Gustav Schwab – Pandaros
admin am Okt 13th 2011
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und weckte den tapfern Freund des Rhesos, den Thrakier Hippokoon, aus dem Schlaf.
Als dieser die Stelle, wo die Rosse des Fürsten gestanden, leer und ermordete
Männer am Boden zuckend fand, rief er laut wehklagend den Namen seines Freundes.
Die Trojaner stürzten im Aufruhr heran und starrten vor Schrecken, als sie die
entsetzliche Tat sahen.
Unterdessen hatten die beiden Griechenhelden den Ort wieder erreicht, wo sie
den Dolon getötet hatten; Diomedes sprang vom Rosse, schwang sich aber wieder
hinauf, nachdem er die Rüstung den Händen des Freundes überreicht; Odysseus
bestieg das andere Tier, und bald waren sie mit den rasch dahinfliegenden Pferden
bei den Schiffen angekommen. Nestor hörte zuerst das Stampfen der Hufe und machte
die Fürsten der Griechen aufmerksam; aber ehe er sich recht besinnen konnte,
ob er geirrt oder Wirkliches vernommen, waren die Helden mit den Rossen da,
schwangen sich vom Pferde, reichten den Freunden die Hände ringsumher zum Gruße
und erzählten unter dem Jubel des Heeres den glücklichen Erfolg ihres Unternehmens.
Dann trieb Odysseus die Rosse durch den Graben, und die andere Achiver folgten
ihm jauchzend zur Lagerhütte des Tydiden. Dort wurden die Pferde zu den andern
Rossen des Fürsten an die mit Weizen wohlgefüllte Krippe gebunden. Die blutige
Rüstung Dolons aber legte Odysseus hinten im Schiffe nieder, bis sie bei einem
Dankfest Athenes prangen könnte. Nun spülten sich beide Helden mit der Meerflut
Schweiß und Blut von den Gliedern, setzten sich zum warmen Bad in Wannen, salbten
sich mit Öl und genossen das Frühmahl beim vollen Kruge; und Pallas Athene ward
mit dem Trankopfer nicht vergessen.
Zweite Niederlage der Griechen
Es war Morgen. Agamemnon befahl dem Volke, sich zu gürten, und legte selbst
die Rüstung an, den herrlichen Harnisch, an dem zehn bläuliche Stahlstreifen
mit zwölf aus funkelndem Gold und zwanzig aus Zinn wechselten; die Halsbrünne
bildeten drei Drachen, glänzend wie Regenbogen; der Panzer war ein Geschenk
des Kinyras, Fürsten von Cypern; dann warf er sich das Schwert, mit goldenen
Buckeln am Griff, in silberner Scheide, am strahlenden Goldgehenke befestigt,
um die Schulter; darauf hob er den kunstreich gewölbten Schild, um den zehn
Erzkreise herliefen und zwanzig weiße zinnerne Buckeln blinkten; auf dem mittleren
dunkelblauen Felde war das gräßliche Gorgonenhaupt abgebildet, das Schildgehenk
hatte die Gestalt eines bläulichen Drachens mit drei gekrümmten Häuptern. Dann
setzte er sich den viergipflichten, von Roßhaaren umwallten Helm, mit fürchterlich
nickendem Helmbusch, aufs Haupt, ergriff zwei mächtige Lanzen mit strahlenden
Erzspitzen und schritt in die Schlacht. Hera und Athene begrüßten vom Himmel
herab den herrlich gerüsteten König der Völker mit einem freudigen Donner. Zuerst
drangen die Fußgänger mit den ehernen Waffenrüstungen über den Graben, ihnen
folgten die Reisigen auf den Streitwagen, und mit lautem Getümmel eilte das
ganze Heer vorwärts.
Auf der andern Seite hielten die Trojaner einen Hügel des Feldes mit ihren
Scharen besetzt; ihre Führer waren Hektor, Polydamas und Äneas; nächst ihnen
Polybos, Agenor und Akamas, die drei tapfern Söhne Antenors. Wie ein Stern durch
Nachtgewölk wandelte Hektor bald durch den vordersten, bald durch den äußersten
Zug und ordnete die Schlachtreihen; in seiner Erzrüstung leuchtete er wie ein
Blitzstrahl des Donnerers. Bald stürmten nun Trojaner und Danaer mordend gegeneinander,
wie Schnitter mähend in die Schwaden fahren; alles drängte sich Haupt an Haupt
zur Schlacht, in beiden Heeren tobten die Streiter wie Wölfe. Endlich durchbrachen
die Griechen mit ihrer Kraft die Schlachtreihen der Feinde, und Agamemnon stieß,
voranstürmend, den Fürsten Bianor und seinen Wagenlenker nieder. Dann warf er
sich auf zwei Söhne des Königes Priamos, den Antiphos und seinen Wagenlenker,
den Bastard Isos; jenem durchschoß er die Brust mit der Lanze, diesen stürzte
er mit einem Schwerthiebe vom Wagen, und den Getöteten entzog er eilig die Rüstung.
Jetzt begegnete er zwei Söhnen des Antimachos, des Trojanerfürsten, der einst,
von Paris’ Golde betört, die Helena auszuliefern verboten hatte. Vergebens flehten
ihn die Knaben, in den Wagen hineingeschmiegt, um Schonung an. Ihres Vaters
gedenkend, durchbohrte er den einen und hieb dem andern die Hände vom Leib und
das Haupt von der Schulter. Immer tiefer drang die Verfolgung der Griechen ein,
auf Fußvolk und auf Wagen, wie ein Feuerbrand unter Sturm durch unausgehauene
Waldung sich verbreitet.
Aus den Blutströmen und dem Getümmel entzog den Fürsten Hektor Zeus selbst
den Geschossen, daß er zum Denkmale des alten Königes Ilos, an den Feigenhügel
vorüber, mitten durch das Gefilde, sehnsüchtig nach der Stadt hin floh; aber
Agamemnon, seine Hände mit Trojanerblute besudelt, folgte ihm laut schreiend.
Endlich an der Buche des Zeus, nicht fern vom Skäischen Tore, stand Hektor und
zugleich die ganze Flucht der Seinigen, ihm nachgedrungen, stille. Da sandte
Zeus die Götterbotin Iris und befahl ihm, solange Agamemnon im Vordergewühl
tobte, selbst zurückzustehen und dem andern Volke die Feldschlacht zu überlassen,
bis der Atride verwundet würde. Dann wollte der Göttervater ihn selbst wieder
zum Siege führen. Hektor gehorchte. Von der Hinterhut aus mahnte er die Seinigen
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