Vesper
Vesper
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Die Abendglocken klangen Schon durch das stille Tal, Da saßen wir zusammen Da droben wohl hundertmal. Und unten wars so stille Was gehn die Glocken heute, Ich wollt, ich lag begraben |
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Die Abendglocken klangen Schon durch das stille Tal, Da saßen wir zusammen Da droben wohl hundertmal. Und unten wars so stille Was gehn die Glocken heute, Ich wollt, ich lag begraben |
Über Wipfel und Saaten
In den Glanz hinein –
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.
Errät‘ es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht,
Als die Wolken, die fliegen –
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schön wie die Nacht.
(Joseph von Eichendorff)
| Wie wird nun alles so stille wieder! So war mirs oft in der Kinderzeit, Die Bäche gehen rauschend nieder Durch die dämmernde Einsamkeit, Kaum noch hört man einen Hirten singen, Aus allen Dörfern, Schluchten, weit Die Abendglocken herüberklingen, Versunken nun mit Lust und Leid Die Täler, die noch einmal blitzen, Nur hinter dem stillen Walde weit Noch Abendröte an den Bergesspitzen, Wie Morgenrot der Ewigkeit. |
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Vögelein munter Singen so schön, Laßt mich hinunter Spazieren gehn! »Nacht ists ja draußen; Liebchen im Garten »Still nur, der blasse Wie mir ergraute, »Was willst du singen Laßt mich, Gespenster! |
Joseph von Eichendorff
Nach Süden nun sich lenken
Die Vöglein allzumal,
Viel Wandrer lustig schwenken
Die Hüt im Morgenstrahl.
Das sind die Herrn Studenten,
Zum Tor hinaus es geht,
Auf ihren Instrumenten
Sie blasen zum Valet:
Ade in die Läng und Breite
O Prag, wir ziehn in die Weite:
Et habeat bonam pacem,
Qui sedet post fornacem!
Nachts wir durchs Städtlein schweifen,
Die Fenster schimmern weit,
Am Fenster drehn und schleifen
Viel schön geputzte Leut.
Wir blasen vor den Türen
Und haben Durst genug,
Das kommt vom Musizieren,
Herr Wirt, einen frischen Trunk!
Und siehe über ein kleines
Mit einer Kanne Weines
Venit ex sua domo –
Beatus ille homo!
Nun weht schon durch die Wälder
Der kalte Boreas,
Wir streichen durch die Felder,
Von Schnee und Regen naß,
Der Mantel fliegt im Winde,
Zerrissen sind die Schuh,
Da blasen wir geschwinde
Und singen noch dazu:
Beatus ille homo
Qui sedet in sua domo
Et sedet post fornacem
Et habet bonam pacem!
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Die Jäger ziehn in grünen Wald Und Reiter blitzend übers Feld, Studenten durch die ganze Welt, So weit der blaue Himmel wallt. Der Frühling ist der Freudensaal, Viel rüstige Bursche ritterlich, Querüber übers Wasser glatt Durch Nacht und Nebel schleich ich sacht, Ade nun, Kind, und nicht geweint! |
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O Herbst, in linden Tagen Wie hast du rings dein Reich Phantastisch aufgeschlagen, So bunt und doch so bleich! Wie öde, ohne Brüder, So wunderbare Weise Und ich ruht überwoben, |
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| 2 An meinen Bruder |
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Gedenkst du noch des Gartens Und Schlosses überm Wald, Des träumenden Erwartens: Obs denn nicht Frühling bald? Der Spielmann war gekommen, Wie sind wir doch im Wandern Nun steht das Schloß versunken Gestorben sind die Lieben, Und fremde Leute gehen Doch rauscht der Wald im Grunde Bald mächtger und bald leise Und stamml ich auch nur bange, |
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Joseph von Eichendorff
Zwei Musikanten ziehn daher
Vom Wald aus weiter Ferne,
Der eine ist verliebt gar sehr,
Der andre wär es gerne.
Die stehn allhier im kalten Wind
Und singen schön und geigen:
Ob nicht ein süßverträumtes Kind
Am Fenster sich wollt zeigen?
Läuten kaum die Maienglocken,
leise durch den lauen Wind,
hebt ein Knabe froh erschrocken,
aus dem Grase sich geschwind.
Schüttelt in den Blütenflocken,
seine feinen blonden Locken,
schelmisch sinnend wie ein Kind.
Und nun wehen Lerchenlieder
und es schlägt die Nachtigall,
von den Bergen rauschend wieder
kommt der kühle Wasserfall.
Rings im Walde bunt Gefieder,
Frühling ist es wieder
und ein Jauchzen überall.
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Studieren will nichts bringen, Mein Rock hält keinen Stich, Meine Zither will nicht klingen, Mein Schatz, der mag mich nicht. Ich wollt, im Grün spazierte Ich wollt, ich jagt gerüstet Ich wollt, ich säß jetzunder |
Der Herbstwind schüttelt die Linde,
Wie geht die Welt so geschwinde!
Halte dein Kindelein warm.
Der Sommer ist hingefahren,
Da wir zusammen waren –
Ach, die sich lieben, wie arm!
Wie arm, die sich lieben und scheiden!
Das haben erfahren wir beiden,
Mir graut vor dem stillen Haus.
Dein Tüchlein läßt du noch wehen,
Ich kann’s vor Tränen kaum sehen,
Schau still in die Gasse hinaus.
Die Gassen schauen nochnächtlich,
Es rasselt der Wagen bedächtig –
Nun plötzlich rascher der Trott
Durchs Tor in die Stille der Felder,
Da grüßen so mutig die Wälder,
Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!
Oh wunderbares, tiefes Schweigen,
wie einsam ist`s doch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
als ging der Herr durchs stille Feld.
Ich fühl mich recht wie neu erschaffen.
Wo ist die Sorge, wo die Not?
Was mich noch gestern wollt erschlaffen-
ich schäm mich des im Morgenrot.
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
will ich,ein Pilger, frohbereit
betreten nur wie eine Brücke
zu Dir, Herr, übern Strom der Zeit.
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Ade, ihr Felsenhallen, Du schönes Waldrevier, Die falben Blätter fallen, Wir ziehen weit von hier. Träumt fort im stillen Grunde! Und ob sie all verglommen, |
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
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Die Höhn und Wälder schon steigen Immer tiefer ins Abendgold, Ein Vöglein fragt in den Zweigen: Ob es Liebchen grüßen sollt? O Vöglein, du hast dich betrogen, |
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Fernher ziehn wir durch die Gassen, Stehn im Regen und im Wind, Wohl von aller Welt verlassen Arme Musikanten sind. Aus den Fenstern Geigen klingen, Schleift und dreht sichs bunt und laut, Und wir Musikanten singen Draußen da der reichen Braut. Wollt sie doch keinen andern haben, Lachend reicht man uns die Neigen, Jetzt ist Schmaus und Tanz zerstoben, Und am Hause seine Runde |