pfeil im Herzen,

Ich keck gewagt, mit And’rer Glück zu scherzen.

Sie seufzt. $150 Hier ist es ganz Nacht geworden. Beide setzen sich auf die Bank im Bosket.

Nr. 8. Duett Recitativ.

URSULA.

Warum der tiefe Seufzer?

HERO.

Auch vor dem Glücke kann uns bangen,

Wenn die Stunde nun da,

Die so heiß wir ersehnt.

Claudio! Claudio!

Bald schon, bald bin ich Dein!

Mondschein beleuchtet die Bühne und spiegelt sich auf dem Wasser.

Notturno.

BEIDE.

O Nacht von Zauber erfüllt!

Der Mond lächelt hernieder,

Die Welt ruht glanzumhüllt!

Nur dort die einsame Grille

Lockt mit klagender Stimme

Durch die friedliche Stille

Aus den Blumen hervor.

Und die Nachtigallen jubeln

Ihren Liebes-Gesang

Zu den Sternen empor;

Aus flüsternden Platanen

Schwebt der wonnige Klang

Zu dem lauschenden Ohr.

Heller schimmert die Welle,

Leiser rauschet die Quelle,

Sanfter der Wipfel dunkeles Meer $150

Stiller und stiller wird Alles umher.

Harmonie im Welten-All!

Nur die liebessel’ge Brust

In unnennbarer Lust

Giebt dir vollen Wiederhall!

Sie erheben sich von der Bank.

Recitativ.

URSULA.

Wie? Thränen im Auge?

HERO.

Es sind ja nur Thränen der Wonne!

Sie erleichtern das Herz

Im Glückes-Uebermaß.

Auch Du lernst sie einst kennen,

Mit der Liebe Gewalt!

BEIDE.

Nur Liebe kann verstehen

Das unsichtbare Wehen,

Die Sprache der Natur:

Und ihrem verklärenden Walten

Erscheinen die Traumgestalten

Mit nie geahnter Pracht

Im süßen Zauber der Nacht.

Natur von Wonne erfüllt!

Der Mond lächelt hernieder,

Die Welt ruht glanzumhüllt.

Nur dort die einsame Grille

Lockt mit klagender Stimme

Durch die friedliche Stille

Aus den Blumen hervor.

Und die Nachtigallen jubeln

Ihren Liebesgesang

Zu den Sternen empor;

Aus flüsternden Platanen

Schwebt der wonnige Klang

Zu dem lauschenden Ohr.

Heller schimmert die Welle,

Leiser rauschet die Quelle,

Sanfter der Wipfel dunkeles Meer, $150

Stiller und stiller wird’s rings umher.

Harmonie im Welten-All!

Nur die liebessel’ge Brust

In unnennbarer Lust

Giebt dir vollen Wiederhall!

Harmonie im Welten-All!

Beide wandeln, mit verschlungenen Armen, langsam quer über den vorderen Theil der Bühne. Hero lehnt ihr Antlitz auf Ursula’s Schulter, um ihre Thränen zur verbergen. $150 Ursula trocknet Hero’s Thränen und sucht sie zu beruhigen, bis Hero wieder lächelt. $150 Ursula pflückt einen Rosenstrauß, während Hero in Träumen versunken bleibt. $150 Ursula reicht Hero die Rosen. Hero, $150 den Arm auf Ursula’s Schulter gelehnt, entblättert die Rosen träumerisch, während Beide langsam nach dem Hintergrunde gehen. Beide

verschwinden in den Park.

Der Vorhang fällt langsam.

Zweiter Akt

Im Palaste des Gouverneurs. $150 Großer Saal, durch dessen Säulen man in einen zweiten, kleineren sieht, in welchem Somarone mit seinen Sängern und Musikern, bei einem Trinkgelage sitzend, sichtbar ist. Glänzende Beleuchtung. Im Vordergrunde, also im großen Saale, Tanz.

1. Scene.

Tänzer. Tänzerinnen. Somarone. Musiker. Sänger. Sängerinnen. Diener.

Nach dem Ballet.

CHOR DER MUSIKER aus dem kleinen rückwärtigen Saale, mit den Gläsern auf die Tische klopfend.

He! Holla! Per Bacco! Wein! Mehr Wein!

Marsala! Syracuser! Wein, Wein, Wein!

Diener bringen Wein.

EINZELNE.

Und Ihr, Herr Somarone,

Improvisirt uns einen Rundgesang!

SOMARONE.

Recht gern! Doch Ihr begleitet mich!

Trompeter, blast! Guitarren in die Hand!

Des Mars und Bachus Zauberklänge

Begleitet Ihr mein Lied!

Die Sängerinnen, Sänger und Musiker bilden eine malerische Gruppe; Guitarren in den Händen der Frauen, Blasinstrumente von Musikern gespielt u.s.w. Andere heben die Gläser.

Nr. 9. Trinklied.

SOMARONE das Glas in der Hand.

Der Wein von Syrakus

Ist Kenner-Genuß!

Dem Lavastrome gleich

Durchglühet er Euch.

Ob am Aetna-Rand

Seine Wiege stand?

Trinkt Syrakuser Wein,

Schenkt ein!

CHOR.

Trinkt Syrakuser Wein,

Schenkt ein!

SOMARONE.

Doch $150 ein edler Getränke

Ist Marsala!

CHOR.

Marsala!

SOMARONE.

Keiner kommt ihm nah’!

Der beseelt, inspirirt,

Wie bei mir man verspürt.

Aechtes Landes-Kind,

Wie wir Alle sind,

Trinkt Sicilianer Wein

Allein!

Einige schlagen mit den Gläsern auf den Tisch.

CHOR.

Ein prächtig Lied!

Genial improvisirt.

Nun singt

Und trinkt

Ihm nach,

Wenn Ihr’s versteht.

Hoch lebe, hoch

Unser Meister-Poet!

SOMARONE UND CHOR.

Der Wein von Syrakus

Ist Götter-Genuß;

Dem Lavastrome gleich

Durchglühet er Euch.

Ob am Aetna-Rand

Seine Wiege stand?

Trinkt Syrakuser Wein,

Schenkt ein!

Doch ein edler Getränke

Ist Marsala,

Keiner kommt ihm nah’!

Der begeistert zum Lied,

Wie man hier ersieht!

Aechtes Landes-Kind,

Wie wir Alle sind,

Trinkt Sicilianer Wein

Allein!

CHOR sich erhebend.

Bravo! Bravo! Noch einen Vers!

SOMARONE.

Noch einen? $150 O, noch ein Dutzend, wenn Ihr wollt!

Alle sind, mit Gläsern oder Instrumenten in der Hand, nach vorne gekommen.

SOMARONE im Vordergrunde. $150 Mit sichtlichen Zeichen der Betrunkenheit.

Der Wein $150 der Wein, (Hm!)

Nun $150 der Wein von Syrakus

Macht leicht $150 confus.

CHOR lachend.

O, großer Poet,

Du wirst verdreht!

Trink mehr noch

Vom Marsala-Wein,

Dann fällt Dir was ein.

Wir singen Dir’s vor

Im Chor:

SOMARONE UND CHOR.

Der Wein von Syrakus

Macht leicht confus;

Einer Tromba gleich

Umwirbelt er Euch;

An der Scylla Strand

Wohl die Wiege stand?

Trinkt Syrakuser Naß

Vom Faß!

Doch ein edler Getränke

Ist Marsala,

So wie dieser da!

Der beseelt, inspirirt,

Wie bei uns man verspürt.

Aechtes Landes-Kind,

Feurig und geschwind,

Trinkt Sicilianer Wein

Allein!

Ein Diener mit einem ungeheuren Flaschenkorb tritt ein.

CHOR.

Hoch! Hoch! Hurrah!

Die Flaschen werden dem Diener abgenommen.

SOMARONE.

Nun in den Park! Im Mondschein trinkt sich’s kühler!

Doch bleibt mir nüchtern, wenn Ihr’s könnt!

Wir haben heut’ noch viel zu schaffen.

CHOR.

In den Park! In den Park!

Im Abgehen singend.

‘s giebt kein edler Getränke

Als Marsala!

Hoch der Wein von Marsala!

La, la!

Attacca.

Nr. 10.

2. Scene.

Beatrice allein.

Während des Vorspiels erregt auftretend; sie ist in festlichem Anzuge.

Recitativ.

Gott! Was hab’ ich vernommen!

Mein Herz jauchzt empor,

Meine Brust will zerspringen:

Benedict $150 ist’s ein Traum?

Benedict $150 liebte mich?

Arie.

Ich ahnt’ es längst,

Er liebt nur mich!

Doch wollt’ ich nimmer

Mir’s gestehen.

Als zum Kampf er gezogen,

Da fühlt’ ich allzusehr,

Wie er mir sei gewogen,

Wie der Abschied ihm so schwer!

Und auch meine Brust

Schlug für ihn

Unbewußt.

Er zog von dannen $150

Kehrt er wohl wieder?

Hat er den Sieg,

Den Tod gefunden?

Fragt’ ich mich bang’

In trüben Stunden.

Dann sah ich oft im Traum

Ihn von Gefahr umgeben:

Der Feind stürmt’ wild herbei $150

Ich vernahm sein Geschrei,

In Strömen floß das Blut,

Den Unsern sank der Muth, $150

Ich sah, wie er noch stand,

Wie er focht, wuthentbrannt,

Dann sah ein Schwert ich blinken,

Seine Brust traf der Stahl! ….

Ich sah ihn sinken,

Sah seine Todesqual ….

Ich schreie laut,

Ruf’ um Hilfe,

Flieg’ herbei $150

Schon war’s zu spät,

Er verschied

In meinem Arm.

Entsetzt fahr’ ich empor, $150

Sein Tod war nur ein Traum,

Ich lache über mich

Und ihn,

Spotte seiner Gefahren,

Und doch,

Mein Herz erbebt’,

So oft ich sein gedachte.

Er liebt ja mich,

Ich wußt’ es längst,

Doch wollt’ ich nimmer

Mir’s gestehen.

Als zum Kampf er gezogen,

Da fühlt’ ich allzusehr,

Wie er mir sei gewogen,

Wie der Abschied ihm so schwer.

Und auch meine Brust

Schlug für ihn

Unbewußt $150

Er liebt nur mich,

Ich wußt’ es längst!

Lieb’ ich auch ihn? $150

Ja, Benedict, ich liebe Dich!

Dir will ich angehören,

Nur Dir will Treu’ ich schwören;

Du hast gesiegt,

Mein Stolz erliegt!

O komm’!

Ich lieb’ Dich treu und wahr!

Lebwohl

Du Uebermuth, auf immerdar!

Dein Ziel, Du hast es erreicht,

Dein Herz hat das meine erweicht!

Mein Hohn verstummt,

Mein Spott versiegt,

Mein Mädchenstolz, er unterliegt!

Unsre Geister sind verwandt!

Nimm als Preis denn meine Hand!

Du bist aller Opfer werth:

Du hast lieben mich gelehrt!

Beatrice wendet sich zum Abgehen, wird aber von der, mit Ursula eintretenden Hero zurückgehalten.

3. Scene.

Beatrice. Hero, als Braut gekleidet, ohne Schleier und Kranz. Ursula, gleichfalls im Festschmucke. Später 4 Brautjungfern, dann Herren und Damen.

HERO.

Was fehlt Dir, Beatrice? $150 So allein,

Dem Festesjubel fern?

BEATRICE.

Mir ist nicht wohl,

Verstimmt, zerstreut. Hero, ich möchte weinen,

Und wenn ich lache, so versteh’s als Thränen.

URSULA.

Seid Ihr verliebt?

BEATRICE.

Was meint die Närrin?

URSULA.

Nichts!

Gott schenke Jedem, was sein Herz begehrt!

BEATRICE.

Ich bin recht krank, mir steigt das Blut zu Kopf!

URSULA.

Legt Benedictenkraut Euch auf das Herz,

Das ist probat!

BEATRICE heftig.

Was, Benedict? Ihr lacht?

Was meint Ihr mit der plumpen Anspielung?

URSULA.

Ich meint’ Signore Benedict. Nun, der

Schwur einst die Liebe ab, $150 und jetzt, beim Himmel,

Ist er verliebt wie and’re Menschenkinder!

BEATRICE zu Hero, sehr erregt.

Sie treibt mich fort mit albernem Geschwätz!

HERO.

Dein Zustand ängstigt mich,

Schwärmerisch.

die ich so glücklich bin!

Nr. 11. Terzett.

HERO.

Den Mann, den so hoch ich verehrt,

Soll durch meine Hand ich beglücken;

Mein Leben erhält

Durch ihn erst Werth,

Ich preise das Loos,

Das durch ihn mir bescheert!

URSULA.

Den Mann, den so hoch sie verehrt,

Will durch ihre Hand sie beglücken;

Ihr Leben erhält

Durch ihn erst Werth,

O, seliges Loos,

Das die Liebe bescheert!

BEATRICE träumerisch.

Den Mann, den so hoch Du verehrt,

Darfst mit Deiner Hand Du beglücken!

Dein Leben erhält

Einen neuen Werth!

Glücklich Dein Loos,

Das die Liebe bescheert!

HERO UND URSULA bei Seite, Beatrice beobachtend.

Welch’ sanfter Ton?

Sie scheint bewegt, $150

Das Mittel wirkt!

URSULA.

Doch wie?

Mir scheint das Herz Euch schwer?

Ist’s etwa Neid,

Der unsre Freundin quält?

Nein, nein!

Ihr liebt die Freiheit viel zu sehr,

Ihr thut mir leid,

Ihr bleibt ja unvermählt!

BEATRICE.

Ich voll Neid? Ich vermählt?

Nein, nie!

Folgsam gehorchen dem Ehe-Tyrann?

Er mein Herr?

Nimmermehr!

Lieber will ich in Klostermauern

Mein Leben vertrauern,

Eh’ ich mich beuge je einem Mann!

HERO.

O, Himmel! Verhüte das Loos:

Daß je ihr kaltes Herz

Empfände Liebes-Schmerz!

Das Unglück wäre zu groß!

Wenn Deine Schönheit einst,

Dein hoher Geist,

Der so stolz sich erweist,

Das Herz des edelsten Mannes besiegen,

Du schmachtend siehst ihn vor Dir liegen.

HERO UND URSULA.

Komme nie der Tag,

Wo Du mußt gestehen,

Daß der Liebe Flehen

Auch Dein Herz erlag!

BEATRICE.

Nimmer traue ich Männerschwüren,

Lasse durch Seufzer mich niemals rühren,

Nie erweicht mich der zärtlichste Ton!

Könnt’ auch den stolzesten Mann ich besiegen,

Schmachtend ließe den Armen ich liegen,

Seine Thränen verlacht’ ich,

Seine Schwäche veracht’ ich,

Mein Hohn nur wär’ sein Lohn!

URSULA.

Oft im besten Ehestand

Muß man erfahren,

Daß mit den Jahren

Die Liebe schwand.

Dann kommt zu spät die Reu’!

Ach! schwerer ist Nichts zu wahren,

Als $150 Männer-Treu!

HERO.

Dann schleicht sich herein

Die Eifersucht!

Sie kommt über Nacht

Mit furchtbarer Macht

HERO UND URSULA.

Sie quält in dämonischer Lust

Die liebende Brust

Mit höllischer Pein!

HERO.

Ha! Wenn mein Gemahl ….

Gott! Welcher Gedanke!

Wenn er kalt mich verließ,

Wenn mein Herz er verstieß,

Wenn er bräche die Treue, ….

Welche Qual!

BEATRICE sich vergessend.

Ha! Könnt’ er mich verschmähen!

Rasend würd’ ich vor Wuth:

Sühnen müßt’ es sein Blut!

HERO lachend.

Was hat so in Wuth Dich gebracht?

Hat Eifersucht denn auch noch Macht

Im kältesten Herzen?

Doch $150 ist’s nicht Frevel, zu scherzen?

Mich liebt ja Claudio allein,

Bald ist er mein!

HERO.

Den Mann, den so hoch ich verehrt,

Soll durch meine Hand ich beglücken;

Mein Leben erhält

Durch ihn erst Werth,

Ich preise das Loos,

Das die Liebe bescheert.

BEATRICE.

Den Mann, den so hoch Du verehrt,

Darfst durch Deine Hand Du beglücken!

Dein Leben erhält

Einen neuen Werth,

Glücklich Dein Loos,

Das die Liebe bescheert!

URSULA.

Den Mann, den so hoch sie verehrt,

Will durch ihre Hand sie beglücken,

Ihr Leben erhält

Durch ihn erst Werth,

O seliges Loos,

Das die Liebe bescheert!

Vier Brautjungfern, weiß gekleidet, treten mit Schleier und Kranz ein.

URSULA.

Wir müssen fort, der Trauung Stunde schlug

Und man erwartet Euch!

HERO.

In Gottes Namen!

Komm’! Beatrice!

BEATRICE.

Ja! Ich folg’ Euch gleich.

Damen und Herren sind eingetreten. Hero wird von den Mädchen mit Schleier und Kranz bekleidet und geht dann an der Spitze des $150 den nachfolgenden Chor singenden $150 Brautzuges mit Ursula ab. Beatrice sieht ihnen träumerisch nach.

Nr. 12. Brautlied.

CHOR.

Komm’, komm’! die Stunde nahet!

Komm’, hochbeglückte Braut!

Reine, zarte Mädchenblüthe,

Die in holder Scham erglühte:

Flicht den Brautkranz Dir in’s Haar,

Laß Dich führen zum Altar!

Der Geliebte harret Dein,

Dir der Treue Schwur zu weih’n.

Komm’, hochbeglückte Braut,

Der Gatte harret Dein!

Beatrice hat während des Gesanges schon ihr Angesicht verhüllt, als wenn sie Thränen zurückhalten wollte.

4. Scene.

Beatrice. Benedict.

Benedict tritt, vorsichtig sich umblickend, auf; Beatrice sieht ihn erst, als sie sich umwendet. Beide erschrecken.

BEATRICE.

Ach!

BENEDICT verlegen.

Ach! Schöne Beatrice,

Man sucht Euch.

BEATRICE erschrocken.

Mich? $150 Ihr sucht mich, Benedict?

BENEDICT sich fassend.

Wie? Sagt ich das? Nicht achtet d’rauf. Seit Kurzem

Sprech’ ich, was früher nimmer ich gedacht.

BEATRICE gefaßt.

Und denkt, was Ihr nicht spracht?

BENEDICT.

Vielleicht auch das!

BEATRICE.

So könnt Ihr, was Ihr spracht, auch nicht vertreten.

Was denkt Ihr jetzt?

BENEDICT.

Ich denk’, daß ich Euch liebe!

BEATRICE.

Das klingt so seltsam, fast, als wär’ es wahr!

BENEDICT.

Es ist so wahr, als es Euch seltsam scheint!

Bei meinem Schwert: Du liebst mich, Beatrice!

Und zwingen will ich den, mein Schwert zu essen,

Der sagt: Ich lieb’ Dich nicht.

BEATRICE.

Verzeih’ mir’s Gott!

Ich war bereit zu einer argen Sünde!

Fast hätt’ ich Euch gesagt, daß ich Euch liebe.

BENEDICT.

Thut’s denn und schwört bei Eurem ganzen Herzen!

BEATRICE.

Das wäre Meineid, denn, wenn ich Euch liebte,

Wär’ Euer ja mein Herz und nicht mehr mein!

BENEDICT.

Besiegelt’s durch ‘nen Kuß!

BEATRICE ausweichend.

Nicht Lohn noch Strafe

Will ich für meine Liebe.

BENEDICT.

Dann sprich, für welche meiner Fehler Du mich liebst?

BEATRICE.

Für alle, denn sie stehen so zusammen,

Daß keine Tugend zwischen sie sich drängt.

Sag’ lieber, $150 weshalb liebst Du meine Tugend?

BENEDICT.

Weil Deine Fehler selbst mir Reize scheinen.

Und ich so keinen missen wollte! Komm’! Zu Deinem

Oheim!

BEATRICE.

Das ist zu spät, $150 da kommt er selbst!

5. Scene.

Don Pedro. Leonato. Hero mit Schleier und Kranz. Clandio. Beatrice. Benedict. Notar. Ursula. Hochzeitsgäste. Gefolge. Diener.

Alle treten in feierlichem Zuge ein.

Nr. 13.

Um den Festzug einzuführen und auf der Bühne zu ordnen, bedarf das Ensemble einer Instrumental $150 Einleitung. Deshalb sollen, nach Anordnung des Componisten, die ersten 13 Takte im Orchester erst allein gespielt und dann mit Chor repetirt werden.

Großes Ensemble.

Beatrice. Hero. Ursula. Benedict. Claudio. Don Pedro und Chor.

ALLE.

Herr! der die Kraft uns gab,

Daß wir den Feind bezwungen,

Blick’ gnädig jetzt auf uns herab!

HERO UND CLAUDIO.

Du, dem die Herzen kund,

Den preisen alle Zungen:

O, seg’ne unsern Liebesbund!

Erhöre unser heißes Fleh’n,

Vernimm den Schwur der ew’gen Treue!

Laß stets uns Deine Pfade geh’n,

Gieb unserm Bund die rechte Weihe!

ALLE UEBRIGEN.

Du, dem die Herzen kund,

Den preisen alle Zungen:

O, seg’ne diesen Ehe-Bund!

Erhöre, Herr, ihr heißes Flehn,

Hör’ ihren Schwur der ew’gen Treue!

Dies Paar laß Deine Pfade geh’n,

Gieb ihrem Bund die rechte Weihe!

ALLE.

Herr, der die Kraft uns gab,

Daß wir den Feind bezwungen:

Blick’ gnädig jetzt auf uns herab!

Ein Tisch mit Schreibzeug ist gebracht worden, zu welchem der Notar jetzt tritt und seine Papiere dort ausbreitet.

LEONATO.

Ist Alles bereit?

NOTAR.

Die Kontrakte sind fertig;

Noch fehlt die Unterschrift.

LEONATO zu Claudio.

So zeichne denn zuerst, mein theurer Sohn!

Claudio unterschreibt.

DON PEDRO.

Nun, holde Braut!

Hero unterzeichnet.

NOTAR.

Die Zeugen später! Nun erst den Kontrakt!

DON PEDRO.

Es ist gescheh’n!

NOTAR.

Der erste, ja! Allein

Der zweite noch!

DON PEDRO.

Und wer will noch hier frei’n?

NOTAR.

Ein zweites Paar, so wurde ich entbeten,

Das auch gewillt, heut’ in die Eh’ zu treten!

Benedict tritt zagend vor.

LEONATO.

Ihr, Ehefeind, Ihr seid’s doch sicher nicht?

BENEDICT leise und hastig zu Beatrice.

Liebt Ihr mich, Fräulein?

BEATRICE.

Nein! Nicht mehr als billig!

BENEDICT.

So ist es Trug, was Euer Oheim spricht?

BEATRICE.

Liebt Ihr mich denn?

BENEDICT.

Das Herz ist leidlich willig,

Allein die Lippe ist’s noch immer nicht!

BEATRICE.

So hat die Muhme mich und Ursula

Schelmisch getäuscht. Sie schwuren mir, Ihr liebtet!

BENEDICT.

Und nehmen will ich Dich, weil der Kontrakt

Doch einmal fertig!

BEATRICE.

Und ich schlage ein,

Um Gotteswillen, weil kein Schlimm’rer da!

Benedict und Beatrice unterzeichnen rasch den Kontrakt.

LEONATO.

Herbei! Herbei! Und stimmet an!

Somarone ist mit Musikern und Sängern aufgetreten, stellt Alle auf und giebt mit dem Taktstock ein Zeichen. Zugleich kommen 4 Diener, welche Stangen mit Inschriften tragen, die noch nicht zu sehen sind, weil die Schrift nach rückwärts

gekehrt ist. $150 Andere Diener tragen den Tisch schnell fort. $150 Die 4 Diener stehen in der Mitte in einer Linie; rechts und links die Musiker. $150 Alle Uebrigen weichen nach beiden Seiten zurück. Beatrice und Benedict allein, verwundert im Vordergrunde.

Nr. 14.

ERSTER DIENER. dreht beim zweiten Schlag der großen Trommel rasch seine Stange um, so daß die Inschrift zu lesen ist: »Hier ist«.

ALLE, AUßER BENEDICT UND BEATRICE. auf Benedict mit Fingern weisend, und von der Inschrift ablesend.

»Hier ist.«

ZWEITER DIENER. dreht beim dritten Schlag rasch seine Stange, auf der zu lesen ist:

»Zu seh’n«.

ALLE. wie oben.

»Zu seh’n.«.

DRITTER DIENER. ebenso beim vierten Schlag.

ALLE.

»Benedict.«.

VIERTER DIENER. ebenso beim fünften Schlag.

ALLE.

»Als Ehemann.«.

Alle lachen.

BENEDICT.

Lacht immer zu! $150 Der Ehemann weiß sich zu trösten!

Das war ein schwerer Sieg, den Ihr errungen!

Ihr habt ein liebend Paar zur Eh’ gezwungen!

Nr. 15.

Gegenseitige Beglückwünschungen und Begrüßungen. Das Vorspiel muß unterstützt werden von sehr vornehmen Manieren auf der Bühne.

Scherzo-Duettino.

Benedict und Beatrice sind nach dem Vordergrund gekommen.

BENEDICT.

Die Liebe lodert empor,

BEATRICE.

Sie flackert hin und her,

BENEDICT.

Ein Irrlicht $150 bricht sie hervor,

Wer weiß $150 woher?

BEATRICE.

Blitzt auf und huscht vorbei,

Und schließt die tollsten Ehen!

BENEDICT.

Was hilft’s, daß klug man sei?

Schon ist’s geschehen!

BEATRICE.

Mich rührte das stumme

Schmachten des Armen!

BENEDICT.

Mich jammert’ die heiße

Liebe der Armen!

BEATRICE.

Ich war allzu weich.

BENEDICT.

Ich erhörte Euch.

BEIDE.

Nur aus Erbarmen!

Unser letzter Streich

Sei der tollste zugleich:

Ich liebe Euch!

Das Unglück ist nun da,

Wer weiß denn, wie’s geschah?

Bei verlorenem Spiel

Hilft die Reue nicht viel!

BEATRICE.

Scheint er mir doch werth,

Daß man sich bekehrt,

Hat sich brav gewehrt!

BENEDICT.

Scheint sie mir doch werth,

Daß man sich bekehrt,

Hat sich brav gewehrt!

BEIDE.

Heute bleibe der Liebe Sieg;

Morgen beginne auf’s Neue der Krieg!

ALLE.

Der Krieg!

Benedict umarmt Beatrice, Claudio Hero.

Ende.

Hector Berlioz – Benvenuto Cellini

Hector Berlioz

Benvenuto Cellini

Opéra en deux actes

Personnages

Benvenuto Cellini, ciseleur florentin

Giacomo Balducci, trésorier du pape

Fieramosca, sculpteur du pape

Le Cardinal Salviati, camerlingue

Francesco,

Bernardino, chefs d’atelier de Cellini

Pompeo, spadassin, ami de Fieramosca

Un Cabaretier

Teresa, fille de Balducci

Ascanio, élève de Cellini

Le Faux Trésorier,

Arlequin,

Polichinelle,

Colombine,

Deux Spadassins, Personnages muets

Servantes et voisines de Balducci,

Ciseleurs,

Fondeurs,

Masques,

Sbires,

Moines,

Suite du cardinal,

Peuple, Chœurs

La scène se passe à Rome, an seizième siècle, sous le pontificat de Clément VII, les lundi, mardi gras, et mercredi des Cendres.

Le drame que l’on offre à tes yeux, spectateur,

N’est point un pur roman indigne de croyance;

Les faits sont vrais, tu peux en prendre connaissance

Aux mémoires écrits par le grand Ciseleur.

Cellini vit le jour dans la belle Florence;

Il fut en même temps bon orfèvre et sculpteur,

Il sut défendre Rome en savant artilleur,

Et suivit à Paris François premier de France.

Il était violent et souvent sans raison;

Très prompt à la riposte il tua plus d’un homme,

Et mainte fois ne dut qu’au talent son pardon.

Ce n’était pas un ange, on le voit, mais en somme

Il n’eut jamais au cœur de basse affection

Et toujours il aima l’art avec passion.

Acte premier

Premier tableau

Lundi Gras

L’appartement de messer Giacomo Balducci au tomber de la nuit. Sur le devant, à gauche, une table entre deux fauteuils à dossier. Deux portes: une à gauche, une au fond. A droite, une fenêtre. La nuit augmente graduellement.

Scene I

Balducci, Teresa.

Teresa regarde par la fenêtre: Balducci entre par la porte du fond, achevant de s’habiller.

Introduction.

BALDUCCI.

Teresa … mais où peut-elle être?

Thérèse … à la fenêtre!

Je l’ai pourtant bien défendu;

N’avez-vous donc pas entendu?

Pour prendre l’air l’heure est fort belle

Depuis un siècle que j’appelle.

Le pape m’attend … mon bâton,

Mes gants, ma dague, et ce carton …

Teresa prend tour à tour ces objets sur la table et les lui présente.

C’est à damner un saint, un ange!

En vérité, c’est bien étrange

Que le pape ainsi dérange

Un trésorier soir et matin

Pour Cellini, ce libertin,

Ce paresseux, ce Florentin!

Aussi pourquoi, notre saint père,

Prendre en Toscane un ciseleur,

Quand vous aviez votre sculpteur

Fieramosca, dont c’est l’affaire?

Il sort.

TERESA.

Enfin il est parti,

Tout de bon, … je respire,

Ouf … quel ennui!

C’était un vrai martyre.

Chœur de masques au dehors.

BALDUCCI, rentrant.

D’où vient ce bruit?

TERESA.

O Dieu! serait-ce lui!

Cellini, Francesco, Bernardino et masques au dehors.

Tra la la la

De profundis!

Carnaval père

Ce soir enterre

Un de ses fils!

Mais soyez sages,

O grands enfants

De tous les âges,

De tous les rangs;

Homme ni femme

Ne pleurez pas,

Buvez à l’âme

De lundi gras!

BALDUCCI.

A ma porte quel, tapage!

C’est Cellini, je le gage,

Avec ses mauvais sujets:

Prenons garde à ses projets.

Il s’approche de la fenêtre et reçoit une grêle de fausses dragées qui lui couvrent le corps et le visage de taches blanches.

Cellini, Francesco, Bernardino et le chœur de

masques.

Vive la joie!

Les morts sont morts;

Dieu nous envoie

Un joyeux corps,

Un gai compère

Encor plus gras

Que feu son frère;

Ne pleurons pas.

Ensemble.

BALDUCCI.

Ah! marauds! infâme engeance!

C’est sa bande, l’insolent!

Me couvrir ainsi de blanc

Lorsqu’il faut qu’en diligence

Je me rende au Vatican!

Va, de toi j’aurai vengeance

Quelque jour, maudit Toscan!

BALDUCCI, à Teresa qui éclate de rire.

Oui, riez, la belle affaire!

Pour changer il est trop tard,

Ah! grand Dieu! chez le saint père

J’aurai l’air d’un léopard!

Teresa s’approche de la fenêtre à son tour et reçoit une pluie de fleurs.

Ensemble.

BALDUCCI.

C’est bien lui, je vais descendre!

Misérable, ose m’attendre!

C’est ce fat, votre enjoleur!

Moi l’épine, et vous la fleur!

Lui Cellini, lui mon gendre!

Mille fois plutôt me pendre!

Ah! malheur à lui, malheur!

Ce Florentin,

Ce paresseux, ce libertin!

Ose m’attendre,

Gueux à pendre!

TERESA.

Oui, c’est lui, c’est votre gendre!

Croyez-vous me faire prendre

Un mari contre mon cœur?

Renoncez à cette erreur,

Colombine est à Léandre;

Moi la femme de Cassandre!

Ah! malheur à lui, malheur!

Cellini, Francesco, Bernardino et le chœur de masques.

De profundis!

Carnaval père

Ce soir enterre

Un de ses fils!

Mais soyez sages,

O grands enfants

De tous les âges,

De tous les rangs;

Homme ni femme

Ne pleurez pas,

Buvez à l’âme

De lundi gras!

Scene II

TERESA, seule.

Parmi les fleurs qu’on vient de lui jeter elle ramasse un bouquet.

Les belles fleurs … un billet … Cellini!

Quelle imprudence …

Elle lit.

Eh quoi! venir ici?

Ce soir même … Ah! grand Dieu! mais mon père

Est bien loin, et l’instant est propice … Que faire?

Air

Entre l’amour et le devoir

Un jeune cœur est bien à plaindre,

Ce qu’il désire il doit le craindre,

Et repousser même l’espoir.

Se condamner à toujours feindre,

Avoir des yeux et ne point voir,

Ah! comment le pouvoir?

Un jeune cœur est bien à plaindre

Entre l’amour et le devoir.

Quand j’aurai votre âge,

Mes chers parents,

Il sera bien temps

D’être plus sage;

Mais à seize ans

Ce serait dommage.

Oh! dès qu’à mon tour

Je serai grand’mère,

Alors, laissez faire!

Malheur à l’amour!

Scene III

Teresa, Cellini.

TERESA.

J’entends quelqu’un monter …

Cellini! …

CELLINI.

Teresa! ne fuyez pas ma vue!

TERESA.

Cellini, près de vous je ne puis pas rester!

CELLINI.

Ah! ce langage me tue!

TERESA.

Du bruit ….

CELLINI.

Rassurez-vous …

TERESA.

On vient … je suis perdue!

Partez!

CELLINI.

Ce bruit n’est rien, sur mon honneur!

C’est le gai carnaval qui dehors parle en maître.

Laissez-le sous votre fenêtre

Agiter son grelot moqueur,

Et calmez, Teresa, calmez votre frayeur.

Trio.

CELLINI.

Vous que j’aime plus que ma vie,

O Teresa! je viens savoir

Si loin de vous, triste et bannie,

Mon âme doit perdre l’espoir.

TERESA.

Las! votre amour n’est que folie,

Un vain tourment et sans espoir!

Il faut m’oublier pour la vie,

Car je ne dois plus vous revoir.

Scene IV

Les Précédents, Fieramosca.

FIERAMOSCA, un gros bouquet à la main, entrant par la porte du fond.

Ce n’est pas en forçant les grilles,

En mettant bas portes, verrous,

Que l’on gagne le cœur des filles;

Mais en marchant à pas de loups.

CELLINI.

Non, par les saints, par la madone! …

FIERAMOSCA, épouvanté.

Dieu! Cellini, cachons-nous là!

Il entre dans la chambre de Teresa.

CELLINI.

Je ne puis croire, ô Teresa,

Qu’amour jamais vous abandonne

Aux bras de ce Fieramosca!

TERESA.

Ah! me préserve ma patronne

De ce malheur, car je sens là

Que je mourrai, si l’on me donne

A ce Fieramosca.

FIERAMOSCA, entr’ouvrant la porte.

Ah! si j’osais parler tout haut!

Ah! si j’osais souffler un mot!

Ensemble.

CELLINI.

Eh bien! donc, Teresa, ma vie,

Au nom des saints, je viens savoir

Si loin de vous, triste et bannie,

Mon âme doit perdre l’espoir.

TERESA.

Mais votre amour n’est que folie,

Un vain tourment et sans espoir.

Il faut m’oublier pour la vie,

Non, je ne dois plus vous revoir.

CELLINI ET TERESA.

Fieramosca! …

CELLINI.

Ce plat faquin!

TERESA.

Qui … moi sa femme! … je préfère

Cent fois la mort la plus amère!

FIERAMOSCA, brandissant son bouquet.

Si j’avais ma rapière en main!

CELLINI.

Ah! mourir, chère belle,

Qu’avez-vous dit là?

Cette voie est cruelle,

O ma Teresa!

Non, prenons l’autre route

Aux gazons fleuris,

Que jamais ne redoute

Un cœur bien épris.

TERESA.

L’autre route, et laquelle?

Ne me cachez rien.

FIERAMOSCA.

Si j’avais ma rapière en main!

CELLINI.

Ne soyez pas rebelle,

Ecoutez-moi bien.

TERESA, à voix basse.

Parlez plus bas.

CELLINI.

Demain soir, mardi gras.

TERESA.

Demain soir, mardi gras.

FIERAMOSCA, derrière le fauteuil placé à la gauche de la table.

Gras?

CELLINI.

Surtout n’y manquez pas.

FIERAMOSCA.

Je n’entends pas.

CELLINI.

Venez place Colonne,

TERESA.

Place Colonne.

FIERAMOSCA.

Colonne?

CELLINI.

Au coin où Cassandro,

TERESA.

Où Cassandro …

FIERAMOSCA.

Cassandro?

CELLINI.

Au peuple romain donne

Un opéra nouveau.

FIERAMOSCA.

Un opéra nouveau?

CELLINI.

Là, tandis qu’en délire

Sa troupe fera rire

Votre père aux éclats,

Vous, vous prendrez le bras

TERESA.

Je prendrai le bras …

FIERAMOSCA.

Le bras?

CELLINI.

D’un moine en robe brune,

TERESA.

D’un moine en robe brune …

FIERAMOSCA.

Brune?

CELLINI.

Et d’un pénitent blanc.

TERESA.

D’un pénitent blanc …

FIERAMOSCA.

Blanc?

CELLINI.

L’un sera votre amant,

TERESA.

Vous!

FIERAMOSCA.

Lui?

TERESA.

Vraiment?

CELLINI.

Et l’autre mon élève.

TERESA.

Votre élève?

FIERAMOSCA.

Son élève?

CELLINI.

Alors je vous enlève,

TERESA.

Il m’enlève!

FIERAMOSCA.

Enlève?

CELLINI.

Et soudain tous les deux

Nous allons à Florence,

TERESA.

A Florence …

FIERAMOSCA.

A Florence?

CELLINI.

Couler des jours heureux:

CELLINI ET TERESA.

Et soudain pour Florence,

Le cœur plein d’espérance,

Nous partons tous les deux.

FIERAMOSCA.

Tous les deux?

TERESA.

O Cellini! se peut-il faire

Que je laisse ainsi mon père?

N’est-ce point blesser les cieux?

CELLINI.

Offenser le ciel, non, je pense,

Votre père bien plus l’offense

En voulant que sa Teresa,

Comme une fleur, tombe et s’altère

Dans l’ombre d’un couvent austère,

Où la main d’un Fieramosca.

TERESA.

Fieramosca! Fieramosca!

FIERAMOSCA.

O trésorier! que n’es-tu là!

TERESA.

C’en est fait, ma haine est trop forte;

Dans mon âme sa voix l’emporte.

Mon ami, prenons espoir,

A demain, à demain soir!

CELLINI.

A demain soir!

FIERAMOSCA.

A demain soir!

CELLINI.

Redirai-je le lieu, l’heure du rendez-vous?

TERESA, avec empressement et à haute voix.

Oui.., ce sera … disons-nous?

CELLINI, tendrement et avec un léger accent d’ironie.

Plus bas, parlez plus bas!

Demain soir, mardi gras,

TERESA.

Demain soir, mardi gras …

FIERAMOSCA, passant pour mieux entendre derrière le second fauteuil placé à la droite de la table.

Demain soir, mardi gras …

CELLINI.

Vous n’y manquerez pas?

TERESA.

Non.

CELLINI.

Vous n’y manquerez pas?

TERESA.

Je n’y manquerai pas.

FIERAMOSCA.

Je n’y manquerai pas.

CELLINI.

Venez place Colonne,

TERESA.

Place Colonne,

FIERAMOSCA.

Place Colonne.

CELLINI.

Au coin où Cassandro,

TERESA ET FIERAMOSCA.

Au coin où Cassandro,

CELLINI.

Au peuple romain donne

Un opéra nouveau.

TERESA ET FIERAMOSCA.

Donne un opéra nouveau.

CELLINI.

Là, tandis qu’en délire

Sa troupe fera rire

Votre père aux éclats,

Vous …

TERESA.

Moi …

FIERAMOSCA.

Lui …

CELLINI.

Vous prendrez le bras

TERESA.

Oui, je prendrai le bras

FIERAMOSCA.

Elle prendra le bras

CELLINI.

D’un moine en robe brune,

TERESA.

D’un moine en robe brune,

FIERAMOSCA.

Elle prendra le bras

D’un moine en robe brune,

CELLINI.

Et d’un pénitent blanc,

TERESA.

Et d’un pénitent blanc.

FIERAMOSCA.

Et d’un pénitent blanc.

CELLINI.

L’un sera votre amant,

TERESA.

L’un sera mon amant,

FIERAMOSCA.

L’un sera son amant.

CELLINI.

Et l’autre mon élève.

TERESA.

Votre élève …

FIERAMOSCA.

Son élève …

CELLINI.

Alors je vous enlève.

TERESA.

Il m’enlève!

FIERAMOSCA.

Il l’enlève!

CELLINI.

Et soudain tous les deux

Nous allons à Florence

TERESA.

A Florence,

FIERAMOSCA.

A Florence!

CELLINI.

Couler des jours heureux.

TERESA.

Couler des jours heureux.

FIERAMOSCA.

Vivre heureux!

Ensemble.

TOUS LES TROIS.

Et soudain pour Florence,

Le cœur plein d’espérance,

CELLINI.

Nous partons tous les deux.

FIERAMOSCA.

Ils partent tous les deux!

Ensemble.

CELLINI.

Ravissante promesse!

O moments pleins d’ivresse!

Pour mon cœur que vous êtes doux!

Amour, sous ton aile

Garde, garde ma belle

Fidèle

A son rendez-vous.

TERESA.

Mère de tendresse,

Vierge que sans cesse

J’implore à genoux,

Pardonne à ma voix rebelle,

Et viens calmer celle

D’un père en courroux.

FIERAMOSCA.

Ah! femelle traîtresse!

Perfide tigresse!

Prenez garde à vous.

Ensemble.

CELLINI ET TERESA.

Oui, la mort éternelle!

Nous aurions bien tort,

La jeunesse doit-elle

Chercher là le port.

Quand l’amour nous apprête

Un doux avenir;

Ne tournons point la tête

Laissons-le venir.

Tyrans des cœurs fidèles,

O vieillards jaloux!

Les amours ont des ailes

Pour fuir loin de vous.

Ah! partons tous les deux,

Fuyons loin de leurs yeux,

Et vers d’autres lieux

Allons couler des jours heureux;

Oui, soudain pour Florence,

Le cœur plein d’espérance,

Nous partons tous les deux.

FIERAMOSCA.

Ah! femelle traîtresse,

Perfide tigresse,

Prenez garde à vous!

Ma haine, en plainte éternelle

Changera, cruelle!

Vos projets si doux.

Je saurai déranger ce charmant rendez-vous,

Je saurai déjouer votre projet si doux;

Ah! prenez garde à vous!

CELLINI.

A demain!

TERESA.

A demain!

FIERAMOSCA.

A demain, à demain!

Ensemble.

TOUS LES TROIS.

A demain soir, à demain!

CELLINI, à voix basse en se retirant.

Place Colonne.

TERESA.

Chut!

CELLINI.

Près du théâtre.

TERESA.

Bien.

CELLINI.

Un moine blanc.

TERESA.

J’y serai …

FIERAMOSCA.

Bien.

Nous y serons …

CELLINI ET TERESA.

Espérons!

TOUS LES TROIS.

A demain!

TERESA.

Ciel! nous sommes perdus, c’est le pas de mon père …

CELLINI.

Etes-vous sûre?

TERESA.

Le voici!

FIERAMOSCA, refermant sur lui la porte de la chambre de Teresa.

Comme un furet, moi, je me cache ici.

CELLINI.

O Teresa! que devenir, que faire?

Votre chambre …

TERESA.

Oh! non pas; mon Dieu, secourez-moi!

CELLINI.

Le voici …

TERESA.

Le temps presse,

CELLINI.

Où fuir?

TERESA.

Je meurs d’effroi!

CELLINI, se jetant à tout hasard derrière la porte d’entrée.

Ah! je suis pris, ma foi!

Scene V

Les précédents, Balducci.

La porte en s’ouvrant cache Cellini, et Balducci surpris de voir sa fille encore debout oublie de la refermer. Il entre, tenant à la main un flambeau allumé.

BALDUCCI.

Eh quoi! ma fille, encor dans la salle à cette heure!

Il va bientôt sonner minuit.

TERESA, interdite et montrant la porte de sa chambre.

Mon père … un homme …

BALDUCCI.

Un homme en ma demeure?

TERESA.

Un homme … quand j’allais me coucher … un grand bruit!

BALDUCCI, prenant sur la table le flambeau et la canne qu’il y a déposés en arrivant.

Un homme ici, ma chère fille, un homme!

Vite un flambeau, ma canne … que j’assomme

Ce brigand, ce voleur de nuit.

Il entre dans la chambre.

TERESA, à Cellini.

Profitez du départ de mon père!

Cellini, fuyez soudain.

CELLINI.

Merci, mon ange tutélaire,

A demain soir, à demain!

Il s’échappe.

Scene VI

Teresa, Balducci, Fieramosca.

TERESA.

De frayeur je me sens toute émue.

BALDUCCI, dans la chambre de sa fille.

Ah, brigand! je te tiens …

TERESA.

Dieu! quel bruit!

Dans ma chambre on s’était introduit?

BALDUCCI, amenant Fieramosca.

Suis-moi, drôle, ou sinon je te tue.

Quoi, c’est vous!

TERESA, surprise et enchantée.

O capture imprévue!

FIERAMOSCA.

Ce n’est point un voleur …

BALDUCCI.

C’est bien pis.

Un larron de boudoir couvert d’ambre!

Répondez çà, monsieur le beau fils,

Qu’étiez-vous venu faire en sa chambre?

FIERAMOSCA.

C’est bien simple, eh! chez vous je venais …

BALDUCCI.

Vous étiez tout venu …

FIERAMOSCA.

Oui, j’étais

En visite …

BALDUCCI.

A cette heure en visite

Chez ma fille, impudence maudite!

TERESA.

Tant d’audace! il me rend interdite!

FIERAMOSCA.

L’apparence est trompeuse.

BALDUCCI.

Ah! tais-toi!

L’apparence, âme impure!

FIERAMOSCA.

Mais, messer Balducci, je vous jure …

BALDUCCI.

C’est un fait … laissez là l’imposture.

FIERAMOSCA.

Oh! mon Dieu! vous croyez que c’est moi?

BALDUCCI.

Oui vraiment je le crois!

TERESA.

Oh! le traître!

FIERAMOSCA.

Eh bien! non,

BALDUCCI.

Et qui donc pourrait-ce être,

Effronté?

FIERAMOSCA.

Mais, parbleu, Cellini!

TERESA.

Cellini!

BALDUCCI.

Cellini!

FIERAMOSCA.

Cellini!

BALDUCCI.

C’est trop fort, tu te dis Cellini!

FIERAMOSCA.

Mais non pas … je vous dis …

BALDUCCI, ouvrant la fenêtre.

C’est fini!

A nous, voisines et servantes!

TERESA, par la fenêtre.

Gaetana! Barbarina!

BALDUCCI.

Petronilla! Catarina!

Scolastica! Proserpina!

BALDUCCI ET TERESA, qui sort par la porte du fond pour appeler au secours.

A nous, voisines et servantes!

FIERAMOSCA.

Ecoutez-moi, cessez ce train!

LES VOISINES, au dehors.

On s’assomme chez le voisin;

Quel est ce bruit, pourquoi ce train?

BALDUCCI.

A mon secours, un libertin,

Un coureur de femmes galantes

Est chez ma fille! entrez soudain,

Venez chasser ce libertin!

FIERAMOSCA.

Je ne suis point un libertin,

Un coureur de femmes galantes.

BALDUCCI, ouvrant la fenêtre et Teresa rentrant.

Oui, maintenant gare à tes reins,

Tu vas tomber en bonnes mains.

Ce n’est que le bras féminin

Qui peut montrer le droit chemin

Aux gens de mœurs extravagantes,

Aux gens sans cœur, sans loi, ni frein.

FIERAMOSCA, épouvanté.

Aux mains des femmes … quel destin!

Suis-je Orphée en proie aux Bacchantes!

Scene VII

Les précédents, le chœur des voisines et des servantes.

Le chœur entre successivement en trois groupes. Toutes les fois que Fieramosca se présente à la porte pour s’échapper, il en trouve un qui lui ferme le passage et qui le ramène sur le devant de la scène. Les voisines et les servantes ont à la main lanternes, lampes et gueux. Toutes à demi vêtues et les bras tendus comme des harpies.

LE CHŒUR.

Ah! maître drôle, ah! libertin!

On va t’apprendre, suborneur,

Les respects dus à notre honneur,

Tu vas prendre un bain!

BALDUCCI ET TERESA.

Bien.

LE CHŒUR.

Entraînons-le dans le jardin,

Sous le jet d’eau du grand bassin!

Ensemble.

Laissons-le jusqu’à demain

Dans le bassin,

Toute la nuit au bain;

Libertin,

Gueux sans frein!

Vieux coupable!

Misérable!

Tu vas prendre un bain.

Elles le poursuivent.

Ah! drôle, on l’attrapera bien …

TERESA ET BALDUCCI.

Entraînez-le dans le jardin,

Oui, c’est très bien!

Au grand bassin,

Jusqu’à demain!

Suborneur, libertin,

Gueux sans frein,

Vieux coupable!

Misérable!

Tu vas prendre un bain.

Ah! traître … on t’attrapera bien.

FIERAMOSCA.

Quoi! me traîner dans le jardin!

Jusqu’à demain

Sous le jet d’eau du grand bassin!

C’est un meurtre enfin.

Quelles mégères! quelle horreur!

Moi, sans frein? sans honneur?

Quelles mégères! … de leurs mains

Comment tirer mes membres sains!

Il court de tous côtés pour leur échapper.

Où fuir leurs faces effrayantes,

Je suis Orphée.. Orphée … au milieu des Bacchantes!

Quels monstres, ah! comment m’échapper de leurs mains!

Il finit pas s’ouvrir un passage et s’enfuit poursuivi par le chœur.

Deuxième Tableau

Mardi Gras

Scene VIII

Le théâtre représente la place Colonne à l’angle de la rue du Corso. Au fond, la Colonne Antoine et une fontaine. A droite, un théâtre de pasquinades. A gauche, une taverne.

Cellini, Bernardino, Francesco, ouvriers Ciseleurs, amis et élèves de Cellini.

TOUS.

A boire, à boire, à boire!

Servez-nous vite à boire!

On apporte du vin.

BERNARDINO, fredonnant.

Chantons!

CELLINI.

Soit, mais pour Dieu, pas de chansons à boire!

Pas d’ignoble refrain

Sentant la taverne et le vin.

Chantons, mais que nos chants soient un hymne à la gloire

Des ciseleurs et de notre art divin.

Chant des Ciseleurs.

LE CHŒUR.

La terre aux beaux jours se couronne

De gerbes, de fruits et de fleurs;

Mais l’homme dans ses flancs moissonne

En tous temps des trésors meilleurs.

Honneur aux maîtres ciseleurs!

Le jour, les diamants sommeillent,

Le soleil éteint leurs splendeurs;

Mais quand vient la nuit, ils s’éveillent

Avec les étoiles leurs sœurs,

Honneur aux maîtres ciseleurs!

Les métaux, ces fleurs souterraines

Aux impérissables couleurs,

Ne fleurissent qu’au front des reines,

Des papes et des empereurs.

Honneur aux maîtres ciseleurs!

Quand le maître cisèle

L’or comme un soleil luit,

Le diamant ruiselle

Comme un torrent qui fuit,

Le rubis étincelle

Comme un feu dans la nuit.

Quand naquit la lumière,

Le génie aux beaux-arts

Divisa la matière;

Il en fit quatre parts:

L’architecte eut la pierre,

Au peintre la couleur,

Le marbre au statuaire,

Mais l’or au ciseleur!

Les métaux ces fleurs souterraines, etc.

BERNARDINO.

Amis, avant qu’on recommence,

Je demande un peu de silence:

Pour mieux entonner le refrain,

Il nous faut des fiasques de vin.

LE CHŒUR.

A boire encor, du vin, du vin.

Scene IX

Les précédents, un Cabaretier.

LE CABARETIER, la voix traînante.

Que voulez-vous? la cave est vide.

CELLINI.

Que dis-tu là, cervelle aride?

LE CABARETIER.

Je dis que … vous avez trop bu;

Et si vous voulez encor boire

Il faut …

LE CHŒUR, impatienté.

Il faut …

LE CABARETIER.

Il faut payer votre mémoire.

LE CHŒUR.

Montre-nous donc ce qui t’est dû?

LE CABARETIER, prenant des mains d’un de ses garçons une longue perche marquée de nombreuses entailles, servant à désigner les bouteilles vendues.

Voici, messieurs, le contenu

De cette liste exorbitante.

Vin blanc d’Orvieto,

Aleatico,

Et Maraschino,

Trente fiasques, trente.

CHŒUR.

Comment trente!

LE CABARETIER.

Vin de Marsalla,

Vin de Brienza,

Et de Cosenza,

Trente autres, soixante.

LE CHŒUR.

Soixante!

LE CABARETIER.

Vin mousseux d’Asti,

Vin de Lipari,

Lacryma-Christi,

Ce qui fait cent trente.

CHŒUR.

Cent trente!

Ah! consternation,

Abomination,

Qui tombent sur nos têtes;

CELLINI.

Non, jamais les trompettes

Du jugement dernier

Ne sauraient effrayer

Plus que la voix fatale …

CELLINI ET LE CHŒUR.

Et la liste infernale …

De ce … cabaretier.

CELLINI.

Comment sortir d’embarras …

LE CHŒUR ET BERNARDINO saisissant aux mains du cabaretier sa longue perche.

Maître,

Si nous rossions un peu ce traître.

Le chœur lâche le cabaretier qui s’enfuit.

CELLINI.

Mauvais moyen que celui-là;

Il vaut mieux attendre … peut-être

Ascanio nous délivrera.

LE CHŒUR.

Ascanio! vraiment le voilà!

Scene X

Les précédents, Ascanio portant un sac d’argent.

CHŒUR.

C’est le sauveur! viva!

CELLINI, courant à son élève.

Viens, enfant, qu’on t’embrasse

Et qu’on te débarrasse

De ce fardeau pesant.

ASCANIO.

Un instant, un instant,

Le vin après la gloire.

Maître, que ta mémoire

Se réveille un moment.

Air.

Cette somme t’est due

Par le pape Clément

Pour fondre la statue

Que l’Italie attend

De ton noble talent.

Or donc, je ne te laisse

Ce pesant sac d’argent

Que sur une promesse,

Un solennel serment,

Que demain ta statue,

Maître, sera fondue;

Il me faut ton serment.

CELLINI.

Soit, je le jure, enfant.

LE CHŒUR.

Nous le jurons, enfant.

TOUS, d’un ton solennel, excepté Ascanio.

Cette somme était due

Par le pape Clément

Pour fondre la statue

Que l’Italie attend.

CELLINI ET LE CHŒUR.

De mon travail, enfant.

De son noble talent,

TOUS.

Or donc, si l’on nous laisse

Ce pesant sac d’argent,

CELLINI ET LE CHŒUR.

Je t’en fais la promesse,

Crois-en notre promesse,

CELLINI.

Je t’en fais le serment,

LE CHŒUR.

Nous t’en faisons serment,

CELLINI ET LE CHŒUR.

Sans délai, ma / la statue

Demain sera fondue

Comme ce sac d’argent.

Nous le jurons!

ASCANIO.

Mes amis, maintenant,

Ma conscience est nette:

Payez donc votre dette;

Mon argent, le voilà.

CELLINI.

Comment! rien que cela?

LE CHŒUR.

Ah! la chétive somme!

ASCANIO.

C’est un si vilain homme

Que ce vieux trésorier!

CELLINI, appelant.

N’importe … Sommelier!

Contrefaisant la voix du cabaretier.

J’acquite ton mémoire …

LE CABARETIER, prenant l’argent.

Merci, voulez-vous boire?

LE CHŒUR.

Oui-dà, du vin …

CELLINI.

Mes amis plus de vin!

Le cabaretier s’en va.

Mais que notre vengeance

Frappe ce juif mesquin,

Qui dans son arrogance

Me traite en vrai faquin.

LE CHŒUR.

Oui, vengeance! vengeance!

Scene XI

Les précédents, Fieramosca, au fond à gauche.

CELLINI, attirant le chœur à droite pour ne pas être entendu des garçons du cabaret qui desservent les tables.

Ecoutez tout à l’heure.

Je sais que Balducci

Quittera sa demeure

Pour venir voir ici

Les belles pasquinades

De maître Cassandro.

Eh bien! chez Cassandro

Nous-mêmes camarades,

Dans de folles parades

Drapons le Giacomo.

LE CHŒUR.

Par Dieu! le rôle est beau.

CELLINI.

Anathème, anathème

Sur le visage blème

Du seigneur Giacomo!

LE CHŒUR.

Anathème, anathème

Sur le visage blême

Du seigneur Giacomo!

Par Dieu! le rôle est beau,

Faire rire tout Rome

D’un tel homme …

Vite, vite chez Cassandro.

TOUS, avec enthousiasme.

Les métaux, ces fleurs souterraines

Aux impérissables couleurs,

Ne fleurissent qu’au front des reines,

Des papes et des empereurs,

Honneur aux maîtres ciseleurs!

Ils entrent en courant chez Cassandro.

Scene XII

Fieramosca, puis Pompeo.

Dans le fond des promeneurs circulent.

FIERAMOSCA, qui les a épiés de loin.

C’est trop fort! comploter à mon nez, sans pudeur,

Et je les laisserais faire!

Non pas … non pas …

POMPEO, qui arrive par le fond.

Eh bien, frère!

Qu’as-tu donc?

FIERAMOSCA.

Ce que j’ai, j’étouffe de colère!

Cellini …

POMPEO, tranquillement.

Qu’a fait ce hâbleur?

FIERAMOSCA, le serrant dans ses bras.

Ah! Pompeo, mon ami, mon sauveur!

POMPEO.

Ah! je sais … l’on m’a dit …

FIERAMOSCA.

Déjà …

POMPEO.

La chose est claire.

On t’a rossé, cher fils!

FIERAMOSCA.

Oui, mon cher Pompeo;

Mais le pis est que Thérèse et son père

Viennent ce soir voir Cassandro.

POMPEO.

Eh bien! quel mal?

FIERAMOSCA.

Quel mal! ils vont sur le tréteau,

Les traîtres, amuser le seigneur Giacomo

Pour lui donner le change;

Et lorsque le canon, tiré du fort Saint-Ange,

Dans nos mains soufflera les Moccoli, soudain

Un moine blanc, suivi d’un capucin,

Doit enlever Teresa, ma maîtresse.

POMPEO, enthousiasmé.

Ah! bravo!

FIERAMOSCA.

Quoi! bravo? … ce moine est Cellini?

Ce capucin, c’est son ami

Ascanio …

POMPEO.

Je vois bien … Bravo! … vive l’adresse!

FIERAMOSCA.

Que je m’expose ou non à quelque affront nouveau …

Moi je vais avertir le seigneur Giacomo,

Nous verrons s’il dira bravo!

POMPEO, le retenant.

Imbécile!

FIERAMOSCA.

Vraiment?

POMPEO.

Misérable cerveau!

Puisque tu sais son stratagème,

Trompe le trompeur même,

Vole-lui son plan.

FIERAMOSCA.

Mais comment?

POMPEO.

Viens le premier toi-même en moine blanc,

Et puis enlève …

FIERAMOSCA.

Oui, la chose est facile;

Mais s’il me voit, le spadassin

Va me tomber dessus.

POMPEO.

Per Bacco! sois tranquille!

Ne serai-je pas là moi-même en capucin?

Je suis un ferrailleur s’il est un spadassin.

FIERAMOSCA, réfléchissant.

Allons, allons, c’est bien.

Air.

Ah! qui pourrait me résister,

Suis-je pas né pour la bataille?

Malheur à qui m’ose irriter!

Malheur surtout a qui me raille!

Le moulinet

Est bientôt fait,

En quarte, en tierce,

Toujours je perce.

Vive l’escrime! c’est mon fort.

Une, deux, trois; une, deux; une … mort!

O Teresa! pour toi mon âme

Brûle des feux les plus ardents;

C’est un volcan toujours en flamme,

Un Vésuve aux bonds effrayants.

