Roman

Kapitel 24

 

24

 

»O nein, dies ist nicht das Zimmer«, entgegnete Mike ruhig. »Es liegt am anderen Ende des Ganges.«

 

Penne zögerte.

 

»Warum glauben Sie mir nicht?« fragte er mit fast freundlicher Stimme. »Was sind Sie für ein skeptischer Mensch! Kommen Sie jetzt, Brixan, wir wollen uns vertragen. Gehen wir hinunter und trinken etwas. Ich fühle mich elend.«

 

»Ich wünsche das Zimmer zu sehen«, sagte Mike unnachgiebig.

 

»Ich habe den Schlüssel nicht.«

 

»Dann holen Sie ihn«, sagte Mike scharf.

 

Schließlich fand der Baron einen Hauptschlüssel in seiner Tasche und öffnete widerstrebend die Tür.

 

»Es ging alles ein wenig schnell«, sagte er. »Sie war so krank, daß ich sie fortschaffen mußte.«

 

»Dann können Sir mir wahrscheinlich den Namen des Krankenhauses angeben, in das sie gekommen ist«, sagte Mike, als er das Licht anmachte. Ein Blick in das Zimmer sagte ihm, daß ein eiliger Aufbruch glaubhaft erschien. Aber trotzdem hatte das Mädchen den Raum nicht unter normalen Umständen verlassen. Das Bett war in Unordnung, das Kissen war blutig, und an der Wand sah man dunkelbraune Flecken. Ein Stuhl war zerbrochen, der Teppich trug merkwürdige Spuren, von denen eine von einem nackten Fuß herrühren mochte. Auf dem Laken war ein Abdruck, der nicht von einer menschlichen Hand sein konnte.

 

»Das sind Spuren des Affen«, sagte Mike und deutete darauf. »Das war Bhag!«

 

Der Baron biß sich auf die Lippen.

 

»Es hat ein Kampf hier stattgefunden«, sagte er. »Der Mann kam herauf und behauptete, die Dienerin sei seine Frau –«

 

»Was geschah mit ihm?«

 

Keine Antwort.

 

»Was geschah mit ihm?« fragte Mike mit unheimlicher Geduld.

 

»Ich ließ ihn gehen und die Frau mit sich nehmen. Es war einfacher so –«

 

Mit einem plötzlichen Ausruf bückte sich Mike und hob einen glänzenden Stahl auf, der hinter dem Bett lag. Es war die Hälfte eines Schwertes, in der Mitte entzweigebrochen und fleckenlos. Er betrachtete die Klinge und fand eine oberflächliche Einkerbung. Dann nahm er den Stuhl hoch, untersuchte das Bein und fand zwei tiefere Eindrücke darin.

 

»Ich werde Ihnen erzählen, was vorging. Sie und Ihr Bhag haben den Mann gefangen, nachdem er in diesem Zimmer war. Der Stuhl wurde im Kampf wahrscheinlich von Bhag zerbrochen. Der Mann floh aus dem Zimmer, lief in die Bibliothek, nahm das Schwert von der Wand, dann kam er wieder zu Ihnen herauf. Nun begann erst der richtige Kampf. Ich vermute, daß Sie hier einiges Blut verloren haben, Penne.«

 

»Einiges!« grollte der Baron. »Alles, verdammt noch einmal!«

 

Es folgte eine lange Pause.

 

»Verließ die Frau das Zimmer – lebend?«

 

»Ich glaube ja«, sagte Penne mürrisch.

 

»Verließ der Mann Ihre Bibliothek lebend?«

 

»Es wäre besser, wenn Sie das selbst herausbrächten – soweit ich weiß, ja … Ich hatte für eine halbe Stunde das Bewußtsein verloren – Bhag kann ein Schwert gebrauchen –«

 

Brixan verließ das Haus nicht, bis er es von oben bis unten durchsucht hatte. Alle Diener waren versammelt, und er begann ein Verhör. Mit einer Ausnahme konnten sie holländisch sprechen, aber keiner von ihnen beherrschte die Sprache gut genug, um ihm richtig Auskunft geben zu können.

 

Er ging zur Bibliothek und drehte alle Lampen an.

 

»Ich wünsche Bhag zu sehen«, sagte er.

 

»Bhag ist fort, ich sagte es Ihnen ja. Wenn Sie mir nicht glauben –«

 

Penne ging zu dem Schreibtisch und drehte den Hebel. Die Tür öffnete sich, aber es kam niemand heraus.

 

Brixan zögerte einen Augenblick, dann ging er in den Raum, den Revolver in der einen, die Taschenlampe in der anderen Hand. Das Gelaß war ganz sauber, aber es herrschte ein strenger Tiergeruch in der Zelle. In der Ecke stand ein kleines Bett mit Matratzen, Bettüchern, einer Decke und einem Federkissen. Dort pflegte der Affe zu schlafen. Außerdem sah man einen kleinen Speiseschrank, der mit Nüssen gefüllt war, einen Wasserhahn und einen tiefen, abgenützten Sessel, wo sich der stumme Diener ausruhte. Drei Kricketbälle lagen darauf, die anscheinend das Spielzeug dieses sonderbaren Tieres waren.

 

Mike wurde es nun auch klar, auf welche Weise Bhag in das Haus kam und es wieder verließ. Ungefähr zwei Meter über dem Fußboden sah er eine quadratische Öffnung in der Mauer, in der weder Fenster noch Vorhang war. Drei eiserne Sprossen waren in gleichen Zwischenräumen zwischen Fenster und Boden in die Wand eingelassen und bildeten so für Bhag eine Art Leiter. An der Außenseite der Mauer fand Mike später die entsprechenden Sprossen.

 

Er konnte aber keine Blutspuren oder irgendein Zeichen dafür entdecken, daß Bhag an dem schrecklichen Kampf beteiligt gewesen war, der sich abgespielt haben mußte.

 

Er ging zur Bibliothek zurück und untersuchte alles, aber es war nichts zu finden. Erst als er in den kleinen Salon kam, in dem er sich in der vorigen Nacht verborgen hatte, sah er auf dem Fensterbrett Spuren genug. Da war der Abdruck eines nackten Fußes, und eine andere Stalle ließ erkennen, daß ein schwerer Körper durch das Fenster gezerrt worden war.

 

In diesem Augenblick kam sein Chauffeur mit den beiden Polizeibeamten zurück. Er hatte ihn bei seiner Ankunft nach Chichester geschickt, um sie zu holen. Die beiden halfen ihm bei seinen Nachforschungen auf dem Grundstück. Die Spur des Flüchtlings war leicht zu verfolgen. Blutflecken zogen sich quer über den Kies, die Pflanzen in dem runden Blumenbeet waren zertreten,, und in dem weichen Boden sah man deutlich die Abdrücke nackter kleiner Füße. Im Gemüsefeld verlor sich jedoch die Spur.

 

»Nun ist die Frage: wer hat wen getragen?« sagte Inspektor Lyle. Mike hatte ihm vorher mit einigen Worten alles erklärt, was er in Griff Towers gefunden hatte. »Mir scheint es so, als ob. die beiden Leute im Haus getötet und ihre Leichen von Bhag weggetragen wurden. In seinem Raum sind keine Blutspuren. Wahrscheinlich ist er nicht mehr dort gewesen, nachdem sie getötet worden sind. Wenn wir den. Affen finden, können wir die Geschichte ganz aufklären. Penne ist natürlich der Kopfjäger«, fuhr er fort.

 

»Ich habe mich gestern mit ihm unterhalten und habe bemerkt, daß etwas Fanatisches in seinem Charakter liegt.«

 

»Ich bin nicht so sicher«, sagte Mike langsam, »daß Sie recht haben. Vielleicht ist meine Ansicht etwas merkwürdig: Aber wenn Sir Gregory Penne wirklich der Mörder sein sollte, wäre ich sehr überrascht. Ich habe mich sehr gewundert«, gab er zu, »daß keine blutigen Fußspuren in Bhags Raum waren. Deswegen glaube ich auch, daß Ihre Vermutung soweit stimmt. Wir können jetzt weiter nichts tun, als das Haus beobachten, bis ich mich mit der Zentrale in Verbindung gesetzt habe.«

 

In diesem Augenblick kam der zweite Beamte zurück, der das Gemüsefeld bis zu seinen äußersten Grenzen durchsucht hatte. Er meldete, daß er die Spur nahe dem hinteren Ausgang wieder gefunden habe. Die Hinterpforte stand auf, sie eilten quer über das Feld und fanden seine Worte bestätigt. Sowohl innerhalb wie außerhalb des Tores bemerkten sie Blutflecken. In der Nähe des hinteren Ausganges lag ein großer Blätterhaufen, den der Gärtner dort zusammengeharkt hatte. Hier fanden sie den Abdruck eines menschlichen Körpers, als ob jemand an dieser Stelle seine Last ein wenig abgesetzt hätte, um sich auszuruhen. Aber auf den Feldern jenseits des Tores verlor sich die Spur wieder vollkommen.

 

Kapitel 19

 

19

 

Mike Brixan hatte sich einen schweren Koffer aus der Stadt schicken lassen, der wertvolle Kleidungsstücke enthielt. Eine halbe Stunde lang beschäftigte er sich mit dem Inhalt, dann meldete ihm der Boy des Hotels, daß das Motorrad da sei, das für ihn bestellt worden war. Mit einem Rucksack auf dem Rücken bestieg er das Rad und hatte die Stadt bald hinter sich. Er machte einen Umweg durch die gewundenen Straßen von Sussex, ehe er Dower House erreichte, wo er seine Maschine versteckte.

 

Es war elf Uhr, als er über die Felder ging, die zu der Hinterpforte führten. Auf dem ganzen Weg lauschte er auf den sanftfüßigen Bhag. Die Hintertür war zu und verschlossen darauf war er vorbereitet. Er nahm seinen Rucksack ab, nahm ein Bündel Stäbe heraus und schraubte drei zusammen. Oben befestigte er einen dicken, stumpfen Haken, dann legte er die übrigen Stäbe zurück. Er hob den Haken bis zur Kante der hohen Mauer, prüfte die Festigkeit – und in wenigen Sekunden war er auf seiner Leiter hochgeklettert und sprang auf die andere Seite hinab.

 

Er folgte dem Weg, den er früher schon einmal genommen hatte, und hielt sich im Gebüsch. Scharf spähte er links und rechts nach dem gefährlichen Diener Pennes aus. Als er zu dem Ende der Hecke kam, öffnete sich die Tür der Vorhalle, und zwei Männer traten heraus. Der eine war Penne, den schlanken Mann an seiner Seite erkannte er im Augenblick nicht, bis er dessen Stimme hörte. Es war Mr. Sampson Longvale!

 

»Ich glaube, daß sie durchkommt. Die Wunden sind nicht sehr schlimm. Es sieht fast so aus, als ob sie von einer ungeheuren Klaue gepackt worden wäre«, sagte Longvale. »Ich hoffe, daß meine Hilfe von Nutzen war, Sir Gregory, obwohl ja, wie ich Ihnen schon erzählte, meine medizinische Tätigkeit fast fünfzig Jahre zurückliegt.«

 

Der alte Longvale war also Arzt! So sehr überraschte Mike diese Neuigkeit nicht. In dem wohlwollenden Verhalten und in der freundlichen Art dieses Mannes lag etwas, das selbst einen weniger guten Psychologen als Mike Brixan an einen solchen Beruf hätte denken lassen.

 

»Mein Wagen wird Sie zurückbringen«, hörte er Sir Gregory sagen.

 

»Nein, ich danke Ihnen, ich möchte zu Fuß gehen. Es ist ja nicht weit. Gute Nacht, Sir Gregory.«

 

Der Baron brummte gute Nacht und ging in die schwach erleuchtete Halle zurück. Mike hörte das Rasseln der Ketten, mit denen Penne die Tür sicherte.

 

Es war keine Zeit zu verlieren. Fast noch ehe Mr. Longvale in der Dunkelheit verschwunden war, hatte Mike seinen Rucksack wieder geöffnet und seiner Leiter drei neue Stäbe hinzugefügt. Von jedem Stab sprang ein kurzer, leichter Stahlarm vor. Es war der Typ der Hakenleiter, wie sie von Feuerwehrleuten benützt wird. Mike war während seiner bewegten Laufbahn oft auf diese Weise in unzugängliche Häuser eingedrungen. Er hatte die Entfernung gut geschätzt, denn als er den Stab hob und den Haken an dem Brett des kleinen Fensters anbrachte, hing die Leiter nur wenige Zoll über dem Boden. Er prüfte die Festigkeit durch einen kräftigen Ruck an dem Haken, dann kletterte er hinauf, und in wenigen Sekunden spähte er durch das Fenster. Es war leicht zu öffnen – der Verschluß war von verblüffender Einfachheit. Im nächsten Augenblick stand er auf den Stufen einer dunklen und engen Treppe.

 

Er hatte eine Taschenlampe mitgenommen und leuchtete damit den Raum ab. Unten sah er eine kleine Tür, die anscheinend in die Halle führte. Er dachte angestrengt nach und erinnerte sich dann, daß sich in einer Ecke der Halle ein Vorhang befand, dem er aber keine Wichtigkeit beigelegt hatte. Er ging hinunter, versuchte, die Tür aufzudrücken, fand sie aber verschlossen. Nun setzte er seine Lampe nieder, nahm ein Lederetui mit Werkzeug aus seiner Tasche und begann an dem Schloß zu arbeiten. In unglaublich kurzer Zeit gab es nach. Als er sich überzeugt hatte, daß die Tür sich öffnen würde, war er zufrieden. Zunächst gab es oben für ihn Arbeit. Er stieg die Stufen wieder empor und kam zu einem schmalen Podest, sah aber keine Tür.

 

Eine zweite, dritte und vierte Treppe brachte ihn, soweit er vermuten konnte, zu der Spitze des Turmes, und hier fand er einen schmalen Ausgang. Er lauschte, und nach einer Weile hörte er, daß sich jemand im Raum bewegte, der dem Geräusch nach Pantoffeln trug. Gleich darauf schloß eine Tür mit dumpfem Schlag, und er versuchte, die Klinke niederzudrücken. Die Tür war unverschlossen. Er öffnete sie ein wenig, bis er den größeren Teil des Zimmers übersehen konnte.

