Märchen

Der alte Hildebrand

Gebrüder Grimm

Der alte Hildebrand

Es war amahl a Baur und a Bäurin, und dö Bäurin, dö hat der Pfarra im Dorf gern gesegn, und da hat er alleweil gwunschen, wann er nur amahl an ganzen Tag mit der Bäurin allan recht vergnügt zubringa kunnt, und der Bäurin, der wars halt a recht gwesn. No, da hat er amahl zu der Bäurin gsagt ‚hanz, mei liebi Bäurin, hietzt hab i was ausstudiert, wie wir halt amahl an ganzen Tag recht vergnügt mitanander zubringa kunnten. Wißts was, ös legts eng aufm Mittwoch ins Bett und sagts engern Mon, ös seits krang, und lamatierts und übelts nur recht, und das treibts fort bis aufm Sunta, wann i die Predi halt, und da wir (werde) i predigen, daß wer z‘ Haus a krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha is, hat, und der tut a Wollfart aufm Göcherliberg in Wälischland, wo ma um an Kreuzer an Metzen Lorberbladen kriegt, dem wirds krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vader, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, oda wers sunst nacha is, auf der Stell gsund.‘

‚Dös wir i schon machen,‘ hat die Bäurm drauf gsagt. No, drauf, aufm Mittwoch hat sie halt d‘ Bäurin ins Bett glegt und hat g,lamatiert und g’übelt als wie, und ihr Mon hat ihr alles braucht, was er nur gwißt hat, ’s hat aber halt nix gholfn. Wie denn der Sunta kuma is, hat d‘ Bäurin gsagt ‚mir is zwar so miserabel, als ob i glei verschaden sollt, aber ans möcht i do no vor mei End, i möcht halt in Herrn Pfarra sei Predi hörn, dö er heund halten wird.‘ ‚A, mei Kind,‘ sagt der Baur drauf, ‚tu du dös nit, du kunntst schlechter wern, wann aufstundst. Schau, es wir i in d‘ Predi gehn und wir recht acht gebe und wir dir alles wieder derzöhln, was der Herr Pfarra gsagt hat.‘ ‚No,‘ hat d‘ Bäurin gsagt, ’so geh halt und gibt recht acht und derzöhl mir alles, was d‘ gehört hast.‘ No, und da is der Baur halt in d‘ Predi ganga, und da hat der Herr Pfarra also angfangt zun predigen und hat halt gsagt, wann ans a krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, z‘ Haus hät, und der wollt a Wollfart machen aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird ’s krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vater, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, auf der Stell gsund wern, und wer also dö Ras unternehma wollt, der soll nach der MeB zu ihm kuma, da wird er ihm den Lorbersack gebn und den Kreuzer. Da war niembd fröher als der Bauer, und nach der Meß is er gleich zum Pfarra ganga, und der hat ihm also den Lorbersack gebn und den Kreuzer. Drauf is er nach Haus kuma und hat schon bei der Haustür eini gschrien ‚juchesha, liebes Weib, hietzt is so viel, als obs gsund warst. Der Herr Pfarra hat heunt predigt, daß, wer a krangs Kind, an krangen Mon, a kranges Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, z‘ Haus hat, und der macht a Wollfart aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird ’s krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vader, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, auf der Stell gsund; und hietzt hab i mir schon den Lorbersack gholt vom Herrn Pfarra und den Kreuzer, und wir glei mein Wanderschaft antreten, daß d‘ desto ehender gsund wirst;, und drauf is er fort ganga. Er war aber kam fort, so is die Bäurin schon auf gwesn, und der Pfarra war a glei do. Hietzt lassen wir aber dö zwa indessen auf der Seiten und gänga mir mit,n Baur. Der is halt alleweil drauf los ganga, damit er desto ehender aufm Göckerliberg kummt, und wie halt so geht, begegnt ihm sein Gvatter. Sein Gvatter, dös war an Armon (Eiermann), und der is just von Mark kuma, wo er seine Ar verkauft hat. ‚Globt seist,‘ sagt sein Gvatter, ‚wo gehst denn so trabi hin, Gvatter?‘ ‚In Ewigkeit, Gvatter,‘ sagt der Baur, ‚mein Weib is krang worn, und da hab i heund in Herrn Pfarra sein Predi ghört, und da hat er predigt, daß, wann aner z‘ Haus an krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vader, a krange Muader, a krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, hat, und er macht a Wollfart aufm Göckerliberg in Wälischland, wo der Metzen Lorberbladen an Kreuzer kost, dem wird’s krange Kind, der krange Mon, ’s krange Weib, der krange Vader, d‘ krange Muader, d‘ krange Schwester, Bruader, oda wers sunst nacha war, auf der Stell gsund, und da hab i mir von Herrn Pfarra den Lorbersack und den Kreuzer gholt, und hietzt trit i halt mein Wanderschaft an.‘ ‚Aber hanz, Gvatter,‘ hat der Gvatter zum Baur gsagt, ’seits denn gar so dacket (einfältig), daß so was glauben könts? Wißts, was is? der Pfarra möcht gern mit engern Weib an ganzen Tag allan recht vergnügt zubringa, drum habn’s eng den Bärn anbunden, daß ihr,en aus,n Füßen kumts.‘ ‚Mein ,‘ hat der Baur gsagt, ’so möcht i do wissen, ob das wahr is.‘ ‚No,‘ hat der Gvatter gsagt, ‚wast was, setz di in mein Arkorb eini, so will i di nach Haus tragn, und da wirst es selber segn.‘ No, das is also geschegn, und den Baur hat sein Gvatter in sein Arkorb eini gsetzt, und der hat,n nach Haus tragn. Wie’s nach Haus kuma san, holla, da is schon lusti zuganga. Da hat die Bäurin schon fast alles, was nur in ihren Hof war, abgstochen ghabt, und Krapfen hats bachen, und der Pfarra war a schon da und hat a sein Geige mitbracht ghabt. Und da hat halt der Gvatter anklopft, und d‘ Bäurin hat gfragt, wer draußen war. ‚I bins, Gvatterin,‘ hat der Gvatter gsagt, ‚mei, gebts mir heund nacht a Herberg, i hab meini Ar aufm Mark nit verkauft, und hietzt muß i’s wieder nach Haus trage, und sö san gar z‘ schwar, i bring’s nit fort, es is a schon finster.‘ ‚Ja, mein Gvatter,‘ sagt d‘ Bäurin drauf, ‚ös kumts mir recht zur unglegna Zeit. No, weils halt her nit anders is, so kömts eina und setzts eng dort auf d‘ Ofenbank.‘ No hat sie der Gvatter also mit sein Buckelkorb auf d‘ Ofenbank gsetzt. Der Pfarra aber und d‘ Bäurin, dö warn halt recht lusti. Endli fangt der Pfarra an und sagt ‚hanz, mein liebi Bäurin, ös könnts ja so schön singa, singts mir do ans.‘ ‚A,‘ sagt die Bäurin, ‚hietzt kann i nix mehr singa, ja, in mein junge Jahren, da hab i’s wohl könna, aber hietzt is schon vorbei.‘ ‚Ei,‘ sagt wie der der Pfarra, ’singts do nur a bißl.‘ No, da fangt die Bäurin an und singt

‚i hab mein Mon wohl ausgesandt

aufm Göckerliberg in Wälischland‘

Drauf singt der Pfarra

‚i wollt, er blieb da a ganzes Jahr,

was fragt i nach dem Lorbersack.

Halleluja!‘

Hietzt fangt der Gvatter hinten an und singt (da muß i aber derzöhln, daß der Baur Hildebrand ghassen hat), singt also der Gvatter

‚ei du, mein lieber Hildebrand,

was machst du auf der Ofenbank?

Halleluja!‘

Und hietzt singt der Baur in Korb drinna

‚hietzt kann i das Singa nimmermehr leiden,

hietzt muß i aus mein Buckelkorb steigen.‘

Und steigt aus’n Korb und prügelt den Pfaffen beim Haus hinaus.

Der alte Großvater und sein Enkel

Gebrüder Grimm

Der alte Großvater und sein Enkel

Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floß ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen mußte sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm naß. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus mußte er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da ?“ fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein“, antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an Fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

De wilde Mann

Gebrüder Grimm

De wilde Mann

Et was emoel en wilden Mann, de was verwünsket, un genk bie de Bueren in den Goren (Garten), un in’t Korn, un moek alles to Schande. Do klagden se an eeren Gutsheeren se können eere Pacht nig mehr betalen, un do leit de Gutsheer alle Jägers bie ene kummen : we dat Dier fangen könne, de soll ’ne graute Belohnung hebben. Do kümmt do en ollen Jäger an, de segd he wüll dat Dier wull fangen. Do mött se em ’ne Pulle met Fusel (Branntwein), un ’ne Pulle met Wien, un ’ne Pulle met Beer gierwen (geben), de settet he an dat Water, wo sick dat Dier alle Dage wäskt. Un do geiht he achter en Baum stohn, do kümmt dat Dier, un drinket ut de Pullen, do leckt et alle de Mund, un kickt herüm ov dat auck well süht. Do wird et drunken, un do geit et liegen un schlöpd. Do geit de Jäger to, un bind et an Händen un Föten, do weckt he et wier up, un segd ’du wilde Mann, goh met, söck sast du alle Dage drinken.’ Do nimmt he et mit noh dat adlicke Schloß, do settet se et in den Thornt, un de Heer geit to andre Nobers, de söllt seihn (sehen) wat he för’n Dier fangen hed. Do spierlt ene von den jungen Heerens met’n Ball, un let de in den Thornt fallen, un dat Kind segd ’wilde Mann, schmiet mie den Ball wier to.’ Do segd de wilde Mann ’den Ball most du sölvst wier hahlen.’ ’Je,’ segd dat Kind, ’ich heve kinen Schlürtel.’ ’Dann mack du dat du bie dien Mooer eere Tasken kümmst, un stehl eer den Schlürtel.’ Da schlüt dat Kind den Thornt orpen, un de wilde Mann löpd derut. Do sänk dat Kind an to schreien ’o wilde Mann, bliev doch hier, ich kriege süs Schläge.’ Do niermt de wilde Mann dat Kind up de Nacken, un lopd dermet de Wildnis herin; de wilde Mann was weg, dat Kind was verloren. De wilde Mann de tüt dat Kind en schlechten Kiel (Kittel) an, un schickt et noh den Görner an den Kaisers Hof, do mot et fragen ov de kinen Görnersjungen van dohn (nöthig) hed. Do segd de he wöre so schmeerig antrocken, de annern wullen nig bie em schlopen. Do seg he he wull int Strauh liegen, un geit alltied des Morgens fröh in den Goren, do kümmt em de wilde Mann entgiergen, do seg he, ’nu waske die, nu kämme di.’ Un de wilde Mann mackt den Goren so schön, dat de Görner et sölvst nig so gut kann. Un de Prinzessin süt alle Morgen den schönen Jungen, do seg se to den Görner de kleine Lehrjunge söll eer een Busk Blomen brengen. Un se frög dat Kind van wat för Stand dat et wöre, do seg et ja dat wüs et nig; do giv se em en broden Hohn vull Ducoeten. Es he in kümmt, giv he dat Geld sinen Heeren, un seg ’wat sall ick do met dohn, dat bruckt ji men.’ Un he moste eer noh enen Busk Blomen brengen, do giv se em ’ne Aant (Ente) vull Ducoeten, de giv he wier an sinen Heeren. Un do noh enmoel, do giv se em ’ne Gans vull Ducoeten, de giv de Junge wier an sinen Heeren. Do ment de Prinzessin he hev geld, un he hev nix, un do hierothet se em in’t geheem, un do weeret ehre Öldern so beise, un setten se in dat Brauhuse, do mot se sick met spinnen ernähren, un he geit in de Kücke, un helpt den Kock de Broden dreien, unsteld manxden (zuweilen) en Stück Fleesk, un bringd et an sine Frau.

