Märchen

507. Die Ritter des Hermannsberges

507. Die Ritter des Hermannsberges

Nicht weit von Steinbach-Hallenberg, recht mitten im Waldgebirge, liegen zwei Berge, der kleine und der große Hermannsberg. Über letztern läuft ein steiler, haushoher Porphyrfelsenkamm, wie eine Riesen- oder Teufelsmauer, grau bemoost und mit alten Bäumen bewachsen. Da droben soll ein Schloß gestanden haben, bewohnt von einem Grafen, welcher Hermann hieß. Er führte gar ein übles Leben mit seinen Rittern und gewann dadurch einen großen Schatz, daß er zwölf Seelen opferte. Zur Strafe seiner Untaten ward er mit den Seinen in den Berg verflucht; zuzeiten hört man ein wildes, wüstes Toben dieser Ritter, sieht auch wohl den Grafen umgehen; so hat ihn mancher Förster und Kreiser auf sich zukommen sehen mit einem spinnewebenen Gesicht. Ein Führer geleitete einen Fremden über die Waldestrift, wo man von Steinbach-Hallenberg nach Mehlis geht, an einem Märzmorgen. Es hatte einen frischen Schnee gelegt. Da kam der Geist sichtbarlich und ging an den Wanderern vorüber; wie sie sich umsahen, weil sein Aussehen sie entsetzte, war er verschwunden, und im Schnee war, wo er gegangen, kein Fußtapfen zu erblicken.

Einst hütete ein Hirte am großen Hermannsberg, da verlief sich der Brüller (Herdochse), und der junge Knecht ging in den Wald, ihn zu suchen. Da kam er zu einer Gesellschaft Herren, die vergnügten sich mit Kegelschieben, und da sie ihn sahen, winkten sie ihm, ihnen die Kegel aufzusetzen. Dies tat er, und als sie ihr Spiel beendigt hatten, gingen sie hinweg und sagten, er möge nur die Kegel mitnehmen. Er belud sich mit dem Spiel, kam wieder zur Herde, zu der sich indes der Ochse wiedergefunden hatte, trieb sie heim und wurde verwundert gefragt, wo er denn bleibe und gewesen sei, er sei schon drei Tage nicht nach Hause gekommen. Er aber beteuerte, kaum eine halbe Stunde von der Herde gegangen zu sein, die Herren hätten ihn genötigt, ihnen die Kegel aufzusetzen. Da fragte man weiter, ob er auch einen Lohn bekommen. O ja, sagte der Knecht, ich habe das ganze Spiel mitgebracht, draußen liegt’s unter der Treppe. – Nun wollte der alte Hirt selbst den Ranzen mit den Kegeln unter der Treppe hervorziehen, vermochte das aber nicht, hingegen der Junge, wie er angriff, brachte ihn gleich hervor, und da waren die Kegel von purem Golde. Zu einer andern Zeit, als der junge Knecht wieder im Walde hütete und herumschweifte, fand er die Gesellschaft wieder, setzte wieder auf, und da bekam er auch die Kugeln. So war er zweimal glücklich.

In einem Dorfe am Fuße des großen Hermannsberges saßen an einem Winterabend einige Männer und karteten, und die Magd saß auf der Ofenbank. Da es schon spät war, so war sie an ihrem Spinnrad eingenickt. Sie zu ermuntern, sprach ihr Herr: Magd, geh hinauf auf den Hermannsberg, hol uns eine Flasche Wein. Dies sagte er, weil die Sage geht, daß in den verschütteten Kellern des ehemaligen Schlosses viele Fuder steinalten Weines liegen. Die Magd, dumm und schlaftrunken, macht sich in der Tat auf, empfängt auch droben, sie hat nicht zu sagen gewußt wie, eine Flasche Wein in ihre Hand. Als sie herunter und wieder in die Stube kommt, fährt der Herr sie an: Wo bist du gewesen? Wo bleibst du so lange? – Ihr habt mir ja geheißen, verteidigt sie sich, daß ich auf den Hermannsberg gehen solle und Euch Wein holen, so hab‘ ich’s getan, und hier ist auch der Wein. – Verwundert hörten und sahen das die Männer, die Flasche war ganz grau und schimmlig. Doch brachen sie sie an und tranken mit gutem Mut den alten Felsenwein. Er war vom besten und brannte wie Feuer.