 

Es war ein kleiner, luftiger Raum ohne Möbel. Nur in einer Ecke stand ein Bett, auf dem eine Frau lag. Glücklicherweise wandte sie ihm den Rücken zu. Aber ihr schwarzes Haar und die dunkle Haut ihres bloßen Armes, der auf der Decke ruhte, sagten ihm, daß sie keine Europäerin war.

 

Sie wandte sich um, und er konnte ihr Gesicht betrachten. Er erkannte sie sofort als die Frau wieder, die er in dem Film gesehen hatte. Sie sah schön und jung aus. Ihre Augen waren geschlossen, und sie begann im Schlaf leise zu rufen. Mike war schon halb im Zimmer, als er merkte, daß sich die Klinke der anderen Tür bewegte. Blitzschnell kehrte er zu dem dunklen Treppenabsatz zurück.

 

Bhag in seiner alten blauen Hose kam herein. In den großen Händen hielt er ein Tablett mit Speisen. Er streckte einen Fuß aus und zog den Tisch zu sich heran. Dann stellte er das Brett an der Seite des Bettes nieder. Das Mädchen öffnete die Augen und fiel mit einem entsetzten Schrei wieder zurück. Bhag, der anscheinend an diese Äußerungen des Widerwillens gewöhnt war, schlurfte aus dem Zimmer.

 

Mike öffnete die Tür wieder leise und ging durch den Raum, ohne daß ihn das Mädchen bemerkte. Er sah in den Gang – keine sechs Schritte von ihm entfernt kauerte Bhag und schaute ihn an.

 

Mike schloß die Tür schnell und flog zu der geheimen Treppe zurück. Die Tür zog er hinter sich zu. Er suchte nach einem Schlüssel, aber es war keiner da. Ohne eine Sekunde länger zu warten, lief er die Treppe hinab. Er wollte auf alle Fälle einen Zusammenstoß vermeiden, der seine Anwesenheit in diesem Haus verraten konnte.

 

Er machte nicht den Versuch, aus dem Fenster zu entkommen, sondern ging die Treppe hinunter und trat dann in die Halle ein. Diese Tür konnte er schließen, oben und unten waren zwei große Riegel. Er schob den Vorhang zurück und wartete eine Weile – gleich darauf hörte er ein Schlurfen auf der Treppe. Nun sicherte er vor allem seinen Rückzug. Geräuschlos riegelte er die Haupttür auf, zog die Kette weg und drehte den Schlüssel um. Dann schlich er sich vorsichtig auf den Gang und wandte sich Sir Gregorys Zimmer zu.

 

Es bestand die Gefahr, daß einer der Eingeborenen ihn sehen konnte, aber das mußte er riskieren. Er hatte bei seinen früheren Besuchen beobachtet, daß sich kurz vor der Bibliothek eine Tür befand, die in eine Art Vorzimmer führen mußte. Sie war nicht verschlossen, und er trat in vollkommene Dunkelheit. Er tastete sich an der Wand entlang und fand eine Reihe von Schaltern. Den ersten drehte er an, und zwei Wandarme leuchteten auf, die genügend Licht verbreiteten, um ihm einen Überblick über den Raum zu geben.

 

Es war ein kleiner Salon, der anscheinend nicht benützt wurde, denn die Möbel waren mit Überzügen bedeckt, und der Kamin stand leer. Von hier aus konnte man durch eine Tür in der Nähe des Fensters zu der Bibliothek kommen. Er drehte das Licht wieder aus, verschloß die Tür von innen und prüfte die Fensterläden. Sie waren durch Eisenstangen gesichert und nicht wie die in der Bibliothek verschlossen. Er stieß sie zurück, zog das Rouleau in die Höhe und öffnete vorsichtig zwei Flügel. Nun hatte er eine zweite Möglichkeit zu entkommen.

 

Er kniete nieder und spähte durch das Schlüsselloch. In der Bibliothek brannte Licht; es sprach jemand. Eine Frau! Er drückte die Klinke nieder und öffnete die Tür ein wenig, so daß er ins Zimmer sehen konnte.

 

Gregory Penne stand in seiner Lieblingshaltung am Kamin, den Rücken dem Feuer zugewandt. Vor sich hatte er ein Tablett mit verschiedenen Drinks, ohne die ihm das Leben anscheinend unerträglich war. An der anderen Seite des Kamins saß Stella Mendoza auf einem niedrigen Sitz. Sie trug einen Pelzmantel, denn die Nacht war kühl. Um ihren Hals funkelten so viele Edelsteine, wie Mike sie niemals zuvor an einer Frau gesehen hatte.

 

Das Thema der Unterhaltung schien nicht sehr angenehm zu sein, denn Gregory blickte finster drein, und Stella schien auch nicht sehr glücklich.

 

»Ich habe dich allein gelassen, weil ich dich eben allein lassen mußte«, grollte er als Antwort auf ihre Beschwerde. »Eine meiner Dienerinnen ist krank, und ich habe den Arzt geholt. Und wenn ich dageblieben wäre, würde es dasselbe sein. Es hat keinen Zweck, Kind«, sagte er scharf. »Das Huhn legt keine goldenen Eier mehr wie früher – dieses Huhn auf keinen Fall. Es war töricht von dir, dich mit Knebworth zu überwerfen.«

 

Sie sagte etwas, was Mike nicht hören konnte.

 

»Deine eigene Gesellschaft – das wäre schön!« sagte er sarkastisch. »Es wäre schön für mich, der ich die Rechnungen bezahlen müßte, und noch schöner für dich, die das Geld ausgeben könnte! Nein, Stella, da spiele ich nicht mit. Ich bin sehr gut zu dir gewesen, und du hast nicht das Recht, von mir zu erwarten, daß ich Bankrott mache, um dir eine Laune zu erfüllen!«

 

»Das ist keine Laune!« sagte sie heftig. »Das ist zwingende Notwendigkeit. Wenn du mich nicht von Atelier zu Atelier herumlaufen lassen willst, um mir ein Engagement zu suchen … Willst du das etwa?« fragte sie in vorwurfsvollem Ton.

 

»Ich will dich nicht zur Arbeit zwingen, und ich wüßte auch gar nicht, warum du arbeiten müßtest. Du hast genug, um davon zu leben. Immerhin, du hast keinen Grund, auf Knebworth wütend zu sein. Wenn er nicht gewesen wäre, hättest du mich nicht kennengelernt, und wenn du mich nicht kennengelernt hättest, wärest du um viele Tausende ärmer. Das einzige ist, dir ist die Sache zu langweilig geworden, und du brauchst eine Veränderung!«

 

Tiefe Stille trat ein. Ihr Kopf sank, und Mike konnte ihr Gesicht nicht mehr sehen. Aber als sie sprach, hörte er an ihrem grollenden Unterton, in welcher Stimmung sie war.

 

»Du brauchst anscheinend auch eine Veränderung. Glaubst du etwa, ich lasse mich so abschieben? Ich könnte Dinge von dir erzählen, die nicht sehr schön aussehen, wenn sie im Druck erscheinen. Dann würdest du auch deine Veränderung haben! Denke daran, Gregory Penne! Ich bin kein Dummkopf. Ich habe hier allerhand Dinge gesehen und gehört, und die Zusammenhänge sind mir ganz klar. Du meinst, ich brauche eine Veränderung. Das glaube ich auch. Ich brauche Freunde, die keine Mörder sind –«

 

Mit einem Satz sprang er zu ihr hin, und seine fleischige Hand schloß ihr den Mund.

 

»Du Hexe!« zischte er. In dem Augenblick mußte jemand geklopft haben, denn er drehte sich zur Tür um und sagte etwas in einem Eingeborenen-Dialekt.

 

Mike konnte die Antwort nicht hören.

 

»Nun hör mal«, sagte Gregory in ruhigerem Ton zu Stella. »Foß wartet draußen und will mich sprechen. Ich werde diese Angelegenheit später mit dir bereden.«

 

Er ließ sie los, ging zu seinem Schreibtisch und drehte den Hebel, der die geheime Tür zu Bhags Quartier öffnete.

 

»Geh da hinein und warte«, sagte er. »Die Unterredung mit Foß wird nicht länger als fünf Minuten dauern.«

 

Sie schöpfte Verdacht, als sie zu der Tür sah, die sich plötzlich in der Täfelung öffnete.

 

»Nein«, sagte sie. »Ich werde nach Hause gehen. Morgen können wir über die Sache sprechen. Es tut mir leid, daß ich so heftig wurde, Gregory, aber du kannst einen manchmal auch verrückt machen.«

 

»Geh da hinein«, sagte er scharf. Er zeigte auf die Zelle. Er biß die Zähne aufeinander, und seine Stirnader schwoll an.

 

»Ich will nicht«, rief sie entsetzt, und sie wurde bleich.

 

»Du tierischer Mensch! Glaubst du, ich weiß nicht, was los ist? Das ist Bhags Käfig, du gemeiner Kerl!«

 

Sein Gesicht sah schrecklich aus. Bosheit und Niedertracht malten sich in seinen Zügen. Atemlos vor Schrecken starrte Stella ihn an und taumelte gegen die Wand. Gregory gewann wieder die Herrschaft über sich.

 

»Dann geh in den kleinen Salon«, sagte er rauh.

 

Brixan hatte gerade noch Zeit, sich in eine Ecke zu drücken, als die Tür aufgerissen wurde und sie hereinkam.

 

»Es ist dunkel hier drinnen«, sagte sie verdrossen.

 

»Dreh doch das Licht an!«

 

Die Tür schlug zu. Mike Brixan wußte nicht, was er nun tun sollte. Er konnte ihre Gestalt sehen, wie sie an der Wand entlangtastete, und er ging ihr vorsichtig aus dem Weg. Dabei stolperte er aber über einen Stuhl. »Wer ist da?« schrie sie auf. »Gregory, ruf das Vieh zurück! Gregory!«

 

Wieder hörte er den gellenden Schrei. Aber schon war er am Fenster, schlüpfte hindurch und sprang auf die Erde. Während er an der Hecke entlanglief, hörte er noch ihre schrillen Schreie. So behende er auch war, es eilte jemand noch schneller hinter ihm her – eine große, unförmige Gestalt, die sich auf Händen und Füßen fortbewegte. Der Detektiv hörte es, schaute sich um und erkannte seinen Verfolger. Von welchem verborgenen Platz aus mochte Bhag plötzlich gekommen sein? Als Mike zur Erde sprang, hatte er keine Zeit, sich umzusehen. Seine Rocktasche war so merkwürdig leicht. Er fühlte mit der Hand, daß die Pistole nicht mehr darin war. Sie mußte ihm beim Sprung entfallen sein.

 

Er hörte nur, daß Bhag immer noch hinter ihm her war, als er quer übers Feld raste. Er stolperte über Kohlköpfe und trat in tiefe Furchen. Das unheimliche Tier kam immer näher an ihn heran. Die Hintertür lag jetzt vor Mike, aber sie war verschlossen, und selbst die hohe Mauer hätte dem Affen kein Hindernis geboten. Die Wand hielt Mike auf. Atemlos drehte er sich nach seinem Verfolger um. In der Dunkelheit sah er zwei grüne Augen gleich zwei Unglückssternen unheimlich aufblitzen.

 

Kapitel 2

 

2

 

Helen Leamington wartete, bis das Atelier fast leer war, und auch dann zögerte sie noch, ehe sie in das Büro ihres Chefs eintrat. Ein weißhaariger Mann saß zusammengekauert in einem Segeltuchstuhl. Er hatte die Hände in die Hosentaschen gesteckt und runzelte mißmutig die Stirn.

 

Es war gerade kein glücklicher Augenblick, um ihm eine Bitte vorzutragen. Niemand wußte das besser als sie selbst.

 

»Mr. Knebworth, kann ich Sie einen Augenblick sprechen?«

 

Langsam schaute er auf. Sonst wäre der Amerikaner gleich aufgestanden, denn man rühmte an ihm allgemein seine bezaubernde Liebenswürdigkeit. Aber augenblicklich war seine Achtung vor den Frauen unter Null gesunken. Er sah sie mißmutig an, prüfte aber gewohnheitsmäßig als Filmmann unwillkürlich ihre Erscheinung. Sie war hübsch und hatte regelmäßige Gesichtszüge. Goldbraune Locken umrahmten weich ihr Gesicht mit dem festen, schöngeformten Mund. Ihre Gestalt war schlank. Man konnte nichts an ihr aussetzen.

 

Jack Knebworth hatte schon viele schöne Statistinnen zu Gesicht bekommen. Wie oft war er von einem hübschen Mädchen begeistert, und wenn er es dann auf der Leinwand sah, war er verzweifelt. Sie bewegten sich meist steif wie hölzerne Puppen, ohne Seele und Ausdrucksfähigkeit. Er kannte diese Frauen, die zu hübsch waren, um Geist zu besitzen, und die sich ihrer Schönheit zu bewußt waren, um sich noch natürlich bewegen zu können. Sie waren nur Puppen – ohne Seele und Verstand –, Statistinnen. Man konnte sie nur in der Menge auftreten lassen, mit schönen Kleidern, wo sie sich dann mit ihrem Allerweltslächeln mechanisch bewegten. Sie waren vom Schicksal eben zu Statistinnen bestimmt und konnten in ihrem ganzen Leben auch nichts anderes werden.

 

»Was gibt es?« fragte er unfreundlich.

 

»Könnte ich nicht eine Rolle in diesem Film bekommen, Mr. Knebworth?« fragte sie. Seine glattrasierte Oberlippe zog sich zusammen. »Ich denke, Sie haben eine Rolle, Miss – wie war gleich Ihr Name – Leamington, nicht wahr?«

 

»Gewiß spiele ich mit, aber nur im Hintergrund«, lächelte sie ihn an. »Ich verlange ja auch keine große Rolle. Aber ich bin sicher, daß ich mehr leisten könnte als an meiner jetzigen Stelle.«

 

»Ich bin davon überzeugt, daß Sie sich schließlich auch nicht schlechter ausnehmen werden als andere«, grollte er. »Nein, meine Liebe, es gibt für Sie keine Rolle. Es wird überhaupt nicht weiter gefilmt, wenn sich die Dinge nicht ändern. So liegt die Sache!«

 

Sie wandte sich zum Gehen, aber er rief sie noch einmal zurück.