Do kümmt so’n gewoltigen Krieg in Engelland, wo de Kaiser hin mott un alle de grauten Heerens, do segd de junge Mann he wull do auck hen, ov se nig no en Perd in Stall hedden, un se saden se hedden noh ent, dat gönk up drei Beenen, dat wör em gut genog. He settet sick up dat Perd, dat Perd dat geit alle husepus husepus. Do kümmt em de wilde Mann in de möte (entgegen), do döt sick so’n grauten Berg up, do sind wull dusend Regimenter Soldaten un Offzeers in, do dät he schöne Kleeder an, un krigd so’n schön Perd. Do tüt (zieht) he met alle sin Volk in den Krieg noh Engelland, de Kaiser enfänk en so fröndlick, un begerd en he mög em doh biestoen. He gewinnt de Schlacht, un verschleit alles. Do dät sick de Kaiser so bedanken vör em, un frägd wat he för’n Heer wöre, he segd ’dat froget mie men nig, dat kann ick ju nig seggen.’ He ritt met sin Volk wier ut Engelland, do kümmt em de wilde Mann wier entgiergen, un döt alle dat Volk wier in den Berg, un he geit wier up sein dreibeenige Perd sitten. Do seget de Luide ’do kümmet usse Hunkepus wier an met dat dreibeenige Perd,’ un se froget ’wo hest du achter de Hierge (Hecke) lägen, un hest schlopen?’ ’Je,’ segd he, ’wenn ick der nig wör west, dann hädde et in Engelland nig gut gohn.’ Se segget ’Junge, schwieg stille, süs giv die de Heer wat up d’Jack.’ Un so genk et noh tweenmoel, un ton derdenmoel gewient he alles; do kreeg he en Stick in den Arm, do niermt de Kaiser sinen Dock (Tuch), un verbind em de Wunden. Do neidigt (nöthigt) se em he mög do bie ihnen bliewen, ’ne, ick bliewe nig bie ju, un wat ick sin, geit ju nig an.’ Do kümmet em de wilde Mann wier entgiergen, un deih alle dat Volk wier in den Berg, un he genk wier up sin Perd sitten, un genk wier noh Hues. Do lachten de Luide, un segden ’do kümmt usse Hunkepus wier an, wo hest du doh lägen un schlopen?’ He seg ’ick heve förwohr nig slopen, nu is ganz Engelland gewunnen, un et is en wohren Frerden (Frieden).’

Do segde de Kaiser von den schönen Ritter, de em hev biestohen; do seg de junge Mann to en Kaiser ’wöre ick nig bie ju west, et wöre nig guet gahen.’ Do will de Kaiser em wat upn Buckel gierwen, ’ji,’ seg he, ’wenn ji dat nig gleiwen willt, will ick ju minen Arm wiesen.’ Un asse he den Arm wiest, un asse de Kaiser de Wunde süt, do wert he gans verwündert, un segd ’vielleicht büst du Gott sölvst ader en Engel, den mie Gott toschickt hev,’ un bat em üm Verzeihnüs dat he so grov met em handelt hädde, un schenket em sin ganse Kaisersgut. Un de wilde Mann was   erlöset, un stund ase en grauten Künig för em, un vertelde em de ganse Sacke, un de Berg was en gans Künigsschloß, un he trock met sine Frau derup, un lerweten vergnögt bis an eeren Daud.

De Spielhansl

Gebrüder Grimm

De Spielhansl

Is is emohl e Mon gewön, der hot ninx us (als) g’spielt, und do hobend’n d,Leut nur in Spielhansl g’hoaßen, und wal (weil) er gor nit afg’hört zen spieln, so hot er san (sein) Haus und ullss (alles) vespielt. Hietzt (jetzt), nette (eben) in lötzten Tog, eh’s iahm (ihm) d’Schuldne schon s‘ Haus hobend wögnehme willn, is unse Herrgout un de halli Pedrus kemme und hobend g’sogt, er sull’s übe d,Nacht g’holte (bei sich behalten). Oft (da) hot de Spielhansl g’sogt ‚wögn meine kints do bleibn döi Nocht; ober i kong eng koan Bött und ninx z’össn (zu essen) gebn.‘ Oft hot unse Herrgout g’sogt, er sulls ne (nur) g’holten, und söi willetn ian (ihnen) selbe wos z’össn kaffen; dos is in Spielhansl recht g’wön. Oft hot iahm de halli Pedrus drei Grouschn gebn, un er sull zen Böcke (Bäcker) gehn und e Brod huhln. Hietzt is hullt (halt) de Spielhansl gonge, wie er aber ze den Haus kemme is, wou die onnen Spiellumpn drin g’wön sand, döi iahm ullss og’wunge hobnd, do hobn’s n g’ruefft und hobend g’schrien ‚Hansl, geh ahne (herein).‘ ‚Jo,‘ hot er g’sogt, ‚willt’s me die drei Grouschn a non og’winge.‘ Döi hobnd’n obe (aber) nit ausg’lossn. Hietzt is e hullt anhi (hinein) und oft hot e die drei Grouschn a non vespielt. De halli Pedrus und unse Herrgout hobnd ollewall (immer) g’wort’t, und wie er ian z’long nit kemme is, sand’s iahm intgögn gonge. De Spielhansl obe, wie er kemme is, hot ton, us wenn iahm’s Geld in ne Locken (Lacken) g’folln war, und hot ollewall drin herumkrobbelt: obe unse Herrgout hots schon g’wißt, daß e’s vespielt hot. Oft hot iahm de halli Pedrus non mohl drei Grouschn gebn. Hietzt hot e sie obe nimme veführn losse und hot ian s‘ Brod brocht. Oft hot’n unse Herrgout g’frogt, wou e koan’n Wein nit hot, do hot e g’sogt ‚u, Herr, d’Fasse sand alli laar.‘ Oft hot unse Herrgout g’sogt, er sull ner in Költe (Keller) ohi (hinab) gehn, ‚is is non de böst Wein int.‘ Er hots long nit glaubn willn, obe af d,löst hot er g’sagt ‚i will ohi gehn, ober i woaß’s, daß koane int is.‘ Wie er obe’s Fassl onzapft hot, se is de böst Wein ausse g’runne. Hietzt hot er ian in Wein brocht, und döi zwoa sand übe d,Nocht do blieb’n. In onnen Tog, in de Früe, hot unse Herrgout zen Spielhansl g’sogt, er sull sie (sich) drei Gnodn ausbittn. Er hot g’moant, er wird sie ’n Himmel ausbittn, obe de Spielhansl hot bettn um e Kortn, mit der er ulls g’wingt; um Würfl, mit den er a ullss g’wingt, und um en Bam (Baum), wo ulls Oubst draf wochst, und wonn oane (einer) affi steigt, daß er nimme ohe kon (herab kann), bis er iahm’s schofft (befiehlt). Hietzt hot iahm unse Herrgout ullss gebn, wos er velangt hot, un is mit’n hallin Pedrus wiede fuert (fort).

Hietzt hot hullt de Spielhansl erst recht zen spieln ong’fongt, und hätt bold d, halbeti Welt zomg’wunge. Oft hot de halli Pedrus ze’n unse Herrgoutn g’sogt ‚Herr, dos Ding tuet koan guet, er g’winget af d,löst non (noch) d,ganzi Welt; me müeßn iahm in (den) Toid schickn.‘ Hietzt habends iahm in Toid g’schickt. Wie de Toid kemme is, is de Spielhansl nette be’n Spieltisch g’sössn; oft hot de Toid g’sogt ‚Hansl, kimm e Bissl ausse.‘ De Spielhansl obe hot g’sogt ‚wort nur e Bissl, bis dos G’spiel aus is, und steig dewall e weng af’n Bam do affi und brouck uns e wengerl wos o, daß me afn Wög wos z’noschn hobn.‘ Hiezt is hullt de Toid affi g’stiegn, und wie e wiede hot ohi wille, hot i nit kinne, und de Spielhansl hot’n sieben Johr droubn lossn, und dewall is koan Mensch nit g’storbn.

Oft hot de halli Pedrus zen unsen Herrgoutn g’sogt ‚Herr, dos Ding tuet koan guet, is sterbet jo koan Mensch mehr; mir müeßn schon selbe kemme.‘ Hietzt sand’s hullt selbe kemme, und do hot iahm unse Herrgout g’schofft, daß er in Toid ohe lossn sull. Oft is er obe glei gonge und hot zen Toid g’sogt ‚geh ohe,‘ und der hot’n glei g’numme und hot’n okragelt (erwürgt). Oft sands mit enonne fuert und sand in d, onneri Welt kemme, do is hullt man (mein) Spielhansl zen Himmeltoir gonge und hot onkloupft. ‚Wer is draußt?‘ ‚De Spielhansl.‘ ‚Ach, den brauche me nit, geh ne wiede fuert.‘ Oft is e zen Fegfuirtoir gonge und hot wiede kloupft. ‚Wer is draußt?‘ ‚De Spielhansl.‘ ‚Ach is is e so (ohne das) Jomme und Noit g’nue be’n uns, mir willn nit spieln; geh ne wiede fuert.‘ Oft is e zehn Hüllntoir gonge, und do hoben’s n anhi lossn, is is obe niamd dehoambt g’wön, us de olti Luzifar und krumpn Tuifln (die g’rodn hobn af de Welt z’toan g’hot), und oft hot e si glei ine (nieder) g’sötzt und hot wiede zen spieln ong’fongt. Hietzt hot obe de Luzifar ninx g’hot, us sani krumpn Tuifln: döi hot iahm de Spielhans og’wunge, wall e mit sann Kortn ulls hot g’winge müeßn. Hietzt ist e mit sann krumpn Tuifln fuert, und oft sand’s af Hoihefuert (nach Hohenfuert), und hobnd d‘ Houpfnstange ausg’rissn und san demit zen Himmel affi und hobnd zen wägn ong’fognt; und hietzt hot de Himmel schon krocht (gekracht). Oft hot de halli Pedrus wiede g’sogt ‚Herr, dos Ding tuet koan guet, mir müßn ne anhe (herein) lossn, sunst werfet er uns in Himml ohi (hinab).‘ Hietzt hobnd’s n, hullt anhi lossn. Obe de Spielhansl hot glei wiede zen spieln ong’fongt, und do ist glei e Lärm und e Getös won (worden), daß me san oagns Wort nit verstondn hot. Oft hat de halli Pedrus wiede g’sogt ‚Herr, dos Ding tuet koan guet, mir müeßn ne ohi werfen, er machet uns sunst in gonzn Himml rewellisch.‘ Hietzt sands hullt her und hobnd’n ohe g’worfn, und da hot sie san Seel z’toalt (hat sich seine Seele zerteilt) und is in d’onnen Spiellumpn g’fohrn, döi non (noch) bis date lebnd.

