Dichterlos
DICHTERLOS
Für alle muß vor Freuden
Mein treues Herze glühn,
Für alle muß ich leiden,
Für alle muß ich blühn,
Und wenn die Blüten Früchte haben,
Da haben sie mich längst begraben.
(Joseph von Eichendorff)
Für alle muß vor Freuden
Mein treues Herze glühn,
Für alle muß ich leiden,
Für alle muß ich blühn,
Und wenn die Blüten Früchte haben,
Da haben sie mich längst begraben.
(Joseph von Eichendorff)
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Die Lüfte linde fächeln, Aus stillen Meeres Schaum Sirenen tauchend lächeln, Der Schiffer liegt im Traum. Da faßt der Sturm die Wellen, In jenen stillen Tagen Du hast das Glück zerschlagen; Das sind die mächtgen Stürme, Kein Meerweib will sich zeigen, O führe an den Riffen |
Joseph von Eichendorff
Laue Luft kommt blau geflossen,
Frühling, Frühling soll es sein!
Waldwärts Hörnerklang geschossen,
Mutger Augen lichter Schein;
Und das Wirren bunt und bunter
Wird ein magisch wilder Fluß,
In die schöne Welt hinunter
Lockt dich dieses Stromes Gruß.
Und ich mag mich nicht bewahren!
Weit von euch treibt mich der Wind,
Auf dem Strome will ich fahren,
Von dem Glanze selig blind!
Tausend Stimmen lockend schlagen,
Hoch Aurora flammend weht,
Fahre zu! Ich mag nicht fragen,
Wo die Fahrt zu Ende geht!
Joseph von Eichendorff
Es geht wohl anders, als du meinst:
Derweil du rot und fröhlich scheinst,
Ist Lenz und Sonnenschein verflogen,
Die liebe Gegend schwarz umzogen;
Und kaum hast du dich ausgeweint,
Lacht alles wieder, die Sonne scheint –
Es geht wohl anders, als man meint.
Herz, in deinen sonnenhellen
Tagen halt nicht karg zurück!
Allwärts fröhliche Gesellen
Trifft der Frohe und sein Glück.
Sinkt der Stern: alleine wandern
Magst du bis ans End der Welt –
Bau du nur auf keinen andern
Als auf Gott, der Treue hält.
Was willst auf dieser Station
So breit dich niederlassen?
Wie bald nicht bläst der Postillon,
Du mußt doch alles lassen.
Die Lerche grüßt den ersten Strahl,
Daß er die Brust ihr zünde,
Wenn träge Nacht noch überall
Durchschleicht die tiefen Gründe.
Und du willst, Menschenkind, der Zeit
Verzagend unterliegen?
Was ist dein kleines Erdenleid?
Du mußt es überfliegen!
Der Sturm geht lärmend um das Haus,
Ich bin kein Narr und geh hinaus,
Aber bin ich eben draußen,
Will ich mich wacker mit ihm zausen.
Ewig muntres Spiel der Wogen!
Viele hast du schon belogen,
Mancher kehrt nicht mehr zurück.
Und doch weckt das Wellenschlagen
Immer wieder frisches Wagen,
Falsch und lustig wie das Glück.
Der Wandrer, von der Heimat weit,
Wenn rings die Gründe schweigen,
Der Schiffer in Meeres Einsamkeit,
Wenn die Stern aus den Fluten steigen:
Die beide schauern und lesen
In stiller Nacht,
Was sie nicht gedacht,
Da es noch fröhlicher Tag gewesen.