 

»Sie sind vermutlich aus guten Verhältnissen weggelaufen?« fragte er. »Sie dachten, wenn man beim Film ist, verdient man eine Million Dollar im Jahr und kann sich jeden Donnerstag ein neues Auto kaufen? Oder Sie hatten eine gute Stellung als Stenotypistin und bildeten sich ein, daß Hollywood nur auf Sie gewartet hätte? Gehen Sie ruhig nach Hause und erzählen Sie Ihrem Vater die alte Geschichte, daß Sie nicht länger Stenotypistin bleiben wollen, weil man sich da zu Tode schindet!«

 

Ein schwaches Lächeln zeigte sich auf ihren Zügen.

 

»Ich bin nicht zum Film gegangen, weil ich verrückt nach der Bühne war – wenn Sie das etwa meinen sollten, Mr. Knebworth. Als ich hierher kam, war ich mir klar darüber, wie schwer man zu kämpfen hat. Ich habe keine Eltern mehr.«

 

Er schaute sie interessiert an.

 

»Wie bestreiten Sie denn Ihren Lebensunterhalt?« fragte er. »Als Statistin verdient man doch nicht genügend. Vielleicht wenn ich einer der Direktoren wäre, die Riesenfilme mit Wagenrennen veranstalten – und Millionen verschwenden! Aber Sie wissen ja, daß ich nicht soviel Geld zur Verfügung habe. Wenn ich einen Film drehe, dann genügen mir fünf Hauptrollen.«

 

»Ich habe etwas Zuschuß vom Vermögen meiner Mutter, und außerdem schreibe ich«, sagte das junge Mädchen schüchtern. Sie brach ab, als sie bemerkte, daß er nach dem Ateliereingang schaute, und drehte sich nach dorthin um. Eine merkwürdige Persönlichkeit stand dort. Zuerst vermutete sie einen Schauspieler, der zu einer Filmprobe kostümiert war.

 

Es war ein älterer Herr, aber sein aufrechter Gang und seine hohe Gestalt ließen ihn jünger erscheinen. Er trug einen knapp anliegenden Rock mit langen Schößen. Seine Hosen waren mit Lederbügeln an den Schuhen befestigt. Der hohe, steife Kragen und die schwarzseidene Halsbinde gehörten dem Schnitt nach der Vergangenheit an, aber sie waren funkelnagelneu. Seine weißen Leinenmanschetten lagen über den Handgelenken, und seine zweireihige Weste aus grauem Samt war mit goldenen Knöpfen verziert. Es machte ganz den Eindruck, als ob ein Familienporträt der fünfziger Jahre zum Leben erwacht wäre. In seiner behandschuhten Rechten hielt er einen großen Hut mit geschweifter, breiter Krempe, in der anderen einen Spazierstock mit goldenem Knauf. Sein tiefgefurchtes Gesicht hatte einen angenehmen, ruhigen und wohlwollenden Ausdruck. Es schien ihm nicht bewußt zu sein, daß seine Kleidung durchaus nicht mehr in diese Zeit paßte.

 

Jack Knebworth erhob sich schnell und ging dem Fremden entgegen.

 

»Mr. Longvale, ich freue mich sehr, Sie bei mir zu sehen – haben Sie meinen Brief bekommen? Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr Sie mich dadurch verpflichtet haben, daß Sie mir Ihr Haus überlassen wollen.«

 

Das Mädchen erkannte nun Mr. Sampson Longvale. Es war der Herr, der unten in Dower House wohnte. In ganz Chichester war er nur unter seinem Spitznamen »der altmodische Herr« bekannt. Als sie einmal Außenaufnahmen machten, zeigte ihr jemand das große, geräumige Haus mit dem verwilderten Garten und den schiefen Mauern, in dem er wohnte.

 

»Ich dachte, es wäre das beste, wenn ich Sie einmal besuchte«, sagte der Fremde mit wohlklingender Stimme.

 

Sie erinnerte sich nicht, jemals ein so klangvolles Organ gehört zu haben, und sah den merkwürdigen Mann mit großem Interesse an.

 

»Ich hoffe, daß das Haus und das Grundstück sich für Ihre Zwecke eignen werden. Ich fürchte nur, daß das Anwesen nicht sehr in Ordnung ist, aber ich kann den Besitz leider nicht in so gutem Zustand halten wie mein Großvater.«

 

»Das ist ja gerade das, was ich brauche, Mr. Longvale. Ich dachte schon, ich hätte Sie verletzt, als ich bat –«

 

Der alte Herr unterbrach ihn mit einem leisen Lachen.

 

»Nein, ich war durchaus nicht beleidigt. Sie brauchen ein Haus, in dem es spukt, und ich konnte Ihnen nun gerade ein solches anbieten. Aber ich kann Ihnen nicht versprechen, daß Sie der Geist meiner Ahnfrau nicht belästigen wird. In Dower House spukt es schon seit mehreren hundert Jahren. Einer meiner Vorfahren hat in einem Anfall von Wahnsinn seine Tochter ermordet, und man nimmt an, daß der Geist dieser unglücklichen Frau umgeht. Ich habe sie niemals zu Gesicht bekommen, aber vor einigen Jahren hat sie einer meiner Dienstboten gesehen. Ich habe mich von diesen Unannehmlichkeiten befreit, indem ich alle meine Dienstboten entließ«, fügte er lächelnd hinzu. »Aber wenn Sie eine Nacht dort zubringen wollen, wird es mir ein Vergnügen sein, fünf oder sechs Leute Ihrer Gesellschaft mit einzuladen.«

 

Knebworth seufzte erleichtert auf. Trotz eifrigen Bemühens hatte er in der Nähe keine Unterkunft für seine Leute finden können. Es lag ihm aber viel daran, Nachtaufnahmen zu machen, und gerade für eine Szene brauchte er das gespenstisch blasse Licht des Morgengrauens.

 

»Ich fürchte, das wird Ihnen zuviel Umstände machen, Mr. Longvale«, sagte er. »Wir müssen auch noch die schwierige Frage der Entschädigung –«

 

Der alte Herr brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.

 

»Bitte, sprechen wir nicht vom Geld«, sagte er bestimmt. »Ich interessiere mich sehr für Filmaufnahmen. Ich beschäftige mich wirklich gern mit den modernsten Dingen. Im allgemeinen sind die alten Leute ja geneigt, die Fortschritte der Neuzeit abzulehnen, aber mir ist es ein großes Vergnügen, die Wunder der Wissenschaften, die uns die letzten Jahre gebracht haben, kennenzulernen.«

 

Bei diesen Worten schaute er den Direktor merkwürdig an.

 

»Einmal müssen Sie auch von mir eine Filmaufnahme machen, und zwar in einer Rolle, in der mich keiner übertreffen kann, wie ich glaube – nämlich als mein Vorfahre.«

 

Jack Knebworth starrte ihn halb belustigt, halb erschreckt an. Er hatte schon öfters die Erfahrung gemacht, daß sich Leute gern selbst auf der Leinwand sahen, aber er hätte doch niemals vermutet, daß Mr. Sampson Longvale auch diese kleine Eitelkeit besitzen würde.

 

»Ich werde mich freuen«, sagte er etwas kühl. »Ihre Familie ist ja sehr bekannt.«

 

Mr. Longvale seufzte.

 

»Zu meinem Bedauern stamme ich nicht von der Hauptlinie ab, zu der der bekannte Charles Henry Longvale gehört, der auch in der Geschichte eine Rolle gespielt hat. Er war mein Großonkel. Ich stamme von der Linie der Longvales ab, die in Bordeaux beheimatet ist. Aber auch sie haben sich hervorgetan.« Er schüttelte traurig den Kopf.

 

»Sind Sie Franzose?« fragte Knebworth.

 

Anscheinend hatte der alte Herr seine Frage nicht gehört. Er schaute starr auf eine Stelle und sagte dann plötzlich: »Ja, früher waren wir Franzosen. Mein Urgroßvater heiratete eine Engländerin, die er unter sonderbaren Umständen kennenlernte. Zur Zeit des Direktoriums kamen wir nach England.«

 

Erst jetzt schien er die junge Dame zu bemerken und machte eine Verbeugung vor ihr.

 

»Ich werde jetzt gehen«, sagte er, indem er eine große goldene Uhr aus der Tasche zog.

 

Helen Leamington beobachtete die beiden, als sie aus dem Atelier gingen. Gleich darauf sah sie, wie »der altmodische Herr« in einem vorsintflutlichen Auto am Fenster vorbeifuhr. Der Wagen mußte einer der ersten gewesen sein, die je nach England gekommen waren. Es war eine große, hoch gebaute, äußerst unhandliche Maschine, die unter furchtbarem Lärm gemächlich die Chaussee entlangfuhr.

 

Kurze Zeit später kam Jack Knebworth zurück.

 

»Alle sind verrückt darauf, gefilmt zu werden, ob sie alt sind oder jung«, brummte er. »Gute Nacht, Miss – ich habe schon wieder Ihren Namen vergessen – Leamington, nicht wahr? Gute Nacht!« Auf dem Heimweg stellte sie fest, daß diese Unterredung, die sie so mutig begonnen hatte, doch zu einem wenig befriedigenden Resultat für sie geführt hatte. Sie war genauso weit davon entfernt, eine Rolle zu bekommen, wie vorher.

 

Kapitel 13

 

13

 

Brixan hörte ein schwaches Krachen in einer Ecke des Raumes, dann das leise Geräusch nackter Füße auf dem dicken Teppich und schnelle Atemzüge.

 

Mit der Hand fühlte er, wo das Schlüsselloch im Fensterladen war. Ohne Zögern zog er die Pistole und feuerte zweimal hintereinander dagegen. Die Schüsse krachten unheimlich laut in dem geschlossenen Raum; das mußte auf die Leute, die eingedrungen waren, einen überwältigenden Eindruck gemacht haben, denn als der Fensterladen mit einem Ruck aufflog, der weiße Fensterflügel sich öffnete und das schwache Morgenlicht in den schön möblierten Raum fiel, war niemand mehr zu sehen.

 

Gleich darauf öffnete sich die Tür wieder, und der Baron kam herein. Vorher war er schon von panischem Schrecken ergriffen, aber jetzt machte er einen fast bedauernswerten Eindruck.

 

»Was ist los, was ist geschehen?« wimmerte er. »Hat hier jemand geschossen?«

 

»Ja, hier hat jemand geschossen«, sagte Mike ruhig. »Und der Jemand war ich. Die Leute, die Sie hierher schickten, um mit mir abzurechnen, können froh sein, daß ich nur auf das Schloß im Fensterladen geschossen habe und nicht auf sie.«

 

Irgendein weißer Gegenstand lag auf dem Fußboden. Schnell ging Brixan hin und nahm ihn auf. Er hatte eine rohseidene Binde in der Hand. Ein penetranter Geruch ging davon aus.

 

»Jemand muß das hier in der Eile verloren haben«, sagte er. »Ich glaube, man wollte es eben bei mir anwenden …«

 

»Aber mein Lieber, ich versichere Ihnen, daß ich nichts davon weiß«, sagte Penne.

 

»Wie befindet sich die kranke Frau?« fragte Mike mit einem spöttischen Lächeln. »Sie wissen, die verrückte Frau, die vorhin so geschrien hat?«

 

Gregory strich mit seiner Hand einen Augenblick über die zitternden Lippen, anscheinend, um sich zu beruhigen.

 

»Oh, es geht gut, es war schon so, wie ich dachte«, sagte er. »Sie hatte einen Anfall.«

 

Mike sah ihn durchdringend an.

 

»Ich wünsche sie zu sehen«, sagte er.

 

»Das können Sie nicht.« Penne antwortete mit einer lauten, herausfordernden Stimme. »Sie können überhaupt hier niemanden sehen. Was zum Teufel wollen Sie denn, wenn Sie zu so früher Morgenstunde in mein Haus kommen und mein Eigentum beschädigen? Ich werde die Sache Scotland Yard anzeigen! Das wird Sie Ihre Stellung kosten, mein Lieber! Manche Detektive glauben, sie können sich alles herausnehmen. Aber ich werde Ihnen zeigen, daß Ihre Macht sehr beschränkt ist.« Seine Stimme wurde immer lauter, schließlich fing er an zu schreien.

 

Mike merkte, daß er seine Furcht durch Schimpfen und Drohen verdecken wollte. Er schaute nach den Schwertern über dem Kamin. Sir Gregory folgte seinem Blick und änderte plötzlich sein Benehmen.

 

»Warum bringen Sie mich auch so in Wut! Ich bin der netteste Mensch auf der Welt, wenn Sie mich richtig behandeln. Sie scheinen sich verrückte Ideen über mich in den Kopf gesetzt zu haben.«

 

Mike antwortete nicht. Er schritt langsam die Treppe hinunter. Als er hinaustrat, ging gerade die Sonne auf.

 

»Ich kann nicht darauf bestehen, Ihr Haus zu durchsuchen«, wandte er sich an Gregory, »weil ich keinen Durchsuchungsbefehl in Händen habe, und wenn ich mir ihn jetzt erst beschaffe, dann wird nichts mehr zu finden sein. Darüber bin ich mir klar. Aber nehmen Sie sich in acht, alter Freund!« Dabei drohte er ihm mit dem Finger.

 

Als er sich weiter und weiter auf dem Pfad entfernte, folgten ihm die Blicke einer verzweifelten, blassen Frau aus dem Fenster des obersten Turmgeschosses.

 

 

Brixan kam zur Frühstückszeit wieder in Dower House an. Niemand schien seine Abwesenheit entdeckt zu haben. Nur Helen hatte sein Verschwinden bemerkt, und sie war auch die erste, die von seiner Rückkehr wußte.

 

Jack Knebworth war in der heitersten Stimmung. Die Aufnahmen waren seiner Meinung nach sehr gut gelungen.