De Gaudeif un sien Meester

Gebrüder Grimm

De Gaudeif un sien Meester

Jan wull sien Sohn en Handwerk lehren loeten, do gonk Jan in de Kerke un beddet to ussen Herrgott, wat üm wull selig (zuträglich) wöre: do steit de Köster achter dat Altar und seg ‚dat Gaudeifen, dat Gaudeifen (gaudieben).‘ Do geit Jan wier to sien Sohn‘ he möst dat Gaudeifen lehren, dae hedde em usse Herrgott segt. Geit he met sienen Sohn und sögt sik enen Mann, de dat Gaudeifen kann. Do goht se ene ganze Tied, kummt in so’n graut Wold, do steit so’n klein Hüsken mot so’ne olle Frau derin; seg Jan ‚wiet ji nich enen Mann, de dat Gaudeifen kann?‘ ‚Dat känn ji hier wull lehren,‘ seg de Frau ‚mien Sohn is en Meester dervon.‘ Do kührt (spricht) he met den Sohn, of he dat Gaudeifen auk recht könne? De Gaudeifsmeester seg ‚ick willt juen Sohn wull lehren, dann kummt övern Johr wier, wann ji dann juen Sohn noch kennt, dann wil ick gar kien Lehrgeld hebben, un kenne ji em nig, dann müge ji mi twe hunnert Dahler giewen.‘ De Vader geit wier noh Hues, un de Sohn lehret gut hexen und gaudeifen. Asse dat Johr um is, geit de Vader alle un grient, wu he dat anfangen will, dat he sienen Sohn kennt. Asse he der so geit un grient, do kümmt em so’n klein Männken in de Möte (entgegen), dat seg ‚Mann, wat grien ji? ji sind je so bedröft.‘ ‚O,‘ seg Jan, ‚ick hebbe mienen Sohn vör en Johr bi en Gaudeifsmeester vermet, do sede de mig, ick söll övert Johr wier kummen, un wann ick dann mienen Sohn nich kennde, dann söll ick em twe hunnert Dahler giewen, und wann ick em kennde, dann höf ick nix to giewen; nu sin ick so bange, dat ick em nig kenne, un ick weet nig, wo ick dat Geld her kriegen sall.‘ Do seg dat Männken, he söll en Körsken Braut met niemen, un gohen unner den Kamin stohen: ‚do up den Hahlbaum steit en Körfken, do kiekt en Vügelken uht, dat is jue Sohn.‘

Do geit Jan hen un schmit en Körsken Schwatbraut vör den Korf, do kümmt dat Vügelken daruht un blickt der up. ‚Holla, mien Sohn, bist du hier?‘ seg de Vader. Do freude sick de Sohn, dat he sienen Vader sog; awerst de Lehrmeester seg ‚dat het ju de Düvel in giewen, wu könn ji sus juen Sohn kennen?‘ ‚Vader, loet us gohn,‘ sede de Junge.

Do will de Vader met sienen Sohn nach Hues hengohn, unnerweges kümmt der ne Kutske anföhren, do segd de Sohn to sienen Vader ‚ick will mie in enen grauten Windhund maken, dann künn ji viel Geld met mie verdienen.‘ Do röpt de Heer uht de Kutske ‚Mann, will ji den Hund verkaupen?‘ ‚Jau,‘ sede de Vader. ‚Wu viel Geld will ji den vör hebben?‘ ‚Dertig Dahler.‘ ‚Je, Mann, dat is je viel, men wegen dat et so,n eislicke rohren Ruen (gewaltig schöne Rüde) is, so will ick en behollen.‘ De Heer nimmt en in siene Kutske, asse de en lück (wenig) wegföhrt is, da sprinkt de Hund uht den Wagen dör de Glase, und do was he kien Windhund mehr und was wier bie sienen Vader.

Do goht sie tosamen noh Hues. Den annern Dag is in dat neigste Dorb Markt, do seg de Junge to sienen Vader ‚ick will mie nu in en schön Perd maken, dann verkaupet mie; averst wann ji mie verkaupet, do möt ji mi den Taum uttrecken, süs kann ick kien Mensk wier weren.‘ Do treckt de Vader met dat Perd noh’t Markt, do kümmt de Gaudeifsmeester un köft dat Perd för hunnert Dahler, un de Vader verget un treckt em den Taum nig uht. Do treckt de Mann met das Perd noh Hues, un doet et in en Stall. Asse de Magd öwer de Dehle geit, do segt dat Perd ‚tüh mie den Taum uht, tüh mie den Taum uht.‘ Do steiht de Magd un lustert ‚je, kannst du kühren?‘ Geit hen un tüht em den Taum uht, do werd dat Perd en Lüning (Sperling), un flügt öwer de Döre, un de Hexenmeester auk en Lüning und flügt em noh. Do kümmt se bie ene (zusammen), un bietet sick, averst de Meester verspielt un mäk sick in’t Water un is en Fisk. Do werd de Junge auk en Fisk, un se bietet sick wier, dat de Meester verspielen mot. Do mäk sick de Meester in en Hohn, un de Junge werd en Voß und bitt den Meester den Kopp af; do is he storwen un liegt daut bes up düssen Dag.

De drei Vugelkens

Gebrüder Grimm

De drei Vugelkens

Et is wul dusent un meere Jaare hen, da wören hier im Lanne luter kleine Künige, da hed auck einer up den Keuterberge wünt (gewohnt), de gink sau geren up de Jagd. Ase nu mal mit sinen Jägern vom Schlotte heruttrok, höen (hüteten) unner den Berge drei Mäkens ire Köge (Kühe), un wie sei den Künig mit den vielen Lüen (Leuten) seien, so reip de ölleste den annern beden Mäkens to, un weis up den Künig, ‚helo! helo! wenn ik den nig kriege, so will ik keinen.‘ Da antworde de zweide up de annere Side vom Berge, un weis up den, de dem Künige rechter Hand gink, ‚helo! helo! wenn ik den nig kriege, so will ik keinen.‘ Da reip de jüngeste, un weis up den, de linker Hand gink, ‚helo! helo! wenn ik den nig kriege, so will ik keinen.‘ Dat wören awerst de beden Ministers. Dat hörde de Künig alles, und ase von der Jagd heime kummen was, leit he de drei Mäkens to sik kummen un fragete se, wat se da gistern am Berge segd hedden. Dat wullen se nig seggen, de Künig frog awerst de ölleste, ob se ün wol tom Manne hewen wulle. Da segde se ja, un ere beiden Süstern friggeten de beiden Ministers, denn se wören alle drei scheun un schier (klar, schön) von Angesicht, besunners de Künigin, de hadde Hare ase Flass.

De beiden Süstern awerst kregen keine Kinner, un ase de Künig mal verreisen moste, let he so tor Künigin kummen, um se up to munnern, denn se was grae (gerad) swanger. Se kreg en kleinen Jungen, de hadde ’n ritsch roen (roten) Stern mit up de Weld. Da sehden de beiden Süstern, eine tor annern, se wullen den hübsken Jungen in’t Water werpen. Wie se’n darin worpen hadden (ick glöwe, et is de Weser west), da flügt ’n Vügelken in de Högte, dat sank

‚tom Daude bereit,

up wietern Bescheid

tom Lilienstrus:

wacker Junge, bist du’s?‘

Da dat de beiden hörten, kregen se de Angst up’n Lieve, un makten, dat se fort keimen. Wie de Künig na Hus kam, sehden se to üm, de Künigin hedde ’n Hund kregen. Da segde de Künig ‚wat Gott deiet, dat is wole dahn.‘

Et wunde awerst ’n Fisker an den Water, de fiskede den kleinen Jungen wier herut, ase noch ewen lebennig was, un da sine Fru kene Kinner hadde, foerden (fütterten) s,en up. Na’n Jaar was de Künig wier verreist, da krig de Künigin wier ’n Jungen, den namen de beiden falsken Süstern un warpen ’n auck in’t Water, da flügt dat Vügelken wier in de Högte un sank:

‚tom Daude bereit,

up wietern Bescheid

tom Lilienstrus:

wacker Junge, bist du’s?‘

Un wie de Künig torügge kam, sehden se to üm, de Künigin hedde wier ’n Hund bekummen, un he segde wier ‚wat Gott deit, dat is wole dahn.‘ Awerst de Fisker trok düsen auck ut den Water un foerd ’n up.

Da verreisede de Künig wier‘ un de Künigin kreg ’n klein Mäken, dat warpen de falsken Süstern auck in’t Water. Da flügt dat Vügelken wier in de Högte un sank

‚tom Daude bereit,

up wietern Bescheid

tom Lilienstrus:

wacker Mäken, bise du’s?‘

Un wie de Künig na Hus kam, sehden se to üm, de Künigin hedde ’ne Katte kregt. Da worde de Künig beuse, un leit sine Fru in’t Gefängnis smieten, da hed se lange Jaare in setten.

