Dante Alighieri – Die Göttliche Komödie

admin am Jan 23rd 2012


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Dante Alighieri

Die Göttliche Komödie

(La Divina Commedia)

Die Hölle

Erster Gesang

Es war in unseres Lebensweges Mitte,

Als ich mich fand in einem dunklen Walde;

Denn abgeirrt war ich vom rechten Wege.

Wohl fällt mir schwer, zu schildern diesen Wald,

Der wildverwachsen war und voller Grauen

Und in Erinnrung schon die Furcht erneut:

So schwer, daß Tod zu leiden wenig schlimmer.

Doch um das Heil, das ich dort fand, zu künden,

Will, was ich sonst gesehen, ich berichten. –

Wie ich hineingelangt, kann ich nicht sagen,

So schlafbenommen war ich um die Zeit,

Als ich zuerst den wahren Weg verlassen.

Doch, als ich eines Hügels Fuß erreichte,

An welchem jenes Tal zu Ende ging,

Das mir das Herz mit solcher Furcht befangen,

Blickt’ ich empor, und sah des Hügels Schultern

Bekleidet schon mit des Planeten Strahlen,

Der uns den rechten Pfad zeigt allerwege.

Beruhigt wurde da die Furcht ein wenig,

Die in des Herzens See mir angedauert

Die Nacht durch, die so angstvoll ich verbrachte.

Wie einer, der mit ganz erschöpftem Atem,

Dem Meer entronnen, das Gestad’ erreicht,

Auf die verräterische Flut zurückblickt,

So wandte sich mein Geist, noch immer fliehend,

Zurück, um zu beschaun die dunkle Talschlucht,

Die keinen, der drin weilt, lebendig ließ. –

Als etwas ich den müden Leib gerastet,

Setzt’ ich den Weg am wüsten Abhang fort,

So daß der ruh’nde stets der untre Fuß war.

Doch, siehe, fast bei dem Beginn des Anstieg’s,

Ein Panthertier, leichtfüßig und behende,

Das überdeckt war mit gestecktem Haare.

Vor meinen Augen wich das Untier nimmer

Und störte mich so sehr in meinem Wege,

Daß mehrmals schon zur Umkehr ich mich wandte.

Es war die Zeit der ersten Morgenfrühe;

Die Sonne stieg empor mit jenen Sternen,

Die sie begleiteten, als Gottes Liebe

Zuerst bewegte diese schönen Dinge,

So daß kein Unheil mich befürchten ließ

Von jenem Tier mit buntgeflecktem Felle

Die Stunde, wie die schöne Jahreszeit.

Doch war darum der Schrecken nicht geringer,

Der mich ergriff beim Anblick eines Löwen,

(Erhabnen Hauptes und mit grimmem Hunger

Kam dieser dräuend auf mich zugeschritten,

So daß die Luft vor ihm zu fürchten schien)

Und einer Wölfin, die von jeder Gier

Besessen schien in ihrer Magerkeit,

Und über viele schon Verderben brachte.

Sie gab mir durch die Furcht, die von ihr ausging,

So großes Ungemach, daß ich die Höhe

Des Berges zu erreichen nicht mehr hoffte.

Und wie der Mann, der gern Reichtümer sammelt,

Wenn eine Zeit kommt, die Verlust ihm bringet,

In seinem Herzen sich betrübt und wehklagt,

So ward mir ob des friedelosen Tieres,

Das wie es auf mich zukam, ganz allmählich

Mich dahin drängte, wo die Sonne schweiget.

Und während ich zur Tiefe niederstürzte

Erschien mir plötzlich eines Mann’s Gestalt,

Der heiser


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