 

»Ich kann natürlich noch nichts Genaues sagen, dazu muß ich erst die Filmstreifen entwickelt haben. Aber soweit es Miss Leamingtons Spiel angeht, sind sie geradezu prachtvoll geworden. Im Augenblick kann man noch nichts voraussagen, aber ich bin fest davon überzeugt, daß sie eine große Künstlerin werden wird.«

 

»Zuerst haben Sie das nicht erwartet«, sagte Mike erstaunt.

 

Jack lachte verlegen. »Im Anfang war ich über die Mendoza furchtbar erzürnt, und als ich Miss Leamington als Aushilfe bei den Aufnahmen nahm, rechnete ich damit, daß ich nachher die Aufnahmen alle noch einmal mit der Mendoza machen müßte. Filmstars werden im allgemeinen nicht fertig geboren, sie müssen langsam erzogen werden, und sie haben viel bittere Enttäuschungen durchzumachen, bevor sie etwas werden. Aber Helen hat alle Entwicklungsphasen schon durchgemacht – Ihr Mädchen ist schon über alle Gefahren hinaus.«

 

»Sie sprachen von ›meinem Mädchen‹«, sagte Mike vorsichtig. »Wollen Sie damit mehr ausdrücken, als daß ich großes Interesse an ihr habe?«

 

»Tun Sie doch nicht so – Sie wissen schon, was ich meine.«

 

»Was für Aussichten hat denn ein Filmstar?« fragte Mike, um das Gespräch auf ein anderes Thema zu bringen.

 

Knebworth fuhr mit der Hand durch sein weißes Haar.

 

»In England sind ihre Chancen recht gering. Meistens haben sie nur lokale Bedeutung…«

 

Das war sein Lieblingsthema, und er sprach auf dem ganzen Rückweg nach Chichester nur darüber.

 

»…nein, Ihre kleine Freundin hat wenig Aussichten in diesem Land. Etwas anderes wäre es, wenn der Film nach Amerika verkauft wird. Dann würde sie in zwölf Monaten in Hollywood unter amerikanischen Regisseuren spielen.«

 

Im Vorzimmer seines Büros wartete jemand auf ihn. Er sagte nur kurz und unfreundlich guten Morgen.

 

»Ich möchte Sie sprechen«, sägte Stella Mendoza zu ihm. Dabei lächelte sie Connolly an, der dem Detektiv folgte.

 

»Wollen Sie mich sprechen? Was wünschen Sie von mir?«

 

Sie zupfte an ihrem Spitzentaschentuch und gab sich den Anschein, als ob sie reuevoll und verlegen sei. Aber das machte gar keinen Eindruck auf Jack. Er selbst hatte ihr ja die ganzen Posen mit dem Taschentuch erst beigebracht.

 

»Ich war sehr eigensinnig, Mr. Knebworth – ich möchte Sie um Verzeihung bitten. Es war nicht richtig von mir, daß ich zu spät kam und die ganze Gesellschaft warten ließ. Es tut mir sehr leid. Kann ich morgen wieder anfangen – oder vielleicht schon heute?«

 

Jack lachte belustigt.

 

»Sie brauchen morgen nicht zu kommen, und auch heute brauchen Sie nicht zu warten Stella«, sagte er ironisch. »Ihr Ersatz hat so gut gespielt, daß ich gar nicht daran denke, die Aufnahmen noch einmal zu machen.«

 

Sie sah ihn wütend an, was gar nicht zu ihrer vorigen sanften Haltung paßte. »Ich habe einen Kontrakt – ich vermute, daß Sie das wissen, Mr. Knebworth«, sagte sie plötzlich aufgeregt.

 

»Ich würde auch lieber Miss Mendoza als Partnerin haben«, sagte der junge Reggie Connolly. »Es ist wirklich nicht leicht, mit Miss – ich weiß noch nicht einmal ihren Namen… Sie ist so – ihr fehlt jedes Verständnis für Kunst, Mr. Knebworth.«

 

Der alte Jack sagte gar nichts. Er sah den jungen Mann nur böse an.

 

»Dann, was die Hauptsache ist«, fuhr Reggie fort, »ich fühlte, daß ich nicht so vollwertig spielen kann, wenn Miss Mendoza nicht dabei ist. Wirklich, ich kann es einfach nicht! Ich bin so furchtbar nervös, und es ist schwer, ja unmöglich, seine Persönlichkeit zu entfalten, wenn man so nervös ist. Es geht nicht«, sagte er rücksichtslos, »ich spiele in dem Film nicht mehr mit, wenn Miss Mendoza fortbleibt!«

 

Die Diva sah ihn dankbar an, dann wandte sie sich wieder mit einem sanften Lächeln an den schweigenden Jack.

 

»Würden Sie mich heute wieder anfangen lassen?«

 

»Weder heute noch an. einem anderen Tag«, sagte der Direktor mit lauter, scharfer Stimme. »Was Sie nun angeht, Sie unverschämter junger Mann, wenn Sie mich aufsitzen lassen wollen mit diesem Film, dann werde ich Sie auf die schwarze Liste setzen und allen Filmgesellschaften in diesem Land mitteilen, wie sie sich betragen haben, und werde dafür sorgen, daß Sie nie wieder eine Rolle bekommen.«

 

Damit drehte er den beiden den Rücken und kam wütend in sein Büro, wohin ihm Brixan vorausgegangen war.

 

»Was halten Sie von solcher Gemeinheit?« fragte er, als er sich wieder etwas beruhigt hatte. »Mit solchen Dummheiten kommen sie mir nun immer wieder. Er will jetzt mitten im Film aufhören. Haben Sie gehört, was er sagte? Dieser Zwerg, diese Kanaille …Sagen Sie einmal, Brixan, möchten Sie nicht den Versuch machen und den Partner von Miss Leamington spielen? Viel schlechter als Connolly werden Sie Ihre Sache auch nicht machen! Und so könnten Sie sich wenigstens ihre Zeit vertreiben, wenn Sie sich nach dem Kopfjäger umsehen!«

 

Aber Brixan schüttelte bedächtig den Kopf.

 

»Nein, ich danke Ihnen«, sagte er. »Damit habe ich wirklich nichts zu tun. Und was den Kopfjäger betrifft« – er zündete sich eine Zigarette an und blies Ringe zur Decke –, »ich weiß, wer er ist, und ich kann ihn verhaften, wann ich will.«

 

Kapitel 14

 

14

 

Jack sah den Detektiv erstaunt an.

 

»Sie machen wohl Spaß?« fragte er.

 

»Im Gegenteil, ich meine es sehr ernst«, sagte Brixan. »Aber es ist noch ein großer Unterschied, ob man nur weiß, wer der Kopfjäger ist, oder ob man ihm auch seine Verbrechen nachweisen kann.«

 

Jack Knebworth saß mit den Händen in den Hosentaschen an seinein Schreibtisch. Er konnte das nicht glauben.

 

»Ist es einer von meiner Filmgesellschaft?« fragte er.

 

Brixan mußte laut lachen.

 

»Ich habe nicht das Vergnügen, alle Leute Ihrer Gesellschaft zu kennen«, sagte er liebenswürdig. »Aber machen Sie sich auf keinen Fall Gedanken wegen des Kopfjägers. – Was werden Sie mit Mr. Reggie Connolly anfangen?«

 

Der Direktor zuckte die Achseln.

 

»Der meint das nicht so, ich hätte nicht gleich wütend werden sollen«, sagte er. »Diese Einfaltspinsel haben überhaupt keine Meinung. Wenn Sie ihn auf der Leinwand sehen, dann spielt er zärtliche Liebe, strotzt von Kraft, Tugend und Männlichkeit und ist doch nur ein armer Gimpel ohne Witz und Verstand. Die Mendoza ist weit gefährlicher, die verdiente…« Dabei machte er eine nicht mißzuverstehende Geste.

 

Miss Stella Mendoza war nicht in der Gemütsverfassung, ihre Entlassung so ohne weiteres hinzunehmen. Sie hatte sich aus kleinsten Anfängen mühsam emporgearbeitet und wollte nicht ohne Kampf den Platz räumen. Sie hatte Geld – so viel Geld, daß sie nicht mehr zu arbeiten brauchte. Außer ihrem sehr reich bemessenen Gehalt besaß sie noch andere Einnahmequellen. Es war aber besser für sie, daß man nicht zu genaue Nachforschungen hierüber anstellte. Sie mußte auch fürchten, daß Knebworth es nicht allein bei ihrer Entlassung bewenden ließe, sondern weitere Schritte gegen sie unternehmen würde.

 

Zuerst machte sie sich auf, um Helen Leamington zu besuchen, die, wie sie erst heute morgen erfuhr, ihre Stelle eingenommen hatte. Als sie entdeckte, daß Helen bereits ihren Ankleideraum innehatte, wurde sie wütend. Man denke doch nur, den Raum, der von alters her nur für Stella Mendoza reserviert war! Sie zwang sich aber zur Ruhe und klopfte an die Tür: Daß sie, Stella Mendoza, an die Tür klopfen sollte, die doch von Rechts wegen zu ihrem eigenen Zimmer führte, war überhaupt nicht auszudenken!

 

Helen saß an ihrem Ankleidetisch und erschrak etwas, als sie die Mendoza hereinkommen sah. Der Raum war vornehm ausgestattet mit großen Spiegeln. Vielerlei Lampen und Leuchter waren angebracht. Man hatte einen Blick auf den langen Verbindungsgang, der als Garderobe eingerichtet war und in dem eine Anzahl schöner Kostüme hing, Als sie zu ihrer Besucherin aufschaute, wurde sie rot.

 

»Miss Leamington – Sie sind es doch?« fragte Stella mit ihrer süßesten Stimme. »Darf ich hereinkommen?«

 

»Bitte«, sagte Helen und stand schnell auf.

 

»Aber bitte, behalten Sie doch Platz«, sagte Stella. »Es ist ein sehr unbequemer Stuhl, aber hier sind ja fast alle Stühle nichts wert. Ich habe gehört, daß der Direktor Sie als Stellvertreterin für mich genommen hat und manche Szenen doppelt drehen will.«

 

»Als Stellvertreterin?« fragte Helen erstaunt.

 

»Ja, Mr. Knebworth sagte, daß Sie ein paar Szenen für mich spielen würden. Sie verstehen doch, was ich meine? Wenn eine Künstlerin nicht auftreten kann, dann nimmt man manchmal einen Ersatz in Szenen, wo die Personen nicht deutlich auf dem Film erscheinen. Großaufnahmen dagegen –«

 

»Aber Mr. Knebworth hat auch davon mehrere von mir gemacht«, sagte das Mädchen ruhig. »Außerdem hat er gerade die Hauptszenen mit mir gedreht.«

 

Miss Mendoza verbarg ihren Ärger und seufzte. »Der arme alte Kerl, er war sehr ärgerlich auf mich, und tatsächlich habe ich ihm etwas Anlaß dazu gegeben. Aber morgen komme ich zurück, das wissen Sie doch?« Helen wurde blaß. »Das ist allerdings sehr unangenehm für Sie – ich verstehe das am besten. Aber wir haben das alle früher einmal durchmachen müssen. Die Kolleginnen im Atelier werden alle sehr nett zu Ihnen sein.«

 

»Aber das ist doch unmöglich!« sagte Helen. »Mr. Knebworth sagte, daß ich die Rolle in diesem Film von Anfang bis zu Ende spielen solle.«

 

Die Mendoza schüttelte lächelnd den Kopf.

 

»Sie können sich nicht darauf verlassen, was die Leute Ihnen sagen. Gerade im Augenblick hat er mir mitgeteilt, daß ich mich für morgen vormittag bereit halten soll, um bei den Aufnahmen in den South Downs zu spielen.«

 

Helens Mut sank. Sie wußte, daß morgen dort gespielt werden sollte. Aber sie hatte natürlich nicht erfahren, daß Stella Mendoza ihre Informationen von dem verärgerten Connolly erhalten hatte.

 

»Natürlich ist es sehr peinlich für Sie«, fuhr Stella vorsichtig fort. »Ich an Ihrer Stelle würde so lange zur Stadt gehen und mich einige Wochen fernhalten, bis die ganze Sache vorüber ist. Ich fühle, daß ich eigentlich die Schuld trage, daß Sie so Unannehmlichkeiten haben, und wenn ich durch Geld die Sache wieder gutmachen könnte –.«

 

Bei diesen Worten öffnete sie ihre Tasche und nahm einen dicken Stoß Banknoten heraus. Sie zählte vier davon ab und legte sie auf den Tisch.

 

»Wofür soll das sein?« fragte Helen kalt.

 

»Nun ja, meine Liebe. Sie werden doch Ausgaben haben –«.

 

»Wenn Sie sich einbilden, daß ich nach London gehe, ohne Mr. Knebworth zu sprechen und ohne mich davon zu überzeugen, ob Sie die Wahrheit reden –«

 

Stella Mendozas Gesicht wurde feuerrot.

 

»Glauben Sie etwa, daß ich lüge?«

 

Sie ließ ihre freundliche Maske fallen und stand wie eine Xanthippe da, die Arme in die Seiten gestemmt. Mit dunkelrotem Gesicht schaute sie Helen an.

 

»Ich weiß nicht, ob Sie lügen oder ob Sie nur falsch unterrichtet sind«, sagte Helen. Sie machte sich wenig aus Stellas Toben und war nicht erschrocken über die Nachrichten, die sie soeben vernommen hatte. »Für heute ist dies mein Zimmer, und ich bitte Sie, den Raum sofort zu verlassen.«

 

Sie öffnete die Tür. Einen Augenblick sah es so aus, als ob Stella Mendoza die Hand gegen Helen erheben wolle, aber die starke, breitschultrige irische Ankleidefrau, die stumm, aber interessiert von draußen zugehört hatte, schob ihre dicke Gestalt dazwischen und drängte den wütenden Star in den Korridor.