Je t’aime tant que pour te plaire

J’irais, je crois, faire la guerre

A l’enfer, à ses habitants,

J’irais même jusqu’à combattre

Ce malandrin de Cellini.

Le malheureux! … cent comme lui

Ne pourraient pas encor m’abattre.

Non, rien ne peut me résister;

Suis-je pas né pour la bataille?

Malheur à qui m’ose irriter!

Malheur surtout à qui me raille!

Le moulinet

Est bientôt fait,

En quarte, en tierce,

Toujours je perce.

Vive l’escrime! c’est mon fort.

Une, deux, trois; une, deux; une … mort!

Sans pitié je perce son cœur,

Je suis vainqueur!

POMPEO.

Viens, le temps passe.

FIERAMOSCA.

Cher Pompeo, que je t’embrasse!

POMPEO.

Prenons un froc et ne crains rien

Tout ira bien.

Ils sortent.

Scene XIII

Teresa, Balducci, Cellini, Ascanio, Fieramosca, Pompeo, les élèves de Cellini, les bateleurs, les danseurs, peuple, masques et sbires.

Final

Le théâtre de Cassandro s’anime; deux baladins sonnent de la trompette à chaque coin; deux autres au milieu déroulent une immense affiche où se lisent ces mots: Le roi Midas ou les oreilles d’âne, opéra-pantomime. Quelques masques et le peuple commencent à circuler sur la place.

Entrent d’abord Balducci et Teresa par la coulisse de gauche.

BALDUCCI, donnant le bras à sa fille.

Vous voyez, j’espère,

Que je suis bon père;

Moi, juge sévère

Des plus grands acteurs,

Je consens, ma chère,

A voir pour vous plaire

La farce grossière

De ces bateleurs.

Il quitte le bras de sa fille et va lire l’affiche de Cassandro.

TERESA, sur l’avant scène, à part.

Ah! que vais-je faire?

Laisser mon vieux père

Seul à ses douleurs.

Elle va rejoindre son père dans le fond.

ASCANIO ET CELLINI.

L’un en pénitent blanc, l’autre en moine brun, arrivent par la coulisse de droite.

Prudence et mystère,

Moine blanc / Capucin mon frère,

Laissons d’abord faire

Nos chers bateleurs;

Puis à nous l’affaire.

Alors, cher beau-père,

Va chez le notaire,

Ne va pas ailleurs.

Cellini et Ascanio ont traversé la scène de droite à gauche.

Teresa et son père redescendent à droite.

Ensemble.

TERESA.

Ah! que vais-je faire?

Laisser mon vieux père

Seul, et dans les pleurs.

Mais bientôt, j’espère,

Viendra le notaire

Calmer ses douleurs.

BALDUCCI.

Vous voyez? j’espère,

Que je suis bon père;

Moi, juge sévère

Des plus grands acteurs,

Je consens, ma chère,

A voir pour vous plaire

La farce grossière

De ces bateleurs.

ASCANIO ET CELLINI.

Prudence et mystère,

Capucin / Moine blanc mon frère,

Laissons d’abord faire

Nos chers bateleurs;

Puis à nous l’affaire.

Alors, cher beau-père,

Va chez le notaire,

Ne va pas ailleurs.

Ils se perdent tous les quatre dans la foule.

BOURGEOIS DE ROME.

De Cassandro la farce est prête,

Il va jouer le roi Midas.

Amis, bourgeois, ne partez pas,

Nous sifflerons tous à tue-tête,

S’il ne nous fait rire aux éclats.

Entrent des femmes et des jeunes garçons avec des cymbales et des tambours de basque à la main. Ils se disposent à danser.

CHŒUR.

Venez, venez, peuple de Rome,

Applaudir le grand Cassandro!

CHŒUR DU PEUPLE, sur la place et applaudissant les danseurs.

Bravo! bravo! bravo! bravo!

LES BATELEURS.

Venez, venez, voir l’habile homme,

Il va monter sur son tréteau!

CHŒUR DU PEUPLE.

Bravo! bravo! bravo! bravo!

LES BATELEURS.

Venez, venez, peuple de Rome,

Applaudir le grand Cassandro!

Venez, venez, voir l’habile homme,

Il va monter sur son tréteau!

LE PEUPLE.

Mais déjà la foule,

Que le plaisir suit,

Sur Rome déroule

La joie et le bruit.

Et l’amour, l’ivresse,

La danse et les jeux,

Chassent la tristesse

Des cœurs et des yeux.

LES BATELEURS.

Venez, peuple de Rome,

Applaudir Cassandro!

LE PEUPLE.

Sonnez, trompettes!

Sonnez, musettes!

Bravo! bravo!

LES BATELEURS.

Venez, venez voir l’habile homme,

Il va monter sur son tréteau!

LE PEUPLE.

Sonnez, trompettes!

Sonnez, musettes!

Gais tambourins!

LES BATELEURS.

Accourez, arlequins,

Médecins

Et pasquins!

LE PEUPLE.

Vive la joie!

Que l’on s’y noie

Jusqu’aux mentons.

LES BATELEURS.

Masques noirs, ventres ronds,

Venez voir les bouffons.

LE PEUPLE.

Le carnaval

Est un grand bal

Où, rois et gueux,

Tous sont heureux.

Ensemble.

LES BATELEURS.

Venez, venez, peuple de Rome,

Applaudir le grand Cassandro!

Venez, venez voir l’habile homme,

Il va monter sur son tréteau!

LES HOMMES DU PEUPLE.

Allons, allons, peuple de Rome,

Applaudir le grand Cassandro.

LES FEMMES ET LES ENFANTS.

Bravo! bravo! bravo! bravo!

LES HOMMES DU PEUPLE.

Allons, allons voir l’habile homme,

Il va monter sur son tréteau.

LES FEMMES ET LES ENFANTS.

Bravo! bravo! bravo! bravo!

LES BATELEURS.

Sans nous la fête est incomplète,

Messieurs, ne vous éloignez pas;

Restez, restez, la farce est prête,

Elle est digne du mardi-gras.

LES DANSEURS ET UNE PARTIE DU PEUPLE.

Maudit bavard, vieille trompette,

Tes quolibets n’amusent pas,

Sur le tréteau, crie et tempête,

Pour nous la danse a plus d’appas.

LES BATELEURS.

Accourez, venez voir les fameux bateleurs!

Ah! que le diable emporte avec lui les danseurs!

Le spectacle commence. Le rideau, qui cachait le fond du théâtre de Cassandro, se tire et laisse voir les acteurs. Sur un riche fauteuil est assis un personnage semblable, de figure et de costume, à Balducci. A ses côtés sont deux Suisses de la garde du pape; l’un porte un sac d’argent et l’autre une lyre et une couronne de laurier. Le peuple s’assemble devant le théâtre. Balducci et sa fille louent un banc pour mieux voir la parade.

LE PEUPLE.

Silence! silence! silence!

Assez dansé! chut! Cassandro commence.

LES FEMMES.

Cassandro commence,

Allons, allons! faisons silence.

LE PEUPLE.

Oh! le plaisant visage! … ah! bravo! c’est bien lui,

Le trésorier, le seigneur Balducci.

BALDUCCI.

Ah! c’est ainsi!

Me mettre en scène,

Moi, Balducci?

TERESA.

Partons d’ici.

BALDUCCI.

Non, non, merci.

Pour voir ceci

Puisqu’on m’amène,

Je verrai tout

Jusqu’au bout!

Je veux au pape

Dire ce soir

Comme on nous drape,

Et comme on sape

Notre pouvoir.

LE PEUPLE.

Paix donc là-bas!

On n’entend pas!

CELLINI, reparaissant avec Ascanio, sur le devant de la scène, à gauche.

Vois-tu Thérèse?

ASCANIO.

Elle est là-bas.

FIERAMOSCA, en moine blanc, arrivant à droite, avec Pompeo en moine brun.

Vois-tu Thérèse?

POMPEO.

Elle est là-bas.

TERESA.

Ah! quel malaise!

Quel embarras!

LE PEUPLE.

On n’entend pas.

La pantomime! paix là-bas!

BALDUCCI.

Que je me taise?

Je ne veux pas.

LES HOMMES DU PEUPLE.

Paix! paix!

LES FEMMES.

Paix donc, là-bas!

Faites silence!

Chut! on commence,

Faites silence!

Colombine vient annoncer que deux fameux chanteurs, Arlequin et Polichinelle, vont se

présenter devant leur juge et disputer la palme du chant. Le faux trésorier ordonne qu’ils paraissent.

Arlequin s’avance d’abord une lyre à la main, puis se montre Polichinelle, coiffé d’une paire d’oreilles d’âne.

UNE PARTIE DU PEUPLE.

Voici maître arlequin,

Premier ténor romain!

UN AUTRE PARTIE DU PEUPLE.

Fulcinella! c’est un chanteur de la Toscane,

Mais est-ce un homme ou bien un âne?

LES FEMMES SEULES.

Chut! on commence,

Faisons silence,

Faisons silence;

Regardons bien

Maître arlequin.

Faisons silence,

Faisons silence.

LES HOMMES, impatientés et s’adressant aux femmes.

Paix donc!

LES FEMMES, continuant plus bas.

Regardons bien,

Faisons silence,

Faisons silence.

Arlequin s’accompagnant de la lyre chante une ariette d’un caractère doux et tendre. Pendant cette romance le peuple continue de parler, et le faux trésorier bâille et s’endort sur son trône.

Ensemble.

LES HOMMES DU PEUPLE.

Bien, bien, bien,

C’est très bien,

Paix donc …

LES FEMMES.

Regardons bien

Maître arlequin;

C’est un fameux ténor romain,

Regardons bien,

Regardons bien.

TOUS.

Ah! bravo, comme il chante! ah! quel gosier divin!

Comme il déroule

Son chapelet;

Comme il roucoule,

Pour un muet.

Polichinelle chante à son tour en s’accompagnant de la grosse caisse. Pendant ce morceau lourd et trivial le peuple observe le plus profond silence, et le faux trésorier ravi se pâme d’aise et bat la mesure

à contre-temps.

QUELQUES HOMMES DU PEUPLE montrent le faux trésorier.

Il plaît fort au vieil homme:

Vois donc comme

Il se tord!

BALDUCCI.

C’est trop fort!

AUTRE PARTIE DU CHŒUR.

Vois donc le vieux, grand Dieu! félicita!

Ah! ah! quel butor, ah! ah!

Lorsque Polichinelle a eu fini de chanter Arlequin se présente pour recevoir le prix du chant. Le faux trésorier, avec un geste de mépris, le repousse. Polichinelle arrive à son tour; le juge enthousiasmé lui pose sur la tête une couronne de laurier.

LE PEUPLE.

Soyez surpris

S’il a le prix,

Son juge a des oreilles

Toutes pareilles.

BALDUCCI.

Marauds!

TERESA.

Chut! vos cris

Redoublent les ris.

Arlequin mécontent, prend sa batte et rosse son rival et le distributeur des grâces. Colombine en vain s’y oppose.

LE PEUPLE.

Bravo!

BALDUCCI.

Marauds, lever la main sur moi!

LE PEUPLE.

Midas!

TERESA.

Mon père!

BALDUCCI, furieux il s’élance, armé de sa canne, sur le théâtre de Cassandro.

Attends, c’est fait de toi!

LE PEUPLE.

Après la comédie

Voici la tragédie;

Vive le carnaval!

L’original

Auprès de la copie:

Nous allons voir quel est

De vous deux le plus laid.

Tous le spectateur s’avancent vivement vers le fond de la scène comme pour voir le résultat de la lutte engagée entre Balducci et les bateleurs. Cri général. A ce moment la nuit tombe. Les moccoli

apparaissent. La rué et la place s’illuminent à la clarté d’une foule de petites bougies portées par les masque, qui les soufflent et les rallument en se poursuivant.

FIERAMOSCA À POMPEO, sur le devant de la scène.

Viens pas à pas,

Fendons la presse,

Offrons le bras

A ma maîtresse.

CELLINI À ASCANIO, sur le devant de la scène.

Viens pas à pas,

Fendons la presse,

Offrons le bras

A ma maîtresse.

TERESA, sur le devant de la scène au milieu, et dans la surprise.

Un moine blanc … c’est Cellini!

Que vois-je? un autre ici!

Deux capucins …

FIERAMOSCA, d’un côté.

C’est moi!

CELLINI, de l’autre.

C’est moi!

TERESA.

Dieu! lequel est-ce?

LE CHŒUR.

Moccoli!

FIERAMOSCA ET CELLINI.

Prenez mon bras …

LE CHŒUR DES MASQUES, se poursuivant.

Moccolo, Moccoli!

A mort les Moccoli!

CELLINI.

Quoi! par l’enfer et mon patron,

Un autre moine … ah! trahison!

POMPEO, à Fieramosca.

Va, ne crains rien, marche quand même.

FIERAMOSCA.

Ah! maudit froc, sot stratagème!

ASCANIO.

Vengeons-nous de la trahison.

POMPEO.

Va, ne crains rien, tiens bon, tiens bon.

CELLINI, tirant son épée.

Qui que tu sois, homme ou démon,

C’est fait de toi!

FIERAMOSCA.

Pompéo! à moi …

Vite en avant.

ASCANIO, courant après Fieramosca.

Attends, toi qui prends le devant?

TERESA.

Ciel! au secours! qu’on les arrête!

LE PEUPLE, les retenant.

Etes-vous fous un jour de fête?

Vous avez donc perdu la tête?

CELLINI, se dégageant.

Non, je n’ai pas perdu la tête,

Non.

FIERAMOSCA, reculant devant l’épée d’Ascanio.

A mon secours!

POMPEO, combattant.

Tiens bon!

CELLINI, pressant plus vivement Pompeo.

Non, non,

Je n’ai pas perdu la tête …

FIERAMOSCA, se sauvant, poursuivi par Ascanio.

A mon secours …

CELLINI, perçant Pompeo.

Non! … non! …

POMPEO, tombant.

Ah! je suis mort!

Tous les porteurs de moccoli s’arrêtent et se groupent autour de Pompeo, étendu par terre.

LE PEUPLE.

Un homme mort! vite à la garde … Un mort!

BALDUCCI, revenant sur le devant de la scène à droite, sans canne et les habits en désordre.

Un meurtrier … ma fille … un mort!

FIERAMOSCA, reparaissant à gauche, toujours poursuivi par Ascanio.

A mon secours … Pomp … mort!

LE PEUPLE, montrant Cellini.

Oui, c’est ce moine … oui … qu’on l’arrête,

Son arme brille et fume encor.

Des sbires arrêtent Cellini.

CELLINI.

Je suis perdu!

FIERAMOSCA.

Je suis sauvé!

ASCANIO.

Mon pauvre maître!

FRANCESCO ET BERNARDINO.

Le maître est pris!

FIERAMOSCA.

On tient le traître!

BALDUCCI, FRANCESCO ET LES BATELEURS.

Maudite nuit!

CELLINI ET TERESA.

Cruel destin!

LES FEMMES DU PEUPLE.

Un si bel homme!

LES HOMMES DU PEUPLE.

Ah! quel coquin!

Les élèves et amis de Cellini feignent de partager l’indignation générale.

FRANCESCO, BERNARDINO, BALDUCCI, FIERAMOSCA ET LE PEUPLE.

Assassiner un capucin! …

Un camaldule, ah! c’est infâme!

C’est un brigand de l’Apennin;

C’était l’amant de quelque femme;

Soldats, gardez bien l’assassin!

Ensemble.

LE CHŒUR.

C’est un brigand de l’Apennin;

C’était l’amant de quelque femme;

Ah! c’est infâme!

C’est la vendetta, c’est certain.

TERESA.

Ah! malheureux! c’est infâme!

Le traiter comme un assassin.

CELLINI.

Terrible nuit, cruel destin!

Ah! c’est infâme!

Me traiter comme un assassin.

ASCANIO.

Ah! mon cher maître! c’est infâme!

Le traiter comme un assassin.

Tout à coup le canon du fort Saint-Ange tonne; à ce signal, toutes les lumières portées par les masques s’éteignent subitement, et une obscurité profonde envahit la place.

CELLINI.

A moi, mes amis,

A moi, je suis pris!

Les amis de Cellini profitent de la nuit pour s’élancer sur les gardes. Leur mouvement soudain met la confusion dans le peuple. Cellini se dégage et se sauve.

LE PEUPLE.

On n’y voit pas!

BALDUCCI, FIERAMOSCA ET UNE PARTIE DU CHŒUR.

Gardes, tenez-vous l’homme?

LE PEUPLE.

A nous soldats!

LES SBIRES.

A nous, bourgeois de Rome!

TERESA ET ASCANIO.

Ciel! il s’est enfui.

FIERAMOSCA ET BALDUCCI.

Maudit canon! le drôle était saisi.

Ensemble.

BALDUCCI, FIERAMOSCA ET LE PEUPLE.

Maudit canon du fort Saint-Ange,

Pour que la langue te démange,

Par Dieu! l’instant est bien choisi;

Sans toi le drôle était saisi.

TERESA, ASCANIO, FRANCESCO, BERNARDINO ET LES ÉLÈVES DE CELLINI.

Ah! cher canon du fort Saint-Ange,

Pour que le jour en nuit se change,

Merci! l’instant est bien choisi;

Car les soldats l’avaient saisi.

BALDUCCI, cherchant sa fille.

Thérèse, à moi …

TERESA.

Mon père!

ASCANIO, reconnaissant Teresa.

Ah! chut! prenez mon bras.

Venez, je vais guider vos pas.

Ascanio donne son bras à Teresa et l’emmène en cherchant à éviter Fieramosca et Balducci.

Ensemble.

LE PEUPLE ET LES AMIS DE CELLINI.

Au meurtre! ah! Dieu! l’on nous assomme!

A l’aide! au meurtre! quel fracas!

Maudit canon! on tenait l’homme!

La foule augmente! on n’y voit pas!

Le brigand s’enfuit! quel fracas!

On ne l’atteindra pas.

BALDUCCI.

Teresa! Teresa! ma fille! quel fracas!

Je n’y vois pas.

FIERAMOSCA.

Maudit canon!

Ah! trahison!

A l’aide! au meurtre! ah! quel fracas!

Ah! le brigand s’échappe … on n’y voit pas!

BALDUCCI, se heurtant contre Fieramosca.

Le moine blanc!

FIERAMOSCA.

Quoi!

BALDUCCI, criant.

Je tiens l’homme.

FIERAMOSCA.

Etes-vous …

LES SBIRES.

Bien, bien … nous voici

FIERAMOSCA.

Etes-vous fous? …

BALDUCCI.

Gardez-le bien.

LES SBIRES.

Merci.

BALDUCCI.

Teresa!

LE PEUPLE.

Le gueux, c’est lui!

LES ÉLÈVES DE CELLINI.

Ah, c’est Fieramosca!

FIERAMOSCA.

Je ne suis pas …

LE PEUPLE ET LES SBIRES.

Si … si …

Vite, marchons …

FIERAMOSCA.

Vous me prenez pour …

LES SBIRES ET LE PEUPLE.

L’homme …

Oui! oui! c’est bon …

FIERAMOSCA.

Mais je me nomme

Fieramosca, vous dis-je.

LES SBIRES.

En prison, l’assassin!

BALDUCCI, appelant toujours.

Thérèse! …

VOIX DIVERSES, partant de tous les coins de la place.

Il est pris, l’assassin!

Ensemble.

UNE PARTIE DU PEUPLE ET FRANCESCO.

Ah! meurtrier, lâche assassin,

Nous le tenons, nous saurons bien

Te faire pendre

A la potence, vaurien!

UNE AUTRE PARTIE DU PEUPLE, BERNARDINO ET BALDUCCI.

Assassiner un capucin!

Mais quel coquin!

Nous saurons bien

Te faire pendre

A la potence, vaurien!

FIERAMOSCA.

M’emprisonner comme un païen,

Un assassin!

Moi … moi … Fieramosca … me pendre

Je suis bon citoyen.

TOUS.

Ah! Dieu! de l’air! j’étouffe! faites place!

Nous n’en sortirons pas.

BALDUCCI, appelant toujours sa fille.

Ma fille! Teresa! … je ne l’aperçois pas.

FIERAMOSCA, faisant des efforts pour dégager son cou de la main des sbires.

Ah! Dieu! J’étouffe, ah! ne m’étranglez pas!

TOUS.

O Dieu! la foule augmente!

Quelle tourmente!

Nous n’en sortirons pas!

Ah! quel chaos, quel embarras!

Ah! quel fracas!

Fin du Premier Acte.

Acte Deuxième

Troisième Tableau

Mercredi des Cendres.

L’atelier de sculpture de Cellini. Au fond, une large fenêtre donnant sur la rue. A droite, au fond, une porte. A gauche, le modèle en plâtre de la statue colossale de Persée. Auprès un marchepied, et à terre un marteau et quelques instruments de travail. Il est petit jour.

Scene I

Teresa, Ascanio sur le pas de la porte entr’ouverte.

TERESA.

Ah! qu’est-il devenu? Jésus! où peut-il être?

ASCANIO refermant la porte.

Il ne peut tarder à paraître,

Teresa, n’ayez point d’effroi.

TERESA.

Il est pris! il est pris, ou mort, je vous le jure!

ASCANIO.

Ni l’un ni l’autre, croyez-moi;

Mon maître n’est pas homme à servir de pâture

Aux estafiers du pape, aux sbires de la loi.

TERESA.

Mais qui peut l’arrêter?

CHŒUR DE MOINES BLANCS en dehors.

Vas spirituale, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

ASCANIO.

Silence … écoutez?

Il court à la fenêtre.

TERESA.

Qu’est-ce!

Il vient? …

ASCANIO quittant la fenêtre.

Hélas! ce bruit, qui monte avec tristesse

Vers la voûte des cieux,

N’est que la voix des confréries

Qui vont, chantant des litanies,

Accomplir ici près quelque devoir pieux.

LE CHŒUR moins éloigné.

Vas honorabile, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA.

Quelle angoisse!

ASCANIO.

Espérons!

TERESA.

Prions!

Ensemble.

Prions!

Prière à deux voix et chœur

LE CHŒUR un peu plus rapproché.

Rosa purpurea, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA, À GENOUX, ET ASCANIO debout à côté d’elle.

Sainte Vierge Marie,

Etoile du matin,

LE CHŒUR plus près.

Turris Davidica, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA ET ASCANIO.

Que ta lueur chérie

Verse un rayon divin

LE CHŒUR plus près.

Turris eburnea, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA ET ASCANIO.

Verse un rayon divin

Sur mon sombre / Sur son triste destin.

LE CHŒUR qui commence à passer devant la fenêtre.

Stella matutina, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA ET ASCANIO.

Sainte Vierge Marie,

Etoile du matin,

LE CHŒUR continuant à défiler jusqu’à la fin de la scène.

Turris eburnea, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA ET ASCANIO.

Ramène, je t’en prie,

Ramène mon / un tendre amant.

LE CHŒUR.

Vas honorabile, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA ET ASCANIO.

Ramène mon / un tendre amant.

Près de mon / Auprés d’un cœur souffrant.

LE CHŒUR.

Rosa purpurea, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

TERESA ET ASCANIO.

Oh! conduis mon / Oh! ramène un amant

Près de mon / Auprès d’un cœur souffrant.

LE CHŒUR.

Stella matutina, Maria, sancta Mater, ora pro nobis.

Scene II

Les précédents, Cellini.

Il entre précipitamment. Il est encore vêtu en moine blanc; sa robe est ensanglantée.

CELLINI.

Teresa!

TERESA.

Cellini!

ASCANIO.

Cellini!

CELLINI.

Oui, mes enfants, près de vous me voici.

TERESA.

Ah! le ciel soit béni!

Vous n’êtes point blessé, j’espère?

CELLINI.

Non, Dieu merci! rassurez-vous, ma chère;

Je n’ai rien eu qu’un peu de peur.

Il m’a fallu tout mon bonheur

Pour me tirer d’affaire. Ah! c’est une merveille!

TERESA ET ASCANIO.

Comment!

CELLINI.

Oui, prêtez-moi l’oreille,

Et vous en conviendrez, la chose est sans pareille.

Ma dague en main, protégé par la nuit,

Devant mes pas je disperse la foule;

De tout côté, sous mes coups, à grand bruit,

Le mur vivant qui m’enfermait s’écroule,

Et je peux fuir, je fuis … mais on me suit!

Les cris de mort de cette populace,

Cet habit blanc qui les met sur ma trace,

Tout dans ma course et m’arrête et me glace!

Une seconde encore, ô désespoir!

Et je touche à ma perte!

Mais une porte est restée entr’ouverte,

Je m’y blottis. Ils n’ont pas pu me voir:

Je la referme! Ils ont perdu ma piste …

Oh! béni soit mon patron qui m’assiste,

Et toi, Thérèse, une pensée à toi!

Tout haletant de fatigue et d’émoi.

Le cœur me manque et le sol fuit sous moi!

TERESA.

Juste ciel! achève, l’effroi

Même à ton côté me dévore!

CELLINI.

Quand je repris l’usage de mes sens,

Les toits luisaient aux blancheurs de l’aurore

Les coqs chantaient, et le bruit des passants

Retentissait sur le pavé sonore.

Comment rentrer chez moi sans être vu,

Sans que ma robe aux sbires me trahisse?

Des moines blancs, ô bonheur imprévu!

Passent par là se rendant à l’office.

Vêtu comme eux, dans leurs rangs je me glisse

A tout hasard … mon étoile propice

Par ce chemin les conduit, Dieu merci!

Et, mieux encor, je te retrouve ici.

TERESA très émue.

Ah! que jamais Dieu ne nous désunisse!

ASCANIO.

Mais n’est-il plus de dangers à courir?

CELLINI.

La mort est sur moi suspendue! …

Mes amis, il faut nous enfuir.

TERESA.

Nous enfuir? …

CELLINI.

Sur-le-champ.

ASCANIO avec consternation.

Mais, maître, ta statue! …

CELLINI.

Au diable ma statue, et le pape, et la loi! …

Je ne pense aujourd’hui qu’à partir au plus vite

A Teresa.

Avec toi, chère enfant. Ascagne, pour sa fuite

Va chercher un cheval.

ASCANIO.

Maître, comptez sur moi,

Je reviens tout de suite.

Il sort par la coulisse de droite.

Scene III

Teresa, Cellini.

TERESA.

Ah! le ciel, cher époux,

Se déclare pour nous!

Puisqu’après cette épreuve

Il nous a réunis,

N’est-ce pas? c’est la preuve

Que nos vœux sont bénis.

Cette nuit, que d’alarmes!

Mais la nuit cède au jour;

Le jour sèche les larmes,

Et voici de retour

Le bonheur et l’amour.

CELLINI.

Oui, ma belle, en ce jour,

Ne songeons qu’à l’amour.

O ma jeune maîtresse!

Hâtons-nous de jouir

De la paix que nous laisse

Le temps prompt à s’enfuir.

Le passé n’est qu’une ombre;

Ne donnons rien au sort,

L’avenir est trop sombre;

Sachons vivre d’abord,

Et puis vienne la mort!

TERESA.

Ah! vite, vite!

Hâtons-nous! quitte

Ce vêtement

Taché de sang!

CELLINI se dépouillant de sa robe de moine qu’il dépose sur un siège à droite.

Oui, le temps passe!

Jetons cela;

Mais à sa place,

Va prendre là

Cette cuirasse!

TERESA.

Tiens la voilà!

Choisis l’épée

La mieux trempée,

Un bouclier! …

CELLINI.

Que de courage,

Mon gentil page,

Mon écuyer!

Ensemble.

TERESA.

Ah! le ciel, cher époux,

Se déclare pour nous,

Puisqu’après cette épreuve

Il nous a réunis;

N’est-ce pas? c’est la preuve

Que nos vœux sont bénis.

Il est pour nous, que rien ne nous sépare;

Oui, du ciel tous nos vœux sont bénis

Il est pour nous, il se déclare!

CELLINI.

Oui, le ciel est pour nous;

Puisqu’après cette épreuve

Il nous a réunis,

Oui c’est bien la preuve

Que nos vœux sont bénis.

Il est pour nous, que rien ne nous sépare

Oui, du ciel tous nos vœux sont bénis,

Il est pour nous, il se déclare!

Avec enthousiasme.

Quand des hauteurs de la montagne,

L’aigle inquiet,

Entend la voix de sa compagne

Prise au filet,

Il jette aux vents son cri de guerre

Fond sur les rets,

Et fuit avec la prisonnière,

Loin des forêts!

En vain le plomb, en vain la poudre

Sifflent dans l’air,

Son aile va devant la foudre

Comme l’éclair!

Gagnons Florence; dans son aire

L’aigle toscan

Brave et dédaigne le tonnerre

Du Vatican!

Scene IV

Les précédents, Ascanio accourant.

ASCANIO.

Ah! maître! … mon cher maître! …

CELLINI.

Qu’est-ce?

ASCANIO.

Le trésorier avec Fieramosca! …

Je les ai vus par la fenêtre! …

TERESA.

Mon père!

CELLINI.

Ne crains rien.

ASCANIO.

Ah! mon Dieu! les voilà!

Cellini s’empresse de cacher Teresa derrière la statue de Persée.

Scene V

Teresa, Ascanio, Cellini, Balducci, Fieramosca, qui en voyant Cellini recule vers la porte.

Sextuor.

BALDUCCI, SA canne à la main.

Ah! je te trouve enfin,

Coureur de grand chemin,

Ravisseur, spadassin,

Misérable assassin!

CELLINI.

Eh! maître Giacomo, pourquoi cette colère,

Et tant de bruit chez moi?

BALDUCCI.

Hypocrite! rends-moi ma fille! elle est chez toi!

Rends-la-moi!

Ou ce bâton …

Levant sa canne sur Cellini.

CELLINI.

Malheureux!

TERESA se découvrant.

Ah! mon père!

Je tombe à vos genoux!

BALDUCCI.

Te voilà donc, vipère!

C’est fort bien honorer ta mère!

Fuir du logis pour suivre un spadassin!

Qui t’aurait cru l’âme si noire?

TERESA.

Ah! mon père, daignez me croire …

CELLINI.

Votre fille jamais n’eut un pareil dessein:

Je suis le seul coupable.

BALDUCCI.

A d’autres tes sornettes.

Ravisseur de filles honnêtes!

Je sais … ce que je sais … et vous, à la maison! …

Vite, qu’on tourne le talon!

CELLINI se mettant entre eux.

Arrêtez! j’aime votre fille!

BALDUCCI.

Eh! que m’importe à moi l’amour d’un tel faquin?

CELLINI.

J’en suis aimé!

BALDUCCI.

Tant pis!

CELLINI.

L’honneur d’une famille …

BALDUCCI.

Veut qu’à l’instant elle quitte un coquin.

CELLINI.

Vous abusez! …

TERESA.

Mon père!

BALDUCCI.

Ça!

Que l’on me suive, allons!

TERESA.

Cellini!

CELLINI.

Teresa!

BALDUCCI désespérant de les séparer.

A moi, Fieramosca! … mon gendre! …

Voici ta femme! … emmène-la!

ASCANIO, TERESA, CELLINI ET FIERAMOSCA.

Grand Dieu! que viens-je d’entendre?

FIERAMOSCA timidement.

S’avançant vers Teresa.

Ma femme! … allons … pressons le pas! …

CELLINI.

Maraud, si tu touches son bras! …

BALDUCCI à Fieramosca.

Allons, va donc, mon gendre!

FIERAMOSCA reculant.

Moi! faire une esclandre!

CELLINI.

Maraud! si tu fais un pas,

En enfer je te fais descendre!

Ensemble.

TERESA à Cellini.

Modérez-vous!

ASCANIO.

Quel gendre!

FIERAMOSCA.

Moi! faire une esclandre!

BALDUCCI.

Va donc, mon gendre!

Scene VI

Ascanio, Teresa, Cellini, le Cardinal, Fieramosca, Balducci, suite du cardinal.

TOUS.

Le cardinal! de la prudence!

Vite à genoux! paix et silence!

Vite à genoux!

Ils s’agenouillent.

LE CARDINAL d’un ton paternel.

A tous péchés pleine indulgence,

O mes enfants, relevez-vous!

De tous les droits de la puisance,

La pitié sainte et la clémence

A notre cœur sont les plus doux.

Pour vos péchés pleine indulgence,

O mes enfants, relevez-vous!

FIERAMOSCA ET BALDUCCI.

Justice à nous, seigneur et maître!

A vos pieds saints nous venons mettre

Notre supplique … oh! vengez-nous!

LE CARDINAL.

Justice! eh! mais, que voulez-vous?

Mes chers amis relevez-vous!

BALDUCCI.

Un infâme a ravi ma fille,

Terni l’honneur de ma famille!

FIERAMOSCA.

Le poignard d’un lâche ennemi

A terrassé Pompeo, mon ami!

LE CARDINAL.

Et le coupable en tout ceci?

BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

O monseigneur! il est ici;

C’est Cellini!

TOUS.

Cellini!

BALDUCCI.

Voici ma fille et le coupable!

FIERAMOSCA montrant la robe sanglante que Cellini vient de quitter.

Voici le sang et le coupable.

ASCANIO ET TERESA.

Non, Cellini n’est pas coupable!

LE CARDINAL.

Cellini le coupable! …

Un meurtre avec enlèvement!

En vérité, c’est effroyable!

A Cellini.

Tu feras donc toujours le diable,

Incorrigible garnement?

CELLINI.

Non, non, je ne suis pas coupable;

Daignez m’entendre un seul moment.

LE CARDINAL impatienté.

Et ma statue, et ma statue,

Dis-moi, qu’est-elle devenue?

CELLINI.

Elle n’est pas encor fondue.

LE CARDINAL.

Depuis le temps, quoi! pas encor?

TOUS.

Elle n’est pas fondue encor!

LE CARDINAL.

A quoi donc t’a servi mon or?

A flétrir le cœur d’un vieux père,

Percer les gens de ta rapière,

Et puis passer la nuit entière

Au cabaret, à boire frais?

BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

C’est vrai!

CELLINI, TERESA ET ASCANIO.

Non! non!

BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

Taisez-vous!

LE CARDINAL.

Paix!

Vraiment, je suis bien débonnaire!

A Cellini.

Un autre aura décidément

Le soin de fondre ta statue.

TERESA, ASCANIO, BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

Un autre fondre sa statue!

CELLINI.

Un autre fondre ma statue! …

Dieu! … Sur ma tête en ce moment

La foudre est-elle descendue?

Juste Ciel! vous verrez sous mon bras

Moule et statue

Voler en éclats,

Avant qu’une main vulgaire …

TERESA ET ASCANIO.

Grand Dieu! que va-t-il faire?

FIERAMOSCA, BALDUCCI, ET LE CARDINAL.

Téméraire!

Devant ton prince n’es-tu pas?

CELLINI exaspéré.

Oui, que la Vierge me pardonne,

Et le Saint-père et ma patronne!

Mais nul artiste autre que moi,

Fût-il Michel-Ange, ma foi!

Ne mettra ma statue en fonte.

Plutôt la mort que cette honte!

LE CARDINAL.

Ah! c’est ce que nous allons voir! Holà!

Gardes, qu’on m’obéisse!

De cet homme qu’on se saisisse!

Sur l’ordre du cardinal, une partie des gardes qui stationnaient à la porte s’avance; mais Cellini, un marteau à la main, s’est élancé sur le marchepied adossé au modèle de sa statue.

CELLINI.

Ce plâtre entier disparaîtra,

Pas un morceau ne restera

Avant que l’un d’eux me saisisse.

Il lève le marteau pour briser sa statue.

LE CARDINAL.

Arrête! arrête! enfant maudit!

Ensemble.

TERESA ET ASCANIO.

Ah! qu’a-t-il fait et qu’a-t-il dit?

Oser braver le prince en face!

BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

Quel scélérat et quel bandit!

Oser braver le prince en face!

LE CARDINAL ET BALDUCCI.

Quelle audace!

LE CARDINAL.

Ah! çà, démon!

Noire cervelle!

Pour te calmer que faut-il donc,

Esprit rebelle?

CELLINI.

De mes fautes l’entier pardon.

LE CARDINAL.

Tu l’auras sans confession.

ASCANIO, TERESA, BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

Il l’aura sans confession!

LE CARDINAL.

Je l’ai dit, il aura pleine absolution.

CELLINI.

Ce n’est pas tout! Je veux encore

Celle qui m’aime et que j’adore.

LE CARDINAL.

Tu veux ta grâce et Teresa?

BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

O monseigneur, arrêtez là!

CELLINI.

Et puis je veux, outre cela,

Le temps de fondre ma statue.

LE CARDINAL.

Quoi! tout cela?

CELLINI.

Rien que cela.

TOUS.

Rien que cela!

Ensemble.

LE CARDINAL.

Le démon me tient en laisse;

Il sait pour l’art tout mon amour.

L’insolent rit tout bas de ma faiblesse;

Mais avant peu j’aurai mon tour.

BALDUCCI.

Le démon le tient en laisse;

Il sait pour l’art tout son amour.

Il rit de sa faiblesse;

Mais nous rirons à notre tour.

FIERAMOSCA.

Le démon rit de sa faiblesse,

Mais nous rirons à notre tour.

TERESA.

Funeste jour!

Dieu! prends pitié de mon amour!

ASCANIO.

O noble hardiesse!

O le bon tour!

CELLINI.

Je le tiens! ah! j’aurai mon tour;

Je sais pour l’art tout son amour.

LE CARDINAL à Cellini.

Pour ton travail quel temps faut-il?

CELLINI.

S’il plait à Dieu,

Cette journée encor m’est nécessaire.

LE CARDINAL.

Te suffit-elle?

CELLINI.

Oui, j’espère:

Depuis longtemps la fournaise est en feu.

LE CARDINAL faisant signe aux gardes de se retirer.

Soit, j’y consens! …

A ce mot, Cellini dépose son marteau et se rapproche du cardinal.

Mais, maître drôle,

Souviens-toi bien de ma parole:

Moi-même, à l’atelier, ce soir,

Expressément je viendrai voir

Comment ton œuvre sera faite.

Or, si la fonte n’a pas lieu,

A la justice, de par Dieu!

Je livrerai ta tête.

Si Persée enfin n’est fondu

Dès ce soir tu seras pendu.

TERESA.

Pendu!

ASCANIO.

Pendu!

FIERAMOSCA.

Pendu!

BALDUCCI.

Pendu!

LE CARDINAL.

C’est, je le crois, bien entendu.

BALDUCCI.

Mais, monseigneur, s’il fait en sorte

De finir en temps voulu,

Et Thérèse …

LE CARDINAL.

Eh! que m’importe

Thérèse à moi? … c’est entendu:

A l’instant il sera pendu.

FIERAMOSCA.

Mais, monseigneur, s’il fait en sorte

De finir en temps voulu,

Et Pompée …

LE CARDINAL.

Eh! que m’importe

Pompée à moi? … c’est entendu,

A l’instant il sera pendu.

Ensemble.

TERESA, ASCANIO, BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

Pendu! … pendu!

Si Persée enfin n’est fondu

Eh quoi? grand Dieu! lui! pendu!

Ah! c’en est fait! il est perdu!

C’est bien! le fat sera pendu!

CELLINI ironiquement au cardinal.

Pour mes péchés quelle indulgence!

O monseigneur, que de bonté! pendu!

LE CARDINAL.

Oui, pendu!

LE CARDINAL.

Ah! maintenant de sa folle impudence

Il n’ose s’applaudir.

C’était trop d’insolence,

Et je dois le punir.

CELLINI.

Ah! je me sens trop de puissance,

Dieu m aidant, je dois réussir.

Ensemble.

TERESA.

Plus de chance!

Son sort est de périr!

Contre lui Dieu même se range!

Hélas! comment pourrait-il réussir?

ASCANIO.

Qu’importe qu’on se venge!

Que la fange

Sur ses pas vienne à jaillir!

Dans le cœur il a trop de puissance

Pour défaillir.

Dieu chérit l’assurance.

Le grand cœur! j’ai bonne espérance;

Le lion de Florence

Ne craint pas les combats!

Leur basse vengeance

Ne triomphera pas!

CELLINI.

Je brave leur vengeance!

Ah! dans l’âme j’ai trop de puissance

Trop d’ardeur pour me voir aujourd’hui défaillir

Dieu m’aidant, je saurai réussir!

Le lion de Florence

Ne craint pas les combats;

Leur basse vengeance

Ne triomphera pas!

TERESA.

Ah! c’en est fait! je perds toute espérance!

Seul contre tous, peut-il donc réussir?

Je n’ai plus qu’à mourir

De regrets, de souffrance!

Il n’est plus d’espérance!

De son audace Dieu s’offense:

La céleste vengeance

Le voue au trépas!

BALDUCCI ET FIERAMOSCA.

Ah! maintenant de sa folle imprudence

Le fat n’ose plus s’applaudir:

C’était trop d’insolence,

Il fallait le punir.

Cette fois je vais donc assouvir ma vengeance!

Bonne espérance!

Pour le coup ce hautain, ce fat, ce fier à bras,

A la fin, le voilà mis à bas!

O fureur, ô vengeance

Accourez à grands pas!

LE CARDINAL.

Ah! c’en est fait! je n’ai plus d’indulgence,

Je devais le punir:

C’était trop d’insolence,

Il fallait en finir.

Qu’il s’arrange! A ma juste sentence

Il n’échappera pas!

CHŒUR de la suite du Pape.

Quelle impudence!

C’est trop peu de la potence

Pour punir justement sa coupable arrogance.

Quelle indulgence!

L’insolent n’en mérite pas!

Quatrième Tableau

Scene VII

Le théâtre représente une partie de l’atelier de fonderie établi dans le Colisée. Au fond, un rideau cachant la fournaise et les ouvriers fondeurs. Deux portes à droite à gauche. Différents ouvrages de Cellini, en or, en argent, en bronze et en étain, répandus çà et là à terre, ou posés sur des dressoirs.

L’horloge sonne quatre heures.

ASCANIO seul.

Il entre en gambadant par la coulisse de gauche.

Air.

Tra la, la, la, la, la …

Mais qu’ai-je donc? … Tout me pèse et m’ennuie!

Mon âme est triste … Mais bah! tant pis!

Quand vient la mélancolie

Que d’ennui j’ai le cœur pris,

Tra la, la, la … moi je chante et je ris,

Moi soudain je m’étourdis.

C’est donc ce soir que l’on baptise

Dans le feu notre enfant d’airain:

Le Colisée est son église,

Le cardinal est le parrain,

Et les témoins tout le peuple romain!

Tra la, la, la, la, la …

Mais qu’ai-je donc? … etc …

Ah! ah! ah! ah! la bonne scène!

– A moi, mes gardes! qu’on l’entraîne?

– Chut, Eminence! … ou ce marteau …

– Tout beau! tout beau! je capitule;

Dès qu’on avance, je recule.

– Alors, primo, je veux ma grâce! – Concedo!

Et secondo je veux Teresa. – Concedo!

Tout à coup monseigneur s’arrête,

De mon maître il lui faut la tête,

Rien que cela?

Ah! ah! ah! ah!

– Si Persée enfin n’est fondu,

Dès ce soir tu seras pendu.

Pendu! pendu! c’est convenu! Ah! ah! ah! monseigneur,

Quel faveur!

Mais qu’ai-je donc? … etc …

… … … … … … …

Ascanio, sur un geste de Cellini, entre par la coulisse de droite dans la fonderie d’où sort son maître.

Scene VIII

CELLINI seul et pensif.

Seul pour lutter, seul avec mon courage!

Et Rome me regarde! … Allons, vents inhumains,

Soufflez, gonflez les flots et vogue dans l’orage

La nef de nos sombres destins!

Air.

Sur les monts les plus sauvages

Que ne suis-je un simple pasteur,

Conduisant aux pâturages

Tous les jours un troupeau voyageur!

Libre, seul et tranquille,

Sans labeur fatigant,

Loin des bruits de la ville,

Je chanterais gaîment;

Et le soir dans ma chaumière,

Ayant pour lit la terre,

Comme au bras d’une mère

Je dormirais content.

Sur les monts les plus sauvages, etc …

Scene IX

Cellini, Ascanio, chœur d’ouvriers fondeurs, en dehors.

LE CHŒUR.

Bienheureux les matelots,

Ces enfants des flots!

CELLINI avec humeur.

Allons! encor cette chanson plaintive!

LE CHŒUR.

Sur la mer joyeusement

Ils suivent le vent.

CELLINI.

Toujours avec cet air quelque malheur arrive.

LE CHŒUR.

Et quand sombre leur vaisseau,

L’onde est leur tombeau.

ASCANIO à part.

Funeste présage,

Que ce chant-là!

CELLINI.

Jamais mon ouvrage

Ne réussira

S’ils perdent courage.

S’adressant avec énergie à ses ouvriers.

C’est d’un fleuve de métaux

Que nous sommes matelots!

Régner sur l’onde est un jeu,

Quand on règne sur le feu!

ASCANIO ET CELLINI.

Allons, enfants, du cœur!

Redoublez tous de vigueur!

Allons, du cœur!

Mélangez le fer et l’étain;

Au succès nous boirons demain!

LE CHŒUR plus tristement encore.

Bienheureux les matelots,

Ces enfants des flots!

CELLINI prenant un tablier pour le ceindre autour de lui.

Vite, au travail, sans plus attendre!

On frappe à la porte.

Mais qui fait tout ce fracas?

ASCANIO qui a ouvert, revenant précipitamment.

Fieramosca!

CELLINI.

Quel surcroît d’embarras!

Scene X

Les précédents, Fieramosca et deux spadassins, porteurs d’immenses rapières.

CELLINI.

Que veut ce sot avec ses fier-à-bras?

FIERAMOSCA avec gravité.

Cellini, je viens de ce pas

En enfer te faire descendre.

CELLINI.

En enfer me faire descendre? …

Explique-toi, mauvais bouffon.

FIERAMOSCA.

Eh bien! je viens te demander raison

De tes injures.

CELLINI.

Toi, poltron?

Tu ne ris pas?

FIERAMOSCA.

C’est tout de bon.

ASCANIO.

C’est tout de bon?

FIERAMOSCA.

Et sur-le-champ.

ASCANIO.

Sans prendre haleine?

CELLINI.

Mais je ne puis sortir.

FIERAMOSCA.

Tu recules? …

CELLINI bondissant d’indignation.

Dégaine!

Nous nous battrons ici.

FIERAMOSCA.

Non, non!

Si je te tue en ta maison,

Je suis un assassin … c’est la loi.

CELLINI.

Fanfaron!

Je vois ce que tu veux, m’empêcher de rien faire;

Mais, grâce à Dieu, j’espère

Te donner promptement une bonne leçon.

Ton rendez-vous!

FIERAMOSCA.

Ici, tout près, derrière

Le cloître Saint-André: nous t’attendons.

CELLINI.

C’est bon.

Va devant, je te suis.

FIERAMOSCA jetant à Cellini des regards farouches.

Bien: qu’il ose s’y rendre,

En enfer je le fais descendre!

Il sort avec les deux spadassins par la porte de gauche.

Scene XI

Cellini, Ascanio.

CELLINI.

Quel contretemps que ce duel-là!

Vite, allons ma rapière!

Scene XII

Teresa en habit de voyage, Cellini.

CELLINI vivement et sans se retourner.

Encor Fieramosca!

Apercevant Teresa.

Teresa! Dieu du Ciel! Teresa!

TERESA.

Mon père nous trahit!

CELLINI.

Comment! que dis-tu là?

ASCANIO.

En vain son Eminence,

Prenant notre défense,

A décidé que Toscan ni Romain

Jusqu’à ce soir n’aurait droit à ma main.

CELLINI.

Eh bien! ma chère?

ASCANIO.

Bravant cet ordre saint, mon père

A voulu m’éloigner de la ville; mais moi

Je me suis échappée

Et je reviens à toi!

Scene XIII

Teresa, Cellini, Ascanio.

ASCANIO sans voir Teresa.

Maître, voici ton épée!

TERESA.

Une épée! … où vas-tu?

CELLINI.

Je reviens à l’instant.

TERESA.

Non, non! tu vas certainement

Te battre! … reste ici!

CELLINI.

Je ne le puis, vraiment!

TERESA.

Je m’attache à tes pas.

CELLINI.

Ne crains rien, chère enfant;

Je m’en vais envoyer au diable

Ton futur époux, ton amant!

TERESA.

Fieramosca?

CELLINI.

Le misérable!

Il vient de m’insulter!

TERESA.

C’est quelque guet-apens!

J’ai de sombres pressentiments!

CELLINI.

Rassure-toi.

TERESA.

Grand Dieu!

CELLINI.

Ce n’est pas un Hercule;

Ce n’est qu’un vil bouffon

Dont la bravade est ridicule,

Et que je vais punir d’une rude façon.

Il sort avec Ascanio.

Scene XIV

TERESA seule.

Quoi? ma prière est vaine!

Me laisser seule ici …

Pour se battre il est parti!

CHŒUR d’ouvriers fondeurs, en dehors.

Cellini! Cellini!

Non plus de travaux!

Laissons les fourneaux!

TERESA.

Qu’entends-je? … fuir! … rester! hélas! …

S’il ne revient pas,

Ma perte est certaine!

Scene XV

Teresa, Bernardino, Francesco et le chœur des ouvriers en tumulte, noirs de sueur et de fumée.

BERNARDINO, FRANCESCO ET LE CHŒUR.

Peuple ouvrier,

Que l’atelier

Vite se ferme.

A bas les marteaux!

Pelles et ciseaux!

Laissons nos fourneaux!

Quittons les travaux,

Et que le repos

Enfin mette un terme

A tous nos maux!

TERESA.

Dieu! quelle colère!

Que voulez-vous faire?

LE CHŒUR.

Sortir tous d’ici!

TERESA.

Eh! mais … mais Cellini.

LE CHŒUR.

Le maître sans gêne

Nous laisse la peine;

Ah! pour l’enrichir

C’est par trop souffrir!

TERESA.

De la patience,

Cellini s’avance,

Il va revenir.

LE CHŒUR.

Nous voulons sortir.

TERESA.

Ah! que devenir?

LE CHŒUR.

A nous sur la terre

Labeur et misère.

A nous le malheur,

Au maître l’honneur.

TERESA.

Allons, du courage!

Reprenez l’ouvrage.

LE CHŒUR.

C’est trop souffrir

Pour l’enrichir.

TERESA.

Vous serez, je gage,

Bien payés demain.

LE CHŒUR.

Demain? … nous sommes sans pain,

Nos enfants ont faim!

TERESA.

O sainte madone,

Hélas! n’abandonne

Jamais mon époux!

LE CHŒUR.

Allons-nous-en tous!

TERESA.

Je m’attache à vous.

LE CHŒUR.

Non, non; laissez-nous,

C’est pure folie!

TERESA.

Je vous en supplie!

Scene XVI

Les précédents, Fieramosca.

TERESA apercevant Fieramosca.

O ciel! il est mort!

Elle tombe presque évanouie dans les bras de Bernardino et de Francesco.

LE CHŒUR.

D’où vient ce transport?

FIERAMOSCA étonné.

Ah! que signifie

Cette clameur-là?

LE CHŒUR.

Secourons-la,

Elle perd la vie.

TERESA revenant à elle.

O bons ouvriers!

Vengez votre maître

Tué par ce traître

Aux bras meurtriers!

LE CHŒUR.

Quoi! l’infâme traître

A tué le maître!

TERESA.

C’est un spadassin!

LE CHŒUR.

A mort! l’assassin!

FIERAMOSCA se débattant.

Ah! point de colère!

Je suis votre ami!

Les ouvriers en le secouant font tomber de l’or de ses poches.

LE CHŒUR.

Quoi! tant d’or sur lui!

Qu’en voulait-il faire?

FIERAMOSCA.

Je venais en frère

Vous faire

Gagner un meilleur salaire,

Hélas! que celui

Qu’on vous donne ici.

LE CHŒUR.

Au diable! merci!

De ton vil salaire

Que pouvons-nous faire

Pour l’égorgeur

Du grand ciseleur?

Vite, à la chaudière.

FIERAMOSCA criant.

Ah! ah! je suis votre ami!

LE CHŒUR.

A mort! vite à la chaudière.

Scene XVII

Les précédents, Cellini et Ascanio.

CELLINI.

Holà! qu’est ceci?

LE CHŒUR ET TERESA sautant au cou de Cellini.

Grand Dieu! Cellini!

CELLINI.

Eh! oui, me voici!

TERESA.

Quel bonheur! j’ai craint que la vie

Ne te fût ravie,

O mon cher époux!

LE CHŒUR.

Nous l’avons craint tous.

CELLINI.

Ah! … rassurez-vous.

A Fieramosca encore tout essouflé.

Chez moi, téméraire,

Que viens-tu donc faire,

Quand le fer en main

Je t’attends en vain.

FIERAMOSCA tremblant.

Je viens sans mystère …

Je viens …

LE CHŒUR montrant l’or qu’ils ont ramassé.

Pour tâcher

De nous embaucher.

CELLINI.

Comment! soudoyer

Tout mon atelier?

Je sens ma colère! …

FIERAMOSCA plus tremblant.

Je viens … cher confrère …

Je viens …

CELLINI.

Tu viens pour travailler.

LE CHŒUR.

Comment? comment? travailler!

CELLINI.

Oui, oui, travailler …

Couvrez-moi ce drôle

Du noir tablier,

Et dans l’atelier

Qu’il fasse son rôle,

Ou par Dieu!

LE CHŒUR.

Bien! c’est drôle!

ASCANIO, TERESA ET LE CHŒUR.

Allons, fier vulcain,

Accepte ce rôle,

Ou tu prends un bain

Dans un flot d’airain.

FIERAMOSCA pendant qu’on l’habille.

J’aime mieux ce rôle

Que de prendre un bain

Dans un flot d’airain.

ASCANIO, FRANCESCO ET BERNARDINO.

A l’atelier!

LE CHŒUR.

Peuple ouvrier

Rentre à pas leste,

Et que les marteaux,

Pelles et ciseaux

Achèvent le reste

De nos travaux.

Rentrons, et que les fourneaux

Sortant du repos

Achèvent le reste

De nos travaux,

Retournons aux fourneaux,

Reprenons nos travaux.

Ensemble.

TERESA ET ASCANIO.

Allons! aux fourneaux!

Et que les marteaux,

Pelles et ciseaux

Sortant du repos

Achèvent le reste

De nos travaux.

CELLINI, TERESA ET ASCANIO.

Rentrez tous aux fourneaux

Achever vos travaux!

La bonne tournure!

Plaisante figure!

FIERAMOSCA.

J’aime mieux ce rôle

Que de prendre un bain

Dans un flot d’airain.

Le chœur rentre dans la fonderie, suivi de Fieramosca, qui sur un geste de Cellini se résigne à l’y précéder.

Scene XVIII

Teresa, Ascanio.

TERESA.

Ah! le calme renaît dans mon âme inquiète,

Mais le ciel est encor bien noir!

ASCANIO.

Du courage! avant la tempête,

Au port nous entrerons ce soir.

Scene XIX

Les précédents, le Cardinal et sa suite, Balducci, puis Cellini.

ASCANIO.

Le cardinal!

Il va au-devant de Cellini qui parait.

BALDUCCI stupéfait.

Thérèse ici!

TERESA.

Mon père! …

LE CARDINAL imposant silence an trésorier.

Arrêtez, Balducci!

Il se tourne vers Cellini.

Eh bien! démon, as-tu fini?

CELLINI.

Non, pas encor; mais, Dieu merci,

Tout va très bien. Le feu mugit sous la chaudière

Et les flots ardents du métal

Vont descendre à votre signal

Dans les entrailles de la terre.

BALDUCCI.

Le fanfaron!

LE CARDINAL.

Fausse gaîté!

Avec son sang-froid affecté

Le drôle en ce moment m’outrage;

Mais patience!.. Allons, commence.

Scene XX

Le rideau se lève et laisse voir l’intérieur du Colysée où est établie la fonderie. Au fond, le cirque est garni de spectateurs; à droite, le fourneau tout en feu et une échelle conduisant à la chaudière; au milieu, la rigole destinée à recevoir le métal en fusion. Il fait nuit, l’atelier est éclairé par des torches. A gauche, un siège d’honneur où le cardinal prend place, entouré de toute sa suite.

FIERAMOSCA.

Du métal!

Du métal! il nous faut du métal!

Ou bien nous suspendons l’ouvrage!

CELLINI.

Que dis-tu fondeur infernal?

FIERAMOSCA.

Du métal! il nous faut du métal!

Ou bien nous suspendons l’ouvrage!

CELLINI.

Je vais voir … Contre-temps fatal!

Il va vers la fournaise.

BALDUCCI reconnaissant Fieramosca.

Fieramosca!.. quel équipage?

FIERAMOSCA embarrassé.

Oh! je conviens! …

BALDUCCI.

Quel noir visage!

Vraiment, je ne vous comprends pas.

FIERAMOSCA.

Entre artiste ne doit-on pas

S’entr’aider?

CELLINI revenant l’air soucieux.

A Fieramosca.

Allons! … à l’ouvrage!

Fieramosca, sur un geste impérieux de Cellini, retourne à la fournaise et Cellini le suit presque aussitôt.

Ensemble.

TERESA ET ASCANIO.

Quelle pâleur sur son visage!

O Dieu! ne l’abandonne pas!

BALDUCCI ET LE CARDINAL.

Quelle pâleur sur son visage!

Je le crois dans un mauvais pas!

CELLINI revenant, l’air brusque et agité.

Au cardinal.

Pardonnez, il faut l’œil du maître:

De métal je viens de repaître

La chaudière, elle est toute en feux:

A présent tout va pour le mieux.

Les ouvriers travaillent avec un redoublement d’activité.

BERNARDINO accourant effrayé.

Maître! la fonte se fige!

TOUS.

La fonte se fige!

BERNARDINO.

Du métal!

CELLINI.

Tout est-il fondu?

BERNARDINO.

Tout: il en faut d’autre, vous dis-je!

CELLINI.

Je n’en ai plus. Je suis perdu!

TOUS.

Il n’en a plus, il est perdu!

LE CARDINAL.

Le fanfaron est confondu!

BALDUCCI.

Le spadassin sera pendu!

LES OUVRIERS.

Du métal! le temps se passe!

CELLINI balbutiant.

Attends! … que faut-il que je fasse? …

Comment parer ce coup fatal?

LES OUVRIERS redoublant de cris.

Du métal! du métal! du métal!

CELLINI exaspéré, levant les mains au ciel.

Seigneur, use de ton pouvoir!

Dans ta main est le seul remède!

Si tu ne veux pas que je cède

Au désespoir,

Aide-moi donc, puisque je m’aide! …

Je suis sauvé! … Dieu, m’est en aide! …

A Francesco et à Bernardino.

Prenez tout ce que je possède!

Ne laissez rien dans l’atelier.

FRANCESCO ET BERNARDINO.

Quoi! tous vos chefs-d’oeuvre!!!

CELLINI.

N’importe!

Or, argent, cuivre, bronze; emporte,

Et jette tout dans le brasier.

A l’exemple de Cellini, Ascanio, Francesco, Bernardino et les ouvriers s’emparent de tous les ouvrages que contient l’atelier, et les lancent dans la chaudière.

Ensemble.

TERESA.

Hélas! la force m’abandonne!

Va-t-il malgré tout réussir?

Hector Berlioz – Benvenuto Cellini

Hector Berlioz

Benvenuto Cellini

Oper in drei Aufzügen

Personen

Der Kardinal Salviati

Giacomo Balducci, Schatzmeister des Papstes

Teresa, seine Tochter

Benvenuto Cellini, ein florentinischer Goldschmied

Ascanio, Lehrling Cellini’s

Francesco,

Bernardino, Künstler aus der Werkstätte Cellini’s

Fieramosca, Bildhauer des Papstes

Pompeo, ein Raufbold, Freund des Fieramosca

Ein jüdischer Schenkwirth

Ein Officier

Stumme Personen

Der falsche Balducci

Harlekin

Polichinello

Colombine

Zwei Soldaten

Chöre

Dienerinnen und Nachbarinnen von Balducci

Goldschmiede

Gießer, Masken, Häscher, Mönche, Gefolge des Kardinals, Volk

Die Handlung geschieht zu Rom, um 1532, unter dem Papste Clemens VII., am Montage vor Fastnacht, am Fastnachttage und Aschermittwoch.

Erster Akt.

Fastnacht-Montag

Erster Auftritt.