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49. Schwedensäule bei Oppenheim

49. Schwedensäule bei Oppenheim

Am Rheinufer im Ried ohnweit Oppenheim steht oder stand über Steinstufen eine hohe Säule auf vier Kugeln, die das Postament trägt, ruhend, in Form eines Obelisken. Auf der Spitze trug sie den sitzenden schwedischen Wappenlöwen mit behelmtem und gekröntem Haupt, in den Vordertatzen Schwert und Reichsapfel haltend. Es geschah, daß König Gustav Adolf von Frankfurt über Darmstadt längs der Bergstraße dem Rheine zufuhr und mit vier Getreuen in einem Nachen von Rockstadt aus den Rhein befuhr, die Gegend zu untersuchen, doch mußten diese Schweden sich bald vor den um Oppenheim verschanzten Spaniern zurückziehen. Dann aber ließ der kühne Schwedenkönig in den Dörfern am rechten Rheinufer die Scheunentore ausheben und sein Volk statt auf Flößen auf diesen Scheunentoren überschiffen, griff die Schanzen an und nahm Oppenheim mit Sturm. Zum Gedächtnis dieses Sieges ließ König Gustav Adolf diese Säule mit dem Löwenbilde aufrichten. Nun trug sich’s zu, daß hernach, als der tapfere Schwedenheld bei Lützen gefallen war, wieder Kaiserliche diese Gegend besetzten. Da unternahm es ein kaiserlicher Offizier nicht ohne Gefahr, den hohen Obelisk zu erklettern, um das Schwert dem Löwen aus der Tatze zu nehmen, dann später dasselbe als ein Siegeszeichen dem Kaiser Ferdinand II. darzubringen, großer Belohnung, vielleicht einer güldnen Kette sich verheißend. Aber der Kaiser wurde überaus zornig über dieses Geschenk und sagte zu dem Offizier: Wie konnte Er sich unterfangen, eines so großen und tapfern Helden Denkmal zu berauben und zu verunehren? Ihm gebührt eigentlich ein Strick um den Hals, als einem Räuber. – Und hat der schwedische Löwe sein Schwert hernachmals wieder erhalten, auch ist die Schwedensäule späterhin, als sie den Wogen des Rheins und dem Eisgange allzu nahe und zu gefährlich stand, abgebrochen und besser landeinwärts gesetzt worden.

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499. Von einem Bergmann und einer Braut

499. Von einem Bergmann und einer Braut

Aus dem Dietzhäuser Grund geht ein Bergweg nach Benshausen; dort herum sind vor alters auch Bergwerke gewesen und wohnten Bergleute im Ort. Von denen ist einmal einer am Sonnabend zur Beichte gegangen, und am Sonntag darauf wollte er zum Abendmahl gehen. Nun ist alter Brauch, daß nach der Beichte niemand mehr arbeiten soll, sondern seine Gedanken all auf das fromme Vorhaben richten. Der Bergmann aber wollte sein bißchen Lohn nicht einbüßen und fuhr nach der Beichte dennoch wieder vor Ort. Aber kaum war er in der Grube, als der Schacht einstürzte und alle Spur von ihm verschwand. Erst nach hundert Jahren, da andere Bergleute dort einschlugen und ein Bergwerk bauten, fanden sie in einem Gang einen Bergmann, der hatte einen großen langen Bart und schien zu schlafen. Und da sie um ihn redeten, erwachte er und fragte gleich: Hat es schon zusammengeschlagen? Ich muß zum Nachtmahl gehen! – Da sprachen die andern: Es ist heute kein Sonntag und ist keine Kirche, es ist Werkeltag. – Doch, sprach er, nächten bin ich zur Beicht gewesen, und heint muß ich zum Abendmahl gehen. – Da geleiteten sie ihn aus der Grube und nach der Kirche und holten den Pfarrer, der gab ihm das heilige Abendmahl, und wie er es empfangen hatte, stürzte er zusammen und war ein Häufchen Asche.