 

»Ich werde Sie da schon herausbringen«, schrie Stella über die Schulter der Frau zurück. »Jack Knebworth hat in der Gesellschaft noch lange nicht alles zu sagen! Mein Einfluß ist groß genug, daß ich ihn hinauswerfen kann!«

 

Es folgte noch eine Flut von Schimpfworten, die man nicht wiederholen kann. Aber Helen Leamington hörte sie in stillem Zorn an. Sie war sehr erleichtert, denn die ohnmächtige Wut der anderen verriet die Wahrheit zu deutlich. Sie wußte jetzt, daß Stella sie belogen hatte. Im ersten Augenblick hatte sie sich allerdings täuschen lassen und ihr geglaubt. Sie war überzeugt, daß Knebworth keinen Augenblick zögern würde, sie sofort fallenzulassen und ein anderes Mitglied an ihre Stelle zu setzen, wenn er dadurch die Güte des Films heben könnte.

 

Knebworth war allein, als ihm seine frühere Diva gemeldet wurde. Zuerst hatte er die Absicht, Stella überhaupt nicht zu empfangen. Sie ließ ihn aber gar nicht erst zu einem Entschluß kommen, sondern überfiel ihn einfach in seinem Zimmer, während er noch überlegte, was er tun sollte. Einen Augenblick sah er sie durchbohrend an, dann winkte er sie mit einem Kopfnicken herein. Als sie die Tür geschlossen hatte, sagte er:

 

»Ich habe früher schon Gelegenheit gehabt, vieles an Ihnen zu bewundern, Stella, nicht zuletzt Ihre Zähigkeit, aber wenn Sie mir jetzt sagen wollen, daß Vergangenes vergangen sein soll, sind Sie bei mir an die falsche Adresse gekommen. Sie werden in dem Film nicht mehr mitspielen, und wahrscheinlich überhaupt in keinem Film mehr, den ich drehe.«

 

»So?« fragte sie gedehnt. Dabei setzte sie sich ohne Einladung in einen Sessel und nahm eine Zigarettendose aus ihrer Tasche.

 

»Ich weiß schon, Sie sind hierhergekommen, um mir zu sagen, daß Sie großen Einfluß bei einer Anzahl von Aktionären haben«, sagte Jack. Stella war verärgert. Beinahe hätte sie geglaubt, daß eine telefonische Verbindung zwischen dem Ankleideraum und dem Büro bestünde, aber sie wußte genau, daß eine solche nicht vorhanden war.

 

»Ich habe schon mit vielen Damen zu tun gehabt in meinem Beruf«, fing er wieder an. »Und jedesmal, wenn ich eine hinausgesetzt habe, hat sie den Präsidenten, den Vizepräsidenten oder den Schatzmeister in Bewegung gebracht und gegen mich ausspielen wollen. Aber alle haben es nicht fertiggebracht, mich aus der Gesellschaft herauszubringen. Leute, die finanziell an der Gesellschaft interessiert sind – mögen sie Sie persönlich noch so gern haben und bis über beide Ohren in Sie verliebt sein –, müssen doch vor allem Geld verdienen, um Sie lieben zu können. Und wenn ich keine Filme drehe, die verkäuflich sind, ist auch ein gewisser Aktionär nicht in der Lage, Ihnen Brillantkolliers zu schenken.«

 

»Nun gut, wir wollen sehen, ob Sir Gregory auch so denkt«, sagte sie überheblich.

 

Jack Knebworth grinste.

 

»Gregory Penne? Sieh einmal an – ich wußte gar nicht, daß er auch Ihr Freund ist. Stimmt, der ist auch Aktionär unserer Gesellschaft, aber er hat nicht genug Anteile, um irgendwie seine Meinung durchsetzen zu können. Vielleicht hat er Ihnen nur gesagt, daß er es könnte. Und selbst, wenn er neunundneunzig Prozent aller Anteile hätte, würde sich der alte Jack Knebworth nicht darum kümmern, denn der hat einen Vertrag in der Tasche, der ihm in solchen Dingen Vollmacht gibt. Ich kann meine Stelle nur dann verlieren, wenn ich dauernd Filme drehe, die unverkäuflich sind. Meine Stellung können Sie nicht erschüttern, Stella! In dem Punkt irren Sie sich, meine Gnädige!«

 

»Wollen Sie mich denn auch auf die schwarze Liste setzen?« fragte sie verdrießlich.

 

Vor dieser Strafe hatte Stella die größte Angst – daß Jack Knebworth allen Filmgesellschaften mitteilen würde, daß sie ihn mitten in einem Film hatte sitzenlassen.

 

»Ich habe schon daran gedacht«, sagte er und nickte. »Aber ich will nicht rachsüchtig sein, ich will Sie laufenlassen, und wir können ja sagen, daß die Rolle Ihnen nicht lag und daß Sie deswegen austraten. Im Grunde genommen ist es ja ganz egal, was Sie für, Flausen machen. Gehen Sie mit Gott, Stella – ich glaube ja nicht, daß Sie diesen Weg einschlagen werden, weil Sie nicht so veranlagt sind, aber immerhin!«

 

Er verabschiedete sie, und sie ging um vieles bescheidener weg, als sie gekommen war. Draußen traf sie Lawley Foß und erzählte ihm das Resultat ihrer Unterhaltung.

 

»Das ist gerade so, als ob Sie gar nichts mehr bedeuteten«, sagte er. »Ich würde ja gern für Sie eintreten, Stella, aber im Moment muß ich für mich selbst sprechen«, fügte er bitter hinzu. »Der Gedanke, daß ein Mann von meiner Begabung sich solch einem verdammten alten Yankee unterordnen muß, ist sehr beschämend.«

 

»Sie müßten eigentlich Direktor einer eigenen Gesellschaft sein, Lawley«, sagte sie. Foß war das nichts Neues, das hatte sie mindestens schon ein dutzendmal zu ihm gesagt. »Sie schreiben die Filme, und ich spiele die Hauptrollen. Dann würden Sie großen Erfolg haben. Durch Ihre Konkurrenz können Sie Kneb einfach totmachen. Ich weiß das, Lawley. Ich war drüben in Amerika an der einzigen Stelle auf der ganzen Erde, wo man wirklich Kunst schätzt, und ich kann Ihnen sagen, daß ein solcher Stümper wie Jack Knebworth sich nicht eine Lichtmeile lang in Hollywood halten könnte!«

 

»Eine Lichtmeile lang«, war ein Ausdruck, den sie von einem Verehrer angenommen hatte, der wissenschaftlichen Kreisen angehörte. Sie gebrauchte ihn gar zu gern. Erstens klang es großartig, und dann mußten die anderen immer erst um eine Erklärung fragen. Aber zu ihrem nicht geringen Ärger wußte Foß genügend mit den Anfangsgründen der Physik Bescheid und fragte sie nicht danach.

 

»Ist er jetzt im Büro?« fragte er.

 

Sie nickte. Ohne ein Wort zu verlieren, klopfte Lawley Foß an die Tür. Es war ihm nicht recht wohl dabei.

 

»Mr. Knebworth, ich wollte Sie um eine Gefälligkeit bitten.«

 

»Geld?« fragte Jack, indem er ihn unter seinen buschigen Augenbrauen von unten herauf ansah.

 

»Ja, tatsächlich, Geld. Ein oder zwei kleine Rechnungen habe ich übersehen, und der Gerichtsvollzieher ist hinter mir her. Ich muß heute nachmittag bis zwei Uhr fünfzig Pfund auftreiben.« Jack zog eine Schublade seines Schreibtisches auf, nahm ein Scheckbuch heraus und schrieb einen Scheck aus, aber nicht über fünfzig sondern über achtzig Pfund.

 

»So, hier haben Sie ein Monatsgehalt im voraus«, sagte er. »Bis heute haben Sie ja das Geld bekommen. In Ihrem Vertrag ist vorgesehen, daß Sie einen Monat Kündigungsfrist haben, oder daß Ihnen das Gehalt für einen Monat im voraus ausgezahlt werden muß. Das war Ihr letztes Gehalt.«

 

Foß wurde dunkelrot. »Soll das bedeuten, daß ich entlassen bin?« fragte er mit lauter Stimme.

 

Jack nickte.

 

»Ich habe Sie entlassen – nicht, weil Sie immer Geld brauchen, und nicht, weil es furchtbar schwer ist, mit Ihnen umzugehen, sondern wegen Ihrer Handlungsweise gestern abend.«

 

»Was meinen Sie damit?« fragte Foß fassungslos.

 

»Ich bin Brixans Ansicht, daß Sie die weiße runde Marke am Fenster von Miss Learningtons Zimmer angebracht haben, um einem Beauftragten von Sir Gregory Penne ein Zeichen zu geben. Nun wohl, der kam auch und hätte beinahe meine Diva geraubt.«

 

Foß lächelte verächtlich.

 

»Sie werden pathetisch, Knebworth«, sagte er. »Ihre Diva entführen? So etwas mag vielleicht in Amerika vorkommen in England gibt es das nicht.«

 

»Machen Sie, daß Sie hinauskommen!« sagte Jack, der sich wieder seiner Arbeit zuwandte.

 

»Lassen Sie mich Ihnen doch erklären«, begann Foß.

 

»Ich lasse Sie gar nichts mehr erklären«, fuhr Knebworth auf. »Ich gestatte auch nicht mehr, daß Sie Lebewohl sagen. Hinaus!«

 

Als die Tür hinter seinem Besucher zugeschlagen war, klingelte der Direktor, und als sein Hilfsregisseur eintrat, sagte er:

 

»Bitte, lassen Sie Miss Leamington zu mir kommen, ich möchte endlich einmal einen liebenswürdigen Menschen um mich sehen!«

 

Kapitel 15

 

15

 

Chichester ist gerade nicht wegen seiner vornehmen Restaurants berühmt, aber der Speisesaal des kleinen Hotels, in dem sich drei Herren an einem Nachmittag trafen, war immerhin ruhig und anheimelnd.

 

Als Mike Brixan in sein Hotel zurückkam, warteten zwei Herren auf ihn, die ihn zu sehen wünschten. Nachdem sie sich kurz vorgestellt hatten, bat er sie mit sich nach oben in sein Wohnzimmer.

 

»Ich freue mich, daß Sie gekommen sind«, sagte er, als der Inspektor die Tür hinter sich geschlossen hatte. »Reine Kriminalarbeit ist mir noch neu. Ich fürchte, daß ich Ihnen nur dunkle Andeutungen machen kann«, gestand er lächelnd. »Im Augenblick bin ich noch nicht so weit, daß ich alle meine Verdachtsgründe aussprechen könnte.«

 

Der Detektivinspektor Lyle, der Rangältere der beiden, lachte.

 

»Wir sind Ihnen vollkommen unterstellt, Captain Brixan«, sagte er, »und keiner von uns beiden hat das Recht, Sie um Aufklärung zu bitten. Die Informationen, um die Sie gebeten haben, hat Sergeant Walters mitgebracht.« Dabei wies er auf seinen stattlichen Begleiter.

 

»Welche Informationen? Ach, Sie meinen Gregory Penne? Kennt ihn die Polizei?« fragte Brixan interessiert.

 

Sergeant Walters nickte.

 

»Er wurde überführt und bestraft, weil er vor einigen Jahren sich an einer Angestellten vergriffen hatte – an einer Frau. Soviel ich feststellen konnte, hat er dem Mädchen gegenüber die Peitsche gebraucht, und es war dicht daran, daß er ins Gefängnis gekommen wäre. Damals wurde unsere Aufmerksamkeit das erstemal auf ihn gelenkt. Wir haben Erkundigungen über ihn eingezogen, sowohl in London als auch in den malaiischen Staaten, und wissen jetzt ziemlich genau über ihn Bescheid. Er ist ein reicher Mann. Da er ein entfernter Vetter des letzten Barons war, hatte er unverhofftes Glück, als er den Titel erbte. In Borneo lebte er fünfzehn oder zwanzig Jahre lang tatsächlich im Dschungel. Und die Geschichten, die wir über ihn erfahren haben, sind nicht besonders schön. Einige davon können Sie zu Ihrer Unterhaltung lesen, sie sind in diesem Aktenstück zusammengestellt.«

 

Mike nickte.

 

»Steht in den Akten irgend etwas von einem Orang-Utan, den er erzogen hat und der ihn bedient?«

 

»Bhag? O ja, den kennen wir ganz genau«, sagte der Beamte zu seiner größten Verwunderung, »Penne fing ihn ein, als er noch ein ganz junges Tier war, und zog ihn in der Gefangenschaft groß. Es ist sehr schwer, den Mann zu kontrollieren, weil er niemals mit den gewöhnlichen Postdampfern nach, England zurückkehrt, so daß es geradezu unmöglich ist, stets ein Auge auf ihn zu haben. Er hat seine eigene Jacht, ein feines seetüchtiges Schiff, die ›Kipy‹. Offiziere und Besatzung sind Papuas. Es ist schwer dahinterzukommen, wen und was er mitbringt und mit sich nimmt. Als Penne das letztemal auf Fahrt war, wäre es ihm beinahe ans Leben gegangen. Er hatte einen schweren Streit mit einem Eingeborenen dort unten – wir haben später von der Sache erfahren. – Nun, Mr. Brixan, was sollen wir für Sie tun?«

 

Mike erteilte ihnen nur wenige und kurze Instruktionen.

 

 

Als Helen an diesem Abend auf dem Heinweg war, bemerkte sie, daß ihr ein Mann folgte, und da sie in der vergangenen Nacht allerhand erlebt hatte, wurde sie unruhig. Als sie aber nach Hause kam, fand sie eine Nachricht von Mike Brixan:

 

›Wären Sie damit einverstanden, wenn ich einen Mann von Scotland Yard beauftrage, über Sie zu wachen? Ich glaube nicht, daß noch irgendeine Gefahr für Sie besteht. Aber ich wäre viel beruhigter, wenn Sie nichts gegen diese Sicherheitsmaßregel einwenden würden.‹

 

 

Sie runzelte die Stirn, als sie den Brief las. Sie wurde also überwacht! Diese Entdeckung war nicht angenehm für sie, doch konnte sie nichts dagegen sagen. Viel eher war sie diesem strebsamen jungen Mann, der überall auftauchte, zu wärmstem Dank verpflichtet. Er schien tatsächlich die Absicht zu haben, sie nicht aus den Augen zu lassen.