Die Scene stellt einen glänzenden Saal im Palaste Balducci’s vor.

Balducci. Teresa.

Introduktion.

BALDUCCI.

Teresa! – Nun, wo mag sie sein?

Wieder am Gaffen?!

Du hörtest doch, was ich befahl,

Vom Fenster! Ein- für allemal!

Was machst du hier? Herr meines Lebens,

Und stundenlang ruf’ ich vergebens.

Zum Papst muß ich gleich – meinen Stock!

Den Dolch – die Handschuh – und meinen Rock.

‘s ist wahrlich, um davon zu laufen,

Man möcht’ dem Satan sich verkaufen,

Nicht ein Stündchen zum Verschnaufen,

‘s ist schlimmer, als die ärgste Frohn

Für Cellini, o Schimpf und Hohn,

Den florentinischen Kujon!

Was seine Heiligkeit auch denken –

Schafft den toskan’schen Goldschmied an,

Und hat doch hier den großen Mann,

Fieramosca – den so zu kränken! –

Ab.

Zweiter Auftritt.

Recitativ.

TERESA.

Wohl mir, daß er allein

Nun mich ließ. – O, welch Behagen!

Nein, diese Pein

War länger nicht zu tragen.

CELLINI, FRANCESCO, BERNARDINO UND CHOR DER MASKEN hinter der Scene.

Tra la la la –

De profundis!

Wird verderben

Und sterben

Karneval,

Weint ihr gewiß!

De profundis!

TERESA.

Gott, Cellini ist’s!

CELLINI.

Ihr großen Kinder,

Narren, seid weise.

CHOR.

Ihr großen Kinder,

Junge und Greise,

Weint nicht, genießt in Eil’

Des Pokals,

Trinkt auf das Seelenheil

Karnevals.

De profundis!

Teresa nähert sich dem Fenster, wo sie von einem Blumenregen überschüttet wird. Indem sie die Blumen aufhebt, findet sie ein Billet.

Recitativ.

TERESA.

Welch schöner Strauß! – und ein Brief! – Cellini!

Wie unvorsichtig! – Und wie! – er kommt hierher!

Heute Abend, ach, mein Gott – doch mein Vater!

Ist nicht hier – Und die Zeit so gelegen –

Was thu’ ich?

Kavatine.

Wenn zwischen Pflicht und Wunsch du bangst,

Wie bist, o Herz, du zu beklagen!

Vor der Erfüllung mußt du zagen,

Selbst Hoffnung mehrt nur deine Angst.

Wie du auch wallst, darfst leis nur schlagen,

Mußt bergen scheu, was du errangst,

Entsagen da, wo du verlangst –

Wenn zwischen Pflicht und Wunsch du bangst.

Wie bist, o Herz, du zu beklagen!

Vor der Erfüllung mußt du zagen,

Selbst Hoffnung mehrt nur deine Angst.

Dritter Auftritt.

Teresa. Cellini.

Recitativ und Duett.

Teresa. Cellini!

CELLINI.

Teresa! Niemand wird hier uns stören –

TERESA.

Cellini, ach bedenkt, wenn der Vater uns sieht –

CELLINI.

Ach, diesen Namen zu hören!

TERESA.

Man kommt.

CELLINI.

Seid unbesorgt.

TERESA.

Laßt Euch beschwören.

Entflieht.

CELLINI.

‘s ist blinder Lärm, der zu uns drang,

Es ist Held Karneval, den sie mit Lust umschwärmen,

Laßt vorm Fenster sie unten lärmen

Bei der Schellen lustigem Klang,

Drum kein Zagen, Teresa, kein Zagen mache euch bang.

O du mein Lieb, du, nach dem ich trachte,

Teresa, Geliebte, ende die Qual,

Willst du, daß fern dir ich verschmachte,

Entsage, entsage jeder Hoffnung Strahl?

TERESA.

Ach, daß an Lieb dein Herz je dachte! Cellini,

Sie bringt nur Leiden ohne Zahl –

Laß von der Liebe, laß von der Gluth, die dich entfachte,

Wir sehn uns heut’ zum letzten Mal.

Vierter Auftritt.

Terzett.

Fieramosca. Die Vorigen.

FIERAMOSCA.

Man zerschlägt keine Fensterscheiben,

Man fällt nicht mit der Thür ins Haus,

Will man Liebe mit Glück betreiben,

Schleicht mäuschenstill man ein und aus.

CELLINI.

O laß bei allen Heil’gen dich beschwören.

FIERAMOSCA.

Ha, Cellini, schnell dort hinein –

CELLINI.

Ich darf’s nicht denken, Teresa, nein,

Du einem Andern angehören,

Dein Herz dem Gecken Fieramosca schenken!

TERESA.

Nein, die Madonna wird mich hören,

Wird diese Schmach vom Haupt mir lenken,

Viel eher würde den Tod ich leiden

Als Fieramosca gehören.

FIERAMOSCA.

Ha! Dürft’ ich mit der Sprach’ heraus,

Wart’ nur, ich wollte dich schon lehren!

CELLINI.

Drum, o mein Lieb’, Teresa,

Stille mein Sehnen,

O sag’ mir heut’,

Du höchstes Glück,

Nach dem ich einzig trachte,

Willst du, daß fern dir ich schmachte,

Entsage jeder Hoffnung letztem Strahl?

TERESA.

Ach, dein Hoffen,

Cellini, ist eitles Wähnen,

Die Pflicht gebeut,

Mir winkt kein Glück,

Mein wartet bange Qual,

Mir leuchtet kein Stern,

Der sonst mir lachte,

Wir sehn uns heut’ zum letzten Mal.

CELLINI.

Fieramosca, ein solcher Geck!

TERESA.

Fieramosca! Sein Weib? Erbarmen! Lieber werbe

Der Tod um meine Hand – wohlan, ich sterbe!

FIERAMOSCA.

O, hätt’ ich mein Rappier zur Hand.

CELLINI.

Nein, dir soll Wonne winken,

Sterben sollst du nicht;

Laß den Muth nur nicht sinken,

Hör’, was Liebe spricht.

Schön’ren Weg zu erwählen

Voller Seligkeit,

Darf nur Muth dir nicht fehlen,

Den die Liebe leiht.

TERESA.

Will die Furcht überwinden,

Zeig’ den Weg mir nur –

CELLINI.

Jedes Glück wirst du finden,

Folgst du seiner Spur.

TERESA.

Sprich nicht so laut!

CELLINI.

Zum Schluß des Karnevals –

TERESA.

Zum Schluß des Karnevals –

FIERAMOSCA.

Zum Schluß des Karnevals?

CELLINI.

Geh’ morgen jedenfalls –

TERESA.

Ich gehe jedenfalls –

FIERAMOSCA.

Ich gehe jedenfalls!

CELLINI.

Zum großen Platz Colonna komm –

TERESA.

Zum Platz Colonna?

FIERAMOSCA.

Zum Platz Colonna?

CELLINI.

Cassandro spielt im Zelt –

TERESA.

Cassandro spielt im Zelt –

FIERAMOSCA.

Cassandro!

CELLINI.

Die Oper, die für Rom Er eigens hat bestellt.

FIERAMOSCA.

Eine Oper – aha!

CELLINI.

Dein Vater wird indessen

Beim Spiel dich ganz vergessen,

Laut lacht er mit dem Schwarm –

Du –

TERESA.

Ich?

FIERAMOSCA.

Ha!

CELLINI.

Du reichst dann schnell den Arm.

TERESA.

Ich reiche schnell den Arm –

FIERAMOSCA.

Sie reicht dann schnell den Arm.

CELLINI.

Dem Mönch in weißem Kleide –

TERESA.

Dem Mönch in weißem Kleide –

FIERAMOSCA.

Da reicht sie ihren Arm

Dem Mönch in weißem Kleide –

CELLINI.

Dem Kapuziner dann –

TERESA.

Dem Kapuziner dann –

FIERAMOSCA.

Dem Kapuziner dann –

CELLINI.

Jener Mönch – sieh mich an!

TERESA.

Du!

FIERAMOSCA.

Er!

TERESA.

Fürwahr?

CELLINI.

Mein Schüler ist der Zweite –

TERESA.

Wie, dein Schüler?

FIERAMOSCA.

Wie? sein Schüler?

CELLINI.

Wir geben dir Geleite –

TERESA.

– Mir Geleite –

FIERAMOSCA.

– Ihr Geleite –

CELLINI.

Dann eilen froh wir fort,

Toskana zu erreichen.

TERESA.

Nach Toskana?

FIERAMOSCA.

Nach Toskana?

CELLINI.

Und selig ruh’n wir dort.

CELLINI UND TERESA.

O Wonne ohne Gleichen

Wenn wir Florenz erreichen,

Drum flieh’n wir eilig fort.

FIERAMOSCA.

Eilig fort?

TERESA.

O, Cellini, welch’ herbe Schmerzen

Bringt die Flucht dem Vaterherzen,

Trifft mich nicht des Himmels Fluch?

CELLINI.

Dich des Himmels Fluch? nein, o nein, süßes Leben!

Mag dein Vater davor erbeben,

Seine Tochter so zu quälen!

Du sollst dein Leben einsam vertrauern,

Im Kloster verwelken, vergeh’n in düstern Klostermauern,

Oder gar als Weib dieses Fieramosca!

TERESA.

Fieramosca! Fieramosca!

FIERAMOSCA.

Ha! wo doch bleibt der Herr Papa?

TERESA.

Ha, sei’s gewagt, ich hasse ihn unsäglich;

Er mein Mann – ihn sehen täglich! –

Fasse Muth, scheuche die Sorgen,

Morgen Nacht fliehen wir – also morgen!

CELLINI.

Also morgen!

FIERAMOSCA.

Also morgen!

CELLINI.

Hast du auch wohl behalten

Stund’ und Ort zum nächt’gen Rendez-vous?

TERESA.

Ja – Platz Colonna, sprachst du –

CELLINI.

Nur leise! Sprich nicht so laut!

Zum Schluß des Karnevals etc.

Ensemble.

CELLINI.

O wie süß sie erklangen,

Mir ins Herz wonnig drangen,

Diese Wort’ aus deinem Mund!

Der Gott, den wir ehren,

Er wird Leid von uns wehren,

Gewähren

Die seligste Stund’.

TERESA.

Jungfrau, sieh mein Bangen,

In bedrängter Stund’

Laß mich Schutz erlangen.

Wolle Muth gewähren,

Lindre meines Vaters Zähren,

Dem Bunde wolle Schutz gewähren,

Lindre Vaterzähren,

Segne unsern Bund!

FIERAMOSCA.

Weiber, falsche Schlangen!

Wart’, dich will ich fangen,

Du toskan’scher Hund!

Bald soll Lust in Leid sich kehren,

Wenn Ketten dich beschweren

Tief in Kerkers Grund.

CELLINI UND TERESA.

Drum, ans Sterben zu denken

Wäre Thorheit nur,

Jugend soll froh uns lenken

Auf der Liebe Spur.

Wenn uns Leiden umsponnen,

Süße Liebe lohnt’s,

Hymen gönnt uns die Wonnen

Seines Wonnemonds.

Ob durch Schloß man und Riegel

Uns zu trennen dacht’,

Treue Liebe hat Flügel,

Spottet jeder Macht.

Ja, hin zum Arnostrand

Flieh’n wir Hand in Hand.

Im neuen Vaterland

Umschling’ uns fest der Liebe Band.

O Wonne ohne Gleichen,

Wenn wir Florenz erreichen,

Drum eilig flieh’n wir fort!

FIERAMOSCA.

Leider habt euren Plan

Ohne mich ihr gemacht,

Ich zerstör’ euren Wahn

Noch vor morgen Nacht,

Nehmt euch in Acht!

CELLINI.

Morgen denn!

TERESA.

Morgen denn!

FIERAMOSCA.

Morgen denn! Morgen denn!

ALLE DREI.

In stiller Nacht!

CELLINI.

Am Platz Colonna –

TERESA.

Still!

CELLINI.

Dort am Theater –

TERESA.

Gut!

CELLINI.

Ein weißer Mönch –

TERESA.

Ja, ich komm’! –

FIERAMOSCA.

Gut!

Ich fehle nicht.

ALLE DREI.

Morgen Abend,

Ganz gewiß!

TERESA.

Gott! mein Vater ist da, eilig hör’ ich ihn kommen –

CELLINI.

Hörst du ihn wirklich?

TERESA.

Ja, er naht –

FIERAMOSCA.

Da scheint mir gut, ich halt’ mich separat. –

Fünfter Auftritt.

Balducci. Die Vorigen.

BALDUCCI.

Ei, was! Teresa! Was hast du so spät noch zu schaffen?

Was weilst du hier, zu welchem Zweck?

TERESA.

Mein Vater – ein Mann –

BALDUCCI.

Ein Mann! Wo? Meine Waffen!

TERESA.

Ja, ja! Als ich schlafen wollt’ gehn – welch ein Schreck –

BALDUCCI.

Ein Mann im Zimmer, weh’ dem Gauner, dem Strolche!

Schnell her das Licht, Teresa, ich erdolche

Diesen Dieb, wo ich ihn entdeck’!

TERESA.

Keinen Augenblick länger verziehe.

Cellini! – Er ging hinein.

CELLINI.

Hab Dank, mein Schutzgeist, ich entfliehe.

Bis morgen denn. Ewig dein!

Ab.

Sechster Auftritt.

Teresa. Balducci. Fieramosca.

TERESA.

Welch ein Schreck! Meine Kraft fühl’ ich weichen –

BALDUCCI.

Ha, Bandit, hab ich dich!

TERESA.

Himmel, ach!

Schlich sich wirklich ein Mann ins Gemach?

BALDUCCI.

Folg’mir, Räuber, du erliegst meinen Streichen –

Wie! seid Ihr’s?

TERESA.

Welch ein Fang ohne Gleichen!

FIERAMOSCA.

Ein Bandit bin ich nicht –

BALDUCCI.

Teufel auch!

Ein frisirter Bandit, noch viel schlimmer!

Sagt mir, Herr, ist das Sitte und Brauch,

Sich zu Mädchen zu schleichen ins Zimmer?

TERESA.

Ja, mein Herr, was führt Euch in mein Zimmer?

FIERAMOSCA.

‘s ist ganz einfach, ich wollte – meinen Besuch Euch nur machen.

BALDUCCI.

Unverschämt! – Ei, so soll dich –

FIERAMOSCA.

Freund, so seid doch klug,

Hört mich doch an – auf mein Wort

BALDUCCI.

Schon genug!

Auf, Nachbarinnen, auf, ihr Frauen!

TERESA.

Gaetana! Barbarina!

BALDUCCI.

Petronella, Catarina!

Scolastica!

FIERAMOSCA.

Macht doch ein Ende diesem Schrei’n –

BALDUCCI UND TERESA.

Herbei! Herbei!

NACHBARINNEN hinter der Scene.

Bei Balduccis brach man wohl ein?

Was mag das für ein Lärmen sein?

BALDUCCI.

Kommt schnell herbei, das Herrchen fein,

Den Dirnenjäger anzuschauen,

Er schlich sich bei Teresa ein. Herbei

Und jagt ihn aus dem Haus im Verein.

FIERAMOSCA.

Ich bin kein Herrchen – bin nicht fein –

Vor allen Dirnen fühl’ ich Grauen.

BALDUCCI.

Nun wahret Euch; sie kommen schon,

Die sprechen aus ganz andrem Ton!

Der Weiber Hand führt gern den Mann

Der Tugend steile Dornenbahn.

Merkt’s Euch, wenn sie nach Haus Euch sandten,

Und schleicht nicht mehr den Mädchen nach.

FIERAMOSCA.

Den Frauen zum Spotte! Weh’ mir, ach!

Orpheus bin ich, ein Opfer der Bacchanten!

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Chor der Nachbarinnen und Mägde Balducci’s.

CHOR.

Süßes Herrchen! O, Schätzchen fein,

Wart’, man lehrt dich achten Weiberehr’!

Und du verführst kein Mädchen mehr.

Fort, ins Bad hinein!

Auf, führet ihn zum Garten ein,

Dort bleibt er bis zum Frührothschein.

Der Springbrunn’ steigt so klar und rein,

Dort soll er kühl gebettet sein.

Komm, Schätzchen, komm, da hilft kein Schrei’n –

Das Bad soll trefflich dir gedeih’n.

BALDUCCI UND TERESA.

Ja ja, so recht! Werft ihn hinein.

Da wird er kühl gebettet sein!

FIERAMOSCA.

O, welche Qual, o, welche Pein,

Sie tauchen ins Bassin mich ein.

Welch wildes Heer! O, die Megären!

Ach, wie soll ich mich befrei’n?

Ende des ersten Aktes.

Zweiter Akt.

Fastnacht-Dienstag

Die Scene stellt den innern Hof einer Taverne vor.

Erster Auftritt.

CELLINI allein.

Noch eine Stunde, und der Plan ist gelungen,

Hält Teresa mir Wort.

Du holder Liebesgott, sei unser Hort!

Von allen Herzen, die dir schlagen,

Soll mein’s am seligsten sein!

Liebe, sei grausam nicht,

Führ’ uns glücklich zum schönsten Port!

Romanze.

Dem Ruhm allein galt mein Bestreben;

Schon sah die Kunst ich hoch entzückt

Den Glorienschein ums Haupt mir weben,

Womit sie Auserwählte schmückt.

Doch ich entsag’ den Lorbeerkränzen,

Seh’ ich Teresas Auge hell erglänzen.

Sieh her, o Lieb!

Zum Opfer bring’ ich Glanz und Ehre dir!

Sei gnädig ihr, sei gnädig mir.

In der Geliebten friedlich Walten

Drang nie ein Hauch der Schmerzen ein;

Fern von dem Meer, wo Stürme schalten,

Glich es dem Quell im stillen Hain.

Doch diesem Glück will sie enteilen,

Will meine Noth, mein Elend theilen –

Sieh her, o Lieb!

Zum Opfer bringt sie ihren Frieden mir!

Sei gnädig ihr, sei gnädig mir.

Zweiter Auftritt.

Cellini. Bernardino. Francesco.

Goldarbeiter, Freunde und Schüler Cellini’s.

CHOR DER CISELEURE.

He, Wein! he, Wein! Bringt Wein her!

Bringt eilig Wein uns her!

FRANCESCO.

Freunde, singt!

CELLINI.

Wohl! aber hört, singt keine Kneipenlieder,

Keinen zot’gen Refrain, gewürzt von der Weinschenke Dunst.

Ja singt, doch unser Lied halle Hymnen gleich wieder,

Töne dem Ruhm unsrer hohen Kunst.

Gesang der Goldschmiede.

CHOR.

Schmückt auch schön sich die Erde im Mai

Mit Gräsern und Blumen voll Pracht,

Holt der Mensch doch noch Schön’res herbei,

Erhebt den Schatz tief im Bergesschacht:

Dem Goldschmied sei ein Hoch gebracht!

Sitzt man beim Ciseliren –

Gold, wie glänzest du reich!

Die Rubine brilliren

Und funkeln feuergleich.

Demant hat nicht Gewalt bei Tage,

Denn die Sonn’ hat dann zu viel Macht.

Doch Nachts ist die Zeit,

Wo er hell strahlt,

Als wie sein Bruder, der Stern,

Der am Himmel hält Wacht:

Dem Goldschmied sei ein Hoch gebracht!

BERNARDINO.

Hört an, eh’ wir das Lied nun enden,

Bleib uns leer das Glas nicht in Händen;

Ein Vivat zu weih’n unsrem Stand,

Sei der Becher voll bis zum Rand.

CHOR.

He, Wein her, bringt Wein!

Dritter Auftritt.

Die Vorigen. Der Wirth jüdisch-grotesk.

WIRTH mit näselnder Stimme.

Was wollt ihr denn? Der Keller ist leer!

CELLINI.

Willst, alter Schelm, du uns belügen?

WIRTH.

Ich sag, daß ihr betrunken seid.

Und wollt mehr des Weins ihr noch trinken,

So laßt Zechinen blinken.

CHOR.

Und was denn sind wir schuldig dir?

WIRTH.

Da seht, ihr Herrn, lest es nur selbst,

Damit ihr seht, daß ich nicht lüge.

Erst Orvietowein,

Aleatico,

Dann Maraschino –

Volle dreißig Krüge –

CHOR.

Wie so? Dreißig!

WIRTH.

Dann rothen Ischia,

Später Procida,

Und dann Nicita

Macht zusammen sechzig.

CHOR.

Sechzig Krüge?!

WIRTH.

Mousseux von Asti,

Wein von Lipari,

Lacryma Christi,

Das macht hundertdreißig.

CHOR nachäffend.

Lacryma Christi –

Hundertdreißig!

Kerl, mach nicht blauen Dunst,

Nennst du das Rechenkunst?

Was sagt ihr zu dem Wichte?

CELLINI.

Nein, beim jüngsten Gerichte

Tönt der Posaune Klang

Nicht so schrecklich und bang,

Wie dies Schenkenereignis,

Wie dies Sündenverzeichnis,

Herr Wirth – wie dein Gesang!

Was thun? Wer hilft uns heraus?

CHOR und Bernardino.

Schändlich!

Man macht’s durch Prügel ihm verständlich.

CELLINI.

Nein, Freunde, nein, folgt meinem Rath,

Warten wir ein wenig, bis endlich

Ascanio als Erlöser naht.

CHOR.

Seht dort Ascanio, er ist’s in der That!

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Ascanio.

CHOR.

Ja! Er rettet uns, Viva!

CELLINI.

Laß, o Kind, dich umarmen,

Und nehmet aus Erbarmen

Ihnen ab das schwere Joch.

ASCANIO.

Einen Augenblick noch!

Ein Auftrag führt mich her zu euch.

Meister, dies Gold soll dein sein –

Unter einer Bedingung.

Arie.

Dieses Gold dir zu spenden

Hat der Papst mich gesandt,

An das Werk es zu wenden,

Das dein Genius erfand

Um zu schmücken dies Land.

Doch nur dann darfst du berühren

Dieser Goldstücke Rand,

Wenn den Eid mit heil’gen Schwüren

Du mir schwörst unverwandt:

Morgen den Guß des Perseus

Mit eignen Händen zu vollenden!

CELLINI.

Wohl, nimm den Schwur zum Pfand.

CHOR.

Nimm unsern Schwur zum Pfand.

ALLE.

Also uns dies Gold zu spenden

Hat der Papst dich gesandt,

Zum Werk es zu verwenden.

CELLINI.

Das mein Genius erfand

Um zu schmücken dies Land.

CHOR.

Das sein Genius erfand

Um zu schmücken dies Land.

Aber ehe wir berühren

Dieser Goldstücke Rand,

Leisten wir mit heil’gen Schwüren

Dir den Eid unverwandt:

Morgen mit eig’nen Händen

Den Perseus zu vollenden,

So wahr dies Gold dann schwand!

Dies schwört dir unsre Hand!

ASCANIO.

Euch zu helfen im Stand

Bin ich durch dies Versprechen.

Nun bezahlt eure Zechen,

Hier das Gold, seht her!

CELLINI.

Ha, Schmach! Bringst du nicht mehr?

CHOR.

Ach! Nein, das ist zu ärmlich!

ASCANIO.

Ein erbärmlicher Geizhals

War Balducci von je!

CELLINI.

Was liegt dran! Wirthschaft, he!

Ahmt die Stimme des Wirths nach.

Da sieh Zechinen blinken!

WIRTH.

Habt Dank! Wollt ihr noch trinken?

CHOR.

Ja, ja, gebt Wein!

CELLINI.

Freunde nein, keinen Wein,

Doch strafen und beschämen

Laßt uns Balducci heut’,

Deß schändliches Benehmen

Uns Rache streng gebeut.

CHOR.

Ja, laßt Rache uns nehmen.

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen. Fieramosca.

CELLINI.

Hört mich an, unverzüglich

Sei kund euch mein Plan.

Ganz unbesorgt und vergnüglich

Wird Freund Balducci nah’n.

Wir wollen ihn kopiren;

Cassandro steht uns bei.

Balducci’s Konterfei

Soll heut’ die Bühne zieren.

Laut soll Rom applaudiren

Und schwören, daß er’s sei.

CHOR.

Herrlicher Spaß! Wir Alle sind dabei!

ALLE.

Gold ist die Blüthe, die nimmer verblüht,

Das haben die Kön’ge bedacht;

Als Kron’ es gar herrlich erglüht,

Ist nur der Kön’ge und Kaiser Tracht:

Dem Goldschmied sei ein Hoch gebracht!

Sie gehen schnell ab.

Sechster Auftritt.

Fieramosca. Später Pompeo.

FIERAMOSCA.

Das ist stark! Ein Komplott voller Trug und Verrath!

Doch ich verderb’ euch die Freude noch heut’.

Noch heut’!

POMPEO.

Was giebt’s heute?

Sprich, Kumpan!

FIERAMOSCA.

Was es giebt? Sieh dem Zorn mich zur Beute –

Cellini –

POMPEO.

So sprich, Kamerad.

FIERAMOSCA.

Ach, Pompeo, steh’ mir bei, schaffe Rath –

POMPEO.

Ja, man weiß, in der Stadt –

FIERAMOSCA.

Man weiß? –

POMPEO.

Sagen’s die Leute,

Daß geprügelt du wardst –

FIERAMOSCA.

Ja, mein Freund und Rather,

Doch Schlimm’res noch droht. Jetzt beim Abendgeläute

Kommt meine Braut und ihr Vater.

POMPEO.

Ist das so schlimm?

FIERAMOSCA.

So schlimm? Man wird auf dem Theater

Ihn äffen – Feuer speien wird er, wie ein Krater

Vor Wuth ob diesem Hohne;

Und löst man auf der Engelsburg dann die Kanone,

Und die Moccoli löschte jeder aus – ganz leis

Naht dann ein weißer Mönch mit einem Kapuziner,

Und man entführt Teresa – Niederträchtig!

POMPEO.

Exquisit!

FIERAMOSCA.

Exquisit! Stimmt dich das so heiter?

Cellini ist’s und sein Begleiter,

Ascanio –

POMPEO.

Ich versteh’ – Bravo! Der Plan ist prächtig!

FIERAMOSCA.

Ob auch der Weiber Heer mich neuem Spotte weiht,

Balducci wisse gleich, was man ihm hält bereit,

Laßt doch seh’n, ob er Bravo! schreit.

POMPEO.

O du Schwachkopf!

FIERAMOSCA.

Wie so?

POMPEO.

Dein Verstand reicht nicht weit.

Die Lügner muß man selbst belügen,

Die Betrüger betrügen –

Wie gefällt dir das?

FIERAMOSCA.

Sprich nur leis!

POMPEO.

Du kommst ihm zuvor als weißer Mönch,

Entführst sie selber.

FIERAMOSCA.

Ja, das läßt sich erwägen –

Wie aber dann, wenn wüthend mich

Der Raufbold überfällt?

POMPEO.

Per bacco! Hier mein Degen!

Als Kapuziner verkappt begleit’ ich schützend dich,

Und ist ein Raufbold er – ein Todtschläger bin ich.

FIERAMOSCA.

Wohlan – wohlan, es sei!

Arie.

Ha! reizt nicht thöricht meine Wuth,

Ich bin zum Helden wie geboren;

O, wehe dem, der mir was thut,

Und wer mich auslacht, ist verloren.

Leg’ ich erst los,

Geht’s Stoß auf Stoß

In Quart und Terzen –

Und immer ziel’ ich nach dem Herzen.

Hoch leb’ die Fechtkunst, meine Lust!

O Teresa, dir glüht dies Herze

Voll höllenheißer Gluth.

Ich leide an vulkan’schem Schmerze,

Wie ein Krater tobt wild mein Blut.

Ja, holdes Kind, dir zu Gefallen

Stutzt’ ich dem Satan selbst die Krallen,

Ja, ihm selbst und der Höllenbrut.

Ja, käm’ Cellini jetzt daher,

Er sollte mir d’ran glauben,

Ich schont’ ihn nicht, den armen Wicht!

Der arme Kauz! Hundert wie ihn

Streckt’ ich dahin ohn’ alle Gnade.

Nein! reizt nicht thöricht meine Wuth,

Ich bin zum Helden wie geboren;

O, wehe dem, der mir was thut,

Und wer mich auslacht, ist verloren.

Leg’ ich erst los,

Geht’s Stoß auf Stoß,

In Quart und Terzen –

Und immer ziel’ ich nach dem Herzen.

Hoch leb’ die Fechtkunst, meine Lust!

Eins, zwei, drei – eins, zwei – In die Brust!

Tief ins Herz mein Schwert tauch’ ich ein,

Tief hinein!

Der Sieg ist mein!

Sie gehen ab.

Verwandlung.

Siebenter Auftritt.

Teresa, Balducci, Cellini, Ascanio, Fieramosca, Pompeo, die Schüler Cellini’s. Tänzer, Volk, Masken und Sbirren.

Finale.

Der Colonna-Platz und ein Theil der Korso-Straße.

BALDUCCI.

Kind, du magst’s erwägen,

Viel Gewicht drauf legen,

Einzig deinetwegen

Folg’ ich dieser Spur.

Was sie spielen mögen,

‘s ist nichts dran gelegen.

Man weiß ja doch, sie pflegen

Schlechter Possen nur.

TERESA.

Ach, wie durft’ ich hegen

Jeder Pflicht entgegen

So verweg’nen Liebeswunsch!

Zürne nicht, Natur.

ASCANIO UND CELLINI.

Listig und verwegen,

Degen wider Degen,

Wenn sich Schlangen regen

Auf der Liebe Flur.

Dann Florenz entgegen

Auf geheimen Stegen.

Amor! gönne Segen, gönne Glück

Treuem Liebesschwur.

TERESA, ASCANIO UND CELLINI.

Listig und verwegen etc.

BALDUCCI.

Kind, du magst’s erwägen etc.

RÖMISCHE BÜRGER.

Gleich wird der Vorhang sich bewegen,

Das Stück beginnt streng nach der Uhr.

CHOR DER POSSENREIßER.

Ihr Römer, kommt zu applaudiren

Die Oper, die man Midas nennt.

CHOR DES VOLKES.

Bravo, bravo, bravo, bravo!

DIE POSSENREIßER.

Ein großer Narr wird debütiren

Mit ganz erstaunlichem Talent.

CHOR DES VOLKES.

Bravo! Bravo! Bravo! Bravo!

CHOR DER POSSENREIßER.

Ihr Römer, kommt etc. etc. etc.

VOLK.

Schon wogt es in Schwärmen

Zum Tanze der Nacht,

Ganz Rom ist zu Lärmen

Und Jubel entfacht.

Das Leid ist versunken,

Die Sorge entschwebt,

Wenn Karneval trunken

Das Scepter erhebt.

POSSENREIßER.

Kommt ihr Karnevalsleut’,

König Midas ist heut’.

VOLK.

Die Trompeten dröhnen!

Pfeifen hell ertönen!

Das Tamburin fällt ein.

POSSENREIßER.

Kommt, die Ohren, die grauen,

Des Midas zu schauen.

VOLK.

Die Trompeten dröhnen etc. etc. etc.

POSSEUREIßER.

Kommt ihr Dickbäuche her!

Das Parterre ist noch leer!

Ihr werdet das Fest doch nicht stören,

Ihr Herren, bleibet doch hier

Die Oper des Midas zu hören,

Des Karnevals Krone und Zier!

Der Karneval

Ist ein Pokal,

Draus jeder zecht,

König und Knecht.

Nun schweiget! Nun schweiget, nun schweiget!

Tanzet nicht mehr! Still! Der Vorhang schon steiget.

WEIBER.

Seht den Vorhang steigen!

Nun still, nun still! lasset uns schweigen!

MÄNNER.

O, welch ein närr’scher Alter –

Balducci ist’s, des Papstes Schatzverwalter.

BALDUCCI.

Was seh’ ich! Ist’s möglich? Ich auf der Brettern?

EIN THEIL DES VOLKES.

Herr Harlekin, tritt vor,

Roms köstlichster Tenor.

EIN ANDERER THEIL DES VOLKES.

Pasquarello! ein Sänger in Florenz geboren.

Seht nur den Menschen mit Eselsohren!

DIE WEIBER allein.

Ei haltet Ruh’ doch!

Hört ruhig zu doch!

Sprecht nicht so laut,

Harlekin schaut!

MÄNNER.

Still doch!

DIE WEIBER leiser.

Gebet wohl Acht!

Nun laßt uns schweigen!

Ensemble.

MÄNNER.

Schön! Schön! Schön!

O, wie schön!

Still doch! …..

WEIBER.

Hört, wie das klingt!

Harlekin singt.

Er trägt was vor!

Welch’ ein Tenor!

ALLE.

Ach, Bravo! Wie klingt das schön.

Welch reine Kehlentön’!

Wie er manierlich

Den Alten kirrt,

Wie er so zierlich

Und zärtlich girrt.

EINIGE MÄNNER DES VOLKES.

Wie der Alte sein Entzücken

Nun auszudrücken sucht.

BALDUCCI.

Ha, verrucht!

ANDERE AUS DEM VOLKE.

Der Alte lauscht

Ganz lustberauscht.

Felicita!

Ha ha ha ha!

O welch ein Narr!

BALDUCCI.

Ihr Schufte, die ihr mich höhnt,

Mich ärgert, foppt und neckt,

Mein Stock lehr’ euch Respekt.

VOLK.

Dem Lustspiel im Geleite

Folgt nun die Schattenseite,

Wer von den Zweien siegt?

Das Urbild liegt

Mit der Kopie im Streite.

Wer mag doch von den Zwei’n

Wohl am ärgsten häßlich sein!

FIERAMOSCA zu Pompeo.

Nur durch den Schwarm!

Laß uns nicht weichen,

Daß wir den Arm

Der Holden reichen.

CELLINI zu Ascanio.

Nur durch den Schwarm!

Laß uns nicht weichen,

Daß wir den Arm

Der Holden reichen.

TERESA.

Ein weißer Mönch winket mir –

Doch wie! – Ein zweiter hier?

FIERAMOSCA.

Ich bin’s!

CELLINI.

Ich bin’s!

TERESA.

Gott, wer der Rechte?

VOLK.

Moccolo! Moccoli!

FIERAMOSCA.

Ich bin’s, ich bin’s!

O komm! Die Freunde sind’s.

VOLK.

Moccolo! Moccoli!

Verlöscht die Moccoli!

CELLINI.

Ha! Bei der Höll’ und Pluto’s Thron,

Wir sind verrathen, Fluch und Hohn!

POMPEO.

Halte nur Stand, hier giebt es Schläge!

FIERAMOSCA.

Das Mönchsgewand ist mir im Wege.

ASCANIO.

Rächt den Verrath! Es fließe ihr Blut!

POMPEO.

Halte nur Stand! Nur Muth, nur Muth!

CELLINI.

Ob du ein Mensch, ob Satans Brut,

Mit dir ist’s aus.

Das Schwert heraus!

FIERAMOSCA.

Pompeo! Schnell!

ASCANIO.

Halt Stand doch, du kühner Gesell!

TERESA.

Weh mir! Eilt herbei! Treibt sie von hinnen!

VOLK.

Was wollt ihr thun? Welch ein Beginnen!

Seid ihr denn ganz und gar von Sinnen?

CELLINI.

Nein, du sollst mir nicht entrinnen,

Nein!

FIERAMOSCA.

Pompeo, hilf!

POMPEO.

Schlag drein!

CELLINI.

Nein, nein,

Nein, du sollst mir nicht entrinnen.

FIERAMOSCA.

Pompeo, hilf!

CELLINI.

Nein, nein.

POMPEO.

Ach, das traf gut!

VOLK.

Ein Mensch im Blut!

Schnell holt die Wache!

BALDUCCI.

Welch Schreckenswort!

Teresa! Meine Tochter! Ein Mord!

FIERAMOSCA.

Wer rettet mich – Pomp … todt!

VOLK.

Dort jener Mönch, er that’s, führt ihn von hinnen,

Sein Schwert ist noch vom Blute roth!

FRANCESCO, BERNARDINO, BALDUCCI, FIERAMOSCA UND VOLK.

Der Kapuziner schwimmt im Blut,

Verruchter Mörder, weh’ dir, wehe!

Geschah’s um Gold, aus Liebeswuth?

Gleich viel! Daß ihm sein Recht geschehe.

Soldaten, haltet strenge Hut!

Ensemble.

CHOR.

Weh’ dir, verruchte Räuberbrut!

Daß er der Rache nicht entgehe!

Ha! weh’ ihm, wehe!

Ja! Der Vendetta floß dies Blut.

TERESA.

Feige Lügner, wehe euch, wehe!

Ungerecht ist eure Wuth.

CELLINI.

O Schreckensnacht, hier gilt es Muth, Daß ich entgehe

Des rohen Haufens blinder Wuth.

ASCANIO.

Ach, theurer Meister, weh’, ach wehe!

Die Menge schreit nach deinem Blut!

Es ertönen drei Kanonenschüsse, worauf alle Lichter verlöschen.

CELLINI.

Eilt, Freunde, herbei,

Zu Hilfe herbei!

VOLK.

Finster die Nacht!

BALDUCCI, FIERAMOSCA UND EIN THEIL DES VOLKES.

Garden, habet wohl Acht!

VOLK.

Auf, haltet ihn!

SBIRREN.

Laßt ihn nicht flieh’n!

TERESA UND ASCANIO.

Er ist entfloh’n.

FIERAMOSCA UND BALDUCCI.

Verdammter Schuß! Der Mörder lief davon!

VOLK.

Dieser Schuß sagt Romas Söhnen,

Sich jeder Freude zu entwöhnen.

Wird erst die Asche eingeweiht,

Dann endet alle Fröhlichkeit.

BALDUCCI UND FIERAMOSCA.

Schreckensschuß, verwünschtes Dröhnen,

Warum auch grade jetzt ertönen?

Den Galgen hielt man schon bereit,

Da hast den Mörder du befreit.

TERESA, ASCANIO, FRANCESCO, BERNARDINO UND SCHÜLER CELLINI’S.

Habe Dank, Kanone, für dein Dröhnen,

Dir soll ein stürmisch Hoch ertönen,

Du kamst fürwahr zu rechter Zeit,

Denn schon war er dem Tod geweiht.

BALDUCCI.

Teresa!

TERESA.

Mein Vater!

ASCANIO.

Still! Hört meine Bitt’!

Folgt mir! Ich leite Euren Schritt!

Ensemble.

VOLK UND FREUNDE CELLINI’S.

Zu Hilfe! O Gott, welch ein Bangen!

Zu Hilfe! He, Wache! Gebt doch Acht!

Verwünschter Schuß! Er war gefangen!

Erbarmen uns Armen! O Schreckensnacht!

O, welch ein Toben und Schrei’n!

Der Räuber entfloh! Hinterdrein!

Den holt ihr nimmermehr ein!

BALDUCCI.

Teresa, o Tochter! Komm zu mir!

Welch Dunkel hier!

VOLK.

Zu Hilfe, he, Wache! Er ist befreit!

Der Mörder ist entronnen! O Dunkelheit!

BALDUCCI.

Der weiße Mönch!

FIERAMOSCA.

Was?

BALDUCCI.

Auf! Ihn einzusperren!

Kommt heran!

FIERAMOSCA.

Was ficht euch an?

Ich bin Fieramosca, ihr Herren!

Ich bin ein Ehrenmann.

Ensemble.

EIN THEIL DES VOLKES UND FRANCESCO.

Ha, Mörderbrut, Diebsgesicht,

Du sollst die Fesseln nicht mehr sprengen!

Nein, jetzt entrinnst du uns nicht,

Du sollst am Galgen heut’ noch hängen.

EIN ANDRER THEIL DES VOLKES, BERNARDINO UND BALDUCCI.

Bist uns entflohn

Und hofftest schon,

Dich durchzudrängen,

Doch heut’ noch sollst du hängen.

FIERAMOSCA.

Ach, wenn den Strick

Sie ums Genick

Mir wirklich schlängen!

Mich wirklich hängen!

VOLK.

O Gott, macht Platz – Erbarmen Uns Armen.

Man kann nicht mehr hinaus!

BALDUCCI.

O Tochter! Teresa! Mein Aug’ erblickt sie nicht!

FIERAMOSCA.

O Gott! Erbarmen! Weh mir, erdrückt mich nicht!

ALLE.

O Gott, es wächst der Menge

Tobend Gedränge

Wie des Meeres Gebraus.

O, welch Gezerr! O, welch Gezaus!

O, welch ein Graus!

Ende des zweiten Aktes.

Dritter Akt.

Aschermittwoch

Erster Auftritt.

Recitativ.

Teresa und Ascanio.

TERESA.

Nicht zurück ist er noch; ob ihm die Flucht gelang?

ASCANIO.

So zweifelt Ihr? Nur Muth, Teresa, er weilt nicht lang!

Zweiter Auftritt.

Recitativ.

TERESA allein.

Ach, sein Gesang weckt mir nur Schmerzen!

Weh’, daß ich floh von dem Vaterherzen.

Dritter Auftritt.

Teresa. Francesco. Bernardino.

CHOR DER GIEßER hinter der Scene

Seemann kühn auf hoher See

Weiß von keinem Weh.

FRANCESCO.

Dies Lied! Ich hör’s nicht gerne von den Leuten!

CHOR.

Frank und frei, wie Meeresfluth,

Frank ist und frei sein Muth.

BERNARDINO.

So oft dies Lied ertönt, hat’s Böses zu bedeuten.

CHOR.

Sinkt sein Schiff ins Meer hinein,

Wiegt die Well’ ihn ein.

BERNARDINO.

Der klägliche Gesang

Schafft träges Blut.

FRANCESCO.

Der Guß wird mißlingen,

Wenn wir nicht mit Muth

Aufs Neu’ sie durchdringen.

Des Metalles Gluthenpracht,

Brüder, ist in eurer Macht.

Beherrscht der Seemann die Fluth,

Wir beherrschen Feuersgluth!

FRANCESCO UND BERNARDINO.

Drum, Kinder, muthig dran!

Greift die Arbeit rüstig an!

Zinn und Eisen sei

Nein und schlackenfrei.

Wenn der Guß gelang,

Dann töne Becherklang.

Beide ab.

CHOR.

Seemann kühn auf hoher See

Weiß von keinem Weh.

Vierter Auftritt.

Arie.

ASCANIO allein.

Tralalalala!

Was fehlt mir doch? Allen Muth fühl’ ich weichen!

Mein Herz ist bang,

Jedoch, was thut’s!

Ob mich Sorgen auch beschleichen,

Räumen müssen sie dies Herz

Dem Gesang und dem Scherz.

Ha ha ha, das war zum Lachen!

Er ahmt Balducci nach.

Soldaten her! Wo sind die Wachen?

Er ahmt Cellini nach.

Still! Teresa, ich bin hier!

Teresa nachahmend.

O Gott, wie kann ich’s fassen,

Den armen Vater zu verlassen!

Cellini nachahmend.

O folge mir, trau’ meinen Schwüren!

Teresa nachahmend.

Wie? Zwei in Mönchsgewand!

Fieramosca nachäffend.

O folge mir, laß dich entführen!

Teresa nachahmend.

Ein Andrer – nimmt meine Hand!

Doch der Schuß tönt zu guter Stunde,

Hüllt tief in Dunkel die weite Runde.

Und Teresa,

Hahahaha!

Reicht lachend und doch weinend fast

Mir den Arm, und wir fliehen in Hast.

Und er – entspringt!

Die Flucht im Dunklen leicht gelingt.

Hahaha! O, welche Nacht,

Lieber Meister, welche Nacht!

Was fehlt mir doch? etc. etc. etc.

Fünfter Auftritt.

Teresa. Ascanio.

Recitativ.

TERESA.

Ach, er kehrt nicht zurück. Himmel, wo mag er weilen?

ASCANIO.

Bald hierher zu Euch wird er eilen.

Teresa, er ist wohl geborgen.

TERESA.

Wär’ es wahr? Ach nein, er ist verloren!

ASCANIO.

Seid ohne Sorgen.

Mein Meister ist zu bessrem Los wohl geboren,

Hat mit des Papstes Sbirren und Häschern nichts gemein.

TERESA.

Ach, bang schlägt dieses Herz.

CHOR DER BÜßERMÖNCHE hinter der Scene.

Vas spirituale, Maria, sancta mater, ora pro nobis.

ASCANIO.

Hörtet ihr?

TERESA.

Welch ein Ton!

ASCANIO.

Ach, fromme Büßer sind’s in dichten Reihen,

Auf zu Gott ihr Flehen spricht,

Dem sie allein ihr Leben weihen.

Sie singen fromme Litaneien,

Wohl kommen sie hierher, zu üben heil’ge Pflicht.

CHOR.

Vas honorabile, Maria, sancta mater, ora pro nobis.

TERESA.

Welche Angst!

ASCANIO.

Faßt nur Muth!

TERESA.

Auch wir wollen beten!

BEIDE.

Auch wir wollen beten!

Preghiera.

TERESA, ASCANIO UND CHOR.

Rosa purpurea, Maria, sancta mater, ora pro nobis.

TERESA UND ASCANIO.

Jungfrau, du Stern der Meere,

Voll Strahlenglanz und Pracht,

CHOR.

Turris davidica, Maria, sancta mater, ora pro nobis.

TERESA UND ASCANIO.

Gieb, daß ein Strahl verkläre

Auch dieses / ihres Herzens Nacht,

CHOR.

Turris eburnea, Maria, sancta mater, ora pro nobis.

TERESA UND ASCANIO.

In dieses / ihres Herzens Nacht,

Das bang in Schmerzen wacht.

CHOR.

Stella matutina, Maria, sancta mater, ora pro nobis.

TERESA UND ASCANIO.

Jungfrau, du Stern der Meere,

Erhöre mein / ihr Gebet.

CHOR.

Turris eburnea etc. etc.

TERESA UND ASCANIO.

Gieb, daß er wiederkehre

Um den dies / ihr Herz dich fleht.

CHOR.

Vas honorabile etc. etc.

TERESA UND ASCANIO.

Um den dies / ihr Herz dich fleht.

Dies Aug’ in Thränen steht.

Ihr Aug’ in Thränen steht.

CHOR.

Rosa purpurea etc. etc.

TERESA UND ASCANIO.

Um den dies / ihr Herz dich fleht.

Sechster Auftritt.

Cellini. Die Vorigen.

Recitativ.

CELLINI.

Teresa!

TERESA UND ASCANIO.

Cellini!

CELLINI.

Wohl mir, daß glücklich zu euch ich gelangt.

TERESA.

Sei’s dem Himmel gedankt!

Wardst du verwundet nicht im Streite?

CELLINI.

Nein, Theure, nein! Mir stand mein Glück zur Seite.

Diesmal ward Schreck mir nur zu Theil,

Doch wahrlich dank’ ich nur dem Zufall

Meine Rettung.

Ein Wunder darf ich’s nennen. –

TERESA UND ASCANIO.

O sprich!

CELLINI.

Hör’ an, du sollst erkennen:

Hilft Liebenden ein Gott, kann kein Wille sie trennen.

Im Schutz der Nacht mit dem Dolch in der Hand

Mit kühnem Muth zertheilt’ ich die Menge.

Ob wie ein Wall auch das Volk mich umstand,

Mit Hieb und Stoß bracht’ ich den Wall zum Weichen.

So konnt’ ich flieh’n – doch weh! – man setzt’ mir nach,

Hinter mir drein toben Männer und Frauen –

Mein weißes Kleid war im Dunkel zu schauen –

Schon haschten mich dieser Wüthenden Klauen –

In einem Augenblick, o Hohn und Schmach!

Sah ich mich verloren!

Da – schon erschöpft – eine Thür seh’ ich offen –

Ich stürz’ hinein – da rieselt kalt mir ein Schauer durchs Gebein –

Die Sinne schwinden mir – und Ohnmacht hüllt sie ein.

TERESA.

Himmel ach, vor Bangen und Pein

Fühl’ ich jede Nerve erbeben!

CELLINI.

Als ich das Aug’ nun wieder hob empor,

Sah Sonnenstrahl um die Dächer ich schweben.

Der Hähne Kräh’n drang von fern in mein Ohr,

Und freudig begrüßt’ ich den Tag.

Wie kehr’ ich ungeseh’n nach Haus zurück,

Daß nicht mein Kleid den Sbirren mich verrathe –

Da gehn die Mönche im Zug, o welch Glück,

Zum heil’gen Dienst in weißem Ornate.

Im weißen Rock schloß ich mich an in Eile,

Auf gut Glück – und es war mir zum Heile,

Denn ihren Weg lenkte hierher die Schar,

Sag, o sag an, Geliebte, ob das kein Wunder war?

TERESA.

Ja, ganz gewiß, Gott schützt ein liebend Paar!

ASCANIO.

Aber, wenn neue Gefahren dir droh’n?

CELLINI.

Wir warten nicht, bis sie sich rächen,

Nach Toskana flieh’n wir noch heut’.

TERESA.

Wir entfliehn?

CELLINI.

Ja, sogleich!

ASCANIO.

Doch Meister – dein Versprechen –

CELLINI.

Der Teufel hol’ den Perseus und den Papst obendrein!

Heut’ sinne ich nur eins: Rom den Rücken zu drehen,

O Teresa, mit dir. Ascanio! du magst gehen,

Alles halte bereit!

ASCANIO.

Meister, wart’ auf mich,

Gleich bin ich zurück!

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Ascanio.

ASCANIO.

Ach, Meister, weh’ uns, wehe!

CELLINI.

Was giebt’s? Rede!

ASCANIO.

Es eilt mit Fieramosca Balducci schnell herbei.

Sie sind schon in des Hauses Nähe!

TERESA.

Gott, mein Vater!

CELLINI.

Fürchte nichts.

ASCANIO.

Ah, da sind sie schon.

Achter Auftritt.

Die Vorigen. Balducci. Fieramosca.

Sextett.

BALDUCCI.

Ha! du entrinnst mir nicht,

Jetzt naht dir das Gericht,

Du Bandit, Bösewicht,

Du entrinnst mir nicht.

CELLINI.

Oho, Meister Giaccomo! Was ist Euch denn geschehen,

Daß Ihr so tobt und schnaubt?

BALDUCCI.

Frecher Heuchler! wo ist Teresa, die du geraubt?

Her mit ihr, sonst soll mein Stock …

CELLINI.

Seid Ihr toll?

TERESA.

Hör’ mein Flehen!

Sieh, Vater, mich hier knien.

BALDUCCI.

Wagst du, mich anzusehen?

Große Ehre, ich muß gestehen,

Häufst du auf deines Vaters greises Haupt.

Du nimmst Fieramosca – das schwör’ ich!

Du reichst noch heut’ ihm deine Hand.

CELLINI, TERESA UND ASCANIO.

Weh’ mir! Hilf Himmel, was hör’ ich!

FIERAMOSCA.

Wär’s wahr? O Himmel, was hör’ ich!

Mein Weibchen! So komm! Folg’ deinem Mann.

CELLINI.

Hinweg! Wag’s und rühre sie an!

BALDUCCI.

Herr Eidam! macht ein Ende!

FIERAMOSCA.

Zum Droh’n hebt er die Hände!

CELLINI.

Wagt nur einen Schritt, daß ich zur Höll’ Euch sende!

BALDUCCI.

Herr Eidam!

ASCANIO.

Der Feigling!

TERESA.

Endet den Streit!

Neunter Auftritt.

Die Vorigen. Der Kardinal mit Gefolge.

ALLE.

Der Kardinal! Nun wird sich’s zeigen.

Beuget die Knie – lasset uns schweigen.

DER KARDINAL.

Gnade den Sündern allerwegen!

Kinder des Herrn, o stehet auf!

Ob wir auch streng des Rechtes pflegen,

Ist doch Verzeih’n der höchste Segen,

Der uns vergönnt im Erdenlauf.

Gnade den Sündern allerwegen,

Kinder des Herrn, o stehet auf!

FIERAMOSCA UND BALDUCCI.

O laß Gerechtigkeit uns werden,

Wir nah’n mit heftigen Beschwerden,

Fleh’n dich um Rache an Beide zugleich.

KARDINAL.

Um Rache? Sagt an, was that man euch?

O, meine Freunde, erhebet euch!

BALDUCCI.

Ein Bandit hat mein Kind entwendet,

Mir meine Ehr’ geraubt, geschändet –

FIERAMOSCA.

Eines Räubers Dolch hat umgebracht

Mir meinen Freund vergangne Nacht.

KARDINAL.

Wer ist der Schuld’ge? Sagt es mir.

BALDUCCI UND FIERAMOSCA.

O Monseigneur, er steht vor dir,

‘s ist Cellini!

ALLE.

Cellini!

BALDUCCI.

Hier meine Tochter, und hier der Schuld’ge.

FIERAMOSCA.

Hier ist das Blut – und er der Schuld’ge.

ASCANIO UND TERESA.

Nein, Cellini ist nicht der Schuld’ge!

KARDINAL.

Cellini ist der Thäter?

Ermordung und Mädchenraub sogar,

Das ist zu arg, bei meinem Leben!

Doppelte Gräu’l hast du begangen

Und doppelte Strafe harret dein.

CELLINI.

Nein, nein, o wollt Gehör mir geben,

Ich mach’ Euch Alles offenbar.

KARDINAL.

Und dann der Guß, ward er vollbracht?

Dir ward das Gold gespendet!

CELLINI.

Der Guß –

KARDINAL.

Sag an!

CELLINI.

Er ward noch nicht vollendet.

KARDINAL.

Wie, die Frist verstrich?

Fürwahr, das ist nicht zu ertragen!

Ein Andrer soll, ja ganz bestimmt,

Ein Andrer soll den Perseus gießen.

TERESA, ASCANIO, BALDUCCI UND FIERAMOSCA.

Ein Andrer soll den Perseus gießen?!

CELLINI.

Ein Andrer meinen Perseus gießen?

Kein andrer Meister außer mir,

Und ständ’ Michel Angelo hier

Soll den Perseusguß vollenden.

Der Tod soll eh’r mein Leben enden!

KARDINAL.

Das sei denn doch sogleich erprobt!

Heda! Wachen! Führt zum Arreste

Diesen Menschen fort auf die Feste.

Und das gleich.

CELLINI.

In Trümmer schlag ich’s hier zur Stell’,

Kein Stück bleibt ganz von dem Modell,

Dann verfahrt, wie Ihr wollt, mit dem Reste.

KARDINAL.

Laß ab doch! Laß ab doch! Verwünschter Wicht!

Ensemble.

KARDINAL.

Du Dämon, sprich! Wie doch erlangt man deine Huld?

CELLINI.

Gänzlich Vergeben für meine Schuld –

KARDINAL.

Gut, sei es denn!

CELLINI.

Und noch das Eine:

Die ich entführt, bleibe die Meine.

KARDINAL.

Gnade willst du und Teresa?

FIERAMOSCA UND BALDUCCI.

O, Eminenz, gebt es nicht zu!

KARDINAL.

Schweigt!

CELLINI.

Und außerdem will ich allein,

Ich allein den Perseus gießen.

KARDINAL.

Und wie viel Zeit brauchst du dazu?

CELLINI.

Ich bring’ den Guß in einer Stunde wohl zu Tage.

KARDINAL.

In einer Stunde?

CELLINI.

Wie ich sage.

Im Ofen glüht des Metalls Feuerfluß.

KARDINAL.

Wohl, mag es sein, nun aber höre,

Und denk’ an das, was ich hier schwöre.

In’s Atelier tret’ ich ein,

Nehme selbst dort in Augenschein,

Ob zum Gusse Alles fertig ist.

Wenn du den Guß dann nicht vollbracht,

Dann sag’ dem Leben gute Nacht,

Dann sei des Tod’s gewärtig.

Steht Perseus nicht vor meinem Blick

Heute noch – dann winkt dir der Strick.

Nun schmiede selbst dir dein Geschick.

CELLINI.

Gnade den Sündern allerwegen!

O Eminenz! wie gnadenvoll!

TERESA UND ASCANIO.

O, welch verwünscht’ Geschick,

Mein Gott! Ihm winkt der Strick!

FIERAMOSCA UND BALDUCCI.

Zeigt nicht der Guß sich bald dem Blick,

Dann droht dem Wicht der Tod, der Strick.

KARDINAL.

Heda! Bewacht die Thüre!

Bleibt, Herr Prahlhans, nur hier; ich geh’ da hinein,

Damit ich selber seh’,

Ob man die Flamme schüre.

Ist’s wie er sprach, daß mit Kraft jeder schaffe,

Um ihm zu helfen. –

Auch Ihr, Herr Meister Laffe!

Legt Hand an und steht müßig nicht.

FIERAMOSCA.

Wie? Ich?

KARDINAL.

Ja, ja! Thut Eure Pflicht.

Zehnter Auftritt.

Recitativ.

CELLINI allein.

Ich bin allein, nur Muth blieb mir zur Seite,

Ganz Rom schaut mein Beginnen. Roma!

Wohlauf, du Sturmesnoty

Schwell an die grause Fluth und schaukl’ im Wellenstreite

Des Schicksals zerbrechliches Boot.

Welch’ ein Leben!

Arie.

Möchte gehn auf Bergeshalde,

Meine Herde weidend als Hirt,

Wo zum hoch entleg’nen Walde

Selten sich verirrt eines Wandrers Fuß.

Frei und einsam möcht’ ich schwärmen,

Wo der Lärm verhallt,

Ohne Last, die mich preßt, ohne Härmen,

Wie säng’ ich froh im Wald!

Dann, wenn längst die Sonn’ gesunken,

Möcht’ im Moose still ich liegen,

Und selig träumend ruh’n hier

Wie an der Mutterbrust.

Elfter Auftritt.

Cellini. Ein Officier.

Recitativ.

OFFICIER.

Es harrt die Eminenz.

Zwölfter Auftritt.

KARDINAL.

Wohlan, beginne!

Der Vorhang im Hintergrunde erhebt sich und man sieht das Innere der Gießerei.

Finale.

FIERAMOSCA.

Mehr Metall! Ja, wir brauchen Metall!

Sonst kommt unsre Arbeit ins Stocken!

CELLINI.

Schickt dich Satan herauf, mir zur Qual?

FIERAMOSCA.

Mehr Metall! Sonst geräth der Guß ins Stocken.

FRANCESCO UND BERNARDINO.

Meister! Der Guß wird gerinnen!

ALLE.

Der Guß wird gerinnen!

BERNARDINO.

Mehr Metall!

CELLINI.

Wie viel thut euch Noth?

BERNARDINO.

Viel! Alles Metall ist schon drinnen.

CELLINI.

Ich hab’ nichts mehr – das ist mein Tod!

ALLE.

Er hat keins mehr – ihm droht der Tod.

KARDINAL.

Der Prahler ist in großer Noth!

BALDUCCI.

Der Strick ihm droht, ihm winkt der Tod!

CELLINI.

O Gott, winkt mir kein Hoffnungsstrahl?

DIE ARBEITER.

Mehr Metall, mehr Metall, mehr Metall!

CELLINI.

O Herr! Du allein hast die Macht,

Der du die Welten hältst in Händen –

Von meinem Haupt die Schmach zu wenden!

Gott ist mein Schutz! Ich will’s vollenden!

Eilt schnell in’s Atelier hinein –

Leert alle Tische, jeden Schrein.

FRANCESCO UND BERNARDINO.

Wie, all deine Werke –?

CELLINI.

Hinein!

Laßt es Gold, Silber, Kupfer sein –

Dort in der Gluth schmelzet es ein.

TERESA.

Weh mir, alle Kraft fühl’ ich weichen!

O Gott! ob den Guß er vollbringt?

KARDINAL.

Sein Muth ist fürwahr ohne Gleichen!

Laßt seh’n, ob den Guß er vollbringt.

BALDUCCI.

O seht, welch ein Narr ohne Gleichen,

Der ins Verderben lachend springt.

CELLINI.

Ach, ich bin toll! Seht, ihr Schranzen, zumal

Du Rival! Sehet All’!

Ob mir Genie

Ein Gott verlieh,

O seht!

O späht!

Und lest!

Er stürzt auf die rauchende Form zu, zerschlägt sie mit gewaltigen Schlägen. Er deutet auf die lateinische Inschrift auf dem Sockel der Statue.

Si quis te laeserit ego tuus ultor ero.

Nachdem unter Cellini’s Schlägen die Form zerbrochen ist, kommt die Statue des Perseus zum Vorschein.

