Gustav Schwab - Achill neu bewaffnet
admin am Mrz 29th 2008
die Botschaft; diese kamen mit grauenvollem Getöse über das Meer gestürmt und
stürzten sich in den Scheiterhaufen. Die ganze Nacht sausten sie um das Gerüst
und durchwühlten es mit Flammen, während Achill unaufhörlich aus goldnem Krug
und Becher der Seele seines toten Freundes Opferspenden darbrachte. Mit der
Morgenröte ruhten Winde und Flammen, und der Holzstoß fiel in Asche. In der
Mitte der Kohlen lag abgesondert das Gebein des Patroklos; am äußersten Rande
lagen vermischt untereinander die Gebeine der Tiere und Männer. Auf den Befehl
des Peliden löschten die Helden den glühenden Schutt mit rotem Weine, sammelten
unter Tränen das weiße Gebein ihres Freundes, bargen es, mit einer doppelten
Lage von Fett umgeben, in eine goldene Urne und stellten diese im Zelte auf.
Alsdann nahmen sie im Umkreis das Maß zu seinem Denkmal, legten rings um den
abgebrannten Scheiterhaufen einen Grund von Steinen und türmten dann aufgeschüttete
Erde zum Grabhügel.
Auf die Bestattung folgten die Leichenspiele zu Ehren des gefallenen Helden.
Achill berief alles Griechenvolk zusammen, hieß es in weitem Kreise sich setzen
und stellte Dreifüße, Becken, Rosse, Maultiere, mächtige Stiere, gefangene kunstfertige
Weiber in köstlichen Gewanden, dazu lauteres Gold als verschiedene Preise auf.
Zuerst kann das Wagenrennen an die Reihe. Er selbst nahm keinen Teil an diesem
Kampfe; lag doch sein geliebter Wagenlenker im Grab! Dagegen erhub sich Eumelos,
der Sohn Admets, der wagenkundigste Held; Diomedes, der die dem Äneas geraubten
Rosse anschirrte; Menelaos mit seinem Hengste Podargos und Agamemnons Stute
Aithe; dann als vierter Antilochos, der junge Sohn Nestors, dem sein Vater allerlei
weise Ermahnungen für das Wettrennen erteilte; als fünfter endlich schirrte
Meriones seine glänzenden Rosse an den Wagen. Alle fünf Helden bestiegen den
Wagensitz, und Achill schüttelte die Lose, in welcher Ordnung sie aus den Schranken
fahren sollten. Da sprang zuerst das Los des Antilochos aus dem Helme, dann
kamen Eumelos, Meneleaos, Meriones, zuletzt der Tydide. Zum Kampfschauer ward
der graue Phönix, der Kampfgenosse seines Vaters, von dem Peliden bestellt.
Jetzt erhuben alle fünf Fürsten zumal ihre Geißel, schlugen mit den Zügeln,
ermahnten die Rosse und durchstürmten das Blachfeld; dicker Staub erhob sich,
wild flatterten die Mähnen der Pferde, die Wagen rollten bald tief an der Erde
bald flogen sie in schwebendem Sprunge durch die Luft. Hoch standen die Lenker
in den Sitzen, und jedem klopfte das Herz nach dem Sieg. Als sich die Rosse
dem Ende der Laufbahn, die ans Meer grenzte, nahten, da schien jedes ganz Schnelligkeit
zu sein, und alle rannten in gestrecktem Lauf. Zuvorderst sprangen die Stuten
des Eumelos; über Rücken und Schultern atmete ihm schon das Hengstgespann des
Tydiden, als diesem Apollo zürnend die Geißel aus den Händen stieß und so die
Schnelligkeit seiner Rosse hemmte. Athene bemerkte die List, gab dem Helden
die Geißel zurück und zerbrach dem Eumelos das Joch, daß die Stuten auseinandersprangen
und der Lenker sich neben dem Rade verwundet auf dem Boden wälzte. Der Tydide
flog vorüber; ihm zunächst Menelaos; nächst ihm trieb Antilochos seine Rosse
mit scheltendem Zuruf. An einem durchwühlten Hohlwege strauchelte Menelaos,
Antilochos aber fuhr kühn durch den engen Paß an ihm vorbei. Während die zuschauenden
Helden Rosse und Wagen durch den Staub zu erkennen strebten und sich darüber
stritten, war Diomedes, die andern immer hinter sich lassend, mit seinem von
Zinn und Gold schimmernden Wagen am Ziel angekommen. Den dampfenden Rossen strömte
der Schweiß vom Nacken; der Held selbst sprang vom Sitz und lehnte die Geißel
ans Joch. Sein Freund Sthenelos nahm den Kampfpreis in Empfang, ein schönes
Weib und einen gehenkelten Kessel, gab sie den Freunden wegzubringen und schirrte
die Rosse aus. Nächst ihm kam Antilochos an und fast zu gleicher Zeit Menelaos.
Speerwurfsweite davon fuhr etwas träger Meriones einher, und ganz zuletzt schleppte
den versehrten Wagen mit verrenkten Gliedern Eumelos hin. Dennoch wollte diesem
Achill, weil ihn unverschuldetes Unglück getroffen und er der beste Wagenlenker
war, den zweiten Preis erteilen, aber Antilochos fuhr zornig auf. »Mir gehört
der zweite Preis«, sprach er, »die herrliche ungezähmte sechsjährige Stute;
bedauerst du jenen, so hast du Gold, Erz, Vieh, Rosse und Mägde genug im Zelte,
gib ihm davon, was du willst!« Achill lächelte, sprach seinem lieben Altersgenossen
das Roß zu und schenkte dem Eumelos einen herrlichen Harnisch. Aber Menelaos
beschuldigte nun seinerseits den Antilochos, ihm die Rosse mit List gehindert
zu haben, und sann ihm einen Eid beim Schöpfer des Rosses, Poseidon, an. Der
Beschämte gestand sein Vergehen und führte die gewonnene Stute dem Atriden zu.
Dies besänftigte den Zorn des Menelaos; er überließ dem Jünglinge das Roß und
nahm sich den dritten Preis, das Becken. Zwei Talente Goldes als vierten Kampfpreis
erhub Meriones; den übrigen fünften, einen vom Feuer noch unberührten Mischbecher
mit Henkeln, überließ Achill dem Nestor alsGeschenk.
Nun wurde zum Faustkampf geschritten und dem Sieger ein Maultier, dem Besiegten
ein Henkelbecher bestimmt. Sogleich erhub sich ein kraftvoller, gewaltiger Mann,
Epeios, der Sohn des Panopeus, faßte das Tier und rief. »Dieses ist mein, den
Becher nehme, wer will! Das aber verkünde ich: der Leib wird ihm von meiner
Faust zerschmettert, und die Gebeine zermalm ich ihm!« Auf diesen Gruß verstummten
Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33
Gerne gelesen werden auch:
Geschrieben in Erzählungen, Sagen | Kein Kommentar bis jetzt