 

Kapitel 16

 

16

 

Lawley Foß hatte wieder neuen Grund, sich über das Leben zu beklagen, und er sammelte seine Streitkräfte, um sich an dieser Welt zu rächen, die ihn so ungerecht behandelte. Die erste und mächtigste seiner Bundesgenossen war Stella Mendoza. Im Salon der kleinen, schönen Villa, die Stella bezogen hatte, als sie bei der Knebworth-Filmgesellschaft eintrat, wurde ein regelrechter Kriegsrat abgehalten. Der Dritte im Bund war Mr. Reggie Connolly. Da sie alle drei denselben Gegner hatten, verbrüderten sie sich miteinander und schlossen in selbstloser Freundschaft ein Bündnis.

 

»Wir sind von Knebworth niederträchtig behandelt worden, besonders Sie, Mr. Foß. Mit Ihnen verglichen, ist mein Fall nicht von Bedeutung.«

 

»Aber wie er gegen Sie vorgegangen ist, bringt mich wirklich auf«, sagte Foß energisch. »Bedenken Sie doch, eine Künstlerin von Ihrem Rang!«

 

»Vergessen Sie nicht, was Sie alles für ihn getan haben«, sagte Stella wieder. »Und dann Reggie – hat er den nicht wie einen Hund behandelt?«

 

»Persönlich macht mir das ja nichts aus«, sagte Reggie. »Ich kann ja immer wieder in einen neuen Vertrag hineinrutschen. Mir ist es nur um Sie zu tun.«

 

»Wenn es darauf ankommt – jeder von uns kann leicht einen neuen Vertrag bekommen«, unterbrach ihn Stella etwas scharf. »Ich kann meine eigene Gesellschaft aufmachen, wenn ich will. Zwei Direktoren sind wild darauf, mich zu engagieren. Ich habe zwei Verehrer, die sich ein Vergnügen daraus machen würden, ihren letzten Penny herzugeben, um mir mein eigenes Unternehmen zu starten – mindestens würden sie eine Menge Geld aufbringen. Und Chauncey Seiler ist verrückt danach, als mein Partner zu spielen. Sie wissen doch, wie berühmt er ist! Er würde mich in den Vordergrund bringen und selbst mit einer kleineren Rolle zufrieden sein. Er ist ein reizender Mensch und der beste jugendliche Darsteller – nicht nur in England, sondern auf der ganzen Welt!«

 

Mr. Connolly räusperte sich.

 

»Die Frage ist, ob wir das Geld gleich bekommen«, sagte Foß, der die Sache von der praktischen Seite betrachtete. Aber Stella gab ihm keine bindende, direkte Antwort und schien auch durch seinen plötzlichen Eifer in dieser Richtung nicht sehr erfreut.

 

»Sollte das nicht der Fall sein, so glaube ich, daß es mir möglich sein wird, das ganze Geld aufzubringen«, sagte Foß zur Überraschung der beiden anderen. »Ich kann jetzt noch nicht sagen, von wem oder auf welche Art ich das Geld auftreibe. Aber soviel steht fest – ich kann große Summen flüssig machen, und es ist leichter, Kapital für einen bestimmten Plan aufzubringen, als für mich persönlich.«

 

»Sie glauben, das ist mit geringerem persönlichen Risiko verbunden?« meinte Connolly, der nur etwas sagen wollte, um auch an der Unterhaltung teilzunehmen.

 

Aber mit dieser Bemerkung hatte er Pech, um so mehr, als er hiermit den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Foß wurde dunkelrot.. »Was zum Teufel verstehen Sie unter ›mit geringerem Risiko verbunden‹?«

 

Der arme Reggie hatte nichts Besonderes damit sagen wollen und beeilte sich, dies ohne weiteres zuzugeben. Er hatte doch nur helfen wollen und war nun verdrießlich über den Sturm, den er hervorgerufen hatte. Er war überhaupt unzufrieden, denn je weiter die Unterhaltung fortschritt, desto mehr wurde er in den Hintergrund gedrängt. Und nichts kann einen Verschwörer mehr in Wut bringen, als wenn er sieht, daß die Verschwörung ohne ihn gemacht wird. Er war überzeugt, daß er jetzt seine Persönlichkeit zur Geltung bringen müßte.

 

»Das ist alles ganz schön, Stella«, sagte er. »Aber es scheint mir fast so, als ob ich kaltgestellt werden soll. Was nun Chauncey Seiler angeht – natürlich hat er in mehr Filmen gespielt als zwei andere Darsteller zusammen, das weiß ich sehr wohl. Was Sie sonst noch alles von ihm erzählt haben, interessiert mich nicht. Ich weiß schon, Sie halten mich für einen schrecklichen Spielverderber, aber ich muß doch sagen, daß wir dem alten Jack Knebworth allerhand verdanken – denke ich wenigstens. Ihnen zuliebe habe ich meine Stellung aufs Spiel gesetzt. Ich bin auch bereit, alles zu tun, was Sinn und Vernunft hat. Aber wenn Sie Chauncey Seiler vorziehen wollen – nebenbei bemerkt, ein ganz übler Mensch – und wenn Foß mir gleich an die Kehle springt, wenn ich irgendeine Bemerkung mache, so muß ich schon sagen, daß ich mich besser nicht an der Neugründung beteilige.«

 

Die beiden hatten gar kein Interesse daran, ihn zu beruhigen, da sie so mit ihren Plänen für die Zukunft beschäftigt waren, daß sie nicht an die Gegenwart dachten. Reggie war über alle Maßen aufgebracht und verließ das Haus, noch bevor Stella überlegt hatte, daß sie besser getan hätte, ihn zurückzuhalten. Sie hätte dann Knebworth wenigstens dadurch geschädigt, daß er alle die Szenen, in denen Reggie bisher mitgespielt hatte, noch einmal aufnehmen mußte.

 

»Wir wollen uns über Connolly nicht den Kopf zerbrechen«, sagte sie. »Der Film wird sowieso eine böse Katastrophe mit der Statistin in der Hauptrolle, sie kann doch nichts.«

 

»Ich habe einen Freund in London«, erklärte Foß, nachdem das alte Thema wiederaufgenommen wurde, »der das ganze Geld aufbringen kann. Ich habe ihn gewissermaßen in der Hand. Tatsächlich – ich kann ihn sogar dazu zwingen. Heute abend noch werde ich zu ihm gehen.«

 

»Und ich will meinen Freund aufsuchen«, sagte Stella. »Wir werden das Unternehmen die Stella-Mendoza-Filmgesellschaft nennen.«

 

Lawley Foß hatte seine Bedenken dagegen. Ihm schwebte ein anderer Name vor. Schließlich war er bereit, einen Vergleich zu schließen und die Firma Foß-Mendoza- oder F.-M.- Gesellschaft zu nennen. Dieser Vorschlag wurde von Stella unter der Voraussetzung akzeptiert, daß die beiden Namen umgestellt wurden.

 

»Wer ist eigentlich Brixan?« fragte sie, als Foß aufbrechen wollte.

 

»Ein Detektiv.«

 

Sie machte große Augen.

 

»Ein Detektiv? Was tut er denn hier?«

 

Lawley Foß lächelte verächtlich.

 

»Er hat sich eine Aufgabe gestellt, die keiner seines Verstandes lösen wird. Er will nämlich den Kopfjäger ausfindig machen. Ich bin der einzige Mann auf der Welt, der ihm helfen könnte. Statt dessen«, lächelte er wieder, »helfe ich mir selbst.«

 

Mit dieser geheimnisvollen und mystischen Andeutung verließ er sie.

 

Stella Mendoza war eine ehrgeizige Frau, und wenn Ehrgeiz auf Reichtum und Ruhm gerichtet ist, müssen Gewissensskrupel zurücktreten. Um ihr Privatleben und ihren Ruf stand es nicht besser und nicht schlechter als um den tausend anderer Frauen, und ihre Vorliebe für eine luxuriöse Wohnung und teures Essen gehörte nun einmal zu ihrem Beruf. Man kann gewisse Sünden und Vergehen nicht immer einer bestimmten Klasse zuschreiben, denn die Selbsterziehung spielt eine größere Rolle. Die eine Frau würde lieber sterben als ihre Selbstachtung verlieren, die andere wiederum würde gerade das Gegenteil tun, um nicht in Elend und Not zu kommen, und würde sich über Mittel und Wege, die zu ihrem Ziele führen, keine Gedanken machen.

 

Als sich Foß verabschiedet hatte, ging sie nach oben, um sich umzuziehen. Es war noch zu früh, um den Besuch zu machen, den sie vorhatte, denn Sir Gregory wünschte keine Besuche bei Tag. Auf der einen Seite hatte er gar keine Bedenken, Bhag auf ein gefährliches und verbrecherisches Abenteuer auszuschicken, auf der anderen Seite war er bemüht, nach außen hin den guten Anstand nicht zu verletzen.

 

Sie schrieb einige Briefe und brachte sie zur Post. Als sie am Spätnachmittag mit ihrem Auto durch Chichester fuhr, sah sie, Mike Brixan in einer merkwürdigen Situation. Er stand mitten in einer großen Menschenmenge in der Nähe des Marktplatzes. Sogar ein Polizist war dort, sie sah seinen Helm. Sie war einen Augenblick versucht, auszusteigen, um ihre Neugierde zu befriedigen; aber dann änderte sie ihre Absicht. Als sie später wieder an der Stelle vorüberfuhr, war die Menge zerstreut und Mike Brixan verschwunden. Auf der Heimfahrt dachte sie darüber nach, ob der Detektiv dort wohl berufsmäßig zu tun gehabt hatte.

 

Mike war durch Chichester geschlendert und dabei auf eine große Ansammlung von Leuten gestoßen, die sich um einen Polizisten geschart hatte. Dieser bemühte sich vergeblich, sich mit einem kleinen, braunen Eingeborenen zu verständigen. Der Mann sah in seinem schlechtsitzenden, fertiggekauften Anzug furchtbar komisch aus. Auf dem Kopf trug er einen steifen Hut, der viel zu groß für ihn war. In der einen Hand hielt er ein Bündel, das mit einem hell leuchtenden, großen grünen Taschentuch zusammengeknüpft war. Unter dem Arm hatte er einen langen Gegenstand, der in Leinen eingenäht und stark verschnürt war. Mike dachte zuerst, daß er einer von Pennes malaiischen Dienern wäre, aber dann überlegte er sich, daß Sir Gregory nicht zulassen würde, daß einer seiner Leute sich in einem solchen Aufzug im Land umhertriebe.

 

Er bahnte sich einen Weg zu dem Polizisten, der ihn militärisch grüßte.

 

»Beim besten Willen kann ich den Kerl nicht verstehen«, sagte er. »Er will etwas wissen, aber ich kann nicht herausbringen, was er will. Gerade eben ist er in die Stadt gekommen.«

 

Der braune Mann wandte seine dunklen Augen auf Brixan. Er sagte etwas, was der Detektiv nicht verstand. Der Fremde hatte etwas Vornehmes in seinem Wesen, das selbst die lächerlich wirkende Kleidung nicht ganz verwischen konnte. Seine Haltung war aufrecht. Die unbeschreibliche Würde, die in seinem Benehmen lag, zog sofort Mikes Aufmerksamkeit auf sich. Plötzlich kam ihm ein guter Gedanke. Er redete den Mann auf Holländisch an. Die Augen des Eingeborenen leuchteten auf.

 

»Ja, Mynheer, ich spreche Holländisch.«

 

Mike vermutete mit Recht, daß er aus dem Malaiischen Archipel kam, wo die besseren Klassen der Eingeborenen Holländisch und Portugiesisch sprechen.

 

»Ich komme von Borneo und suche einen Mann, der Truji heißt. Er ist Engländer. Nein, Mynheer, ich will nur sein Haus sehen. Er ist ein großer Mann in meinem Lande. Wenn ich sein Haus gesehen habe, kehre ich nach Borneo zurück.«

 

Mike beobachtete ihn, als er sprach. Wenn man von der großen, langen, häßlichen Narbe absah, die von seiner Stirn bis zum Kinn reichte, hatte er ein schönes Gesicht.

 

Der Detektiv dachte sich, daß er ein neuer Diener für Gregory Penne sei, und beschrieb ihm den Weg dorthin.

 

Er beobachtete den merkwürdigen Fremden, bis er mit seinem Bündel verschwunden war.

 

»Eine seltsame Sprache«, sagte der Polizist. »Für mich war es dasselbe, als ob er Holländisch gesprochen hätte.«

 

»Für mich auch«, sagte Mike und lächelte. Dann setzte er seinen Weg zum Hotel fort.

 

Kapitel 17

 

17

 

Helen Leamington saß auf ihrem Bett. Neben ihr stand eine Schachtel Konfekt. Sie hatte die Knie hochgezogen und war eifrig mit ihrem Filmmanuskript beschäftigt. Aber obgleich sie sich die größte Mühe gab, war es ihr doch unmöglich, die komplizierten Anweisungen zu verstehen, die Foß an den Rand der Seiten geschrieben hatte. Sie runzelte die Stirn. Für gewöhnlich fiel es ihr nicht allzu schwer, ein Filmmanuskript durchzuarbeiten. Aber heute wanderten ihre Gedanken, sie beschäftigten sich nicht mit dem Film. Und obwohl sie im Manuskript las, erfaßte sie doch nicht dessen Sinn. Es wäre dasselbe gewesen, wenn sie leere Seiten vor sich gehabt hätte.

 

Wer war Mike Brixan eigentlich? Sie stellte sich einen Detektiv ganz anders vor. Warum hielt er sich hier in Chichester auf? War es möglich, daß er ihretwegen…? Sie gab diesen Gedanken sofort wieder auf und ärgerte sich über sich selbst. Es war doch ganz unmöglich, daß ein Mann, der ein schreckliches Verbrechen aufklären wollte, sich nur hier aufhielt, um ihr nahe zu sein. Ob der Mörder, der Kopfjäger, in der Nähe von Chichester wohnte? Bei dieser Vorstellung legte sie das Manuskript gedankenvoll auf ihre Knie.

 

Die Stimme ihrer Wirtin störte sie auf.

 

»Wollen Sie Mr. Foß empfangen?«

 

Sie sprang vom Bett und öffnete die Tür.