Cellini sinkt auf ein Knie.

TERESA, ASCANIO, KARDINAL UND BALDUCCI.

Es ist nicht möglich! Unglaublich!

DIE ARBEITER.

Vivat! Bravo, Cellini! Viktoria!

Dreizehnter Auftritt.

DIE WEIBER UND KINDER DER ARBEITER eilen Herbei.

Viktoria! Viktoria!

FIERAMOSCA.

Macht Platz! Macht Platz! laßt voll Entzücken

Den theuren Freund ans Herz mich drücken.

BALDUCCI.

Er hat’s vollbracht!

Ich hab’s gedacht!

CELLINI.

Wer ist nun der Feigste von den Zweien?

Schwere Wahl! – Eminenz, Gott ließ mein Werk gedeihen.

KARDINAL.

Da Muth dir und Kraft Gott verliehen,

Da Kühnheit du und Kunst erprobet,

Erfüllt sei, was dir ich gelobet,

Und ich verzeihe dir, Cellini!

CELLINI.

O Gott, du gabst Muth mir im Leiden,

Stärke nun diese Brust

Zu tragen solche Lust.

ARBEITER.

Vivat!

ASCANIO, TERESA, FIERAMOSCA.

Ew’gen Ruhm unserm Meister!

ALLE.

Gold ist Blüthe, die nimmer verblüht,

Das haben die Kön’ge bedacht:

Als Kron’ es gar herrlich erglüht,

Ist nur der Kön’ge und Kaiser Tracht.

Dem Goldschmied sei ein Hoch gebracht!

Vincenzo Bellini – Norma

Vincenzo Bellini

Norma

Tragedia lirica in due atti

Personaggi

Pollione, Proconsole di Roma nelle Gallie (Tenore)

Oroveso, Capo dei Druidi (Basso)

Norma, Druidessa, figlia di Oroveso (Soprano)

Adalgisa, Giovane Ministra del tempio di Irminsul (Soprano)

Clotilde, Confidente di Norma (Mezzo-Soprano)

Flavio, Amico di Pollione (Tenore)

Due fanciulli, figli di Norma e di Pollione

Cori e comparse

Druidi – Bardi – Eubagi – Sacerdo

Tesse – Guerrieri e soldati galli

La scena è nelle Gallie, nella foresta sacra e nel tempio di Irminsul.

Atto primo

Scena prima

Foresta sacra de’ Druidi.

In mezzo, la quercia d’Irminsul, al pie’ della quale vedesi la pietra druidica che serve d’altare. Colli in distanza sparsi di selve. È notte; lontani fuochi trapelano dai boschi.

Al suono d’una marcia religiosa sfilano le schiere de’ Galli, indi la processione de’ Druidi. Per ultimo Oroveso coi maggiori Sacerdoti.

OROVESO.

Ite sul colle, o Druidi;

Ite a spiar ne’ cieli

Quando il suo disco argenteo

La nuova Luna sveli;

Ed il primier sorriso

Del verginal suo viso

Tre volte annunzi il mistico

Bronzo sacerdotal.

DRUIDI.

Il sacro vischio a mietere

Norma verrà?

OROVESO.

Sì, Norma.

DRUIDI.

Dell’aura tua profetica,

Terribil Dio, l’informa;

Sensi, o Irminsul, le ispira

D’odio ai Romani e d’ira.

Sensi che questa infrangano

Pace per noi mortal.

OROVESO.

Sì: parlerà terribile

Da queste guercie antiche;

Sgombre farà le Gallie

Dall’aquile nemiche;

E del suo scudo il suono,

Pari al fragor del tuono,

Nella città dei Cesari

Tremendo echeggerà.

TUTTI.

Luna, ti affretta a sorgere!

Norma all’altar verrà.

Si allontanano tutti e si perdono nella foresta; di quando in quando si odono ancora le loro voci risuonare in lontananza. Escono quindi da un lato Flavio e Pollione guardinghi e ravvolti nelle loro toghe.

Scena seconda

Pollione e Flavio.

POLLIONE.

Svanîr le voci! e dell’orrenda selva

Libero è il varco.

FLAVIO.

In quella selva è morte;

Norma tel disse.

POLLIONE.

Proferisti un nome

Che il cor m’agghiaccia.

FLAVIO.

Oh! che di’ tu! l’amante,

La madre de’ tuoi figli! …

POLLIONE.

A me non puoi

Far tu rampogna, ch’io mertar non senta;

Ma nel mio core è spenta

La prima fiamma, e un Dio la spense, un Dio

Nemico al mio riposo; al pie’ mi veggo

L’abisso aperto, e in lui m’avvento io stesso.

FLAVIO.

Altra ameresti tu?

POLLIONE.

Parla sommesso.

Un’altra, sì … Adalgisa …

Tu la vedrai … fior d’innocenza e riso,

Di candore e d’amor. Ministra al tempio

Di questo Dio di sangue, ella v’appare

Come raggio di stella in ciel turbato.

FLAVIO.

Misero amico! e amato

Sei tu del pari?

POLLIONE.

Io n’ho fidanza.

FLAVIO.

E l’ira

Non temi tu di Norma?

POLLIONE.

Atroce, orrenda

Me la presenta il mio rimorso estremo …

Un sogno …

FLAVIO.

Ah! narra.

POLLIONE.

In rammentarlo io tremo.

Meco all’altar di Venere

Era Adalgisa in Roma,

Cinta di bende candide,

Sparsa di fior la chioma;

Udia d’Imene i cantici,

Vedea fumar gl’incensi,

Eran rapiti i sensi

Di voluttade e amor.

Quando fra noi terribile

Viene a locarsi un’ombra;

L’ampio mantel druidico

Come un vapor l’ingombra.

Cade sull’ara il folgore,

D’un vel si copre il giorno;

Muto si spande intorno

Un sepolcrale orror.

Più l’adorata vergine

Io non mi trovo accanto;

N’odo da lunge un gemito,

Misto de’ figli al pianto …

Ed una voce orribile

Echeggia in fondo al tempio:

Norma così fa scempio

D’amante traditor.

Squilla il sacro bronzo.

FLAVIO.

Odi? … I suoi riti a compiere

Norma dal tempio move.

VOCI lontane.

Sorta è la luna, o Druidi;

Ite, profani, altrove.

FLAVIO.

Vieni: fuggiam … sorprendere,

Scoprire alcun ti può.

POLLIONE.

Traman congiure i barbari …

Ma io li preverrò …

Me protegge, me difende

Un poter maggior di loro;

È il pensier di lei che adoro,

È l’amor che m’infiammò.

Di quel Dio che a me contende

Quella vergine celeste

Arderò le rie foreste,

L’empio altare abbatterò.

Partono rapidamente.

Scena terza

Druidi dal fondo, Sacerdotesse, Guerrieri, Bardi, Eubagi, Sacrificatori, e in mezzo a tutti Oroveso.

CORO GENERALE.

Norma viene: le cinge la chioma

La verbena ai misteri sacrata;

In sua man come luna falcata

L’aurea falce diffonde splendor.

Ella viene; e la stella di Roma

Sbigottita si copre d’un velo;

Irminsul corre i campi del cielo

Qual cometa foriera d’orror.

Scena quarta

Norma in mezzo alle sue ministre. Ha sciolti i capelli, la fronte circondata di una corona di verbena, ed armata la mano d’una falce d’oro. Si colloca sulla pietra druidica, e volge gli occhi d’intorno come ispirata. Tutti fanno silenzio.

NORMA.

Sedizïose voci,

Voci di guerra avvi chi alzar si attenta

Presso all’ara del Dio? V’ha chi presume

Dettar responsi alla veggente Norma

E di Roma affrettar il fato arcano?

Ei non dipende da potere umano.

OROVESO.

E fino a quando oppressi

Ne vorrai tu? Contaminate assai

Non fur le patrie selve e i templi aviti

Dall’aquile latine? Omai di Brenno

Ozïosa non può starsi la spada.

TUTTI.

Si brandisca una volta.

NORMA.

E infranta cada.

Infranta, sì, se alcun di voi snudarla

Anzi tempo pretende. Ancor non sono

Della nostra vendetta i dì maturi.

Delle sicambre scuri

Sono i pili romani ancor più forti.

TUTTI.

E che ti annunzia il Dio? Parla: quai sorti?

NORMA.

Io nei volumi arcani

Leggo del cielo: in pagine di morte

Della superba Roma è scritto il nome …

Ella un giorno morrà; ma non per voi.

Morrà pei vizi suoi,

Qual consunta morrà. L’ora aspettate,

L’ora fatal che compia il gran decreto.

Pace v’intimo … e il sacro vischio io mieto.

Falcia il vischio; le Sacerdotesse lo raccolgono in canestri di vimini. Norma si avanza e stende le braccia al cielo. La luna splende in tutta la sua luce. Tutti si prostrano.

Preghiera.

NORMA E MINISTRE.

Casta Diva, che inargenti

Queste sacre antiche piante,

A noi volgi il bel sembiante

Senza nube e senza vel.

Tempra tu de’ cori ardenti,

Tempra ancor lo zelo audace,

Spargi in terra quella pace

Che regnar tu fai nel ciel.

TUTTI.

A noi volgi il bel sembiante

Senza nube e senza vel.

NORMA.

Fine al rito, e il sacro bosco

Sia disgombro dai profani.

Quando il Nume irato e fosco

Chiegga il sangue dei Romani,

Dal druïdico delubro

La mia voce tuonerà.

TUTTI.

Tuoni; e alcun del popol empio

Non isfugga al giusto scempio,

E primier da noi percosso

Il Proconsole cadrà.

NORMA.

Sì, cadrà … punirlo io posso …

(Ma punirlo il cor non sa.

Ah! bello a me ritorna

Del fido amor primiero,

E contro il mondo intero

Difesa a te sarò.

Ah! bello a me ritorna

Del raggio tuo sereno,

E vita nel tuo seno,

E patria e cielo avrò.)

TUTTI.

Sei lento; sì, sei lento,

O giorno di vendetta;

Ma irato il Dio t’affretta

Che il Tebro condannò.

Norma parte, e tutti la seguono in ordine.

Scena quinta

ADALGISA sola.

Sgombra è la sacra selva:

Compiuto il rito. Sospirar non vista

Alfin poss’io, qui dove a me s’offerse

La prima volta quel fatal romano

Che mi rende rubella al tempio, al Dio …

Fosse l’ultima almen! – Vano desìo!

Irresistibil forza

Qui mi trascina … e di quel caro aspetto

Il cor si pasce … e di sua cara voce

L’aura che spira mi ripete il suono.

Corre a prostrarsi sulla pietra d’Irminsul.

Deh! proteggimi, o Dio! perduta io sono.

Scena sesta

Pollione, Flavio e detta.

POLLIONE.

(Eccola. Va, mi lascia,

Ragion non odo.)

Flavio parte.

ADALGISA veggendolo, sbigottita.

Oh! Pollïon!

POLLIONE.

Che veggo!

Piangevi tu?

ADALGISA.

Pregava. Ah! t’allontana.

Pregar mi lascia.

POLLIONE.

Un Dio tu preghi atroce,

Crudele, avverso al tuo desire e al mio.

O mia diletta! il Dio

Che invocar devi è Amor …

ADALGISA.

Amor! deh! taci …

Ch’io più non t’oda.

Si allontana da lui.

POLLIONE.

E vuoi fuggirmi? e dove

Fuggir vuoi tu ch’io non ti segua?

ADALGISA.

Al tempio,

Ai sacri altari ch’io sposar giurai.

POLLIONE.

Gli altari! … e il nostro amor? …

ADALGISA.

Io l’obliai.

POLLIONE.

Va, crudele, e al Dio spietato

Offri in dono il sangue mio;

Tutto, ah! tutto ei sia versato,

Ma lasciarti non poss’io;

Sol promessa al Dio tu fosti …

Ma il tuo cuore a me si die’ …

Ah! non sai quel che mi costi

Perch’io mai rinunzi a te.

ADALGISA.

E tu pure, ah! tu non sai

Quanto costi a me dolente!

All’altare che oltraggiai

Lieta andava ed innocente …

Il pensiero al ciel s’ergea,

Il mio Dio vedeva in ciel …

Or per me spergiura e rea

Cielo e Dio ricopre un vel.

POLLIONE.

Ciel più puro e Dei migliori,

T’offro in Roma ov’io mi reco.

ADALGISA colpita.

Parti forse?

POLLIONE.

Ai nuovi albòri …

ADALGISA.

Parti, ed io? …

POLLIONE.

Tu vieni meco.

De’ tuoi riti è Amor più santo …

A lui cedi, ah! cedi a me.

ADALGISA più commossa.

Ah! non dirlo …

POLLIONE.

Il dirò tanto

Che ascoltato io sia da te.

Con tutta tenerezza.

Vieni in Roma, ah! vieni, o cara,

Dove è amore e gioia e vita;

Inebriam nostr’alme a gara

Del contento a cui ne invita …

Voce in cor parlar non senti,

Che permette eterno ben?

Ah! dà fede a’ dolci accenti,

Sposo tuo mi stringi al sen.

ADALGISA.

(Ciel! così parlar l’ascolto …

Sempre, ovunque, al tempio istesso …

Con quegli occhi, con quel volto

Fin sull’ara il veggo impresso …

Ei trionfa del mio pianto,

Del mio duol vittoria ottien …

Ciel! mi togli al dolce incanto,

O l’error perdona almen.)

POLLIONE.

Adalgisa!

ADALGISA.

Ah! mi risparmi

Tua pietà maggior cordoglio.

POLLIONE.

Adalgisa! e vuoi lasciarmi?

ADALGISA.

Non poss’io … seguir ti voglio.

POLLIONE.

Qui … domani all’ora istessa …

Verrai tu?

ADALGISA.

Ne fo promessa.

POLLIONE.

Giura.

ADALGISA.

Giuro.

POLLIONE.

Oh! mio contento!

Ti rammenta …

ADALGISA.

Ah! mi rammento.

Al mio Dio sarò spergiura,

Ma fedele a te sarò.

POLLIONE.

L’amor tuo mi rassicura;

E il tuo Dio sfidar saprò.

Partono.

Scena settima

Abitazione di Norma.

Norma, Clotilde, e due piccoli fanciulli.

NORMA.

Vanne, e li cela entrambi. – Oltre l’usato

Io tremo d’abbracciarli.

CLOTILDE.

E qual ti turba

Strano timor che i figli tuoi rigetti?

NORMA.

Non so … diversi affetti

Strazian quest’alma … – Amo in un punto ed odio

I figli miei! … Soffro in vederli, e soffro

S’io non li veggo. Non provato mai

Sento un diletto ed un dolore insieme

D’esser lor madre.

CLOTILDE.

E madre sei? …

NORMA.

Nol fossi!

CLOTILDE.

Qual rio contrasto!

NORMA.

Immaginar non puossi.

O mia Clotilde! … richiamato al Tebro

È Pollïon.

CLOTILDE.

E teco ei parte?

NORMA.

Ei tace

Il suo pensier. – Oh! s’ei fuggir tentasse …

E qui lasciarmi? … se obliar potesse

Questi suoi figli!

CLOTILDE.

E il credi tu?

NORMA.

Non l’oso.

È troppo tormentoso,

Troppo orrendo è un tal dubbio. Alcun s’avanza.

Va … li cela.

Clotilde parte coi fanciulli. Norma li abbraccia.

Scena ottava

Norma e Adalgisa.

NORMA.

Adalgisa!

ADALGISA da lontano.

(Alma, costanza.)

NORMA.

T’inoltra, o giovinetta.

T’inoltra. – E perché tremi? – Udii che grave

A me segreto palesar tu voglia.

ADALGISA.

È ver. – Ma, deh! ti spoglia

Della celeste austerità che splende

Negli occhi tuoi … Dammi coraggio, ond’io

Senza alcun velo ti palesi il core.

Si prostra, Norma la solleva.

NORMA.

Mi abbraccia, e parla. Che ti affligge?

ADALGISA dopo un momento d’esitazione.

Amore …

Non t’irritar … Lunga stagion pugnai

Per soffocarlo … – Ogni mia forza ei vinse …

Ogni rimorso. – Ah! tu non sai pur dianzi

Qual giuramento io fea! fuggir dal tempio …

Tradir l’altare a cui son io legata …

Abbandonar la patria …

NORMA.

Ahi! sventurata!

Del tuo primier mattino

Già turbato è il sereno! E come, e quando

Nacque tal fiamma in te?

ADALGISA.

Da un solo sguardo,

Da un sol sospiro, nella sacra selva,

A pie’ dell’ara ov’io pregava il Dio.

Tremai … sul labbro mio

Si arrestò la preghiera: e tutta assorta

In quel leggiadro aspetto, un altro cielo

Mirar credetti, un altro cielo in lui.

NORMA.

(Oh! rimembranza! io fui

Così rapita al sol mirarlo in volto.)

ADALGISA.

Ma non mi ascolti tu?

NORMA.

Segui … t’ascolto.

ADALGISA.

Sola, furtiva al tempio

Io l’aspettai sovente:

Ed ogni dì più fervida

Crebbe la fiamma ardente.

NORMA.

(Io stessa … anch’io

Arsi così: l’incanto suo fu il mio.)

ADALGISA.

Vieni, ei dicea, concedi

Ch’io mi ti prostri ai piedi:

Lascia che l’aura io spiri

De’ dolci tuoi sospiri,

Del tuo bel crin le anella

Dammi poter baciar.

NORMA.

(Oh! cari accenti!

Così li proferia …

Così trovava del mio cor la via.)

ADALGISA.

Dolci qual arpa armonica

M’eran le sue parole;

Negli occhi suoi sorridere

Vedea più bello un sole.

Io fui perduta, e il sono;

D’uopo ho del tuo perdono.

Deh! tu mi reggi e guida.

Me rassicura, o sgrida,

Salvami da me stessa,

Salvami dal mio cor.

NORMA.

Ah! tergi il pianto:

Alma non trovi di pietade avara.

Te ancor non lega eterno nodo all’ara.

Ah sì, fa core, abbracciami.

Perdono e ti compiango.

Dai voti tuoi ti libero,

I tuoi legami io frango.

Al caro oggetto unita

Vivrai felice ancor.

ADALGISA.

Ripeti, o ciel, ripetimi

Sì lusinghieri accenti.

Per te, per te s’acquetano

I lunghi miei tormenti.

Tu rendi a me la vita,

Se non è colpa amor.

NORMA.

Ma di’ … l’amato giovane

Quale fra noi si noma?

ADALGISA.

Culla non ebbe in Gallia …

Roma gli è patria …

NORMA.

Roma! …

Ed è? … prosegui …

Scena nona

Pollione e dette.

ADALGISA.

Il mira.

NORMA.

Ei! Pollïon! …

ADALGISA.

Qual ira?

NORMA.

Costui, costui dicesti?

Ben io compresi?

ADALGISA.

Ah! sì.

POLLIONE inoltrandosi, ad Adalgisa.

Misera te! che festi!

ADALGISA smarrita.

Io …

NORMA a Pollione.

Tremi tu? e per chi?

Alcuni momenti di silenzio. Pollione è confuso, Adalgisa tremante e Norma fremente.

Oh, non tremare, o perfido,

No, non tremar per lei …

Essa non è colpevole,

Il malfattor tu sei …

Trema per te, fellone …

Pei figli tuoi … per me …

ADALGISA tremante.

Che ascolto! … ah! … Pollïone?

Taci! t’arretri! … Ahimè!

Si copre il volto con le mani. Norma l’afferra per un braccio e la costringe a mirar Pollione, egli la segue.

NORMA.

Oh! di qual sei tu vittima

Crudo e funesto inganno!

Pria che costui conoscere

T’era il morir men danno.

Fonte d’eterne lagrime

Egli a te pur dischiuse;

Come il mio cor deluse,

L’empio il tuo cor tradì.

ADALGISA.

Oh! qual traspare orribile

Dal tuo parlar mistero!

Trema il mio cor di chiedere,

Trema d’udire il vero …

Tutta comprendo, o misera,

Tutta la mia sventura …

Essa non ha misura,

Se m’ingannò così.

POLLIONE.

Norma, de’ tuoi rimproveri

Segno, non farmi adesso.

Deh! a quest’afflitta vergine

Sia respirar concesso …

Copra a quell’alma ingenua,

Copra nostr’onte un velo …

Giudichi solo il cielo

Qual più di noi fallì.

NORMA.

Perfido!

POLLIONE.

Or basti.

Per allontanarsi.

NORMA.

Fermati.

POLLIONE.

Vieni …

Afferra Adalgisa.

ADALGISA dividendosi da lui.

Mi lascia, scòstati …

Sposo sei tu infedele.

POLLIONE con tutto il fuoco.

Qual io mi fossi oblio …

L’amante tuo son io,

È mio destino amarti …

Destin costei lasciar.

NORMA reprimendo il furore.

Ebben: lo compi e parti.

Ad Adalgisa.

Seguilo.

ADALGISA supplichevole.

Ah! pria spirar.

NORMA prorompendo.

Vanne, sì, mi lascia, indegno;

Figli oblia, promesse, onore …

Maledetto dal mio sdegno

Non godrai d’un empio amore.

Te sull’onde e te sui venti

Seguiran mie furie ardenti:

Mia vendetta e notte e giorno

Ruggirà d’intorno a te.

POLLIONE disperatamente.

Fremi pure, e angoscia eterna

Pur m’imprechi il tuo furore!

Questo amor che mi governa

È di te, di me maggiore …

Dio non v’ha che mali inventi

De’ miei mali più cocenti …

Maledetto io fui quel giorno

Che il destin t’offerse a me.

ADALGISA supplichevole a Norma.

Ah, non fia, non fia ch’io costi

Al tuo cor sì rio dolore …

Mari e monti sian frapposti

Fra me sempre e il traditore.

Soffocar saprò i lamenti,

Divorare i miei tormenti;

Morirò perché ritorno

Faccia il crudo ai figli, a te.

Squillano i sacri bronzi del tempio. Norma è chiamata ai riti.

DRUIDI coro interno.

Norma, all’ara! In tuon feroce

D’Irminsul tuonò la voce.

Norma, Norma, al sacro altar!

NORMA E ADALGISA.

Suon di morte a te s’intima;

Va, per te qui pronta ell’è.

POLLIONE.

Sì, la sprezzo, sì, ma prima

Mi cadrà il tuo Nume al pie’.

Ella respinge d’un braccio Pollione, e gli accenna di uscire. Pollione si allontana furente.

Fine del atto primo.

Atto secondo

Scena prima

Interno dell’abitazione di Norma.

Da una parte un letto romano coperto di pelle d’orso. I figli di Norma sono addormentati.

Norma con una lampa e un pugnale alla mano. – Siede e posa la lampa sopra una tavola. È pallida, contraffatta.

Dormono entrambi … non vedran la mano

Che li percuote. Non pentirti, o core;

Viver non ponno … Qui supplizio, e in Roma

Obbrobrio avrian, peggior supplizio assai …

Schiavi d’una matrigna. – Ah! no: giammai.

Sorge risoluta.

Muoiano, sì.

Fa un passo e si ferma.

Non posso

Avvicinarmi: un gel mi prende, e in fronte

Mi si solleva il crin. – I figli uccido!

Teneri figli …

Intenerendosi.

Essi, pur dïanzi

Delizia mia … essi nel cui sorriso

Il perdono del ciel mirar credei …

Ed io li svenerò? … di che son rei?

Risoluta.

Di Pollïon son figli:

Ecco il delitto. Essi per me son morti;

Muoian per lui,

E non sia pena che la sua somigli.

Feriam …

S’incammina verso il letto; alza il pugnale; essa dà un grido inorridita; i figli si svegliano.

Ah! no … son figli miei! miei figli!

Li abbraccia e piange.

Olà, Clotilde!

Scena seconda

Clotilde e detta.

NORMA.

Vola …

Adalgisa a me guida.

CLOTILDE.

Ella qui presso

Solitaria si aggira, e prega e plora.

NORMA.

Va.

Clotilde parte.

Si emendi il mio fallo … e poi … si mora.

Scena terza

Adalgisa e Norma.

ADALGISA con timore.

Me chiami, o Norma? … Qual ti copre il volto

Tristo pallor?

NORMA.

Pallor di morte. – Io tutta

L’onta mia ti rivelo.

Una preghiera sola

Odi e l’adempi, se pietà pur merta

Il presente mio duolo … e il duol futuro.

ADALGISA.

Tutto, tutto io prometto.

NORMA.

Il giura.

ADALGISA.

Il giuro.

NORMA.

Odi. – Purgar quest’aura

Contaminata dalla mia presenza

Ho risoluto; né trar meco io posso

Questi infelici … a te li affido …

ADALGISA.

O cielo!

A me li affidi?

NORMA.

Nel romano campo

Guidali a lui … che nominar non oso.

ADALGISA.

Oh! che mai chiedi?

NORMA.

Sposo

Ti sia men crudo; – io gli perdono e moro.

ADALGISA.

Sposo … Ah, non mai …

NORMA.

Pei figli suoi t’imploro.

Deh! con te, con te li prendi …

Li sostieni, li difendi …

Non ti chiedo onori e fasci;

A’ tuoi figli ei fian serbati;

Prego sol che i miei non lasci

Schiavi, abbietti, abbandonati …

Basti a te che disprezzata,

Che tradita io fui per te.

Adalgisa, deh, ti mova

Tanto strazio del mio cor.

ADALGISA.

Norma! ah! Norma, ancor amata,

Madre ancor sarai per me.

Tienti i figli. Ah, non fia mai

Ch’io mi tolga a queste arene.

NORMA.

Tu giurasti …

ADALGISA.

Sì, giurai …

Ma il tuo bene, il sol tuo bene.

Vado al campo ed all’ingrato

Tutti io reco i tuoi lamenti.

La pietà che mi hai destato

Parlerà sublimi accenti …

Spera, ah, spera … amor, natura

Ridestarsi in lui vedrai …

Del suo cor son io secura …

Norma ancor vi regnerà.

NORMA.

Ch’io lo preghi? … Ah! no: giammai.

Più non t’odo, parti … va …

ADALGISA.

Mira, o Norma, a’ tuoi ginocchi

Questi cari pargoletti.

Ah! pietà di lor ti tocchi

Se non hai di te pietà.

NORMA.

Ah! perché la mia costanza

Vuoi scemar con molli affetti?

Più lusinghe, più speranza

Presso a morte un cor non ha.

ADALGISA.

Cedi … deh cedi!

NORMA.

Ah! lasciami.

Ei t’ama.

ADALGISA.

Ei già sen pente.

NORMA.

E tu? …

ADALGISA.

L’amai … quest’anima

Sol l’amistade or sente.

NORMA.

O giovinetta! … E vuoi? …

ADALGISA.

Renderti i dritti tuoi,

O teco al cielo, agli uomini

Giuro celarmi ognor.

NORMA.

Hai vinto … hai vinto … Abbracciami.

Trovo un’amica ancor.

ADALGISA E NORMA.

Sì, fino all’ore estreme

Compagna tua m’avrai;

Per ricovrarci insieme

Ampia è la terra assai.

Teco del Fato all’onte

Ferma opporrò la fronte,

Finché il tuo core a battere

Io senta sul mio cor.

Partono.

Scena quarta

Luogo solitario presso il bosco dei Druidi, cinto da burroni e da caverne.

In fondo, un lago attraversato da un ponte di pietra.

Guerrieri Galli.

CORO I.

Non partì?

CORO II.

Finora è al campo,

Tutto il dice: i feri carmi,

Il fragor, il suon dell’armi,

Dell’insegne il ventilar.

TUTTI.

Attendiam: un breve inciampo

Non ci turbi, non ci arresti;

E in silenzio il cor si appresti

La grand’opra a consumar.

Scena quinta

Oroveso e detti.

OROVESO.

Guerrieri! a voi venirne

Credea foriero d’avvenir migliore.

Il generoso ardore,

L’ira che in sen vi bolle

Io credea secondar: ma il Dio non volle.

CORO.

Come! le nostre selve

L’aborrito Proconsole non lascia?

Non riede al Tebro?

OROVESO.

Un più temuto e fiero

Latino condottiero

A Pollïon succede.

CORO.

E Norma il sa? di pace

È consigliera ancor?

OROVESO.

Invan di Norma

La mente investigai.

CORO.

E che far pensi?

OROVESO.

Al fato

Piegar la fronte, separarci, e nullo

Lasciar sospetto del fallito intento.

CORO.

E finger sempre?

OROVESO.

Cruda legge! il sento.

Con ferocia.

Ah! del Tebro al giogo indegno

Fremo io pure, all’armi anelo;

Ma nemico è sempre il cielo,

Ma consiglio è il simular.

CORO.

Sì, fingiam, se il finger giovi;

Ma il furore in sen si covi …

Divoriamo in cor lo sdegno,

Tal che Roma estinto il creda:

Dì verrà che desto ei rieda

Più tremendo a divampar.

Guai per Roma allor che il segno

Dia dell’armi il sacro altar.

Partono.

Scena sesta

Tempio d’Irminsul. Ara da un lato.

Norma, indi Clotilde.

NORMA.

Ei tornerà. Sì, mia fidanza è posta

In Adalgisa; ei tornerà pentito,

Supplichevole, amante. Oh! a tal pensiero

Sparisce il nuvol nero

Che mi premea la fronte, e il sol m’arride

Come del primo amore ai dì felici.

Esce Clotilde.

Clotilde!

CLOTILDE.

O Norma! … Uopo è d’ardir!

NORMA.

Che dici?

CLOTILDE.

Lassa!

NORMA.

Favella.

CLOTILDE.

Indarno

Parlò Adalgisa e pianse.

NORMA.

Ed io fidarmi

Di lei dovea? Di mano uscirmi, e bella

Del suo dolore presentarsi all’empio

Ella tramava.

CLOTILDE.

Ella ritorna al tempio.

Triste, dolente implora

Di proferir suoi voti.

NORMA.

Ed egli?

CLOTILDE.

Ed egli

Rapirla giura anco all’altar del Nume.

NORMA.

Troppo il fellon presume.

Lo previen mia vendetta, e qui di sangue …

Sangue romano … scorreran torrenti.

Si appressa all’ara, e batte tre volte lo scudo di Irminsul.

DRUIDI coro interno.

Squilla il bronzo del Dio!

CLOTILDE.

Cielo! che tenti?

Scena settima

Accorrono da varie parti Oroveso, i Druidi, i Bardi e le Ministre. A poco a poco il tempio si riempie d’armati. Norma si colloca sull’altare.

TUTTI.

Norma! che fu? Percosso

Lo scudo d’Irminsul, quali alla terra

Decreti intima?

NORMA.

Guerra,

Strage, sterminio.

TUTTI.

A noi pur dianzi pace

S’imponea per tuo labbro!

NORMA.

Ed ira adesso,

Stragi, furore e morti.

Il cantico di guerra alzate, o forti.

Inno Guerriero.

I

TUTTI.

Guerra, guerra! Le galliche selve

Quante han quercie producon guerrier;

Qual sul gregge fameliche belve

Sui Romani van essi a cader.

II

Sangue, sangue! Le galliche scuri

Fino al tronco bagnate ne son.

Sovra i flutti del Ligeri impuri

Ei gorgoglia con funebre suon.

III

Strage, strage, sterminio, vendetta,

Già comincia, si compie, s’affretta:

Come biade da falci mietute

Son di Roma le schiere cadute.

Tronchi i vanni, recisi gli artigli,

Abbattuta ecco l’aquila al suol.

A mirar il trionfo de’ figli

Ecco il Dio sovra un raggio di sol.

OROVESO.

Né compi il rito, o Norma?

Né la vittima accenni?

NORMA.

Ella fia pronta.

Non mai l’altar tremendo

Di vittime mancò.

S’ode un interno tumulto.

Ma qual tumulto!

Scena ottava

Clotilde frettolosa e detti.

CLOTILDE.

Al nostro tempio insulto

Fece un Romano: nella sacra chiostra

Delle vergini alunne egli fu côlto.

TUTTI.

Un Romano?

NORMA.

(Che ascolto?

Se mai foss’egli?)

TUTTI.

A noi vien tratto.

NORMA.

(È desso!)

Scena nona

Pollione fra Soldati e detti.

OROVESO E CORO.

È Pollïon!

NORMA.

(Son vendicata adesso.)

OROVESO assai maestoso.

Sacrilego nemico, e chi ti spinse

A vïolar queste temute soglie,

A sfidar l’ira d’Irminsul?

POLLIONE con fierezza.

Ferisci!

Ma non interrogarmi.

NORMA svelandosi.

Io ferir deggio.

Scostatevi.

POLLIONE.

Chi veggio?

Norma!

NORMA.

Sì, Norma.

TUTTI.

Il sacro ferro impugna,

Vendica il tempio e il Dio.

NORMA.

Sì, feriamo.

Prende il pugnale dalle mani di Oroveso; ma poi si arresta.

TUTTI.

Tu tremi?

NORMA.

(Ah, non poss’io.)

TUTTI.

Che fia? perché t’arresti?

NORMA.

(Poss’io sentir pietà!)

TUTTI.

Ferisci.

NORMA.

Io deggio

Interrogarlo … investigar qual sia

L’insidïata o complice ministra

Che il profan persuase a fallo estremo.

Ite per poco.

TUTTI.

(Che far pensa?)

POLLIONE.

(Io fremo.)

Oroveso e il Coro si ritirano; il tempio rimane sgombro.

Scena decima

Norma e Pollione.

NORMA.

In mia mano alfin tu sei;

Niun potria spezzar tuoi nodi.

Io lo posso.

POLLIONE.

Tu nol dêi.

NORMA.

Io lo voglio.

POLLIONE.

E come?

NORMA.

M’odi.

Pel tuo Dio, pe’ figli tuoi …

Giurar dêi che d’ora in poi

Adalgisa fuggirai …

All’altar non la torrai …

E la vita io ti perdono …

E mai più ti rivedrò.

Giura.

POLLIONE.

No: sì vil non sono.

NORMA con furore represso.

Giura, giura.

POLLIONE con forza.

Ah! pria morrò.

NORMA.

Non sai tu che il mio furore.

Passa il tuo?

POLLIONE.

Ch’ei piombi attendo.

NORMA.

Non sai tu che ai figli in core

Questo ferro? …

POLLIONE con un grido.

Oh Dio! che intendo!

NORMA con pianto lacerante.

Sì, sovr’essi alzai la punta …

Vedi … vedi … a che son giunta!

Non ferii, ma tosto … adesso

Consumar potrei l’eccesso …

Un istante … e d’esser madre

Mi poss’io dimenticar.

POLLIONE.

Ah! crudele, in sen del padre

Il pugnal tu dêi vibrar.

A me il porgi.

NORMA.

A te!

POLLIONE.

Che spento

Cada io solo!

NORMA.

Solo! Tutti.

I Romani a cento a cento

Fian mietuti, fian distrutti …

E Adalgisa …

POLLIONE.

Ahimè!

NORMA.

Infedele

A’ suoi voti …

POLLIONE.

Ebben, crudele?

NORMA con furore.

Adalgisa fia punita,

Nelle fiamme perirà.

POLLIONE.

Ah! ti prendi la mia vita,

Ma di lei, di lei pietà.

NORMA.

Preghi alfine? indegno! è tardi.

Nel suo cor ti vo’ ferire.

Già mi pasco ne’ tuoi sguardi

Del tuo duol, del suo morire;

Posso alfine, e voglio farti

Infelice al par di me.

POLLIONE.

Ah! t’appaghi il mio terrore:

Al tuo pie’ son io piangente …

In me sfoga il tuo furore,

Ma risparmia un’innocente;

Basti, basti a vendicarti

Ch’io mi sveni innanzi a te.

Dammi quel ferro.

NORMA.

Che osi?

Scòstati.

POLLIONE.

Il ferro, il ferro!

NORMA.

Olà, ministri,

Sacerdoti, accorrete.

Scena ultima

Ritornano Oroveso, i Druidi, i Bardi e i Guerrieri.

NORMA.

All’ira vostra

Nuova vittima io svelo. Una spergiura

Sacerdotessa i sacri voti infranse,

Tradì la patria e il Dio degli avi offese.

TUTTI.

Oh delitto! oh furor! La fa palese.

NORMA.

Sì, preparate il rogo.

POLLIONE.

Oh! ancor ti prego.

Norma, pietà.

TUTTI.

La svela.

NORMA.

Udite. (Io rea,

L’innocente accusar del fallo mio?)

TUTTI.

Parla: chi è dessa?

POLLIONE.

Ah! non lo dir.

NORMA.

Son io.

TUTTI.

Tu! Norma!

NORMA.

Io stessa, il rogo ergete.

TUTTI.

(D’orror io gelo!)

POLLIONE.

(Mi manca il cor.)

TUTTI.

Tu delinquente!

POLLIONE.

Non le credete.

NORMA.

Norma non mente.

TUTTI.

Oh! quale orror!

NORMA.

Qual cor tradisti, qual cor perdesti

Quest’ora orrenda ti manifesti.

Da me fuggire tentasti invano;

Crudel Romano, tu sei con me.

Un nume, un fato di te più forte

Ci vuole uniti in vita e in morte.

Sul rogo istesso che mi divora,

Sotterra ancora sarò con te.

POLLIONE.

Ah! troppo tardi t’ho conosciuta …

Sublime donna, io t’ho perduta …

Col mio rimorso è amor rinato,

Più disperato, furente egli è.

Moriamo insieme, ah! sì, moriamo:

L’estremo accento sarà ch’io t’amo.

Ma tu morendo non m’aborrire,

Pria di morire perdona a me.

TUTTI.

Oh! in te ritorna, ci rassicura:

Canuto padre te ne scongiura:

Di’ che deliri, di’ che tu menti,

Che stolti accenti uscîr da te.

Il Dio severo che qui t’intende,

Se stassi muto, e il tuon sospende,

Indizio è questo, indizio espresso

Che tanto eccesso punir non de’.

Norma! … deh! Norma! scòlpati …

Taci? ne ascolti appena?

POLLIONE scuotendosi con un grido.

Cielo! e i miei figli?

POLLIONE.

Ahi! miseri!

NORMA volgendosi a Pollione.

I nostri figli?

POLLIONE.

Oh pena!

Norma, come colpita da un’idea, s’incammina verso il padre.

TUTTI.

Norma, sei rea?

NORMA disperatamente.

Sì, rea,

Oltre ogni umana idea.

TUTTI.

Empia!

NORMA ad Oroveso.

Tu m’odi!

OROVESO.

Scòstati.

NORMA a stento trascinandosi in disparte.

Deh! m’odi!

OROVESO.

Oh! mio dolor!

NORMA piano ad Oroveso.

Son madre …

OROVESO colpito

Madre!!!

NORMA.

Acquetati.

Clotilde ha i figli miei …

Tu li raccogli … e ai barbari

Li invola insiem con le …

OROVESO.

Giammai … giammai … va, lasciami.

NORMA s’inginocchia.

Ah! padre! … un prego ancor.

Deh! non volerli vittime

Del mio fatale errore …

Deh! non troncar sul fiore

Quell’innocente età.

Pensa che son tuo sangue …

Abbi di lor pietà.

Padre! tu piangi!

OROVESO.

Oppresso è il core.

NORMA.

Piangi e perdona.

OROVESO.

Ha vinto amore.

NORMA.

Ah, tu perdoni. – Quel pianto il dice.

POLLIONE E NORMA.

Contento (a) il rogo – ascenderò.

Io più non chiedo. – Io son felice.

OROVESO.

Ah! consolarmene – mai non potrò.

CORO.

Piange … prega … che mai spera?

Qui respinta è la preghiera.

Le si spogli il crin del serto:

Sia coperto di squallor.

I Druidi coprono d’un velo nero la Sacerdotessa.

Vanne al rogo: ed al tuo scempio

Purghi l’ara e lavi il tempio;

Maledetta all’ultim’ora,

Maledetta estinta ancor!

OROVESO.

Va, infelice!

NORMA incamminandosi.

Padre … addio.

POLLIONE.

Il tuo rogo, o Norma, è il mio.

Là più puro, là più santo

Incomincia eterno amor.

OROVESO.

Sgorga alfin, prorompi, o pianto:

Sei permesso a un genitor.

Fine

Vincenzo Bellini – Norma

Vincenzo Bellini
Norma

Tragische Oper in zwei Aufzügen

Personen

Sever, römischer Prokonsul in Gallien (Tenor)

Orovist, Haupt der Druidenpriester (Baß)

Norma, dessen Tochter, Oberpriesterin, eine Seherin (Sopran)

Adalgisa, Priesterin im Haine der Irminsäule (Sopran)

Klothilde, Normas Freundin (Sopran)

Flavius, Severs Begleiter (Tenor)

Zwei kleine Söhne Severs und Normas

Druidenpriester

Barden

Tempelwächter

Priesterinnen

Gallisches Kriegsvolk

Knaben

Ort der Handlung: Gallien, im und am heiligen Hain des Gottes Irmin und die Felsenwohnung Normas.

Im ersten Aufzug der heilige Hain des heidnischen Gottes Irmin. Dann die Felsenwohnung Normas. Im zweiten Aufzug dieselbe Felsenwohnung. Dann Waldgegend. Dann der heilige Hain wie im ersten Aufzug.

Zeit: 100 nach Christi Geburt.

Rechts und links vom Darsteller.

Spielzeit: Zwei Stunden fünfundvierzig Minuten.

Erste Aufführung: Mailand, Donnerstag, den 26. Dezember 1831.

Ouverture.

(Fünf Minuten.)

Erster Aufzug.

Nr. 1. Introduktion und Chor.

Der Vorhang hebt sich nach dem zwanzigsten Takte.

Der heilige Hain des heidnischen Gottes Irmin.

Rechts unter einer großen, mit Misteln bewachsenen Eiche auf Stufen die Säule des Gottes und der Druidenstein, der als Altar dient; an der Eiche aufgehängt das Schwert des Brennus neben einem Schild. Links hinten ein Felsenablauf.

Es ist Nacht; der Mond ist von Wolken bedeckt.

Rechts und links vom Darsteller.

Erster Auftritt.

Achtzehn gallische Anführer und Krieger. Weißgekleidete Druidenpriester. Vier Tempelwächter. Zwei Knaben. Dann Orovist, das Oberhaupt der Druiden.

Achtzehn gallische Krieger mit Schilden, Lanzen,

Keulen und Beilen bewaffnet, weißgekleidete Druidenpriester, zwei Tempelwächter mit großen Lanzen und umgehängten Hörnern, zwei Knaben mit Fackeln kommen von rechts hinter dem Druidenstein.

Orovist kommt als der letzte von rechts hinten und tritt zum Druidenstein.

Zwei Tempelwächter mit Lanzen und Hörnern folgen ihm und nehmen neben den beiden anderen Tempelwächtern Aufstellung.

Alle verbeugen sich vor dem Druidenstein rechts.

OROVIST.

Steig’ auf den Hügel, Druidenschar,

Späh’ durch die dunkeln Zweige,

Ob hell bestrahlend den Altar

Das neue Licht sich zeige!

Die Priester verneigen sich.

OROVIST.

Wenn es dem Ost entstiegen,

Erschallen die Gesänge

Der frohbewegten Menge,

Und dreimal tön’ das heil’ge Erz,

Kündend das Heil dem Land.

CHOR.

Norma bricht die geweihte Frucht

Im heil’gen Hain!

OROVIST.

Ja, Norma darf’s allein!

Allein!

CHOR.

Allein, allein!

Möge der Gott der Schlachten

Auf ihrer Stirne thronen,

Daß, die nach Rache schmachten,

Töten die Legionen,

Welche im blinden Rachedurst

Roma hierher gesandt, ja!

OROVIST.

Ja, es soll in wilder Flucht,

Römer, dein Heer erzittern!

Bald soll des Galliers schwere Wucht

Den Adlersitz zersplittern!

Schrecklich sei unsre Stimme,

Ähnlich des Donners Grimme!

OROVIST UND CHOR.

Bebe, du stolze Cäsarstadt,

Er naht, dein Rächer naht!

CHOR.

Schrecklich sei unsre

Stimme, ähnlich des Donners Grimme!

OROVIST.

Ähnlich des Donners Grimme!

CHOR.

Bebe, du stolze

Cäsarstadt, er nahet, der Rächer naht!

OROVIST.

Bebe, du Stadt! er naht, der Rächer naht!

Er verneigt sich gegen den Druidenstein und entfernt sich nach links über den Felsenablauf.

Die vier Tempelwächter und die beiden Knaben folgen ihm.

Die Priester und die Krieger gehen ebenso ab hinter dem Felsenablauf.

OROVIST UND CHOR entfernt.

Mond, wenn dein milder Strahl erglänzt,

Tritt Norma zum Altar!

Ihre Stimmen verhallen.

O Luna, erscheine!

Der römische Prokonsul Sever kommt, in seinen Mantel gehüllt, rasch und vorsichtig spähend, von rechts vorn.

Sein Begleiter Flavius mit Mantel und Schwert, folgt ihm.

Zweiter Auftritt.

Flavius, Sever zu seiner Linken. Dann Stimmen der Priester.

Nr. 2. Recitativ und Kavatine.

SEVER horchend.

Die Stimmen verhallen,

Frei finden wir die Pfade aus des Waldes Dunkel.

FLAVIUS tritt mahnend zu ihm.

Tod lauscht in diesem Walde,

Weissagte Norma.

SEVER.

O nenn’ den Namen nicht,

Er macht mich schaudern!

FLAVIUS erstaunt.

Wie deut’ ich das?

Die Traute, die Mutter deiner Söhne?

SEVER.

Dem Freundesherzen darf ich kühn

Vertrauen, was mich tief betrübet.

Einst liebt’ ich Norma,

Doch bald zerrissen der Liebe Bande,

Die Triebe, die mich an sie gefesselt;

Den Abgrund seh’ ich zu meinen Füßen,

Und muß hinab mich stürzen.

FLAVIUS dringlich.

Liebst eine andere du?

Er wendet sich beobachtend nach hinten.

SEVER mahnend sich umsehend.

O rede leise! Ja, ich liebe eine andere!

Adalgisa!

Du sollst sie sehen,

Des Lenzes schönste Blüte,

Die verborgen hier prangt.

Im Dienst des Tempels, des blutbefleckten Götzen,

Gleicht ihre Anmut

Einem Strahle der Sonne aus finstern Wolken.

FLAVIUS betroffen.

Ach, armer Freund!

Und schenkt sie dir Gegenliebe?

SEVER.

Wohl darf ich hoffen.

FLAVIUS warnend.

Wird Norma die Schmach nicht blutig rächen?

SEVER.

Entsetzen im Blicke, Medeen ähnlich

Glaubt’ ich sie zu erblicken.

Ein Traumbild –

FLAVIUS.

Erzähle!

SEVER.

Ha! die Erinnrung macht mich beben!

Kavatine.

SEVER.

Mit Adalgisa Hand in Hand

Träumt’ ich mich am Traualtare;

Sie trug ein weißes Brautgewand,

Blumen im Lockenhaare.

Hell brannten Hymens Fackeln schon,

Laut tönt’ ein Lied der Minne Lohn,

Da schwanden meine Sinne,

Und mich durchströmte ein Hochgefühl. –

Plötzlich taucht auf ein Schattenbild,

Schreitet langsam zum Tempel nieder;

Und ein Druidenmantel hüllt ein

Die halberstarrten Glieder.

Schnell brannte Hymens Fackel aus,

Schweigend entflohen alle;

Die frohgeschmückte Halle

Glich einem Leichenhaus!

Im Hintergrunde beginnt der Mondschein, vorn bleibt es dunkel.

Und ach, verschwunden war die Braut,

Samt den geliebten Söhnen;

Fernher erklang ihr Schmerzenslaut

Und meiner Kinder Stöhnen.

Da steigt aus dumpfer Gruft herauf

Ein Weib, den Stahl gerötet:

»Norma hat sie getötet,

So straft sie den Verrat!« –

Das heilige Erz ertönt links entfernt.

Der Mond wird allmählich sichtbar.

FLAVIUS.

Hörst du? – Ihrem Amte vorzustehn,

Nahet Norma dem heil’gen Haine!

CHOR DER PRIESTER links entfernt.

Luna erscheint am Horizont.

Fliehet, ihr Ungeweihten!

Flieht, Ungeweihte!

FLAVIUS drängend.

Eile!

SEVER bestimmt.

Ich bleibe!

FLAVIUS mahnend.

Hör’, o hör’ mich!

SEVER empört.

Schändliche!

FLAVIUS wie vorher.

Entflieh’!

SEVER nach links drohend.

Fürchtet meinen Zorn!

FLAVIUS gesteigert.

Fliehe nur schnell,

Gefahr bringt der Verzug!

SEVER ebenso.

Stürzen will ich den Götzendienst,

Entlarven den Betrug!

FLAVIUS wie vorher.

O eile nur schnell!

CHOR DER PRIESTER links entfernt.

Fliehet, ihr Ungeweihten!

FLAVIUS.

Gefahr brächte der Verzug!

SEVER mit Festigkeit.

Was mich kräftigt und beseelt,

Scheuet nicht der Menschen Stärke;

Was in der Gefahr mich stählt,

Liebe ist es, die Großes stets gebar.

Ihre Hand mir zu erringen,

Will ich kühn die Waffen schwingen,

In ihr Heiligtum zu dringen

Und zerstören den Altar.

FLAVIUS mit fortgesetzt mahnendem Drängen.

Eile!

Fliehe!

SEVER.

Stürzen will ich den Götzendienst!

FLAVIUS.

Gefahr bringt der Verzug!

Fliehe nur schnell!

SEVER.

Zerstören den Altar!

CHOR DER PRIESTER links entfernt.

Luna erscheint am Horizont,

Fliehet, ihr Ungeweihten! Ungeweihte!

SEVER.

Was mich kräftigt und beseelt,

Scheuet nicht der Menschen Stärke;

Was in der Gefahr mich stählt,

Liebe ist es, die Großes stets gebar.

Ihre Hand mir zu erringen,

Will ich meine Waffen schwingen,

In ihr Heiligtum zu dringen

Und zerstören den Altar!

Ich will zerstören nun den Altar!

Flavius zieht Sever ab nach links vorn.

Heller Mondschein fällt auf den Druidenstein (Altar) rechts.

Die vier Tempelwächter kommen im ersten Takt mit Hörnern auf den Felsenablauf links, bleiben oben stehen und blasen.

Die zwei Knaben mit Fackeln folgen und nehmen rechts vorn Aufstellung.

Priesterinnen mit Mantel, Schleier und Kranz kommen im fünften Takt von rechts hinter dem Druidenstein.

Orovist und die Priester kommen im neunten Takt von links hinter dem Felsenablauf.

Zwei Barden mit Harfen folgen den Priestern.

Die gallischen Krieger folgen von ebendaher zuletzt.

Dritter Auftritt.

Orovist. Priester. Priesterinnen. Tempelwächter. Barden. Krieger. Knaben.

Alle verneigen sich nach rechts gegen die Säule Irmins.

Ein Knabe geht hinauf zum Druidenstein, entzündet mit seiner Fackel die Opferflamme und kehrt auf seinen Platz zurück.

Nr. 3. Chor.

ALLE.

Norma schreitet, des Eisenkrauts Blüte

Schlingt sich heilig durch wallende Locken;

In der Hand glänzt die goldene Sichel

Als des wechselnden Mondes Symbol.

Sie erscheint, und die Sterne der Römer,

Glänzend erst, sind in Wolken verhüllet;

Sie strecken die Arme nach der Säule Irmins aus.

Irmin herrscht im Raume des Äthers,

Gleich Kometen, bedrohend die Welt.

Die vier Tempelwächter blasen.

Norma kommt von rechts hinter dem Druidenstein;

ihre Haare sind gelöst, ihr Haupt umgiebt ein Kranz von Eisenkraut, in der Hand trägt sie eine goldene Sichel.

Acht Dienerinnen folgen ihr; zwei Dienerinnen tragen je ein Bündel von Mistelzweigen; vier Dienerinnen tragen leere flache Körbchen.

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Norma. Dienerinnen.

Norma tritt hinauf vor den Druidenstein, legt die Sichel darauf und erhebt die Blicke wie begeistert zum Himmel.

Die acht Dienerinnen nehmen vor den Stufen des Druidensteins Aufstellung.

Hellster Mondschein überflutet Norma.

Allgemeine Stille.

Nr. 4. Scene und Kavatine.

NORMA.

Wer läßt hier Aufruhrstimmen,

Wer Kriegesruf ertönen?

Wollt ihr die Götter zwingen,

Eurem Willen zu folgen?

Wer wagt vermessen, gleich der Prophetin,

Der Zukunft Nacht zu lichten?

Wollt ihr der Götter Plan vorschnell vernichten?

Nicht Menschenkräfte können

Die Wirren dieses Landes schlichten.

OROVIST.

Wie lange noch soll lasten feindliches Joch

Auf Galliens Gefilden?

Die Tempel sind entheiligt,

Das Land die Beute von Roms

Gefräß’gen Adlern.

Nicht länger darf es rosten,

Das Schwert des großen Brennus!

CHOR mit energischer Bewegung.

Laß es rasch uns erheben!

NORMA.

Daß es zersplittre? – Zersplittre!

Ja, wenn tollkühn ihr versuchet,

Allzufrüh es zu zeigen!

Die Männer ziehen sich betroffen einen Schritt zurück.

NORMA.

Es sind die Tage eurer blutigen Rache

Noch nicht erschienen;

Der Römer Wurfgeschosse

Sind dem gallischen Beile

Noch viel zu mächtig.

OROVIST UND CHOR ruhig und gemessen.

Was kündet dir die Gottheit? Rede! weissage!

Höchste Aufmerksamkeit.

NORMA.

In den geheimen Blättern hab’ ich gelesen:

Dem Untergang verfallen ist jene stolze Roma,

Und Blutesbäche färben die mächtige Stadt!

Doch nicht durch Gallier,

Rom fällt durch eigne Schwäche,

Fällt durch Laster und Verrat!

Bedeutend.

Harret der Stunde, sie ist nicht fern,

Die Schmach und Elend rächet!

Friede gebiet’ ich, während die Mistel ich breche!

Sie streckt ihre Arme gen Himmel aus.

Die zwei Barden nehmen ihre Harfen zur Hand und spielen.

Die zwei Dienerinnen mit den Mistelbündeln gehen zu Norma hinauf und knieen vor sie hin.

Die vier Dienerinnen mit den leeren Körbchen ebenso.

Die letzten zwei Dienerinnen bleiben unten.

Norma nimmt die Sichel vom Druidenstein und erhebt sie segnend über die Mistelbündel.

Alle werfen sich auf die Kniee.

Der Mond leuchtet in seinem vollen Glanze.

Norma schneidet hierauf mit der Sichel die heilige Mistel von der Eiche und legt sie in die Körbchen der vier Dienerinnen; nach den fünfzehn Takten des Ritornells legt sie die Sichel auf den Druidenstein.

Die sechs Dienerinnen erheben sich, treten herunter und knieen unten wieder nieder.

NORMA.

Keusche Göttin im silbernen Glanze,

Thaue Segen auf die dir geweihte Pflanze!

Deines Anblicks laß uns erfreuen,

Wolkenfrei und schleierlos!

OROVIST UND CHOR.

Keusche Göttin im Silberglanze,

Thaue Segen auf diese Pflanze!

Deines Anblicks laß uns freuen,

Wolkenfrei und schleierlos!

NORMA.

Schleierlos, ja, schleierlos!

Laß nicht Zwietracht sich erneuen,

Träufle Balsam in die Wunden,

Bis den Frieden wir gefunden,

Der erkeimt aus deinem Schoß.

OROVIST UND CHOR.

Bis wir jenen Frieden aufgefunden,

Der entkeimt aus deinem Schoß!

Die zwei Barden enden ihr Harfenspiel.

Norma schreitet herab und nimmt die Mitte.

Alle erheben sich.

NORMA.

Nun trennt euch alle, kein Frevler wage

Diese Haine zu beschreiten;

Wenn die Götter schleudern ihre Racheblitze,

Um die Feinde zu zerstören,

Hört ihr vom Druidensitze

Meiner Stimme Donnerton!

Die Krieger erheben drohend die Waffen.

OROVIST UND CHOR feurig.

Rufe! Nicht einer soll entrinnen!

O gebiete! Laß uns beginnen,

Und als erstes Racheopfer

Falle der Prokonsul Roms!

Norma tritt noch etwas weiter vor, steht ganz für sich.

Die Dienerinnen mit den Körben voll Mistelzweigen gehen zu den einzelnen Gruppen und verteilen die Zweige.

NORMA.

Er fällt! Ich kann ihn töten!

Für sich.

Doch ihn töten? Mein Herz sagt nein! –

Entflohner, kehre wieder,

An meiner Brust erwarme,

Und diese mächt’gen Arme

Sind deines Lebens Pfand.

O kehre wieder mit heitern Blicken,

Nur du bist mein Entzücken,

Meine Seligkeit!

OROVIST UND CHOR unter sich.

Kommt langsam auch geschritten

Der süße Tag der Rache,

Ist doch in allen Hütten

Die Kampfeslust entbrannt;

Bleibet doch auf Berg’, in Hütten

Die Kampfeslust entbrannt!

NORMA für sich.

Ach! Entflohner, kehre wieder,

An meiner Brust erwarme,

Und diese mächt’gen Arme

Sind deines Lebens Pfand!

O kehre wieder mit heiteren Blicken,

Nur du bist mein Entzücken,

Meine Seligkeit!

OROVIST UND CHOR.

Es bleibt auf Bergen und in Hütten

Doch die Kampfeslust entbrannt!

NORMA für sich.

O sieh’ mein Sehnen,

Sieh’ meine Thränen,

O schlinge wieder

Der Liebe Band!

Kehre wieder, sieh’ meine Thränen!

OROVIST UND CHOR.

Zur Rache!

NORMA für sich.

Sieh’ die Thränen,

Sieh’ mein Sehnen,

Schlinge wieder

Der Liebe Band!

Sieh’ die Thränen,

O sieh’ mein Sehnen,

Schlinge wieder

Der Liebe Band!

OROVIST UND CHOR.

Auf den Bergen, in den Hütten

Bleibt die Kampfeslust entbrannt!

Die Knaben verlöschen das Feuer auf dem Druidenstein; einer nimmt die Sichel an sich.

Alle wenden sich zum Abgang nach rechts.

Norma, die Priesterinnen, die acht Dienerinnen, die Krieger gehen ab nach rechts hinten.

Orovist, die Priester, die Barden, die Tempelwächter, die Knaben entfernen sich nach rechts vorn.

Die Priesterin Adalgisa kommt von rechts hinter dem Druidenstein.

Fünfter Auftritt.

Adalgisa allein.

Nr. 5. Scene und Duett.

ADALGISA wird lebhaft nach dem achten Takte sichtbar; dann hält sie inne und schreitet, nachdem sie sich umgesehen, träumerisch vor.

Einsam sind diese Haine, fort die Druiden! –

Sie kommt weiter vor und preßt die Hände aufs Herz.

Ungesehen fließen nun meine Thränen,

Hier, wo ich zum erstenmale

Den Helden Roms, wehe mir! erblickte,

Der vergessen mich machte

Des Tempels, der Götter!

Wär’ der Traum doch vorbei!

Fruchtloses Hoffen! Ein unerklärlich

Sehnen bringt mich ihm nahe;

In seinem Anblick schwelgt mein krankes Auge;

Ich höre seine Stimme in Zephyrs Flüstern

Und im Säuseln der Blätter.

Sie eilt nach rechts zu dem Druidenstein und wirft sich auf die Kniee.

O beschütze mich, du Starker!

O beschütze mich, beschütze mich,

Du Starker, beschütze mich,

Es wanket, es wanket mein Glaube!

Du Starker, sei gnädig mir!

Mein Glaube, ach, mein Glaube wankt!

Sie erhebt sich langsam.

Der römische Prokonsul Sever kommt mit seinem Begleiter Flavius von links hinten.

Sechster Auftritt.

Adalgisa rechts vorn. Sever links hinten, Flavius an seiner Seite.

SEVER leise zu Flavius.

Da ist sie! Fort!

Ich will nichts weiter hören!

Flavius geht ab nach links hinten.

Siebenter Auftritt.

Adalgisa. Sever.

Sever kommt nach vorn.

ADALGISA bemerkt ihn, erschrocken.

Du! Du hier?

SEVER.

