An die Waldvögel
An die Waldvögel
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Könnt mich auch sonst mit schwingen Übers grüne Revier, Hatt ein Herze zum Singen Und Flügel wie ihr. Flog über die Felder, Ein Schiff sah ich gehen Und die Segel verzogen, |
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Könnt mich auch sonst mit schwingen Übers grüne Revier, Hatt ein Herze zum Singen Und Flügel wie ihr. Flog über die Felder, Ein Schiff sah ich gehen Und die Segel verzogen, |
Ihr habt den Vogel gefangen,
Der war so frank und frei,
Nun ist ihms Fliegen vergangen,
Der Sommer ist lange vorbei.
Es liegen wohl Federn neben
Und unter und über mir,
Sie können mich alle nicht heben
Aus diesem Meer von Papier.
Papier! wie hör ich dich schreien,
Da alles die Federn schwenkt
In langen, emsigen Reihen –
So wird der Staat nun gelenkt.
Mein Fenster am Pulte steht offen,
Der Sonnenschein schweift übers Dach,
Da wird so uraltes Hoffen
Und Wünschen im Herzen wach.
Die lustigen Kameraden,
Lerchen, Quellen und Wald,
Sie rauschen schon wieder und laden:
Geselle, kommst du nicht bald?
Und wie ich durch die Gardinen
Hinaussah in keckem Mut,
Da hört ich Lachen im Grünen,
Ich kannte das Stimmlein recht gut.
Und wie ich hinaustrat zur Schwelle,
Da blühten die Bäume schon all
Ein Liebchen, so frühlingshelle,
Saß drunter beim Vogelschall.
Und eh wir uns beide besannen,
Da wiehert´ das Flügelroß –
Wir flogen selbander von dannen,
Daß es unten die Schreiber verdroß.
Freuden wollt ich Dir bereiten;
Zwischen Kämpfen, Lust und Schmerz
Wollt‘ ich treulich dich geleiten
Durch das Leben himmelwärts.
Doch du hast’s allein gefunden,
Wo kein Vater führen kann,
Durch die ernste dunkle Stunde
Gingst du schuldlos mir voran.
Wie das Säuseln leiser Schwingen
Draußen über Wald und Kluft
Ging zur selben Stund‘ ein Singen
Ferne durch die stille Luft.
Und so fröhlich glänzt der Morgen,
‚s war, als ob das Singen sprach:
Jetzo lasset alle Sorgen;
Liebt ihr mich, so folgt mir nach!
Ich führt‘ dich oft spazieren
In Winter-Einsamkeit;
Kein Laut ließ sich da spüren,
Du schöne, stille Zeit!
Lenz ist’s nun, Lerchen singen
Im Blauen über mir;
Ich weine still – sie bringen
Mir einen Gruß von dir.
Von fern‘ die Uhren schlagen,
Es ist schon tiefe Nacht,
die Lampe brennt so düster,
das Bettlein ist gemacht.
Die Winde nur noch gehen
Wehklagend um das Haus,
Wir sitzen einsam drinnen
Und lauschen oft hinaus.
Es ist, als müßtest leise
Du klopfen an die Tür,
Du hätt’st dich nur verirret
Und käm’st nun müd‘ zurück.
Wir armen, armen Toren!
Wir irren ja im Graus
Des Dunkels noch verloren, –
Du fand’st dich längst nach Haus.
Dort ist so tiefer Schatten,
Du schläfst in guter Ruh‘,
Es deckt mit grünen Matten
Der liebe Gott dich zu.
Die alten Weiden neigen
Sich auf dein Bett herein,
Die Vöglein in den Zweigen,
sie singen treu dich ein.
Und wie in goldnen Träumen
Geht linder Frühlingswind
Rings in den stillen Bäumen –
Schlaf wohl, mein süßes Kind!
Mein liebes Kind, Ade!
Ich konnt‘ Ade nicht sagen,
Als sie dich fortgetragen,
Vor tiefem, tiefem Weh.
Jetzt auf lichtgrünem Plan
Stehst du im Myrtenkranze
Und lächelst aus dem Glanze
Mich still voll Mitleid an.
Und Jahre nahn und gehen,
Wie bald bin ich verstoben –
O bitt‘ für mich da droben,
Daß wir uns wiedersehn!
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Wenn alle Wälder schliefen, Er an zu graben hub, Rastlos in Berges Tiefen Nach einem Schatz er grub. Die Engel Gottes sangen »Und wirst doch mein!« und grimmer Hohnlachen wild erschallte |
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Wenn ins Land die Wetter hängen Und der Mensch erschrocken steht, Wendet, wie mit Glockenklängen, Die Gewitter Dein Gebet, Und wo aus den grauen Wogen Weinend auftaucht das Gefild, Segnest Du’s vom Regenbogen – Mutter, ach, wie bist Du mild! Wenns einst dunkelt auf den Gipfeln |
Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängts schon an zu blühn.
Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mirs doch, als könnts nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.