Ähnlich ging es in Benshausen zu mit einer Braut, welche gezwungen heiraten mußte. Vor der Trauung, als es zum zweiten Male läutete, war sie fertig angezogen, weinte sehr und sprach: Laßt mich nur erst noch einen Augenblick allein hinaus in den Garten, ich muß frische Luft schöpfen – denn das Herz war ihr gar zu sehr beklemmt. Im Garten weinte sie bitterlich über ihr Unglück, da trat ein fremder Mann, den sie nie gesehen, ihr nahe, der fragte sie um ihren Kummer, und sie klagte und vertraute ihm alles, er aber sprach ihr Trost zu mit milder Stimme und wandelte mit ihr und sprach allerhand, lobte auch ihren Garten und sagte, seiner sei auch recht schön, wenn sie ihn sehen wollte, gleich daneben, und da stand ein Pförtlein auf, und sie traten ein, gleichwohl hatte die Braut diesen Garten noch niemals gesehen, auch niemals einen so wunderschönen Garten, in dem so vielerlei zu sehen gewesen wäre. Die schönsten Blumen und Vögel, Springbrunnen, Baumgänge, Lauben, Gebüsche, Rasenplätze, Beeren und Früchte aller Art. Darüber freute sich die junge Braut und vergaß ihr Herzeleid, das sie drückte, und der Mann sprach gar angenehm mit ihr. Mit einem Male schlug es zusammen, da gedachte die Braut ihrer Pflicht, nahm höflich und züchtig Abschied von dem Mann und ging wieder in ihren Garten zurück und durch denselben vor in das Haus, um nun mit Bräutigam und Gästen in die Kirche zu ziehen. Aber da war alles verändert und ihr fremd, und fremde Menschen staunten sie an, ihren altväterischen Brautputz, und fragten sie, was sie wolle, und wo sie herkomme. – Da waren kein Bräutigam, kein Vater, keine Mutter, keine Hochzeitgäste – und da wurde nachgeforscht, und da fand sich, daß vor hundert Jahren eine Braut kurz vor dem Zusammenschlagen in den Garten gegangen und nicht wiedergekommen war, gleich jenem Brautpaar, das hinauf zum Kyffhäuser ging, Hochzeitgeräte zu leihen, und schwer daran zu tragen glaubte, als es herabschritt; es trug nur schwer an der Last seiner Jahre. Da hat sich die Braut wieder zurückgesehnt aus der ihr fremden Welt in den Garten des freundlichen Mannes, der kein anderer war als Christus, unser Herr und Heiland, und ist bald darauf eingegangen in den Garten des himmlischen Paradieses.

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500. Fahrsamen

500. Fahrsamen

In einem gewissen Hause zu Benshausen muß ein Jäger umgehen, weil er Fahrsamen gewann (soll Farnsamen heißen). Diesen Samen zu gewinnen ist eine teuflische Kunst, ähnlich der, die jener Jäger in Dithmarschen übte, der in die Sonne schoß, doch bedurfte der Benshäuser dazu keiner heiligen Hostie. Er mußte zur Sommersonnenwendezeit, wenn die Sonne die Mittagshöhe erreicht hat, in die Sonne schießen, da fielen drei Blutstropfen herunter, die mußte er auffangen und aufbewahren, das war der Fahrsamen. Nun konnte der Jäger, solange er den Fahrsamen bei sich trug, schießen, wonach er wollte, es ging ihm nimmer fehl, bis zuletzt, da es an ein seliges Sterbestündlein kommen sollte, da fehlte es merklich sehr. Der Jäger sagte voraus, man werde einstmals von ihm einen garstigen Brüll hören, dann werde er weg sein, und so geschah es auch; der Teufel holte ihn, da seine Zeit um war. Auf dem Wege nach Virnau hat man diesen Jäger nachher oftmals sitzen sehen in altmodischer Tracht, mit umgeschlagenem dreieckten Hütlein, und hatte bei sich drei kleine weiße Hündlein, wie der Wode, zu jeder Seite eins und eins auf dem Schoße.

