Gustav Schwab - Ausbruch des Kampfes. Protesilaos. Kyknos

admin am Mrz 29th 2008

sie am Gewand und sprach zu ihr: »Komm, Paris ruft dich, er sitzt in der Kammer
in reizendem Feierkleide; du solltest glauben, er gehe zum Reigen, und nicht,
er komme vom Zweikampf.« Als Helena aufblickte, sah sie Aphrodite in göttlichem
Reize vor sich verschwinden. Unbemerkt von den Frauen schlich sie sich davon
und eilte nach ihrem Palaste. Dort fand sie im hohen Gemache den Gatten, von
Aphrodite geschmückt, in einem Sessel gelagert. Sie setzte sich ihm gegenüber,
kehrte die Augen weg und schalt ihren Gemahl: »So kommst du vom Kampfe zurück?
Lieber sähe ich dich getötet von dem Gewaltigen, der mein erster Gatte war!
Noch kürzlich prahltest du, ihn im Lanzenwurf und im Handgemenge zu besiegen!
Geh nun und fordere ihn noch einmal heraus! Doch nein, ich rate dir, bleib in
Ruhe, das zweitemal dürfte er dir übler mitspielen!« »Kränke mir das Herz nicht
durch deine Schmähungen, Frau«, erwiderte ihr Paris; »wenn Menelaos mich besiegt
hat, so geschah es mit Athenes Hilfe. Ein andermal werde ich über ihn siegen;
die Götter haben auch uns noch nicht vergessen.« Da wandte Aphrodite Helenas
Herz, daß sie den Gatten freundlicher ansah und ihm versöhnt die Lippen zum
Kusse reichte. -

Auf dem Kampfplatze durchstürmte Menelaos noch immer wie ein Raubtier das Heer,
den verschwundenen Paris ausspähend: aber weder ein Trojaner noch ein Grieche
konnte ihm den Fürsten zeigen, und doch hätten sie ihn gewiß nicht verhehlt,
denn er war beiden zuwider wie der Tod. Endlich erhob Agamemnon seine Stimme
und sprach: »Höret mein Wort, ihr Dardaner und Griechen! Menelaos ist der offenbare
Sieger. So gehet uns denn jetzt Helena samt den Schätzen zurück und bezahlet
uns für alle Folgezeit einen Tribut!« Die Argiver nahmen diesen Vorschlag mit
Jubel auf, die Trojaner schwiegen.

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