 

»Wo ist er?«

 

»Ich habe ihn ins Empfangszimmer gebeten«, sagte die Wirtin, die jetzt schon etwas mehr Respekt vor ihr bekommen hatte. Wenn eine Statistin zu einer Filmdiva avancierte, so wußte man dies natürlich in der Kleinstadt. Die Bewohner nahmen überhaupt regen Anteil an den Schicksalen der Filmschauspieler, die für sie von größter Bedeutung waren.

 

Lawley Foß stand am Fenster und schaute hinaus, als sie in das Zimmer trat.

 

»Guten Tag, Helen!« sagte er in guter Laune. Früher hätte er sie nie bei ihrem Vornamen genannt, selbst wenn er ihn gekannt hätte.

 

»Guten Tag, Mr. Foß«, sagte sie lächelnd. »Zu meinem Bedauern habe ich gehört, daß Sie nicht mehr in unserer Gesellschaft tätig sind.«

 

Foß zuckte gleichgültig die Achseln.

 

»Die Firma war zu klein, als daß ich mich dort hätte richtig entfalten können«, sagte er. Er war gespannt, ob Brixan ihr etwas von dem runden, weißen Papier auf ihrem Fenster erzählt hatte, und freute sich, als er fand, daß sie nichts davon wußte. Foß selbst maß der Sache keinerlei Bedeutung bei. Er war nur zu sehr geneigt, Gregorys Erklärung anzunehmen, der ihm gesagt hatte, daß er Miss Leamington sehr verehre und ihr einen Blumenstrauß durch das Fenster schieben wolle. Durch dieses Geschenk hoffe er, sie zu besänftigen. Foß hatte ihn bei sich einen liebestollen Narren genannt und hatte ihm seinen Wunsch erfüllt. Was Knebworth ihm mitgeteilt hatte, wollte er nicht glauben und lehnte es als phantastische Übertreibung ab.

 

»Helen, Sie sind noch sehr jung und unerfahren. Sie tun sehr unrecht, wenn Sie einen Mann wie Gregory Penne ablehnen«, sagte er. Aber er sah an ihrem Gesichtsausdruck sofort, daß er auf diese Weise keinen Erfolg haben würde. »Es hat doch keinen Zweck, daß Sie etwas Besonderes für sich haben wollen. Wir sind nun einmal alle Menschen. Es ist doch nichts dabei, wenn Sie Gregory Penne einmal treffen. Niemand kann etwas dabei finden! Hunderte von jungen Damen speisen mit einem Herrn zu Abend, ohne daß irgend etwas Schlimmes geschieht. Ich bin ein Freund von ihm und besuche ihn heute abend in einer wichtigen persönlichen Sache – wollen Sie mit mir kommen?«

 

Sie schüttelte den Kopf.

 

»Es ist möglich, daß nichts dabei ist, aber mir macht es eben keinen Spaß.«

 

»Er ist reich und hat großen Einfluß«, sagte Foß eindringlich. »Seine Bekanntschaft könnte Ihnen viel nützen.«

 

Aber sie schüttelte den Kopf.

 

»Ich brauche keine andere Hilfe als meine Begabung«, sagte sie, »beinahe hätte ich Kunst gesagt, aber das klingt zu hochtrabend. Ich brauche die Befürwortung eines reichen Mannes nicht. Wenn ich ohne diese keinen Erfolg haben sollte, dann habe ich eben nicht das Zeug zur Filmdiva und will mich damit abfinden.«

 

Foß dachte nach, »Ich glaube, daß ich es auch ohne Sie kann, aber ich wäre sehr froh gewesen, wenn Sie mir geholfen hätten. Er mag Sie sehr gern. Wenn Stella Mendoza das wüßte, würde sie Sie umbringen.«

 

»Miss Mendoza?« fragte das Mädchen erstaunt. »Warum? Kennt sie ihn denn?«

 

Er nickte.

 

»Ja, aber nur sehr wenig Leute wissen darum. Es gab einmal eine Zeit, wo er alles für sie getan hätte, und sie war in ihrer Art sehr klug und wies seine Hilfe nicht zurück. Die Mendoza hat jetzt so viel Geld, daß sie es zum Fenster hinauswerfen könnte, und Diamanten genug, um die Schatzkammer im Tower zu füllen.«

 

Helen horchte erschreckt auf. Sie konnte es nicht glauben. Foß beeilte sich deshalb, dafür zu sorgen, daß Stella nichts von seiner Indiskretion erfahren würde.

 

»Sie brauchen ihr das nicht zu sagen, das war nur eine ganz vertrauliche Mitteilung. Auch möchte ich mich mit Penne nicht gern überwerfen.« Er schüttelte sich. »Der Mann ist ein Teufel.«

 

Sie biß sich auf die Lippen. »Und trotzdem wollen Sie mich dazu veranlassen, mit ihm zu speisen? Und wollen mich dazu mit Miss Mendozas Diamanten ködern?«

 

»Ich vermute, daß Sie von ihr nicht viel Gutes denken?« sagte er höhnisch.

 

»Sie tut mir leid«, sagte das Mädchen ruhig. »Aber ich möchte mir selbst nicht leid tun!«

 

Schweigend öffnete sie die Tür, und er ging ohne Gruß fort. Nach allem, dachte er, würde er auch ohne fremde Hilfe sein Ziel erreichen.

 

Denn in seiner Brieftasche lag ein Stück Papier, das mit der Schreibmaschine des Kopfjägers geschrieben war, und das war viele tausend Pfund wert, wenn er dem Verbrecher mit seinen Enthüllungen drohte.

 

Kapitel 18

 

18

 

Mr. Sampson Longvale machte nach dem Abendessen einen kleinen Spaziergang vor seinem zerfallenen Haus. Wie gewöhnlich trug er einen langen, grauseidenen Schlafrock, der von einem roten Gürtel zusammengehalten wurde, und eine seidene Mütze auf dem Kopf. Er rauchte seine altmodische Tonpfeife, und während er vor seinem Anwesen auf und ab ging, blies er große Rauchwolken in die Luft.

 

Er wünschte seiner Aufwartefrau ein freundliches gute Nacht. Sie kam täglich, um seine Zimmer zu reinigen und das Essen für ihn zu kochen. Als er Schritte auf dem Fahrweg hörte, dachte er zuerst, daß es seine Angestellte wäre, die noch einmal zurückkam, gewöhnlich hatte sie etwas vergessen. Als er sich umwandte, sah er die wenig anziehende Gestalt seines Nachbarn Sir Gregory Penne. Er hatte ihn in schlechter Erinnerung. Die einzige Bekanntschaft, die er bisher mit ihm gemacht hatte, beschränkte sich darauf, daß Penne sich ihm gegenüber recht unangenehm betragen hatte. Der alte Herr wartete ruhig, bis der wenig liebenswürdige Besuch herangekommen war.

 

»Guten Abend«, brummte Penne. »Kann ich Sie einmal privat sprechen?«

 

Mr. Longvale nickte.

 

»Gewiß, Sir Gregory. Wollen Sie bitte näher treten.«

 

Er führte ihn in das lange Wohnzimmer und steckte die Kerzen in den Leuchtern an. Sir Gregory schaute sich um und kräuselte verächtlich die Lippen, als er die bescheidene Einrichtung sah. Der alte Herr schob ihm einen Stuhl hin, aber es dauerte erst einige Zeit, bevor Penne Platz nahm.

 

»Nun, Sir Gregory«, sagte Mr. Longvale höflich. »Welchem Umstand verdanke ich das Vergnügen Ihres Besuches?«

 

»Gestern logierten hier bei Ihnen einige Filmschauspieler?«

 

Mr. Longvale nickte.

 

»Ich hörte von einem unsinnigen Gerede, daß mein Affe versucht haben soll, in Ihr Haus einzubrechen.«

 

»Ein Affe?« fragte Mr. Longvole höchst überrascht. »Es ist das erste, was ich davon höre.«

 

Der alte Herr sprach die Wahrheit; denn keiner der Beteiligten hatte ihm etwas von dem nächtlichen Abenteuer erzählt. Aber Gregory sah ihn argwöhnisch an.

 

»Haben Sie wirklich nichts davon erfahren?« fragte er. »Wollen Sie mir das etwa weismachen?«

 

Der alte Herr erhob sich würdevoll.

 

»Wollen Sie damit sagen, daß ich Sie belüge, Sir?« fragte er. »Wenn dem so ist, dann ist dort die Tür. Und obgleich ich nur sehr ungern unhöflich gegen einen meiner Gäste bin, bleibt mir in diesem Falle doch nichts anderes übrig, als Sie zu bitten, sofort mein Haus zu verlassen.«

 

»Es ist schon gut«, sagte Sir Gregory Penne ungeduldig. »Seien Sie nicht böse. Ich komme ja gar nicht deswegen hierher. Sind Sie nicht Arzt?«

 

Mr. Longvale sah ihn überrascht an.

 

»In meiner Jugend übte ich die ärztliche Praxis aus«, sagte er.

 

»Viel haben Sie anscheinend dabei nicht verdient.« Gregory sah sich noch einmal mit beleidigender Offenheit um. »Ich möchte wetten, daß Sie zu nichts gekommen sind.«

 

»Da sind Sie sehr im Irrtum«, sagte Mr. Longvale ruhig. »Ich habe ein großes Vermögen. Daß ich mein Haus nicht reparieren lasse, hängt damit zusammen, daß ich eine Vorliebe für Ruinen habe. Sicher ist das eine etwas krankhafte Neigung, das gebe ich ohne weiteres zu. Sagen Sie mir aber bitte, woher Sie wissen, daß ich Arzt bin?«

 

»Ich habe es durch einen meiner Diener erfahren, der zufällig einmal sah, wie Sie einem Fuhrmann einen gebrochenen Finger einrichteten und verbanden.«

 

»Aber ich habe jahrelang keine Praxis ausgeübt«, sagte Mr. Longvale. »Ich wünschte, ich hätte sie nicht aufgegeben«, fügte er nachdenklich hinzu. »Medizin ist doch eine Wissenschaft –«

 

»Immerhin«, unterbrach ihn Penne. »Selbst wenn Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben, sind Sie doch ein schweigsamer alter Herr, und das ist das, was ich suche. In meinem Haus liegt ein schwerkrankes Mädchen, ich möchte nicht, daß einer dieser jungen, neugierigen Doktoren seine Nase in meine Privatangelegenheiten steckt. Würden Sie so liebenswürdig sein, sie zu behandeln?«

 

Der alte Herr nickte nachdenklich mit dem Kopf.

 

»Ich würde es gern tun«, sagte er. »Aber ich fürchte, meine medizinischen Kenntnisse sind nicht mehr ganz ausreichend. Ist es eine Hausangestellte von Ihnen?«

 

»Ja, in gewissem Sinne«, sagte Sir Gregory kurz. »Wann können Sie kommen?«

 

»Ich werde Sie sofort begleiten«, sagte Mr. Longvale ernst und ging aus dem Zimmer. Gleich darauf kam er in seinem langen grauen Gehrock zurück.

 

Der Baron sah mit einem spöttischen Lächeln auf den altfränkischen Anzug des andern.

 

»Warum in aller Welt tragen Sie so altmodische Kleider?«

 

»Für mich sind sie modern«, sagte der alte Herr höflich. »Die heutige Kleidung ist so prosaisch und hat gar keinen Reiz für mich.« Er strich über seinen faltigen Umhang und lächelte. »Ein alter Mann hat seine Eigentümlichkeiten, lassen Sie sie mir, Sir Gregory.«

 

Zu derselben Zeit, als Mr. Sampson Longvale Sir Gregory nach Griff Towers begleitete, begab sich Mike Brixan in das Büro von Jack Knebworth, der ihn durch einen Boten dorthin hatte holen lassen.

 

»Ich hoffe, daß Sie nicht böse sind, daß ich Sie zu mir bat«, sagte der Direktor. »Sie erinnern sich doch, daß wir eine Szene in Griff Towers aufgenommen haben?«

 

Mike nickte.

 

»Ich möchte, daß Sie sich diese Szene einmal genau ansehen und mir dann sagen, was Sie von – einer bestimmten Sache halten.«

 

Gespannt folgte Mike dem Direktor in den Vorführungsraum.

 

»Der Fotograf, der den Streifen entwickelte, zeigte mir schon das Negativ«, erklärte Jack, als sie nebeneinander in dem verdunkelten Zimmer saßen. »Ich will mir jetzt auch das Positiv ansehen.«

 

»Worum, handelt es sich denn?« fragte Mike neugierig.

 

»Das möchte ich ja gerade herausbringen«, sagte Jack, indem er sich durch das weiße Haar fuhr. »Aber sehen Sie selbst.«

 

Das Licht blitzte auf und zeichnete ein weißes Quadrat auf die Leinwand. Man hörte, wie der Filmstreifen eingespannt wurde. Dann erschien ein Bild mit zwei Personen – es waren Helen und ihr Partner Reggie Connolly. Mike sah zunächst verständnislos zu. Die Liebesszene zwischen den beiden war ihm langweilig. Im Hintergrund erhob sich die große massive Wand des Turmes, und als Mike genauer hinsah, bemerkte er ein kleines Fenster, das er vom Innern der Halle aus nicht gesehen hatte. Es war dort besonders dunkel, und selbst bei Tage brannte eine Lampe.

 

»Ich hatte das Fenster gar nicht bemerkt«, sagte er zu dem Direktor.

 

»Bitte achten Sie gerade darauf!« sagte Jack Knebworth. Und während er noch sprach, zeigte sich dort ein Gesicht.

 

Zunächst sah man es nur ungenau und verschwommen, aber später konnte man es ganz deutlich erkennen. Es war das schöne, ovale Gesicht eines jungen Mädchens mit dunklen Augen. Die Haare hingen unordentlich um den Kopf. Mit einem unaussprechlich angstvollen Ausdruck hob es seine Hand, als ob es jemandem winken wollte – wahrscheinlich wollte es sich damals bei Jack bemerkbar machen, der bei dieser Aufnahme Regie führte. So wenigstens erklärte es sich der Direktor. Aber kaum war dieses geheimnisvolle Bild auf dem Film erschienen, als es ebenso plötzlich wieder verschwand. Man konnte sich nur denken, daß das Mädchen mit Gewalt vom Fenster zurückgerissen worden war.