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501. Frau Holle und der treue Eckart

501. Frau Holle und der treue Eckart

Unter Benshausen liegt der Stadtflecken Schwarza, durch den zog einstmals zur Weihnachtszeit die Frau Holle mit ihrem wütenden Heere, voran aber ging der treue Eckart und warnte die Leute, im Wege zu bleiben, damit ihnen kein Leides geschehe, denn das Heer nahm die ganze Wegbreite ein, und auf den die Larven stießen, dem erging es nicht gut. Da nun der Schwarm durch den Ort gebraust war, kamen zwei Knaben des Weges, die trugen Krüge voll Bier, das hatten sie auf dem Köhler geholt, einem Wirtshaus mit Mühle, gleich am Wege, eine Strecke unter Schwarza, allwo es immer gutes Bier gibt, und ist viele Einkehr daselbst. Diese Knaben hieß der treue Eckart auch zur Seite treten, und sie drückten sich furchtsam seitab; gleichwohl wurden sie doch wahrgenommen, und da die wilden Jäger immer Durst haben, so traten einige der Furien zu ihnen, entnahmen ihnen die Krüge und züllten ihnen das Bier aus. Darüber waren hernach die Knaben sehr bekümmert, denn sie fürchteten daheim Schläge, wenn sie kein Bier brächten, und hatten doch kein Geld, anderes zu holen, aber auf einmal stand der treue Eckart wieder bei ihnen und sprach: Seid nur getrost, ihr Jungen; es war gut, daß ihr das Bier freiwillig hergetan, sonst stände es jetzt schlecht um eure Hälse. Geht nur immer getrost heim mit euern Krügen, sagt aber binnen drei Tagen keiner Seele etwas von dem, was euch heint abend begegnet. Wie nun die Knaben heimkamen, waren die Krüge voll und schwer und war ein Bier darin, wie solches die Mannen zu Schwarza noch nie getrunken, just wie englisch Öl (Ale), als wär‘ es in Tölz gebraut, was aber das Beste und Wundersamste war, die Krüge wurden nicht leer, sie gaben fort und fort Bier her, das war eine ganz prächtige Sache – bis die drei Tage um waren und die Knaben ihr Schweigen brachen. Da war’s alle.

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502. Der Tannenbusch

502. Der Tannenbusch

Wenn man von Schwarza dem dunkeln Bergwasser der Schwarza entgegengeht, kommt man bald nach dem Dorfe Birnau. Daselbst lebte ein alter Förster, der hieß Jakob, den neckte oft, wenn er im Walde ging, mancherlei Spuk. So geschah es ihm auch zu einer Zeit, daß, wenn er auf den Anstand ging und ihm ein Hirsch in den Schuß kam, ihm, sowie er schießen wollte, ein Tannenbusch vor die Büchse trat, so daß er niemals schießen konnte, denn sowie er sich seitwärts bog, rückte der Busch nach, und wenn er dann ärgerlich das Rohr absetzte und an eine andere Stelle ging, so war zwar der Tannenbusch fort, aber auch der Hirsch. Das machte dem alten Förster viele Sorge, und er ging nach Dreißigacker, allwo ein Scharfrichter wohnte, den fragte er um Rat in dieser Sache. Der Scharfrichter besann sich gar nicht lange, sondern sagte: Wenn Euch der Tannenbusch wieder vor den Lauf tritt, so zieht Euren Hirschfänger und putzt ihn nur aus. Bald ging der alte Förster Jakob wieder auf den Anstand, und siehe, es währte nicht lange, so zeigte sich ein Hirsch, und auch der Tannenbusch stand vor der Mündung des Gewehrs. Flugs tat der Förster, wie der Scharfrichter ihm geraten hatte, zog den Hirschfänger und begann den Busch auszuputzen. Doch war es ein hartes Holz, kein Zweiglein fiel ab, aber in den Stahl des Seitengewehrs sprang manche Scharte, so daß Jakob bald abließ und nach Hause ging. Im Dorfe Birnau aber fand sich eine Frau tödlich krank, hatte viele Wunden an ihren Armen und Beinen, und kein Mensch wußte, wie sie dazu gekommen. Sie war die Hexe, die in Gestalt eines Tannenbusches den Förster geäfft, weil er sie zum öftern im Walde auf dem Holzdiebstahl angetroffen, ihr den Korb zertreten, sie geprügelt, in die Waldbuße geschrieben und ihr sonst allerlei Tort und Schimpf angetan hatte.