Was seh’ ich? Du hast geweint?

ADALGISA.

O sei barmherzig und laß mich beten!

SEVER.

Du flehst zu Göttern, die grausam,

Tyrannisch, stets abhold

Deinen Wünschen und den meinen.

Ach, Adalgisa, der Gott,

Zu dem wir rufen, ist Amor.

ADALGISA.

Weh’ mir, o schweige, nicht darf ich weilen.

Sie entfernt sich von ihm.

SEVER.

Willst du mich fliehen?

Welch Ort wäre so geheim,

Den ich nicht fände?

ADALGISA.

Der Tempel, des Gottes Altar,

Dem ich Treue geschworen.

SEVER.

Dem Gotte! und unsrer Liebe?

ADALGISA.

Muß ich entsagen! –

SEVER sehr leidenschaftlich.

Geh’ und opfre den falschen Göttern,

Opfre ihnen denn und bring’ mein Blut zur Sühne!

Er umschlingt Adalgisa.

Adalgisa sucht sich ihm zu entziehen.

SEVER.

Opfernd magst du, magst du’s vergießen,

Nimmer kann ich dich verlassen,

Nein, nein, dich nie verlassen! –

Adalgisa hat sich losgemacht und weist mit der Rechten nach rechts auf die Säule des Gottes Irmin, mit der Linken auf sich: »sie habe sich den Göttern geweiht!«

SEVER.

Nur dein Mund schwur den Altären,

Doch dein Herz, es schwur zu mir;

Mir nur sollst du angehören,

Niemals mehr entsag’ ich dir.

ADALGISA.

Ach, du weißt nicht, wie sehr ich leide,

Wie mein Herz dich warm verteidigt!

Dem Altare, den ich beleidigt,

Naht ich mich mit Kindesfreude.

Sie streckt hilfesuchend beide Arme nach der Säule des Gottes aus: »Vergebliches Flehen, ich bin schuldbeladen.«.

Heiter blickte einst mein Auge

Zu des Himmels Blau empor;

Nun ist mir sein Glanz entschwunden,

Da ich meine Ruh’ verlor.

SEVER.

Mildre Sitten, schönre Sonne

Bietet Rom, wohin wir eilen.

ADALGISA aufs höchste erschrocken.

Fort du? Fort du?

SEVER.

Zu neuen Thaten!

ADALGISA.

Fort du? Und ich?

SEVER.

Du folgst dem Gatten!

Amor ist der Gott der Götter,

Weiche seiner sanften Macht!

ADALGISA.

Unsre Priester, unsre Seher –

SEVER.

Sie schreien Wehe!

Und versinken dann in Nacht!

ADALGISA.

Ach, wer rettet? –

SEVER.

Von der Liebe bist du bewacht.

ADALGISA.

Nein, ich darf nicht,

Wachsam lauert der Verdacht.

SEVER.

Du könntest fliehen und mich verlassen?

Und mich verlassen? Adalgisa! Adalgisa!

Komm nach Rom, dem Schmuck der Städte,

Wo der Freude Nektarschale

Froh uns winkt zum Göttermahle

Und die Sorge sinkt in Lethe!

Säume nicht, die Feinde wachen,

Folge deines Herzens Ruf!

Glücklich sein und glücklich machen,

Welch ein herrlicher Beruf!

ADALGISA.

Ja, das sind die süßen Laute,

Ja, das sind die Liebeszeichen.

Welche Gott Irmins Vertraute

Vom Altare selbst verscheuchen!

Nimmer kann ich widerstehen

Diesem innern Herzensdrang!

Götter, hört mein heißes Flehen,

Zürnet nicht, daß mein Herz ich nicht bezwang!

SEVER drängend.

So komme!

ADALGISA zögernd.

Laß mich hier.

SEVER mit geöffneten Armen.

Sieh’ die Arme ausgebreitet!

ADALGISA.

Ach, laß mich!

SEVER.

Du könntest mich verlassen?

ADALGISA.

Ach, Schande mich begleitet.

SEVER.

Für mich nicht alles wagen?

ADALGISA.

O höre meine Stimme!

SEVER.

Adalgisa!

ADALGISA.

Sieh’, wie ich weine,

Sieh’ den Kampf der Pflicht und Liebe!

SEVER.

Adalgisa, gehorch dem Triebe!

ADALGISA.

Harre – du –

Ach, vergebens, ich bin die deine!

Umarmung.

SEVER.

Morgen in der Frührot Stunde

Harr’ ich dein!

ADALGISA.

Zum ew’gen Bunde!

SEVER.

Schwöre!

ADALGISA.

Heilig!

SEVER.

Geliebte Seele, ich darf hoffen?

ADALGISA.

Ja, du darfst hoffen,

Treulos bin ich den Altären,

Treu werd’ ich der Liebe sein!

SEVER.

Mildre Götter wirst du ehren,

Und verachten den Betrug –

ADALGISA.

Treu werd’ ich, ja, treu

Der Liebe sein,

Ja, treu der Liebe sein!

SEVER.

Verachten den Betrug und Schein,

Und treu der Liebe sein!

Er verläßt sie nach inniger Umarmung und geht ab nach links hinten.

Adalgisa wendet sich zum Abgang nach rechts hinten.

Verwandlung.

Nr. 6. Duett.

Der Vorhang hebt sich nach dem fünfundzwanzigsten Takte.

Normas Felsenwohnung mit einer Mittelöffnung, deren Vorhänge geschlossen sind; hinter den Vorhängen eine Lagerstätte mit einer Fensteröffnung darüber. Rechts eine Felsenöffnung als Eingang. Zur Rechten ein Steinaltar; mehr nach der Mitte hin auf Tierfellen ein Blocksitz. Links ein Herd; in seiner Nähe auf Tierfellen ein Ruhelager; an der linken Hinterwand ein Steintisch.

Es ist Tag.

Achter Auftritt.

Klothilde, die beiden Kinder Normas an der Hand führend; Norma ohne Mantel und Schleier zu ihrer Linken.

NORMA geht auf die Kinder zu und wendet sich bebend vor ihnen zurück; zu Klothilde.

Geh’ jetzt, ich will sie nicht mehr sehen!

Schauder ergreift mich,

Wenn ich sie will umarmen!

Sie setzt sich auf das Ruhelager links, mit dem Arm auf dem Lager ihren Kopf stützend.

KLOTHILDE.

Woher der Zwiespalt in deiner Brust?

Es sind so gute Kinder!

NORMA gepeinigt.

Frag’ nicht! – In diesem Herzen

Wechseln Gefühle. Bald herrscht die Liebe,

Bald hass’ ich meine Kinder. Bald macht ihr Anblick mir Freude,

Bald wieder Kummer. Jetzt möcht’ ich sie herzen,

Jetzt zornig strafen, bald mich und sie verwünschen,

Daß ich die Mutter.

KLOTHILDE.

Und du bist Mutter!

NORMA leidenschaftlich aufspringend.

O wär’ ich’s nicht.

KLOTHILDE rasch.

Du sprichst in Rätseln!

NORMA.

Du kannst mich nicht verstehen,

Du treue Seele.

Sehr wichtig.

Vom Senat berufen

Ist Sever.

KLOTHILDE.

Du wirst ihm folgen?

NORMA betroffen, langsam und düster.

Darüber schwieg sein Mund.

Mit steigender Aufregung.

Ach! Wenn er fliehen könnte,

Und mich verließe! Wenn er vergessen könnte

Mich und die Kinder!

KLOTHILDE.

Und glaubst du? –

NORMA mit einigen Schritten nach links.

Gewißheit! Sie wäre minder grausam

Als böse Ahnung, als trüber Zweifel! –

Ich höre Tritte!

Zu Klothilde.

Geh’, verbirg sie!

Klothilde geht mit den Kindern ab durch die Mittelvorhänge.

Die Vorhänge fallen hinter ihr wieder zu.

Adalgisa kommt mit dem Eintritt des Andante von rechts.

Neunter Auftritt.

Adalgisa, Norma zu ihrer Linken.

Adalgisa steht still.

NORMA.

Adalgisa!

ADALGISA für sich.

Herz, bleibe standhaft!

NORMA.

Tritt näher, du holdes Wesen!

Adalgisa bleibt stehen.

NORMA.

Komm näher! Du scheinst zu zittern?

Zu sprechen wünschest du mit mir,

Geheimes trägst du auf dem Herzen?

ADALGISA.

So ist’s. Doch du bist strenge,

Kennst nicht die Macht der Leidenschaft,

Der Schwäche bist du verschlossen.

Sie tritt näher und wirft sich vor Norma auf die Kniee.

Wo find’ ich Stärke, mein Herz

Dir zu entschleiern?

Dir mich zu entdecken!

NORMA.

Vertraue und rede, was betrübt dich?

ADALGISA nach einem Augenblick des Bedenkens.

Die Liebe –

Norma macht eine Bewegung.

ADALGISA.

O zürne nicht!

Lange hab’ ich gestritten, sie zu besiegen,

All’ meine Kraft verschwendet,

Eifrig gebetet – Ach, alles fruchtlos!

So wisse, was ich ihm zugeschworen:

Den Tempel meiden und den Altar,

Dem ich verlobt, verraten,

Mein Heimatland verlassen –

NORMA.

Halt ein, Verirrte!

Sie legt ihre Hand auf Adalgisas Haupt.

Im Morgenrot des Lebens

Ist dein Stern schon versunken?

Sie hebt Adalgisa auf und führt sie nach dem Ruhelager links.

Erzähle mir alles!

Sie sitzt und hält Adalgisas Hände.

Wie faßte dich die Glut?

ADALGISA zu Normas Füßen knieend.

Von einem Blicke, von einem Seufzer

Im geweihten Haine, dort am Altare,

Wo ich in Andacht flehte. Ich bebte,

Auf meiner Lippe starb das Wort des Gebetes.

Norma läßt allmählich Adalgisas Hände los und versinkt in träumerisches Erinnern.

ADALGISA.

Ich war versunken in nie geahnte Wonne,

Sah andre Himmel und andre Sonnen,

Er war mein alles, mein Himmel!

NORMA für sich.

O Rückerinnrung!

So war mein Los, so ward mein Aug’ geblendet,

Als es auf seinem ruhte.

ADALGISA.

Doch – du scheinst ja zerstreut?

NORMA.

Rede! Ich höre.

ADALGISA steht langsam auf.

Hier stahl er mir den Frieden,

Hier sah ich ihn manche Stunde;

Wenn er von mir geschieden,

Brannte des Herzens Wunde.

NORMA für sich.

Ach, so erging es mir!

ADALGISA.

Laß mich, rief er mit Flehen,

Dir in das Auge sehen –

NORMA für sich.

O Rückerinnrung!

ADALGISA entfernt sich einige Schritte von Norma; mehr für sich.

Laß mich aus deinen Augen –

NORMA für sich.

So hat auch er gesprochen!

ADALGISA.

Wonne und Hoffnung saugen,

Gieb mir des Haares Locke,

Nicht versage der Liebe Kuß!

NORMA für sich.

O süße Töne!

So haben sie auch einst

Dies unbewachte weiche Herz gebrochen!

ADALGISA in seligem Erinnern wie für sich.

Sanft, wie der Zephyr am Fliederstrauch,

Süß, wie die Töne der Harfe,

Klang seines Mundes Beredsamkeit –

Ich sah den Himmel offen.

NORMA für sich.

Ich fühlte gleichen Zauber!

ADALGISA weinend, sich Norma wieder nähernd.

Ach, da vergaß ich die Pflichten –

NORMA.

Du sollst nicht weinen.

ADALGISA.

Wirst du mich gnädig richten?

NORMA.

Ich bin nicht grausam.

ADALGISA.

Nun kennst du mein Vergehen.

NORMA.

Ich bin nicht grausam.

ADALGISA.

Wirst du mein Herz verdammen?

Verzweifelnd vor Norma zusammenstürzend und deren Kniee umfassend.

Rette mich vor mir selber,

Rette mich, rette mich, wenn du kannst!

NORMA.

O klage nicht, du Tiefbetrübte,

Noch ist zu lösen dein Gelübde.

ADALGISA.

Ach! wiederhole des Trostes süße Worte!

NORMA steht auf und hebt Adalgisa empor an ihre Brust.

Heil dir, o Heil!

Sie küßt sie.

Empfange diesen Schwesterkuß,

Ich will der Welt dich retten,

Sich von Adalgisa loslösend.

Denn dein Gelübde lös’ ich auf,

Ich breche deine Ketten!

Dir lacht das Glück der Liebe,

Die höchste Erdenlust.

ADALGISA.

O wiederhole noch einmal

Des Trostes süße Worte;

Geendet ist nun meine Qual,

Mir strahlt der Hoffnung Sonne!

Du hast hinweg genommen

Die Leiden meiner Brust,

Ja – ja – ha, welch süße Lust!

NORMA.

Dir wird noch lachen das Glück der Liebe,

Die höchste Lust – ach!

ADALGISA.

O wiederhol’ des Trostes Wort,

Des Trostes Wort – ach!

NORMA.

Empfange diesen Schwesterkuß,

Ich will der Welt dich retten.

Ja, dein Gelübde löse ich,

Ich sprenge deine Ketten.

Dir lacht das Glück der Liebe,

Die höchste Erdenlust,

Ja, ja, ja, höchste Lust!

ADALGISA.

O laß die Worte,

Laß mich sie hören!

Du hast weggenommen

Den Stachel der Brust,

Ja, ja, ach, welche Lust!

BEIDE.

Ach – ach, welche Lust!

NORMA drängt Adalgisa nach der Mitte und umarmt sie stürmisch.

Doch sprich, wie ist sein Name?

Mit einigen Schritten nach links.

Ist er vom Kriegerstande?

ADALGISA.

Gallien ist nicht sein Heimatland,

Er ist ein Römer!

NORMA ahnend.

Römer? Und heißt? Vollende! –

Sever kommt von rechts.

Zehnter Auftritt.

Sever rechts. Adalgisa in der Mitte, etwas zurückstehend. Norma links.

ADALGISA zeigt nach rechts.

Hier kommt er.

NORMA aufflammend.

Dieser? Sever!

ADALGISA.

Du zürnest?

NORMA gesteigert.

Sever ist dein Geliebter?

Täuscht mein Gehör mich?

ADALGISA.

Ach, nein!

SEVER zu Adalgisa.

Unheil hast du gestiftet!

ADALGISA betroffen.

Unheil?

NORMA zu Sever.

Bebest du? Und für wen

Magst du jetzt erbeben?

Ausbrechend.

Du sollst nicht beben für jene dort,

Nein, nicht für jene,

Die nur dein Hauch vergiftet!

Adalgisa bebt erschrocken mehr nach hinten zurück.

NORMA.

Sie nicht; du gabst dein Heuchelwort,

Du nur warst der Verräter!

Erbebe nur für dich, erbebe nur für dich,

Für deine Kinder, zittre für mich,

Für dich, Verräter, erzittre nur für dich,

Erzittre für dich, für dich und mich!

ADALGISA aufs höchste betroffen.

Was hör’ ich? Du? – Sever? – Rede! –

Sever wendet sich schweigend ab.

ADALGISA.

Nein, schweige! O Himmel!

Sie preßt, etwas in sich zusammensinkend, das Gesicht in die Hände. Norma tritt zu ihr. Sever hat nur für Adalgisa Sinn und Auge.

Nr. 7. Terzett.

NORMA.

Arme! geopfert ist dein Glück,

Ihm konntest du vertrauen!

Besser wär’s, giftigen Schlangenblick,

Sie zeigt nach Sever.

Als seine Blicke zu schauen!

Ach, deine holden Augen

Gleichen zwei Thränenbächen.

Brennende Qualen foltern

Zwei treue Herzen,

Die der Verräter treulos brach!

ADALGISA.

Ach, wann schließt sich des Zweifels Thor?

Schrecklich sind deine Züge!

Wahrheit verlangt mein scheues Ohr

Doch dieses Herz verlangt die Lüge.

NORMA zu Adalgisa.

Arme, geopfert ist dein Glück.

Ja, besser wär’s, gift’ger Schlangenblick,

Als diese Blicke, den Blick zu schauen.

ADALGISA.

Ahnung erfüllt mein banges Herz!

Was wird die Zukunft spenden?

Nie wird mein Jammer enden,

Wenn er den Eid mir brach.

NORMA zu Adalgisa.

Laß deine Thränen strömen,

Brennende Qualen foltern

Zwei Herzen, die er treulos brach,

Die der Verräter treulos brach!

SEVER.

Norma, in dieser Stunde nicht

Soll mich dein Zorn erreichen!

Er zeigt nach Adalgisa.

Sieh’ auf dies holde Angesicht,

Es stirbt dahin, sieh’, es will erbleichen!

Nicht in der Jungfrau Gegenwart

Sollst du den Schleier lüften;

Mag denn der Himmel richten,

Wer von uns beiden mehr verbrach!

Sieh’ dort die Arme,

Gebeugt von dem Harme,

Die ohne Schuld

Die rein, die nichts verbrach! –

NORMA.

Ja, besser wär’ es, Schlangenblick,

Nach Sever zeigend.

Als diesen Blick zu schauen! –

Du kannst es wagen! –

Laß den Thränen freien Lauf,

Beide sind, beide sind betrogen!

Beide hat er uns belogen,

Ja, uns belogen,

Da er seine Schwüre, seine Schwüre brach,

Er seinen Eid mir brach! –

ADALGISA tritt Norma näher.

Ach, wann schließt sich des Zweifels Thor?

Wahrheit verlangt mein scheues Ohr,

Doch dieser Busen verlangt die Lüge!

Ahnung erfüllt mein banges Herz,

Was wird die Zukunft spenden?

Nie wird mein Jammer enden,

Wenn er den Eid mir brach.

Ahnung, ja, sie erfüllt mein banges Herz!

O was wird mir die Zukunft spenden?

Ach, nie, niemals wird, nie sich mein Jammer enden,

Wenn er den Eid mir brach! –

Sie schmiegt sich bittend an Normas Schulter.

NORMA macht sich frei; empört zu Sever.

Schändlicher!

SEVER.

Du rasest!

Er will fort.

NORMA beobachtet beide mit größter Aufmerksamkeit; zu Sever.

Bleibe noch!

SEVER faßt Adalgisas Hand und will sie mit sich fortziehen.

Folge mir!

ADALGISA sich von ihm losreißend.

Nein, niemals folg’ ich dir!

Norma nennt dich Gatten!

SEVER.

Teure, dich hab’ ich erkoren!

ADALGISA.

Nein, niemals folg’ ich dir!

SEVER schließt Adalgisa fest in seine Arme.

Mein wirst du, hab’ ich geschworen.

ADALGISA.

Geh’, falscher Mann!

SEVER mit Feuer.

Für dich nur fühl’ ich allein

Heiße Liebe, für jene Haß!

Für jene empfind’ ich Haß!

NORMA.

Wohlan!

Mit erstickter Stimme.

Vollende den Meineid

Und fliehe!

Zu Adalgisa.

Folge ihm!

ADALGISA reißt sich von Sever los und eilt zu Norma hin.

Norma, o höre mich! gieb mir den Tod!

NORMA in höchster Leidenschaft die Mitte nehmend; zu Sever.

Ziehe hin, weil du vergessen

Deinen Schwur, der Kinder Ehre!

Doch läßt meines Fluches Schwere

Nie der Liebe froh dich werden!

Ziehe fort, weil du vergessen

Deinen Schwur, der Kinder Ehre!

Ziehe fort, weil du vergessen

Wort und Ehre!

Sie wendet sich nach links.

SEVER zu Norma.

Magst du fluchen im Thorengrimme,

Abscheu wecket dies tolle Wüten!

NORMA zu Sever.

Auf dem Lande, wie auf dem Meere

Wird ereilen dich meine Rache,

An dem Lager hält sie die Wache,

Rüttelt dich mit Allgewalt.

SEVER.

Magst du fluchen im Thorengrimme,

Abscheu weckt dies tolle Wüten;

Magst du Hassespläne brüten,

Mächt’ger ist der Liebe Stimme.

Fluche nur im Thorengrimme,

Abscheu weckt dies tolle Wüten,

Ja, dies Wüten!

ADALGISA norma anflehend.

O verzeihe, daß meine Leiden

Dir getrübet der Seele Ruhe!

SEVER zu Norma.

Sieh’ mich trotzen dem Schrei nach Rache,

Denn der Himmel schützt die Schwache.

Fluche mir im Thorengrimme,

Ja, ich trotze deiner Wut!

ADALGISA zu Norma.

O verzeihe, daß meine Leiden

Dir getrübt der Seele Ruhe!

NORMA zu Sever.

Fliehe!

ADALGISA.

Berge, Meere sollen scheiden

Ewig mich von dem Verräter!

NORMA.

Verräter!

ADALGISA.

O verzeih’, daß meine Leiden

Dir getrübt der Seele Ruhe –

SEVER.

Magst du fluchen, magst du wüten!

ADALGISA.

Deine Ruhe dir getrübt,

Ja, dir getrübt!

SEVER.

Sieh’ mich trotzen dem Schrei nach Rache,

Denn der Himmel, er schützt die Schwache!

NORMA.

Auf dem Lande, wie auf dem Meere

Wird ereilen dich meine Rache!

ADALGISA.

Dich nur will ich glücklich wissen,

Meine Schmerzen in mich verschließen;

Vater sei er seinen Kindern

Und das Grab mein Aufenthalt!

NORMA.

Ja, Verräter, meine Flüche

Stören deine Liebeslust!

SEVER.

Fluche nur im Thorengrimme,

Ja, ich trotze deiner Macht!

Deine Brust,

Sie fühlt sich schuldbewußt.

NORMA.

Nie, nie fühle du der Liebe Lust.

ADALGISA.

Ja, ja! Schweigen soll der Schmerz;

In der eignen Brust

Verschließen meine Schmerzen

Sich schuldbewußt!

Sever eilt ab nach rechts.

Adalgisa stürzt Norma zu Füßen.

Zweiter Aufzug

Nr. 8. Introduktion und Scene.

Der Vorhang hebt sich im fünfzigsten Takte.

Dieselbe Felsenwohnung Normas.

Die Mittelvorhänge sind zurückgeschlagen.

Es ist Nacht; durch die Fensteröffnung über der Lagerstätte hinten fällt das Mondlicht.

Erster Auftritt.

Norma. Ihre beiden Kinder schlafend auf der Lagerstätte hinter den Mittelvorhängen, vom Mond beschienen, der durch die Fensteröffnung darüber fällt.

NORMA kommt ohne Schleier, offene Haare, verstört und bleich, mit einer brennenden Lampe und einem Dolche von rechts; sie setzt die Lampe auf den Steintisch an der linken Hinterwand, tritt vor ihre beiden Söhne und neigt sich leicht über sie.

Beide im Schlafe! – Sie sehen nicht das Eisen,

Das sie durchbohren soll.

Sie drückt ihr Mitleid hinab.

Nicht rege dich, Erbarmen, sie müssen sterben!

Hier harrt der Tod und Schande trifft sie in Rom.

Ha, Normas Blut entehret! Zum Sklavendienst erniedrigt!

Könnt’ ich’s ertragen? Rasch vollbracht!

Sie macht einen Schritt, bleibt dann stehen.

Ja, wenn ich dem Lager nahe,

Faßt mich ein Schauder,

Es sträubt sich das Haar auf meinem Haupt!

Die Kinder töten –

Die hier in Unschuld noch schlummern? Sie,

Noch vor kurzem Wonne der Mutter,

Sie, deren süßes Lächeln

Die Verzeihung des Himmels mir verhießen!

Sie tötet dieser Stahl! Sind sie Verbrecher?

Es sind Severs Söhne: dies ihr Verbrechen!

Mir sind sie schon gestorben!

Sie mögen beide tot auch für ihn sein!

Er find’ sie als Leichen! – Wohlan!

Sie schreitet zur Lagerstätte hinten und erhebt den Dolch; plötzlich grell aufschreiend.

O nein! teure Kinder!

Die Kinder erwachen von diesem Aufschrei und richten sich auf.

NORMA kniet über sie gebückt und umfaßt sie.

Geliebte!

Sie beruhigt die Kinder und legt sie wieder zurück; noch knieend.

Herbei! Klothilde!

Klothilde kommt eilig von rechts.

Zweiter Auftritt.

Klothilde, Norma zu ihrer Linken. Die Kinder auf der Lagerstätte hinten.

NORMA.

Eile! Bringe mir Adalgisa!

KLOTHILDE.

Sie ist dir nahe!

Sie sucht einsame Pfade und weinet und betet.

NORMA erhebt sich.

Geh’!

Klothilde geht ab nach rechts.

Die Kinder schlafen wieder ein.

NORMA.

Meinen Fehltritt will ich bekennen

Und dann, dann sterben!

Adalgisa kommt von rechts.

Dritter Auftritt.

Adalgisa, Norma zu ihrer Linken. Die Kinder auf der Lagerstätte hinten.

Nr. 9. Recitativ und Duett.

ADALGISA furchtsam, mit gesenktem Blick.

Du willst mich sprechen?

Sie erhebt den Blick und geht rasch einige Schritte auf Norma zu; erschrocken.

Tief gefurcht die Stirne, bleich dein Gesicht?

NORMA.

Blässe des Todes!

Du sollst nun meine Schande erfahren!

Nur eine letzte Bitte höre und erfülle sie,

Wenn du Erbarmen hast

Mit dem gräßlichen Schmerz,

Der mich durchwühlet!

ADALGISA.

Alles, alles geschehe!

NORMA.

Du schwörest?

ADALGISA.

Ich schwöre!

NORMA.

So höre! Ein Ziel zu setzen

Dem mir verhaßten qualvollen Leben

Bin ich entschlossen.

Adalgisa macht eine erschrockene Bewegung.

NORMA.

Diese Teuern will ich nicht mit mir nehmen.

Sei ihnen Mutter!

ADALGISA heftig erschrocken.

Halt ein! Ich ihnen Mutter?

NORMA.

In der Römer Lager

Bring’ sie dem Manne,

Den ich zu nennen scheue.

ADALGISA.

Ach, was verlangst du!

NORMA.

Wird er dein treuer Gatte,

Sei sterbend ihm verziehen.

ADALGISA schaut schmerzlich zu Norma auf.

Gatte? Ha, nimmer!

NORMA groß, erhaben.

Sei unsern Kindern nun Mutter! –

Duett.

NORMA.

Diese Zarten jetzt beschütze,

Sei ihr Stab, sei ihre Stütze.

Nicht begehr’ ich Rang’ und Größe,

Hüten mögen sie die Herden;

Nur bedecke ihre Blöße

Und laß sie nicht Sklaven werden!

Immer wirst du daran denken,

Daß ich ihnen Mutter ward.

Freiheit wirst du ihnen schenken,

Sklavenlos ist allzuhart!

ADALGISA.

Hohe Norma, du Starke, Weise,

Bleibe Mutter, sei Freundin mir;

Deine Kinder kann ich dir nicht rauben,

Deinen Auftrag nimmer vollziehn!

NORMA.

Deine Eide –

ADALGISA.

Will ich halten,

Dir zum Heile, dir zum Gedeihen!

In das Lager will ich fliegen,

Deinen hehren Sinn zu künden;

Ja, mein Flehn wird ihn besiegen,

Meinen Mund mit Kraft beseelen.

Hoffe! Mit der Einsicht Waffen

Werd’ ich bald zurück ihn führen;

Hart ist nicht sein Herz geschaffen,

Norma herrschet noch darin.

NORMA.

Ich ihn bitten? Kannst du das glauben? Ich ihn?

ADALGISA.

Norma! O hör’ mich!

NORMA.

Ich darf nicht hören!

Mit der ausgestreckten Rechten.

Eile – fort!

ADALGISA.

Ach, nein, ich kann nicht! Ach, nein! –

Sie ergreift die ausgestreckte Rechte Normas.

Sieh’, o Norma, ach, hab’ Erbarmen,

Diese Pfänder verschmähter Liebe!

Habe Mitleid mit diesen Armen,

Eh’ du grausam, ja, grausam dich zerstörst!

NORMA ihre Hand von Adalgisa losmachend.

Ach, warum willst du mein Herz bewegen?

Neue Hoffnung soll ihm entkeimen?

Siehst doch, wie mit solchen Träumen

Du den stolzen Sinn verkehrst!

ADALGISA zeigt auf die Kinder.

Sieh’ die teuren Pfänder deiner Liebe,

O hab’ Erbarmen, ach!

Sieh’, o Norma, o hab’ Erbarmen!

Diese Pfänder der verschmähten Liebe,

Habe Mitleid mit diesen Armen,

Ehe du grausam dich zerstörest,

Dich grausam, dich selber zerstörst,

Dich selbst zerstörst!

NORMA.

Ach, warum, ach, warum willst du mein Herz,

Dieses Herz, ach! ach, warum denn mein Herz bewegen?

Ja, du willst nur mein Herz bewegen,

Neue Hoffnung soll ihm entkeimen!

Siehst du, wie mit solchen Träumen

Den Sinn mir, den Sinn mir verkehrst,

In mir verkehrst!

ADALGISA schließt die Mittelvorhänge und geht auf Norma zu.

Höre mein Flehen!

NORMA im Innersten bewegt, schwankend, hoffend.

Verlasse mich! Er liebt dich!

ADALGISA.

Er wird bereuen.

NORMA.

Und du?

ADALGISA.

Ich liebt’ ihn, nun kann

Ich ihm nur Mitleid weihen.

NORMA groß, bedeutend.

Du reine Seele! Du wolltest?

ADALGISA entsagend, feierlich.

Heiligen deine Rechte, oder mit dir

Auf ewig mich bergen in Waldes Nacht.

NORMA von Adalgisas Opfer aufs höchste ergriffen.

Ja, du siegest! umarme mich!

Gerührt, weich, mit Kuß und Umarmung.

Tugend, es siegt deine Macht!

Adalgisas Kopf in ihren beiden Händen haltend.

ADALGISA,NORMA.

Ja, bis zur letzten Lebensstunde

Bleib’ ich dir Freundin und treue Gefährte.

Ach, für zwei Herzen im engen Seelenbunde

Ist groß genug noch die weite Erde.

Sich umschlungen haltend.

Stürzt auch die Welt zusammen,

Steht der Altar in Flammen,

Halten zwei Schwesterherzen

Einander treu bewacht!

Verwandlung.

Nr. 10. Chor und Arie.

Der Vorhang hebt sich nach dem neunzehnten Takte.

Kurze Waldgegend.

Es ist früh am Morgen.

Vierter Auftritt.

Anführer und gallische Krieger mit Schilden, Lanzen, Keulen und Beilen bewaffnet.

Die Ersten kommen erregt von rechts vorn.

DIE ERSTEN.

Noch nicht fort?

DIE ZWEITEN.

Er ist im Lager, im Lager!

Nichts gewisser!

Die rauhen Klänge

Der Schlachtgesänge

Schallen laut empor!

Gebietrisch stehen

Adler noch am Lagerthor.

BEIDE in feurigem Unmute.

Ein kurzes Zaudern

Bringet unsern Plan zur Reife.

Wartet noch, wartet noch!

Ein kurzes Zaudern

Bringet unsern Plan zur Reife.

Ob sich Not und Elend häufe,

Gläubig blickt zu Gott empor!

In trotziger Ruhe.

Haltet still und keiner greife

Nun dem Rat der Götter vor!

Orovist kommt von links hinten.

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen. Orovist.

OROVIST die Mitte nehmend.

Ihr Tapfern! Wohl durft’ ich hoffen,

Dem raschen Mut ein nahes Ziel zu zeigen;

Gern hätt’ ich euch befohlen,

Der Römer Stolz zu beugen.

Alle mit den Waffen in freudiger Bewegung.

OROVIST.

Doch – bezähmt euern Zorn!

Die Götter schweigen.

CHOR.

Schrecklich! soll in den Wäldern

Der verhaßte Prokonsul länger hausen?

Er ward nach Rom berufen!

OROVIST.

Er kehrt zurück zur Tiber,

Doch einen wildern Krieger

Gedenkt uns Rom zu senden.

CHOR.

Und Norma weiß? Und Frieden

Verkündet noch ihr Mund?

OROVIST.

Es war vergebens,

Zur Rach’ sie anzueifern.

CHOR.

Und was befiehlst du?

OROVIST.

Dem Schicksal die Stirn zu beugen,

Uns zu trennen und vorsichtig noch

Zu bergen unser Unternehmen.

CHOR trotzig, wild.

Warum Verstellung?

OROVIST.

Sie nur allein führt zum Ziele! –

Fluch den Römern! ihr Joch zu brechen,

Zucket krampfhaft diese Rechte!

Doch die Gottheit will nicht Gefechte,

Nur Verstellung rät sie an!

CHOR.

So laßt uns schweigen und schweigend harren,

Bis der Rache Stunden schlagen!

OROVIST.

Glaubt der Feind an unsre Schwächen,

Wird er sorglos sich entscharen:

Kommt die Stunde, soll er erfahren,

Daß der Gallier kämpfen kann!

CHOR.

Wehe Rom, wenn unsre Waffen

Stürmend seinen Adlern nahn!

Heuchelt denn, wenn heucheln nützet,

Wallt das Blut auch zornerhitzet!

Wehe Rom, wenn unsre Waffen

Stürmend seinen Adlern nahn!

Doch Verstellung rät sie an!

OROVIST.

Nur Verstellung rät sie an!

Kommt die Stund’, soll er erfahren,

Daß der Gallier kämpfen kann.

Doch Verstellung rät sie an!

Gruppe.

Verwandlung.

Nr. 11. Scene.

Der Vorhang hebt sich nach dem zehnten Takte.

Der heilige Hain des heidnischen Gottes Irmin wie zu Anfang des ersten Aufzuges.

Es ist Tag.

Sechster Auftritt.

Norma allein, wie im ersten Aufzug mit dem Kranz.

NORMA ruhig, doch freudig verklärt.

Er kehrt zurück!

Ja, fest kann ich vertrauen auf Adalgisa!

Er wird den Fehl bereuen,

Um Verzeihung flehn, wieder mein sein.

Ach! die süße Ahnung

Verscheucht die dunklen Wolken,

Die meine Stirn bedeckten!

Mit erhobenen Armen.

Es scheint die Sonne, wie in den Tagen

Unsrer jungen Liebe.

Klothilde kommt eilig von links.

Siebenter Auftritt.

Norma, Klothilde zu ihrer Linken. Dann nahe Stimmen.

NORMA tritt ihr erwartungsvoll entgegen.

Klothilde!

KLOTHILDE.

O Norma! Jetzt handle rasch!

NORMA.

Was sagst du?

KLOTHILDE.

Treulos!

NORMA.

Erzähle, berichte!

KLOTHILDE.

Umsonst flehte Adalgisa und weinte.

NORMA wendet sich von Klothilde ab nach vorn.

Ihr konnt’ ich trauen,

Ihr, meiner Feindin?

Sie log, die Falsche! bestürmte

Mein Herz mit Thränen!

Sie ist hingegangen, neu ihn zu fesseln!

KLOTHILDE.

Sie kehrt zurück zum Tempel,

Trauernd, beklommen,

Bereit, das Gelübde abzulegen.

NORMA ohne Klothilde anzusehen.

Und er?

KLOTHILDE.

Er schwur, vom Altar der Götter

Sich seine Braut zu rauben.

Norma giebt Klothilde ein Zeichen.

Klothilde entfernt sich nach rechts hinter dem Druidenstein.

NORMA.

Voll ist die Sündenschale

Und erwacht ist die Rache!

Ja, Blut soll fließen, römisches Blut,

Stromweis will ich’s vergießen!

Sie geht nach rechts hinauf zur heiligen Eiche, ergreift das dort hängende Schwert und schlägt dreimal damit auf den Schild.

Drommeten links in der Nähe.

CHOR links und rechts in der Nähe.

Schallt das Erz unsrer Gottheit?

Priesterinnen kommen mit Mantel, Schleier und Kranz von rechts hinter dem Druidenstein.

Orovist, Priester, vier Tempelwächter, zwei Barden, gallische Anführer und Krieger mit Schilden,

Lanzen, Keulen und Beilen bewaffnet, kommen von links, teils über den Felsenablauf.

Achter Auftritt.

Tempelwächter. Norma. Barden. Priesterinnen. Priester. Orovist. Krieger.

CHOR.

Norma, was soll’s?

Erklungen der Schild von Gott Irmin?

Wirst du der Erde Götterspruch künden?

NORMA hält das Schwert hoch.

Kämpfe! – Schlachten! – Vertilgung!

CHOR.

Doch hat erst heute dein prophet’scher Mund

Frieden geboten!

NORMA.

Die Götter zürnen und eure Feinde fallen!

Laßt Schlachtenruf erschallen,

Ihr starken Krieger! Kämpfet, kämpfet!

Nr. 12. Schlachtgesang.

CHOR begeistert gegen Norma.

Kämpfe! Kämpfe! die gallischen Eichen

Sind nicht stärker als Galliens Mann!

Wie das hungernde Raubtier die Herden,

Fallt die römischen Phalangen an.

Schlachtgemetzel! Vernichtung und Rache!

Falle Wucht und der Sturmbock erkrache!

Wie die Mistel der Sichel erlieget,

Sei der Römer durch Schwerter besieget!

Stürzt die Adler, beschneidet die Schwingen,

Tötet alles, was Waffen noch trägt!

Laßt ins Lager der Römer uns dringen,

Wo das Herz unsres Todfeindes schlägt.

Die Barden spielen die Harfe.

Die Krieger knieen nieder, erheben die Waffen, daß sie gesegnet werden.

Die Priester und Priesterinnen segnen die Waffen mit erhobenen Händen.

Norma auch segnet, das Schwert in der Linken vor sich hinhaltend, mit ihrer Rechten.

CHOR.

Auf, ihr kräftigen Söhne der Wälder!

Lasset den Boden mit Blut uns befeuchten,

In höchster Aufregung.

Daß die Strahlen der Sonne beleuchten

Roms Verderben und Galliens Sieg!

Die Krieger erheben sich und schlagen die Waffen aneinander.

Die vier Tempelwächter entfernen sich unauffällig nach rechts hinter dem Druidenstein.

Nr. 13. Recitativ und Duett.

OROVIST.

Du willst den Göttern opfern?

Noch gewahr’ ich kein Opfer.

NORMA.

Es wird sich stellen!

Es hat noch dem Altare

Ein Opfer nie gefehlt.

Lärmen rechts entfernt.

Doch welch Getümmel?

Klothilde kommt eilig von rechts hinter dem Druidenstein.

Neunter Auftritt.

Die Vorigen. Klothilde nimmt die Mitte und steht dann zurück.

KLOTHILDE.

Der Tempel ward geschändet

Durch einen Römer. In geweihter Halle,

Wo die Jungfrauen beten, ward er ergriffen.

Große Bewegung.

OROVIST UND CHOR.

Ha, ein Römer!

NORMA beiseite.

Was hör’ ich? Wenn er es wäre!

OROVIST UND CHOR nach rechts hinten sehend.

Der Frevler nahet!

Die vier Tempelwächter führen den entwaffneten Sever von rechts hinter dem Druidenstein herbei.

Zehnter Auftritt.

Die Vorigen. Sever Orovist zur Rechten. Die Tempelwächter.

NORMA beiseite.

Er ist es!

OROVIST UND CHOR.

Ha, Sever!

Norma giebt ein Zeichen.

Die Tempelwächter lassen Sever los und treten auf ihre vorige Stelle.

NORMA beiseite.

Süß ist der Rache Stunde!

Sie tritt über die Stufen herunter.

OROVIST.

Du Lästrer unsrer Götter,

Aus welchem Grund entweihtest du

Der frommen Jungfraun Zellen,

Betratest Gott Irmins Gebiet?

SEVER.

Durchbohrt mich, doch stellet keine Fragen!

NORMA.

Ich will ihn töten! Entfernet euch!

Sie tritt zwischen Sever und Orovist.

SEVER.

Wen seh’ ich? Norma!?

NORMA.

Ja, Norma!

OROVIST ergreift das Schwert eines Kriegers und reicht es Norma.

Das Heldenschwert ergreife,

Räche die Götter!

NORMA nimmt das Schwert.

Wohlan, es sei!

Sie erhebt es, um Sever zu durchbohren, hält inne.

OROVIST UND CHOR.

Du zögerst?

NORMA beiseite.

Ach, ich vermag’s nicht!

OROVIST UND CHOR.

Du wankst? – Darfst du noch zaudern?

NORMA beiseite.

Er flößt mir Mitleid ein.

OROVIST UND CHOR.

Durchstoß’ ihn!

NORMA unsicher und wankend.

Erst muß ich ihn befragen,

Ob er allein der Schuld’ge, ob jene Jungfrau

Nicht im geheimen Bunde stand mit dem Verführer;

Ich muß ihn sprechen ganz ohne Zeugen.

Sie giebt das Schwert an Orovist zurück.

OROVIST UND CHOR.

Welch Geheimnis?

SEVER für sich.

Ich bebe!

Die Priesterinnen, Klothilde, Orovist, Tempelwächter, Priester, Barden, Krieger gehen ab, woher sie kamen.

Elfter Auftritt.

Sever, Norma zu seiner Linken.

Duett.

NORMA schwer atmend.

Nun bist du in meinen Händen,

Niemand kann dich mehr erretten,

Ich vermag es.

SEVER.

Doch du darfst nicht!

NORMA.

Ja, ich will es!

SEVER.

Du, Norma?

NORMA.

Höre!

Schwöre mir bei unsern Söhnen

Und bei Phöbus Sonnenwagen,

Adalgisa zu entsagen, und mit ihr

Zum Altare nicht zu treten;

Und ich löse dann deine Ketten,

Sah heute dich, sah dich jetzt zum letztenmal!

Schwöre!

SEVER.

Nein! Ich bin nicht feige!

NORMA drängend.

Schwöre! Schwöre!

SEVER entschlossen.

Gieb mir den Tod!

NORMA.

Hoffest du,

Daß mir genüge nur dein Leben?

SEVER.

Es ist verfallen!

NORMA nahe an ihn herantretend.

Schon gezückt

Aufs Herz der Kinder war das Eisen!

SEVER aufschreiend.

Ha, unerhört!

NORMA schmerzlich weinend.

Schlummernd wollt’ ich sie ermorden!

Treulos ist mein Mut geworden,

Ich verschonte die Kinder; doch heute

Sind sie meine sichre Beute.

Zögre ferner, und ich vergesse,

Daß ich Gattin und Mutter bin.

SEVER außer sich.

Ha! Megäre, den Stahl entblöße!

Nimm mein Leben, o nimm es hin!

Kein Erbarmen!

NORMA.

Nur dich?

SEVER.

O daß ich allein als Opfer falle!

NORMA.

Meinst du? – Alle!

Tausend nicht von Römerleichen

Können meinen Grimm erweichen.

Adalgisa –

SEVER leidenschaftlich empört.

Auch sie?

NORMA.

Sie vergaß ihr Gelübde!

SEVER.

Willst du sie töten?

NORMA.

Büßen soll sie ihr Verbrechen,

Sterben heut’ den Flammentod!

SEVER flehend.

Strafe mich, den Missethäter,

Wende ab, was sie bedroht.

NORMA.

Sinkt dein Hochmut?

Zu spät nun. Verräter!

Durch das Wort, das jene richtet,

Wirst auch du, dein Glück vernichtet.

An dem Schmerz will ich mich weiden,

Lächeln bei dem Todesstöhnen;

Rächen mich, und euch verhöhnen

Kann ich jetzt, und will es auch!

Mit unterdrückter Stimme.

Kann mich rächen und euch verhöhnen;

Ja, bebet beide, ich will es auch!

SEVER.

Laß mich mein Verbrechen büßen!

Er kniet vor ihr.

Sieh’ mich hier zu deinen Füßen!

Richte mich mit strenger Wage,

Aber schone ihrer Tage.

Norma in vor Eifersucht rasender Bewegung.

SEVER.

Magst du mich allein verderben,

Segen sei mein letzter Hauch!

NORMA.

Durch das Wort, das jene richtet –

SEVER.

Laß mich mein Verbrechen büßen!

NORMA.

Wirst nun auch du –

SEVER.

Willst du nicht?

NORMA.

Dein Glück vernichtet!

SEVER.

Richte mich mit strenger Wage,

Aber schone ihrer Tage.

NORMA.

An dem Schmerz will ich mich weiden,

Lächeln bei dem Todesstöhnen,

Rächen mich und euch verhöhnen

Kann ich jetzt und will es auch.

SEVER.

Ungerechte!

NORMA.

Rache ist so süß!

SEVER.

Magst du mich allein verderben,

Segen sei mein letzter Hauch!

Er steht auf.

NORMA.

Rächen kann ich mich an beiden,

Und will es auch!

Ich kann und will und will es auch!

Nr. 14. Recitativ und Schlußarie.

SEVER.

Gieb mir das Eisen!

NORMA.

Du wagst es? Fort von mir!

SEVER stürzt nach rechts auf die Eiche zu, um das Schwert zu ergreifen.

Das Eisen! Das Eisen!

NORMA vertritt ihm den Weg und eilt hinauf.

Herbei, ihr Wächter!

Tempelpriester, erscheinet!

Sie ergreift das Schwert und schlägt dreimal auf den Schild.

Priesterinnen kommen zurück mit Mantel, Schleier und Kranz von rechts hinter dem Druidenstein.

Orovist, Priester, Tempelwächter, zwei Barden, gallische Anführer und Krieger mit Schilden, Lanzen, Keulen und Beilen bewaffnet, ebenso von links, teils über den Felsenablauf.

Zwölfter Auftritt.

Die Vorigen. Barden. Tempelwächter. Priesterinnen. Orovist. Priester. Krieger.

Norma schreitet herunter und in die Mitte.

Alle stehen erwartungsvoll.

NORMA.

Ein neues Opfer

Liefre ich eurem Grimme!

Eine Verruchte vom Priesterstande

Schloß schnöde Liebesbande,

Verriet die Götter,

Ward treulos ihrem Lande!

OROVIST UND CHOR.

Welch Verbrechen, welche Schmach!

Entdecke alles!

NORMA.

Ihr mögt den Holzstoß rüsten.

Vier Priester entfernen sich nach links hinten.

SEVER zu Norma.

Laß dich erweichen, töte sie nicht!

OROVIST UND CHOR.

Den Namen!

NORMA.

Vernehmt ihn! –

Sie zittert heftig; für sich.

Ich Thörin, darf ich eigne Schuld

An andern rächen?

CHOR.

Norma, den Namen!

SEVER zu Norma.

O nenn’ ihn nicht!

NORMA nach einem langen Blick auf Sever.

Ich selber!

Allgemeine größte Betroffenheit.

Alle stehen bewegungslos.

CHOR.

Du? – Norma?

NORMA.

Ich selber – entflammt den Holzstoß!

CHOR.

Mich fasset Grauen!

SEVER für sich.

Es bricht mein Herz.

CHOR.

Du uns betrügen?

Norma und Sever stehen ganz frei.

SEVER.

Ihr müßt nicht glauben –

NORMA.

Kann Norma lügen?

OROVIST UND CHOR in tiefster Trauer.

O welcher Schmerz!

NORMA zu Sever wie geflüstert.

In dieser Stunde sollst du erkennen,

Was für ein Herz du dein konntest nennen.

Du wolltest fliehen – du bist bezwungen,

Treuloser Römer, du bleibest hier!

Des Schicksals Stimme, der Götter Gnade.

Hat uns vereinigt am Todespfade;

Am Holzstoß hier nur in Flammenzungen

Hat deine Norma ein Grab mit dir.

SEVER zu Norma.

Da ich verloren, was ich besessen,

Kann deine Größe ich erst ermessen,

Und mit der Reue ist meine Liebe

Mit neuer Stärke zurückgekehrt.

NORMA.

Das Herz, das du gebrochen,

Der Liebe war es doch wert!

SEVER.

Ja, laß uns sterben so fest verschlungen –

Er umfaßt sie.

NORMA.

O grause Stunde!

SEVER.

Mein letzter Seufzer soll dir gehören,

Doch laß im Scheiden die Worte hören,

Daß der Verzeihung ich dennoch wert!

OROVIST UND CHOR.

O widerrufe die harten Worte,

Die unwillkürlich dem Mund entflogen!

Sag’, daß du rasest, daß du gelogen,

Daß nur im Wahnsinn die Lippe sprach.

Rein ist der Himmel, die Götter schweigen,

Und ruhig säuseln die alten Eichen.

O widerrufe, um wegzunehmen

Von dir die Strafe, von uns die Schmach,

Von uns die Schmach!

NORMA zu den Priestern.

Ich bin die Schuld’ge!

Zu Sever.

Du sollst erkennen,

Welch Herz du dein konntest nennen. –

Du sollst erkennen,

Welch Herz du dein konntest nennen!

Dahin! – Auf immer! – Dahin, dahin!

SEVER zu Norma.

Du wirst verzeihen! Nun laß uns sterben,

Einander wert. Du bist verloren,

Du bist verloren, erhabnes Wesen,

Verzeihe, verzeihe! Du bist verloren,

Erhabnes Wesen, dahin, dahin!

Zwei Priester kommen mit einem großen schwarzen Schleier von links hinten zurück und nehmen hinter Sever und Norma Aufstellung.

CHOR.

Norma! Ach, widerrufe! – Schweigst du? – Verstummt die Zunge?

NORMA leise zu Sever.

Himmel, meine Kinder!

SEVER leise.

Ach, elternlos! Verlassen!

NORMA ebenso.

Weh, unsre Kinder!

SEVER leise.

Sind Waisen!

CHOR.

Bist du die Schuld’ge, rede!

NORMA.

Ja!

Sie nähert sich plötzlich, von einem Gedanken ergriffen, Orovist.

Sever beobachtet beide mit gespannter

Aufmerksamkeit.

NORMA.

Doppelt ist mein Verbrechen!

CHOR.

Schrecklich!

NORMA zu Orovist.

O hör’ mich!

OROVIST.

Schändliche!

NORMA.

Vater, hör’ mich!

OROVIST.

O welcher Schmerz!

NORMA leise zu ihm.

Ich bin Mutter!

OROVIST entsetzt.

Mutter?

NORMA leise.

Verborgen hat Klothilde die teuern Pfänder;

Sei ihnen Vater, beschütze sie,

Ergreife mit ihnen die Flucht!

OROVIST leise.

Deine Kinder? Fort, lasse mich!

NORMA ebenso.

O Vater, es fleht dein Kind!

Sie fällt auf die Kniee.

SEVER UND CHOR.

Ha, welcher Schmerz!

NORMA immer leise zu Orovist.

Soll für der Mutter Frevelthat

Kindliche Unschuld büßen?

Kelche, die sich erschließen,

Früchte der bösen Saat?

Blut sind sie deines Blutes.

Kannst du sie wohl verstoßen?

O Vater, sei gnädig doch,

Erbarme dich!

Orovist weint.

SEVER für sich.

Er ist gerührt, es tritt ins Aug’

Ihm schon der Schmerz.

Mein Wunsch ist erfüllet

Und froh besteig’ ich nun das Gerüst!

Ja, mein Wunsch ist erfüllt,

Da er verzeiht,

Mein Wunsch erfüllet

Und froh besteig’ ich nun das Gerüst!

NORMA leise.

Vater, du weinst und verzeihest,

Du hast verziehen, das sagt die Thräne,

Mein Schmerz gestillet, mein Wunsch erfüllet

Und froh besteig’ ich nun das Gerüst!

Sie steht auf und umarmt Orovist.

OROVIST drückt sie bewegt und zärtlich ans Herz; leise.

Das Herz des Vaters hast du gerührt,

Es tritt ins Auge schon der Schmerz.

Tochter, ach, o bestieg’ ich

Selbst das Blutgerüst!

Mein Herz ist gebrochen!

Kann das dich trösten:

Dir sei verziehn, Tochter!

Ach, o bestieg ich selbst das Blutgerüst!

CHOR.

Weine, bete, o Druide,

Nimmer lächelt dir der Friede!

Nehmt den Schmuck aus ihrem Haar,

Dann zur Bahre, wo ihr sie

Als Opfer grüßt.

Die beiden Priester bedecken Norma mit dem schwarzen Schleier.

CHOR.

Zum Schafotte! Zum Flammentode!

Hebt die Fackeln! Macht rein die Lüfte!

Steig’, Verruchte, steig’, Verfluchte in das Grab!

OROVIST.

Geh’, du Arme!

NORMA sinkt unter dem Schleier zusammen.

Ach, ich scheide!

SEVER auf die Kniee stürzend.

Eine Flamm’ verzehrt uns beide!

NORMA.

Vater, ich scheide!

SEVER.

Unsere Liebe, sie reicht noch übers Grab!

OROVIST.

Du scheidest! Ach, es reicht

Des Vaters Liebe übers Grab!

Die beiden Priester wenden sich mit Sever und Norma nach hinten.

Vincenzo Bellini – I Puritani

Vincenzo Bellini

I Puritani

Opera seria in tre atti

Personaggi

Lord Gualtiero Valton

Sir Giorgio, suo Fratello

Lord Arturo Talbot

Sir Riccardo Forth

Sir Bruno Roberton

Enriehetta

Elvira, figlia di Lord Valton

Soldati di Cromvello

Dame

Paggi

Castellani e Castellane

Atto Primo.

Spazioso Terrapieno nella Fortezza.

Scena I.

Bruno e Soldati. Sentinelle.

SENTINELLA I.

All’ erta.

SENTINELLA II.

All’ erta.

TUTTE.

L’ alba apparì.

SENTINELLA I.

La tromba …

SENTINELLA II.

Rimbomba …

TUTTE.

Nuncia del dì.

CORO.

Quando la tromba squilla

Ratto il guerrier si desta:

L’ arme tremende appresta,

Alla vittoria va!

Pari del serro al lampo,

Se l’ ira in cor sfavilla,

Degli Stuardi il campo

In cenere anderà.

BRUNO.

O di Cromvel guerrieri,

Pieghiam la mente e il cor:

Ai mattutini cantici

Sacri al Divin Fattor.

CORO.

La Luna, il sol, le stelle,

Le tenebre e il fulgor,

Dan Gloria al Creator

In lor favelle.

La terra e i firmamenti

Esaltano il Signor.

A lui dian laudi e onor

Tutte le genti!

SOLDATO I.

Udisti?

SOLDATO II.

Udii …

TUTTI.

Fini!

BRUNO.

Al Re che fece il di

L’inno do’ puri cor!

Sali su i venti!

Scena II.

Coro di Castellani e Castellane.

I.

A festa.

II.

A festa.

TUTTI.

A festa.

Almo gioir s’ appresta;

A tutti rida il cor …

Cantate un casto amor.

CORO.

Garzon, che mira Elvira,

La bella Verginella,

L’appella la sua Stella,

Regina dell’ amor.

Quel occhie suo, quel viso

Nel labro suo quel riso

È rosa in sullo stel,

È un Genio che sta in Ciel.

I.

A festa.

II.

A festa.

TUTTI.

A festa.

Almo gioir s’appresta.

A tutti ride il cor.

Se a nozze invita amor.

Tutti partono.

Scena III.

Riccardo, e Bruno.

RICCARDO.

Or dove fuggo io mai? … Dove mai celo

Gli orrendi affanni miei? Come quei canti

Rispondono al mio cor funerei pianti!

O Elvira, o Elvira, o mio sospir söave,

Per scmpre io ti perdei’ ..!

Senza speme, ed amor … in questa vita

Or che rimane a me?

BRUNO.

La gloria e il Cielo

RICCARDO.

Qual voce? … che dicesti? … È vero, è vero!

BRUNO.

Apr’ il tuo core intero

All! amistà, n’avrai conforto …

RICCARDO.

È vano.

Ah! per sempre io ti perdei,

Fior d’amore, o mia speranza.

Ah! la vita ehe m’ avanza

Sarà vita di dolor …

Sarà esempio di terror! …

Quando errai per anni ed anni

Al poter della ventura,

Io sfidai sciagura e affanni

Nella speme del tuo amor.

Ah! qual sogno ingannator!

Breve marcia i Soldati trapasasno la scena.

BRUNO.

S’ apellan le schiere

A lor condottier.

RICCARDO.

Di gloria il sentiere

M’ è chiuso al pensier.

BRUNO.

Al grido d’ onore.

Non arde il tuo cor? …

RICCARDO.

Io ardo, e il mio ardore

È amore, è furor.

BRUNO.

Deh! poni in obblio

L’ età che fioriva

Ne’ sogni d’ amor.

RICCARDO.

Bel sogno bëato,

D’ amore e rontento,

O cangia il mio fato,

O cangia il mio cor.

Oh! come è tormento

Nel di del dolor

La dolce memoria

D’ an tenere amor.

Partono.

Scena IV.

Stanze d’ Elvira.

Elvira, e Sir Giorgio.

ELVIRA.

O amato zio, e mio secondo padre!

GIORGIO.

Perchè mesta così? m’ abbraccia, Elvira!

ELVIRA.

Deh! chiamami tua figlia!

GIORGIO.

O figlia, o nome

Che la vecchiezza mia consola e alletta,

Pel dolce tempo che ti veglio accanto

E pel söave pianto

Che in questo giorno d’ allegrezza pieno

Piove dal ciglio ad inondarmi il seno …

O figlia mia diletta,

Oggi sposa sarai …!

ELVIRA.

Sposa? No: mai!

Sai com’ arde in petto mio

Bella fiamma rilucente;

Sai ch’ è puro il mio desio,

Che innocente è questo cor.

Se tremante … all’ ara innante

Strascinata – un di sarò …

Forsennata – in quell’ istante

Di dolore io morirò …

GIORGIO.

Scaccia omai pensier si nero.

ELVIRA.

Morir sì … sposa, no, mai!

GIORGIO.

Che dirai se il Cavaliero

Qui vedrai, se tuo sarà?

ELVIRA.

Ciel! repeti, chi verrà?

GIORGIO.

Egli stesso …

ELVIRA.

Egli… Chi…

GIORGIO.

Arturo.

ELVIRA.

E fia vero?

GIORGIO.

Oh figlia … il giuro!

ELVIRA.

Desso!… Arturo? oh gioja’ Arturo?

GIORGIO E ELVIRA.

Non è sogno … Oh Arturo! / Oh Elvira! … oh amor!

GIORGIO.

Piangi, o figlia, nel mio seno:

Piangi, ah! piangi di contento.

Ti cancelli ogni tormento

Questa lagrima d’ amor.

E tu mira, o Dio pietoso,

L’ innocenza in uman velo:

Benedici tu dal Cielo

Questo giglio di candor.

ELVIRA.

Quest’ alma, al duolo avvezza,

Sì vinta è dal gioir,

Che ormai non può capir

Sì gran dolcezza.

Chi mosse a’ miei desir’

Il genitor?

GIORGIO.

Ascolta.

Surgea la notte solta,

Tacea la Terra e il Ciel,

Parea Natura avvolta

D’ un fosco e mesto vel.

L’ ora propizia ai miseri

Il ino pregar, tue lagrime,

M’ avvaloràr sì l’ anima

Ch’ io corsi al genitor.

ELVIRA.

O mio consolator.

GIORGIO.

Incominclai: »Germano,«

Nè più potei parlar;

Allor bagnai sua mano

D’un muto lagrimar.

Poi ripigliai tra i gemiti:

»L’ angelica tua Elvira

Al prode Artur sospira:

Se ed altre nozze andrà…

La misera morrà!«

ELVIRA.

Oh! spirto di pietà.

Sceso dal Ciel per me.

E il padre?

GIORGIO.

Ognor tacea…

ELVIRA.

Poscia?

GIORGIO.

Scalmò: »Riccardo

Chiese, e ottenea mia fe, …

Ella mia figlia avrà!«

ELVIRA.

Ciel! solo a udirti io palpito!…

E tu?

GIORGIO.

»La figlia misera«

Io ripetea, »morrà.«

»Ah, viva« ei mi dice,

E stringemi al sen.

Sia Elvira felice,

Sia lieta d’ amor.

ELVIRA.

Odi… Oh Ciel! qual suon si desta?

GIORGIO.

Ascoltiam, ti rassicura.

E il segnal di gente d’ arme.

ARMIGERI.

Viene il prode e nobil Conte

Artur Talbo Cavalier!

GIORGIO.

Non te ‘l dissi?

ELVIRA.

Oh! padre mio!

GIORGIO.

Pago alfine è il tuo desio!