De Kinner wören unnerdes anewassen, da gink de öIleste mal mit annern Jungens herut to fisken, da wüllt ün de annern Jungens nig twisken sik hewen un segget ‚du Fündling, gaa du diner Wege.‘ Da ward he gans bedröwet un fräggt den olen Fisker, ob dat war wöre. De vertellt ün, dat he mal fisked hedde, un hedde ün ut den Water troken (gezogen). Da segd he, he wulle furt un sinen Teiten (Vater) söken. De Fisker, de biddet ’n, he mögde doch bliven, awerst he let sik gar nich hallen, bis de Fisker et tolest to givt. Da givt he sik up den Weg un geit meere Dage hinner’n anner, endlich kümmt he vor ’n graut allmächtig Water, davor steit ’ne ole Fru un fiskede. ‚Guden Dag, Moer,‘ segde de Junge. ‚Groten Dank.‘ ‚Du süst da wol lange fisken, e du ’n Fisk fängest.‘ ‚Und du wol lange söken, e du dinen Teiten findst. Wie wust du der denn da över’t Water kummen?‘ sehde de Fru. ‚Ja, dat mag Gott witten.‘ Da nümmt de ole Fru ün up den Rüggen un dragd ’n derdörch, un he söcht lange Tiid un kann sinen Teiten nig finnen. Ase nu wol ’n Jaar veröwer is, da trekt de tweide auck ut un will sinen Broer söken. He kümmt an dat Water, un da geit et ün ewen so, ase sinen Broer. Nu was nur noch de Dochter allein to Hus, de jammerde so viel na eren Broern, dat se upt lest auck den Fisker bad, he mögte se treken laten, se wulle ere Broerkes söken. Da kam se auck bie den grauten Water, da sehde se tor olen Fru ‚guden Dag, Moer.‘ ‚Groten Dank.‘ ‚Gott helpe ju bie juen fisken.‘ Ase de ole Fru dat hörde, da word se gans fründlich un drog se över’t Water un gab er ’n Roe (Rute), un sehde to er ’nu gah man jümmer up düsen Wege to, mine Dochter, un wenn du bie einen groten swarten Hund vorbei kümmst, so must du still un drist, un one to lachen un one ün an to kiken, vorbie gaan. Dann kümmest du an ’n grot open Schlott, up’n Süll (Schwelle) most du de Roe fallen la ten un stracks dörch dat Schlott an den annern Side wier herut gahen; da is ’n olen Brunnen, darut is ’n groten Boom wassen, daran hänget ’n Vugel im Buer, den nümm af: dann nümm noch ’n Glas Water ut den Brunnen un gaa mi düsen beiden den sülvigen Weg wier torügge: up den Süll nümm de Roe auck wier mit, un wenn du dann wier bie den Hund vorbie kummst, so schlah ün in’t Gesicht, awerst sü to, dat du ün treppest, un dann kumm nur wier to me torügge.‘ Da fand se et grade so, ase de Fru et sagt hadde, un up den Rückwege, da fand se de beiden Broer, de sik de halve Welt durchsöcht hadden. Se gink tosammen, bis wo de swarte Hund an den Weg lag, den schlog se in’t Gesicht, da word et ’n schönen Prinz, de geit met ünen, bis an dat Water. Da stand da noch de ole Fru, de frögede sik ser, da se alle wier da wören, un drog se alle över’t Water, un dann gink se auck weg, denn se was nu erlöst. De annern awerst gingen alle na den olen Fisker, un alle wören froh, dat se sik wier funnen hadden, den Vugel awerst hüngen se an der Wand.

De tweide Suhn kunne awerst nig to Huse rasten, un nam ’n Flitzebogen un gink up de Jagd. Wie he möe was, nam he sine Flötepipen un mackte ’n Stücksken. De Künig awerst wör auck up de Jagd un hörde dat, da gink he hin, un wie he den Jungen drap, so sehde he ‚we hett die verlöwt, hier to jagen?‘ ‚O‘ neimes (niemand).‘ ‚Wen hörst du dann to?‘ ‚Ik bin den Fisker sin Suhn.‘ ‚De hett ja keine Kinner.‘ ‚Wenn du’t nig glöwen wust, so kum mit.‘ Dat dehe de Künig un frog den Fisker, de vertälle ün alles, un dat Vügelken an der Wand fing an to singen

‚de Möhme (Mutter) sitt allein

wol in dat Kerkerlein.

O Künig, edeles Blod,

dat sind dine Kinner god.

De falsken Süstern beide

de dehen de Kinnerkes Leide,

wol in des Waters Grund,

wo se de Fisker fund.‘

Da erschraken se alle, un de Künig nahm den Vugel, den Fisker un de drei Kinner mit sik na den Schlotte un leit dat Gefänknis upschluten un nam sine Fru wier herut, de was awerst gans kränksch un elennig woren. Da gav er de Docheer von den Water ut den Brunnen to drinken, da war se frisk un gesund. De beiden falsken Süstern wören awerst verbrennt, un de Dochter friggede den Prinzen.

De drei schwatten Prinzessinnen

Gebrüder Grimm

De drei schwatten Prinzessinnen

Ostindien was von den Fiend belagert, he wull de Stadt nig verloeten, he wull ersten seshundert Dahler hebben. Do leiten se dat ut trummen, well de schaffen könne, de soll Börgemester weren. Do was der en armen Fisker, de fiskede up de See mit sinen Sohn, do kam de Fiend un nam den Sohn gefangen und gav em daför seshundert Dahler. Do genk de Vader hen und gav dat de Heerens in de Stadt, und de Fiend trock av und de Fisker wurde Börgemester. Do word utropen, wer nig ‚Heer Börgermester, segde, de soll an de Galge richtet weren.

De Sohn, de kam de Fiend wier ut de Hände un kam in en grauten Wold up en haujen Berg. De Berg, de dei sick up, do kam he in en graut verwünsket Schloß, woin Stohle, Diske un Bänke alle schwatt behangen wören. Do queimen drei Prinzessinnen, de gans schwatt antrocken wören, de men en lück (wenig) witt in’t Gesicht hädden, de segden to em, he soll men nig bange sien, se wullen em nix dohn, he könn eer erlösen. Do seg he je, dat wull he gern dohn, wann he men wüste, wo he dat macken söll. Do segget se, he söll en gans Johr nig met en kühren (sprechen) un söll se auck nig anseihen; wat he gern hebben wull, dat söll he men seggen, wann se Antwort giewen dörften (geben dürften), wullen se et dohn. As he ,ne Tied lang der west was, sede he, he wull asse gern noh sin Vader gohn, da segget se, dat söll he men dohn, düssen Buel (Beutel) met Geld söll he met niermen, düsse Klöder soll he antrecken, un in acht Dage möst he der wier sin.

Do werd he upnurmen (aufgehoben), un is glick in Ostindien. Do kann he sin Vader in de Fiskhütte nig mer finden un frög de Luide, wo doh de arme Fisker blierwen wöre, do segget se, dat möst he nig seggen, dann queim he an de Galge. Do kümmet he bi sin Vader, do seg he ‚Fisker, wo sin ji do to kummen?‘ Do seg de ‚dat möt ji nig seggen, wann dat de Heerens van de Stadt gewahr weeret, kümme ji an de Galge.‘ He willt ober gar nig loten, he werd noh de Galge bracht. Es he do is, seg he ‚o mine Heerens, gierwet mie doh Verlöv, dat ick noh de olle Fiskhütte gohn mag.‘ Do tüt he sinen ollen Kiel an, do kümmet he wier noh de Heerens un seg ’seih ji et nu wull, sin ick nig en armen Fisker sinen Sohn? in düt Tueg heve ick minen Vader und Moder dat Braud gewunnen.‘ Do erkennet se en un badden üm Vergiebnüs un niermt en met noh sin Hues, do verteld he alle, wü et em gohn hev, dat he wöre in en Wold kummen up en haujen Berg, do hädde sick de Berg updohn, do wöre he in en verwünsket Schloß kummen, wo alles schwatt west wöre, un drei Prinzessinnen wören der an kummen, de wören schwatt west, men en lück witt in’t Gesicht. De hädden em segd, he söll nig bange sien, he könn eer erlösen. Do seg sine Moder, dat mög wull nig guet sien, he soll ,ne gewiehte Wasskeefze met niermen un drüppen (tropfen) eer gleinig (glühend) Wass in’t Gesicht.

He geit wier hen, und do gruelte (graute) em so, un he drüppde er Wass in’t Gesicht, asse se sleipen, un se wören all halv witt. Do sprüngen alle de drei Prinzessinnen up un segden ‚de verfluchte Hund, usse Bloet soll örfer die Rache schreien, nu is kin Mensk up de Welt geboren un werd geboren, de us erlösen kann, wie hevet noh drei Bröders, de sind in siewen Ketten anschloeten, de söllt die terreiten.‘ Do givt et en Gekriesk in’t ganse Schloß, un he sprank noh ue dat Fenster un terbrack dat Been, un dat Schloß sunk wier in de Grunde, de Berg was wier to, un nümmes wust, wo et west was.