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503. Vom alten Schloß Hallenberg

503. Vom alten Schloß Hallenberg

Wer von Birnau immer weiter talaufwärts geht, überschreitet die Grenzmark der hessischen Herrschaft Schmalkalden und gelangt nach Steinbach-Hallenberg, wo hoch überm großen langgebauten Flecken malerisch die Trümmer des Schlosses Hallenberg horstet. In jener Gegend gibt es viele Sagen auf den Höhen der Berge wie in den Talgründen. Die Burg Hallenberg soll derselbe Baumeister erbaut haben, welcher Schloß Hennebcrg erbaute; sie war auch eine Hennebergische Burg. Im Gemäuer droben wird noch eine Höhlung gezeigt, in der ein Särglein gefunden wurde, darin eine Kindesleiche. Von Zeit zu Zeit läßt sich am Schloß eine weiße Jungfrau sehen, die wandelt in der Mittagsstunde den Berg herab bis an das alte Malzhaus, das mit einem Türmchen geziert ist, darin hangt noch ein Glöckchen, das früher auf der Hallenburg hing, von silberhellem Ton und Klang, daher es auch das Silberglöckchen genannt wird. Man sagt, daß einige Juden aus Schwarza das Glöckchen ganz mit Silber anzufüllen sich einst erboten hätten, wenn man für dieses Silber ihnen jenes überlassen wolle; man ist aber auf diesen angetragenen Tausch nicht eingegangen. Das Glöckchen trägt die Inschrift: Ave Maria gracia, MCCCCXX. Die Leute haben einen Aberglauben, daß abgefeiltes Metall davon gut sei gegen die Schwerenot und fallende Sucht, daher sieht man vielfache Spuren von Einfeilungen rund um den Rand herum. Die Feile wird von den Kranken auf Butterbrot eingenommen, es soll probatum sein.

Ohnweit Steinbach-Hallenberg sind die Silberlöcher, durch diese fließt ein Wasser, und unter dem Wasser ist eine Höhle, daraus haben vordessen die Venetianer großes Gut getragen. Ein Köhler mußte ihnen immer seinen Harztiegel leihen, darin schmolzen sie das edle Erz. Endlich dachte der Köhler, du kannst ja auch einmal hinuntergehen und für dich etwas holen und auch schmelzen, und wollte in die Höhle hinein, aber da lag ein unbändig großer Hund drin, der bleckte ihm die Zähne, und hatte feurige Augen und machte ein Geknurr, als ob’s der leibhaftige Satan selbst wäre – da verging dem Köhler das Goldlangen.

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504. Ebersdorf und Ebersgrund