ARMIGERI.

Lord Arturo varchi il ponte.

Fate campo al pro’ guerrier.

GIORGIO.

A quel suono, al nomo amato,

Al tuo core or presta fede:

Questo giorno avventurato

D’ ogni gioja è bel sorier …!

ELVIRA.

A quel nome, al mio contento,

Al mio core io credo appena.

Tanta gioja, oh Dio! pavento,

Non ho lena a sostener!

Partono.

CORO.

Ad Artur, de’ Cavalier’

Bel campione in giostra e amor,

Le donzelle ed i guerrier’,

Fanno festa e fanno onor.

Partono.

Scena V.

Sala d’ Arme.

Lord Arturo con alcuni Scudieri e Paggi, Elvira, Valton, Sir Giorgio, Damigelle con Castellani e Castellane, Bruno e Soldati.

UOMINI.

Ad Arturo!

DONNE.

A Elvira!

TUTTI.

Onor.

Coroniam beltà e valor!

DAMIGELLE.

Ella è sior di vergineile,

Bella al par di primavera:

Come l’ astro della sera

Spira all’ alma pace e amor.

SCUDIERI.

Bello egli è tra’ Cavalieri,

Com’ è il cedro alla toresta:

In battaglia egli è tempesta,

È campione in giostra e amor.

ARTURO.

A te, o cara, amor talora

Mi guidò furtivo, e in pianto;

Or mi guida a te d’ accanto

Tra le feste e l’ esultar

Al brillar di si bell’ ora,

Se rammento il duol passato,

Vo in ebbrezza… e son bëato,

M’ è celeste il giubilar!

ELVIRA.

Oh mio Arturo!

ARTURO.

Oh Elvira mia!

ELVIRA.

Or son tua!

ARTURO.

Sì, mia tu sei!

TUTTI.

Cielo, arridi a’ voti miei,

Benedici e fede e amor.

Scena VI.

Detti, poi Enrichetta.

VULTON.

Si compia senza me l’ augusto rito.

Mercè di questo scritto

Voi sino al tempio aperto passo avrete.

Tu gli accompagnerai.

Oh nobil Dama,

L’ Alto Anglican sovrano Parlamento.

Ti chiama al suo cospetto: io ti son scorta.

ENRICHETTA.

(Ahimè ehe sento!) E che da me si chiede?

VALTON.

A me s’ addice

Obbedir e tacer. Altro non lice.

ARTURO.

E di Stuardi amica?

GIORGIO.

È prigioniera

Da molte lune, e fu da ognun creduta

Amica de’ Stuardi, e messaggera

In mentito abito e nome.

ARTURO.

(Oh dio! Che ascolto!

E deciso il suo fato: essa è perduto.

Oh sventurata!)

ENRICHETTA.

(Qual pietà in quel volto!)

VALTON.

Oh figli! al tempio alle pompose feste

Accorra ognun. La nuzïale veste

Va, o diletta, a indossar. Ite voi seco.

Fuori del vallo i miei destrier’ sin presti

Che in breve io quì sarò. La nostra andata

Ci è sorza d’ affrettar.-Com’ io vi unisca

E a voi sorrida il Cielo, o coppia amata

Scena VII.

Enrichetta ed Arturo.

ENRICHETTA.

(Pietà e dolore

Sta in fronte, e fanno sicurtà del core)

Cavalier!

ARTURO.

S’ or ti è d’ uopo di consiglio,

Di soccorso, e d’ alta, in me t’ affida!

ENRICHETTA.

Se mi stesse sul capo alto periglio?

ARTURO.

Deh! parla … oh Dio!… che temi?

ENRICHETTA.

Breve ora, e sarò spenta!… ah, tu ne fremi …

ARTURO.

Sì, fremo … io fremo

Per te, per me, pel padre mìo che spento

Cadea fido ai Stuardi! E tu chi sei?

Oh!… chi tu sii, ti vo’ salvar.

ENRICHETTA.

È tardi!

Figlia a Enrico, a Carlo sposa

Pari ad essi avrò la sorte …

ARTURO.

Oh!… Regina …

ENRICHETTA.

Attendo morte!

ARTUR.

Taci, ah! taci, per pietà!

Fuor le mura … a tutti ascosa

Ti trarrò per vie secure…

Tu n’ andrai di quì…

ENRICHETTA.

Alla scure…

Scampo e speme… o Artur non v’ha…

ARTURO.

No, Regina, ancor v’ è speme:

O te salva … o spenti ìnsieme

ENRICHETTA.

Cangia, o Arturo, il pio consiglio.

Pensa al tuo mortal periglio.

Pensa a Elvira, il tuo tosoro,

Che ti attende ai sacro altar!

ARTURO.

Non parlar di lei che adoro

Di valor non mi spogliar.

ENRICHETTA.

Sventurata prigioniera,

Il mio iato io seguirò:

Giunse a me l’ estrema sera.

Per te l’ alba incomineiò!

ARTURO.

Sarai salva, o sventurata,

O la morte incontrerò:

E una sorte fortunata

Nel morire invocherò.

Scena VIII.

Elvira, Giorgio, e detti.

ELVIRA.

Son vergin vezzosa-in vesta di sposa:

Son bianca ed amil-qual giglio d’ April:

Ho chiome odorose-cui cinser tue rose:

Ho il seno gentil-del tuo bel monil.

ENRICHETTA, ARTURO, GIORGIO.

Si miro il tuo candor,

Mi par la Luna alìor

Che tra le nubi appar

La notte a consolar.

Se ascolto il tuo cantar,

Tn Angelo mi par

Che intuoni al primo albor

Inni al supperno amor.

ELVIRA.

Dimmi, s’ è ver che m’ ami…

ENRICHETTA.

Dimmi, o gentil, che brami?

ELVIRA.

Qual mattutina stella

Bella vogl’ io brillar.

Del crin le molli annella

Mi giova ad aggraziar.

ENRICHETTA.

Elvira mia diletta,

Son presta al tuo pregar.

ARTURO, GIORGIO.

Fanciulla e semplicetta

Ognor desia scherzar.

Scusar a te s’ aspetta

Suo troppo vezzeggiar.

ELVIRA.

A illegiadrir mia prova,

Deh! non aver a vil:

Il velo in foggia nova

Sul capo tuo gentil.

ENRICHETTA.

Il vezzo m’ alletta:

Mi è caron a secondar.

ELVIRA.

O bella ti celo

Le anella del crin,

Com’ io nel hel velo

Mi voglio celar.

Ascosa, o vezzosa,

Nel velo divin

Or sembri la sposa

Che vassi all’ altar.

ENRICHETTA.

Ascosa in bianco vel

Or posso, oh Dio, celar

L’ affanno, il palpitar,

L’ angoscia del mio cor!

Deh! tu pietoso Ciel,

Raccogli con favr

La prece di dolor.

Ch’ osai a te levar!

ARTURO.

Oh! come da quel vel.

Che le nasconde il crin,

Veggio un splendor divin

Di speme a balenar.

Deh! tu, pietoso Ciel,

M’ avviva il tuo favor:

Mi fa da un reo furor

La vittima salvar!

GIORGIO.

Elvira, col suo vel

Un zeffiretto appar,

Un’ iride sul mar,

Un silfo in grembo al fior;

T’ arrida, o cara, il Ciel

Col roseo sua favor.

Tal ch’ io ti veggia ognor

Tra vezzi a giubilar!

TALTON, CORO.

Elvira, mia / deh! Elvira

Il dì l’ ore avanza!

ELVIRA.

Ah! il core mi sento.

Per gioja balzar

M’ attendi, che in breve

Vogliamo ballar.

ARTURO, GIORGIO, ENRICHETTA.

Se il padre s’ adira

Ah! riedi a tua stanza:

Sarà il tuo fedel

Che t’ erni del vel.

Elvira parte con Giorgio.

Scena IX.

Enrichetta ad Arturo.

ENRICHETTA.

Sulla virginea testa

D’ una felice un bianco vel s’ addice.

A me non già…

ARTURO.

T’ arresta!

E’ chiaro don del Ciel! cosi ravvolta

Deluderai la vigilante scorta…

Tu mi sposa parrai…

Vieni.

ENRICHETTA.

Che dici mai?

Tu corri a tua ruina, a orribil sorte!

ARTURO.

Vieni… ah vieni… t’ involo a certa morte.

Scena X.

Riccardo, e detti.

RICCARDO.

Ferma. Invan rapir pretendi

Ogni ben ch’ io aveva in terra:

Quì ti sfido a mortal guerra,

Trema… ah! trema del mio acciar!

ARTURO.

Spezzo, o audace, il tuo furore;

La mortal disfida accetto:

Questo ferro nel tuo petto

Sino all’ elsa io vo’ piuntar.

ENRICHETTA.

Pace… pace… ah! v’ arrestate.

Per me sangue non versate.

ARTURO.

Ah! che fai?

RICCARDO.

La prigioniera?

ENRICHETTA.

Dessa io son!

ARTURO.

Tua voce altéra

Or cel ferre sosterrai.

Vien…

RICCARDO.

Con lei tu illeso andrai…

ARTURO.

E fia ver?

ENRICHETTA.

(Qual savellar!)

RICCARDO.

Più non vieto a voi l’ andar.

ARTURO, ENRICHETTA.

Gente appressa… o Ciel, fuggiamo!

RICCARDO.

Si fuggite… il vuole il Cielo!

ARTURO.

Pria che siam oltre le mura

Parlerai?

RICCARDO.

No! t’ assicura.

ARTURO.

Tu le giura.

RICCARDO.

Il giuro.

ARTURO, RICCARDO, ENRICHETTA.

Addio!

Arturo ed Enrichetta partono.

Scena XI.

Riccardo, Valton, Bruno, Elvira con Damigelle, indi Soldati Puritani, Castellani e Castellane.

RICCARDO.

È’ già al poate-passa il forte

E’ alla porte – Già n’ andò.

CORO.

Al tempio, al tempio, a festa!

ELVIRA.

Dov’ è Arturo?

RICCARDO.

Dianzi fu quì…

ELVIRA.

Ovo sei, o Arthur?…

RICCARDO.

Partì!

ELVIRA, RICCARDO, GIORGIO.

Già fuor delle mora – Laggiù alla pianura.

CORO.

La tua prigioniera – La rea messaggera

Col vil Cavaliero. – Ciascun sa un destriero

Spronando… volando… – Mirate celà!

VALTON.

Soldati, accorrete, coi bronci tuonate,

All’ arme appellate, correte… volate,

Pel erin trascinate i due traditor’!

TUTTI.

All’ arme!

VALTON.

T’ affretta.

TUTTI.

All’ arme!

CORO.

Vendetta!

ELVIRA.

La dama d’ Arturo è a bianco velata

La guarda e sospira sua sposa la chiama:

Elvira è la Dama? Non sono più Elvira!

CIORGIO, CORO.

Elvira? chi dici?

ELVIRA.

Io Elvira? ah! no… no!

CORO.

La misera è pallida…

E’ immobile e squallida…

Le luci non gira…

Sorride, sospira…

Demente si fa… Oh Cieli… pietà.

ELVIRA.

Arturo, ah! già ritorni? Dunque sei fid ancor?

Ah! vieni al tempio – fedele Arturo,

Eterna fede – mio ben ti giuro!

Com’ oggi è puro – sempre avrò il core.

Vivrò d’ amore – morrò d’ amor.

CORO.

Si crede all’ ara.. Giura ad Arture…

Ella sì tenera… Ei sì spergiuro…

Ella sì candida… Ei traditor…

Misera vergine – morrà d’ amor.

GIORGIO, RICCARDO, CORO.

Oh! come ho l’ anima – trista e dolente

Udendo i gemiti – dell’ innocente.

Oh! come perfido – il traditore

Che in tanti spasimi – Iasciò quel cor!

ELVIRA.

Ti veggo… già fuggi? O ingrato, abbandoni

Chi tanto t’amò!… Arturo.. oh Dio!.. no…

CORO.

Ahi! dura sciagura – ahi lutto e dolor!

Si bella, si pura – del ciel creatura:

Nel dì bel delitto – schernita, tradita!

Andrà maledetto – il vil traditor.

ELVIRA.

Qual febbre vorace – m’ uccide: mi oface,

Qual fiamma, qual’ ira m’avampa e martira!

Fantasmi perversi – fuggite dispersi!…

O in tanto furor – sbranatami il cor.

CORO.

Non casa, non spiaggia raccolga i fuggenti!

In odio del Ciel, in odio ai viventi;

Battuti dal venti – da orrende tempeste,

Non trovin lor teste – un luogo a posar,

Erranti piangenti – in orrida guerra

Col Cielo! la Terra – il mar, gli elementi

Da tutti fuggiti, schivati, rejetti,

Negli arsi lor petti – sia vita il penar.

Atto Secondo.

Stanza come nell’ Atto primo.

Scena I.

Castellani e Castellane, Puritani, Bruno e Giorgio; poi Riccardo.

CORO.

Qual novella?

GIORGIO.

Or prende posa.

CORO.

Sventurata!… E’ ognor dolente?

GIORGIO.

Mesta, e lieta…

CORO.

E’ senza tregua.

GIORGIO.

Splende Il senno… or si dilegna

Alla misera innocente,

TUTTI.

Come mai?

GIORGIO.

Dir lo poss’ io?

Se nel duol che m’ ange il seno

Ogni voce trema e muor!

CORO.

Deh! favella…

GIORGIO.

Mi lasciate.

CORO.

Ten preghiam.

GIORGIO.

A! no: cessate.

BRUNO, CORO.

Deh! ti muova quell’ ambascia

Che ci aggrava al tuo dolor.

GIORGIO.

Siate paggi… v’ appressate

Cinta di rose e col bel crin disciolto

Talor la cara vergine s’ aggira,

E shiede all’ aura, ai fior’ con mesto volto:

Ove andò Elvira!

Bianco-vestita, qual se all’ ara innante,

Adempie il rito e va cantando: Il giu o;

Poi grida per amor tutta tromante!

Ah vieni! Arturo!

CORO.

Ahi! figlia miscra – delira ancor!

Quanto fu barbaro – il seduttor!

GIORGIO.

Geme talor qual tortora amorosa,

Or cade vinta da mortal sudore,

Or l’ odi, al suon dell’ arpa lamentosa,

Cantar d’ amore.

Or scorge Artura nell’ altrui sembiante

Poi del suo inganno accorta, e di sua sorte,

Geme, piange, s’ affanna, e ognor più ammante

Invoca morte.

CORO.

Ahi! siglia misera – morir d’ emor!

Scenda una folgore – sul traditor.

RICCARDO.

Di suo fulgore il Ciel non sarà lento!

A scure infame Artur Talbo è dannato

Dall’ Anglican Sovrano Parlamento.

È giusto fato.

CORO.

Quaggiù nel mal che questa valle serra

Ahi buoni e ai tristi è memorando esempio

Se la destra di Dio tremenda afferra

Il crin dell’ empio.

RICCARDO.

Di Valton l’innocenze a voi proclama

Il parlamento, e ai primi onor’ Io chiama.

CORO.

Qual doglia, Valton, se vedran tue eiglia

Insana ancor la tua diletta siglia!

RICCARDO.

E non v’ ha speme

Alcuna?

GIORGIO.

Medic’ arte n’ assecura

Che una subita gioja, o gran sciaguro,

Potria sanar la mente sua smarrita.

CORO.

Qual mai t’ attendc, o Artur, pena infinita!

RICCARDO.

In me, Duce primier, parla Cromvello.

Il vil, che è ognora in suga,

E dal suo seno rigettò Inghilerrta,

Lunge ue stia. E sua rea fortuna,

O malizia. Io tragga a questa terra,

Non abbia grazia, nè pietade alcuua.

Il Corto parte.

Scena II.

Elvira, e detti.

ELVIRA.

Ah! rendetemi la speme.

O lasciatemi morir

GIORGIO.

Essa qui vien… la senti?

Oh! come è grave il suon de’ suoi lamenti

ELVIRA.

Qui la voce sua soave

Mi chiamava… e poi spari.

Qui giurava esser fedele,

Poi crudele – mi fuggì!

Ah? mai più qui assorti insiemo

Nella gioja de’ sospir’.

Ah! rendetemi la spemo

O lasciatemi morir.

GIORGIO, RICCARDO.

Quanto amore è mai raccolto

In quel volto e in quel dolor.

ELVIRA.

Chi sei tu:

GIORGIO.

Non mi ravvisi?

ELVIRA.

Padre mio!… mi chiami al tempio?

Non è sogno… oh! Arturo… oh amor!

Ah! tu sorridi… asciughi il pianto!

A Imen mi guidi… al ballo, al canto!

Ognun s’ appresta a nozze, a festa!

E meco in danze esulterà.

Tu pur meco danzerai?

Vieni a nozze!

GIORGIO, RICCARDO.

Oh Cielo!

ELVIRA.

Ei piange!

Egli piange.. Ei forse amò!

GIORGIO, RICCARDO.

Chi frenar il pianto può!

ELVIRA.

M’ odi; e dimmi: amasti mai?

RICCARDO.

Gli occhi affissa in sul mio volto,

Ben mi guarda, e lo vedrai…

ELVIRA.

Ah!… se piangi… ancor tu sai

Che un cor fido nell’ amar

Sempre vive di dolor!

GIORGIO.

Deh! t’ aequeta, o mia diletta,

Tregua al duol dal tempo aspetta.

ELVIRA.

Mai!…

RICCARDO, GIORGIO.

Clemente il Ciel ti sia.

ELVIRA.

Mai.

RICCARDO, GIORGIO.

L’ ingrato alfine obblia.

ELVIRA.

Ah! mai più ti rivedrò.

RICCARDO, GIORGIO.

Si fa mia la sua ferita,

Mi dispera e squarcia il cor.

ELVIRA.

O toglietemi la vita,

O rendetemi il mio amor!

RICCARDO, GIORGIO.

Tornò il riso in sul suo aspetto,

Qual pensiero in lei brillò?

ELVIRA.

Non temer del padre mio,

Co’ miei pianti il placherò.

Ogni affanno andrà in obblio,

Tanto amor consolerò.

GIORGIO.

Essa in pene è abbandonata,

Sogna il gaudio che perdè?

RICCARDO.

Qual bell’ alma innamorata

Un rival rapiva a me!

ELVIRA.

Vien, diletto, è in Ciel la Luna;

Tutto tacc intorno intorno:

Ein che spunti in Cielo il giorno,

Vien ti posa sul mio cor.

Deh! t’ affretta, o Arturo mio,

Riedi, o caro, alla tua Elvira:

Essa piange, e ti sospira.

Riedi, o caro, al primo amor.

GIORGIO, RICCARDO.

Possa un di, quell’ inselice,

Mercè acer di tanto affetto:

Possa un giorno nel diletto

Obbliare il suo dolor!

Ricovrarti ormai t’ addice,

Stende notte il cupu orror.

Elvira parte.

Scena III.

Giorgio. Riccardo.

GIORGIO.

Il rival salvar tu dei,

Il rival salvar tu puoi.

RICCARDO.

Io nol posso…

GIORGIO.

Tu non vuoi.

RICCARDO.

No!

GIORGIO.

Tu il salva?

RICCARDO.

Ei perirà!

GIORGIO.

Tu quell’ora ben rimembri

Che fuggì la prigionlera.

RICCARDO.

Si…

GIORGIO.

D’Artur fu colpa intera?

RICCARDO.

Tua favella ormai…

GIORGIO.

E’ vera.

RICCARDO.

Parla aperto…

GIORGIO.

Ho detto assai.

RICCARDO.

Fu voler del Parlamento,

Se ha colui la pena estrema

Di tutt’ altri l’ ardimentc

In Artur si domerà.

Io non l’ odio, lo no ‘l pavento,

Ma l’ indegno perirà.

GIORGIO.

Un geloso e reo tormento

Or t’ invade e accieca… ah’ trema!

Il timorso e lo spavonto

La tua vita strazierà.

Se il rival per te fia spento

Un’ altr’ alma il seguirà.

RICCARDO.

Chi?

GIORGIO.

Due vittimo farai!

E devunque te ne andrai

L’ omhra lor ii seguirà!

Se tra il nujo un fantasma vedral

Bianco, lieve.. che geme e sospira,

Sarà Elvira-che mesta s’ aggira,

E ti grida: io son morta per te.

Quando il Cielo è in tempesta più scuro

S’ odi un’ ombra affannosa, che freme,

Sarà Artur ehe t’ incalza, ti preme,

Ti minaccia do’ morti il suror.

RICCARDO.

Se d’Elvira il fantasma dolcente

M’ apparisce e m’ incalzi e s’ ardiri,

Le mie preci, i singulti, sospiri

Mi sapranno ottenere mercè.

Se l’ adiato fantasma d’ Arturo

Sanguinosa sorgesse d’ Averno,

Ripiombarlo agli Abissi in eterno

Lo farobbe il mio immenso furor.

GIORGIO.

Il duol che si m’ accora

Vinca la tua bell’ anima.

RICCARDO.

Han vinto le tue lagrime…

Mira, ho bagnato il ciglio.

GIORGIO, RICCARDO.

Ogni virtude onora

Chi han sensi di pietà.

GIORGIO.

Mia man non è ancor gelida!

Con te combatterà.

RICCARDO.

Forse dell’ alba al sorgere

L’ oste ci assalirà.

S’ ei vi sarà.

GIORGIO.

Morrà.

Sia voce di terror,

Anglia, vittoria, onor!

RICCARDO, GIORGIO.

Suoni la tromba, e intrepido

Io pugnerò da forte.

Bello è affrontor la morte

Gridando fedeltà!

Amor di gloria impavido

Mieta i sanguigni alleri,

Poi terga i bei sudori.

E i pianti la pietà.

Atto Terzo.

Loggia in un giardino.

Scena I.

Arturo, poi Elvira.

ARTURO.

Son salvo, alfin son salvo. I miei nemici

Fallira il colpo, e mi smarrir di traccia.

Oh! come è dolce, oh! come a un infelice,

Dopo il misero errar di riva in riva,

Toccar alfin la terra sua nativa.

Vedere ad abbraciar co lei che in core

Gli fu scolpita per la man d’ amore.

ELVIRA.

A una fonte afflitto e solo

S’assideva un Trovator.

E a sfogar l’immenso duolo

Sciolse un cantico d’amor

ARTURO.

La mia canzon d’amore!… Ah! Elvira ah! Elvira.

Ove t’aggiri tu?… Nessun risponde…

A te così io cantava

Di queste selve tra le dense fronde,

E tu allor facevi eco al canto mio!

Deh! se ascoltasti l’ ameroso canto..

Odi quel d’un afflitto odi il mio pianto.

Qual suon! Alcun s’apressa.

CORO.

Agli spaldi alle torri andiam!

ARTURO.

Ancor di me in traccia.

CORO.

Si cerchera, si trovera.

ARTURO.

O Dio, ove m’ aseondo?

CORO.

No, no! non fuggira.

ARTURO.

Ad altro lato vanno i furenti.

Son già lontani. Perche mai non oso

Porro il piede entro l’adorate soglie,

Dire a Elvira il mio duol, la fede mia?

Ah no perder potrei me stesso e lei.

Or si ripigli il canto. Forse a me

Verra, se al cor le suono,

Come nei di felici, quando uniti

Dicemmo: io t’ amo.

Carre a valle, corre a monte

L’ infelice pellegrin,

Ma il dolor gli è sempre a fronte,

Gli è com agno nel cammin.

Cerca il sonno a notte scura

L’infelice pellegrin,

Sogna e il desta la sciagura

Della patria e il suo destin.

Sempre eguali ha i luoghi e l’ore

L’infelice trovador.

L’esilito allor che muore

Ga sol posa al suo dolor

Scena II.

Elvira, ed Arturo.

ELVIRA.

Finì… me lassa! oh! come dolce all’ atma

Mi scendea quella voce… Oh Dio! finì..

Mi parve… Ah! rimembranze! ah! vani sogni!

Ah! mio Arturo, ove sei?

ARTURO.

A’ piedi tnoi,

Ivira, ah! mi perdona!

ELVIRA.

Arturo? è desso!

Sei pur tu?… Or non m’inganni?

ARTURO.

Ingannarti?… ah! no… giammai

ELVIRA.

Io vacillo… Temo afianni.

ARTURO.

Non temer… spariro i guai,

Ove a noi sorride amor.

Nel mirarti un solo istante

Io sospiro, e mi consolo

D’ogni pianto e d’ogni duolo

Che provai lontau da te.

ELVIRA.

Ch’ei provò lontan da me?…

Quanto tempo?… lo rammenti.

ARTURO.

Fur tre mesi…

ELVIRA.

Ah! no: tre secoli

Di sospiri e di tormenti;

Fur tre secoli d’orror!

Ti chiamava ad ogni istante!

Riedi, o Arturo, mi consola,

E rompeva ogni paiola

Coi singulti del dolor!

ARTURO.

Den! perdona… Ella era misera

Prigioniera… abbandonata.

ELVIRA.

Dì, se a te non era cara,

A che mai seguir colci?

ARTURO.

Or t’infingi, o ignori ch’ ella

Presso a Morte…

ELVIRA.

Chi? favella

ARTURO.

La Regina.

ELVIRA.

La Regina?

ARTURO.

Un indugio… e la meschina

Su d’un pulco a morte orribile…

ELVIRA.

E fia ver? Qual lume rapido

Or balena al mio pensier.

Dunque m’ami?

ARTURO.

E puoi temer?

ELVIRA.

Dunque vuoi?

ARTURO.

Star teco ognor.

Oh mia diletta Elvira

Amor, delizia e vita,

Non mi sarai rapita

Or che ti stringo al cor.

Ansante, ognor tremante

Ti chiamo… e ognor ti bramo…

Vicn; mi ripeti: io t’amo,

T’amo d’immenso amor.

ELVIRA.

Caro, non ho parola

Ch’ esprima il mio contento:

L’ alma elevar mi sento

In estasi d’amor.

Ansante… ognor tremante

Ti chiamo, e te sol bramo.

E mille volte: io t’amo,

A te ripete il cor.

ARTURO.

Ancor di nuovo questo suon molesto.

I mici nemici!

ELVIRA.

Si, quel suon funesto:

Io conesco quel suon… ma tu non sai

Che più no ‘l temo omai! – Nella mia stanza

Squarciato ho il vel di che s’orno sua testa…

Calpestai le sue pompe.. ed all’ aurora..

Con me tu ancora…

Verrai a festa e a danze!…

ARTURO.

Oh Dio, che dici?…

ELVIRA.

Così come tu guardi,

Mi guardar essi, e intender mai non sanno

Il parlar, il mio riso… il duol, l’affanno!

ARTURO.

Oh ti scuoti… tu vaneggi?

I.

Alto la!

II.

Fedel drapello.

I.

E chi viva?

II.

Anglia e Cromvello.

TUTTI.

Vincerà!

ARTURO.

Vien: ci è forza ormci partir!

ELVIRA.

Ah tu vuoi fuggirmi ancor?…

No: colei più non t’avrà.

ARTURO.

Vien.

ELVIRA.

T’ arresti il mi dolor.

ARTURO.

Taci…

ELVIRA.

O genti… ci vuol fuggir!

ARTURO.

Taci…

ELVIRA.

Ajuto per pietà!

ARTURO.

Ah!

Scena III.

Giorgio, Riccardo, Bruno, Armigeri, Castellani e Castellane, e detti.

GIORGIO.

E’ qui Arturo?

RICCARDO.

Arturo?

TUTTI.

Arturo!…

RICCARDO.

Cavalier, ti colse il Nume

Punitor de’ tradimenti.

GIORGIO, DONNE.

Oh infelice! un destin rio

A tal spiaggia or ti guidò!

RICCARDO, ARMIGERI.

Talbo Artur la patria oh Dio!

Te alla morte condannò.

ELVIRA.

Morte!

UOMINI.

A morte!

GIORGIO, DONNE.

Ahi! qual terror!

UOMINI.

Dio ragginnge i traditor’!

ELVIRA.

Che ascoltai?

CORO.

(Sì tramutò!

Si fe’ smorta… ed avvampò!)

ARTURO.

Credeasi, misera!

Da me tradita.

Traea la vita

In tal martin!

Or sfido i fulmini,

Disprezzo il Fato.

Se a lei da lato

Potrò morir!

ELVIRA.

Qual mai funeren

Voce funesta

Mi scuote e desta

Dal mio martir!

Io fui sì baibara,

Lo trassi a morte

M’ avrà consorte

Nel suo morir!

GIORGIO.

Quel suon funereo

Feral rimbomba,

Nel sen mi piomba,

M’ agghiaccia il cor!

Sol posso, ahi misero!

Tremar e fremere:

Non ha più lagrime

Il mio dolor..

RICCARDO.

Quel suon funereo,

Ch’ apre una tomba,

Cupo rimbomba,

M’ infonde orror.

La sorte orribile,

Spense già l’ ira,

Mi affanna e inspira

Pietà e dolor.

CORO DI DONNE.

Quel suon funereo

Feral rimbomba,

Al cor ci piomba,

Gelar ci fa!

Pur fra le lagrime

Speme ci affida

Che Dio ci arrida

Di sua pietà!

CORO DI PURITANI.

Quel suon funereo,

Ch’ apre una tomba,

Cupo rimbomba,

Infonde oror,

E Dio terribile:

In sua vendetta

Gli empj ei seatta,

Sterminator!

GIORGIO, RICCARDO, DONNE.

Sol ferocia or parla in voi!

La pietade Iddio v’apprenda!

RRUNO, UOMINI.

Dio commanda ai figli suoi

Che giustizia alfin si renda.

ARTURO.

O mia Elvira!…

ELVIRA.

E vivi ancor!…

ARTURO.

Teco io sono…

ELVIRA.

Ah! il tuo perdono!…

Per me a morte, a Arturo mio…

UOMINI.

Cada alfin l’ ultrice spada

Sovra il capo al traditor!

ARTURO.

Arrestate… vi scostate!

Paventate il mio furor.

Ella è tremante,

Ella è spirante:

Anime perside,

Sorde a pietà.

Un solo istante

L’ ire affrenate,

Poi vi saziate

Di erudelià.

PURITANI.

Ah vendetta su i ribaldi!

Si, vendetta!

TUTTI.

Suon d’ araldi?

È un messaggio.

DONNE.

Un divin raggio!

Esploriam.

TUTTI.

Che mai sarà?

GIORGIO.

Esultate, ah! sì esultate:

Già i Stuardi or vinti sono,

La dole’ aura del perdòno,

Ogni cor respirerà.

RICCARDO, PURITANI.

A Cromvello onore e gloria!

La vittoria – Il guiderà…

ELVIRA, ARTURO.

Dall’ angoseia al gaudio estromo

Par quest’ alma al Ciel rapita,

Ben so dir che sia la vita.

Or che tuo / tua l’ amor mi fa.

CORO.

Siate liete alme amorose:

Qual d’ amor foste doienti:

Lunpgi di per voi ridenti

Quest’ istante segnerà.

Vincenzo Bellini – Die Puritaner

Vincenzo Bellini

Die Puritaner

Romantische Oper in drei Akten

Personen

Lord Valton, General-Gouverneur, Puritaner

Sir Georg, sein Bruder, Obrist, vom Dienst zurückgezogen, Puritaner

Lord Arthur Talbot, von Stuart’s Partei

Sir Richard Forth, Obrist, Puritaner

Sir Bruno Roberton, Offizier, Puritaner

Henriette v. Frankreich, Wittwe von Carl I.

Elvire, Tochter des Lord Valton

Soldaten Cromwell’s

Herolde und Waffenträger Arthur’s und Valton’s Puritaner. Damen. Pagen. Diener und Dienerinnen des Schlosses.

Die Handlung des ersten Aktes ist in einer Festung, in der Rähe von Plymouth; der zweite und dritte Akt in einer ländlichen Gegend, in der Nähe der Festung.

Erster Akt.

Platz in der Festung.

Erste Scene.

Roberton und Soldaten. Schildwachen

ERSTE SCHILDWACHE.

Seyd wachsam!

ZWEITE SCHILDWACHE.

Seyd wachsam!

ALLE.

Es schwand schon die Nacht!

ERSTE SCHILDWACHE.

Die Trommel –

ZWEITE SCHILDWACHE.

Schallt begrüßend –

ALLE.

Des Tages Pracht! –

CHOR.

Wenn Schlachttrompeten klingen,

Beseelet Muth den Krieger!

Den Lorbeer zu erringen,

Stürmt er zum Sieg hinan.

Schwinget die Schwerdter zum Streiten,

Den Feinden Tod zu bereiten,

Tilget in Feuergluthen

Stuart und seine Brut!

ROBERTON.

O Cromwell’s fromme Söhne,

Erhebt zu Gott das Herz!

Des Morgenliedes Töne

Steigen nun himmelwärts!

CHOR der Puritaner in der Festung.

Laut künden Mond und Sonne

Uns Gottes Allmacht an!

O Herr! lobpreisend nah’n

Wir Deinem Throne!

Der Himmel und die Erde

Erschallt von Deinem Ruhm!

Froh steigt Gesang empor,

Dich hoch zu ehren.

ERSTER SOLDAT.

Sie schweigen.

ZWEITER SOLDAT.

Zu End’ –

ALLE.

Ist das Gebet!

ROBERTON.

Der Reinen Lobgesang

Der sich zum Himmel schwang,

Ist nun verhallt.

Zweite Scene.

Die Vorigen. Diener und Dienerinnen des Schlosses.

ERSTER.

Zum Feste!

ZWEITER.

Zum Feste!

ALLE.

Zum Feste!

Die Freude belebe

Heut jedes Herz!

Es winken Lust und Scherz!

CHOR.

Kein Jüngling kann den Blicken

Elvirens widerstehen!

Er weilet mit Entzücken,

Die Holde anzusehen.

In reiner Unschuld Blüthe

Schmückt Reiz und Seelengüte

Den engelgleichen Blick –

Der Schöpfung Meisterstück!

EINIGE.

Zum Feste!

ANDERE.

Zum Feste!

ALLE.

Zum Feste!

Freut Euch Elvirens Wonne!

Auf, singe mit heiterm Blick,

Die Liebe führt zum Glück!

Alle ab. Roberton bleibt.

Dritte Scene.

Roberton. Richard.

RICHARD.

Wohin soll ich entflieh’n? Wie soll ich bergen

Der Seele herbes Leiden? Die Jubeltöne –

Durchbeben die Brust mit Höllenqualen!

Elvire! Elvire! Dir soll ich entsagen –

Auf ewig von Dir mich trennen!

Wie kann ich ohne Dich das Leben tragen?

Mein Dasein ist zerstört, wem sollt’ ich es weih’n

ROBERTON tritt vor.

Dem Vaterlande! –

RICHARD.

Was hör’ ich! Du fühlst mit mir Erbarmen?

ROBERTON.

Oeffne Dein Herz dem Freunde –

Du findest Trost in seinen Armen.

RICHARD.

Vergebens!

Ach, auf ewig muß ich entsagen

Meiner Liebe Blüthentagen,

Und ein Leben sollt’ ich tragen,

Das nur Qual und Schmerz mir beut?

Statt ersehnter Liebe Freuden,

Naht mir drohend banges Leiden,

Hoffnungslos muß ich verzagen –

Ach, Verzweiflung ist mein Loos!

Trost nur beut für herbes Scheiden

Mir der Erde dunkler Schvoß.

Eine Abtheilung Soldaten marschirt über die Bühne.

ROBERTON.

Auf! zieh’ Deinen Kriegern

Als Führer voran!

RICHARD.

Mit schloß sich auf ewig

Die ruhmvolle Bahn!

ROBERTON.

Ha, glühe nicht für Ehre

Und Vaterland Dein Herz?

RICHARD.

Mir glühet im Busen

Nur Rache, Wuth und Schmerz!

ROBERTON.

Entsage der Rache,

Zu Thaten erwache,

Wo Ehre Dir winkt!

RICHARD.

Ihr seligen Träume

Von Frieden und Wonne –

Ihr starbet im Keime,

Dahin ist mein Glück!

Gelähmt sind die Schwingen,

Umsonst ist mein Streben,

Nicht Thaten erringen,

Was mir das Schicksal raubt.

Ab.

Vierte Scene.

Zimmer der Elvire.

Elvire. Georg.

ELVIRE.

Mein theurer Oheim! O Du, mein zweiter Vater!

GEORG.

Was beweget Dein Herz? O sprich, Elvire!

ELVIRE.

Ach, nenne Tochter mich!

GEORG.

Ja – Tochter – der Name

Sei meines Alters Freude. Die heil’gen Rechte,

Die er verleihet, will ich erfüllen.

Wie sehr Dein Glück mir theuer, wird bald sich Dir enthüllen.

Mit hoher Wonne wird der Tag Dich krönen –

Dem Vater-Auge entlockt er Freudenthränen.

Ja, Dich geliebte Tochter,

Seh ich heut’ noch als Gattin.

ELVIRE.

Gattin! – Nein! Nimmermehr! –

Ach, Du kennst die sanften Triebe,

Kennst des Herzens heil’ge Flammen.

Schuldlos nährt’ ich die reine Liebe,

Ihr wollt’ ich mein Dasein weih’n.

Willst Du so Dein Kind verdammen,

Schleppst Du mich zum Traualtare,

Schmückt der Brautkranz meine Haare

Nur im Tode dann allein.

GEORG.

O verbanne den Gedanken!

ELVIRE.

Meine Treue kann nicht wanken!

GEORG.

Kündet Ahnung nicht Deinem Herzen,

Welchen Gatten ich Dir erwählt?

ELVIRE.

Gott! o rede! nenne ihn!

GEORG.

Ja, bald nah’t er –

ELVIRE.

Himmel! – Wer?

GEORG.

Dein Arthur!

ELVIRE.

Ist es Wahrheit?

GEORG.

Ja, ja ich schwöre!

ELVIRE UND GEORG.

Ist es Wahrheit –?

Ach, Arthur – welch Glück!

Es ist Wahrheit –

Dir lächelt das Glück!

GEORG.

Fließt am treuen Vaterherzen

Sanfte Thränen reiner Wonne,

Deines neuen Glückes Sonne

Leuchtet strahlend durch die Nacht.

Spende Segen, o Gott der Gnade,

Nimmer wanke vom Tugendpfade,

Die Dein Auge treu bewacht,

Güt’ger Gott, durch Deine Macht!

ELVIRE.

Ach, der Trennung Qual und Schmerzen

Lösen sich in reiner Wonne.

Meines neuen Glückes Sonne

Leuchtet strahlend durch die Nacht.

Wer stimmte für mein Glück,

Des Vaters Herz?

GEORG.

O höre!

Es deckte Erd’ und Himmel

Die Nacht mit ihrem Schleier –

Da blickt’ in stiller Feier

Ich auf zur Sternenbahn.

In dieser hehren Stunde

Gedacht ich Deiner Thränen

Ich kannte Deines Busens heißes Sehnen –

Voll Mitleid eilt’ ich zum Vater dann.

ELVIRE.

O edelmüth’ger Mann!

GEORG.

Rasch trat ich ein – mit Rührung

Ergriff ich seine Hand –

Benetzte sie mit Zähren –

Der Bruderliebe Band

Bewog ihn, mich zu hören:

»Für Arthur nährt Elvire

Im Herzen reine Triebe –

Verdammst Du ihre Liebe –

Sinkt diese Blume in’s frühe Grab.«

ELVIRE.

Dich sendete vom Himmel

Die Gottheit mir herab! –

Doch weiter! –

GEORG.

Nach ernstem Schweigen –

ELVIRE.

O Gott!

GEORG.

Sprach er endlich: »Sir Richard

Hab’ ich mein Wort gegeben,

Ihm wird der Tochter Hand!«

ELVIRE.

Gott! mich fasset Angst und Beben!

Und dann –

GEORG.

Ich wiederholte:

»So sinkt Dein Kind in’s frühe Grab.«

»Sie lebe! ja, sie lebe!«

Rief laut sein Vaterherz!

»O eile, sie zu trösten,

Besänft’ge ihren Schmerz!«

ELVIRE.

Höre! – das Horn erschallet!

GEORG.

Fürchte nichts!

Dieser Ruf gilt den Soldaten.

CHOR.

Heil dem Tapfern! Dem edlen Grafen

Arthur Talbot!

GEORG.

Nun, sprach ich Wahrheit?

ELVIRE.

O theurer Vater!

GEORG.

Fasse Dich!

CHOR.

Bald erreicht er uns’re Mauern!

Laßt mit Ehrfurcht uns ihn empfangen!

GEORG.

Deinem Glück darfst Du vertrauen,

Auf die Hoffnung gläubig bauen!

Dieser Tag gewährt nach Leiden

Deiner Seele Himmelslust!

ELVIRE.

Kaum wag’ ich dem Glück zu vertrauen;

Darf ich gläubig auf Dich bauen

Süße Hoffnung, Trost im Leiden,

Du gewährst mir Himmelslust.

Ab.

CHOR.

Heil dem Tapfern! Dem edlen Grafen

Arthur Talbot! – In Jubel – Chören

Lasset uns den Helden ehren,

Unsers Heeres Stolz und Ruhm!

Ab.

Fünfte Scene.

Gothischer Saal.

Lord Arthur Talbot. Ritter. Pagen. Dann Elvire. Lord Valton. Georg. Damen. Diener und Dienerinnen. Soldaten mit Roberton

CHOR DER MÄNNER.

Heil dem edlen Arthur!

DIE FRAUEN.

Rufet Heil Elviren!

ALLE.

Hoch verehrt Schönheit und Muth!

DIE DAMEN.

Alle Jungfrau’n überstrahlet

Sie durch Anmuth, Reiz und Würde,

Und aus jedem Munde schallet

Ihrer hohen Tugend Lob.

DIE RITTER.

Männlich schön und stark im Streite,

Würdig seines Heldenstammes,

Nennet Jeder ihn mit Freude

Zierde uns’rer Ritterschaft.

ARTHUR.

Heißgeliebte! Die reinsten Flammen

Boten uns bisher nur Qualen;

Aber heut, wo Glück und Wonne strahlen,

Reicht der Gatte Dir die Hand!

Fern, o Theure, sind jene Zeiten,

Die das Herz erfüllt mit Bangen!

Dich darf liebend mein Arm umfangen –

Neidet, Götter, meine Lust und Seligkeit!

ELVIRE.

Ach, mein Arthur!

ARTHUR.

Ach, Elvire!

ELVIRE.

Ich bin Dein!

ARTHUR.

Du bist die Meine!

ALLE.

Segne, Gott, der Liebe Flammen,

Segne ihrer Ehe Band!

Sechste Scene.

Vorige, dann Henriette.

VALTON.

Die heil’ge Handlung vollziehet ohne mich.

Mit diesem Blatt versehen,

Könnt ungehindert Ihr zur Kirche gehen.

Zu Georg.

Du wirst sie hingeleiten,

Ihr, edle Dame,

Sollt vor Englands hohem Parlamente,

Wohin ich Euch begleite, schnell erscheinen.

HENRIETTE.

(Weh’ mir! was hör’ ich?) Wozu berief man mich?

VALTON.

Nur zu gehorchen und zu schweigen,

Heischt Pflicht und streng Gebot.

ARTHUR.

Ist sie von Stuart’s Partei?

GEORG.

Seit vielen Monden

Hält man sie gefangen. Ein Jeder glaubt, daß sie

Der Stuart’s Freundin sei, weil sie verkleidet

Sich dieser Festung nahte.

ARTHUR.

(Güt’ger Himmel

Ihr Geschick ist entschieden, sie ist verloren! –

O Unglücksel’ge!)

HENRIETTE

(Mitleid spricht aus dem Blicke!)

VALTON.

Eilet nun! Zur Feier festlicher Vermählung

Bereitet Euch. Mit dem Brautgèwande

Und dem Kranz im Haar mögt Ihr sie schmücken.

Sorg’, daß im Thale die Rosse uns’rer harren.

Zu schneller Reise verpflichtet mein Befehl.

Mit Gott und meinem Segen

Geht Eurem Glück entgegen!

Siebente Scene.

Henriette, und Arthur

HENRIETTE

(Ja, den edlen Zügen vertrau’ ich!)

O Ritter! –

ARTHUR.

Sprecht! Wenn meines Rathes,

Meiner Hülfe Ihr bedürft, schenkt mir Vertrauen.

HENRIETTE.

Und wenn mein schuldlos Leben

Von Gefahr bedrohet?

ARTHUR.

O redet! laßt mich wissen, was Ihr fürchtet?

HENRIETTE.

Ich sterbe nach wenig Stunden. Doch Ihr erbebet –

ARTHUR.

Für Euch – für mich! –

Fiel nicht mein Vater, der treu dem Königblieb,

Unter dem Henkersbeil? Doch sprecht – wer seid Ihr?

Redet – wer seid Ihr – ich rette Euch!

HENRIETTE.

Unmöglich! –

Heinrich’s Tochter – Carl’s Gemahlin –

Wird das Schicksal der Edlen theilen!

ARTHUR.

Ha! Ihr die Königin!

HENRIETTE.

Ja! – Tod harret meiner!

ARTHUR.

Retten, retten werd’ ich Euch! –

Ihr müßt fliehen aus diesen Mauern –

Ja, ich selbst will Euch geleiten –

Auf geheimen, sichern Wegen –

HENRIETTE.

Ach, nur dem Beil entgegen, –

Ohne Rettung bin ich verloren.

ARTHUR.

Noch ist Hoffnung – ich will Euch retten!

Oder mit Euch sterben.

HENRIETTE.

O laß ab von dem Gedanken!

Liebend harret Dein Elvire.

Könnte Dein Entschluß noch wanken?

Ihr gehörest Du allein.

ARTHUR.

Ach, nicht ihren Namen nenne,

Raube mir nicht meinen Muth.

HENRIETTE.

Ueberlaß mich meinem Unglück,

Daß mein Schicksal sich erfülle.

Meines Lebens Stern sinkt nieder,

Doch Dein Morgenroth geht auf.

ARTHUR.

Bei der Theuren Angedenken

Sinkt dahin mein ganzer Muth.

Rettend Dein Geschick zu lenken,

Opfr’ ich heut’ mein höchstes Gut.

Achte Scene.

Elvire, Georg, die Vorigen.

ELVIRE.

Es nahet die Jungfrau im bräutlichen Kleide,

Gleich einfach, bescheiden, der Lilie im Mai

Die Rosen und Myrten, die lieblich mich kränzen –

Die Perlen, die glänzen, sind Pfänder der Treu.

GEORG, HENRIETTE, ARTHUR.

Hell strahlt im heitern Glanze

Der Unschuld lieblich Bild.

Bezauberndes Wesen,

So reizend und mild.

Seh’ ich die holde Jungfrau.

Geschmückt mit dem Kranz,

Fühlt sich von ihrer Schönheit Glanz

Die Seele hochentzückt.

ELVIRE.

Liebreich wirst Du mich belehren –

HENRIETTE.

Holde, was ist Dein Begehren?

ELVIRE.

Für ihn nur, der mir theuer,

Möchte ich reizend sein.

O schmücke mit dem Schleier

Mein Haupt, ich bitte Dich –

Zur hehren Feier.

HENRIETTE.

Ja, gern schmück’ ich Dich für ihn.

ARTHUR, GEORG.

Das Uebermaaß, die Freue,

Entschuld’ge ihr Vergeh’n;

Wer kann ihr widerstehn,

So reizend und so schön.

ELVIRE.

Doch laß zuerst den Schleier

Auf Deinem Haupt mich seh’n;

Er wird von Deinen Zügen

Die Reize noch erhöh’n.

HENRIETTE.

Du lieblich holdes Wesen,

Gern laß ich es gescheh’n.

ELVIRE.

Es berge der Schleier

Die wallenden Locken,

Zur heiligen Feier

Fein sittsam zu geh’n.

Wer Dich so erblicket,

Vom Schleier geschmücket,

Glaubt die Braut

In Dir zu seh’n.

HENRIETTE.

Zu bergen jedem Blick

Des Busens Angst und Schmerz,

Dient jetzt der Schleier mir.

Du kennst, o Gott, mein Herz,

O wende mein Geschick,

Beschütz’ mein schuldlos Haupt,

Laß mich, o Herr, nicht untergeh’n.

ARTHUR.

Sie steht im Mißgeschick,

Erhaben selbst im Schmerz,

Gleich einer Heil’gen im Schleier hier.

O stärke, Gott, mein Herz,

Zu wenden ihr Geschick.

O nimm mein Leben hin,

Nur sie laß mich gerettet seh’n.

GEORG.

Elviren’s Zauberblick

Besieget jedes Herz,

Und Alle huld’gen ihr

Der schuldlos heit’re Scherz

Erhöhet noch ihr Glück.

Ein Engel scheinet sie,

Gesandt von jenen Himmelshöh’n.

VALTON UND CHOR.

Elvire! Elvire!

Schon nahet die Stunde!

ELVIRE.

Leicht zürnet der Vater,

Hinweg muß ich eilen!

Schnell kehr’ ich zurücke,

Nicht lang’ will ich weilen.

ARTHUR, GEORG, HENRIETTE.

Ach, leicht zürnt der Vater Dir,

Ja, Du mußt jetzt eilen!

Und kehrst Du zurück,

Schmückt der Schleier Dich.

Elvire und Georg ab.

Neunte Scene.

Henriette. Arthur.

HENRIETTE.

Hinweg mit diesem Schleier! –

Nur die vom Schicksal Beglückte darf ihn tragen;

Mir ziemt er nicht.

ARTHUR.

Halt’ ein!

Ein Zeichen ist’s von Gott! Durch ihn verhüllet,

Kann es gelingen, die Wachen zu täuschen,

Daß für die Braut sie Dich halten.

Folg’ mir! –

HENRIETTE.

Was willst Du wagen?

Zu schrecklich ist das Loos, das Dich bedrohet.

ARTHUR.

Folg’ mir, weile nicht! Dich rett’ ich vom sichern Tode.

Zehnte Scene.

Die Vorigen. Richard.

RICHARD.

Halt’ ein! – Nicht sollst Du ungestraft mir rauben

Das höchste Gut des Lebens;

Nehmen werd’ ich blut’ge Rache,

Zitt’re heut vor meiner Wuth!

ARTHUR.

Ha, Dein Trotz soll hald sich legen,

Ich verlache Deine Wuth;

Muthig tret’ ich Dir entgegen –

Bald strast dieses Schwerdt den Uebermuth! –

HENRIETTE.

Haltet ein! Lebt in Frieden!

Nicht um mich fließ’ Euer Blut!

ARTHUR.

O Gott! was thust Du?

RICHARD.

Ha, die Gefang’ne! –

HENRIETTE.

Ja, ich bin’s!

ARTHUR.

Komm! Dein stolzes Drohen

Mit dem Schwerte nun zu bewähren!

RICHARD.

Nein! – Mit ihr gehst Du von hinnen –

ARTHUR.

Mit ihr?

HENRIETTE.

(Was hörte ich!)

RICHARD.

Unverwehrt sei Euch zu geh’n.

CHOR hinter der Scene.

Zur Kirche eilt! Auf, eilt zum frohen Feste!

ARTHUR.

Laß uns eilen! Schon nahen Leute.

RICHARD.

Schnell entfliehet! Gott schütz’ Euch Beide!

ARTHUR.

Und Du schweigst, bis wir entronnen

Diesen Mauern?

RICHARD.

Ich werde schweigen!

ARTHUR.

Wohlan, so schwöre –

RICHARD.

Ja, ich schwör’ es!

ALLE DREI.

Leb’ wohl!

Arthur und Henriette ab.

Elfte Scene.

Richard. Valton. Roberton. Elvire mit den Damen. Wachen. Puritaner. Diener und Dienerinnen.

RICHARD.

Schon hob die Brücke sich hinter ihnen –

Schon aus den Thoren trug sie ihr Fuß.

CHOR.

Zur Kirche eilt! Auf, zum Feste

ELVIRE.

Wo weilt Arthur?

RICHARD.

O frage nicht!

ELVIRE.

Wo weilt Arthur? Sprich!

RICHARD.

Er ist entfloh’n!

ELVIRE, RICHARD, GEORG.

Schon fern bei jenen Hütten

Eilt er mit raschen Schritten

CHOR.

Ja, mit raschen Schritten

Nah’t er jenen Höhen!

Ha, seht die Gefang’ne

Zur Seite ihm gehen.

VALTON.

Soldaten, auf, eilet!

Laßt den Donner der Geschütze

Die Lüfte durchhallen!

Schnell rächend, gleich dem Blitze,

Die Schwerdter auf sie fallen!

Ja, rächet den Verrath!

CHOR.

Ha, rächet die Frevelthat!

Ergreifet die Waffen!

Ha, zittert, Verräther!

Die Rache naht!

ELVIRE.

In Arthur’s Geleite? Gehüllt in meinen Schleier

Geht sie an seiner Seite und theure Gattin nennt er sie!

Elvire heißt die Dame – nicht ich bin mehr Elvire!

ALLE.

Elvire, was sagst Du?

ELVIRE.

Ich Elvire? Nein! Nein!

CHOR.

Die Arme ist starr und bleich,

Dem Marmorbilde gleich.

Im Wahnsinn redet sie;

Bedroht ist offenbar

Ihr Leben mit Gefahr!

ELVIRE.

Ach, Arthur! Wie, Du kehr’st zu mir zurück?

Liebe lächelt in Deinem Blick;

Ach, Arthur, folge mir zum Altare,

Ja, ew’ge Treu werd’ ich Dir schwören.

In reiner Weihe schlägt Dir mein Herz –

CHOR.

Ach, am Altare glaubt sie zu stehen,

Noch immer liebt sie den Verräther,

Der ohne Mitleid sie heut verlassen.

Sie wird ihm lieben im Tode noch.

GEORG, RICHARD, CHOR.

O mild’re, Himmel, der Armen Leiden,

Du wirst die Thränen der Unschuld rächen

Besänftige ihres Busens Schmerz,

O Gott, bestrafe die Frevelthat!

ELVIRE.

Treu schlägt für Dich mein Herz! O Gott –

Du entfliehest –

Willst grausam Du verlassen, die ewig Dich liebt?

CHOR.

Ach; wehe der Armen!

Von Wahnsinn befangen, erliegt sie dem Schmerz,

In Schönheitblüthe, voll Anmuth und Güte,

Fluch jener Stunde, wo die Verbrecher entfloh’n!

ELVIRE.

Der Hölle Gluthen gähren im Busen!

Ach, die Flamme wird mich verzehren!

In Nebel entfalten sich Schreckensgestalten –

Ihr Blick, der mir droht, verheißet mir Tod.

CHOR.

Fluch sei der Stunde, wo Beide entfloh’n!

Durch Wälder und Schluchten, von Menschen verlassen,

Ein Abscheu dem Himmel, soll Reue euch fassen.

So irrt, ihr Verfluchten, von Stürmen umgeben,

Verstoßen durchs Leben, oh’n Obdach und Ruh

In Qual und Beschwerde, in Thränen und Leiden,

Soll Himmel und Erde nie Trost Euch bereiten.

Die Rache verfolge Euch selbst im Tod’!

Zweiter Akt.

Saal mit offenen Seitenthüren.

Erste Scene.

Diener und Dienerinnen. Puritaner, Roberton, Georg. Später Richard.

CHOR.

Bringt Ihr Kunde?

GEORG.

Die Aermste schlummert.

CHOR.

Labung bringe ihr die Stunde;

Ihr Herz erfället –?

GEORG.

Bald Freude, bald Kummer.

CHOR.

Ach! Sie vergehet!

GEORG.

Dieser Wechsel von Schmerz und Freude

Hat die Sinne umhüllet.

CHOR.

Wird die Arme nie genesen?

GEORG.

Ach, dieses Hoffen ist vergebens!

Sie, die Freude meines Lebens,

Erliegt dem Schmerz.

CHOR.

Ach, so rede!

GEORG.

O theuren Freunde.

Laßt mich schweigen.

CHOR.

Ach, laß unsre Angst Dich rühren,

Theilen laß uns Deinen Schmerz.

GEORG.

Wohlan, so vernehmt ihr Leiden!

Noch schmückt ihr Haupt die Rosenkrone,

Noch prangt sie im Brautgewande;

Verzweifelnd schreit sie hinauf zu Gottes Throne:

»Wo ist Elvire? Ach sie kehrt nie zurück!«

Oft wähnt zur Trauung sie zu gehen,

Schwört ew’ge Treue mit heiterm Blicke,

Dann schreit sie plötzlich auf: »Er ist entflohen!

O theurer Arthur! Ach, kehre zurück!«

CHOR.

Ach welch grauenvoll Geschick!

Sein Verrath bricht ihr das Herz!

GEORG.

Bald träumt sie von Glück und Freude,

Bald wähnt sie sich des Todes Beute,

Dann klanget sie beim Klang der trauten Harfe

Der stillen Nacht des Busens Schmerz;

Oft glaubet sie in fremden Zügen

Den heißgeliebten zu erblicken.

Schaudernd sieht sie dann, daß sie sich täuschte

Und flehet weinend zu Gott um den Tod.

CHOR.

Ach, weh der Armen! Sie wird erliegen,

Ein Gott erbarme sich ihrer Noth.

RICHARD kommt.

Schon ereilte die Rache den Verräther.

Arthur Talbot ist verfallen dem Heukerbeile,

Durch ein Urtheil vom hohen Parlamente –

Gerecht ist die Strafe!

CHOR.

Der Fluch der That erreicht ihn noch im Leben,

O möge er Allen ein schaudernd Beispiel geben.

Es entgeht Gottes Händen

Kein Missethäter.

RICHARD.

Lord Valton, dessen Unschuld anerkannt,

Ist vom Parlamente zu hohen Würden ernannt.

CHOR.

O armer Vater! Was wirst Du empfinden,

In Wahnsinns Nacht das theure Kind zu finden?

RICHARD.

Ist keine Hoffnung mehr?

GEORG.

Alle Aerzte stimmen ein:

Nur ein Uebermaaß von Freude oder jäher Schrecken

Könnte den Geist vom Wahnsinn befrei’n.

CHOR.

Keine Buße o Arthur, sühnet den Frevel! –

RICHARD.

Durch mich, der ihm ergeben,

Spricht Cromwell heute: verfolgt auf Tod und Leben

Sei Arthur, von England ausgestoßen;

Es theilt sein Mißgeschicke, wer Schutz ihm leiht.

Wagt er frevelnd, dem Lande zu nahen,

Fällt ohne Gnade sein treulos Haupt.

Alle entfernen sich, bis auf Georg.

Zweite Scene.

Georg. Richard. Elvire.

ELVIRE.

Jede Hoffnung ist entschwunden,

Nur im Grabe lächelt Ruhe.

RICHARD UND GEORG.

Schon naht die Arme!

Wie rührend sind ihre Klagen

ELVIRE.

Seiner Stimme sanften Töne

Riefen zärtlich hier meinen Namen –

Hier vernahm ich einst die Schwüre

Ew’ger Treue, die aus seinem Herzen kamen.

Kehrt zurück, ihr Wonnestunden,

Führt den Theuren mir zurück!

Ist die Hoffnung mir entschwunden,

Find’ ich im Grabe die ersehnte Ruh’.

RICHARD, GEORG.

Ach, ihr Herz wahr’t treue Liebe

Noch dem undankbaren Mann.

ELVIRE.

Wer bist Du?

GEORG.

Kenn’st Du mich nicht, theure Tochter?

ELVIRE.

Ja, ja, mein Vater! Und Arthur, mein Geliebter?

Rede, wo weil’t er? Ach! wie Du lächelst?

Hinweg, ihr Thränen! – Zum Altar willst Du mich führen? –

Zum Tanze, zum heitern Feste –

Sind schon versammelt die Hochzeitgäste.

Ja, mit dem Kranze naht schon die Braut zum Tanze.

Ja, auch Du darfst mit mir tanzen!

Komm zum Feste!

RICHARD, GEORG.

(O Gott!)

ELVIRE.

Warum weint er?

Liebt er wohl? – Er weint? – er liebt –

RICHARD, GEORG.

Ach, nichts kann die Thränen hemmen!

ELVIRE.

Sage – hast jemals Du treu geliebt?

RICHARD.

Blick, o Theure, mir in’s Auge,

Lies im Antlitz, was mich betrübt.

ELVIRE.

Ja, Du liehst, doch stets zu Thränen,

Zu herben Leiden ist vom Schicksal

Die getreue Liebe verdammt.