De beiden Künigeskinner

Gebrüder Grimm

De beiden Künigeskinner

Et was mol en Künig west, de hadde en kleinen Jungen kregen, in den sin Teiken (Zeichen) hadde stahn, he sull von einen Hirsch ümmebracht weren, wenn he sestein Johr alt wäre. Ase he nu so wit anewassen was, do giengen de Jägers mol mit ünne up de Jagd. In den Holte, do kümmt de Künigssohn bie de anneren denne (von den andern weg), up einmol süht he do ein grooten Hirsch, den wull he scheiten, he kunn en awerst nig dreppen; up’t lest is de Hirsch so lange für ünne herut laupen, bis gans ut den Holte‘ do steiht do up einmol so ein grot lank Mann stad des Hirsches, de segd ’nu dat is gut, dat ik dik hewe; ik hewe schon sess paar gleserne Schlitschau hinner die kaput jaget un hewe dik nig kriegen könnt.‘ Do nümmet he ün mit sik un schlippet em dur ein grot Water bis für en grot Künigschlott‘ da mut he mit an,n Disk un eten wat. Ase set tosammen wat geeten hed, segd de Künig ‚ik hewe drei Döchter, bie der ölesten mußt du en Nacht waken, von des Obends niegen Uhr bis Morgen sesse, un ik kumme jedesmol, wenn de Klocke schlätt, sülwens un rope, un wenn du mie dann kine Antwort givst, so werst du morgen ümmebracht, wenn du awerst mie immer Antwort givst, so salst du se tor Frugge hewen.‘ Ase do die jungen Lude up de Schlopkammer kämen, do stund der en steineren Christoffel, do segd de Künigsdochter to emme ‚um niegen Uhr kummet min Teite (Vater), alle Stunne, bis et dreie schlätt, wenn he froget, so giwet gi em Antwort statt des Künigssuhns.‘ Do nickede de steinerne Christoffel mit den Koppe gans schwinne un dann jümmer lanksamer, bis he to leste wier stille stand. Den anneren Morgen, da segd de Künig to emme ‚du hest dine Sacken gut macket, awerst mine Dochter kann ik nig hergiewen, du möstest dann en Nacht bie de tweiden Dochter wacken, dann will ik mie mal drup bedenken, ob du mine ölleste Dochter tor Frugge hewen kannst; awerst ik kumme olle Stunne sülwenst, un wenn ik die rope, so antworte mie, un wenn ik die rope un du antwortest nig, so soll fleiten din Blaud für mie.‘ Un do gengen de beiden up de Schlopkammer, do stand do noch en gröteren steineren Christoffel, dato seg de Künigsdochter ‚wenn min Teite frögt, so antworte du.‘ Do nickede de grote steinerne Christoffel wier mit den Koppe gans schwinne un dann jümmer lanksamer, bis he to leste wier stille stand. Und de Künigssuhn legte sik up den Dörsüll (Türschwelle), legte de Hand unner den Kopp und schläp inne. Den anneren Morgen seh de Künig to ünne ‚du hast dine Sacken twaren gut macket, awerst mine Dochter kann ik nig hergiewen, du möstest süs bie der jungesten Künigsdochter en Nacht wacken, dann will ik mie bedenken, ob du mine tweide Dochter tor Frugge hewen kannst; awerst ik komme olle Stunne sülwenst, un wenn ik die rope, so antworte mie, un wenn ik die rope un du antwortest nig, so soll fleiten din Blaud für mie.‘ Do giengen se wier tohope (zusammen) up ehre Schlopkammer, do was do noch en viel grötern un viel längern Christoffel ase bie de twei ersten. Dato segte de Künigsdochter ‚wenn min Teite röpet, so antworte du,‘ do nickede de grote lange steinerne Christoffel wohl ene halwe Stunne mit den Koppe, bis de Kopp tolest wier stille stand. Und de Künigssuhn legte sik up de Dörsüll un schläp inne. Den annern Morgen, do segd de Künig ‚du hast twaren gut wacket, awerst ik kann die nau mine Dochter nig giewen, ik hewe so en groten Wall, wenn du mie den von hüte morgen sesse bis obends sesse afhoggest, so will ik mie drup bedenken.‘ Do dehe (tat, d. i. gab) he ünne en gleserne Exe, en glesernen Kiel un en gleserne Holthacke midde.

Wie he in dat Holt kummen is, do hoggete he einmal to, do was de Exe entwei: do nam he den Kiel un schlett einmal mit de Holthacke daruppe, do ist et so kurt un so klein ase Grutt (Sand). Do was he so bedröwet un glövte, nu möste he sterwen, un he geit sitten un grient (weint). Asset nu Middag is, do segd de Künig ‚eine von juck Mäken mott ünne wat to etten bringen.‘ ‚Nee,‘ segged de beiden öllesten, ‚wie willt ün nicks bringen, wo he dat leste bie wacket het, de kann ün auck wat bringen.‘ Do mutt de jungeste weg un bringen ünne wat to etten. Ase in den Walle kummet, do frägt se ün, wie et ünne ginge. ‚O,‘ sehe he, ‚et ginge ün gans schlechte.‘ Do sehe se, he sull herkommen un etten eest en bitken; ‚ene,‘ sehe he, ‚dat künne he nig, he möste jo doch sterwen, etten wull he nig mehr.‘ Do gav se ünne so viel gute Woore, he möchte et doch versöken: do kümmt he un ett wat. Ase he wat getten hete, do sehe se ‚ik will die eest en bitken lusen, dann werst du annerst to Sinnen.‘ Do se ün luset, do werd he so möhe un schlöppet in, und do nümmet se ehren Doock un binnet en Knupp do in, un schlätt ün dreimol up de Eere un segd ‚Arweggers, herut!‘ Do würen gliek so viele Eerdmännekens herfur kummen un hadden froget, wat de Künigsdochter befelde. Do seh se ‚in Tied von drei Stunnen mutt de grote Wall afhoggen un olle dat Holt in Höpen settet sien.‘ Do giengen de Eerdmännekens herum un boen ehre ganse Verwanschap up, da se ehnen an de Arweit helpen sullen. Do fiengen se gliek an, un ase de drei Stunne ümme würen, do is olles to Enne (zu Ende) west: un do keimen se wier to der Künigsdochter un sehent ehr. Do nümmet se wier ehren witten Doock un segd ‚Arweggers, nah Hus!‘ Do siet se olle wier wege west. Do de Künigssuhn upwacket, so werd he so frau, do segd se ‚wenn et nu sesse schloen het, so kumme nah Hus.‘ Dat het he auck bevolget, un do frägt de Künig ‚hest du den Wall aawe (ab)?‘ ‚Jo,‘ segd de Künigssuhn. Ase se do an een Diske sittet, do seh de Künig ‚ik kann di nau mine Dochter nie tor Frugge giewen, he möste eest nau wat umme se dohen.‘ Don frägt he, wat dat denn sien sulle. ‚Ik hewe so en grot Dieck,‘ seh de Künig, ‚do most du den annern Morgen hünne un most en utschloen, dat he so blank is ase en Spegel, un et müttet von ollerhand Fiske dorinne sien.‘ Den anneren Morgen, do gav ünne de Künig ene gleserne Schute (Schüppe) un segd ‚umme sess Uhr mot de Dieck ferrig sien.‘ Do geit he weg, ase he bie den Dieck kummet, do stecket he mit de Schute in de Muhe (Moor, Sumpf), do brack se af: do stecket he mit de Hacken in de Muhe, un et was wier kaput. Do werd he gans bedröwet. Den Middag brachte de jungeste Dochter ünne wat to etten, do frägt se, wo et ünne gienge. Do seh de Künigssuhn, et gienge ünne gans schlechte, he sull sienen Kopp wohl mißen mutten: ‚dat Geschirr is mie wir klein gohen.‘ ‚O,‘ seh se, ‚he sull kummen un etten eest wat, dann werst du anneren Sinnes.‘ ‚Nee,‘ segte he, ‚etten kunn he nig, he wer gar to bedröwet.‘ Do givt se ünne viel gude Woore, bis he kummet un ett watt. Do luset se ünn wier, un he schloppet in: se nümmet von niggen en Doock, schlett en Knupp do inne und kloppet mit den Knuppe dreimol up de Eere un segt ‚Arweggers, herut!‘ Do kummt gliek so viele Eerdmännekens un froget olle, wat ehr Begeren wür. In Tied von drei Stunne mosten se den Dieck gans utschloen hewen, un he möste so blank sien, dann man sik inne speigelen künne, un von ollerhand Fiske mosten dorinne sien. Do giengen de Eerdmännekens hünn un boen ehre Verwanschap up, dat se ünnen helpen sullen; un et is auck in twei Stunnen ferrig west. Do kummet se wier un seged ‚wie hät dohen, so us befolen is.‘ Do nümmet de Künigsdochter den Dook un schlett wier dreimol up de Eere un segd ‚Arweggers, to Hus!‘ Do siet se olle wier weg. Ase do de Künigssuhn upwacket, do is de Dieck ferrig. Do geit de Künigsdochter auck weg un segd, wenn et sesse wäre, dann sull he nah Hus kummen. Ase he do nah Hus kummet, do frägt de Künig ‚hes du den Dieck ferrig?‘ ‚Jo,‘ seh de Künigssuhn. Dat wür schöne. Do se do wier to Diske sittet, do seh de Künig ‚du hast den Dieck twaren ferrig, awerst ik kann die mine Dochter noch nie giewen, du most eest nau eins dohen.‘ ‚Wat is dat denn?‘ frögte de Künigssohn. He hedde so en grot Berg, do würen lauter Dorenbuske anne, de mosten alle afhoggen weren, un bowen up moste he en grot Schlott buggen, da moste so wacker sien ase,t nu en Menske denken kunne, un olle Ingedömse, de in den Schlott gehorden, de mösten der olle inne sien. Do he nu den anneren Morgen up steit, do gav ünne de Künig en glesernen Exen un en glesernen Boren mie: et mott awerst um sess Uhr ferrig sien. Do he an den eersten Dorenbuske mit de Exen anhogget, do gieng se so kurt un so klein, dat de Stücker rund um ünne herfloen, un de Boren kunn he auck nig brucken. Do war he gans bedröwet un toffte (wartete) up sine Leiweste, op de nie keime un ünn ut de Naut hülpe. Ase’t do Middag is, do kummet se un bringet wat to etten: do geit he ehr in de Möte (entgegen) un vertellt ehr olles un ett wat, un lett sik von ehr lusen un schloppet in. Do nümmet se wier den Knupp un schlett domit up de Eere un segd ‚Arweggers, herut!‘ Do kummet wier so viel Eerdmännekens un froget, wat ehr Begeren wür. Do seh se ‚in Tied von drei Stunnen müttet ju den gansen Busk afhoggen, un bowen uppe den Berge, do mot en Schlott stohen, dat mot so wacker sien, ase’t nur ener denken kann, un olle Ingedömse muttet do inne sien.‘ Do gienge se hünne un boen ehre Verwanschap up, dat se helpen sullen, un ase de Tied umme was, do was alles ferrig. Do kümmet se to der Künigsdochter un segget dat, un de Künigsdochter nümmet den Doock und schlett dreimol domit up de Eere un segd ‚Arweggers, to Hus!‘ Do siet se gliek olle wier weg west. Do nu de Künigssuhn upwacket, un olles soh, do was he so frau ase en Vugel in der Luft. Do et do sesse schloen hadde, do giengen se tohaupe nah Hus. Do segd de Künig ‚is dat Schlott auck ferrig?‘ ‚Jo,‘ seh de Künigssuhn. Ase do to Diske sittet, do segd de Künig ‚mine jungeste Dochter kann ik nie giewen, befur de twei öllesten frigget het.‘ Do wor de Künigssuhn un de Künigsdochter gans bedröwet, un de Künigssuhn wuste sik gar nig to bergen (helfen). Do kummet he mol bie Nachte to der Künigsdochter un löppet dermit furt. Ase do en bitken wegsiet, do kicket sik de Dochter mol umme un süht ehren Vader hinner sik. ‚O,‘ seh se, ‚wo sull wie dat macken? min Vader is hinner us un will us ummeholen: ik will die grade to,n Dörenbusk macken un mie tor Rose, un ik will mie ümmer midden in den Busk waaren (schützen).‘ Ase do de Vader an de Stelle kummet, do steit do en Dörenbusk un ene Rose do anne: do will he de Rose afbrecken, do kummet de Dören un stecket ün in de Finger, dat he wier nah Hus gehen mut. Do frägt sine Frugge, worumme he se nig hädde middebrocht. Do seh he, he wür der balt bie west, awerst he hedde se uppen mol ut den Gcsichte verloren, un do hädde do en Dörenbusk un ene Rose stohen. Do seh de Künigin ‚heddest du ment (nur) de Rose afbrocken, de Busk hedde sullen wohl kummen.‘ Do geit he wier weg un will de Rose herholen. Unnerdes waren awerst de beiden schon wiet öwer Feld, un de Künig löppet der hinner her. Do kicket sik de Dochter wier umme un süht ehren Vader kummen: do seh se ‚o‘ wo sull wie et nu macken? ik will die grade tor Kerke macken un mie tom Pastoer: do will ik up de Kanzel stohn un predigen.‘ Ase do de Künig an de Stelle kummet, do steiht do ene Kerke‘ un up de Kanzel is en Pastoer un priediget: do hort he de Priedig to un geit wier n ah Hus. Do frägt de Küniginne‘ worumme he se nig midde brocht hedde, da segd he ’nee, ik hewe se so lange nachlaupen, un as ik glovte, ik wer der bold bie, do steit do en Kerke un up de Kanzel en Pastoer, de priedigte.‘ ‚Du häddest sullen ment den Pastoer bringen,‘ seh de Fru‘ ‚de Kerke hädde sullen wohl kummen: dat ik die auck (wenn ich dich auch) schicke, dat kann nig mer helpen, ik mut sülwenst hünne gohen.‘ Ase se do ene Wiele wege is un de beiden von fern süht, do kicket sik de Künigsdochter umme un süht
ehre Moder kummen un segd ’nu sie wie unglücksk, nu kummet miene Moder sülwenst: ik will die grade tom Dieck machen un mie tom Fisk.‘ Do de Moder up de Stelle kummet, do is do en grot Dieck, un in de Midde sprank en Fisk herumme un kickete mit den Kopp ut den Water un was gans lustig. Do wull se geren den Fisk krigen, awerst se kunn ünn gar nig fangen. Do werd se gans böse un drinket den gansen Dieck ut, dat se den Fisk kriegen will, awerst do werd se so üwel, dat se sick spiggen mott un spigget den gansen Dieck wier ut. Do seh se ‚ik sehe do wohl, dat et olle nig mer helpen kann:, sei mogten nu wier to ehr kummen. Do gohet se dann auck wier hünne, un de Küniginne givt der Dochter drei Wallnütte und segd ‚do kannst du die mit helpen, wenn du in dine högste Naud bist.‘ Un do giengen de jungen Lüde wier tohaupe weg.