504. Ebersdorf und Ebersgrund

Von Steinbach-Hallenberg nach Stadt Schmalkalden zieht sich ein hügeliger Wiesengrund hin, darauf hat vorzeiten ein Dorf gestanden des Namens Ebersdorf. Das Dorf war reich, und seine Bewohner hatten Bergbau auf Gold, Silber und Kupfer. Da wurden sie ob des gewonnenen Reichtums übermütig, frevelten am Heiligen, gingen nicht mehr in die Kirche und führten ein gottloses und üppiges Leben. Nun diente in Ebersdorf eine fromme Magd, die war gebürtig aus Springstillen, einem Dorfe nahe bei Schmalkalden, die bat an einem Sonntag Urlaub von ihrer Herrschaft, daß sie nach Hause gehen dürfe und das heilige Abendmahl empfangen. Über diesen gottwohlgefälligen Vorsatz wurde sie gescholten und verhöhnt, doch durfte sie von dannen und ging weinend ihres Wegs. Als sie zurückkam, fand sie das Dorf nicht mehr, nur ragte da, wo es gestanden, in der Mitte ein Hügel, und aus diesem blinkte der Turmspitze goldnes Kreuz, wie ein Kreuz über einem großen Grabe. Das Dorf war versunken, doch hörte sie noch in der Tiefe die Hähne ängstlich krähen. Da wandte sich die Magd abermals zurück in ihren Heimatort und kündete, was sie gesehen; niemand aber glaubte ihr, doch gingen viele Springstiller mit und sahen das Wunder, welches sich begeben. Nun war auch das Kreuz vollends in die Tiefe gesunken, auch krähte kein Hahn mehr in und nach dem Dorfe, und über seiner Stätte lagerte tiefe, grauenvolle Stille. Nach einiger Zeit nahmen die Leute von Springstille Besitz von der Flurmarkung, und daher kommt es, daß noch heute viele Springstiller im Ebersgrunde Wiesen besitzen. Man sieht noch den Kirchhügel in des Talgrundes Mitte und erblickt in der Nähe alte Heckenlinien, die Abgrenzungen ehemaliger Gärten.

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505. Gadamars Gesicht

505. Gadamars Gesicht

Aus dem Ebersgrund gelangt man nach Asbach und in den Talkessel, darinnen die alte Stadt Schmalkalden liegt, berühmt ob der in ihr gehaltenen Fürstentage, mehrmaliger Anwesenheit Doktor Luthers, der beim Rentmeister Balthasar Wilhelm am Topfmarkt, jetzt Kaufmann Sanners Haus, wohnte und auch im selben Hause eine Predigt hielt, und durch jene berühmten von Melanchthon alldort verfaßten Artikel des christlichen Glaubens.

Zu Schmalkalden lebte im Jahre 1526 ein frommer Mann des Namens Siegmund Gadamar und war dieses Jahres ein Bürgermeister, denn allda bestand seit langen Zeiten her die Einrichtung, daß zwei Bürgermeister und zwei Gemeindevormünder und nicht eine Heerschar von Stadt- und Gemeinderäten das städtische Regiment verwalteten, diese aber wurden jedes Jahr von der Gemeinde neu gewählt, nur daß meistenteils der zweite Gemeindevormund eines Jahres zum ersten im folgenden erwählt wurde. Dieser fromme Herr Gadamar hatte sich der neuen Lehre des Evangeliums zugewendet, wie auch frühzeitig Balthasar Wilhelm, Luthers nachmaliger Wirt, getan, und hatten beide mancherlei Anfechtungen darob. Ging eines Abends Herr Gadamar mit bekümmertem Gemüt schlafen, kam, er wußte nicht wo und wie, in eine Stube, darin ein trotziger Leue stand, fürchtete sich aber gar nicht, war ganz mutig, dann sah er eine Anzahl Fürsten im Kreise stehen, die wider den Löwen ratschlagten, etwan sieben, und an einem Tische saß ein alter Mann, der nahm sich keiner Sache an und tat, als schliefe er. Auf diese Fürsten ging der Löwe grimmig los, und sie hatten keine Waffen und zagten, einer aber nahm kecklich einen Stuhl und wehrte damit den Leuen ab. Der Löwe aber schlug seine Pranke durch den Stuhl, und blieb selbe drinnen stecken, da hatte der Fürst gleich einen hessischen Bock- oder Kampfdegen in der rechten Hand und stach damit auf den Löwen los, daß es puffte, doch hörte Gadamar es eben nur puffen und sah nicht, daß der Löwe verwundet ward, die andern aber zagten und gaben Rat, dem Löwen den Schweif abzuhauen, darinnen habe er seine größte Stärke, und da hieb einer aus ihrer Mitte dem Tiere den Schweif ab, ohne daß der Seher sah, woher jener das Schwert nahm. Darauf gingen sie alle aus der Stube und ratschlagten, und das Haus war ganz finster, der Löwe aber wirkte sich aus dem Stuhle los und legte sich vorn an der Türe auf die Bank und gewann wieder Stärke und wurde so grimmig, daß er schäumte, und rollte seine Augäpfel so sehr, daß man nur das Weiße sah, und ob solchen Ingrimmes sah er erst gar nicht, daß die Fürsten wieder in das Zimmer traten, wieder unbewehrt, und der Löwe wollte sie zerreißen. Da erhob sich am Tische der Mann, der zu schlummern geschienen hatte, und hob nur zwei Finger drohend gegen den Löwen, sprach aber kein Wort, und der Leu gehorchte ihm. Der Mann aber verwandelte seine Gestalt und war Jesus Christus, und ein Menschenbild sprach zu Gadamar: Dies Gesicht merke, und vergiß es nicht.