GEORG.

Schweig’, o schweige, theure Tochter,

Deine Seele wird genesen.

ELVIRE.

Niemals!

RICHARD, GEORG.

Gott hört unser Fleh’n.

ELVIRE.

Niemals!

RICHARD, GEORG.

Vergessen wirst Du ihn.

ELVIRE.

Ach! ich werd’ ihn nimmer wiederseh’n.

RICHARD, GEORG.

Heil’, o Gott, des Herzens Wunde,

Wende gnädig ihr Geschick.

ELVIRE.

Nehmt, o nehmet hin mein Leben,

Oder gebt den Theuren mir zurück.

RICHARD, GEORG.

Doch sie lächelt –

Freude strahlt aus ihrem Blick.

ELVIRE.

Mir wird gelingen, zu versöhnen

Des strengen Vaters Herz

Unsre Wünsche wird er bald krönen,

Und vergessen ist jeder Schmerz.

GEORG.

Ihn, der treulos sie verlassen,

Sucht im Wahn sie liebend hier.

RICHARD.

Welche edle schöne Seele

Raubte der Verräther mir.

ELVIRE.

Hier bei Luna’s sanftem Scheine,

Unbelauscht im stillen Haine,

Laß im traulichen Vereine

Treuer Liebe uns erferu’n. –

Theurer Arthur, nicht länger weile,

Dein harret Elvire Eile, o eile!

Laß Dich meine Thränen rühren,

Komm, o theile meine Seligkeit!

RICHARD, GEORG.

Möge bald der Tag erscheinen,

Wo, befreit von bangen Qualen,

Deine Augen nicht beweinen

Ihn, der unwerth Deiner Wahl.

O gönne Ruhe Deinem Herzen,

Tröstend nahet schon die Nacht.

Elvire ab.

Dritte Scene.

Georg. Richard.

GEORG.

Richard, Du mußt Arthur retten,

Sein Geschick vermagst Du zu wenden.

RICHARD.

Ha! unmöglich! –

GEORG.

Du kannst ihn retten!

RICHARD.

Nein! –

GEORG.

Du willst nicht?

RICHARD.

Nein! Ihm werde Tod!

GEORG.

Denkst Du nimmer an jene Stunde,

Wo entflohen die Gefang’ne?

RICHARD.

Ja! –

GEORG.

Sprich, war Arthur allein der Schuld’ge?

RICHARD.

Deiner Worte Sinn –

GEORG.

Ist Wahrheit.

RICHARD.

Rede offen! –

GEORG.

Ich sprach genug.

RICHARD.

Ich gehorche dem Parlamente,

Dem Befehl beugt sich mein Wille,

Ja, es zitt’re der Rebelle! –

Englands Richter verdammen ihn allein.

Schwere Pflichten muß ich erfüllen,

Den Verräther darf ich vom Tod nicht befrein.

GEORG.

Des Hasses wilde Triebe

Nährst Du im Herzen; doch erbebe! –

Ja, die Qualen zu später Reue

Folgen drohend Dir durch’s Leben;

Muß durch Dich einst Arthur sterben,

Folgt Elvire bald dem Theuren nach.

RICHARD.

Ha! –

GEORG.

Ein Tag stürzt Beide in’s Verderben!

Und wo Dein Fuß auch weilt hienieden,

Folgt Dir dann die blut’ge That.

Wenn Dir Abends beim Mondenscheine

Bleich und seufzend ein Schatten erscheint –

Ist’s Elvire, ach sie weint –

Klagt in Dir ihren Mörder an.

Wenn der Sturm sich in Nächten erhebt,

Und Dich blutend ein Schatten umschweht –

Es ist Arthur mit Wuth in dem Blicke,

Der aus dem Grabe Dir drohend naht

RICHARD.

Wenn Elvirens Gestalt mir erscheint,

Mich als Mörder vor Gott anzuklagen,

Wird mein Seufzen und mein Sehnen,

Mir, dem Reinen, Vergebung erfleh’n!

Doch wenn Arthur’s verhaßter Schatten

Aus der Hölle mir drohend auch naht,

Stürze ihn, der Elviren verrathen,

Wuth und Rache in den Abgrund zurück! –

GEORG.

O Richard, laß durch diese Thränen

Dein edles Herz besiegen! –

RICHARD.

Kannst Du mich fühllos wähnen?

Sieh’ mich im Kampf erliegen!

BEIDE.

Ein Herz, getreu der Ehre und Ritterpflicht,

Versagt dem Unglück Mitleid nicht.

GEORG.

Noch fühl’ ich Muth und Kräfte,

An Deiner Seite zu kämpfen.

RICHARD.

Drohend nahet vielleicht der Veste

Arthur mit unsrer Feinde Schaar.

Dann treffe ihn –

GEORG.

Der Tod!

Unser Schlachtruf sei:

Alles für Ehre und Vaterland!

GEORG, RICHARD.

Wenn Schlachttrompeten tönen,

Eil’ ich zum blut’gen Streite!

Muthig dem Tod entgegen

Für Freiheit und Vaterland!

Siegend lacht Englands Söhnen

Ruhmvoll des Lorbeers Beute:

Dann lohne, was ich leide,

Mir jener Augenblick!

Dritter Akt.

Kleiner Garten – Pavillon.

Erste Scene.

Arthur. Dann Elvire.

ARTHUR.

Endlich bin ich gerettet! Die Feinde täuschte ich

Und sie verloren die Spuren meiner Schritte. –

O sel’ge Wonne! Der hoffnungslos Verbannte

Wird endlich die Theure wiedersehen!

Irrend von Strand zu Strande,

Darf ich heute, heil’ge Heimath,

Auf deinem Boden stehen.

ELVIRE.

Einsam an der Silberquelle,

Saß einst trauernd ein Troubadour,

Klagte leis’ der stillen Welle

Seiner Liebe Leiden nur.

ARTHUR.

O himmlisch – süße Klänge! Elvire! Elvire!

Wo weilest, Theure, Du? Doch wie? Du schweigest!

O Gott! – Einst tönten hier im Haine

In holder Eintracht uns’re Gesänge!

Wüßtest Du, daß Arthur liebend Dir nahe weilet –

Ja, der Verkannte kehrte treu zurücke!

Tröstung find’ er heut in Deinem Blicke

O Gott! – Es nahen Leute!

CHOR.

Ohne Weilen folget seiner Spur!

ARTHUR.

Weh’ mir, ich bin verloren!

CHOR.

Sucht ihn genau an jedem Ort!

ARTHUR.

O Himmel! Wo mich verbergen!

CHOR.

Sucht nur genau, er kann nicht fort!

ARTHUR.

Auf’s Neu verfolgen mich Cromwell’s Schergen!

Schon sind sie ferne! Dürft’ ich Unglückseliger es wagen,

Der Geliebten mich zu nahen –

Dürst’ ich ihr meinen Schmerz, meine Leiden klagen!

Doch nein! – Ich stürzte sie mit mir in’s Verderben!

Doch wird Dir, Heißbeweinte,

Meiner Stimme Klang zum Herzen dringen,

Wie einst in schönen Tagen,

Wo uns Liebe und Glück

In Wonne vereinten. –

Ueber Berge, Thal und Glüfte,

Wallt der Pilger rastlos hin,

Nur sein Schmerz erfüllt die Lüfte

Nichts erheitert seinen Sinn.

Ach, vergebens sacht sein Aug’ den Schlummer,

Nirgend findet der Verbannte Ruh’.

Rastlos verfolget ihn der Kummer,

Ewig trägt sein Sehnen ihn dem Vaterlande zu.

So vergehet Tag und Stunde

Dem verbannten Troubadour,

Seines Herzens tiefe Wunde

Heilt im dunkeln Grabe nur.

Zweite Scene.

Arthur. Elvire.

ELVIRE.

O Gott! Er schweiget! Ach, wie die sanften Töne

In die Seele mir drangen – doch wehe mir!

Er schweigt! –

Die Stimme erwecket hier ein heiß Verlangen.

Ach, mein Arthur! Wo bist Du, Theurer!

ARTHUR.

Zu Deinen Füßen!

Elvire! kannst Du vergeben?

ELVIRE.

Ach, Arthur! Ja, mein Arthur!

O Du, mein Glück, mein Leben! –

Du bist’s, Dich seh’ ich wieder!

ARTHUR.

Ach, Elvire! Selige Wonne sinkt auf mich nieder!

ELVIRE.

Sind geendet all’ unsre Leiden?

ARTHUR.

Gnädig wird der Gott uns schirmen,

Dessen Macht uns heut’ vereint.

Strahlt mir Liebe aus Deinen Blicken,

Was kann höher mich beglücken!

Darf ich, Theure, an’s Herz Dich drücken,

Ist vergessen der Trennung Schmerz!

ELVIRE.

Wir getrennt – ich war allein? –

Sprich, wie lange warst Du ferne?

ARTHUR.

Ach, drei Monden!

ELVIRE.

Nein, nein!

Schon drei Jahre! –

Ja, in Qual nicht zu ermessen,

Sind drei Jahre mir entfloh’n.

Ja, beweinend mein Geschick,

Rief ich: Arthur, ach komm’ zurück!

Von Dir getrennt, war ewig mir

Entfloh’n des Lebens Glück!

ARTHUR.

Konnte Mitleid und Erbarmen

Der Gefang’nen ich wohl versagen?

ELVIRE.

Sprich, schwurst Du ihr jemals Liebe?

Laß mich nicht vergebens fragen.

ARTHUR.

Welch ein Argwohn! Retten wollt’ ich

Sie vom Tode!

ELVIRE.

Gott! – o rede!

ARTHUR.

Nun, so wisse – es ist die Königin.

ELVIRE.

Die Königin?

ARTHUR.

Schnell vollzogen an der Armen

Ward das llrtheil, das ihr drohte!

ELVIRE.

Sprichst Du Wahrheit? welch strahlend heit’res Licht

Erhellt die Nacht in meiner Seele! –

Und Du liebst mich? –

ARTHUR.

O zweifle nicht!

ELVIRE.

Und Du schwörest –

ARTHUR.

Dir treu zu sein!

Ruhe am treuen Herzen,

O Du, mein süßes Leben!

Liebend, wenn Feinde uns umgeben,

Beschützt Dich dieser Arm.

Du nur warst mein Gedanke

In banger Trennung Tagen!

Laß dieses Aug’ Dir sagen,

Was meine Brust beseelt!

ELVIRE.

O könnt’ ich Worte finden,

Die Wonne auszudrücken!

Liebe wird mich beglücken,

Ewig bist Du nun mein!

Du warst mein Gedanke,

Dir tönten weine Klagen,

Laß dieses Aug’ Dir sagen,

Was meine Brust beseelt.

ARTHUR.

Auf’s Neue kündet dieser Ton

Die Nähe meiner Feinde!

ELVIRE.

Ja! – Die Schreckenstöne –

Sind zu gut mir bekannt – nichts soll uns trennen –

Sei ohne Sorgen – Du wirst nicht mehr verbannt!

Dort im Gemache – zerriß ich jenen Schleier

Der sie schmückte, als mit Dir sie entflohen.

Ja, schon morgen erwarten Gäste

Uns bei’m Tanz’ – bei’m Feste! –

ARTHUR.

O Gott! Was sagst Du?

ELVIRE.

Auch Du willst mich nicht verstehen!

Gleich alle Andern willst Du mein Leiden

Durch Dein Staunen noch erhöhen?

ARTHUR.

Ach – im Wahnsinn sprichst Du – o Himmel! –

ERSTER SOLDAT.

Wer da!

ZWEITER SOLDAT.

Getreue Freunde!

ERSTER SOLDAT.

Bringt die Losung!

ZWEITER SOLDAT.

Cromwell und England!

ALLE.

Ehre! Ehr’ und Sieg dem Vaterland!

ARTHUR.

Komm! wir müssen fort von hier.

ELVIRE.

Ha, auf’s Neue willst Du fliehen?

Nein, mit ihr darfst Du nicht geh’n.

ARTHUR.

Komm!

ELVIRE.

Laß meinen Schmerz Dich rühren!

ARTHUR.

Schweig!

ELVIRE.

Zu Hülfe! er will flieh’n!

ARTHUR.

Still!

ELVIRE.

Erbarmen! Helft mir!

ARTHUR.

Ha!

Dritte Scene.

Georg. Richard. Roberton. Wachen. Soldaten. Diener und Dienerinnen. Puritaner.

GEORG.

Es ist Arthur!

RICHARD.

Arthur!

ALLE.

Ha, Arthur an diesem Orte!

RICHARD.

Gottes Hund führt Dich, Verräther,

In seinem Grimme, zu diesem Strande!

GEORG, FRAUEN.

Ach, Unglücksel’ger! Welch Schicksal leitet

Dich Verbannten heut’ hierher?

RICHARD, PURITANER.

Arthur Talbot! Vom Vaterlande

Bist Du verurtheilt zum Tode!

ELVIRE.

Zum Tode!

PURITANER.

Zum Tode!

GEORG UND FRAUEN.

Unsel’ge That!

PURITANER.

Schwer räch’t Gott den Hochverrath!

ELVIRE.

Weh’! Was hört’ ich? –

ALLE.

(Es schweigt sein Mund!

Nur sein Blick giebt Leiden kund.)

ARTHUR zu Elvire.

Du wähntest grausam Dich

Von mir verrathen,

Doch schuldlos bin ich

An Deiner Qual.

Trotz biet’ ich heute dem Feind’,

Der Verräther mich nennet –

Ist Dir zur Seite

Zu sterben mir vergönnet.

ELVIRE.

Ach, welche Stimme

Tönet im Herzen,

Aus dunklem Grabe

Zu mir herauf –

Grausam fällt er durch mich

Den Mördern in die Hände!

Mit ihm auch ende

Mein düstrer Lebenslauf! –

GEORG.

Ach, seine Stimme

Ertönt im Herzen,

Sie wecket Mitleid

Im Busen auf,

Es schwimmt mein Auge

In heißen Thränen,

Nimm seine Secle,

Gott, gnädig auf!

RICHARD.

Ach, seiner Stimme Ton

Dringt mir zum Herzen,

Bald wird ihn decken

Das düstre Grab.

Furchtbar trifft ihn

Des Schicksals Zürnen,

Mitleid regt sich

Im Herzen für ihn.

CHOR DER FRAUEN.

Ach, seine Stimme

Erhöht den Schmerz.

Mitleid wecket sie

Im Herzen mir!

Bei seinen Leiden,

Bei seinem Anblick,

Lös’t sich meine Seele

In Thränen auf!

CHOR DER MÄNNER.

Der Frevler sterbe!

In Qual und Schmerzen!

Ja, Gott wird schrecklich

Sein Leben enden.

Den Landesverräther

Nimmt Gott nicht auf!

Es ende heut’ in Schmach

Sein Lebenslauf! –

Säum’t nicht länger, führt ihn zum Tode!

GEORG, RICHARD, FRAUEN.

Ihr folgt nur des Hasses Trieben,

Nicht dem Gotte, den wir ehren.

PURITANER.

Gottes Söhne, die ihn lieben,

Folgen treulich seine Lehren.

ARTHUR.

O theure Elvire!

ELVIRE.

Du lebst noch für mich? –

ARTHUR.

Ja, Heißgeliebte!

ELVIRE.

Kannst Du vergeben?

Nur ich bin schuldig an Deinem Tode!

PURITANER.

Streng’ Gerechtigkeit zu üben,

Schwingen wir das Richterschwert.

ARTHUR.

Haltet ein! – Hinweg, Barbaren!

Entfernet Euch!

Seht, wie sie bebet,

Ihr Geist entschwebet! –

Läßt dieser Anblick

Kalt Euer Herz? –

Auf Augenblicke

Bezähmet die Rache,

Dann sättigt Mordlust

Und Grausamkeit! –

PURITANER.

Zur Rache! Fort zum Tode!

Gott selbst gebot – fort, fort zum Tod! –

ALLE.

Ha! Ein Herold! –

PURITANER.

Eine Botschaft! –

ALLE ANDERN.

Was geschah?

PURITANER.

Laßt uns spähen! –

GEORG.

Frohe Kunde, Frohe Kunde!

Stuart’s Macht ist besiegt!

Ja, Vergebung, Schutz und Frieden

Kündigt England Jedem an!

RICHARD, PURITANER.

Heil sei Cromwells tapfern Schaaren,

Preiset hoch des Helden Sieg!

ELVIRE, ARTHUR.

Selige Stunde! Vom tiefsten Leide

Hebt sich die Seele zur höchsten Freude

Jede Wunde heilt die Liebe,

Mein bist Du, o süßes Glück!

CHOR.

Alle Leiden sind vergessen,

Hohe Freuden Euch beschieden.

Eurer Herzen Treue krönet

Heute segnend das Geschick.

Vincenzo Bellini – I Capuleti e i Montecchi

Vincenzo Bellini

I Capuleti e i Montecchi

Tragedia lirica in quattro atti

Personaggi

Capellio, principe fra i Capuleti

Giulietta, sua figlia

Romeo, capo dei Montecchi

Tebaldo, partigiano dei Capuleti, destinato sposo a Giulietta

Lorenzo, medico e famigliare di Capellio

Capuleti – Montecchi

Damigelle. Soldati. Armigeri

L’ azione è in Verona: I’ epoca è del tredicesimo secolo.

Atto Primo.

Galleria nel palazzo di Capellio.

Scena I.

Seguaci di Capellio.

CORO I.

Aggiorna appena … ed eccoci

Surti anzi l’ alba e uniti.

CORO II.

Che fia? Frequenti e celeri

Giunsero a noi gl’ inviti.

TUTTI.

Già cavalieri e militi

Ingombran la città.

CORO I.

Alta cagion sollecito

Così Capellio rende.

CORO II.

Forse improvviso turbine

Sul capo ai Guelfi or pende:

Forse i Montecchi insorgono

A nuova nimistà!

TUTTI.

Peran gli audaci, ah! perano

Quei Ghibellin feroci!

Pria che le porte s’ aprano

All’ orde loro atroci,

Sui Capuleti indomiti

Verona crollerà.

Scena II.

Capellio, Tebaldo, Lorenzo, e detti.

TEBALDO.

O di Capellio generosi amici,

Congiunti, difensori, è grave ed alta

La cagion che ne aduna oggi a consesso.

Prende Ezzelino istesso

All’ ire nostre parte, e de’ Montecchi

Sostenitor si svela. Oste possente

Ad assalirne invia … Duce ne viene

De’ Ghibellini il più abborrito e reo,

Il più fiero.

CORO.

Chi mai?

TEBALDO.

Romeo.

CORO.

Romeo!

CAPELLIO.

Sì, quel Romeo, quel crudo

Del mio figlio uccisor: egli (fra voi

Chi fia che il creda?) egli di pace ardisce

Patti offerir, e ambasciator mandarne

A consigliarla a noi.

CORO.

Pace! Signor!

CAPELLIO.

Giammai.

LORENZO.

Nè udire il vuoi?

Utili forse e onesti

Saranno i patti. A così lunghe gare

Giova dar fine omai:

Corse gonfio di sangue Adige assai.

CAPELLIO.

Fu vendicato. Il mio soltanto è inulto:

Chi lo versò respira. – E mai fortuna

Non l’ offerse a’ miei sguardi … Ignota a tutti,

Poichè fanciul partì, vagò Romeo

Di terra in terra, ed in Verona istessa

Ardì più volte penetrare ignoto.

TEBALDO.

Rinvenirlo io saprò: ne feci il voto.

È serbata a questo acciaro

Del tuo sangue la vendetta:

L’ ho giurato per Giulietta:

Lo sa Italia, il ciel lo sa.

Tu d’ un nodo a me sì caro

Solo affretta il dolce istante;

Ed il voto dell’ amante

Il consorte adempirà.

CAPELLIO.

Sì; mi abbraccia. A te d’ Imene

Fia l’ altar sin d’ oggi acceso.

LORENZO.

Ciel! Sin d’ oggi?

CAPELLIO.

E d’ onde viene

Lo stupor che t’ ha compreso?

LORENZO.

Ah! Signor, di febbre ardente …

Mesta, afflitta e ognor giacente …

Ella … il sai … potria soltanto

Irne a forza al sacro altar.

TEBALDO.

Come! A forza!

CAPELLIO E CORO.

E avrai tu il vanto

Di por fine al suo penar.

TEBALDO.

L’ amo, ah! l’ amo, e mi è più cara

Più del sol che me rischiara;

È riposta, è viva in lei

Ogni gioia del mio cor.

Ma se avesse il mio contento

A costarle un sol lamento,

Ah! piuttosto io sceglierei

Mille giorni di dolor.

CAPELLIO.

Non temer: tuoi dubbi acqueta:

La vedrai serena e lieta,

Quando te del suo germano

Stringa al sen vendicator.

CORO.

Nostro Duce, e nostro scampo

Snuda il ferro, ed esci in campo;

Di Giulietta sia la mano

Degno premio al tuo valor.

LORENZO.

(Ah Giulietta! Or fia svelato

Questo arcano sciagurato:

Ah non v’ ha potere umano

Che ti plachi il genitor!)

CAPELLIO.

Vanne, Lorenzo: e tu che il puoi, disponi

Giulietta al rito: anzi che il sol tramonti

Compinto il voglio. Ella doman più lieta

Fia che rallegri le paterne mura;

Ubbidisci!

Lorenzo parte.

TEBALDO.

Ah! signor …

CAPELLIO.

Ti rassicura.

Sensi da’ miei diversi

Non può nutrir Giulietta; e a lei fia caro,

Come a noi tutti, il pro’ guerrier che unisce

I suoi destini ai miei.

TEBALDO.

Di tanto bene

Mi persuade amor: è il cor propenso

A creder vero quel che più desìa.

CAPELLIO.

Ma già ver noi s’ invia

Il nemico orator. – Avvi fra voi

Chi de’ Montecchi alle proposte inclini?

TUTTI.

Odio eterno ai Montecchi, ai Ghibellini.

Scena III.

Romeo con seguito di Scudieri, e detti.

ROMEO.

Lieto del dolce incarco a cui mi elegge

De’ Ghibellini il Duce, io mi presento,

Nobili Guelfi, a voi. Lieto del pari

Possa udirmi ciascun, poichè verace

Favella io parlo d’ amistade e pace.

TEBALDO.

Chi fia che nei Montecchi

Possa affidarsi mai?

CAPELLIO.

Fu mille volte

Pace firmata, e mille volte infranta.

ROMEO.

Stassi in tua man che santa

E inviolabil sia. Pari in Verona

Abbian seggio i Montecchi, e sia Giulietta

Sposa a Romeo.

CAPELLIO.

Sorge fra noi di sangue

Fatal barriera, e non sarà mai tolta …

Giammai, lo giuro.

CORO.

E il giuriam tutti.

ROMEO.

Ascolta.

Se Romeo t’ uccise un figlio,

In battaglia a lui diè morte:

Incolpar ne dèi la sorte;

Ei ne pianse, e piange ancor.

Deh! ti placa, e un altro figlio

Troverai nel mio signor.

CAPELLIO.

Riedi al campo, e di’ allo stolto

Che altro figlio io già trovai.

ROMEO.

Come! e qual?

TEBALDO.

Io.

ROMEO.

Tu! (Che ascolto!)

Odi ancor …

CAPELLIO.

Dicesti assai.

TEBALDO E CORO.

Qui ciascuno ad una voce

Guerra a voi gridando va.

ROMEO.

Ostinati! e tal sarà.

La tremenda ultrice spada

A brandir Romeo si appresta:

Come folgore funesta

Mille morti apporterà.

Ma vi accusi al cielo irato

Tanto sangue invan versato:

Ma su voi ricada il pianto

Che alla patria costerà.

TUTTI.

Esci, audace. Un Dio soltanto

Giudicar fra noi saprà.

Partono.

Scena IV.

Gabinetto negli appartamenti di Giulietta.

GIULIETTA sola.

Eccomi in lieta vesta … Eccomi adorna …

Come vittima all’ ara. – Oh! almen potessi

Qual vittima cader dell’ ara al piede!

O nuziali tede,

Abborrite così, così fatal,

Siate, ah! siate per me faci ferali. –

Ardo … una vampa, un foco

Tutta mi strugge. Un refrigerio ai venti

Io chiedo invano. – Ove se’ tu, Romeo?

In qual terra t’ aggiri?

Dove, dove inviarti i miei sospiri?

O quante volte, oh quante

Ti chiedo al ciel piangendo!

Con quale ardor t’ attendo,

E inganno il mio desir!

Raggio del tuo sembiante

Parmi il brillar del giorno:

L’ aura che spira intorno

Mi sembra un tuo respir.

Scena V.

Lorenzo, Giulietta, indi Romeo.

LORENZO.

Propizia è l’ ora. A non sperato bene

Si prepari quell’ alma. –

Giulietta!

GIULIETTA.

Oh! mio Lorenzo!

LORENZO.

Or via; ti calma.

GIULIETTA.

Sarò tranquilla in breve,

Appien tranquilla. A poco a poco io manco,

Il dolore mi uccide … Ah se un istante

Rivedessi Romeo … Romeo potria

La fuggente arrestar anima mia.

LORENZO.

Fa cor, Giulietta … Egli è in Verona …

GIULIETTA.

Oh cielo!

Nè a me lo guidi?

LORENZO.

All’ improvvisa gioia

Reggerai tu?

GIULIETTA.

Più che all’ affanno.

LORENZO.

Or dunque

Ti prepara a vederlo: io tel guidai

Per quel segreto e a noi sol noto ingresso.

ROMEO.

Mia Giulietta! …

GIULIETTA.

Ah! … Romeo! …

LORENZO.

Parla sommesso.

Lorenzo parte.

Scena VI.

Romeo e Giulietta.

GIULIETTA.

Io ti rivedo, oh gioia!

Sì, ti rivedo ancor.

ROMEO.

O mia Giulietta!

Qual ti ritrovo io mai?

GIULIETTA.

Priva di speme,

Egra, languente, il vedi,

E vicina alla tomba. – E tu qual riedi?

ROMEO.

Infelice del pari, e stanco alfine

Di questa vita travagliata e oscura,

Non consolata mai da un tuo sorriso,

Vengo, a morir deciso,

O a rapirti per sempre a’ tuoi nemici. –

Meco fuggir dèi tu.

GIULIETTA.

Fuggir che dici?

ROMEO.

Sì, fuggire: a noi non resta

Altro scampo in danno estremo.

Miglior patria avrem di questa,

Ciel migliore ovunque andremo;

D’ ogni ben che un cor desia

A noi luogo amor terrà.

GIULIETTA.

Ah Romeo! Per me la terra

È ristretta in queste porte:

Qui mi annoda, qui mi serra

Un poter d’ amor più forte.

Solo, ahi! solo all’ alma mia

Venir teco il ciel darà.

ROMEO.

Che mai sento? E qual potere

È maggior per te d’amore?

GIULIETTA.

Quello, ah! quello del dovere,

Della legge e dell’ onore.

ROMEO.

Ah! erudel, d’ onor ragioni

Quando a me tu sei rapita?

Questa legge che mi opponi,

È smentita dal tuo cor.

Deh! t’ arrendi a’ preghi miei,

Se ti cal della mia vita:

Se fedele ancor mi sei,

Non udir che il nostro amor.

GIULIETTA.

Ah! da me che più richiedi,

S’ io t’ immolo e core e vita?

Lascia almeno, almen concedi

Un sol dritto al genitor.

Io morrò se mio non sei,

Se ogni speme è a me rapita:

Ma tu pure alcun mi dèi

Sacrifizio del tuo cor.

ROMEO.

Odi tu? L’ altar funesto

Già s’ infiora, già t’ attende.

GIULIETTA.

Fuggi, ah! fuggi.

ROMEO.

Teco io resto.

GIULIETTA.

Guai se il padre ti sorprende!

ROMEO.

Ei mi sveni, o di mia mano

Cada spento innanzi a te.

GIULIETTA.

Ah Romeo!

ROMEO.

Mi preghi invano

GIULIETTA.

Ah! pietà, di te … di me.

ROMEO.

Vieni, ah! vieni, e in me riposa:

Sei mio bene, sei mia sposa:

Questo istante che perdiamo

Più per noi non tornerà.

In tua mano è la mia sorte,

La mia vita, la mia morte …

Ah! non m’ ami come io t’ amo …

Ah! non hai di me pietà.

GIULIETTA.

Cedi, ah! cedi un sol momento

Al mio duolo, al mio spavento:

Siam perduti, estinti siamo,

Se più cieco amor ti fa.

Deh! risparmia a questo core

Maggior pena, orror maggiore …

Ah! se vivo, è perchè io t’ amo …

Ah! l’ amor con me morrà.

Atto Secondo.

Atrio interno del Palazzo di Capellio.

Scena I.

Cavalieri e Dame.

CORO.

Lieta notte, avventurosa

A rei giorni ancor succede.

Taccion l’ ire e l’ armi han posa

Dove accende Imen le tede:

Dove un riso Amor discioglie

Ivi è giubilo e piacer.

Festeggiam con danze e canti

Questo illustre e fausto imene:

Il gioir di pochi istanti

Sia compenso a molte pene;

Nè ci segua in queste soglie

Alcun torbido pensier.

Dove un riso Amor discioglie

Ivi è giubilo e piacer.

Partono.

Scena II.

Romeo e Lorenzo.

LORENZO.

Deh! per pietà t’ arresta;

Non t’ inoltrar di più: – mal ti nasconde

Questa de’ Guelfi assisa.

ROMEO.

Al mio periglio

Pensar poss’io, quando un rival si accinge

A rapirsi il mio ben! … Ma ciò non fia,

Non fia per certo, il giuro.

LORENZO.

Ahi lasso! è tolta

Forse ogni speme.

ROMEO.

Una men resta … Ascolta.

Segretamente, e in guelfe spoglie avvolti,

Col favor della tregua, entro Verona

Mille si stanno Ghibellini armati.

LORENZO.

Cielo!

ROMEO.

Non aspettati,

Piomberan sui nemici, ed interrotte

Fian le nozze così.

LORENZO.

Funesta notte!

E me di sangue e strage

Complice fai? Me traditor di questa

Famiglia rendi? …

Qual tumulto!

ROMEO.

Oh gioia estrema!

VOCI.

I Montecchi!

ROMEO.

È sava.

CORO.

All’ armi!

LORENZO.

Fuggi … va …

ROMEO.

Tebaldo! trema;

Io già corro a vendicarmi.

Quella tromba è suon ferale,

Suon di morte al mio rivale.

LORENZO.

Taci, taci: d’ ogni lato

Gente accorre … ognuno è armato …

Oh! qual scena il cor prevede

Di furore e erudeltà!

CORO.

Ah! chi d’ armi a noi provvede!

Chi soccorso, o ciel, ne dà?

Partono.

Scena III.

Giulietta sola.

Tace il fragor … silenzio

Regna fra queste porte …

Grazie ti rendo, o sorte:

Libera io sono ancor.

Ma de’ congiunti il sangue

Per me versato or viene …

Forse trafitto, esangue,

Giace l’ amato bene …

Forse … Oh! qual gel! … qual toco

Scorrer mi sento in cor!

Ah! per Romeo v’ invoco,

Cielo, Destino, Amor.

Scena IV.

Romeo e Giulietta.

ROMEO.

Giulietta!

GIULIETTA.

Ahimè! … qui vedo?

ROMEO.

Il tuo Romeo: t’ acqueta.

GIULIETTA.

Ahi lassa! … e ardisci? …

ROMEO.

Io riedo

A farti salva e lieta.

Seguimi.

GIULIETTA.

Ahi! dove? ahi! come!

Te perderesti e me.

ROMEO.

Io te lo chiedo in nome

Della giurata fè.

CORO.

Morte ai Montecchi!

GIULIETTA.

Ah! lasciami;

Gente ver noi s’ avvia.

ROMEO.

Io t’ aprirò fra i barbari

Con questo acciar la via.

Scena V.

Tebaldo e Capellio con armigeri, Lorenzo, e detti.

CAPELLIO.

Ferma.

TEBALDO.

Che miro? Il perfido

Nemico ambasciator!

LORENZO.

(Cielo! … è perduto il misero.)

ROMEO.

Oh! rabbia!

GIULIETTA.

Oh mio terror!

CAPELLIO.

Armato! in queste soglie!

TEBALDO.

Sotto mentite spoglie!

Quale novella insidia,

Empio, tentavi ordir?

Soldati, olà ..

GIULIETTA.

Fermate:

Padre … Signor … pietate …

CAPELLIO.

Scostati …

TEBALDO.

E qual pensiero

Qrendi d’ un menzognero?

CAPELLIO.

Giulietta?

TEBALDO.

Non rispondi,

Tu tremi … ti confondi?

Fellon! … chi sei?

ROMEO.

Son tale …

GIULIETTA.

Ah! no, non ti scoprir.

ROMEO.

Io sono a te rivale.

LORENZO.

(Incauto!)

GIULIETTA.

Oh rio martir!

TEBALDO, CAPELLIO.

Rivale! che intendo?

GIULIETTA.

Lorenzo, m’ aita.

LORENZO.

Oh! istante tremendo!

ROMEO.

Ahimè! l’ ho tradita.

TEBALDO, CAPELLIO, LORENZO.

Oh notte, raddensa

Le tenebre in cielo:

Ricopri d’ un velo

Il nostro rossor.

GIULIETTA, ROMEO.

Soccorso, sostegno

Accordale / Accordagli, o cielo,

Me sola / solo fa segno

Del loro furor.

CORO.

Accorriem … Romeo!

CAPELLIO, TEBALDO.

Quai grida!

ROMEO.

I miei fidi!

GIULIETTA.

Oh! gioia!

CORO.

È desso,

A salvarti un Dio ci guida:

Vien, Romeo, tuoi fidi hai presso,

CAPELLIO.

Tu Romeo! nè ti svenai?

TEBALDO.

E mi sfuggi? … e tu vivrai?

ROMEO.

Sangue, o barbari, bramate,

Ed il sangue scorrerà.

TEBALDO, CAPELLIO, ROMEO, CORO.

Al furor che si ridesta,

Alla strage che s’ appresta.

Come scossa da tremuoto

Tutta Italia tremerà.

LORENZO, GIULIETTA.

Giusto cielo tu gli arresta

Da battaglia sì funesta,

Sveglia in essi un qualche moto

Di rimorso e di pietà.

ROMEO E GIULIETTA.

Se ogni speme è a noi rapita

Di mai più vederci in vita,

Questo addio non fia l’ estremo,

Ci vedremo – almen in ciel.

TEBALDO, CAPELLIO, CORO.

Sul furor che si ridesta,

Sulla strage che si appresta

Anzi tempo, o sol, risplendi,

E dirada all’ ombre il vel.

LORENZO.

Piomba, o notte, e al ciel contendi

Lo spettacolo crudel.

Atto Terzo.

Galleria nel palazzo di Capellio.

Scena I.

Giulietta sola.

Nè alcun ritorna! … Oh! cruda,

Dolorosa incertezza! – Il suon dell’armi

Si dileguò – … Sol tratto tratto un fioco,

Incerto mormorio lunge si desta,

Come vento al cessar della tempesta.

Chi cadde, oimè! chi vinse?

Chi primo io piangerò? – Nè uscir poss’io?

E ignara di mia sorte io qui m’aggiro!

Scena II.

Giulietta e Lorenzo.

GIULIETTA.

Lorenzo, ebben? …

LORENZO.

Salvo è Romeo.

GIULIETTA.

Respiro.

LORENZO.

Nella vicina rocca

Da’ suoi sorpresa, da Ezzelin soccorso

Sperar ei puote … ma tu, lassa! … in breve

Di Tebaldo al castel tratta sarai,

Se in me non fidi, se al periglio estremo

Con estrema fermezza or non provvedi.

GIULIETTA.

Che far? Favella.

LORENZO.

Hai tu coraggio?

GIULIETTA.

E il chiedi?

LORENZO.

Prendi: tal filtro è questo,

E si possente, che sembiante a morte

Sonno produce. A te creduta estinta

Tomba fia data ne’ paterni avelli …

GIULIETTA.

Oh! che di’ tu? fra quelli

Giace il fratello da Romeo trafitto …

Esso del mio delitto

Sorgeria punitor …

LORENZO.

Al tuo svegliarti

Sarem presenti il tuo diletto ed io …

Non paventar. – Tremi? t’ arretri?

GIULIETTA.

Oh Dio!

Morte io non temo, il sai …

Sempre io la chiesi a te …

Pur non provato mai

Sorge un terrore in me.

LORENZO.

Fida, deh fida in me:

Sarai contenta.

GIULIETTA.

Se del licor possente

Fallisse la virtù! …

Se in quell’ orror giacente

Non mi destassi più …

Dubbio crudele!

LORENZO.

Prendi … gl’ istanti volano …

Il padre tuo si avanza …

GIULIETTA.

Il padre! ah! porgi, e salvami.

LORENZO.

Salva già sei: costanza.

GIULIETTA.

Guidami altrove.

Scena III.

Capellio con seguito, e detti.

CAPELLIO.

Arresta.

Ancor sei desta?

Concedo al tuo riposo

Brevi momenti ancor.

Esci: e a seguir lo sposo

Ti appresta al nuovo albor.

CORO.

Lassa! … d’ affanno è piena …

Geme … si regge appena.

Più mite a lei favella;

L’ uccide il tuo rigor.

GIULIETTA.

Ah! non poss’ io partire

Priva del tuo perdono …

Presso alla tomba io sono …

Dammi un amplesso almen.

Pace una volta all’ ire,

Pace ad un cor che more …

Dorma ogni tuo furore

Del mio sepolcro in sen.

CAPELLIO.

Lasciami …

LORENZO.

(Ah! vieni, e simula.)

CAPELLIO.

Alle tue stanze riedi.

CORO.

Ella è morente, il vedi.

Poni al tuo sdegno un fren.

Partono.

Scena IV.

Luogo remoto presso il palazzo di Capellio.

ROMEO solo.

Deserto è il loco. – Di Lorenzo in traccia

Irne poss’ io. – Crudel Lorenzo! anch’ esso

M’ oblìa nella sventura, e congiurato

Col mio destin tiranno,

M’ abbandona a me solo in tanto affanno.

Vadasi. – Alcun si appressa …

Crudele inciampo!

Scena V.

Tebaldo e Romeo.

TEBALDO.

Olà! chi sei, che ardisci

Aggirarti furtivo in queste mura? –

Non odi tu?

ROMEO.

Non t’ appressar. Funesto

Il conoscermi fora.

TEBALDO.

Io ti conosco

All’ audace parlar, all’ ira estrema

Che in me tu desti.

ROMEO.

Ebben mi guarda, e trema.

TEBALDO.

Stolto! ad un sol mio grido

Mille a punirti avrei;

Ma vittima tu sei

Serbata a questo acciar.

ROMEO.

Vieni; io ti sprezzo, e sfido

Teco i seguaci tuoi:

Tu bramerai fra noi

L’ alpi frapposte e il mar.

A DUE.

Un Nume avverso, un fato

Che la ragion ti toglie,

T’ ha spinto in queste soglie

La morte ad incontrar.

TEBALDO.

All’ armi.

ROMEO.

All’ armi.

TEBALDO.

Arresta.

ROMEO.

Qual mesto suono echeggia?

CORO.

Ahi sventurata!

ROMEO.

È questa

Voce di duol.

TEBALDO.

Si veggia.

Scena VI.

Comparisce un corteggio funebre. I detti.

CORO.

Pace alla tua bell’ anima

Dopo cotanti affanni!

Vivi, se non fra gli uomini,

Vivi, o Giulietta, in ciel.

ROMEO.

Giulietta!

TEBALDO.

Spenta! …

ROMEO.

Oh barbari!

A DUE.

Mi scende agli occhi un vel.

ROMEO.

Ella è morta, o sciagurato,

Per te morta di dolore.

Paga alfine è del tuo cuore

L’ ostinata crudeltà.

Svena, ah! svena un disperato …

Ai tuoi colpi il sen presento …

Sommo bene in tal momento

Il morir per me sarà.

TEBALDO.

Ah! di te più disperato,

Più di te son io trafitto.

L’ amor mio come un delitto

Rinfacciando il cor mi va.

Vivi, ah vivi, o sventurato,

Tu che almen non hai rimorso:

Se a’ miei dì non tronchi il corso,

Il dolor mi ucciderà.

Atto Quarto.

Recinto ove sorgono le tombe dei Capuleti.

Scena I.

Romeo coi suoi compagni.

CORO.

Siam giunti. Ah il ciel consenta,

Che non ti sia funesta

L’ esser disceso in questo

Albergo di squallor.

ROMEO.

Ecco la tomba! Ancor di fiori sparsa,

Molle di pianto ancor; il mio ricevi

Più doloroso e amaro.

CORO.

Signor, ritratti!

ROMEO.

Altro fra poco, maggior del pianto,

Altro olocausto avrai.

CORO.

Omai eccede il tuo dolor.

ROMEO.

Oh del sepolcro profonda oscurità,

Cedi un istante al lume del giorno,

E mi rivela per poco la tua preda.

L’ urna mi aprite voi, ch’ io la riveda.

Ah! Giulietta, o mia Giulietta!

Sei tu, ti veggio! Ti ritrovo ancora!

Non morta sei, dormi soltanto

E aspetti, che ti desti il tuo Romeo.

Sorgi, mio bene, al suon de’ miei sospiri;

Ti chiama il tuo Romeo.

CORO.

Lasso, deliri! Vieni, partiamo.

Periglio è l’ indugiar di più.

ROMEO.

Per pochi istanti

Me qui lasciate, arcani ha il duol, che debbe

Solo alla tomba confidar.

CORO.

Lasciarti solo, e in tanto cordoglio!

Ah, tu ci spezzi il cor.

ROMEO.

Partite, il voglio.

Coro parte.

Scena II.

Romeo solo.

Tu sola, o mia Giulietta,

M’ odi tu sola. Ahi! Vana speme; è sorda

La fredda salma di mia voce al suono,

Deserto in terra, abbandonato io sono.

Deh tu, bell’ anima,

Che al cielo ascendi,

A me rivolgiti,

Con te mi prendi.

Cosi scordarmi,

Cosi lasciarmi,

Non puoi, bell’ anima,

Nel mio dolor.

Oh tu, mia sola speme,

Tosco fatal, non mai da me diviso,

Vieni al mio labbro. Raccogliete voi

L’ ultimo mio respiro,

Tombe de’ miei nemici.

Scena III.

Giulietta si desta, Romeo.

GIULIETTA.

Ah!

ROMEO.

Qual sospiro!

GIULIETTA.

Romeo!

ROMEO.

La voce sua!

GIULIETTA.

Romeo!

ROMEO.

Mi chiama, gia m’ invita al suo sen.

Ciel, che vegg’ io.

GIULIETTA.

Romeo!

ROMEO.

Giulietta, oh Dio!

GIULIETTA.

Sei tu?

ROMEO.

Tu vivi?

GIULIETTA.

Ah, per non più lasciarti.

Io mi desto, mio ben,

La morte mia fu simulata.

ROMEO.

Oh, che dì tu?

GIULIETTA.

L’ ignori? Non vedesti Lorenzo?

ROMEO.

Altro non vidi,

Altro non seppi, ahi me!

Ch’ eri qui morta,

E qui venni, ah infelice!

GIULIETTA.

Ebben, che importa? Son teco alfin;

Ogni dolor cancella.

Un nostro amplesso, andiam!

ROMEO.

Restarmi io deggio eternamente qui.

GIULIETTA.

Che dici mai? Parla, parla!

Ah Romeo!

ROMEO.

Tutto già sai.

GIULIETTA.

Ah, crudel! Che mai facesti?

ROMEO.

Morte io volli a te vicino.

GIULIETTA.

Deh, che scampo alcun ti appresti!

ROMEO.

Ferma! E vano.

GIULIETTA.

O rio destino!

ROMEO.

Cruda morte io chiudo in seno.

GIULIETTA.

Ch’ io con te l’ incontri almeno!

Dammi il ferro!

ROMEO.

Ah, no! Giammai!

GIULIETTA.

Un veleno!

ROMEO.

Il consumai.

Vivi, ah vivi, e vien talora,

Sul mio sasso a lagrimar.

GIULIETTA.

Ciel crudele! Ah, pria ch’ ei mora,

I miei di tu dei troncar.

ROMEO.

Giulietta, al seno stringimi,

Io ti discerno appena.

GIULIETTA.

Ed io ritorno a vivere,

Quando tu dei morir.

ROMEO.

Cessa, il vederti in pena,

Accresce il mio martir.

Più non ti veggo … ah! parlami …

Un solo accento ancor …

Rammenta il nostro amor …

Io manco … addio! …

GIULIETTA.

Oh! sfortunato! attendimi …

Non mi lasciare ancor …

Posati sul mio cor …

Ei muore … oh! … Dio!

Vincenzo Bellini – Die Capuleti und die Montecchi

Vincenzo Bellini

Die Capuleti und die Montecchi

Tragische Oper in vier Akten

Personen

Capellio, Haupt der Capuleti

Giulietta, seine Tochter

Romeo, Haupt der Montecchi

Tebaldo, Anhänger der Capuleti und Giulietta’s bestimmter Gemahl

Lorenzo, Arzt, in Capellio’s Diensten

Anhänger der Familien Capuleti und Montecchi

Damen. Wachen. Bewaffnete

Die Handlung geht in Verona, im dreizehnten Jahrhundert vor.

Erster Akt.

Gallerie in Capellio’s Pallast.

Erste Scene.

Capellio’s Freunde und Verbündete.

EINIGE.

Kaum graut der Morgen, erscheinen wir,

Noch in der Dämm’rung Stunde.

ANDERE.

Was giebt es? – uns zu versammeln hier,

Kam uns die schnelle Kunde.

ALLE.

Schaaren von Kriegern zeigen sich,

Und sind zum Kampf bereit.

EINIGE.

Dinge von hoher Wichtigkeit

Sind wohl indeß geschehen? –

ANDERE.

Wohl mag der Bund der Guelfen

Neu sich bedrohet sehen,

Und die Montecchi rüsten sich

Zu blut’gem Kampf und Streit.

ALLE.

Fluch und Verderben treffe sie! –

Tod sey das Loos der Kühnen!

Eh’ unser Thor sich öffnet

Vor diesen Ghibellinen,

Eh’ sey, in Staub und Schutt zermalmt,

Verona unser Grab! –

Zweite Scene.

Capellio, Tebaldo, Lorenzo, Vorige.

TEBALDO.

Ihr, dieses Hauses treu ergeb’ne Freunde!

Vertheid’ger seines Ruhmes, aus wicht’gen Gründen

Seh’ ich heut Euch versammelt in diesen Hallen.

Wißt, Ezzelino selber

Nimmt Theil an unserm Streite.

Und stellt sich kämpfend an der Montecchi Seite.

Mit mächt’gen Schaaren ist er im Feld erschienen;

An ihrer Spitze steht der verhaßte,

Der übermüth’ge Führer der Ghibellinen.

CHOR.

Sein Name?

TEBALDO.

Romeo! –

CHOR.

Romeo? –

CAPELLIO.

Jener Romeo, der Frevler,

Der mir den Sohn erschlug! Ja er, (wer mag

Die Frechheit glauben?) er, der verhaßte Gegner,

Bietet uns Frieden. Ein Bote ward deshalb

Von ihm an uns beschieden.

CHOR.

Friede, o Herr! –

CAPELLIO.

Nein, nimmer! –

LORENZO.

Laß ihn erscheinen!

Wohl kann, was er verkündet,

Vortheil uns bringen. Zu lang’ ward in Verona

Nur Kampf und Mord geübet,

Zu lang’ schon floß die Etsch von Blut getrübet!

CAPELLIO.

Es ward gerächt! Nur meines floß ohne Rache.

Der es vergoß, er athmet. Nie führt der Zufall

Ihn meinem Blick entgegen. Von Allen ungekannt,

Weil er uns früh verlassen, irrte Romeo

Von Land zu Land. Selbst in Verona’s Mauern

Wußt’ er sich öfters tollkühn einzuschleichen! –

TEBALDO.

So vernehmt meinen Schwur! – Mein Arm soll ihn erreichen!

Diesem Schwerdte wird’s gelingen,

Blut’ge Rache Dir zu bringen;

Ja, ich schwör’s bei meiner Liebe,

Ich entdecke seine Spur.

Laß, o laß mit süßen Banden

Uns’re Herzen bald umschlingen,

Der Gemahl wird dann vollbringen,

Was der Liebende Dir schwur!

CAPELLIO.

Sohn! umarme mich! – Euch soll noch heute

Hymens Fackel sich entzünden.

LORENZO.

Wie? noch heute?

CAPELLIO.

Was soll dies Staunen?

Das mir Deine Worte künden?

LORENZO.

Denk’, o Herr, des Fiebers Schmerzen –

Qual und Kummer im kranken Herzen –

Wisse, Giulietta – ach mit Gewalt nur

Träte sie vor den Altar.

TEBALDO.

Mit Gewalt?

CAPELLIO UND CHOR.

Die Hand der Liebe

Bring’ ihr Trost und Hülfe dar.

TEBALDO.

Theurer noch, als dieses Leben,

Ist die Holde meinem Herzen.

Ihre Liebe ist mein Streben,

Meine Wonne sie allein.

Doch erpreßte mein Entzücken

Ihrer Brust nur eine Klage,

O dann soll mir jede Plage,

Jede Qual beschieden seyn!

CAPELLIO.

Laß die bangen Zweifel schwinden,

Ihre Ruhe soll sie finden,

Wirst Du kämpfend überwinden –

Ihres Bruders Rächer seyn.

CHOR.

Führ’ uns hin zum blut’gen Streite!

Ja, wir kämpfen Dir zur Seite.

Reich belohnt wirst Du Dich finden,

Denn Giulietta harret Dein.

LORENZO.

Wehe ihr! vor dem Geheimniß

Muß nun bald der Schleier schwinden

Und kein Retter wird sich finden, –

Niemand wird ihr Schutz verleih’n.

CAPELLIO.

Eile, Lorenzo! Du vermagst zur heil’gen Feier

Sie zu bewegen. Noch eh’ die Sonne sinkt,

Sey sie vollzogen. Morgen soll Lust und Freude

Aus ihren Blicken uns entgegen strahlen. –

Fort! gehorche! –

Lorenzo ab.

TEBALDO.

Herr, ich fürchte –

CAPELLIO.

Laß jede Sorge! –

Nie wird Capellio’s Tochter

Des Vaters Sinn verleugnen; und hoch geehrt,

So wie uns Allen, sey der Tapfre ihr,

Der sich mit uns verbindet.

TEBALDO.

Mag dieses Hoffen

Ein froher Ausgang krönen! Gern glaubt das Herz,

Was es erstrebet mit heißer Liebe Sehnen.

CAPELLIO.

Schon nahet sich der Sprecher,

Den uns der Feind gesandt. Ist hier wohl Einer,

Der den Montecchi die Hand zum Frieden böte?

ALLE.

Fluch den Montecchi! Tod den Ghibellinen!

Dritte Scene.

Romeo mit kriegerischem Gefolge, Vorige.

ROMEO.

Froh meines heil’gen Amtes, das mir verlieh’n,

Der Ghibellinen Haupt, nah’ ich voll Ehrfurcht,

Ihr edlen Guelfen, Euch. Mit gleicher Freude

Möge Jeder mich hören; mit frohem Munde

Bring’ ich der Freundschaft und des Friedens Kunde.

TEBALDO.

O sprich, wer baute je

Auf der Montecchi Treue?

CAPELLIO.

Oft ward der Friede

Mit Euch geschlossen, stets brach’t Ihr ihn auf’s Neue.

ROMEO.

In Deiner Hand bewahrest Du

Des ew’gen Friedens Pfand; gönn’ in Verona

Gleiches Recht den Montecchi, und gieb Romeo

Der Tochter Hand.

CAPELLIO.

Des Blutes heil’ge Schranke

Trennt uns auf immer, und nimmer kann sie schwinden,

Nimmer! ich schwöre.

ALLE.

Wir Alle schwören!

ROMEO.

O höre!

Wenn Romeo den Sohn erschlagen,

So geschah’s im Schlachtgetümmel –

Nur das Schicksal ist anzuklagen –

Heiße Thränen weiht ihm sein Schmerz.

D’rum Versöhnung! Du findest wieder

In Romeo des Sohnes Herz! –

CAPELLIO.

Kehr’ zurück, und sag’ dem Thoren,

Schon hab’ ich den Sohn erkoren.

ROMEO.

Himmel! – und wen? –

TEBALDO.

Tebaldo! –

ROMEO.

Du!

Noch ein Wort! –

CAPELLIO.

Genug der Worte! –

TEBALDO UND CHOR.

Ew’ger Kampf den Ghibellinen! –

Dies ist unser Feldgeschrei!

ROMEO.

Uebermüth’ge! – Wohlan, es sey!

Vor Romeo’s Rächer-Arme

Soll kein Gott Euch nun beschützen,

Und von seines Schwerdtes Blitzen

Treffe Euch der Todesstreich.

Doch zum Himmel schreit um Rache

All’ das Blut, das Ihr vergossen,

Jede Thräne, die geflossen,

Laste schwer, ja schwer auf Euch! –

ALLE.

Fort, Verweg’ner! – Nur der Himmel

Lenkt gerecht den Todesstreich! –

Vierte Scene.

Giulietta’s Gemach.

GIULIETTA allein.

Festlich steh’ ich geschmücket, gleich einem Opfer,

Das zum Altar man führet. Ach, könnt’ ich Verlass’ne

Als Opfer am Altar mein Leben enden! –

Flammende Hochzeitfackeln,

Die mit verhaßtem Glanz mein Auge blenden,

Leuchtet, ach leuchtet zu meiner Todtenfeier! –

Ich glühe, wildes Feuer durchtobt mich!

Will mich verzehren. Der Lüfte kühlend Fächeln

Such’ ich vergebens. Wo weilst du, o Romeo?

Sieh, mein Herz will verzagen! –

Wohin, ach, send’ ich meiner Sehnsucht Klagen?

Ach, wie so oft vom Himmel

Erfleht’ ich dich mit Thränen!

Getäuscht von meinem Sehnen

Wähn’ ich dich nah’ bei mir.

Ein Strahl aus deinen Blicken.

Scheint mir der Glanz der Sonne.

Lüfte, die mich erquicken,

Scheinen ein Hauch von dir.

Fünfte Scene.

Lorenzo, Giulietta, dann Romeo.

LORENZO.

Die Zeit ist günstig! – Zu unverhoffter Wonne

Muß ich sie vorbereiten. –

Giulietta!

GIULIETTA.

Lorenzo! –

LORENZO.

Nur Ruhe! nur Fassung! –

GIULIETTA.

Bald werd’ ich Ruhe finden,

Ja, lange Ruhe – ich fühl’s in meinem Innern,

Wie mir die Kräfte schwinden. Ha! könnt’ ich einmal,

Nur einmal noch ihn sehen! – Er nur vermag es,

Die verlöschende Flamme neu zu beleben! –

LORENZO.

Nur Muth, Giulietta! Er ist in Verona!

GIULIETTA.

O Himmel!

Und mir noch ferne?

LORENZO.

Die allzu jähe Freude,

Trägt sie Dein Herz?

GIULIETTA.

Mehr als dies Leiden! –

LORENZO.

Wohlan!

So sey gefaßt, ihn zu sehen! Ich führt’ ihn her

Auf dem geheimen, nur uns bekannten Pfade.

ROMEO.

Meine Giulietta! –

GIULIETTA.

Romeo!

LORENZO.

Sprecht nur leise!

Lorenzo ab.

Sechste Scene.

Romeo und Giulietta.

GIULIETTA.

Ich seh’ Dich wieder, o Wonne!

Endlich seh’ ich Dich wieder! –

ROMEO.

Meine Giulietta!

Wie muß ich Dich wiederfinden? –

GIULIETTA.

Ach, ohne Hoffnung,

Gramvoll und leidend. Du siehst es,

Nah’ an des Grabes Rande! Und Du, Romeo?

ROMEO.

Unglückselig, gleich Dir, und endlich müde

Dieses verhaßten, qualvollen Lebens,

Das Deiner Liebe Lächeln mir nicht verkläret,

Komm’ ich, mein Daseyn hier zu enden,

Oder Dich zu entführen aus Feindes Händen.

Du mußt mit mir entflieh’n! –

GIULIETTA.

Entflieh’n? – was sagst Du?

ROMEO.

Ja, wir flieh’n! Uns winket Beiden

Fern die Ruh’ nach schweren Leiden.

Du wirst auch in fremden Auen

Deiner Heimath Fluren schauen, –

Jedes Glück, von dem wir scheiden,

Wird die Lieb’ uns neu verleih’n!

GIULIETTA.

Ach, Romeo! im Schooß der Meinen

Laß mich mein Geschick beweinen.

Höh’rer Liebe feste Bande

Fesseln mich im Vaterlande.

Nur mein Geist darf Dich geleiten,

Ewig wird er bei Dir seyn.

ROMEO.

Ha, was hör’ ich? welche Bande

Sind so stark als Lieb’ und Treue?

GIULIETTA.

Die Gesetze, Pflicht und Ehre,

Und die Furcht vor bitt’rer Reue! –

ROMEO.

Ach, Du sprichst von Pflicht und Ehre,

Da man ewig uns will trennen!

Nur Dein Mund spricht diese Lehre,

Doch Dein Herz erkennt sie nicht.

Soll Romeo ferner leben,

So erhör’ sein dringend Flehen! –

Schlägt Dein Herz mir treu ergeben,

Höre nur, was Liebe spricht! –

GIULIETTA.

Willst Du mehr noch, als mein Leben,

Das ich ewig Dir nur weihte? –

Doch an meines Vaters Seite

Bindet mich der Tochter Pflicht.

Bald wird man in’s Grab mich senken,

Muß ich fern von Dir mich seh’n;

Und Du kannst so tief mich kränken,

Da mein Herz vor Jammer bricht! –

ROMEO.

Hörest Du? es sind die Klänge,

Die die Feier Dir verkünden.

GIULIETTA.

Fliehe! – fort! –

ROMEO.

Nein, nein, ich bleibe! –

GIULIETTA.

Weh’! der Vater wird Dich finden!

ROMEO.

Einer falle von uns Beiden,

Unser Schwerdt soll Richter seyn! –

GIULIETTA.

Ach, Romeo! –

ROMEO.

Du flehst vergebens! –

GIULIETTA.

Ach, erbarm’ Dich Dein und mein! –

ROMEO.

Theure, bau’ auf meine Treue,

Folge mir zum schönsten Bunde!

Ach, sonst wird die günst’ge Stunde

Ewig uns verloren seyn.

Des Geliebten Tod und Leben

Sind in Deine Hand gegeben.

Nein, Du fühlst nicht meine Liebe,

Kennest nicht der Sehnsucht Pein! –

GIULIETTA.

Hör’, o hör’ mein banges Flehen! –

Sieh, Geliebter, meine Leiden! –

Nur Verderben droht uns Beiden,

Nichts kann uns vom Tod’ befrei’n.

Ach, erspare meinem Herzen

Größ’re Qualen, größ’re Schmerzen! –

Dein, nur Dein war ich im Leben,

Auch im Tode bin ich Dein! –

Zweiter Akt.

Innere Halle in Capellio’s Pallast.

Erste Scene.

Ritter und Damen.

CHOR.

Wenn des Tages Stürme verfliegen,

Bringt der Abend Freud’ und Vergnügen,

Zorn und Rache seh’n wir entschwinden,

Wenn Hymens Fackeln hell sich entzünden.

Wo Amors Lächeln freundlich uns winket,

Herrscht nur Entzücken, Jubel und Lust.

Laßt mit Gesängen, mit fröhlichen Klängen

Das heut’ge Fest uns froh begehen.

Ja, diese Stunde der reinsten Freuden

Sey uns Belohnung nach langen Leiden.

Wo der Freude Becher blinket,

Flieht der Gram aus jeder Brust,

Und wo Amor’s Lächeln winket,

Herrscht Entzücken, Wonn’ und Lust.

Ab.

Zweite Scene.

Romeo, Lorenzo.

LORENZO.

Hemme die raschen Schritte! wage

Nicht weiter Dich; des Guelfen Kleidung

Schützt Dich nicht vor Verrath.

ROMEO.

Kann an Gefahren

Ich wohl noch denken, wenn der verhaßte Feind

Mir die Geliebte raubt? Ja doch beim Himmel!