De se do wohl tein Stunne gohen hadden, do kummet se an dat Schlott, wovon de Künigssuhn was, un dobie was en Dorp. Ase se do anne keimen, do segd de Künigssuhn ‚blief hie, mine Leiweste, ik will eest up dat Schlott gohen, un dann will ik mit den Wagen un Bedeinten kummen un will die afholen.‘ Ase he do up dat Schlott kummet, do werd se olle so frau, dat se den Künigssuhn nu wier hett: do vertellt he, he hedde ene Brut, un de wür jetzt in den Dorpe, se wullen mit den Wagen hintrecken un se holen. Do spannt se auck gliek an, un viele Bedeinten setten sich up den Wagen. Ase do de Künigssuhn instiegen wull, do gav ün sine Moder en Kus, do hadde he alles vergeten, wat schehen was, un auck wat he dohen will. Do befal de Moder, se sullen wier utspannen, un do giengen se olle wier in,t Hus. Dat Mäken awerst sitt im Dorpe un luert un luert un meint, he sull se afholen, et kummet awerst keiner. Do vermaiet (vermietet) sik de Künigsdochter in de Muhle, de hoerde bie dat Schlott, do moste se olle Nohmiddage bie den Watter sitten un Stunze schüren (Gefäße reinigen). Do kummet de Küniginne mol von den Schlotte gegohen, un gohet an den Water spatzeiern, un seihet dat wackere Mäken do sitten, do segd se ‚wat is dat für en wacker Mäken! wat geföllt mie dat gut!‘ Do kicket se et olle an, awerst keen Menske hadde et kand. Do geit wohl ene lange Tied vorbie, dat dat Mäken eerlick un getrugge bie den Müller deint. Unnerdes hadde de Küniginne ene Frugge für ehren Suhn socht, de is gans feren ut der Weld west. Ase do de Brut ankümmet, do söllt se gliek tohaupe giewen weren. Et laupet so viele Lüde tosamen, de dat olle seihen willt, do segd dat Mäken to den Müller, he mögte ehr doch auck Verlöv giewen. Do seh de Müller ‚goh menten hünne.‘ Ase,t do weg will, do macket et ene van den drei Wallnütten up, do legt do so en wacker Kleid inne, dat trecket et an un gienk domie in de Kerke gigen den Altor stohen. Up enmol kummt de Brut un de Brüme (Bräutigam), un settet sik für den Altor, un ase de Pastoer se do insegnen wull, do kicket sik de Brut van der Halwe (seitwärts), un süht et do stohen, do steit se wier up, un segd, se wull sik nie giewen loten, bis se auck so en wacker Kleid hädde ase de Dame. Do giengen se wier nah Hus un läten de Dame froen, ob se dat Kleid wohl verkofte. Nee, verkaupen dau seit nig, awerst verdeinen, dat mögte wohl sien. Do fragten se ehr, wat se denn dohen sullen. Do segd se, wenn se van Nachte fur dat Dohr van den Künigssuhn schlapen döffte, dann wull se et wohl dohen. Do seget se jo, dat sul se menten dohen. Do muttet de Bedeinten den Künigssuhn en Schlopdrunk ingiewen, un do legt se sik up den Süll un günselt (winselt) de heile Nacht, se hädde den Wall für ün afhoggen loten, se hädde de Dieck für ün utschloen, se hädde dat Schlott für ün bugget, se hädde ünne ton Dörenbusk macket, dann wier tor Kerke un tolest tom Dieck, un he hädde se so geschwinne vergeten. De Künigssuhn hadde nicks davon hört, de Bedeinten awerst würen upwacket un hadden tolustert un hadden nie wust, wat et sull bedüen. Den anneren Morgen, ase se upstohen würen, do trock de Brut dat Kleid an, un fort mit den Brümen nah der Kerke. Unnerdes macket dat wackere Mäken de tweide Wallnutt up, un do is nau en schöner Kleid inne, dat tüt et wier an un geit domie in de Kerke gigen den Altor stohen, do geit et dann ewen wie dat vürge Mol. Un dat Mäken liegt wier en Nacht für den Süll, de nah des Künigssuhns Stobe geit, un de Bedeinten süllt ün wier en Schlopdrunk ingiewen; de Bedeinten kummet awerst un giewet ünne wat to wacken, domie legt he sik to Bedde: un de Müllersmaged fur den Dörsüll günselt wier so viel un segd, wat se dohen hädde. Dat hört olle de Künigss uhn un werd gans bedröwet, un et föllt ünne olle wier bie, wat vergangen was. Do will he nah ehr gohen, awerst sine Moder hadde de Dör toschlotten. Den annern Morgen awerst gieng he gliek to siner Leiwesten un vertellte ehr olles, wie et mit ünne togangen wür, un se mögte ünne doch nig beuse sin, dat he se so lange vergetten hädde. Do macket de Künigsdochter de dridde Wallnut up, do is nau en viel wackerer Kleid inne: dat trecket sie an un fört mit ehrem Brümen nah de Kerke, un do keimen so viele Kinner, de geiwen ünne Blomen un hellen ünne bunte Bänner fur de Föte, un se leiten sik insegnen un hellen ene lustige Hochtied; awerst de falske Moder und Brut mosten weg. Un we dat lest vertellt het, den is de Mund noch wärm.

Daumesdick

Gebrüder Grimm

Daumesdick

Es war ein armer Bauersmann, der saß abends beim Herd und schürte das Feuer, und die Frau saß und spann. Da sprach er: »Wie ists so traurig, daß wir keine Kinder haben! Es ist so still bei uns, und in den andern Häusern ists so laut und lustig.« »Ja,« antwortete die Frau und seufzte, »wenns nur ein einziges wäre, und wenns auch ganz klein wäre, nur Daumens groß, so wollte ich schon zufrieden sein; wir hättens doch von Herzen lieb.« Nun geschah es, daß die Frau kränklich ward und nach sieben Monaten ein Kind gebar, das zwar an allen Gliedern vollkommen, aber nicht länger als ein Daumen war. Da sprachen sie: »Es ist, wie wir es gewünscht haben, und es soll unser liebes Kind sein,« und nannten es nach seiner Gestalt Daumesdick. Sie ließens nicht an Nahrung fehlen, aber das Kind ward nicht größer, sondern blieb, wie es in der ersten Stunde gewesen war; doch schaute es verständig aus den Augen und zeigte sich bald als ein kluges und behendes Ding, dem alles glückte, was es anfing.

Der Bauer machte sich eines Tages fertig, in den Wald zu gehen und Holz zu fällen, da sprach er so vor sich hin: »Nun wollt ich, daß einer da wäre, der mir den Wagen nachbrächte.« »O Vater,« rief Daumesdick, »den Wagen will ich schon bringen, verlaßt Euch drauf, er soll zur bestimmten Zeit im Walde sein.« Da lachte der Mann und sprach: »Wie sollte das zugehen, du bist viel zu klein, um das Pferd mit dem Zügel zu leiten.« »Das tut nichts, Vater, wenn nur die Mutter anspannen will, ich setze mich dem Pferd ins Ohr und rufe ihm zu, wie es gehen soll.« »Nun,« antwortete der Vater, »einmal wollen wirs versuchen.«