Hernach im Jahre 1537 ist zu Schmalkalden vorm Auertore über einem Weiher, die Totenlache genannt, von vielen ein Wolkengesicht am Himmel und auf Erden gesehen worden; eine Nebelgestalt stand da, hoch wie ein Turm, und auf dem Turm ward Lichtschimmer erblickt, und Kriegergeister schwebten um die hohen Zinnen. Drunten am Turm aber stand ein riesengroßer grauer Mann, der schöpfte Wasser, und da kam ein greulicher Drache hinter dem Turm hervor, der sperrte den Rachen auf gegen den Mann, als wolle er ihn verschlingen, der aber blieb unerschrocken und streckte ihm etwas entgegen, etwa wie einen Kelch oder ein Buch, da berstete der Drache und verschwand, und alles hüllte sich in Nebel ein.

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494. Die Wunder der Berge

494. Die Wunder der Berge

Vom Gebirgskamm, auf dem sich die Hochwarten des Beerberg und Schneekopf erheben, rieseln und rauschen die Quellen mannigfalt nach Osten und Westen zu Tale. Die muntere Lauter, die westwärts rollt, führte einst lauteres Gold in ihrem Rinnsal, davon hat das Dorf Goldlauter seinen Namen. Dortherum stand und steht in den Bergen viel edles Metall. Unterm Hirschkopf, wo die Gold, das Bächlein, entspringt, steht im Berge ein goldner Hirsch – aber das Bergwerk ist mit einem Hufeisen versetzt. Bedeutsam heißt der Felsen, wo es steht, die Hoffnungswand. Oben am Schneekopf ist ein Ort, der heißt die goldne Brücke, da ist des Reichtums genug hinweggetragen worden. Ostwärts fließen die Quellen der muntern Gera, der gepriesenen Ilm; und allenden weiß die Sage von gefeiten Stellen, von verschlossenen Schätzen, von Wächterjungfrauen, die sie hüten, von glücklichen Fündnern zu erzählen, denen alles zu Golde wird, was sie zur Glücksstunde an besonderen Stellen aufgehoben und mit sich getragen, Laub und Frösche, Käfer und Spinnen. Im obern Ilmgrunde steht der blaue Stein, gleich unterm Mordfleck an den Freibächen, auch mit einem Ort, die Hoffnung genannt, es ist um ihn nicht geheuer, der Herr der Wüstenei hat dort sein Wesen und Affenspiel. Burgruinen bergen in ihren verschlossenen Kellern manchen Schatz und auch Fässer, deren Dauben längst verfault, aber der Weinstein hält den Wein umschlossen in seiner Kristallhöhle. Da ist kein Tal und kein Tälchen, darin nicht ein Venetianer seinen Aufenthalt und seinen Silberborn gehabt. Feuermänner wandeln, besonders Amtleute und Förster, die im Leben Untaten getan oder die Leute allzu hart geplagt. Wer von alledem erzählen will, weiß gar nicht, wohin zunächst sich wenden.

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