Gustav Schwab - Achill neu bewaffnet

admin am Mrz 29th 2008

sich entgegenstehen. Thetis schenkte ihnen zwei herrliche Mischkrüge von Silber,
die ihr Sohn als Ehrengeschenk von Lemnos gebracht hatte. Die Helden griffen
freudig darnach, noch ehe sie an die Heilung ihrer Wunden dachten.

Nun warben Ajax und Teucer, die sich schon im Wettlaufe gemessen hatten, auch
um den Preis des Bogenschießens. Als fernes Ziel stellte Agamemnon einen Helm
mit flatternder Mähne auf. Sieger sollte der sein, dessen Pfeil das Roßhaar
des Schweifes durchschnitte. Ajax schnellte zuerst seinen Pfeil von der Sehne:
der traf den Helm, daß das Erz getroffen erklang. Eilig sandte Teucer auch seinen
Pfeil ab; und siehe, seine Pfeilspitze durchschnitt den Helmschweif, daß die
zuschauenden Helden laut aufjauchzten, denn obwohl sein Fuß noch vom vorigen
Kampfe halb gelähmt war, hatte er doch so zierlich und sicher zu zielen gewußt.
Thetis beschenkte ihn mit der Rüstung des Troilos, des königlichen Jünglings
aus Troja, den Achill in den früheren Jahren des Kampfes erlegt hatte.

Auf diesen Wettkampf folgte das Diskuswerfen; hierin versuchten sich viele
der Helden, aber keiner vermochte die schwere Scheibe so kräftig zu werfen wie
Ajax, der Telamonier, der sie hinausschleuderte, als wäre sie ein verdorrter
Ast. Ihn beschenkte Thetis mit der Rüstung des Göttersohnes Memnon, die der
Held auch sogleich anlegte. Mit Staunen sahen die Danaer, wie Stück für Stück
des riesigen Panzers sich um seine Glieder schloß, als wäre er ihnen angegossen.

Die Reihe kam jetzt an den Wettstreit im Sprunge, in welchem Agapenor der Speerschwinger
siegte und dafür die Waffen des von Achill besiegten Kyknos erhielt. Im Jagdspeerwurf
siegte Euryalos und empfing die silberne Schale, die Achill einst zu Lyrnessos
erbeutet hatte.

Nun folgte der Wettstreit im Wagenrennen. Da schirrten fünf Helden zugleich
ihre Rosse: der Atride Menelaos, Euryalos, Polypötes, Thoas und Eumelos. Dann
stellte sich jeder mit seinem Wagen vor den Schranken auf, schwang die Geißel,
und auf ein gegebenes Zeichen flogen alle fünf zugleich über das Blachfeld hin,
und der Staub vom Sande wirbelte gen Himmel. Bald rannten weit vor den übrigen
die Rosse des Eumelos, nach ihm kam Thoas, dann Menelaos; die beiden andern
blieben allmählich weit und immer weiter zurück: aber auch Thoas ermüdete, die
Pferde des Eumelos strauchelten im allzu raschen Lauf, und als ihr Wagenlenker
sie mit Gewalt zurechtebringen wollte, bäumten sie sich und warfen den Wagen
um, daß Eumelos in den Sand rollte. Ein Geschrei erhub sich aus dem Umkreise
der Zuschauer, und nun flogen die ausdauernden Rosse des Atriden weit vor allen
andern dahin und hielten am Ziele. Der Sohn des Atreus freute sich im Herzen
seines Sieges, ohne sich über die andern Helden zu überheben, und Thetis schenkte
ihm den goldenen Becher, den ihr Sohn einst in Eëtions Palaste erbeutet hatte.

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