| Mein Gott, Dir sag ich Dank, Daß Du die Jugend mir bis über alle Wipfel In Morgenrot getaucht und Klang, Und auf des Lebens Gipfel, Bevor der Tag geendet, Vom Herzen unbewacht Den falschen Glanz gewendet, Daß ich nicht taumle ruhmgeblendet, Da nun herein die Nacht Dunkelt in ernster Pracht. |
1815
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Was Großes sich begeben, Der Kön’ge Herrlichkeit, Du sahsts mit freudgem Beben, Dir wars vergönnt, zu leben In dieser Wunderzeit. Und über diese Wogen O wunderbares Grauen, Und hat nun ausgerungen Laß bilden die Gewalten! Die Fesseln müssen springen, |
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Vergeht mir der Himmel Vor Staube schier, Herr, im Getümmel Zeig Dein Panier! Wie schwank ich sündlich, |
| Wenn die Wogen unten toben, Menschenwitz zu Schanden wird, Weist mit feurgen Zügen droben Heimwärts dich der Wogen Hirt. Sollst nach keinem andern fragen, Nicht zurückschaun nach dem Land, Faß das Steuer, laß das Zagen! Aufgerollt hat Gottes Hand Diese Wogen zum Befahren Und die Sterne, dich zu wahren. |
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O wunderbares, tiefes Schweigen, Wie einsam ists noch auf der Welt! Die Wälder nur sich leise neigen, Als ging‘ der Herr durchs stille Feld. Ich fühl mich recht wie neu geschaffen, Die Welt mit ihrem Gram und Glücke Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd, |
Es wandelt was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
die Lust hat eignes Grauen,
und alles hat den Tod.
Ins Leben schleicht das Leiden
Sich heimlich wie ein Dieb,
wir alle müssen scheiden
von allem was uns lieb.
Was gäb‘ es doch auf Erden,
wer hielt den Jammer aus,
wer möchte geboren werden,
hieltst du nicht droben haus!
Du bist’s, der , was wir bauen,
mild über uns zerbricht,
daß wir den Himmel schauen –
darum so klag‘ ich nicht.
1810
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>Seh ich im verfallnen, dunkeln Haus die alten Waffen hangen, Zornig aus dem Roste funkeln, Wenn der Morgen aufgegangen, Und den letzten Klang verflogen, Und ein neu Geschlecht von Zwergen Ihres Heilands Blut und Tränen Denk ich dann, wie du gestanden Wurzeln in der Felsen Marke, |
| Die handeln und die dichten, Das ist der Lebenslauf, Der eine macht Geschichten, Der andre schreibt sie auf, Und der will beide richten; So schreibt und treibt sichs fort, Der Herr wird alles schlichten, Verloren ist kein Wort. |
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Juchheisa! Und ich führ den Zug Hopp über Feld und Graben. Des alten Plunders ist genug, Wir wollen neuen haben. »Was! Wir gering? Ihr vornehm, reich? Das alte Lied, das spiel ich neu, |
Joseph von Eichendorff
Ich weiß nicht, was das sagen will!
Kaum tret ich von der Schwelle still,
Gleich schwingt sich eine Lerche auf
Und jubiliert durchs Blau vorauf.
Das Gras ringsum, die Blumen gar
Stehn mit Juwelen und Perln im Haar,
Die schlanken Pappeln, Busch und Saat
Verneigen sich im größten Staat.
Als Bot‘ voraus das Bächlein eilt,
Und wo der Wind die Wipfel teilt,
Die Au verstohlen nach mir schaut,
Als wär sie meine liebe Braut.
Ja, komm ich müd ins Nachtquartier,
Die Nachtigall noch vor der Tür
Mir Ständchen bringt, Glühwürmchen bald
Illuminieren rings den Wald.
Umsonst! Das ist nun einmal so,
Kein Dichter reist inkognito,
Der lustge Frühling merkt es gleich,
Wer König ist in seinem Reich.
Ich kam vom Walde hernieder,
Da stand noch das alte Haus,
mein Liebchen, sie schaute wieder
Wie sonst zum Fenster hinaus.
Sie hat einen andern genommen,
Ich war draußen in Schlacht und Sieg,
Nun ist alles anders gekommen,
Ich wollt‘, es wär‘ wieder erst Krieg.
Am Wege dort spielte ihr Kindlein,
Das glich ihr recht auf ein Haar,
Ich küßt’s auf sein rotes Mündlein:
„Gott segne dich immer dar!“
Sie aber schaute erschrocken
Noch lange Zeit nach mir hin,
Und schüttelte sinnend die Locken,
Und wußte nicht wer ich bin.
Da droben hoch stand ich am Baume,
Da rauschten die Wälder so sacht,
Mein Waldhorn, das klang wie im Traume
Hinüber die ganze Nacht.
Und als die Vögelein sangen
Frühmorgens, sie weinte so sehr,
Ich aber war weit schon gegangen,
Nun sieht sie mich nimmermehr!