Nie soll’s gescheh’n! Ich schwör’ es!

LORENZO.

Du rasest! entschwand Dir

Nicht jede Hoffnung?

ROMEO.

Eine noch bleibt mir. So höre!

Heimlich verweilen, gleich mir verkleidet,

Im Schutz des Waffenstillstandes, hier in Verona

Tausend der Meinen, zum Kampfe gerüstet.

LORENZO.

Himmel!

ROMEO.

Ganz unerwartet stürzt

Die Schaar sich auf die Feinde, und schnell geendet

Sey das heutige Fest.

LORENZO.

O Nacht voll Schrecken!

Mich machst Du zum Genossen

So blut’ger Gräuel? Machst mich zum Verräther

An diesem Hause?

Welch’ Getümmel!

ROMEO.

O Entzücken!

CHOR.

Die Montecchi!

ROMEO.

Wohl mir!

CHOR.

Zum Kampfe!

LORENZO.

Fliehe! schnell!

ROMEO.

Tebaldo, zitt’re!

Meiner Rache sollst Du fallen!

Die Trompeten hör’ erschallen,

Sie verkünden Dir den Tod!

LORENZO.

Schweige, schweige, flieh’, o fliehe!

Waffenlärm von jeder Seite!

Ach, Du bist des Todes Bente

Vom Verderben rings bedroht.

CHOR.

Bringt Waffen, schnell, ihr Leute!

Wer giebt Schutz in dieser Noth? –

Ab.

Dritte Scene.

Giulietta allein.

Still wird’s umher, – und Schweigen

Folget dem Schlachtgetümmel.

Nimm meinen Dank, o Himmel,

Frei athmet dieses Herz.

Doch an den gold’nen Decken

Sah’ ich das Blut der Meinen, –

Muß ich vielleicht, o Schrecken!

Romeo’s Fall beweinen?

Himmel! diese Angst, dies Beben –

Kaum kann ich widersteh’n.

Du nur kannst Schutz ihm geben,

Ew’ger! o hör’ mein Fleh’n!

Vierte Scene.

Romeo, Giulietta.

ROMEO.

Giulietta!

GIULIETTA.

O Gott! wen seh’ ich?

ROMEO.

Deinen Romeo, o fasse Dich!

GIULIETTA.

Entsetzen, Du wagst es?

ROMEO.

Zur Rettung

Biet’ ich Dir meine Hand.

Folg’ mir!

GIULIETTA.

Laß mich! – o Himmel!

Du tödtest mich und Dich!

ROMEO.

Komm, ich beschwöre Dich

Bei unsrer Liebe Band!

CHOR.

Tod den Montecchi!

GIULIETTA.

Fliehe!

Sie stürmen schon heran!

ROMEO.

Mitten durch ihre Reihen

Macht dieses Schwerdt uns Bahn.

Fünfte Scene.

Tebaldo und Capellio mit Bewaffneten. Lorenzo. Vorige.

CAPELLIO.

Haltet!

TEBALDO.

Was seh’ ich! der Abgesandte,

Der heut’ vom Frieden sprach?

LORENZO.

(O Gott, er ist verloren!)

ROMEO.

Ich wüthe!

GIULIETTA.

Welche Schmach!

CAPELLIO.

Bewaffnet! im Pallaste?

TEBALDO.

Gehüllt in dieses Kleid?

Hältst Du vielleicht auf’s Neue

Ein Bubenstück bereit?

Wachen, herbei!

GIULIETTA.

Haltet ein!

Vater! – O schont! Erbarmen!

CAPELLIO.

Fort von mir!

TEBALDO.

Wie kann um seinetwillen

Sorge Dein Herz erfüllen?

CAPELLIO.

Giulietta!

TEBALDO.

Keine Antwort?

Du zitterst? bist verlegen?

Wer bist Du, Bube?

ROMEO.

So wisse! –

GIULIETTA.

Nein, nein, o sprich es nicht!

ROMEO.

Ich bin Dein Nebenbuhler! –

LORENZO.

(Wie unbedacht!)

GIULIETTA.

Mein Herz – es bricht! –

TEBALDO, CAPELLIO.

Verräther, was hör’ ich? –

GIULIETTA.

Lorenzo, zu Hülfe! –

LORENZO.

O Stunde des Jammers! –

ROMEO.

Durch mich stirbt die Arme! –

TEBALDO, CAPELLIO, LORENZO.

Umflort euch, ihr Sterne! –

Bedeckt euern Schein! –

Tief hüll’ uns’re Schande

In Dunkel sich ein! –

GIULIETTA, ROMEO.

O Vorsicht, du wollest

Ihm / Ihr Rettung verleih’n!

Schwer fall’ ihre Rache

Auf mich nur allein!

CHOR.

Wir sind nah’, Romeo! –

TEBALDO, CAPELLIO.

Welch Schreien! –

ROMEO.

Meine Freunde! –

GIULIETTA.

O Wonne!

CHOR.

Er ist es!

Sieh, es kommen die Getreuen,

Dich, Romeo, zu befreien! –

CAPELLIO.

Du Romeo? – Und noch am Leben?

TEBALDO.

Ha, Verräther! Du sollst erbeben! –

ROMEO.

Blut und Leichen wollt Ihr sehen? –

Nun wohlan! es fließe Blut! –

TEBALDO, CAPELLIO, ROMEO, CHOR.

Von des Kampfes wilden Stürmen,

Die sich tobend nun erheben,

Soll Italien erbeben,

Zittern selbst des Meeres Strand! –

GIULIETTA, LORENZO.

Ende, Gott, des Kampfes Stürme,

Die sich tobend nun erheben,

Und der Rache blutig Streben

Sey in Mitleid umgewandt! –

ROMEO, GIULIETTA.

Mag für dieses Erdenleben

Jede Hoffnung uns entschwinden! –

Ja, wir werden einst uns finden,

Dort, vereint in jenem Land! –

TEBALDO, CAPELLIO, CHOR.

Zu des Kampfes wilden Stürmen,

Die sich tobend nun erheben,

Eile, Sonn’, uns Licht zu geben,

Steig’ hervor am Himmelsrand! –

LORENZO.

Sonne, steig’ mit Widerstreben

Spät hervor am Himmelsrand! –

Dritter Akt.

Gallerie in Capellio’s Pallast.

Erste Scene.

Giulietta allein.

Noch keine Kunde! – O Himmel!

Gieb mir Gewißheit! – Der Lärm der Waffen

Ist nun verstummt. Nur noch zuweilen ertönt

Mit fernen dumpfem Schalle ein leises Murmeln

Wie von Wogen des Meers nach Ungewittern.

Wer fiel im Kampfe? O Gott! wer siegte?

Wen muß ich beweinen? Dürft’ ich nur geh’n und fragen!

Gequält von bangen Zweifeln, muß ich verzagen!

Zweite Scene.

Lorenzo, Giulietta.

GIULIETTA.

Lorenzo, o sprich! –

LORENZO.

Romeo lebet!

GIULIETTA.

Ich athme! –

LORENZO.

Des nahen Felsens Gipfel

Schützt ihn und seine Schaar, bis Ezzelin

Ihm selber helfend erscheint. Doch, wisse! Du Aermste

Bald führt Tebaldo Dich nach seinem Schlosse,

Wenn Du noch zögerst, mit fester Zuversicht

Dem lang’ bewährten Freund Dich zu vertrauen!

GIULIETTA.

Was soll ich thun? – O rede! –

LORENZO.

Hast Du Muth? –

GIULIETTA.

Du fragst noch? –

LORENZO.

Nun denn! – Hier, dieses Fläschchen

Enthält ein Mittel, das in Schlummer wieget,

Aehnlich dem Tode, und Dich, die todt man wähnet,

Legt man in’s Grab an Deiner Ahnen Seite.

GIULIETTA.

Ha! welch ein Plan? Bei ihnen

Ruht auch der Bruder, den Romeo erschlagen.

Drohend wird er erstehen

Aus der modernden Gruft.

LORENZO.

Wenn Du erwachst,

Ist Dein Geliebter sammt mir in Deiner Nähe.

D’rum ohne Furcht! Du zitterst? Du zauderst?

GIULIETTA.

O Himmel! –

Mich kann der Tod nicht schrecken! –

Oft wollt’ ich ihn erflehen;

Doch ihn so nah’ zu sehen,

Erfüllt mein Herz mit Gran’n.

LORENZO.

Muthig! Auf, fasse Vertrau’n! –

Kurz wird das Grab Dich decken!

GIULIETTA.

Doch, wenn, mich zu erwecken,

Dem Trank die Kraft gebricht? –

O welch ein Bild voll Schrecken! –

Nimmer soll ich dann schauen,

Sonne, dein strahlend Licht! –

LORENZO.

Nimm doch – die Stunden fliehen,

Ich hör’ des Vaters Tritte.

GIULIETTA.

Mein Vater! – O gieb und rette mich! –

LORENZO.

Du bist gerettet, fasse Dich!

GIULIETTA.

Komm, laß uns geh’n!

Dritte Scene.

Capellio mit Gefolge. Die Vorigen.

CAPELLIO.

Verweile! –

Noch nicht im Schlummer? –

Der Ruhe kurz zu pflegen,

Gönn’ ich Dir noch die Zeit.

Geh’! dem Gemahl zu folgen,

Sey morgen dann bereit.

CHOR.

Kummer und düst’res Baugen

Hält ihren Geist umfangen.

O gönne doch der Armen

Ein Wort der Zärtlichkeit! –

GIULIETTA.

Ohne daß Du vergeben,

Kann ich von Dir nicht geh’n.

Bald schwindet dieses Leben –

Laß mich versöhnt Dich sch’n! –

Kann der so grausam strafen,

Der mir das Leben gab? –

Laß Deinen Zorn entschlafen –

Senk’ ihn mit mir in’s Grab! –

CAPELLIO.

Laß mich!

LORENZO.

(Sey ruhig! Folge mir!)

CAPELLIO.

Nach Deinen Zimmern gehe! –

CHOR.

Sie ist so nah dem Grabe –

O leg’ Dein Zürnen ab! –

Ab.

Vierte Scene.

Gegend in der Nähe von Capellio’s Pallast.

ROMEO allein.

Rings herrschet Stille! – Lorenzo erwartend

Will ich hier weilen. Saumsel’ger Freund! Auch er

Kann mich im Unglück vergessen.

Und ach, im Bund mit meinem Mißgeschicke

Läßt er mich hier allein mit meinen Qualen!

Fort von hier! Ich höre Tritte!

Grausam Verhängniß! –

Fünfte Scene.

Tebaldo. Romeo.

TEBALDO.

Wer bist Du, der Du’s wagest,

Im Kreise dieser Mauern umher zu schleichen?

Hörst Du mich nicht?

ROMEO.

Bleib ferne! Mein Erkennen

Brächte Dir nur Verderben! –

TEBALDO.

Wohl kenn’ ich Dich

An dem verweg’nen Ton, an dieser Wuth,

Die in mir glühet! –

ROMEO.

Wohlan, so sieh mich, und bebe!

TEBALDO.

Frevler! – Geb’ ich ein Zeichen,

Naht sich die Schaar der Meinen!

Doch nur von meinen Streichen

Ereilt Dich hier Dein Loos! –

ROMEO.

Komm, Feiger! ich verachte Dich,

Und Jene, die Dich umgeben.

Bald bärg’st Du gern Dein Leben

Tief in der Erde Schooß.

BEIDE.

Ein feindliches Geschicke

Umdüstert Deinen Sinn,

Und reißt mit schwarzer Tücke

Dich in’s Verderben hin! –

TEBALDO.

Zum Kampfe! –

ROMEO.

Zum Kampfe! –

TEBALDO.

Verweile! –

ROMEO.

Welche dumpfe Klagetöne! –

CHOR.

Ach, armes Mädchen! –

ROMEO.

Klänge

Der Trauer sind’s.

TEBALDO.

Wem gelten sie? –

Sechste Scene.

Ein Trauerzug erscheint. Vorige.

CHOR.

Friede sey Deiner Seele

Nach so viel bangen Leiden! –

Selige Himmelsfreuden

Winken dort oben Dir! –

ROMEO.

Giulietta!

TEBALDO.

Todt!

ROMEO.

Ha, Barbaren! –

ROMEO, TEBALDO.

Die Sinne schwinden mir! –

ROMEO.

Todt Giulietta! – Ha, Verworfener!

Nur durch Dich sank diese Rose! –

Weide jetzt an ihrem Loose

Dein verruchtes, schwarzes Herz! –

Auf! durchbohre diesen Busen –

Segnen will ich Dich im Scheiden! –

Hohes Glück in meinen Leiden

Kann der Tod mir nur verleih’n! –

TEBALDO.

Mehr als Du fühl’ ich den Jammer! –

Meine Lieb’ ist nun Verbrechen! –

Kannst du, o Himmel, so schwer dich rächen?

Mich durchglüht der Hölle Schmerz! –

Lebe, lebe, Unglücksel’ger! –

Keine Schuld darfst Du bereuen:

Von der Qual mich zu befreien,

Dies vermag der Tod allein! –

Vierter Akt.

Die Grabmäler der Capuleti.

Erste Scene.

Romeo mit seinen Gefährten.

CHOR.

Hier sind wir! – Möge Dein kühnes Wagen,

In diese Gruft zu dringen,

Dir nicht Verderben bringen,

An diesem Ort der Nacht! –

ROMEO.

Hier ist das Grabmal! Mit Blumen noch bestreut,

Ach noch von Thränen feucht! Nimm auch die meinen,

Die bitt’rer Schmerz und Zärtlichkeit ihr weinen.

CHOR.

O Herr, ermanne Dich!

ROMEO.

Ein and’res Opfer, mehr als Thränen,

Soll Dir in Kurzem werden.

CHOR.

Gebieter, o hemme der Seele Schmerz!

ROMEO.

Nächtliches Dunkel, das die Gruft umhüllt,

Weich’ einen Augenblick des Tages lichtem Glanz

Und zeige mir noch einmal deine Beute!

Oeffnet des Sarges Deckel, daß ich sie siehe!

Ha! Giulietta, meine Giulietta!

Du bist’s, – ich sehe Dich! Ja! ich habe Dich wieder!

Nein! nicht verblichen, nur leise schlummernd

Und harrend Deines Freundes, daß er Dich wecke.

Wach’, o erwache bei meinen Klagetönen!

Dich rufet Dein Romeo!

CHOR.

Er redet irre! Komm, folg’ uns, laß uns eilen!

Längeres Weilen bringet uns Gefahr.

ROMEO.

Nur einen Augenblick laßt mich noch hier.

Wohl giebt es manch Geheimniß, das der Kummer,

Ach, nur dem Grabe mag vertrauen.

CHOR.

Dich lassen? einsam? in solchem Schmerz?

Du zerreißest uns das Herz.

ROMEO.

Entfernt Euch! ich will es!

Chor ab.

Zweite Scene.

Romeo allein.

Giulietta, Du sollst allein, Theure,

Mich hören! Ach, eitles Hoffen! Verschlossen

Für meinen Jammer ist das Ohr der Geliebten.

Wie steh’ ich einsam, ach! wie verlassen auf Erden!

Verweile, reine Seele,

Daß ich an Deiner Seite

Dich selig froh geleite

Zu jenen lichten Höh’n. –

Du kannst nicht ohn’ Erbarmen

Mich einsam hier verlassen,

Und, fern von Dir, mich Armen

In meinem Jammer seh’n. –

Hervor, mein einz’ger Retter,

Du Trank des Todes, der ewig uns vereint!

O komm’ an meine Lippen! –

Und ihr empfangt von mir den letzten Athemzug,

Gräber, wo meine Feinde schlafen! –

Dritte Scene.

Giulietta erwacht. Romeo.

GIULIETTA.

Ah! –

ROMEO.

Welcher Seufzer!

GIULIETTA.

Romeo!

ROMEO.

Gott! ihre Stimme!

GIULIETTA.

Romeo!

ROMEO.

Sie spricht zu mir, sie ruft mich zu sich!

Himmel! was erblick’ ich?

GIULIETTA.

Romeo!

ROMEO.

Giulietta! o Gott!

GIULIETTA.

Bist Du’s?

ROMEO.

Du athmest?

GIULIETTA.

Ach, um nimmer Dich zu lassen,

Siehest Du mich hier erwachen;

Nur zum Schein lag ich im Tode.

ROMEO.

Ha! was sagst Du?

GIULIETTA.

Du weißt nicht? sah’st Du Lorenzo nicht?

ROMEO.

Nichts anders sah’ ich,

Nichts anders wußt’ ich,

Als Dich im Grabe,

Und ich eilte, ich Unglücksel’ger!

GIULIETTA.

Wohlan, Geliebter! Dein bin ich nun!

Und aller Schmerz entschwindet

In Deinen Armen! – Nun komm’!

ROMEO.

Hier muß ich weilen, ja, ewig, ewig, hier!

GIULIETTA.

Was muß ich hören? rede, rede! –

Ach Romeo! –

ROMEO.

Du weißt nun Alles!

GIULIETTA.

Unglücksel’ger! welch’ Beginnen!

ROMEO.

Dir zur Seite wollt’ ich erblassen!

GIULIETTA.

Helft! herbei! – Laß mich von hinnen!

ROMEO.

Bleibe, zu spät!

GIULIETTA.

Kann ich es fassen?

ROMEO.

Mir im Busen wühlt das Verderben.

GIULIETTA.

Laß mit Dir, mit Dir mich sterben!

Einen Dolch!

ROMEO.

O nein! vergebens!

GIULIETTA.

Dieses Fläschchen!

ROMEO.

Es ist geleeret! –

Leb’! o leb’, um meinen Leiden

Wehmuths-Thränen einst zu weih’n.

GIULIETTA.

Möge doch vor Deinem Scheiden

Mir der Tod beschieden seyn!

ROMEO.

Laß mich an’s Herz Dich drücken!

Nacht – wird’s – vor meinen Blicken.

GIULIETTA.

Vom Grab’ muß ich erstehen,

Ach, und Du sink’st hinein!

ROMEO.

Schweig! Deinen Schmerz zu sehen,

Ist mehr als Todespein.

Ha! welch ein Schleier, – o rede,

Ein einzig Wort von Dir!

Gedenke unsrer Liebe –

Giulietta – ich sterbe – leb’ wohl!

GIULIETTA.

Romeo! O verlaß mich nicht –

Scheide noch nicht von mir!

Hier soll Dein Ruhbett seyn –

Romeo! – Er stirbt! – O Gott!

Vincenzo Bellini – Beatrice von Tenda

Vincenzo Bellini
Beatrice von Tenda

Tragische Oper in zwei Akten

Personen

Filippo Maria Visconti, Herzog von Mailand

Beatrice von Tenda, seine Gemahlin

Agnese del Maino

Orombello, Herr von Ventimiglia

Anichino, ehemaliger Minister des Facino Cane

Rizzardo del Maino, Agnesens Bruder

Höflinge. Richter. Bewaffnete

Hofdamen. Wachen

Die Handlung spielt im Castell Binasco, im Jahre 1418.

Erster Akt.

Innere Halle im Schlosse Binasco.

Erste Scene.

Einige Höflinge. Filippo.

CHOR.

Wie, Gebieter! das Fest der Freude

Wolltet Ihr so schnell verlassen?

FILIPPO.

Laßt, o laßt mich! was dort ich sehe,

Muß ich fliehen, muß ich hassen!

CHOR.

Beatrice?

FILIPPO.

Ja! Wie drückend

Sind die Fesseln, die mich binden!

Meine Herrschaft beschränkt zu finden,

Lieb’ und Treue ihr zu lügen,

Ihren Launen mich zu fügen,

Wenn aus ihr der Argwohn spricht!

Dieser Qual muß ich erliegen –

Nein, ich trag’ es länger nicht!

CHOR.

Ja, die Last ist schwer zu tragen!

Doch des Zwanges könnt Ihr Euch entheben!

FILIPPO.

O wie gerne!

CHOR.

Wer könnt’ es wagen,

Euerm Wunsch zu widerstreben?

Nein nicht länger dürft Ihr schweigen,

Eilt, als Herrscher Euch zu zeigen!

Die Vasallen, die ihr dienen,

Könnten leicht sich sonst erkühnen,

Ihren Herzog zu verrathen,

Fielen treulos von Euch ab,

Pochend auf der Fürstin Staaten,

Die als Gattin sie Euch gab.

AGNESE.

Wahn ist’s, daß auf dem Throne

Des Lebens Glück Dir blühet.

Wenn uns die Liebe fliehet,

Kann uns kein Thron erfreu’n!

FILIPPO.

Agnese! Wie treffend!

CHOR.

In Eure Gefühle stimmt ihr Gesang mit ein.

AGNESE.

Was mag das Herz beglücken

Fern von der Lieb’ Entzücken?

Den Pfad mit Blumen schmücken

Kann Liebe nur allein!

FILIPPO.

Auf meinen Wegen

Sproßt keine Blume der Freude!

CHOR.

Eilt dem Glück entgegen!

Wagt nur die läst’gen Bande

Mit fester Hand zu trennen,

Dann werden alle Herzen

Liebend für Euch entbrennen.

Keine wird Euch verschmähen, –

Alle besieget Ihr.

FILIPPO.

Alle? (Du holde Agnese!

Ach, Du genügtest mir.

Was Du mir bist, o Theure,

Kann nur mein Herz Dir sagen!

Du stillst des Kummers Plagen,

Linderst der Sehnsucht Schmerz.

Könnt’ ich zum höchsten Throne

An meiner Hand Dich führen!

Doch keine Erdenkrone

Lohnte Dein edles Herz!)

CHOR.

Laßt die Hoffnung nicht entschwinden,

Von dem Zwang Euch zu erretten.

Schmachtend bald in schönern Ketten,

Lächelt Euch die Lieb’ auf’s Neu!

FILIPPO UND CHOR.

Nicht verzagt! Vielleicht im Stillen

Ist das Glück mit mir / Euch im Bunde

Nütz’ ich / Nützt Ihr nur die günst’ge Stunde,

Steht auch seine Gunst mir / Euch bei!

Alle ab.

Zweite Scene.

Agnesens Gemach.

OROMBELLO.

So bin ich denn am neidenswerthen Orte,

Der, theure Beatrice, Dich umfängt;

Dich, die dem Himmel mir zum Trost entstiegen;

Der hat gnädig Gott die Wunderkraft geschenkt,

Das Zürnen meines Schicksals zu besiegen.

O Heißgeliebte! wie viel Schmerzensthränen

Entladest meinem Auge Du allein;

Ja, Du wirst ewig meines Herzens Sehnen,

Die Seele meines ganzen Lebens sein.

Den Himmel seh’ ich sich vor mir erschließen,

Blickst Du mich an, und lächelst Du mir zu;

Laß mich als Edens Engel Dich begrüßen,

Der Schutzgeist meines Daseins bist ja Du.

Ha! als ich Dich zum Erstenmal gesehen,

Und wonn’entflammt in’s Antlitz Dir geschaut,

Da wagt’ ich still »O liebe mich« zu flehen,

Doch stumm blieb Deiner Lippen süßer Laut.

Allein in Deinem Auge konnt ich lesen,

Was schüchtern mir verschwieg Dein holder Mund;

Da schien es mir, Du angebetet Wesen,

Als lächle mir das ganze Weltenrund.

Dritte Scene.

Agnese, der Vorige.

AGNESE.

Saget, was soll dies Staunen?

Kommt doch näher!

OROMBELLO.

Verzeihung!

Von fern vernahm ich – die holden Töne –

Und das Verlangen, zu wissen,

Wessen Hand sie entströmten,

Ließ mich wagen – Verzeihung, Agnese!

AGNESE.

Wie, Ihr entfernt Euch? O bleibet!

Kommt näher!

OROMBELLO.

(O Gott!)

AGNESE.

Ich bitte!

Und nur der Neugier dank’ ich diese Freude,

Euch hier zu sehen?

OROMBELLO.

(Was sag’ ich ihr?)

AGNESE.

Und war es kein and’res Sehnen?

OROMBELLO.

Welch’ and’res Sehnen?

AGNESE.

Kann nicht in dieser Stunde,

Vertieft in Schwärmerei’n, ein fühlend Herz

noch wachen,

Und, unter Seufzern, der verschwieg’nen Laute

Ein theures Wort vertrauen, –

Den Namen Orombello?

OROMBELLO.

Wie? Meinen Namen? Unmöglich

AGNESE.

Weg mit Verstellung! Ihr müßt es wissen!

OROMBELLO.

(O Himmel!)

AGNESE.

Sah ich vielleicht am Hofe

Euch nie erscheinen? Drangen Eure Seufzer

Nie in mein Ohr?

OROMBELLO.

(Was muß ich hören!)

AGNESE.

Erst neulich verrieth mir Euer Auge,

Was Ihr empfindet. – Er liebet,

So sprach ich! Mehr als ein Andrer,

Ist er der Liebe würdig, –

Mehr als sein stolzer Nebenbuhler!

OROMBELLO.

Was sagt Ihr?

AGNESE.

Mag ihn Glanz und Hoheit auch umschweben!

OROMBELLO.

(Gott, was hör’ ich?)

AGNESE.

Eitler Schimmer!

Eine Seele, Euch treu ergeben, –

Sie entsagt dem Glanz auf immer!

Hand in Hand mit Euch zu gehen,

Wäre ihr das höchste Glück.

OROMBELLO.

(Alles darf ich ihr gestehen, –

Längst durchschaute mich ihr Blick.)

AGNESE.

Nun, was sagt Ihr?

OROMBELLO.

Agnese!

AGNESE.

Gelangte

Nicht ein Blatt in Eure Hände?

OROMBELLO.

Ja! – O laßt mich Euch vertrauen,

Ja, ich lieb’, und diese Liebe

Ist mein Hoffen, ist mein Glück!

AGNESE.

(Welch Geständniß, welch frohe Kunde

Tönet mir aus seinem Munde!)

OROMBELLO.

Beatrice, Du mein Alles!

AGNESE.

Himmel!

OROMBELLO.

Agnese!

AGNESE.

Ich bin verloren!

OROMBELLO.

Weh! was that ich?

AGNESE.

Für sie schlägt sein Herz!

Sie geliebet! ich verhöhnet,

Hintergangen! Unsel’ger Irrthum!

OROMBELLO.

Ach, Erbarmen! Ihre Ehre, ihr Leben

Sind in Eure Hand gegeben!

AGNESE.

Und mein Leben, meine Ehre

Kann nicht Deine Sorg’ erregen?

Laß den Sturm, den Du erwecket,

Erst in meiner Brust sich legen, –

Diesen Schimpf mach’ ungeschehen, –

Meiner Qual laß mich entgehen!

Dann vielleicht fühl’ ich Erbarmen –

Dann vielleicht kann ich verzeih’n!

OROMBELLO.

Nur Dein Herz hat Dich betrogen,

Darum magst Du mir vergeben

Gern, um Deine Qual zu lindern,

Gäb’ ich selbst mein Blut, mein Leben.

Ach, umsonst hab’ ich gerungen,

Von der Schönheit Reiz bezwungen, –

Drum verzeih’, o hab’ Erbarmen!

Liebe trägt die Schuld allein.

AGNESE.

Schweige, schweige!

OROMBELLO.

Ach nein!

AGNESE.

Entfliehe!

Blutig soll ihr Schicksal enden!

OROMBELLO.

Unglücksel’ge! – Ach, ihr Leben

Ruht allein in Deinen Händen.

AGNESE.

Diesen Schimpf mach’ ungeschehen, –

Meiner Qual laß mich entgehen!

Dann vielleicht fühl’ ich Erbarmen,

Dann vielleicht kann ich verzeih’n!

OROMBELLO.

Ach, umsonst hab’ ich gerungen,

Von der Schönheit Reiz bezwungen!

Drum verzeih’, o hab’ Crbarmen!

Liebe trägt die Schuld allein.

Beide ab.

Vierte Scene.

Ein Bosket im herzoglichen Garten.

Beatrice und ihre Frauen.

BEATRICE.

Frei athm’ ich hier! Im Schatten dieser Zweige,

Umweht von süßen Düften –

O wie erquickend scheint mir des Tages Strahl.

CHOR DER FRAUEN.

Sieh’, wie die Blüthen sich am Morgen

Mit neuem Glanz erheben!

So möge frei von Sorgen,

Neu sich Dein Herz beleben!

BEATRICE.

Ach, meine Lieben!

Neigt, vom Sturme gebrochen, ihr Kelch sich nieder,

Dann erhebt keine Sonne die Blume wieder.

Dies ist mein Schicksal! so welkt, vom Sturm

gebrochen,

Meine Blüthe dahin! – So nicht Filippo,

Wolltest Du mir vergelten, als ich Dich schützte,

Meine Liebe Dir schenkte, und meine Krone!

CHOR DER FRAUEN.

Wahrheit ist’s, was sie spricht!

BEATRICE.

Welch Loos, Du Undankbarer! ward mir zum Lohne?

Nicht allein hab’ ich dies Loos zu tragen,

Nicht allein vertraur’ ich so mein Leben!

O mein Land! ich höre Deine Klagen!

Wessen Hand hab’ ich Dich übergeben!

Solchem Jammer Dich zu weihen,

Traf mein Herz die rasche Wahl.

EHOR DER FRAUEN.

(Seht, sie weinet!)

BEATRICE.

(O meine Treuen!)

CHOR DER FRAUEN.

(Klagt und seufzet –!)

BEATRICE.

(O welche Qual!)

Auch die Meinen floh das Glück,

Dessen sie sich einst erfreut.

Und der Herrin Mißgeschick

Ward für sie zu bitterm Leid!

Doch uns schützt des Ew’gen Hand,

Mild sein Auge auf uns ruht!

Wenn die Hoffnung uns entschwand,

Bleibt, zu dulden, uns der Muth.

CHOR DER FRANEN.

(Nicht verlassen bleibt für immer

Wer die Tugend sich erkor.

Bald hebt sie mit neuem Schimmer

Aus dem Dunkel ihn empor.)

Ab.

Fünfte Scene.

Filippo und Rizzardo.

FILIPPO.

Wohin kann sie entfliehen,

Daß nicht mein Auge sie

Erreichet? Geh, sie einzuholen.

Rizzardo ab.

Mein Zorn erwacht auf’s Neue!

Und – daß sie mich verrathen,

Schmerzte mich so? wünschte ich es nicht schon lange?

Und die Beweise – sind sie mir nicht willkommen?

Sechste Scene.

Beatrice. Filippo.

BEATRICE.

Du hier, Filippo?

FILIPPO.

Wo anders

Bist Du zu finden, als an düstern Orten,

Um Dein geheimes Treiben

Scheu zu verbergen?

BEATRICE.

Ja! keine Zeugen

Will ich für meine Thränen!

Und Du, vor Allen Andern,

Sollst sie nicht schauen!

Denn schon seit langer Zeit sind sie Dir lästig.

FILIPPO.

Nicht lästig hätt’ ich sie gefunden,

Wenn Du die wahre Quelle

Mir nicht verschwiegen.

BEATRICE.

Du kennst sie lange!

Und tiefer muß es mich schmerzen,

Daß Du Dich stellst, sie nicht zu kennen!

FILIPPO.

Ich sollte sie nicht kennen!

So wisse! Dein heimlich Trachten,

Dein sträflich Sinnen, das Du zu bergen wähnest,

Les’ ich auf Deiner Stirn’, im Herzen, im Blicke!

BEATRICE.

Du? mein sträflich Sinnen? und welches?

FILIPPO.

Welches? – Unwürd’ge! Falschheit und Tücke!

BEATRICE.

Falschheit und Tücke! Undankbarer!

Dies kannst Du selbst nicht wähnen!

Kummer, getäuschtes Sehnen,

Magst Du im Aug’ mir lesen, –

Betrog’ner Hoffnung Thränen,

Gekränkter Liebe Schmerz.

FILIPPO.

Wohl kenn’ ich diese Liebe!

Du kannst sie nicht verhehlen!

Die kühne Brust beseelen

Der Herrschsucht stolze Triebe,

Und Schaam und Reue quälen

Dein schuldbelad’nes Herz.

BEATRICE.

Filippo!

FILIPPO.

Ja, Ungetreue!

Kein Schein soll mich mehr blenden!

BEATRICE.

Filippo!

FILIPPO.

Die sichern Proben

Hab’ ich in meinen Händen!

BEATRICE.

Filippo, halt’ ein!!

FILIPPO.

Zitt’re! Sieh! Dein Verbrechen ist hier!

BEATRICE.

Gott! – Wie, meine Siegel

Wagst Du zu verletzen?

FILIPPO.

Ich? Ja!

Klagen empörter Knechte, –

Straflos kannst Du sie hören, –

Zürnst nicht, wenn freche Knaben

Der Treue Eid Dir schwören.

Und wagst mich anzuklagen

Als Schöpfer Deiner Plagen?

In Schuld so tief gesunken,

Nein, nein, – glaubt’ ich Dich nicht!

BEATRICE.

Klagen bedrängter Völker

Enthalten diese Schreiben, –

Wenn ich sie hört’, Unseliger!

Würdest Du Herrscher bleiben?

Sage, sind dies die Gründe,

Daß ich so streng’ Dich finde?

Liebst Du mich nicht, so achte mich,

Raub’ mir die Ehre nicht!

Die Blätter, Filippo, o gieb sie mir wieder!

Vermeide die Schande.

FILIPPO.

Umsonst ist Dein Flehen.

BEATRICE.

Nein, keine Verräth’rin kannst Du in mir sehen.

FILIPPO.

Ja, Alles verklagt Dich, die Schande trifft Dich.

BEATRICE.

Filippo!

FILIPPO.

Hinweg!

BEATRICE.

Ich flehe in Thränen –

Gieb lieber den Tod mir.

FILIPPO.

Erwarte ihn! Fort!

BEATRICE.

Ha, Unmensch, Verleumder! Dein grausam Betragen

Ermuthigt mich wieder, – verstummet, ihr

Klagen!

Die Unschuld soll Stärke und Kraft mir verleih’n.

Die Welt sei mein Zeuge, sie möge entscheiden,

Sie mag mich vertheid’gen, mir Richterin sein.

FILIPPO.

Unwürd’ge, vertilge die Spur der Verbrechen,

Dann magst Du Dich brüsten, zu droh’n Dich

erfrechen!

Verweg’ne, dann kannst Du von Schmach Dich

befrei’n.

Die Welt soll es wissen, sie möge entscheiden,

Sie wird Dich verdammen, mir Rächerin sein!

Beide ab.

Siebente Scene.

Entlegener Theil im Schlosse Binasko.

Eine Abtheilung Bewaffneter.

ERSTER CHOR.

Nun, Ihr saht ihn?

ZWEITER CHOR.

Ja, Verwirrung

Malte sich in seinen Zügen.

ERSTER CHOR.

Und was sprach er?

ZWEITER CHOR.

Durch die Gänge

Eilt er ängstlich, still, verschwiegen!

ERSTER CHOR.

Wohin ging er?

ZWEITER CHOR.

Wie ohne Absicht,

Schlich er an den Wänden hin!

ERSTER CHOR.

Doch umsonst, – er mag sich hüten,

Seine Pläne verrathen ihn.

ALLE.

Gleiche List laßt uns gebrauchen, –

Nichts vermag uns zu entgehen,

Laßt uns lauschen, laßt uns spähen,

Doch vermeidet den Verdacht.

Nein, so dunkel ist kein Schleier,

Unser Blick wird ihn durchdringen, –

Leicht fällt er in unsre Schlingen,

Glaubt er sich nur unbewacht!

Sie gehen ab.

Achte Scene.

Beatrice allein, dann Orombello.

BEATRICE.

Hier will ich sie verbergen, des Schmerzes Thränen,

Des Kummers Klagen! Ach! könnt’ ich, o Facino,

Auch Dir sie bergen, Dir, den kaum verschieden,

Die Gattin so bald vergessen, der meinen Jammer,

Des Leichtsinns Strafe schaut, und seine Rache.

Hast Du mich einst geliebet, o so vergieb,

Du Edler! Einsam, verlassen und hülflos,

Ließ ich zu bald mich verblenden, –

Ach, allzuschwer büßt mein Herz für seine Schwäche!

Orombello tritt auf.

Alles fliehet vor mir!

OROMBELLO.

O nein! Ein Freund ist nahe!

BEATRICE.

Wen seh’ ich? Orombello!

Du hier? – und heimlich!

OROMBELLO.

Alle hör’ ich jammern über Dein Schicksal,

Ich werde handeln! Nicht länger darfst Du zaudern,

Laß Deine Zweifel schwinden,

Benütze Deine Macht! Alle Provinzen

Hab’ ich bereits durchzogen, und tausend Arme,

Dir treu ergeben, zu Deinem Schutz bewaffnet.

Komm und erhebe siegreich Facino’s Banner,

Räche als Fürstin des Volks gekränkte Rechte,

Und Deine eig’ne Schmach!

BEATRICE.

Sie ruft um Rache,

Und volle Rache soll ihr werden!

OROMBELLO.

O Wonne! – Sobald es dunkelt,

Flieh’n wir aus diesen Mauern,

Tortona’s Wälle nehmen schirmend

Uns auf! Harrend empfängt Dich

Der Getreuen tapfre Schaar. Gieb Dein Versprechen,

Durch keinen neuen Aufschub die That zu hindern.

BEATRICE.

Ach, welchen Rath willst Du mir geben?

OROMBELLO.

Noch kannst Du wanken?

BEATRICE.

Nein, nicht Du darfst mich beschützen, –

Selbst den Schein muß ich vermeiden.

OROMBELLO.

Welch ein Wort!

BEATRICE.

Der Argwohn lauschet, –

Meine Ehre darf nicht leiden!

OROMBELLO.

Deine Ehre?

BEATRICE.

Mein Vertrauen

Gilt dem Neid für Gunst der Liebe;

Deiner Ehrfurcht zarte Triebe

Für geheimer Neigung Gluth!

OROMBELLO.

Ja, ich weiß!

BEATRICE.

Du? und kannst es dulden?

OROMBELLO.

Allzuwahr ist das Gerücht!

BEATRICE.

Welche Sprache?

OROMBELLO.

O zürne nicht!

BEATRICE.

Ha, verstumme! Ach, weh mir!

OROMBELLO.

Seit mein Auge Dich gesehen,

Konnt’ ich nimmer widerstehen!

Täglich wuchsen diese Flammen,

Nährten sich an Deinem Schmerz.

Kannst Du dies Gefühl verdammen,

Dann erliegt mein wundes Herz!

BEATRICE.

Schweige! flieh’! Verweg’ner!

Wem, ach wem kann ich vertrau’n?

OROMBELLO.

O Verzeihung!

BEATRICE.

Fliehe!

Neunte Scene.

Vorige. Filippo. Rizzardo. Agnese mit Gefolge, Anichino; dann Ritter, Frauen und Soldaten.

AGNESE.

Siehst Du?

FILIPPO.

Ha, Verräther!

BEATRICE. OROMBELLO.

O Gott!

FILIPPO.

Ihr seyd ertappt

Wachen!

BEATRICE.

Halt’ ein!

FILIPPO.

O schweige!

Hoffe nicht, mich zu bethören!

Dein Verbrechen –

BEATRICE.

Mein Verbrechen

Lebet nur in Deinem Wahne,

Ach, ich kenne Dich!

FILIPPO.

Auch Dich erkennet

Nun die Welt zu meiner Schmach!

OROMBELLO.

(Sie ist verloren!)

BEATRICE.

O schwarze Seele!

FILIPPO.

Zeig’ Dich schuldlos!

CHOR.

(O Schreckenstag!)

BEATRICE.

Meine Ehre willst Du mir rauben!

Schuldig kannst Du mich nicht finden!

Nein, die Welt, sie wird nicht glauben,

Was Verleumdung aus Dir spricht! –

Daß ich ihn zu mir erhoben,

Bringt Verderben mir und Schande!

Er zerreißt die zarten Bande,

Mir zum Fluch ward der Verein!

FILIPPO.

Wehe mir, in solchen Händen

Ruhte einst mein Glück, mein Leben, –

Meine Ehre seh’ ich schänden!

Schimpf und Schmach bleibt mir allein!

OROMBELLO.

(Großer Gott, welch schrecklich Leiden

Hat mein Wagniß ihr bereitet!

Gern wollt’ ich vom Leben scheiden,

Könnt’ ich sie von Schmach befrei’n!)

AGNESE.

(Armes Herz! an seinen Qualen

Magst Du jubelnd Dich nun weiden!

Seinen Hohn will ich bezahlen!

Das Verderben harret sein.)

ANICHINO.

Mit Gefahr des eig’nen Lebens

Wollt ich von der Schmach sie retten.

Meine Sorge war vergebens,

Das Verderben brach herein!

CHOR.

Ach! zu ihrem Untergange

Hat sich alle Welt verschworen.

Großer Gott, sie ist verloren!

Allzugern glaubt er dem Schein.

FILIPPO.

Ihre Strafe zu erwarten,

Führt sie Beide in’s Gefängniß.

BEATRICE.

Und Du wagst es?

FILIPPO.

Es ist beschlossen!

BEATRICE.

O des Frevels!

OROMBELLO.

Herzòg, hört’ mich!

Nur Verleumdung darf es wagen,

Eines Fehls sie anzuklagen!

Sie ist schuldlos –

FILIPPO.

Nicht für ihr Verbrechen,

Für Dich selber magst Du sprechen.

Fort!

BEATRICE.

Filippo! geh nicht weiter!

Ach, zu spät wirst Du’s bereu’n.

FILIPPO.

Fort! Gehorcht!

DIE ANDERN.

Nichts kann sie retten,

Allzugern glaubt er dem Schein!

BEATRICE.

Steht hier Niemand mir zur Seite,

Einem Weibe Schutz zu geben?

Will für mich im offnen Streite

Keiner seinen Arm erheben?

Nun, so hör’ es, ew’ger Rächer!

Mein Vertrau’n setz’ ich auf Dich!

OROMBELLO.

Ach, ein Schwerdt nur laßt mir reichen

Rächend sei’s im Kampf erhoben!

Und ich will mit blut’gen Streichen

Ihre Unschuld Euch erproben!

Ach, vergebens ist mein Wüthen!

Und die Edle fällt durch mich!

FILIPPO.

Frevler, Euerm eitlen Grimme

Ueberlassen bleibt Ihr Beide, –

Fort, daß des Gerichtes Stimme

Ueber Euer Loos entscheide.

Eine Welt, des Spruches harrend,

Richtet ihren Blick auf mich!

AGNESE.

Also rächt des Weibes Seele

Sich an einem Undankbaren!

Welche Mittel ich erwähle,

Sollst Du zitternd bald erfahren!

Unglückselig sind wir Beide,

Aber Du noch mehr als ich!

ANICHINO UND CHOR.

Dieser Adel in den Zügen,

Diese Gluth in ihren Blicken, –

Strafet die Verleumdung Lügen,

Muß den Argwohn unterdrücken.

Ihre Unschuld Du enthülle,

Ew’ger Gott, wir bau’n auf Dich!

Zweiter Akt.

Gerichtsaal im Schlosse Binasko. Wachen an den Eingängen.

Erste Scene.

Filippo. Anichino und Soldaten.

Beatricens Damen und Höflinge.

FILIPPO.

Von nun soll unbeschränkt über ihr Schicksal

Das Gesetz nur entscheiden!

ANICHINO.

Und welch Gesetz wiche nicht Euerm Spruche?

Ach, ich beschwöre Euch, Herzog,

Bei Euerm Wohle! Bedenket doch die Folgen

Dieses Gerichts! Schon kam davon die Kunde

In die nahen Provinzen! Der Pöbel murret,

Und fühlet Mitleid!

FILIPPO.

Mich soll dies nicht schrecken!

Die Thore von Binasco bleiben geschlossen

Bis zum nächsten Morgen! Keinem sei der Eintritt

In’s Schloß gestattet! Wenn die bethörte Menge

In ihrem Abgott die Frevlerin erkennet,

Preis’t sie als Recht, was jetzt Gewalt ihr dünket.

ANICHINO.

Und wer vermag als Richter

Einen Ausspruch zu fällen,

Da, wo der Herzog die Klage führet?

FILIPPO.

Genug! Spare Deine Worte –

Zu weit führt Dich Dein Eifer!

Die Sitzung beginnt!

ANICHINO.

(O Himmel! ich bebe!)

Zweite Scene.

Vorige. Die Richter. Rizzardo. Filippo Damen und Ritter. Agnese.

ANICHINO.

(Ach! taub für meine Warnung

War Orombello! Meine Furcht hat sich bewährt!)

AGNESE.

(Der Rach’ ersehnte Stunde

Ist uun erschienen! Doch kann ich mich nicht

freuen!

Tief regt in banger Angst sich mein Gewissen!)

FILIPPO.

Wie, Richter, habt Ihr ernst’ren Grundes willen

Vor meinem Angesicht Euch noch versammelt;

Es gilt, zu richten heut so schwarze That,

Daß ich, der Herzog selbst, gezwungen ward,

Dem Spruch des Rechtes sie zu unterwerfen.

Wer auch die Schuld’ge sei, wer ihr Verkläger;

Laßt Eurem Spruch es keinen Eintrag thun;

Bedenkt nur Eins: daß ich ein Urtheil ford’re,

Wie es der höchsten Macht im Staat gebührt.

RICHTER.

Sei denn die Schuldige uns vorgeführt.

Dritte Scene.

Vorige. Beatrice von Wachen umgeben.

CHOR DER RIC HTER.

Die Klage schwerer Frevel lastet

Auf Euerm Haupte. Ihr mögt vor dem Gerichte

Von der Schuld Euch befrei’n!

BEATRICE.

Und wer gab Euch das Recht,

Ueber mich Gericht zu halten?

Wohin ich immer den Blick mag wenden,

Seh’ ich in diesem Kreise nur meine Vasallen

FILIPPO.

Und siehst Du nich

Den Herzog, den verrath’nen Gemahl?

BEATRICE.

Einen Verräther, der meine Huld und Milde

Mit Undank lohnet, meine Liebe mit Schande!

FILIPPO.

Du nennest Liebe – Verbindung

Mit den Feinden, – Empörung

Der Vasallen – und dann am Hofe

Die üppigen Gelage

Mit Zitherschlägern und frechen Harfenspielern?

Himmel! dies nennst Du Liebe?

BEATRICE.

Schweige! – o schweige!

Jede Beschuldigung vernehm’ ich unerschüttert,

Doch mein Herz empört die Klage

So niedern Frevels. O wag’ es nicht, Filippo!

So schwer mich zu beschimpfen,

Lascari’s Tochter, die Wittwe eines Helden!

CHOR DER RICHTER.

Dein Mitgefang’ner

Nennet Dich schuldig! Bringt Orombello!

BEATRICE.

O Himmel! verleih’ mir Kraft und Stärke!

CHOR DER RICHTER.

Hier ist er!

Vierte Scene.

Vorige. Orombello mit Wachen.

AGNESE.

(Weh mir! ach, wie elend

Ist der Arme durch meine Rache!)

OROMBELLO.

Zu welcher neuen Qual will man mich führen?

CHOR DER RICHTER.

Tritt näher! – Ihr gegenüber rede!

Bekräft’ge Dein Geständniß!

BEATRICE.

Orombello!

OROMBELLO.

Die Stimme, – sie ist es!

Und warum muß ich noch leben?

BEATRICE.

Unglücksel’ger! Dein falsch Bekenntniß –

Welchen Vortheil konnt’ es Dir geben?

Darfst Du hoffen, daß, wenn ich sterbe,

Sie vom Tode Dich befrei’n?

Du wirst sterben, als Verbrecher

Wird man Dich dem Tode weih’n!

OROMBELLO.

Schon’, o schone! – ach, wenn Du wüßtest –

Ja mir selber bin ich ein Gräuel!

Höllenqualen hab’ ich erduldet,

Die kein Mensch vermag zu fassen, –

Und die Kraft, sie zu ertragen,

Mußte endlich mich verlassen.

Nur der Schmerz hat mich bezwungen,

Das Geständniß mir entrungen.

Doch hier – hier in Deiner Nähe,

Wo den Tod ich vor mir sehe,

Werde laut vor allen Zeugen

Deine Unschuld offenbar.

BEATRICE.

Dank, o Gott!

AGNESE.

(Ha! mein Gewissen!)

ANICHINO.

(Hört, o Herzog!)

FILIPPO.

(Ich hör’ den Frechen!)

CHOR DER RICHTER.

Allzuweit bist Du gegangen!

Schweig’ und zitt’re!

OROMBELLO.

Nimmer soll der Tod mich schrecken,

Wenn die Edle mir verzeiht!

CHOR DER RICHTER.

Um die Wahrheit zu entdecken,

Steht die Folter noch bereit!

BEATRICE.

Volle Sühnung hast Du gegeben –

Deine Schuld ist abgetragen!

Makellos schließt sich mein Leben –

Und der Tod macht mich nicht zagen!

Möge huldvoll, wie ich vergeben,

Auch der Himmel Dir verzeih’n!

OROMBELLO.

Du wirst leben! nein! die Vorsicht

Duldet nicht ein solch Verbrechen.

Nur an mir, dem Lebensmüden,

Mag sich Haß und Bosheit rächen.

O wie gern, da Du vergeben,

Duld’ ich nun des Todes Pein!

FILIPPO UND CHOR DER RICHTER.

(Mächtig spricht in diesen Tönen

Eine Stimme mir zum Herzen!

Doch ich ließe mich versöhnen,

Rühren mich durch ihre Schmerzen?

Nein, hier walte nur die Strenge,

Fern soll uns das Mitleid sein!)

AGNESE UND CHOR DER FRAUEN.

(Das Geschick der Tiefgebeugten

Flößt mir Angst und Mitleid ein!)

FILIPPO.

Weil der Schuld’ge widerrufet,

Wollt Ihr darum nicht entscheiden?

ANICHINO.

Schenke Freiheit ihnen Beiden!

FILIPPO.

Freiheit?

AGNESE.

O Wonne!

CHOR DER RICHTER.

Nein, unmöglich!

Das Gesetz sei nicht umgangen!

Um Gewißheit zu erlangen,

Tritt auf’s Neu’ die Folter ein!

ANICHINO, AGNESE UND FRAUEN.

(Welch Entsetzen!)

BEATRICE.

(Ungeheuer!)

OROMBELLO.

Ha, wer wagt’s, sie zu verletzen?

Ew’ger Rächer, Deine Blitze

Schleud’re Du auf sie herab!

CHOR DER RICHTER.

Führet ihn zur Folter ab!

BEATRICE.

Haltet! Haltet! – Ach nur zwei Worte!

Keine Klage sollst Du hören!

Dies bedenke: Es lebt ein Rächer!

FILIPPO UND CHOR DER RICHTER.

Strafe ziemet dem Verbrecher!

Ja, sie soll vollzogen sein!

BEATRICE.

Komm’, o Freund, uns winket Beiden

Ew’ger Lohn nach kurzen Leiden.

Frommer Muth – er wird besiegen

Folterqual und Todespein!

OROMBELLO.

Ja, ich folge!

AGNESE.

Ich muß erliegen!

ANICHINO.

Keine Macht kann sie befrei’n!

FILIPPO UND CHOR DER RICHTER.

Kann die Reu’ Cuch nicht bewegen,

Das Geständniß abzulegen,

Nun so mag, es zu erzwingen,

Euch die Folter sich erneu’n!

AGNESE.

Könnt’ ich Rettung ihnen bringen!

ANICHINO UND CHOR DER FRAUEN.

Schützen kann sie Gott allein!

BEATRICE.

Ist die Tugend hier auf Erden

Roher Willkühr übergeben,

Dann entsag’ ich gern dem Leben,

Tod, Du sollst willkommen sein!

OROMBELLO UND BEATRICE.

Nein, mein Herz soll nicht erbeben,

Jenseits schwindet jede Pein!

Ab.

Fünfte Scene.

Filippo allein, dann Anichino, Damen und Höflinge.

FILIPPO.

Sie fühlt Gewissens bisse? Wenn ich sie nicht empfinde,

Wer dürft’ es? Und wer sie fühlt, mag sie verbergen!

Sie mir zeigen, heißt mich verdammen! Ruhig und

heiter

Will ich erscheinen. Bin ich’s vielleicht? Kann ich

es sein?

Nein! Von geheimen Grau’n bebt mir die Brust!

Ha! Gleich einem Nachtgespenst starrt es mich an!

Eine Grabesstimme – schaurig mir drohend,

Zittert durch die Lüfte! – Ist es Täuschung?

Traf nicht mein Ohr ein leises Jammern?

Sie ist es! sie selber, die von der Folter

Zum Kerker wanket! o halt’ ein, bange Klage!

Ha! wer nahet?

ANICHINO.

Mein Herzog! Beatrice bekannte nicht.

Doch die Versammlung verdammt sie zum Tode!

Nur noch Dein hoher Name

Fehlt hier auf diesem Blatte!

FILIPPO.

Sie bekannte nicht?

ANICHINO.

Die Unschuld beugt keine Marter.

CHOR.

In Deiner Hand, Gebieter,

Ruht das Geschick der Armen,

O zeige Huld, Erbarmen, –

Ach höre unser Fleh’n!

FILIPPO.

Nein! ich bin entschlossen,

Das verhängnißvolle Blatt, – ich will es unterschreiben!

Ha! unmöglich! Ich fühle mein Herz sich sträuben!

Als ein Flüchtling irrt’ ich im Lande,

Sie erhob mich zu Glanz und Ehre!

Und ich lohn’ ihr mit Schmach und Schande,

Ich bereite ihr – das Beil!

Flieh’n muß ich der Menschheit Blicke,

Die sich schaudernd von mir kehret.

Meine Ruhe ist zerstöret,

Und dahin mein ewig Heil!

Ja, sie lebe! – Welch’ ein Lärm!

Ha, wer nahet? Geht und sehet!

CHOR DER FRAUEN.

Welch’ ein Schrecken?

FILIPPO.

Sprecht!

CHOR.

O Herr!

Laßt die Thore schnell verwahren!

Denn die alten Kriegerbanden,

Die im Sold Facino’s standen,

Sammeln sich zu dichten Schaaren,

Um die Fürstin zu befrei’n!

FILIPPO.

Und schon hört’ ich des Mitleids Stimme,

War entschlossen, ihr zu verzeih’n?

Ja, das Urtheil sei vollzogen!

CHOR.

Gnade, Herr! hört unser Flehen!

FILIPPO.

Diese Kühnheit der wilden Menge

Stürzt die Schuld’ge in’s Verderben;

Ihr Verbrechen, nicht meine Strenge,

Führet sie zum Blutgerüst!

Tief in’s Grab mit ihr versinket

Jeder Kampf um Reich und Krone.

Ja, sie falle, – auf meinem Throne

Faßt der Raum uns Beide nicht!

CHOR.

Höret doch den Ruf der Gnade,

Der zu Euerm Herzen spricht.

Alle ab.

Sechste Scene.

Vorhof zu den Gefängnissen des Schlosses.

Frauen und Diener der Beatrice. Schildwachen.

CHOR DER FRAUEN UND DIENER.

Sie betet!

Nichts soll die arme Dulderin

In ihrer Andacht stören!

Nie stiegen rein’re Bitten

Auf zu des Himmels Sphären!

Nie blickte Gott hernieder

Auf ein so reines Herz,

Heilig durch frommen Glauben,

Und durch erlitt’nen Schmerz.

Mög’ in der letzten Stunde

Treu sich ihr Muth bewähren,

Daß selbst des Todes Qualen

Nicht ihr Vertrauen stören.

Und ihre hohe Tugend,

Die mit verruchten Händen

Die Bosheit wagt zu schänden,

Besiegle ein frommer Tod.

Siebte Scene.

Vorige. Beatrice.

BEATRICE.

Stumm war die Lippe!

Mit nie gekanntem Muthe stärkte mich

Der Himmel! und nichts bekannt’ ich!

O Wonne! Ich besiegte den Schmerz! –

Ich sterbe, Ihr Freunde!

Doch ruhmvoll sterb’ ich, und hell umstrahlet

Vom Glanze der Tugend. Nicht so jene Frevler!

Die mit der Bosheit Waffen die Unschuld verfolgen,

Ihr ruchloses Urtheil

Mag die Nachwelt bestrafen!

CHOR.

So sei’s! –

BEATRICE.

Mein Tod bring’ Filippo Schande,

Mein Blut, vom Beil vergossen,

Fall’ auf des Frevlers Haupt!

Wer es auch sei, der zu meinem Sturze

Sich mit ihm verbunden!

Achte Scene.

Vorige. Agnese.

AGNESE.

Ha!

ALLE.

Agnese!

AGNESE.

Halt’ ein! Laß Deine Zunge

Mich nicht verdammen! Im Stanb zu Deinen

Füßen

Laß mich vor Reue, vor Angst vergehen!

BEATRICE.

Agnese, Dich quälet Reue?

AGNESE.

Ja, ew’ge Reue! Durch mich gehst Du zum Tode –

Ich liebte Orombello!

BEATRICE.

Ha, was sagst Du?

AGNESE.

Ich wähnte, er sei Dir theuer!

Ich schlich in Deine Zimmer,

Stahl Deine Briefe, und kaufte Dein Verderben

Mit meiner Ehre.

BEATRICE.

Schändliche! –

Schweige, fliehe! meide meine Blicke

Daß in dieser Stunde,

Wo mein Leben sich endet,

Ein Fluch die Lippe nicht entweiht!

AGNESE.

Erbarmen!

OROMBELLO.

Ach, eine Engelsstimme

Dringet in diese Mauern.

Sie wehrt den Todesschauern,

Und – lehret mich verzeih’n!

AGNESE.

Hört, er verzeiht!

BEATRICE.

Laß uns in Frieden scheiden,

Da Dir sein Mund vergeben!

Mag Dir, versöhnt mit Beiden,

Die Ruhe sich erneu’n!

AGNESE.

Daß ich mein Dasein trage,

Hast Du mir Kraft gegeben!

Ich will mein ganzes Leben

Nur weinen und bereu’n!

ANICHINO UND CHOR.

O Gott, sieh die Thränen,

Du wollest ihr verzeih’n.

BEATRICE.

Was hör’ ich?

AGNESE.

Weh’ mir!

BEATRICE.

Ich sehe

Des Trauerzuges Nähe!

Letzte Scene.

Vorige. Rizzardo mit Hellebardieren und Gerichtspersonen.

ALLE.

Ach! die Hoffnung entschwand!

BEATRICE.

Laßt meinen Muth jetzt nicht erliegen!

Nur noch ein Tropfen, ihr Freunde!

Und endlich ist er ausgetrunken

Dieser Kelch bitt’rer Leiden! –

ALLE.

O nimm ihn, Allmächt’ger, o nimm ihn von

ihr! –

BEATRICE.

Ihn ganz zu leeren,

Hat Gott mir Kraft verliehen! –

Ich bin bereit!

AGNESE.

Weh mir, ich sterbe!

BEATRICE.

So lebt denn wohl!

Wenn man mir ein Grab vergönnet,

Laßt ein Blümchen ihm entblühen,

Betet dort auf Euern Knieen,

Für Filippo, nicht für mich! –

Dieser Armen mögt ihr verkünden,

Daß ich sterbend sie umarmet!

Laß, o Gott, sie Ruhe finden!

Ihrer Qual erbarme Dich! –

ANICHINO UND CHOR.

Unglücksel’ge! – Dies zu sehen

Hat das Schicksal uns erlesen!

Weh dem Land, wo solch ein Wesen

Durch das Henkerbeil erblich!

BEATRICE.

Nur für die, die hier verweilen,

Betet, Freunde, nicht für mich!

Kommt, ich folge!

CHOR.

Ach! Euern Segen!

Euern Segen, eh’ Ihr scheidet!

BEATRICE.

Seyd gesegnet! Ach, hemmt die Thränen!

CHOR.

Wer erwehrt der Thränen sich?

BEATRICE.

Nein, der Tod ist mir kein Leiden!

Einen Sieg hab’ ich errungen,

Gleich dem Sclaven, dem’s gelungen,

Seinen Banden zu entflieh’n.

Ohne Kummer, ohne Reue

Scheid’ ich von der Erde Freuden,

Bringe nur der Meinen Treue

Vor den Thron des Höchsten hin!

CHOR.

Möge dort zum Lohn der Leiden

Ew’ge Wonne Dir erblüh’n!