Und der Mond, die Sterne sagens,
Und in Träumen rauschts der Hain,
Und die Nachtigallen schlagens:
Sie ist Deine, sie ist dein!
(Joseph von Eichendorff)
Joseph von Eichendorff
Mich brennts an meinen Reiseschuhn,
Fort mit der Zeit zu schreiten –
Was wollen wir agieren nun
Vor so viel klugen Leuten?
Es hebt das Dach sich von dem Haus
Und die Kulissen rühren
Und strecken sich zum Himmel ‚raus,
Strom, Wälder musizieren!
Und aus den Wolken langt es sacht,
Stellt alles durcheinander,
Wie sichs kein Autor hat gedacht:
Volk, Fürsten und Dryander.
Da gehn die einen müde fort,
Die andern nahn behende,
Das alte Stück, man spielts so fort
Und kriegt es nie zu Ende.
Und keiner kennt den letzten Akt
Von allen, die da spielen,
Nur der da droben schlägt den Takt,
Weiß, wo das hin will zielen.
Du liebe, treue Laute,
Wie manche Sommernacht,
Bis daß der Morgen graute,
Hab‘ ich mit dir durchwacht!
Die Täler, wieder nachten,
Schon sinkt das Abendrot,
Doch die sonst mit uns wachten,
Die liegen lange tot.
Was wollen wir nun singen
Hier in der Einsamkeit,
Wenn alle von uns gingen,
Die unser Lied erfreut‘?
Wir wollen dennoch singen!
So still ist’s auf der Welt;
Wer weiß, die Lieder dringen
Vielleicht zum Sternezelt.
Wer weiß, die da gestorben,
Sie hören droben mich
Und öffnen leis‘ die Pforten
Und nehmen uns zu sich.
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Von kühnen Wunderbildern Ein großer Trümmerhauf, In reizendem Verwildern Ein blühnder Garten drauf; Versunknes Reich zu Füßen, Wenn Frühlingslüfte wehen Da will sichs unten rühren Verwirrend in den Bäumen Und unterm duftgen Schleier, Frau Venus hört das Locken, Sie sucht die alten Stellen, Doch öd sind nun die Stellen, Wo sind nun die Gespielen? Zuweilen nur Sirenen Sie selbst muß sinnend stehen Denn über Land und Wogen Ein Kindlein in den Armen Da in den lichten Räumen Und, wie die Lerche singend, |
Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd‘,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.
Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.
O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd‘ gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.
| Gar oft schon fühlt ichs tief, des Mädchens Seele Wird nicht sich selbst, dem Liebsten nur geboren. Da irrt sie nun verstoßen und verloren, Schickt heimlich Blicke schön als Boten aus, Daß sie auf Erden suchen ihr ein Haus. Sie schlummert in der Schwüle, leicht bedeckt, Lächelt im Schlafe, atmet warm und leise, Doch die Gedanken sind fern auf der Reise, Und auf den Wangen flattert träumrisch Feuer, Hebt buhlend oft der Wind den zarten Schleier. Der Mann, der da zum erstenmal sie weckt, Zuerst hinunterlangt in diese Stille, Dem fällt sie um den Hals vor Freude bang Und läßt ihn nicht mehr all ihr Lebelang. |
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Was wollen mir vertraun die blauen Weiten, Des Landes Glanz, die Wirrung süßer Lieder, Mir ist so wohl, so bang! Seid ihr es wieder Der frommen Kindheit stille Blumenzeiten? Wohl weiß ichs – dieser Farben heimlich Spreiten Mir ist in solchen linden, blauen Tagen, So wart ich still, schau in den Frühling milde, |
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Wenn du am Felsenhange standst alleine, Unten im Walde Vögel seltsam sangen Und Hörner aus der Ferne irrend klangen, Als ob die Heimat drüben nach dir weine, Wars niemals da, als rief die Eine, Deine? Gebirge dunkelblau steigt aus der Ferne, Geheimnisvoll gehn oben goldne Sterne, |
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Durchs Leben schleichen feindlich fremde Stunden, Wo Ängsten aus der Brust hinunterlauschen, Verworrne Worte mit dem Abgrund tauschen, Drin bodenlose Nacht nur ward erfunden. Wohl ist des Dichters Seele stumm verbunden O Herr! du kennst allein den treuen Willen, Und wie ich schreibe hier, den Schmerz zu stillen, |
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Was ist mir denn so wehe? Es liegt ja wie im Traum Der Grund schon, wo ich stehe, Die Wälder säuseln kaum Noch von der dunklen Höhe. |
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Das ists, was mich ganz verstöret: Daß die Nacht nicht Ruhe hält, Wenn zu atmen aufgehöret Lange schon die müde Welt. Daß die Glocken, die da schlagen, Daß mein Herz nicht konnte brechen |
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Von fern die Uhren schlagen, Es ist schon tiefe Nacht, Die Lampe brennt so düster, Dein Bettlein ist gemacht. Die Winde nur noch gehen Es ist, als müßtest leise Wir armen, armen Toren! |
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