 

»Was halten Sie davon?« fragte Knebworth.

 

Mike starrte in Gedanken vor sich hin.

 

»Es sieht fast so aus, als ob unser Freund Penne eine Gefangene in dem dunklen Turm hat. Das muß die Frau sein, deren Schrei ich gehört habe und von der er mir erzählte, daß sie seine Dienerin sei. Aber das Fenster macht mich nachdenklich. Von innen kann man es nicht sehen. Die Treppe führt von der Halle nach oben. Das Mädchen kann weder auf der Treppe noch auf dem Podest gestanden haben. Ich schließe daraus, daß dem Treppenhaus noch eine besondere Treppe vorgelagert ist. Müssen Sie nun die Aufnahme noch einmal wiederholen?«

 

Jack schüttelte den Kopf.

 

»Nein, wir können das Stück retuschieren. Es ist nur ein kurzer Streifen. Aber ich dachte, es interessierte Sie, das zu sehen.«

 

Das Licht wurde wieder angedreht, und sie gingen zu dem Büro des Direktors zurück.

 

»Ich kann Penne aus verschiedenen Gründen nicht leiden«, sagte Jack Knebworth. »Besonders seit ich weiß, daß er mit der Mendoza auf sehr vertrautem Fuß steht.«

 

»Wer ist das – ist das die Diva, die Sie entlassen haben?«

 

Der andere nickte.

 

»Stella Mendoza – sie hat weder einen besonders schlechten noch guten Charakter«, sagte er. »Ich habe mich immer gewundert, warum Penne uns so bereitwillig die Erlaubnis gab, bei ihm zu filmen. Jetzt ist mir die Sache natürlich klar. Aber ich kann Ihnen versichern, daß Gregorys Haus noch mehr Geheimnisse enthält.«

 

Mike lächelte leicht.

 

»Ein Geheimnis zum mindesten. Aber ich werde diese Nacht noch dahinterkommen«, sagte er. »Ich will Griff Towers genau durchsuchen. Und ich habe nicht einmal die Absicht, Sir Gregory dazu um Erlaubnis zu bitten. Wenn es mir gelingt, das zu entdecken, was ich vermute, dann wird Gregory Penne die nächste Nacht hinter Schloß und Riegel schlafen!«

 

Kapitel 1

 

1

 

Captain Mike Brixan litt manchmal an gelinden abergläubischen Anwandlungen. Wenn er des Morgens durch die Felder ging und eine junge Krähe vor ihm aufflog, hatte er die bestimmte Überzeugung, daß er an diesem Tage noch eine zweite sehen würde.

 

Als er nun auf der Durchreise in Aachen an der Bahnhofsbuchhandlung vorbeiging, fiel ihm der Titel eines Buches auf, und er kaufte den Roman »Statistin in Hollywood«. Das Wort »Statistin« übte eine fast magische Wirkung auf ihn aus. Die Geschichte handelte, wie er gleich darauf feststellte, von einer unbedeutenden Filmschauspielerin. Aber schon hatte er die dunkle Ahnung, daß dieses Wort für ihn eine schicksalsschwere Bedeutung haben würde.

 

Der Roman interessierte ihn gar nicht. Er las einige Seiten des Buches, aber der schwülstige Stil ärgerte ihn so, daß er seine Zuflucht zu dem belgischen Kursbuch nahm. Wenn ihn auch der Titel fasziniert hatte, so reichte sein Interesse doch nicht aus, um die ganze sensationelle Laufbahn der Heldin von den bescheidensten Anfängen bis zu Berühmtheit, Ansehen und Reichtum zu verfolgen.

 

Das Wort »Statistin« hatte sich Mike Brixan aufgedrängt, und es war ihm, als ob ihm in den nächsten Tagen unbedingt eine Statistin begegnen würde.

 

Er war nicht nur bei seinen Freunden als der tüchtigste Agent des Nachrichtendienstes im Auswärtigen Amt bekannt. Obwohl er in seinem Beruf vollständig aufging, interessierte er sich für Kriminalfälle. Er spielte gut Golf, aber ebenso gern las er Berichte über aufsehenerregende Verbrechen. Seine dienstliche Beschäftigung bestand hauptsächlich darin, daß er merkwürdige Leute, die vom Kontinent herüberkamen, in obskuren Kneipen traf und mit ihnen lange und geheimnisvolle Unterredungen hatte. Zu diesem Zweck trat er in den verschiedensten Verkleidungen und Rollen auf. So blieb er in Kontakt mit den geheimen unterirdischen Strömungen, die nur zu oft das Schifflein der Diplomatie unerwünschten Zielen zutrieben. Zweimal war er als Tourist, der sich nur für schöne Landschaften und Sehenswürdigkeiten zu interessieren schien, durch ganz Europa gestreift. Viele hundert Meilen fuhr er mit einem Paddelboot durch die Stromschnellen der Donau. In den kleinsten Schenken am Ufer übernachtete er, um die Stimmung der Bevölkerung kennenzulernen. Wenn es solche Aufgaben zu lösen galt, war er ganz bei der Sache.

 

Gerade jetzt rief man ihn von Berlin ab, als der wichtige Vertrag zwischen zwei Mächten kurz vor dem Abschluß stand. Er ärgerte sich gewaltig darüber, denn es war ihm unter Aufwand nicht geringer Geldsummen gelungen, eine Abschrift der wesentlichen Punkte des Vertrages zu beschaffen.

 

»Wenn ich noch vierundzwanzig Stunden auf meinem Posten geblieben wäre, hätte ich die fotografischen Aufnahmen der Originaldokumente bekommen«, erklärte er seinem Vorgesetzten, Major George Staines, als er sich am nächsten Morgen in Whitehall zum Dienstantritt meldete.

 

»Schade«, antwortete dieser etwas ironisch. »Aber wir hatten gerade eine vertrauliche Aussprache mit dem Ministerpräsidenten der betreffenden Macht, der uns den Text des Vertrages mitzuteilen versprach. Übrigens hat die ganze Sache mit hoher Politik nichts zu tun, sondern betraf nur die Handelsbeziehungen zu einem anderen Staat. – Mike, kannten Sie Elmer?«

 

Der Detektiv setzte sich auf die Tischkante, während er eine Zigarette rauchte.

 

»Haben Sie mich deswegen von Berlin geholt, damit ich Ihnen diese Frage beantworten soll?« sagte er ärgerlich. »Haben Sie mich deswegen aus meinem Café ›Unter den Linden‹ weggeholt, damit ich mich mit Ihnen über Elmer unterhalte? Er ist doch Sekretär im Regierungsdienst?«

 

Major Staines nickte.

 

»Er war es«, sagte er. »Er war in der Oberrechnungskammer angestellt. Vor drei Wochen verschwand er plötzlich. Man kontrollierte seine Bücher, und es stellte sich heraus, daß er systematisch größere Summen unterschlagen hatte.«

 

Mike Brixan verzog sein Gesicht. »Tut mir leid, das zu hören«, meinte er. »Er schien doch ein ganz ruhiger und ehrlicher Mensch zu sein. Aber Sie wollen doch damit nicht etwa sagen, daß das mein neuer Auftrag sein soll? Solche Aufgaben gehören Scotland Yard.«

 

»Ich will auch gar nicht, daß Sie ihm nachspüren sollen«, sagte Staines langsam, »weil – nun gut, man hat ihn schon gefunden.«

 

Er sagte dies mit einem düsteren, bedeutungsvollen Unterton. Bevor er das kleine Papier aus seiner Mappe nehmen konnte, wußte Mike Brixan schon, was kommen würde.

 

»Der Kopfjäger hat doch nicht seine Hand im Spiel?« fragte er interessiert. Selbst er im Ausland hatte von den grausigen Taten dieses Mannes gehört.

 

Staines nickte. »Lesen Sie.«

 

Er reichte seinem Untergebenen ein Blatt, das mit Maschine geschrieben war, über den Tisch.

 

»Sie werden in der Hecke an der Eisenbahnunterführung bei Esher eine Kiste finden. Der Kopfjäger.«

 

»Der Kopfjäger«, wiederholte Mike mechanisch und pfiff leise.

 

»Wir haben natürlich sofort nachsuchen lassen und fanden die Kiste, darin lag der scharf vom Rumpf getrennte Kopf des unglücklichen Elmer«, sagte Staines. »Das ist nun der zwölfte Kopf innerhalb von sieben Jahren. Und jedesmal handelt es sich – allerdings mit Ausnahme zweier Fälle – um Leute, die sich der Gerichtsbarkeit entzogen hatten. – Selbst wenn die Vertragsfrage noch nicht geklärt wäre, Mike, hätte ich Sie zurückgerufen.«

 

»Aber das ist doch gar nicht meine Sache – das geht doch nur die Polizei an«, sagte der junge Beamte etwas aufsässig.

 

»Sie dienen der Regierung doch in Wirklichkeit als Detektiv«, unterbrach ihn sein Chef, »und der Sekretär des Außenministeriums wünscht, daß Sie diesen Fall aufklären. Ich möchte noch hinzufügen, daß dies außerdem der Wunsch des Innenministers ist, dem Scotland Yard untersteht. Bis jetzt wurde der Tod Francis Elmers und die grauenvolle Entdeckung seines Kopfes zur Veröffentlichung durch die Presse noch nicht freigegeben. In der letzten Zeit gab es an und für sich schon so viel Unruhe und Angriffe gegen die Regierung, daß die Polizei diese Sache vorläufig geheimhalten muß. Man hielt die Leichenschau ab – ich vermute, daß die Mitglieder der Kommission besonders ausgesucht wurden. Aber es würde Hochverrat sein, darüber in der Öffentlichkeit etwas zu sagen. Letzten Endes ist dann auch das übliche Gutachten erstattet worden. Leider kann ich Ihnen nur wenig Informationen geben. Das einzige, was uns weiterhelfen kann, ist die Tatsache, daß Elmer vor einer Woche in Chichester von seiner Nichte gesehen worden sein soll. Das junge Mädchen heißt Helen Leamington und ist bei der Knebworth-Filmgesellschaft beschäftigt, die ihre Ateliers in Chichester hat. Der alte Knebworth kam aus Amerika und ist ein famoser Kerl. Sie ist so eine Art Statistin –«

 

Mike atmete schwer.

 

»Statistin! Ich wußte doch, daß dieses verteufelte Wort mir wieder begegnen würde. Nun gut, was soll ich unternehmen?«

 

»Besuchen Sie zuerst einmal die junge Dame. Hier ist ihre Adresse.«

 

»War Elmer eigentlich verheiratet?« fragte Mike, während er den Papierstreifen in seine Tasche steckte.

 

Der andere nickte.

 

»Ja, aber seine Frau weiß über die Angelegenheit nichts. Sie ist übrigens die einzige, die von seinem Tod unterrichtet wurde. Sie hatte ihren Mann seit einem Monat nicht mehr gesehen. Anscheinend lebten die beiden in den letzten Jahren mehr oder weniger getrennt. Für sie war sein Tod in gewissem Sinne eine Wohltat, da er zu ihren Gunsten hoch versichert war.«

 

Mike nahm das Papier wieder aus der Tasche und las die grauenvolle Nachricht des Kopfjägers noch einmal.

 

»Wie erklären Sie sich diese Sache?« fragte er seinen Vorgesetzten interessiert.

 

»Man könnte denken, daß es sich um einen Wahnsinnigen handelt, der sich berufen fühlt, Verbrecher zu bestrafen. Und diese Annahme würde auch stimmen, wenn nicht die beiden Ausnahmen wären, die diese Hypothese über den Haufen werfen.«

 

Staines lehnte sich in seinen Stuhl und zog die Stirn kraus. »Nehmen Sie den Fall von Willitt. Man fand seinen Kopf vor zwei Jahren in Clapham Common. Willitt war ein Mann in guten Verhältnissen, ein Beispiel von Ehrenhaftigkeit, überall beliebt, und nach seinem Tod wurde bekannt, daß er große Guthaben auf der Bank hatte. Die zweite Ausnahme macht Crewling, der eines der ersten Opfer des Kopfjägers wurde. Er war ein über jeden Zweifel erhabener Charakter; allerdings stellte sich heraus, daß er einige Wochen vor seinem Tod seelisch nicht mehr im Gleichgewicht war.

 

Die Briefe des Kopfjägers sind offensichtlich alle mit derselben Maschine geschrieben. Jedesmal haben sie das halbverwischte ›u‹, dann achten Sie bitte auf die schwachen ›g‹ und die außergewöhnliche Linienführung. Wir haben natürlich diese Umstände genau untersuchen lassen, und die Sachverständigen sind sich darin einig, daß die Schrift von einer alten, jetzt nicht mehr hergestellten Kost-Maschine herrührt. Wenn Sie den Mann ausfindig machen, der eine solche Maschine benützt, dann haben Sie vermutlich den Mörder gefunden. Aber wahrscheinlich wird man ihm nicht auf diesem Weg beikommen können. Die Polizei hat bereits Fotografien dieser eigentümlichen Schrift veröffentlicht und eine hohe Belohnung ausgesetzt. Und ich glaube nicht, daß der Kopfjäger die Maschine noch zu anderen Zwecken gebraucht als dazu, den Tod seiner Opfer anzuzeigen.«

 

Mike ging in seine Wohnung. Dieser sonderbare Auftrag hatte ihn etwas aus der Fassung gebracht. Er bewegte sich für gewöhnlich in den Sphären der hohen Politik! Die Finessen der Diplomatie waren seine Spezialität. Diebe, Mörder und Straßenräuber, mit denen sich doch sonst nur die Polizei zu beschäftigen hatte, gehörten nicht zu seinem Wirkungskreis.

 

»Bill«, sagte er zu seinem kleinen Terrier, der auf einer Decke vor dem ungeheizten Kamin im Wohnzimmer lag, »diese Sache bringt mich noch zu Fall. Aber ob ich nun Erfolg habe oder nicht – ich werde eine Statistin kennenlernen. Ist das nicht großartig?«

 

Bill wedelte freudig mit dem Schwanz.