Als die Stunde kam, spannte die Mutter an und setzte Daumesdick ins Ohr des Pferdes, und dann rief der Kleine, wie das Pferd gehen sollte: »Jüh und joh! hott und har!« Da ging es ganz ordentlich als wie bei einem Meister, und der Wagen fuhr den rechten Weg nach dem Walde. Es trug sich zu, als er eben um eine Ecke bog und der Kleine: »Har, har!« rief, daß zwei fremde Männer daherkamen. »Mein,« sprach der eine, »was ist das? Da fährt ein Wagen, und ein Fuhrmann ruft dem Pferde zu, und ist doch nicht zu sehen.« »Das geht nicht mit rechten Dingen zu,« sagte der andere, »wir wollen dem Karren folgen und sehen, wo er anhält.« Der Wagen aber fuhr vollends in den Wald hinein und richtig zu dem Platze, wo das Holz gehauen ward. Als Daumesdick seinen Vater erblickte, rief er ihm zu: »Siehst du, Vater, da bin ich mit dem Wagen, nun hol mich runter.« Der Vater faßte das Pferd mit der Linken und holte mit der Rechten sein Söhnlein aus dem Ohr, das sich ganz lustig auf einen Strohhalm niedersetzte. Als die beiden fremden Männer den Daumesdick erblickten, wußten sie nicht, was sie vor Verwunderung sagen sollten. Da nahm der eine den andern beiseit und sprach: »Hör, der kleine Kerl könnte unser Glück machen, wenn wir ihn in einer großen Stadt für Geld sehen ließen, wir wollen ihn kaufen.« Sie gingen zu dein Bauer und sprachen: »Verkauft uns den kleinen Mann, er solls gut bei uns haben.« »Nein,« antwortete der Vater, »es ist mein Herzblatt, und ist mir für alles Gold in der Welt nicht feil!« Daumesdick aber, als er von dem Handel gehört, war an den Rockfalten seines Vaters hinaufgekrochen, stellte sich ihm auf die Schulter und wisperte ihm ins Ohr: »Vater, gib mich nur hin, ich will schon wieder zurückkommen.« Da gab ihn der Vater für ein schönes Stück Geld den beiden Männern hin. »Wo willst du sitzen?« sprachen sie zu ihm. »Ach, setzt mich nur auf den Rand von eurem Hut, da kann ich auf und ab spazieren und die Gegend betrachten, und falle doch nicht herunter.« Sie taten ihm den Willen, und als Daumesdick Abschied von seinem Vater genommen hatte, machten sie sich mit ihm fort. So gingen sie, bis es dämmrig ward, da sprach der Kleine: »Hebt mich einmal herunter, es ist nötig.« »Bleib nur droben« sprach der Mann, auf dessen Kopf er saß, »ich will mir nichts draus machen, die Vögel lassen mir auch manchmal was drauf fallen.« »Nein,« sprach Daumesdick, »ich weiß auch, was sich schickt, hebt mich nur geschwind herab.« Der Mann nahm den Hut ab und setzte den Kleinen auf einen Acker am Weg, da sprang und kroch er ein wenig zwischen den Schollen hin und her, dann schlüpfte er pIötzlich in ein Mausloch, das er sich ausgesucht hatte. »Guten Abend, ihr Herren, geht nur ohne mich heim,« rief er ihnen zu, und lachte sie aus. Sie liefen herbei und stachen mit Stöcken in das Mausloch, aber das war vergebliche Mühe, Daumesdick kroch immer weiter zurück, und da es bald ganz dunkel ward, so mußten sie mit Ärger und mit leerem Beutel wieder heim wandern.

Als Daumesdick merkte, daß sie fort waren, kroch er aus dem unterirdischen Gang wieder hervor. »Es ist auf dem Acker in der Finsternis so gefährlich gehen,« sprach er, »wie leicht bricht einer Hals und Bein.« Zum Glück stieß er an ein leeres Schneckenhaus. »Gottlob,« sagte er, »da kann ich die Nacht sicher zubringen,« und setzte sich hinein. Nicht lang, als er eben einschlafen wollte, so hörte er zwei Männer vorübergehen, davon sprach der eine: »Wie wirs nur anfangen, um dem reichen Pfarrer sein Geld und sein Silber zu holen? »Das könnt ich dir sagen,« rief Daumesdick dazwischen. »Was war das?« sprach der eine Dieb erschrocken, »ich hörte jemand sprechen.« Sie blieben stehen und horchten, da sprach Daumesdick wieder: »Nehmt mich mit, so will ich euch helfen.« »Wo bist du denn?« »Sucht nur auf der Erde und merkt, wo die Stimme herkommt,« antwortete er. Da fanden ihn endlich die Diebe und hoben ihn in die Höhe. »Du kleiner Wicht, was willst du uns helfen!« sprachen sie. »Seht,« antwortete er, »ich krieche zwischen den Eisenstäben in die Kammer des Pfarrers und reiche euch heraus, was ihr haben wollt.« »Wohlan,« sagten sie, »wir wollen sehen, was du kannst.« Als sie bei dem Pfarrhaus kamen, kroch Daumesdick in die Kammer, schrie aber gleich aus Leibeskräften: »Wollt ihr alles haben, was hier ist?« Die Diebe erschraken und sagten: »So sprich doch leise, damit niemand aufwacht.« Aber Daumesdick tat, als hätte er sie nicht verstanden, und schrie von neuem: »Was wollt ihr? Wollt ihr alles haben, was hier ist?« Das hörte die Köchin, die in der Stube daran schlief, richtete sich im Bette auf und horchte. Die Diebe aber waren vor Schrecken ein Stück Wegs zurückgelaufen, endlich faßten sie wieder Mut und dachten: »Der kleine Kerl will uns necken.« Sie kamen zurück und flüsterten ihm zu: »Nun mach Ernst und reich uns etwas heraus.« Da schrie Daumesdick noch einmal, so laut er konnte: »Ich will euch ja alles geben, reicht nur die Hände herein.« Das hörte die horchende Magd ganz deutlich, sprang aus dem Bett und stolperte zur Tür herein. Die Diebe liefen fort und rannten, als wäre der wilde Jäger hinter ihnen; die Magd aber, als sie nichts bemerken konnte, ging ein Licht anzünden. Wie sie damit herbeikam, machte sich Daumesdick, ohne daß er gesehen wurde, hinaus in die Scheune, die Magd aber, nachdem sie alle Winkel durchgesucht und nichts gefunden hatte, legte sich endlich wieder zu Bett und glaubte, sie hätte mit offenen Augen und Ohren doch nur geträumt.

Daumesdick war in den Heuhälmchen herumgeklettert und hatte einen schönen Platz zum Schlafen gefunden, da wollte er sich ausruhen, bis es Tag wäre, und dann zu seinen Eltern wieder heimgehen. Aber er mußte andere Dinge erfahren! ja, es gibt viel Trübsal und Not auf der Welt! Die Magd stieg, als der Tag graute, schon aus dem Bett, um das Vieh zu füttern. Ihr erster Gang war in die Scheune, wo sie einen Arm voll Heu packte, und gerade dasjenige, worin der arme Daumesdick lag und schlief. Er schlief aber so fest, daß er nichts gewahr ward, und nicht eher aufwachte, als bis er in dem Maul der Kuh war, die ihn mit dem Heu aufgerafft hatte. »Ach Gott,« rief er, »wie bin ich in die Walkmühle geraten!« – merkte aber bald, wo er war. Da hieß es aufpassen, daß er nicht zwischen die Zähne kam und zermalmt ward, und hernach mußte er doch mit in den Magen hinabrutschen. »In dem Stübchen sind die Fenster vergessen,« sprach er, »und scheint keine Sonne hinein, ein Licht wird auch nicht gebracht.« Überhaupt gefiel ihm das Quartier schlecht, und was das Schlimmste war, es kam immer mehr neues Heu zur Türe hinein, und der Platz ward immer enger. Da rief er endlich in der Angst, so laut er konnte: »Bringt mir kein frisch Futter mehr, bringt mir kein frisch Futter mehr.« Die Magd melkte gerade die Kuh, und als sie sprechen hörte, ohne jemand zu sehen, und es dieselbe Stimme war, die sie auch in der Nacht gehört hatte, erschrak sie so, daß sie von ihrem Stühlchen herabglitschte und die Milch verschüttete. Sie lief in der größten Hast zu ihrem Herrn und rief: »Ach Gott, Herr Pfarrer, die Kuh hat geredet.« »Du bist verrückt,« antwortete der Pfarrer, ging aber doch selbst in den Stall und wollte nachsehen, was es da gäbe. Kaum aber hatte er den Fuß hineingesetzt, so rief Daumesdick aufs neue: »Bringt mir kein frisch Futter mehr, bringt mir kein frisch Futter mehr.« Da erschrak der Pfarrer selbst, meinte, es wäre ein böser Geist in die Kuh gefahren, und hieß sie töten. Sie ward geschlachtet, der Magen aber, worin Daumesdick steckte, auf den Mist geworfen. Daumesdick hatte große Mühe, sich hindurchzuarbeiten, und hatte große Mühe damit, doch brachte ers so weit, daß er Platz bekam, aber als er eben sein Haupt herausstrecken wollte, kam ein neues Unglück. Ein hungriger Wolf lief heran und verschlang den ganzen Magen mit einem Schluck. Daumesdick verlor den Mut nicht: »Vielleicht,« dachte er, »läßt der Wolf mit sich reden,« und rief ihm aus dem Wanste zu: »Lieber Wolf, ich weiß dir einen herrlichen Fraß.« »Wo ist der zu holen?« sprach der Wolf. »In dem und dem Haus, da mußt du durch die Gosse hineinkriechen, und wirst Kuchen, Speck und Wurst finden, so viel du essen willst,« und beschrieb ihm genau seines Vaters Haus. Der Wolf ließ sich das nicht zweimal sagen, drängte sich in der Nacht zur Gosse hinein und fraß in der Vorratskammer nach Herzenslust. Als er sich gesättigt hatte, wollte er wieder fort, aber er war so dick geworden, daß er denselben Weg nicht wieder hinaus konnte. Darauf hatte Daumesdick gerechnet und fing nun an, in dem Leib des Wolfes einen gewaltigen Lärmen zu machen, tobte und schrie, was er konnte. »Willst du stille sein,« sprach der Wolf, »du weckst die Leute auf.« »Ei was,« antwortete der Kleine, »du hast dich satt gefressen, ich will mich auch lustig machen,« und fing von neuem an, aus allen Kräften zu schreien. Davon erwachte endlich sein Vater und seine Mutter, liefen an die Kammer und schauten durch die Spalte hinein. Wie sie sahen, daß ein Wolf darin hauste, liefen sie davon, und der Mann holte eine Axt, und die Frau die Sense. »Bleib dahinten,« sprach der Mann, als sie in die Kammer traten, »wenn ich ihm einen Schlag gegeben habe, und er davon noch nicht tot ist, so mußt du auf ihn einhauen, und ihm den Leib zerschneiden.« Da hörte Daumesdick die Stimme seines Vaters und rief: »Lieber Vater, ich bin hier, ich stecke im Leibe des Wolfs.« Sprach der Vater voll Freuden: »Gottlob, unser liebes Kind hat sich wiedergefunden,« und hieß die Frau die Sense wegtun, damit Daumesdick nicht beschädigt würde. Danach holte er aus, und schlug dem Wolf einen Schlag auf den Kopf, daß er tot niederstürzte, dann suchten sie Messer und Schere, schnitten ihm den Leib auf und zogen den Kleinen wieder hervor. »Ach,« sprach der Vater, »was haben wir für Sorge um dich ausgestanden!« »Ja, Vater, ich bin viel in der Welt herumgekommen; gottlob, daß ich wieder frische Luft schöpfe!« »Wo bist du denn all gewesen?« »Ach, Vater, ich war in einem Mauseloch, in einer Kuh Bauch und in eines Wolfes Wanst: nun bleib ich bei euch.« »Und wir verkaufen dich um alle Reichtümer der Welt nicht wieder,« sprachen die Eltern, herzten und küßten ihren lieben Daumesdick. Sie gaben ihm zu essen und trinken, und ließen ihm neue Kleider machen, denn die seinigen waren ihm auf der Reise verdorben.

