Gustav Schwab - Achill neu bewaffnet
admin am Mrz 29th 2008
sie die Leichname der Troer, die von Achills Hand gefallen waren. Dann wurde
das Feld ganz trocken und das Wasser gehemmt. Am Ufer fingen die Ulmen, die
Weiden, die Tamarisken und alles Gras zu brennen an; schon schnappten die Aale
und andere Fische, angstvoll und matt von dem Glutanhauche, nach frischem Wasser.
Endlich wogte der Strom selbst in lichten Flammen, und Skamander, der Gott,
rief wimmernd aus seinen Fluten hervor: »Glutatmender Gott, ich begehre nicht,
mit dir zu kämpfen, laß uns vom Streite ruhen; was geht mich die Fehde der Trojaner
und des Achill an!« So klagte er, während seine Gewässer sprudelten, wie Fett
im Kessel über der Flamme brodelt. Endlich wandte er sich laut wehklagend an
die Göttermutter und rief. »Hera, warum quält denn dein Sohn Hephaistos meinen
Strom so entsetzlich? Hab ich doch nicht mehr verschuldet als die andern Götter
alle, soviel ihrer den Trojanern beistehen; jetzt aber will ich ja gerne ruhig
sein, wenn du es befiehlst; nur sollte auch er mich in Ruhe lassen!« Da begann
Hera zu ihrem Sohn: »Halt ein, Hephaistos, martere mir den unsterblichen Gott
nicht länger um der Sterblichen willen!« Jetzt löschte der Feuergott seine Flamme,
der Strom rollte in seine Ufer zurück, und der ferne Simois gab sich auch zufrieden.
Schlacht der Götter
Den andern Göttern tobte dafür das Herz in ungestümer Feindschaft, und im Sturme
prallten sie aneinander, daß der Erdkreis dröhnte und die Luft rings wie von
Posaunen erscholl. Zeus, auf der Spitze des Olymp gelagert, vernahm es, und
sein Herz erbebte vor Wonne, als er die Unsterblichen zum riesenhaften Kampf
aufeinander losrennen sah. Zuerst drang Ares, der Kriegsgott, vor und stürmte
mit seinem ehernen Speer auf Pallas Athene ein, indem er ihr schmähende Worte
entgegenrief: »Du schamloseste Fliege, was treibst du voll stürmischer Dreistigkeit
die Götter zum Kampfe? Weißt du noch, wie du den Tydiden gereizt, daß er mich
mit der Lanze verwundete, ja wie du selbst mit dem strahlenden Speere mir den
unsterblichen Leib verletzt? Jetzt wollen wir die Rechnung miteinander abschließen,
du Unbändige!« So sprach er, schlug an seinen schrecklichen Ägisschild und stieß
mit dem Speer nach der Göttin. Diese wich aus, griff nach einem großen rauhen
Markstein, der dort im Gefilde lag, und traf damit den Wüterich an den Hals,
daß er klirrend in seinen ehernen Waffen zu Boden sank, sieben Hufen Landes
im Fall bedeckend, und sein göttliches Haar vom Staube besudelt ward. Da lächelte
Athene und sprach jubelnd: »Törichter, du hast wohl nie bedacht, wieviel ich
dich an Kraft übertreffe, da du es gewagt hast, dich mit mir zu messen! Büße
jetzt ganz deiner Mutter Hera Verwünschungen, die voll Zornes über dich ist,
daß du dich den Griechen entzogen hast und die übermütigen Trojaner verteidigen
magst.« So redete sie und wandte ihre strahlenden Götteraugen ab. Den schwer
aufstöhnenden Kriegsgott, dem erst allmählich der Atem wiederkehrte, führte
Zeus’ Tochter, Aphrodite, aus der Schlacht; als aber Hera die beiden gewahr
wurde, begann sie zu Athene: »Wehe mir, Pallas, siehest du nicht, wie dreist
dort die weichliche Liebesgöttin den wilden Mörder mitten aus dem entscheidenden
Kampfe durchs Getümmel hinwegführt? Wirst du sie nicht schnell verfolgen?« Nun
stürmte Pallas Athene nach und versetzte der zarten Göttin mit mächtiger Hand
einen Schlag auf die Brust, daß sie zu Boden sank und der verwundete Kriegsgott
mit ihr. »Mögen alle so stürzen«, rief Athene, »die es wagen, den Trojanern
beizustehen! Wäre es jedem der Unsern gelungen wie mir, so hätten wir längst
Ruhe, und Troja wäre zum Schutthaufen unter unsern Händen geworden.« Ein Lächeln
flog über Heras Gesicht, als sie dieses sah und hörte. Darauf sprach der Erderschütterer
Poseidon zu Apollo gewendet: »Phöbos, warum stehen wir so entfernt, da doch
andere den Kampf schon begonnen haben? Es wäre doch eine Schmach für uns, wenn
wir beide zum Olymp zurückkehren wollten, ohne unsere Kraft aneinander versucht
zu haben. So hebe denn du an, bist du doch der Jüngere! Was säumst du? Hat dein
Herz ganz vergessen, wieviel wir beide vor allen Göttern bereits Böses um Troja
geduldet haben, seit wir dein stolzen Laomedon bei dem Bau der Stadtmauer frönten
und er unsere Dienste so schnöde vergalt? Du denkst wohl nicht mehr daran, sonst
würdest du mit uns andern auf die Vernichtung der Trojaner bedacht sein und
nicht dem Volke des trügerischen Laomedon willfahren.« »Beherrscher des Meeres«,
antwortete ihm Phöbos, »ich selbst würde dir nicht bei Besinnung dünken, wenn
ich der Sterblichen wegen, die hinfällig sind wie das Laub im Walde, mit dir,
dem ehrfurchtgebietenden Gotte, kämpfen wollte.« So sprach Apollo und wandte
sich, voll Scheu, wider den Bruder seines Vaters gewaltsam den Arm aufzuheben.
Da spottete seiner die Schwester Artemis und rief höhnend: »Fliehest du schon
vor der Schlacht, du Fernhintreffer, und räumst dem prahlerischen Poseidon den
Sieg ein? Du Tor, was trägst du alsdann auf der Schulter den Bogen, das nichtige
Kinderspiel?« Aber Hera verdroß die Spottrede: »Gedenkst du etwa, weil du dein
Geschoß auf dem Rücken trägst, dich mit mir an Stärke zu messen, du Schamlose?«
sprach sie, »wahrlich, dir wäre besser, du gingst in die Wälder, einen Eber
oder Hirsch zu erlegen, als frech gegen höhere Götter anzukämpfen! Und doch,
weil du so trotzig bis, so magst du meine Hand fühlen.« So schalt sie, ergriff
mit der Linken beide Hände der Göttin am Knöchel, mit der Rechten zog sie ihr
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