Daumerlings Wanderschaft

Gebrüder Grimm

Daumerlings Wanderschaft

Ein Schneider hatte einen Sohn, der war klein geraten und nicht größer als ein Daumen, darum hieß er auch der Daumerling. Er hatte aber Courage im Leibe und sagte zu seinem Vater ‚Vater, ich soll und muß in die Welt hinaus.‘ ‚Recht, mein Sohn,‘ sprach der Alte, nahm eine lange Stopfnadel und machte am Licht einen Knoten von Siegellack daran, ‚da hast du auch einen Degen mit auf den Weg.‘ Nun wollte das Schneiderlein noch einmal mitessen und hüpfte in die Küche, um zu sehen, was die Frau Mutter zu guter Letzt gekocht hätte. Es war aber eben angerichtet, und die Schüssel stand auf dem Herd. Da sprach es ‚Frau Mutter, was gibts heute zu essen?‘ ‚Sieh du selbst zu“ sagte die Mutter. Da sprang Daumerling auf den Herd und guckte in die Schüssel: weil er aber den Hals zu weit hineinstreckte, faßte ihn der Dampf von der Speise und trieb ihn zum Schornstein hinaus. Eine Weile ritt er auf dem Dampf in der Luft herum, bis er endlich wieder auf die Erde herabsank. Nun war das Schneiderlein draußen in der weiten Welt, zog umher, ging auch bei einem Meister in die Arbeit, aber das Essen war ihm nicht gut genug. ‚Frau Meisterin, wenn sie uns kein besser Essen gibt,‘ sagte Daumerling, ’so gehe ich fort und schreibe morgen früh mit Kreide an ihre Haustüre: Kartoffel zu viel, Fleisch zu wenig, adies, Herr Kartoffelkönig.‘ ‚Was willst du wohl, Grashüpfer?‘ sagte die Meisterin, ward bös, ergriff einen Lappen und wollte nach ihm schlagen: mein Schneiderlein kroch behende unter den Fingerhut, guckte unten hervor und streckte der Frau Meisterin die Zunge heraus. Sie hob den Fingerhut auf und wollte ihn packen, aber der kleine Daumerling hüpfte in die Lappen, und wie die Meisterin die Lappen auseinanderwarf und ihn suchte, machte er sich in den Tischritz. ‚He, he, Frau Meisterin,‘ rief er und steckte den Kopf in die Höhe, und wenn sie zuschlagen wollte, sprang er in die Schublade hinunter. Endlich aber erwischte sie ihn doch und jagte ihn zu m Haus hinaus.

Das Schneiderlein wanderte und kam in einen großen Wald, da begegnete ihm ein Haufen Räuber, die hatten vor, des Königs Schatz zu bestehlen. Als sie das Schneiderlein sahen, dachten sie ’so ein kleiner Kerl kann durch ein Schlüsselloch kriechen und uns als Dietrich dienen.‘ ‚Heda,‘ rief einer, ‚du Riese Goliath, willst du mit zur Schatzkammer gehen? du kannst dich hineinschleichen und das Geld herauswerfen.‘ Der Daumerling besann sich, endlich sagte er ‚ja, und ging mit zu der Schatzkammer. Da besah er die Türe oben und unten, ob kein Ritz darin wäre. Nicht lange, so entdeckte er einen, der breit genug war, um ihn einzulassen. Er wollte auch gleich hindurch, aber eine von den beiden Schildwachen, die vor der Tür standen, bemerkte ihn und sprach zu der andern ‚was kriecht da für eine häßliche Spinne? ich will sie tottreten.‘ ‚Laß das arme Tier gehen,‘ sagte die andere, ‚es hat dir ja nichts getan.‘ Nun kam der Daumerling durch den Ritz glücklich in die Schatzkammer, öffnete das Fenster, unter welchem die Räuber standen, und warf ihnen einen Taler nach dem andern hinaus. Als das Schneiderlein in der besten Arbeit war, hörte es den König kommen, der seine Schatzkammer besehen wollte, und verkroch sich eilig. Der König merkte, daß viele harte Taler fehlten, konnte aber nicht begreifen, wer sie sollte gestohlen haben, da Schlösser und Riegel in gutem Zustand waren, und alles wohl verwahrt schien. Da ging er wieder fort und sprach zu den zwei Wachen ‚habt acht, es ist einer hinter dem Geld.‘ Als der Daumerling nun seine Arbeit von neuem anfing, hörten sie das Geld drinnen sich regen und klingen klipp, klapp, klipp, klapp. Sie sprangen geschwind hinein und wollten den Dieb greifen. Aber das Schneiderlein, das sie kommen hörte, war noch geschwinder, sprang in eine Ecke und deckte einen Taler über sich, so daß nichts von ihm zu sehen war, dabei neckte es noch die Wachen und rief ‚hier bin ich.‘ Die Wach en liefen dahin, wie sie aber ankamen, war es schon in eine andere Ecke unter einen Taler gehüpft und rief ‚he, hier bin ich.‘ Die Wachen sprangen eilends herbei, Daumerling war aber längst in einer dritten Ecke und rief ‚he, hier bin ich.‘ Und so hatte es sie zu Narren und trieb sie so lange in der Schatzkammer herum, bis sie müde waren und davongingen. Nun warf es die Taler nach und nach alle hinaus: den letzten schnellte es mit aller Macht‘ hüpfte dann selber noch behendiglich darauf und flog mit ihm durchs Fenster hinab. Die Räuber machten ihm große Lobsprüche, ‚du bist ein gewaltiger Held,‘ sagten sie, ‚willst du unser Hauptmann werden?‘ Daumerling bedankte sich aber und sagte, er wollte erst die Welt sehen. Sie teilten nun die Beute, das Schneiderlein aber verlangte nur einen Kreuzer, weil es nicht mehr tragen konnte.

Darauf schnallte es seinen Degen wieder um den Leib, sagte den Räubern guten Tag und nahm den Weg zwischen die Beine. Es ging bei einigen Meistern in Arbeit, aber sie wollte ihm nicht schmecken, endlich verdingte es sich als Hausknecht in einem Gasthof. Die Mägde aber konnten es nicht leiden, denn ohne daß sie ihn sehen konnten, sah er alles, was sie heimlich taten, und gab bei der Herrschaft an, was sie sich von den Tellern genommen und aus dem Keller für sich weggeholt hatten. Da sprachen sie ‚wart, wir wollen dirs eintränken,‘ und verabredeten untereinander, ihm einen Schabernack anzutun. Als die eine Magd bald hernach im Garten mähte, und den Daumerling da herumspringen und an den Kräutern auf- und abkriechen sah, mähte sie ihn mit dem Gras schnell zusammen, band alles in ein großes Tuch und warf es heimlich den Kühen vor. Nun war eine große schwarze darunter, die schluckte ihn mit hinab, ohne ihm weh zu tun. Unten gefiels ihm aber schlecht, denn es war da ganz finster und brannte auch kein Licht. Als die Kuh gemelkt wurde, da rief er ’strip, strap, stroll, ist der Eimer bald voll?‘

Doch bei dem Geräusch des Melkens wurde er nicht verstanden. Hernach trat der Hausherr in den Stall und sprach ‚morgen soll die Kuh da geschlachtet werden.‘ Da war dem Daumerling angst, daß er mit heller Stimme rief ‚laßt mich erst heraus, ich sitze ja drin.‘ Der Herr hörte das wohl, wußte aber nicht, wo die Stimme herkam. ‚Wo bist du?‘ fragte er. ‚In der schwarzen,‘ antwortete er, aber der Herr verstand nicht, was das heißen sollte, und ging fort.

Am andern Morgen ward die Kuh geschlachtet. Glücklicherweise traf bei dem Zerhacken und Zerlegen den Daumerling kein Hieb, aber er geriet unter das Wurstfleisch. Wie nun der Metzger herbeitrat und seine Arbeit anfing, schrie er aus Leibeskräften ‚hackt nicht zu tief, hackt nicht zu tief, ich stecke ja drunter.‘ Von dem Lärmen der Hackmesser hörte das kein Mensch. Nun hatte der arme Daumerling seine Not‘ aber die Not macht Beine, und da sprang er so behend zwischen den Hackmessern durch, daß ihn keins anrührte und er mit heiler Haut davonkam. Aber entspringen konnte er auch nicht: es war keine andere Auskunft, er mußte sich mit den Speckbrocken in eine Blutwurst hinunterstopfen lassen. Da war das Quartier etwas enge, und dazu ward er noch in den Schornstein zum Räuchern aufgehängt, wo ihm Zeit und Weile gewaltig lang wurde. Endlich im Winter wurde er heruntergeholt. weil die Wurst einem Gast sollte vorgesetzt werden. Als nun die Frau Wirtin die Wurst in Scheiben schnitt, nahm er sich in acht, daß er den Kopf nicht zu weit vorstreckte, damit ihm nicht etwa der Hals mit abgeschnitten würde: endlich ersah er seinen Vorteil, machte sich Luft und sprang heraus.

In dem Hause aber, wo es ihm so übel ergangen war, wollte das Schneiderlein nicht Iänger mehr bleiben, sondern begab sich gleich wieder auf die Wanderung. Doch seine Freiheit dauerte nicht lange. Auf dem offenen Feld kam es einem Fuchs in den Weg, der schnappte es in Gedanken auf. ‚Ei, Herr Fuchs,‘ riefs Schneiderlein, ‚ich bins ja, der in Eurem Hals steckt, laßt mich wieder frei.‘ ‚Du hast recht,‘ antwortete der Fuchs‘ ‚an dir habe ich doch so viel als nichts; versprichst du mir die Hühner in deines Vaters Hof, so will ich dich loslassen.‘ ‚Von Herzen gern,‘ antwortete der Daumerling, ‚die Hühner sollst du alle haben, das gelobe ich dir.‘ Da ließ ihn der Fuchs wieder los und trug ihn selber heim. Als der Vater sein liebes Söhnlein wiedersah, gab er dem Fuchs gern alle die Hühner, die er hatte. ‚Dafür bring ich dir auch ein schön Stück Geld mit,‘ sprach der Daumerling und reichte ihm den Kreuzer, den er auf seiner Wanderschaft erworben hatte.

‚Warum hat aber der Fuchs die armen Piephühner zu fressen kriegt?‘ ‚Ei, du Narr, deinem Vater wird ja wohl sein Kind lieber sein als die Hühner auf dem Hof.‘